
On Air - Der Blasmusik Podcast· Staffel 5
Auf einen Kaffee mit Matthias Werner (Komponist) - Pimp your Blasorchester
Montag, 18. November 2024 · 34 min
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Shownotes
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Matthias Werner war Posaunist bei Federspiel und war auch schon mal im Podcast zu Gast. Nach seinem Ausstieg konzentriert es sich nur noch auf das Komponieren. Vor drei Jahren gab es schon seine erste Blasorchester-Studien "Pimp your Blasorchester". Jetzt ist der zweite Teil draußen, es geht um Intonation und wir reden darüber. Aber, dem nicht genug, ich wollte von ihm auch etwas über seinen Ausflug nach Amerika in die Filmkomponistenszene wissen.
Viel Spaß!
Wer an den Noten interessiert ist:
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Guten Morgen bei einer neuen Folge von Auf einen Kaffee mit. Ich hoffe, ihr habt euch auch einen Kaffee geholt, sodass ihr die Folge vielleicht sogar beim Frühstück genießen könnt. Mein heutiger Gast ist Matthias Werner. Matthias Werner war Posaunist bei Federspiel, ist mittlerweile hauptamtlicher Komponist und hat vor kurzem eine neue pädagogische Handreichung für Blasorchester herausgegeben, nämlich Pimp Your Blasorchester 2.
Vor drei Jahren gab es schon Pimp Your Blasorchester 1 und jetzt kam der Nachfolger und ich sage leider im Gespräch Pimp My Blasorchester, es heißt natürlich Pimp Your Blasorchester. Eine Intonationsschule, die sehr, sehr ausführlich beschrieben ist. Ich spreche mit Matthias darüber, aber auch über seinen Ausflug nach Amerika zu den Filmkomponisten und den Studios von Hans Zimmer.
Also eine kleine nette Folge über Filmmusik, Amerika und Intonation. Ich wünsche euch viel Spaß. Und heißt ja auf einen Kaffee mit und die erste Frage wäre, wie du deinen Kaffee trinkst.
Ich trinke sehr gerne Espresso Martini. Oha. Und die abgespeckte Version am Morgen ist dann Espresso ohne Wodka.
Aber ich dachte, die abgespeckte Variante wäre nur Martini. Ja, stimmt, stimmt, ja. Matthias, du hast ja jetzt ein neues Blasorchester. Ja, Werk stimmt nicht so ganz, aber Methodik Pimp My Blasorchester 2 rausgebracht. Das ist deswegen wollte ich ja eigentlich auch ein bisschen mit dir sprechen, bevor wir dazu kommen.
Wir sprechen ja am Tag der US-Wahl und ich weiß ja, dass du längere Zeit jetzt auch in Amerika warst.
Ja, genau, ich war ein paar Monate in Amerika und zwar in Kalifornien. Kalifornien ist demokratisch auch jetzt bei dieser Wahl. Ich glaube, da hat der Arnold Schwarzenegger schon viel vorgelegt irgendwie. Das ist der politische österreichische Einfluss dort, würde ich sagen. Ja, was soll ich zur Wahl sagen?
Das Endergebnis steht quasi fest. Ich bin grundsätzlich der Mensch, der gerne für offene, offenherziges Leben, ein offenherziges Leben führt. Und ich glaube, es ist ja auch ein Thema irgendwie in der Blasmusik. Man kann ja irgendwie ältere Stücke oder Traditionen beibehalten und trotzdem irgendwie ein, zwei Schritte nach vorne gehen und wieder Neues ausprobieren oder Neues machen.
Und ich glaube, so ähnlich ticke ich wahrscheinlich auch in der Politik. Somit ist jetzt ein bisschen dahingestellt, ob mich das Ergebnis glücklich oder ein bisschen unrund stimmt. Ja, aber in der Blasmusik kennst du auf jeden Fall meine Meinung.
Auf jeden Fall.
Was hast du genau in Amerika gemacht? Ich habe in Amerika, also es hat eigentlich gestartet damit, dass ich Kurse im Bereich Filmmusik belegt habe letztes Jahr und dann wurde ich von der Nan Swartz, Nan Schwarz ermuntert, doch mal rüber zu schauen. Von Christopher Young, das ist auch Filmmusikkomponist.
Und ja, dann habe ich irgendwie ein paar Kontakte geknüpft und wollte mir einfach in dem Bereich weiterbilden. Ich habe dann Kurse belegt auf der UCLA. Die Nan Schwarz kennt man vielleicht, weil die hat für einen Tilp Rönner schon einige Arrangements gemacht. Die ist Grammy Preisträgerin. Ich glaube auf seinem Christmas-Album oder so, hat sie ein paar Arrangements gemacht.
Großartige Arrangeurin. Unglaublich.
Okay. Also total spannend, weil das gerade so zeitlich so ein bisschen auch passt, dass wir darüber reden. Weil wenn die Folge rauskommt, das wird am Montag sein, ist die neue große Folge raus und da ist Juliane Gralle zu Gast gewesen und die ist Basposaunistin aus Deutschland, spielt aber in LA Hollywood-Filme ein.
Ah, okay.
Also auch total spannende Person, was sie so erzählt hat, hat sie auch schon mit Adele und dem leider jetzt verstorbenen Quincy Jones zusammengearbeitet. Also auch viel zu erzählen gehabt, die gute. Wie kamst du an den Kontakt ran?
Es war über einen Kurs und irgendwie, wir haben uns so ein bisschen, glaube ich, ineinander verliebt, die nein und ich. Also sie, sie ist, ich weiß nicht, oh Gott, ich darf jetzt, glaube ich, kein falsches Alter sagen. Ist sie schon 70 oder so? Und ja, aber ich glaube, rein musikalisch haben wir uns verliebt, sagen wir es mal so.
Und eben, und deshalb ist es dann entstanden, dass ich da wirklich mal rüber gehe und mir das ansehe. Und ich kann irgendwie nur sagen, es ist eine komplett andere Welt. Das kann ich mir vorstellen, ja. Ist Amerika oder auch die Musikwelt eben dort einfach eine komplett andere.
Was waren so die ersten Gedanken, als du da warst, in so einem Kurs und dann das erlebt hast?
Also die ersten Gedanken waren, man ist zuerst einmal natürlich überwältigt von der Offenheit oder irgendwie jeder Mensch, den du triffst, sei es jetzt in einem Coffeeshop oder in einem Kurs, ist erstmals sehr offenherzig. Aber die Zugänge sind irgendwie dann doch total anders, weil wenn man jetzt für einen Film schreibt, ist natürlich der Regisseur und das Drehbuch, das steht an erster Stelle.
Und die Musik ist dafür verantwortlich, dass alles, was passiert, verstärkt wird. Oder wo man eine Szene nicht funktioniert, die kann dann irgendwie mit Musik gerettet werden. Also man ist so ein bisschen eine Mischung aus kreativer Kopf, aber hauptsächlich Dienstleister, würde ich sagen. Und das ist ja eine sehr interessante Kombination, finde ich.
Ich habe dann auch reinschnuppern dürfen in Studios, also sei es Filmstudios oder ich war in einem Studio vom Hans Zimmer. Hast du ihn selber auch gesehen? Ich habe ihn selber nicht gesehen. Ich habe ein paar Komponisten dort kennengelernt. Ich glaube, der ist ja immer irgendwie auf Tournee oder so. Der gefühlt schon, ja.
Es war sehr interessant. Also die, ich weiß jetzt nicht, wie sie halt aus dem Nähkästchen plaudern sollte, darf oder kann, aber die liefern halt einfach täglich Tracks ab. Und am nächsten Tag werden die dann schon vertrieben, also wenn es jetzt um so Library Music geht zum Beispiel, die dann in Filmen unterlegt wird.
Und man muss, und das ist glaube ich so der größte Knackpunkt, für den oder gegen den man sich entscheiden muss, ist, will man als Komponist auch Produzent sein? Weil die müssen die Tracks so produzieren, also es wird komponiert natürlich, aber es muss mit Sampleinstrumenten, das heißt voraufgenommenen Tönen, das dann so produzieren, dass es so realistisch wie möglich klingt.
Also zum Beispiel jetzt, ich habe jetzt sehr viel Geld investiert in Sample Libraries und du kannst halt zum Beispiel die erste Geige in einem Orchester auf zig Versionen haben. Und da hast du dann quasi jede Artikulation und jede Dynamik und jedes Vibrato. Das kannst du alles verwenden. Zum Beispiel am C2 hast du halt jeden Ton in 127 Velocities und dann halt noch in weiß nicht, wie vielen Virato und genau, und das muss man einfach können.
Und das ist bei Klarinette, Trompete, Horn dasselbe. Also da gibt es Libraries und für das ist mein Ohr wahrscheinlich auch besser geschult als jetzt das für die Streicher, weil ich natürlich ja aus der Bläserwelt komme. Also ich höre viel besser, okay, das Horn klingt jetzt echt auf dem Track, den ich produziere.
Und bei der Geige ist es so, das ist ein recht langer Prozess, glaube ich, bis man sich da richtig reingeziggert hat, dass das auch dann ganz realistisch klingt.
Aber also das heißt, du musst dich ja dann durch 127 Versionen durchklicken, bis du dann mal einmal weißt, welche du willst.
Achso, nein, das geht eher so, man spielt auf dem Keyboard dann zum Beispiel eine Geigenmelodie.
Ja.
Und dann weißt du ja schon, okay, Velocity 127 ist einfach ein extrem harter Ton zum Beispiel. Und 10 ist sehr, sehr sanft. Okay. Ja. Es gibt zig Parameter, die man da dann mit so Rädern, Modules, bewegen kann, während du das einspielst.
Okay. Und wenn man jetzt nur Komponist wäre, würde das jemand anders dafür ein übernehmen.
Ja, ich glaube, dass das ziemlich ausgestorben ist mittlerweile. Also ich glaube, es gibt natürlich noch die Größen, die dann wirklich das produzieren lassen oder die haben auch dann die Möglichkeit natürlich aufzunehmen, also richtige Orchester aufzunehmen. Aber ich glaube, junge Komponistinnen und Komponisten können das kaum mehr.
Dass sie wirklich nur das quasi auf Zettel und Papier oder in dem Notationsprogramm schreiben und dann nicht produzieren.
Wenn du das so siehst, hast du Angst, dass das irgendwann so wird, dass Filmmusik nur noch so eingespielt wird und das Live-Orchester gar nicht mehr so wirklich zum Tragen kommt?
Da mache ich mir gerade keine Sorgen, weil auch die Komponistinnen und Komponisten in Los Angeles, die hören einfach den Unterschied. Selbst wenn es noch so gut produziert is mit den Sample-Instrumenten, es schwingt, es klingt, es lebt anders mit richtigen Menschen. And when then this nicht 100% ist 100% vielleicht in Tune by the end stelle.
Ich meine, da reden wir jetzt von wirklich 0,5% neben dem Tune. Aber das macht es aus. Die Menschen sind keine Roboter. Und ich glaube, gerade die Musik ist auch dafür da, dass man Leben irgendwie auch vermittelt, dass man lebendig ist. Und das ist für die Zuhörenden dasselbe wie für die Komponisten oder die Interpreten, würde ich sagen.
KI, KI wahrscheinlich. Hast du auf KI abgezielt ein bisschen?
Ja, ja, klar.
Ja, natürlich. Also ich sehe es jetzt aktuell so, dass KI sehr unterstützend wirken kann. Und wenn es dann die richtigen Regelungen gibt, dass wirklich die Urheberrechte so geschützt sind, dass man nicht einfach alles damit machen kann und dann vertreiben kann, dann denke ich mir ja, es wird unterstützende Tools geben.
Es war ja auch, wenn ich mir denke, ist vielleicht nicht vergleichbar, aber Notationsprogramme, okay, vor 200 Jahren hast du dann die Kopisten gehabt, die haben dann natürlich das abgeschrieben. Jetzt hat man ein Notationsprogramm und wenn ich jetzt die Hornstimme in F oder in S haben will, dann ist das ein Klick und ich drucke es aus.
Ja, das stimmt. Ich hoffe mal, dass diese dann so wird wie immer das jetzt gerade in meiner Kreativblase in meinem Kopf so herbei wünsche.
Aber ist das nicht stressig, wenn du sagst, okay, die liefern pro Tag irgendwelche Tracks ab und müssen dann jedes Mal neu? Bleibt man da noch kreativ oder ist da nicht die Gefahr, dass man sich dann doch irgendwie wiederholt?
Ja, da kommt es jetzt wieder zu diesem Punkt, dass man ja auch Dienstleister ist. Und in dieser Library Music, da geht es eben darum, dass man dann zu gewissen Emotionen Sachen vermittelt, zum Beispiel, da heißt es dann, okay, eine Liebesszene soll das werden. Dann bist du schnell mal irgendwie in einem Bereich oder es soll eine Action-Szene sein oder es soll für eine Naturdoku funktionieren oder es soll, also da gibt es eben dann so Vorgaben, die man dann erfüllen muss.
Aber jetzt aktuell ist der Drang, nach Amerika zu gehen, erstmal ein bisschen abgeflaut. Und ich werde mir weiterhin diese Produktionsaufgaben selber stellen. Aber dadurch, dass ich aktuell keine Zeit hätte, da jetzt mich richtig reinzutigern, ja, ich muss das jetzt erstmal wieder warten.
Wer ist dein Lieblingsfilm-Musikkomponist?
Oh, letztens habe ich wieder Enju Marikone gehört. Da haben wir gedacht, ja, das ist schon irgendwie Klassiker, irgendwie, würde ich sagen. Und James Horner, John Williams, jeder hat da irgendwie extrem coole Sachen rausgebracht. Ich bleibe jetzt aktuell bei Stift und Papier und bei meinem Notationsprogramm und schaue, dass ich da pünktlich mit allen Deadlines fertig werde.
Und das ist auch noch immer Aufgabe genug.
Okay. Dann letztes größeres Projekt, was zumindest für die Blasmusik natürlich relevant ist, das habe ich ja schon erwähnt, ist die Zusammenstellung Pimpio Blasorchester Teil 2. Was unglaublich viele Seiten hat. Da hat sich es ausgedruckt.
Ja, ich glaube, die Einzelstimmen sind, glaube ich, über 600 Seiten und die Partitur dazu ca. 100.
Ja, ich habe nur in die Partitur geguckt und habe schon gesehen, okay, es sind viele Seiten. Ich habe das aber blöderweise natürlich nicht umrissen, dass ja logischerweise dann auch die Einzelseiten, also Einzelstimmen auch so viele Seiten. Und ich stand am Kopierer und habe natürlich jede Stimme dann ein paar Mal rausgelassen und dachte mir, das hört ja gar nicht mehr auf, bis mir dann so klar wurde, ach stimmt, die Einzelseiten müssen ja auch, äh, Einzelstimmen müssen ja auch.
Also es war auf jeden Fall so ein Pack oder so.
Ja, ich weiß auch nicht, zu welchem Zeitpunkt das dann solche Ausmaße angenommen hat im Schreibprozess, aber ich war so motiviert, dass ich in dieses Thema gründlicher eintauche. Weil der erste Teil ist ja, würde ich sagen, Pimpia Blasorchester 1, da geht es, das ist eine Aufwärmschule und da sind ein paar verschiedene Bereiche abgedeckt.
Artikulation zum Beispiel, oder eher Klang oder so ein kurzes Warm-up. Und ich wollte halt jetzt mit dem Pimpia Blasorchester 2 auf ein Thema focussieren, and this is the Intonation, weil irgendwie sowohl als Zuhörer als auch als Mitmusikerin, mit Intonation kann this orchester erst so richtig in seinem vollen Glanz erstrahlen, denke ich mir.
Und es ist einfach sehr angenehm, wenn man stimmende Akkorde hat. Und gerade jetzt im Bereich Blasorchester oder Kapelle ist das natürlich immer ein Thema. Weil wenn man für eine Konzertwertung, ein Wertungsspiel oder ein normales Konzert vorbereitet, gibt es einfach immer wieder Harmonien, die einfach nicht stimmen wollen und das soll einfach dabei helfen.
Ja. Gab es irgendeinen Punkt, wo du gesagt hast, okay, das muss ich jetzt machen oder war das jetzt eine rationale Überlegung, so mit Teil 1 lief ganz gut, dann lege ich noch Teil 2 nach. Also gab es da irgendeinen ausschlaggebenden Punkt?
Ja, es war eigentlich so, es ist jetzt drei Jahre her, dass ich den ersten Teil gemacht habe. Und es kommen bis heute so super Rückmeldungen. Also wirklich auch von, okay, wir proben das jetzt immer noch jeden Freitag oder wir haben es mehr Zeit lang weggelegt, aber die Musikerinnen wollten es dann wieder mal machen.
Und das motiviert natürlich, weil man merkt, dass wenn man was macht, das irgendwie Anklang findet, dann ist das einfach die doppelte Motivation. Weil von mir heraus habe ich irgendwie immer Motivation, was Neues zu machen oder ein neues Stück zu schreiben, aber wenn es dann auch von außen zurückkommt.
Ja, und diesen Sommer haben wir gedacht, ja, ich mache das jetzt. Und habe mir hingesetzt und habe einfach überlegt, was kann helfen.
Also ich gehöre auch zur Fraktion, dass wir das immer noch jeden Freitag machen, also Teil 1. Also wir haben da fast durchgängig das jetzt gemacht. Ich glaube, es gab mal eine kleine Phase, da habe ich es nicht gemacht. Aber was ich zum Beispiel bei Teil 1 dann auch gemerkt habe, dass wir relativ schnell allein mit dem Einstiegskanon relativ schnell unseren Klang und auch Intonation natürlich gefunden haben.
Also weil natürlich jeder dann auch irgendwann wusste, was passiert, dann ist das auch mehr Zeit zum Hören. Das ist natürlich immer die Sache. Jetzt haben wir es ja jetzt drei Wochen habe ich jetzt Teil 2 mal angefangen, so das erste, so eine erste Übung. Das braucht natürlich ein bisschen mehr Zeit, weil es natürlich viel mehr Material ist.
Aber ich merke jetzt schon, das sind, also gerade so diese zweite Übung mit, okay, wir spielen alle den Stimmton, wir gehen in den Akkord, wir gehen wieder ins Unisono in den Stimmton. Sowas wollte ich tatsächlich auch mal aufschreiben, weil ich sowas ganz spannend finde. Jetzt finde ich, bin ich sehr dankbar, dass du die Arbeit übernommen hast.
Richtig zu tun. Genau. Kannst du noch so um Richtung sagen?
Ja, also gerade bei dieser Übung, also fangen wir vorher an. Natürlich, genau, Band 2, das braucht mehr Fokus auf so einen kleinen Teil, würde ich sagen, dass man sagt, okay, man nimmt jetzt da nur wirklich nur diese Übung her. Und die wiederholt man dann einfach irgendwann während der Probe und das dann ein paar Wochen in Folge.
Ich glaube, dann stellt sie wirklich so diese Verbesserung ein. Den Band 1, das kann man mehr so durchspielen, sage ich mal. Also beim Band 2 eben eher mehr, lieber stehen bleiben auf einem Akkord und dann wieder in den Fluss gehen, weil es soll ja irgendwie nicht statisch werden. Ich habe oft das Gefühl in Proben, dass dann, wenn man zu lange einen Akkord ausstimmt, sei es jetzt bei einem Konzertwerk oder bei einer Übung, irgendwann, du kennst das eh jetzt als Trompeter, irgendwann ist halt einfach dann, man spielt die ganze Zeit denselben Ton, dann werden die Lippen vielleicht so ein bisschen härter oder so.
Also immer so in diesem Fluss bleiben. Und zu der Übung, was du jetzt gemeint hast mit dem Stimmton, ich finde es irgendwie total wichtig, dass man mal so diesen Grundton findet, oder in dem Fall eben den Stimmton B. Und dann hat man immer die Kolleginnen oder Sitznachbarn, mit denen man dann sie wieder zusammenhört.
Und dann geht es wieder in diesen Akkord, wo man dann eben andere Funktionen vielleicht hat und dann wieder zurück zur Basis. Und von dem aus gehend, glaube ich, findet man dann in allen möglichen Tönen und Akkorden schneller hin, wo muss ich hin im Vergleich zu den Sitznachbarn.
Ja. Kannst du noch umreißen, was da noch für Sachen drin sind, welche Gedanken du dir gemacht hast?
Also das mit dem im Fluss bleiben, das ist dann mal so eine Zwischenübung, die zielt eben darauf ab, dass man das dann, das bereits Erlernte, dann im Fluss quasi spielen kann, um eben nicht statisch oder stark zu werden. Dann gibt es, ich glaube, meine Lieblingsübung ist das mit der Dynamik. Da habe ich, da sind dann ein paar Stufen drinnen.
Weil oft ist es ja so, wenn man dann einen Akkord hat und den spielt man leise oder dann spielt man laut, auf einmal verschiebt sich wieder alles. Und die Lippen machen dann vielleicht in der Lautstärke nicht so mit. Und das ist so aufgebaut, dass man extreme Dynamikunterschiede hat als Kapellmeister oder Dirigentin, dieses natürlich super, weil es auch irgendwie auf Dynamik dann abzielt, die ja dann oft in den Stücken total wichtig ist, dass da wirklich jeder in die Extreme geht.
Und hier ist es eben so: da werden teilweise gleiche Töne gespielt in einer extrem lauten und leisen Dynamik und die werden sehr lange ausgehalten. Und diese Zeitspanne verkürzt sie aber, dass dann, also quasi diese Übungen mit der Dynamik beginnen sehr leicht und werden aber ganz extrem von dem sprunghaften Dynamik.
Dynamikunterschied und mit gutstütze und gutem Zuhören sollte dann, wenn man es oft genug macht, auch in der lauten und leisen Dynamik sollten die Akkorde dann stimmen.
Ja, das ist zum Beispiel eine Sache, die habe ich so im Blasorchester noch nicht als separate Übung irgendwo wahrgenommen, dass damit wirklich viel gemacht wird. Das kenne ich jetzt eher wahrscheinlich und da bin ich gar nicht so tief drin, eher in diesem amerikanischen Marching-Band-Ding, wenn die sich einspielen und da extreme Dynamiken fahren und dann Akkorde singen und so, dann wieder in Clusterklänge gehen und dann wieder Superstimmen und so.
Also da habe ich eher das Gefühl, oder da kennt man es zumindestens, eher aus YouTube-Videos und Glasorchestern gibt es ja solche Sachen nicht irgendwie. Also zumindest nicht auf YouTube, dass die irgendwie mit Dynamiken, also auch mit extrem Sachen, mit sehr laut, sehr leise Clustersachen wirklich mal auf Intonation da extrem aus sind.
Deswegen finde ich, als ich da so drüber geguckt habe, wie gesagt, wir machen das jetzt erst seit ein paar Wochen, fand ich das ganz spannend, dass da plötzlich auch was mit Dynamik und dann auch vor allen Dingen Schnellendynamikwechsel plötzlich aufgetaucht ist, wo ich mir gedacht, ah, gut, dass das sowas jetzt auch mal im Blasorchesterbereich gibt.
Ja, ich glaube, dass das hilfreich sein kann. Und es gibt zum Beispiel dann auch so Dinge wie tiefere Intervalle oder hohe Intervalle, wo einfach natürlich oft ist dann das Holz oder das hohe Blech so in der Auslage, wenn es um hohe Akkorde geht. Deswegen gibt es da auch eine Übung dazu und ganz tiefe Intervalle, die, glaube ich, ganz gut für so choralartige Dinge sind.
Und die meisten Übungen kann man auch runterbrechen und in Satzproben oder Registerproben machen. Ja. Also ich glaube, dafür ist es wahrscheinlich auch sehr, sehr hilfreich.
Auf jeden Fall. Also du hast damit auf jeden Fall ein sehr, sehr umfangreiches Werk geschaffen, mit dem er sich sehr, sehr lange beschäftigen kann. Und auch sehr abwechslungsreich.
Ja.
Also. Hast du schon von anderen Rückmeldungen bekommen?
Noch nicht. Ich habe es jetzt, ich glaube, seit drei Wochen draußen oder so.
Ja, irgendwie so.
Ich habe es nur vorher natürlich ausprobiert und da war genau die Diskussion mit der Dynamik. Weil es einfach schon eben in diese Extreme geht. Aber ich halt der Meinung bin, dass man da genau dadurch dann eben für die Konzertwerke was lernen kann und was mitnehmen kann.
Ja, weil es ja meistens, so ist meine Erfahrung, jedes Blasorchester kann so in seiner Wohlfühlzone einigermaßen klingen, einigermaßen stimmen, aber wenn es dann halt ein bisschen drüber rausgeht, sei es laut, aber halt auch leise, fängt es an, dann stimmt der Klang nicht mehr. Dann ist die Stütze nicht gut, dass die Töne gut stimmen.
Und dann fängt es an, auseinanderzubrechen. Und ich finde es ja generell, das kennt man ja auch selber vom Instrument her, immer ganz gut, auch mal in den extremen Bereichen zu üben. Dass wenn man so braucht, man halt auch kann, weil dann wird ja der Rest, die Komfortzone wird ja auch größer. Also es ist immer nur da zu bleiben, was man kann und sagen, ja, das andere brauche ich nicht, ist ja ein bisschen Quatsch irgendwie.
Also, wie man jetzt vorstelle, ich spiele ein dreifaches Pforte und vorher habe ich mir immer schon mit dem Pforte geplagt, dass das stabil ist, wenn ich dann das dreifache Pforte halbwegs stabil habe, dann ist das Pforte wahrscheinlich extrem stabil schon. Also so.
Ja, ja. Also ich weiß, dass ich gerade im Studium muss, dich auch immer mal wieder an die Grenzbereiche zum Üben, wo ich mal auch, also klar, wo mir auch klar war, okay, ich werde es jetzt erstmal in einem klassischen Orchester wahrscheinlich nicht brauchen. Wo ich es jetzt mittlerweile brauche, ist bei in der Brassband.
Ja.
Also ich habe jetzt vor zwei Wochen Konzert gespielt. Also ich war an Endbereichen sowohl in Laut als auch leiser, da war ich, glaube ich, also zumindest im Lauten noch nie. Also wo ich dann auch gemerkt habe, okay, das wäre es dann mal wieder wert, fürs nächste Konzert da auch mal wieder einen Fokus drauf zu haben.
Es kommt nicht oft am Abend, aber wenn es kommt, muss es ja auch da sein. Ja, schön. Also ich beobachte das mal, wie das meinem Orchester jetzt gut tut. Ja, gerne. Was hältst du davon? Ich hätte bitte immer gerne zu mir. Auf jeden Fall. Was hältst du davon, Dinge auch mal zu singen? Wenn es um Intonation geht?
Ja, also halte ich sehr viel davon. Aber natürlich, also die Tuba-Spieler werden wahrscheinlich Tuba-Stimme nicht singen können. Aber grundsätzlich halte ich extrem viel davon, ja.
Man kann ja in seiner Lage singen. Genau. Dann ist er trotzdem der Ton da.
Es geht einfach ewig bei so vielen Dingen um die Vorstellung natürlich auch des Akkords oder des Tons. Ja, und ich bin auch der Meinung, dass wenn man fit oder frisch oder motiviert in der Probe ist, mit Körperspannung und vielleicht gutem Atemfluss, dann stimmt der Ton ja auch schon viel schneller gut.
Auf jeden Fall. Gibt es schon Überlegungen für Teil 3 oder sagst du jetzt, jetzt warte ich erst wieder drei Jahre und dann?
Jetzt muss ich mich um meine ganzen Konzertwerke kümmern und Musiktheater, wieder mehr ums Werke komponieren. Aber ja, wir werden sehen. Also natürlich, wenn ich Feedback bekomme und das dann für einen möglichen nächsten Teil einarbeiten kann, ist das immer super. Also das habe ich jetzt vom ersten auf diesen Teil ja auch schon gemacht.
Und wer weiß, in drei Jahren oder in zehn.
Als wir das letzte Mal gesprochen haben, kam ja dann ein paar Tage später raus, dass du bei Federspielen ausgestiegen bist. Das war ja im Gespräch noch nicht so klar. Vermisst du die Bühne als Posaunist?
Hin und wieder vermisse ich die Bühne. Noch mehr vermisse ich die Federspieler. Also das dann gemeinsame Tour auf Tour sein. Also das ist aber natürlich in der Rückschau ist natürlich alles immer so rosig, weil das Tourleben war natürlich auch anstrengend. Und das jeden Tag ein anderes Hotelzimmer und so.
Das fühlt sich jetzt im Nachhinein irgendwie romantisch an. Vermisse manchmal, aber ich bin dann noch sehr froh über diese Entscheidung, weil nachdem ich diese Entscheidung getroffen habe und dann mit allen gesprochen habe, dann hatten wir noch ein halbes Jahr gemeinsam, wo wir getourt sind. Also es war ein super Abschiedsprozess.
Aber ich habe vorher das Komponieren immer schon geliebt und erst danach, nachdem ich wirklich diese Zeit dafür hatte, mich nur mehr auf das zu konzentrieren, hat es erst so richtig begonnen, in so richtige Arbeitsflows zu kommen. Also es ist mir vor allem in der Nacht oder so. Oder mir ist es auch bei dem Projekt, das ich mit dem Christoph Moschberger und dem WDR-Funkhausorchester gemacht habe, da waren teilweise Wochen, wo ich ein paar Stunden gestartet habe, zwei, drei, und dann ist es weitergegangen.
Und das ist ein paar Wochen immer so am Stück gegangen. Und so etwas hätte ich wahrscheinlich nie erlebt, wenn ich nicht den Schritt gesetzt hätte, okay, das ist jetzt mein Fokus, das ist meine Leidenschaft. Und da will ich einfach tiefer reingehen. Und deswegen, das war absolut der richtige Schritt.
Also fühlst du dich auch jetzt gut angekommen in dem Komponistendasein?
Ja, jetzt gerade wird es ein bisschen viel sogar. Also ich bin gut angekommen und ich habe mich gut eingerichtet. Aber jetzt habe ich eben mit ein paar Abgaben zu bewältigen bis Ende des Jahres. Auch eine für Riesenblasorchester und Chor. Das wird nächsten Mai uraufgeführt im Festspielhaus Salzburg. Also da werden so 200 bis 250 Leute auf der Bühne sein.
Das wird ein Auswahlorchester sein, also vom Land Salzburg. Und eben ja so 150 Leute plus im Chor und so 70 Leute im Orchester. Da bin ich gerade am Ausarbeiten neben den Musiktheatern, die ich jetzt gerade mache für Kinder. Ja, also auch in der Blasmusikwelt habe ich Gott sei Dank irgendwie so geschafft, dass ich für mich meinen Weg finde, wie die Musik, die ich mir vorstelle, auch mit Blasorchester machen kann.
Hast du manchmal die Angst, jetzt wo du ja quasi hauptamtlich ein Komponist bist, dass du morgens aufwachst und dann keine Idee mehr hast?
Ich habe mir vorher auf dieses Podcast-Gespräch ein bisschen vorbereitet und ich dachte mir, es kommt wahrscheinlich die Frage, wo siehst du dich in fünf Jahren? Und diese Frage hätte ich beantwortet mit, ich hoffe, dass ich in fünf Jahren aufwache und bin motiviert und bin kreativ für neue Ideen. Also es ist keine Angst irgendwie, es ist mehr so dieses, ja, das wäre mein Zukunftsziel.
Okay, dann drück ich dir die Daumen, dann sprechen wir in fünf Jahren wieder und mal gucken, ob du da noch Ideen hast. Oder ob du dann schon deinen ersten Hollywood-Film vertont hast.
Ui, ja, wer weiß, aber jetzt gerade sind die Pläne wieder andere. Aber ja, wer weiß, du.
Aber man kann ja vielleicht auch von Europa aus arbeiten für Hollywood. Das ist ja in der heutigen Zeit alles ein bisschen leichter als noch vor 30 Jahren.
Genau. Absolut.
Okay, dann hoffe ich aber auch, dass deine Intonationsschule jetzt breiten Anklang findet. Also ich finde sie jetzt schon gut. Und genau, ich beobachte, was das aus meinem Orchester macht. Ich werde dir Feedback geben. Bitte, gerne. Und dann sage ich vielen lieben Dank, dass du das hier so ein bisschen mal vorgestellt hast.
Ja, danke dir, Andi, für die Einladung. Das war Matthias Werner und seine Vorstellung von Pimp YourBlasorchester 2. Wenn ihr jetzt interessiert seid an den Noten. Die Links findet ihr in den Shownotes. Ich möchte euch einladen, auch Gast und Teil dieser Podcast-Serie zu werden. Schreibt mich einfach an mit einem Thema, mit einer Sache, die ihr gerne besprechen wollt, vorstellen wollt und dann seid ihr auch dabei.
Ich wünsche euch eine gute Woche und ich freue mich, wenn ihr beim nächsten Mal wieder dabei seid. Macht's gut, euer Andi.