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Hossa Talk· Folge 300

#292 Wut.Liebe.Filmriss (m. Gofi Müller)

Sonntag, 1. November 2026 · 1 h 50

MP3

Shownotes

Gofis Roman "Wut.Liebe.Filmriss: store.ruach.jetzt/produkt/wut-liebe-filmriss-r…

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Einen wunderschönen guten Tag, guten Morgen, guten Abend, wann auch immer ihr diese Folge hört. Schön, dass ihr eingeschaltet habt, liebe Hossatalk-Hörende. Herzlich willkommen. Es begrüßen euch heute ich, der Marco und der Jay. Und wir haben einen fantastischen Gast heute eingeladen. Wir haben keine Kosten und Mühen gescheut, einen, allseits bekannten und beliebten Star-Autoren einzuladen, der heute sein neues Werk bei uns präsentieren wird.

Herzlich willkommen, Trommelwirbel Gofi Müller in der Runde. Hallo, herzlichen Dank. Dankeschön, dass ich heute bei euch sein darf. Was für eine Ehre. Ja, was für eine Ehre für uns, so einen bedeutenden Nachwuchsautoren zu Gast zu haben. Vielleicht stellst du dich einfach mal vor, so bekannt bist du ja noch nicht.

Ja, das haben die Nachwuchsautoren ja so an uns. Hallo, mein Name ist Gofi, ich schreibe Bücher, ich bin total, ich höre euch schon echt lange, also ich finde es wirklich ganz toll, dass ich hier sein darf. Da habe ich immer, also ich habe immer mir das vorgestellt, wie das wohl wäre, mit euch mal so ein Gespräch führen zu dürfen, dass ihr mich jetzt gerade zu meinem neuen Buch einladet, finde ich natürlich ganz fantastisch.

Ich lebe in Marburg, ich bin Künstler von Beruf, ich podcaste auch ein bisschen. Und jetzt ist gerade mein neues Buch rausgekommen, worüber ich mich sehr freue, im Verlag Ruach jetzt. Ja, dankeschön. Das ist ja schon mal eine gute Einführung zu deiner Person, Gofi Müller. Ja, danke. Aber wir können an dieser Stelle, ich weiß nicht, ob ihr Hörende das schon alle mitbekommen habt, dass unser Zweitpodcast Popkunstseele eine Art Winterschlaf macht.

Also auf jeden Fall dort erstmal in nächster Zeit keine neuen Folgen erscheinen werden. Also unser Kunst-Podcast, wir haben letzte Woche ja die letzte Folge quasi veröffentlicht, wo wir das schon erzählt haben, aber wenn ihr das nicht hört, solltet ihr das zumindest auch wissen. Und deswegen wandert das Kunstformat jetzt quasi zu Hossertalk zurück.

Und dann trifft sich das heute natürlich sehr gut, dass wir einen Nachwuchsautoren mit seinem Werk haben. Wut, Liebe, Filmriss. Ja, also nur mal so zur Info, das wird heute quasi ein. Popkunst-Hossertalk. Ein Popkunst-Hossertag, ja. Wobei es ja immer Überschneidungen gibt, bei euch beiden ja auch, wenn ich mal kurz aus meiner Rolle raustreten darf.

Bei uns dreien ist es ja so, dass wir einerseits viel theologisch nachdenken, überspiritualisieren und so und gleichzeitig auch alle Künstler sind und natürlich, überschneidet sich das bei uns in der Regel. Nur hier in diesem Podcast-Format haben wir das manchmal übereinander schneiden lassen und manchmal auch nicht.

Am häufigsten eigentlich bei Marco, könnte man sagen. Marco, deine literarische Kunst, die lässt sich ziemlich gut eingliedern in diese Spiritualitätsdiskurse und so. Obwohl bei dir ja eigentlich auch, Jay, mit Super 2 und so. Aber da wird es dann eben auch Komödiante stellenweise und geht so ein bisschen auch in andere Lebensbereiche rüber und so.

Also es ist mir jetzt noch nicht aufgefallen, dass Super 2 bei zum Beispiel von und Marburg eingeladen worden wäre, um mal irgendwie den Gottesdienst zu, bereichern. Warum eigentlich nicht? Ist mir auch noch nicht aufgefallen. Aber bei dem Marco ist mir das schon öfter aufgefallen, weißt du, was ich meine? Ja, genau.

Aber er hat ja auch in Marburg gewohnt. Das hat wahrscheinlich mehr mit räumlicher Nähe als mit künstlerischem Ausdruck zu tun. Das stimmt. Aber ich finde, der Friedrichs ist bei der UND Marburg, also das erwähne ich jedes Mal, bis ich da irgendwann mal gebucht werde quasi. Irgendwie unterrepräsentiert. Ja, sträflich vernachlässigt, finde ich.

Aber, um mal an dieser Stelle jetzt so ein paar Ansagen loszuwerden. Ich habe ja mal wieder fremd gepodcastet. Ich war jetzt beim JIT-Podcast. Das habe ich wahrgenommen. Beim aktuellen JIT-Podcast, wenn ihr mal Bock habt, reinzuhören, da werde ich von der Lilith ganz, ganz, ganz schön interviewt. Das war ein tolles Gespräch.

Und du warst ja auch Fremd-Podcast-Gofi, ne? Ja, der Jason war der Erste, der mich gefragt hat, ob ich Lust habe, über mein Buch zu schreiben für schöner Glauben, über mein Buch zu reden. Da haben wir ein ganz wunderschönes Gespräch geführt, was mir wahnsinnig großen Spaß gemacht hat. Und dann hat der Klauser Eickhoff von Jetzt wird's persönlich mich dann auch nochmal ganz spontan gefragt. Das war so ziemlich so, hey, hast du eigentlich gerade Zeit? Ich brauche einen Gast. Und ich habe gesagt, ja, ich habe gerade Zeit.

Wie wäre es, wenn wir über mein Buch reden? Ach ja, klar, warum nicht? Und dann habe ich also bei Jetzt wird es persönlich auch mit Klauser über den Roman gesprochen, aber auch ganz schön viel über Hossertalk. Also was wir bei Hossertalk für eine Arbeit machen, wer uns hört, warum Menschen das gut finden und so weiter. Genau, es war auch ein cooles Gespräch. Ja.

Wenn wir hier diese Fremd-Podcast-Empfehlung jetzt so links und rechts durch den Raum werfen, ich war ja auch neulich ganz kurz in einer ganz kurzen Folge bei Schöner Glauben, weil Jason war in Wien ein paar Tage und hat uns hier besucht. Und wir haben so eine kleine Runde bei uns im Wohnzimmer gemacht, weil Jason auch vor Jahren, ich glaube vor, weiß ich nicht, sieben, acht Jahren mal hier auch in Wien bei dieser Burning Church Konferenz.

War, wo wir dann ja später bei der letzten, die stattfand, auch zu dritt nochmal waren. Und wo da irgendwo damals es schon so Runden gab, wo sie drüber geredet haben, wo geht das denn hin mit der progressiven Bubble und der progressiven Theologie und welche Netzwerke müsste es denn geben und gibt es schon und sowas.

Und das haben wir nochmal so ein bisschen abgeglichen, so damals und jetzt in so einer kleinen lustigen Runde. Ich glaube, es geht eine halbe Stunde oder so, aber kann man ganz gut hören. Ja, habe ich übrigens gehört. War schön, euch zu hören. Ja, das war nett. Jo, okay, haben wir noch ein paar Ansagen, die wir raushauen wollen, Brüder?

Ja, wir wollen natürlich euch sehr gerne zur Hossakon einladen. Save the date, haben wir jetzt ja schon ein paar Mal gesagt. Anmelden kann man sich noch nicht, aber bitte das Datum schon mal vormerken. Das ist, ich glaube, ich sage es jetzt aus dem Kopf, der 23. Bis 25. April nächstes Jahr. Stimmt das? Ja, Gufi macht Daumen hoch.

Und April immer noch mit 2b. Mit 2b, ja. Genau. Außerdem können wir euch sagen, dass wir in diesem Jahr auf der Jahrestagung von Micha Deutschland zu Gast sind. Heißt das Jahrestagung? Das hieß früher mal Vernetzungstreffen. Ob das noch so heißt? Vielleicht heißt es auch so. Vielleicht heißt es auch Vernetzungstreffen.

Es findet in einem Ort namens Mücke statt. Das gibt es wirklich, ist in der Nähe von Gießen und dort im Flensunger Hof, glaube ich, findet dieses Treffen statt. Vielleicht habt ihr Lust teilzunehmen. Wir sind auch da und machen einen schönen Abend. Und vielleicht nochmal einen kurzen, weil wir das ja auch immer beworben haben, wie war die Inspiration für euch?

Marco, wie war sie denn für dich? Schön, also ich liebe ja solche Anlässe, die es irgendwie schaffen, dass mal so ganz viele Leute, die man so das ganze Jahr über nur online in irgendwelchen kleinen Kästchen sieht, dass man die da mal leibhaftig sieht und auch mal in den Arm nehmen kann. Das finde ich, hat die Inspiration sehr schön geschafft. Also ganz viele von den ganzen Podcasterinnen und Podcastern und Menschen, mit denen man sich halt verbunden fühlt, waren da.

Das wird für mich schon reichen. Aber das war natürlich auch so sehr schön vom Programm her und von dem ganzen Miteinander. Und wie das natürlich ist bei so großen Konferenzen. Manches fand ich super cool, super inspirierend, super spannend. Anderes dachte ich so, war ich jetzt eher nicht die Zielgruppe.

Aber so muss das ja auch sein. War super geil. Also wirklich toll, was die auf die Beine gestellt haben. Ging mir eigentlich auch so. Also viele tolle Leute getroffen und ich fand gerade den Samstagmorgen mit den Impulsen von Thorsten Dietz und Martin Benz und ich habe leider den Namen. Mara Steinbrenner. Mara Steinbrenner, den fand ich sehr, sehr dicht und sehr, sehr stark.

Also wirklich mit guten Impulsen, mit denen man wirklich was anfangen kann. Gerade Martins Ruf zur Menschlichkeit als Kirche, sozusagen Gott will keine Christen machen, sondern Menschen, das fand ich irgendwie super. Ja, das war glaube ich auch eins meiner absoluten Highlights. Ja. Das war schon schön. Ich habe es auch gerne gemacht. Ich war dankbar, dass meine Hauptarbeit bereits abgeschlossen war. Ich hatte also im Vorfeld der Inspiration sehr viel zu tun mit dem künstlerischen Konzept und so weiter und so fort.

Und als dann die Veranstaltung selber lief, hatte ich eigentlich, frei quasi und konnte treffen, wen ich wollte und reden, mit wem ich wollte und hatte jetzt keine großen Aufgaben mehr bei der ganzen Veranstaltung. Das fand ich schön. Ich fand die Begegnung auch wahnsinnig schön. Ja, das kann man ja auch nochmal sagen, in der eben schon angesprochenen letzten Popkunst-Säle-Folge, da könnt ihr euch anhören, wie Gofi ein bisschen von diesem Making-of erzählt, von diesem Kunstwerk, was er mit anderen für die Inspiration geschaffen hat.

Stimmt, genau. Sehr hörungswert. Ja, und damit ist es eigentlich die perfekte Überleitung zu Popkunst-Hossa-Talk heute. Ich nehme mal an, das wird eine neue Kategorie, die wir immer mal aus dem Ärmel ziehen. Goofy, dein neuer Roman, Wut, liebe Filmriss. Ja, ich habe ihn mit großer Begeisterung gelesen, wirklich toll geschrieben.

Ist auch echt besonders, weil du hast ja so eine non-lineare Erzählform, also so ein bisschen ein deutscher Tarantino, könnte man sagen. Ja, da habe ich gar nicht drüber nachgedacht, aber stimmt. Ja, davon hat es noch niemand gesagt. Das fand ich jetzt irgendwie ganz nett. Ja, du springst schon wild hin und her und dann hat es aber doch auch eine eigene Stringenz, die sich dann so im Lauf des Buches quasi erschließt.

Also ich sage mal, ich habe so bis zur Hälfte gebraucht, bis ich irgendwie dachte, was passiert mir eigentlich und wer ist denn wer und warum wird mir jetzt diese Geschichte erzählt. Und dann irgendwann so ab der Hälfte habe ich gesagt, ah ja, okay, jetzt bin ich drin, das Puzzle fügt sich so. Also ich habe die Figuren auch parat, die ein bisschen parallel liefen und dann doch wieder auch zusammentreffen.

Ja, also erst mal so mein erster Kurzeindruck. Sehr, also ein sehr cooles Format. Willst du es vielleicht noch mal ein bisschen, besser erzählen, als ich es jetzt getan habe, was das für eine Art von Roman ist? Weil das ist schon ein bisschen anders als man normalerweise Roman hat. Ja, es ist anders. Und ich habe auch immer davon geträumt.

Mal anders zu erzählen. Und habe oft darüber nachgedacht, wie könnte man denn mal eine größere Geschichte erzählen und das nicht so machen, wie man das normalerweise tut. Die kann ich denn mal formal irgendwie so ein bisschen mal den Rahmen sprengen. Und ich sage das immer so, für mich ist das ein Geschichtenmosaik.

Also es ist irgendwie eine Romanhandlung, die sich aus lauter kleinen Bausteinen zusammensetzt. Wie so ein Mosaik. Und man kann die Bruchkanten schon noch erkennen, der einzelnen Steine. Es geht nicht so fließend ineinander über, wie man das von einem Mosaik eben auch kennt. Man kann sich auf sozusagen das einzelne kleine Teilchen konzentrieren, wenn man möchte.

Aber man kann eben auch zurücktreten und dann doch das große ganze Bild sehen. Und ich habe das deshalb gemacht, weil ich ein bisschen nachempfinden wollte oder nachvollziehbar machen wollte, wie wir Wirklichkeit häufig empfinden. Also wir kennen unsere Geschichte, die verfolgen wir von Anfang bis Ende, und dann begegnen uns unterwegs Geschichten, also die in Form von anderen Menschen natürlich, die uns ihre Geschichten erzählen, aber davon nehmen wir immer nur Ausschnitte wahr.

Das sind Menschen, die wir treffen, mit denen wir uns unterhalten beim Essen, oder wo auch immer, auf Freizeiten, Reisen und so weiter und so fort. Und dann haben wir ja aber auch noch durch die sozialen Medien und so weiter diesen ständigen Strom an Eindrücken aus dem Leben anderer Leute, mit denen wir eigentlich überhaupt gar nichts zu tun haben. Da gucken wir mal ganz kurz rein in eine Szene.

Ein Haus in Hebron wird von Baggern zerstört. Jemand ist ein Freak-Climber an einer Klippe und ich würde denken, oh Gott, ich würde tausend Tode sterben. Und das geht immer schnipp, schnipp, schnipp und du bist schon wieder im nächsten Leben. Das ist ja irgendwie so ein ständiger Strom an Informationen, der für uns mittlerweile in diesem multimedialen Zeitalter vollkommen normal geworden ist.

Permanent gehen wir rein in Storys und gehen wieder raus aus Storys. Das wollte ich gerne mit diesem Roman so ein bisschen nachvollziehbar machen. Also das ist ein bisschen wie so ein TikTok-Stream, so was, dieses Buch. Da geht so, flupp, eine Geschichte nach der anderen kannst du so hoch scrollen. Aber mir war dann am Ende auch wichtig zu zeigen, manche Geschichten überschneiden sich halt und beeinflussen sich gegenseitig.

Und manche Geschichte bekommt dadurch plötzlich eine neue Bedeutung für mich auch. Auf einmal lerne ich einen Menschen anders zu sehen oder ich lerne meine eigene Geschichte plötzlich neu zu deuten, weil ich eine Begegnung habe mit jemandem oder weil ich etwas Neues erkannte und plötzlich denke, nee, nee, nee, warte mal, also so wie ich das bisher mir vorgestellt habe, das stimmt ja gar nicht, das ist ja in Wirklichkeit ganz anders.

Und diese Art von ständiger Perspektive, Ich sage das jetzt mal, Konstruktion, Dekonstruktion, Rekonstruktion und so weiter. Was wir ja nicht nur im spirituellen, christlichen, theologischen Raum haben, sondern in unserer ganzen Wahrnehmung der Wirklichkeit. Das versuche ich mit diesem Roman sozusagen nachvollziehbar zu machen.

Ich mag diese Idee auch von Protagonist und Statist zum Beispiel. Also du bist ja quasi immer die Hauptfigur in deiner eigenen Geschichte, weil du das halt so einfach wahrnimmst. So nimmst du die Realität wahr. Du gehst durch die Straße und du weißt, wo du gerade herkommst und was gerade so dein Mindset ist und wo du hin willst.

Und jeder, der dir begegnet, der läuft halt quasi so durchs Bild, wenn das eine Filmszene wäre. Ja, genau. Und du könntest aber einfach die Rollen tauschen und einfach von jemandem, der dir gerade durchs Bild läuft, die Geschichte erzählen, dann bist du derjenige, der einfach nur durchs Bild läuft und einfach nur so ein Sekundenschnipsel oder was weiß ich, vielleicht diese fünf Minuten, wo du nebeneinander in der Straßenbahn sitzt.

Das ist halt die Begegnung, aber du kommst aus deiner eigenen Geschichte und die andere Person auch und es überschneidet sich kurz. Meistens passiert gar nichts, manchmal passiert was Aufregendes und das finde ich immer eine total faszinierende Perspektive, auch bei einem Film. Eine Kamera beschließt ja einfach, ich folge dieser einen Person jetzt, weil die irgendwie interessant ist. Du könntest aber auch der anderen folgen, dann wird es eine ganz andere Geschichte.

Total, genau. Exakt. Und das greifst du ja auf, Kofi, ne? Das greife ich auf, genau, weil mich das auch mich persönlich einfach sehr beschäftigt. Ich weiß nicht, ob euch das auch so geht, aber manchmal ist es ja auch belastend, mit so vielen Geschichten anderer Menschen konfrontiert zu sein. Stellenweise auch mit fremdem Leid zum Beispiel oder mit irgendwelchen Schicksalsschlägen oder so, mit denen ich ja nicht ohne weiteres irgendwas zu tun habe.

Aber manchmal denkt man ja so, Mensch, da muss man doch was tun jetzt. Das geht doch nicht. Das ist doch nicht okay. Man beobachtet irgendwas. Und das beschäftigt mich ganz normal als normaler Gofi, der durchs Leben läuft. Manchmal muss man das ja auch richtig ausblenden, weil du sagst, das halte ich jetzt nicht mehr aus, meine eigene Geschichte reicht mir schon vollkommen.

Ich kann jetzt nicht noch über fremde Schicksale nachdenken, aber so ganz raus kommt man da ja nicht. Und von daher ist das irgendwie ein Gedanke, der mich sowieso in meinem Privatleben auch begleitet. Genau. Es hat mir ehrlich gesagt sogar auch ein bisschen geholfen, das Ganze mal sozusagen literarisch zu bearbeiten, das einfach mal in so einem Ding wie so einem Roman mal so auszuprobieren und übereinander laufen zu lassen und so.

Ja, ich fand es ja ganz witzig, du hattest ja, du hattest gesagt, das ist ein Kurzgeschichtenroman. So hattest du mir das mal beschrieben. Und dann war ich doch überrascht, also A. Wie lang die Kurzgeschichten sind, weil die ja sozusagen, also es gibt dann ja sozusagen, du hast fünf Teile und im Grunde könnte man sagen, jeder Teil dreht sich primär um eine der Figuren.

Und dann wird aber schon deren Geschichte erzählt. Ich hatte es jetzt noch mosaikhafter, verstanden, war dann aber ganz froh, weil ich dann eben irgendwann mitbekam, ah, es gibt doch so eine Art Rahmen, du hast es gerade erzählt, da treffen sich Leute, aber die haben auch tatsächlich was miteinander dann zu tun und das große Ding, worauf es hinausläuft, hält das schon alles irgendwie auch zusammen, sozusagen.

Und dann habe ich gedacht, ah, okay. Und das hat mir sehr gut gefallen, weil ich sonst ein bisschen lost gewesen wäre. Eine Zeit lang habe ich gedacht, okay, jetzt werden diese Geschichten erzählt und die treffen sich mal irgendwo, also wie du gerade sagst, im Bild laufen an der Straße aneinander vorbei und du denkst, ach ja, da sind sie.

Aber ich fand das dann schon ganz gut, dass es irgendwie doch so eine... So eine große Handlung auch gibt, die immer noch sehr partiziell ist, aber wo zumindest alle irgendwie mit drin hängen. Und ich muss natürlich ganz viel an so Filme wie Shortcuts von Robert Altman denken oder meinem Lieblingsfilm Magnolia.

Ist ja auch eine sehr episodenhafte Erzählung, die eigentlich ganz ähnlich wie bei dir quasi wie so eine Magnolienblume verschiedene Geschichten erzählt, die sich manchmal überlappen, manchmal auch nicht, aber die, die, wenn man ganz rauszoomt, dann eben doch das Ganze zu einer Art Blume wird und nicht nur zu einem einzelnen Blatt und damit doch was Ganzes zeigt irgendwie.

Und da habe ich irgendwie gedacht, geil, der Goffi, der macht mal Magnolia oder Shortcuts oder so. Genau, das ist eigentlich ganz interessant. Ich habe gerade erst letzte Woche mit dem Lars Lotz mich unterhalten, weil ich habe dem Verlag eben auch einfach mal ein Exemplar schicken lassen. Man weiß ja nie, wofür das gut ist.

Wobei du ja in deinem Buch aufgreifst, dass Fernsehverfilmungen oft nicht so gut sind. Ja, da müssen wir gleich nochmal drauf kommen, auch auf den Titel und sowas, weil da erzählt der Roman ja ein bisschen was über sie selbst auch. Das stimmt, es gibt ja auch Meta-Ebenen. Aber die Geschichte mit Lars...

Der arme Lars, der dreht ja Filme fürs Fernsehen und das heißt natürlich immer, wenn man ihm irgendwas kostenlos schickt, muss man natürlich gleich einen Hintergelanken dabei vermuten. Deshalb hat Lars dann auch gesagt, hey danke, ich habe deinen Roman wirklich gerne gelesen, ich fand ihn super, er hat mir richtig gut gefallen.

Aber ich muss dir gleich sagen, Verfilm ist schwierig. Weil der sagte, ich mag das Multiperspektivische ja total sehr und im amerikanischen Kino gibt es das ja auch, das geht da auch, aber für den deutschen Film ist das einfach nicht vorstellbar. Das ist also eine Erzählweise, die möglicherweise der deutschen Leserschaft, der deutschen Zuschauerschaft irgendwie nicht so entgegenkommt möglicherweise.

Vielleicht ist es im amerikanischen Raum leichter, Geschichten so zu erzählen, weiß ich nicht genau. Also zumindest gibt es da eine Tradition. Also Shortcuts und Magnolia sind beileibe und lange nicht die einzigen episodenhaft erzählten Filme von so einem großen Ensemble, was sich überlappt und so weiter.

Aber man eher immer so kurze Cuts halt hat. Shortcuts in die Leben der Einzelnen. Also da gibt es eine große Tradition und da gibt es viele solche Filme. L.A. Crash wäre mir noch eingefallen, das hat Jason glaube ich aber auch gesagt, aber der finde ich am offensichtlichsten eigentlich. Den Namen habe ich gerade gesucht, finde ich gerade nicht an, L.A. Crash. Genau.

Ja, es ist also gar nicht so super innovativ, was ich gemacht habe, aber es war zumindest für das, was ich bisher so gemacht habe, war da schon irgendwie mal so rausgetreten aus dem... Und weil ich es ja am Anfang auch sagte, Tarantino macht das in Pulp Fiction auch. Ja, richtig. Und dazu noch dieses Non-Lineare, was du ja auch drin hast.

Ich finde, was bei dir aber schon nochmal anders ist, es ist ja nicht einfach nur Episode nach Episode, sondern manchmal hast du ja auch an einigen Stellen quasi dieselbe Geschichte zweimal, nur aus der anderen Perspektive. Und das finde ich natürlich total interessant, weil da ja richtig klar wird, manchmal siehst du die Realität einfach falsch.

Du liest das und denkst, ja okay, das sind die Guten, das sind die Bösen, völlig klar, was da passiert. Und dann liest du es von der anderen Seite und denkst, ja, oder auch doch nicht. Vielleicht verhält es sich auch ganz anders. Ich hatte einfach auch noch gar nicht alle Informationen, um mir echt ein Urteil zu erlauben.

Und wenn ich das mir jetzt von der Seite anschaue, stellt sich die Geschichte ganz anders dar. Und das spielt ja schon auch eine Rolle, wie wir auch Nachrichten und Newsmeldungen irgendwie uns reinziehen und bewerten sofort in Echtzeit. Oft haben wir ja gar nicht alles, was wir eigentlich dafür bräuchten und haben dann halt nur diese eine Seite und denken, so wird es ja wohl schon sein.

Hat der Autor mir jetzt so gesagt, dass das so richtig ist? Aber weiß ich gar nicht. Ich sage ja immer gerne diesen Satz, jeder Christ ist irgendeines anderen Christen Ketzer. Und das drückt das aus. Du hast deine Perspektive, bist davon überzeugt und denkst, die ist super. Und für irgendjemanden anderen ist das quasi Abfall.

Aber dessen Perspektive, von der der überzeugt ist, ist wiederum für irgendeinen anderen Christen Abfall. So geht es halt. Ja, und deshalb ist es schon auch irgendwie ein Hossertalk-Roman, könnte man schon sagen, weil wir ja damit auch hier, solange es diesen Podcast gibt, damit ja ringen und arbeiten so, dass wir vielleicht Glaubenspositionen verlassen oder verändern oder hinterfragen, weil wir neue Perspektiven einnehmen, weil wir neue Informationen bekommen haben, weil wir Dinge erlebt haben und plötzlich hinterfragen wir.

Grundsätze und Einstellungen, die vorher für uns unhinterfragbar gewesen sind, weil die standen für uns einfach fest. Das ist genau das. Und genauso gehen wir ja nicht nur eben mit Glauben und Religion um, sondern in unser ganzes Verständnis und ganze Wirklichkeitswahrnehmung ist davon, betroffen. Gerade jetzt auch, wo wir aus so unterschiedlichen Richtungen eben so unterschiedliche Stimmen hören.

Über große politische Ereignisse zum Beispiel, die total konträr bewertet werden können, je nachdem, wem man zuhört und welche Informationen man eben zur Verfügung hat. Aber sag mal, wir sind jetzt schon voll auf der Metaebene und wäre es nicht irgendwie schön, Gofi, wenn du uns, zum einen vielleicht mal kurz was liest und zum anderen aber vielleicht so eine kurze inhaltliche Idee gibt, worum es denn eigentlich in dem Buch geht.

Weil das soll ja auch ein bisschen Lust auf das Buch machen und ein bisschen Werbung. Und wenn wir jetzt nur über diese Metaebene reden, dann hat schon keiner Bock, das Buch anzufassen. Und es ist ja wirklich lesenswert. Ja, oder stell doch einfach die Figuren mal so ein bisschen vor, wer einem da so begegnen kann. Ja, genau.

Also wenn ihr, die ihr uns jetzt zuhört, möglicherweise schon auch mal ein anderes Buch von mir gelesen habt, vielleicht war es Hochding, vielleicht sogar Tim Tom Guerilla, dann kann es passieren, dass euch Figuren wieder begegnen, die ihr da schon kennengelernt habt. Vor allen Dingen Leute, die das Buch Hochding gelesen haben, finden hier und da wieder, stoßen hier wieder auf Figuren, die da auch eine Rolle gespielt haben.

Da ist zum Beispiel Sid, das ist eine ganz wichtige Figur, der heißt in Huchding noch Sadiq, der hat den Spitznamen Sid angenommen, der ist in Afghanistan geboren, aber hat seine ganze Kindheit, Jugend, Erwachsenen, Dasein und so in Deutschland gelebt. Und. Er ist auseinandergegangen und er sucht irgendwie nach einem neuen Anschluss, ans Leben. Er sucht eine neue Liebe und er versucht immer noch irgendwie in der deutschen Gesellschaft Tritt zu fassen, was ihm passiert.

Offenkundig immer noch gar nicht mal so leicht fällt. Dann begegnen wir immer wieder in so kleinen Episoden seinem Sohn Dennis, der Autist ist und der die Welt halt aus seiner Perspektive betrachtet. Der ist sozusagen jemand, der manchmal das Geschehen kommentiert. Den kennt man auch aus Hochding. Dann eine ganz wichtige Rolle spielt Lilly oder Lilitha.

Das ist eine junge Frau, die im Umland von Bremen aufgewachsen ist und ihren Weg sucht und immer wieder auch an der patriarchalen Gesellschaft scheitert. Sie will eigentlich nur unter Beweis stellen, was sie drauf hat. Sie sucht auch, wie die anderen Figuren in diesem Roman, ihren Platz im Leben und sie scheitert immer wieder an Problemen, die ihr meistens Männer machen.

Und wir begleiten sie über eine längere Strecke, wie sie nochmal versucht, jetzt irgendwie in so einer Immobilienfirma in Bremen anzuhören, obwohl sie es gar nicht gelernt hat, einfach so als letzte Chance sozusagen irgendwie im Leben nochmal irgendwas hinzubekommen, und dann doch auch wieder mit dem Sexismus und der sexuellen Übergriffigkeit ihres Chefs kämpfen muss, und sich dann zur Wehr setzt und dafür einen sehr, sehr hohen Preis bezahlen muss. Dann gibt es einen Schriftsteller, der heißt Ben.

Der heißt mit vollem Namen Benjamin Stochert-Barenbaum, was irgendwie auch so ein kleiner Scherz ist, weil man dann halt an Benjamin Stochert-Barre denkt, ist ja auch mit Absicht. Der wohnt in der Neustadt von Bremen, hat ein Buch geschrieben über eine Punkband aus Bielefeld und kann von den Tantiemen ganz gut leben, weil die auch verfilmt worden ist, diese Geschichte, aber sonst kriegt er eigentlich nicht wirklich viel gewuppt.

Er muss seinen nächsten Roman schreiben und hat keine Ahnung, worüber der jetzt mal sein soll. Und eigentlich sucht der auch nach dem Sinn des Lebens. Dann gibt es seinen Mitbewohner Jens, der wurde von seiner Frau rausgeschmissen, ist Fotograf, kriegt irgendwie auch nicht wirklich was geschissen in seinem Leben.

Und alle suchen irgendwie so einen Fokus im Leben. Hey, wofür bin ich eigentlich jetzt hier? Was kann ich denn jetzt in dieser Welt eigentlich mal bewegen? Und diese Leute haben auf den ersten Blick erstmal gar nicht so wahnsinnig viel miteinander zu tun, aber ihre Lebenswege überschneiden sich dann eben.

Und es hier gibt so eine neue Story, in der sie alle irgendwie so ihre Rolle spielen. Ja, ich finde, es ist so ein Endzwanziger-Mitdreißiger-Roman von den Figuren. Von diesem Lebensgefühl, wo du irgendwie hoffst, dass du irgendwo mal ankommst. Aber von den Figuren ist zumindest noch niemand irgendwo richtig angekommen.

Und wir begleiten sie auf ihrer Suche sozusagen. Ja, teilweise aber auch schon so noch eins weiter. Also ich hatte so das Gefühl, ganz viele Figuren, die hatten das Gefühl, die waren schon mal wo angekommen. Also nicht alle, aber manche. Und das ist jetzt eher so ein neuer Abschnitt, weil das nicht funktioniert hat oder weil das irgendwie gescheitert ist und die müssen sich jetzt irgendwie nochmal, so in der, weiß ich nicht, nicht in der zweiten Hälfte, aber die müssen sich jetzt irgendwie nochmal so neu erfinden und irgendwie überlegen, was, also das war es scheinbar nicht.

Wer bin ich denn jetzt eigentlich? Ich sag mal, meine Lieblingsfiguren sind eigentlich Nebenfiguren. Das ist einmal Franco und Corvin. Über die möchte ich gerne in deinem nächsten Roman mehr kennenlernen, sag ich mal. Die fand ich am spannendsten, ehrlich gesagt, weil die am raubeinigsten sind, glaube ich.

Ja, es sind Raubeine. Es sind so Männer, Männer irgendwie. Das stimmt. Franco, finde ich, auch eine faszinierende Figur. Er ist ein Idiot, aber er hat schon noch irgendwas. Man hört ihm gerne zu, wenn er so Storys erzählt. oder so. Franco kommt ja auch zum Beispiel in Huchting vor, da sitzt er einmal in einer Kneipe und erzählt, wie er sich mit, weil er Türsteher ist von Beruf, wie er sich mit irgendwelchen komischen Dorfheinis da geprügelt hat und hier ist, in diesem Buch ist Franco auch eine treibende Kraft, weil.

Es soll ein Mord aufgeklärt werden. Es passiert ein Mord und Franco ist einer derjenigen, die das jetzt antreiben und die sagen, auf die Bullen kannst du nicht verlassen, wir müssen das selber in die Hand nehmen. Und Franco treibt das dann halt voran und treibt den Ben auch in diese Rolle, der plötzlich vom Schriftsteller zum Rächer mutiert.

Aber das ist nämlich ganz schön. Also das war so der Punkt, wo der Roman natürlich, da nimmt er auch ein bisschen Fahrt auf. Aber das habe ich auch gebraucht. Also so die Energie, die Franco reinsteckt, irgendwie so eine animalische, sage ich jetzt mal, die kam mir gerade recht. Weil bis dahin gab es so manche Momente, wo ich irgendwie dachte, die rennen alle so durchs Leben und keiner weiß wohin und jeder tut sich selber leid und so.

Und ach Gott, oh Gott, oh Gott, sind das arme Würstchen. Und an dem Punkt, wo dann Franco ein bisschen die Sache in die Hand nimmt, da kriegt das ganze Drive. Und wie man sich vorstellen kann, ist es nicht unbedingt ein guter Drive, aber immerhin Drive. Weißt du, was ich meine? Also im Grunde könnte man sagen, der Roman hat so bis in zwei Hälften.

In der ersten geht es schon sehr um diese Suchbewegung und sich nicht richtig und sich nicht finden. Und in der zweiten geht es dann, die geht ein bisschen mehr nach vorne. Das habe ich aber auch gebraucht, wollte ich damit sagen. Also ich, jetzt nur so ein existenzialistischer, jeder rennt im Kreis und dann rennt er nochmal im Kreis und geht mal einen Schritt raus und rennt dann wieder im Kreis.

Irgendwie das hätte mich dann irgendwann gelangweilt. Also ich bin froh, dass du so den Punkt noch bekommen hast, sozusagen mir eine Geschichte zu erzählen. Und dafür war Franco echt wichtig. Ja, das stimmt. Und der erzählt wahrscheinlich auch so die lustigste Geschichte in dem ganzen Buch, oder mit die lustigste.

Da ist er ja der Erzähler, wo er dem Jens erzählt, der sich anschickt, auch vielleicht Türsteher sein zu wollen, erzählt er ja so eine Türsteher-Geschichte. Und die kannte ich schon, weil manche von diesen Kurzgeschichten hast du ja so zumindest in Auszügen manchmal auch bei den Poetry Talks gelesen.

Und das war für mich persönlich eine total interessante Leseerfahrung. Also das kann jetzt natürlich niemand nachvollziehen, außer den Leuten, die vielleicht bei den Poetry Talks dabei waren. Zu gucken, an welchen Stellen in dieser Gesamtgeschichte auf Strecke des Romans du diese Bits and Pieces, die ich schon kannte, wohl platziert hast und welche Funktion die dann auf einmal haben.

Das fand ich sehr interessant, weil manches war ganz, ganz vom Anfang, manches ganz, ganz vom Ende ganz wenig von mittendrin. Dann dachte ich, ach guck mal, das ist aber wirklich interessant, wie der Gofi das gebaut hat. Ja, es war tatsächlich dann auch irgendwann ein Bauen, das stimmt schon. Aber ich habe die Ich habe tatsächlich auch mit Blick auf die Bühne, sozusagen auf die Lesebühne geschrieben.

Das war für mich auch wichtig, dass ich diese Form gewählt habe, dass ich also jederzeit so eine Story einfach auch mal für sich vorlesen kann, als eine Geschichte neben anderen Texten. Wenn ich dann zum Beispiel mit dem Marco zusammen unterwegs auf Tour bin und wir sitzen nebeneinander und lesen Gedichte und so weiter vor, dass ich dann auch mal so eine Geschichte einfach aus dem Roman vorlesen kann, weil...

Ich schon den Anspruch hatte, dass die Geschichten auch einfach für sich als Geschichten stehen bleiben können. Es gibt die Form der Micro-Story, das ist also noch kürzer als eine Kurzgeschichte, das ist auch im Amerikanischen vor allen Dingen verbreitet. Und die fangen knallhart irgendwo mittendrin an und hören knallhart irgendwann plötzlich mittendrin wieder auf und lassen dich nur so mit so einer Szene, mit so einer weirden Szene allein.

Es gibt ganze Bücher und da ergeben die dann aber keine zusammenhängende Handlung, sondern das sind einfach Szene um Szene um Szene. Ich finde das eine coole Form irgendwie und das ist auch so ein bisschen Vorbild dafür. Und weißt du, wer das erfunden hat? Wer hat das erfunden? Jesus von Nazareth. Ja, das stimmt. Ich weiß nicht, ob er das war, aber er hat auf jeden Fall sowas gemacht. Das stimmt.

Stimmt schon. Ja, stimmt schon. Finde ich sowieso. wenn wir mal kurz ins Theologische abbiegen wollen, kann. Es gibt ein ganz tolles Buch, ich glaube, ich habe schon mehrfach darauf hingewiesen bei Hossa Talk, Short Stories of Jesus, heißt das, von, ich glaube, Avril Lavigne heißt sie, glaube ich, ist eine jüdische Neutestamentlerin aus Kanada.

Die hat ein Buch über die Geschichten, die Kurzgeschichten von Jesus geschrieben. Und die legt immer wieder darauf Wert, bitte, bitte lasst uns das nicht als, Auslegung, auslegbare Gleichnisse lesen, die am Ende also mit einer ganz klaren Aussage dastehen, sondern lasst uns das wirklich als eine Kurzgeschichte lesen, die, komisch ist, die offen bleibt, die uns vor Rätsel stellt, wo wir manchmal einfach verstört sind, weil genau das wollen die auch. Darauf geht sie immer wieder.

Nimm das Verstörende dieser Geschichten von Jesus nicht raus, dann verlieren die ihre Kraft. Löst die nicht eins zu eins auf wie so eine Allegorie, wie so ein Beispiel, eine Illustration. Das sind sie nämlich nicht. Die haben eine eigene Kraft als ein ganz komisches Ding irgendwie. Und das war, ja, ich würde nicht sagen, das war das Vorbild jetzt für mein Buch, aber ich habe mich damit beschäftigt natürlich und ich stehe auch auf solche Geschichten, die dich manchmal auch ein bisschen so lost zurücklassen.

Naja und was es ja macht in beiden Fällen, wenn es gut erzählt ist, lädt es dich ja ein zu sagen, guck mal hier ist eine Szene, das bist vielleicht jetzt nicht eins zu eins du, aber stell dich doch mal an die Stelle, wo diese Person steht und stell dir mal vor, du wärst diese Person, wie fühlt sich das an, geh mal ein paar Schritte mit der.

Und das ist ja was ganz Essentielles, was Storytelling uns beibringen kann, nämlich Empathie. Also zu sagen, ich weiß jetzt nicht so genau, wie sich das anfühlt. Keine Ahnung, in dem Fall von dem Jens zum Beispiel, jetzt von meiner Familie rausgeschmissen zu sein als Fotograf und mir jetzt erstmal eine WG suchen zu müssen. Ich weiß aber gar nicht, wie man das macht eigentlich.

Aber ich lasse mich so darauf ein, dass ich zumindest nachvollziehen kann, wie fühlt er sich gerade, wie fühlt sich das an. Und das schafft ja was in deinem ganzen Betrachten der Welt. Dann gehst du vielleicht irgendwann durch die Stadt und denkst, ja guck mal, ich kann ja gut sein, dass gerade so jemand an mir vorbeigelaufen ist.

Es kann ja gut sein, dass die Person, über die ich mich gerade furchtbar geärgert habe, weil sie irgendwas Dummes gemacht hat oder mir im Weg rumstand oder was Blödes gesagt hat oder unfreundlich war, aus so einem Tag kommt oder aus so einer Situation. Und das finde ich, das ist ja sehr, sehr viel, was so eine Geschichte leisten kann.

Und du machst das ja auch quasi immer, du nimmst zwischendrin immer mal die Vogelperspektive ein und bringst den Autor ins Spiel. Der Mann, der schreibt. Der Mann, der schreibt. Und der beobachtet quasi ja ständig solche komischen Szenen, die dann aber wirklich nur ganz kurz beschrieben werden. Aber irgendwie weiß man, ah ja, alles klar, das ist jetzt eine Inspiration für das, was er jetzt schreibt.

Aber eigentlich sieht er nur, wie sich zwei Leute anbrüllen, meinetwegen. Genau das, was wir jeden Tag sehen. Und die Romangeschichte ist dann sozusagen der Versuch, dem Fleisch zu geben. Habt ihr richtig verstanden? Ja, genau. Der Mann, der schreibt, ist ein bisschen so eine Kommentarebene. Also ein bisschen fast sowas wie eine Leseanleitung. Also der Mann, der schreibt, hilft ein bisschen zu verstehen, was passiert da eigentlich.

Mit diesen Storys, was beobachten wir eigentlich in diesen Geschichten, die da erzählt werden, aber was beobachten wir eigentlich auch so im Leben, wenn wir nur einfach mal hinschauen. Ich kann ja mal so der Mann, der schreibt, Szene vorlesen. Vielleicht bietet sich das an. Was es antreibt. Also die Kapitel sind unterbrochen von Zwischenspielen und in diesen Zwischenspielen kommt der Mann, der schreibt zu Wort.

Als der Mann viel zu früh aus dem Schlaf aufschreckt, ist die Stadt unter ihm schon wach. Nur leise dringt das Rumpeln der Straßenbahnen durch die dicken Vorhänge und schallisolierten Scheiben des Hotelzimmers im sechsten Stock. Weil er seine Brille nicht aufgesetzt hat, liest er die Uhrzeit falsch ab.

Er wirft die Decke von sich, zieht die Vorhänge zurück und öffnet die Fenster. Jetzt ist der Lärm deutlich zu hören. Das Klingeln der Bahnen und das Rattern ihrer Räder auf den Schienen, die Motoren der Busse und Taxis, vereinzelte Stimmen von Menschen, die auf dem Weg zur Arbeit sind. Dazwischen der Tönen Schreie von Möwen, die über den Bahnhofsvorplatz segeln, und sich auf den Dächern der Haltestellen niederlassen.

Der Mann setzt seine Brille auf und erkennt, dass es erst kurz nach fünf ist. Weit hinten im Osten schiebt sich das Licht des anbrechenden Tages unter die dichte Wolkendecke des Bremer Himmels. Es mag zu spät sein, um wieder einzuschlafen, denkt sich der Mann, aber es ist nicht zu früh zum Schreiben.

Er zieht sich an und kocht Kaffee. Während die Maschine plätschert und gurgelt, lehnt er im Fensterrahmen und beobachtet, was unten auf der Straße geschieht. Bahnen und Busse treffen ein und fahren wieder ab. Menschen stehen und warten auf sie, steigen ein. Andere steigen aus, nehmen die Plätze der Wartenden ein oder hasten über den Platz und verschwinden schließlich in der Bahnhofshalle.

Manche müssen rennen, um ihre Verbindung noch erreichen zu können. Andere warten weiter. Sie alle haben irgendein Ziel, irgendeinen Anlass, um so früh schon in den Straßen der Stadt unterwegs zu sein. Wenn sie es sich leisten könnten, würden sie vielleicht noch im Bett liegen oder, wenn sie schon wach sind, beim Bäcker Brötchen kaufen für ein gemütliches Frühstück.

Wer weiß, denkt sich der Mann, vielleicht ist das der einzige Grund, warum sich manche auf den Weg gemacht haben. Und das wäre doch bei weitem nicht der Schlechteste. Was treibt euch, denkt er, was treibt uns an? Mich. Warum liege ich nicht im Bett und schlafe, sondern sitze hier und schreibe? Von denen, die dort unten stehen, gehen, warten, rennen, kennt kaum einer den anderen.

Ihre Leben scheinen keine gemeinsamen Berührungspunkte zu haben, bis auf diese eine flüchtige Begegnung am Morgen. Wie Fäden einer verwirrenden Textur kreuzen sie sich, ohne dass ein Grund dafür erkennbar wäre, abgesehen von einer zufälligen Gleichzeitigkeit. Doch wenn man einen höheren Standpunkt einnehmen könnte, denkt sich der Mann, noch höher als ein Hotelzimmer im sechsten Stock.

Dann könnte man vielleicht die Muster und Strukturen erkennen, die uns alle verbinden, von denen wir alle ein Teil sind. Manche dieser Muster sind uns vorgegeben. Wir folgen ihnen, ob wir wollen oder nicht, ob wir sie gutheißen oder verachten. Andere entstehen im Vollzug und wir tragen unseren Teil dazu bei, wissentlich und unwissentlich, als Protagonisten unserer eigenen Geschichten.

Unten, an der Haltestelle der Linie 24, steht ein Arbeiter, trinkt Kaffee, raucht und bereitet sich auf seinen Tag vor. Er trägt eine neonorange Hose und eine neonorange Kappe. Er räkelt sich und versucht sich die Müdigkeit aus den Gliedern zu strecken. Ein jüngerer Mann in einem weißen Hoodie mit einer Tasche über der Schulter nähert sich.

Er stellt dem Arbeiter eine Frage. Der antwortet, macht dazu eine kleine Geste. Der jüngere Mann nickt und geht weiter. Ein Bus fährt vor, ein Bus fährt ab, der Arbeiter ist fort. Ich hätte auf jeden Fall noch drei Themen, über die ich gerne mit euch bezüglich deines Buches reden will. Ja, mindestens.

Zum einen, das passt jetzt vielleicht ganz gut. Gofi, als dein Freund hatte ich das Gefühl, da steckt schon ganz schön viel von dir drin. Sei es in dem Mann, der schreibt. Sei es in Geschichten, die ich von dir kenne, die ich plötzlich in deinem Buch wiedergefunden habe. Sei es allein biografisch sozusagen, was ich von deinem Leben her kenne.

Es ist klar, es geht nicht um dich, aber es ist doch, finde ich, ein sehr persönliches Buch. Oder würdest du das nicht so sehen? Ja, ja, das stimmt. Das habe ich ganz bewusst gemacht. Es ging mir vor allen Dingen darum, geile Geschichten zu schreiben. Und die besten Geschichten kann man über Dinge schreiben, die man selbst gut kennt.

Und ich habe gedacht, was ich so erlebt habe, das ist gutes Material. Das nehme ich jetzt einfach mal. Und ich habe da gar nicht großartig versucht, das irgendwie zu verbergen oder so. Wer mich gut kennt, wird das schnell erkennen oder wird schnell Parallelen wieder erkennen. Genau. Das war mir aber ehrlich gesagt wurscht.

Ich habe gedacht, ich stecke da mittendrin in vielen Dingen. Ich weiß genau, wie sich etwas anfühlt. Ich weiß, wie sich Verlust anfühlt, wie sich Versagensängste anfühlen. Ich weiß, wie zackhafte Versuche eines Neubeginns sich anfühlen. Und das war alles noch so roh da, dass ich damit richtig gut arbeiten konnte.

Und ich weiß nicht, ob das gemein ist, wenn ich das als Selbstausbeutung bezeichne. Aber ich habe schon gesagt, ich gehe bei mir hausieren. Ich kann da gutes Material finden für gute Storys. Und ich werde da jetzt einfach mal keine Rücksicht nehmen auf andere Leute schon. Ich habe versucht, möglichst nicht irgendwie Menschen auftreten zu lassen, die man dann irgendwie wiedererkennen kann oder so.

Aber sofern das bei mir der Fall ist, dass man denkt, na, da steckt jetzt aber auch ganz schön viel Gofi drin, da habe ich gedacht, das ist mir einfach mal wurscht. Aber das finde ich ja total spannend, weil ich habe das natürlich auch gedacht. Aber das Spannende ist ja, dass das nicht auf eine bestimmte Figur zurückzuführen ist, dass man sagt, die Figur, die ist natürlich der Gofi, der ist der Mann, der schreibt oder der ist diese Figur.

Und habe dann gedacht, ja, das ist doch irgendwie auch wieder auf einer tieferen Ebene, ist das doch einfach so, dass der Mann, der schreibt, ist ja der Erzähler von diesen Geschichten auf eine Weise wahrscheinlich irgendwie. Und du kannst es ja nicht verhindern, egal wie gut du diese Figuren ausarbeitest, jede von denen ist ja auch ein Stück von dir.

Das sind vielleicht auch Teile, die sehr weit entfernt voneinander sind, die so, die Range auch deines Wesens, deines Charakters, deiner Erlebnisse irgendwie abbilden und wenn man die einfach nur für sich mal frei rumlaufen lässt, so den einen Teil von mir, dann sähe der vielleicht so aus und wenn man den abspalten könnte von dem Rest, dann sähe der andere vielleicht so aus.

Und das finde ich ja dann schon irgendwie ganz interessant, das einfach mal so durchzuspielen, also so seine ganzen inneren Anteile, dann auch noch nach Hochding zu setzen, wo du ja auch herkommst und zu sagen, so und jetzt spielt mal miteinander und guckt mal, was dabei rauskommt, wenn ihr euch jetzt über den Weg lauft, finde ich eigentlich super.

Ja, genau. Und wir haben in anderen Gesprächen auch bei Popkunst Seele immer wieder mal gesagt, das Private ist universell. Also, was du erlebt hast, was du schon mal erlitten hast und wenn du diese Geschichte jemandem erzählst, wirst du ganz schnell merken, dass jemand sagt, oh, das kenne ich auch. Und ich weiß noch, Jay, du warst dabei, als ich diesen Männer-Workshop gemacht habe, auf der Grundlage von Geschichten aus meinem Roman und wieder an ein Freund von uns sagte, Gofi, kurze Frage, bin ich das? Genau.

Ich habe gesagt, nein, natürlich nicht. Ja, aber der ist wirklich genau wie ich. Und ich habe sogar meinen Beruf erfahren von hinten gerufen, doch, das bist du. Genau. Offensichtlich. Ich finde das ja schon, dass wir alle so individuell unsere Erfahrungen auch sind. Natürlich, weil wir ja Individuen sind.

Aber das, was wir erleben, ist dann auch wiederum nicht so originell. Also unsere Ängste, unsere Verzweiflung, unsere Versagen und so weiter, die sind in bestimmten Kontexten, passieren die natürlich ganz konkret tief reingezoomt. Ich bin kein Schulsozialpädagoge wie du, Jay. Ich arbeite nicht mit Leuten in der neunten Klasse, die mir die letzten Nerven rauben oder so.

Aber es kommt zu Situationen, da sagen du und ich, wir beide, ah ja stimmt, das kenne ich. Ja, ja, das habe ich schon mal erlebt. Und darauf habe ich mich einfach berufen, dass selbst wenn ich jetzt meine Erlebnisse, meine Gefühle einfach mal hernehme, um die künstlerisch zu verarbeiten. Ganz bestimmt finde ich Leute, die sagen, ja, okay, das kenne ich ja auch.

Ich finde das auch sehr schön, dass du sozusagen die, also für mich als deinen Freund habe ich dich da an ganz vielen Stellen wiedergefunden. Und wie gesagt, Marco hat es ja gesagt, in verschiedenen Figuren. Aber auch so ein bisschen das Gefühl, ah ja, ich finde das ja immer toll, wenn man den Autor durchschimmern sieht.

Und das ist kein Roman über dich, das ist schon klar, aber man kann eine ganze Menge von dir spüren, von deiner Art aufs Leben zu gucken, von deiner Art durchs Leben zu gehen oder dich damit zu beschäftigen von bestimmten Erlebnissen, die was bei dir hinterlassen haben. Und das finde ich einfach schön. Also ich finde es schön, dass als dein Freund.

Ich dieses Buch nochmal anders lesen kann als jemand, der dich nicht kennt, weil ich einfach wirklich viel von dir darin wiederfinde. Ja, das ist schön, dass du das sagst. Leider kannst du dadurch aber nicht das Buch so lesen wie jemand, der mich nicht kennt. Das ist ein Vorteil und ein Nachteil, finde ich. Beide Lesarten haben was Schönes an sich.

Aber das ist eigentlich ein gutes Sprungbrett zu einem Thema, über das wir unbedingt noch reden müssen. Also wenn du sagst, man spürt auch deine Geschichte und natürlich auch deine Emotionen dabei so durch. Es ist ja auch ein Buch über Männlichkeit auf ganz vielen Ebenen. Das wäre Thema Nummer zwei gewesen. Super. Sehr gut. Dann seid ihr euch ja einig. Zum Glück.

Also das ist ja offensichtlich, auch wenn du jetzt nicht vorne drauf geschrieben hast, was weiß ich, ein Roman über toxische Männlichkeit oder überhaupt über Männlichkeit. Aber das wird ja ganz viel verhandelt, manchmal sogar explizit. Da reden sogar, also der Ben zum Beispiel, der redet darüber ja. Und ansonsten merkst du ja ganz viele Probleme, die Figuren da haben.

Vor allem auch die weiblichen Figuren kommen einfach daher, dass Männer Arschlöcher sind oder sich arschlochhaft verhalten, rücksichtslos und sexistisch oder showierhaft verhalten. Gewalt spielt an manchen Stellen eine Rolle, die irgendwie Figuren sich gegenseitig antun. Und also, das ist ja auch eine Linse, durch die man sich diese Geschichten anguckt.

Also wir hatten es ja vorher schon mit dieser Engführung, man könnte diese Geschichten wahrscheinlich auch mit einem anderen Schwerpunkt erzählen, aber du hast diesen gewählt. Warum ist das so ein Thema, was dich so umgetrieben hat dabei oder kam das einfach? Ja, ich habe das erst während des Schreibens gemerkt, dass das ein Thema ist, das mich offensichtlich beschäftigt und das offensichtlich immer wieder darin vorkommt.

Das hat so ganz aus dem Nähkästchen geplaudert. Das hat damit zu tun, dass in der Zeit, in der ich geschrieben habe, sich meine Frau und ich gerade getrennt haben. Und das habe ich selbst gar nicht gewusst, dass das passieren könnte, auch nur, aber ich habe irgendwann gemerkt, dass ich tatsächlich dadurch irgendwie nochmal angefangen habe, darüber nachzudenken, was das jetzt mit meiner Männlichkeit macht oder mit meiner Vorstellung von mir als Mann.

Ehrlich gesagt, das hätte ich nicht für möglich gehalten, dass mir das passieren könnte. Ich habe gedacht, das Thema Männlichkeit ist nicht mein Thema. Da habe ich nichts mit zu tun. Ich bin mir meiner selbst sehr sicher, sehr gewiss. Ich habe noch nie den Anspruch gehabt, jetzt irgendwie wie so ein Alpha-Männchen durch die Gegend zu laufen oder irgendwie, keine Ahnung, meine Männlichkeit irgendwem unter Beweis stellen zu müssen. Das fand ich immer eher komisch, wenn ich das bei Männern beobachtet habe.

Ich habe mich immer gefragt, warum hat der das jetzt nötig? In der Zeit der Trennung, habe ich plötzlich bei mir dann doch eine ziemlich starke Verunsicherung entdeckt. Und ich habe die eigentlich erst dadurch entdeckt, dass ich das in den Geschichten entdeckt habe. Also dass ich das in den Geschichten thematisiert habe und mich gefragt habe, sag mal, was ist mit dir los?

Worüber schreibst du hier eigentlich? Ich fand die Geschichten cool, die waren intuitiv, die entstanden. Ich habe mich an ihnen gefreut. Ich habe mich über Charaktere natürlich auch geärgert. Ich habe mich über die lustig gemacht. Und irgendwann habe ich gedacht, nee, nee, warte mal, das ist ja dein Thema.

Und dann habe ich aber auch gemerkt, dass ich da gerade auch einen Nerv treffe, weil gerade sich auch gesellschaftlich ganz schön viel über Männlichkeit Gedanken gemacht wird. Wenn ihr an die Tate-Brüder denkt und diese ganze Manosphere, die Gefolgschaft, die so Manosphere-Influencer haben, die so eine total archaische Form von Männlichkeit im Internet darstellen und scheinbar viele Typen, fliegen da drauf und finden das ganz faszinierend und attraktiv und so.

Oder wenn du dir Vertreter der US-amerikanischen Regierung anguckst oder so, dann denkst du so, ja, das scheint wohl doch irgendwie gerade auch gesellschaftlich ein wichtiges Thema zu sein. Und deshalb habe ich weiter in die Richtung geschrieben, weil ich gedacht habe, nee, das ist cool. Es betrifft mich, es interessiert mich, es ist aber gesellschaftlich auch irgendwie relevant. Ich bleibe mal an dem Thema dran.

Und dann habe ich eben, die Figur Franco gab es schon zum Beispiel, der taucht ja schon ein Hochding auf. Und der war dann für mich natürlich super in dem Fall. Auch die Verunsicherung, die dann der Ben, der Schriftsteller hat, all diese Sachen konnte ich dann gut nehmen. Und dann traucht ja einer, den wir, glaube ich, wahrscheinlich alle hassen, Kai, der Immobilienmakler, der ja so mein Alter ist.

Also der ist mein Jahrgang, 1970, Mitte 50, weiß, Arschloch. Den habe ich dann auch geschrieben und habe dann erschreckt festgestellt, wie leicht mir das fällt, den auch zu schreiben. Also wie leicht das ist, mich in seine Situation zu versetzen und seine Gefühlsmuster, obwohl ich alles daran ablehne, doch irgendwie auch ganz gut nachvollziehen kann.

Ich finde, da gab es einen Moment, da war ich kurz auch echt ein bisschen erschreckt, weil er ja vor sich selber rechtfertigt, warum er manchmal so übergriffig ist. Er nennt das nicht übergriffig, aber er kann das halt mit so ein paar Sätzen irgendwie so rechtfertigen, dass du hinterher denkst, das ist zwar immer noch total ekelhaft, aber check ich jetzt, warum der so tickt irgendwie.

Also das geht doch nicht. Ich möchte das gar nicht mal nachvollziehen können, aber kann ich. Ja, genau, genau. Aber ich finde, das ist die Stärke in deinem Roman. Also wenn du mich fragen würdest, fass den Roman mit einem Satz zusammen, dann würde ich Grönemeyer zitieren, Wann ist ein Mann ein Mann? Das ist das Kernthema dieses Romans. Es geht auch um Liebe und es geht auch um Sinnsuche und es geht auch um Rache und alles solche Sachen.

Aber das Kernthema des Romans ist, wann ist ein Mann ein Mann? Und du machst das, finde ich, sehr schön, weil du eben jetzt nicht nur, also du hast jetzt Menos 4 erwähnt und den ekligen Immobilienboss erwähnt. Aber du hast, finde ich, schon sehr unterschiedliche Männertypen drin. Sid ist ein sehr gefühlvoller Mann. Der ist super soft, ja.

Und der scheitert daran ja auch immer wieder quasi. Obwohl er eigentlich so ein super verständnisvoller Mann ist, aber irgendwie nicht landet als Beispiel. Und dann beschreibst du so schön, wie er mit einer KI Sexting macht. Und das ist auch ganz, auch ganz geil irgendwie. Also im wahrsten Sinne des Wortes durchaus geil, was da passiert.

Und du merkst irgendwie, ja, der versucht jetzt auf der Ebene irgendwie Kontakt zu kriegen. Und er weiß ja, dass diese Person gibt es gar nicht. Aber anyway, und die KI, das finde ich auch so schön. Übrigens wollte ich nochmal kurz erwähnen, die Roger hat ja die ganze Zeit. Kennt ihr Carl Rogers, der Erfinder der Gesprächspsychologie?

Der hat das erwähnt, der hat das quasi erfunden oder publik gemacht, dass man als Psychotherapeut, also wir nennen das lustig immer, dass du rotschern sollst. Und zwar immer, das, was der Klient sagt, nochmal sagen. Also eben zurückspiegeln, was er gesagt hat. Und mir geht es heute wirklich schlecht. Dir geht es heute also nicht so gut.

Ja, ich bin echt verzweifelt, weil meine Frau flippt völlig aus. Oh, du scheinst ein Problem mit deiner Frau zu haben. Und das macht ja diese KI ununterbrochen. Die. Sagt quasi ununterbrochen das, was der Sid gerade reingetippt hat. Und er fühlt sich aber verstanden, sozusagen. Also die Roger bis zum geht nicht mehr quasi.

Und das fand ich irgendwie sehr, sehr, sehr, sehr schön. Also ich wollte einfach nur sagen, du hast dann schon verschiedene Typen. Also eher so harte, eklige, aber eben auch so gefühlvolle und dann so ein Schriftsteller, der irgendwie auch nicht so ganz weiß, wer er ist. So, das fand ich irgendwie sehr, sehr schön. Ja, also verschiedene Männertypen, durch die wir uns der Frage nähern, wann ist ein Mann ein Mann?

Und du beantwortest die Frage ja nicht, sondern, bietest dieses Mosaik als Deutungsraum an, wo man sich dann irgendwie…, selber finden kann, selber identifizieren kann und dann vielleicht. Anknüpfungspunkte hat oder eben auch nicht in der Art, wie man Männlichkeit versteht. Genau, weil eine Figur alleine funktioniert ja nicht als das leuchtende Beispiel, dass man sagt, die anderen haben es alle falsch gemacht, aber nimm dir den Jens am Ende.

So sollte man das machen als Mann. Dann denkst du, nee, das hat halt alles irgendwie Licht und Schatten in den Figuren. Genau, noch nicht mal der Sid, der ja nun mal wirklich der netteste aller Männer ist. Abgesehen von Dennis, der ja eigentlich im Prinzip auch dieselbe Frage hat. Der taucht nur ganz selten auf, aber der autistische Junge, der einfach gerne normal sein möchte. Das ist sein Hauptthema.

Aber auch der Dennis möchte natürlich ein ganz normaler Mann sein. Das ist jedenfalls bei ihm so. Genau, aber niemand lebt das Beispiel vor, wo dann man als Leser sagen kann, ah, so. Und das fände ich auch einfach albern, denn. Es gibt ja auch gar nicht die eine Form oder die gültige Form, ein Mann zu sein. Das wäre ja Quatsch, finde ich.

Na, du hättest ja so eine Jesusfigur da so reinmalen können, der so quasi das Vorbild, das geht mir am christlichen Glauben manchmal voll auf die Nüsse, dass du quasi immer diesen Jesus hast, der angeblich alles super macht und der perfekte Mann ist, der perfekte Frauenversteher, der perfekte Gott, der perfekte Mensch, der perfekte Heiler, der perfekte Philosoph.

Also irgendwie, da finde ich, also manchmal... Ja, und Handwerker auch noch. Das ist ja das Nervige. Ja, und Handwerker auch noch. Ja, und das Schöne ist ja, dass die biblischen Schriften... Und genügend andere Figuren noch den Raum geben, die jetzt sozusagen die andere Folie haben, also wo man sich dann eher drinnen wiederfindet.

Aber manchmal, finde ich, kann einem Jesus schon ein bisschen auf die Eier gehen, oder? Das hast du jetzt gesagt. Ja, er wird einem halt immer so als die Antwort vorgehalten. Du hast irgendeine Frage, Jesus. Genau. Und ja, das könnte ich nicht machen. Das ist ja klar. Gut, vielleicht wäre es dann tatsächlich auch ein christlicher Roman geworden.

Das ist es ja leider nicht. Ja, ist ja auch nicht so wild. Ich finde nur sozusagen, manchmal krankt das Christentum daran, dass sie diese eine super positive Figur hat quasi, wo dann alle denken, oh wie der muss ich sein. Aber das ist ja gar nicht möglich. Niemand kann so sein. Und es ist damit ja auch eine Projektionsfläche.

Ich bin dann froh, dass es drumherum noch diese ganzen anderen Figuren gibt, an denen man sich reiben und vielleicht eher orientieren kann. Ja, das haben wir bei unserem Jesus-Talk ja auch schon festgestellt, wie unterschiedlich die Wahrnehmung von Jesus dann aber ja auch wird. Je nachdem, wer dieser Jesus dann für dich sein soll.

Weil du gerade Projektionsfläche sagst. Ja, aber ich finde bei den Figuren auch total interessant, dass sie alle ja auch mehr oder weniger... Selber die Schattenseiten des Mannseins auch irgendwie abkriegen. Also manchmal im Sinne von der Gewalt, die dann von einem anderen Mann ausgeht, aber auch an diesen ausgesprochenen oder unausgesprochenen Erwartungen, die irgendwie.

Die sie an sich selber anlegen oder die von der Gesellschaft oder von den Frauen, die sie beeindrucken wollen, an sie angelegt werden. Denn das merkt man ja schon, dass selbst diese Männlichkeitsbilder, denen sie versuchen zu genügen, eigentlich auch alle überhaupt nicht positiv sind. Oder nur zum Teil zumindest. Und das wird jetzt nicht so doll hinterfragt, aber da merkt man schon, irgendwas ist da auch.

Also da gibt es jetzt nicht das Rezept, wo du sagst, ja, lebt deine Männlichkeit doch so, dann passt das schon. Sondern das bringt halt so einen Ballast mit, an dem du eigentlich erstmal nur scheitern oder kaputt gehen kannst auf eine Weise. Und selbst die, die das eigentlich sehr gut machen, scheitern am Ende daran, dass sie eigentlich von allen dann als zu nett wahrgenommen werden.

Dann ist die die ganze Zeit, denkst du, ja Mann, aber so wie der, finde ich eigentlich, der macht es eigentlich ganz nett. Dann ist aber ausgerechnet die Frau, die er gut findet, die findet das aber zu nett irgendwie. Ja, der wird dann gefrienced. Ich habe das Wort jetzt gelernt von meiner Verlegerin, der Lisa Felbinger. Die hat gesagt, ja, der wird dann immer gefrienced. Kennst du das?

Kann ich noch nicht. Finde ich aber einen guten Begriff. Der wird dann also in die Friendzone abgedingst. Ja, ist aber ein guter Typ. Super. Das finde ich auch schön. Mich mit dir zu unterhalten ist einfach echt richtig, richtig toll. Aber ficken wir immer mit dem nicht, ne? Also ja. Wirklich. Das wird da ja auch so gesagt.

Aber wenn wir jetzt an diesem Thema sind und jetzt vielleicht mal einen kurzen Augenblick aus dem Buch heraustreten, ist ja auch, finde ich, echt eine spannende Frage. Wann ist ein Mann ein Mann? Wie seht ihr das? Also können wir einfach mal kurz so ein paar Schlaglichter, weil das jetzt irgendwie, quasi von dem Buch ausgeht, die Frage. Aber es ist ja auch eine spannende Frage.

Habt ihr da Gedanken zu? Also ich glaube ja nicht, dass es darauf eine Antwort gibt. Und ich glaube tatsächlich, dass jeder Mensch das selbst rausfinden muss, was Männlichkeit dann in seinem Fall bedeutet. Da hatten wir auch drüber gesprochen bei diesem Workshop über Männlichkeit ich weiß noch, da ist jemand im Publikum der hat Jugendarbeit gemacht, mit Jungs und der war damit nicht einverstanden der hat gesagt, nein, ich brauche schon irgendwie ein klares Vorbild ich habe hier mit jungen, Männern zu tun oder Teenagern oder so und die suchen händeringend nach dem Vorbild, Und da kannst du mir nicht daherkommen und sagen, ja, das muss jeder für sich selbst rausfinden.

Und da hast du dich von hinten gemeldet. Doch, ich finde das genau so. Jay, hast du da so reingerufen? Nö, nö. Also ich finde das schon genau so richtig so. Also da gibt es keine klare Antwort drauf. Und irgendwie in diesem Spannungsfeld bewegen wir uns. Ich kann das schon verstehen, dass man irgendwie nach dem Role Model sucht.

Aber ich kann mir das... Ich finde eigentlich, die Lebenssituationen sind so unterschiedlich, in denen wir leben, da muss sich das in der Situation immer wieder neu zeigen, meiner Ansicht nach, was jetzt männlich wäre. Und manchmal finde ich diesen Begriff, ehrlich gesagt, auch gar nicht wirklich hilfreich, denn dann treffe ich plötzlich auf eine weiblich gelesene Person, die sich so verhält, wie ich das mal irgendwann als männlich.

Gelernt habe und ich bin einfach nur froh. Dass diese Frau oder weiblich gelesene Person jetzt den Arsch in der Hose hat und jetzt einfach mal genau das macht, was jetzt gemacht werden muss. Und nicht, weil sie ein Mann ist oder nicht, weil sie eine Frau oder irgendwas dazwischen, sondern einfach, weil es das Richtige ist, was jetzt getan werden muss.

Und dann gehen mir diese Kategorien ehrlich gesagt schon wieder auch ein bisschen auf die Nüsse, muss ich sagen. Ich frage mich, ob das nicht irgendwie auch eigentlich ein Denkgefängnis ist, dem auch meine Protagonisten in diesem Roman irgendwie aufsitzen, ein Irrtum. Dass sie sagen, ja, was muss ich denn jetzt als Mann hier?

Die Frage ist doch, was musst du denn jetzt in dieser Situation richtigerweise tun? Hab den Mut, egal, ob du welches Geschlechtsmerkmal du hast, du hast einfach den Mut, jetzt das Richtige zu tun und vergiss einfach, ob das jetzt männlich oder weiblich ist. Who cares, würde ich sagen. Das ist ganz cool. Da kann ich zumindest ganz gut dran anknüpfen, weil mir das im Grunde ähnlich geht und da.

Ich da auch wieder in meiner Religion eine schöne Antwort darauf finde. Oder nicht eine Antwort, sondern Und ich finde, die jüdisch-christliche Religion schlägt da einen anderen Weg ein. Also menschlich ist zu sagen, Männer und Frauen und Frauen sind so und Männer sind so. Und Männer müssen sich durchsetzen und müssen beschützen und müssen dieses und jenes und Frauen müssen das andere und der, der, der. Und dann hast du das so.

Und ich finde das irgendwie so schön, dass die biblischen Schriften, mit einem Mann beginnt, der aber gar nicht Adam, der aber gar nicht Mann ist, sondern Mensch. Adam heißt Mensch. Und es ist natürlich ein tolles Wortspiel, weil natürlich ist es die männlich gelesene Figur sozusagen in der Geschichte, Aber es geht darum, dass der ein Mensch ist, ein Adam sozusagen.

Und dann geht es in dieser ganzen Geschichte darum, dass der Adam ja dann quasi aus dem Paradies geht. Und Gott fragt, wo bist du? Und ich höre darin so einfach die Frage, also nicht wann bist du ein Mann, sondern wann bist du ein Mensch? Ja, ja. Und deswegen für mich wäre das auch so, dass ich sagen würde, ja, es gibt verschiedene Arten und Weisen, Männlichkeit zu leben und Weiblichkeit.

Und von mir aus kann sich das auch überkreuzen und so weiter. Also es gibt verschiedene Arten, sein Leben zu leben und es gibt verschiedene Menschen, denen verschiedene Dinge darin sind. Wichtig sind. Es gibt körperlichere Menschen und es gibt kopflastigere Menschen und es gibt emotionalere Menschen.

Und es kann sich ausdrücken, wie man das dann männlich nennt oder auch nicht. Alles scheißegal. Die eigentliche Frage ist. Bist du ein Mensch? Adam, wo bist du? Das. Ist einer der Dinge, warum ich, oder das ist eine der Dinge, die mir am christlichen Glauben gut gefallen. Weil ich finde, dass er versucht, sich nicht auf diese Stereotypen Fährte zu begeben, sondern wichtigere Fragen stellt.

Ja, voll. Den Gedanken hatte ich eben auch schon, Gufi, als du gesagt hast, dass manche von den Figuren sich fragen, ja, was soll ich denn jetzt tun als Mann? Da habe ich schon gedacht, ja, wahrscheinlich wäre die viel sinnvollere Frage, was soll ich jetzt tun als Mensch? Und ich verstehe schon natürlich auch diesen Impuls, ja wir brauchen doch, also gerade als junge Menschen, verstehe ich auch, habe ich auch natürlich nachgesucht, was sind denn so die Role Models, gerade jetzt so als als junger Mann oder sowas, aber das muss ja, das müssen ja nicht alles dieselben sein, also ich finde es kann ja Role Models geben und es kann auch männliche Role Models geben, aber das kann ja eine große, Range haben, von weiß ich nicht von super athletischen, super sportlichen Typen.

Ich hatte einen Michael-Jordan-Poster im Zimmer hängen und ein großes Bild von Allen Ginsberg. Also das eine ist halt wirklich einer der krassesten Athleten, die es jemals gab und das andere halt ein queerer Mann, der jetzt auch nicht so super sportlich aussieht. Das ist schon richtig schön. Das finde ich sehr gut.

Ja, ich hätte ja noch eine dritte Frage. Weiß nicht, ob ich die noch stellen darf. Ich finde schon. Also was ich auch sehr spannend an dem Roman fand, und übrigens nochmal kurze Nebenbemerkung. Man merkt, wie ich diese Fragen formuliere. Ich habe bei dem Buch immer wieder an uns drei denken müssen, Weil ich finde.

Das Buch hat mir eine Art Spiegel gegeben, uns drei besser zu verstehen, sage ich jetzt mal. Das musst du mal ausführen, das finde ich total interessant. Also das Buch war nur das Sprungbrett. Aber ich finde, Gofi ist jemand, der guckt sehr auf Situationen. Also du willst eine Situation schildern. Und ja, du hängst die in bestimmte andere, in den Gesamtzusammenhang, aber der Gesamtzusammenhang ist gar nicht so wichtig.

Du hast einen ganz starken Blick auf den Moment, auf das, was gerade passiert. Ich habe den Blick immer fürs Große und Ganze. Deswegen erzähle ich hier von Adam. Und wann ist ein Mensch ein Mensch und werde so pathetisch. Weil ich will immer das Systematische klären. Immer das Große sozusagen. Also genau das, was du, Gofi, sagst, das interessiert mich gar nicht.

Ich will wissen, was da gerade im Moment passiert. Und Marco, du, und das ist mir über dich klar geworden, du bist keiner von uns beiden, sondern dich interessieren die Zwischentöne. Dich interessiert das, was nicht gesagt wird, sondern was da zwischen den Zeilen steht und passiert und wie sich das anfühlt.

Und das finde ich, also das ist so meine Deutung von uns dreien, die ich sozusagen zumindest das Buch ein bisschen als Anlass genommen habe, mal darüber nachzudenken. Ich weiß nicht, ob ihr dem beipflichten könnt, aber mir ist dabei klar geworden, warum wir so gut als Hossertalk funktionieren. Weil wir damit alle drei was ganz Wichtiges abdecken.

Gofi bringt immer auf den Punkt. Ich versuche ein großes, Ganzes irgendwie abzubilden. Und der Marco, der guckt drauf, ja jetzt geht man nicht zu schnell in die Welterklärung oder. In die Beschreibung einer Situation, sondern was passiert denn da gerade? Was schwingt da? Deswegen magst du auch Filme von David Lynch, weil der sich genau für diese Zwischentöne interessiert.

Ich mag Thriller, die wir versuchen, eine große Wahrheit zu verkaufen. Und der Goofy mag ebenso Episodenzeug. Ja, du hast mich nicht widersprechen. Ich kann mich da schon wiederfinden. Ist nicht schlecht, oder? Das ist nicht schlecht. Und da bist du drauf gekommen, weil du das Buch gelesen hast. Ja, ich habe darüber schon mal nachgedacht und im Buch ist mir sozusagen, deine Versessenheit, nicht auf das große Ganze, sondern auf das Konkrete begegnet wieder.

Und da habe ich gesagt, ja genau, das ist Gofi, ja wow, Wahnsinn. Und dann habe ich davon ausgehend darüber nachgedacht, ja witzigerweise mich interessieren immer eher die systematischen Zusammenhänge. Und dann habe ich wieder gedacht, den Marco interessiert, also natürlich interessieren wir uns alle für alles, aber primär das, was dazwischen ist, das, was energetisch passiert, das, was man schwingen hören muss.

Ja, also das ist jetzt kein Thema des Buches, aber es hat mich uns dreien ein bisschen mehr auf die Spur gebracht. Schön, finde ich. Gefällt mir sehr. Würde gut erklären. Also ist mir auch schon aufgefallen, dass wir vor allen Dingen als Trio echt sehr gut funktionieren. Aber darauf wäre ich jetzt ehrlich gesagt nicht drauf gekommen, aber das leuchtet mir vollkommen ein.

Aber auch so diese Art des Miteinanderredens und sich auf diese Art eben halt sich Themen zu nähern. Ich bin mir relativ sicher oder ich habe das teilweise auch schon selber gedacht, hat sich schon auch in meinen Schreiben ein bisschen durchgeschlagen manchmal. Also da merkt man schon das Echo von einem Gespräch, was wir mal hatten.

Ich bin mal gespannt, ob euch das auffällt, wenn diese neuen Texte irgendwann dann auch mal fertig sind. Aber das hat schon, also da bist du auf jeden Fall, glaube ich, so der richtigen Richtung auf der Spur, Jay, mit deiner Beobachtung, glaube ich schon. Ja. Und ich muss ja sagen, ich denke, ohne Hosserzog hätte ich nicht diesen Roman geschrieben.

Das denke ich nicht. Weil das Themen schon auch aufgreift... Die unsere Gespräche irgendwie mit beherrschen. Also jetzt natürlich nicht theologische Themen oder so. Es kommt keinerlei Theologie vor, eigentlich noch nicht mal wirklich Spiritualität. Ein bisschen schon. Ein bisschen. Weil der Mann, der schreibt, ist ja auch ein bisschen fromm.

Kann man ja nicht leugnen irgendwie. Zumindest spirituell. Oder zumindest hat er da so Hintergründe. Ja, das stimmt. Also der hat da so Anbindung an diese Szene. Und er hat eine sehr fromme Nachbarin zumindest auch. Eine sehr fromme Nachbarin, die… Ja, das stimmt, da taucht es kurz auf. Die Stelle, die ich persönlich am liebsten habe und die schon so ein bisschen in Richtung, am stärksten in Richtung Spiritualität geht, ist die Szene, wo der Dennis auf der Weserbrücke steht und nochmal über das Leben und den Tod nachdenkt.

Vielleicht könnte ich die ja gleich auch nochmal vorlesen, weil. Das ist dann auch das Ende des Buches und das ist dann tatsächlich sowas wie eine, spirituelle Ausrichtung der ganzen Story vielleicht sogar. Ja, wenn du das am Ende liest. Aber vorher? Okay, mach du erst dein Vorher, dann mache ich noch mein Vorher.

Aber vorher wollte ich meine Frage noch stellen, weil das war ja eine Beobachtung. Das war die Beobachtung? Das war eine Beobachtung und die hat jetzt die Frage hat damit gar nichts zu tun. Ich wollte das nur noch erzählen quasi, weil das Buch mich ein bisschen, auch dazu gebracht hat, über uns nachzudenken quasi.

Aber ich fand es auch nochmal ganz spannend, ein Thema des Buches ist auch, dass man, also du hast das vorhin so beschrieben, Gofi, Menschen begegnen sich, gehen ein Stück Weg miteinander, teilen ein Leben, teilen eine Erfahrung, gehen wieder auseinander, so haben dann wieder ihr eigenes. Und witzig finde ich jetzt, und da muss ich aufpassen, dass ich nichts spoilere, aber.

Dass die Grundgeschichte, die in dem ganzen Roman dann auch irgendwie Fahrt aufnimmt, eine riesige Missdeutung ist. Ja, genau. Eine riesige Missdeutung, die quasi, Dinge in Gang bringt. Und zwar quasi, und man könnte sagen, und du erzählst ja auch manche Dinge nicht, aber man könnte sagen, sogar auf mehreren Ebenen. Also.

Du lässt ja ganz bewusst auch Sachen weg, wo man denkt, ja und warum erzählt er nicht, wie das jetzt passiert ist und so. Aber lässt du einfach weg. Aber, das Drama der Missdeutung, und wir als Leser wissen das ja, wir als Leser wissen, die machen gerade etwas, was der absolute Wahnsinn ist. Wegen Bullshit. Genau. Also wegen einem Missverständnis, freundlich gesagt, oder einer Missdeutung, oder weil man das so haben, so sehen will, damit man etwas erreicht.

Also wie gesagt, ich kann das eigentliche Problem nicht benennen, um nicht zu spoilern. Aber das fand ich auch nochmal total spannend. Und du lässt das dann einfach stehen, Kofi. Also gut. Du lässt sie einfach in ihrer Missdeutung sitzen. Genau. Kannst du dazu noch mal ein paar Sachen sagen? Das fand ich eigentlich auch ein total spannendes Thema. Das ist halt, ich fand, das ging nicht anders.

Ich habe mich ja um Realismus bemüht in diesen Geschichten. Und das ist für mich die absolut realistischste Annahme, dass große Dinge bewegt werden auf der Grundlage von vollkommen nichtigen, Annahmen, die einfach so nicht stimmen. Und das ist ja genau der Punkt. Wir versuchen uns unsere Welt zurecht zu dichten.

Wir versuchen da ein System reinzubringen. Wir machen so eine Art von, Indizienlogik. Ah, wenn das passiert. Ja siehste, der hat ja auch das da. Weißt du noch, wie er das gesagt hat? Ja, ja, ja, genau richtig. Und jetzt siehste mal, das habe ich kommen sehen. Ja genau so. Musste ja passieren. Auf der Grundlage treffen wir Lebensentscheidungen, wir heiraten Menschen, wir kriegen Kinder, wir gehen Berufe ein, wir glauben an einen Gott, wir opfern unser Leben für diesen Gott.

Und wenn man ganz ehrlich ist, muss man hinterher sagen, ob das jetzt alles so stimmt, also woher wir es denn das wissen? Und sehr häufig stimmt es halt eben einfach nicht. Es ist einfach eine Deutung. Und das war für mich ein ganz wichtiger Punkt, das so deutlich zu machen, weil gar nicht um das Effekt des Willen, sondern...

Vielleicht, um eine philosophische Aussage zu machen und vor allen Dingen, ehrlich gesagt, auch um so nah an der Realität wie möglich zu sein. Weil das kann ich über die Wirklichkeit schon mit absoluter Sicherheit sagen. Meistens täuschen wir uns. Das ist eine Aussage, die man auf jeden Fall treffen kann und womit man meistens richtig liegt. Und das war mir einfach wichtig. Bzw. denkt ja jeder.

Dass er die wirkliche Wirklichkeit sieht. Genau. Weil wir glauben ja an unsere Deutungen. Richtig. Für mich ist das die eigentliche Frage. Was ist die wirkliche Wirklichkeit? Das ist eigentlich eine religiöse Frage. Ja, das finde ich nämlich auch. Das habe ich auch ganz stark bei dieser Szene gedacht, wo sie da so stehen.

Also das sind dann ja so diese drei Figuren, die so ein bisschen Detektiv spielen auch. Die so Indizien sammeln und sich umhören. Und dann treffen die sich und schmeißen das alles zusammen. Und du merkst ja schon beim Hören, das ist ja völliger Bullshit, daraus jetzt zu diesem Ergebnis zu kommen. Aber das ist halt genau, wie ihr gesagt habt, die wollen ja auch zu diesem Ergebnis kommen.

Die wollen das. Es steht eigentlich von vornherein schon fest, wir müssen nur irgendwas sammeln, was so halbwegs in die Richtung zeigt, dann gehen wir da schon mit irgendwie. Und das finde ich ist ja auch auf einer theologischen Ebene auch wieder interessant. Also wenn du dir auch so diese Texte anguckst, diese biblischen Texte und weißt aber schon, was die eigentlich sagen sollen, ja, dann sagen die es halt auch.

Wenn du eh schon weißt, wo ich hin will, ich suche da jetzt nur noch die Bestätigung und die Aufforderung, das jetzt doch zu tun, dann werden die dir das auch sagen. Und da kannst du die Geschichte natürlich lesen, das ist vielleicht ganz kurz sehr aufregend und dann aber vielleicht auch nicht so richtig clever, das so zu Ende zu spielen.

Und tragisch manchmal sogar auch. Ich finde ja, Ja, total. Und ich finde ja sozusagen, also deswegen finde ich das auch, wie du es gerade sagtest, einen sehr lebensnahen Roman, weil ich glaube, wir alle machen das täglich hunderttausendmal, unserer eigenen Deutung zu glauben und unsere eigene Deutung für die Realität zu halten.

Und dann kommen wir an Grenzen, meinetwegen streiten uns mit unserem Partner und merken, die hat ja eine andere Deutung. Das ist ja gar nicht die Deutung. Die sieht das anders. Und daran müssen wir uns abgleichen. Und dann kommen wir vielleicht entweder, sagen wir, die spinnt. Oder wir lassen die Perspektive an uns ran und merken und denken drüber nach und merken, okay, vielleicht sehe ich die Wirklichkeit gar nicht, wie sie wirklich ist.

Sondern ich sehe sie nur, wie ich sie sehe. Also ich will nur sagen, und ich glaube, diese Fehlschlüsse. Also ich nehme an, das macht jeder Mensch pausenlos. Ja, genau. Das habe ich heute gerade erst wieder im Internet gelesen. Also muss es wahr sein, dass der Homo economicus, glaube ich, ist der Begriff, der diese Bezeichnung.

Sagt, dass der Mensch ein rationales Wesen ist und die Wahrheit ist, genau das Gegenteil ist der Fall. Der Mensch trifft am laufenden Band irrationale Entscheidungen, weil... Der Verlust einer Sache wiegt emotional für uns doppelt so schwer wie das Erringen einer Sache. Also wenn wir einen Erfolg in einer Sache haben, dann ist das schön, das hat ein gewisses emotionales Gewicht für uns.

Wenn wir etwas verlieren, der Verlust, das wiegt emotional viel, viel schwerer. Deshalb treffen wir irrationale Entscheidungen. Deshalb nehmen wir lieber Dinge an, von denen wir unbedingt wollen, dass sie wahr sind und gehen in die Richtung. Wir treffen also noch nicht mal ganz normal abwägende, rationale Entscheidungen so, als wäre alles irgendwie wurscht, sondern wir sind zu stark emotional mit unseren Entscheidungen und mit dem Angst vor dem Verlust verbandelt.

Und dann ist es eben oft sehr irrational, was wir tun. Und deshalb ist das, was wir glauben, es entspricht oft gar nicht unbedingt den Hinweisen, den Fakten, die wir sammeln könnten, die wir eigentlich haben. Deshalb gibt es so verrückte auch so viele durchgeknallte religiöse Menschen, also muss man ja wir gehören ja irgendwie dazu ja.

Genau wenn man so will, das ist ein ganz ganz wichtiges Thema dieses Buches ja genau ja, Marco, du hattest auch noch. Ja, ich mache noch ein kleines Minifass auf, weil mich das fasziniert und weil ich finde, das ist ein sehr gofi-spezifisches Thema. Es gibt ja im Grunde in deinen Büchern immer auch noch einen Protagonisten, der keine richtige Figur ist, aber trotzdem ein Protagonist ist, nämlich der Ort, an dem das spielt. Ja, das stimmt.

Also das ist ja schon speziell, schon wieder ein Buch in Huchting spielen zu lassen, nachdem man davor schon ein Buch geschrieben hat, was Huchting hieß. Aber nicht nur in Hochdingen. Diesmal geht die Geschichte auch nach Bremen weiter. Das stimmt. Spielt auch ein bisschen in Hessen sogar am Anfang. Ja, sogar auch.

Es spielt auch in verschiedenen Orten. Es spielt auch in der Neustadt von Bremen. Es spielt in Oberneuland. Aber Hochdingen taucht auch wieder auf. Kichweye ist ein Ort im niedersachsischen Umland von Gremien. Ich glaube, es war mir deshalb ein Begriff, weil ich glaube, an Zeigler kommt daher. Oder irgendwie verbindet sich das. Das ist gut möglich. Ja, ja, das ist sehr gut möglich. Was ich fragen wollte, ich habe vor kurzem ein Interview gehört mit einem amerikanischen Lyriker, der wohnt in Minnesota.

Und der hat irgendwie so, ich versuche das jetzt so ein bisschen zusammenzufassen. Der hat gesagt, seine Gedichte haben erst so einen Punch gekriegt oder so eine Wahrhaftigkeit, indem der den Ort nicht so universell gelassen hat. Indem er nicht gesagt hat, ich wohne in einer Stadt und die Straßen meiner Stadt, sondern genau gesagt hat, das ist hier die, keine Ahnung was, Avenue und auf dem so und so Platz stehe ich gerade, spielt das und das.

Und an dieser Straßenecke spielt das folgende Gedicht und in dieser Straßenbahnlinie. Und das verstehe ich total, dass ein echter Ort und die Beschreibung von was ganz Greifbarem, Lokalem ist, dann wieder universell macht. Und da habe ich gedacht, das wäre eigentlich nochmal interessant, ob du das auch so empfindest oder ob das einfach halt so der Ort ist, mit dem du biografisch was verbindest oder ob der für dich auch mehr ist als nur, die Leinwand, auf die du das malst.

Ja, es war erstmal eine intuitive Entscheidung. Oder sagen wir mal, es war eher eine Beobachtung. Ich habe irgendwann festgestellt. Auf dem Weg zu dem Buch Huchding, dass ich wahrscheinlich die ganze Zeit über Huchding schreibe, ob ich es weiß oder sage oder nicht. So, da habe ich erkannt, dass dieser Ort eine Bedeutung für mich hat und ich bin irgendwann darauf gekommen, das muss damit zusammenhängen, dass ich an diesem Ort meine ersten sozusagen kindlich-magischen Fantasiereisen gemacht habe.

Da war ich zum ersten Mal ein Cowboy oder ein Pirat und ich bin das erste Mal vermeintlich über eine Prärie geritten. Das ist alles an diesem Ort passiert. Und dieses Spielerische, das Kunst hat, das hat ja ganz viel mit Kinderspielerei auch zu tun. Wenn wir Lieder schreiben, Gedichte schreiben, Bilder malen, was immer wir tun, einen Tanz uns ausdenken oder so.

Du spielst mal, du gehst rein, du guckst mal, was passiert. Du versuchst einen Flow zu finden, du versuchst Freude daran zu finden. Das hat was ganz Kindliches, finde ich. Und das hat mich ein bisschen dazu geführt, diesen Ort irgendwie ernst zu nehmen und dann ist mir aufgefallen, was dann passiert.

Man kann diese Orte tatsächlich wieder ein bisschen auch dadurch magisch aufladen. Also auch ein Leben, eine Biografie, etwas, was ganz banal ist, kann durch eine Erzählung. Irgendwie auf so eine andere Stufe gehoben werden. Also das wird dann halt so ein Kunstwerk. Das ist eigentlich eine Form von Transzendenz, die da passiert.

Und man überwindet so diese Banalitätsgrenze sozusagen. Diese Alltagsgrenze. Wann immer ich. Ein Erlebnis aus meinem Alltag nochmal nacherzähle, kriegt das plötzlich so eine Art von ästhetischer Dimension, die dazukommt, die das ganze Ding irgendwie plötzlich zu etwas Besonderem macht. Du hast eine lustige Begegnung in der Straßenbahn oder in S-Bahn in Frankfurt, und dann erzählst du die wieder und du gibst der ganzen Story aber plötzlich so eine narrative Story Linie und, dann lachen wir alle, weil es plötzlich irgendwie auch witzig ist, was da passiert ist.

Plötzlich hat das eine Besonderheit bekommen. Diese ganz normale Dinge, vorher war das einfach nur Alltagsmasse. Aber das wird dadurch plötzlich heraus rausgehoben und wird Literatur oder Geschichte oder so. Und dann bekommen diese Orte, diese Alltagsorte, an denen man vielleicht ständig vorbeigeht und die man überhaupt gar nicht beachtet, plötzlich bekommen die so einen magischen Touch irgendwie.

Also mein verstorbener Vater, der in Huchding gelesen, der war da 38 Jahre lang Pastor an diesem Ort. Der hat mein Buch gelesen und hat gesagt, ach Gottfried, das ist so schön. Ich sehe das hier alles mit ganz anderen Augen. Das ist ja so toll. Ich kenne die Orte ja alle. Ach, das ist so toll, wie du das erzählst. Ja, das ist ja wirklich schön hier.

Der hat ja 38 Jahre lang gearbeitet als Pastor. Also Storys gefügen der Sache plötzlich eine neue... Und Qualität hinzu. Das ist irgendwie auch eine Form von Transzendenz, finde ich. Und da wird dann Geschichten erzählen, auch plötzlich wieder zu was Spirituellem, finde ich. Weil plötzlich denkst du, okay, die Wirklichkeit ist doch noch ein bisschen mehr als das, was ich sehe.

Das kann sich noch nach mehr anfühlen. Und das könnte ich mir vorstellen, das ist irgendwie auch der Punch. Das ist nicht einfach nur eine namenlose Stadt oder halt eine Straße, wo LKWs lange fahren. Nein, das ist die Kirchhochdinger Landstraße. Genau. Und die Gläser in der Züchte wackeln, weil schon wieder so ein Sattelschlepper die Kirchhochengelandschaft so runter donnert, während die Ampeln gelb in den Nebel leuchten. Weißt du, da siehst du direkt vor Augen und denkst, oh geil, da will ich aber hingehen.

Das ist einfach so eine langweilige Straße in Hochdingen. Aber in der Geschichte hat das auf einmal plötzlich ein bisschen so ein Kick. Und das macht schon, also ja, das macht Spaß, damit zu arbeiten. Aber es ist irgendwie auch eine Aussage. Also die Wirklichkeit wird ein bisschen größer gemacht dadurch.

Und als gläubiger Mensch denke ich so, ja, das ist ja das, was ich mir wünsche von der Wirklichkeit. Und aber auch aufgewertet auf eine Weise. Also das, was du von deinem Vater, erzählt hast, das ist ja so ein bisschen, das wäre ja auch wieder sehr Jesus-Storytelling-mäßig, der dann sagt, guck mal die Lilien auf dem Feld, guck mal den Spatz an, wärst du so einfach vorbeigelaufen.

Aber ich sage mal, guck da jetzt mal hin, auf diese langweilige Straße, an diese langweilige Häuserecke. Da passieren Dinge, die sind wirklich interessant und beachtenswert. Ja genau, das ist ein sehr guter Hinweis auf die Lilien und die Spatzen. Und eigentlich ist das ja auch wiederum diese Achtsamkeitsübung.

Das ist ja irgendwie, was wir aus der spirituellen Praxis ja auch kennen. Nimm es doch mal wahr, höre doch mal hin, fühl das doch gerade mal, was jetzt hier passiert. Genau. Ich finde, das hat was damit zu tun. Ja, schön. Ich finde, jetzt würde tatsächlich als Abschluss super die Geschichte von Dennis noch passen.

Magst du das noch lesen, Profi? Ja, das kann ich gerade noch vorlesen. Und da ist auch tatsächlich, ich habe viel über diesen Fluss nachgedacht. Bremen wird ja von der Weser durchzogen. Und ich bin mir nicht sicher, ob den Bremern überhaupt bewusst ist, wie wichtig dieser Fluss für diese Stadt ist. Wahrscheinlich ist es so wie die Elbe für Hamburg oder meinetwegen auch die Lahn für Marburg.

Ich könnte irgendwie beim Schreiben dieser Geschichten und beim darüber nachdenken schon auch verstehen, warum so animistische Kulturen oder so an zum Beispiel so diesen Orten irgendwie auch was Geistiges spüren. Diese Weser, die gibt der Stadt Bremen schon irgendwie eine Form von Identität, finde ich.

Das ist schon irgendwie eine Präsenz. Das ganze Leben dieser Stadt findet um diese Präsenz die Weser herum statt. Finde ich ganz bemerkenswert. Und deshalb, vielleicht ist es auch kein Wunder, dass es dann so ein bisschen ins Spirituelle geht, was dann hier in dieser Szene passiert. Diese letzte Story heißt Nach Hause, nach Huchting.

Dennis tritt auf die Straße vor der Kaffierösterei und atmet tief ein. Es ist ein milder Tag Anfang Oktober. Er ist 20 Jahre alt. Er hat schwarze Haare und braune Haut. Er hat einen Job, den er echt gut findet. Nur, dass die Kollegen nerven. Sie sind halt behindert. Er aber nicht. Er hat nur Autismus.

Das ist etwas anderes. Denn es geht über das Gras des Deichels zur Promenade, lehnt sich gegen den Zaun und schaut über den Fluss zum anderen Ufer hinüber. Dort drüben liegen Schiffe. Die meisten sind weiß. Ein kleineres Boot fährt von rechts nach links an ihm vorbei. Es hinterlässt eine Spur im Wasser, die immer breiter wird, je weiter es sich entfernt.

Möwen kreischen. Sie klingen so, als würden sie sich kaputt lachen. Dennis muss grinsen und zeigt dabei seine schönen, schiefen Zähne. Motorengeräusche. Stimmen. Ein Martinshorn. Dann noch eins. Das Rattern einer Straßenbahn, die über die Brücke fährt. Die Straßenbahn klingelt laut. Dann verschwindet sie hinter Gebäuden.

Die Luft riecht nach geröstetem Kaffee. und dann noch dieser leckere, süßliche Geruch von der Brauerei. Der Fluss riecht auch nach Fluss. Dennis wendet sich nach rechts und geht unter den großen Bäumen in Richtung der Brücke. Er geht langsam. Er spürt jeden Schritt. Er atmet die milde Herbstluft und genießt ihr Leckersein.

Als er die Brücke erreicht, geht er nach links und hinüber. Er hat das Gefühl, dass er den Fluss spürt. Je weiter er über die Brücke geht, desto stärker wird das Gefühl. Er ist jetzt über dem Wasser. Er hört, riecht, spürt. Er lehnt sich an das Geländer und schaut hinunter auf die Wasseroberfläche. Es ist tief. Sehr viele Meter.

Er weiß nicht, wie viele, aber es sind viele. Das Wasser ist braun und bewegt sich. Es sieht lebendig aus. Vielleicht ist es das ja auch. Der Flussgeruch ist jetzt noch stärker. Wenn er hinunterfallen würde, würde er sterben. Denn es kann nicht schwimmen. Der Gedanke macht ihn traurig. Er hat wirklich versucht, es zu lernen, aber es ging nicht. Er ist immer untergegangen.

Und er hatte Angst vor dem Wasser in seinem Gesicht. Er kann auch nicht Fahrrad fahren. Er kann da nichts dafür. Er ist halt so. Das ist nicht seine Schuld. Denn es spürt, dass seine Traurigkeit zu Wut wird. Das will er nicht. Er hat heute auf der Arbeit mal wieder ziemlich rumgeschnauzt, weil ihn etwas sauer gemacht hat.

Das tut ihm jetzt leid. Er will nicht sauer werden. Aber manchmal geht es nicht anders. Er konzentriert sich wieder auf das Wasser. Wenn er dort hineinfallen würde, würde er ertrinken. Das Komische ist, dass er den Gedanken gerade gar nicht so schlimm findet. Vielleicht lebt die Weser ja wirklich, dann wäre er ein Teil von ihr.

Dann könnte er endlich schwimmen. Dennis geht weiter. Auf der anderen Seite ist die Haltestelle der Straßenbahn, die nach Huchding fährt. Die muss er nehmen. Aber das Wetter ist schön und Dennis hat plötzlich ein gutes Gefühl. Er erreicht das Kunstwerk in der Mitte der Brücke, das aussieht, als hätte es jemand aus Lego gebaut. Er mag das Kunstwerk.

Er hat es zu Hause schon einmal nachgebaut. Dahinter befindet sich eine Plattform, von der aus man den Fluss hinunterblicken kann. In die Richtung, in der vorhin das Boot gefahren ist. Von der Plattform gehen Stufen nach unten zu einem Anleger. Sie ist von einer kleinen Mauer umgeben. Dennis legt sich darauf, ganz vorsichtig, damit er nicht herunterfällt.

Es fühlt sich an, als würde er hoch über dem Wasser schweben. Eine Träne läuft von seinem rechten Auge hinunter zu seinem Ohr. Aber er weint nicht. Er ist glücklich. Über ihm ziehen weiße Wolken, über einen blauen Himmel, das Schreien der Möwen, das Plätschern des Flusses, das Rattern einer Straßenbahn, Stimmen, Motoren, Abgase, Kaffee, Fluss, Bier, Schön.

Dies ist seine Stadt. Dies ist sein Fluss. Hier ist er zu Hause. Das weiß er ganz genau. Hm, hallo? Das ist die Stimme von Noam. Dennis öffnet die Augen, die er eben geschlossen hat. Noam steht über ihm und schaut auf ihn herab. Was machst du? Nichts, sagt Dennis. Er richtet sich auf, schwingt das eine Bein über die Mauer und stellt sich hin.

Sie stehen nebeneinander und schauen hinunter. Noam ist 18. Sie sind beide ganz genau gleich groß, aber Noam ist dünner. Er hat auch Autismus. Das ist logisch, findet Dennis. Sie sind ja auch Brüder. Hast du keine Angst runterzufallen? Doch, ein bisschen schon. Warum hast du das dann gemacht? Keine Ahnung, sagt Dennis.

Sie schweigen und schauen die Weser hinunter. Wo kommst du gerade her? fragt Dennis. Sport. Ah. Ein Boot nähert sich und fährt unter ihnen hindurch. Fangschreckenkrebse, sagt Noam, können die Frequenz von einem ihrer Fotorezeptoren verändern. Dennis antwortet nicht, dann sagt er. Mhm. Die können verändern, welche Farbe sie sehen.

A. Außerdem können die polarisiertes Licht sehen, sagt Noam. Er betrachtet die blinkende Oberfläche des Wassers. Also, die können die Spiegelung von dem anderen Licht unterscheiden. Krass, sagt Dennis. Nichts an seiner Stimme deutet darauf hin, dass er sich für das interessiert, was ihm Noam erzählt.

Die haben doch mal eine tote Frau gefunden, sagt er dann. Im Werdersee, sagt Noam. Nee, in der Weser. Ich glaube, beides, sagt Noam. Also, die haben erst eine tote Frau in der Weser gefunden und dann noch eine im Werdersee. Was ist eigentlich der Unterschied, fragt Dennis. Also, der Werdersee gehört irgendwie zur Weser oder so, sagt Noam, keine Ahnung.

Ah, sagt Dennis, sind beide ertrunken? Nee, sagt Noam, ich glaube, die wurden umgebracht. Krass, sagt Dennis. Dann ist er still und lässt das Gehörte wirken. Zwei Frauen, sagt er dann. Und die wurden beide umgebracht? In seiner Stimme schwingt die Wut mit, die nie sehr weit entfernt ist. Und wer hat das gemacht?

Keine Ahnung, ich glaube, die hat man noch nicht gefunden. Waren das mehrere oder nur einer? Ich weiß nicht, wie gesagt, man hat die noch nicht gefunden. Hoffentlich findet man die, sagt Dennis. Die müssen bestraft werden. Ja. Arschlöcher, sagt Dennis. Noam schweigt, dann sagt er. Ja. Wieso bringt einer Frauen um und schmeißt die in die Weser?

Dennis blickt über das Wasser. Es kommt ihm plötzlich anders vor. Das Gefühl, das von dem Fluss ausgeht, hat sich verändert. Ihm ist kalt. Ich gehe mal nach Hause, sagt er. Und du? Ich auch. Sie wenden sich ab vom Wasser und ihren trüben Gedanken und überqueren die Brücke zum anderen Ufer. An der Haltestelle Ambril steigen sie in die 1 und fahren nach Huchting.

Ja, sehr schön. Super schön. Danke. Ah ja, das ist auch echt ein guter Abschluss eigentlich. Das ist ein guter Abschluss. Was sagen wir dem Tod? Ich wollte gerade sagen, heute bei diesem ersten Popkunst-Hossertalk, das war nicht schlecht, fand ich. Das, ist durchaus auch für Hossertalk ein schönes Format.

Das können wir ab und zu mal machen, finde ich. Ja. Also jetzt war es natürlich sehr persönlich, weil es dein Roman ist, aber ab und zu mal. Ja, es hat großen Spaß gemacht. Es war wirklich auch ganz toll, mit euch darüber zu reden. Wirklich, weil wir ja schon so lange im Gespräch sind und so viele Gelanken ausgetauscht haben und das war cool. Es wird spannend sein, Marco, mit dir dann über deinen neuen Gedichtband zu reden. Richtig.

Das wird bestimmt ähnlich. Es hat nochmal eine andere Qualität, wenn man das mit zwei Dudes macht, mit denen man schon so viele Stunden mit Freunden halten. Das ist schon cool, finde ich. Stimmt. Gut, um das nochmal zu sagen, wo kriegt man besagten Roman denn her, wenn man ihn jetzt unbedingt lesen möchte, was man natürlich unbedingt tun sollte.

Ja, ihr könnt es im Store von ruach.jetzt kaufen oder überall, wo es Bücher gibt. Ihr könnt ihn auch im Buchladen bestellen. Es ist ein ganz normal freiverkäufliches Buch. Ihr könnt es, wenn ihr das unbedingt müsst, auch beim bösen Großen A kaufen. Müsst ihr aber nicht, könnt ihr. Aber überall, wo man Bücher kaufen kann.

Wut, liebe Filmriss, es kostet 20 Euro. Und ich wäre euch wirklich sehr dankbar, wenn ihr mir und dem Verlag helfen würdet. Wir sind beide klein, sowohl der Verlag als auch ich. Ihr habt es ja gehört, ich bin ein Nachwuchsschriftsteller. Und wir sind einfach dankbar für jede Unterstützung. Weihnachten steht vor der Tür. Leute, wenn ihr euch oder jemandem was Gutes tun wollt, es ist ein gutes Buch, kann man schon sagen.

Wir haben jetzt fast zwei Stunden drüber geredet und fast nichts gespoilert. Also ihr werdet noch sehr viel entdecken können und es selber lesen können von dem, was wir jetzt noch gar nicht angedeutet und gestreift haben. Ich finde das Cover übrigens auch richtig, richtig toll. Das gefällt mir. Das ist toll, oder? Ein Shoutout an Manuel Steinloff, der das entworfen hat.

Großartiger Bassist, aber auch großartiger Grafiker. Kurze Side-Note, Fun-Fact. Ich wollte eigentlich das selbst veröffentlichen, das Buch, weil ich habe so geschrieben als müsste ich auf niemanden und auch keinen Verlag irgendwie Rücksicht nehmen deshalb ist das Buch auch so geworden, wie es geworden ist, und ich habe schon mit dem Manu dann auch gesprochen und gesagt, hey wir müssen ein Cover haben, das knallt das geil ist und das irgendwie aus dem Rahmen fällt und, das war seine Idee und ich bin darüber super happy, Und der Titel ist sowieso stark. Wirklich toll. Außer eine Figur im Buch findet den Kacke. Aber ansonsten finde ich es auch sehr gut.

Das Schöne ist ja, dass der Titel deines Buches quasi auch im Buch als ein Buchtitel auftaucht. Das ist auch nochmal so ein bisschen Mindfuck-Meta. Das würde Michael Kunze gut gefallen. Habe ich extra für Michael gemacht. Michael, das ist deins. Alright, Freunde, ja. Ja, genau. Heute sagen wir nicht, also ich frage euch jetzt gleich, was sagen wir dem Tod und ihr antwortet Hossa, Hossa, Hossa.

Das ist richtig mein Fuck auch. Das ist mein Fuck. Entschuldigung, ich weiß nicht, ob du das rausschneidest, die Erklärung, aber das wäre auf jeden Fall schön. Auf keinen Fall, das lassen wir genauso drin. So, schön, dass ihr eingeschaltet habt. Kauft Gofis Buch, lest es und hört uns in 14 Tagen wieder zu und schreibt uns, was ihr denkt und vielleicht auch eure Lieblingsgeschichte aus dem Buch.

Wir freuen uns über jede Rückmeldung von euch. So, Freunde, was sagen wir dem Tod? Hossa! Hossa! Dieser Podcast ist Teil des Ruach-Jetzt-Netzwerks. Das ist wirklich geil. Du musst sagen, wie du den Tod hast. Das ist schon richtig cool. Dann wird der Tod sich aber wundern an der Stelle. Ja. Manchmal hat der Jay wirklich so spontane Geistesblitze, die sind Gold, oder?

Das ist schön, ja. Wirklich cool. Ich drück mal auf Stopp.

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