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Immer Hertha· Folge 257

Immer Hertha – Krattenmachers Kracher

Montag, 27. Oktober 2025 · 24 min

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Shownotes

Maurice Krattenmacher wird bei Hertha BSC zum Matchwinner. Sein Tor zum 1:0 gegen Fortuna Düsseldorf beschert den Berlinern einen positiven Start in die Woche, die noch zwei weitere Heimspiele bereithält.

Warum das am Samstagabend besonders überraschend kam? Und welche neue Qualität sich bei Hertha zeigt? Darüber sprechen die Morgenpost-Sportredakteure Paul Gorgas und Nelis Heidemann in der neuen Folge des „Immer Hertha“-Podcasts.

Darüber hinaus geht es um Trainer Stefan Leitl, der als Mutmacher gefragt war, um einen aberwitzigen Fehlschuss und das kommende Pokalduell mit Elversberg.

Viel Spaß beim Reinhören!

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Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin

Und dann war er doch noch gekommen, dieser eine Moment. Hertha BSC schlägt Fortuna Düsseldorf am späten Samstagabend tief in der Nachspielzeit durch ein absolutes Traumtor von Maurice Krattenmacher und gewinnt dadurch mit 1 zu 0. Und vielleicht, vielleicht, vielleicht war das jetzt ja dieser eine Moment, der die Saison aus Berliner Sicht endlich ins Rollen bringt.

Hallo und herzlich willkommen zu Immer Hertha. Hallo Paul, grüß dich. Ja, grüß dich auch. Schön, dass du uns wiedersehen. Das war ein wildes Wochenende, mit einem langen Samstagabend im Olympiastadion, aber irgendwie auch einem großen Abend, oder? So vom Gefühl her? Ja, also die Emotionen, die waren auf jeden Fall da. Ich glaube, dass Stadion lange nicht mehr so explodieren hören, wie erst bei dem Tor von Maurice Grattenmacher und dann nochmal bei Schlusspfiff.

Also der Jubel nach Schlusspfiff kam mir mindestens so laut vor wie bei einem Torjubel und das haben wir lange nicht mehr erlebt im Olympiastadion. Bevor wir in die Tiefe dieses Samstagabends einsteigen, bevor wir tief über Fußball reden, einmal einen Blick hier rum. Wenn ihr uns auf YouTube zuschaut, seht ihr es. Wir sind zurück in unserem angestammten Studio.

Der Wasserstaden ist behoben. Paul, du bist zum ersten Mal hier. Wie gefällt es dir? Ja, hat auf jeden Fall was. Hab ich gerade schon gesagt, das werdet ihr bei YouTube nicht mitbekommen. Aber diesen Neuwagengeruch, den bringt das Studio hier mit. So ein Geruchspodcast wäre. Oh ja, genau. Das ist schon sehr schön. Das sieht sehr schick aus.

Und ich freue mich, dass ich jetzt auch mal hier an den Start gehen darf. Jetzt, wo bei Hertha BSC sich langsam alle Baustellen auflösen, tun sie das parallel auch bei der Berliner Morgenpost. Das ist doch ganz fantastisch. Also wir gehen rein. Hochinteressantes Topspiel am Samstagabend gegen Fortuna Düsseldorf mit zwei völlig unterschiedlichen Facetten, die wir mal nacheinander aufbereiten wollen, weil die erste Halbzeit, da sah es nicht unbedingt zwingend danach aus, dass Hertha BSC dieses Spiel noch gewinnen würde.

Die Berliner hatten wirklich verfluchtes Glück, dass es nicht 0-1 oder sogar noch höher steht. Ja, also ein verrutes Glück, genau, und Tja, Ernst. Das auch, das sind die beiden Zutaten gewesen, muss man sagen. Genau, ich glaube, wir hatten es ja auch nachgeschaut. Nach 40 Minuten irgendwie 1 zu 8 Torschüsse in der Statistik zugunsten dann von Nüsseldorf in dem Fall.

Und ja, so ein bisschen der Blick in den Maschinenraum vielleicht bei uns. Wenn wir ein Politik-Podcast wären, wäre das genau die richtige Metapher. Wir schreiben ja einen aktuellen Spieltext bei so einem späten Spiel, eine Analyse, die quasi fast mit Schlusspfiff dann auch fertig sein soll. Und ja, unser Text war eigentlich von der Enttäuschung, die wir auf dem Spielfeld gesehen haben, geprägt.

Also wir sind natürlich in das Spiel gegangen und wussten, da kann viel möglich sein. Da kann ein Aufbruch passieren bei Hertha und dann liefern sie so eine erste Halbzeit ab, wo man das Gefühl hatte, alles wieder vergessen, was sie in den vergangenen Wochen schon gezeigt haben an guten Leistungen. Also da lief nichts zusammen, du sagst es richtig. Und ja, auch offensiv war es natürlich total enttäuschend, dass da keine klare Spielidee eigentlich zu erkennen war. Es waren immer wieder lange Bälle.

Die dann hinten raus aus der Abwehrkette kamen, die dann aber Luca Schuler in dem Fall auch nicht wirklich verarbeiten konnten, wenn sie überhaupt in seine Richtung gegangen sind. Also das war dünn an allen Ecken und Enden und insofern stimmte es, dass die beste Nachricht das 0 zu 0 zur Pause war aus härter Sicht.

Es war wirklich interessant, gerade dieses Thema Spielaufbau, wie sehr Fortuna Paul Seguin auf den Füßen stand. Also man hatte das Gefühl, der musste wirklich nur ein gutes Spiel machen, um schon als das Herz und das Kernelement von Hertha Spielaufbau identifiziert zu werden. Und ja, so war es dann auch. Also er bekam nicht so viele Bälle, hatte nicht so viele Freiheiten, den Ball zu verteilen.

Und schwupps tat sich Hertha wirklich, wirklich schwer im Aufbau und irgendwie Dinge zu konstruieren auf dem Weg nach vorne. Das war schon echt hart. Eine andere interessante Personalie in der ersten Halbzeit, fand ich, war Michael Karbovnik auf der linken Abwehrseite, der wirklich nicht sattelfest war da und immer wieder überspielt wurde.

Ein Angriff nach dem anderen auf der rechten Seite rollte auf das Berliner Tor zu und Karbovnik ist ja eine kontroverse Personalie, die wir auch letzte Woche schon diskutiert haben. Er hat wieder das Vertrauen gekriegt und ist natürlich die Frage, wann Deuweisio Seefrig mal langsam zurückkommt. Aber Karbovnik, auch wenn er sich hinterher stabilisieren konnte, war wieder die Schwachstelle.

Ja, genau. Also ich glaube, es wird noch ein bisschen dauern mit Seefug. Insofern werden wir auch geworfen da weiterhin Sehne auf der linken Abwehrseite. Und klar, man sieht, dass das Spielerprofil ein anderes ist als bei Deo Weiser Seefug. Also defensiv finde ich auch, offenbart ja einige Schwächen, ist auch in den Zweikämpfen natürlich nicht so aggressiv und nicht so griffig wie Deo Seefug.

Andererseits finde ich, muss man auch sagen, der Zug nach vorn, das offensive Element, was er mitbringt, das ist schon deutlich erkennbar. Die Dynamik gab es auch in der ersten Halbzeit, glaube ich, ein, zwei Szenen, wo er quasi offensiv durchbricht über die Mitlinien. Das ist ein kontroverse Moment mit dem scheinbaren taktischen Foul, wo sich die Kakuisance beschwerte, später das ganze Stadion aus dem Sattel ging, das war auf Kapovnik zurückzuführen.

Ganz genau, weil er da mit Tempo mal den Weg nach vorne gesucht hat. Also das sieht man schon, dass das einfach verschiedene Spielertypen sind. Aber klar, es ist der Personallage geschuldet, dass er da jetzt die erste Wahl ist und eben auch nicht nur der Personallage durch Verletzungen, sondern auch der Kaderplanung.

So ehrlich muss man ja sein, denn den echten richtigen Linksverteidiger, den gibt es einfach nicht bei Hertha im Kader und das schon seit dem Sommer. Ja, also es waren viele Szenen, wo man sich aber so dachte ... Irgendwo, oder wo man sich erinnert fühlte an den Saisonstart, wo Hertha schlicht nicht sattelfest war.

Ich habe zum Beispiel diesen Konter noch vor Augen, als Christensen mit Tempo auf Marton Dardai zulief und Marton wirklich so hin und her wabbeln musste mit den Beinen, um die zu sortieren. Klar, Christensen ist ein schneller Spieler, aber da hatte man echt so den Eindruck, boah, hier läuft Hertha wirklich hinterher.

Aber dann eben auch mal so eine Phase des Gegenwindes zu überstehen und nicht sofort umzukippen. Klar war ein bisschen Glück dabei, klar war ein starker Torhüter dabei, aber das macht dich ja auch stark und das ist auch eine Qualität, dann einfach in so einer Phase, die du immer mal haben kannst, die du immer mal wieder dabei haben kannst, auch mal ohne Gegentor daraus hervorzugehen.

Ja, das war ja auch das, was unter anderem Fabian Rehse dann hinterher bei uns in der Mixzone betont hat, dass einem das schon fast Auftrieb gibt, wenn man eigentlich in die Halbzeit geht, weiß, das war eine schlechte erste Hälfte und dann eben trotzdem mit einem Punkt erstmal schon dasteht, mit dem 0-0 dasteht, kein Gegentor gefressen hat.

Und ja, das scheint sie bestärkt zu haben tatsächlich, dass man den Schalter umlegen kann. Und wenn man das dann auch schafft, dann ist das irgendwo eine Qualität. Da würde ich ihm schon recht geben. Aber es ist natürlich ein heikles Spiel, wenn man erstmal sich 45 Minuten lang überhaupt nicht zeigt und erstmal dem Gegner quasi Tür und Tor öffnet, um das Gegentor zu schlucken.

Und insofern, klar, war das eigentlich glimpflich, dass es 0-0 stand. Das war wirklich interessant, was Rehse gesagt hat, dass sie in der Kabine sogar verhältnismäßig ruhig waren. Und da gab es ja eigentlich nicht wirklich Anlass für nach der ersten Halbzeit, weil so viele Dinge schiefgelaufen sind. Aber es ist auch irgendwie ein Zeichen dafür, wenn es denn so stimmt, das können wir natürlich nicht nachvollziehen.

Wie Hertha gefestigt da unterwegs ist jetzt und wie sehr die Mannschaft jetzt in sich ruht so langsam, dass sie wissen, okay, das war nicht gut, aber wir müssen jetzt nicht in Panik verfallen, nicht in Aktionismus verfallen, sondern einfach bei uns bleiben und uns steigern und dann wird es schon werden und so kam es dann ja auch in der zweiten Halbzeit.

Hertha hatte sofort nach der Pause irgendwie eine andere Griffigkeit, hat man gesehen, so auf dem Platz mehr Präsenz in den Zweikämpfen, auch wenn man fairerweise sagen muss, dass die Ungenauigkeiten zu Beginn schon noch klar zu sehen waren, aber dann wieder durch einen Dreierwechsel kippte das Spiel so ein bisschen zugunsten der Berliner.

Am Samstag waren es Krattenmacher, Torsteinzorn und Gröning, die reinkamen und so ein bisschen die Offensive überlebten. Und das jetzt zum zweiten Mal in Folge in Bochum war es auch schon so, dass mit so einem Dreierwechsel das Spiel komplett gewendet werden kann. Das ist ja eine ungeheure Qualität. Ja, und das ist auch die Geschichte des Spiels, auch wenn man dann vielleicht aufs 1-0 schon mal vorgreift. Da waren alle drei Joker dran beteiligt, die in der 60.

Minute ungefähr reingekommen sind. Also Torsteinzorn spielt diesen eröffnenden Ball, Gröning legt ihn ab auf Reese und dann geht er eben zu Krattenmacher, der das Tor macht. Und das ist absolut eine Qualität, das ist vielleicht überspitzt gesagt die beste Bank der Liga. Kontroverse These an der Stelle, aber ich glaube schon, dass diese Tiefe des Kaders, von der Stefan Leitl wirklich seit Saisonbeginn gesprochen hat, dass die da ist und dass Hertha auch helfen kann und ich glaube, das ist auch vielleicht auch so ein bisschen der Grund, weshalb du in so einer Halbzeit dann ein bisschen was anpassen kannst, auch ruhig bleiben kannst, weil du weißt, wir haben da noch richtig starke Leute auf der Bank, die uns weiterhelfen können

Und wie gesagt, ich finde es auf der anderen Seite aber auch einen riskanten Matchplan, um es mal vorsichtig auszudrücken, irgendwie sich darauf zu verlassen, dass man ab der 60. 70. Minute dann das Spiel schon noch ziehen wird mit seinen Einwechselspielern. Darauf kann man sich nicht verlassen, denn du hast es angesprochen, in Bochum war es auch ein Dreierwechsel, der das Spiel noch mal spannend gemacht hat, aber da stand es eben schon 0 zu 3 nach 60 Minuten und dann kam auch diese Verstärkung von der Bank zu spät.

Gleichzeitig hat Rese aber auch uns erzählt, dass es eben nicht nur die Einwechselspieler sind, die da nochmal so eine Dynamik entfalten, sondern dass die Fitness des gesamten Teams einfach so gut ist, dass da einfach noch so eine Wende im Spiel jederzeit möglich ist ab der 60. Oder 70. Minute, wenn der Gegner vielleicht auch müde wird, weil er natürlich auch ein kraftraubendes Spiel betreiben muss gegen Hertha und gegen Herthas individuelle Qualitäten und ich finde, das macht sich schon ein Stück weit bemerkbar, dass da Hertha zumindest nicht die Puste auszugehen scheint in den Spielen zuletzt.

Ja, das war das große Thema von Stefan Leitl in der Vorbereitung. Das hat er da immer wieder betont, dass Hertha die fitteste Mannschaft der Liga werden soll. Und ja, er hat auch die Kadertiefe immer wieder angesprochen. Jetzt ist es ja endlich so weit, dass sie auch mal da ist und verfügbar ist, dass sich das Lazarett ein bisschen verkleinert und auch einfach die Optionen bestehen.

Jeremy Dudziak, auch interessant, war das erste Mal im Kader am Samstag. Mal schauen, ob wir den wirklich zeitnah vielleicht schon wieder bei den Profis sehen werden, ob er mal die Chance erhält. Aber es gibt einfach Optionen jetzt und das ist der große Punkt. Nach dem Dreierwechsel, bevor wir gleich zum spektakulären Siegtor kommen, begann aber zunächst diese Phase des großen Chancenbuchers.

Da müssen wir halt vor allem mal wieder über John Daguer Thorstein zu uns sprechen. Also ich will wirklich nicht den Eindruck erwecken, dass wir uns hier auf jemanden einschießen, weil er ja auch öfter irgendwie hier kontrovers diskutiert wird. Aber es war halt wirklich einfach eine Wahnsinnschance. Ja, und es ist ja nochmal eine andere Qualität von Chance. Ich meine, diese Szenen, das flache Hereingabe von links oder rechts und dann tritt einer über den Ball. Das haben wir ein paar Mal gesehen diese Saison.

Das war auch schon kurios genug. Dann so Halbholbälle natürlich auch mal ein Klassiker, um ihn dann doch noch übers Nebenstor zu setzen. Auch schwierig, aber der Ball kommt ja mit wirklich sehr viel Zeit und eigentlich sehr passgenau ihm in den Fuß. Das ist ja eigentlich wirklich eine Leistung, den dann nicht mal irgendwie aufs Tor zu bringen, sondern so halb abzustoppen und dann verdrehen.

Tändelt die Chance irgendwo. Das ist ja schwer zu erklären. Vielleicht greift auch da wieder der Ansatz, dass es einfach das fehlende Selbstbewusstsein ist, dass er den nicht mit irgendeiner Selbstverständlichkeit, die er sich in den letzten Wochen, Monaten bei Hertha hätte arbeiten können, reinhaut, sondern ihm der Ball dann irgendwie verspringt, der nochmal drüber nachdenkt, ob ihn erst annimmt und die Chance dann dahin ist.

Ja, altes Sprichwort aus meiner Fußballerzeit weiß ich noch, hast du Scheiße am Schuh, hast du Scheiße am Schuh. Das ist bei Torstein, sondern ist das einfach so der Fall. Das muss man ja sagen, Hertha hat auch schon von derartigen Aktionen profitiert in dieser Saison, muss man sagen. Ich erinnere an das Auswärtsspiel in Nürnberg, als der Nürnberger Angreifer dann noch den Ball eher sogar klärte in die andere Richtung.

Aber ja, da hat natürlich das ganze Stadion schon den Ball im Tor gesehen und es folgten viele weitere Chancen in dieser Phase Mitte der zweiten Hälfte, fast im Minutentakt. Wir hatten Fabian Rehse, der einmal frei vor Kratenmacher auftauchte. Wir hatten dann die gute Aktion von Torstein Zorn mit einer starken Flanke über linke Seite, die gerade noch so geklärt wurde auf der Linie.

Im Grunde auch da war Kastenmeier schon geschlagen. Und dann hast du wieder diese Aktion, wo du denkst, Hertha muss eigentlich 1-0 führen, 2-0 führen jetzt und sie schaffen es aber nicht. Der Chancebucher, das ist ja auch kein neues Bild, was das erste Mal auftritt in dieser Saison. Beim Heimspiel gegen Münster war es auch schon so. und das hat auch Stefan Leitl nachher ja betont, dass das wirklich ein dauerhaftes Problem ist irgendwie zur Zeit, ne.

Auch wenn natürlich keiner den Ball absichtlich vorbeischießt. Nee, es ist natürlich auch ein Problem, gerade wenn dann das Spiel am Ende nicht gewonnen wird. Andererseits muss man sagen, nach der ersten Halbzeit hätte ich nicht mehr daran geglaubt, dass wir nochmal ein Chancenbuch von Hertha sehen und überhaupt so viele Tormöglichkeiten, wie sie dann hatten.

Also das muss man ja zumindest ihnen zugutehalten, dass sie zu den Chancen kommen, dass sich Möglichkeiten herausspielen. Das ist ja schon mal positiv zu vermerken und eben auch gerade nach so einer ersten Hälfte sich dann nochmal offensiv so zu raffen und wirklich den Gegner zu überspielen. Das waren ja auch keine Zufallsprodukte, sondern das war ja wirklich eine Überlegenheit dann auch im letzten Drittel.

Das ist dann schon bemerkenswert. Absolut. Und dann kam eben doch noch dieser eine Moment, Maurice Krattenmacher, in einer spektakulären Schlussphase. Es war ja wirklich beide Mannschaften mit offenem Visier, haben auf Sieg gespielt. Und nur dadurch hatte Hertha dann auch so viel Platz für diesen einen Konter, den du ja eben schon beschrieben hast.

Und Krattenmacher ist ja eine hochinteressante Personalie, der zu Beginn der Saison gesetzt war. Und so ein... Kleiner fußballerischer Lichtblick war in einer ansonsten sehr düsteren Zeit und jetzt laut Stefan Leidl in so ein kleines Loch gefallen war und dann mit so einer Aktion zurückkommt. Also das war ja, du musst ja dann, nagelt der diesen Ball da unter die Latte.

Was für ein Wahnsinnstor. Und da brauchst du ja Selbstvertrauen ohne Ende für. Und das hatte er eigentlich nicht angesichts der Tatsache, dass er zuletzt auf der Bank saß. Aber ist das so diese FC Bayern Mentalitätsschule irgendwie oder? Ja, ich glaube, er bringt das schon so ein bisschen mit, das Gewinner-Gen.

Nein, aber ich glaube, es ist diese Unbekümmerheit natürlich ein Stück weit. Also er hat jetzt noch keine allzu lange Karriere hinter sich und darf, glaube ich, darauf vertrauen, dass ihm auch wieder bessere Zeiten winken würden. Also es war, glaube ich, ihm klar, dass er jetzt nicht für immer abgeschrieben ist bei Hertha. Ich glaube, da hat auch Stefan Leitl ganz gute Moderationsarbeit geleistet.

Er spricht ja viel, auch um 1 zu 1 mit Spielern und hat ihm das ja auch wohl dargelegt. Es war ja auch relativ offensichtlich, dass das die Systemumstellung war, die der Krattenmacher da zum Opfer gefallen ist. Der war ja vor allem auf die Flügel postiert vor der Systemumstellung und dann, als eben die Umstellung kam und der Kampf um den Zehnerraum sozusagen eröffnet war, da hat er dann den Kürzeren gezogen.

Aber ich glaube, es war klar, dass er nicht aufs Abstellgleis beordert wurde, sondern dass er wichtig werden könnte. Und das ist vielleicht auch genau der Unterschied zu John Thorstein, dass er einfach in so einer Situation dann genug Selbstbewusstsein immer noch hat und weiß, ich nehme jetzt diesen Schuss und mache ihn auch einfach rein und noch nicht so lange von Negativerlebnissen geprägt ist wie seine Mitspieler.

Und das hat man in der Szene gesehen, dass das grundsätzlich vorhanden ist und wie gesagt, ich glaube, da gebührt auch Stefan Leitl ein Stück weit Anerkennung, dass er sich da einen Kader geschaffen hat und auch ein Klima im Kader, wo sich niemand zurückgelassen fühlt, sondern wo jeder auch über Trainingsleistungen, das ist ja zum Beispiel der Fall bei Thorstein-Zone gewesen, in den vergangenen Monaten.

In die Startelf zurückarbeiten kann. Und das schafft natürlich in so einer Mannschaft dann auch die Bereitschaft von Einwechselspielern zu glänzen, wenn sie kommen. Wirklich interessant. Wenn ich es richtig verstanden hatte, hat er es ja gesagt, so am Spieltag selbst noch hat er mit Krattenmacher gesprochen über diese Thematik und hat gesagt, ja, es ist halt auch in Berlin ein anderes Umfeld als in Ulm oder Unterhaching, wo er vorher unterwegs war.

Ja, das ist ohne Frage so, aber spätestens nach diesem Tor werden ihn auch die Leute tief ins Herz geschlossen haben. Das haben wir auch schon mitgekriegt am Samstagabend. Ja, und so wurde es dann eben durch diese Aktion, durch diesen tollen Abschluss noch wirklich zu einem echt großen Abend. Ich hatte irgendwie schon so das Gefühl, dass es so ein Pokalspiel war.

Vielleicht war man immer Elversberg schon im Hinterkopf hatte, aber es ist einfach dieses Flutlicht und irgendwie gute Stimmung, auch wenn es wieder nur 43.000 Zuschauer waren. Aber irgendwie diese späte, dramatische Entscheidung und alle super glücklich so ein Kampfspiel gezwungen zu haben, das war schon sehr Pokal-Vibe-mäßig unterwegs da.

Und wir saßen ja auch bis kurz vor eins im Stadion. Wir hatten noch einen langen Abend danach. Und das hat irgendwie auch mal so ein gutes Gesamtbild abgegeben. Und es lohnt sich wieder zu Hertha zu gehen, gefühlt in diesen Heimspielen. Und das ist so wichtig in dieser Woche. Also wäre das Ding 0-0 ausgegangen, dann würden alle jetzt wieder uns eingeschlossen mit den Augen rollen und sagen, man da war doch wieder mehr drin.

Naja, vor allem natürlich nach der ersten Halbzeit und diesem wirklich schwachen Auftritt. Aber es ist ja verrückt, dass es eben Fußball, was ein Tor irgendwie tief in der Nachspielzeit noch bewirken kann, weil die Stimmung war ja sichtlich gelöst, nicht nur im Stadion, sondern auch bei den Spielern.

Die waren in der Mixzone ja relativ euphorisiert. Also man hatte wirklich das Gefühl, die haben da nicht nur ein Spiel mal 1-0 in der Nachspielzeit gewonnen, sondern da einen richtig großen Schritt. Vielleicht hin zu einer besseren Saison, die jetzt noch kommen soll. So war zumindest ein bisschen das, was sie ausgestrahlt haben, dass es jetzt so ein Brustlöser gewesen sein kann, weil man eben jetzt auch eine Serie mit Spielen vor sich hat und durch eine Siegesserie auch einfach schnell die Stimmung insgesamt drehen kann und sich so ein Stück weit vielleicht in einen Rausch spielen kann.

Und rauschhaft war es auf jeden Fall, was da in der Nachspielzeit passiert ist. Auch in der Mixzone sind wir in die Nachspielzeit gegangen. So lange standen wir da wirklich auch schon echt lange nicht mehr. Ja, aber es war wirklich, wirklich schön und auch schön zu sehen, dass eben dieses Gefühl ist, Hertha kann Widerstände überwinden und ich glaube, die Spieler waren echt stolz darauf, das Ding noch gezogen zu haben.

Jetzt blicken wir nach vorne, denn schon am morgigen Dienstag geht es weiter. 18.30 Uhr, zweite Runde DFB-Pokal gegen die SV Elversberg. Und ich will ja nicht sagen, wo Elversberg verloren hat am Wochenende. Aber sie haben verloren und es hat gezeigt, eindrucksvoll, dieses Spiel, dass Elversberg doch wohl auch nicht unverwundbar ist.

Obwohl sie ein absolutes Top-Team der zweiten Liga natürlich wieder sind dieses Jahr. Ja, ich weiß gar nicht, musst du gleich nochmal nach Westend, um darzulegen, wie man Elversberg richtig bespielt und schlägt vor allem. Du musst dir ein bisschen Einblick geben aus den letzten Wochen. Also ja, es ist schon beeindruckend.

Elversberg war sieben Ligaspielen in Folge ungeschlagen, haben auch die meisten davon gewonnen. Davor noch ein Pokalspiel. Also die kamen mit einer echten Serie jetzt eigentlich vor dem Wochenende an. Deswegen waren ja auch die Befürchtungen groß, was dieses Pokalspiel für Hertha angeht, zu was das wohl reichen wird.

Genau, jetzt hat man gesehen, Elversberg ist verwundbar und der an Pokalspiel ist ein K.O.-Spiel. Da ist sowieso alles möglich, beziehungsweise geht man eben da anders rein in so ein Spiel. Und das kann Hertha eigentlich nur zugutekommen, dass sie jetzt ein bisschen Selbstbewusstsein getankt haben, dass Albersberg vielleicht ein bisschen angezählt ist und die Rollen da vielleicht nicht ganz so klar verteilt sind, wie es vorher zu befürchten war.

Ja, aber man muss auf jeden Fall herausheben, Favorit ist Hertha sicherlich nicht. Und das könnte in der Erfahrung ja auch vielleicht ein bisschen helfen, aus den Spielen, die wir diese Saison schon gesehen haben. Auch wenn es natürlich ein brettharter Abend wird, weil unter der Woche Pokal im Olympiastand ist immer nicht so ganz einfach und nicht so ganz Zuschauermagnet, wissen wir auch.

Und dann kommen die Elversberger, werden mit einem sehr kleinen Gästeblock schätzungsweise im Olympiastadion aufschlagen am morgigen Dienstag. Ist ja auch klar, unter der Woche quer durch die Republik, das kriegt man mal nicht eben einfach so hin. Aber dann ist Elversberg sicherlich irgendwie noch gefordert, vielleicht sogar das Spiel zu machen oder Hertha kann dann wieder über diesen Kampf kommen.

Das wird schon eine interessante Kiste und das Heimspiel in der Liga wird natürlich noch in schmerzhafter Erinnerung sein und wahrscheinlich am heutigen Montag rauf und runter gezeigt werden auf dem Trainingsgelände in der Videoanalyse. Das war ein ganz glattes 0 zu 2 und direkt an dem Wochenende danach oder an dem selben Wochenende, an dem Sonntag war dann die Auslosung und man hatte das Gefühl, dass so ziemlich das Schlimmste was passieren kann und jetzt hat sich eben die Lage gedreht, so ein bisschen, also auch die Spieler haben alle ganz klar schon kommuniziert am Samstag, wir wollen das Ding gewinnen und sehr selbstbewusst auftreten und.

Ich halte das nicht für ausgeschlossen, dass das vielleicht auch passiert. Ich finde auch, da hat absolut ein Stimmungswandel stattgefunden. Gerade wenn man sich zurückerinnert an dieses 0-2, das war so eine Art Saisontiefpunkt, auch wenn es noch weitere gab, muss man sagen, in dieser Hertha-Spielzeit.

Aber es war eben auch das Spiel, wo dann die Systemumstellung in der Halbzeit passierte zum ersten Mal. Danach kam das Hannover-Spiel, wenn ich es richtig im Kopf habe, wo es dann erstmals bergauf ging. Und deswegen, es ist ein völlig anderes Spiel, nicht nur weil es Pokal ist und weil es ein paar Wochen später ist, sondern weil sich die Ausgangslage schon fast nicht gedreht hat. aber sich zumindest spürbar gewandelt hat.

Ich habe nochmal nachgeguckt, bei Hertha wurden bei dem 0-2 in der Liga unter anderem Janne Berne und Herrn Hoffmann eingewechselt. Das sagt ja alles über die Personallage damals aus. Jetzt ist der Kader wieder gut bestückt, das Selbstbewusstsein ist ein Stück weit zurückgekehrt. Deswegen sind einfach andere Dinge möglich.

Und diese kleine Kulisse, die wir erwarten, ich kann mir vorstellen, dass das Hertha sogar wieder hilft. Das ist ja ein bisschen ein Hertha-Syndrom der letzten Jahre, dass immer wenn es Flutlicht angeht und dann 50.000, 60.000 da zu einem vermeintlichen Topspiel zusammenkommen und der Druck wirklich auf Hertha liegt, auch das Spiel vielleicht zu machen.

Dann haben sie meistens versagt, dann ist es meistens nicht gut ausgegangen. Im Pokal die letzten Jahre haben sie sich da anders geschlagen. Da hatten sie zum Beispiel Mainz und Heidenheim zu Gast als Bundesligisten jeweils in den beiden Vorjahren. Mainz sehr vergleichbar, glaube ich, was das angeht. Da waren nicht mal 30.000 Leute da, so wird es wohl auch am Dienstag sein. und vielleicht spielt das ja Hertha so ein bisschen in die Karten und auch den Spielern, dass da ein bisschen Last und Druck von ihren Schultern genommen wird und da kann die Kulisse dann vielleicht sogar helfen.

Ja, wir kennen natürlich auch alle unsere Hertha, gerade wenn man denkt, dass es wieder aufwärts geht, kommt dann meistens immer ein Heimspiel, wo alles wieder in sich zusammenfällt. Aber wer weiß, vielleicht ist es ja diesmal wirklich anders und was auf jeden Fall Mut machen sollte. Hertha hat ja diese Saison schon einmal gezeigt, dass sie aus Spielen gegen den gleichen Gegner wirklich lernen können und die richtigen Schlüsse ziehen können. Wir hatten das Pokalspiel in Münster, wo Hertha in Grund und Boden gespielt worden ist von den Preußen.

Und dann gab es zwei Monate später das Wiedersehen in der Liga und Hertha hat irgendwie die richtigen Lehren gezogen und hat das Spiel dominiert dann gegen Münster. Schauen wir mal, wie das jetzt gegen Elversberg wird. Aber es gibt ja auf jeden Fall genug Ansatzpunkte aus diesem Spiel, um zu sehen, wie es nicht läuft oder wie man es vielleicht anders machen sollte.

Ich freue mich auf jeden Fall. Pokalwettbewerb für mich als Bielefelder ist natürlich, Da brauche ich nicht viel zu sagen, wie ich dazu stehe. Aber was macht der Pokal mit dir? Hast du irgendwelche besonderen Gefühle dem DFB-Pokal gegenüber? Ja, ich habe mich natürlich in den letzten Jahren vor allem durch Hertha BSC begleitet. Und das war ja alles gar nicht mal so verkehrt, was Hertha da angestellt hat.

Also natürlich durchmischte Ergebnisse, aber diese vielen Erstrunden. Dass für die Erstrunden ausscheiden, was Hertha auch schon mal in einer Phase zuvor gezeigt hat, das hat ja zumindest alles nicht mehr stattgefunden. Also man hat das Gefühl bekommen, Hertha hat sich da ein Stück weit reingearbeitet in diesen Wettbewerb in den vergangenen Jahren.

Auffällig auch, dass sie viele Heimspiele hatten. Das war früher auch nicht so richtig Herthas Ding, irgendwie viel im Olympiastadern spielen zu können im Pokal. Das hat sich auch so ein bisschen gedreht. Also es scheint sich etwas zu verändern für Hertha. Vielleicht schreiben sie ja eine positive Geschichte fort, wenn es jetzt gegen Elbersberg geht.

Und wir träumen jedes Jahr, haben wir aus der Ostkurve auch schon wieder gehört am Wochenende, das ist ja schon immer, liegt irgendwas in der Luft und auch wenn es nur eine kleine Kulisse wird am Dienstag, ist es dann doch eben diese Pokalmagie, das wird toll. Wir sind auf jeden Fall wieder dabei und werden euch auf morgenpost.de mit dem Rundum-Sorglos-Paket versorgen und vor allem zückt eure Kalender am Mittwochmorgen ein Pokalspezial immer härter außer der Reihe aufnehmen.

Dann besprechen wir alles, was bei diesem Pokalabend rundherum wichtig war, was passiert ist und blicken natürlich auch voraus auf das große Hochrisikospiel am Wochenende, dann das Heimspiel gegen Dynamo Dresden, der Abschluss des Heimspiel-Hattricks. Also Mittwochmorgen treffen wir uns hier zu einer aberwitzig frühen Uhrzeit, die wir euch nicht verraten wollen.

Aber ihr werdet uns vielleicht noch etwas müde vom Vortag erleben, wenn es ein langes Spiel wird. Aber wir werden das für euch aufarbeiten. Und dann habt ihr am Mittwochvormittag, Mittwochmittag auf allen verfügbaren Plattformen die neue Folge als Pokalspezial immer härter. Und ja, wir freuen uns, wenn ihr auch dann wieder dabei seid.

Danke für heute. Danke, Paul. Und dann sagen wir, gutes Pokalspiel morgen, gute Pokalwoche und dann schon in zwei Tagen. Auf Wiedersehen.

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