NZZ Akzent· Folge 1637

Flucht zurück: Wie die Bewohner von Ceuta den Migrantenansturm erlebt haben

Montag, 3. August 2026 · 17 min

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Shownotes

Bis zu 60.000 Menschen gelangten vergangene Woche illegal von Marokko in die spanische Exklave, die meisten von ihnen schwimmend übers Meer, 72 von ihnen starben dabei nach aktuellem Stand. Der Grossteil derer, die es lebend nach Ceuta geschafft hatte, ist laut den spanischen Behörden inzwischen aber wieder nach Marokko zurückgekehrt. Die Folgen sind weitreichend: Von der konkreten Lage vor Ort über die spanische Innenpolitik bis hin zur EU und sogar Donald Trump - alle schauen auf Ceuta. Ein Ortstermin.

Host: Dominik Schottner
Gast: Julia Monn, Korrespondentin für Spanien
Redaktion: Sarah Ziegler

Julias aktuelle Berichte aus Ceuta findet ihr hier (nzz.ch/impressum/julia-monn-ld.1647919), eine Übersicht der aktuellen Entwicklungen hat die NZZ auf dieser Seite (nzz.ch/international/spanische-exklave-bei-mar…).

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Dieser Podcast wird präsentiert von Sustainable Switzerland, der Plattform für eine nachhaltige Schweiz. Bekleidet wirklich nur mit dem Allernötigsten. Fünfzig bis sechzigtausend sollen bis zum Wochenende die Straßen, Parks und Strände von Siute erreicht haben. Manche von ihnen haben sich sogar in Abwasser rohren vor dem Zugriff der Polizei versteckt.

Die allermeisten haben Ciuta inzwischen wieder verlassen, zurückgedrängt von massiver Polizei und Militärpräsenz. Julia du bist aktuell jetzt in Ciuta. wie ist denn nach deiner Einschätzung die Lage jetzt am Sonntag Nachmittag? Die Lage ist wenn man nur die Bilder anschaut und sich im Stadtventrum und etwas auch vom Sportzentrum aufhält Seinbar ruhig und hat sich beruhigt, Richtung Grenze sind jetzt wirklich glaube ich auch die größten Gruppen zurückgekehrt über die Grenze.

Die größte Gruppe an Freiwilligen. Wenn man sich aber etwas außerhalb bewegt, auch gerade über die Berge dann sieht man wie lange ist es. Nach wie vor sehr angespannt ist. Es gibt, wie du gesagt hast, die Leute, die sich versteckt haben und es sind keineswegs alle zurückgekehrt. Sehr viele sind noch hier sicher ein bis zwei Tausend alleine bei der Erstaufnahme an Kunft und Hunderte verstecken sich in der Stadt.

Die Menschen sind wütend. also man merkt immer noch eine sehr gespannte Lage. Nach dem Ansturm Tausender auf die spanische Exklave Ciuta ist die politische Debatte darüber in vollem Gang, auch auf europäischer Ebene wie das vor Ort wahrgenommen wird. Das erzählt uns in dieser Folge des Akzent NZZ-Krossbundenten Julia Monn.

Ich bin Dominic Schottner. Hallo! Julia vielleicht ein bisschen eine naive Frage aber Wie bist du denn nach Ciuta gekommen? ich dachte ja ehrlicherweise dass man so ne Exklave dann komplett abriegelt. Das war auch nicht der Fall an den Tagen, als über die marokkanische Grenze derart viele Menschen gekommen sind.

Der Fährbetrieb nach Alkaziras in Spanien, also auf spanischem Festland, bleibt dauerhaft bestehen. Man kann hier quasi nach Malaga fliegen, den Bus oder das Auto nehmen nach Alcaziras – das ist gerade bei Gibraltar und da nimmt man dann die Fähre und setzt über nach Feuta. Ich frage auch deswegen so naiv, weil das was da seit vergangener Woche ins Juta und zum Teil auch in der anderen spanischen Exclave Melilla passiert ist.

Ist ja wirklich ohne Beispiel. Kannst du uns noch mal ganz kurz erklären? Was hat dazu geführt dass da so viele tausend Menschen gekommen sind? Wenn man den irregular eingereisten Migrantinnen und Migranten zuhört, dann wird relativ schnell klar was es sich offenbar am letzten Donnerstag in verschiedenen Ortschaften in Marokko herumgesprochen hat.

Dass die Grenzen aus Spanien offen sein, dass man da einfach durchlaufen oder durchrennen könne. vielleicht müsste man ein bisschen schwimmen aber jetzt auch quasi auch wenn man gehen will solle man jetzt gehen. Das hat sich dann auch in den sozialen Netzwerken herumgesprochen und hat ganz viele eben aber Tausende von meistmarokanern, Algerien oder anderen Migranten die in Marokko sich aufgehalten haben dazu gebracht an die Grenze zu kommen.

Und da wurden sie dann durchgewunken von marokkanischer Seite und in Spanien weil es dann so viele waren auch nicht mehr ausgehalten. Und gab's da irgendeinen politischen Hintergrund der genau jetzt dazu veranlasst hat zu kommen? Hier gehen wirklich alle davon aus, dass es eine Missstimmung ist oder das angespannte aktuelle Verhältnis des Marokkanischen Königshauses, des marokanischen Regimes gegenüber Pedro Sánchez und seiner Regierung.

Pedro Sancés ist vor etwa zehn, vierzehn Tagen auf Stadtbesuch geredet in Algerien. war wie einer der Erdfeinde von Marokko. Und hier geht man davon aus, dass das eben für Misstimmung gefolgt hat im marokkanischen Königshaus und dann gesagt hat ja okay wir können durchaus die Grenze öffnen.". Jetzt sind viele der Menschen – du hast es eben schon gesagt, die nach Ciuta gekommen waren eigentlich auch schon wieder zurückgeschickt worden oder eben freiwillig zurückgegangen?

Wir hören mal den Mitarbeiter eines Cafés in Marokka, der ganz kurz eben ins Ciuta war. Also übersetzt mal ganz grob, er sagt es habe kein Essen gegeben in Ciuta. Alle Läden seien auch geschlossen gewesen also auch keine Möglichkeit was zu kaufen und sein Eindruck sei dass man sie die Migrantinnen und Migranten in Ciota gar nicht gewollt haben.

ist das auch so der Tenor den du jetzt gehört hast in den vergangenen Stunden? Wenn man mit den Leuten hier spricht, geht es gar nicht um Bollen oder mich. Die Leute hier sind einfach viel zu viele gewesen. Sie haben Angst gehabt und haben sich deshalb quasi verschlossen. Und da ist das auch was du jetzt gerade noch beobachtest auf den Straßen?

Also sieht man viele Migrantinnen und Migranten in den Straßen auf den Parks oder halten die sich so wie du's vorhin auch schon mal angedeutet hast versteckt In der U-Mitglied-Armähre des Hafens und auch in Richtung Grenze haben Militär und Polizei dafür gesorgt, dass die meisten, die da auf einer Straße waren oder sich an Orten versteckt haben, dass sie jetzt Richtung Grenzen gedrängt werden.

Dass die jetzt wirklich alle gegangen sind. Wenn man aber etwas weiter hoch Richtung Erstaufnahmezentrum geht, dann sind die Straßen voll, die Berge, die Hügellandschaft hier. das mehr von der marokkanisch-säuglichen Grenze trennt. Die sind voll mit Menschen, also es hat immer noch sehr viele Menschen, die man sieht wie auf der Straße sind, die nach Wasser fragen und nach Essen.

Und hast du mit denen auch gesprochen? Ja, mit sehr vielen. Sie sprechen einen auch sofort an, dass man von der Presse ist. Das hat natürlich hier sehr viele Medien jetzt vor Ort wollen auch Geld, wollen das Handy haben... Hause telefonieren kann. Sie haben vor allem Hunger, sie haben Durst die wirklich seit Tagen leuchtend nichts mehr gekriegt haben.

also die großen Supermärkte sind offen aber die sind von der Polizei kontrolliert. das ist keine Migrantin. Rein kommt kleinere Läden lassen sie in der Regel auch nicht rein maximal für etwas Wasser. und dann haben sie ganz viele Fragen was jetzt mit ihnen passiert? Was die neuen Informationen sehen ob sie bleiben können wie die Papiere kriegen Und wo ist ich in Köln?

Jetzt haben wir die Lage so ungefähr verstanden, also das es noch sehr viele in der Stadt hat. Sehr viele Migrantinnen und Migranten eine sehr prekäre Lage. So klingt sie jedenfalls für mich. Was sind denn jetzt die Pläne der Einsatzkräfte für die kommenden Tage? Also berichtet man sich darauf ein dass es da nochmal einen Versuch gibt über die Grenze zu kommen und wenn ja wie möchte man den begegnen?

Wenn man mit Sicherheitskräften spricht hier, die sich nicht allzu auskommen, freu ich mich natürlich sehr angespannt. Aber diejenigen, die ich gesprochen habe haben alle gesagt, die Grenze unter Kontrolle. Da kommt jetzt niemand mehr rüber und die Marokkaner nehmen die Menschen zurück. Wir lassen sie raus.

Was für mitteltrichtige Strategie sein soll, da gibt es eine große Frage hier. Also jetzt ist es sicher mal so, dass alle, die irgendwie Abhuil haben wollen, die können sich letztendlich auch diese Ersteignahme aufmachen? Und da werden Dinge einfach mal da warten gelassen. Also was die mittelfristige und langfristige Strategie ist, ist total offen und unklar.

Und was ist mit den Grenzanlagen? Die ja offensichtlich sehr leicht zu überwinden waren... Die Grenzanlagen sind momentan massiv geschützt. Da patrouilliert die Armee, ist mit gepanzerten Fahrzeugen und bewaffnet schützt sie. Die Grenze, die Polizei ist auch massiv vor Ort. Die Schiffe sind das Meer anpatrouillieren.

Es gibt jetzt nur eine reservatische Grenzschutzanlage, die ins Meer heraus ragt, quasi eine Abschreckungsverranke. Also da hat das Aufgebot sehr verstärkt worden. Es ist nicht genug und es kommt tard, seit der Association des Guardia Civiles. Das ist das Spiegel, das wir hier sehen im Grunde, das Spiegeln von Mord, wie wir ihn nennen.

Das sind die Gespräche der Polizeivereinigung hier vor Ort. Der Titel Skeptisch zeigt, ob etwas ausreicht, was jetzt da eine neue Grenzbefestigung im Meer liegt? Wenn man da vor Ort ist und das sieht, dann kann man das nachvollziehen. Diese Einschätzung ist auch die erste Frage, die mir ehrlich gesagt in den Kopf geschaut hat nicht ob das wirklich reicht.

Man kann es sich vorstellen wie bei einem Schweizer See wenn man diesen Boyenschutz hat quasi so eine Abschrankung die quasi dazu veranlasst einfach weiter hinaus ins Meer zu drinnen und weniger eng am Strand anzukommen. Aber wenn man das macht, dann kann man das aus meiner Sicht relativ einfach überwinden, dieses Hindernis.".

Und die Menschen, die da wohnen – das sind ja ein bisschen über die Eighty-vierundachtzigtausend also in Ceuta alleine? Wie schauen die denn darauf, dass jetzt in ihrer Stadt so massiv Polizei und Grenzschutz ja auch wirklich mit militärischen Mitteln da vor Ort ist. Und jetzt solche Maßnahmen da einleitet, wie finden die das?

Um die Sicherheitspräsent da ist man hier sehr froh. also die Präsenz des Militärs ist hier in Ceuta sowieso gang und gäbe weil es ist eigentlich ein Militärestützpunkt für Spanien. und diese massiv verstärkte Ausgebote begrüßen wir eigentlich alle Bewohnerinnen und Bewohnern, mit denen ich gesprochen habe.

Sie hatten sehr viel Angst. Es war wirklich eine sehr, sehr angespannte Lage für viele Bewohnerin. Und ist es bis jetzt noch? Weil halt diejenigen, die noch vor Ort sind Mit der Durst, mit dem Hunger auch immer ruchloser werden. Also wir waren auch in Gassen und man sieht da Migrantinnen und Migranten wie sie sich im Garage versuchen reinzukommen In diese kleinen Innenhöse, die man ja von Spanien kennt.

Also die Leute haben wirklich nach wie vor auch Angst, um auf die Straße zu gehen und zum Teil rauszukommen aus ihren Wohnungen. Die Anspannung ist da sehr hoch. Gleichzeitig hat es jetzt über dieses Wochenende Quartierengalot von ultrarrechten Gruppierungen hier in Syrien gegeben. also sie sind vom Testland Spanien mit der Fähre hergekommen quasi zu demonstrieren.

Und das wird hier gar nicht gern gesehen, also da höre ich allen Talben, dass man mit den Nationalisten und den Ultrarechten nichts zu tun haben wolle – das sind Faschisten! Und die hätte man nicht gebraucht um Ceuta am Donnerstag zu verteidigen, die sollen jetzt auch jetzt nicht rüberkommen.". Wir sind gleich zurück.

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Der Ansturm tausender Migranten auf Ceuta bewegt also die Menschen vor Ort und natürlich auch die Politik in Spanien. Und darüber hinaus, Julia. Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez hat die Situation einen Zitat Angriff auf Spaniens territoriale Integrität genannt und sein stärkster politischer Konkurrent der Oppositionsführer Alberto Núñez Feijo, der hat die Regierung wiederum angegriffen.

Also sinngemäß sagt er, dass tausende spanische Bürger jetzt Angst gehabt hätten. Du hast uns das ja auch schon gesagt sie können ihre Geschäfte nicht öffnen. Hätten sich vor allem fremd im eigenen Land gefühlt. Welchen Handlungsspielraum hat denn die Regierung Sanchez zwischen den humanitären Verpflichtungen?

Die Sie ja auch haben und aber dem Druck der Oppositionen und auch dem Druck Sicher hat die Regierung von Sandschwitz personell hier aufgestocken, also mehr Grenze personal an die Grenze zu bringen und zwar dauerhaft auch hierzulassen. Also mehr Material und mehr Personal zu mobilisieren, dass die Grenzen hier wirklich geschützt sind.

Was hier auch kritisiert wird ist das die Regierung in Madrid eine relativ lockere Migrationspolitik propagiert und auch umsetzt. Das habe ich auch dazu geführt dass ganz viele Migranten hier an der Grenze glauben, dass Spanien die Support aufmimmt und sofort Papiere ihnen gibt. Auch das sehen hier viel.

es geht nicht und sagen, dass das quasi ein Pull-Effekt sei den die Regierung in Madrid bewirkt habe also eine klarere Tourik oder eine strittere Migrationspolitik, die deutlich macht, dass man in Spanier nicht einfach so an legale Papiere kommt. Das wäre eine Maßnahme. Und sonst ist man hier doch sehr abhängig von Marokko und dem Gutwill der marokkanischen Behörden, und des marokanischen Regimes – es ist eine Monarchie die Arturikär regiert in Rabat – und von der ist man halt sehr abhängt, von deren Gutwill hier die Grenzen wirklich besser zu schützen und Leute auch wieder zurückzunehmen.

Da ist man total von Maroko abhängiger. Das ganze Thema ist ja nicht nur ein Spanisches, sondern auch ein europäisches. Dienstag soll es dazu eine Sondersitzung geben der Innenministerin und Innenminister. Was wird da diskutiert? Es hat zwei Anfangsländer der EU, die EU auf der sieben und zwanzig Mitte starten.

Also zweiundzwanzig davon haben sich in einem Statement an Tedos Sanchez und seine Regierung gewandt und gesagt man müsste das jetzt unter Kontrolle bringen. Sie sind kritisch bis wütend auf Spanien und sagen Spanian habe die Situation hier in Ceuta nicht im Krieg von Solle Die EU Außenbrennze wirklich schützen Und einige Länder wie Italien beispielsweise wollen Spanien gar aus dem Schengenraum ausschließen.

Das ist rechtlich etwas silvisorisch, aber soll ein Zeichen setzen für eine wirklich striktere Migrationspolitik, die verlangt wird von Madrid? Ja ich glaube für die EU ist Ceuta ein Warnsignal und zwar in zweierlei Hinsicht einerseits dass die Lage nie wirklich zu Kontrolle ist und jederzeit eskalieren kann.

einerseits weil so viele Menschen in die EU wollen, zum Sandbild gehört hier aber auch dass man eben in Ceuta von Marokko abhängig ist. Aber das auch die EU von diesen Drittstaaten mit denen sie diese Vereinbarungen zum Grenzschutz zurückführen und vom Migranten hat, dass man von den massiv abhängigen ist und von deren politischen Hut will.".

Das sagt Julia Mann. Sie is unsere Korsponentin vor Ort in Ceutah. vielen Dank für deine Eindrücke Julia. Danke dir. Und das war unser Akzent Julius. laufende Berichterstattung aus Ceuta und Analysen zu den politischen Folgen, die findet ihr auf unserer Website und natürlich in der NCZ App. ein Link zu einem Probeabo stelle ich euch in die Folgenbeschreibung.

Ich bin Dominic Schottner. vielen Dank fürs Zuhören.

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