
HerStory - Geschichte(n) von Frauen und Queers· Folge 124
Wiborada und Frauengeschichte: Live in St. Gallen
Mittwoch, 24. Juni 2026 · 1 h 15
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Shownotes
Live-Mitschnitt des Panels im Mai 2026 im Rahmen des Wiborada-Jubiläums. Moderiert von Judith Grosse vom Archiv für Frauen- und Sozialgeschichte Ostschweiz sprechen Historikerin Caroline Arni von der Universität Basel und ich darüber, wie wirFrauenbiografien populär erzählen und ihnen dennoch aus historischer Perspektive gerecht werden können. Wie erzählt man Geschichten differenziert, ohne die Protagonistinnen zu idealisieren oder zu Anti-Heldinnen zu machen?
Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin
Hallo und willkommen bei Herstory. Mein Name ist Jasmin, ich gehe mit euch regelmäßig auf die Suche nach Frauen und Queers in der Geschichte, die viel bekannter sein sollten! Wenn ihr euch jetzt wundert, es ist ja noch gar nicht Monatsanfang. Weshalb ist eine neue Folge da? Vielleicht erinnert ihr euch das ich euch in der jüngsten Folge über Vivo Rada versprochen habe dass ich auch den Livetalk online stelle denen wir in St.
Gallen hatten indem es um Frauengeschichte ging darüber wie wir sie erzählen und überhaupt ausgraben Wie wir zum Beispiel mit widersprüchlichen Figuren umgehen wie wir Konflikte aushandeln all diese Dinge. Organisiert wurde das Panel vom Verein Viborader Jubiläum, angekündigt hat uns Corinne Wiedema, das hört ihr gleich, moderiert wurde das panel von Judith Große.
sie ist Leiterin des Archivs Frauen und Sozialgeschichte Ostschweiz und sie hat sich auf der Bühne mit der Historikerin Caroline Ani und mit mir unterhalten. Eine detailliertere Vorstellung hört ihr gleich noch und damit zeige ich Band ab. Und viel Spaß mit der Aufnahme! Ja willkommen, schön dass Ihr trotz Regenguss alle den Weg hier hin gefunden habt.
Die Geschichte dieses Abends beginnt eigentlich vor etwa eineinhalb Jahren oder vielleicht noch länger? Ich würde nicht sagen tausend einhundert Jahre, aber fast Im Februar letztes Jahr haben wir den Verein Viborada jubiläum zwanzig, sechsundzwanzig gegründet und in diesem Verein sitzen ganz viele Leute mit unterschiedlichen Hintergründen von Kirche über Kultur zu Historikerinnen bis Feministinnen oder alles zusammen auch.
Und uns war es sehr wichtig diese Figur Vibrata die mehr-oder weniger unbekannt ist ins öffentliche Bewusstsein zurück und das nicht nur aus der Kirchensicht, wo sie vor allem bekannt ist sondern mit diversen Aspekten. Dann haben wir uns überlegt wie können wir das schaffen? Und eine ganz wichtige Seite dieser Vibrada ist ja wirklich diese Selbstbestimmtheit als Frau, aber auch die wenigen belegten Quellen.
Das heißt umsoals wichtig eine historisch kritische Einordnung und vielleicht auch eine feministische Einordnung dieser Figur zu machen. Dann haben wir uns überlegt wie schaffen wir das? Und natürlich gibt es da vor allem einen Weg und das ist das Archiv für Frauen und Sozialgeschichte Ostschweiz in St.
Gallen, also sind wir auf Judith Krosser und ihre Kolleginnen zugegangen und haben gefragt ob sie im Rahmen unseres Jubiläumsprogramms mit uns eine erfreuliche Universität machen würden? Was geklappt hat, wie wir sehen. Wir haben heute den ersten Abend. Judith wird in moderieren. Sie ist Historikerin und leitet das Archiv für Frauen- und Sozialgeschichte Ostschweiz Und sie hat zwei wahnsinnig tolle Gästinnen an ihrer Seite.
Ich glaube du hast gerade noch ein bisschen mehr erzählen und ich bin wahnsinnigt gespannt was wir heute über Viborada und populäre Frauengeschichte lernen. Vielen Dank Judith! Ich gebe dir das Wort Vielen Dank Danke vor allem auch an Sie, euch alle das ihr gekommen seid. Das haben wir jetzt schlecht getimt mit dem Gewitter aber dann ist es ein bisschen gemütlicher.
Ja, danke Corinne für die Einführung. Ich habe mich wirklich... genau wir haben das schon sehr lange überlegt und auch früh überlegt. wie können wir das machen? Und ich habe mich sehr auf den heutigen Abend gefreut eben weil ich zwei ganz großartige Gästinnen habe Karolin Anni und Jasmin Leuchtnern die ich gleich noch vorstellen möchte.
Wirklich die Möglichkeit gibt heute mal so ganz viel los zu werden an Gedanken über Frauenbiografien, Vermittlungsformate. Was ich jetzt seit meiner Zeit im Archiv für Frauen und Sozialgeschichte Ostschweiz so viel mit mir rum trage weil wir natürlich dieses Material bei uns haben und auch immer die Frage ist was machen wir damit?
Und wie ist überhaupt zur Wahrnehmung von dieser Art von Geschichten? Das Jubiläum der Viborada war darum jetzt für mich ein sehr willkommen Anlass. Ich muss vielleicht dazu sagen, wir widmen uns der Vibrator heute mehr so aus einer Metaperspektive. Wir sind alle keine Expertin für die Zeit aber wir haben uns alle ein bisschen damit beschäftigt.
Es geht aber Heute weniger um die Figur selbst. Das wird nächste Woche dann im Vortrag von der Medievistin Tanja Scherra. noch mal ganz ausführlich sie dieses Leben auch in die Frauengeschichte des Mittelalters einordnen. heute geht es mehr um die Frage warum wir uns eigentlich für solche Frauenfiguren interessieren, warum wir sie wieder entdecken und eben auch sehr stark um die Art und Weise wie wir solche Leben uns imaginieren vielleicht auch Dinge reinprojektieren und wie wir sie eben erzählen können.
Und natürlich freue ich mich aufgrund meiner Arbeit über jedes Format, über jedes Buch und jeden Podcast die uns die Frauengeschichten näher bringen. Und diese historischen Akteurin sichtbar macht. Ich habe das Gefühl dass seit einigen Jahren halt sehr viel auch in dieser Richtung passiert. in einem gewissen Boom gab, auch auf dem Buchmarkt Social Media Formate.
Die das aufnehmen und sehr oft passiert es ja mit diesen catchy Framing als Heldin, Pionierin oder eben auch so Rebellin. ich habe immer dieses... Wie heißt das Buch? Good Night Stories for Rebel Girls. Das war immer für mich ein bisschen so. was machen wir jetzt damit? Eben einerseits empfinde ich das total schön dass es diese Formate gibt und das es auch wieder so viel davon gibt, weil ich habe das Gefühl nach diesem ersten Boom der neuen Frauenbewegung wurde es ja sehr viel gehabt ist es wieder ein bisschen abgeflaut.
Genau gleichzeitig eben gibt es manchmal Formate wo ich dann denke irgendwie ist es schade, dass sie nicht so viele rausholen in dem Sinne, dass die Lebensgeschichten einfach sehr so eindimensional geraten und dass wir wenig über die Zeit und über die Lebensumstände lernen Also wenig, was so über die einzelnen Figuren hinausgeht.
Aber selbstverständlich gibt es auch die ganz gelungenen Beispiele, die schaffen uns auch etwas über die Strukturen zu erzählen und die Veränderung von geschlechter Verhältnissen. Und deswegen bin ich so glücklich dass sich heute Abend hier sitze mit meiner absoluten Traumbesetzung und möchte ganz herzlich euch nochmal willkommen heißen und euch gerne kurz vorstellen!
Caroline Ani ist Professorin für allgemeine Geschichte des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts an der Uni Basel. Zu den Schwerpunkten ihrer Forschung gehört die Geschichte der feministischen Kritik, die heute auch Thema sein wird – die Geschichte sozialer Beziehungen und die Wissenschaftsgeschichte.
nicht als Zusatz zur allgemeinen Geschichte, sondern als Beobachtungsposten von dem aus sich mehr sehen lässt. Von dem aus nämlich die Gesellschaft als Ganze sich besser verstehen lässt. und das tut sie in einem Buch, dass heute auch sehr stark für uns ein Thema sein wird, nämlich Das buch lauter Frauen, zwölf historische Porträte ist schon zwanzig-einundzwanzig erschienen.
Ja, ich habe beide Bücher im Archiv vergessen. Es ist sehr peinlich! Ich hätte sie jetzt wenigstens gerne noch mal hier hochgehalten und kann Sie aber wärmstens empfehlen? In diesem Buch lauter Frauen porträtiert Caroline Frauen aus verschiedenen Zeiten. alle haben Bezug zur Schweiz zum Beispiel die Sklavien Pauline Bruisson Die Aptissin Katharina von Zimmern oder die Künstlerin Meret Oppenheim.
Erwähnen möchte ich noch dann ganz neu erschienenes Buch Wir nicht wir über den frühsozialistischen Feminismus in Frankreich. Hier erzählt Caroline Arne die Geschichte der Sans-Simonistin und zeigt dort die Radikalität eines feministischen Denkens, das uns vielleicht fremd ist aber sehr interessant dass sie nämlich mütterliche Abstandungen zum Ausgangspunkt einer Theorie der Gleichheit gemacht haben.
also das ist gerade wirklich ganz frisch raus. Also vielen Dank Caroline dass du hier bist Und hier neben mir. herzlich begrüßen möchte ich Yasmin Lörchner. Sie ist freie Journalistin, Podcasterin und Autorin mit Schwerpunkt Geschichte. Sie studierte Sprach- und Kommunikationswissenschaften, Geschichte und VWL.
Nach einem Voluntariat bei der Financial Times Deutschland hat sie sich dann spezialisiert als Freie Journalisten auf historische Themen unter anderem auch als feste Autorinnen für Spiegelgeschichte. Besonders bekannt ist sie ... durch ihren sehr erfolgreichen Podcast Hear Stories, den sie seit ... ... Jahrzehnt zwanzig produziert.
Indem Sie Frauen und queere Personen aus der Geschichte vorstellt. Und dabei fördert sie immer wieder wirklich ganz erstaunliche Figuren ans Licht... ...und erreicht damit auch ein breites Publikum! ... werde heute auch mich öfter noch beziehen auf dein Buch, weil der Titel... Der hier ist das Buch. Das Buch des Buches von ... ... es ist nämlich nicht nur Heldinnen was ja genau anknüpft auch an unseren heutigen Abend,... ...das ist eine breite Sammlung von Porträts also wirklich sehr breit geografisch und über die Zeit.
Und es ist ein Buch wo ich finde dass es eben versucht wirklich den der Komplexität vom Biographien gerecht zu werden und eben nicht einfach nur diese Heldinnen Erzählung zu erzählen. Noch erwähnen möchte ich dein neues Buch, das ist ein Buch für Kinder ab zehn Jahren und heißt Königin. Fünfzig fesselnde Geschichten von mächtigen Herrscherinnen.
Jasmin vielen Dank dass du da bist. genau bevor wir so in diese größeren Fragen kommen die ich von angerissen habe würde ich gerne nochmal richtig so ein bisschen eintauchen in die Art und Weise wie ihr mit dem Genre Frauenbiografien umgeht, wie er arbeitet. Um es auch uns besser vorstellen zu können.
Jasmin Wie fing deine Geschichte mit dem Podcast Hurst Stories an? Das hat mich interessiert zu deiner Motivation und auch so ob du auch das Gefühl hattest ich möchte irgendetwas spezifisch anders machen als andere Formate. Ja also erst nochmal Danke dass sich hier sein kann. danke für die nette Einleitung und vor allem Die Vorstellung von mir und auch von Caroline Arnie.
Ja, wie bin ich dazu gekommen? Bei mir war es tatsächlich eine Folge von Corona kann man sagen. also als Journalistin sind wir in meiner Recherche immer wieder Figuren begegnet die ich spannend fand, die ich faszinierend fand. Und als Freie Journalistin hat man so eine Sammlung von Themen, die interessant sind, die man irgendwann mal anbieten kann.
Die wurde bei mir immer größer und da waren immer mehr Frauen nahmen und dann dachte ich, das kriege ich nie alles unter. Dann kam Corona und ich hatte schon länger überlegt ein anderes Medium. Ich bin eigentlich Print- und Onlinejournalistin. Ich hatte schon längere überlegten zusätzliches Medium zu bedienen oder auch mir zu erschließen und fand Audio sehr spannend.
Und dann habe ich mich entschlossen, ich probiere das jetzt einfach. Ich mache jetzt ein Podcast und dann lag es sehr nah mit den ganzen Frauennamen die da rum lagen. Dann zu sagen, ich beschäftige mich jetzt mit denen. und zu der Frage ob ich was anders machen wollte? Ich habe dem Podcast auf Säulen, den ich das immer gestellt und dazu gehört.
Ich wollte global geschichtlich agieren und ich wollte wirklich von der Frühgeschichte bis heute oder also bis fast ins Heute bis in die jüngere Vergangenheit erzählen Und ich wollte eben ganz genau nicht nur Heldinnen-Geschichten erzählen, weil mich das tatsächlich... Ich fand es zu eindimensional. Also ich finde da werden oft komplexe Figuren dann in eine Form gepresst und komplexere Dinge werden dann ausgeblendet und es werden und so Frauenbiografien.
aber für queere Biografien gilt es auch die werden dann passend gemacht. Das wird den Figuren nicht wirklich gerecht und ich finde, es wird auch der Geschichte nicht gerecht. Weil dann wiederholen wir wenn wir sagen Wir wollen Frauengeschichte und queere Geschichte eben auch also die gehört auch mit zu unserer Geschichts Erzählung dazu Dann können wir uns nicht Scheuklappen aufsetzen und diejenigen ignorieren, die nicht als Vorbild haugen oder bei denen die komplexere Geschichten haben einfach die Schattenseiten ignorieren.
Weil dann schreiben wir auch eine unvollständige Geschichte. Und deswegen war es mir wichtig von Anfang an da eben auch ja die die Schattenseiten im Prinzip mit zu beleuchten und den Raum zu geben weil sie auch Fragen an uns stellen und das finde ich spannend. Kommige, nachher nochmal ganz ausführlich drauf.
Caroline bei dir ist es ja so dass dieses Buch lauter Frauen eher die Ausnahme ist das für ein breiteres Publikum geschrieben und da konntest du auch ganz anders schreiben als jetzt für ein akademisches Buch. war das für dich reizvoll? Und was war vielleicht auch schwierig an dieser Art zu schreiben?
Schwierig war nichts. Nein, ist natürlich blöd. Aber nein es war eigentlich die pure Freude diese Portres zu schreiben. Ich habe sie auch deswegen geschrieben weil es mich gereizt hat andere Formen auszuprobieren und eben nicht akademisch zu schreiben sondern Also schon natürlich aus meinem ganzen Historikerinnen-Wissen zu schöpfen sozusagen, aber dann eher ins Literarische zu gehen.
Eher einfach auch mit Formen des Erzählens zu spielen. Ich habe das ja nicht... Es war ja nicht meine Idee also ich musste ja dazu überredet werden. Das lag mir auch nicht fremd. Ich komme aus der Generation Historikerin die so in den neunziger Jahren studiert haben und Da war ja gerade wieder so nach einer Zeit sehr strukturorientierte Geschichte, dass es auch eine Hinwendung zu individuellen Menschen in der Geschichte war.
Aber natürlich immer mit dem Anspruch anhand des Singulären und des einzelnen Spezifischen über einige Gesellschaft etwas auszusagen. Das war die Zeit der Mikrogeschichte. Deswegen waren wir das jetzt nicht komplett fremd aber ... Das war dann so, dass der damalige Redaktor des Magazins NSZ Geschichte an mich mehrfach gelangt ist.
Weil er unbedingt wollte, dass ich eine Serieschreibe für das Magazin mit dem Titel Die Wichtigsten Frauen der Schweizer Geschichte und also mir war so ein bisschen alles daran irgendwie etwas fremd. Also dieses Gefäß und die wichtigsten. Und so diese Frauenbiografien, weil das ja tatsächlich auch... Das ist eigentlich ein uraltes Genre, also es gibt's ja schon ewig und das ist ja manchmal auch so ein bisschen betulich.
habe ich das wahrgenommen früher als so frische Historik in Item? Ich hab mich dann überreden lassen, und zwar weil ich damals so einen Managementamt an der Uni übernehmen musste eine Leitungsfunktion und dachte, ich muss aber immer irgendwie schreiten können. Sonst bin ich nicht bei mir! Und dann dachte ich, wenn ich da so diese kleinen Portres oder diese kurzen fünfseitigen Texte mich durch das Jahr begleite, dass ist gerade das was ich schaue... also was passt?
Und was mich dann irgendwie noch mein Glück bewahrt wenn ich da diese Aufgabe auf dem Schreibtisch habe. Und so hab' ich das dann gemacht und hab' dieses Ex-Portress geschrieben, und es war einfach ... hat einfach wahnsinnig Spaß gemacht! Dann dachte ich jetzt durch noch sechs dazu und mache ein Buch daraus.
Sehr schön! Ja sind wir froh drum... Genau, nochmal zu eurer Arbeitsweise. Du hast schon gesagt Jasmin dass dir das auch ein Anliegen ist eben dass du sehr breit wirklich aus ganz unterschiedlichen Kontexten leben hervorholst und ich finde auch dass du dir immer sehr viel Raum nimmst um diese Kontexte zu erklären.
Ich habe mich gefragt ist es dir auch ein spezifisches anlegen oder verlierst du dich dann mit der Recherche? Also Rabbit-Holes gibt's immer, die springe ich auch mit Vorliebe. Aber ohne geht es ja nicht! Und ich glaube, das ist wahrscheinlich auch so das Grundmuster über das wir heute sprechen. Ich finde wenn ich mir nur eine Biografie herausgreife und nur Lebensdaten erzähle dann erfahre ich noch nicht viel über die Zeit in der diese Person gelebt hat und ich verstehe sie auch nicht im historischen Kontext.
also wir müssen eben...ich find es wichtig dass ich mit dazu erzähle ob ne Frau, wenn sie Lehrerin geworden ist in einer bestimmten Zeit, dass das einer der wenigen Berufe war den sie ergreifen konnte vielleicht auch welche Rechte sie innerhalb einer Ehe hatte, meistens wenn wir über die Vergangenheit sprechen nicht besonders viele.
Also ich finde nur dann kann man auch entscheiden gerade auch wenn wir darüber Frauen sprechen, die dann eben auch Reibungsflächen haben wo wir heute sagen mein Gott wie konnte man denn so eine Entscheidung treffen? Nur wenn wir den historischen Kontext kennen in denen man Entscheidungen treffen musste wo er schwere Entscheidungen treffen musste, dann bekommt man glaube ich auch ein bisschen mehr Sensibilität dafür statt einfach direkt einen Urteil zu treffen.
Also ich kann schlecht die Einordnungen vornehmen wenn ich die Struktur und den historischen Kontext nicht kenne. deswegen ist mir das immer wichtig den mitzuliefern. Und Caroline? Ich fand es bei dir spannend dass du sehr eng an den Quellen bist aber eben auf eine andere Art, so eine erzählerische Art.
Du belegst ja dann nicht im Einzelnen, sondern irgendwie. man kann dann so mitvollziehen. Aha! Was hat sie denn jetzt dafür ein Dokument? Wie bist du da zu dieser Erzählweise gekommen? ganz automatisch weil du immer so vorgehst? Also ich habe mir tatsächlich das nicht irgendwie so konzeptuell zuerst überlegt.
Ich hab schon eigentlich immer so gearbeitet dass sich nah an den Quellen Ich habe schon bei meiner Dies von Anfang an die Zitate kursiv gesetzt um mich in Anführungszeichen, um die irgendwie besser mit meinen Sätzen vernähen oder einflechten und einfließen lassen zu können. Und ich habe mir das damals nicht überlegt und so kurz vor der Abgabe gedacht.
Geht das überhaupt? Also ist es überhaupt, da darf man das. Und das war dann aber auch kein Problem und seitdem habe ich das einfach gerne so gemacht, dann immer es ging und dort jetzt bei diesen Porträts dann noch ganz besonders weil eben auch der Akzent natürlich auf dem Erzählen lag und weil das erzählen ja auch irgendwie die Art und Weise wie ich die Geschichten dieser Frauen erzählt habe ja auch eine... Wie soll ich sagen ... Das war ja auch ein Resultat davon, wie ich mich zu den Quellen in Beziehung gesetzt habe.
Also das ist für mich extrem wichtig, dass ich irgendwie zu den quellen eine Beziehungen haben kann und es können auch sehr verschiedenartige Quellen sein. oder du hast Pauline Büsso genannt diese Frau die als versklavte Frau in die Schweiz kam und von der ist eigentlich also ganz wenig Spuren gibt und schon gar keine irgendwelchen subjektiven Äußerungen oder so.
Und das fand ich dann extrem reizvoll, dass es so ganz viel Kontext gibt oder rundherum, mit dem man quasi wie so... Ich weiß nicht, wie so eine Kontur zeichnen kann in der sie dann ist und umgekehrt. aber andere Fälle wo ich so... Also Schülie Bondeli oder diese Bärner Salonnier wo man aus dem Vollen schöpfen kann, weil die ganz viele Briefe geschrieben hat sind wir im achtzehnten Jahrhundert oder der Aufklärung.
Ganz viele Briefen geschrieben und ganze Innig. Und da ist man ... Kann man richtig so reintauchen in ihre subjektive Sicht? Das interessiert mich das eine wie das andere und was ich dann damit machen kann. Ich muss aber irgendwie angestiftet zeigen von der Art und Weise eben den Quellen oder der Art Und ich mag es auch ganz gerne, wenn mich was irritiert oder berührt und stört.
Es war irgendwie ... Ich habe sie auch ein bisschen so ausgewählt. Natürlich musste ja eben die wichtigsten sein. Aber das war ja super! Weil die Wichtigsten waren dann, die ich ausgewählt habe. Das hab' ich dann auch gedacht plötzlich, dass sie eigentlich total komfortabel sind. Also ich sage jetzt, wer die Wichtigsten sind?
Weil diesen Kanon gibt's nicht. Und so, aber dann ... und ich wollte auch so sicher bis ins Mittelalter zurück. Ich hab da mit Katharina von Zimmern angefangen. Also Mittelalter ja. Früher Neuzeit schon fast eigentlich. Sonst habe ich die wirklich nach Lußenblaune ausgewählt eben gerade wie mich das Material angestiftet hat?
Ja, das war nämlich auch noch eine Frage also an euch beide Wie, wie ihr dazu kommt? Also du hast das jetzt schon ein bisschen gesagt. Obwohl ich hatte so das Gefühl irgendwie die stehen ja doch auch für was. oder vielleicht ist es... Ja natürlich! Ja klar, da bin ich dann natürlich die Historikerin oder diese individuellen Leben natürlich aus ihrer... ihrem Kontext erschließt oder was wir halt Kontext nennen und sich auch daran dafür natürlich interessiert, was an diesem individuellen eben nicht nur individuell ist.
Und das ist aber da kann man irgendein Leben nehmen. Also jedes einzelne hier, jede einzelne Person hier wenn du reingehst dann kannst du im Hande einer individueller Biografie Einfach die Zeit beschließen. Ja, das ist auch das Spannende. und wie ist es bei dir Yasmin eben noch gesagt? Das sind Sachen, die du manchmal gefunden hast.
gleichzeitig merkt man aber auch finde ich dass Du auch sehr darauf achtest in der intersekzionale Perspektive zu bringen weil Du ja auch doch sehr breit schreibst Wie gehst Du vorbei der Aufwahl. Also am Anfang war es mir wichtig, nicht die Namen wiederzukreuen. Die schon bekannt sind also das typische Coco Chanel und so weiter und sofort die Frauenbiografien, die auch schon ganz oft beleuchtet worden sind.
ich wollte wirklich Frauen zu Tage fördern, die ja wirklich sehr unbekannt noch sind. Mir ging es auch darum, da aus den verschiedensten ob das Naturwissenschaft ist oder irgendwie politisches Engagement oder Kreativität also da wirklich verschiedene Bereiche zu beleuchten. Wenn ich mittlerweile Namen angehe, die ein bisschen bekannter sind.
Ich hatte eine Folge über Eva Perron zum Beispiel. Dann sind es weil es mir um die an Mythos entstanden ist und dann geht's mir immer darum. Ich möchte einen Mythos dekonstruieren, weil da ganz oft Dinge ausgeblendet werden. Und dann gehts immer nur alle denkt Madonna und sie singt vom Balkon und da hängt aber noch wahnsinnig viel mehr dran.
Es ist kompliziert und da ist Faschismus mit verwoben usw. Das muss man alles miterzählen so Und aber um genau was du gerade gesagt hast, man kann mit jeder einzelnen Biografie in eine Zeit einsteigen. Und die Zeit erzählen und auch wirklich, die Leute fesseln. Das muss nicht immer ein großer Name sein!
Ich hatte eine Folge über das Leben von Mäkten im neunzehnten oder an der Jahrhundertwende. Ende Neunzehn des Anfangs zwanzigstes Jahrhunderte und eben auch noch für Deutschland sehr lang der Fall, dass zum Teil in sehr ländlichen Gegenden bis in die neunzenzwanziger dreißiger Jahre Leute als Frauen als Märkte gearbeitet haben und Knechte beschäftigt wurden.
absolute No Names. Da gab es so Oral History Quellen, also es gab später manchmal Aufzeichnungen das tatsächlich Leute noch interviewt wurden in den fünftigern oder sechzigern und das waren zum Teil eben Märkte die interviewed wurden. und dann gab es aber auch Interviews mit Menschen die auf Höfen gelebt haben wo Märkte beschäftigt wurden als im Prinzip die Arbeitgeber beziehungsweise oft deren Kinder Und die Leben, die ich da skizzieren konnte.
Die Folge hat wahnsinnig viel Rückmeldung bekommen von höheren, die oft... Zum Teil auch jünger sind als ich. Und die mir dann schrieben, meine Großmutter oder meine Urgroßmutter hat auch noch so eine Erfahrung gemacht und haben mir dann teils ihre Familiengeschichte mitgeteilt. Da hat man gemerkt das muss überhaupt kein bekannter Name sein es ist total anschlussfähig und es fasziniert die Leute auch weil ich habe deren Pflichten beschrieben wie deren Alltag aussah.
Es hat die Leute total fasziniert und es war auch wirklich toll zu sehen, wie sehr sowas dann auch mitreißen. Und auch wirklich ja die Leute reinziehen können. Genau bei der Frage nach den interessanten Figuren oder was euch daran interessiert finde ich sollten wir jetzt mal die Viborader reinholen. Ich habe euch ja noch ein bisschen Literatur geschickt weil du hattest wahrscheinlich noch nicht von ihr gehört Also ich auch nicht, bevor ich nach St.
Gallen gekommen bin. Ich tatsächlich auch noch nicht bis ihr mich angefangen habt. Caroline wie war das bei dir? Auch nicht. Also ich habe den Namen gehört aber ich hab nie... also ich glaube abtas nicht mit Witzen verbunden über diese konkrete Frau. Genau jetzt habt ihr ein bisschen was erfahren. fändet ihr an ihr spannend und was auch schwierig, sagen wir im Bezug auf Kontext- und Quellen.
Also wie würde man jetzt bei so einer Figur? Wo es ja? im Vergleichsweise gibt es viele Quellen aber die sind natürlich auch sehr stark ein gewisses Genre dieser heiligen Wieten. Und auch nicht die eingängigste Lektüre sagen wir mal. Ja! So eine heilige Biografie liest sich jetzt auch nicht immer in einem Rutsch direkt weg.
Wir können gleich mal bei den Quellen bleiben. Die Quellenlage ist insofern problematisch, weil wir haben nichts von ihr. Wir haben nur aus zweiter Hand Quellen und noch dazu haben wir eine ganz spezielle... Was ist das Wort? Nachdem ich suche eine Quellenart nämlich die heiligen Biografie spricht. da wird ja auch mit einer ganz bestimmten Agenda geschrieben.
es geht darum Es wird Jahrzehnte später aus männlicher Hand oder männlicher Feder, das sei noch so als Side Note angemerkt. Eine Biografie geschrieben über eine Figur von der man möchte dass sie heilig gesprochen wird. also insofern würde man in ihrem Leben in dieser Biographie auch nichts finden wo wir mal die Augenbraue hochziehen im Sinne von keine wirklichen Reibungsflächen sozusagen.
Also sie wirkt vielleicht wie man sie hat im frühen Mittelalter gelebt ja, frühen mittleren Mittelalter. Vielleicht ein bisschen für uns als Heilige... ...als heiligen Figur ein bisschen aus der Zeit gefallen sozusagen? Ich glaube Aus heutiger Sicht ist es manchmal schwer wenn's um die Vermittlung geht.
wie kann man Leute für ihre Biografie begeistern? und ich glaube also Wenn ich jetzt eine Folge über sie machen würde würde ich thematisieren welche Quellenlage es gibt dass die eben einseitig ist das die eine Agenda hat Das die aus männlicher Hand stammt Und entsprechend, wir erfahren ja auch relativ wenig aus ihrem Leben wenige Details eigentlich.
Also alles sind so formalisierte Dinge die berichtet werden und da muss man definitiv mit drüber hinausgehend. das Faszinierende ist, welchen Handlungsspielraum hat sie gehabt? Indem Sie sich entschieden hat eine Inklusen zu werden? und welche Handlungspielraum hatte sie in dem Moment wo auch viele Leute zu ihr kamen und um Rat gefragt haben.
Also diese Dinge glaube ich müsste man dann thematisieren und da wird es dann auch spannend weil das ist einer der Räume den Frauen sich im Mittelalter erschließen konnten im Zuge einer geistlichen eines geistlichen Lebens oder eines dem Gott hingewendeten Lebens, würde ich sagen. Ja also ja das würde ich alles... Das kann ich auch alles unterschreiben?
Ich würde wahrscheinlich Ich rede jetzt da wirklich als Historikerin oder auch als Fachhistorikerin. Also ich würde mit wahnsinnig viel Respekt dran herangehen, weil ich halt keine Medievistin bin. Punkt Schluss! Weil ich im neunzehnten Jahrhundert schwimme wie ein Fisch in Wasser aber je weiter es zurückgeht desto weniger bin ich da quasi... Ich würde sowieso immer, auch nicht mal wenn es so weit zurückgeht einfach grundsätzlich davon ausgehen dass ich nicht weiß wovon die Rede ist.
Dass sich das nicht so einordnen kann wie ich das in der Gegenwarte einordne würde. Also jetzt eben dieses Selbstbestimmte oder selbstbestimmt ist eine hochgradig moderne Idee. also ich würde sagen in einer vorsäkularen Zeit Selbstverständung macht nichts Sinn. Also das ist keine Kategorie, die mit Blick auf wie jemand sein Leben lebt auf dieselbe Weise aufschlussreich ist oder erklärend wie für uns, sondern dann ist eben eine Berufung das Relevante oder Änderwille Gottes und was immer es da nicht ist.
Oder eine Vision die leitet. also ich würde sicher einfach mal versuchen einzutauchen in einer Welt von der ich davon ausgehe dass sie mir fremd ist dass die Wörter vielleicht zum Teil dieselben Wörtern sind, aber etwas anderes bedeuten. Aber das ist meine grundsätzliche Herangehensweise an Geschichte.
Und klar, je weiter man in der Zeit zurückgeht, desto wichtiger ist es eigentlich so daran heranzugehen. Ich würde mich dafür interessieren müssen wie die Familienstruktur interessiert, was diese Geschwisterbeziehung, die ja extrem interessant ist oder was sind Geschwesterbeziehungen im diesem Milieu und so weiter.
Und das finde ich, und so eben auch dann wie eintauchen zuerst mal glaube ich. Und dann irgendwann versuchen vielleicht irgendwo ein Gefühl dafür zu kriegen was ist denn das für eine Geschichte die ich jetzt da interessant finde zu erzählen? Ich würde noch einmal kurz anschließen weil ich finde Selbstbestimmtheit Da denken wir auch gleich ein Stück weit Unabhängigkeit mit, finde ich.
Das schwingt somit und in dem Sinne unabhängig... war sie ja nicht. Also weder in ihrer Zelle, in der sie davon abhängig war das ihr Essen gereicht wurde dass man ihr erlaubt hat zu baden und auch davon abhängig war dass eben der Kontakt zur Außenwelt irgendwie gehalten wurde also dass die Außen Welt zu ihr Kontakt aufgenommen hat.
und gleichzeitig auch ich finde es interessant Sie wird ja inklusin dort wo Ihr Bruder also gerade die Geschwisterbeziehung angesprochen ist der Abt ist, sprich also hätte sie das auch in jeder anderen Kirche mit jeder anderen Gemeinschaft werden können? oder war es etwas was ihr Bruder ermöglicht hat.
Wie selbstbestimmt sind diese Entwicklungen in ihrem Leben wirklich? Also ich sehe das auch als Reibungsfläche und ich sehe selbstbestimmtheit auch als ein Label oder ja ein Wort dass wir heute ganz ganz anders begreifen als damals immer bewusst machen. Egal, wenn wir zurückblicken die Bezeichnungen, die wir heute haben sind ja modern beschrieben und wir stellen auch andere Fragen an die Vergangenheit also vielleicht vor zehn, zwanzig, dreißig, fünfzig Jahren gestellt haben.
Und entsprechend kann man nicht einfach so ein Label von Heute nehmen und das dann drauf pappen und es entsteht die Gefahr dass es genauso gewertet wird. aber es besteht in der Zeit Und das ist schnell anschließend. Das Interessante ist ja dann, dass man dann das nochmal wieder umdrehen kann oder nicht nur sozusagen unsere Auffassung von jetzt selbstbestimmtheit passt?
Nichts sondern überhaupt dies also vielleicht... Also vielleicht müssen wir auch unsere Auffassung von so etwas wie Freiheit anders definieren, oder? Wenn man sagen würde also quasi sie hat sich die Freiheit genommen einem Ruf zu folgen. Also dem Willen eines anderen zu folge und gerade darin lag... Ihre Freiheit, oder?
Und das finde ich dann interessant. Was können wir damit vielleicht anfangen? für uns und quasi eben auch das Spezifische und manchmal auch Merkwürdige der unselbstständlichen Auffassungen hinterfragen wie eben zum Beispiel Freiheit ist irgendwie nur Ich über mich oder dass es überhaupt ein Unabhängiges Leben geben kann Geht ja gar nicht.
So, das ist ja eine merkwürdige Vorstellung die wir haben. Genau, drüßeln wir es nochmal auf ihr habt schon ganz viel gesagt. jetzt wenn eben eine von diesen Folien die wir habe ist eben die Heldin und da ist auch immer so eine. also Heldinn ja auch im Sinne einer Emanzipationserzählung oder? Also würde ich ja genau vielleicht können wir noch einmal runterbrechen was also was dich jetzt spezifisch daran gestört hat und bei Kaolin hab' ich ähnliche Dinge.
Also genau, du hast das ja wirklich auch explizit in den Titel genommen. Kannst du es noch mal... In Bezug auf Viborada? Insgesamt. Heldinnen! Ich finde Heldenden erst einmal langweilig muss ich sagen. also weil ich finde es wird halt immer schablonenhaft erzählt und wenn wir ob das jetzt Frauen oder Queers sind Wenn wir auch Männer also wenn wer eine Person den Helden oder Heldinnenstempel aufdrücken, dann bleibt ganz wenig Platz für Grauzonen.
Es ist irgendwie alles so schwarz oder weiß entweder es war alles gut oder eben nicht und ich finde aber so funktioniert ja unser Leben nicht zu sind wir auch nicht. Wir treffen ja nicht nur kluge und gute Entscheidungen und zeigen uns immer von unserer besten Seite. an dieser Erwartungshaltung können Heldinnen Figuren nur scheitern, weil wenn man genauer hinschaut sind natürlich auch... Man kann in einer Situation heldenhaft handeln sicherlich.
Aber das heißt nicht dass man über die gesamte Lebenszeit keinerlei Fehler macht oder keinerlei Ja, Reibungsflächen Komplexität zeigt. und deswegen finde ich dieses Heldinnen. Ich kann es verstehen. wir können auch noch mal drüber reden warum Menschen Vorbilder und Heldenden möchten. Warum wird danach streben?
Ich kann das verlangen dann auch verstehen aber ich finde ist schwierig das zu bedienen weil ich glaube wir werden den historischen Personen damit nicht gerecht. Bei dir Carolin ist es auch, kommt das im Nachwort finde ich auch recht klar und auch manchmal bei den Porträts. Du du widersetzt dich da sehr klar so einer Vereinnamung.
mir schien dass deinen Unbehagens hast jetzt auch schon ein bisschen gesagt mehr so daran sich aufhängt, dass wir mit anderen Maßstäben rangehen die nicht zu dieser Zeit gehören sozusagen. Kannst du das? Also ist das der Punkt oder kannst du das nochmal erläutern? Ja also das ist sicher ein Punkt. ich würde jetzt aber auch abschauen zum Buch.
Nein! Ich will was anderes so einen Held ihnen sagen. Das liegt ja im Auge der Betrachterin. Das ist wie die Schönheit. Ob ich jetzt ein Leben aus Heldinnen oder Helden anschaue, das mache ich auch bezogen auf irgendwelche Kriterien. Und das ist im Auge der Betrachterin und man sagt ja nicht zufällig, die ist meine Heldin!
Also heute sagen wir das meine Heltin oder mein Held? Oder unser Held?! Also das ist ja immer irgendwie so bezogen auf jemand, und es waren ja die längste Zeit die Nationen, die Helden hatten. Jetzt ist es irgendwie anders konfiguriert. aber dass sie sich einmal bezogen haben auf die Position von der aus man etwas als Heldinnenhaft wertet.
Ich finde das nicht schlimm! Aber ich finde, man darf Heldinnen haben. Das kann ja auch so ein Moment der Affektivität sein und sagen, da will ich jetzt feiern oder? Ich drehe es jetzt einfach mal ein bisschen so. Das will ich feiern, die will ich jetzt feiern für dieses und jedes. Das finde ich nicht problematisch.
Es ist aber natürlich nicht eine historische Kategorie... Also für mich ist das keine Kategorie sozusagen einer Erkenntniskategorie oder für mich auch nicht eine Erzähl-Kategorie sozusagen. also dass eben die hellen Geschichten quasi die ja dann immer gegen alle Widerstände setzt und am Schluss sieht, also das ist ja finde ich jetzt auch nicht eine interessante Erzählung.
Aber wenn jetzt jemand aus so einer Erzählungen rausnimmt, mal da ist jetzt wirklich was finde ich so cool, meine Heldin, das finde ich nicht. Da kann ich gut mitleben! Aber du würdest sagen, ich habe dann aber nichts über die historischen Umstände. Ja, in allen Regeln oder wie Yasmin sagt. Sobald du reingehst wird jede Person komplex und vielschichtig und jeder hat ihre Abgründe.
Und jeder ist aber auch interessant gerade da durch. Ja, also so würde ich für mich das Heldin, das hat für mich einen Feierstatus. Es ist nicht eine Erkenntniskategorie? Ja genau und es ist ja auch interessant dass das halt etwas ist was für Vermittlung total wichtig ist. oder wir bauen eine Beziehung dazu auf.
und umgekehrt. für die historische Forschung Ja, natürlich weil in der historischen Forschung und jetzt gerade aus der Perspektive einer feministischen Geschichtswissenschaft musste man ja zuerst mal diese ganzen Helden abbauen. Und von den Zockeln stoßen und denen zum Beispiel ihre komplizierten Privatleben wiedergeben.
Das ist ja zum Beispiel sehr interessant, habe ich auch sehr gerne gemacht. Bei Robert Grimm oder große Schweizer Arbeiter für große Führer der schweizerischen Arbeiterbewegung und Sozialdemokratie? Robert Grim hat eine hochinteressante erste Ehe. da wird so richtig spannend wenn man die noch dazu nimmt.
oder und dann das politische und das private. So dass ist das was die Historikerin macht. jetzt hab' ich den Faden verliebt. Ja ich auch. wir springen so. Nein, genau. Weil man die Helden ja auf seine feministische historischen Perspektive, aber gut das war auch schon... Also die Geschichte der Hälten ist ja auch schon länger vorbei.
Ja also in der Wesentlich-Ausgeschichte. Aber es ist ja doch trotzdem so dass wir da schon sehr angehalten sind uns dann auch diese Distanz aufzubauen. oder zu den Figuren über die wir arbeiten was wenn wir ehrlich sind auch bei mir eine Forschung machen so nicht läuft, weil wenn er doch irgendwie was fühlt oder?
Also es gibt so Figuren die das habt ihr auch beide jetzt beschrieben wo man irgendwie auch anknüpft. Wahrscheinlich geht's eher darum was macht man jetzt analytisch damit mit diesem Gefühl und du könntest jetzt nicht in einer wissenschaftlichen Publikation Das dann so ausleben, sondern da müsstest du andere Wege finden um das Positiv herauszuziehen.
Da muss ich erklären und das ist nicht ganz dasselbe wie erzählen. Gibt es denn auch einen Punkt? Also ich finde du hast das eigentlich auch sehr... Du benennst das auch offen, dass es dieses Bedürfnis gibt, dass sie uns Orientierung geben können diese Figuren. Gibts auch ein Punkt wo du findest das geht dann zu weit.
Ich finde, wenn es in Verklärung mündet, dann geht es zu weit. Dann kommen wir dahin zurück und der Person wird nicht gerecht. Dann formen die Personen irgendwie so wie sie für uns anschlussfähig ist. mit der Protagonistin nicht mehr viel zu tun. Und da wird es mir dann zuviel, aber ich bin genau als du gesagt hast die Helden vom Sockel stoßen, dafür mir sofort die Folge zum Mi'leva Maric eigentlich gemacht habe.
Die war nämlich die erste Ehofrau von Albert Einstein. und wenn man sich da so ein bisschen genauer mit beschäftigt wie Albert Einstein seine erster Ehofar handelt hat, dann vergeht's einem auch ganz schnell. also da wirds auch sehr interessant. Ich finde noch einen Punkt, den ich euch fragen wollte vom Format her ist das jetzt etwas was also gerade du hast viel Erfahrung jetzt auch im Journalismus.
Sind da so Formate? Kommt das wirklich vor allem von Publikum oder ist es auch sehr stark ein Marketing-Ding? weil wir wissen ja wenn wir das jetzt so labeln dann können wir das gut auch vermarkten. Ich glaube, das ist ein bisschen so eine Mischung aus beidem. Also ich glaube, wenn man jetzt mal aus dem journalistischen Bereich aus einer Verlagslogik schaut für Bücher die werden irgendwann gemerkt haben.
Ich glaub diese Rebel Girls kamen in den Dreh und seitdem ist es, ich weiß gar nicht wie viele Bände dort erschienen sind und da sind eben tatsächlich auch Figuren drin wo die komplexen Seiten Unterteppich gekehrt werden. Und auf der einen Seite, ich kann total verstehen das sind Bücher die sich an Kinder richten und vor allem an Mädchen und Mädchen von früh auf... Das ist ja eben wirklich jetzt gerade so eine Bewegung die wir hatten und haben.
Mädchen vom Frühauf eben auch schon Vorbilder an die Hand zu geben finde ich auch großartig. also Es gibt ja diesen Satz, man kann nur sein was man auch sieht. Also sprich man muss eben auch irgendwie bestimmte Rollen, bestimmte Vorbilder sehen oder eben bestimmte Biografien sehen um dann überhaupt den Wunsch entwickeln zu können oder die Idee entwickeln.
so können ich möchte etwas was ich Astronautin werden oder ich möchte Schriftstellerin oder was auch immer und ich glaube die haben dieses Buch mal rausgebracht das erste davon und haben dann wahrscheinlich es hat sich denn sehr gut verkauft wahrscheinlich noch besser als sie gedacht haben. Und seitdem wird das bedient und es wird bedient bis es nicht mehr ausreichend gekauft wird, ich glaube also da gibt's ganz eindeutig natürlich eine Marktlogik.
aber dass es gekauft würde sagt ja auch etwas aus sprich es gibt ein Bedürfnis. dann auch und ich finde was du gesagt hast... Ich würde Heldinnen auch nicht verbieten wollen. Du hast das sehr schön gesagt, es gibt ja Dinge wie sagen meine Heldin oder mein Held die haben eben Anknüpfungspunkte für uns individuell interessant sind und die zu uns sprechen aus ganz individuellen Gründen Und da dann einen Aspekt oder eine Handlung einer Person faszinierend und anschlussfähig zu finden.
Das finde ich auch vollkommen in Ordnung und Nachvollziehbar. Da würde mich auch selbst nicht von ausnehmen. Und ich glaube, genau deshalb gibt es natürlich so ein Bedürfnis für diese Geschichten und dazu gehört ja auch das Geschichten sich aus journalistischer Sicht Porträts. Also es verkauft sich immer gut wenn's menschelt sagt man im Journalismus.
also auch wenn man größere Geschichten hat versucht man immer irgendwie eine oder zwei Protagonistinnen in diesen Geschichten zu haben mit denen man die Geschichte voran bringt weil menschliche Handlungen treiben eben jede Erzählung voran. aus diesem ganz natürlichen Bedürfnis, dass wir Geschichten gerne mit Menschen im Mittelpunkt erzählen.
Weil wir soziale Wesen sind kommt glaube ich so eine Entwicklung das wir dann natürlich auch Wir mögen das auch, wenn wir entweder jemanden so ein bisschen bewundern. Aber natürlich, dass die Schattenseite davon ist ja auch jemandem verurteilen zu können. Also es geht ja auch um Zugehörigkeitsgefühl, Abgrenzung und uns selbst irgendwie in eine Beziehung zu diesen anderen Personen zu setzen.
Ich glaube da spielen auch bestimmte sociologische Konzepte mit rein, mit denen ich mich gar nicht so tief auskenne. die Gedanken, die ich dazu hätte. Du hast bestimmt was das Akademische anbelangt da auch noch tiefer Gedanken. Jetzt habe ich dich auf den... Ja aber vielleicht der Punkt aus dem Akademischen kommt?
Du hast gesagt, die Fragestechte wollte das vom Sockel stoßen. Aber hat sie vielleicht dann auch eigene Helden... Ja am Anfang schon klar weil du eigentlich... Gut, die Heldinkategorie ist nicht eine historische Kategorie. Aber natürlich die frühe Frauengeschichte in den siebziger Jahren hat sich natürlich wahnsinnig interessiert für einzelne Frauen.
Und zwar aus einem sehr guten Grund, weil es ja überhaupt zuerst mal darum ging, zu zeigen, Frauen waren Akteurinnen der Geschichte. Frauen haben Geschichte gemacht und eben nicht einfach nur als quasi so kollektiv der Frauen, so generisch oder halt eine Frau wie jede andere sondern auch einzelne singuläre Frauen oder haben Geschichte.
Das war schon wichtig. Oder das steckte da drin, überhaupt Frauen zu Subjekten der Geschichte zu machen anhand solcher einzelnen Personen? Und ich glaube es war auch wichtig erstmal so ein paar Pflöcke einzuschießen. Ja, das war extrem wichtig und man muss aber auch sagen Es läuft eigentlich parallel.
oder weil das auch damals siebzeigere Jahre sind wir also frühe feministische Geschichtswissenschaften Aber Die Hohe Zeit der Sozialgeschichte. die sich eben gerade für Gruppen interessiert hat, für soziale Verhältnisse. Wo es dann um die Frauen tatsächlich jetzt aus Gruppe gingen oder kollektiv und geschlechter Verhältnisse.
also das lief eigentlich... Das war auch nicht so klar voneinander getrennt. Also manchmal diese Vorstellung, am Anfang war die Frauengeschichte ein bisschen naiv und hatte einzelne Frauen abgefeiert und dann wurden sie irgendwie immer klüger und haben gemerkt, dass gibt ja doch auch Strukturen. Aber du hast gesagt, es war nämlich schon ziemlich vielseitig und vielfältig und klug.
Genau, aber die Biografien haben vielleicht eine andere Rolle gespielt in der Forschung gesagt oder hat ja auch mit der Quellenlage was zu tun? Ja Mit der Quellenlage? Ja und nein, weil die anderen Quellen gibt es ja auch. Also die ganzen Quellen für die Sozialgeschichte hat man ja dann auch irgendwann gemerkt dass man total viel herausfindet über das Leben sogenannt gewöhnlichen Menschen wenn man sich Gerichtsakten anschaut.
Da findet man... Alle, also alle. Aber Sie wissen was ich meine oder? Also diese neue Quellengattungen entschlossen, wo man gesehen hat da geht es nicht nur die, die Memo- oder noch Briefe hinterlassen haben sind, die über die man schreiben kann. das will ich sagen. Aber du würdest sagen genau weil diese Frage finde ich auch spannend so dieser ... Weil Biografien ja so eine Schnittstelle ... dem Individuum und in diesen Strukturen.
Genau, da kann man jetzt halt den Fokus so oder so richten... ...und die Wissenschaft versucht dann vielleicht mehr wie du beschrieben hast. oder also wir lesen daraus etwas über die Strukture ab? Ja genau! Die Vermittlungsabsolut, die Vermittlung oder das populäre Format macht es vielleicht weniger aber könnte man das nicht auch irgendwie mehr daraus holen habe ich mich gefragt Ja, also du meinst mehr... Also du würdest jetzt sagen so die Biografien, die näher bei der Wissenschaft sind.
Die sind eher noch so diesen verpflichtet eben nicht die einzelne Figur hinaus zu lösen sondern gleichzeitig etwas über die Zeit zu erzählen wohingegen in der populären Vermittlung man davon eher... Ja, im besten Falle nicht. aber ich finde es ist das was du sagst oder wenn ich ein Porträt So, jetzt sagen wir Julie Bondeli-Lise.
Dann habe ich ganz viel über diese Aufklärungszeit, dieses Salonkultur auch wie sich die Leute wahrgenommen haben und ich finde das in Bezug auf Geschlechterverhältnisse natürlich auch sehr spannend weil wir wollen ja eigentlich auch historisieren. Wir wollen ja irgendwie auch zeigen dass es nicht zu jeder Zeit gleich war sich als Frau zu...
Aber ich glaube, das geht in einer guten Erzählung auch für ein breites Publikum. Ich weiß nicht, ob zum Beispiel ... aber wir haben gar nicht über die historischen Rumanien. Aber ich gebe es ja auch noch aus. Aber dieses Buch gelesen von Christiane Wunike heißt Sie wachs? Das ist nicht der Moment für Lese-Tipps, aber ich fand ein wahnsinnig gutes Buch.
Das spielt im achtzehnten Jahrhundert und sie nimmt so zwei Figuren, zwei Frauen – eine hat es wirklich gegeben, das war eine Anatomien. Die hat die Anatomie gelernt und hat dann Wachsfiguren gemacht und wurde auch total berühmt damit. Und die andere Figur hat sie erfunden, die Schriftstellerin Und das war dann eine Botanikerin, die Pflanzen gezeichnet hat.
Die war aber fiktiv und ich muss sagen ... Ich fand jetzt wie sie quasi mit diesen Figuren auch anhand des realen oder da auch treu bleibt im Material und der historischen Wahrheit, aber eigentlich quasi anhand dieser Figur ein Wissen über diese Zeit dir mitgibt. Das ist unglaublich gut! Also natürlich geht das?
Ich glaube es geht. Oder in meiner wissenschaftlichen Biografie erklärst du dann, sagst du jetzt okay und dann hat Schülli Bondeli das und das gemacht. Und sie hätte auch dieses machen können und sie hat aber das und dass können wir so und so erklären und nennen. und in einem Portrait erzähle ich die Geschichte.
Aber da gehen natürlich diese Überlegungen rein. Also die sind natürlich da Die haben die Art und Weise geprägt wie ich diese Geschichte erzähle Und wenn eben, also ich finde das jetzt zum Beispiel eine Figur wie bei der Viborader interessant. Weil wir ja eben du hast es gesagt oder wir können jetzt irgendwie, wir kommen dann nicht sehr nah dran aber sie kann uns vielleicht auch viel über diese Zeit erzählen und wie geschlecht funktioniert hat?
Oder was wären Gab es da Dinge, wo ihr fandet? Ah das finde ich jetzt total interessant. Das irgendwie mehr aufzuzeigen. Du hast gut Katharina von Zimmern ist später aber Ich fand daran auch die Sachen, wo man merkt so Geschlecht hat doch sehr anders funktioniert. Ja ja und für Katharina Von Zimmern zum Beispiel war das total befreiend diesen Söldnerführer zu heiraten und Kinder zu kriegen.
Und die Macht abzugeben, die sie hatte über die Stadt Zürich. Das ist ja jetzt nicht das was wir würden denken cool da hat mal eine die macht oder? Die gibt sich dann ab und heiratet und so. Ist hoffentlich glücklich geworden. Ja genau ich meine das finde ich genau interessant. wenn ich mich jetzt in die Vibrata vertiefen würde zum Beispiel dieses Rat geben.
Also das ist ja total spannend. Dass es da jemand gibt und dann können alle hingehen, wenn ich das richtig verstanden habe. Und es ist aber nicht eine Beichte oder was ist es ja nicht? Es ist sie die da Rat gibt und alle gehen dahin und das funktioniert über Jahre. Was ist das für ein soziales Gefüge zum Beispiel, wo auch alle sagen wir, dass Vertrauen zu dieser Frau haben Solche Dinge, das finde ich spannend.
Und was hat es dann auch noch spezifisch eben mit dieser Zeit zu tun? Ich find's total spannend dass der Abt ja auch zu ihr geht also die wichtigen oder die Menschen meist die Männer in mächtigen Positionen sich von ihr beraten lassen. warum? wie schafft sie es in dieser zeit dieses diese Stellung zu erreichen, dass sie also inklusen war damals so weit ich weiß.
Ich bin jetzt auch kein Expertin aber es gab glaube Dann doch einen erstaunlichen Anteil an Frauen, die sich dafür entschieden haben. Aber nicht jede hat ja so eine Vertrauensstellung. dann bekommen, dass Menschen wirklich so viele Menschen zu ihr kamen und auch aus den verschiedensten Positionen. Und als sie dann die Warnung ausgesprochen hat nach ihrer Vision das die Ungarn kommen man hätte ja auch sagen können Ja mein Gott ist ne Vision vielleicht erfüllt es sich vielleicht auch nicht.
also natürlich hatte das damals auch einen anderen Stellenwert, aber genau das rauszufinden. Wie ist dieses Vertrauen zu ihr aufgebaut worden? Ich glaube auch nicht man kann sagen wie hat sie es geschafft? weil ich glaube ich weiß auch nicht... Man kann hier nicht unterstellen dass sie das wollte. also dann würden wir wieder projizieren Aber da reinzuschauen warum ihr dieses vertrauen entgegen gebracht wurde Das finde ich auch sehr spannend.
Welche Funktion das in einem ganzen sozialen Gefüge hatte? Ich weiß nicht, dass das jetzt auch ein bisschen schematisch ist. Aber in der Mediwistik habe ich immer Geschlechterthemen gewählt, weil die Spannungsseminaristen sind. Da ging es dann halt auf darum, dass sozusagen der Stand so viel mehr, also deine soziale Positionen, so vielmehr bestimmt als das Geschlecht, weil wir da sehr stark von einer neuzeitlichen Denkweise herkommen, wo sich das ja dann auch wahnsinnig starre ausdifferenziert hat.
Ja, das ist elementar. Also mir fällt gerade Hildegard von Bingen ein, die natürlich ein bisschen später ist aber die ja dann auch in eine Position kommt dass sie mit Königinnen auch korrespondiert und dem damaligen König auch ein paar gepfefferte Briefe schreibt indem sich ihn wirklich harsh kritisiert wo man doch sehr überrascht ist, dass er sich das rausnehmen konnte an der Stellung, die sie eben in ihrem Kloster dann hatte.
Die sie sich erarbeitet hat oder in die sie aufgestiegen war. also das finde ich dann schon spannend dass eben aber da muss man sie genau da komme wieder darauf zurück wir können sie nicht einzeln erzählen und sagen ah sie war jetzt also das ist hier die große frau des Mittelalters sondern wir müssen Sie in diesem Kontext und in ihrer Lebenswelt erzählen um das besser begreifen zu können ja auch sowas wie inklusen Oder, also ich dachte dann auch erst so.
Und dann jetzt eben beim nächste Woche ist der Vortrag von Tanja Scherdingmann. Ja, eben das gab es und es gab wie auch gewisse Regeln und genau das muss man Institutionen oder ein Modell. Sie musste sich ja auch drei Jahre lang darauf vorbereiten? Also sie konnte nicht jetzt sagen Ich möchte morgen inklusin werden und wurde dann am Tag darauf eingemaut.
Sie mussten sich hier auch quasi würde ich zeigen und über drei Jahre quasi sich darauf vorbereiten und beweisen, dass sie das so leben kann. Also es ist schon eindrücklich? Ja absolut! Und auch wie kalt das war und all diese Details oder also irgendwie genau... Aber auch weißt du was mir jetzt noch auffällt, also quasi diese Kontotikung kein Problem Diese Kombination von, dass sie ja eigentlich sich so total abwendet von der Welt oder sich eben einschließt und dafür wegschließt von der Weltaut.
Und diese dieses weltabgewandte und gleichzeitig ist sie aber ja komplett also Sie es ja zugänglich. Also die Welt kommt zu ihr. das finde ich einfach schon auch sehr interessant. Ja sehr! Auch mit diesen zwei Fenstern. Ja und was macht das sinnhaft? Wie macht das Sinn? Ich mein, genau. Ich glaube es geht mir darum irgendwie zu zeigen anhand so einer Geschichte oder so eine Figur dass man nicht zu früh eben so ein Narrativ was jetzt auch oft kommt oder ja sie hatte diese Handlungsspielräume und sie hat sich das und das irgendwie erschaffen, dass man vielleicht dann anderes gar nichts sieht.
und eben gerade bei einer Zeit die so fremd ist oder diese Frömmigkeit ist ja auch etwas wo die die soweit weg ist Ja Und aber auch irgendwie wild in dieser Zeit, oder? Also da ist ja auch so viel Fantasie drin. Oder? Ja! Bin ich immer... also wenn ich mich und ja auch manchmal überraschen das gibt diese viel mehr ein, was ich mir vorbereitet habe einen Text einer WDW.
sehr liebe Caroline Beinem die mal sich interessiert hat, die hat eine Reise nach Indien gemacht und hat dort so eine Göttinnenprozession sich angeschaut. Das wird so die Statue einer Göttin wird irgendwie durch das Dorf getragen bis zum Fluss und dann geht sie in den Fluss rein und so. Und Sie ist eben Medievistin und Sie ist Spezialistin auch für kristliche Vorstellungswelten und Praktiken Und hat dann auch das doch Interessantes vergleichlich mit den heiligen Prozessionen.
Oder in Dörfen, wo man diese die Heiligen Figur... Also die Madonna-Prozession und dann eine Madonna durchs Dorf trägt und so geht es ja wieder normalerweise in die Kirche zurück. Dann hat sie angefangen mit diesem Vergleich und hat gemerkt, dass geht hinten und vorne nicht auf. Das ist nur scheinbar dasselbe Und landet dann am Schluss da, wo sie sagt diese Göttinnenprozession in Indien.
Das ist eigentlich nicht der Madonna-Prozession vergleichbar sondern das ist der Eucharistie vergleichbaren. Also das was eigentlich dort passiert ist diese Trans... ich will da gar nicht in die Details weil ich bekomme mich auch zu wenig aus dem Katolizismus. aber... der Vergleich, den man ziehen muss.
Und das finde ich unendlich faszinierend, oder? Das sind wir ein bisschen, aber diese Fremdheit, die sich nicht unmittelbar erschließt... Und eine Frage, die ich mir noch gestellt habe. Du hattest es gesagt als du jetzt die Folge zu Märkten gemacht hast oder? Also ist es ja wie auch immer wieder ne gewisse Ausgrenzung wenn wir sagen eben nur die sechs wichtigsten Frauen der Schweiz und du hast ja auch ein Porträt in einer Großmutter zum Beispiel gewidmet.
also wenn wir was über die Strukturen wissen wollen ist es oft viel spannender wenn wir so die vermeintlich normalen Leben anschauen. Also ich finde die werden dann manchmal auch Anschlussfähige. Und ich arbeite gerade an einem Projekt, wo ich viel in Archiven war und mich tatsächlich mit ganz normalen Frauen beschäftige sozusagen also No Names, die niemand kennt und deren Namen ich dann wirklich zum Teil erst im Archiv finde.
Und ich finde deren Lebenswege so faszinierend und jedes kleine Detail, was man findet, das einem hilft diese Biografie ein bisschen mehr aufzuschließen. Natürlich sind die trotzdem noch... Also ich schaue mir Frauen im ausgehenden oder Mitte Ende des Jahrhunderts an. Also die sind schon weit gefühlt, weit weg von uns.
Aber trotzdem da steckt so viel drin und auch wie sich die Zeit verändert, wie sie sich zu Kriegen ihrer Zeit verhalten müssen, wie die sich zu sozialen und einfach auch alltäglichen Herausforderungen ihrer Zeit Verhalten müssen. Da steckt es so viel Faszinierendes drinnen, dann brauche ich nicht... den bekannten Namen, an dem ich mich abarbeite.
Weil auch zum Teil in diesem alltäglichen... Da stellen sich ja Fragen die wir eben mit einer Biografie einer mächtigen oder was auch immer nicht vergleichen können, die sich denen einfach nicht stellen, die in ihrem Leben nicht vorkommen und das finde ich dann total spannend in diese Lebenswelten mit einzutauchen.
Aber die so, die außergewöhnlichen Figuren zuvor alltäglichen. Das ist finde ich auch interessant quasi die umgekehrte Bewegung sozusagen. Ich würde so gern langsam Bogen schlagen auch das noch Möglichkeit gibt Rückzufragen und nochmal ein bisschen breiter in diese Frage von feministischer Erinnerungen Erinnerungspolitik.
Warum geht es ja jetzt sozusagen auch bei diesem Jubiläum? Also einerseits habe ich mich, uns haben wir ein bisschen schon angesprochen aber hab' ich mich wirklich gefragt warum ist das Genre wieder so populär? wie erklärt ihr euch das? eben dass Rebel Girls erst gesagt zwei tausendsechzehn wo auch viel an neuen feministischen Bewegungen kamen oder also eben die Frage die er dann immer auch mitschwingt ist warum?
was hat das mit uns zu tun? warum finden wir das eigentlich so interessant? Ja, also ich glaube die Frauenbewegung der Feminismus. Die Fortschritte, die wir machen das sind ja oft so Wellenbewegungen und ich meine Wir haben schon eine Frauenbewägung Ende des neunzehnten Jahrhunderts sogar schon davor.
Also wir finden auch schon Man muss jetzt vorsichtig sein, sie Feministinnen zu nennen. Den Namen des Wortes gab es damals noch nicht. Die hätten sich selbst nicht so genannt aber wir finden ja schon Frauen weh und der französischen Revolution usw. und sofort. also je weiter man zurückgeht. Man findet Frauen die sich für mehr Rechte einsetzten usw.. Ich glaube mit diesen Wellen und dann wenn's so ein Backlash gibt dass ich finde das kann man politisch sowieso immer beobachten Es gibt Fortschritte Dann machen wir wieder einen Schritt zurück dann wird ein Schritt zwei Schritte vorwärts einzurücken.
Und in diesen Wellenbewegungen oder mit diesem Wellen-Bewegung, glaube ich, kommt dann auch immer eine etwas neuere weiterentwickelte Form von. wir erzählen jetzt wieder irgendwie Biografien. Oder wir schauen jetzt wieder mehr auf Strukturgeschichte? Wir versuchen es zu verweben wie auch immer, wo ich noch einen kleinen Side Note machen würde weil das... Das habe ich vorhin vergessen zu erwähnen, als du fragtest über der populären Vermittlung.
Also da muss ich jetzt tatsächlich auch mal für Spiegelgeschichte ein kleines... ein kleines Lob aussprechen, weil die tatsächlich ... denen kommt es auch sehr darauf an Strukturgeschichte. Das heißt im Heft tatsächlich auch so... Die Geschichten werden richtig als Struktur-Geschichten geplant wo natürlich auch im Idealfall eine Person oder ein eigenes quasi der Aufhänger ist für die Geschichte.
aber das Ziel ist dass die Leute wenn sie die Geschichte gelesen haben hinterher die Zeit in der diese Person gelebt hat besser verstehen. Weil wie sollte ich irgendwie über die Saloniers Wie soll ich die verstehen, wenn ich einfach nur erzähle? Da sitzt eine Frau in ihrem Wohnzimmer und lädt sich Leute ein.
Und dann trinkt man Tee und spricht zusammen. Davon verstehe ich das Phänomen Saloniere natürlich nicht. Also ich glaube es gibt absolut gute erzählerische Wege das zu tun. Es ist im Journalismus oder in der populären Vermittlung auch möglich. Das kann man schon sagen, es wird noch oft genug getan. Aber ich finde, wenn man sich so umguckt es wird mehr und mehr der Fall.
also ich glaube es gibt da mehr Bemühungen und wir haben jetzt wieder eine Welle gehabt. Ich glaube tatsächlich habe ein bisschen die Befürchtung wenn ich mir so die politische Lage angucke dass diese Welle gerade wieder abflacht. aber ich glaube das die Bücher veröffentlichen und das Interesse dafür damit auch zu tun haben.
Ja, ich denke auch. Also wenn ich das auch so ein bisschen Revue passieren lasse die Zeit, die jetzt auch autobiografisch überblickt ist sozusagen und die feministischen Konjunkturen... Ich würde schon auch sagen also diese neuerliche feministische Konjunktion, die so Ende des Jahrhunderts, also in den Jahren dann so richtig Aufschwung nimmt in der Schweiz krass mit dem Frauenstreik, das war ja schon ... Ich weiß nicht wie andere das sehen.
Aber ich war schon auch überrascht. Also ich wusste schon da kündigt sich was an. Das war schon ... aber ich habe einundneunzig gelebt oder da war ich gerade an die Uni gekommen und das war schon überwältigend. Und dann dachte man so okay jetzt machen wir es noch mal neunzehn, aber pfff ... auch mal gleich.
Das war schon unglaublich, oder? Also und das ist natürlich schon Ausdruck wirklich von so etwas fast linsensmal feministische Konjunktur nicht so ein schöner Begriff haben. Was du auch gesagt hast, ich würde es schon damit erklären. Diese Bedarf und dieses Interesse. Es bleibt aber immer noch relativ separiert.
Also das ist halt krass. oder? ich meine da meine NCZ-Geschichte-Serie? Das war ja eigentlich auch eine späte Reaktion auf eine Serie des Schweizer Farbfernsehens. Die vielleicht manche hier noch kennen, diese Serie wurde ausgestrahlt im Jahr twenty fourteen und sie ist die Schweizer ... Kennt das jemand?
Die Schweizer oder diese Doku-Fiction-Serie, ich weiss es nicht wahnsinnig wie vier oder sechs Filme. Und das war ja also der ambitöse Vorhaben die Geschichte der Schweiz anhand von eben einzelnen Helden? Ich muss es so sagen zu zeigen. Das waren ja wirklich alles Männer und dann war immer so eine Figur, die Hauptfigur.
Und dann noch so ein Gegenspieler oder eine zweite. Also das hat man gut geschafft da immer zwei Männer unterzubringen! Auch natürlich mit allen möglichen Korten, die ja in der Schweiz berücksichtigt werden müssen oder? Nur nicht die geschlechte Korte. Natürlich nicht! Aber die anderen schon, oder? Also einer aus der Deutschweiz und eine aus der Promo-Dieu oder wenn ich dann eine aus dem Tessin und so bei Escher war es ja dann Franz Schini.
also gut Und da haben wir ja mächtig ausgeschufen wie Historikerinnen und auch gestritten mit den Verantwortlichen. Und dass ich dann ja gesagt habe für diese Serie die wichtigsten Frauen der Schweizer Geschichte im Endes, das war schon auch noch plötzlich, da hab' ich gesagt okay jetzt mach ich, jetzt hab', und dann diese sechs Frauen oder?
Dann kann das Schweizer Fernsehen nie mehr kommen würden wir gerne machen, aber wen sollen wir nehmen? Weil das wurde uns gesagt. Es gibt sie halt nicht oder? Ich weiß jetzt auch nicht, ich glaube diese Serie die Schweizer das wäre jetzt wahrscheinlich im heutigen Moment so nicht möglich. Das glaube ich.
tatsächlich bin immer vorsichtig mit dem Fortschritt. Es ist ja auch eine Kategorie mit der ich große Mühe habe. aber ich glaube tatsächlich im jetzigen Moment wäre es wahrscheinlich nicht mehr möglich. Aber es läuft halt ein bisschen nebendran. oder wie machen du? Du machst Per Story Podcast und ich mache da Frauenportresen Genau, ich meine.
Ich wollte jetzt auch nicht den Eindruck erwecken als wäre jetzt damit das Ziel. also ich mein eben wie schaffen wir das von dieser Welle dann auch mehr einzuspeisen oder als so auch nachhaltig? Ja, das ist eine gute Frage. Was ich da auch anschließt und was bisschen frustrierend finde auch innerhalb des Feminismus, dass wir eben diese Wellen haben und die neue Welle, die dann kommt.
Das sind ja auch jüngere Generationen manchmal. also ich verstehe dann schon auch das damit eine neue Welle entsteht und dass dann natürlich auch die Erzählweisen sich vielleicht ein bisschen verändern, weil wir ja auch andere Fragen an die Vergangenheit stellen usw., das sehe ich alles ein. Aber dass zum Teil die Arbeit der Feministinnen davor vergessen oder übersehen wird – ich finde da schießen wir uns immer so ein bisschen selbst ins Knie, Wir fangen dann an, die Frauen noch mal wieder zu entdecken.
Ja sie sind ja schon entdeckt worden und damit tun wir uns innerhalb der eigenen feministischen Bewegung auch irgendwie unrecht den Frauen auf deren Schultern wir wiederum stehen. also das ist so wo ich denke ich habe leider auch keine wirkliche Lösung dafür, du wolltest mich jetzt gerade fragen. Nein es war tatsächlich auch eine Frage weil auch das kann man bei der Viborada sehen oder?
Also die Konjunkturen waren also einerseits aus dem katholischen Milieu aber dann eben mit der neuen Frauenbewegung und darum gibt es in St. Gallen die feministische Bibliothek, die dieses Jahr vierzig wird und wir danach fahren. so. also genau da ist schon irgendwie Arbeit gemacht worden und dass ist natürlich das.
warum ist denn immer wieder irgendwie das braucht, aber genau dann. Also ja, das sind ein bisschen die Crux bei unserer, bei dieser feministischen Erinnerungskultur, dass auch irgendwie in eine Kontinuität zu bringen so. Ich finde da ist die Geschichtsschreibung, die aktive Geschichtschreibung auch ein bisschen in der Bringschuld.
also mein Anliegen ist immer, dass diese Frauenname es eben auch in Schulbücher zum Beispiel schaffen und ich habe Folge über Onam Tagouche gemacht und habe dann auch zum Beispiel die Hörerinnen gefragt, ob sie von ihr in der Schule gehört haben. Weil bei mir z.B. im Schulbuch kamen sie noch nicht vor und die Zuschriften, die dann kamen, waren je nach Bundesland sehr unterschiedlich.
also in Bayern gab es sie irgendwie schon in anderen Bundesländern ja. aber überraschend, gell? Läuft! In anderen Bundesländern dagegen nicht. Und da weiß man ja auch nicht, also wer würfelt denn da aus? Was im Schulbuch... Also da regt mich dann der Föderalismus ausnahmsweise auch mal auf weil ich finde, da muss auch irgendwie mal zentral dran gewirkt werden.
das kann doch nicht wieder jeder sein eigenes Süppchen kochen. wir müssen doch mal irgendwie mittlerweile verstehen dass das mit in die Geschichtsschreibung gehört und ist es auch in den Kanon gehört, denen Kinder auch schon in der Schule irgendwie mit dem sie in Kontakt kommen sollten. Ich finde an den Universitäten hat sich schon viel getan.
also ich weiß nicht wie du es in der Schweiz erlebst und siehst aber ich finde da tut sich einiges und dann gibt's auch... Also ich finde auch was auf den Markt kommt an Material ist wird ja immer mehr Und dann ist es aber auch so, es wird ja als Frauengeschichte zum Beispiel tituliert und in dem Moment das ist ähnlich wie mit dem Label Frauen Literatur.
Ich weiß nicht ob Männer aktiv denken, ich darf's jetzt nicht lesen weil es Frauen Literatur ist oder ich darf mich nicht dafür interessieren? Es hat nicht die gleiche Wirkung leider. Es ist im Markt irgendwie als Nische gelabelt und dadurch bleibt auch eine Nische. Und ich glaube, da geht es auch ein bisschen darum wie können wir uns vielleicht gut vernetzen oder kluge Wege auch finden um das in den Mainstream noch mehr einzuschummeln sei es durch andere Erzählweisen oder durch irgendwelche klugen Brücken die wir schlagen Kooperationen was auch immer.
also Ich sehe dann tatsächlich auch noch ein bisschen Arbeit damit sich das endlich bessert und dass auch wirklich natürlicher wird. zum Allgemeinwissen dazugehört. Ja und da sind ja eigentlich dann die Biografien so ein schönes Vehikel, um dann noch die ganze subversive Geschlechtertheorie mit reinzumogeln.
So habe ich mir das jetzt vorgestellt. Wunderbar! Herzlichen Dank! Danke auch euch allen fürs Kommen für's Zuhören. Einen schönen Abend und bis zum nächsten Mal.