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NZZ Akzent· Folge 1635

Waldbrände in Europa: Warum es zu wenig Löschflugzeuge gibt

Freitag, 31. Juli 2026 · 12 min

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Shownotes

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Die Brandkatastrophen in Europa sind historisch: Feuerwehr und Rettungskräfte befinden sich im Dauereinsatz. Was die Lage zusätzlich erschwert: Neue Löschflugzeuge sind kaum verfügbar.

Die kleinen Propellermaschinen fliegen extrem tief und können ihre Wassertanks in Seen und Flüssen füllen. Das Modell Canadair 515 etwa gilt als Klassiker unter den Löschflugzeugen: In nur zwölf Sekunden ist der Wassertank voll, und die Maschine kann zum Brand zurückfliegen.

Solche Maschinen sind derzeit auch bei den Waldbränden in Spanien und Frankreich im Einsatz. Doch die Flotten der bewährten Canadair-Flieger sind knapp, da der Hersteller die Produktion jahrelang ausgesetzt hatte. Selbst bei neuen Bestellungen dauert es Jahre, bis Maschinen und geschultes Personal einsatzbereit sind.

In dieser Episode beleuchten wir, warum die grenzüberschreitende Hilfe der EU an ihre Grenzen stösst. Wir sprechen über die besonderen Herausforderungen der Piloten beim Löscheinsatz und zeigen auf, warum neben der Verstärkung aus der Luft vor allem Massnahmen am Boden entscheidend sind.

Heutiger gast: Jürgen Schelling, Aviatik-Journalist
Host: Alice Grosjean
Redaktion: Simon Schaffer

Mehr Informationen:

Überblick zu den Waldbränden in Europa (nzz.ch/panorama/fast-eine-halbe-million-mensch…)in der NZZ.

Interaktive Temperaturkarte (nzz.ch/visuals/hitzewelle-in-europa-die-intera…) zur Hitze in Europa.

Jürgens NZZ-Artikel z (nzz.ch/mobilitaet/waldbraende-in-europa-neue-l…)um Mangel an Löschflugzeugen.

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Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin

Die Sicht des Piloten ist vernebelt. Von oben sieht man eine Staumauer und einen langgezogenen Fluss, es ist der Rio d'Oro in Portugal. Und wir sitzen im Cockpit eines Löschflugzeuges. Der Pilot fliegt auf die Stau-Mauer zu, dann dreht er links ab und rast direkt auf das Wasser zu. Der Fluss ist nicht besonders breit, Bäume am Ufer kommen näher und dann berührt das Flugzeug das Wasser und schießt mit hundertdreißig kmh auf der Oberfläche entlang.

Zehn, elf, zwölf Sekunden, dann ist der Wassertank voll – und das Flugzeug hebt wieder ab! Solche Videos findet man auf YouTube zu HAUF und es ist immer derselbe Flugzeugtyp nämlich die Canadair-Fierhundertfünfzehn. Es sind diese gelb markierten Flieger, die momentan auch bei den verheerenden Waldbränden in Frankreich und Spanien im Einsatz sind….

Jürgen, wie viele solche Maschinen braucht es denn um einen Brand effektiv bekämpfen zu können? Da gibt es sicher keine pauschale Regelung. Aber eines ist sicher – es gibt momentan bei den gleichzeitigen Waldbränden in ganz Europa zu wenige dieser Löschflugbote und man hat zwar neue bestellt insgesamt siebzehn Stück von der Europäischen Union aber niemand weiß wann die gebaut und geliefert werden können.

Die Waldbrände in Europa brechen Rekorde. Bis Ende Juli sind so viele Hektarren Wald und Buschland abgebrannt, wie seit zwanzig Jahren nicht mehr. Was die Lage zusätzlich erschwert? Es gibt nicht genug Löschflugzeuge! Dabei war das schon lange absehbar, sagte Aviatikjournalist Jürgen Schelling. Ich bin Alice Grosjean.

Der Hochsommer hat eigentlich noch gar nicht angefangen – aber in Spanien und in Frankreich sind Waldbrände mittlerweile sogar bis in die Nähe von großen Städten vorgerückt. Dreihunderttausend Menschen mussten bereits ihre Häuser verlassen. Beide Länder haben auch Hilfe aus der EU angefordert, in der Region Bordeaux und Frankreich zum Beispiel.

Das sind Löschflugzeuge und Helikopter aus der Schweiz, aus Kanada und aus der Eu im Einsatz. Dass diese Maschinen aus so vielen Ländern sozusagen an einen Ort gebracht werden, irgendwie außergewöhnlich ist das? Das ist eigentlich gar nicht außergewönlich! In Europa hilft man sich gegenseitig mit Löschlugzeugen.

Das große Problem ist, es brennen derzeit zu viele Waldbrände gleichzeitig und deswegen reichen auch diese Löschflugzeuge nicht aus. Deswegen hat eben auch die Schweiz gerade drei Löschhelikopter nach Frankreich beordert um dem Nachbarland Unterstützung zu geben. Also die Ressourcen an Flugzeugen sind zu knapp?

Es gibt zu wenige. Woran liegt das? Das liegt zum einen daran, dass es nur einen Hersteller in der westlichen Welt gibt. Der diese Kanadern-Löschflugzeuge baut die kanadische Firma Frühjahr Bombardier. jetzt heißen sie de Hervéline d'Aircraft. Die bauen seit den sechziger Jahren ein Löschflugszeug Ein Lösch flugboot wohlgemerkt das auf Wasser starten und landen kann.

Diese Maschine ist der Klassiker in der Lösch-Flugbranche. Flickzeit fünfzig Jahre ist bewährt hat auch eine gute Flugleistung und auch ne gute Löschleistung. Das Problem ist, es wird momentan nicht gebaut.". Warum nicht? Also die Nachfrage scheint ja da zu sein! Die Nachfrage ist jetzt da aber die Firma der Heverland Aircraft of Canada hatte im Jahr zwei Tausendsechzehn aufgehört diese Löschflugzeuge zu bauen.

damals war die Nachfrage eben nicht vorhanden und jetzt brauchen die Jahre um sowohl die Produktion wieder hochzufahren als auch das modifizierte Flugzeug. anschließend Für fünfzehn Jahre hat das Kanadär die Referenz der Arial-Far-Fighting-Aerkraft gespürt. Es wird den meisten effizienten Aircraft in Operation, wie wir hier hören, ein Werbevideo des Herstellers für dieses neue Modell, eben dieses Klassikass.

Was macht denn dieses Löschflugzeug und auch den Vorgängern schon? Also was macht denn diese Flugzeuge so einzigartig? Die Kanadäer vierhundertfünften und auch die neuen fünfundundfünfzehnt sind die einzigen Flugzeugen, zur Brandbekämpfung konstruiert wurden. Alle anderen Flugzeuge, die zurzeit eingesetzt werden sind Kompromisse, sind umgebauter Airliner oder umgebaute Agrarflugzeuge und die Kanadär war wirklich ab den Sechzigerjahren das einzige Flugzeug, das nur konstruert wurde, um Waldbrände zu löschen.".

Und durch was zeichnet sich das aus diese Bauweise? Die Kanadäre kann in nur zwölf Sekunden auf einer Wasseroberfläche egal ob sie oder mehr sechstausend Liter Löschwasser aufnehmen und kann diese dann sofort über den Brandherd abwerfen. Und dadurch schafft es eine Kanadaerkruhe mit Pausen natürlich zum Tanken für das Kerosin bis zu hundert Einsätze am Tag zu fliegen, und das schafft kein anderes Flugzeug auf der Welt.".

See oder Fluss, so wie wir das auch am Anfang gehört haben. Aber wie funktioniert es wenn jetzt kein Gewässer in der Nähe ist? Also zum Beispiel bei den aktuellen Brennen in die Nähe von Madrid – Wie tanken sie dann? Die Kanader kann ja sowohl auf Wasser als auch auf Landstatten landen. Das heißt sie kann auch auf einem normalen Flugplatz landen.

Dann bekommt sie vom Feuerlöschfahrzeug die sechstausend Liter Wasser in ihre Tanks. Wenn allerdings jetzt keine Gewässer oder kein Meer in der Nähe ist wie zum Beispiel in Australien, dann werden vorwiegend umgebaute Erliner eingesetzt die einen Löschthank haben. Die also immer auf einem Flugplatz tanken und dort von Feuerwehrfahrzeugen betanken werden.

Mit Airlinern meinst du so ganz normale Passagierflugzeuge? Also ehemalige Verkehrsflugzäge, Boeing sieben drei sieben, Boeing seven fünf sieben DCC'n. Die werden alle. wenn die nicht mehr im Passagiersflug betriebs sind, werden viele von denen umgebaut, werden riesige Löschstands eingebaut. Sie haben aber auch den Nachteil eine Kanadaer kann relativ langsam über dem Feuer pflegen und damit kommt das Wasser nicht zu zielgenau über den Feuer an wie bei einem Löschflugboot.

Klar, so ein kleines Propederflugzeug ist wendiger und kann näher ranfliegen als ein großer Ferienflieger. Jetzt gibt es ja eben dieses EU-weite Hilfsprogramm. also im Falle einer Brandkatastrophe können sich die Länder gegenseitig aushälften mit Flugzeugen, mit Helikoptern, mit Personal Stand. jetzt wie funktioniert das genau?

Das europäische Rettungsprogramm Rescue stationiert immer vier Flugzeuge mit Besatzungen Einmal in Nordeuropa und einmal in Südeuropa. Und diese vier Flugzeuge werden dann dahin beordert, wo eben quasi Not am Mann ist. Frankreich hat natürlich trotzdem ein ganzes Reservoir an eigenen Flugzeugen. Eben zwölf Kanadäer, wobei momentan nur sieben Fliegen plus vier-desch acht Löschflugzeuge.

Spanien hat zum Beispiel vierzehn Kanadaerlöschflugsbrote Deutschland hat ein einziges, ein ganz kleines Lösch flugzeug das um Harz stationiert ist Und die Schweiz zum Beispiel hat gar kein Löschwuppzeug, aber in der Schweiz gibt es natürlich nutzende Turbinelekopter, die zum Löschen ebenso angesetzt werden können.

Wir sind gleich zurück! Was lernt man, wenn man mit einem klapperigen Auto von Deli bis ins Engadin fährt? Am neunundzwanzigsten August nehmen wir sie bei NZZ Live in Zürich auf einen Roadtrip mit dem NZZ-Korrespondenten Andreas Babst und sprechen mit ihm über seine viermonatige Reise quer über Kontinente.

Und über Neugier in einer unsicheren Welt! Weitere Informationen zur Veranstaltung sowie Tickets unter nz.ch slash live. Jetzt worüber ich auch noch sprechen möchte, dieses Problem mit den Waldbrennen haben wir vorher angetönt. Das ist ja nicht neu. vor allem in Südeuropa passiert das jedes Jahr. Warum hat man denn auf europäischer Ebene jetzt erst vor zwei Jahren angefangen diese neuen Flugzeuge zu bestellen?

Also man hat zwar erst vor two Jahren die neuen Flugzeugen bestellt aber dieses EU Rescue-Programm gibt es schon seit zwanzig Jahren. Das heißt, seit zwanzig Jahren gibt es die Möglichkeit für eines der Mitgliedsländer bei Waldbränden zu sagen. Helft uns und dann werden eben vier dieser Löschflugbote samt Besatzung dahin beordert.

Die EU übernimmt drei Viertel der Kosten. D.h., das Programm gibt's schon seit zwantig Jahren. aber die Dramatik hat sich wohl erst in den letzten Jahren derartig verschärft dass man sagt Man bräuchte lieber heute als morgen neue Flugzeuge. Aber die sind eben so schnell nicht zu bekommen. Also ist das auch, weil vier Löschflugzeuge an einem Ort.

Das reicht nicht mehr wenn es gleichzeitig an fünf Orten brennt? Genau so ist es. und die Zulassung bei Flugzeugen ist immer ein sehr langwehriger Prozess und sie brauchen auch deren entsprechenden Piloten um solche Löschlugansätze zu fliegen. Und das ist die große Schwierigkeit. diese Form von Fliegerei ist eine ganz spezielle Form.

Sie hat auch deutlich höheres Risiko wie zum Beispiel die Erland-Fliegerei Und auch der Pilot muss, ich sag's mal Salopp, ein bisschen abenteuerlustig sein um zu sagen Ich will jetzt Löschflugzeuge fliegen. Auch wenn er schon lang ausgebildeter Pilot ist, muss der trotzdem noch eine relativ aufwendige Umschunung durchlegen bevor der wirklich echte Einsätze fliegen kann und das wird auch manchmal unterschätzt.

es nützt nichts Fünfzig Flugzeuge auf dem Hof stehen zu haben die löschen könnten Wenn nicht entsprechend mindestens Hundertfünfzig Piloten habe die diese Flugzeuge auch fliegen können. Was heißt das jetzt für die aktuelle Situation, also neue Flugzeige mit gut ausgebildeten Piloten? Das kriegen wir nicht so schnell!

Welche kurzfristigen Lösungen alternativen gibt es denn im Moment? Also ich denke die Lösung liegen weniger in dem Bereich der Lüschflugzeuge sondern dann im Bereich Monokultur. Man hört das mal jetzt anfängt Waldschneisen zu machen dass die Feuerwehr am Boden auch schneller an mögliche Brandherde kommt.

Man hört auch, dass diese Monokulturen in vor allen Dingen Mittelmeerländern extrem gut brennen. Während Mischkulturen einen möglichen Brand viel langsamer machen. Die Löschflugzeuge sind ja nur ein Teil des Puzzles. aber ich glaube um eine richtig gute Lösung zu bekommen da müssen zuerst einige Faktoren auf dem Boden verändert werden und die kann man womöglich schneller verändern als Lösch-Flugzeige bestellen.

Danke schön, warst du da. Danke ebenso und sehr gerne! Das war unser NCZ-Aktzent heute zusammen mit dem Aviatikjournalisten Jürgen Schelling. Mehr Informationen zur aktuellen Lage rund um die Waldbrinde in Europa findet ihr natürlich auch in der NCZ App und auf ncz.ch. Da gibt es zum Beispiel eine Karte mit allen Hitzeherden und den Temperaturentwicklungen.

Den Link dazu packe ich euch in die Shownotes. Mein Name ist Alice Grosjean. Schön habt ihr zugehört. Habt'n schönes Wochenende Bis bald.

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