
Im Krisenmodus· Folge 140
Raketen aus dem Libanon: Alltag im Norden Israels im Schatten des Iran-Kriegs
Mittwoch, 11. März 2026 · 39 min
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Shownotes
In dieser Folge von „Im Krisenmodus“ ist FUNKE-Reporter Jan Jessen vor Ort in Israel. Er spricht mit Bewohner:innen, die nachts kaum noch schlafen, mit einer Sozialarbeiterin, die sich um alte und kranke Menschen kümmert, mit Restaurantbesitzer Daniel Dorfman aus Metulla, der sein Lokal nur noch für Take-away öffnet – und mit Sicherheitsexpertin Sarit Zehavi vom Alma Center.
Die Folge zeigt, wie sich der Iran-Krieg an der Nordgrenze Israels anfühlt – und warum der Konflikt längst weit über Gaza hinausgeht.
Gaststimmen / Protagonist:innen:
• Shira Bar, Bewohnerin von Metulla
• Daniel Dorfman, Restaurantbesitzer aus Metulla
• Sozialarbeiterin aus Metulla und ein Helfer, die Essen an alte und kranke Menschen liefern
• Abid, Community Manager in der arabischen Ortschaft Aramsche
• Sarit Zehavi, Analystin und Leiterin des Alma Research & Education Center
🧭 Kapitelübersicht
1 – Unter Beschuss im Norden Israels
Jan Jessen ordnet ein: Krieg zwischen USA/Israel und Iran, Hisbollah greift aus dem Libanon an, fast täglicher Raketenalarm im Norden – und die Frage, was das für die Menschen an der Grenze bedeutet.
2 – Metulla: Shira und die Nächte ohne Schlaf
Spaziergang durch das fast leere Grenzdorf Metulla. Shira erzählt von Nächten mit Sirenen und Einschlägen, Freunden, die geflohen sind – und warum sie trotz Angst bleiben will.
3 – „Null Sekunden Vorwarnzeit“ – Daniel Dorfman im Raketenhagel
Restaurantbesitzer Daniel beschreibt die „schlimmste Nacht“ seit Kriegsbeginn: null Sekunden Vorwarnzeit, die Debatte um Evakuierung – und warum er bewusst bleibt, um seine Heimat zu verteidigen.
4 – Alte Menschen im Bunker – die Sozialarbeiterin aus Metulla
Eine Sozialarbeiterin und ihr Begleiter versorgen alte und kranke Menschen. Was passiert mit denen, die nicht schnell genug in Schutzräume kommen – und warum viele die lange Evakuierung schlimmer fanden als den Beschuss.
5 – Aramsche und Tel Aviv: Arabisches Dorf und Krankenhaus im Untergrund
Community Manager Abid aus Aramsche spricht über Verbundenheit zum Land, unzureichende Schutzräume und Angst vor Invasion; dazu ein Blick nach Tel Aviv ins unterirdische Ichilov-Krankenhaus – Alltag im Ausnahmezustand.
6 – „50 Angriffe am Tag“ – Analyse von Sarit Zehavi und Jans Fazit
Sicherheitsexpertin Sarit Zehavi erklärt die Strategie der Hisbollah, die kurzen Vorwarnzeiten und die Rolle der libanesischen Armee. Jan zieht ein Fazit: Warum dieser Krieg weit über Gaza hinausgeht und die gesamte Region destabilisieren kann.
🎧 Hör-Empfehlungen
Gaza in der Waffenruhe (nrz.de/podcast/article410489444/gaza-in-der-wa…)
Alle Geiseln frei - Was Trumps Nahost-Deal wirklich bedeutet (nrz.de/podcast/article410220917/alle-geiseln-f…)
Israels Kriege an mehreren Fronten (morgenpost.de/podcast/article409631053/netanja…)
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Im Krisenmodus ist ein Podcast der FUNKE Mediengruppe
Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin
Seit eineinhalb Wochen führen Israel und die USA Krieg gegen den Iran. Das Mullah-Regime wiederum schießt zurück. Es gibt Angriffe auf viele Staaten in der Golfregion. Und gleichzeitig hat auch die Hezbollah aus dem Libanon heraus in den Krieg eingegriffen. Die Hezbollah ist ein enger Verbündeter. Das Iran wird vom Iran finanziert und trainiert.
Fast täglich gibt es im Norden Israels Raketenalarm, Drohnen, Einschläge. In Dörfern wie Metulla an der Grenze gibt es Nächte, in denen die Sirenen kaum noch schweigen. Und in der arabischen Ortschaft Aramsche bleibt manchmal nicht einmal mehr Zeit für einen Alarm. Menschen schlafen schlecht, viele sind geflohen, andere weigern sich, ihre Heimat noch einmal zu verlassen.
Und über allem schwebt die Angst, wie weit wird der Konflikt zwischen Israel, Iran und der Chisbollah noch weiter eskalieren. Was bedeutet dieser Krieg an der Nordgrenze für die Menschen hier und was sagt er über den größeren Konflikt mit dem Iran aus? Im Krisenmodus, der Podcast aus Krisen- und Kriegsgebieten aller Welt mit Journalist Jan Jessen.
Hallo, ich bin Jan Jessen, Politikchef der NRZ und Kriegs- und Krisenreporter der Funke Mediengruppe. Ich berichte seit Jahren aus Konfliktzonen aus der Ukraine, aus Syrien, aus dem Irak. Jetzt bin ich im Norden Israels unterwegs, in Metulla und in der arabischen Ortschaft Aramsche, direkt an der Grenze zum Libanon.
Da habe ich mich mit Menschen unterhalten, die mir erklärt haben, wie die aktuelle Situation ist. Seit dem Angriff der USA und Israels auf den Iran hat sich der Krieg deutlich ausgeweitet. Mittlerweile sind Länder betroffen wie Bahrain, wie Katar, Kuwait, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, wie der Irak oder Jordanien.
Die Risbollah greift den Norden Israels an, von libanesischem Gebiet aus. Die Israelis wiederum schlagen zurück, attackieren den Libanon massiv mit Luftangriffen, sind mit Bodentruppen in das Land eingerückt, in den Süden des Libanon und es sterben täglich Dutzende Menschen. Und während über Raketenabwehr, Drohnen und Militärstrategien diskutiert wird, versuchen die Menschen hier im Norden Israels irgendwie so etwas wie Alltag aufrecht zu erhalten, zwischen Sirenen, Schutzräumen und der Frage, fliehen wir noch einmal oder bleiben wir. In dieser Folge hört ihr Stimmen.
Wir laufen mit einer Bewohnerin durch Metulla. Wir sprechen mit einem Restaurantbesitzer dort, der nachts kaum noch Schlaf findet. Mit einer Sozialarbeiterin, die sich um alte und kranke Menschen kümmert. Und mit einer Sicherheitsexpertin an der Grenze, die erklärt, warum dieser Krieg diesmal anders ist als der vorherige.
Ich bin jetzt schon seit einigen Tagen in Israel. Ich bin sozusagen stationiert in Tel Aviv, dieser wunderschönen Stadt am Mittelmeer. und bin vor einigen Tagen nach Mithullah gefahren, hoch in den Norden Israels und habe da als erstes Mithullah besucht. Mithullah ist ein kleines Dorf, direkt an der Grenze zum Libanon.
Also der Grenzzaun ist da, wo ich war, nur einige Meter entfernt. Und Mithullah war nach dem 7. Oktober 2023, als die Hezbollah an der Seite der Hamas eingegriffen hat in den damaligen Krieg, da war Mithullah ein militärisches Sperrgebiet. Das Dorf war komplett evakuiert. Es waren keine Zivilisten mehr da, nur noch Soldaten.
Und nach einem Waffenstillstand im November 2024 sind Menschen zurückgekehrt. Als ich nach Mithullah gefahren bin, war ich etwas überrascht, dass man da eigentlich völlig entspannt hinfahren konnte. Es gab kaum Militärpräsenz in der Gegend, wo oberhalb von Mithullah selbst war eine israelische Militärbasis, aber auch die Soldaten waren völlig entspannt, was einigermaßen erstaunlich ist.
Normalerweise sind die israelischen Streitkräfte sehr restriktiv, wenn es um Journalisten geht, aber in diesem Fall waren sie eben komplett entspannt und haben uns überhaupt nicht in unserer Arbeit behindert. Ich bin dann ein bisschen durch Metulla gelaufen. Es war gespenste still in dem Dorf. So gegen neun, halb zehn war ich da. Es war also völlig ruhig.
Man hatte den Eindruck, Metulla ist ausgestorben. Es gab nur ein paar Autos, die durch die Gegend fuhren, ganz wenige Menschen. Und ich habe da Shira getroffen und mit Shira gesprochen über die Ereignisse in Metulla, seitdem die Hesbola wieder in den Krieg eingegriffen hat. Die Situation ist nicht so gut.
Wir müssen uns nicht schlafen. Wir müssen uns schlafen in der Nacht, weil die Nacht die Zeit nicht so gut ist. Die Situation ist nicht so gut. Wir schlafen kaum. Wir müssen morgens schlafen, weil sie uns die ganze Nacht angreifen. Viele Menschen verlassen diese Gegend, weil sie hier nicht leben können. Sie haben Angst.
Das ist nicht das einfache Leben, das wir uns wünschen. Die meisten unserer Freunde sind nicht mehr hier. Sie haben viel durchgemacht, weil sie nur noch weg von hier wollen. Wir lieben diesen Ort. Wir wollen hier bleiben. Es ist hart. Ich will da nicht drum herum reden. Aber im Moment ist es sehr ruhig.
Sehr quiet now. Shira, die hat mir dann auch Videos auf ihrem Handy gezeigt. Das waren Videos aus der Nacht davor. Und das war schon krass zu sehen. Also man sah Raketen fliegen, Explosionen. Man hörte jede Menge Krach, jede Menge Geschützdonner, Schüsse. Und naja, also es war offensichtlich eine sehr, sehr unangenehme Nacht für die Menschen in Mithula.
Und das haben auch alle erzählt, mit denen wir da sprechen konnten. Aber übrigens. Irgendwie funktionieren die Leute trotzdem in Metulla. Also auch Shira, die mir die Videos gezeigt hat, die hat dann zwischendurch auch mal gelacht. Und man merkt irgendwie, dass die Menschen im Norden Israels an Krieg gewöhnt sind, dass sie natürlich gewissen Angst, gewissen Respekt vor Krieg haben, aber dass es eben zu ihrem Alltag gehört.
Und den Alltag versuchen sie trotz des Krieges zu gestalten. Das Gleiche gilt auch für Aramsche. Aramsche, das ist ein kleiner Ort, ebenfalls direkt an der Grenze weiter westlich gelegen. Und Aramsche ist ein beduinisch-arabisches Dorf. Die Menschen da wissen natürlich auch ganz genau, was Krieg bedeutet.
Der letzte Konflikt mit der Hisbollah ist ja noch nicht so lange her. Und jetzt geht es wieder los. Die Situation hier ist sehr komplex. Wir kommen gerade erst aus einem Krieg, waren mit dem Wiederaufbau beschäftigt. Und jetzt fängt alles wieder von vorne an. Es gibt viele Sorgen, denn diesmal ist nicht nur Hezbollah im Krieg, sondern auch der Iran.
Und natürlich haben die Menschen irgendwie das Gefühl, der Krieg hört einfach gar nicht auf, er kommt in Wellen zurück. Und kaum ist der Wiederaufbau einigermaßen geschafft, beginnt die nächste Runde. Das gilt für Aramsche genauso wie für Metulla. Das gilt auch für andere Städte in der Region Kiryatschmona.
Da war ich beim letzten Mal, als der Krieg mit der Resbollah tobte. Und damals sind diese Dörfer beschädigt worden massiv. Es gab also viele Einschläge in den Dörfern. Diese Schäden sind behoben worden. Übrigens sieht es auf der anderen Seite der Grenze ganz anders aus. Also wenn man rüberschaut von Aramsche oder von Metulla auf die andere Seite der Grenze, da sieht man diese komplett zerstörten schiitisch-arabischen Dörfer im Süden Libanons.
Also über 150 Dörfer sind da zerstört worden, weil die Hezbollah aus diesen Dörfern heraus gegen Israel operiert hat, also von da aus Raketen geschossen hat, Mörser, Granatenangriffe gestartet hat, Infiltrationstrupps losgeschickt hat. Und so sind diese ganzen schiitischen Dörfer in der Grenzregion komplett zerstört, einfach nur noch Trümmerlandschaften.
Auf israelischer Seite sieht das völlig anders aus, also da hat man die Schäden beheben können. Und eigentlich wirken sowohl Aramsche wie auch Metulla wie so kleine idyllische Dörfer. Eingebettet übrigens in eine wunderschöne Landschaft. Also eigentlich könnten das Touristen-Hotspot sein. Das sind schöne kleine Hügel um die Dörfer herum, teilweise bewaldet, viel Grün.
Und man sieht dann am Horizont ein Gebirge, was jetzt noch irgendwie schneebedeckt war. Also das ist eigentlich eine tolle Landschaft. und eigentlich, wie gesagt, sehr idyllisch, aber, Das Problem ist eben der Krieg, der jetzt wieder begonnen hat. Die Risbollah hat sich also entschieden, kurze Zeit nachdem die Israelis und die Amerikaner den Iran angegriffen haben, wieder in den Konflikt einzugreifen, wieder auf der Seite des Iran, von dem sie unterstützt und finanziert werden.
Und das hat jetzt eben dazu geführt, dass die Israelis da massiv zuschlagen, schon Dutzende von Luftangriffen geflogen haben, mit ihren Bodentruppen jetzt in den Süd-Libanon eingerückt sind. Es gibt auf libanesischer Seite schon über 400 Tote, eine gigantische Flüchtlingsbewegung aus dem Süden des Landes hinauf in den Norden, Richtung Beirut und weiter.
Das ist eine sehr, sehr dramatische Situation für die Menschen im Libanon. Übrigens wollte ich da auch gerne hin, aber zurzeit ist der Flughafen in Beirut zu. Also man kommt schlicht und ergreift jetzt nicht hin. Im Etulah jedenfalls habe ich Daniel Dorfmann getroffen. Das war ein 42-jähriger Mann, der gerade aus seinem Restaurant rauskam.
Er hat früher im Zentrum Israels gelebt, in der Nähe von Tel Aviv. Er lebt jetzt seit 16 Jahren, wie gesagt, direkt an der Grenze zum Libanon und betreibt ein kleines Restaurant. Und er sagt, die letzte Nacht, das sei die schlimmste gewesen, seit der Beschuss begonnen habe. Die letzte Nacht war, glaube ich, die schlimmste bisher, was die Bombardierungen aus dem Libanon oder aus dem Iran angeht. oder aus beiden Ländern. Ich weiß es nicht.
Die ganze Nacht ab etwa 8 Uhr abends gab es ununterbrochen Sirenen, Einschläge, Beschuss. Es fühlte sich an, als würde man unter Feuer laufen. Und die ganze Zeit sind die Leute in die Schutzräume und sicheren Orte gerannt. Es ist von Anfang an nicht ruhig gewesen. Die Situation ist so, dass viele Menschen die Stadt verlassen haben, weil sie sich nicht sicher fühlen.
Du weißt ja, wir sind hier direkt an der Grenze und Hisbollah schießt Raketen direkt auf uns. Du hast 0 Sekunden Vorwarnzeit. Selbst wenn du mitten auf der Straße bist und die Sirene hörst, hast du keine Zeit mehr, einen Schutzraum zu erreichen. Die Bombe kann direkt auf dich fallen. Weil sie nicht sicher sind.
Wir sind auf der Grenze. Es gibt directe Missiles, die Hezbollah schießt. Und du hast 0 Sekunden von Warnung. Also, wenn du in der Mitte der Straße bist und du hörst eine Alarm, Du hast keine Zeit, um eine Hilfe zu finden. Die Bombe kann auf dich fallen. In denen die Sirenen durchgehend heulen, in denen es sich anfühlt, als würde man unter Feuer zur Arbeit gehen.
Und vor allem ein Riesenproblem in Metulle, aber auch in der Ramsche ist, dass man kaum Vorwarnzeit hat. Also wenn die Sirenen heulen, hier in Tel Aviv, wo ich bin, dann hat man zwei, drei, vier, fünf Minuten Zeit, bis man im Schutzraum sein muss. Man kriegt übrigens auch noch eine Vorwarnzeit, also man hat auf dem Telefon schrillt dann so ein Alarm auf und dann wird gesagt, also gleich könnte der Luftalarm beginnen, also bereitet euch schon mal vor.
Dann geht der Luftalarm und dann hat man immer noch ein bisschen Zeit, kann runtergehen in den Schutzraum und ist da dann eben sicher, das ist in Metulla, das ist in der Ramsche nicht so. Da heulen die Sirenen und dann knallt es eben direkt danach. Und manchmal ist es eben auch so, das haben sie uns auch erzählt, die Menschen dort, dass man erst die Explosion von einem Einschlag hört, bevor man überhaupt den Knall des Abschusses hört.
Viele Menschen sind deswegen aus Metulla weggegangen, aber einige wie Daniel bleiben, aus Sturheit, aus Verbundenheit, aus dem Gefühl heraus, dass man nicht jedes Mal fliehen kann, wenn die Rissboller schießt. Und was auch noch dazu gehört, also es war die Regierung, die israelische, die die Menschen 2023 im Oktober dazu aufgefordert hatte, die Grenzregion zu verlassen.
Die Regierung hat dann eben auch dafür gesorgt, dass die Menschen hier in Tel Aviv beispielsweise in Hotels untergekommen sind. Das wurde dann von der Regierung finanziert. Das macht die Regierung diesmal nicht. Also sie sagt, ihr seid trotz dieses ständigen Beschusses eigentlich relativ sicher im Norden, zumal unsere Soldaten mittlerweile mit Bodentruppen in den Süd-Libanon eingerückt sind und da Pufferzogen gebildet haben.
You know, last time it was good decision to evacuate the people from the border, but in the long term it was a mistake because. Beim letzten Mal war es anfangs eine gute Entscheidung, die Menschen von der Grenze zu evakuieren. Aber langfristig war es ein Fehler. Wenn wir geblieben wären, glaube ich, wäre Metulla nicht so zerstört worden.
Etwa 90 Prozent der Häuser wurden auf die eine oder andere Weise getroffen, weil klar war, die Menschen sind weg, nur die Armee ist noch da. Wenn wir damals hier geblieben wären, wäre die Lage wohl weniger schlimm gewesen. Und jetzt bleiben wir. So lange, bis es wirklich keine andere Option mehr gibt.
Die Armee ist diesmal besser auf die Situation vorbereitet und wir haben aus dem letzten Mal unsere Lehren gezogen. Deswegen ist es gut, dass wir bleiben. Das hier sind unsere Häuser. Wir müssen nicht fliehen. Und wenn jemand kommt, bleiben wir und verteidigen uns. Es ist gut, dass wir hier bleiben. Das sind unsere Haus, wir brauchen nicht zu fliegen. Und wenn jemand kommt, wir bleiben und kämpfen.
Ja, also er sagt ja, Daniel sagt das eben auch, er sagt sehr deutlich, die Evakuierung ist das ganz offensichtlich ein zweischneidiges Schwert gewesen, die damalige Evakuierung. Also einerseits natürlich Schutz für die Menschen. Das Problem damals war eben auch, dass Chisbollah-Infiltrationstrupps über die Grenze gekommen sind.
Man hatte Angst, dass sich das wiederholt, was zuvor in den Kibbutzien nahe des Gaza-Streifens passiert ist, also dass Kämpfer der Chisbollah in dem Fall dann in die Dörfer, in die israelischen kommen und da Massaker verüben. Aber er sagt eben auch, dass die Evakuierung dazu geführt hat, dass die Dörfer eben schwer beschädigt wurden, nicht komplett zerstört wurden, aber dass zumindest 90 Prozent der Gebäude beschädigt wurden, weil in den Dörfern keine Zivilisten mehr waren, sondern nur noch die Armee und damit das Ganze eben auch zu einer militärischen Zielscheibe geworden ist.
Deshalb wollen sie jetzt auch bleiben, solange es irgendwie geht. Auch weil sie eben den Eindruck haben, dass die Armee diesmal besser vorbereitet ist als beim letzten Mal. Im Grunde genommen hat dieser Krieg auch tatsächlich nie aufgehört, muss man sagen, an dieser Nordfront bzw. Im Libanon. Es gab im November 2024 einen Waffenstillstand.
Der sah allerdings vor, dass die Khisbollah sich hinter den Litani zurückziehen muss. Der Litani, das ist ein Fluss, der 30 Kilometer hinter der Grenze fließt, also parallel quasi zur Grenze. Und wie gesagt, die Vereinbarung sah vor, die Khisbollah zieht sich hinter diesen Fluss zurück und die libanesische Armee rückt ein in den Süden des Libanon, entwaffnet die Khisbollah und zerstört auch die Infrastruktur der Khisbollah, die vor allem ähnlich wie die Hamas- und Gazastreifen in Tunneln sich auffällt, um Schutz vor Luftangriffen zu haben und aus den Tunneln heraus dann angreift.
Und eigentlich, wie gesagt, war die Vereinbarung, dass diese Tunnel eben von der libanesischen Armee zerstört wurden. Das ist allerdings nicht passiert. Ich war im Dezember noch im Südlibanon und habe da mit christlichen Menschen gesprochen, die in einigen der Dörfer da wohnen. Die haben eben gesagt, dass die Chisbollah natürlich dann noch präsent sei und deswegen hat Israel auch in den vergangenen anderthalb Jahren ständig den Libanon angegriffen.
Es gab jeden Tag im Schnitt zwei Luftangriffe, also insofern der ganze Frieden, diese Waffenstillstandsabkommen, das war sehr, sehr brüchig. Und während wir vor dem Restaurant stehen, mit Daniel sprechen, da hörte man dann auch wieder Feuer. Das waren allerdings Outgoings, also Geschosse, die in den Libanon hineingeschossen wurden, seitens der israelischen Armee.
Ich habe Daniel auch gefragt, womit die Hezbollah hier im Norden operiert, also mit welchen Waffen und was ihn da wohl am meisten beunruhigt. Sie haben eine Antitankmissile, wie es heißt, Nunteat. So, hier ist es, Sie können nicht, es gibt keine Warnung gegen das. Sie schießen, und es ist, wie, es gibt kein System, die Sie aufwarnen, gegen das.
So, das ist wirklich gefährlich. Die letzte Mal... Die haben Panzerabwehrraketen. Davor gibt es keine Warnung. Sie schießen und es gibt kein System, das sich rechtzeitig warnen könnte. Das ist wirklich ganz gefährlich. Beim letzten Mal wurde hier ein Bauer getötet, als er gearbeitet hat. Die anderen Waffen, die sie haben, sind Raketen. Das sind keine einfachen Katjuscher-Raketen mehr, wie in den 80ern oder 90ern.
Heute sind sie viel moderner. Sie bekommen diese Waffen aus dem Iran. Hisbollah und Iran, das ist im Grunde dasselbe. Es gibt da keinen Unterschied. Sie haben sie mit modernen Waffen beliefert. Und die können wirklich schwere Schäden anrichten, auch mit Streumunition. Aber ich glaube, wir sind heute besser vorbereitet. Und bisher ist zum Glück noch niemand hier getroffen oder getötet worden.
Aber ich denke, wir sind mehr vorbereitet und bis jetzt wurde niemand getötet oder getötet. Katiusz, was ich ihn gefragt habe, das sind relativ einfache Raketen, Raketen, mit denen die Hamas noch immer operiert und palästinensische Gruppen. Die Rissboller hat mittlerweile deutlich moderneres Gerät, mit dem sie auch weiter nach Israel hineinschießen kann.
Das haben wir hier gestern Am Tag vor der Aufnahme, also am Montag, haben wir das hier in Zentralisrael auch erlebt, da ist ein Geschoss von der Chisbollah Richtung Tel Aviv geschossen worden. Das ist in Ramla, ein paar Kilometer von Tel Aviv, runtergekommen bzw. Abgeschossen worden und die Trummerteile sind runtergekommen und es wurden mehrere Menschen verletzt.
Das kann man mit diesen Katjuscher-Raketen nicht machen, also die haben eine sehr, sehr geringe Reichweite. Mein Problem ist natürlich, ein Riesenproblem ist das, was er gesagt hat, diese Anti-Panzer-Raketen, Anti-Panzer-Abwehr-Raketen, mit denen die Frisboller arbeitet, mit denen die Frisboller, die haben natürlich eine relativ kurze Reichweite, aber lange genug, um in die Dörfer reinzuschießen und bei denen gibt es einfach keine Vorwarnzeit, weil die auch nicht vom Radar natürlich entdeckt werden können.
Und das macht den Leuten dann natürlich schon ein bisschen Sorge, wenn solche Geschosse dann reinkommen. Gleichzeitig sagt er aber auch, Daniel, wir sind besser vorbereitet und zum Glück wurde noch niemand getötet. Das ist auch am Stand zum Zeitpunkt der Aufnahme dieser Episode unseres Podcasts so. Es gibt noch keine Berichte von toten Zivilisten an der Grenze.
Es sind am Tag, als wir in Metulla waren, zwei israelische Soldaten im Südlibanon getötet worden. Das waren Pioniere, die mit so einer großen Raub unterwegs waren, um ein Fahrzeug zu bergen und die sind immer attackiert worden und sind gestorben. Aber zumindest, wie gesagt, zum Stand dieser Aufnahme noch keine toten Zivilisten.
Wie Daniel sind eigentlich alle Menschen, die jetzt noch in Metulla verblieben sind oder in Ramsche, sind ähnlich gestrickt. Also diese Mischung aus Angst und Widerstandskraft, die spürt man überall im Norden, die spürt man eigentlich auch überall in Israel. Zum Schluss habe ich ihn auch noch gefragt, warum er vor 16 Jahren ausgerechnet nach Metulla gezogen ist, in dieses kleine Stückchen Land direkt an der Grenze, das als erstes getroffen wird, wenn aus dem Libanon geschossen wird.
Das hier ist mein Zuhause. Ja, er sagt ihm, das ist sein Zuhause. Das ist auch der Grund für ihn, warum er nicht weggeht, trotz des Krieges. Und das haben ja auch andere gesagt. Ich habe nach dem Gespräch mit Daniel in Metuller noch eine Sozialarbeiterin getroffen, die mit einem Bekannten unterwegs war, die gerade Fertigessen zu einer Klientin brachte.
Sie versorgen da vor allem die älteren und kranken Menschen im Ort und auch sie hat eine Und ich habe natürlich gesagt, dass es schwierig ist gerade mit Tuller. Die Situation ist, wie du siehst, nicht gut. Wir haben hier keine Raketen, keine direkten Waffen. Sie haben alles. Wir müssen sie zurückdrängen, über die Litani hinaus, vielleicht noch weiter.
Sie können auf uns schießen, ohne dass es einen Alarm gibt. Weißt du, wir hören einfach nur die Explosion. Und es ist sehr gefährlich, so auf der Straße unterwegs zu sein. Es gibt in Mithula eigentlich an jeder Straßenecke, alle paar Meter gibt es Schutzräume. Das sind so Bunker, kleine Bunker, die da gebaut sind.
Also mit einer Stahltür, da geht man rein, paar Treppen runter und ist dann direkt in einem Schutzraum drin. Allerdings habe ich natürlich dann auch an diese Sozialarbeiterin die Frage gehabt, was das für dieser ganze Beschuss für diejenigen bedeutet, die eben nicht schnell in Schutzräume laufen können, etwa die alten oder gehandicapten Menschen. Und dann hat sie gesagt.
Sie bleiben im Zimmer, im Schutzraum oder im Bunker, wenn Sie so etwas haben. Und wenn nicht, dann haben Sie ein Problem. Ich habe die beiden dann auch gefragt, ähnlich wie Daniel. Die Regierung hat auch damals Unterkunft in sicheren Gebieten zur Verfügung gestellt. Bekommt ihr eigentlich so ein Angebot diesmal auch?
Nein, und wir wollen das nicht. Niemand will Mithullah verlassen. Willst du Mithullah verlassen? Nein, wir werden nicht gehen. Wir haben gelitten. Als wir eineinhalb Jahre aus Mithullah weg waren, haben alle gelitten. Die Menschen haben gelitten. Menschen sind gestorben. Menschen sind krank geworden. Sie wollen Mithullah nicht verlassen.
Niemand will Mithullah verlassen. Wir leben hier. Wenn irgendjemand gehen will, dann sollen sie gehen. Aber wir bleiben. Das war tatsächlich so. Ich habe damals hier im Hotel, in dem ich jetzt bin, in Tel Aviv, Menschen getroffen aus Kiryatschmona, aus Mithullah, aus anderen Dörfern im Norden. Und die haben mir schon erzählt, wie schwierig das für sie ist, so lange von zu Hause weg zu sein.
Manche haben sich geärgert, dass sie gegangen sind, manche haben sich über die Regierung geärgert, dass in dem Palmetulla militärisches Sperrgebiet war, es kamen, zu Depressionen, Krankheiten, Vereinsamungen und manche Menschen sind einfach auch fern der Heimat gestorben. Und viele sagen eben heute, lieber unter Beschuss im Etulla leben, als noch einmal für anderthalb Jahre entwurzelt zu werden.
Der Krieg, der trifft allerdings nicht nur die Grenzdörfer im Norden. Im Großraum Tel Aviv liegen ebenfalls Raketen. Ich war vor ein paar Tagen in dem Krankenhaus in Tel Aviv, dem Ichilov. Das hat sämtliche Patientinnen und Patienten, die schwer krank sind, innerhalb von fünf Stunden, als das am Samstag vergangener Woche losging, in Untergrund verbracht.
Also in Parkhäuser umgebaut zu einem Notfallkrankenhaus, also quasi ein gigantischer Bunker, wo jetzt sämtliche Krankenhausabteilungen untergebracht sind bis hin zur Intensivmedizin. Die Patienten, die laufen konnten oder einigermaßen fit waren, die sind dann nach Hause gebracht worden, werden jetzt telemedizinisch betreut.
Das war sehr, sehr spannend zu sehen, also wie vorbereitet dieses Land auf Krieg ist. Wenn oben die Sirenen heulen, dann hören die das unten in diesem zweiten, dritten und vierten Untergeschoss definitiv nicht. Aber es ist schon krass. Wenn man sieht, da stehen hunderte Betten dicht an dicht aneinander.
Gibt kaum Privatsphäre aber trotzdem war die Stimmung gut das hat mir auch so ein Pfleger erzählt Fasimihari, der in der Orthopädie arbeitete als Chefpfleger sozusagen und der sagte die Situation ist nicht ideal, aber die Moral ist gut die Patienten und wir fühlen uns hier unten sicher ich habe auch eine Patientin gesprochen.
Fast 70, die Mutter aus Berlin stammt, die saß im Rollstuhl neben ihrem Bett, hatte das Bein verbunden und sagte auch wir fühlen uns hier unten sicher Man muss ihm geduldig sein und irgendwie mit der Situation klarkommen. Und ja, während über der Erde gerade wieder Luftalarm war, haben unten dann Krankenpflegerinnen mit Elfenflügeln Purim-Gebäck an die Kranken verteilt.
Das fand ich sehr berührend. Also Purim, das ist ein jüdisches Fest, ähnlich stattgesagt wie der Deutsche Karneval. Und ja, man hat irgendwie auch da den Eindruck gehabt, sie gestalten den Alltag im Ausnahmezustand und das zwei Stockwerke unter der Erde. Aber natürlich trifft der Krieg nicht nur jüdische Gemeinden oder mehrheitlich von Jüdinnen und Juden bewohnte Großstädte wie Tel Aviv, sondern auch die Gemeinden, die von Arabern bewohnt werden.
Und ein paar Kilometer entfernt von Mithullah in Aramsche, davon habe ich ja vorhin schon erzählt, da habe ich Abid getroffen, den Community Manager. Und der hat mir erzählt, dass auch sie eigentlich da bleiben wollen, in diesem Dorf. Die Bewohner sind bisher nicht weggegangen. Und sie haben auch nicht vorzugehen.
Sie sind sehr mit diesem Land verbunden. Aber natürlich fordern sie mehr Schutz und eine dauerhafte Lösung, Nicht alle zwei Jahre einen neuen Krieg. Aramsche, das gehört zu einer jüdischen Großgemeinde, ist also ein Dorf innerhalb dieser israelisch-jüdischen Großgemeinde und ist eigentlich ganz gut geschützt.
Also die haben neun Bunker, alleine in diesem kleinen Aramsche mit 1700, 1800 Einwohnerinnen und Einwohnern. Das ist deutlich mehr als sämtliche arabischen anderen Kommunen in Israel. Da gibt es ein relativ großes Ungleichgewicht. Zwischen den arabischen Communities, also arabisch-muslimischen Communities und den jüdischen Communities, die deutlich mehr öffentliche Schutzräume haben.
Wie gesagt, die haben das Glück in Aramsche, dass sie eben in so einer jüdischen Großgemeinde sind. Das Dorf selber sieht auch wunderschön aus, muss man sagen. Also tolle kleine Häuser, Bauernhöfe und auch die Landschaft da, ähnlich wie in Metulla, wirklich atemberaubend. Und auch Aramsche liegt eben direkt an der Grenze zum Libanon.
Wir waren auf so einem Hügel, da konnte man dann runtergucken, diese riesen Grenzmauer, mehrere Meter hoch, plus jetzt nochmal aufgestockt mit Metallgittern, damit es also bloß keine Infiltration von der anderen Seite gibt und auf der anderen Seite auch da eben diese zerstörten libanesischen Dörfer, wo einfach nur noch graue Trümmer liegen.
Abit, der hat mir dann allerdings auch gesagt, dass sie viel Schutz haben, aber dass das aus seiner Sicht nicht ausreicht. Wir haben in der Vergangenheit Schutzräume gebaut, aber die entsprechen heute nicht mehr dem Standard. Es gibt hier täglich Beschuss und Waffen in der Nähe. Wir brauchen deutlich stärkeren Schutz.
Und auch in der Ramsche gilt, wie für Metulla, dass ein Riesenproblem ist, dass die Vorbahnzeit extrem kurz ist. Auch das hat mir Arbit bestätigt. Weil wir so nah an der Grenze sind, bleibt manchmal kaum Zeit. Es geht um Sekunden. Oft gibt es wegen der Nähe zur Grenze gar keinen Alarm. Proximity to the border. Trotz der ganzen Schutzmaßnahmen, trotz der Bunker, die es in Aramsche gibt, trotz einer ganz genauen Videoüberwachung, ich war dann auch in so einem kleinen.
Überwachungsbunker drin, wo mehrere Soldaten die Grenze auf der anderen Seite überwachen und eben schauen, kommt da jemand rüber oder nicht. Trotz dieser aufgestockten Grenzmauer, sagt Abid, hätten Sie in Aramsche Angst vor einer Invasion in den letzten Tagen, habe es mehr weitere Versuche von Hezbollah-Kämpfern gegeben, die Grenze zu durchbrechen.
Die Armee habe die Leute allerdings gestoppt. Um das alles einzuordnen, habe ich im Norden auch mit Zahret Zehabi gesprochen. Sie ist eine israelische Analystin, war früher beim Militärgeheimdienst und leitet jetzt das Alma-Forschungszentrum, das die Lage an der Nordgrenze seit Jahren untersucht. Man muss natürlich sagen, dass sie das aus einer dezidiert israelischen Perspektive macht. Aber was jetzt nochmal die Analysen angeht, ist sie da schon relativ präzise.
Wir stehen unter dauerhaftem Beschuss. Im Durchschnitt sind es fast 50 Angriffe pro Tag durch Hisbollah. Etwa ein Drittel dieser Angriffe sind Drohnenangriffe, zwei Drittel sind Raketenangriffe, so wie das, was ihr eben gerade gesehen habt. Die meisten Angriffe, aber nicht alle, richten sich gegen das Gebiet, das wir Borderline nennen, also ungefähr bis zu sieben Kilometer von der Grenze entfernt.
Das hier ist heute der zweite Angriff, der außerhalb dieser Borderline stattgefunden hat. Es gibt also auch Angriffe weiter im Landesinneren. Gestern Abend gab es zum Beispiel Beschuss bis nach Haifa. Die Mehrheit der Angriffe trifft die Grenzzone, aber eben nicht alle. Wir glauben, dass das Ziel von Hisbollah, das taktische Ziel, darin besteht, erneut eine Evakuierung von Israelis zu erzwingen.
Sie wollen den Erfolg, den sie im letzten Krieg hatten, wiederholen. Dass die Gemeinden über einen langen Zeitraum, über ein Jahr bis anderthalb Jahre, komplett leer waren. Ist wieder eine Evacuation. Ja, also fast 50 Angriffe pro Tag, ein Drittel davon durch Drohnen, mit Drohnen durchgeführt, zwei Drittel Raketen.
Die meisten dieser Angriffe richten sich gegen die direkte sogenannte Borderline-Grenzregion, etwa sieben Kilometer tief ins israelische Gebiet hinein. Aber, sagt Sehavi, es gibt immer wieder auch Angriffe außerhalb dieser Zone. Ich habe ja gerade vorhin erzählt, dass auch Tel Aviv, beziehungsweise der Großraum Tel Aviv, gestern attackiert worden ist seitens der Chisbollah.
Und Sehavi ist überzeugt, die Chisbollah verfolgt mit dem, was sie da gerade tut, ein taktisches Ziel. Also es geht der Chisbollah, das ist auch so mein Eindruck, nicht darum, die israelische Armee in die Knie zu zwingen. Dazu sind sie mittlerweile definitiv zu schwach nach den Jahren des Krieges jetzt.
Der Raketenbeschuss ist auch definitiv nicht so schwierig, wie das nach dem 7. Oktober 2023 war. Aber die Risbollah könnte als Ziel vor Augen haben, dass die Dörfer im Norden nochmal zwangsevakuiert werden. Und das wäre aus israelischer Sicht schon sowas wie ein Eingeständnis einer Niederlage, dass man Angst hat.
Und das versucht Israel eben deutlich zu verhindern. Zehavi, also zum einen durch den Einmarsch von Bodentruppen, um Pufferzonen aufzubauen. Aber Cehavi sagt auch deutlich, dass die Art der Bedrohung sich verändert hat. Wir stehen unter ständigem Beschuss durch Drohnen und Raketen. Aber die Gefahr von direkten Angriffen mit Panzerabwehrraketen oder einer großen Invasion besteht nicht mehr in derselben Weise wie zuvor.
Als ich das letzte Mal im Süden des Libanon war, da war ich direkt auf der anderen Seite der israelischen Grenze, also einem christlichen Dorf, wo ich mit Leuten gesprochen habe über die Frage, wie sie sich da fühlen in dieser ganzen Situation. Ich habe mir auch erzählt, dass die Chisbollah immer versucht hat, in ihr Dorf reinzukommen und von dem Dorf aus Raketen abzuschießen auf Israel.
Das haben sie dann verhindert, die Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohner, weil sie sagen, wir wollen nicht in diesen Konflikt eingebunden werden. Und ich habe da auch gesehen, das war in so einem Camp von UNIFIL, das ist diese Beobachtermission der Vereinten Nationen, diesmal gestellt von Soldaten aus Ghana und ich habe gefragt, was die Mission, also diese UNIFIL-Mission da macht und ich habe auch gefragt, was die Rolle der libanesischen Armee ist.
Die sollte die Hresbollah ja eigentlich südlich des Titanis entwaffnen, sollte den Süden kontrollieren. Ihre Antwort war da sehr eindeutig. Nein, die IDF hat nicht versagt. Sie hat den Auftrag nur nicht zu Ende geführt. Diejenigen, die versagt haben, sind die libanesische Regierung und die libanesische Armee.
Was sie tun, ist Betrug. So einfach ist das. Sie täuschen und arbeiten mit der Hezbollah zusammen. Sie sagt also IDF, die hat nicht versagt. Ich hatte sie auch gefragt, ist das, was da jetzt gerade passiert, ein Indiz dafür, dass die israelischen Streitkräfte, dafür steht IDF, also Israel Defense Force, dass die versagt hätten.
Er sagte, nein, nein, nein, also die haben nicht versagt. Sie haben einfach nicht den Job beendet und es sei eben die libanesische Regierung, die versagt habe. Und sie hat mir dann auch noch zusätzlich erzählt, dass sie also von dem, was die UNIFIL da machen, also die Beobachtungsmission der Vereinten Nationen, dass sie davon so gut wie gar nichts hält.
Sie hat mir auch erklärt, dass die Munition, mit der die Hezbollah jetzt arbeitet, in den Dörfern und Häusern lagert. Die libanesische Armee sei ja so kaum in die Wohnhäuser gegangen, wenn dann nur in Zusammenarbeit mit der Hezbollah. Und zudem habe man dann auch falsche Angaben über das gemacht, was man angeblich gefunden habe.
Das ist ein Kritikpunkt, den hat Israel die ganze Zeit geäußert. Also gesagt, das, was die libanesische Regierung macht, reicht definitiv nicht aus. Und die libanesische Regierung hat im Grunde genommen Angst vor der Macht der Khisbollah, die natürlich tatsächlich eine schlagkräftige Truppe noch immer ist im Libanon.
Und um die Khisbollah nicht zu verärgern, um da nicht sozusagen bürgerkriegsähnliche Auseinandersetzungen zu provozieren, habe die libanesische Regierung da nichts unternommen, um die Schlagkräftigkeit der Khisbollah zu unterbinden. Und auch in der Ramsche hat mir, weil ich habe mich natürlich gewundert, ich habe also diese Trümmerlandschaft auf der anderen Seite gesehen, diese komplett zerstörten Dörfer und habe dann auch in der Ramsche Abit diesen Community Manager gefragt, also da sollen noch Soldaten beziehungsweise Kämpfer der Respoiler sein und hat mir auch gesagt, ja, ja, natürlich, also er geht schwer davon aus, dass es da noch Respoiler Kämpfer gibt, die eben in Tunnel wären, die die IDF, also die israelischen Streitkräfte noch nicht entdeckt hätten.
Für die Menschen in Metulla oder in der Aramsche spielt Politik allerdings eine relativ geringe Rolle. Also die Frage, wer ist da jetzt für irgendwas verantwortlich? Sie erleben tatsächlich die Folgen, also Sirenen, Einschläge und die Frage, ob die nächste Nacht ruhig wird oder nicht. Und wenn man im Norden unterwegs ist, merkt man, wie abstrakt viele Debatten klingen will, die wir in Europa führen über strategische Pufferzonen, über Drohnenkriege, Enthauptungsschläge.
Für Shira heißt das schlicht und ergreifend, sie schläft nicht mehr gut. Und für Daniel heißt es, er öffnet sein Restaurant nur noch für Takeaway, weil die Sirenen jederzeit losgehen können. Für Abit in der Ramsche heißt es, es bleiben eine Sekunde, manchmal gibt es gar keine Alarm. Und für alle, hier heißt es, sie leben in einem Konflikt, der längst über diesen Gaza-Konflikt, mit dem das ja im Grunde genommen alles angefangen hat, hinausgeht.
Ein Konflikt, der jetzt die gesamte Region in Flammen zu setzen droht. Ein Konflikt, der sich über den Libanon nach Jordanien, nach Bahrain, Kube, Katar, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und in andere Länder hineinstreckt und ein Krieg, der eben die gesamte Region destabilisieren kann.
Wie lange es so weitergeht, ob die Rizbollah aufhört zu schießen, ob es möglicherweise eine Neuvereinbarung gibt, ob der Iran auch da direkt eingreift, das kann im Moment niemand seriös voraussagen. Die libanesische Regierung ist jedenfalls jetzt der Meinung und hat das auch sehr deutlich gemacht, dass sie will, dass die Rizbollah endlich entwaffnet wird.
Nur noch eine politische Partei ist keine Streitkraft mehr neben den regulären libanesischen Streitkräften. Das hat man eigentlich auch schon im Sommer vergangenen Jahres gefordert, hat das aber nicht wirklich mit Nachdruck umgesetzt. Jetzt scheint es so, dass zumindest innenpolitisch im Libanon die Rizbollah mit ihren erneuten Angriffen das fast zum Überlaufen gebracht hat.
Ich habe auch mit Freundinnen und Freunden im Libanon gesprochen. Nicht nur christlichen Menschen, sondern auch schiitischen Menschen, die gesagt haben, also sie seien definitiv nicht mit diesem Kampf einverstanden, den die Respolada führt, bei dem der gesamte Libanon da in Schwierigkeiten gerät. Und sicher ist definitiv auch für die israelischen Zivilistinnen und Zivilisten ist an dieser Grenze jeder Tag ein Risiko.
Das gilt natürlich auch für die Menschen im Libanon. Das gilt für alle Menschen, alle Zivilistinnen und Zivilisten in allen von diesem Krieg, von diesem Multifrontenkrieg betroffenen Menschen. Deswegen ist es natürlich allen in der Region zu wünschen, dass dieser Krieg wirklich schnell endet und dass endlich wieder Frieden einkehrt. Das war im Krisenmodus.
Der Podcast wurde produziert von Alexander Baumeister. Er ist ebenfalls Journalist beim Radiosender der Funke Mediengruppe. Wenn euch unser Podcast gefällt, liked uns, folgt uns, empfehlt uns gerne weiter. Ihr könnt uns auch schreiben, krisenmodus at funkemedien.de. Passt auf euch auf. Bis dann. Ciao, ciao.
Shalom. Salam Aleikum. Bis denn. Im Krisenmodus, der Podcast aus Krisen- und Kriegsgebieten aller Welt mit Journalist Jan Jessen.