
Immer Hertha· Folge 256
Immer Hertha – Zwischen Ruhrpott und Geschäftsstelle
Montag, 20. Oktober 2025 · 26 min
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Shownotes
Der kurze Aufschwung ist schon wieder vorbei. Hertha BSC verliert 2:3 beim VfL Bochum und verpasst den Anschluss ans obere Tabellendrittel.
Welche Spieler besonders enttäuscht haben? Und warum vielleicht doch ein wenig Grund zur Hoffnung besteht? Darüber sprechen die Morgenpost-Sportredakteure Paul Gorgas und Nelis Heidemann in der neuen Folge des „Immer Hertha“-Podcasts.
Außerdem geht’s um die große Morgenpost-Recherche zu Unruhen auf Herthas Geschäftsstelle, neue personelle Möglichkeiten in der Startelf und den Ausblick auf eine stimmungsprägende Woche mit drei Heimspielen.
Viel Spaß beim Reinhören!
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Es ist Montag und immer härter ist zurück aus der Länderspielpause. Hallo und herzlich willkommen. Es war ein ereignisreiches Wochenende für Hertha BSC und auch ein ereignisreiches Wochenende für die Berliner Morgenpost. Wir haben viel zu besprechen. Zum Morgenpostteil kommen wir später. Zunächst gucken wir einmal auf das Fußballerische, was Hertha BSC an diesem Wochenende zustande gebracht hat. Ein 2 zu 3 beim VfL Bochum.
Und lieber Paul, hallo auch an dich. Es fühlt sich mal wieder irgendwie an wie eine verpasste Chance, oder? Ja, hallo Nelis erstmal. Absolut. Also es gab da mehrere Möglichkeiten, wie man dieses Spiel positiv hätte bestreiten können und was dann auch daraus gefolgt wäre aus einem positiven Spielresultat.
Da geht es um Serien, da geht es um Punkte in der Tabelle, um Tabellenplätze. Die man perspektivisch hätte gut machen können, um einen Anschluss an die Spitzengruppe. Und all das wurde zunichte gemacht und zwar von Hertha selbst, muss man sagen. Ja, es war ein interessantes Spiel, das einiges hergegeben hat.
Wir haben Verlierer des Spiels vorbereitet, aber auch Gewinner des Spiels. Es gab auch Lichtblicke und schließlich unsere Erkenntnis des Spiels. Wie war es für dich, Paul? Wer ist dein größter Verlierer dieses Topspiels unter Flutlicht gewesen? Also ich glaube, man muss ihn jetzt einfach einmal nennen, auch wenn er es selbst als Erster einräumen würde, dass er es ist.
Das ist Toni Leistner, der da einfach einen rabenschwarzen Abend erwischt hat. Er hat es auch selbst völlig richtig und selbstkritisch eingeordnet, dass er da an allen Gegentoren nicht nur beteiligt war, sondern da wirklich viele Aktien jeweils drin hatte und zwar einfach in Situationen, die man so von ihm nicht kennt.
Also das ist ja so ein bisschen das Erfolgsgeheimnis, glaube ich, auch von Toni Leistner für seine Stabilität auch in dieser Saison, auch in der letzten Saison, dass er ganz genau weiß, was er kann und was nicht mit 35 und er weiß, wo er Defizite hat und die kann er eben nicht nur kaschieren, sondern wettmachen, indem er zum Beispiel über ein überragendes Stellungsspiel verfügt, wahnsinnig gut im Defensivkopfball unterwegs ist, im Zweikampf eigentlich auch immer ganz gut unterwegs ist und all das hat ja gefehlt in Bochum und deswegen wurde es so offenbar, dass er da einfach einen ganz schwachen Tag. erwischt hat.
Also wie gesagt, die Zweikämpfe, die er dann verliert vor den Gegentoren, teilweise, was man so von ihm überhaupt nicht kennt, vor dem ersten Gegentor, schlechtes Stellungsspiel, er kriegt den Defensivkopfball nicht. Nimmt dann noch so. Das war genau das, eigentlich seine Stärke und er springt irgendwie völlig an.
Spekuliert da im Sechserraum, wo er eigentlich auch nicht hingehört, positionell spekuliert er da auf den Ball, Eichhorn kommt auch nicht ran und dann geht der Ball durch und so fällt ja auch das Tor letzten Endes. Also ja, da muss man ihn, glaube ich, einfach einmal vorweg genannt haben. Ja und Und der andere, der jetzt auch keine Werbung in eigener Sache betreiben konnte, fand ich, war Miral Karbovnik, der die große Chance bekommen hat, mal wieder reinzukommen und mal wieder mit Spielzeit auf sich aufmerksam zu machen, nachdem man natürlich auch lange verletzt war. Und dann unterleuchtet ihm gleich das Eigentor.
Da wollte Trainer Stefan Leitl ihn ja dann im Anschluss bei Sky auch nicht aus der Verantwortung nehmen, muss man sagen. Er hat sehr klar benannt, den kann man auch anders klären, den Ball. Ja, ekliger Ball natürlich ans Schienbein und dann Unterkante Latte, da kam auch viel zusammen, aber es hat natürlich so ins Bild gepasst, jetzt hat er mal seine Chance und ja, dann geht es erstmal nach 13 Minuten oder wie viel es waren, desaströs los für ihn.
Und was für ein knaller Eigentor das war, also er donnert den Ball da unter die Latte, wirklich Wahnsinn. Ich fand es ohnehin schon interessant, dass Stefan Leitl sich für ihn entschieden hat, weil die Alternative wäre ja Julian Eitschberger gewesen und Linus Gechter rückt wieder auf links, das ist ja das Modell gewesen, was wir auch schon in der zweiten Halbzeit gegen Münster gesehen haben.
Und klar ist Gächter auf links jetzt nicht unbedingt so gut aufgehoben oder so passend aufgehoben wie auf der rechten Seite. Aber wir haben noch gesehen, dass es funktioniert hat. Und Julian Eitschberger ist deutlich mehr in dieser Saison angekommen bisher als Michael Karbovnik. Der hat das erste Spiel auf Schalke gemacht als einziges zuvor, wo im Grunde alle natürlich auch einen schlechten, schwachen Abend hatten.
Aber auch Karbovnik war davon nicht befreit und hat dann gar keinen Land mehr gesehen lange. Und jetzt auf einmal kommt er so zurück in die Mannschaft. Das war durchaus interessant. Und er hatte sich ja fast noch später mit einem feinen Schlenzer belohnt und dieses Eigentor wieder gut gemacht. Das ist nicht gelungen. Es war wirklich ein unglücklicher Auftritt.
Und mal schauen, wie es für den Polen an der Stelle weitergeht zu Toni Leistner noch. Es war irgendwie ja auch ein bisschen irritierend, weil er ja normalerweise genau der Mann für diese Spiele ist. Unterfluglicht Anne Kastropper im Topspiel im Ruhrpott da und da gibt es richtig auf die Socken und da ist Toni Leistner der erste Mann für.
Er liefert so ein Spiel ab, wo er in allen drei Gegentoren seine Aktien hat, definitiv. Immerhin, du hast es auch schon angesprochen, er hatte sie ganz klar auf seine eigene Kappe genommen und hat es ganz klar eingestanden. Das haben andere nicht getan. Andere haben wieder versucht, es schönzureden, diese ganze Leistung.
Da ist Toni Leistner oder da gehört Toni Leistner wirklich nicht verdächtig für. Das tut er immer klar ansprechen, was Sache ist. Und das ist eine gute Sache natürlich für ihn. Nichtsdestotrotz war das eine Leistung, das weiß er selber, die sich so schnell nicht wiederholen darf. Ich habe noch einen dritten Verlierer, John Dago Torsteinzorn.
Das ist ja ein Mann, wo sich auch viele, viele Herthaner immer wieder fragen, wie soll der eigentlich in die Startelf, wie er es immer wieder in die Startelf schafft. Er hatte bei dem Auswärtsspiel in Nürnberg hatte er so seine Momente, wo er das erste Mal so überraschend berufen wurde. Aber jetzt in den beiden jüngsten Spielen gegen Münster und Nürnberg war er einfach die personifizierte Torungefahr.
Und immer wieder, wenn er den Ball hatte, hatte man das Gefühl, ja, der Angriff verpufft jetzt. Fabian Rehse ist völlig in den Rage gegangen, immer wenn er an der Reihe war. Und es ist. Und wirklich nicht ersichtlich, finde ich von außen, warum Torstein Zorn nochmal die Chance in der Startelf erhalten hat, oder?
Ja, also ich glaube, was an ihm geschätzt wird, ist seine Einsatzbereitschaft. Also das muss man ja sagen, dass er sich nicht versteckt. Er haut sich in Offensiv-Zweikämpfe rein, das würde ich eben nicht absprechen. Aber gerade in Umschaltsituationen habe ich das Gefühl, wird irgendwie eklatant, wie schwach seine Entscheidungsfindung aktuell ist.
Oder auch schon in den letzten Spielen, in denen er aufgetreten ist. Das sind ja genau die Situationen, wo dann der Konter bei Hertha läuft, was ja ein Kerl-Element ist dieses Jahr im Offensivspiel von Hertha. Und er dann das Tempo verschleppt, das Abspiel zu spät findet, nicht präzise genug ist. Ich habe nochmal die Statistiken geguckt. Jetzt in Bochum hat er keine einzige Offensivaktion. Das ist für einen Spielmacher natürlich unterirdisch.
Und es waren wohl 59 Prozent angekommene Pässe und das ist auch für einen Offensivspieler einfach zu wenig. Also ja, das rechtfertigt eigentlich keinen weiteren Startelf-Einsatz, muss man an der Stelle so hart sagen. Es sei denn, man möchte irgendwie so eine gewisse Körperlichkeit vielleicht noch reinbringen, die er als Isländer, der in England gespielt hat, vielleicht mitbringt, um es mal so sehr zu pauschalisieren an der Stelle.
Also das kann man ihm vielleicht zugutehalten. Aber ja, spielerisch und was so Torgefahr oder auch die Möglichkeit von Assists und so weiter angeht, da überzeugt er einfach überhaupt nicht aktuell. Zumal ja der prädestinierte Ersatz schon bereitsteht und auch am Wochenende wieder ins Spiel gekommen ist.
Maurice Krattenmacher hat einen quirligen Eindruck gemacht in Bochum. Hatte jetzt nicht die ganz große gefährliche Aktion, aber irgendwie scheint es, dass mit ihm mehr Leben ins Spiel kommt und damit landen wir direkt bei den Gewinnern. Weil dieser Dreierwechsel in der 70. Minute, der war es, der Hertha zurück ins Spiel gebracht hat.
Ganz klar, nach dem 0 zu 3 deutete sich dann auf einmal doch noch die große Wende an. Krattenmacher war der eine davon. Aber vor allem Lukas Schula und Diego Demme, die in die Partie kamen. Und gerade Demme war richtig, richtig stark, hat mit einem tollen Diagonalball das 1 zu 3 eingeleitet, was dann Lukas Schula letztendlich erzielt hat.
Und Demme kurz darauf nochmal so einen Durchsteckerpass auf Karbovnik zu dem schon erwähnten Schlenzer. Also auch Demme kam ja aus einer längeren Verletzungspause zurück, hat auch nur am ersten Spieltag auf Schalke gespielt und der war wirklich, wirklich erstaunlich gut und schnell zurück im Saft. Das haben wir über Lukas Schuller auch schon mal erzählt diese Saison, hat er bei seinem Comeback in Hannover nur drei Minuten für ein Tor gebraucht.
Jetzt knipst er schon wieder schnell nach seiner Einwechslung, hat ganze 47 Minuten in dieser Saison gespielt. Zwei Tore zustande gehabt. Das ist mal eine Quote. Das ist eine Quote, da träumt Harry Kane nur von, oder? Ich sag's jetzt einfach mal, wahrscheinlich ist seine Quote noch besser, aber ich glaube, man muss jetzt nicht anfangen, irgendwelche Fantasien zu eröffnen, dass Lukas Schuler in der Startelf spielt nächste Woche. Ich glaube, da fehlt's immer noch so ein bisschen für.
Jetzt rechnet die Quote auf 90 Minuten hoch. So, genau. Aber wenn man einfach diese Qualität von der Bank hat oder auch so die Gewissheit, ey, wir liefern jetzt noch mal einen nach, der es schon unter Beweis gestellt hat, dass er treffen kann, dann ist das natürlich stark und ein echtes Fund auch. Ja, er ist jetzt ein bisschen in der Gröning-Rolle, also die Gröning zu Saisonbeginn hatte.
Da war er ja der Edeljoker, der immer gut geliefert hat, wenn er reingekommen ist und dann deswegen umso länger auf der Bank sitzen musste, hatte man das Gefühl. So trifft es jetzt vielleicht ein bisschen Luca Schuler. Und was aber auch für ihn spricht an der Stelle, also für Luca Schuler, ist sein Speed.
Also ich glaube, er hatte wieder Top-Speed unter allen Hertha-Spielern in Bochum und das ist so ein bisschen unterschätzt, finde ich, weil er natürlich auch sehr viel Körper mitbringt, sehr viel Länge, aber er ist auch einfach richtig schnell. Und das ist gerade natürlich dann, ja gut, wenn du 0-3 hinten liegst, dann ergeben sich nicht mehr allzu viel Konter mit Möglichkeiten, aber für dieses Offensivspiel wie es Hertha ja pflegt dieses Jahr und dass sie auch über ihre Fitness hinten raus Spiele nochmal gefährlich machen können, indem sie einfach dann viel Wucht und Tempo aufs Feld bringen.
Da ist er prädestiniert und deswegen ist er in dieser Joker-Rolle sehr gut aufgehoben tatsächlich. Wir haben noch einen Comebacker erlebt, der einen ordentlichen Auftritt abgeliefert hat, Paul Seguin. Man hat jetzt im Nachhinein des Spiels auch schon wieder gehört oder manch eine Stimme gehört, die die ganze Euphorie ein bisschen bremsen wollte.
Weil die Ansprüche natürlich auch bei Hertha BSC im Zentralen Mittelfeld angesichts dieser ganzen Fehlschläge in letzter Zeit geringer geworden sind. Und man muss ja auch einmal sagen, Paul Seguin ist noch längst nicht alles gelungen. Also es gab längst noch, es gab viele Aktionen, wo er Fehlpässe gespielt hat.
Er war Standardschütze und auch da kam wenig Gefahr. Aber trotzdem irgendwie einen Auftritt der Hoffnung macht. Dafür, dass er durchaus überraschend in die Startelf gerutscht ist, war das wirklich schon sehr präsent und sehr anständig. Ja genau, das war ungeplant, dass er beginnen sollte. Ist ja auch nicht mit wenig Risiko verbunden, wenn man jemanden nach drei, vier Monaten, müssten es ja jetzt schon gewesen sein, dann auf einmal reinschmeißt, lag jetzt an dem Ausfall von Michael Quisungs.
Aber genau, was auch für Demme gilt, finde ich, gilt auch für ihn, dass dem Spiel nicht anzumerken war, dass da jemand auf dem Platz steht, der eigentlich jetzt drei Monate gar keine Rolle gespielt hat in diesem Team in Pflichtspielen, sondern dass er sich da gut eingefügt hat. Man hat nicht das Gefühl, dass da irgendwie ein Fremdkörper...
Unterwegs ist in irgendeiner Form. Insofern, das macht wirklich Hoffnung, zumal die, du hast ja beschrieben, die Personalsituation im Mittelfeld, im defensiven Mittelfeld gerade sehr überschaubar ist und insofern tut das Hertha wirklich richtig gut, dass sie da zwei Sechser-Optionen jetzt dazu bekommen haben, die eben ja auch keine Anlaufschwierigkeiten haben sollten, weil sie einfach sich im Profi-Fußball bestens auskennen.
Alles Mögliche schon gesehen haben, auch in der zweiten Liga. Das kann Hertha ja nur gut tun, dass sie jetzt diese beiden Spieler zurückhaben an der Stelle. Es ist wirklich interessant, wie sich das jetzt personell sortieren wird, weil Kenneth Eichhorn ist ja jemand, der sich relativ geräuschlos diesen Stammplatz erkämpft hat nach seinem historischen Debüt.
Ist vielleicht die Frage, ob er jetzt mal wieder auf die Bank rausrotiert, weil es jetzt um die Erfahrene geht, Seguin Demmer. Auf der anderen Seite wissen wir halt immer noch, dass beide, auch wenn sie jetzt wieder zurück sind, wahnsinnig verletzungsanfällig sind und vielleicht auch Stück für Stück herangeführt werden.
Also im Zentrum ist einiges noch zu erwarten in den nächsten Spielen. Wir haben ja auch eine englische Woche vor uns dann und werden sicherlich die ein oder andere Kombination dann mal erleben. Genau, das hilft auf jeden Fall. Da gibt es mehr Möglichkeiten und ja, vielleicht führt es aber dazu, dass Michael Quisons perspektivisch doch wieder nach vorne brückt, der ja oft aushelfen musste als Sechser beziehungsweise Achter.
Also vielleicht muss man den in die Zehnerdiskussion mit reinschmeißen, bei der es ja Krattenmacher und Thorstein Sonnen bisher Und selbes gilt auch für die Innenverteidigung, finde ich, muss man einmal noch schnell erwähnt haben. Niklas Kolbe stand wieder auf dem Platz, wenn auch nur wenige Minuten in der Nachspielzeit. Aber auch er ist jetzt wieder da.
John Brooks hatte einen kleinen Rückschlag in der Länderspielpause, ist aber auch wieder voll im Training jetzt dabei. Also auf einmal ist die Personalsituation schon fast luxuriös auf mehreren Positionen. Ja, schauen wir mal, wie sich das entwickelt und schauen wir mal, was wir jetzt mit diesem 2 zu 3 in Bochum anstellen irgendwie.
Also was macht man jetzt damit? Wir haben es schon angedeutet, auch die Spieler und auch Stefan Leitl waren jetzt gar nicht mal so enttäuscht nach dieser Niederlage, weil einige dann doch eine anständige Leistung erkannt haben wollen. Für mich ist es aber doch irgendwie der klare Ausweis, dass für Hertha jetzt die nächste Saison im grauen Mittelfeld einfach droht.
Also es ist irgendwie schon wieder, erinnert es sehr an letztes Jahr, immer wenn es läuft und man sagt, jetzt noch ein Sieg und dann klopfen wir oben an und jetzt noch ein Sieg und dann sind wir dabei, dann geht es wieder nach hinten los. Und es war jetzt der dritte Sieg in Folge gewesen, den hat Hertha klar verpasst.
Und es ist immer noch früh in der Saison. Man sollte nicht zu viel auf die Tabelle gucken, aber wenn man auf die Tabelle guckt, stellt man fest, dass Hertha natürlich auch mit einem Sieg noch immer auf Platz 8 gewesen wäre, aber jetzt ist halt genau an der Stelle dieser Gap entstanden sozusagen und anstatt halt einfach den Anschluss nach oben zu haben, ist Hertha jetzt so dieser Anführer vom Rest of the Pack und irgendwie dieser großen grauen Masse, die da im Mittelfeld rumschwebt und ja, mir fehlt momentan die Fantasie, wie Hertha da auf lange Sicht einmal rauskommen soll.
Ja, das ist auch so ein bisschen meine Erkenntnis, dass da einfach eine große Möglichkeit ausgelassen wurde, fahrlässig, muss man ja sagen, so wie das Spiel gelaufen ist und die Kollegen von Kicker haben das einmal kurz zusammengetragen, das ist ganz interessant. Die haben sich angeschaut, wie stand denn Hertha eigentlich in den letzten beiden Jahren in der zweiten Liga da, wenn man drauf guckt, wie groß der Abstand zu Platz zwei ist.
Und jetzt hat Hertha ja elf Punkte und das sind dann eben schon zehn Punkte Rückstand auf Platz zwei, auf den direkten Aufstiegsplatz. Und in den beiden Vorjahren war es zum selben Zeitpunkt nach neun Spielen eben jeweils etwas weniger, jeweils fünf Punkte unter Paldade und Christian Fjell in der vergangenen Saison.
Also da lässt sich vielleicht ein bisschen ablesen, dass einfach durch diesen wirklich verpatzten Saisonstart die Hypothek umso schwerer wiegt dieses Jahr und da einfach richtig Land inzwischen zwischen Hertha und der Spitzengruppe ist. Und jetzt kann man natürlich darauf setzen, dass sie wieder so eine Rückrunde hinlegen können, wie unter Stefan Leitl in der vergangenen Saison.
Das ist vielleicht so das, worauf man aufbauen muss. Aber ja, es ist genau wie du sagst, die Serie endete schon wieder, bevor sie überhaupt richtig begonnen hat. Also man war ja froh, dass man überhaupt mal von der Serie sprechen konnte nach zwei Siegen. Und das ist jetzt schon wieder passé. Und ja, das ist einfach so bitter, weil man gegen die Tabellen 17 gespielt hat.
Also das war absolut unnötig. Das ist das Ding, natürlich kannst du unter Flutlicht Anne Kastropper verlieren irgendwie, aber man muss sich halt auch angucken, wo Bochum herkam. in der Lage. Und klar war es ein bisschen Pech mit dem Timing, dass der neue Trainer gerade da war, der die Kulisse, die Mannschaft irgendwie geil angezündet hat.
Aber du musst halt so ein Ding auch einfach mal gewinnen, wenn du wirklich ernsthaft oben anklopfen willst. Und es gibt ja die Teams, die oben stehen, das sehen wir jetzt. Ich persönlich habe sehr leidvoll erfahren mit dem SC Paderborn zum Beispiel, die auch dann irgendwie auf einer Serie sind und dann auch ein schwieriges Spiel haben, unglückliche Spiele haben, wo Dinge passieren und am Ende gewinnen sie es halt trotzdem.
Und diese Qualität, die fehlt hier einfach. Das ist ja so der Klassiker, wenn man über Spitzenteams spricht, dass die eben auch die Spiele gewinnen, denen sie nicht gut agieren und nicht gut auftreten und das schafft Hertha eben nicht. Einen Hoffnungsschimmer würde ich vielleicht noch reinwerfen, das war wirklich dieses Aufbäumen, diese Moral ein Stück weit.
Auch diese Fitness, finde ich, die sich schon geäußert hat. Also ich finde, da kann man Hertha recht geben, wenn sie sagen, sie hatten den Eindruck, dass sie die fittere Mannschaft sind am Ende und Bochum platt war. Das stimmt, da muss man ihnen recht geben, es hat halt nicht zu einem Punkt gereicht, insofern kann man sich nichts davon kaufen.
Aber es war keine Niederlage wie eine, die wir auch schon öfter gesehen haben, die Saison, wo man das Gefühl hatte, ja, das ist durch hier das Spiel, da kann nichts mehr passieren, sondern es war eben anders. Es gab, glaube ich, eben einfach noch diesen... Den Rest von Selbstvertrauen aus den Vorwochen, dass sie es einfach weiter probiert haben, noch zwei Tore erzielt haben und ja, mit ein bisschen Glück vielleicht auch den Punkt geholt hätten.
Aber klar, am Ende stehen null Punkte, am Ende ist der Zug abgefahren. Da muss man, glaube ich, nicht viel mehr beschönigen, aber vielleicht kann man das so als kleinen Hoffnungsschimmer noch mitnehmen. Das sind die kleinen Dinge, an denen man sich anziehen inzwischen, wenn man schon etwas mit Hertha BSC zu tun hatte.
Bevor wir jetzt zum Ausblick auf das nächste Wochenende kommen und das Topspiel gegen Fortuna Düsseldorf, wollen wir jetzt einmal wie angekündigt kurz auf die Morgenpostperspektive dieses Wochenendes gucken. Denn am Freitagabend ist auf morgenpost.de eine große Recherche zu fragwürdigen Vorgängen auf Herthas Geschäftsstelle erschienen.
Ein Kollege aus dem Lokalressort der Morgenpost war von einem Informanten kontaktiert worden, hat die Geschichte recherchiert und geschrieben. Vielleicht oder sicherlich haben viele von euch sie auch schon gelesen. Wir sehen natürlich an den Zahlen, an den Zugriffszahlen, dass das Interesse da ist. Wir wollen es einmal nochmal kurz runterbrechen. Also was steht drin?
Es geht darum, ein leitender Angestellter soll Mitarbeiter bedroht haben, die teils deswegen auch gekündigt haben und es sollen Sätze gefallen sein wie, ihr macht das so, sonst passiert was oder es gibt nur eine Meinung, die zählt und das ist meine Meinung. Oder wir wissen, wo du wohnst. Also das sind schon heftige Drohungen und Anschuldigungen natürlich.
Die Stimmung auf der Geschäftsstelle soll deswegen auch auf dem Tiefpunkt sein. Der Informant hat gegenüber der Morgenpost gesagt, die Gesichter der Beschäftigten, die das Büro des Funktionärs nach einer Unterredung verlassen, sprechen Bände. Und das sind natürlich so Szenen, da kann man sich schon vorstellen, wie das Klima so in der Belegschaft ist.
Es soll gerade deshalb ein Compliance-Verfahren gegen den besagten Funktionär gegeben haben. Geschäftsführer Ralf Huschen hat eine Befragung der Mitarbeiter dazu veranstaltet und auch eine externe Kanzlei eingeschaltet im Rahmen dessen und eine Liste der Mitarbeiter, die sich im Zuge dessen belastend gegenüber dem Funktionär geäußert haben sollen, soll an die Ultras oder an Teile der Ultras durchgestochen worden sein und diese Mitarbeiter, die da draufstehen.
Sollen eben laut dem Morgenpostinformationen nun um ihre Sicherheit fürchten. Das sind also drastische Vorwürfe und das Klima der Geschäftsstelle wird als Klima der Angst beschrieben, was ja auch letztendlich aber schon länger bekannt war, ne Paul, oder? Ja, also zumindest, wenn man sich umgehört hat in den vergangenen Monaten, war es schon so, dass einem geschildert wurde, es soll jetzt nicht allerbeste Stimmung durchweg, durch die Bank weg, durch die ganze Geschäftsstelle herrschen. Also das war schon so.
Klima der Angst ist natürlich einfach wirklich ein schwerwiegender Vorwurf irgendwo. Ja, auch der da in dem Text erhoben wird. Die Recherche fußt ja auch auf Aussagen mehrerer Informanten, die dann zusammengetragen wurden. Also das ist schon eine umfangreiche Recherche gewesen tatsächlich. Und der Text ist ja auch entsprechend lang. Also da wurde viel, viel zusammengetragen, was sehr belegt, dass da viel im Argen liegen muss, offenbar.
Und ja, also dass Hertha sich dann, glaube ich, äußert und eine positive Grundstimmung wahrnimmt, das lässt sich ja eigentlich nicht halten, wenn man diese Recherche dagegen hält. Genau, die Morgenpost hat Hertha BSC mit all diesen Vorwürfen konfrontiert und auch Gelegenheit zur Stellungnahme eingeräumt.
Die Antwort kam schließlich von der Anwaltskanzlei, die Hertha vertritt und die im Namen des Clubs gesprochen hat. In dieser Antwort gab es Verweise darauf, dass ein Compliance-Management-System implementiert und umgesetzt sei. Es gibt Verweise auf den Hertha-eigenen Ethikkodex und Zitate wie, Zitat, trotz der schwierigen Phase ist es uns gelungen, intern wie extern einen positiven Stimmungswandel einzuleiten, der sich in einer Geschlossenheit zeigt, wie sie Hertha BSC seit langem nicht mehr erlebt hat. Zitat Ende.
Dass das irgendwie nicht ganz der Wahrheit entsprechen kann, um es mal vorsichtig zu formulieren, ist klar eigentlich, ne? Ja, man muss natürlich immer berücksichtigen, es ist eine große Geschäftsstelle, das ist ja klar. Hertha ist ein großes Unternehmen, wenn man es mal darauf runter bricht und ja, dieses Problem, das ist in Anführungszeichen Problem, dass es so etwas wie Lager gibt innerhalb der Belegschaft, das ist ja auch nicht neu.
Okay, das gab es auch schon länger und gibt es auch schon länger und das äußert sich eben an verschiedenen Stellen immer mal wieder und ja, wie gesagt, ich denke, auch hier sind dann eben Betroffene mal zu Wort gekommen und haben sich auch mal zu Wort getraut und das kostet natürlich Überwindung, einmal über diese Zustände zu sprechen.
Ja, die entscheidende Frage ist jetzt, wie sich Peter Görlich zu dieser ganzen Angelegenheit verhält. Auch das hat der Informant gesagt, dass viele Hoffnungen von diesem Teil der Belegschaft jetzt auf Görlich liegen, der natürlich jetzt schon seit einiger Zeit dabei ist, aber immer noch neu im Amt ist und bei einem Unternehmen und einer Organisation von der Größe von Hertha BSC auch immer Zeit braucht, um sich einen Überblick über die Dinge zu verschaffen.
Auch von Görlich hat die Morgenpost über die Kanzlei eine Antwort bekommen. Zitat. Bereits bei meinem Amtsantritt habe ich klar gesagt, dass wir bei Hertha BSC Strukturen und Inhalte hinterfragen und auch neu denken müssen. In diesem Sinne überprüfen, evaluieren und revisionieren wir bei Hertha BSC aktuell die gesamte Organisation und verschaffen uns ein umfassendes Bild.
Was ich aber herausstreichen möchte, in allen Bereichen, bei allen Themen und Personalien pflege ich es so zu halten, dass ich mit den Menschen und nicht über sie rede. Ich denke, das ist für jeden Geschäftsführer ein guter Ansatz grundsätzlich, den Görlich da wählt. Und das ist natürlich auch jetzt der entscheidende Punkt, wenn es irgendwie diese Differenzen gibt und solche Verhaltensweisen gibt, dass es möglichst intern geklärt wird und möglichst nicht nach außen getragen wird.
Ja, aber ich denke, daher rührt auch diese Hoffnung, dass da offenbar existiert und die mit der Person von Peter Görlich verknüpft wird, dass er eben jemand ist, der nicht die Konfrontation scheut, sondern sich dann wirklich intern genau umhört und… Genau überprüft, was denn da wirklich läuft und ich denke daran.
Ja, sind die Hoffnungen geknüpft. In dem Fall, weil er eben wirklich sich als bisher jedenfalls als Geschäftsführer darstellt, der irgendwie etwas verändern will, der etwas anpacken will und der nicht alles so laufen lassen möchte, wie es bisher war. Wir sind nun gespannt, was daraus folgt und wie diese ganze Geschichte weitergeht.
Auf morgenpost.de bleibt ihr natürlich weiter auf dem Laufenden. Wir fokussieren uns an dieser Stelle auf das Sportliche, denn das nächste Topspiel steht an. Am Samstagabend 20.30 Uhr im Olympiastadion gegen Fortuna Düsseldorf. Was ihr über das Wochenende bei den Kollegen von RTL im Teaser schon ein bisschen gesehen habt, das Duell der Enttäuschten, irgendwie beide große Klubs hinter den Erwartungen zurück.
Ist das ein Krisengipfel am Samstag oder was können wir da erwarten? Ja, da kann man sich wieder den Spaß machen und überlegen, was man im Juli gesagt hätte über dieses Spiel, wenn man auf die Ansetzung geguckt hat. Ich habe vor Tuna Düsseldorf auf eins getippt. Richtig, da sind wir doch schon, wo wir hingehören. Immer ein Hertha-Klassiker, ja.
Also insofern kann man sicher vom Duell der Enttäuschten sprechen und ja, also Düsseldorf hat es dann auch ein bisschen Ärger erwischt, muss man sagen, als Hertha. Er hat ja die Kurve bekommen in den vergangenen Wochen. Düsseldorf steckt noch ziemlich drin. Ja, aber letztendlich ist es auch nur ein Punkt, der die beiden trennt.
Und Düsseldorf jetzt gerade den Trainer gewechselt auf Markus Anfang, der am Wochenende sein Debüt gegeben hat, was mit einem 1 zu 2 zu Hause gegen Eintracht Braunschweig in die Hose gegangen ist. Das ist jetzt vielleicht aus Hertha Perspektive der Unterschied, der so ein bisschen Hoffnung macht. Du hast jetzt zumindest einen Ansatzpunkt, ein Spiel, auf das du dich beziehen kannst, was Markus Anfang mit der Düsseldorfer Mannschaft macht.
Das gab es jetzt ja bei Bochum unter Uwe Rösler nicht. Und jetzt gibt es eben die Ansatzpunkte, anhand derer Herdes Trainerteam die Mannschaft vorbereiten kann. Und es ist natürlich auch eine Woche, die wirklich stimmungsprägend jetzt sein kann, die dann mit diesem Düsseldorf-Spiel gewinnt, weil es folgen dann das Duell gegen Elversberg im Pokal und dann das große Spiel gegen Dynamo Dresden, was auch schon seine Schatten vorauswirft.
Ihr habt es alle mitbekommen sicherlich. Eigentlich würde man sagen, dreimal Heimvorteil, drei Siege aufheben, jetzt die Leute mitnehmen. aber bei Hertha, wenn es so einfach wäre. Aber es stimmt schon, das Düsseldorf-Spiel muss einfach in dieser Reihe gesehen werden, weil du natürlich wirst immer von jedem Fußballer hören, von Spiel zu Spiel denken, aber in dieser Taktung, in dieser Dichte, hat das einfach eine Auswirkung, wenn du dann direkt gegen Elversberg als nächstes spielst und dann gleich nochmal zu Hause gegen Dresden vor einer riesen Kulisse.
Also es wäre einfach wirklich wichtig, mit einem Erfolgserlebnis in diese Spiele reinzugehen. Personell wird es natürlich interessant, also ich glaube, Ich glaube, Michał Kowawnyk wird nochmal seine Chance bekommen. DOC Frug wird aller Wahrscheinlichkeit nach ausfallen. Ich war vorhin beim Training, da war nirgendwo zu sehen.
Letzte Woche soll er auf dem Gelände auch mit Airwalker gesehen worden sein. Also das wird wohl noch etwas dauern am Sprunggelenk bei ihm. Und ja, Michael Cuisance war auf dem Trainingsplatz, wenn auch individuell, aber er hat mit Ball schon wieder trainiert, mit Hendrik Vieth, mit dem Füso und Reha-Trainer.
Das macht Hoffnung, dass da vielleicht so ein Einsatz reicht. Ansonsten war Spielersatztraining. Da ließe ich jetzt nicht viel an Formationen oder so ablesen für das kommende Spiel. Aber wir haben es ja schon angesprochen, die Personallage ist tatsächlich ganz gut für Hertha-Verhältnisse in dieser Saison.
Jedenfalls. Und ja, die Woche wird dann brisant genug. Ich glaube, man geht nicht als Favorit in das Pokal-Heimspiel gegen Elversberg. So ehrlich muss man sein. Kulisse wird auch so eine Frage sein. Die wird dir, glaube ich, nicht viel helfen. Da wird es schon wahrscheinlich fraglich werden, ob 30.000 Zuschauer geknackt werden können als Marke.
Also geht ja damit los, dass Elversberg jetzt keine 10.000 mitbringt erstmal auswärts. Und ja, es ist einfach maximal unglücklich für Hertha gelegen unter der Woche der Gegner. Ferien sind glaube ich auch noch, da gibt es sogar Ostkurvenkarten aktuell wieder und das gab es lange nicht. Aber vielleicht kriegen wir ja gegen Düsseldorf mal wieder ein bisschen Stimmung ins Olympiastadion.
Die kommen ja auch immer für einen großen Gästeblock in Frage. Bis dahin harren wir der Dinge. Schauen wir mal, was da auf uns zukommt. Wir sagen danke fürs Zuhören und dabei sein. Euch eine schöne Woche und dann bis nächsten Montag wieder. Tschüss. Macht es gut.