HSV, wir müssen reden – der Fussball-Talk

HSV-Fans nehmen Hoffenheim ein: Ein Allesfahrer berichtet

Donnerstag, 11. Dezember 2025 · 37 min

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Shownotes

Der HSV marschiert, holt sechs Punkte in einer Woche – vom Last-Minute-Sieg gegen Stuttgart bis zum furiosen Nordderby-Erfolg. Doch in dieser Folge von "HSV Wir müssen reden" steht der 12. Mann im Fokus! Wir sprechen mit Tim Leon, dem sogenannten Allesfahrer. Allesfahrer heißt, du richtest deinen Wochenendalltag schon sehr stark nach dem Verein aus und sagst halt alles ab. Tim Leon erzählt, wie er zum HSV-Fan wurde, wie er es schafft, seit knapp zwei Jahren kein Spiel mehr zu verpassen, und wie Gänsehaut-Momente entstehen, wenn bis zu 10.000 Hamburger nach Hoffenheim reisen. Er nimmt uns mit auf seine emotionale Achterbahnfahrt – vom vermeintlichen Aufstieg in Sandhausen bis hin zu kuriosen Erlebnissen wie dem siebenstündigen Polizeieinsatz im Zug. Wie er sagt: Man sieht, die Hälfte des Stadions steht auf – das ist schon so ein kleiner Gänsehautmoment. Jetzt reinhören bei "HSV Wir müssen reden" – die pure Fan-Leidenschaft!

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HSV, wir müssen reden. Der Abendblatt-Podcast rund um den Hamburger Sportverein. Der HSV marschiert weiterhin unaufhaltsam durch die Bundesliga, muss man fast sagen. Sechs Punkte in einer Woche. Wichtiger 2 zu 1 Last-Minute-Sieg gegen Stuttgart. Dann natürlich das furiose 3 zu 2 im Norddölbe gegen Werder Bremen.

Das Pokal aus gegen Kiel verschweigen wir vielleicht mal an dieser Stelle. Und jetzt geht's nach Hoffenheim und da will der HSV natürlich nachlegen. 15 Punkte nach 13 Spielen. Bisher wirklich ein Wunder. Eine sehr gute Bilanz für einen Aufsteiger. Und heute in unserer Folge von HSV, wir müssen reden, steht aber nicht der Verein, beziehungsweise nicht die Mannschaft, sondern es sollen mal die Fans im Vordergrund stehen.

Und dafür haben wir einen ganz besonderen Gast heute hier. Mein Name ist Stefan Walter und ich begrüße mir gegenüber sitzend Tim Leon. Moin Tim Leon. Moin, danke für die Einladung. Ja, sehr, sehr gerne. Wir wollen heute einiges über dich erfahren. Natürlich auch über die Fans jetzt beim Auswärtsspiel in Hoffenheim.

Bis zu 10.000 Hamburger werden erwartet. Schauen wir mal am Ende, wie sich das alles dann zurecht ruckelt auf den Rängen. Jetzt fragen sich vielleicht einige, warum haben wir dich eingeladen? Man kennt dich möglicherweise von X. Dort bist du recht aktiv. Heißt dort auch mit Klarnamen Tim Leon. Wir kennen uns seit dem Auswärtsspiel in Köln, weil wir uns nämlich im Zug begegnet sind auf der Rückfahrt. Und ihr mir noch netterweise ein Wir angeboten habt.

Aber vor allem kennt man dich in den Gästeblöcken. Deutschlands, weil du nämlich ein sogenannter Allesfahrer bist. Von daher, klär doch einmal unsere Hörer auf. Wo wohnst du? Warum bist du HSV-Fan? Vielleicht fangen wir mal damit an und danach gehen wir irgendwann über zu deiner Historie als Fan, warum du Allesfahrer bist.

Also, wo wohnst du und wie ist es dazu gekommen, dass du HSV-Fan bist? Also, ich komme aus Schleswig-Holstein. Region Neumünster. Und vor 15, 20 Jahren war es noch so, dass es in Schleswig-Holstein quasi nur einen Verein gab, und das ist der HSV. Und bei Kiewa hat ja noch in den Regionalligen dieses Landes gespielt.

Und deshalb, ich habe keine wirkliche familiäre Verbindung dazu, weil meine Eltern und Großeltern nichts groß mit Fußball zu tun haben. Aber der Sportverein, Hamburger Sportverein, war einfach omnipräsent. Ob es in den Radios ist, ob in dem Fernsehen, Man hat immer mitgefiebert im NDR. Aber wie ist das dann zu erklären, dass du wirklich so richtiger HSV-Fan geworden bist, der dann auch jede Woche in den Stadien ist?

Du hast jetzt gesagt, es gibt gar nicht so den großen familiären Background. Normalerweise hat einen ja irgendwann mal der Papa vielleicht mitgenommen ins Stadion. Das war dann bei dir gar nicht so. Gab es dann vielleicht im Fernsehen mal eine bestimmte Sportschau-Folge oder Sky-Konferenz, die dich so richtig so gekitzelt hat, bei der du dir dachtest, okay, jetzt werde ich HSV-Fan?

Oder was war so der finale Auslöser, dass du auch gesagt hast, ich gehe jetzt auch wirklich live zu den Spielen ins Stadion. Keine Ahnung, ich war halt einfach ein kleines Kind, habe selbst ein bisschen Fußball gespielt, denn waren halt alle so ein bisschen vom HSV interessiert. Aber es gab eigentlich keinen wirklichen Auslöser-Moment. Es waren halt immer die großen Stars, die du immer mal gerne live sehen wolltest.

Mein allererstes Spiel war auch damals das Freundschaftsspiel gegen den FC Barcelona 2012. Da habe ich mich als kleines Kind ganz groß auf den Lionel Messi gefreut. Und wurde es bitter enttäuscht, denn der hat nämlich last minute abgesagt. Ich erinnere mich noch, alle haben damit gerechnet, dass er kommt, auch alle Zeitungen übrigens.

Und dann gab es die böse Überraschung. Erzähl es mal aus deiner Perspektive. Ja, er war halt eingeladen und war dann plötzlich erkältet. Also im Endeffekt hat er noch wirklich eine totale B-Elf gespielt. Und im Nachhinein sind sogar eigentlich ein, zwei Hochkarriere daraus geworden. Aber damals war das halt eigentlich echt eine B11 und gar nicht mehr so besonders.

Abgesehen von meinem ersten Stadionerlebnis war es halt trotzdem sehr, sehr besonders dadurch, dass es der große FC Barcelona zum 125-jährigen Jubiläum in die Arena kommt. Ja, immerhin hast du das Event letztlich nicht vergessen. Barca hat dich enttäuscht, der HSV war nicht. Du bist dem HSV dann treu geblieben.

Ich habe dich eingangs als sogenannter Allesfahrer vorgestellt. Das Wort ist eigentlich selbsterklärend. Erzähl trotzdem mal. Es ist ja wirklich beachtlich, seit wie vielen Jahren hast du wirklich gar kein HSV-Spiel mehr verpasst? Also ich würde jetzt sagen, schätze knapp zwei Jahre. Und Allesfahrer heißt halt wirklich, du fährst normalerweise zu wirklich jedem Spiel.

Vielleicht bei den Eins, Beinen. Du hast ja mal so ein, zwei Spiele, die du verpasst bei manchen, weil dann wirklich ein sehr, sehr persönlich wichtiges Ereignis ist. Aber in der Regel richtest du deinen Wochenendalltag schon sehr stark nach dem Verein und sagst halt alles Mögliche auch ab, wenn du weißt, da ist ein Spiel in Planung.

Geht es da ausschließlich um die Pflichtspiele oder bist du auch wirklich bei den ganzen Testspielen, der Sommervorbereitung dabei plus Trainingslager und so weiter? Da sieht man ja auch immer wieder einige Fans, auch immer wieder die gleichen, die da eben auch Urlaub und Zeit für den HSV investieren.

Also tatsächlich habe ich wirklich überhaupt kein Interesse an Freundschaftsspielen, weil erstens fehlt man so ein bisschen auch die Fans, so eine Fanszene fehlt mir dort und andererseits habe ich persönlich irgendwie im Kopf immer abgeschaltet mit Freundschaftsspielen, weil egal wie gut oder schlecht eine Mannschaft im Sommer ist, nach drei, vier Spieltagen kann es wieder egal sein.

Man sieht es in der Saison mit Union Berlin, alles verloren in der Vorbereitung, die steigen ab, bauen gerade raus. Dann schlecht gestartet und plötzlich auf einmal, ja, es läuft. Und deswegen habe ich gar nicht so viel Interesse an Freundschaftsspielen und schaue sie mir meist sogar tatsächlich gar nicht an, weil ich dann auch ganz froh bin, nach einer langen Saison auch wirklich so zwei, drei Monate immer abzuschalten.

Das kann ich gut nachempfinden. Da muss man auch mal den Kopf freikriegen. Und dafür bist du dann ja mit voller Energie dabei bei den einzelnen Spielen, gerade auswärts. Jetzt geht es am Sonnabend nach Hoffenheim. Erzähl doch mal gerne, mit welcher Gruppe fährst du da auch hin? Also wie viel seid ihr?

Ist das immer die gleiche Gruppe? Und wie reist ihr dahin? Also ich zum Beispiel fahre mit dem Zug. Macht ihr das auch? Ja, wir fahren auch meistens mit dem Zug, wenn sie es anbietet. Wenn es Spiele gibt, wo du halt nicht mehr nach Hause kommst, wie es bei teilweise Heidenheim der Fall ist, dann wird auch mal das Auto angeschmissen und ein Auto gemietet.

Aber in der Regel fährt man schon mit dem Zug. Und jetzt auch in Hoffenheim? Ja, jetzt auch in Hoffenheim. Versucht ihr noch, den letzten Zug zu kriegen, der zurück nach Hamburg fährt? Oder wie macht ihr es auf der Rückfahrt? Ja, das ist ja über Mannheim, soweit ich jetzt Erinnerung habe. Und dann sollten wir ja ungefähr um eins circa wieder in Hamburg sein.

Das sollte, glaube ich, aber auch ausgehen vom Puffer her. Möglich ist das. Ich drücke dir die Daumen, dass die Deutsche Bahn letztlich nichts dagegen hat und ihr dann wirklich auch bis nach Hamburg kommt. So genau weiß man das ja auch nie vorher. Mit wie vielen Leuten seid ihr unterwegs? Ist das immer die gleiche Gruppe oder wie bist du auswärts auf Reisen? Ja, ich habe wirklich eigentlich schon so meinen Stammkreis bei sogenannten Allesfahrer.

Es gibt auch immer wieder die gleichen Leute, die du siehst. Siehst die gleichen Gesichter jedes Spiel und wir sind so Minimum meistens fünf mal zehn Leute. Also so eine kleine, ich würde uns auch wirklich als Freundesgruppe bezeichnen, nicht nur Fußballfans, die sich kennen. Habt ihr euch über den HSV kennengelernt in den Stadien Deutschlands oder hattet ihr schon vorher eine Verbindung zueinander?

Wir kennen uns tatsächlich alle überhaupt nicht. Wir haben uns auch relativ weit getrennt. Wir haben uns eigentlich alle über den HSV oder auch besonders jetzt Twitter teilweise kennengelernt und machen aber jetzt tatsächlich auch sehr viel außerhalb. Wir sind im Sommer, nicht mit dem HSV, sondern davor schon, nach Kopenhagen gefahren zusammen, haben dort Urlaub gemacht.

Wollen auch so, wollen bald nach Mailand fliegen und dort Urlaub machen. Also wir sind wirklich als Gruppe auch so schon zusammengewachsen und das eigentlich wirklich dank des HSVs. Stark, also Twitter verbindet, mittlerweile ja X. Kennt man da vielleicht ein, zwei? Kannst du das hier verraten, mit wem du da connected bist? Früher bekannt als HSV-NewsTime.

Der jetzt seinen neuen Account hat, 040.flocke auf Instagram. Wenn ihr euch interessiert, für Auschwärts einblicke, der postet immer relativ authentische Bilder, die dann auch wirklich zensiert werden. Nicht so wie bei vielen anderen auf Instagram. Und auch im Zug macht er ein paar Bilder. Und dann haben wir als Gruppe uns diese Saison festgelegt, dass jeder von uns abwechselnd Spieltagsberichte schreibt.

Und da könnt ihr tatsächlich auch Spieltagsberichte nachlesen, was so auf Fahrten passiert ist und so weiter. Stark, also an dieser Stelle dann auch noch eine kleine Empfehlung, wie man sich dann noch informieren kann. Gerade das Bildmaterial stelle ich mir auch dann sehr spannend vor. Jetzt seid ihr in Hoffenheim, wie jetzt ja auch schon mehrfach erwähnt, ihr seid nicht die Einzigen. Es sind wirklich bis zu 10.000 Hamburger zu erwarten.

Gleiche Zahl gab es auch schon in Leipzig. Dort haben die HSV-Fans auch schon wirklich von der Akustik her beeindruckt. Und das hat ja alles einen Grund, sowohl in Leipzig als auch in Hoffenheim ging der Kartenverkauf eben in den freien Verkauf. Das heißt, die Mitglieder der Heimmannschaft haben eben nicht zugeschlagen oder nicht ausreichend zugeschlagen, sodass dann noch Tickets übrig waren für den freien Verkauf. Das ist wirklich sehr, sehr selten inzwischen.

Und da haben sich die HSV-Fans letztlich mit Tickets eingedeckt. Gerade diese vier angrenzenden Blöcke, also zweimal links, zweimal rechts, da waren eben noch viele Karten frei und da haben mutmaßlich sehr viele HSV-Fans zugegriffen. Was mich an dieser Stelle immer wieder fasziniert, Ich kriege das ja teilweise auch nur beiläufig mit, aber in der Fanszene ist das ja total bekannt.

Da werden die Daten rumgeschickt und dann wirklich Punkt 10 Uhr locken sich alle ein und dann wird das Kartenkontingent gestürmt. Wie läuft das ab? Wie verbreiten sich solche Infos in der Fanszene? Wie kriegst du davon auch immer mit, dass da wirklich am Ende auch so viele HSV-Fans auswärts dabei sein können bei solchen Ausnahmespielen wie jetzt in Hoffenheim und Leipzig?

Also ich würde sagen, das ist eine Mischung aus jetzt halt zum Teil ein, zwei WhatsApp-Gruppen, in denen man drin ist und sich halt, sehr stark austauscht, weil es da wirklich alles sehr starke HSV-Fans sind. Und tatsächlich ist in der Fußballwelt Twitter eine relativ große Plattform und da haben sich sehr viele Gruppen gebildet und wird sehr, sehr viel untereinander ausgetauscht.

Also Twitter ist ein relativ starker Ansprechpartner. Ja, interessant auf jeden Fall. Schon wieder Twitter. Scheint sich also zu lohnen für die HSV-Fans, dort die letzten Tipps und Tricks mitzunehmen. Wie man dann eben auch mal solche Infos dann eben rechtzeitig mitbekommt, um dann zuschlagen zu können.

Augsburg fällt mir auch noch ein. Dort gab es auch einen freien Verkauf, aber nicht ganz so üppig von HSV-Fans dann besetzt, wie jetzt eben in Hoffenheim. Was macht das für dich aus, wenn du jetzt am Sonnabend nach Sinsheim fährst und dort eben auch 10.000 Hamburger wartest? Was ist dann auch nochmal für dich so das besondere Erlebnis, dass man wirklich merkt, okay, hier sind einfach so viele HSVer am Start, obwohl das sehr weit weg von der Stadt Hamburg ist?

Es ist eine Mischung aus Abgestumpftheit, weil man es schon jetzt auch häufig erlebt hat. Beispiele Düsseldorf 20.000, Hannover jedes Jahr 20.000, Berlin teilweise bis zu 30.000. Aber andererseits, wenn man dann auch wieder unterwegs ist und wirklich sieht, die nächsten drei ICE-Routen sind kompletten Züge nur mit HSV-Fans besetzt.

Oder wenn man mit einem Auto fährt und auf jeder Raststätte anhält, die 400 Kilometer entfernt ist und trotzdem sind da acht Hamburger Autos, die sich da was kaufen oder sonst irgendwas machen. Und dann ist man da im Stadion, eigentlich in einem fremden Stadion und, Dann wird angestimmt, er steht auf für den HSV und sieht plötzlich, dass halt wirklich die Hälfte des Stadions aufsteht.

Dann ist das schon so ein kleiner Gänsehaut-Moment. Ja, kann ich mir vorstellen, da kommen dann die Emotionen hoch. Ich war damals auch in Sandhausen dabei. Dort war es auch wirklich beeindruckend, wie einfach kaum Sandhausener Fans im Stadion waren und die Hamburger es irgendwie geschafft haben, das ganze Stadion zu belagern.

Der Ausgang ist bekannt. Warst du damals eigentlich auch in Sandhausen oder hast du das am Fernseher verfolgt? Ich war auch in Sandhausen. Damals auf Sandhausener Seite quasi, so wie hat die meisten. Ich hatte einen Bekannten, der hat sich dort ein Mitgliedaccount gemacht. Meine eigene Mitgliedschaft ist leider nicht mehr durchgegangen, weil Sandhausen irgendwann gewürfelt hat, wer noch zugelassen wird als Mitglied und nicht.

Aber das war wirklich, da waren ja 12.000 Hamburger von 15.000 und da wurde ja auch unsere Hymne gespielt, unsere Aufstellung wurde angekündigt, wie als würden wir ein Heimspiel haben. Ja, absoluter Wahnsinn, Das stimmt. Also wir reden natürlich von dem Fastaufstieg des HSV, der ja schon gefeiert wurde unter Tim Walter damals.

Und dann gab es noch zwei ärgerliche Treffer in der Nachspielzeit vom 1. FC Heidenheim in Regensburg. Tim Kleindienst hat das entscheidende Tor gemacht. Dann ist Heidenheim am Ende hochgegangen. Und der HSV hat es in der Relegation gegen Stuttgart nicht geschafft. Wie war das für dich? Hast du damals auch schon den Aufstieg auf dem Rasen bejubelt?

Hast du vielleicht sogar schon ein Stück Rasen entwendet? Oder wie war es für dich persönlich? Nee, ich habe keinen Rasen, aber ich habe mir ein Tornetz abgeschnitten. Also du warst ja auch sicher, das Ding ist durch. Ja, ich habe auch zwei Videos, wo ich unbedingt festhalten wollte und es gab ja wirklich kein Netz.

Ich habe ja auch danach einen Bericht gesehen, wo Journalisten ja auch gesagt haben, dass teilweise das Presse-Internet ausgefallen ist. Und wenn alle aufs Spielfeld stürmen und der Stadionsprecher dir gratuliert, dann hast du da nicht mal so viele Zweifel dran. Ja, ich kann das auch alles genau noch nachbefinden. Ich war einer der wenigen, der tatsächlich Internet hatte, aber man hat ja mitgekriegt, dass alle anderen eben kein Netz hatten.

Und dann hat sich das rumgesprochen, spätestens als der Stadenspecher gratulierte. Ist wahrscheinlich letztlich, auch wenn es sehr, sehr mit traurigem Ausgang verbunden war, war ein Moment, den du wahrscheinlich nie vergessen wirst, oder? Es ist einerseits mit der schönsten Moment meines Lebens und danach mit der traurigsten Moment meines Lebens.

Ich habe danach auch wirklich gedacht, wir sind verflucht. Der HSV kann nicht aufsteigen, egal was sein möchte. Und man muss sich auch damals vorstellen, das war ja direkt neben dem Wald und ich hatte halt nicht mal Handyempfang. Ich habe auch versucht, Leute anzurufen, um mir sicher zu sein, aber... Ging auch nicht.

Keine Chance, kein Netz, keine mobilen Daten, da ging wirklich gar nichts. Ich würde sogar fast sagen, dass dieser Aufstieg für mich ein Tick emotionaler oder krasser war als der gegen Ulm, weil der aus dem Nichts kam. Wir waren eigentlich auf Platz 3, Heidenheim spielte gegen Platz 17, man hat nicht mehr groß damit gerechnet.

Es kann nur noch ein Wunder uns zum Aufstieg führen, wie jetzt einen Tag vorher war ja das Gleiche mit Dortmund, oder was ja auch sehr spektakulär war. Und dann passierte plötzlich dieses Wunder, dass da Platz 17 ein Gewinn gegen den Platz 2, oder Platz 1 waren die ja sogar. Und ja, dann rennt man auf dem Feld und hatte im Vergleich zu Ulm dann auch wirklich Platz auf dem Feld, weil es war ein kleines Stadion.

Man konnte wirklich auf dem Feld herumrennen und seine Freude ausleben, während man in Ulm teilweise ein bisschen zerquetscht wurde. Aber da muss ich trotzdem noch mal nachhaken, weil das Ulm-Spiel war ja letztlich auch enorm emotional. Also natürlich zwei Spiele, die man wahrscheinlich nie vergessen wird, wenn man dabei war.

Ich war glücklicherweise auch bei beiden Spielen als Reporter dabei und selbst aus neutraler Sicht wird man das einfach nicht vergessen. Das steht fest. Aber wie war es für dich gegen Ulm? Du hast gesagt, du hattest das Gefühl, du wurdest zerquetscht. War das schon auf dem Weg zum Rasen, weil man hat ja dann auch mitbekommen, okay, an den Toren wird es schon eng. Oder hattest du auch unten auf dem Spielfeld das Gefühl, so richtig sicher fühle ich mich hier nicht?

Also ich habe mich jetzt nicht unsicher gefühlt. Ich habe mich eigentlich allgemein noch nie unter Fußballfans jetzt unsicher gefühlt. Aber es wurde schon sehr eng da unten am Zaul. Man ist da auch, in Sandhausen war es die pure Freude. Man ist auf dem Platz gesprintet und konnte sich frei entfalten.

Und in Ulm weißt du schon eine halbe Stunde vorher, dass du aufgestiegen bist. Viele haben sich, finde ich, was teilweise ein bisschen unschön war, auch schon unten bereit gemacht, teilweise zehn Minuten zu früh. Und dann ist man da halt langsam in den Sekundentakt. In kleinen Schritten aufs Feld gegangen und musste aufpassen, nicht zerquetscht zu werden, was, finde ich, so ein bisschen die Freude gemindert hat. Okay.

Von wo aus bist du denn gestartet beim Platzsturm? Also ich nehme an, du hast eine Dauerkarte. Wo bist du da immer unterwegs, in welchem Block? Und wo standest du dann auch, als die Mannschaft auf dem Balkon der Loge stand und über Wortführer Davy Selke dann auch nochmal eine kleine Aufstiegsparty geschmissen hat?

Ich habe meinen Stammplatz im 24a und ich bin dann halt von da auf aufs Feld, aber ich habe mich auf dem Feld auch gar nicht so wohl gefühlt, weil es wirklich relativ eng war und dann habe ich gesehen, ja gut, lass uns doch vielleicht alle wieder auf den Tribünen, da ist ein bisschen mehr Platz, da können wir vielleicht wirklich richtig feiern und deswegen stand ich, als Selke gesprochen hat, wieder auf der Tribüne. Okay.

Konntest du es dann trotzdem genießen? Ich meine, es war ja letztlich trotzdem ein einmaliger Moment. Der erste Aufstieg des HSV wird nie wieder jemand zu nehmen sein. Also ja, wie hast du den Moment trotzdem noch in Erinnerung, wenn du mal ausblendest, dass es zwischendurch ein bisschen eng wurde? Es war, das hat es eigentlich nicht mal so stark gemindert.

Es war immer noch einer der schönsten Momente, an die ich mich erinnern kann. Es hat sich während der Spiels ja auch magisch angefühlt. Man liegt 1-0 hinten, dann kommt das 1-1 und denkt man, okay, heute kann uns nicht stoppen bei diesem 1-1. Dann kommt trotzdem der 11er, der gehalten wird. Da habe ich gefühlt jetzt schon wieder Gänsehaut, wenn man sich die Bilder und die Kommentatoren dazu anhört.

Und dann kam dieses 2-1 von Königsdörfern. Das hat wirklich gefühlt alles klar gemacht. Ja, sicherlich ein spielentscheidender Moment, wie Daniel Heuer-Fernanders den Elfmeter pariert und dann kurz darauf ja auch dann wirklich Pönigsdörfer und Selke im Prinzip schon alles klar machen. In der zweiten Halbzeit gab es dann nur noch Jubel im Volksparkstadion, einen sich sehr früh andeutenden Platzsturm und spektakuläre Bilder, die fürs Leben bleiben.

Wir sind schon mittendrin in der Reise durch deine Erfahrung als HSV-Fan live im Stadion. Nehmen wir uns mal so ein bisschen mit. Als Allesfahrer, was waren so weitere, besondere Highlights, die du erlebt hast? Vielleicht auch kuriose Geschichten, vielleicht auch mal Reisepannen. Was schießt dir so als erstes in den Kopf, was einfach hängen geblieben ist?

Also ich bin halt eigentlich ins Stadion erst relativ spät gekommen, dadurch, dass ich ja vorhin erzählt habe, dass ich keine familiären Backgrounds habe. Hat mir im jungen Alter das Geld gefehlt und es war für mich halt auch rund 80, 70 Kilometer Entfernung, die mich ein bisschen daran gehindert hat, häufig zum Fußball zu fahren.

Weshalb ich einer der vielen bin, die erst nach der Corona-Krise. Dazu kamen. Und ich habe eigentlich sehr viele im Freundeskreis, die auch genau da gestartet sind, quasi 2022. Und dann war meine allererste Ausfahrt tatsächlich das Relegationsspiel gegen Hertha. Ah, da waren auch sehr viele Hamburger dabei. Wie viele hast du das noch im Kopf? Ich glaube um die 25.000. Zwischendurch waren wir 35.000 in den Medien.

Ist es im Endeffekt auch egal, wie viel es genau waren. Und das war dann als erstes Ausdärtsspiel natürlich ein absoluter Hammer. Du bist ja in einem fremden Stadion zum ersten Mal und alle um dich herum sind trotzdem Hass-Hoff-Fans, obwohl ich nicht mal im Gästeblock stand, sondern eigentlich neben dem Gästeblock.

Ja, Ludo Wittreis senkt dann seine Flanke, die wurde immer länger hinten ins Tornetz rein. Bist du durchgedreht, als das Tor gefallen ist? Ja, ich habe es erst nicht richtig wahrgenommen, weil es irgendwie, es war ja gefühlt eine Flanke und. Man dachte auch so, nach dem Spiel ist es durch. Was soll noch passieren gegen dieses schlechte Hertha? Wir hätten hier 3-0 gewinnen können gefühlt.

Und hat sich gefühlt schon den Aufstieg gefeiert in der S-Bahn danach. Aber dann ist noch einiges passiert im Rückspiel. Der entscheidende Freistoß am Ende von Marvin Platten hat reingehauen. Hertha gewinnt 2 zu 0 in Hamburg. Und der HSV hat es dann mal wieder nicht geschafft. Tim Walter hat damals auch eine Polizeikette durchbrochen und ist dann auch zu den Fans und hat dann eben auch einen Schulterschluss zwischen Mannschaft und der Fanszene symbolisiert.

Wie hast du das immer wahrgenommen? auch wirklich diese Einheit, die man ja auch heute noch spürt, auch unter Merlin Polzin, diese Einheit zwischen Fans und Spielern? Das war ja echt besonders. Tim Walter war ja auch damals ein absoluter Publikumsdiebling. Man dachte ja, nach den zwei fast Aufstiegen, ob jetzt Hertha oder Sandhausen jeweils, wie soll diese Mannschaft das noch überleben oder wie soll diese Mannschaft daran nicht mental zerbrechen?

Und da hat wahrscheinlich Tim Walter echt einen sehr starken Anteil daran gehabt, diese Mannschaft zu motivieren und voranzuführen. Und diese Einheit ist ja wirklich auch heute noch zu spüren. Ich persönlich fand, dass auch bei den letzten erfolgreichen Liga-Heimspielen, würde ich jetzt auch mal Dortmund mit dazu zählen mit dem Last-Minute-Ausgleich, aber natürlich auch Stuttgart und Bremen mit den beiden Siegen, hatte ich auch das Gefühl, da schwappt schon wirklich auch die Energie vom Rasen auf die Ränge über.

Da sind einfach viele Kämpfer auf dem Platz mit Gottschuleys, wie Leon Rennberg, nenne ich jetzt einfach mal exemplarisch, aber natürlich auch Luka Wuskowitsch, die in der Fanszene gut ankommen, so vom Gefühl her. Und dann merken die Leute auf den Rängen, okay, als Aussteiger haben wir vielleicht nicht die höchste Qualität, aber die Mannschaft gibt schon alles, zerreißt sich.

Man hat das Gefühl, dass gerade im Volksparkstadion immer wieder besondere Momente entstehen können durch diesen berühmten zwölften Mann, der dann auch so seinen Teil dazu beiträgt. Wie nimmst du das wahr? Von deinem Platz in 24a hast du auch das Gefühl, dass da schon gerade wieder so eine besondere Einheit entstanden ist oder auch weiterhin entsteht.

Es ist ja wirklich verrückt, wie stark wir unterschiedlich auftreten. Bei Auswärtsspielen fehlt halt teilweise wirklich dieser letzte Kampfgeist, von dem gerade gesprochen wurde. Und bei Heimspielen sind wir eine komplett andere Mannschaft. Und deswegen, ja, vielleicht nimmt die Mannschaft das ja wirklich ein bisschen wahr.

Und wir nehmen ein bisschen darauf Einfluss, dass die Mannschaft in der letzten Sekunde vielleicht doch noch den Ausgleich macht oder gegen Frankfurt den Siegtreffer. Gut, jetzt seid ihr in Hoffenheim nochmal 10.000, vielleicht liegt es ja dann auch an euch, dafür Heimspiel-Apnospäre zu sorgen und dann auch nochmal einen Funken auf die Mannschaft überzuschwappen.

Ja, Hertha hast du jetzt auch nochmal gesagt, natürlich dann für dich auch ein besonderes Spiel gewesen, auswärts, dein erstes Auswärtsspiel, gab es noch weitere Highlights, wie gesagt auch vielleicht mal kuriose Reisegeschichten oder ähnliches? Highlights, um es nur kurz anzuschneiden, Hannover natürlich, damals kurz relativ spät, relativ kurz danach, wo Königsdorfer das 1-0 gemacht hat in der letzten Minute.

Oder war es das 2-1? Weiß ich gerade gar nicht mehr. Auf jeden Fall der Siegtreffer. Wahnsinns-Sprint nach einer Ecke von Hannover an allen vorbei. Das Tor meinst du ja wahrscheinlich. Danach war dann, daneben, dem Stadion war noch ein Oktoberfest. Und eine Stunde nach dem Spielende war noch ein Feuerwerk. Das war so irgendwie, eine sehr, sehr beeindruckende Atmosphäre.

Runde Abend dann, den du genossen hast. Kurios war natürlich jetzt, woran sich viele noch zurückerinnern, das Rostock-Auswärtsspiel, wo wir sieben Stunden im Zug waren. Ach, da warst du auch involviert in den Polizeieinsatz in Bergedorf auf der Rückfahrt? Ja. Ja, okay. Und das ist natürlich auch nochmal eigentlich ein Thema für sich.

Wie war das für dich? Das waren wirklich fast sieben Stunden Kontrolle von 855 HSV-Fans, meine ich. Am Ende 31 mutmaßliche Gewalttäter identifiziert. Da ging es nochmal um das Zusammentreffen zwischen HSV-Fans und BVB-Fans in Mannheim, Mannheimer Hauptbahnhof. Das war im September 23, meine ich. Und dieser Einsatz in Bergedorf war dann, ich glaube, im Februar 24, nach dem Spiel in Rostock.

Erzähl mal aus deiner Perspektive, wie war das? Man hat ja immer so gehört, es soll da ein Wasser gefehlt haben. Auch die WCs sollen nicht mehr nutzbar gewesen sein. Wenn man sich so vorstellt, sechs, sieben Stunden in dem Zug mit solchen Zuständen. Gibt sicherlich Schöneres. Wie war es für dich? Also ich war halt erstens zufällig genau im letzten Waggon. Es wurde halt der Reihe nach durchgegangen, weshalb ich wirklich eigentlich alles so mitbekommen habe.

Und es war halt, du wärst erstens angehalten, du denkst, es liegt halt eher an dem Rostock-Auswärtsspiel, weil es da auch am Bahnhof so ein bisschen typische Rostock-Streitereien gibt. Es ist ja groß bekannt, dass in Rostock nicht immer alles einwandfrei läuft. Ja. Und dann denkt man, die suchen sich wahrscheinlich jetzt gerade irgendeinen Vorwand, um uns jetzt einfach alle so ein bisschen zu ärgern und zu kontrollieren.

Es gab ja auch nicht wirklich viele Infos. Am Anfang kam Fernhilfe, zwei bis drei Stunden sind vorausgesagt. Sitzst du vier Stunden drin und denkst dir, komme ich heute überhaupt nochmal nach Hause? Es war schon drei Uhr nachts. Ich habe neben mir jemanden gehabt, der musste nach Aachen mit dem Zug, wäre glaube ich um 22 Uhr zurückgefahren.

Der musste natürlich den total umplanen. Der wusste gar nicht mehr, wann er zu Hause ankommt. Der war auch HSV-Fan? Also der ganze Zug war eigentlich voller HSV-Fans. Ich habe bei mir im Abteil keinen HSV-Fan gesehen. Weil es war in Rostock damals ja auch so, dass die ganzen HSV-Fans vor dem Bahnhof zusammengehalten wurden.

Und als der Zug ankam, alle HSV-Fans sofort in diesen Zug reingestürmt sind. Und tatsächlich sind auch nicht mal alle HSV-Fans in den Zug reingekommen. Also es konnten eigentlich kaum irgendwelche anderen Unbeteiligten in diesem Zug drin sein. Wie war das mit den hygienischen und humanitären Bedingungen?

Ich hatte es schon angesprochen, es gab Kritik, es gibt kein Wasser oder es soll kein Wasser gegeben haben und auch die Klos sollen dann irgendwann nicht mehr nutzbar gewesen sein. Kannst du das so bestätigen in deinem Abteil? Also aus Klo durfte man, aber es ist halt ein Regionalzug gewesen. Metronom sind jetzt auch nicht wirklich die allerschönsten Züge.

Deshalb natürlich ist das Klo irgendwann relativ dreckig und nicht mehr alles vorhanden. Und Wasser hatten wir absolut nicht. Wir hatten die ersten drei, vier Stunden gar nichts. Und dann wurde da irgendwann mal ein Sechser-Träger 0,5 reingereicht. Für ein ganzes Abteil? Ja, es hilft jetzt nicht so wirklich.

Okay, den habt ihr aufgeteilt oder haben sich da die Stärksten durchgesetzt? Also gut, man kennt es beim Fußball vielleicht, bei manchen Leuten die ab und zu fahren. Die meisten Fußballfans sind echt meistens relativ solidär, solidar und es wurde halt da rumgereicht. Jeder durfte mal wieder ein bisschen einen Schluck draus trinken.

Okay, immerhin, aber das ist letztlich auch so die Kritikpunkte an dem Polizeieinsatz damals, die kannst du dann schon auch in dem Fall bestätigen. Wann warst du am Ende zu Hause? Fünf Uhr morgens. Boah, das ist schon ordentlich lang gewesen. Okay, das war jetzt dann wirklich nochmal ein nicht so schönes Erlebnis.

Vielleicht bevor wir nochmal auf das Thema Tickets in Hoffenheim zurückkommen, kannst du nochmal ein schöneres Highlight berichten aus deiner Allesfahrerzeit, damit wir jetzt nicht mit so einem Polizeieinsatz in Bergedorf das Thema abschieben. Tatsächlich, das Spiel vor Ulm war sogar fast emotionaler oder fast krasser mit Darmstadt, hat, weil man kam aus echt zwei bis drei sehr schlechten Heimspielen.

Ich glaube, KC war das Spiel davor. Und dann hat man auch wirklich erwartet, okay, bitte, bitte, reißt euch zusammen und verliert nicht schon wieder auf den letzten Metern die Nerven. Und dann führt mir da plötzlich 2-0, 3-0 und spätestens beim 3-0, wo klar war, wenn wir jetzt eins von den nächsten zwei Spielen gewinnen, sind wir aufgestiegen, hat sich da schon wie eine kleine Aufstiegsatmosphäre angeführt.

Da brachen alle Dämme auch im Gästeblock. Es gab dann nochmal eine große Party auch mit den Spielern. Da ist dann auch nochmal dieses Alle-Zusammen-Plakat rausgeholt worden und den Fans präsentiert worden. Wie hast du diese besonderen Minuten nach dem Abpfiff mit der Mannschaft im Gästeblock dann auch erlebt?

Ich muss ja sagen, wir haben ja echt relativ häufig so schöne gemeinsame Momente mit der Mannschaft. Wir haben ja gerade vorhin schon über das Zusammenhalt gefühlt gesprochen und das haben wir ja immer wieder und das, ob jetzt diese Wuskowitsch-Transparente früher waren, Und das, ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll, außer es war alles einmalig eigentlich.

Man denkt immer, es ist einmalig und dann wiederholt es sich beim HSV doch wieder, ähnlich wie die Last-Minute-Tore aktuell. Und der besondere Torjubel an der Eckfahne rechts vor der Nordtour-Bühne hat sich ja so ein bisschen etabliert als die Jubeloase. Von daher, ja, sind sicherlich Momente, die man auch dann als Fan nicht vergisst.

Während du ein bisschen das alles so Revue passieren lassen hast, fiel mir auf, dass ich bei all den Spielen, die du erwähnt warst, auch dabei war. Also aus Reportersicht, also vielleicht bin ich auch ein Allesfahrer mittlerweile. Von daher auch für mich sind das dann auch schöne Geschichten oder nochmal schön zu hören, das aus deiner Perspektive dann eben auch nochmal so Revue passieren zu lassen.

Jetzt in Hoffenheim, ich hatte es schon erwähnt, es gab den freien Ticketverkauf, weshalb eben mit sehr, sehr vielen Hamburgern zu rechnen ist, bis zu 10.000. Du letztlich hast aber dir schon vorher ein Ticket gesichert gehabt, wenn ich das richtig mitbekommen habe. Erzähl doch mal, wie war das für dich oder wie ist es auch generell für dich?

Auswärts 10 Prozent der Zuschauerkapazität steht immer der Gästemannschaft zur Verfügung. Das ist nicht viel, in Hoffenheim normalerweise 3.000. Wie schaffst du das, an Tickets gerade auch auswärts ranzukommen? Also man ist, sag ich mal, den Tag davor oder den Stunden davor, teils schon so leicht nervös, weil ich habe jetzt leider keine Auswärtsdauerkarte.

Aber die Leute, die relativ oft zum Fußball fahren, kennen sich meistens untereinander. Man ist in gewissen WhatsApp-Gruppen vielleicht oder wie jetzt gerade eben vorhin angesprochen auf Twitter. Und dann tauscht man sich untereinander aus. Und vielleicht hat man dann manchmal kein Glück, ein Ticket zu bekommen.

Dann hilft dir einer deiner zehn Freunde weiter und hat da vielleicht glücklicherweise ein Ticket. Und oftmals ist es auch so, dass man vielleicht auch teilweise wochenlang kein Ticket hat und dann auf irgendeiner anderen Plattform, wie es jetzt bei mir meistens Twitter der Fall ist, dann doch noch ein Ticket bekommt, weil meistens immer irgendjemand absagt.

Und bei mir ist es der Fall, dass ich eigentlich sowieso jede Reise schon mal buche. Wir bekommen die Terminierung, ich buche den Zug, damit der Zug für mich nur meine 20, 30 Euro kostet, statt jetzt die vielleicht 90 Euro oder so. Und ich versuche einfach, dann irgendwie ein Ticket zu bekommen. Und bisher ja offensichtlich, zumindest seit zwei Jahren, stetig mit Erfolg.

Wenn du dich jetzt in die Perspektive derer reinversetzt, die dann häufig leer ausgehen, hast du vielleicht Tipps, die du Leuten mit auf den Weg geben kannst? Wie kommt man an ein Auswärtsticket beim HSV? Also früher bin ich halt, ich bin auch angefangen als Einzelfahrer und wenn ich jetzt überlege, dass ich heutzutage alleine fahren würde, hätte ich sehr, sehr, sehr, sehr schlechte Karten mit Auswärtstickets.

Du hast teilweise nur ein Ticket pro Person oder wenn du halt keine andere Person kennst im Umkreis, dann sitzt du in der Warteschlange und hast gefühlt eine 20% Wahrscheinlichkeit, wenn überhaupt. Also du musst dich halt eigentlich wirklich connecten. Ob es jetzt irgendwie Leute sind, die du auf irgendwelchen Fahrten kennenlernst und dann mal ansprichst, hey, bekommt ihr denn eigentlich Tickets?

Oder wenn ihr euch denn auch gut mit denen versteht, bitte natürlich nicht einfach Leute ansprechen. Nee, oder wie jetzt gerade eben angesprochen, gibt es auf Twitter eine Ticketbörse, was meistens auch relativ seriös ist, weil man da die Leute gut nachvollziehen kann, dadurch, dass sie für Teile seit Jahren posten.

Und viele posten dort auch ihre eigenen Spieleindrücke und deswegen wirken die meist etwas seriöser, würde ich sagen, als auf Facebook. Also es gibt natürlich die Möglichkeit, auf Facebook-Gruppen nachzuschauen. Damit habe ich persönlich keine Erfahrung, weil ich auch oft relativ viele Scam-Stories davon höre.

Nenn mal so eine Gruppe, von der du gehört hast, von der du vielleicht mitbekommen hast, dass man da bei Facebook... Ich habe keine Ahnung. Facebook ist jetzt für mich nicht meine Plattform, die ich nutze, aber Aber man hört es ja immer wieder wie Facebook, dass da auch ein, zwei Leute drin sind, die sind einfach unrealistische Angebote teilweise.

Es sind zwei Tickets im Verkauf angeboten und jemand hat fünf Tickets nebeneinander. Wie jetzt wahrscheinlich. Okay, dann sehen wir vielleicht von den Facebook-Gedanken ab. Jetzt hast du die Ticketbörse bei X angesprochen. Ist das eine richtig offizielle Ticketbörse? Oder meinst du einzelne Tweets, die sich dann eben verbreiten, wenn Leute sagen, hey, ich habe ein Ticket.

Und ein anderer vielleicht sagt, hey, ich suche eins, dass sich das so ein bisschen vermischt. Oder gibt es wirklich so eine richtig offizielle Ticketbörse da bei X aus HSV-Fansicht? Also es gibt jetzt vom HSV organisiert keine offizielle Börse. Aber es gibt von Fans organisiert eine Börse. Die hat jetzt auch 800 Mitglieder.

Und jeder kann da öffentlich auch die Post anschauen, ohne Mitglied zu sein. Und da kann jeder halt seine Tickets reinstellen zum Verkauf. Das Coole ist, es ist verboten, Suchanfragen zu stellen, sondern es werden nur Tickets zum Verkauf oder vielleicht zum Tausch reingestellt. Und die finde ich bei X oder wie komme ich da hin?

Ja, ich muss einfach Rassorticketbörse oder so suchen und dann findet man das schon relativ schnell. Okay, also das scheint ja dann zumindest mal für einige dann eben die Lösung zu sein. Trotzdem, wenn man sich jetzt mal so anguckt, der HSV könnte ja wahrscheinlich bei jedem Auswärtsspiel 10.000 bis 20.000 Auswärtsfahrer mindestens mobilisieren.

Wie nimmst du das wahr? Du hast gerade schon gesagt, es ist heute eigentlich undenkbar als so einzelner Fan aufs Auswärtsreisen zu gehen, weil eben die Nachfrage einfach so unglaublich hoch ist. Also wie nimmst du das wahr, dass einfach diese Begeisterung im HSV immer mehr zunimmt, dass auch immer mehr Leute Lust haben, auswärts dabei zu sein?

Es ist natürlich schon beeindruckend. Es ist jetzt auch kein unbedingt ein Hass-Hor-Phänomen, sondern nach der Corona-Pandemie ist bei wirklich sehr vielen Vereinen genau das festzustellen gewesen, dass die Auswärtszahlen in die Höhe geschossen sind. Es gibt in der Bundesliga kaum noch nicht ausverkaufte Gästeblöcke.

Ja, merkst du da einen Unterschied eigentlich auch zur zweiten Liga? Ich meine, da gab es ja wirklich sehr, sehr viele kleinere Stadionen. Sandhausen haben wir schon drüber gesprochen, weil es eine Ausnahme, weil dort eben auch sehr, sehr viele Hamburger waren. Aber Elversberg zum Beispiel oder Münster, da passen einfach naturgemäß nicht viele rein. Ich glaube, da gibt es dann 1500 Gästetickets.

Da kann man eben hoffen, dass man einer der Glücklichen ist, aber die meisten gehen dann eben leer aus. Das ist in der Bundesliga anders. Selbst wenn Hoffenheim jetzt das Stadion selbst vollgemacht hätte, hätten eben 3000 Hamburger im Gästeblock dabei sein können. Wie nimmst du da den Unterschied wahr, dass jetzt in der Bundesliga einfach eine größere Chance ist?

Und was bedeutet das auch für die Fahrten, weil du natürlich zwangsläufig dann auch mehr HSV-Fans begegnest auf dem Weg zu den Standorten? Ich bin zum Teil so ein klein bisschen gelassener, weil ich mir denke, wenn so ein Gästeblock 6000 Auswärtsleute hat, irgendein Kollege wird schon vielleicht ein Ticket für mich mitbesorgt haben.

Aber andererseits merkt man trotzdem, dass auch mehr Leute einfach zu den Auswärtsspielen wollen, als fällig auch früher. Und dadurch ist es vielleicht teilweise gar nicht mehr so viel einfacher geworden ist. Also Connection ist letztlich alles. Du bist ganz gut connected, deswegen hast du den Status des Allesfahrers erarbeitet.

Vielleicht da nochmal in Richtung Tipp für andere Fans, die eben auch gerne häufiger dabei wären. Du sagst eben, alleine geht es nicht. Man muss sich connecten. X hast du schon genannt. In den WhatsApp-Gruppen muss man erst eingeladen werden. Wie fängt man am besten an, schon bei Heimspielen schon mal zu gucken, mit wem könnte ich vielleicht sympathisieren?

Und wie kann ich mein HSV-Fan-Netzwerk erweitern, damit ich eben auch auswärtshäufig dabei bin? Hast du da noch abschließend noch einen Tipp für die Leute? Keine Ahnung, weil ich es halt eigentlich nie aktiv gemacht habe. Ich habe auf Social Media einfach immer ein bisschen was gepostet, was mir gerade in den Sinn kam.

Und dann hat man sich irgendwann mal mit einer Person, mit der man ab und zu geschrieben hat, auf Social Media mal privat getroffen und dann, ist das so langsam ins Rollen gekommen, dass man halt ein, zwei Leute getroffen hat aus dem Internet, gemerkt hat, die sind ganz cool, dann hat man die Freunde von denen kennengelernt.

Ja, super. Dann will ich abschließend, weil wir wirklich jetzt auch dann am Ende sind, aber abschließend von dir nochmal einen Tipp wissen, wie geht es aus in Hoffenheim? Schafft der HSV dann den schon dritten Sieg in Folge? Ich glaube tatsächlich leider nicht. Also wir haben es ja vorhin angesprochen, in Augsburg war man auswärts echt sehr schlecht und allgemein, wenn sie bei unseren Auswärtsspielen bisher echt sehr passiv und spielen meistens auf 0-0, hat man das Gefühl.

Und Hoffenheim ist ja auch echt sehr gut in Form, weshalb ich mit einer gedämpften Erwartungshaltung reingehe und das Stand jetzt eher denke, wir werden verlieren. Das Gespräch, dass der HSV auswärts häufig auf 0-0 spielt, das haben wir schon im Zug in Köln geführt. Da waren deine Kumpels auch der Meinung, da würdet ihr euch eine bisschen offensive Herangehensweise wünschen. Das nehme ich mal so mit.

Aber vielen, vielen Dank auf jeden Fall, dass du dir heute die Zeit genommen hast und einfach mal ein bisschen Einblicke auch gewährt hast. Wie ist das Leben eines Allesfahrers? Wie connectet man sich unter Fans? Und auch letztlich natürlich die Gretchenfrage, wie kommt man an ein Ticket? Vielen Dank, Tim Leon.

Danke dir für die Einladung und war es Spaß gemacht. Sehr gut, das freut mich zu hören. Und wir hören uns wieder in der kommenden Woche, das ist dann nach Hoffenheim und vor dem Jahresabschluss zu Hause gegen Eintracht Frankfurt. In Hamburg sagt man Tschüss und bei uns heißt das auf Wiederhören.

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