Im Krisenmodus· Folge 142

Kuba im Würgegriff: Öl aus, Deals an – und was Washington will

Mittwoch, 25. März 2026 · 27 min

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Shownotes

Kuba hat seit Wochen kaum Öl. Diesel fehlt, Stromnetze brechen zusammen, Krankenhäuser kürzen Leistungen. Was steckt dahinter – und was wollen die USA? In dieser Folge von „Im Krisenmodus“ spricht FUNKE‑Kriegsreporter Jan Jessen (nrz.de/autoren/jan-jessen) mit Dr. Claudia Zilla (Stiftung Wissenschaft und Politik) und ordnet den und ordnet den Zusammenhang mit Venezuela ein. Prof. Dr. Bert Hoffmann (GIGA/FU Berlin) war im Februar in Kuba und schildert die Lage vor Ort. Mit ihnen klären wir, wohin die Reise politisch geht – und was die nächsten Wochen entscheidet.

Gäste:
Dr. Claudia Zilla - Senior Fellow, Forschungsgruppe Amerika
Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), Berlin
Prof. Dr. Bert Hoffmann - Lead Research Fellow & Editor „GIGA Focus Latin America“, GIGA – German Institute of Global and Area Studies, Hamburg; Honorarprofessor, Freie Universität Berlin

Host:
Jan Jessen – Politikchef der NRZ und Kriegs- und Krisenreporter für die FUNKE Mediengruppe

🧭 Kapitelübersicht

1 – Öl abgedreht, Druck erhöht: Warum Kuba jetzt im Fokus steht
Jan Jessen ordnet ein: Venezuelas Öffnung ohne politischen Wandel, US-Ölgeschäfte – und warum dadurch Kubas Treibstoffzufuhr unter Druck gerät. Welche Fragen die Folge beantwortet: Deal statt Invasion? Was heißt das für die Menschen auf der Insel?
2 – Venezuela als Schlüssel: „Ökonomische Transformation ohne politische Transition“
Dr. Claudia Zilla (SWP) erklärt, wie Caracas die Wirtschaft öffnet und Gesetze im Energie-/Bergbau‑Sektor durchpeitscht – ohne Systemwechsel.
3 – Liberalisierung ≠ Demokratisierung
Zilla präzisiert: Rückgang der Repression heißt nicht freie Wahlen oder echte Partizipation – Öffnung ohne politische Transition.
4 – Kuba ≠ Venezuela: Insellage, Machtkern – und die Symbolik „Che“
Zilla vergleicht die Systeme: fehlende Rohstoffe, Insellage, kohäsiver Machtkern mit Militärverflechtung – und die besondere Symbolkraft Kubas („Kuba hat ein Che Guevara – nicht Venezuela“).
5 – Warum Kuba für Washington zählt: GAESA, Tourismus, Exil-Community
Zilla über US‑Interessen jenseits von Öl: Militärholding GAESA, Luxushotels/Marke „Havana“, Alteigentümer‑Ansprüche und die politische Wirkung der Exil‑Kubaner in Florida.
6 – Szenarien ohne Panzer: Kein „boots on the ground“, eher Deal mit dem Machtkern
Zilla skizziert die Wahrscheinlichkeit: Gespräche statt Invasion, möglicher Personalwechsel (Díaz‑Canel) – Kontinuität des harten Kerns um die Castros.
7 – Alltag im Würgegriff: Was Ölknappheit für Kubas Menschen bedeutet
Prof. Bert Hoffmann (GIGA/FU Berlin) war vor Ort: Diesel fehlt, Transport bricht, Wasserpumpen stehen, Krankenhäuser geraten unter Druck – warum der Mangel jeden Lebensbereich trifft.
8 – „Warum Kuba?“ aus US‑Sicht: Symbolik, Monroe‑Logik und Business
Hoffmann ordnet: politisches Symbol vor der US‑Küste, Druck der Exil‑Community, Tourismus/Immobilien – und die Neuauflage einer „US‑freundlichen Hemisphäre“.
9 – Eskalationspfade: Invasion vs. „Deal unter Druck“
Hoffmann erklärt, warum eine US‑Invasion unwahrscheinlich ist, welche Risiken (z. B. Guantánamo) sie birgt – und wie ein interner Personalschwenk in Havanna aussehen könnte.
10 – Nadelöhr Tanker: Was in den nächsten Wochen entscheidet
Hoffmanns Punkt: Kommen Treibstofflieferungen an – ja oder nein? Ob die USA Tanker passieren lassen, bestimmt, ob Kuba kurzfristig Luft bekommt oder Richtung humanitäre Krise kippt.
11 – Jans Fazit: Druck, Alltag, offene Fragen
Kurz und klar: Ursache (Ölströme + US‑Hebel), Strategie (Druck + Verhandlungen), Folgen (Alltag unter Mangel) und Kontext (Kuba politisch größer als wirtschaftlich). Offene Fragen: Lieferungen, Zugeständnisse Havannas, Druck der Exil‑Community.

🎧 Hör-Empfehlungen
Karibik-Machtprobe: Venezuela – Invasion oder Säbelrasseln? (nrz.de/podcast/article410609111/karibik-machtp…)
US-Angriff auf Venezuela: Maduro festgesetzt - was jetzt folgt (nrz.de/podcast/article410841653/us-angriff-auf…)

Auswärtiges Amt
Aktuelle Reise- und Sicherheitshinweise für Venezuela.
🔗 Website: auswaertiges-amt.de/de/service/laender/venezue…

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Im Januar starten die USA einen Angriffskrieg gegen Venezuela, entführen dort den Präsidenten. Jetzt führen die USA Krieg gegen den Iran, der scheint in seine Abkühlungsphase eingetreten zu sein. Und schon hat Washington ein neues Ziel und das ist Kuba. Kuba, die Insel vor den USA seit fast sieben Jahrzehnten sozialistisch regiert.

Und Kuba hat jetzt ein Riesenproblem, denn dem Land geht das Öl aus. Das ist kein Zufall, denn die USA haben den Druck massiv erhöht. Es gab ja immer schon eine Wirtschaftslokade gegen Kuba, die ist jetzt noch ausgeweitet worden. Es kommt kein Öl mehr rein. Also Kuba ist wirtschaftlich, politisch und strategisch massiv unter Druck.

Die Frage ist, soll Kuba zu einer US-freundlichen Regierung gedrängt werden, ähnlich wie das in Venezuela ist, ganz ohne militärische Interventionen. Was da gerade passiert, wirkt auf den ersten Blick etwas kompliziert, aber ist im Kern ziemlich klar und das schauen wir uns heute genauer an. Im Krisenmodus, der Podcast aus Krisen- und Kriegsgebieten aller Welt mit Journalist Jan Jessen.

Willkommen zu Im Krisenmodus. Ich bin Jan Jessen, Politikchef der NRZ und Krisen- und Kriegsreporter der Funke Mediengruppe. Meine Berichte lest ihr in der NRZ, der WRZ, dem Hamburger Abendblatt oder der Berliner Morgenpost und auf allen Portalen unserer Gruppe. Ja, um das zu verstehen, was gerade in Kuba passiert, lohnt sich tatsächlich erstmal ein Blick nach Venezuela.

Venezuela, denn da ist ja, ihr habt das alle mitbekommen, im Januar entscheidend ist passiert, wir haben das auch ein paar Mal, was in Venezuela geschieht, in diesem Podcast beleuchtet. Die Folgen packen wir euch in die Shownotes rein. Ihr erinnert euch, Präsident Maduro, dem die USA vorgeworfen haben, ein Drogenhändler zu sein, der die Sicherheit der USA gefährde.

Der wurde seinerzeit entführt im Rahmen einer US-Militäraktion gegen Venezuela. Das war kein großer Krieg, das war eine kurze militärische Aktion mit Luftangriffen und eben wie gesagt der Entführung von Maduro. Und jetzt ist eben eine Regierung an der Macht in Venezuela, die aus dem alten Regime kommt, aber deutlich US-freundlicher eingestellt ist, als das Maduro war.

Die Regierung öffnet jetzt die Wirtschaft, aber politisch bleibt das System im Kern gleich. Das verändert allerdings auch die Machtverhältnisse in der Region. Unsere erste Gesprächspartnerin ist Dr. Claudia Ziller von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin. Sie sagt, ohne Venezuela und was da geschehen ist, lässt sich Kuba im Moment kaum verstehen.

Was wir zurzeit in Venezuela beobachten, ist eine ökonomische Transformation ohne politische Transition. Das heißt, es findet ein ordnungspolitischer Wandel statt. Es wird total viel im Rahmen der Wirtschaft reformiert. Politisch gibt es Reformen, die aber die Art des Regierens nicht grundsätzlich verändern.

Und viele wichtige Gesetze zur Reform des Energiesektors, aber auch des Bergbaus, kommen sehr schnell voran, werden verabschiedet. Und alles im Sinne der Öffnung der Wirtschaft, der Garantien für ausländischen Kapitals und, wie wir annehmen dürfen, in enger Kooperation mit der Regierung der USA, Denn beide Parteien, sowohl die Regierung Trump als auch die Regierung von Delsi Rodriguez, berichten stets von einer sehr, sehr guten Zusammenarbeit.

Ja, also es verändert sich einiges. Die Wirtschaft öffnet sich auf Druck der USA, die jetzt gutes Business erwittern, insbesondere natürlich für ihre Ölfirmen. Man darf nicht vergessen, Venezuela hat die größten Ölreserven der Welt, also deutlich mehr als beispielsweise Saudi-Arabien oder andere Golfstaaten.

Und insofern ist das natürlich gerade für die amerikanische Ölindustrie ein sehr interessantes Land und jetzt dadurch, dass dieses Land aufgemacht werden soll, dass der Energiesektor reformiert werden soll, dass der Bergbau reformiert werden soll, all das sind natürlich alles Dinge, die möglichen US-Investoren zugutekommen.

Aber, und das ist eben auch ganz wichtig, Caracas öffnet sich wirtschaftlich, aber ohne demokratischen Übergang. Also als damals die USA Venezuela angegriffen haben, habe ich auch mit der einen oder anderen Person in Venezuela gesprochen. Leuten, die in der Opposition waren, die natürlich gehofft haben, dass sich jetzt dieser Klammergriff des Regimes löst, also diese Vielzahl an Geheimdiensten und der ganze Druck, der auf den Menschen gelastet hat, dass das jetzt zu Ende sei, aber das interessiert die USA definitiv nicht.

Das interessiert die Trump-Regierung nicht für die USA, so wichtig, Business und das bekommen sie jetzt. Allerdings hat das auch ganz direkte Folgen für Kuba, was in Venezuela geschehen ist. Venezuela, ein langjähriger Verbündeter Kubas, eben auch eine linke oder eine staatssozialistische Regierung. Und insofern war Venezuela auch ein wichtiger oder der wichtigste Öllieferant für Kuba.

Das ist jetzt nicht mehr der Fall. Der Kanal ist versiegt und Washington sorgt offenbar auch dafür, dass auch alternative Lieferungen beispielsweise aus Russland und anderen Ländern nicht ankommen. Das Ergebnis ist, auf Kuba bricht die Energieversorgung weg und das eben wird zum politischen Druckmittel.

Allerdings muss man auch sagen, dass in Venezuela, auch wenn das Regime immer noch Bestand hat, also wenn da im Prinzip die alten Köpfe da sind, bis auf Maduro natürlich, dass das Regime, zumindest nach Ansicht von Frau Dr. Ziller, sich zumindest auch ein bisschen verändert hat. Also es ist spürbar, dass das Regime weniger repressiv wird.

Das bedeutet aber nicht, dass irgendwelche Bedingungen geschaffen werden für freie Wahlen, also an der Front wird, nichts gemacht oder dass Teile der Opposition eingeladen werden, um über die Zukunft des Landes zu reden, das findet alles nicht statt. Also deswegen eine gewisse Liberalisierung, die aber nicht demokratisieren und nicht mehr Mitbestimmung der Bürgerinnen und Bürger bedeutet.

Jetzt kann man natürlich Venezuela und Kuba irgendwie kann man sie schon miteinander vergleichen, weil wie gesagt beide, wie gesagt, staatssozialistisch regierte Länder, Länder in denen die eigene Bevölkerung, mit ziemlichen Repressionen überzogen worden ist, in denen es entweder eine ausgeschaltete oder nahezu ausgeschaltete Opposition in Venezuela gab oder gar keine wie in Kuba.

Aber es gibt immer noch deutliche Unterschiede. Das fängt schon dabei an, was es für Rohstoffvorkommen gibt. Der offensichtliche Unterschied ist, dass Kuba nicht die Ölvollkommen von Venezuela hat und dass das ein Inselstaat ist, das halb so groß ist, was die Bevölkerung angeht. Und nicht kontinental in Südamerika integriert ist.

Also ich würde sagen, einerseits ist die Situation Kubas viel prekärer, also viel isolierter, abgeschnitten von der Welt. Die Führungsriege scheint mir koesiver, also dass der Zusammenhalt größer ist und familiärer geprägt ist. Das heißt, es gibt mehr Zusammenhalt unter denen, die dort das Sagen haben und sie sind Teil des Militärs zugleich.

Gleichzeitig aber hat eine Symbolkraft, die Venezuela nicht besitzt. Also es gab in Venezuela nicht eine Revolution wie auf Kuba. Und bei allem Heroismus, der sozusagen in der venezolanischen Propaganda unterstrichen wird, Kuba kann in diesem Bereich mehr anbieten, symbolisch, historisch, ideologisch.

Kuba hat ein Che Guevara und nicht Venezuela. Dann stellt sich jetzt natürlich die Frage, wenn es da kein Öl gibt und wir ja vorhin festgestellt haben, dass Öl sicherlich einer der wichtigsten Anspornen war für Donald Trump in Venezuela aktiv zu werden, Zugriff zu bekommen auf die Ölquellen der Venezuelaner.

Warum interessiert sich Trump denn eigentlich plötzlich so für Kuba? Und da ist glaube ich, also zum einen ist es natürlich einfach eine sehr symbolische Insel, da gab es eine linke, eine sozialistische Revolution direkt vor der Haustür der USA und das war für die US-Amerikaner, das Mutterland des Kapitalismus eigentlich immer ein Dorn im Auge, dass sozusagen direkt in der Nachbarschaft dieses Kuba existierte, widerständig war, trotz Blockade, trotz verschiedenen Versuchen die Regierung da zu stürzen, aber trotzdem eben Widerstand geleistet hat, dass auf der einen Seite, auf der anderen Seite sicherlich die große Zahl der Diaspora.

Kubanerinnen und Kubaner, die zumindest in Florida ein erhebliches Wählerpotenzial sind. Marco Rubio, der Außenminister der Vereinigten Staaten, hat Eltern, die in Kuba geboren worden sind, also die aus Kuba geflohen sind. Also es ist auch sehr, sehr symbolträchtig, ganz offensichtlich. Aber es hat auch andere Gründe, sagt Frau Dr.

Ziller. Es hat keinen besonderen Rohstoffvorkommen, aber es könnte eine sehr interessante karibische Riviera werden. Also im Moment, die Castro-Familie oder das Militärholding AESA, diesem Wirtschaftsblock, besitzt viele Luxushotels und das in Zusammenarbeit mit spanischem Kapital. Und gerade ist der Tourismus auf Kuba zusammengebrochen, weil die Flüge unterbrochen sind, weil die Situation so prekär ist wegen der Stromausfälle und weil nicht klar ist, was in den nächsten Tagen passiert.

Aber touristisch betrachtet hat die Insel großes Potenzial, das zum Teil bereits benutzt hatte. Und Sie haben einen anderen Unterschied erwähnt. Also wir haben eine größere venezolanische Diaspora, aber in den USA ist die Rolle der Exil-KubanerInnen bedeutender als die der Venezolaner dort. Ja, also in Kuba kommt, wie gesagt, viel zusammen, also sowohl politisch wie auch wirtschaftlich.

Es ist eine symbolisch aufgeladene Insel. Es gibt die Exil-KubanerInnen, die Druck machen. Es gibt natürlich auch die ökonomischen Geschichten, also das Thema Tourismus, was Frau Dr. Zeller gerade angesprochen hat und das Ganze trifft jetzt auf eine Insel, die unter massivstem Energiemangel leidet, also die Amerikaner, die den Würgegriff um die Insel immer weiter zuziehen und die Frage ist natürlich, ist da eine militärische Eskalation zu erwarten oder wird es möglicherweise ein Deal geben?

Und erst vor wenigen Tagen hat der stellvertretende Außenminister Kubas gesagt, man sei auf eine militärische Intervention vorbereitet. Das muss er natürlich sagen, um das Volk zu beruhigen, aber das spricht natürlich dafür, dass man nicht so wirklich weiß, wie die USA sich verhalten werden. Ja, das Militärpotenzial Irans ist in Kuba nicht vorhanden.

Und gleichzeitig, als er gesagt hat, wir bereiten uns vor, das muss gesagt werden, gehört zu nationaler Propaganda und auch zu der Sovereinität eines Landes, beides. Gleichzeitig hat er gesagt, aber er schließt, eine US-Invasion eher aus. Also noch so nach dem Motto, ja, wir können nicht anders als uns vorbereiten, aber wir gehen davon aus, das passiert nicht und vor allem wird gehofft, dass das nicht passiert und deswegen finden Gespräche statt.

Also mittlerweile haben sowohl die kubanische als auch die US-Seite bestätigt, dass es Gespräche gibt. Und ich glaube nicht, dass die USA ein Interesse haben an Boots on the ground. Also das werden sie vermeiden. Und wenn die USA Venezuela als Erfolg bewerten, das ist der Fall, dann werden sie versuchen, das genauso zu machen, ohne und möglicherweise nicht mal eine Entführung ist notwendig.

Denn der Präsident Miguel Diaz-Canel ist kein mächtiger Mann im Unterschied zu Maduro würde ich sagen, er representiert noch weniger als Maduro die Ideologie des Landes also Maduro als Nachfolger von Chávez. Verkörpert schon. Den Chavismus vielleicht ein bisschen mehr als Miguel Díaz-Canel, den kubanischen Sozialismus, glaube ich schon.

Und deswegen, Miguel Díaz-Canel könnte schnell weg sein und dann wird mit dem harten Kern kooperiert, nämlich um die Castros herum. Also, Frau Dr. Ziller geht ganz offensichtlich davon aus, keine Panzer, keine Bodentruppen, auch keine Luftangriffe dafür, für eine Verstärkung des ökonomischen Würgegriffs, also eine minimale Bereitschaft für Boots on the Ground, also Bodentruppen.

Da gehe ich persönlich auch nicht von aus, dass das passieren wird. Bodentruppen, das ist immer ein riesen Gefahrenpotenzial für den Oberbefehlshaber der USA, in dem Fall Donald Trump. Denn Boots on the Ground heißt Soldaten, die massiv gefährdet sind. Und wenn am Boden gekämpft wird, ist diese Luftüberlegenheit, die die USA definitiv haben, gegenüber Kuba, die wird da so ein bisschen egalisiert und das ist eben dann ein sehr schnelles Problem und man hat in den Kriegen in Afghanistan oder im Irak gesehen, dass man sich da eben sehr schnell verzetteln kann, wenn man Bodentruppen reinschickt.

Das kann funktionieren, wenn man Kommandoeinheiten reinschickt, um Leute rauszuholen, wie das Mario Maduro passiert ist, dem Präsidenten oder vorherigen Präsidenten Venezuelas, Aber das haben die Amerikaner ganz offensichtlich ja nicht vor, dass sie da irgendwelche führenden Personen des Regimes in Kuba.

Exfiltrieren wollen, entführen wollen und in die USA bringen, um ihnen da den Prozess zu machen. Jedenfalls bis heute gibt es ja noch keine Ansagen, dass einer dieser Personen irgendwie Terrorist sei oder Drogenhändler sei oder was weiß ich, was die Amerikaner sich da manchmal ausdenken, um missliebige Personen zu entfernen.

Was das alles konkret für die Menschen auf Kuba bedeutet, das beschreibt Professor Bert Hoffmann. Er ist Kuba-Experte, arbeitet am GIGA-Institut in Hamburg und war gerade erst selbst auf der Insel unterwegs. Ja, die Situation ist tatsächlich dramatisch. Das kann man kaum überzeichnen. Kuba kriegt seit inzwischen zweieinhalb Monaten kein Öl ins Land und Kuba ist bei Diesel und Benzin zu 100 Prozent von Importen abhängig. Das heißt, alle Laster fahren mit Diesel, was komplett zur Neige geht inzwischen.

Das wird alles knapp und ohne Laster kommen die Lebensmittel nicht mehr vom Land in die Stadt, kommen die Schwangeren nicht mehr in die Klinik ohne ein Auto. Kommt der Sauerstoff nicht in die Krankenhäuser, funktionieren die Wasserpumpen für die Trinkwasserversorgung nicht mehr. Also das ist alles tatsächlich sehr, sehr dramatisch geworden für die Bevölkerung und das ist sozusagen das zynische Spiel, das die ganze große politische Frage betrifft.

Kuba befreien, Regime-Change, all das wirklich auf dem Rücken der Leute ausgetragen wird. Das ist, was man immer wieder hört von den Leuten. Das tut ja nicht dem Staatspräsidenten weh, sondern das tut ganz konkret mir als einfachen Leuten weh. Das ist eine große Verbitterung, die man eigentlich überall hört und die Situation ist ja von Tag zu Tag eigentlich am schlechter werden und es gibt so wenig Aussicht, dass sie besser wird.

Also was Professor Hoffmann da ja skizziert, ist ja ein Land oder eine Insel kurz vorm humanitären Kollaps, von der humanitären Katastrophe und das ist natürlich auch ein Spiel, muss man sagen, was die Amerikaner da gerade spielen, was auf dem Rücken der normalen Leute wieder ausgetragen wird. Die Regimekräfte werden wahrscheinlich nicht darunter leiden.

Das wird möglicherweise innenpolitisch Druck ausüben, auf die Regierung in Kuba sich endlich zu Verhandlungen bereit zu erklären. Auf der anderen Seite ist es natürlich, finde ich eben auch, wie Hoffmann das sagt, etwas zynisch, was da gerade passiert. Und auch Hoffmann ist, ähnlich wie Frau Dr. Ziller, was die Beweggründe eben für diesen Konflikt angeht, ganz klar der Meinung, dass neben diesen touristischen Aspekten auch das Thema Symbolpolitik eine sehr, sehr große Rolle spielt.

Sie haben schon völlig recht, was Kuba auszeichnet, ist dieses Symbol. Die Revolution Fidels vor der Nase der USA, das ist eine Demütigung gewesen und da ist eine offene Rechnung. Aber darüber hinaus gibt es auch Interessen an Kuba ökonomischer Art. Kein Öl. Aber die Exil-Kubaner, die nach der Revolutions ausgehangenen Kubaner leben ja weitgehend in den USA, sind auch ein wichtiger politischer Faktor in den USA.

Da gibt es ganz viele Alteigentümeransprüche, sowohl auf Unternehmen, auf die Zuckerrohrfelder, auf die Immobilien in Havanna. Das ist ein ganz klarer, zu benennender Interesse und den hat sich die US-Regierung auch zu eigen gemacht, für diese jetzt US-Bürger ihr Eigentum zurückzufordern. Da ist natürlich viel, viel Sprengstoff drin.

Ein zweites Interesse ist ganz klar der Tourismus. Wenn jetzt spanische Firmen Hotels managen, dann denken die Amerikaner, hey, das könnten wir aber auch. Dann würden unsere Kompanien das Geld verdienen. Der Immobilienmarkt in Havanna wird sicherlich ein paar Leute reich machen. Also es gibt schon Interessen. Trotzdem ist Kuba politisch immer größer als wirtschaftlich und wenn die USA jetzt quasi unter Trump sagen, wir wollen die Neuauflage dieser Monroe-Doktrin, also ganz Nord- und Südamerika soll.

Im Prinzip eine US-freundliche Hemisphäre sein, dann muss sozusagen dieses Symbol fallen und in Havanna auch eine Regierung sein, die zumindest diese außenpolitische Linie mitfährt, wie es die neue Regierung in Venezuela jetzt tut. Trotzdem muss man immer wieder auch die Frage stellen, und das wollte ich auch mit Professor Hoffmann diskutieren, wie militärisches Eskalationspotenzial von so einer Krise ist. Aber auch da ist er sehr, sehr eindeutiger Meinung.

Also ich nehme nicht an, dass wir in Absehbarzeiten der Militäraktionen der USA und Kuba haben werden. Das erscheint mir nicht das primäre Szenario. Gleichzeitig, wenn Trump eins ist, ist es nicht ganz berechenbar. Aber wir haben auch nicht die Situation wie in Venezuela, dass sie sozusagen den Staatspräsidenten rausholen müssten militärisch, um die Regierung auf Linie zu bringen.

Die kubanische Führung erscheint sehr geschlossen und wenn in einem Deal vereinbart wird, dass eine neue Person an der Spitze ist, nötig ist, dann kriegt das die Parteiführung in Kuba und die Militärführung alleine hin, dann tritt der Präsident zurück aus Gesundheitsgründen oder was auch immer. Also das sehe ich nicht. Natürlich hat Kuba keine militärische Kapazität.

Einen US-Angriff zu verhindern oder dem Stand zu halten. Aber sie haben sicherlich die Kapazität, ein paar Verluste den US-Amerikanern zuzuführen. Und vor allem, dass danach ist die völlig offene Frage, danach hätte man dann eine US-Militärregierung. Die USA brauchen ja irgendjemand, der das Land für sie verwaltet.

Das ist dann völlig unklar, wenn wir einen militärischen Schlag haben. Das Letzte dazu, es gibt ja die US-Militärbasis in Guantanamo auf kubanischem Gebiet. Und das ist potenziell, wenn die USA wirklich einen Militärschlag machen, auch eine Geisel in den Händen der Kubaner. Also die Militärbasis in Guantanamo können die Kubaner schon bombardieren.

So weit reicht die Verteidigungskapazität. Und da gäbe es dann schon ein paar Tote und das will niemand in den USA, glaube ich. Also ich sehe nicht, dass das das primäre Interesse weder der USA noch Kubas ist. Trotzdem haben wir so viele Mitherschläge der USA gerade, dass natürlich Kuba sich darauf vorbereitet und da natürlich auch dicke Backen macht und sagt, ey, wir werden nicht kampflos aufgeben.

Also das ist ja erstmal eine gute Nachricht, dass jetzt also beide Expertinnen und Experten, dass beide der Meinung sind, eine Militärintervention halten sie nicht für wahrscheinlich. Das ist in diesen Zeiten, wo ja ein Krieg quasi den nächsten jagt, ist das sicherlich erstmal eine gute Nachricht. Auf der anderen Seite ist der ökonomische Druck für die Menschen auf Kuba eine Katastrophe und es gab jetzt schon zweimal flächendeckende Stromausfälle auf der ganzen Insel, weil die Stromversorgung eben auch über Öldiesel läuft und das natürlich ein Riesenproblem jetzt mittlerweile ist für die Insel.

Und die Frage stellt sich dann meines Erachtens, wie lange hält Kuba das eigentlich durch, ohne in die Knie zu gehen? Das ist, was die USA herbeiführen, ganz klar, natürlich. Also in Deutschland. Wenn sie keinen Diesel haben, dann kommt nicht mal die humanitäre Hilfe vom Hafen in die Geschäfte zum Verteilen.

Also man braucht für so viele Sachen Diesel oder Benzin und das ist im Moment auf knapp über Null, was ins Land kommt. Es kommen ganz kleine Mengen rein über private Importe, gar nicht über Tankschiffe, sondern in normalen Containerschiffen, sozusagen in Behältnissen, die eigentlich sonst für Rumtransport vorgesehen sind.

Ja, das ist nichts, was das Land wirklich über Wasser hält. Und es wird viel improvisiert. Noch schafft das Land sozusagen einen Grundstock an Normalität in manchen Sachen aufrechtzuerhalten. Also noch werden die meisten Schwangeren von irgendjemand sicherlich ins Krankenhaus gebracht. Aber Sie sehen den Tank, der geht runter. Mit jeder Fahrt, die gemacht wird, ist weniger im Tank.

Und das ist schon eine sehr, sehr bedrohliche Situation. Ich persönlich gehe davon aus, dass Trump sich auf jeden Fall Kuba greifen wird. Das hat er sehr, sehr deutlich gemacht in den vergangenen Tagen. Schon während des laufenden Irankrieges hat er davon gesprochen, dass es ihm eine große Ehre sein werde, sich Kuba zu holen. Es ist vieles ihm jetzt öffentlich in letzter Zeit eine große Ehre, auch Menschen im Iran zu töten.

Das hat er ja auch von sich gegeben. Jetzt also, dass er sich Kuba holen will, auch das eben für Donald Trump eine große Ehre. Und ich habe so den Eindruck, dass er sich da so ein bisschen schlanken Fuß machen wird, wenn er aus dem Iran-Krieg raus stolpert, in den er reingestolpert ist. Ein Krieg, der unfassbar stümperhaft geführt worden ist, der völlig planlos war, der am Ende auch nicht dazu geführt hat oder geführt haben wird, muss man ja sagen, zur Zeit der Aufnahme dieser Folge läuft der Iran-Krieg noch, aber ich gehe davon aus, dass es in einigen Tagen vorbei sein wird.

Aber die Regierung, das Regime, das Mullah-Regime wird weiter an der Macht sein. Dafür spricht nichts, dass es jetzt schnell kollabiert. Im Grunde genommen ist das, was da geschehen ist, eine Niederlage für die US-Amerikaner, auch für Israel. Und die Mullahs werden sich als Sieger feiern können. Natürlich wird Trump das auch tun, aber am Ende weiß er, dass er vor den Augen der Weltöffentlichkeit da verloren hat, diesen Krieg.

Und umso wichtiger ist es dann möglicherweise auch als Signal ins Innere hinein in die USA vor den Midterms, die ja demnächst anstehen, also Ende des Jahres anstehen, dass das Signal an die eigene Wählerschaft geht. Zumindest bei uns in unserem Hinterhof sind wir die Number One. Make America Great Again, Make America so groß, dass wir auch die ganze sozusagen amerikanische Hemisphäre beherrschen.

Sowohl den Norden wie auch den Süden. Und insofern könnte ich mir vorstellen, dass er sich das nicht nehmen lassen wird, Kuba einzunehmen. Auf welche Art auch immer. Ich glaube nicht, dass es da zu einer Militäraktion kommt. Ich glaube nicht, dass sie da Truppenwenden senden werden. Aber sie werden die Regierung definitiv dazu zwingen, aufzugeben, einfach auch aus Sorge um die Bevölkerung und möglicherweise dann auch demokratische Reformen einzustuben, also nicht nur wirtschaftliche Reformen einzustielen, die es den Amerikanern ermöglichen, Business zu machen oder amerikanischen Investoren es ermöglichen, Business zu machen auf der Insel.

Die es ermöglichen, dass amerikanische Touristinnen und Touristen da vor Ort schön Urlaub machen können, Und möglicherweise profitiert dann auch Trumps Real Estate Business, will ja alles in der Riviera verwandeln, Gaza, aber eben möglicherweise auch Kuba. Und da muss man schauen, ob das sich tatsächlich so umsetzen lässt.

Ich glaube Trump wird vieles dafür tun, dass das geschieht und an der Perspektive muss man natürlich dann auch sagen, es ist das Ende oder wäre dann das Ende des linken Staatssozialismus in Südamerika, auch wenn es immer noch linke Bewegungen gibt. In Lateinamerika, aber es wäre eben das Ende des Staatssozialismus, wie ihn Kuba vorgelebt hat, wie ihn Venezuela auch einige Jahre vorgelebt hat.

Das ist möglicherweise dann auch nicht schlecht, aber die Methoden, die Trump gerade und seine Regierung dafür wählen, ist natürlich nicht nur zynisch, sondern es ist eine Katastrophe für die Menschen, die jetzt da wirklich Riesenprobleme haben, vor die sie gestellt sind. Ich bin gespannt, wie sich das in den kommenden Wochen entwickelt.

Möglicherweise habe ich auch die Gelegenheit, selber nach Kuba zu reisen. Falls ja, würden wir natürlich auch von dort aus eine Folge für unseren Podcast im Krisenmodus produzieren. Das war die heutige Folge unseres Podcasts im Krisenmodus. Produziert wurde sie von Alexander Baumeister für die Funke Mediengruppe.

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