On Air - Der Blasmusik Podcast· Staffel 5· Folge 107

Kira Linn (Baritonsaxophon) - Wie behauptet man sich als junge Künstlerin?

Donnerstag, 24. Oktober 2024 · 1 h 39

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Shownotes

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Kira Linn hat Jazzsaxophon und Jazzkomposition in Nürnberg und Basel studiert. Sie war u.a. als Solistin mit Formationen wie dem Bundesjugendjazzorchester, der HR Big Band und dem Swiss Jazz Orchestra unterwegs. Ihre Konzerttätigkeit hat sie schon neben Europa auch nach Amerika, Südostasien und Südafrika geführt und konnte schon mit international namhaften Künsterln zusammenarbeiten. Seit 2016 ist sie die Bandleaderin ihrer Formation Linnettet, für das sie in der Funktion als Baritonsaxofonistin, Sängerin und Komponistin auch tätig ist. Drei Alben wurden bisher schon produziert und der Song “Women to Sky” aus dem letzten Album “Illusion” war sogar beim diesjährigen Deutschen Jazzpreis in der Kategorie “Composition/Arrangement of the year” nominiert. Ich freu mich, dass sie heute hier ist.

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Schnitt: Leander Machan
Musik: Dirk Mattes

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Während ich früher viel Zeit am Instrument verbracht habe, merke ich heute, dass eigentlich alles andere auch üben ist. Also sei es, ein Album zu hören und sei es, eine neue Kompositionstechnik auszuchecken und am Klavier zu sitzen und irgendwelche Akkorde zu drücken. Ja, das ist die Kulturförderung könnte immer mehr sein, das muss man ganz klar sagen.

Die meisten Kulturgelder gehen in die Klassik immer noch. Und ein ganz kleiner Prozenteil geht nur in Jazz und Rock Pop. Das ist auch so ein bisschen so dieses Problem bei diesem Akademisieren vom Jazz, weil es ist halt eine Musik. Und eine Musik zu akademisieren, ist ja an sich schon mal irgendwie komisch eigentlich.

Für mich ist dieses Musikmachen, das ist halt so verbandelt mit allem. Es ist für mich eine Ausdrucksweise der Emotionen, der Gefühle, der Werte. Und das ist irgendwie so, hängt so zusammen mit anderen künstlerischen Ausdrucksformen. Und ich finde es fantastisch, wenn es da Überlappungen gibt. Ich finde es fantastisch, wenn man sich gegenseitig inspiriert.

Ja, und ich möchte, dass auch, dass das irgendwie Teil meiner Arbeit ist und wird.

On-Air in drei, zwei, herzlich willkommen bei Onair, dem Blasmusik-Podcast. Mein Name ist Sandy Schreck und ich treffe mich mit Dirigenten, Komponisten, Musikern und Visionären aus der Welt der Blasmusik. Wir sprechen über Ansichten, neue Ideen, das Leben und natürlich Musik. Hallo, herzlich willkommen bei einer neuen Folge von OnEard dem Blasmusik-Podcast.

Ich freue mich, dass ihr wieder eingeschaltet habt und als erstes möchte ich ein ganz, ganz dickes Dankeschön aus ganz, ganz dickes Dankeschön sagen. Dankeschön für vier Jahre Treue und Dankeschön, dass wir jetzt die 200.000er Marke geknackt haben. 200.000 Mal ist dieser Podcast jetzt schon gehört worden und das freut mich total, weil das heißt, dass ihr mich 200.000 Mal zu euch eingeladen habt.

Zum Sport machen, zum Putzen, zum Geschirr einräumen, vielleicht auch nur auf der Couch liegen. Und ihr habt eure Zeit mit mir verbracht. Das ehrt mich wirklich sehr und ich freue mich, dass dieser Podcast so gut angenommen wird und jetzt auch nochmal so rasant gewachsen ist. Und das liegt wirklich einfach nur an euch, die jede Woche, beziehungsweise jede zweite Woche einschalten, die Folgen teilen, mir folgt und das wäre hier die Möglichkeit für alle, die das nämlich noch nicht gemacht haben, einfach auf Abonnieren klicken.

Das hilft nämlich den Podcast größer zu machen. Dann sind wir relativ schnell vielleicht sogar dann auf den 300.000. Also wirklich nochmal ganz, ganz großes Dankeschön an euch, dass ihr diesen Podcast so wertschätzt und auch Zeit mit mir verbringen wollt. Bevor wir zu meinem heutigen Gast kommen, wie immer der Supporter, und das ist Buffet Gramp, wie in den letzten Jahren auch, und diesmal speziell der Clarymate aus dem Hause Buffy Grampant.

Und da geht es um die Klarinette, wie der Name Clarymate schon sagt, und um eine Neuerung, nämlich die Klarinette zu einem elektronischen Blasinstrument umzuwandeln. Was soll das sein? Dabei geht es um ein Gerät, das hochpräzise Sensoren verwendet und eine patentierte Notenerkennungstechnologie, um Blatt Atem und Fingersatz in digitale Signale zu übersetzen.

Damit kann ich natürlich auch lautlos, but, and dafure is for all the time, I can with a computer and clarimate verschiedene sounds digital gestalten and so with eighteen songs or violent stuff symphonic or a polka or a symphony with the clarinet and the clarimate aufnehmen. The clarinate passed off all B and A Clarinetten with Höhm System.

Kira Lynn is a Jazzsaxophonistin, genauer gesagt eine Bariton-Saxophonistin und war erst für den Deutschen Jazzpreis nominiert. Die Nähe zu Main, denn sie kommt aus Wiesbaden, hat uns ermöglicht, sich auch persönlich zu treffen. Und so haben wir das in einem Café aufgenommen. Und wir sprechen über die Jazz-Szene, über ihre Erfahrungen als junge Künstlerin in diesem Metier, wie wichtig solche Nominierungen sind und wo die Kunst sie noch hinführen soll.

Kira Lynn ist mit Sicherheit eine der spannendsten Nachwuchskünstlerinnen unserer Zeit. Und ich wünsche euch jetzt ganz viel Spaß hier im Blasmusik-Podcast. Meine heutige Gästin hat Jazzsaxophon und Jazzkomposition in Nürnberg und Basel studiert. Sie war unter anderem als Solistin mit Formationen wie dem Bundesjugend Jazz Orchester, der HR-Big Band und dem Swiss Jazz Orchestra unterwegs.

Ihre Konzerttätigkeit hat sie schon neben Europa auch nach Amerika, Südostasien and Südafrika geführt and konnte schon mit international namhaften Künstlern zusammenarbeiten. Seit 2016 ist sie die Bandleaderin ihrer Formation Lintett, für die in der Funktion als Bariton-Saxophonistin, Sängerin und Componistin auch tätig ist.

Three albums wurden bisher schon produziert und der Song Women to Sky from the last album, Illusion, was being diesjährigen Deutschen Jazzpreis in der Kategory Composition Arrangement of the Year nominated. Ich freue mich, dass sie heute hier ist. Herzlich willkommen, Keralin.

Dankeschön. Ich freue mich hier zu sein.

Hat alles gestimmt?

Alles hat gestimmt.

Sehr schön. Meine Standardfrage ist: Welches Musikstück hast du dir als letztes Mal bewusst angehört, bevor wir jetzt hier reden?

Also ich habe mir gerade auf dem Weg hierher, ich bin mit dem Otto gekommen, habe ich das Album, das neue Album von Michelle DeGocello gehört, The Omnicore Dreal Book. Sehr empfehlenswertes Album. Aber so das letzte Stück, was ich so bewusst gehört habe, oh, das ist ganz schwierig zu sagen. Ich kann es gar nicht genau sagen, um ehrlich zu sein.

Aber ein Album ist ja auch schon ein bisschen.

Ja, also das Album muss ich echt sagen, das liebe ich momentan sehr und das höre ich sehr rauf und runter. Okay.

Cool. Wir treffen uns ja heute, das ist Ausnahme, das habe ich nicht so oft, in Mainz, auch in einem Café, aber du kommst gebürtig aus Wiesbaden, lebst aber und arbeitest laut Homepage zwischen Köln und Basel.

Genau. Also ich würde sagen, mein Lebensmittelpunkt ist schon eher Köln mittlerweile. Ich habe immer noch sehr viele Connections nach Basel, weil ich dort mein Masterstudium gemacht habe. Und einige Bands, in denen ich spiele, die sitzen in der Schweiz im Prinzip. Und mein Partner lebt auch in der Schweiz.

Deswegen ist da noch so eine kleine Verbindung nach Basel da. Ja, aber mittlerweile eigentlich eher in Köln.

Okay. Die erste Frage, die, also meine Frau kriegt immer mit, wenn ich mich vorbereite. Und dann warst du die Frage, Keralin? Das klingt ein bisschen wie ein Künstlername.

Ja, haben meine Eltern gut gemacht, gell?

Ist aber klar.

Es ist kein Künstlername, nee. Also es ist wirklich mein Name.

Aber es klingt wirklich wie ein Künstlername. Ist cool. Wie kam generell Musik in dein Leben?

Also ich bin ein Bläserklassenkind, tatsächlich.

Tatsächlich?

Tatsächlich.

Wahnsinn.

Gibt es ja nicht so viele.

Nee, die dann so erfolgreich daraus kommen, das höre ich nicht so oft bis gar nicht. Deswegen finde ich das gerade ziemlich cool. Das muss ich meine Bläserklasse mal vorspielen. Ja.

Also es war wirklich so, dass ich bei einer, also meine Eltern haben Bekannte, wo die Tochter Saxophon gespielt hat und die war ein bisschen älter und ich fand das ganz, ganz toll. Und dann stand eben zur Debatte, dass ich in diese Bläserklasse gehen könnte in Wiesbaden im Gymnasium am Moosbacher Berg.

Und dann war für mich klar, ich möchte unbedingt Saxophon lernen. Und es musste natürlich auch das Größere der beiden sein, nämlich nicht Alt, sondern Tenorsaxophon. Weil mich einfach schon dieser tiefe, sanfte Klang total fasziniert hat.

Also es war wirklich der Klang nicht die Größe, weil ich erlebte so oft, dass es erstmal so Hauptsache groß ist.

Nee, es war wirklich so dieses Tiefere, das hat mir einfach super gut gefallen. Außerdem kam dann auch Stan Gatz in mein Leben. Mein Vater hat so einige wenige Jazzplatten zu Hause gehabt, unter anderem Bossa Nova, Stan Gatz Place Bossa Nova. Und ich fand den super cool und ich fand die Musik super cool und dieses Tenorsaxphon hat mich umgehauen und deswegen wollte ich auch unbedingt Tenorsaxphon lernen.

Und genau, habe dann in der Blazerklasse angefangen, Tenorsaxophon zu spielen. Und dann über die Schulbig Band, dann bin ich irgendwann aufs Barry gewechselt, weil wie es so oft in so Schulbigbands ist.

Keiner will es machen.

Keiner will es machen. Keiner ist auf dem Baritonsaxphon-Stuhl. Und dann hat mich mein Lehrer dazu so ein bisschen animiert und motiviert. Und am Anfang fand ich es auch gar nicht so cool, weil es eben sehr, sehr schwer war und für mich eher kleinere Personen noch ein bisschen zu schwer, aber dann habe ich es eigentlich lieben gelernt und habe auch gemerkt, dass man eigentlich als Baritonsaxophonistin die coolste Rolle in der Big Band hat.

Weil man eigentlich entweder irgendwelche Melodien doppelt vom Altsaxophon, das nennt man dann Double-Lead oder in der Bass-Funktion tätig ist mit Bassposaune und Kontrabass. Ja, das fand ich ganz ziemlich cool.

Mit welcher Musik bist du so groß geworden? Okay, einmal Sten Gerdz haben wir jetzt gehört, aber was liefst du noch zu Hause?

Zu Hause lief sonst eher Rockigeres, würde ich sagen. Also Police und die Purple, sowas. Aber dadurch, dass ich eben wirklich früh angefangen habe, Big Band zu spielen, war auch so die Big Band-Musik die Musik, die mich dann eigentlich zum Jazz gebracht hat. Count Basie und Duke Ellington, also wirklich so die ganz klassische Big Band-Literatur, das habe ich auch geliebt.

Gibt es da ein Stück, was dir noch in Erinnerung ist?

Ja, zum Beispiel The Queen Bee von Count Basie. Superschönes, also aber eigentlich alles. Also von Count Basie gibt es wirklich so viele fantastische Stücke, die mich einfach so zum Jazz gebracht haben. Also ich kam wirklich so über diese Big Band-Welt, in die Jazzwelt eigentlich. Und es hat sich dann immer weiter geöffnet und dann irgendwann kam natürlich Gary Mulligan, kam dann mir über den Weg, auch natürlich durch meinen damaligen Saxophon-Lehrer, wo man dann auch ja nicht nur Big Band-Musik dann zugespielt bekommen hat, sondern eben auch kleinere Besetzungen.

Und als Baritonsaxophonist kommt man um Gary Mulligan auch nicht rum. Und der hat mir auch eigentlich so ein bisschen die Welt geöffnet zu Baritonsaxophon als Soloinstrument. Also weil sonst ist es ja schon immer sehr verankert in dieser Bigband-Welt. Und durch Gary Mulligan wurde mir dann klar, okay, ich kann das auch als Soloinstrument spielen.

Und als dann irgendwann die Frage auf mich zukam, mache ich das jetzt, studiere ich jetzt wirklich Musik, Jazzmusik und Saxophon, dann war für mich klar, okay, wenn, dann bleibe ich beim Barit und Saxophon, weil das war für mich dann irgendwie mein Instrument, wo ich mich am wohlsten drauf gefühlt habe.

Bevor wir zum Studium kommen, wie war die Schulzeit, wenn man so in so einer. Ja, wenn man Musik hört, die vielleicht jetzt nicht Musik ist, die nicht die ist, die alle anderen hören.

Also bei mir war das so ein zweite Community aufgetan, dadurch, dass ich nicht nur in der Schulbig Band am Moosbacher Berg gespielt habe, sondern auch noch in der Rüsselsheimer Schulbig Band bei den IKS Swing Kids, die ja einfach, es war eine wirklich, wirklich gute Big Band für eine Schulbig Band und wir haben auch an so Wettbewerben teilgenommen.

Ich glaube, ich mach die heute immer noch. Die heute immer noch, ja. Gibt's immer noch. Und auch die beiden, die das geleitet haben, teilweise immer noch leiten, sind wirklich fantastische Musiker, die mir ganz, ganz viel mit auf den Weg gegeben haben. Und andere, die mit mir in dieser Schulbig Band waren, studieren, haben auch Jazz studiert und sind auch heute fantastische Musiker und Musikerinnen.

Und da war tatsächlich so ein gemeinsames Interesse für diese Musik da in dieser Big Band. Das heißt, für mich war es eigentlich jetzt das eine war meine Schule und meine Schulbig Band und mein Freundeskreis da. Und dann gab es aber noch einen anderen Freundeskreis und eine andere Schulbig Band eben in Rüsselsheim, in der ich auch mitgespielt habe.

Und da war diese Jazzmusik, das hat total die Community mit sich gebracht, weil andere Menschen auch interessiert waren an der Musik. Und man hat sich dann getroffen und sich Songs geschickt und Big Band-Tunes geschickt und gemeinsam diese Musik gehört. Deswegen, es ist eigentlich sehr, sehr untypisch, würde ich sagen.

Aber ich war wirklich glücklicherweise Teil von dieser ganz besonderen Besetzung, wo wirklich, ich glaube, fünf, sechs MusikerInnen aus dieser Schule-Band rausgegangen ist, was ja wirklich nicht normal ist, sag ich mal.

Wann kam dann für dich die Entscheidung zu sagen, okay, ich will das beruflich machen?

Also ich bin dann auch ins Landesjugend Jazzorchester eingetreten. Mit, ich glaube, 16 war ich schon so in dieser Juniorband und dann irgendwann auch im richtigen Landesjung Jazzorchester. Und da bin ich das erste Mal so in Berührung gekommen, auch mit anderen, die das halt studieren. Da wurde mir das dann so klar, ah krass, man kann Jazzsaxophon studieren, mega cool.

Und ja, ich habe das einfach geliebt. Und es war einfach ein großes Hobby, was ich dann glücklicherweise zu meinem Beruf machen durfte. Und ja, ich wollte das dann unbedingt studieren.

War dir damals schon klar, was es dann eigentlich heißt, Musikerin zu sein, beziehungsweise Jazzmusikerin?

Nein, ich würde sagen, nein. Also ich glaube, ich bin ziemlich blauäugig in das Ganze reingegangen, auch weil meine, ja. Und ich glaube auch, weil meine Eltern nicht wirklich was mit Musik zu tun haben. Also, die haben das immer unterstützt, wo ich ihnen mega dankbar für bin, haben mich immer zu irgendwelchen Proben gefahren.

Aber was es bedeutet, Jazzmusikerin zu sein, das war denen auch nicht klar. Und mir auch nicht. Und es ging ja in den ersten Bachelorjahren dann auch erstmal wirklich nur darum, dieses Instrument zu üben und sich weiterzuentwickeln, musikalisch. Und was eigentlich das dann alles noch so mit sich bringt, also eine eigene Band und Selbstvermarktung und Finanzpläne schreiben, um irgendwelche CD-Produktionen zu finanzieren.

Das kam, so, ich sag mal, Learning by Doing, weil ich dann gemerkt habe, okay, ich habe jetzt Lust, eine CD aufzunehmen, aber wie finanziere ich das Ganze eigentlich? Wo kommt das Geld eigentlich her? Und wer macht eigentlich meine Konzerte aus? Ah, das muss ich ja selber machen.

Man wird es ja nicht vorbereitet, gell?

Man wird nicht so richtig vorbereitet, muss ich sagen.

Ja, das ist schade. Also es war bei uns schon so und ich habe das da immer schon mitbekommen. Aber dass das heute immer noch so ist, dass es eigentlich nur darum geht, dass man gut spielt, finde ich ein bisschen schade, weil ja eigentlich muss den Hochschulen ja auch klar sein, irgendwie müssen diese Menschen ja auch überleben am Schluss.

Also gerade beim Jazz finde ich es dann noch schwieriger, beim Orchestermusiker ist ja zumindest klar, okay, der angestrebte Weg ist, in einem sicheren Orchester zu setzen. Das gibt es bei euch Jazzern ja nicht, so viele Rundfunk-Bigbands gibt es nicht mehr.

Genau, man kann auch nicht davon ausgehen, dass man einen Platz da drin bekommt.

Also müsste da ja noch viel mehr eigentlich der Fokus drauf sein, okay, wie schaffe ich ein, wie schaffe ich mein Profil, wie bringe ich mich an den Mann, wie vermarkte ich mich? Du war das keinen, der dir da geholfen hat?

Erstmal nicht. Also es war wirklich, ich muss auch dazu sagen, ich habe, also was ich noch studiert habe, ist, ich habe so eine künstlerisch-pädagogische Ausbildung gemacht. Das heißt, die Möglichkeit zu unterrichten, wäre immer gegeben. Da hat die Hochschule schon darauf geachtet, dass, ja, wenn man Ambitionen hätte, Musiklehrer oder Lehrerin zu werden, dass man eine Ausbildung hat.

Aber diese, ja, wie du gesagt hast, was es bedeutet, ein Album rauszubringen, das hat man eigentlich in der Hochschule nicht so wirklich gelernt. Es gab nicht irgendwelche Businesskurse. Und ich bin da wirklich eigentlich wie ins kalte Wasser gesprungen und dann mit jedem Schritt, den ich gegangen bin, habe ich immer mehr gelernt.

Und dann auch natürlich Leute ausgefragt. Also ja, rumgefragt, wie, hey, wie machst du das denn eigentlich? Oder es gab dann auch mal ein paar Business-Kurse bei uns an der, also in Nürnberg zumindest an der Hochschule, aber ich weiß nicht, ob die mir wirklich was gebracht haben, muss ich ehrlich sagen.

Und es kommt ja auch immer drauf an, in welchem Mindset man ist. Also es gibt so viele Studierenden, die dann, die Hälfte möchte wirklich diesen MusiklehrerInnen-Weg gehen. Andere sind vielleicht als Sideman, Sidewoman unterwegs und dann gibt es eine Handvoll, die halt wirklich ihr eigenes Projekt durchbringen wollen und ja, da dann irgendwie auch von der Hochschulseite aus jetzt jedem das zu geben, was er braucht, ist vielleicht auch nicht ein, ist nicht ganz einfach, ja.

Aber also bei mir war es wirklich so ein Learning by Doing.

Wären es Optionen für dich zu unterrichten oder als Sidewoman irgendwo mitzutun?

Ja, auf jeden Fall. Also ich spiele ja auch immer noch viel als Sidewoman. Also ich spiele immer noch viel Big Band-Musik, bin immer noch viel auch unterwegs als Sidewoman, wenn man so möchte. Was ich auch liebe, weil man dann auch Verantwortung abgeben kann.

Auch was für sich, ja.

Auch was für sich, ja, genau. Nichtsdestotrotz am allermeisten liebe ich es natürlich mit meiner Musik und mit meiner Gruppe auf der Bühne zu stehen.

Und unterrichten, wäre das was?

Kann ich mir auch gut vorstellen. Also ich glaube momentan, also ich momentan unterrichte ich nicht. Das habe ich aber auch bewusst so entschieden. Ich möchte momentan eigentlich einfach so viel spielen und so viel in meine Karriere, wenn man es so sagen will, stecken. Solange ich auch noch keine Kinder habe und noch nicht so an die Familie denken muss und eigentlich nur mich selber finanzieren muss.

Aber grundsätzlich kann ich mir gut vorstellen zu unterrichten. Ich gebe jetzt zum Beispiel auch einen Workshop im Oktober in Frankfurt für musikinteressierte Flinterpersonen. Also sowas finde ich toll, wenn sich auch, ja, wenn sich junge Leute wirklich für die Musik interessieren. Ich muss halt sagen, was ich, glaube ich, momentan auf jeden Fall nicht so gerne machen will, ist einem Kind zu erklären, wie man ein Saxophon zusammenbaut.

Weil das hat so wenig mit Musik zu tun. Ich möchte es gar nicht schlechtreden, weil es gibt Leute, die das prima und machen.

Und die brauchen wir ja auch, damit du da auch nicht mehr so gut sagen.

Das ist eine ganz, ganz wichtige Arbeit, aber ich merke einfach für mich persönlich, dass ich das momentan nicht so in mein Leben integrieren möchte. Vielleicht aber komme ich an einen Punkt irgendwann, wo ich dann auch an der Musikschule unterrichte.

Wie würdest du deine Studienjahre rückblickend beschreiben?

Ich muss sagen, es gibt einen großen Unterschied zwischen meinem Studium in Nürnberg und meinem Studium in Basel. In Nürnberg war ich ja wirklich ganz, ganz neu in dieser Welt. Also alles war wahnsinnig aufregend und ich habe unglaublich viel lernen dürfen bei wirklich fantastischen Dozenten. Ich bin auch ganz, ganz dankbar, was ich bei Steffen Schorn, das ein Barito-Saxphonist gelernt habe und auch bei Klaus Graf und Stefan Karl Schmidt.

Nichtsdestotrotz muss ich sagen, rückblickend, dass die Hochschule in Nürnberg schon eher, ich finde engstirnig ist so ein fieses Wort, aber es war schon sehr, also die Straight-ahead-Welt war sehr groß geschrieben in Nürnberg. Und mit meinem Wechsel nach Basel hat sich für mich sehr viel geöffnet, musikalisch wie auch menschlich.

Und es hat mir die Augen und die Ohren geöffnet eigentlich. Ich habe bemerkt, dass es auch andere Musikgenres gibt, die man gut mit Jazz fusionieren kann. Es hat mir, ich wurde sehr viel supported, meine eigene Musik zu machen und nicht so viel in dieser Standardwelt unterwegs zu sein, was glaube ich eine gute Grundlage ist.

Und man muss ja auch, wenn man, ich meine, da kommen wir jetzt an ein ganz anderes Thema, wenn man Jazz irgendwie akademisiert, muss man natürlich vielleicht auch irgendwelche Grundsätze schaffen und so, aber mir hat so Nürnberg so ein bisschen so diese kreative Welt gefehlt von Inspiration, was es noch alles gibt.

Liegt das an der Stadt, dass der Franke an sich vielleicht ein bisschen ich darf so sagen, ich bin unter Franke, dass der Franke an sich ein bisschen engstimmiger ist und die Schweizer irgendwie. Ich war nie in Basel, glaube ich. Oder wenn da schon so ewig ist. Deswegen weiß ich nicht, wie da die Stadt so tickt.

Aber ich finde zum Beispiel, wenn ich in Köln bin oder auch in Hamburg, habe ich so das Gefühl, die Stadt lebt mir. Hamburg hat ja auch eine gute Jazzszene. Da habe ich das Gefühl, das spüre ich. In Nürnberg jetzt weiß ich jetzt nicht.

Also ich finde es schwierig zu sagen, weil es kommen natürlich doch zum Studium immer viele Leute nicht aus Unterfranken, also es kommen ja die von überall her so. Ich glaube, mit was es auf jeden Fall zu tun hat, ist, dass Basel ist eine sehr internationale Schule. Also es kamen sehr viele Leute aus ganz Europa, auch aus Südamerika und die Dozenten, die DozentInnen auch.

Also viele Amerikaner, also die haben mal, also die Basler Hochschule hatte sehr viel, hat sehr viel Geld und kann sehr vizenten auch aus New York und so holen, was super cool ist. Ja, und aber die Mitstudierenden, durch diese Internationalität und diese verschiedenen Kulturen, die aufeinandertreffen, ja, gibt es irgendwie so was Vibrierendes, was Spannendes, mit dem man das einen inspiriert und man tauscht sich aus, man schickt sich Songs, wie es halt so ist, wenn man studiert.

Und ich glaube, ja, Nürnberg war schon wirklich sehr viel straight ahead. Und ich glaube, es lag auch so ein bisschen natürlich an den Dozierenden, die halt auch eher ihre Stärken in dieser Musikwelt sehen. Und das ist dann ja auch vollkommen in Ordnung, wenn sie das an ihren Studierenden weitergeben.

Aber für mich persönlich habe ich einfach gemerkt, es war ein guter Schritt für mich, dass ich da weg bin. Auch was vielleicht auch dazu kommt, ich war halt die einzige Frau, die Saxophon studiert hat. Also ich war nur unter Männern. In Basel gab es dann auch ein paar mehr weibliche Instrumentalistinnen, was mir irgendwie gut getan hat.

Aber das sind ja so Dinge, die merkt man dann erst im Nachhinein. Während man da drin ist, ist man halt am Machen und Tun und am Studieren. Und wenn man jetzt so rückblickend auf die Zeit guckt, dann merke ich auch immer wieder, dass es eigentlich krass ist, dass ich nie so richtig weibliche Vorbilder hatte.

Oder so Gleichgesinnte auch. Und das war dann in Basel auch anders und es hat mir auch sehr gut getan.

Zu den weiblichen Vorbildern will ich später noch kommen. Ich stehe nämlich auf meinem Zettel. Bleiben wir erst nochmal beim Studieren oder beim Spielen an sich. Wie sieht dein Üben heute aus?

Ganz unterschiedlich. Während ich früher viel Zeit am Instrument verbracht habe, merke ich heute, dass eigentlich alles andere auch üben ist. Also sei es ein Album zu hören und sei es eine neue Kompositionstechnik auszuchecken und am Klavier zu sitzen und irgendwelche Akkorde zu drücken. Ja, oder sei es auf Konzerte gehen oder mit Leuten sich verabreden und eigene Stücke ausprobieren zu spielen.

Ich habe das Gefühl, alles bringt einen irgendwie weiter. Und sei es auch, wenn ich mal in ein Museum gehe und mir Bilder anschaue und mich dadurch irgendwie energetisiert und inspiriert fühle. Und ich bin voll dankbar darüber, dass ich diese Erkenntnis mittlerweile habe, weil früher war ich schon eher so ein bisschen verbissener am Üben, weil man auch so durch die DozentInnen vorgegeben bekommt, du musst jetzt noch die Skala üben und du musst jetzt noch die und die Dreiklänge üben oder wie auch immer.

Und heutzutage ist es wirklich ein viel freieres Spielen.

Aber vielleicht, weil du die Grundlagenarbeit schon gemacht hast.

Vielleicht, ja, das kann natürlich sein. Das kann natürlich sein. Aber für mich ist es auf jeden Fall üben, ist für mich eigentlich momentan einfach Spaß am Instrument haben.

Gibt es irgendwie so Routineübungen, die du machst? Ja, ja.

Schon. Also Sound, ich mache ziemlich viele Soundübungen, einfach Töne aushalten, manchmal mit dem Stimmgerät, manchmal zu einer Drohne. Natürlich gibt es auch manchmal so ein bisschen Techniksachen. Gerade wenn man irgendwie dann lange keine Zeit hatte zu üben und sich nicht so richtig wohl fühlt und dann will man wieder so ein bisschen einfach so die Fingerfertigkeit erlangen, dann gibt es natürlich auch so Technikübungen oder so, was ich mache.

Aber für mich ist es wirklich so, ich möchte immer, wenn ich an meinem Instrument bin, Spaß am Instrument haben und nicht in dieses disziplinäre Üben verfallen, sondern es soll immer Spaß machen.

Was machst du, wenn du einen Tag hast, wo du merkst, boah, heute nicht, dann legst du es weg?

Dann lege ich es weg, aber ich glaube, für mich ist auch so das Saxophon einfach so das Mittel, um Musik zu machen. Und für mich ist dieses Musik schaffen und komponieren und das ist für mich super wichtig. Also es gibt Tage, da übe ich natürlich auch nicht, aber dann mache ich trotzdem irgendwie Musik.

Dann sitze ich irgendwie an meinem Klavier und schreibe ein neues Stück oder probiere irgendwas mit Ableton zu produzieren zum Beispiel. Hör irgendein Stück raus, muss auch gar kein Jazzstück sein, kann irgendein Poptune sein und singe mit und sitze am Klavier und hab einfach Spaß beim Musik machen.

Okay. Also ist das quasi so, weil wir haben ja, oder ich hab viele, viele Amateurmusiker als Hörer und Hörerin. Quasi dein Tipp, versuchen immer Üben so vielfältig zu gestalten, dass man Spaß hat?

Ja, weil ich glaube, mit Spaß lernt der Mensch viel mehr als ohne. Ich glaube auch, das ist ja bei Kindern auch so, wenn die Spaß haben, irgendwas zu machen, dann machen sie es gut und lernen viel schneller. Und das, glaube ich, ist bei uns Älteren auch so. Wenn man Spaß bei einer Sache hat, dann geht das viel besser in den Kopf rein.

Hattest du in der Blätterklasse immer Spaß?

Ich glaube schon. Also es war auch eine große Herausforderung, weil wenn man so. Das klingt, also wenn man, das ist auch, muss man auch dazu sagen, wenn man sich das jetzt anhören würde, ist natürlich schon eher eine, ja, krass für die Ohren auf jeden Fall. Aber ja, ich glaube, ich war einfach fasziniert von diesem Instrument und für mich ist es auch immer so dieses gemeinsame Musik machen, das war einfach super cool.

Und wenn dann so ein Klangkörper da halt ist, mit irgendwie 30 Kindern, die Musik machen, ist schon cool, wenn man einen Teil davon ist. Also ich habe das irgendwie gut in meiner Erinnerung drin und wenn ich jetzt aber so überlege, meine Eltern, die waren wirklich so super süß und immer mitgekommen auf irgendwelche Konzerte und haben sich das dann auch angehört, dann denke ich mir so, oh Gott, was die sich da angehört haben.

Aber wenn das eigene Kind drin sitzt, ist man glaube ich so stolz.

Das glaube ich nochmal anders irgendwie, ja. Wenn du jetzt einen Workshop geben würdest und du darfst eine wichtige Übung den Teilnehmern und Teilnehmerinnen mitgeben, welche wäre das?

In Bezug auf Saxophon spielen. Also ich würde irgendwas mit Improvisation machen, was ganz, ganz Einfaches. Fünf Töne, eine Pentatonik oder sowas nehmen. Es kommt auch immer drauf an, wie weit natürlich diejenigen sind, die den Workshop belegen, aber wenn es jetzt wirklich ImprovisationsanfängerInnen sind, würde ich, glaube ich, Pentatonik nehmen, irgendeinen, entweder auf dem Klavier eine Begleitung spielen oder irgendwas anmachen, was begleitet irgendeinen Play-along oder so und mit den Leuten spielen.

Weil ich glaube, das ist so, ja, das ist so was Magisches, was wir machen können. Wir können mit unserem Instrument sprechen, wir können Geschichten erzählen. Und das ist, glaube ich, ja, und auch, und selbst wenn sie schon ein bisschen versierter sind, wir waren jetzt, also wir waren letztes Jahr in Südostasien auf Tour mit meiner Band und wir haben Workshops gegeben.

Und da war wirklich von bis, also Studierende, die gerade am Anfang standen von Improvisation und Studierende, die schon echt gut spielen konnten. Wir haben mit allen die gleiche Übung gemacht, nämlich so ein bisschen dieses Kommunikation innerhalb der Band. Also ich spiele was und jemand anderes reagiert darauf.

Und das ist ja irgendwie das Interessante an dieser Musik, die wir machen, dieses Jazz, dieses gemeinsame Musizieren und aufeinander reagieren und miteinander kommunizieren. So eine Übung würde ich machen.

Wie nimmst du jemanden, der sagt, okay, ich hab dazu. Ich habe das noch nie gemacht. Mich interessiert es aber, ich möchte da hinkommen. Aber ich habe Angst. Ich habe Angst, mich zu verspielen. Ich kenne das nicht ohne Noten irgendwas zu machen. Wie nimmst du jemanden, die Angst und sagst, probier?

Also ich glaube, ich würde gute Frage. Also ich würde auf jeden Fall versuchen, auch durch Worte dem oder derjenigen die Angst zu nehmen, zu sagen, hey, ist okay, Fehler machen ist gut, weil aus den Fehlern können wir lernen. Und vielleicht, wenn man ihnen kleine, dann kleine Tools an die Hand gibt, also erstmal wirklich nur diese, den Tonumfang super beschränken, von mir aus mit einem Ton verschiedene Rhythmen ausprobieren, zum Beispiel, was vor, was nachmachen, sodass man so eine Sicherheit gibt.

Was ich vermeiden würde, wäre zum Beispiel dieses typische Zeigen, was man kann, also dass man davon irgendwie wegkommt. Weil das war für mich auch als Studentin immer schwierig, wenn ich dann bei einem Workshop war und dann kamen irgendwelche Amis und dann wurde ein Rhythm Change aufgelegt und dann hat erstmal der drüber gespielt und der drüber gespielt.

Und es war wirklich so ein Vergleich, wer kann jetzt besser und schneller und höher und so spielen und davon weggehen, wirklich. Einfach ganz weit runterbrechen und einfach versuchen, einen Klang zu erzeugen, einen schönen Klang, eine Schönheit zu erzeugen. Und auch durch Worte, die Angst nehmen.

Ich kenne das von Jasser noch aus meinem Studium so, dass dann, wie du schon sagst, dann wird die Skala geübt, dann wird die Skala geübt, dann wird über die Verbindung geübt, zu improvisieren, dann wird das Solo rausgeschrieben und so, um quasi Vokabular in die Hand zu kriegen, seine eigene Sprache zu finden.

Wie schafft man es in all der Zeit, trotzdem, wenn du nicht mehr nur im Studium bist, diese Sprache weiterzuentwickeln? Also schreibst du noch viel raus? Hörst du dir noch wirklich viel an oder ist man dann so in seinem Ding drin, dass man dafür gar nicht mehr so viel Zeit hat?

Ich glaube, bei mir momentan ist es so, dass ich, dass sich einfach meine Hörgewohnheit über die letzten vier Jahre sehr geändert hat, weil ich früher wirklich sehr viel Jazz-Jazz gehört habe und momentan höre ich sehr viel Popmusik. Und woher kommt's? Kann ich auch nicht so richtig sagen, aber man verändert sich ja.

Und die Hörgewohnheit verändert sich auch. Ich glaube, durch die Corona-Zeit habe ich angefangen, da habe ich angefangen, viel Popmusik zu hören und eben auch mit Ableton rumzuexperimentieren und irgendwelche Beats zu produzieren oder sowas. Ich höre schon Sachen raus. Bei mir hat sich das aber sehr geändert.

Ich höre zum Beispiel momentan viele Schlagzeug-Groovs raus. Was man ja nie macht als Saxophonistin eigentlich.

Als Melodiespiele.

Und das ist super spannend für mich, weil ich merke, das Rhythmus ist mir so wichtig. Und Rhythmus soll auch in meiner Musik wichtig sein. Und ich habe dann immer mehr auch angefangen, zum Beispiel dem Drummer in meiner Band auch wirklich Grooves aufzuschreiben. Das habe ich früher nie gemacht.

Aber merkst du ja auch bei deinen Improvisationen, dass Rhythmus eine größere Rolle gespielt jetzt mittlerweile?

Ich glaube schon. Ja, das ist ja, das geht dann ja auch so ins Winterbewusstsein irgendwann auf. Aber also zu deiner Frage zurückzukommen, dass ich einen Solo wirklich transkribiert habe, ist schon länger her, würde ich sagen. Dann mal irgendwie eher Phrasen. Also dann höre ich irgendwas und dann denke ich, oh, super coole Phrase, schreibe ich mir die mal kurz raus.

Und dann spiele ich die und dann kann man natürlich so Dinge machen, die durch alle Tonarten üben, bla bla bla, aber muss man auch nicht. Also einfach nur eine Phrase zu haben, die einem total gut gefällt, ist ja schon super viel wert. Und dann eben dieses Raushören von Drumgroovs oder Raushören von Poptunes, wie viele, also ich höre mir eben, ich höre viel produzierte Musik momentan auch und dann geht es auch viel darum, so die Ohren darauf zu schulen, nicht nur auf dieses, was wir im Studium so viel lernen, nämlich Melodie und Harmonie, sondern eben Rhythmus und dann diese ganzen verschiedenen Layering, also die ganzen verschiedenen Sounds, die benutzt werden.

Was kommt da noch dazu? Und spielt es jetzt, was spielt der Synthesizer und was spielt der, also so diese Bandstrukturen mehr raushören.

Hörst du dann auch auf die Produktionsweise, also so welcher Raum wird genutzt? Also Wahlraum und so.

Ja, also das ist für mich tatsächlich noch so ein ganzes Neuland und ich steige da jetzt immer mehr ein und ich finde es super spannend. Und ich bin momentan eher noch so beim Musikalischen und nicht so, wie es produziert ist. Aber ja, das spielt ja dann auch irgendwie mit da rein. Man merkt, das gefällt mir so von der Produktion her besser und das gefällt mir weniger gut und ja.

Was gibt es da für Künstler oder Künstlerinnen, die dich jetzt gerade ansprechen?

Also ich liebe Billy Eilisch. Okay. Ich liebe Emily Nicholas, ist eine norwegische Sängerin.

Okay, sagt mir nix.

Ja, weil man sich auch schon so zum Beispiel das Michelle Degocello-Album anhört, ist ja eine Bassistin und Sängerin und das ist auch schon voll krass produziert. Ja, Bonny Ware, ich liebe Bonny Ver. Das sind so gerade momentan meine Sachen, die ich auch dann versuche rauszuhören und wo ich, das mich sehr inspiriert und was mich auch so inspiriert, meine Musik dann zu schreiben.

Wie kam das Komponieren bei dir dazu? Du hast das ja dann auch studiert.

Ich habe es auch studiert, genau. Also eigentlich, wie ich vorhin schon gesagt habe, für mich ist so dieses Saxophon einfach so ein Mittel, um Musik auszudrücken. Ich glaube, für mich war schon immer so Musik einfach wichtig im Generellen. Und gar nicht so spezifisch. Hätte ich jetzt als Kind vielleicht eine Posaune in die Hand bekommen, wäre ich vielleicht besonders drin geworden.

Ich weiß es nicht. Es war jetzt nie so, dass ich mir so gedacht habe, okay, es muss Saxophone sein. Es war mehr so, es muss Musik sein.

Warst du ein schüchternes Kind?

Boah, das ist ja schwierig zu sagen. Von sich selber. Weiß ich ja nicht. Ich glaube nicht so. Ich war jetzt nicht so ein Schicht.

Also manchmal ist es ja so, das schüchternde Kind, das irgendwie irgendwas sucht, um sich ausdrücken zu dürfen zu können.

Nee, ich glaube, das war jetzt nicht bei mir das Problem. Also Komposition. Ja. Dann war ich, genau, dann habe ich angefangen, eigentlich im Studium in Nürnberg gab es eine super coole Reihe, nämlich Young Lions on Jazz, wo man einfach sich nur anmelden musste und man konnte mit seinem Projekt auf die Bühne gehen.

Super coole Möglichkeit für alle jungen Leute, die noch nie eine Band gegründet haben, eine Band zu gründen und bei diesem Festival zu spielen. Und da habe ich dann für einen Sextett, für das Sextet, was jetzt immer noch existiert, ein Programm geschrieben, sechs Stücke. Das ist auch eine coole Länge, weil man muss erstmal nur ein Set präsentieren muss.

Und ich glaube, ich habe schon immer gerne, ich hatte auch mal eine Zeit lang Klavierunterricht und ich habe immer gerne am Klavier gesessen und was ich immer mega toll fand früher war, so Filmkomponistin zu sein.

Aber warst du klassisches Klavier oder auch da schon ein bisschen Klar?

Ich habe klassisches Klavier gehabt, mal eine Zeit lang Unterricht und aber auch Jazzklavier hatte ich auch mal eine Zeit lang unterrichtet. Also als ich noch in der Schule war. Und dann habe ich, fand ich Filmmusik immer ganz, ganz toll früher und habe dann mir so gedacht, es wäre eigentlich voll cool, so Filmkomponistin zu werden.

Und also dieses Komponieren, das war, glaube ich, schon immer so da in mir. Oder dieses, ich möchte mich gern irgendwie ausdrücken. Und ja, dann habe ich, da bin ich auch mega ins kalte Wasser gesprungen, habe einfach sechs Stücke komponiert.

Macht man ja einfach mal so.

Macht man einfach so. Natürlich auch mit Hilfe meinen Lehrern gezeigt und die haben mich da auch dann support und konnten mir natürlich super viel Input geben. Und dann haben wir das aufgeführt und dann natürlich hat sich da noch viel geändert, auch so im Prozess. Und dann haben wir eine Woche lang ein Festival gespielt, wo man jeden Abend spielen konnte, auch in Nürnberg.

Zikaden heißt das, auch eine super coole Mission.

Also doch nicht so schlecht, Nürnberg.

Nicht so schlecht, nee. Also ich will es auch gar nicht schlecht machen, wirklich nicht. Ich habe das schon richtig verstanden. Es war eine super gute Zeit für mich. Und es war, glaube ich, wichtig, dass ich da war, aber es war auch wichtig, dass ich weggegangen bin.

Ich wollte nur das jetzt gerade nochmal relativieren, weil ich vorhin noch gesagt habe, die Fragen sind vielleicht ein bisschen engsändig, wenn es aber so Festivals gibt, ist das ja zu viel.

Genau, nee, es gibt einfach, es gibt Möglichkeiten, auf jeden Fall. Gerade für junge, neu ankommende MusikerInnen, die sich ausprobieren wollen. Also es ist schon cool. Da haben wir dann sieben Tage am Stück dieses Programm gespielt und dann habe ich mir so gedacht, okay, eigentlich müssen wir das jetzt aufnehmen.

Und es war dann die erste Platte.

Okay. Verschiedene Fragen dazu gleich. Wieso die Besetzung? Also war das die Besetzung, die ihr jetzt auch habt?

Also das hat sich ein bisschen geändert, muss ich sagen. Also am Anfang war es Baritonsaxophon, Tönorsaxophon, Altsaxophon, Klavier, Kontraboss, Schlagzeug. Sextet. Mittlerweile, dadurch, dass wir jetzt mit dem letzten Album ja auch eher in so eine elektronische Richtung gegangen sind und uns so stilistisch in ein bisschen in eine andere Richtung bewegt haben.

Der Drummer spielt auch E-Drums and der Bassist spielt E-Bass.

Sind das die gleichen Mitglieder noch wie am Anfang?

Nicht ganz. Beim Bassist gab es ein paar Änderungen. Okay.

Weil die müssen ja den musikalischen Weg mitgehen wollen. Gerade als Drummer weiß ich nicht, ob da jeder Bock hat, dann plötzlich E-Drums zu spielen.

Voll. Das Gute war so ein bisschen, dass sowohl der Pianist als auch der Drummer eine große Pop in die Vergangenheit haben. Dann ist natürlich gut gepasst eigentlich. Ja, genau, deswegen. Also dass diese akustische, dieses akustische Sextett war so die Anfangs- die Anfangs-Band und Aberum drei Saxophone?

Weil es tatsächlich in Nürnberg nicht wirklich TrompeterInnen und PosaunistInnen gab.

Okay, also quasi aus der Not raus eigentlich was geboren, was du.

Es war, also klar, die Möglichkeit war begrenzt für mich. Nichtsdestotrotz für Saxophone schreiben fällt mir natürlich total leicht, weil ich selber Saxophon spiele. Und ich genau weiß, was gut wo klingt. Die Saxophone mischen sich schon an sich gut, weil es gleich Instrumentenfamilie ist. Und ich wollte halt unbedingt eine größere Besetzung haben, weil ich halt aus diesem Big Band-Kontext kam, weil ich aus diesem größeren Besetzungskontext kam, konnte ich mir nicht vorstellen, im Quartett zu spielen.

Zum Beispiel, es sollte irgendwie eine größere Besetzung sein mit sechs Leuten.

Okay. Ich habe mal rausgeschrieben, also ich habe ja am Anfang schon gesagt, dass durch das letzte Album und auch der eine Song beim Deutschen Jazzpreis jetzt nominiert war. Und auf der Homepage steht so schön über das Album Jazz, also dass es zwischen Jazz über Pop hin bis zu Indie und Elektro, Neosoul und RB oder irgendwo zwischen authentischem Jazzgestus, Neosoul-Romantik und latent ihrem Nintendo-Pop sei.

Jetzt kommt erstmal die erste Frage. Was ist Jazz für dich?

Gute Frage. Ja, Jazz ist ja mittlerweile eigentlich alles. Also ich finde es sowieso sehr, sehr schwierig, Musik in Genre zu drücken. Mir fällt es auch, wie du jetzt die Beschreibung vorgelesen hast, schwer, meine eigene Musik in ein Genre zu drücken, weil es ist. Klingt so, ja? Ja, weil es halt wirklich in so viele anderen Genres inspiriert is.

Und es ist einfach, ich dann meine eigene Sache daraus mache. Für mich ist Jazz eigentlich improvisierte Musik. Also es hat einen Teil an Improvisation. Ich glaube, das würde ich als Jazz bezeichnen, ganz grob.

Aber gibt es das nicht in der neuen Musik, also im klassischen Bereich nicht auch schon?

Ja, gibt's und es gibt es auch in der Barockmusik. Also aber Jazz, wie man ihn halt, ich meine, Jazz ist ja sowieso so ein Begriff, der auch kritisch hinterfragt wird mittlerweile, weil die Weißen kamen und haben den Begriff Jazz auf die schwarze Musik sozusagen draufgedrückt. Es gibt viele Leute, die sagen Black American Music, Black American Music ist aber auch Hip-Hop oder Rap.

Also du siehst schon, diese Genrefragen sind wirklich sehr, sehr schwierig. Und ja, eigentlich sollte man ja man muss es natürlich versuchen in Genres zu pressen, auch damit Leute wissen, auf was sie sich einlassen.

Genau, also ich glaube, zum Vermarkten muss es leider, glaube ich, sein, zumindest wenn es dann um Live-Konzerte geht, damit jeder weiß, okay, da kommt jetzt kein Hip-Hopper um die Ecke, sondern da steht jemand mit einem Saxophon und singt halt vielleicht. Apropos Singen, warum?

Das kam auch durch die Corona-Zeit so hinzu, durch meinen Wandel, den ich den meine Hörgewohnheit genommen hat. Also dadurch, dass ich viel Popmusik gehört habe, wo sehr viele SängerInnen Teil davon waren. Und ich gemerkt habe, ich sing mega gerne eigentlich. Und ich habe das noch nie, ich habe mich noch nie getraut, das auf einer Bühne zu machen.

Es war für mich wirklich ein großes Neuland. Und auch Text zum Beispiel habe ich mich auch früher nicht so viel beschäftigt gehabt mit. Und es kommt jetzt auch immer mehr dazu, dass ich Texte schreibe, Texte lese, Gedichte lese. Und es ist einfach so eine schöne, weitere Ausdrucksform, finde ich.

Okay. Wie wichtig sind so Nominierungen wie zum Deutschen Jazzpreis in der heutigen Zeit?

Also mir persönlich hat es natürlich einen großen energetischen Schub gegeben, weil ich das Gefühl habe, meine Arbeit wird anerkannt. Ich werde in der Jazzwelt wahrgenommen, was mich total gefreut hat, weil ich habe wirklich so unglaublich viel Arbeit in mein Projekt gesteckt. Und hatte auch viele Ups and Downs, würde ich mal sagen.

Gerade wenn man so ein Album rausbringt und eine Tour organisiert, fragt man sich manchmal so, bin ich eigentlich, habe ich ein kleines Startup oder bin ich eigentlich Musikerin?

Ich glaube, die Mitte trifft es, oder?

Ja, wahrscheinlich. Und einfach Anerkennung zu bekommen, selbst wenn es nicht für den Preis gereicht hat, aber so eine Nominierung, das hat mich schon sehr, sehr gefreut, muss ich sagen. Ich bin sehr, sehr dankbar darüber. Und ich glaube, dass der Deutsche Jazzpreis ein guter Preis ist, weil es einfach die deutsche Jazzszene repräsentiert und eine Außenwirkung hat und einfach gezeigt wird.

Da gibt es viele tolle MusikerInnen, die in der heutigen Zeit leben und arbeiten und das sollte gewertschätzt werden.

Wie steht es generell um den deutschen Jazz heutzutage so bestellt?

Ich glaube eigentlich ganz gut, würde ich sagen. Also ich bin halt auch in der Jazzwelt drin, in der Deutschen, ne? Aber ich habe das Gefühl, gerade solche Preise haben halt eine große internationale Außenwirkung auch. Es gibt auch eine internationale Kategorie. Das heißt auch, Leute aus anderen Ländern bekommen von diesem Preis mit.

Und ich habe auch das Gefühl, dass eigentlich so die Kollaboration zwischen den verschiedenen Ländern, es kann immer mehr sein, aber es ist irgendwie da. Und ja, also deswegen, ich bin eigentlich guter Dinge, dass es die Kulturförderung könnte immer mehr sein, das muss man ganz klar sagen. Die meisten Kulturgelder gehen in die Klassik immer noch.

Und ein ganz kleiner Prozenteil geht nur in Jazz und Rock Pop. Aber ich habe das Gefühl, zumindest wie ich jetzt in Köln lebe, mit den MusikerInnen, mit denen ich mich umgebe. Es ist eine sehr schöne Gemeinschaft, es ist eine sehr schöne Community, man hilft sich gegenseitig, man fragt sich gegenseitig an.

Ich bin auch, als ich nach Köln gezogen bin und erst, es war auch Corona-Zeit, es war sowieso eine schwierige Zeit und ich kannte ein paar Leute, aber auch jetzt nicht ultra viele, aber ich kam recht schnell in die Szene rein und wurde auch gefragt und habe mich mit Leuten zum Spielen verabredet und ja, einfach, ich wurde sehr, sehr schön aufgefangen und sehr, sehr schön akzeptiert in der Szene, sehr schnell.

Inwieweit hilft dir jetzt so eine Nominierung, außer natürlich ein bisschen fürs Ego, dass man sieht, okay, man wird wahrgenommen.

Ja. Ich hoffe, dass diese Nominierung mir natürlich auch ein paar Konzerte zum Beispiel beschert. Ja, es zieht ja dann immer so Sachen. Also ich habe das Gefühl, so eine, ja, ich will immer, Karriere klingt so krass, aber ja, im Prinzip ist es ja eine Karriere, die baut sich ja nach und nach auf und das ist jetzt halt auch dann wieder nur ein weiterer Schritt zu, ich schaffe es, meine Band bekannter zu machen und schaffe mehr Konzerte zu spielen und noch einfacher von dem zu leben, was ich, was ich tue.

Und meine Musik mehr unter die Menschen zu bringen. Also genau, ich glaube, es ist einfach ein weiterer Schritt in einem Karriereaufbau, würde ich sagen. Und ich glaube jetzt auch, also wir haben jetzt im Juli bei einem Festival in Frankreich gespielt und ich glaube, dieser Gig wäre auch nicht zustande gekommen, wäre ich nicht für den Jazzpreis nominiert gewesen.

Konnten dann durch diese Nominierung bei der Jazz A Head in Bremen so eine Club Night spielen und da waren dann wieder Leute da und die haben mich dann wieder gehört und dann wurden wir wieder angefragt, um irgendwo zu spielen. Also genau, es bringt dann schon was mit sich.

Das Album, das letzte, greift ja schon auch gesellschaftliche und politische Themen auf. Also Diversity, Klimaschutz, Corona-Pandemie. Warst du schon immer ein politischer Mensch?

Nee. Also, gute Frage, warst du schon immer ein politischer Mensch? Also politisch äußert auch. Ja, also eigentlich würde ich sagen, nicht so. Ich bin immer wählen gegangen, zum Beispiel, das ist mir immer, es ist wichtig, irgendwie meine Stimme zu nutzen. Ich glaube für mich, ich sehe es auch immer noch nicht so, als wäre ich ein politischer Mensch oder als würde ich politische Musik machen.

Ich glaube, es sind einfach Themen, die mich beschäftigen und die dann ganz natürlich in meine Musik reinfließen. Ich meine, zum Beispiel Klimaschutz. Es ist jetzt was, mit dem man halt tagtäglich konfrontiert ist. Und ich achte schon sehr auf ein Umweltbewusstsein, würde ich jetzt von mir sagen. Und ich würde es mehr so als Wert.

Also es ist einfach einer meiner Werte und das kommt dann, fließt dann irgendwie in die Musik rein. Dann zum Beispiel Diversity oder mehr Flinterpersonen in der Musik, in der Jazz. Das sind so Dinge, damit bin ich ja selber konfrontiert. Also wie ich vorhin gesagt habe, ich war die einzige Frau in Nürnberg beim Studium und so Dinge, das beschäftigt einen dann oder man denkt dann auch über seine Vergangenheit nach, man denkt nach, was ist mir da eigentlich passiert, wie wurde ich da eigentlich behandelt.

Und dann steigen Emotionen in einem hoch und dann verarbeite ich die einfach in der Musik. Also deswegen, klar, es ist irgendwie politisch, aber ich glaube, es ist auch einfach persönlich.

Sollte Musik mehr so Statements und so Werte haben oder darf Musik auch nur unterhalten sein?

Ich glaube, es ist beides okay. Solange es authentisch ist. Ich finde es toll, wenn Musik eine Message hat, aber wenn Musik nur da ist, um einfach zum Beispiel schön zu sein oder um einfach nur aufreibend zu sein, finde ich das auch okay. Ich finde, das hat auch eine Berechtigung.

Weil ja, Popmusik ist ja jetzt, also auch da kommen langsam andere Themen, aber Klimaschutz und sowas sind jetzt nicht die typischen Pop-Themen. Ja. Sollte das auch mehr gemacht werden? Weil gerade Popmusik hat ja schon eher den Mainstream unter sich und mehr Hörer und hätte dann natürlich die Chancen, auch da mal mehr Aussagen zu transportieren.

Ich weiß nicht, ich finde teilweise ist Popmusik schon politisch, also wenn man sich jetzt zum Beispiel Beyoncé anguckt, die ja schon jahrelang für Diversity steht und ein Women Empowerment und einen Black People Empowerment, es ist ja schon was, für was sie steht und sie vertritt diese Werte und zieht damit natürlich auch ein dementsprechendes Publikum an.

Und ich glaube, ja, also ich denke, dass es Musik schon oft eigentlich Werte vermittelt. Oder wenn es dann nicht die Musik ist, dann sind es oft die Personen, die dahinterstehen. Weil wenn so eine Bailey Eilisch, die steht ja halt in der Öffentlichkeit und wenn sie sich äußert in irgendeinem Interview, dann geht es ja durch die Presse und dann kriegen das auch die HörerInnen mit.

Deswegen, ja, vielleicht ist es dann nicht konkret die Musik, aber vielleicht sind es dann die Personen, die dahinter stehen. Aber es gibt natürlich auch Popmusik, die vielleicht nicht politisch ist. Also es gibt, ich kenne jetzt Taylor Swifts Songs nicht so ultra gut, aber so wie ich das wahrnehme, ich kann einfach nur meine Wahrnehmung beschreiben, ist jetzt sie zum Beispiel in ihrer Musik nicht sehr politisch.

Ich kenne so wenig Songs, um das so ist.

Aber sie ist ja die größte Popsängerin momentan und nichtsdestotrotz, alle warten jetzt nur darauf, dass sie irgendeine Aussage macht zu den amerikanischen Wahlen, ne? Und damit ist sie auch schon wieder politisch. Auf jeden Fall, ja. Also deswegen, ich glaube, das geht so ziemlich Hand in Hand, auch wenn man so, ja, so, wenn man halt so eine berühmte Persönlichkeit ist, die natürlich Werte vermittelt, das hat ja auch eine Außenwirkung.

Willst du eher dann jemand sein, der für diese Werte steht oder der mehr für die Musik dann dasteht? Also, wie willst du dann mal wahrgenommen werden, als Mensch, der quasi diese Werte vermittelt oder die gute Musik macht, die Werte vermittelt?

Die gute Musik macht die Werte vermittelt. Also ich schreibe jetzt nicht, ich will nicht einen Song schreiben, der irgendwas vermittelt, wo ich nicht dahinter stehe oder den ich dann nur schreibe, um irgendein Statement zu machen. Sondern für mich ist es die Musik im Vordergrund und ich glaube, dass das ganz automatisch aber passiert, dass meine Gefühle, meine Emotionen und meine Werte damit reinfließen.

Es gibt ja auch ein Video zu dem Song Women to Sky. Ja. Erklär's mal, um was es in dem Song geht, für die, die den nicht.

Also in dem Song geht es eigentlich darum, dass sich Frauen gegenseitig mehr unterstützen sollen, dass sie Führungspositionen übernehmen sollen, aber es geht eben auch um diese soziale Ungerechtigkeit. Und ich wollte, ich liebe Tanz über alles. Also ich habe auch eine ganz lange Zeit Ballett gemacht und finde einfach Tanz eine ganz faszinierende Ausdrucksmöglichkeit.

Und mein Traum war es schon immer, ein Musikvideo zu produzieren mit Tänzerinnen. Und dann habe ich mir das so in den Kopf gesetzt und habe dann an zwei Tagen dieses Musikvideo gedreht mit einer Regisseurin zusammen. Mir war es auch immer wichtig, in meiner Band sind schon nicht viele Frauen vertreten, also um genau zu sein, gar keine, nämlich nur ich.

Wäre die nächste Frage auch noch irgendwann gewesen, wie das dann sein kann.

Genau, nicht so, weil diese Band halt schon immer existiert seit Studiumszeiten und da gab es halt einfach keine Instrumentalistinnen an der Schule, an der Hochschule. Und deswegen habe ich versucht, aber drumherum um das Projekt Lint so viele Frauen, wie es nur geht, zu inkludieren. Deswegen eben auch eine Regisseurin, die mit mir dieses ganze Projekt gestemmt hat.

Und Tänzerinnen, die in dem Video auftreten. Und ja. Auch sehr diverse. Diverse Tänzerin, das war mir auch ganz wichtig natürlich. Ja, und es war eine fantastische Erfahrung und ich liebe dieses Video und ich bin ganz stolz darauf, wie das zustande gekommen ist, weil es war echt sau viel Arbeit.

Also es ist ein super cooles Video. Ich habe mir nun die Frage noch gestellt, das ist ja sehr unüblich für eine Jazz, also in der Jazzszene, dass jemand, wenn er nicht gerade Til Brönner heißt, irgendwie ein Video produziert.

Ja. Wie gesagt, das war schon immer irgendwie mein Traum. Und ich glaube auch, weil ich versucht habe, mit dem neuen Album jetzt so ein bisschen eine jüngere Generation auch zu erreichen. Und dieses Visuelle wird ja immer wichtiger momentan. Also Instagram, TikTok oder auch wieder Musikvideos und YouTube und so.

Und ich wollte so gerne diese jüngeren Menschen auch ansprechen und hab dann mir in den Kopf gesetzt, eben ein Musikvideo zu drehen.

Es gibt aber im Deutschen Jazzpreis noch keine Videokategorie, oder?

Leider nicht.

Kannten wir jetzt mal einführen, weil dann dich gleich nochmal nominieren könnte und dir gleich den Preis geben könnte. Weil ich finde das Video tatsächlich sehr cool. Danke. Ist auch viel, worüber man auch visuell reden kann. Da geht natürlich dann innerlich immer der Lehrer in mir mit. Wer sowas für einen Unterricht mal geeignet hat.

Den Song und dann auch über die visuelle Umsetzung zu sprechen.

Es war auch ein ganz großer Punkt, der uns, wo wir um viel diskutiert haben, nämlich wie kann man diese Themen visuell umsetzen. Genau darum ging es. Und das ist auch für mich ganz, ganz spannend gewesen, weil es war wieder eine neue Welt, in die ich eingetaucht bin und auch so eine Art des kreativen Arbeitens, die mir total Spaß gemacht hat.

Also auch von allein schon sich auch zu überlegen, so okay, was für Outfits ziehen wir an?

Da stand Styling warst du verantwortlich, habe ich vorhin gelesen.

Ich habe für sieben Tänzerinnen jeweils drei Outfits zusammengestellt. Das ist schon eine Wahnsinnsarbeit gewesen. Also dieses ganze Musikvideo ist war absurd, was das für eine Arbeit war.

Wie viele Stunden sind das ungefähr?

Das kann ich gar nicht sagen. Weißt du nicht?

Aber wie lange habt ihr gedreht?

Wir haben nur zwei Tage gedreht.

Okay.

Wir haben nur zwei Tage gedreht, aber die Vor- und Nachbereitung war wirklich absurd viel. Und ist jetzt auch nicht so, dass ich das bezahlt bekomme. Das ist ja meine Arbeit, die ich dann da reinstecke. Und das ist auch.

Aber wer finanziert, also jetzt nur wenn du drüber reden willst, aber wie finanziert man so ein Video, was ja in der Szene jetzt nicht üblich ist, sondern ja eigentlich schon so ein bisschen Luxus dann auch ist?

Es ist Luxus, ja, aber du kannst es trotzdem mittlerweile, also Initiative Musik ist so ein großer Fördertopf, der auch Musikvideos zum Beispiel mitfinanziert. Also das war auch Teil meines Budgetplans, den ich dann da eingereicht habe für die ganze CD-Produktion und eben auch für das Video. Genau, das war Teil davon.

Und ich muss auch sagen, ich hatte wirklich Glück, weil die Firma, also die Regisseurin und da war noch ein ganzes Filmteam und so drumherum, die haben ein sehr nettes Angebot gemacht. Das ist im Übrigen eine Mainzer Firma. Kann ich auch, ähm kann ich Butter und Salz, kann ich kurz noch dazu sagen. Kann ich sehr empfehlen, wenn jemand mal ein Musikvideo drehen will.

Shoutout.

Und wo habt ihr gedreht?

Wir haben gedreht erst einen Tag im Studio und zweiten Tag auf dem Jagdschussschloss Platte. Okay. In Wiesbaden. Ich weiß nicht, du das kennst.

Äh, doch.

So eine ultra krasse Veranstaltungslocation. Auch da wieder mega Glück gehabt, weil durch Connections konnten wir diese Location umsonst nutzen. Sonst hätte man da schon mal Unmengen an Geld zahlen müssen. Ja, also es war fantastisch viel Arbeit und es waren aber auch die zwei spaßigsten Tage, die ich seit langem hatte, muss ich sagen.

Also ja.

Aber machst du das im Moment alles noch allein oder hast du mittlerweile Management. Du hast aber ein Label, oder?

Ja, also ich habe alle drei Alben, die ich rausgebracht habe, habe ich bei drei verschiedenen Labels rausgebracht.

Okay.

Weil man ja immer noch darauf hofft, irgendwie ein Label zu finden, das perfekt für einen ist. Ist aber einfach leider nicht so einfach. Und es ist nicht so, dass die Labels irgendwas einem zahlen oder so. Also die veröffentlichen halt die Musik am Ende. Aber ja, also das.

Helfen die wenigstens dann beim Vertrieb und Werbung machen?

Genau, also Promotion wird von denen noch viel übernommen und der Vertrieb wird übernommen und das Bereitstellen auf den digitalen Musikplattformen wird übernommen. Aber ich habe sonst alles durch Förderungen finanziert und ich hatte jetzt letztes Jahr, weil letztes Jahr war wirklich das Jahr, wo ich, glaube ich, die meisten Konzerte ever mit meiner Band gespielt habe, hatte ich auch einen Assistenten, der mir geholfen hat, Booking zu machen und Tourpläne zu schreiben und Hotels zu buchen und Mietautos zu buchen und weil das gehört ja alles dazu, wenn man auf Tour ist.

Aber das war das erste Jahr tatsächlich. Vorher habe ich alles selber gemacht und ich bin aber sehr dankbar bei diese Assistenz, die natürlich auch bezahlt werden muss. Also es ist natürlich auch wieder eine Sache, ne? Und wenn ich jetzt das nächste Album rausbringen würde, würde ich auch wieder mit ihm zusammenarbeiten.

Bevor wir nochmal ein bisschen in diese Karriereplanung gehen, ich würde tatsächlich nochmal auf dieses Frauenthema gehen. Es klingt so ein bisschen raus. Also du warst die einzige Frau. Fandest du das schlimm?

Also du meinst jetzt in meiner Band oder in Studio? Ja, ich glaube, damals fand ich es nicht so schlimm, weil da ist mir das ja nicht so aufgefallen. Jetzt rückblickend habe ich gemerkt, dass ich halt, dass mir diese Gleichgesinnten und auch die weiblichen Vorbilder schon gefehlt haben oder manchmal auch immer noch fehlen.

Und also ich meine, man verändert sich ja und man ist ja auch auf der Suche nach sich selbst viel, auch gerade in so einem künstlerischen Bereich. Und bei mir ist es auch gerade ein großes Thema, dass ich das Gefühl habe, dass ich in so einer sehr harten, sehr männlichen Welt eigentlich groß geworden bin.

Also was heißt groß geworden, durch das Studium vor allem und durch die ganze Jazzwelt, die einfach sehr, sehr männlich geprägt ist, groß geworden bin. Und dass ich so merke, dass ich auch selber deswegen sehr hart bin ab und zu und eigentlich gerne mehr weich wäre und gerne mehr Emotionen zulassen würde, als ich das vielleicht tue und mehr für mich selber einstehen möchte und mehr meine Grenzen ziehen möchte.

Also es ist ein großes Thema für mich momentan, weil die Vergangenheit mich da schon sehr geprägt hat und ich jetzt einfach merke, ich bin jetzt auch an einem Punkt, wo ich mir manche Sachen nicht mehr gefallen lassen möchte. Aber eben um da hinzukommen und um sich in seiner Haut wohlzufühlen und um sich, um auch diese Dinge zu bemerken, wie mit einem umgegangen wird, gehört einfach, glaube ich, viel Selbstreflexion und sehr viel Gedankengut so dazu, dass man sich darüber Gedanken macht, wie geht es mir denn eigentlich, wie fühle ich mich eigentlich in dieser Jazzwelt.

Wie erklärst du dir, dass es damals eigentlich neben dir keine oder fast keine Frauen gab?

Ich glaube, dass diese Vorbildfunktion eine große Sache ist. Also wenn man eben zurückschaut auf die Anfänge des Jazz, gibt es halt einfach nicht so viele weibliche Instrumentalistinnen, es gibt viele Sängerinnen.

Genau, also ich jetzt aus diesem traditionellen kenne ich keine Instrumentalistin.

Genau, also es gibt sie, aber sie waren lange nicht so berühmt wie die Männer.

Hast du da Beispiele, falls jemand mal nachhören will?

Also zum Beispiel Carla Blay, Pianistin, die Frau von Paul Blay. Ja, dann gibt es natürlich Maria Schneider zum Beispiel, jetzt eher so, das ist jetzt eher schon, ne? Aber es gab auch so eine. Es gibt einige. Ich bin gerade ein bisschen, mir fällen gerade nicht so viele Namen ein, aber es gibt es gibt einige, ja.

Können wir auch nochmal nachreichen.

Können wir nochmal nachreichen, genau. Also ich glaube, einmal liegt es daran, an diesen Vorbild, an diesen Role-Models, sage ich mal, die es einfach nicht so gab. Vielleicht auch an so einem Sicherheitsbedürfnis. Wobei, keine Ahnung, ich glaube, das ist eigentlich Geschlechter unspezifisch, weil ich glaube, es gibt auch viele Männer, die ein Sicherheitsbedürfnis haben.

Mit Sicherheit.

Ja. Deswegen, eigentlich für mich ist es, glaube ich, wirklich so dieses Vorbild, dieses Vorbildding. Und dann auch, es kann schon auch, glaube ich, abschreckend sein, wenn man dann einfach in so einen Raum kommt und es sind nur Männer da. Zum Beispiel auch Big Band, Schulbig Band war noch okay so, aber Landesjugend Jazzorchester schon war sehr viel männlicher geprägt.

Ich glaube, ja.

Und wenn man einfach dann so die einzige Frau ist, dann, ja, man fühlt sich einfach so alle Augen auf einem. Und das will man ja nicht. Man will ja Teil des Ganzen sein.

War das so oder nimmst du das jetzt erst rückblickend so?

Ich nehme das rückblickend wahr. Also ich glaube, damals, ja damals habe ich das nie so wahrgenommen. Aber jetzt, wenn ich so denke, da war halt, es gab ein Saxophon-Ensemble in der Nürnberger Hochschule und das heißt, alle Saxophonisten waren in einem Ensemble und wir haben wirklich nur Stücke gespielt mit Saxophonen.

Und ich war halt einfach die einzige Frau. Und wenn ich halt in diesen Raum reinkomme, dann fällt man halt auf. Weil ich bin halt die einzige Frau.

Aber jetzt ist die Frage.

Ich glaube, dass ich mich dadurch einfach immer das Gefühl hatte, ich muss mich doppelt und dreifach beweisen. Ich bin nicht eine von allen. Ich tauche nicht so unter in der Masse, sondern ich steche schon alleine durch mein, dadurch, dass durch mein Geschlecht steche ich schon raus. Und jetzt muss ich ja auch allen zeigen, was ich kann, damit ich meinen Platz da berechtigt habe.

Ist das ein Gefühl oder wurde es dir suggeriert? Weil die Frage stelle ich mir immer als Mann, wenn ich das dann so höre. Und ich denke mir, mir war das immer egal, wenn wir auch im Trompetensemble gespielt haben, da waren es ein paar mehr Frauen tatsächlich. Aber mir war das immer egal, wer das spielt.

Aber deswegen frage ich jetzt wirklich, ist das ein Gefühl oder wird einem das wirklich suggeriert? Und ich merke das gar nicht zum Beispiel.

Ich glaube, es ist beides. Weil ich glaube, dass so wie Männer mit miteinander umgehen, ist einfach anders, als wie Frauen miteinander umgehen, um es jetzt mal in diesem Zweigeschlechter-Modus zu halten. Also wenn die irgendwelche Witze miteinander machen oder so. Und gerade Anfang 20, wo alle irgendwie noch so ein bisschen unsicher sind, kann das halt schon irgendwo hinrutschen, wo es vielleicht, wo halt dann mal Sprüche geklopft werden oder so.

Auch gerade in dieser Zeit. Also ich meine, jetzt sind, glaube ich, die Männer auch, fangen zumindest an, auch so ein bisschen wacher zu sein und vorsichtiger zu sein. Aber ja, wenn ich so zurückdenke an meine Studiumszeit, ja, da wurden dann einfach manchmal auch Sprüche geklopft. Und dann lacht man halt so mit, weil man will ja nicht irgendwie, ich wusste auch gar nicht, wie ich damit umgehen soll.

Ich war auch dafür noch viel zu schüchtern und zu unerfahren und die waren alle älter und ich wollte irgendwie akzeptiert werden. Und deswegen ist es dann schon so ein Unwohlsein, wie man sich eigentlich fühlt. Und wenn man, glaube ich, so jemand Gleichgesinnten hätte, gehabt hätte, dann hätte man sich da einfach eine Bezugsperson.

Waren das eher die Mitstudierenden, die dir so das Gefühl geben haben, oder kann das auch von der Dozentenseite so, ah okay, da ist jetzt das Mädchen. Mal gucken, was sie kann.

Ich glaube beides. Ja? Ja, ich glaube schon beides. Und ich glaube auch, wie gesagt, dass sich da viel geändert hat mittlerweile. Ich meine, ich bin jetzt, ich habe 2013 angefangen zu studieren, das ist jetzt schon elf Jahre her. Es war auch eine andere Zeit. Es war eine andere Zeit, genau. Und ich möchte auch irgendwie, genau, es ist viel passiert und ich möchte jetzt auch nicht mit dem Finger auf irgendjemandem zeigen, aber ich möchte einfach, ich habe einfach gemerkt, dass da doch eigentlich nicht alles cool war.

Und das ist mir aber dann auch erst in den letzten paar Jahren aufgefallen, als ich dann wirklich mal so diese Vergangenheit auch so ein bisschen aufgearbeitet habe, sage ich jetzt mal in Anführungszeichen. Also viel darüber nachgedacht habe, ach, wie erging es mir da eigentlich? Und in was für einem Umfeld bin ich eigentlich, habe ich eigentlich studiert?

Oder in was für einem Umfeld, in was für einem musikalischen Umfeld bin ich eigentlich groß geworden? Es war schon immer so, auch durch dieses straight ahead, weißt du, und wenn du Cherokee nicht auf 350 spielen kannst, dann gehörst du hier nicht hin, so ein bisschen so, weißt du? Und mittlerweile merke ich so, okay.

Ist auch okay, wenn ich Cherokee nicht auf 350 spiele, sondern wenn ich halt meine eigene Musik mache und damit ja doch recht erfolgreich bin. Ich kann auch Musik machen, des Musik machens wegen und ich muss nicht die und die Skala den ganzen Tag üben.

Glaubst du, dass das auch einfach vielleicht Unsicherheit ist, woran man sich festhält und sagt, weil das ist natürlich deutlich messbarer zu sagen, okay, das auf 300, das hier auf 180, das am besten noch irgendeiner Ton hat, wo noch super schwer ist. Weil man einfach irgendwie sonst nicht weiß, wie man seinen Platz behaupten kann, weil man vielleicht gar nicht so reif ist wie du jetzt und sagst, okay, ich mach halt einfach eigene Musik, aber ich gar nicht so kreativ bin, sondern ich mich an sowas festhalten muss.

Voll. Also genau, ich glaube, das ist ja, es ist ja auch alles ein Weg und es ist alles ein Prozess. Und ich wusste ja gar nicht, was ich will. Also ich meine, ich war so blauäugig, als ich in dieses Studium gestartet bin. Und natürlich, das sind die messbaren Dinge. Und wenn man das dann so vorgelebt bekommt an dieser Hochschule, dann macht man das natürlich auch so.

Und man macht sich gar nicht so viel Gedanken drüber, was will ich eigentlich, was für Musik höre ich eigentlich gerne. Aber ich glaube, das ist auch so ein bisschen so dieses Problem bei diesem Akademisieren vom Jazz, weil es ist halt eine Musik. Und eine Musik zu akademisieren, ist ja an sich schon mal irgendwie komisch eigentlich.

Und also ich finde das vollkommen in Ordnung, wenn man ein Genre lebt und liebt und übt und spielt. Aber ich finde trotzdem sollten die Dozierenden zumindest mal die Möglichkeit, den Studierenden eröffnen und sagen, hey, schaut mal, es gibt auch noch das und das und das und das an Genres. Oder bring mir doch mal ein Stück mit, was du als Kind immer gehört hast.

Und es kann egal welches Genre sein. Oder ja, schreib mal dein eigenes Stück. Oder einfach mal so ein bisschen Gedankenanstöße geben, zu was es noch gibt und auch, was alles Kreativität bedeutet, was alles Musikalität bedeutet. Deswegen, also ja, ich wüsste auch nicht, wie man es besser machen könnte, in so einem zu akademisieren und an einer Hochschule eben Jazz zu lehren.

Ich bin auch, muss ich ehrlich dazu sagen, jetzt halt auch nicht mehr so drin. Ich lehre jetzt an keiner Hochschule. Deswegen können wahrscheinlich andere Menschen, die da tiefer drin sind, auch sagen, was vielleicht schon passiert ist. Oder ich kann einfach nur aus meiner Perspektive sprechen und sagen, was mir geholfen hätte damals.

Und mir hätte es eben geholfen, glaube ich, hätte mir der Lehrer so ein bisschen so Fragen gestellt, so, hey, wo willst du eigentlich hin? Oder was gefällt dir? Was gefällt dir nicht? Ohne dann aber auch, ohne dem Schüler oder der Schülerin dann das Gefühl zu geben, eine Antwort ist falsch. Also weißt du, ohne zu sagen, so, wenn du jetzt nicht sagst, dass du Bebop ganz toll findest, dann bist du bei mir unten durch.

Weil wenn man dieses Gefühl spürt, dann traut man sich ja gar nicht, eine ehrliche Antwort zu geben.

Ja, ja. Das ist ja, das stelle ich immer als Lehrer immer fest. Dass wenn man irgendwie eine Frage stellt, ganz oft so Antworten kommen, wo man merkt, okay, die suchen, wie meine Reaktion jetzt ist, obwohl ich das immer so absurd finde. Weil wir spielen ja keine Quiz-Show in der Schule. Also es geht ja nicht um richtig und natürlich geht es manchmal auch um.

Aber mich interessiert ja eher, wenn dann so Denkprozesse und wenn es mal in eine Richtung geht, wo es wirklich um harte Fakten geht, du weißt ja, okay, du hast den Gedanken gehabt und kannst sagen, okay, da bist du falsch abgewogen. Aber es gibt ja auch viele Fragen, gerade im Musikunterricht, wo es ja tatsächlich um gesellschaftliche Themen auch geht, wo mich ja die Meinung wirklich interessiert.

Oder wie sie die Musik finden. Nicht alles, was ich vermittel oder denen zeigen, müssen die ja auch gut finden. Das wäre ja völlig absurd, wenn die dann nach acht Jahren Schule rausgehen und genau meinen Musikschmücken.

Ja, ja, voll, das macht ja gar keinen Sinn.

Und ich finde es völlig legitim, wenn die rausgehen und sagen, also Herr Schreck Beethoven finde ich total doof und Charlie Parker finde ich auch total doof, aber keine Ahnung, irgendwas, was wir dann später noch gemacht haben, finde ich, finde ich gut. Wenn man es zumindest auch begründen kann und nicht einfach per se sagt, das finde ich doof.

Und das finde ich viel wichtiger. Deswegen ist es schade, wenn man als Lehrer das vielleicht gelingt mir das auch nicht immer, vermittelt, dass es um meine Antwort geht, die ich suche.

Genau, und auch wenn man sagt und auch wenn man die Frage gestellt bekommt und auch nicht weiß, was man eigentlich will oder wohin man eigentlich will, das ist ja auch okay. Also ich wusste das ja auch lange, ich weiß es immer noch nicht, glaube ich.

Aber du weißt schon mal, was du nicht willst. Das ist ja auch schon mal viel wert.

Genau, das ist auch schon mal viel wert. Aber das überhaupt an den Punkt zu kommen und das auch auszusprechen und damit okay zu sein und sich zu trauen, das auszusprechen, das hat auch schon viele Jahre gedauert bei mir.

Wie würdest du, also wenn, du warst ja jetzt dann auch bei der Veranstaltung vom Deutschen Jazzpreis, wie ist da Frau-Mann-Verhältnis? Weil ich habe das Gefühl, aber das ist, ich bin nicht so tief drin. Gerade auf Instagram begegnen mir mehr Künstlerinnen, die sich irgendwie positionieren im Jazz und jünger sind als jetzt irgendwelche Männer.

Aber vielleicht täuscht das Kind.

Also ich glaube mit Sicherheit, dass die Jury des Deutschen Jazzpreises besonders darauf geachtet hat, eine diverse Auswahl zu treffen an Nominierten. Und das finde ich auch gut, weil so wird halt eine Sichtbarkeit geschaffen. Auf der Veranstaltung selbst würde ich sagen, war schon noch ein größerer Männeranteil da, auch einfach, weil sehr viele JournalistInnen da waren und sehr viele Booker, die einfach irgendwie mit der Jazzszene verbandelt sind und Lust hatten, auf dieser Veranstaltung teilzunehmen.

Und es waren eben nicht nur die Nominierten da, sondern es waren einfach auch viele Interessierte da. Und ich glaube halt, dass diese Jazzwelt ja trotzdem noch sehr männlich geprägt ist. Aber es ist ein Wandel spürbar und das ist auch gut.

Nimmst du dich, also wenn ich, du hast gesagt, Tanz war dir schon immer wichtig, du willst ein Video drehen. Jetzt erzählst du vorhin, du gehst gern irgendwo in ein Museum und so, versuchst dich jetzt mit Texten. Siehst du dich nur als Musikerin oder siehst du dich mittlerweile so als Gesamtkunstkünstlerin, die irgendwie jetzt versucht, verschiedene Sachen zu machen.

Also ich glaube, ich bin auf jeden Fall noch Musikerin, aber ich glaube auch, ja, auch Künstler, also ja, auch Künstlerin. Also weil für mich ist dieses, das Musik machen, das ist halt so verbandelt mit allem. Es ist für mich eine Ausdrucksweise der Emotionen, der Gefühle, der Werte. Und das ist irgendwie so, hängt so zusammen mit anderen künstlerischen Ausdrucksformen.

Und ich finde es fantastisch, wenn es da Überlappungen gibt. Ich finde es fantastisch, wenn man sich gegenseitig inspiriert. Ja, und ich möchte das auch, dass das irgendwie Teil meiner Arbeit ist und wird, bleiben wird.

Also, was für was du stehst? Der Name Kirillin, dass klar ist, okay, es geht nicht um Musik. Also hauptsächlich um Musik, aber es spielen immer noch andere Dinge auch eine Rolle.

Also ich glaube einfach, ich bin sehr, ich werde sehr angezogen von irgendwas Visuellem. Egal ob jetzt Tanz oder Kunst. Ich habe ja zum Beispiel das erste Album, Nature, da ging es ja darum, da habe ich ja so Naturbilder in Musik umgesetzt. Das heißt, da war auch irgendwie so eine visuelle Komponente dabei.

Und ja, irgendwie dieses, also so Farben und Motive, das ist irgendwie, das macht dann irgendwie was mit mir. Und eben auch, ja, Tanz, das finde ich so, so was Körperliches finde ich auch irgendwie toll. Also ja, ich glaube, ich würde mich schon als Musikerin bezeichnen, weil ich jetzt ja keine andere Kunstform ausübe, aber ich lasse mich davon inspirieren und ich sauge das auf.

Und ich finde es auch schön, wenn ich meine Musik mit einer anderen Kunstform verbinden kann.

Willst du was live irgendwann mal eine Rolle spielen? Also so performancemäßig, dass Tänzer da sind oder eine Leimwand mit.

Ich habe jetzt gerade einen Antrag geschrieben für eine Projektförderung, für eine Konzertreihe in Köln. Das darf ich jetzt noch gar nicht so laut sagen, weil wer weiß, ob ich überhaupt die Förderung bekomme. Weil ich mir genau sowas voll gut vorstellen könnte. Also ein Projekt zu starten, ein Konzert zu starten mit verschiedenen Kunstformen, also so ein interdisziplinäres Projekt eigentlich.

Sowohl etwas mit einer Texterin vielleicht, als auch mit einer Tänzerin oder irgendwie live malen oder sowas. Also ja, kann ich mir gut vorstellen. Fände ich ziemlich cool.

Cool. Du hast ja immer wieder von deiner Karriere gesprochen. Gibt es jemanden, der dich irgendwie berät und sagt, okay, mach mal das, mach mal das. TikTok ist wichtig, Instagram ist wichtig oder ist das auch alles Learning by Doing?

Ich wünschte, es gäbe so jemanden und ich bin auch gerade so ein bisschen auf der Suche nach irgendjemandem, mit dem ich mich mal mit besprechen könnte, weil ich gerade tatsächlich so ein bisschen sehr auf der Suche bin, also weil ich gerade nicht so genau weiß, wie es weitergeht. Bisher gab es das nicht.

Also ich glaube, ja, es ist Learning by Doing.

Du hast ja vorhin auch gesagt, für das Video hast du dir Styles und so rausgesucht. Überlegst du dir selber, wie du als Künstler Person auftrittst? Also du hast jetzt auch so eine Statement-Brille, auf dich übrigens super geil. Dankeschön. Aber ist das bewusst oder findest du es gut? Ja, es ist schon bewusst.

Es ist schon bewusst, glaube ich, weil ich mir halt denke, ich mache Musik, ich bin Musikerin und das Leben ist viel zu langweilig, um irgendwelche langweiligen Sachen zu tragen. Und nee, was habe ich gesagt? Das Leben ist viel zu kurz, wollte ich natürlich sagen. Das Leben ist viel zu kurz, um irgendwelche langweiligen Sachen zu tragen oder ja, sich nicht auszuprobieren, sei es jetzt im Stil oder auch sowas wie Musikvideo, Tanzen, ja, es ist schon eine bewusste Entscheidung, glaube ich.

Okay, das neue Album soll junge Leute ranziehen. Wenn jetzt Hörer und Hörerinnen da draußen sind, die sagen, okay, mit Jazz habe ich gar nichts am Hut. Und bevor sie bei dir jetzt reinhören, sie wollen jetzt vielleicht noch einen anderen Zugang, welche drei Alben würdest du denen sagen, unbedingt mal reinhören, was noch nicht völlig verkopft ist.

Oder wo du sagst, okay, damit kann man den Zugang so ein bisschen legen.

Oh, das ist ja richtig eine schwierige Frage. Also HörerInnen, die noch nichts mit Jazz am Hut haben und es kommt halt drauf an, was für eine Musikrichtung ich ihnen dann ans Herz legen will, weil, also jetzt zum Beispiel sowas wie sowas wie Nower zum Beispiel, sagt ihr das was?

Nee, gar nicht.

Das ist so eine, also Louis Cole ist ein Drummer und Genevieve Artardi ist die Sängerin, das ist ein Duo und die machen aber halt so Dance, Jazz, Pop, Elektro, avantgardistisch, keine Ahnung. Das ist aber halt sehr modern. Also ich meine, es ist ein bisschen schwierig zu sagen, weil man könnte natürlich ganz klassisch, traditionell irgendwie starten mit einem Album.

Okay, wir machen es ganz anders.

Ja. Schwierige Frage.

Ich weiß. Die Schweren kommen jetzt alle. Okay. Zwölfte Klasse, Leistungskurs, das steht immer Jazz auf dem Plan. Was soll ich denen zeigen?

Okay, dann würde ich, glaube ich, anders anfangen. Dann würde ich, also man könnte mit Klassikern starten, sage ich mal, zum Beispiel Kind of Blue, Miles Davis.

Was ich übrigens immer mache, und das ist, glaube ich, die häufigst genannte Platte in dem Podcast. Selbst von Klassikern.

Ach krass, okay, ja.

Und immer wenn ich dann dastehe und sage, okay, das ist total revolutionäre Platte gewesen, gucken nämlich immer alle an und sagen, hä?

Warum? Was ist das? Eine Platte, die ich wirklich liebe und ist Amma Jamal Live at the Pershing. Ich weiß nicht, ob du das kennst. Amma Jamal ist ein Pianist, der spielt ein Piano-Trio. Ja. Und es ist so eine Live-Platte und es ist ziemlich viel so Abtempo-Jazz, aber es ist so super relaxed. Und es ist so dieses, was mir so gut an dem Album gefällt, ist, dass es so eine Leichtigkeit hat und so ein, was ich auch vorhin gesagt habe, es hat nicht dieses, ich zeige euch jetzt, was ich kann.

Sondern er spielt immer mal wieder so einen kleinen Film. Dann kommt wieder irgendwo eine kleine Melodie. Und es ist so richtig tasty. Ich glaube, das ist eine coole, das macht Spaß, habe ich das Gefühl. Ich glaube, ich würde drei Alben aussuchen, die so ein bisschen auch eine Bandbreite am Jazz zeigen.

Also das wäre jetzt eines. Dann würde ich irgendwie sowas zum Beispiel Brecker Brothers oder sowas zeigen, was so ein bisschen mehr in die Funk-Groovy-Richtung geht. Einfach um zu zeigen, das gibt's auch. Vielleicht noch eine Big Band-Platte. Also ein Big Band-Stück. So was semi-nastico, counterbasy-mäßiges, weil das auch so sehr.

Ja. Und dann könnte man natürlich versuchen, von so einem Ausgangspunkt immer moderner zu werden auch. Und irgendwie Sachen zu zeigen, wo das dann hingegangen ist.

Was ist die abgefahrenste Platte, die dir jetzt so spontan einfällt?

Die abgefahrenste Platte.

Wenn du sagst so modern und so, wo du sagst, okay, das ist jetzt so völlig.

Ah, vielleicht Peter Evans, so ein Trompeter, so ein unfassbar crazy Trompeter. Den habe ich jetzt gerade live gesehen mit Craig Tabor, und das war. Craig ist so ein Pianist.

Peter Evans hat die Maxine nicht mit dem aufgenommen. Ich wusste den Namen, habe ich nämlich jetzt erst gelesen.

Die hat jetzt mit dem aufgenommen, ja. Der ist wirklich. Der ist, ja, das ist crazy. Das ist sehr, also es macht bei mir dann nur so.

Okay. Und natürlich deine Platte. Klar, die würde ich natürlich auch zeigen.

unknown Danke.

Mehr auf jeden Fall. Weil hier kommt natürlich noch der Regionalbezug dazu. Ist natürlich dann immer super, wenn man auch Künstler und Künstlerinnen aus der Region anzeigen kann. Wo siehst du dich in fünf Jahren? Uh.

Also im besten Fall habe ich meine ganzen Dilemmas, die gerade in meinem Kopf stattfinden, weil ich nicht genau weiß, wo es hingeht, gelöst. Und weiß ein bisschen mehr noch, wo es langfristig hingeht. Aber ich würde gerne auf jeden Fall nächstes Jahr eine neue Platte aufnehmen. Ich weiß noch nicht genau, ob es vielleicht eine ganz andere Besetzung auch mal wird.

Das wäre die nächste Frage gewesen, wäre mit sechs Ted oder doch noch.

Genau, also es könnte, es ist momentan alles in meinem Kopf, das ist genau die Schwierigkeit. Auf der einen Seite möchte ich gerne die Besetzung ein bisschen verkleinern, weil es auch sehr schwierig ist, immer mit sechs Leuten zu tun. Und Organisation, Kostenfrage, genau. Kleinere Besetzungen fände ich cool.

Auf der anderen Seite schwebt in meinem Kopf, dass ich gerne was aufnehmen würde mit Streichquartett. Cool. Und anderen Feature-GuestInnen, zum Beispiel auch einer Rapperin. Im besten Fall ist dann in fünf Jahren schon dieses Album dann auch draußen und wir haben erfolgreiche weitere Touren gespielt und vielleicht wurde ich sogar nochmal für den Deutschen Jazzpreis nominiert und habe ihnen sogar gewonnen.

Das wünschen wir dir auf jeden Fall.

Vielen Dank. Ja, Hauptsache, ich darf in diesen nächsten fünf Jahren oder dann in fünf Jahren immer noch das machen, was mir nämlich so viel Spaß macht, also Musik. Und ja, ich hoffe, dass ich einfach glücklich und zufrieden bin und dass es auch läuft. Also dass ich auch meinen Lebensunterhalt mit der Musik verdienen kann und nicht unterrichten muss.

Sorry. Nein, das ist eine völlig legitime Aussage. Du hast wahrscheinlich auch im Zuge des Jazzpreis und wahrscheinlich vorher auch schon einige Interviews gegeben. Ja. Gibt es irgendwas, was du noch nie gefragt wurdest, wo du raus bist und gesagt hast, ich hätte einfach gern mal darüber gesprochen. Das wäre jetzt die Chance.

Okay, nee, also ich fand deine Fragen super cool, muss ich sagen. Vielen Dank. Ich finde es auch schön, dass du, also ich habe das Gefühl, du hast dich mit meiner Musik und mit mir irgendwo vorhinein beschäftigt. Was ich ganz schlimm finde, ist, wenn man in Interviews geht und man hat so das Gefühl, der weiß nicht mal, wie mein Album heißt.

Und es geht um das Album in dem Interview so. Okay. Das ist dann immer so ein bisschen traurig. Was ich, glaube ich, sagen möchte, ist jetzt an alle, die zuhören, dass ich hoffe, dass Menschen nach wie vor KünstlerInnen unterstützen, indem sie zum Beispiel Alben oder Merchandise kaufen. Weil das ist für uns ein ganz großes Problem, dass diese über diese digitalen Musikplattformen mit Alben oder mit unserer Musik Geld zu verdienen, es wird immer schwieriger.

Also klar, wir spielen Konzerte und die werden auch hoffentlich gut bezahlt, aber dieses Album kaufen von einer Musikerin oder einem Musiker, da kommt das Geld wirklich bei uns an. Und am besten nicht über Amazon, sondern am besten wirklich über die direkt auf die Homepage gehen. Und selbst wenn man das Album, wenn man keinen CD-Spieler mehr zu Hause hat, dann gibt es immer andere Möglichkeiten, auch die KünstlerInnen zu supporten.

Sei es einfach eine E-Mail schreiben und schreiben, hey, ich finde dein Album super cool, ich würde gerne das digitale Album kaufen, dann kann ich es auch digital zu schicken oder ich würde dich einfach gern mit dem kleinen Beitrag unterstützen. Besucht Konzerte, kauft Tickets im Vorhinein. Ich kenne viele Leute, die Konzerte absagen müssen, weil zu wenig Tickets im Vorhinein verkauft wurden.

Also ich glaube, das ist so eine Message, die ich gerne nach außen geben würde, weil da verändert sich gerade so, so viel und ich glaube, vielen ist es gar nicht so bewusst, wie hart wir arbeiten für das, was wir tun, wie viel Arbeit es ist, so ein Album auf die Beine rauszubringen und dann ist es einfach so, es macht so puff und es ist dann dann irgendwo da draußen im Universum und eigentlich hat sich auch nicht wirklich was verändert und wirklich Geld verdienen tun wir mit diesem Album auch nicht.

Natürlich, es bringt uns irgendwie weiter in unserer Karriere, aber ja, das wäre einfach, das würde ich gerne sagen.

Ich weiß gar nicht, also Streaming ist ja generell ein Problem für Künstler. Also wenn man jetzt nicht Taylor Swift heißt. Ja. Wie ist das im Jazz? Ist das noch schlimmer? Oder ist das, weil ich manchmal von, also ich bespreche das dann auch mit meinen Klassen immer mal wieder und dann kommt, ja, aber ich entdecke dadurch ja auch neue Musik.

Ist das vielleicht auch eine Chance? Ich habe keine Ahnung, das ist jetzt völlig.

Also im Jazzbereich, ich würde sagen, bei mir ist es wirklich so, meine Musik ist auf den digitalen Musikplattformen, aber ich merke davon nichts. Also ich kriege davon nichts Finanzielles zurück. Das ist einfach tragisch. Und ich kann es verstehen. Ich habe ja selbst auch, ich bin jetzt im Übrigen gewechselt zu Teidel.

Also es gibt auch die Möglichkeit, einfach von Spotify und Apple Music weg zu anderen Plattformen, die halt die KünstlerInnen wirklich noch ein bisschen besser vergüten. Gerade Spotify ist wirklich das Schlimmste. Ich glaube, Apple Music ist noch ein bisschen besser, aber es gibt auch Deezer zum Beispiel.

Diesel und Tidal sind wirklich so die Plattformen, die noch die MusikerInnen am besten unterstützen. Und da ist es, ich würde sagen, die sind. Da kann man auch neue Musik entdecken. Also da gibt es auch so Vorschläge, die analysieren genauso deine Hörgewohnheit und die sind einfach noch nicht so verbreitet, weil Spotify einfach so ein krass Monopol aufgebaut hat.

Ja, das wäre auf jeden Fall eine Alternative.

Liegen deine Alben physisch vor, weil ich kenne halt viele, die genau aus dem Grund dann irgendwann sagen, gut, das lohnt sich für mich überhaupt nicht mehr, das physisch dann auch pressen zu lassen, ist ja auch Geld, weil wir es eh nicht mehr loskriegen.

Meine Alben gibt es physisch. Das letzte Album gibt es tatsächlich auch als Vinyl. Das ist jetzt was, was immer weiter, was ja immer mehr jetzt wieder kommt.

Dann bestelle ich eine Vinyl heute noch.

Dankeschön. Ich hätte auch natürlich eine CD mitbringen können. Ach, alles gut. Ich will dich ja unterstützen. Und ich, was wir gemacht haben, tatsächlich, da bin ich auch ein bisschen stolz drauf. Ich komme ja, wie gesagt, aus Wiesbaden, der Rheingau ist nicht weit. Ich habe mit einer Winzerin zusammen einen Wein produziert, einen Lintett-Wein und habe mit dem Wein gemeinsam das digitale Album verkauft auf den Konzerten.

Und es war der absolute Verkaufsschlager. Und bin auch ein bisschen stolz darauf, dass ich diese coole Idee hatte, weil ich glaube, es ist schon was Einmaliges, es ist auch dieser Heimatbezug da und auch eine Winzerin gibt es auch nicht so oft. Also eine junge Winzerin, die diesen Wein wirklich produziert hat.

Ich war auch an dem Weingut und sie hat mir alles, sie hat mich rumgeführt, hat mir alles erklärt und so. Das war einfach super cool für mich auch. Und genau, also ich habe mir mittlerweile auch was einfallen lassen, um meine Musik auch an die jüngeren Leute zu bringen. Wir haben auch T-Shirts gemacht und ja, man muss so ein bisschen kreativ werden, habe ich das Gefühl.

Ja. Rheingau Musikfestival?

Ja, ich glaube, dafür ist meine Musik zu modern. Glaubst du? Ich glaube schon. Also ich habe mich da auch schon mal beworben tatsächlich, aber ich weiß auch gar nicht, ich glaube, da kommt man auch nur durch Konzertagenturen, so Bookingagenturen rein.

Aber jetzt mit der Nominierung vielleicht?

Ja.

Ist ja jetzt schon zumindest, glaube ich, für die eine andere Hausnummer, wenn da jetzt jemand freischaffender kommt und sagt, ich würde auch gerne mal oder sagt, okay, ich bin aber auch in der Jazzszene schon bekannt.

Ja, vielleicht soll ich es nochmal probieren.

Steht der Tropfen hüllt in Stein?

Ja.

Wäre auf jeden Fall wünscht es dir, weil er ist ja schon renommiert und dann.

Ja, das wäre cool.

Und Heimatbezug.

Und Heimatbezug, auf jeden Fall. Vielleicht klappt's. Vielleicht klappt's. Ich drück mir selber die Daumen.

Mach's. Wir kommen zum Schluss. Ich habe noch so ein paar schnellere Fragen. Du darfst aber auch langsam antworten.

Okay.

Was lernst du gerade, was du noch nicht kannst?

Eine Balance zu schaffen in meinem Leben zwischen kreativ arbeiten, üben, Konzerte ausmachen, Konzerte spielen, unterwegs sein, organisieren.

Gibt es eigentlich so einen typischen Tagesablauf bei dir oder sieht es jeder Tag anders aus?

Wirklich nicht. Sieht jeder Tag anders aus, ja. Ich versuche mir wirklich so eine Morgenroutine zu schaffen. Okay. Weil das ist so das, was mich groundet, was mich so richtig ankert. Also ich versuche meistens auch aufzustehen, zum Beispiel, und dann mein Handy erstmal nicht anzumachen für die ersten ein, zwei Stunden des Tages.

Klappt manchmal gut. Heute hat es gut geklappt, zum Beispiel. Dann mache ich eigentlich, also ich versuche eigentlich aufzustehen, mir einen Tee zu machen, was zu lesen, Yoga zu machen oder irgendeine Art Sport zu machen.

Wann stehst du auf?

So kommt immer drauf an, wenn man am Abend vorher ein Konzert gespielt hat, dann wird es halt auch schon mal später dann am Morgen, aber sonst eigentlich so zwischen halb neun und neun. Okay. Und dann versuche ich erstmal meinen Tag so zu starten mit Sport und erstmal keine nichts Digitales zu konsumieren.

Und wenn ich dann Sport gemacht habe und meinen Tee getrunken habe und gefrühstückt habe, danach mache ich dann mein Handy an.

Okay. Was ist deine schlechteste Angewohnheit?

Meine Ungeduld vielleicht. Ich bin immer sehr ungeduldig, weil auch wenn ich irgendwie, wenn ich auf andere Leute, wenn ich von anderen Leuten abhängig bin, die mir zum Beispiel antworten müssen, wenn es um meine Musik geht, die ich herausbringe. Also sage ich jetzt die Arbeit mit dem Label zum Beispiel, da musste ich immer auf Antworten warten und ja, jetzt zum Beispiel mit der Förderung, wo ich nicht weiß, ob ich die bekomme oder nicht.

Ich bin dann immer so, ich will es jetzt endlich wissen. So ein bisschen, ja, Ungeduld vielleicht.

Okay, wenn du das Buch deines Lebens lesen könntest, würdest du die letzte Seite lesen wollen?

Nein. Wenn ich das Buch meines Lebens lesen könnte und die letzte Seite, nein, würde ich nicht leben. Nein. Weil das ist ja das Spannende am Leben, man weiß nicht, was passiert. Und auch das Spannende an meinem Beruf, keine Ahnung, wo es hingeht. Und auf der einen Seite muss man diese Ungewissheit auch irgendwie aushalten, auch weil es finanziell und so angeht natürlich.

Ich glaube, ich kann es mittlerweile ganz gut. Ich muss auch dazu sagen, ich mache noch so Social Media Management nebenher. Das ist so ein bisschen mein kleines festes Einkommen, was ich habe. Also ich habe auch einen Job, der mir so ein bisschen Sicherheit gibt. Aber manchmal kann ich es gut, manchmal kann ich es auch nicht so gut.

Manchmal bin ich dann auch ungeduldig und denke mir so, oh mein Gott, ich habe gar keine Anfragen für November. Wie soll ich das, ja? Also man muss es dann einfach aushalten und wahrscheinlich kommt dann am Ende eh nochmal was rein, aber ja, dieses Aushalten ist schon schwierig. Aber was war nochmal die Frage?

Ja, ob du die Seite des Hast. Achso, nein, die würde ich nicht lesen. Was würdest du gerne mal machen, hast dich aber bisher nicht getraut?

Vielleicht irgendwelche krassen MusikerInnen anfragen, ob sie mit mir spielen würden. Was hält dich ab? Meine Unsicherheit, die ich, also weil ich mir immer denke, ich bin nicht gut genug.

Aber das Schlimmste wäre ja nur, nein.

Ja, stimmt eigentlich. Oder dass man sich dann vor denen blamiert.

Ja, aber du machst ja jetzt schon lange genug deine Sachen, dass du es eigentlich.

Ja, trotzdem, diese Unsicherheit. Das ist irgendwie, ich glaube, das ist bei jedem, also ich glaube, jeder hat es, dass man so.

Ja, also ich bin von Haus aus auch eher der ruhige. Und was ich aber in den vier Jahren gelernt habe, ist, einfach Menschen anschreiben.

Also eigentlich habe ich auch kein Problem damit. Ich bin auch eigentlich voll gut darin, so einfach zu machen. Ich glaube, ich bin schon so eine Macherin. Das habe ich auch von meinem Vater, glaube ich, sehr mitgegeben bekommen, was, glaube ich, eine gute Eigenschaft ist. Aber ja, trotzdem, so Unsicherheiten sind dann irgendwie trotzdem da und da kostet es dann nochmal doppelt so viel Überwindung.

Also ich habe das bisher einfach noch nicht so gemacht und es ist ja auch, es soll ja auch jetzt in meinem nächsten Projekt soll es ja auch Teil werden, dass man, dass ich mit Feature-Gästen zusammenarbeite und ja.

Weil ich würde mir jetzt einfach überlegen, okay, wenn ich die jetzt anschreibe und die kennen mich nicht, wenn die mit Sicherheit, also wenn es überhaupt in Frage kommt, gucken, was ich mache. Und wenn die dann ja sagen, dann wissen die ja, worauf es sich mit ihr einlassen kann.

Das stimmt. Das Ding ist auch, ich glaube, ich bin so ein bisschen so People-Pleaser-mäßig. Ich habe immer Angst, dass sich die Leute um mich rum nicht wohlfühlen. Ich habe immer Angst, dass sie, zum Beispiel, wenn ich jetzt eine Band leite, ich will immer, dass es denen allen gut geht, dass die irgendwie gerecht bezahlt werden, dass alle, dass niemand zu kurz kommt auf der Bühne, was zum Beispiel Solo-Spielen angeht.

Vielleicht liegt es auch daran, dass ich vage bin, dass ich so ein Aus, dass ich so eine ausgeglichene Stimmung, einen guten Vibe irgendwie brauche. Ja, und wenn man dann so mit Leuten zusammenspielt, die man halt, mit denen, die man halt nicht kennt, man begibt sich aus der Komfortzone raus, was auch gut ist.

Aber ich brauche dann noch so ein bisschen einen kleinen Anschub um mich.

Nach dem nächsten Album sprechen wir nochmal.

Ja, sehr gut, machen wir.

Welches Buch bzw. welchen Film sollte man mal gelesen oder geschaut haben?

Buch lese ich gerade, bin noch nicht ganz fertig: The Creative Act von Rick Rubin.

Ah ja.

Hammerbuch.

Ich habe das, glaube ich, auf Deutsch, das ist dieses Graue, gell? Ja, genau.

Also Rick Rubin, Rick Rubin ist so ein krasser Produzent aus LA und der hat dieses Buch geschrieben, genau, ich bin noch nicht ganz fertig, aber.

Ja, ich habe das auf dem Nachttisch und lese das immer mal wieder, weil das ist so Essay-artig ist es auch nicht. Ich kann es verstehen. Es ist auch schon irgendwie schon poetisch.

Es ist bei mir auch so, ich lese dann so eine Seite oder ein Kapitel und dann denke ich mir so, wow, okay, das muss ich jetzt erstmal sackeln lassen. Fünf Wochen drüber nachdenken, was er nämlich. Aber das fände ich ein Hammerbuch. Also das lese ich momentan und das würde ich auch jedem empfehlen. Und Film gibt es zwei, die ich auch vor nicht allzu langer Zeit geguckt habe, die aber auch schon ein bisschen älter sind.

Einmal, ähm, oh, ich bin so schlecht mit Namen, wie heißt er nochmal? Three Little Women.

Okay, habe ich noch nicht geguckt, steht noch auf meiner Watchlist.

Super cooler Film, hat mich auch so sehr berührt und hatte ich auch, den gibt es ja auch schon länger und den hatte ich einfach noch nie gesehen. Und dann auch schon ein älterer Film und den habe ich aber auch vor einem halben Jahr oder so das erste Mal gesehen und der hat mich auch umgehauen, war Aaron Brockovic.

Mit Julia Roberts.

Der ist aber schon wirklich alt. Der ist wirklich alt, aber.

Aber trotzdem, also ich fand den Film hammermäßig cool. Die zwar empfehle ich jetzt einfach. Wahrscheinlich gibt es noch irgendwelche krasseren, aber.

Das geht ja um dich halt und nicht um was der krasseste Film. Wir hatten es zwar schon so ein bisschen, aber wenn du jetzt unabhängig von meinem LK ein Album empfehlen würdest, was man unbedingt gehört haben muss, neben deinem.

Danke. Maria Schneider, The Thomson Feels. Ich liebe dieses Album.

Okay. Abschließend, was sind deine privaten Wünsche und die Wünsche an die Bläser-Szene, an die Musikszene?

Also meine privaten Wünsche, das habe ich vorhin auch schon gesagt. Ich glaube, es ist einfach, dass ich hoffe, dass ich das weiterhin Musik machen darf und damit erfolgreich bin und mich damit finanzieren kann. Und an die Bläserszene, Bläserinnenszene, dass man sich gegenseitig unterstützt, dass man sich gegenseitig austauscht, dass einfach die Community immer stärker wird und immer mehr wächst und man weg von dem Konkurrenzgedanken geht und dann ein größeres Miteinander hat.

Okay. Kira, vielen lieben Dank.

Andi, vielen Dank. Es war auch richtig schön, hat mir Spaß gemacht.

Das war die Folge mit Keralin. Ich bedanke mich bei euch, dass ihr bis hierhin gehört habt und mich würde interessieren, wie euch diese Folge gefallen hat. Der Ausflug in den Jazz ist ja immer mal für Blasmusiker vielleicht besonders spannend. Ich habe eine Künstlerin kennenlernen dürfen, die sehr selbstbewusst weiß, was sie möchte und wohin ihr Weg gehen soll.

Ich bin sehr, sehr gespannt, welche Musik da noch rauskommen wird. Ich möchte mich bedanken bei dem Supporter-Buffet Gramport, Beileandermachern für den Schnitt bei Dirk Mattes für die Musik. Und wenn ihr noch mehr hören wollt, gibt es hier noch einen Podcast-Tipp, nämlich Maxine Drucklauer. Sie kommt auch aus Wiesbaden, ist Bassposaunistin und auch künstlerisch in allen Genres mittlerweile unterwegs.

Vom Jazz über Klassik bis hin zur neuen Musik gibt es nichts, was Max nicht macht. Und auch das war ein sehr, sehr spannendes Gespräch. Ich freue mich, wenn ihr beim nächsten Mal wieder einschaltet. Macht's gut, euer Andi.

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