NZZ Akzent· Folge 1636
Rohe Gewalt gegen Migranten: Wieso Tausende Südafrika verlassen
Donnerstag, 6. August 2026 · 15 min
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Shownotes
In Südafrika gehen Demonstranten seit Monaten gewalttätig gehen Migranten vor: Sie ziehen durch die Strassen, verwüsten deren Geschäfte und machen auch vor Gewalt keinen Halt. Hunderttausend Migrantinnen und Migranten haben Südafrika deshalb bereits verlassen.
Die fremdenfeindliche Gewalt beschränkt sich längst nicht mehr nur auf die Metropolen, sondern erreicht auch wohlhabende Orte wie Mossel Bay im Süden des Landes.
Woher kommt diese Wut der Einheimischen auf die Migranten? Und welche Rolle spielt dabei die Regierung?
Gast: Samuel Misteli, Afrika-Korrespondent
Host: Nadine Landert
Redaktion: Simon Schaffer
Samuels Reportage von Mossel Bay findet ihr hier: nzz.ch/international/gewalt-gegen-migranten-in…
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NZZ-Aktzent. Als einer der letzten Migranten ist er geblieben, Brian Miranda in Mosel Bay Südafrika. What is he doing? Samuel, du hast ihn besucht in seiner Holzhütte im armen Viertel der Stadt ... Was macht ihr da? Diese Brian Miranda-Desserts von seiner Hütte sind eine ganz einfache Holze, also einfach ein Raum.
hat er mit einer Zange einen Draht zurecht gebogen. Und was er da gemacht hatte, ist ein Konstantwerk. Er hat aus diesem Draht eine Behälte geformt in dem man dann Eiern lagen kann und dieses Konstant-Werk verkauft das an der Straße oder Rassstätten. Das ist so wie er das Geld zum Überleben verdient.
Brian, wir waren das, es ist einundfünfzig ... Als Asylbewerber aus Zimbabwe, das ist ein Nachbarland von Südafrika, kam er nach Südaffrika und hat dann auch Asyl bekommen. Aber inzwischen sind seine Papiere abgelaufen Und er ist jetzt als einzige Migrant in diesem Viertel der Township von Mosle Bay geblieben.
Das liegt daran, dass vor wenigen Wochen genau da eigentlich vor Brian's Haustür mehr aus fünfzig Hütten angezündet wurden – von einem Mob und diesen Ort an dem ich hingetroffen habe zu einem Tatort gemacht hat. Da lagen die Reste von Hüttern rum, da war alles verkohlt, da lagen Matratzen zum Beispiel verbrannte Kleide, der Lagen Kochtöpfe.
Und diese Mop waren wütende Südafrikaner die Migranten da vertrieben haben und die wollen dass Menschen wie Brian Miranda verschwinden.". In Südafreka machen Demonstranten seit Wochen Jagd auf Migrantinnen. Die fremdenfeindliche Gewalt hat auch die sichersten und reichsten Orte Südafrikas erreicht. Warum erzählt Afrika-Korrespondent Samuel Misteli Ich bin an den Landern Ich fühlte mich sicher, aber es war ... Ist geblieben wegen seinem Sohn?
Das hat sich erst zu dem Verlauf des Gesprächs mit ihm herausgestellt. Wenn mein Sohn nicht hier war, denk ich nicht, dass ich zurückgekommen bin. Vielleicht war er einfach ... Es war für ihn. Und zwar hat er einen Sohn, der ist fünfundzwanzig. Der ist psychisch krank und kann nicht reisen. Als diese Ausschreitungen vor ein paar Wochen passiert sind, dass der Mob durch die Township gezogen ist – da war Brian, der Vater, nicht da, weil der war wegarbeitet und versucht seinen Kunsthandwerk zu verkaufen.
Der Sohn war aber da und der hat sich dann als das passiert ist in der Hütte eingesperrt. Und dann werden Tage, weil das dauerte drei Tage. Die Ausschreitungen hat er sich da verbarrikadiert und der hatte Glück dass die nicht auch in Brand geriet und in der Hütte verbrannt ist. Diese Wut gegen Migranten, solche Geschichten gibt es in den letzten Wochen aus Südafrika Tausende.
Was ist denn da los? Das Land befindet sich im Ausnahmezustand. Es gibt eine riesige Protestwelle gegen Immigranten. Diese Demonstranten ziehen durch Städte und gehen auf Migrantes los. Es gab mehrere Tote. die demonstraten die verwüsteten Läden, die Ausländern gehören... die verlangen zum Beispiel auch vor spitälen Papiere zu sehen von Menschen, um zu sehen ob sie Südafrikaner sind.
Und diese Demonstrationen haben auch großen Effekt gehabt, dass es mehr als hunderttausend Migranten haben Südafica verlassen. Die sind in Bussen und Autos abgereist. Mehrere afrikanische Länder haben Evakuationsflüge durchgeführt, Nigeria z.B., viele Leute, die keine Aufenthaltspapiere haben. Die sich illegal im Land aufhielten aber auch viele, die legal im Land waren und die schlicht Angst haben.
Man hört eben vor allem von den Protesten in den Großstädten also Johannesburg, Kapstadt wo natürlich auch viele Migranten leben. Die Gewalt beschränkt sich aber eben nicht nur auf die Metropolen wie eben deine Reportage zeigt. Nein das war genau der Grund wieso ich nach Moselbay gegangen bin weil ich mich gefragt habe Wieso ausgerechnet diese kleinen Stadt, eine der sichersten und reichsten Orte in Südafrika?
Und ich habe dann da vor Ort, als ich angekommen bin, hab' ich den Bürgermeister getroffen. Weil ich gehofft hatte dass er mir das erklären kann was da los ist. Diese Bürgemeiste heißt Dirk Kotze Der ist ein Volksverwöhnt. Dieses Muscle Bay gewinnt immer wieder irgendwelche Awards für Lebensqualität, dafür auch dass es sehr gut geführt ist.
Und da kamen viele Südafrikaner, die an diesen sicheren Ort ziehen wollten. Da kamen auch reiche Europäer, der sich eine Zweitresidenz zugelegt haben. Da kommen sehr viele Touristen mit Kreuzfahrtschiffen und spielen dann auch Golf. Es hat einen super schönen Golfplatz. Also ein erfolgsverwöhnter Ort mit einem bergermeister.
Aber diese Idee ist Ende Mai. zerbrochen, als es zu diesen Ausschreitungen kamen. Und das waren hundert oder mehr Leute die da in der Township dann Jagd gemacht haben auf Migran, dass auch Leute wie Brian Miranda den wir getroffen haben Und da wurden dann drei Menschen getötet und um die neunzig sind im Spital gelandet, also unsere Handelmaar, weil sie verprügelt wurden.
Und wie erklärt sich nun der Bürgermeister diese Gewalt? Was hat er dir da erzählt? Er hat das so erklärt... Das hat gerade mit dem Erfolg der Stadt zu tun, dass sehr viele Leute da hingezogen sind. Auch viele reiche Leute und das habe gleichzeitig halt viele Leute nicht profitiert haben von diesem Boom also abgehängt waren und vor Augen geführt bekamen, dass es diesen Erfolg gibt.
Und die wütenden Leute, die haben dann nach Schuldigen gesucht und sie bei den Migranten gefunden. Diese Erklärung des Bürgermeisters – ich muss sagen, es hat mir eingeleuchtet! Sag mal, wechseln wir den Blickwinkel um die Wut gegen die Migranten besser zu verstehen. Nämlich zu den Demonstranten mit wem hast du da sprechen können?
In Moselbay war das schwierig! Wir haben niemanden gefunden der an diesem Protest teilgenommen hat. Wir haben versucht einen angeblichen Organisator zu erreichen. Der hat aber seinen Telefon nie beantwortet... Wir haben dann aber gehört dass es in George eine Stadt etwa eine halbe Stunde entfernt auch an der Küste dass deine Demonstration stattfindet.
Deutsch ist eine ähnliche Stadt wie Mosel Bay sehr reich, sicher, sauber und da sind wir an diese Demonstation gefahren.". Also wir sind da mitmarschiert, mit diesen Demonstrationszug. Die sind so Richtung von der Township-Richtungsstadtzentrum gezogen und die haben nach Migranten gesucht. Und zum Beispiel jedes Mal wenn sie an eine Baustelle vorbeigekommen sind, haben sich die Leute angeschrien weil sie vermutet haben dass es dann Migrantin hat, weil viele Migrantinnen auf Baustellen arbeiten.
Es war manchmal weg das so als ob es nahe an der Eskalation sei. Konntest du da mit demonstrierenden Reden über ihre Wut, über Ihre Bewegung? Ja wir haben mit dem Organisator gesprochen. Der hieß Simkulu Mabosa, der wohnt auch in der Township und wir sind mit ihm durch die Township gefahren damit er uns zeigen kann wo er diese Probleme sieht.
Er hat da zum Beispiel auf Läden gezeigt und gesagt, schau da. Diese Shop da auch der gehört einem Ausländer sowie eigentlich alle läden hier im Quartier ausländern gehören. Und warum macht ihn das so wütend? Als Erd hat das Gefühl, dass die Migranten den Südafrikanern die Tops wegnehmen. Es sagt also wirklich unsere jungen Leute haben keine Tops weil die Ausländer kommen, die nehmen alles, sie halten sich nicht ans Arbeitsgesetz, die arbeiten für weniger als den Mindestlohn und dann zahlen sie erst noch keine Steuern.
Kann man diese Argumentation, nämlich dass eben Jobs fehlen wegen Migranten auf die gesamte Protestbewegung in Südafrika übertragen? Ja ich habe das ja überall gehört. Das sind vor allem Proteste der armen schwarzen Bevölkerungen, die beschuldigen diese illegal eingewandten Migrantinnen und da sind fast ausnahmslos Afrikaner aus Nachbarländern oder anderen afrikanischen Ländern dass sie zum Beispiel als Taxifahrer arbeiten, als Nennies, als Gärtner und dass Sie diese Stellen besetzen.
Und dass sie sich gleichzeitig nicht ans Arbeitsgesetz erhalten und zu Tiefslönen arbeiten. Und das alles hat damit zu tun auch in Südafrika eine enorm hohe Arbeitslosigkeit. Jede Dritte ist arbeitslos. Bei den jungen Erwachsen sind es fast zwei Drittel und bei der schwarzen Bevölkerung sind die Zahlen noch mal höher, also die weiße südafrikanische Bevölkerung ist deutlich weniger stark von der Arbeitslosigkeit betroffen.
aber diese Wut, die da ausbricht hat extrem viel mehr mit dieser Arbeitslosigkeiten zu tun. Und kann man denn sagen dass die Migranten tatsächlich hauptverantwortlich sind für diese Arbeitsloskeit? Also es sind schlicht sehr viele angeblich mehrere Millionen Migranten, die keine legalen Papiere haben.
Und man kann ihnen insofern die Schuld geben als man sagt ja klar sie spielen halt nicht nach den Regeln. auf der anderen Seite gibt's auch viele Leute die die Migrantin Schutz nehmen und die sagen Ja das sind die machen die Jobs die halt niemand machen will. also dass die Meinten als Pflegerinnen die arbeiten Auf dem Bau die putzende Hotels.
Was wir zum Beispiel Südafrikaner auch gesagt haben, dass Migranten für gewisse Jobs z.B. auf dem Bau schlichtbässe ausgebildet sind als die armen Südafikane, die da Arbeitslos sind und das deswegen die Migrantinnen bevorzugt werden. Da kann man diese Wut ein bisschen nachvollziehen von Mabossas und den Tausenden Demonstranten in Südafreka?
Ja absolut! Es ist extrem viel Frust. was ich noch bezeichnet fand bei ihm auch bei Andernist. Die klingen wütend auf Migranten, aber sie klingen mindestens so wütender auf die Regierung wenn nicht noch Wütende. Ich habe Ihnen das genau gesagt, du klingst wütenden auf die Region als auf die Migrantinnen.
und der hat gesagt ja das ist richtig! Und ich glaube es hat auch einiges zu tun also mit der Geschichte des Landes und der Regierung weil halt nach Wenige privilegierten armen schwarzen Südafikaner hatten gehofft, dass das Land jetzt ihnen Chancen bieten würde. Dass es jetzt ihnen gehören wird. Aber was ist halt nicht passiert?
Also auch die ANC-Regierung hat diesen Leuten aus der Armut geholfen und sind immer noch arbeitslos. Also ist diese Gewalt gegen Migranten ... Ein Ventil für ein jahrelanges Versagen des südafrikanischen Staates. hat die Regierung das Problem erkannt. Also macht sie auch etwas dagegen? Ja, es ist schwer zu übersehen für diese Regierung weil fast überall im Land stattfindet diese Proteste und sie ist unter Druck geraten in der Regierung.
Sie hat Maßnahmen angekündigt. Sie hat bereits jetzt die Kontrollen verschärft an vielen Orten also zum Beispiel Arbeitsplätzen oder in Moselbay. Sie hat mehr Ausschaffungen gemacht, sie will neue Einwanderungsgerichte machen. Sie wird die Kontrollen an den Landesgrenzen verschärfen als sie macht einiges.
Die Frage ist halt ob sie damit das Kernproblem lösen kann. und ich glaube nicht weil wenn man die ganzen Migranten aus dem Land wirft es hat nicht einfach so dass die Leute die jetzt protestieren dass die dann alle plötzlich Arbeit haben. also das Problem ist halt struktuell das ist halt so. viele Leute gibt die da abgehängt sind, die aufgegeben haben.
Die zu schlecht ausgebildet sind... Es hat auch viel mit Ungleichheit zu tun als Südafrika ist laut manchen Zahlen das ungleichste Land der Welt und das ist genau was diese Demonstration am Ende antreibt. Samuel vielen Dank! Danke Nadine. Das war unser Akzent mit Afrika-Korrespondent Samuel Misteli. Ich bin Nadine Landert Bis bald.