
NZZ Akzent· Folge 1658
Meta und der Milliarden-Vergleich: Wird Social Media jetzt sicherer?
Freitag, 28. August 2026 · 15 min
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Shownotes
Ein US-Prozess gegen Meta endet überraschend schnell mit einem Milliarden-Vergleich. 29 US-Gliedstaaten klagten gegen den Tech-Konzern, weil Plattformen wie Instagram gezielt jugendliche Nutzer süchtig machen sollen. Der ehemalige Insider und Whistleblower Arturo Béjar konnte vor Gericht beweisen, dass die Unternehmensführung um Mark Zuckerberg konkrete Warnungen vor Risiken für Minderjährige jahrelang ignorierte. Meta zahlt nun rund 18 Milliarden Dollar und muss neue Regeln wie eine 2-Stunden-Sperre, Deaktivierung von Autoplay sowie unsichtbare Likes einführen.
Technologie-Redaktorin Gioia da Silva konnte mit Béjar sprechen und ordnet ein, inwiefern sich Social Media nach diesem Prozess verändern könnte.
Host: Nadine Landert
Redaktion: Sarah Ziegler
Gioias Interview mit Béjar findest du hier (nzz.ch/technologie/der-kronzeuge-im-meta-proze…).
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Dieser Podcast wird präsentiert von der SBB. Wir chauffieren sie täglich direkt nach Bologna, Meiland und Venedig – dorthin wo die Abende länger sind. Das ist ein früher Angestellter von Facebook. Er stieg zwei Tausendnein, ein paar Jahre nach der Firmengründung aber noch deutlich vor dem Börsengang.
Und er arbeitete bis zum Jahr zwei Tausend Fünfzehn für Facebook. Er leitete dort auch das Team, das unter anderem für den Schutz von Minderjährigen auf der Plattform entstehen sollte und auch so Anti-Mobbing Tools entwickelte. Er verließ dann aber Facebook als er sich scheiden ließ... ...und in dieser Zeit hat er dann beobachtet wie seine Tochter auf Instagram auch ungefragte Nachtbilder bekommen hat, sexuelle Belästigung erfahren musste!
Das hat dann Arturo Beia dazu bewegt, im Jahr Zweizehnt neunzehn zu Metta zurückzukehren und er war dann für zwei Jahre befristet als Berater angestellt. Er hat durch diese Rolle auch die Firmen Spitze informiert über die Gefahren auf Instagram aber Mark Zuckerberg und seine Entourage haben seine Warnungen einfach bewusst ignoriert und zwar jahrelang.
Jetzt hat er im Prozess gegen Metta als Whistled Lower eigentlich ausgepackt und damit auch entscheidend dazu beigetragen, dass jetzt das Resultat so kam wie es kam. Ein historischer Prozess gegenüber Metta geht ohne Urteil aber mit weitreichenden Folgen zu Ende. Wie es soweit kam und was das für die Social Media Konzerne nun bedeutet erklärt.
Technologie. Redaktorin Joya da Silva. Ich bin auch den Landrat. Joya, lass uns kurz rekapitulieren um was ging es bei dem Prozess gegen Metta? Da haben neunundzwanzig Gliedstaaten der USA Klage eingereicht gegen Mettha. Mettha ist der Mutterkonzern von Facebook und Instagram. Der zentrale Vorwurf war dass der Tech-Konzern Instagram und Facebook bewusst und absichtlich so gestaltet haben das sie junge Menschen süchtig machen.
Und was heißt das genau? Sie haben zum Beispiel Elemente eingeführt wie diese Instagram Stories. Das sind so kleine Geschichten, die nach vierundzwanzig Stunden wieder verschwinden und das führt dazu, dass Jugendliche ständig das Gefühl haben sie würden was verpassen und dann ständig auch wieder Instagram öffnen aber auch Algorithmen, die Videos auswählen, die man eigentlich nicht mehr weglegen kann weil immer das nächste kommt und immer das Nächste kommt, das einem irgendwie interessiert.
Also es geht hier wirklich um das Design der Plattformen nicht konkret um den Inhalt Ganz genau. Und das ist auch der Grund, warum es scheint dass hätten diese Prozesse die jetzt stattfinden tatsächlich eine Chance was zu verändern. Bisher haben die Kläger immer mit den Inhalten argumentiert und das hat juristisch nie geklappt.
Am achtzehnten August ist der Prozess in Oakland dann gestartet. Wo kommt jetzt Bea ins Spiel? Bayer ist aus einer der ersten Zeugen aufgetreten und eigentlich hatte er in diesem Prozess auch die Rolle von einem Kronzeugen. Weil er konnte glaubhaft berichten, dass er interne Untersuchungen geleitet hatte wo er das Wohl befinden der Nutzerinnen und Nutzer auch abfragte.
Zum Beispiel hat er herausgefunden, dass junge Nutzer hundert bis vierhundert Mal mehr scheidliche Inhalte angezeigt bekommen als die Metastatistik erfasst also was man da überhaupt nicht weiß was eigentlich stattfindet auf der Plattform. Und dann haben sie auch die sogenannten Sicherheit-Tools, welche sagen, dass sie den Arm verwendet werden.
Das würden wir natürlich nicht tun. Ganz genau! Bayer hat das all dies aufgeschrieben und an die Unternehmungsführung geschickt. Also einen Mark Zuckerberg, den CEO von Metta, an Cheryl Sandberg – die damalige Geschäftsführerin. Und ein Adam Musseri, der CEO von Instagram. Die ganze Riege also? Die ganze riege!
Und sie haben einfach diese Infos ignoriert. Grosse Mode. Also Bayer beweist nicht nur mit Daten- und Dokumenten inwiefern Metta Jugendlichen schaden kann, schadet... Er beweist auch, dass die Spitze es gewusst hat und es ignoriert hat. Genau so konnte sich natürlich die Spitzen nicht mehr aus der Verantwortung herausreden und man kann ja auch nicht anders als ihnen jetzt da eine gewisse Kaltblütigkeit unterstellen.
also ich meine natürlich müssen Unternehmen Gewinne machen das gehört dazu. aber dass man das Wohlergehen von Jugendlichen und Kindern einfach so konsequent den Profit und nur ordnet wie das die Leute da gemacht haben, das ist schon sehr verfroren. Ich würde sogar sagen, sehr unmenschlich.". Wir sind gleich zurück!
Eigentlich wollten sie im Mercato di Metzo nur kurz etwas essen – jetzt ist es dunkel, die Gassen lebendig und der Rückweg kann warten. So beginnen italienische Spätsommerabende unangekündigt, spontan ohne Ziel. Steigen Sie ein nach Bologna, Mailand und Venedig. fahren Sie täglich direkt, ohne umsteigen.
Jetzt online buchen auf www.sbb.ch. Am sechsundzwanzigsten August vorgestern kam es, zum Ende des Prozesses, schon überraschend schnell? Ja und zwar mit eben keinem Urteil sondern einem Vergleich. Alle Gliedstaaten außer Florida einigten sich mit Metat, die Einigung. Ist das ein Schuldeingeständnis von Meta?
Kann man das auch so lesen. Also genau genommen ist es das eigentlich nicht, es ist eben kein Urteil und es wurde ja auch keine Schuld festgestellt sondern... Man hat sich eben auf eine Zahlung geeinigt, damit die Klage fallen gelassen wird. Aber es ist natürlich schon so. also wäre Meta nicht sicher dass die Argumentation der Kleiger total falsch ist hätten sie ja nicht gezahlt und die Sache ist übrigens auch noch nicht durch.
eben du hast gesagt Florida hat dem Vergleich nicht zugestimmt und Florida geht nun auf diesem Klageweg weiter. also die Klage läuft. das kommt vielleicht auch zu einem Urteil noch. Der Justizminister von Florida schrieb auf X, angesichts des Milliardenumsatzes den Meta da jeden Monat erwirtschafte komme die Höhe der Entschädigungssumme einer Beleidigung gleich.
Und ich finde diese Argumentation hat natürlich schon was. also im zweiten Quartal, in dem Jahr ist es auch so, dass ein Gewinn von fast sechzehn Milliarden Dollar erzielte. Also was Sie jetzt bezahlen an die Gliedstaaten ist etwa der Reingewinnen von drei Monaten. Das ist für uns viel Geld, für META aber nicht.
Es ist schon sehr viel Geld. oder wenn man überlegt diese achtzehn Milliarden... Wenn man die jetzt aufteilen würde auf alle Menschen in der Schweiz dann könnte man jeden zwei tausend Dollar in die Hand drücken. also es ist schon viel Geld. Aber die Generalstaatsanwälte argumentieren ja mit den Kosten der öffentlichen Gesundheit.
Also sie sagen Metta hat gezielt Sucht erzeugende Algorithmen eingesetzt und damit auch eine mentale Gesundheitskrise ausgelöst. Und das hat dem Staat dann immense Kosten verursacht, also zum Beispiel für Jugendpsychiatrien und öffentliche Beratungsstellen und dergleichen. Ich sage nicht so ganz fassbar wie teuer diese Kosten sind oder?
Ganz genau! Wenn man das denn so bedenkt, dann sind die Kosten natürlich wesentlich höher als diese Achtzehn Milliarden Dollar vor allem wenn man denkt sie fallen ja jedes Jahr an. Das lässt sich ja nicht mit einer Einmalzahlung ausgleichern. Viel spannender als die eigentliche Buße sind vielleicht aber die Maßnahmen, die Meta jetzt umsetzen muss zum Kinderschutz.
Was sind das genau für Änderungen, die jetzt anstehen? Es soll eine zeitliche Obergrenze geben für den täglichen Konsum, nämlich zwei Stunden. Danach geht es nicht mehr. Alle dreißig Minuten soll ein kleiner Hinweis kommen für die bewusste Nutzung. Dann gibt es eine Nachtsperre für Minderjährige und diese Autoplayfunktion also die automatische Wiedergabe von Videos soll abgestellt werden.
Außerdem sollen die Zahl von Likes auf dem Profil nicht mehr sichtbar sein. Und gewisse Beautyfilter sollen nicht mehr erhältlich sein, damit man sich ein Aussehen nicht mehr so verändern kann.". Und eben das betrifft nur Minderjährige – also achtzehn-Jährige, Jugendliche und Älter. Die betriffe das nicht.
aber jetzt diese Maßnahmen reicht das schon um Jugendliche wirklich zu schützen? Ja auch ihre Wege wissen solche Regelungen, um gehen zu können! Ich denke es ist ein Schritt in die richtige Richtung, sagen wir's mal so. Ich bin jetzt gespannt was Sie davon tatsächlich wie umsetzen. also das müssen sie erst einmal noch zeigen.
Meta hat eine Geschichte von leeren Versprechungen, also im Moment gab es nach keine Anpassung an das Kernprodukte auch nicht für die Nature. darum mal sehen ich denke ist schon vielversprechend. aber es reicht natürlich auch nicht aus dass Jugendliche jetzt geschützt werden und es gibt ja auch noch andere Plattformen oder ich meine TikTok ist ja auch sehr bekannt für diese süchtig machenden Algorithmus.
Es gibt Snapchat. Für sie gelten diese neuen Regeln ja nicht. allerdings laufen gegen diese Unternehmen auch Klagen Und es könnte ja sein, dass sich das so ein bisschen als neuer Industriestandort abzeichnet. Also in der Hoffnung, dass auch andere Plattformen stärker regulieren – man muss jetzt aber auch betonen, dass sie nicht nur andere Platformen nicht betroffen sind, sondern es sind auch Länder nicht betroffene.
Bei diesem Vergleich diese Veränderungen, die neuen Regeln gelten nur für Kinder und Jugendliche, die in denjenigen Gliedstaaten leben, die diesen Vergleich unterzeichnet haben. Was heisst das für uns hier in Europa, weil für uns ändert sich jetzt nichts? Das stimmt genau. Wobei? die EU-Kommunition hat ja auch ein Verfahren gegen Meta am Laufen bei dem massive Bussendronen und es könnte schon sein dass der Prozess der Meta da zum Abschluss kam auch als Vorbild dienen könnte für Verfahren in anderen Ländern und auch hier in Europas.
aber das stimmt nicht. automatisch wird einfach überall ausgerundet. Was sagt den Arturo Bea jetzt zu diesem Vergleich? Du hattest gestern nach dem Prozess nochmals schriftlich mit ihm Kontakt. Wie zufrieden ist er mit dem Ergebnis? Er sagt schon, es sei ein Meilenstein. Er glaubt Instagram bei der Künftig vielleicht etwas weniger lange genutzt.
aber er sagt auch die versprochenen Änderungen machen die Plattform nicht jetzt automatisch sicherer für Kinder. Er ist auch skeptisch, dass das jetzt wirklich so umgesetzt wird wie versprochen. Weil er es halt schon zu oft gesehen hat, dass Mark Zuckerberg sich entschuldigt und Besserung verspricht aber dann eigentlich nichts macht was die Situation wesentlich verbessern würde.
Gibt es konkrete Forderungen, die er stellt? Erfordert, dass man jetzt Meta nicht einfach sich selbst überlässt. Auch um den Fortschritt beim Kinderschutz selbst zu messen, sondern dass man da externe Spezialisten schickt die sicherstellen das da tatsächlich passiert was versprochen wurde. Dass man auch misst welche Änderungen diese Maßnahmen dann auch bringen.
und vor allem will er auch Transparenz. also er schlägt vor Regelmäßige Berichte gibt, das kennen wir von den Finanzzahlen. oder also Meta macht viermal im Jahr sehr detaillierte Ausführungen für Investoren. Da geht es um Umsatz und Gewinn und andere finanzielle Kennzahlen Und PR hätte gerne solche Berichte auch zur Sicherheit die dann von externen Spezialisten geprüft würden.
Kann man sagen ist eigentlich nicht zu viel verlangt. Dieser Prozess-Joye wurde ja immer wieder mit der Klage gegen die Tabakindustrie in den neunziger Jahren verglichen. Der Prozess hat damals unseren Umgang eigentlich mit Zigaretten nachhaltig verändert, kann man sagen wird das jetzt auch bei den Social Media Konzernen so sein?
Ich hoffe es! Es ist nötig, dass wir da einen anderen Umgang finden als Gesellschaft. Viele Jugendliche und Kinder haben absolut problematische Nutzungszeiten. wenn sie Technologie so nützen, dann entfernt sie uns voneinander. Obwohl sie uns eigentlich ja zusammenbringen soll. Von dem her ich hoffe schon dass wir als Gesellschaft da irgendwie einen anderen Umgang damit finden und der Prozess könnte der Anfang sein.
Ja, vielleicht. Es ist schwierig zu sagen oder weil ich glaube mit den KI-Jet Pots kommt echt schon die nächste Herausforderung für die Kinder Die mentale Belastung von Jugendlichen. Das ist kein abgeschlossenes Kapitel jetzt es scheint sich zu verschieben. das hat ja auch schon Pieck. Social Media hat schon stattgefunden.
ganz junge Kinder verwenden Social media heute weniger als nach vor ein paar Jahren. Ja vielleicht löst das irgendwie langfristig etwas aus. Vielleicht sind wir da so an einem Punkt Und wenn wir später mal zurückschauen und denken, okay damals hat irgendwas begonnen diesen Transformationsprozess auszulösen.
Hoffen wir es. joya vielen lieben Dank! Danke Nadine! Uns dein ausführliches Interview mit Arturo Bella verlinken wir natürlich in den Shownauts und das war unser Akzent. ich bin auch in Landet bis bald.