
NZZ Akzent· Folge 1640
«Auf den mexikanischen Staat kann man sich nicht verlassen» – Korrespondentin Sandra Weiss
Samstag, 8. August 2026 · 23 min
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Shownotes
Bei der Fussball-WM der Männer stand Mexiko als einer von drei Gastgebern im Rampenlicht. Die Medien hatten zuvor viel darüber spekuliert, ob das Land eine sichere WM ausrichten könne - angesichts der hohen organisierten Kriminalität.
Das ist Mexiko gelungen, meint Korrespondentin Sandra Weiss. Der Juli sei der sicherste Monat des Jahres für das Land gewesen. Doch die Hoffnungen, dass die WM auch einen Wandel für das Land einleiten könne, hätten sich bisher nicht erfüllt. Der Alltag sei wieder eingekehrt und damit auch viele Gefahren. In dieser Samstagsfolge von NZZ Akzent berichtet Sandra Weiss davon, wie die organisierte Kriminalität das Land im Griff hat, wie man in einem gefährlichen Land als Journalistin arbeitet und wie die Menschen eigene Wege finden, um ihr Leben zu verbessern, wenn der Staat nicht eingreift.
Gast: Sandra Weiss, freie Korrespondentin für die NZZ in Mexiko
Host: Alice Grosjean
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In dieser Folge von NZZ Akzent (nzz.ch/podcast/mexikos-verschwundene-kinder-we…) erzählt Lateinamerika-Korrespondent Thomas Milz von Mexikos verschwundenen Kindern.
Hier (nzz.ch/podcast/was-ein-einbruch-bei-unserer-re…) erzählt Sandra davon, wie sie selber Opfer eines Einbruchs wurde.
Und hier (mx.linkedin.com/in/sandra-weiss-ba7b10) findest du Sandra auf LinkedIn.
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NCZ-Aktzent der Samstag. Die Mexikaner wissen einfach, dass man sich auf den Start in diesem Land nicht verlassen kann. Mexiko kann sehr vieles sein. Karibische Traumstrände, antike Hochkulturen und auch richtig gutes Essen – aber die Gewalt gehört zum mexikanischen Alltag! Ein schwacher Sicherheitsapparat und mächtige Kartelle sorgen dafür, das Drogenschmuggel, Menschenhandel und Morde zum Alltag vieler Mexikanerininnen und Mexikanern gehören.
Ganz langsam Schritttempo, dachte ich schon. Oh oh! Und habe geguckt und dann saß jemand auf dem Beifahrersitz mit einer Kalaschnikow sehr sichtbar. Klare Botschaft – und ich hab dann im Hotel meine Sachen gepackt und Bilder abgereist.". Die freie Journalistin Sandra Weiß lebt und arbeitet seit fünfzehn Jahren in Mexiko.
Von dort aus berichtet sie vor allem für deutschsprachige Medien natürlich auch für die NCZ. Wie Sandra diesen mexikanischen Alltag meistert? Was das für ihre Arbeit als Journalistinnen bedeutet…. Darüber wollen wir heute sprechen in unserer Samstagsfolge von NZZ Akzent. Ich bin Alice Grosjean, schön seid ihr da!
Und schön bist du da Sandra, herzlich willkommen hier im Podcast. Danke schön für die Einladung. Sprechen wird zuerst noch über ein schönes Klischee über Mexiko und zwar Fußball. Die WM der Männer ist ja gerade erst vorbei und besonders das Eröffnungsspiel dass in Mexico City stattgefunden hat – Das war ja schon ein großes Fußballfest.
Hier ein paar Impressionen aus den Fanzonen in Mexico city Das war der elfte Juli, im Eröffnungsspiel mit zwei zu Null gewonnen gegen Südafrika. Sandra, wo warst du an diesem Tag? Wie hast du das mitgekriegt? Ich war in Puebla da, wo ich lebe, zweieinhalb Stunden weg von Mexico City. Ja, da kamen richtig Feststimmung auch.
Also die Schulen zum Beispiel, die Kinder hatten keinen Unterricht mehr. Auch viele Leute haben den halben Tag arbeitstagfrei bekommen damit sie das Spiel angucken konnten. Die Stimmung war wirklich so voller Freude der Erwartung und als dann Mexiko das Spiel auch noch gewonnen hat Dann ging das explodierte so der Jubel richtig Und dann hatte man einen Einbruch.
Wow ja jetzt ist Weltmeisterschaft. Wie lange hat es denn angehalten? Das hat ungefähr genauso lange angehalten, wie Mexikon auch mit dabei war bei der WM. Die haben ja relativ gut gespielt dieses Mal bis es dann gegen England zum Aus kamen. aber bis dahin war die Stimmung eigentlich...die hat sich dann so hoch geschaukelt.
also das waren wirklich immer mehr Massen auf den Straßen die jeden See gefeiert haben und der Nationalelf. danach kam dann aber relativ schnell doch der Kater und die Ernüchter rum und der Alltag wieder zurück Im Vorfeld der WM, da gab es ja auch eben einerseits diese Sicherheitsbedenken. Vor allem wenn viele ausländische Touristen ins Land kommen ist es sicher der Weg zum Stadion das Stadionen.
und andererseits gab's ja auch diese Hoffnung vor allem von Menschenrechtsaktivisten in Mexiko dass eben Ich sage jetzt mal globalen WM-Aufmerksamkeit, die halt auch auf Mexiko schien. Das davon dann auch so ein bisschen was übrig bleibt und man auch über die Probleme im Land spricht. Insbesondere eben die organisierte Kriminalität, die vor allem von den Kartellen ausgeht.
Vor der WM nach der Wm jetzt wenn du das vergleist ist da? Was passiert? hat sich da etwas verändert? Na ja es gab ganz viele Erwartungen! Es gab dann auch noch die Erwartung der Unternehmer dass sie da den großen Reihwach machen werden in der WN. Und sagen wir mal, es sind sehr viele dieser Erwartungen letztlich enttäuscht worden auf eine positive oder negative Art.
Zum Beispiel Thema Sicherheit ja? Da haben ja auch gerade die USA- oder die Viehfahrdarmots Bedenken gestreut dass das irgendwie Mexiko das wirklich managen könnte so diese Befürchtung, dass das gewalttätig sein könnte. Die haben sich überhaupt nicht erfüllt. ganz im Gegenteil der Juli war bisher der sicherste Monat dem ganzen Jahr in Mexiko mit den wenigsten Morgen.
Ja, das ist zumindest was Positives. Und wenn man die Fans fragt – was ich so gehört habe in Straßen? Die waren alle begeistert. für die war Mexiko mit Abstand der beste Standort von den drei Kanada-USA und Mexiko, weil einfach irgendwie die beste Feierstimmung war! In Sachen Wirtschaft da sind die Unternehmen auch so ein bisschen enttäuscht worden, also es kam natürlich Geld ins Land.
Es wurde viel mehr konsumiert. So nach ersten Erhebung wurden so zwei Komma fünf Milliarden US-Donner zusätzlich eingenommen aber es blieb deutlich hinter den Erwartungen zurück. als erwartet wurden wir erst drei Milliarden. Sofern da eine gemischte Bilanz und letztlich war's irgendwie halt so ne Auszeit aus dem Alltag Mexikos.
Es hat ihnen nichts davon angehalten, nichts davon ist nachhaltig und heutzutage sind wir längst wieder in unheimlich vielen Problemen verstrickt. Und die Sicherheiten sind eben eines davon. Sicherheitsleid ist problematisch. Es wurden gerade erst wieder Journalisten ermordet. Schutzgelderpressungen gehen wieder in die Höhe.
Diese Probleme waren einfach nur verdeckt ein Monat lang. Da gibt's so einige Schauergeschichten, da haben wir auch schon Podcast-Folgen drüber gemacht. Die verlinke ich euch übrigens in den Shownotes. Zum Beispiel gibt es sehr viele Menschen und Jugendliche die einfach verschwinden. Viele dieser Opfer werden zum Beispiel entführt und dann von den Banden, von den Kartellenzwangs rekrutiert.
das nur ein Beispiel. aber diese organisierte Kriminalität die sich eben in sehr vielen Aspekten des alltäglichen Lebens irgendwie bemerkbar macht. So eine durchschnittliche Familie die in Mexico City lebt wie spürt die das im konkreten Alltag? Na was ganz Konkretes ist zum Beispiel beim Einkaufen in der Supermarkt.
Wir haben hier eine Inflation, die induziert wird durch die organisierte Kriminalität weil sie zum Beispiel ein paar wichtige Produkte des täglichen Bedarfs kontrollieren beziehungsweise Schutzgelder erpresst von den Produzenten, was die Preise in die Höhe treibt. Das ist zb so bei Avocados oder auch bei Limonen.
Das konsumieren die Mexikaner sozusagen täglich und da ist die organisierten Kriminalitäten sehr verstrickt. Entweder eben indem Sie Schutzgeld erpressen von Plantagenbesitzern oder auch von den Fabriken, die sie verarbeiten. Von den Lastwagen, die die transportieren. Oder in denen sie konkret auch ganze Plantagen gewalttätig übernehmen, indem einfach die Eigentümer ermordet werden ihre Kinder entführt und die müssen dann unter Druck unterschreiben dass die Plantage ganz billig verkaufen.
Dann übernimmt die organisierte Kriminalität die Plantageswäsche da Gelder. solche Dinge gibt es leider häufig Und das andere ist natürlich im Alltag Schutzgeld Erpressungen vorn Geschäften. Das ist auch sehr, sehr üblich und dann eben auch Erpressungen, Entführungen. vor allem Jugendliche sind eben sehr gefährdet von der Drogenmafia entführt zu werden.
Frauen vor allem für Zwangspostitutionen und junge Männer werden eben oft zwangstrikotiert. das geht zum einen in dem sie irgendwie halt hinter das Licht geführt werden mit irgendwelchen Internetanzeigen gut bezahlter Job in was weiß ich wo. wir müssen zur Busbahnhof fahren und dann werden Sie nie wieder gesehen.
oder in die Kantenkreis läuft das oft. Da ist jemand, der bei den Kartellen arbeitet als Sperr- oder so als Anwerber und erzählt ja da kannst du richtig gut was verdienen, arbeitest dann halbes Jahr lang, kannst irgendwie das Haus von deinen Eltern fertig bauen und deswegen haben die Eltern oft Angst um ihre Kinder.
und wenn die Kinder dann aus dem Haus gehen zu irgendwelchen Partys feiern man weiß nie ob sie heil zurückkommen. Ist das so dass irgendwie jeder irgendwen kennt? Der wenn kennt dem das passiert ist. Es ist nicht ganz so krass würde ich sagen. Jeder kennt jemand, der mal Opfer eines Verbrechens wurde.
Aber das kann zum Beispiel auch ein Eindruck sein oder dass man auf der Straße befallen wurde oder dem Auto und die Reisen abmontiert. Dass wirklich Kinder verschwunden sind, ist nicht ganz so direkt aber es ist schon relativ nahe. also ich bekomme immer wieder über WhatsApp von Bekranten suchverhandlungen besuchen XYZ doch da ist verschwundet.
also sie ist schon relative nahe. Ein anderer Punkt, der auch für dich selber sehr relevant ist. Mexiko ist auch sehr gefährlich für Journalisten. Du hast vorhin schon gesagt, also allein dieses Jahr habe ich gelesen sind schon sieben Reporter getötet worden im Land. Für dich du bist ausländische Journalistin, also hast ein bisschen andere Umstände als die mexikanischen Kollegen.
aber was bedeutet das für deine eigene Arbeit? Wie gehst du mit diesem Risiko dieser Gefahr um? Also das Wichtige ist, glaube ich ein korrektes Risikoassessment bevor meine Recherche anfängt und eine Reise beginnt. Da muss man sich relativ gut vorher recherchieren und erkundigen in welche Regionen fahre ich?
Wie ist da die Sicherheitslage? In meinem Thema wen will ich sprechen und ist es möglich dass diese Person irgendwelche Verbindungen zu Kartälen hat. Und wie findest du das raus? Ja also vieles kann man im Internet recherchieren, da weiß man zum Beispiel welche Regionen gefährlich sind und der Rest ist natürlich auch meine Erfahrung.
Ich weiß inzwischen ungefähr... Also in welchem Region ich aufpassen muss, welche Kartelle dort tätig sind. Ich habe aber eben auch meine Kontakte so von Oben-Experten und Experten oder auch von Journalistenkollegen vor Ort. das ist ganz wichtig dass man immer Kontakte vor Ort hat die vorher auch fragt kann nicht das und das machen wie schätzt du das ein?
Und das ist glaube ich einen Nonplus Ultra. ohne sowas würde ich nie in eine risikoreiche Region fahren oder einfach irgendwie aus dem Bus aussteigen um den Leuten anfangen fragen zu stillen. Das sollte man niemals tun sondern wirklich möglichst kurz ins in solchen Regionen vorbei. Einfach nur ganz konkret mit dem Rechercheplan haben, die Leute interagieren und dann wieder rausgehen.
Man sollte nie länger als unbedingt nötig in solchen Region bleiben. Also das sind so Sicherheitsprotokolle. Kannst du mal ein konkretes Beispiel machen von der Reportage, die du so angegangen bist? Naja, ich habe eine Reportage gemacht im Avocado-Anbaugebiet in Mitua Karan. Das ist eine Region die zum Teil von Kartellen kontrolliert ist wo man also auch gar nicht reinkommt ohne Zustimmung der Kartelle.
Ich war allerdings in einer Gemeinde die sich gegen die Kartelle organisierte hat. Die Bürger wären organisiert halt die also Autonomen waren In diesem Kartelland. mit denen hab' ich vorher Kontakt aufgenommen und hab dann auch über andere Kontakte wieder Kontakt mit dem Lokalen Christa bekommen und er sagte, sie hätten eine Unterkunft.
Und in der Kirche ist es immer so ein bisschen am sichersten dass das immer noch ein Ort, der respektiert wird. Naja die Reise war dann eben so, dass ich unterwegs von unterschiedlichen Punkten immer meinen Kontaktläuten gesagt habe Ich bin jetzt hier und hier und fahr da und dahin melde mich dann um die Uhrzeit wieder weil es war unklar auf der Straße ob's nicht Straßensperrungen gibt von den Militärs oder von den Kartellen.
auch die Militäre sind nicht ungefährlich weil die oft mit den Kartellen zusammenarbeiten. Also merkt sich gut, dass man nie irgendwie öffentliche Sicherheitskräften trauen. Naja also habe ich das halt gemacht bis ich an dem Ort war. Fährst du dann selber oder hast Du Fahrer die Dich fahren? Da bin ich tatsächlich mit dem Bus in die Hauptstadt gefahren weil ich wusste das geht noch und das ist noch einigermaßen sicher auf der Strecke.
Und von der Hauptstadt haben sie mir da einen Fahrer organisiert, der mich in dieses Dorf gefahren hat. Ja. Und als Du da warst? Als ich da war war es dann relativ ... Kontrollierte Atmosphäre, weil das eben eine autonome Gemeinde war, dass ich selbst organisiert habe. Da fühlte mich relativ sicher und konnte dann auch wirklich gut mit Avocado-Produzenten sprechen, mit Opfern der Gewalt, mit Vertretern von der Kirche aus der Zivilgesellschaft.
Das lief eigentlich sehr gut und relativ entspannt. Ich hab mich da im keilen Moment bedroht gefühlt aber das Problem war dann halt auch wieder das Rausfahren. Das waren dann wieder dieselbe Operation rückwärts bis ich in der einigermaßen sicheren Stadt war. Gibt so bestimmte Situationen wo du merkst Oh, jetzt wird's langsam brenzlig.
Ja klar gibt es! Also ich hatte auch schon konkrete Situationen wo mir dann indirekt mitgeteilt wurde dass meine Anwesenheit da nicht mehr erwünscht ist. also das war konkret bei einer Recherche wo ich danach in einem Interview auf der Straße zurückgelaufen mit so einem Hotel neben mir vor ein Auto her ganz langsam Schritttempo dachte ich schon oh oh und habe geguckt und man saß jemand auf dem Beifahrersitz mit ner Kalaschnikow sehr sichtbar okay Ja und es war keine Sicherheitskräfte, irgendwie relativ klare Botschaft.
Und ich habe dann im Hotel meine Sachen gepackt und bin abgereist. Okay also das ist so eine Möglichkeit wie man mitteilen kann den Journalisten how-up? Genau! Also es gibt auch manche, die am Rucco leben, die haben eine direkte Nachricht bekommen über Personen, die da in dieses Hotel kamen und sagten du solltest jetzt lieber geben, wir wollen nicht mehr hier.
Das sollte man auf jeden Fall befolgen. Wenn man das nicht macht, dann ist man wirklich sehr nachzuholen. Gibt es Themen, bei denen sagst du so von Anfang an. Das mache ich nicht weil das ist zu gefährlich? Es gibt keine Themen. aber was sich nicht machen ist in meinem direkten Umfeld da wo ich lebe organisierte Kriminalität recherchieren.
Die organisierte Kriminalität ist in Mexiko kein isoliertes Phänomen. Das ist ein Phänomene, das ist eingebettet in die Gesellschaft. D.h., du musst immer damit rechnen, dass du Politiker hast, die da mit drinstecken. Du hast Unternehmer, die darin stecken. Und du hast Sicherheitskräfte im schlimmsten Fall auch die Justiz, die damit drinnen steckt.
Du trittst da einen möglicherweise ohne das vorher genau zu wissen in den Westen ist und wenn du hier wohnst, wissen wir eben alles. Kennen deine Familie, kennen deine Gewohnheiten? Du machst dich dann sehr verletzlich. Deswegen ist das mein Maxime, dass ich hier nichts zu organisieren. Ich recherchiere in meinem Umfeld, wo ich lebe.".
Ein ganz anderes Drama überschwemmt gerade die Traumstrände Mexikos! Es heißt Sargasso oder auf Deutsch Braunalgen. In Badeorten wie Cancún, Tulum und Playa del Carmen türmen sich in diesem Sommer bergeweise Algen die in riesigen Teppichen an die Küste gespült werden. Sandra Wie muss ich mir diese braunalten genau vorstellen?
Das ist so wie so ein Teppich von relativ starren Gräsern, die so ineinander verflochten sind und die schwimmen oben auf dem Meer. Schwamm, der allen möglichen Dreck auch aufsaugt. Der ja leider mittlerweile auch in den Weltmeeren schwimmt von Plastik angefahren über Klamotten was da so alles im Weltmeer eben entsorgt wird das schleppt damit sich und dieser Teppich, der wird dann eben von den Strömungen an die Strände getrieben und wenn er seine Stränden liebt, dann verrotten diese Alben und stinken ziemlich nach.
was stinken sie? So bist du nach faulen Eiern und Verwesung sehr unangenehm. Welche Ort in Mexiko sind davon besonders betroffen? Die gesamte Küste oder...? In Mexiko ist es die Küste an der Kalibeek... vor allem eben die Haltin zu Yucatan und das ist ein großes Problem. Das sind die Strände, wo die meisten Hotels sind und wo halt die meisten Touristen auch hinfliegen weil ohne braunen Algen sind es traumhafte Strände.
Weißer Korallen, Sandstrand, türkisblaues Meer, Palmen eigentlich wie man sich das so vorstellt. nur mit den brauen Algen halt. Es ist eine furchtbar unangenehme Sauerei. Man will da auch wirklich nicht mehr ins Wasser gehen und es ist auch nicht so angeraten. Manche Leute reagieren darauf allergisch.
Müll mit und zum Teil auch toxisches Material. Und wie groß ist das Problem im Moment oder in diesem Jahr? In diesem Jahr ist es massiv, es ist viermal mehr als letztes Jahr z.B., um dieselbe Jahreszeit. Es wird eben jedes Jahr schlimmer. da gibt's verschiedene Gründe dafür dass. eine ist der Klimawandel eben auch die Erwärmung der Weltmeere und die Überdüngung.
von der Landwirtschafts- und die Flüsse schwimmen diese Düngemittel den Überschuss dann ins Meer. so das sammelt sich dann im Atlantik In das Sargasso See, das ist bekannt. Das gibt es schon wirklich sehr lange aber es wird halt immer massiver. Es sind Naturphänomen verschlimmert durch den Menschen. Und so rein aus wirtschaftlicher mexikanischer Perspektive jetzt mal betrachtet wie schlimm ist das Problem für Mexiko?
Das ist schon mal sinnvoll. einfach die Halb-Insel Yucatayn und gerade diese Strände sind der Haupt Touristen Magnet also der Flughafen von Cancun. da wickelt mehr Passagiere als der Hauptstadt Flughafe von Mexico City. Deswegen hat sich jetzt endlich auch mal die Regierung eingeschaltet und ein Notfallbudget auferlegt.
Aber die ganzen Jahre davor war das Problem auch schon, es waren nicht ganz so massiv aber es existierte. und für die lokalen Unternehmer, Touristen, Wissenschaftler war das ein Riesenproblem und die haben längst schon vor dem Start angefangen danach Lösungen zu suchen. ja weil die Mexikaner wissen einfach dass man sich auf den Staat in diesem Land nicht verlassen kann.
Der Staat löst eigentlich nur sehr, sehr wenige Probleme dieses Landes. Deswegen haben die Mexikaner immer gelernt im Staat nicht zu vertrauen und nicht auf der Stadt zu warten sondern selbst zu dem Hirnzumil. Was machen Sie konkret gegen die Algen? oder was haben sie schon vor Jahren gemacht bevor der Staat irgendeinen Finger gerührt hat?
Sie haben sich zusammengesetzt da gab es einen runden Tisch. naja dann haben sie unterschiedliche Strategien entworfen zum Beispiel so Sammelschiffe, die auf dem Meer fahren. Das sind so Arten wie schwimmende Bagger, diese Algen zusammen tragen und dann auch andere Schiffe laden um sie abzutransportieren auf den Meer.
aber da gibt es halt relativ wenige von diesen Schiffen und das ist ein ziemlich teures Unterfangen. Dann kam es an dem Strand, die Hoteliersung zu vermeiden. Dass das am Strand kommt haben so schwimmende Barrieren aufgebaut zur Umihan Hotel-Strand. Aber es war halt auch eine sehr punktuelle Lösung. dann kam vielleicht bei ihnen nicht ganz so viel Sagassum an aber dafür über Nachbar der sich dann beschwert hat.
Naja und da haben viele Unternehmer angefangen sich zu überlegen was man mit diesen braunen Einen machen kann und kamen dann auf ganz unterschiedliche Ideen. Da kann man zum Beispiel Biodymer daraus machen oder auch mit Tierfutter und so Pellets draus zu machen, was wurde probiert. Weil ja eigentlich sehr nutritiv sind.
Die haben einen relativ hohen Mehrwert. Und funktioniert das? Naja, das ist alles in den Versuchsstadien denn die meisten haben schon relativ positive Effekte erzielt. aber du brauchst dann ein bisschen Produkt irgendwie wirklich vermarktet werden kann musst du ganz viele Zertifikate machen und Kontrollen, Gesundheitskontrollen und so.
Das ist ein sehr langjähriger Prozess. also viele sind da noch nicht bis zur Marktreife gekommen. Viele von denen sind kleine Unternehmer, den fehlt es dann letztlich an einfach anderen Finanzen dafür. Und da gibt's in Mexiko auch keine so richtig solide Startup-Förderung wie Europa und viele bleiben dann auf der Strecke.
Aber wie gesagt, es gibt dann Ideen daraus zu bauen. Es gibt eine, die hat ein Sargasum Haus gebaut, er hat das so Ziegel draus gemacht, gepresst und ein Haus draus gebaut... Also ich find' das irgendwie toll, wie kreativ die Mexikaner sind und was denn alles einfällt, was man mit diesem Sargassum machen kann?
Aber es ist halt schwierig so, ganz ohne staatlichen Rahmen und den Rahmen, der unterstützt. Daran hakt's in Mexiko oft um was sehr schade ist weil ich finde die Kreativität oder will etwas zu machen ist enorm. Also trotz wenig bis gar keiner Unterstützung von Seiten des Staates an Kreatativität und Willen scheint das nicht zu mangeln.
aber das müsste eben auch gefördert werden. Ich glaube, das wäre auch wichtig für die mexikanische Wirtschaft. Weil in Mexiko haben wir diese superreichen Familien – das sind ein paar Hundert Familien, die irgendwie alles kontrollieren vom Bergbau oder die Telekom über den Einzelhandel. Das sind so richtige Monster, die auch versuchen hat eine monopolistisch- oder olikopolistische Struktur auf dem Markt zu schaffen und keine neuen Unternehmen reinzulassen.
Und dem müsste der Staat eigentlich wirklich auch aktiv gegensteuern einfach damit er Wettbewerb gewährleistet ist Und damit es Aufstiegsmöglichkeiten für die jungen Leute gibt und auch irgendwie Innovationen mehr gefördert wird. Ich finde, das ist eines der großen Probleme Mexikos, dass es da keine richtige Vision gibt wie man das endlich können kann.
Jetzt bist du selber schon seit fünfzehn Jahren in Mexiko? Wie hat sich deine Sicht auf Mexico in diesen fünfzehnt Jahren verändert? Das war so ein Wechselbad der Gefühle eigentlich immer! Zuerst kommt man an und ist irgendwie schon mal ein bisschen schockiert, was hier alles nicht funktioniert. Ja? Weil also diese Gewalt ist schon... Da steht man schon erstmal fassungslos davor und es gibt ja kein Rechtsstaat.
Wir haben reinundzig Prozent Straffreiheit. Das heißt, reinunzig Prozent aller Delikte werden nie der Handel. Also viele davon werden schon gar nicht angezeigt weil die Mexikaner schon gar keinen Glauben mehr in den System haben. Das ist schon etwas das mich als Europäerin eigentlich bis heute irgendwie fassungslos macht.
dass man einfach irgendwie so völlig ausgeliefert und auf sich allein gestellt ist. Und das fand ich schon sehr hart am Anfang, dann habe ich verstanden, dass die Mexikaner irgendwie anders funktionieren wie auch mit diesen Unternehmern da bei der Braunalgenplage. Die organisieren sich selten, die organisieren ihre eigene Sicherheit, die organisieren sich Netzwerke und alles läuft über Beziehungen und Kontakte.
So kann man sich auch in Sicherheitsnetz schaffen und bestimmte Dinge funktionieren so dann auch. Ich finde es suboptimal aber es ist zumindest eine Lösungsstrategie. Und dann habe ich eben auch gesehen, die unheimlich kreativ und innovativ die Mexikaner sind. Das ist ein junges Land, da gibt es viele junge Leute, die das machen wollen, die wollen aufsteigen.
Die wollen auch was für ihr Land tun. Es gibt hier unheimliche, viele fähige Leute, ja sehr stolz darauf Mexikanern zu sein. Das war sich in Europa oft so ein Misser. Ich finde mir, dass nicht die Leute total schlecht gelaunt und kritisieren immer nur. Die Mexikaners sehen immer, ist das positive oder negativen?
Und das Land ist auch vorangekommen. Das hat sich unheimlich modernisiert in den letzten fünfzehn Jahren, die Bürokratie funktioniert hier eindeutig besser als zum Beispiel in Deutschland. Ah wirklich? Ja ja also Pass-Führerschein, das trägt man alles, wird digital beantragt dann geht mal hin, in einer Stunde hat man den Pass oder den Führersschein.
Ach krass! Solche Sachen funktionieren deutlich besser. Internet Banking die Apps sind millionenfach besser als die europäischen Banking Apps ja total viel verbraucherfreundlicher. Es gibt hier unheimlich viel positive Dinge, die eigentlich gut vorangegangen sind. Auch der öffentliche Nahverkehr her gibt es jetzt keine Züge aber die Busse fahren plümdlich und ständig.
Man kommt unheimlos gut von A nach B und relativ günstig. Das funktioniert alles ziemlich gut. Also ist auch in dem Sinn kein Paradox sondern es gibt extrem viele unterschiedliche Facetten dieses Landes, die aber alle für sich... und das müssen wir jetzt erstmal aushalten. Genau, dass müssen wir aushalten und ich glaube es gilt für jedes Land.
Es ist einfach nicht alles positiv oder alles negativ. Es gibt positive Dinge, negative Dinge Und wenn man die erst mal erkennt und konkret auch benennt und davon erzählt dann geht man eigentlich von der viel realistischeren Bild aus über dieses Land. Das ist ein sehr schöner Schlusssatz den ich gerne so stehen lasse Sandra ganz herzlichen Dank für das Gespräch.
Bitte schön, gern geschehen. Das war unsere Samstagsfolge von NZZ-Aktzent, heute zusammen mit der freien Journalistin Sandra Weiß. In den Shownotes verlicke ich euch noch weitere Podcast-Folgen, die wir schon zu Mexiko gemacht haben und wenn ihr mögt, verlinke ich auch Ihr linken Profil, falls ihr Sandra folgen möchtet.
Schön habt ihr zugehört? Ich bin Alice Gorgian. Bis zum nächsten Mal!