On Air - Der Blasmusik Podcast· Staffel 5· Folge 106

Thomas Asanger (Komponist, Dirigent) - Wie entwickle ich mein Blasorchester weiter?

Donnerstag, 10. Oktober 2024 · 1 h 27

MP3

Shownotes

Schreib mir gern dein Feedback! (buzzsprout.com/1023469/fan_mail/new)
Thomas Asanger hat Deutsche Philologie an der Universität Wien, Fagott, Musikpädagogik mit Hauptfach Chorleitung und Gesangspädagogik an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien sowie Blasorchesterleitung an der Anton Bruckner Privatuniversität Linz studiert. Für sein kompositorisches Schaffen erhielt er zahlreiche Auszeichnungen und Kompositionspreise, darunter auch ein Talentförderungsstipendium des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur (2007). Viele seiner Kompositionen wurden als Pflichtstücke bei diversen Orchesterwettbewerben im In- und Ausland (u.a. in Deutschland und in der Schweiz) nominiert. Seine Kompositionen werden weltweit aufgeführt, darunter auch bei der renommierten Midwest Clinic in Chicago (USA). Seit 2019 ist er als stellvertretender Landeskapellmeister des OÖ. Blasmusikverbandes tätig und seit 2022 ist er Direktor der Landesmusikschule Garsten. Dieses Jahr belegte das Sinfonische Blasorchester Perg unter seiner Leitung den ersten Platz beim renommierten Flicorno d’oro in Riva in der Kategorie Superiore.

Instagram:
@thomasasanger (instagram.com/thomasasanger)
@andyschreck_ (instagram.com/andyschreck_)

Supporter:
buffetcrampon.com
Instagram: @showroom_munich (instagram.com/showroom_munich)

Wie du mich unterstützen kannst?
- Podcast abonnieren
- Newsletter abonnieren -> Air-Mail (bit.ly/3EnZCUp)
- Werde Patron -> patreon.com/andyschreck (um mehr bzw. früher Folgen zu hören)

Schnitt: Leander Machan
Musik: Dirk Mattes

Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin

Wertungsspiele sind einfach unumgänglich, wenn es um die Qualität von einem Musikverein oder einem Orchester geht. Warum? Die Unberechenbarkeit in Proben einfach spannend ist. Die Leute wissen noch nicht, was passieren wird. Und das ist ein kostbares Gut. Ich glaube, es hängt mit der lehmenden Gewöhnung zusammen.

Ich glaube, dass das Gewohnte oft einfach auch Sicherheit gibt. Aber das Problem, ich glaube, dass ganz viele Vereine deswegen nicht so gut funktionieren, weil es halt immer dasselbe ist. Wenn ich an einem Punkt bin, an dem ich nichts mehr bewegen kann, das auch zu erkennen, ist, glaube ich, ganz wichtig.

Herzlich willkommen bei OnAir, dem Blasmusik-Podcast. Mein Name ist Andy Streck und ich treffe mich mit Dirigenten, Komponisten, Musikern und Visionären aus der Welt der Blasmusik. Wir sprechen über Ansichten, neue Ideen, das Leben und natürlich Musik. Willkommen bei einer neuen Folge von OnAir, dem Blasmusik-Podcast.

Schön, dass ihr wieder dabei seid und wenn ihr neu seid, möchte ich euch willkommen heiß hier bei der Blasmusik Community. Schön, dass ihr ein Teil davon seid. Bevor es nun losgeht, ich sage das immer wieder und ich freue mich, dass es in letzter Zeit so zugenommen hat. Deswegen auch an die Neuen die ganz, ganz große Bitte, bitte abonniert diesen Podcast, denn das erweitert meine Reichweite und eine größere Reichweite ermöglicht mir, größere Gäste einzuladen.

Wie immer noch der Supporter dieser Folge und das ist Buffet Gramp bzw. der Clarymate aus dem Hause Buffet Gramp. Der Clarymate macht es möglich, mit einer Klarinette einerseits lautlos zu üben, aber auch andererseits die Klarinette als digitales Blasinstrument zu benutzen. Dabei verwendet der Clarymate hochpräzise Sensoren und eine patentierte Notenerkennungstechnologie, um Blatt, Atem und Fingersatz in digitale Signale zu übersetzen.

Mit Kopfhörer dient der Clarymate somit als lautloses Übelgerät für Fingersätze. Mit Computer, Tablet oder Smartphone könnte man verschiedene Sounds digital gestalten und somit seine eigenen Songs oder vielleicht eine ganze Sinfonie allein mit dem Clarymate aufnehmen. Kompatibel ist das Ganze mit iOS-Geräten, aber auch mit Android und Windows Computer.

Der Clarymate passt für alle B A-Klarinetten mit Böhm-System. Eine Version für deutsche Klarinette ist derzeit in Entwicklung. Also, wenn ihr mal was Neues ausprobieren wollt, neue Wege gehen wollt, dann probiert es den Clarymate aus und komponiert eure eigenen Songs ganz allein mit der Klarinette. Mein heutiger Gast ist Komponist, Dirigent, Wertungsrichter und vieles mehr.

Die meisten von euch werden seinen Namen kennen, denn fast jedes Blasorchester hat mit Sicherheit schon ein Stück oder ein Arrangement von ihm gespielt. Die Rede ist von Thomas Asanger. Eigentlich haben wir das Gespräch schon im März geführt. Durch technisches Versagen mussten wir das Gespräch nochmal wiederholen, was gar nicht so schlimm war, denn Thomas hat währenddessen mit seinem Orchester den ersten Platz in der Superiore in Riva beim Flicorno de Oro gewonnen.

Deshalb haben wir nicht nur über Stückauswahl, Proben gesprochen, sondern auch über Wertungsspiele und warum er der Meinung ist, dass Wertungsspielen das entscheidende Mittel, um ein Orchester nach vorne zu bringen. Und er plädiert dafür, dass es für jedes Orchester so ist. Ich wünsche euch jetzt viel Spaß mit Thomas Asanger im Blasmusik-Podcast.

Mein heutiger Gast hat Deutsche Philologie an der Universität Wien. Fagott Musikpädagogik mit Hauptfach Chorleitung und Gesangspädagogik an der Universität für Musik und Darstellende Kunst in Wien sowie Blasorchesterleitung an der Anton Bruckner Privatuniversität Linz studiert. Für sein kompositorisches Schaffen erhielt er zahlreiche Auszeichnungen und Kompositionspreise, darunter auch eine Talentförderungsstipendium des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur 2007.

Viele seiner Kompositionen wurden als Pflichtstücke bei diversen Orchesterwettbewerben im In- und Ausland, unter anderem in Deutschland und in der Schweiz, nominiert. Seine Kompositionen werden weltweit aufgeführt, darunter auch bei der renommierten Midwestklinik in Chicago. Seit 2019 ist er als stellvertretender Landeskapellmeister des Oberösterreichischen Blasmusikverbandes tätig und seit 2022 ist er Direktor der Landesmusikschule Gersten.

Dieses Jahr belegte das Sinfonische Blasorchester Perg unter seiner Leitung den ersten Platz beim renommierten Flicorno de Oro in Riva in der Kategorie Superiore. Ich freue mich, dass er heute hier ist und sage herzlich willkommen, Thomas Asanger.

Schönen Vormittag, ich freue mich, dass ich hier sein darf.

Herzlichen Glückwunsch. Zum Titel ist zwar ja schon ein bisschen her, aber kann man ja nochmal sagen.

Ja, danke. Vielen Dank. Es wirkt nach.

Das glaube ich. Wir kommen später nochmal darauf zurück, aber zuerst, welches Stück Musik hast du dir als letztes bewusst angehört?

Welches Stück Musik habe ich mir als letztes bewusst angehört? Es war die Jubilee-Ouvertür von Philipp Spark. Ein Stück, das ich mit meinem Orchester im Herbst aufführen werde.

Okay, Thomas, wenn wir uns heute an der Bar kennenlernen würden, in allem, was du machst, studiert hast, was würdest du sagen, wenn ich dich frage, was machst du beruflich? Was machst du?

Ich würde sagen, ich bin in mehreren Funktionen beruflich aktiv. Ich bin Direktor der Landesmusikschule Gasten. This is my täglicher Job, in dem ich bin. Ich habe da ein Kollegium mit circa 30 bis 40 Lehrern, das wechselt immer so ein bisschen. Und für die ich da dienstlich zuständig bin. Und wickle da den Dienstbetrieb ab.

Und als zweites Standbein habe ich die Komposition, die unweigerlich dann auch zum Dirigieren geführt hat. Also ich würde sagen, ich bin Direktor einer Landesmusikschule und Komponist mit der zusätzlichen Aufgabe Dirigent.

Okay, wie kam generell Musik in dein Leben? Also wie hat das alles angefangen?

Das war eigentlich sehr naheliegend. Meine Mutter ist selbst Musiklehrerin gewesen und Musik war einfach sehr präsent. Es war eher die Klassik, hätte ich gesagt, klassische Musik, die sehr präsent war. Meine Mutter war eine Schulkollegin von Franz Welser Möss, dem bekannten Star-Dirigenten. Sie haben beide quasi den Abschluss in der neunten Klasse gemacht.

Also das ist in dem Fall dann die quasi Matura-Reife-Prüfung Abitur. Und ja, von dem her war es wirklich eigentlich komplett naheliegend, dass ich in irgendeiner Form mit Musik in Berührung komme. Natürlich ist bei uns in Obersterich die Blasmusik extrem präsent im Alltag. Also die Blasmusik umrahmt sämtliche Veranstaltungen im örtlichen Bereich.

Und deswegen war es dann natürlich auch naheliegend mit dem Connects Musik und dann auch die Blasmusik, die ja präsent ist, dass ich irgendwie mich da einbringe. Ich habe dann Forgott gelernt als erstes Instrument tatsächlich. Und ich habe da das Glück gehabt, dass meine Nachbarin selbst Forgott-Lehrerin war und da war es dann auch naheliegend, Unterricht zu bekommen.

Und so hat sich das alles selbstverständlich gefügt.

Wie kommt man als kleines Kind zum Fagott? Das ist ja eher, also wenn ich bei uns anschaue, eher so das unüblichere Instrument. Wie kam das?

Naja, das war, es hat ein Neujahrskonzert gegeben mit den Wiener Philharmonikern, das ich gehört habe und gesehen habe mit meinen Eltern. Und dann bin ich einfach begeistert gewesen von diesem Instrument und habe auf das Fagott hingezeigt und gesagt, dieses Instrument möchte ich lernen. Und der Zufall hat es gefügt oder hat es ermöglicht, dass meine Nachbarin eben da auch Möglichkeiten gehabt hat.

Was hat dich als Kind an dem Instrument fasziniert? Die Optik? Weil Fagott raushören ist ja auch als Kind wahrscheinlich.

Ja, stimmt. Es war einfach ein großes Instrument. Ganz genau weiß ich es nicht mehr, aber es hat halt irgendwie optisch offensichtlich eine Faszination auf mich ausgeübt.

Okay. Wie kam das dann, dass du gesagt hast, okay, Fagott lernen oder spielen? Finde ich cool, will ich beruflich machen. Also warum dann Musik studieren?

Ja, ich war ein mittelmäßiger Schüler, ganz einfach, und habe dann einfach entscheiden müssen, was mache ich beruflich machen. Und da hat sich dann trotzdem herauskristallisiert, dass die Musik für mich eine Leidenschaft ist, die ich ganz gut mache. Ich persönlich hatte ja nie, war nie der große Über am Instrument, ich war nie der große Instrumentalist.

Ich würde sagen, ich habe einfach einen sehr spielerischen Zugang zur Musik immer schon gehabt. Also ich habe mit dem Komponieren ganz spielerisch begonnen. Ich habe quasi mit den Tönen jeden Tag Stunden zu tun gehabt, weil ich es geliebt habe und nicht, weil mir irgendwer gesagt hat, übe das, übe das, mach das, mach das.

Ich habe auch die Aufnahmeprüfung in Wien mit 18 oder 19 ohne Vorbereitung gemacht, weil ich es einfach, das war einfach in mir. Ich habe es einfach gern gemacht und musste dann nicht irgendwie krampfhaft irgendwas musiktheoretisch üben oder so, irgendwie Gehörbildungsübungen oder sonst irgendwas. Das habe ich eh jeden Tag gemacht.

Und dadurch war das für mich selbstverständlich und das war, die Aufnahmeprüfung war für mich extrem schwer gewesen an dem DW, diese Aufnahmeprüfung. Das waren 200 Bewerber für 30 Studienplätze oder so. Und da haben sie bei der Musiktheorie extrem aussortiert. Das war einfach irgendwie, das war irgendwie, wohl ging das mit Leichtigkeit, weil es sowieso jeden Tag quasi mit drei Klängen, vier Klängen, mit Harmonielehre zu tun hatte.

Also das war in Wahrheit für mich mit 19 gab es keine andere Möglichkeit.

Wenn ich so lese, was du alles studiert hast, stellt sich mir als erstes die Frage, wann hast du das gemacht? Du bist ja jetzt noch nicht so alt.

Na, wann habe ich das gemacht? Naja, ich habe immer zunächst lange studiert. Also ich habe 2007 mit einem Vorbereitungslehrgang begonnen, 2008 und habe 2016 abgeschlossen, also acht Jahre. Also das heißt, das ist schon eine Studienzeit, die eher lang ist. Da bringt man schon einiges unter. Es ist so, dass ich ursprünglich mit Musikerziehung, also Lehramt quasi begonnen habe und habe dann im Rahmen des Studiums mit Lehramt einfach eine Liebe zum Gesang entwickelt.

Und so hat sich das auch alles entwickelt. Ich habe dann Gesangspädagogik angehängt. Und das hat sich ja nur deswegen ergeben, weil ich zunächst die Pflichtfach in Gesang, in Musikerziehend da einen Zugang bekommen habe. Also das hat sich ja auch irgendwie das eine aus dem anderen ergeben.

Singst du heute noch?

Beruflich in der Probe, wenn ich vorsinge, aber nicht konzertant in dem Sinn. Also es gibt im Herbst gibt es ein Konzert mit meinem Orchester, da werde ich auch sängerisch quasi im Ensemble tätig sein. Aber sonst eigentlich sehr wenig, ja. Obwohl ich, glaube ich, eigentlich eine sehr gute Anlage hätte für eine Gesangskarriere.

Aber das ist dann irgendwann Prioritätenfrage.

Was bist du für eine Stimmlage, Bariton? Bass Bariton. Okay. Ich würde erstmal auf deine Dirigerschaffenheit, Dirigentenschaffenheit, ein bisschen zu sprechen kommen. Ich kann ja sagen, wir haben das Gespräch ja schon mal so ein bisschen geführt, dann hat das ja aus technischen Gründen nicht so ganz geklappt und wir haben damals über Wertungsspiele gesprochen auch und jetzt habt ihr ja auch eins gewonnen und jetzt nicht gerade das Unbekannteste.

Was spricht für dich als erstes erstmal für Wertungsspiele?

Wertungsspiele sind einfach unumgänglich, wenn es um die Qualität von einem Musikverein oder einem Orchester geht. Warum? Das Wertungsspiel ermöglicht mir über einen Zeitraum, über einen längeren Zeitraum, dass ich mich intensiv mit Musik auseinandersetze. Und man muss so ehrlich sein, wenn ich ein Konzertprogramm in drei Monaten vorbereite, dann habe ich niemals die Zeit, zehn Stücke in derselben Intensität zu proben, wie das bei zwei oder drei Wertungsstücken der Fall ist.

Das heißt, die Möglichkeit, bei einem Wertungsspiel intensiv oder in die Tiefe zu gehen, ist einfach ungleich höher. Und diese ungleiche, höhere Intensität bei dem Hineinarbeiten in ein Stück ermöglicht mir einfach eine tiefere Beschäftigung mit der Materie und auch mit den Musikern. Sie müssen detaillierter arbeiten, sie müssen auch Hindernisse und Herausforderungen mehr begegnen, logischerweise.

Denn je tiefer ich in die Materie einsteige, desto offensichtlicher werden auch oft die Probleme, die sich in der Beschäftigung mit der Musik auseinander ergeben. Beim ersten Mal durchspielen klingt oft alles schon irgendwie super. Aber wenn man in einen Dreiklang oder in einen Vierklang genau in die Intonation hineingehen muss, dann sieht man mal, wo ist eigentlich mein Kollege, wo ist meine Kollegin in der Intonation.

Man muss einfach viel, viel mehr geben. Und diese Intensität, die bringt uns dann letztendlich in der Qualität einfach auch weiter. Und deswegen sage ich, ich sage es auch immer pointiert, und es gibt sicher auch Leute, die das anfänden und sagen, das kann man nicht sagen, aber ich sage, wem die Qualität in einer Musikkapelle ein echtes Anliegen ist, der kommt nicht drum herum, an Wertungsspielen teilzunehmen.

Okay, ich verstehe den Punkt. Was sagst du jemand, der sagt, okay, mein Orchester ist rein besetzungstechnisch gar nicht aufgestellt, an einem Wertungsspiel teilzunehmen, weil das fehlt oder das fehlt oder ja.

Das ist für mich eigentlich eine faule Ausrede. Warum? Es muss ja nicht jeder in Riva beim Orchesterwettbewerb teilnehmen. Es gibt ja auch Bezirkswertungsspiele. Also ich kann jetzt nicht für die gesamte Welt sprechen, aber ich kann nur sagen, in Oberösterreich haben wir verschiedene Stufen, Schwierigkeitsgradstufen.

Und wenn ich die Stufe A, das ist die Grundstufe, hernehme, da haben wir Literatur, die sehr, sehr elementar ist. Also wo viele Besetzungen schon auch die Möglichkeit haben, dass sie da teilnehmen. Wir haben in Oberösterreich auch die Stufe seit einigen Jahren eingeführt, Feedback. Das ist eine Stufe, da gibt es keine Punkte, aber man kann sich ein mündliches und schriftliches Feedback von Juroren holen.

Also wenn man sagt, man will sich mit Punkten nicht messen, dann gibt es auch immer die Möglichkeit zu sagen, ich arbeite zwei Monate an zwei Stücken, freier Wahl, egal was es ist. Und dann lasse ich mir das, lasse ich von außen drauf schauen und lasse mir, möchte mir Feedback geben lassen für meine Arbeit und für das, wie wir teilgenommen haben.

Also für meinen Bereich, in dem wir aktiv sind, jetzt auch im Verband konzeptionell und organisatorisch, kann ich nur sagen, es gibt kein Argument, kein organisatorisches Argument für einen Verein oder inhaltlich didaktisch, wenn man so will, zu sagen, ich kann leider nicht teilnehmen, weil die Rahmenbedingungen geben es nicht her.

Du kannst auch mit 15 Leuten ein Ensemble gründen, sagen, wir sind die Musikkapelle XY und ich nehme mit meinen 15 Leuten teil und dann suche ich mir zwei Stücke aus, die irgendwie in der flexiblen Besetzungsthematik unterwegs sind und dann spiele ich zwei Stücke. Aber was soll mich, es kann mich nichts daran hindern, mich weiterzuentwickeln.

Also bei uns gibt es das nicht. Und von diesem Aspekt her kann ich es auch nicht nachvollziehen. Also ich kann es nur jedem empfehlen, es ist auch für ein Orchester natürlich ist mühsam. Also klar, meine Musikerinnen und Musiker im Verein, jetzt bei der Stadtkapelle Berg zum Beispiel, natürlich habe ich da auch Leute, die sagen, das ist mühsam und nicht schon wieder das, ja.

Aber seien wir uns doch ehrlich, wenn wir in die Tiefe gehen, wenn wir mehr machen als das Nötigste, dann schafft das oft auch Herausforderungen. Und klar, wir können einen Spaziergang machen, immer im Rahmen unserer Möglichkeiten, die geht eine halbe Stunde in der Geraden dahin und das passt für uns.

Oder ich suche mir immer wieder höhere Berge, auf die ich gehen möchte, mit der Gefahr, dass ich auch einmal zurückgehen muss, weil es zu anstrengend ist. Dann muss ich halt zurückgehen. Aber ich habe eine Erfahrung gemacht, die mich um das Stück mehr weiterbringt als der Spaziergang, den ich ohnehin seit 20 Jahren mache.

Also ja, und Neues zu Wagen Herausforderungen zu machen oder zu Wagen, bringt halt einmal irgendwie auch Gegenwind mit sich, ja klar. Also wenn ich auf den Berg gehe, was ich eigentlich fast nicht mache, dann ist das für mich die größte Anstrengung und auch mit Frustration verbunden. Also meine Frau ist da wesentlich agiler, sage ich mal.

Und natürlich führt es dann auch zu irgendwie Frustration, weil es mühsam ist, ja. Aber das ist die Sache. So ist das. Und das ist auch bei der Musik so. Und es gibt Leute, Entschuldigung, wenn ich so lange rede dauert, es gibt Leute im Musikverein, die sagen, das ist super, und es gibt Leute im Musikverein, die sagen, das ist ja eine Katastrophe.

Und diese Wertungsspielthematik. Und in der Gruppe ist es ja auch so, da gehört das Ringen um die gemeinsamen Positionen auch dazu. Das ist Teil von Gruppendynamik, dass es unterschiedliche Positionen gibt und diese unterschiedlichen Positionen, dass eine gemeinsame ausgehandelt wird, quasi im Tun, das ist der Sache immanent.

Das gehört dazu. Und zu sagen, ja, es ist zu schwierig im Verein, weil wir haben da, ja, aber dann gibt es keinen Verein, Vereinen. Das ist die Sache. Wir sind, sagen wir, 50, 60 Individuen und einigen uns in einem Miteinander, in einer Kommunikation auf ein gemeinsames Miteinander. Und das ist ein Prozess.

Aber das ist Wertungsspiel. Das bringt uns weiter in nicht nur in musikalischer Hinsicht, sondern auch sozial. Das ist ein das belebt den Verein.

Ich habe, glaube ich, gefühlt 50 Fragen dazu. Ich versuche das mal irgendwie systematisch zu machen. Ich glaube, das Wichtigste vielleicht, um noch mehr das zu verstehen oder auch deinen Erfolg zu verstehen, ist erstmal die Frage, wie lange bist du jetzt in dem Orchesterdirigent?

Also ich rede jetzt, ich bin in zwei Orchestern aktiv. Bei der Stadtkapelle, das ist ein klassischer Musikverein eines einer Stadt, einer 9000-Einwohner-Stadt in Oberösterreich. Diesen Verein leite ich seit 2012. Und das Symphonische Blasorchester ist ein Auswahlorchester mit zwei Projekten pro Jahr, mit einem Kern von 60 Leuten.

Also wir sind in etwa 70, 75 Musikerinnen und Musiker und in etwa 60 sind immer als Kernteil der Sache. Mit dem Symphonischen Blasorchester mache ich in der Regel keine klassischen Wertungsspiele bei im Bezirksverbandsbereich. Mit der Stadtkapelle Perg trete ich eigentlich jedes Jahr bei einer Konzertwertung an, heuer im Herbst auch beim Landeswettbewerb der Stufe D.

Das wäre in Deutschland, glaube ich, die Höchststufe. Da haben wir, genau, da spielen wir quasi um die Teilnahme beim Bundeswettbewerb mit. Aber das sind zwei unterschiedliche Orchester, mit denen ich da arbeite und auch ein bisschen die Ausrichtung unterschiedlich.

Und der Anspruch natürlich, bei einem Auswahlorchester ist ja sowieso klar, in welche Richtung man geht. Und wie der Name schon sagt, Auswahl. Also wer nicht will, macht ja auch keinen Sinn. Deswegen bleiben wir mal ein bisschen bei der Stadtkapelle. Wenn du 2012, dann bist du zwölf Jahre da. Wenn du dir mal anschaust, wie du dieses Orchester übernommen hast und wo ja jetzt steht.

Ja, 2012 habe ich das Orchester in einer eher schwierigen Situation übernommen. Da hat es einfach ein Zerwürfnis gegeben mit einem Dirigenten davor. Und habe dann das Orchester, das Problem war, der Dirigent damals aus meiner Sicht hat sehr einfache Literatur, also technisch einfach Literatur aufgelegt.

Und die Reaktion von vielen Musikern ist natürlich, das können wir beim ersten Mal vom Platz spielen und das brauchen wir gar nicht mehr proben. Also die paar Noten, die bringen wir hin. Und wir haben ja tatsächlich ein tolles Orchester und die Musiker haben das auch super gespielt. Nur war dann mit der Zeit die intensive Auseinandersetzung mit halben und ganzen Noten irgendwann nicht mehr so spannend, sage ich mal, extrem.

Und deswegen hat es dann irgendwie ein Problem gegeben mit Probenbesuch und solchen Dingen. Und irgendwann hat es einfach nicht mehr geklappt und die Zusammenarbeit wurde kurzfristig beendet. Und dann habe ich einen Verein eigentlich übernommen, der motivationsmäßig eher nicht so gut beisammen war. Und dann habe ich eben versucht, durch gezielte Literaturauswahl einfach auch so ein bisschen die Motivation wieder hineinzubringen, dass die Leute das üben anfangen und so weiter.

Und das ist tatsächlich gelungen. Und ja, und mittlerweile würde ich schon sagen, dass wir sehr gut aufgestellt sind. Eigentlich musikalisch sind wir schon richtig, also es ist wirklich eine Freude zur Proben. Natürlich gibt es auch Herausforderungen in einer Probe, ganz klar, es sind alles Hobbymusiker.

Aber es gibt einen, ja, glaube ich, einen guten Drive und von dem her ist die Entwicklung schon schon absolut in Ordnung, würde ich sagen.

Okay. Wie sieht bei dir so eine Probe aus? Bist du eher auf der Seite, die sagt, okay, wir brauchen ein gemeinsames Einspielen oder eher auf der Seite, das sollen nur die Musiker machen und dann gehen wir gleich in die Musik oder also in das Stück. In die Musik geht man ja auch sonst.

Ich mache schon ein Einspielen, aber nicht ein Einspielen um den Selbstwillen oder um seiner selbst quasi, oder sondern ich nehme meistens ein Stück, das ich ohne in einem Konzertprogramm habe, irgendwas vielleicht Getragenes, Langsames, mit viel Zeit, um den Ansatz in Schwung zu bringen. Das ist ja das, was wichtig ist, dass wir lange Noten spielen, langsam, behutsam mit dem Ansatz einsteigen können, die vielleicht auch von den Tonhöhen nicht zu sehr fordern nach oben.

Und dann spiele ich einfach ein paar Minuten mit diesem Stück, starte ich dann. Aber es gibt für mich keine klingende B-Dur-Tonleiter, die wir gemeinsam irgendwie spielen oder es gibt keine dezidierte Einspielliteratur, davon halte ich persönlich wenig. Nicht, weil das nicht auch ein Zugang ist. Ich für mich, und da bin ich halt, ich glaube, also wir ringen oft eh schon mit der Probenzeit.

Wir haben eine zweistündige Probe in etwa. Ich habe ein Konzert mit, keine Ahnung, 12 bis 15 Proben zu machen. Und dann nehme ich mir jedes Mal bei der Probe 15 bis 20 Minuten fürs Einspielen von Literatur, die ich dann niemals aufhöre, Zeit. Das ist für mich verschwendete Zeit jetzt nicht, weil die nicht, weil die Literatur zum Einspielen schlecht wäre, sondern ganz einfach, weil ich pragmatisch versuche, sehr kompakt zu proben.

Also ich bin kein Mensch, der gerne über Gebühr probt. Also ich probe mit nie keinem Orchester mehr als notwendig ist, aber die Zeit, die wir dann proben, da dürfen die Leute schon arbeiten. Das ist schon harte Arbeit da.

Wie genau sind deine Proben vorher durchgeplant? Von deiner Seite aus?

Die Proben sind, was die Struktur oder wie soll ich sagen, die Grobprobenplanung, welche Stücke, welche Abschnitte ich probe, sind schon sehr klar festgelegt. Da überlege ich mir schon, dass ich kompakt Probe. Also ich habe zum Beispiel ein Projekt gemacht mit Bilder und Ausstellung, mit ganz vielen verschiedenen einzelnen Sätzen, mit verschiedenen Besetzungskonstellationen, wo dann einmal die Typosaunen 70 Takte Pause gehabt haben und die Trompeten einmal drei Sätze nichts zu spielen oder so oder nur zwei Einsätze.

Da habe ich es dann schon so gemacht, dass ich einen Probenplan gemacht habe, wo ich gesagt habe, die Leute müssen heute kommen, die Leute müssen heute nicht kommen, weil ich will die Leute nicht, ich will, ich sage es ganz einmal ganz treffend, glaube ich, die Netto-Spielzeit des Musikers muss vertretbar spürbar sein.

Das heißt, wenn ein Musiker mehr herumsitzt, als er spielt, dann habe ich bei der Probenplanung gravierende Fehler gemacht. Also das ist mein Job.

Ja, kommunizierst du vorher schon, was du proben willst, damit die Musiker sich einstellen können?

Wenn es solche Sätze gibt oder solche Abschnitte wie bei Bildern Ausstellungen zum Beispiel, wo es so offen kundig ist, dann gibt es einen Probenplan, wo ich dann sage, okay, ihr kommt es früher, ihr könnt es später, was auch immer, ihr könnt es früher wieder gehen, ja. Und sonst kommuniziere ich es nicht.

Ich habe auch schon überlegt, ob ich es kommunizieren soll. Aber die Unberechenbarkeit von Proben ist mitunter das größte Gut, das wir haben als Leiter. Weil die Unberechenbarkeit in Proben einfach spannend ist. Die Leute wissen noch nicht, was passieren wird. Und das ist ein kostbares Gut. Wenn ich ihnen schon sage, wir machen heute 10 Polkas, da werden wahrscheinlich 15 Leute zu Hause bleiben, weil sie es nicht interessieren.

Hingegen, wenn ich es nicht zu sehr kommuniziere, kann es auch eine Chance sein, die Leute zu überraschen mit dem, was passieren wird. Und das ist, also das ist schon, glaube ich, nicht unerheblich, dass man sich nicht zu viel in die Karten schauen lässt.

Du hast das schon zweimal, einmal bei der Übernahme des Orchesters, jetzt eben ist es auch nochmal gefallen, wie gehst du mit Probenbeteiligung um? Wie gehst du mit Menschen um, die sagen, okay, das interessiert mich gerade nicht, ich kann das Stück sowieso, ich komme dann erst in vier Wochen wieder.

Naja, so offensiv wird ja das nicht kommuniziert. Die Musiker sagen das ja nicht so direkt. Ich persönlich lege schon einen großen Wert auf Probenbeteiligung. Das heißt, ich glaube, also wie soll ich sagen, also ich glaube, es ist sehr unterschiedlich, wie das gehandhabt wird. Oder ich glaube, wir können als Dirigentinnen und Dirigenten nur bedingt darauf Einfluss nehmen, ob Musiker kommen oder nicht kommen.

Aber was wir schon tun können, ist möglichst klar die Rahmenbedingungen schaffen, die Spielregeln festzusetzen. Das heißt Probenabmeldungen. Ich habe es eigentlich jetzt viele, viele Jahre so gehandhabt, dass Proben, dass sich die Leute persönlich bei mir abmelden, bei den Proben. Und das hat eigentlich toll funktioniert, weil jemand, der mir eine WhatsApp schreiben muss oder mich anrufen muss, der muss diesen Weg der persönlichen Interaktion mit mir wählen.

Der muss sich jetzt abmelden. Und ich habe es immer so gemacht, jemand, der sich nicht abmeldet, da hat es dann nächsten Tag von mir schon eine Nachricht gegeben, ich bitte dich in Zukunft wieder von der Probe abzumelden. Das kann man ja machen. Das ist ja nicht unfreundlich. Also das heißt, da muss man konsequent sein.

Also wer Probenabmeldungen will, muss auch die Konsequenz leben, zu sagen, wer sich nicht abmeldet, wird darauf hingewiesen. Freundlich, aber bestimmt. Das heißt, ich kann nicht Probenabmeldungen einfordern und dann sagen, wer sich nicht abmeldet, das ist halt dann wurscht. Das Schöne ist, wenn man das einmal ein paar Monate konsequent macht, dann wissen alle Leute die Spielregeln und wissen, so funktioniert es und dann klappt es auch.

So, jetzt haben wir vor kurzem eine App eingeführt, die ja vielfach genutzt wird, Konzertmeister, die ich kenne die Entwickler auch persönlich, wirklich hervorragende Leistungen, die da erbracht worden sind. Aber was muss ich feststellen, die Verbindlichkeit nimmt ab bei den Entschuldigungen, man trägt sich vielleicht ein, aber vielleicht trägt man sich auch dann nicht mehr ein.

Wenn man dann doch nicht kommt, ist man zwar grün markiert, aber man ist halt dann doch nicht gekommen, sieht man es eh, dass er nicht da ist. Und ich werde das aber auch wieder umstellen. Also ich finde die App super, aber ich möchte noch mehr diese Interaktion wieder zurückholen. Das heißt, mir ist es wichtig, dass die Leute sich dann werden zugestalten, die Leute tragen sich ein, das wird dann eingefriert und die Leute müssen sich dann persönlich, wie bei mir, entweder per WhatsApp oder Anruf, falls sich eine Probenabwesenheit ändert, wieder persönlich abmelden.

Warum? Es ist schnell irgendwo ein Hackerl mit Grün oder Rot gemacht, aber es ist nicht schnell ein Anruf, bei dem ich mich erklären muss. Das ist einfach viel verbindlicher und diese Verbindlichkeit möchte ich einfach wieder haben. Also wie gesagt, wir werden eine Hybridfassung von Digital Konzertmeister, in dem Fall kleine Werbung für ein tolles Produkt.

Und die Variante mit der persönlichen Abmeldung, die werden wir einfach jetzt machen. Aber wie gesagt, ich bin da schon sehr konsequent. Wir haben einen super Probenbesuch eigentlich. Also da sind wir super unterwegs. Also ich habe in den Proben sind so 45 Leute im Schnitt. Das ist schon absolut okay.

Also bin ich nicht unzufrieden.

Wie suchst Literatur für bleiben wir erstmal bei einem Konzert aus. Wertung spielst ja nochmal ein bisschen anders. Für deine Konzerte aus. Du hast ja noch den Blick des Komponisten dabei. Auf was legst du Wert?

Also für mich muss mindestens ein Stück dabei sein, das von den technischen Anforderungen her über den eigentlichen Möglichkeiten des Orchesters liegt. Das heißt, ein Stück muss wirklich technische Herausforderung sein. Ein Stück muss so schwer sein, dass es auch Musiker gibt, die sagen, das schaffe ich nicht.

Warum? Wissenschaftliche Erkenntnisse haben uns gezeigt, die Produktivität steigt, je höher das Erregungsniveau ist. Jacques Dotzengesetz. Erregungsniveau muss, also das heißt, ich muss die Leute einmal ein bisschen kitzeln, dass sie produktiv werden. Und wenn ich das nicht mache, dann kann ich auch nicht produktiv werden.

Das heißt, je niedriger das Erregungsniveau, desto niedriger auch die Produktivität. Das ist ganz klar. Und deswegen bin ich auch ein, ich habe schon viele Workshops gehalten zum Thema Literaturauswahl, aber deswegen bin ich auch ein Verfechter davon, dass ich glaube, Motivation im Orchester lässt sich mit Literatur anfachen.

Und ich habe selber in meinem Orchester erlebt, wir haben so in der Oberstufe in etwa gespielt, vor der Übernahme, vor meiner Übernahme. Ich habe dann einfach einmal The Hounds of Spring von Allf and Reed aufgelegt, wo jedes Instrument von der Piccolo bis zur Tuba gefordert war. Die Leute haben üben müssen, aber sie haben das Stück auf der Aufnahme gehört und gesagt, boah, das wollen wir spielen.

Und dadurch haben wir dann einfach Motivation zusammengehabt. Das war dann einfach naheliegend. Dass dann einfach durch die Literatur, von der man begeistert ist, die man liebt, dass man dann auch zur Leistung kommt. Also das ist einmal das eine, das ist ein Stück einmal auswählen für ein Konzert. Aber dann geht es für mich schon auch darum, dass man so ein bisschen den Publikumsgeschmack dem auch ein bisschen Sorge trägt.

Und ein Konzertmarsch oder eine Polke ins Programm nimmt. Aber, und das sage ich klar dazu, ich glaube nicht, dass ich mich als Orchester nach dem Publikum richten muss oder soll. Ich persönlich bin eigentlich ja der Meinung, wenn meine Musiker mit dem Programm so dick sind, dann ist es eigentlich die wichtigste Grundlage für die Vermittlung ans Publikum.

Also ich kann selbst die schwierigste, komplexeste Literatur darbieten, wenn die Musiker mit dem wirklich auf du und du sind, dann wird sich das auch die komplexeste Literatur vermitteln. Hingegen, wenn man halbherzig eine Polka spielt, die beispielsweise die Musik einfach nicht mögen, dann wird es auch das Publikum nicht erreichen.

Also es gibt ja verschiedene Ebenen. Ich bin als Dirigent eine Ebene, die Musikerinnen und Musiker sind eine Eben und das Publikum. Aber eine Ebene überspringen ist falsch. Wir müssen die Communication in der Richtung, die sich quasi die sich ergibt, unweigerlich auch machen. Ich als Dirigent zu den Musikern von den Musikern, Musik, die Musik zum Publikum und nicht Dirigent Publikum.

Da lasse ich eine Gruppe aus. Das glaube ich ist ganz, ganz wichtig. Und ja, wir haben schon wirklich schwere Stücke gespielt. Also Solemnitas von Franco Cesarini zum Beispiel. Das ist ein Stück, das man, wenn man es sich anhört und eine Laie würde der mit dieser Musik noch nichts zu tun gehabt und würde sagen, das ist so komplex, das da mit der Fuge dann am Schluss, das ist, das verstehe ich nicht.

Aber das muss man sich vorstellen. Wir haben da ein Konzert gemacht mit dem Startrompeter Thomas Ganz vom Nosil Brass. Im zweiten Teil hat er gespielt und im ersten Teil haben wir Solemnitz ganz am Schluss gespielt. Die Leute haben getrampelt und gejubelt nach diesem Stück. Wir sind aber jetzt, wir sind aber ein Ort, ein normaler Ort, in der Blasmusik gemacht wird.

Aber das Spannende war, wir haben im zweiten Teil einen tollen Solisten gehabt mit mega Output natürlich, und war natürlich auch beim Publikum extrem erfolgreich. Aber zusätzlich haben wir im ersten Teil extrem schwere Literatur gemacht, die nicht weniger gut angekommen ist. Warum? Man muss einfach Zugang zur Musik haben, die Musik, die sich dann vermittelt aufgrund der Intensität der Interpretation.

Ja. Bin ich voll bei dir. Dass die Energie, die vom Orchester kommt, tatsächlich auch komplexe Werke tragen kann. Oder wie oft spielen Kompositionen von dir selbst eine Rolle in deinen Konzerten oder sparst du dir das eher aus?

Ich versuche da eher sparsam damit umzugehen. Natürlich arrangiere ich immer wieder was, weil ich irgendwie halt dann sehe, das, was ich gerade arrangiert haben möchte, das gibt es in dieser Form vielleicht nicht. Oder das Arrangement gefällt mir nicht so, oder ich brauche es halt ein bisschen anders, dann arrangiere ich mir ja mal schnell was als Zugabe oder irgendwas.

Das kommt schon regelmäßig vor. Aber dann ist das meistens ein Stück, das nicht dem nicht so viele zentrale Bedeutung zukommt. So konzertante Stücke, große konzertante Stücke, damit gehe ich eigentlich sehr sparsam um und versuche schon meine Rollen auch ein bisschen zu trennen. Es gibt ja auch die Dirigenten, die dann sagen, die dann sagen, ich bin Dirigent und dann spiele ich fast nur Stücke von mir selbst in einem Konzert.

Das ist was anderes, wenn der Komponist vielleicht zum Dirigieren eingeladen wird, wo man dann wirklich ein Themenkonzert zum bestimmten Komponisten macht, aber sich mit aller Gewalt bei jedem Orchester mit seiner Musik irgendwie zu produzieren, sage ich schon fast, finde ich ein bisschen zu viel des Guten.

Und zwar, ich überlege immer, welche Funktion habe ich, in der ich gerade tätig bin. Und wenn ich Kapellmeister Stadtkapelle Perg bin, dann bin ich Kapellmeister und nicht Komponist. Das heißt nicht, dass einmal ein Stück dabei ist, aber dann, ja, es gibt auch jetzt beim Symphonischen Blasorchester Perg, bei diesem Auswahlorchester im Herbst eine Urführung mit einem Stück von mir.

Das gibt es auch, ja. Aber davor habe ich viele Konzertprogramme ohne einem Stück von mir gemacht. Das ist einmal eine Ausnahme und dann ist es auch wieder gut. Nächstes Jahr machen wir dann ein Auftragswerk mit einem Stück von Thomas Doss. Aber da gibt es sicher keinen Asangrad an dem Programm.

Okay. Wie suchst du das Selbstwahlstück bei einem Wertungsspiel aus?

Naja, es gibt einmal gewisse Kriterien. Das ist natürlich von Verband zu Verband unterschiedlich. Wir haben im obersterischen Verband relativ klare Kriterien und ich versuche schon, dass das Selbstwahlstück ein bisschen ein Gegenpol zum Pflichtstück ist. Dass einfach, wir haben eine Pflichtstückliste pro Stufe von acht Stücken.

Und ich versuche schon, dass ich beim Selbstwahlstück etwas anderes mache, musikalisch als beim Pflichtstück, damit ich da einfach eine größere Bandbreite zusammenbringe, was ich zeigen kann mit meinem Orchester. Das ist bei uns, wir haben auch eine Vorgabe, wir haben in Osterreich auch die Vorgabe, dass ein Stück von beiden Stücken, die gespielt werden, von einem österreichischen Komponisten sein muss.

Das heißt, die Förderung von österreichischen Komponisten ist uns im Verband ein großes Anliegen. Und von daher ist oft hier schon ein Rahmen vorgegeben. Wenn ich ein Pflichtstück eines Österreichers wähle, dann muss ich ein internationales Stück noch dazu spielen. Ja, da bin ich dann eh schon, zumindest einmal in einer Richtung, auch abgegrenzt.

Ja, und natürlich die Spieldauer ist nicht unentscheidend, ist ein wichtiges Kriterium, aber das ist quasi ein technisches Kriterium. Ein musikalisches Kriterium, würde ich sagen, ist es die Vielfalt, die man am besten auch zeigen soll beim Wertungsspiel.

Okay. Nochmal ganz kurz zur Programmierung von einem Konzert von einem Musikverein. Du bist jetzt sehr, sehr tief in der Materie. Es gibt ja auch Dirigenten, entweder Anfänger oder die sind nicht so tief in der Materie. Wie suche ich am besten Stücke in diese Vielfalt mittlerweile? Also ich gehe auf irgendeine Seite und ich werde ja erschlagen von Werken.

Ich habe ja viele Dirigenten machen das ja nicht hauptberuflich, das heißt, sie müssen sich abends nochmal irgendwie Zeit schaffen. Die haben ja nicht Zeit, jetzt 300 Werke durchzuhören oder anzugucken. Hast du da einen Tipp?

Ja, also es gibt schon mal eine Möglichkeit, dass man mal nach Komponist, Komponistin, wenige Komponistinnen gibt es ja auch, sucht. Sagt, gibt es eine Präferenz, was Komponisten betrifft? Also ich habe meine Favoriten Komponisten, die einfach, wo ich einfach die Literatur liebe. Da schaue ich dann bei Komponisten.

Oder auch die Verlage haben sehr unterschiedliche Zugänge. Wenn ich ein Stück vom Musikverlag Rundus spiele, dann ist das Stück in seiner Beschaffenheit, was Instrumentation und so weiter betrifft, auch schon irgendwie vorgegeben. Also das heißt, ich muss auch wissen, ein bisschen, wo schaue ich nach.

Wir haben beim Obersteutschen Blasmusikverband eine Seite eingerichtet, die heißt Konzertwertung.at ist sicher auch für alle anderen Länder, in denen es Wertungsspiele gibt, interessant. Man muss sich ein bisschen mit den Stufen ein bisschen anfreunden. Aber da gibt es abc.de, da gibt es Selbststücke, man kann dann suchen nach Komponist und das sind wirklich Stücke, in dem Fall bin ich der Zuständige, der diese Literaturliste erstellt.

Aber das sind wirklich Stücke, die dem jeweiligen Schwierigkeitsgrad auch wirklich gut entsprechen. Das heißt, ich glaube, das ist ein Fundus für Stücke. Es wird auch markiert, wenn ein Stück quasi neu in die Datenbank dazukommt, dann wird das auch mit einem Neubutton quasi dazu vermerkt. Also das heißt, das ist relativ klar, auch ersichtlich.

Und ja, es gibt verschiedene Datenbanken, die da, also ich persönlich finde auch den Rundel-Notenfinder oder Notenfinder ganz praktisch, weil man verschiedene Parameter eingeben kann und dann noch Literatur suchen kann. Also da gibt es dann nicht nur Literatur vom Musikverlag, Rundl, auch von anderen Verlagen.

Aber das ist natürlich, da gibt es schon einige Möglichkeiten, wie man sucht. Bei mir läuft auch YouTube, also diese Scoreblays von den Verlagen, die es gibt, das läuft bei mir auch jeden Tag eigentlich, weil mich das einfach auch interessiert, was Literatur auf den Markt kommt. Also klar, man muss sich ein bisschen auseinandersetzen, aber es gibt auch die Kriterien, nach denen man auch ein bisschen vorgeben kann.

Und das ist immer spannend, möchte ich auch sagen, in Konzerte von anderen Musikvereinen gehen. Da lernt man so viele tolle Literatur kennen. Ich war unlängst in Deutschland bei einer Uhrführung und habe die Jubilee-Overtür entdeckt. Die habe ich einfach nicht gekannt vom Spark. Ich habe es nicht gekannt und was ist das für ein tolles Stück?

Okay. Im Herbst spiele ich es.

Aber verwunderlich, dass so ein Stück an dir, der ja so tief in der Materie ist, vorbeigehen kann. Aber ja, passiert. Ja, ich bekenne mich zur Lücke. Ich kann es sich ändern, ja. Es ist ja. Aber ich finde das ganz schön, weil man manchmal ja auch, also erlebe ich oder habe ich auch im Studium an mir selber erlebt.

Da war es eher so im klassischen Bereich, wenn es heißt, kennst du nicht das, das und das, und dann wird hier gesungen. Und wenn jetzt selbst von dir kommt, ja, ich kenne auch nicht alles, auch wenn man vielleicht meint, okay, das ist ein vermeintlich bekanntes Stück. Ich finde es gerade ganz schön, einfach mal auch zu sehen, man muss nicht alles kennen.

Nein, man kann nicht alles kennen. Es ist unmöglich.

Wie gehst du als Komponist vor, wenn du was schreibst? Hast du einen Titel und du versuchst, das zu vertun oder hast du ein Motiv im Kopf und gehst davon aus oder ist das immer unterschiedlich?

Das ist immer unterschiedlich. Es hängt davon ab, die meisten Stücke, die ich schreibe, sind Auftragswerke. Und da gibt es meistens eine Idee vom Auftraggeber. Und mit dieser Idee versuche ich zu arbeiten. Die Idee ist meistens außermusikalisch. Und dadurch wird eigentlich auch das Programm ein bisschen vorgegeben.

Das wird thematisch, eigentlich ist schon viel da. Zum Beispiel sagt ein Auftraggeber, er möchte ein Stück zur Eröffnung eines neuen Probenlokals, die sich haben. Und dann habe ich natürlich auch schon den Gedanke, dass das bei einem Fest aufgeführt wird. Das heißt nicht, dass die Musik automatisch festlich sein muss.

Man kann auch Musik gegen den Strich komponieren. Aber der Rahmen gibt auch schon vor, in welche Richtung ich denke. Und wenn ich dann ganz bewusst sage, keine Ahnung, irgendein Politiker will einen tollen Marsch, und ich schreibe dann ganz was Extremes musikalisch, dann ist das ja auch eine Botschaft.

Also Schostakovich ist ja da ein Stichwort, der ja politisch immer gegen den Strich gearbeitet hat in seinen Compositionen, kann man sagen. Und eine Siegessymphonie, ich glaube, das ist mit der 9. einmal komponiert, in der es im letzten Satz derartig abstrus and abstrakt musikalisch geworden is, fast als Parodie.

Also es gibt so viele Möglichkeiten, jedenfalls gibt der Auftraggeber einen Gedanken vor und man versucht, diesen Gedanken dann mit einzubinden in die eigenen Überlegungen. Das kann dann natürlich weitergehen mit Improvisation am Klavier, zum Beispiel, an dem gibt es, da gibt es eine Melodie, ein Motiv, ein Thema, das entworfen wird, harmonisch begleitet, und so baut man dann nach und nach, oder mache es ich so, dass ich nach und nach das Stück einfach erweitere.

Okay. Es kommt immer wieder die Frage, wenn ich, vor allem wenn ich Komponisten im Podcast hab, ob man gerade für kleinere Kapellen, die nicht alle Instrumente besetzt haben, Tipps an die Hand geben kann, wie man Retuschen macht. Also wenn ich jetzt keine Oboe habe, ist natürlich wahrscheinlich immer von Stück zu Stück abhängig und so, aber kannst du ein paar Sachen vielleicht dazu sagen, aus deiner Sicht?

Ja, also grundsätzlich glaube ich, gibt es da schon Möglichkeiten, wie man kreativ sein kann. Wichtig ist aus meiner Sicht, gerade was das Ersetzen von Instrumenten betrifft, dass man immer versucht, klanglich, möglichst nahe ans Original zu kommen. Also für mich eine schlechte Variante wäre, wenn man die Oboe, von der du gesprochen hast, mit einer getämpften Trompete ersetzt.

Das ist für mich, das ist im Klang, es ist zwar auch die Trompete nasal, das wäre quasi die plakativ banale Vergleichsgröße, die Oboe mit dem nasalen Klang, die Consertino-Trompete mit dem nasalen Klang, aber es ist eigentlich eine Themenverfehlung. Ich würde da eher mit einem Altsaxophon arbeiten oder vielleicht auch mit einer Klarinette oder so.

Auch wenn der Klang, die Oboe ist, das Klang ja so nicht ersetzbar. Aber der Holzklang, ich würde da schon eher im Holzklang bleiben. Weil oft ist die Oboe, wann spielt die Oboe ein Solo? Im kammermusikalischen Bereich, wenn alle anderen Holzbläser auch mitspielen, was ergibt es dann für einen Sinn, wenn alle Holzbläser spielen und Solo eine Trompete, das macht doch irgendwie auch klanglich keinen Sinn.

Also ich würde einfach ein bisschen versuchen, möglichst nah im Original zu bleiben. Was ich noch sehr wichtig finde, wenn zum Beispiel keine Basskarinette besetzt ist, ich habe es schon immer wieder erlebt, dass dann einfach die Bassstimme von niemandem gespielt wird. Also nur weil ein Instrument nicht besetzt ist, es einfach nicht zu spielen, ist die größte Katastrophe, die man sich musikalisch vorgeben oder das geben kann, wenn man einfach einen Ton der Harmonie einfach ausspart.

Das ist quasi, das ist wie wenn man irgendwas kocht und dann wie ein Schnitzel ohne Panier. Man entfremdet das eigentliche, also, oder man entkoppelt das Original vom Sinn. Da muss man halt irgendwie, ja, da ist man dann lieber im Holzsatz spielt ein Euphonium die Bassstimme mit, als es ist gar nicht dabei.

Also da muss man sich ein bisschen fragen, was angemessen ist. Aber ich denke, es gibt auch viel Literatur, die eben sehr flexibel ist. Und ich kann nur sagen, es gibt wenige Aufträge aus dem Bereich der untersten Schwierigkeitsgrade. Wenn es nichts Tolles gibt, was hindert einen Musikverein zu sagen, ich nehme einmal ein bisschen Geld in die Hand, vielleicht treibe ich einen Sponsor auf oder frage einmal bei der Stadt oder bei der Gemeinde nach und kann ein bisschen was auftreiben und lasse mir um die paar hunderttausend Euro ein kurzes Stück schreiben, das mir entspricht.

Ein Stück mit drei Minuten, das muss ja nicht immer gleich unfinanzierbar sein, sondern man kann ja, oder es gibt einen jungen Komponisten, der sich freut, wenn man ein paar hundert Euro in die Hand nimmt und dann ein bisschen was schreiben lässt. So hat meine Kompositionskarriere angefangen. Da hat es Leute gegeben, die haben gesagt, Thomas, schreibe was, ich zahle dir auch ein bisschen was.

Dann habe ich ein paar hundert Euro bekommen dafür und habe was geschrieben. Es war eine große Motivation für mich. Ich habe als junger Komponist angefangen, was zu tun. Es wurde auch wertgeschätzt mit einem quasi Geldwert, ja, das ist ja auch das Schöne. Und somit kann man auch die Literatur wieder bereichern.

Und da habe ich nicht extrem erfolgreich schon komponiert, sondern es waren kompositorische Anfänge. Also es gibt ja so viele talentierte Leute, denen muss man einfach nur eine Chance geben.

Warum gibt es so wenig Komponistinnen in der Blasmusik?

Das hat sicher mit den Rollbildern zu tun. Ich bin überzeugt, dass es Komponistinnen gibt und gäbe, die tolle Stücke schreiben. Aber ich glaube, das braucht einfach Role-Models quasi, jungen Frauen auch vorleben, dass junge Frauen auch komponieren können. Und da braucht es einfach Initiativen. Wir haben im Herbst ein Konzert mit dem Symphonischen Blasorchester und eine junge Komponistin aus Österreich, die Dana Strammel, schreibt für uns auch ein Stück.

Warum? Ja, man muss auch diese Komponistinnen dann vor den Vorhang holen und sagen, mach was.

Ich hatte tatsächlich eine Komponistin angefragt, ob sie nicht auch in dem Podcast möchte, weil auch sehr jung und so. Und ich dachte, das wäre ja eigentlich ganz gut. Und dann, das ist eine der wenigen Absagen, die ich bisher bekommen habe, kam nur die Nachricht. Sie möchte das nicht, die Musik soll für sie sprechen.

Das ist natürlich, verstehe ich, aber auf der anderen Seite ist es natürlich dann schwierig, dass man Role Models hat, wenn sie sich nicht zeigen wollen.

Das stimmt natürlich. Es ist in dem Fall eine subjektive Entscheidung. Ja, ja, klar. Die ich für äußerst ungeschickt halte. Warum soll man nicht ein bisschen über seine eigene Arbeit sprechen, um sie zu erklären? Schade, ja, natürlich. Sehr schade. Aber vielleicht wäre ja mal ein Gespräch mit der Dana Schrammel, die jetzt vor kurzem ein Stück beim Musikverlag Grundl veröffentlicht hat, eine junge Komponistin, eine Komponistin, die da sprechen will.

Ja, versuche ich mal. Es gibt ein Zitat auf deiner Homepage. Nur wer bereits zu Aufbruch ist und Reise mag Lärm der Gewöhnung sich entraffen. Warum hast du dieses Zitat ausgewählt?

Es ist ein Zitat aus einem sehr bekannten, aus einem bekannten Gedicht von Hermann Hesse Stufen. Und da geht es darum, dass wir uns als Menschen quasi weiterentwickeln und weitergehen. Da geht es darum, dass wir immer in Lebensstufen in andere Räume, in andere Räume betreten. Ich glaube, dass es wichtig ist, dass wir uns weiterentwickeln, indem wir auch neue Wege gehen.

Wenn wir uns nicht bewegen und vielleicht Wege gehen, die wir noch nie gegangen sind, dann werden wir uns auch nicht weiterentwickeln. Also Veränderung ist Weiterentwicklung.

Welche Wege müsste die Blasmusik gehen, um sich noch weiterzuentwickeln?

Es gibt viele Möglichkeiten. Ich glaube, also ich bin beeindruckt von dem großen Hype, den es um die traditionelle Blasmusik beispielsweise geht. Wir haben in Osterreich das weltbekannte Woodstock der Blasmusik. War selbst im Juni dieses Jahres für einen Tag dort. Wann warst du da? Am Freitag.

Ah, dann haben wir uns knapp verpasst. Bin nämlich Freitag auch gegen 5, 6 Uhr, glaube ich, gekommen.

Ja, und um sechs bin ich heimgefahren. Auf jeden Fall bin ich beeindruckt von dem, was da auf die Beine gestellt wird. Also das ist ja das ist ja unglaublich. Und zugleich glaube ich auch, dass es eine Renaissance der konsertanten Blasmusik geben könnte. Und zwar, dass wir uns auch, dass wir uns als Blasorchestermarkt auch klar deklarieren, um alle Klischees, die es mit der Blasmusik gibt, auch ein bisschen auszuräumen.

Also das berühmte Bier gehört ja zur Blasmusik im Klischee ja unzertrennlich zusammen. Das halte ich aber für eine Verkürzung, weil die Blasmusik kann so, so viel und wird aufgrund dieser Themen dann oft in ein Eck gestellt, aus dem es nicht rauskommt. Also das heißt, in diesem Feld könnte man Schärfungen vornehmen, zu sagen, ja, es gibt den Woodstock mit Unterhaltungsmusik, ja, auch mit Partyfeiern, Biertische und viel Alkohol, ja.

Und Festivalstimmung, super. Mag ich auch. Dann gibt es aber auch noch die andere Trennlinie oder die Trennlinie, das kommt alles aus dem allem heraus, ja, aber es gibt dann auch die konsertante Literatur, wo es um musikalisch vielleicht neue Zugänge geht. Also gewagtes vielleicht auch. Also wirklich konservant innovativ.

Das, glaube ich, ist im musikalischen Bereich schon, wäre schon notwendig, dass man sich da noch klarer positioniert einfach auch. Also ich habe ja kein Problem damit, wenn Blasmusik viele Facetten abdeckt, aber schade ist es dann, wenn die Blasmusik in Wahrheit eines ist. Aber das ist sie ja nicht. Und das halte ich für eine große Aufgabe.

Welche Ansätze es da gäbe, das ist die Frage. Also da braucht es auf jeden Fall viel mehr. Ich glaube, es hat mir einen internationalen Blasmusikkongress in Neu-Ulm gegeben. Also das sind für mich persönlich Lichtblicke, die eigentlich die richtige Richtung wären. Also dass man wirklich die besten Blasorchester einer Region auch international zusammenholt und dann aktiv wird.

Oder in De Innsbrucker Promenadenkonzerten zum Beispiel. Mit dem künstlerischen Leiter Bernhard Schlögl. Also das sind schon Initiativen, wo man ganz klar versucht, auch die Bläserszene von einer anderen Seite möglicherweise wenig klischeehafteten Seite auch zu zeigen. Solche Initiativen braucht es, glaube ich, in der Breite.

Unser erster Kontakt war ja eine Diskussion, trifft es, glaube ich, nicht, aber du hast unter einem Post von mir was drunter geschrieben und du bist ja niemand, der auch solchen Diskussionen oder Fragen aus dem Weg geht. Welche Fragen werden deiner Meinung nach zu sehr diskutiert und welche zu wenig in der Blasmusik?

Schwierige Frage.

Das ist richtig.

Also, welche Frage wird zu viel diskutiert? Welche Pausenverpflegung braucht es beim Konzert?

Ja, auch diese Diskussion kenne ich zu Genüge, das stimmt.

Also das halte ich für. Also das natürlich heißt nicht, dass es keine Pausenverpflegung braucht. Aber das sind Themen, die können wir schnell abhandeln. Anhand der Wirtschaftlichkeit soll man sie ein bisschen ausrechnen, was bringt ein bisschen an Absatz, was ist nicht zu teuernd aus. Deswegen kommt keiner ins Konzert.

Das stimmt.

Also nur als kleine Anekdote, ich erinnere mich an, das war einer der ersten Vereine, die ich irgendwann mal dirigiert hatte und dann bin ich explizit auch auf eine Vorstandschaftssitzung eingeladen worden und dann saß ich tatsächlich eine Stunde da, als drum diskutiert wurde, wie teuer das Kersebrötchen sein muss.

Wo ich dann mich auch schon gefragt habe, warum bin ich jetzt da? Weil ich habe damit gar nichts zu tun. Und wie du schon sagst, deswegen kommt jetzt keiner mehr ins Konzert oder bleibt deswegen weg, weil es 10 Cent teurer war als letztes Jahr oder was weiß ich. Also ich habe diese Diskussion auch schon hautnahme.

Das werden dann oft so kleine Themen, zu so großen Themen hochstilisiert. Über was sollte man mehr sprechen? Über innovative Ansätze, wie wir unsere Blasmusik neu denken können. Im Verein. Was ich schrecklich finde, wenn ein Vereinsjahr vergeht und wieder ein neues und wieder, und es ist alles immer gleich.

Dass wir uns fragen, welche neuen Konzertformate können wir machen? Also, da gibt es dann, also ich spiele ja immer irgendwie was Neues. Also ich habe ein Auftragswerk an Kurt Geble vergeben mit meinem Verein, die Pergapolka. Wir haben ein Konzert mit Thomas Ganz gemacht. Wir haben eine CD aufgenommen.

Also jetzt nur ein paar Ideen. Ich habe was geschrieben für mein Orchester. Wir machen jetzt im Herbst mit meinem Symphonischen Blasorchester ein Konzert mit Lichtontechnik, Bühnentechnik, alles drumherum. Wir geben ganz viel Geld aus dafür, dass wir nur unsere Musik quasi technisch unterstützen. Und wir müssen das Geld auch hereinbringen.

Es ist nicht so, dass wir Geld haben, wir haben kein Geld. Mein Orchester hat kein Geld. Aber man sucht Möglichkeiten, wie man dazu kommt. Also das heißt, ich versuche ganz viel zu machen. Wir machen ein Familienkonzert am Vormittag, das speziell für Familien mit Kindern zwischen drei und zehn Jahren konzipiert is.

Das heißt, verschiedene Ansätze, wie man sein Vereinsleben oder seine Art and Weise, das Orchester zu denken, einfach versucht neu zu. Es geht einfach letztendlich jetzt darum, dass wir versuchen, Bewegung in unser Tun hineinzubringen. Und nicht immer alles zu machen, wie es war. Und ich glaube, das wären die Fragen, die uns weiterbringen.

Zu sagen, ich mache es einfach einmal anders. Und ich spiele jetzt, kaufe mir nicht ständig eine Polka, die eh schon zum tausendsten Mal gespielt wird, sondern ich schreibe jetzt einmal selbst was. Oder ich vergebe einen Auftrag, sage die Perga-Polka. Ist von Kurt Geble, haben wir damals in Auftrag gegeben.

Ja, weil wir haben gesagt, wir wollen unsere eigene Polka. Und es muss ja nicht immer die hochtrabende konzertante Musik sein, aber kann ja im kleinsten Bereich einfach Neues gestalten. Und das, glaube ich, das würde uns weiterbringen. Wenn wir einfach viel Aktivität hineinbringen und nicht immer dieses, das entspricht auch dem Hesse-Zitat, nur wer bereit ist zu Aufbruch und Reise, mag Lehmendar gewöhnen und sich ein Travel.

Das ist einfach, ein Musikverein aus der Nachbarschaft macht jetzt das Musical Freude von Kurt Gäble. Wie sehe ich schon viel gemacht worden, ja klar. Aber das sind Projekte, die herausstechen. Das sind Projekte, die einfach, auch wenn sie nicht neu sind, innovativ gedacht sind.

Ja, auf jeden Fall. Also du sprichst. Du sprichst mir da sehr aus dem Herzen, weil ich auch so versuche, meinen Verein zu führen. Und ich glaube auch, das ist langfristig die einzige Möglichkeit, als jedes Jahr Jahreskonzert, Jahreskonzert, Jahreskonzert und dann heißt es.

Bleibt da attraktiv für Musiker. Genau. Was kommt denn heuer? Die Frage ist immer, und was machen wir heuer? Heuer spielt lieber bei der Landeswertung, Landeswettbewerb mit meinem Orchester, das ist was anderes. Da fahren wir eine Stunde wohin, dass wir uns mit den besten Orchestern in Osterreich messen.

Was glaubst du, warum wird das zu wenig gemacht? Ist das Angst, ist es Bequemlichkeit oder ist es tatsächlich Ideenlosigkeit? Wobei das glaube ich nicht.

Das ist eine ganz gute Frage. Ich glaube, es hängt mit der Lehmenden Gewöhnung zusammen. Ich glaube, dass das Gewohnte oft einfach auch Sicherheit gibt. Aber das Problem, ich glaube, dass ganz viele Vereine deswegen nicht so gut funktionieren, weil es halt immer dasselbe ist. Wenn man immer in der Gewohnheit ist.

Also ich habe noch kein, seit 2012 bin ich Kapellmeister und ich habe noch kein einziges Jahr als Lähmend und Bad gefunden. Immer irgendwie spannend.

Sollte sowas auch in eine Dirigentenausbildung mit rein. Dass man einfach nicht nur vom Musikalischen her kommt, sondern auch zumindestens mal flankierend irgendwie aufzeigt, was möglich ist, wie man innovativ sein könnte. Wie du schon sagst, das Rad muss ja nicht immer neu erfunden werden. Also so ein Musical zu machen, kann ja in dem Ort oder in dem was Neues sein, ohne dass ich mir jetzt sage, okay, ich habe das erfunden.

Das muss ja gar nicht sein.

Ja, ob das die Dirigentenausbildung leisten soll, weiß ich jetzt nicht.

Zumindestens ein Vortrag oder so. Also das muss ja jetzt keine Frage sein.

Ja, ich glaube aber auch, dass das Aufgabe eines Verbandes sein kann. Eine Ideenwerkstatt. Blasmusik neu gedacht, die Ideenwerkstatt hat. Und dann kann man Möglichkeiten finden, wie sich Bezirke einbinden können oder einbringen können. Also ich glaube, das wäre schon auch ein bisschen die Aufgabe eines Verbandes, dass man sich überlegt, wie kann man Blasmusik in die Zukunft führen.

Und die Dirigentenausbildung, also in Oberster haben wir es Glück, dass wir relativ viele Ressourcen dafür haben. Aber so ehrlich muss man sein, in vielen Ländern, Bundesländern, haben wir gar nicht die Zeit, dass wir uns mit diesen Themen beschäftigen, weil es wichtig ist, dass die Schlagtechnik sauber ist und andere Themen, die einfach dirigieren, das Dirigieren unmittelbar betreffen, dass die behandelt werden.

Dann überfrachtet man vielleicht eine Ausbildung mit Themen, die man in der Tiefe nicht besprechen kann. Dann hat man es gestreift und dafür wertvolle Zeit für die eigentliche Sache vergeudet. Das halte ich auch für gefährlich, dass man sagt, man packt alles irgendwie, was man im entferntesten ist in die Dirigierausbildung.

Ja. Ja, aber es wäre sicher dringend notwendig, dass man auch in diese Richtung sich überlegt, wie kann man Blasensig neu denken.

Du hast ja gerade auch angesprochen, dass ihr im Verein auch mal so ein Familienkonzert macht. Wie sehr bist du als Dirigent eingebunden, auch in Jugendorchester und Nachwuchsarbeit?

Informiert bin ich. Ich bin auch ideengebend, aphoristisch ideengebend eingebunden. Also wenn ich eine Idee habe, dann sage ich die. Aber ich bin operativ nicht tätig. Das ist nicht mein Job. Ich bin interessiert, ich will wissen, dass sich was tut, was sich tut, möchte auch mir herausnehmen zu sagen, wenn in der Jugendarbeit zu wenig passiert, dass ich sage, das ist unsere Zukunft.

Ich bin als Dirigent auch der Profiteur unmittelbar von Jugendarbeit. Aber ich kann mich nicht um alles kümmern. Also ich muss mich auch verlassen können, dass die Jugendleiter, die Jugendreferentinnen auch die Arbeit machen, die ihnen anvertraut ist.

Du bist der Landeskapellmeister, was ist da genau deine Aufgabe?

Naja, wir wickeln im Prinzip alle Veranstaltungen und Initiativen ab, die für unsere 480 Musikvereine von Belang sind. Das heißt, wir sind, wir wickeln unsere Wertungsspiele ab, Bezirkswertungsspiele. Da haben wir in etwa 260 Teilnahmen pro Jahr. Also wir haben 480 Musikvereine und 260 Teilnahmen pro Jahr.

Das heißt, da ist organisatorisch ein Riesenaufwand mit Jurys und mit der Organisation, die dann von den Bezirken passiert. Wir sind in der Fortbildung, im Fortbildungsbereich sehr aktiv. Das heißt, was Angebote für Dirigentinnen und Dirigenten betrifft, da gibt es die Bläser Akademie im Blasmusikverband, die die Fortbildungsangebote für Funktionäre eben auch zur Verfügung stellt.

Und natürlich alle Veranstaltungen, die quasi auf Landesebene auch abgewickelt werden. Wir haben jetzt vor kurzem das Landesmusikfest ausgetragen mit einem großen Konzert Blasmusik am Dom mit 2500 Besucherinnen und Besuchern, ein Open-Air-Konzert mit dem Landesblasorchester. Also da gibt es immer verschiedene Veranstaltungen, die initiiert werden.

Okay. Ich würde, bevor wir dann so langsam Richtung Ende gehen, nochmal zu Riva kommen. Ich habe in einem Post, meine ich, gelesen, dass du natürlich zunächst auch so ein bisschen skeptisch warst, weil es sind ja viele Orchester, die in sehr kurzer Zeit dadurch geschleust auch werden und dass alles organisatorisch natürlich passen muss.

Und wenn ich ehrlich bin, ich habe den Wettbewerbsplan gesehen und war zunächst sehr schockiert, wann, ich glaube, samstags das letzte Orchesterspiel. Das war ja irgendwann mitten in der Nacht.

Wie war das vor Ort? Also ich habe die Skepsis, die du hast, auch sehe ich auch so. Also ich habe es war auch sehr skeptisch. Und ich habe auch nach wie vor den einen oder anderen Gedanken dazu, zu dieser zeitlichen Thematik. Vor Ort kann man sagen, was perfekt organisiert. Also man kann den Veranstaltern überhaupt keinen Vorwurf machen.

Es war wirklich vom Ankommen in den Veranstaltungsort, zum Veranstaltungsort bei der Begrüßung des Orchesters und da muss man in verschiedene Räume dann auspacken und sich einspielen und so weiter bis zur Bühne, bis hin zu den Bühnenarbeitern, die dann die Bühne perfekt anhand des gesendeten Plans aufgestellt haben.

Also es war alles perfekt organisiert. Also das war für mich auch unglaublich eigentlich, wie das so funktioniert hat. Weil es waren 60 Orchester angemeldet, 57 glaube ich, haben teilgenommen. Effektiv, also es war organisatorisch ein Wahnsinn. Und ich habe es nicht geglaubt, dass das möglich ist, aber es hat wirklich gut funktioniert.

Und für uns war persönlich unabhängig vom Ausgangergebnis, was wirklich ein prägendes Erlebnis in Riva. Und ja, also ich kann das nur jedem empfehlen, da teilzunehmen. Man kann sich nicht ausrechnen, dass man da jetzt gewinnen wird, weil einfach auch die Konkurrenz extrem stark ist. Wir haben selbst bin mit meinem Team dann noch länger geblieben.

Wir haben am Freitag ja schon als erstes Orchester in unserer Stufe gespielt und haben dann bis Sonntag gewartet, haben das letzte Orchester gespielt. Wir haben identisch dasselbe Programm gespielt, spanisches Orchester, auch Praise Jerusalem als selbst ein Stück. Also das heißt, das Programm war identisch und wirklich, wir haben das Orchester gehört und ich habe wirklich, wir haben es nicht mehr geglaubt, dass wir das schaffen können.

Also wir haben uns die Orchester alle angehört und dann haben wir so ein bisschen reingehört und ich habe schon ein bisschen meine eigene Einschätzung gehabt, okay, wo wir sind, ungefähr natürlich immer subjektiv gefärbt, aber das spanische Orchester hat schon sehr gut gespielt. Also es war wirklich, wirklich gut.

Und das war dann auch in der Entscheidung knapp, es waren 0,18 oder so irgendwas Punkte oder noch weniger, wo wir es gewonnen haben, aber ja, da möchte ich schon den sanf Kritikpunkt jetzt anbringen. Das ist jetzt kein Vorwurf an die Jury. Die Jury hat sich ja die Arbeit gut gemacht. Aber was, ich sage nur beispielsweise, im Brassband-Wettbewerb gäbe es niemals, dass man eine Wettbewerbskategorie auseinandreißt, dass drei Orchester am Freitag spielen, eine spielt am Samstag und noch einmal drei spielen am Sonntag.

Also wie, also ich sage nicht, dass das nicht vergleichbar wäre, aber es wird immer der sanfte Kritikpunkt bleiben. Die Orchester haben nicht nacheinander gespielt. Und also wenn ich in der Jury wäre und ich höre am Sonntag ein Orchester, ich kann mich zwar noch in etwa erinnern, war das gut am Freitag oder war es sehr gut oder war es schlecht, aber die Unmittelbarkeit ist vor weg.

Also das, wie gesagt, ich stelle die Jury nicht in Frage, wir haben es gewonnen am Freitag, aber wenn ich direkt nach oder vor den Spaniern spiele und im direkten Vergleich bin, ist das sicher, hat es eine andere Wirkung, als wenn ich einen Wettbewerbstag auseinanderresse. Es hat ja auch einen Grund, warum die europäischen Brassbandwettbewerbe, ich war jetzt in Litauen dabei als Zuhörer, warum da einfach das Pflichtstück gespielt wird von allen zwölf Teilnehmern und dann am nächsten Tag von das Selbstbestimmte.

Ich weiß, das ist in Riva so organisatorisch nicht möglich. Das ist mir schon klar. Ich halte es auch eher für problematisch, das möchte ich schon auch offen sagen, dass man ein Orchester um zwei Uhr früh spielen lässt.

Das fand ich auch schwierig.

Das Problem ist einfach, die verschiedenen Zeiten bringen Spannung hinein. Diese krassen Zeiten würden alle um 1 Uhr früh spielen, spielen in der Kategorie derselben, dann sind die Bedingungen für alle gleich. Aber um 1 Uhr früh sind die Bedingungen für das Orchester andere, als wenn ich mit dem Orchester um 12 Uhr spiele.

Ich sage nicht, dass es leichter ist, mittags zu spielen. Mittags habe ich was gegessen, bin ich müde. Aber die Bedingungen sind nicht gleich, sie sind identisch.

Genau.

Und das ist das Problem. Ja, das ist anders. Bei den Brassband Wettbewerbmeisterschaften, da reisen die Orchester alle auch einen Tag früher an. Dann kann man nicht sagen, okay, die haben drei Stunden länger Anreise gehabt. Ich weiß, das geht alles in Rieder nicht. Der große Redigpunkt ist von meiner Seite schon, dass man die Kategorien so auseinanderreißt zeitlich.

Aber das ist schon die einzige Frage. Ich verstehe auch, warum es schwierig ist. Ich glaube, da gibt es auch natürlich, der Wunsch ist schon von den Veranstaltern, dass möglichst viele Orchester teilnehmen. Ist klar, das ist auch ein touristischer Aspekt, muss man auch sagen. Das ist so, wird so sein.

Also das brauchen wir nicht irgendwie auch wegreden. Aber es bringt Spannung hinein.

Auf jeden Fall.

Und das muss, und ich habe auch kein Problem, damit der Veranstalter kann auch sagen, ja, das ist uns bewusst. Aber man soll dann dazu stehen und sagen ja. Und ich weiß es, es gibt Orchester, die sagen, sie können nur am Samstag spielen. Und dann muss halt der Veranstalter schauen, ja, aber ganz ehrlich, wenn ich einen Wettbewerb mache, dann sage ich, der Wettbewerb findet Freitag, Samstag, Sonntag statt.

Und die Orchester, die teilnehmen wollen, müssen sich erklären, dass sie auch an allen drei Tagen eingeteilt werden können. Ein Beispiel, wir sind am Freitag um 20 Uhr dran gewesen. Wir haben eine Anreise von netto sieben Stunden gehabt. Ich bin mit meinem Orchester um 5 Uhr früh weggefahren, am selben Tag.

Wir haben um 5 Uhr in den Bus gesetzt und um 20 Uhr in etwa haben wir einen Wettbewerb gespielt. Ja, lustig war das auch nicht. Aber es ist halt einmal so, dass man, wenn man an einem Wettbewerb teilnimmt, dass man auch Modalitäten hat, an die man sich anzupassen hat. Kann man das Pflichtstück auch nicht aussuchen.

Ich finde es auch generell schwierig, wenn ich mir überlege, okay, wer sitzt denn nachts um 1 auch noch da und hört zu? Es ist ja auch das Orchester.

Naja, das Saal war schon voll. Ja, okay. Also ich würde sagen, es waren am Freitag, wir waren das erste Orchester in der Superiore und da waren sicher weniger Leute als um ein Uhr früh am Samstag.

Okay, gut.

Also von dem her würde ich sagen, das war kein Problem.

Okay. Würdest du das nochmal machen?

Jederzeit. Ich werde es nächstes Jahr nicht mehr machen, weil mit meinem Orchester habe ich jetzt einmal für unsere Kategorie alles erreicht. Aber wir haben nach dem Wettbewerb die Einladung bekommen von Björn Bus, einem Mitglied der Jury, zum World Music Contest 26 in Kerk gerade. Da wollen wir natürlich mitspielen.

Also das heißt, jetzt lassen wir mal ein Jahr aus und dann wäre schon der Gedanke, dass wir da nach Kerkgrade fahren.

Was bringt für dich die Zukunft? Welche Pläne hast du noch so in den nächsten fünf Jahren?

Naja, in den nächsten fünf Jahren möchte ich schon im Blasmusikverband, das ist mir schon ein Herzensanliegen, noch Impulse setzen. Das ist mir wichtig. Einfach, die Ideen sind da. Und ja, wahrscheinlich wird es schon einmal in nächster Zeit auch im Verein bei der Stadtkapelle Berg dann irgendwann einmal auslaufen, hätte ich gesagt.

Also ich habe den Verein jetzt in dem Fall nicht irgendwie informiert oder so es gibt jetzt keine Deadline. Nächstes Jahr höre ich auf, so ist es nicht. Aber wenn ich jetzt fünf Jahre nehme, dann glaube ich, ist das ein realistisches Zeitfenster. Bis dahin werde ich einmal da meine Tätigkeit noch machen.

Und dann glaube ich auch im Sinne der Gewöhnung, des Enttraffen sich von Lähmen, der Gewöhnung sich enttraffen, dass auch einem Verein zumutbar ist, sich wieder neu zu orientieren musikalisch. Also da sind es dann, sage ich mal, 2012, jetzt haben wir 24, da mal fünf Jahre dazu. Naja, das ist dann eh schon wieder 2024 haben wir 29, also knapp 20 Jahre hast du dann.

Das ist dann eh lange, lange, lange.

Okay, kommen wir zur Schnellfragerunde. Was lernst du gerade, was du noch nicht kannst? Geduldig sein mit den Kindern. Ja, aber die Kleine im Hintergrund ist auch sehr brav.

Oder sieht es nicht. Sie schaut super böse. Cecilia, wir sind gleich fertig. Sie ist super, super, ein super angenehmes Kind.

Okay.

Aber wenn Kinder streiten, Entschuldigung, wenn Kinder streiten, ich fordere es.

Ja, also ich habe, wir haben bisher erst ein Mädchen, aber die hat jetzt auch so eine Phase, wo sie viel diskutiert und mit viel Energie. Also ich kann mir vorstellen, wenn es dann noch unter Geschwistern zu ist. Mit wem würdest du gerne mal auf der Bühne stehen und entweder zusammen ein Konzert machen oder zusammen singen?

Irgendeinen internationalen Star? Tod oder lebendig? Mit wem würdest du gerne mal ein Konzert machen?

All for Treed. Tut mir sehr leid, dass ich ihn nicht mehr erlebt habe. 2004 verstorben, aber ich habe einige im Orchester, die Workshops mit ihm erlebt haben und die sollen so besonders gewesen sein. Er dürfte ein sehr herzlicher Mensch gewesen sein, mit ganz viel Humor. Finde ich schade, dass ich ihn verpasst habe.

Welches Buch bzw. welchen Film sollte man mal gelesen oder geschaut haben?

Zeitgeschichtliches. Also ich lese ganz viel zum Nationalsozialismus. Sich mit der Geschichte, mit der eigenen Geschichte, mit der Geschichte des Landes auseinanderzusetzen, würde uns wahrscheinlich kritisch auseinanderzusetzen, würde uns wahrscheinlich vieles ersparen.

Okay. Welche Aufnahme sollte man unbedingt mal gehört haben?

Also ich finde die Aufnahmen vom Musikchor der Bundeswehr grundsätzlich, das ist ein wunderbares Orchester, also beeindruckend, wenn es spielt.

Abschließend deine privaten Wünsche und die Wünsche für die Blasmusikszene.

Privat Gesundheit für meine Familie, das Wichtigste. Wird einem immer wieder bewusst, gerade an meinen Nachbarn verloren, der mit 45 Jahren gestorben ist, gestern gerade eine Betstunde dafür gehabt. Da wird einem die Endlichkeit des eigenen Lebens auch immer wieder bewusst und wie unwichtig scheinbar so Berufliches wird eigentlich und wie wichtig es ist, wenn die einem anvertrauten Menschen einfach gesund sind.

Beruflich einfach wünsche ich mir viel Energie für neue Projekte und dass ich auch die Kraft habe zu sagen, wenn es genug ist. Und die Kraft habe auch zu sagen, wenn ich an einem Punkt bin, an dem ich nichts mehr bewegen kann. Das auch zu erkennen, ist, glaube ich, ganz wichtig, dass man sich selbst dann nicht so wichtig nimmt und sagt, wenn es genug ist und wenn man ausreichend Impulse gesetzt hat, dass man dann auch sagen kann, jetzt darf ein anderer auch das Ruder übernehmen.

Und was würdest du dir für die Blasmusikszene?

Für die Blasmusikszene wünsche ich mir ganz viel Mut, einfach Neues auszuprobieren. Neues heißt nicht immer, dass es zwangsweise noch nie da war. Das muss nicht unbedingt ein völlig neuer Gedanke sein, sondern es kann auch, wie du schon gesagt hast, einfach auch ein etwas Neues für die Region sein, ein innovativer Gedanken, der vielleicht auch schon mal von einem anderen da war und den man einfach übernimmt und modifiziert auf die eigenen Gegebenheiten anpasst und somit auch Leben in den Alltag hineinbringt, um wieder zurückzukommen zum Zitat von Hermann Hesse, dass man sich lähmender Gewöhnung in Tracht.

Das sind schöne Schlussworte. Thomas, vielen lieben Dank, dass du dir die Zeit genommen hast für das Gespräch. Ich glaube, also ich habe sehr viel mitgenommen und ich glaube, das war nicht das letzte Mal, dass wir gesprochen haben.

Freut mich sehr. Mir hat es auch sehr Spaß gemacht und ich finde deine Fragen super, möchte jetzt einfach so sagen. Ich finde es einfach spannend, wenn man sich auch auf der Meta-Ebene über Blasmusik unterhält, grundsätzlich übers Leben, wenn das nicht nur plakativ offensichtliche Fragestellungen sind, sondern wie du die Fragen stellst, ist einfach, lädt zum Nachdenken ein über die Szene.

Und das macht es spannend, finde ich, wenn man einfach ein bisschen über den eigenen Tellerrinaus denkt. Das war bei mir für mich das erste Mal schon spannend, weil ich selbst irgendwie ins Philosophieren gekommen bin. And that's. Wenn man jenseits von Grenzen denken darf.

Vielen Dank. Das freut mich sehr zu hören. Das war die Folge mit Thomas Asanger und mich würde jetzt interessieren, wie fandet ihr diese Folge? Könnt ihr nachvollziehen, warum Wertungsspiele wichtig sind? Ich weiß, dass das Thema ganz viele Geister scheitert. In zwei Lager: Pro-Wertungsspiel, Kontra-Wertungsspiel.

Wie seht ihr das? Könnt ihr verstehen, warum ihr argumentiert, dass Wertungsspiele auf jeden Fall wichtig sind? Oder sagt ihr nein, er konnte mich trotzdem nicht überzeugen. Ich bin gegen Wertungsspiel. Das würde mich mal interessieren. Außerdem auch natürlich, was ihr sonst aus der Folge mitnehmen konntet.

Schreibt mir gerne über blasmusikpodcast at gmx.de oder meldet euch auch gerne über Instagram. Denkt dran, abonniert den Podcast, teilt gern diese Folge. Damit könnt ihr mir am meisten helfen. Außerdem lade ich euch ein, mein Newsletter zu abonnieren. Den Link findet ihr in den Shownotes oder auch mich etwas bei Patreon zu unterstützen, das ermöglicht mir, mein kleines Team zu finanzieren und diesen Podcast so regelmäßig weiterzuführen, wie ihr es gewohnt seid.

Ich möchte mich bedanken bei Leander Machern für den Schnitt, bei Dirk Mattes für die Musik, bei Buffet Krampor für den Support dieser Folge und natürlich bei euch, die jedes Mal einschalten. Hoffentlich seid ihr beim nächsten Mal auch wieder dabei. Ich wünsche euch eine gute Zeit. Macht's gut, euer Andi.

0:00 / 0:00