NZZ Akzent· Folge 1639
Make Europe Great Again - Wie Elon Musk hier wieder Politik macht
Mittwoch, 5. August 2026 · 15 min
Kapitelklicken springt direkt hin
Shownotes
Eigentlich wollte er sich nach seinem Intermezzo in der US-Regierung zurückhalten, doch jetzt mischt er wieder kräftig mit, auch in Europas Politik: Elon Musk. Im Juli unterstützte er eine Präsidentschaftskandidatur von Marine Le Pen in Frankreich, nennt sie die letzte Hoffnung des Landes. Auch in Irland, Rumänien, Grossbritannien und Deutschland unterstützt er Kandidaten rechter oder rechtspopulistischer Parteien. Was Musk dabei antreibt und wie erfolgreich er mit seiner politischen Einmischung im In- und Ausland ist, erzählt NZZ-Auslandredaktorin Isabelle Jacobi in dieser Folge von «NZZ Akzent».
Gast: Isabelle Jacobi, Auslandredaktorin der NZZ
Host: Sarah Ziegler
Redaktion und Support: Antonia Moser
Alle Artikel von Isabelle findet ihr hier auf nzz.ch (nzz.ch/impressum/isabelle-jacobi-ld.1840955).
Exklusiv für dich als Podcast-Fan: 7 Tage NZZ-Digitalabo geschenkt. Unverbindlich testen. (probeabo.nzz.ch/podcast?utm_source=shownotes&a…)
Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin
Hello everyone and Elon Musk, welcome to Qatar Economic Forum. How are you? Thank you for having me. I'm fine. how are you?". Im Mai im Jahr zwei tausendfünfundzwanzig spricht Tech-Unternehmer Elon Musk beim Qatar Economic forum zugeschaltet auf der großen Leinwand. Die Moderatorin fragt ihn, ob er künftig weiter so viel Geld in Wahlkämpfe stecken wolle wie bisher.
Und Musk sagt ... Er würde wohl künftig weniger ausgeben. Er denke, er habe genug getan! Ein paar Tage später verließ Musk offiziell seinen Regierungsposten und noch ein paar Tagen später brach einen großer Streit zwischen ihm und Präsident Trump los. Man dachte für einen Moment, der Mann ist erstmal durch mit der Politik!
war er aber nicht, Isabelle. Ja das war eher eine Vater Morgana. muss man jetzt Rückblick hin sagen? denn Elon Musk hat seine politischen Aktivitäten eigentlich nicht zurückgeschraubt. der Streit mit Trump wurde bald beigelegt. Der Lärm hörte auf. Hinter den Kulissen füllte Musk aber weiterhin die Kampfkassen von Trump und den Republikanern.
Er engagiert sich weiter in der Politik, in den USA, aber auch in Europa. Inzwischen ist er ja billionär geworden. mit seinem schier unerschöpflichen Geldbeutel und seiner Plattform X bleibt er ein Machtfaktor. Elon Musk mischt sich immer noch in die Politik ein. Doch seine Erfolgsbilanz ist durchwachsen, sagt Auslandredaktorin Isabel Jakobi – ich bin Sarah Ziegler.
Dreißigster Mai, twenty-fünfundzwanzig. Elon Musk steht ganz in Schwarz im Oval Office im Weißen Haus. Donald Trump verabschiedet ihn an diesem Tag offiziell und planmäßig aus seiner Rolle in der Regierung. Er hatte dort einige Monate lang das Doge geleitet, das Department of Government Efficiency. Trump lobt Musk sehr ausschweifend für seine Arbeit.".
Beim Zuschauen denkt man aber trotzdem, so richtig angenehm wirkt die Stimmung nicht Isabel. Nein! Die Atmosphäre war überhaupt nicht relaxed sondern sehr angespannt und zwar wegen der Importzölle. Maske war dagegen gegen diese hohen Zölle und sagte das auch laut. Und Musk war auch enttäuscht von seiner Zeit beim Department of Government Efficiency.
Er hatte große Pläne, den Staat zu verschlanken, die gingen nicht wirklich auf. Am Ende erzeugte er mehr schlechte Publicistik und Rechtsklagen statt Sparerfolge. Parallel dazu war die Tesla-Aktie im Sinkflut. Es gab eine Tesla Boycott Welle in Europa vor allem – das kam bei den Aktionären von Tesla überhaupt nicht gut an!
Sie sind also unter dem Strich nicht mehr die besten Freunde. Sie hängen nicht mehr abzusammen, aber sie sind Geschäftspartner. Maske bleibt politisch dort im Gespräch. Er hat seine Aktivitäten aber auch geografisch ausgeweitet. auf Europa hast du vorhin gesagt? Was tut er hier? Er mischt sich ein, v.a.
auf seiner Plattform X. Er unterstützt Kandidaten, die ihm gefallen ... Er hat natürlich zweihundertvierzig Millionen Follower. Das ist das größte Megafon, dass sich eine Politikerin oder ein Politiker wünschen kann. Das letzte Beispiel da unterstützte er Marine Le Pen als französische Präsidentschaftskandidatin.
Das war im Juli und der schrieb auf X also Marine Le Ben sei Frankreich's letzte Hoffnung. wofür er schriebe nicht. aber es ist bekannt, dass er die illegale Migration für eine Bedrohung der westlichen Zivilisation und speziell für Europa hält. Und deshalb stützt er Kandidaten vom rechten Rand, wie Löppen oder die führende AfD-Politikerin Alice Weidel.
Mit ihr führt er vor der Kanzlerwahl ein Interview. Rollte Ihr quasi den Teppich auf Ex aus? Jetzt sind Alice Weidel und Marine Le Pen zwei bekannte Beispiele, mischt er auch in anderen Ländern mit die man vielleicht nicht so auf dem Schirm hat? Ja, er mischt eigentlich in recht vielen europäischen Wahlen.
Mit den Rumänien zum Beispiel hatte der russlandfreundlichen Kandidat Kalin Gorgescu unterstützt oder in Irland, da legte er den Kampf-Sportler Conor McGregor. Das sind alles Anti-Establishment Kandidaten. Musk sagt auch ganz offen was eigentlich sein Ziel ist. von MAGA zu MEGA, postete einmal MEGA heißt Make Europe Great Again.
Er will also quasi den amerikanischen Trampismus nach Europa exportieren. Jetzt fragt man sich natürlich, ob Europa denn auf den amerikanischen Trumpismus gewartet hat. Trägt seine Einmischung Früchte für seine Lieblingskandidaten und Parteien? Nun im Fall von der AfD und Alice Weidel – die hatte ja bekanntlich dann einen sehr großen Wahlerfolg nackte, die zwanzig Prozent hörte.
aber wie viel von diesem Erfolg wirklich Mask zuzuschreiben ist das es sehr schwierig zu sagen. die AfD genießt sowieso Aufwind in Deutschland. Aber klar ist, wenn sich Musk für einen Politiker oder eine Politikerin einsetzt dann erzeugt das seine enorme Publicität. Inwiefern das jetzt direkt die Wahlbeteiligung oder das Resultat einer Wahl beeinflusst?
Dazu gibt es einfach keine Daten. aber Es gibt Studien die nachweisen dass rechtsgerichtete Botschaften bei X stärkere Verbreitung finden als linke. Was das der Grund auch immer sein mag, es gibt keinen Beweis dass Algorithmen manipuliert wurden bei X. Fakten, Hintergründe und Infos findest du unter Sustainable Switzerland.ch.
Persönlichkeiten wie Elon Musk polarisieren durchaus sehr also die einen finden seine Unterstützung möglicherweise gut und es hat geholfen. war es vielleicht auch gelegentlich kontraproduktiv dass er sich in die europäische Politik eingemischt hat? Das kann man mit einem klaren Ja beantworten. Und Großbritannien liefert ein sehr gutes Beispiel dafür, da hat sich Musk am direktesten in die Politik und auch in einen Wahlkampf eingemischt.
Er half mit die Popularität von Keir Starmer zu untergraben. Er machte ihn persönlich verantwortlich für den sogenannten Grooming-Skandal, das war so ein pakistanischer Sexring der junge Mädchen ausbeutete und er heizte die Debatte da an. also er machte Starmer persönlich verantwortlich dafür dass was sich ja einen Punkt an dem Starmer sehr viel Popularität verloren hat.
Aber er spielte dann auch eine zwiespältige Rolle in der britischen Politik. Er unterstützte zuerst Nigel Farage von der Rechtsaußenpartei Reform UK, dort kam es aber zum Bruch. und nun unterstützt Musk die Partei Restore Britain, die ist weiter rechts noch als Reform UK. Der Vorwurf von Farage war ganz klar, Musk spaltet die Rechte, schwächt die Rechten in Großbritannien.
Stimmt das? Ja, das stimmt. Weil da waren zum Beispiel die Nachwahlen im Bezirk Makersfield und Musk unterstützte die Kandidatin von Restore Britain. Sie machte auf Anhieb sieben Prozent Stimmen Und schwächte damit Faraj's Partei. und schließlich gewann Labour. Vielleicht hätte Labour sowieso gewonnen, aber trotzdem erschwächte definitiv die Rechte.
Auch anderswo setzten sich Masks Favoriten nicht durch in Rumänien und Irland wo er auch auf wirklich fragwürdige Kandidaten setzte. dass seine Interventionen kontraproduktiv sein können zeigt auch das Politiker sich von ihm distanzieren, das Gefühl haben sie müssen sich distanziren wie Marine Le Ben.
Ihre Partei der Rassemblement National spielte den Einflussmask sofort herunter als er sie so lobend erwähnte und die Botschaft war wir wollen diese ausländische Unterstützung nicht. und ja das zeigt eben dass die Erdenmischung nicht überall erwünscht ist. Das scheint ihn aber ja nicht aufzuhalten sich weiter einzumischen.
Warum hat er diese Fixierung auf die europäische Politik? Ja, ich denke Kritiker unterstellen ihm das sehr vor allem Geschäftsinteressen hat. Und er hatte eine Aversion gegen die EU weil sie amerikanische Techfirmen reguliert und dabei geht es um Bussen gegenüber Ex- und anderen Plattformen und es geht auch um das Gesetz für digitale Dienste sind darin eine geschäftliche Bedrohung.
Es ist aber auch einfach ein politisches Interesse. Sein Engagement wirkt insgesamt eher impulsiv und punktuell nicht strategisch, ich denke jetzt nicht dass er einen... ein großes Politteam hat, das in der Berät. Sondern dass er da einfach aufspringt auf Debatten die auch in rechtskonservativen Medien geführt werden in den USA.
Er ist aber nicht der einzige der rechtskonservativen Szene der auf Europa fixiert ist. Er handelt oft im Einklang mit der Trump-Regierung. man erinnere sich an JD Vance's Rede an der Münchner Sicherheitskonferenz Und das sind dieselben Töne, kann man sagen. Die amerikanischen Rechtskonservativen sind daran aktiv Netzwerke aufzubauen in Europa – in London, Brüssel und osteuropäischen Ländern vor allem.
Masken handelt nicht im luftleeren Raum! Jetzt könnte man aber ja meinen die Amerikaner hätten dieses Jahr auf ihrem eigenen Grund und Boden genug zu tun ist. Stehen die Midterms an, die Kongresswahlen im November und für die brauchen die Parteien ja auch Leute wie Musk der eben nicht nur sehr viel Geld spenden könnte sondern mit seiner Plattform X mediale Macht hat.
Wie ist denn gerade sein Fokus auf seine eigene Haustür sozusagen? Der Fokus ist kristallklar. er spielt weiterhin eine sehr große Rolle Für die Republikaner, wie schon für Trump. damals hat er fast dreihundert Millionen Dollar in seinen Wahlkampf investiert. Auch jetzt gehört er zu den spendabelsten Geldgebern von Parteien in den USA.
Er hat bereits über neunzig Millionen Dollar in den Wahlkampf für die Zwischenwahlen im November gesteckt und die heiße Phase hat noch nicht begonnen, was er tut, er unterstützt Kandidaten direkt aber er spendet auch Geld in sogenannte Superpacks also Wahlkampforganisationen, die Trump und den Republikanern nahestehen.
Und das muss man auch unterstreichen, er ist eben mehr als bloß ein Geldgeber von Organisationen und der Partei, er mischt selbst mit in diesem Wahlkampf wie auch schon im Jahr zwanzig vierundzwanzig. Er betreibt nämlich den sogenannten America Pack. Das ist eine Wahlkampforganisation und das ist seine Organisation.
Er finanziert sie. natürlich führt er sie nicht selber aber er steht hinter dieser Organisation Und die ist ganz wichtig für die Wahlinfrastruktur der Republikaner in entscheidenden Gliedstaaten. Was bedeutet das konkret? Was macht diese Organisation? Wählermobilisierung vor allem. Also das sind die Leute, die von Tür zu Tür gehen und Wähler mobilisieren.
sie versuchen zu animieren wirklich an die Urne zu geben wirklich ihre Stimmen abzugeben. Das heißt get out the vote im Politik Speech in den USA. Und diese Wählern Mobilisierung ist gerade bei Zwischenwahlen eben sehr wichtig weil dort die Wahlbeteiligung oft sehr tief ist. Die Leute haben nicht einen Präsidenten wählen können.
Und da ist es sehr wichtig, so oft ein Wettbewerb zwischen den Parteien, den Demokraten und Republikanern – wer kriegt mehr Wähler an die Ohren? Und dort hilft Musk wirklich stark mit, dass die Republikana stimmen gehen.". Das klingt jetzt so als wäre sein Einfluss auch tatsächlich sehr groß auf einer Skala von null bis zehn!
Wie groß ist sein politischer Einfluß in den USA stand jetzt?! Ja also ich würde, wie gesagt Geldgeber ist sehr wichtig. Er redet nicht mehr so viel darüber. Ich würde jetzt mal sagen sieben, sechs, sieben irgendwie so aber schon erst einer der wichtigsten Geldgebers überhaupt in der amerikanischen Politik.
vielleicht auch acht. Danke Isabel! Danke Sarah. Wusstet ihr übrigens, die NZZ hat vier Auslandskorrespondenten in den verschiedenen Metropolen der USA? Und Isabel wird ab September auch wieder eine davon sein. Gute Zeit wünsche ich dir dort!