
On Air - Der Blasmusik Podcast· Staffel 5
Auf einen Kaffee mit Axel Müller (Saxophonist) - Wieviel Ego darf's denn sein?
Montag, 21. Oktober 2024 · 49 min
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Shownotes
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Seit unserer Folge im Blasmusikpodcast, bin ich Axel immer wieder auch persönlich begegnet. Ich schätze ihn sehr und man kann sich sehr gut mit ihm unterhalten.
Mittlerweile hat er seinen eigenen Podcast und spricht über die Insides des Musikbusiness aus der Popsicht. Ein Thema dabei war Ego. Nachdem das auch ein Thema ist, das ich sehr wichtig finde und mich sehr angesprochen hatte, habe ich ihn gefragt, ob wir nicht hier nochmals, vor allen Dingen bei Bläsern drüber sprechen wollen.
Das Ganze hätte eigentlich schon Anfang des Jahres statt finden sollen, aber Krankheit und Terminschwierigkeiten führten jetzt dazu, dass es erst jetzt kommt.
Ich bin noch etwas am üben, dass wir die Zeit mit max 40 min einhalten. Aber ich bessere mich ;-)
Viel Spaß!
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Hallo, ihr Lieben, herzlich willkommen bei einer neuen Folge von Auf ein Kaffee mit dem neuen Kurzformat hier beim Blasmusik-Podcast. Ich treffe mich mit verschiedenen Menschen, mit Menschen aus. Musikvereinen aus der Szene, Profi-Musikern, Hörer und Hörerinnen, um mit Ihnen bei einer Tasse Kaffee über die verschiedensten Dinge, aber vor allen Dingen über ein Thema sprechen.
Heute ist Axel Müller zu Gast. Die Folge wollten wir eigentlich schon Anfang des Jahres aufnehmen. Leider mussten wir es dann durch Krankheit und Terminschwierigkeiten verschieben. Jetzt haben wir es endlich geschafft und unser heutiges Thema ist Ego. Warum und wieso, das hört ihr jetzt. Viel Spaß. Dann lass uns mal beginnen.
Das Format heißt ja auf einen Kaffee mit. Und dann wäre natürlich meine erste Frage, welchen Kaffee trinkst du?
Ich trinke eigentlich Espresso. Oder willst du noch detaillierter sein?
Ich weiß nicht, wie detailliert du bist. Es gibt ja ja die Kaffee-Nerds und die Kaffeebahn außen, die sagen, die sagen schwarz.
Also bei mir ist es so, ich habe lange gar keinen Kaffee getrunken. Ich habe erst so vor zehn Jahren mit Kaffeetrinken überhaupt angefangen. Ich fand immer den Geruch so super cool, aber sehr selten hat man dann auch den Geschmack von dem Kaffee, den man so gerne riecht, im Mund gehabt. Deswegen so Filterkaffee verstehe ich, klar, und irgendwie alles andere Espresso-artige Dinge, die gehen am ehesten dahin, finde ich, vom Geschmack.
Eigentlich Siebträger und so weiter. Ich habe aber von Gregor Meile eine kleine Kaffeemaschine geschenkt gekriegt, die ist so praktisch, so eine aus der Schweiz, wo so kleine Kugeln reinkommen. Ich nenne jetzt hier keine Werbung. Das heißt, die Kugeln sind aus Tang, Seetang, und da drin ist die Kaffeeportion.
Das heißt, es ist überhaupt gar kein Müll, kein Alu und so weiter. Und das ist jetzt nicht vergleichbar mit einem richtig tollen Siebträger Espresso, aber es geht schnell und das mache ich mir dann manchmal so im Alltag. Aber wahrscheinlich wird es dann demnächst doch wieder eine Siebträgermaschine werden.
Okay. Okay, wir wollen ja heute über Ego sprechen. Ich kam ja drauf, weil du hast ja mittlerweile auch einen eigenen Podcast, nämlich Axel MV und die Musik fällt, Elt, Elt, Elt, guess. Macht er ja immer so schön. Und ihr hattet ja auch eine Folge über Ego und ich fand die total spannend zu hören und dachte, ich würde gerne mit dir nochmal über Ego vor allen Dingen bei Bläsern.
Das war ja dann doch irgendwie so ein bisschen gitarrenlastiger, oder? Hatte ich so das Gefühl. Sprechen. Meine erste Frage wäre erstmal, was hat euch veranlasst, dieses Thema zu nehmen?
Oh, das ist schon eine Weile her. Das ist, glaube ich, so, wir haben so ein bisschen, wir machen ja verschiedene Themen bei unserem Podcast. Wir sind, glaube ich, die 30. Folge mittlerweile und total durch die Bank die Themen, aber wir versuchen natürlich auch immer ein bisschen aufzunehmen, was unsere Hörer sich wünschen, weil wir auch Zuschriften bekommen zu, mach doch mal da drüber was und so weiter.
Und es kam immer mal wieder so die Frage auf, wie werde ich Profimusiker? Was brauche ich? Welche Skills brauche ich, um Profimusiker zu sein? Muss ich das studieren? Oder ist jeder der Typ dafür? Und eins von diesen Themen war für uns dann auch klar, du kannst das natürlich studieren, du kannst üben, du kannst machen, aber du musst auch ein bestimmter Typ sein, um bestimmte Dinge zu erreichen.
Das kannst du nicht lernen, sozusagen. Oder das hat was mit Charakter zu tun. Und da kam uns diese Überlegung, hey, das Thema Rampensau, Bühnensau, sagt man immer so lustig, aber da kam dieses Thema Ego auf. Braucht man ein Ego, wie wichtig ist ein Ego? Steht es einem auch im Weg manchmal? Und deswegen sind wir da auf dieses Thema eingegangen.
Okay. Wie würdest du sagen, ist dein Ego, beziehungsweise wie hat sich das verändert im Laufe der Jahre?
Ego hat ja immer ein bisschen was mit Selbstbewusstsein zu tun, finde ich. Auch mit Selbstreflexion. Und ich würde mal sagen, bei mir, wie vielleicht bei vielen, war es, je jünger man ist, je mehr Testosteron man hat oder je mehr ich will die Welt erobern auf der Kappe steht, ist vielleicht das Ego ein bisschen größer noch, weil vielleicht auch ein bisschen die Selbstreflexion fehlt, dass sich selbst einschätzen können, wo stehe ich eigentlich, wer bin ich, was kann ich überhaupt, was kann ich liefern, dass man sich mit anderen Leuten vergleicht.
Das ist am Anfang vielleicht bei mir noch ein bisschen breitbeiniger, sage ich mal. Und spätestens im Studium, oder wenn man dann eben viel mit anderen Leuten musiziert und sich auch ein bisschen besser einschätzen kann, hat sich das, glaube ich, bei mir ein bisschen gesettelt. In puncto, die Selbstreflexion ist etwas mehr in den Vordergrund gerückt.
Man weiß vielleicht mehr, okay, das kann ich auch nicht. Da bin ich nicht gut drin. Oder da bin ich sehr gut drin, vielleicht auch. Und das Ego ist dadurch vielleicht ein bisschen kleiner geworden. Auf der anderen Seite habe ich durchaus, glaube ich, auch ein Selbstbewusstsein, was man auch braucht, um eben auch auf der Bühne einerseits was darzustellen, das ist vielleicht ein Thema, so wie wirkt man nach außen auch den anderen gegenüber.
Man sagt immer, das ist ein cooler Typ oder so, ne? Also, vielleicht ist das so ein Thema, es hat auch was mit Ego zu tun. Aber noch viel wichtiger, finde ich, ist beim Ego auch so dieses, ich vertraue auf mich selbst, dass ich das jetzt kann. Also auch zum Beispiel Angst stellen. Das ist vielleicht in der Klassik noch mehr ein Thema als in der Popularmusik, aber einfach Dinge, die challenging sind.
Also musikalisch, wenn man an Hornisten denkt, zum Beispiel. Du spielst wenig Töne, aber die müssen so krass dastehen. Und das habe ich in meinem Alltag vielleicht am ehesten, wenn ich solistisch unterwegs bin. Also wenn ich da vor ein paar tausend Leuten ein tolles Pop-Solo spielen muss, wo es wirklich darauf ankommt, wo ein Recording mitläuft.
Oder wenn ich mal irgendwo eine Piccolo-Flöte spielen muss, die ich nicht so gut spielen kann. Und dann muss es aber trotzdem kommen. Das hat auch was mit Ego zu tun, sich da auf sich selbst zu verlassen und zu sagen, hey, die Bühnenangst oder die Recording-Angst oder die Unsicherheiten, die lasse ich jetzt nicht zu.
Ich kann das. Ich vertraue darauf, dass ich das kann, dass ich das rausballern kann und dann wird das auch gut. Das habe ich mir erarbeitet, das hatte ich vorher nicht so krass. Aber ich glaube, es ist ein bisschen, ich bin ein bisschen zurückhaltender geworden, als es vielleicht mit Anfang 20 war.
Du hast so schön Außenwirkungen auch gerade angesprochen. Hast du dir da viel Gedanken gemacht? Also du hast ja gesagt, man muss ja so ein Typ sein. Also man verbindet ja auch bei dir optisch Brille und Kappe. Das ist ja schon auch so ein Markenzeichen, würde ich jetzt behaupten. Auch der Bart noch. Du hast ja mal so ein Piktogramm auch gehabt von dir, wenn ich mich richtig erinnere.
Ist das alles Kalkül oder ist das gewachsen?
Nee, das ist total, das ist überhaupt nicht Kalkül. Das ist ja vielleicht auch so ein Thema. Ich glaube, auch Menschen sehen, ob etwas, also wenn das jetzt Außenwirkungen angeht, ob etwas gestellt ist oder auf dem Reißbrett skizziert ist oder ob das authentisch wirkt oder ist. Ich glaube, das checken die Leute schon.
Klar, man macht sich Gedanken, jeder macht sich Gedanken, hey, egal wo du hingehst, du überlegst ja, welche Schuhe ziehe ich an heute. Du bist zu dem Gick nicht in Flipflops kommen oder in die Kirche nicht mit Turnschuhen gehen eventuell. Also ich glaube, das ist jedem irgendwie immer bewusst. Das ist natürlich beim Musizieren genauso.
Ich ziehe das an oder ich trage das oder ich weiß nicht, wenn ich jetzt beim Bund wäre, dann ist die Frage, ob ich so ein Vollwart. Ja, mittlerweile auch, aber ich will gerade so, wo kann man das nicht machen irgendwie. Irgendwann wollte ich mal einen Kredit haben, da habe ich mir schon überlegt, ob ich mit einer Kappe und einer markanten Brille da reingehe.
Ich habe so eine andere Brille, so eine durchsichtige, und da hat irgendjemand zu mir gesagt, zieh doch die auf, da kriegst du auf jeden Fall den Kredit. Das ist einfach Außenwirkung. Aber es muss, glaube ich, beim Musikmachen authentisch sein. Und ich kann mich auch nur auf die Bühne stellen und nach außen was darstellen, wenn ich mich wohlfühle in den Dingen, die ich anhabe oder wie ich mich bewege, es ist ja nicht nur die Kappe und die Brille, es ist natürlich auch so ein bisschen, steht man da, versteinert auf einer Bühne rum oder sitzt.
Und dann ist es eh egal, aber wenn man halt steht oder wenn man sich bewegen kann im popularmusikalischen Bereich, da kommt ja auch dieser Show-Anteil dann dazu. Da muss man sich ja manchmal auch überwinden. Der eine oder andere muss ich mal überwinden. Wir hatten jetzt neulich vor ein paar Tagen ein Konzert, relativ große Bühne, da war so eine Ego-Nose, eine Ego-Nase, auch ein schönes Thema.
Die heißt wirklich so, das ist, also wenn vorne an der Bühne so eine Verlängerung ist, die ins Publikum reingeht, das ist die Ego-Nase, sagt man dazu. Warum? Weil man auf diesem Ding rausgeht, um sein Ego zu befriedigen oder so. Also, und wenn wir das mit der Gregor Meile-Band machen, das ist überhaupt nicht die Band, die so auf Knien rumrutscht und mit Feuer spuckt, so ungefähr.
Da geht es viel mehr um Down-to-Earth-Musik machen. Aber dann hast du nun mal dieses Ding und du musst es irgendwie auch bedienen, weil es total blöd ist, wenn man das nicht bedienen würde, weil das ist halt dann einfach 20 Meter lang vor der Bühne und ist zweieinhalb Stunden ist kein Mensch auf dem Ding drauf.
Und wer kann das dann bedienen? Nur diejenigen, die Funkstrecken haben. Also die Bläser. Weil Gregor hat zwar ein Kabel, der ist dann auch mal ein bisschen mitgekommen, aber der kann nicht bis vorne gehen. Und was machen wir dann, Johannes Lorenzo und ich? Gehen halt dann auf das Ding. Oder wenn man ein Solo spielt, geht man auf das Ding.
Und das ist sicherlich für den einen oder anderen auch eine Überwindung, sowas zu machen, sich so auf den Präsentierteller zu stellen. Für andere überhaupt nicht. Klar, die hüpfen nach vorne und gehen auf die Knie und so weiter. Da muss man aber, finde ich, für sich selbst das Maß finden, dass das nicht peinlich ist.
Einem selbst, aber auch, dass die Leute nicht denken, oh, das ist jetzt aber, ey, sorry. Nee, bei dem, das sieht nicht aus, so ungefähr. Das ist auch Selbstreflexion oder in sich selbst reinhören. Macht mir das jetzt gerade Spaß oder ist es total uncool? Es ist eine Überwindung für mich. Und irgendwo dazwischen liegt wahrscheinlich die Wahrheit, wenn es auch um Show geht.
Wie ist das bei dir? Gehst du da gerne raus? Sagen wir mal so, ich könnte darauf verzichten. Es ist mir nicht wichtig, sowas zu tun. Es macht mir schon Spaß, Solo zu spielen, ist ja gar keine Frage. Aber ich finde es immer geil, wenn das ganze Ensemble oder die ganze Band das mitträgt. Wenn man jetzt der Einzige ist, der so eine Tendenz hat und dann sagt, hey, ich muss jetzt da raus und alle anderen machen nichts, dann ist es doof.
Es ist schon eine Gemeinschaft, finde ich. Man geht ja raus und fängt an zu spielen und man sendet ins Publikum gute Vibes im Idealfall. Und ich finde, das ist definitiv eine Gemeinschaftsleistung. Und wenn man merkt, hey, die stehen hinter mir, wir machen da ein gemeinsames Sendungsbewusstsein, dann gehe ich da schon auch gerne raus.
Aber in so Situationen, man ist ja manchmal auch in so zusammengewürfelten Besetzungen unterwegs, wo man sich eigentlich gar nicht gut kennt und muss jetzt von 0 auf 100 ein Cover-Geek spielen mit möglichst viel Animation und wo sind die Hände und Mitklatschen und da, ja, das mache ich dann auch, aber so richtig Bock habe ich da manchmal nicht drauf auf diese Art von Show machen, obwohl man selber vielleicht noch nicht in der Stimmung ist.
Das ist auch sowas.
Wie gehst du, bleib mal bei so einem Cover-Gig. Du stehst jetzt in so einem Satz und du hast neben dir jemanden, den kennst du vielleicht noch nicht. Und das ist aber so ein Ego-Typ, der sich auch bewegt und eigentlich schon so ein zweiter Frontmann ist und am besten noch mehr spielt, als auf den Noten steht.
Diese Kombination habe ich zum Glück sehr lange nicht mehr gehabt, sagen wir es mal so. Das kommt sehr selten vor. Vor allen Dingen das mit dem überschwänglich Bewegen, das ist eigentlich total, eigentlich nicht, kann ich mich ja nicht daran erinnern, dass das jemand stattgefunden hat. Aber dass jemand zu viel spielt und sich da auslebt in dem Bereich, das kommt natürlich schon vor.
Da muss ich mal kurz überlegen, ja. Das ist auf jeden Fall, also auf der einen Seite ist natürlich so einem Trompeter, ich bin Saxonist, ich muss einem Trompeter folgen. Also wenn der da, wenn der Gas gibt, dann gebe ich natürlich mit Gas, ist ja gleich. Sonst wird der Satz sehr unausgewogen sein. Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals zu jemandem gesagt zu haben, was machst denn du da?
Sorry, Handbremse so. Eher andersrum, dass ich jemandem sage, Alter, du musst ein bisschen mehr, das hat jetzt nichts mit Show oder viele Töne spielen, sondern eher was mit Präsenz, mit Dynamik, mit Power, Strahlen, Blending, also wirklich musikalische Dinge, dass ich dann schon eher sage, ey Leute, wir müssen ein bisschen mehr Gas geben, sonst funktionieren wir hier in diesem Kontext nicht.
Ein bisschen mehr Power, ein bisschen mehr Lautstärke, ein bisschen mehr Obertöne, so. Also das sind dann aber eher musikalische Dinge, die haben jetzt nicht zwingend was damit zu tun, dass man jemanden einschränkt, sondern eher, ey, lass uns ein bisschen mehr Power machen und vielleicht ist das ein kleiner Tritt ins Ego, hey, ein bisschen mehr nach draußen denken, ein bisschen mehr Gas geben.
Andersrum kann ich mich nicht daran erinnern, dass ich jemals jemandem gesagt habe, Alter, geht nicht, was du gerade machst. Kam aber auch nicht vor bisher, muss ich sagen. In der Form, ehrlich gesagt. Ich spiele glücklicherweise mit wunderbaren Trompetern meistens oder Posaunisten. Das ist sehr, sehr selten, dass man sich da nicht versteht.
Okay.
Wie hältst du dein Ego im Zaum? Also, gerade bei so Gigs, wo man denkt, okay, gut, mal wieder Liegetöne. Und ich könnte eigentlich gerade coolere Sachen drüber spielen.
Auch da muss ich sagen, ich kann, also man, natürlich kommt Routine auf. Das ist natürlich, je häufiger man Musik reproduziert, das ist ja im Popmusikmachen oder in der Klassik gar nicht genauso, finde ich. Aber nur im Jazz ist das anders, finde ich. Im Jazz hat man ja wahnsinnig viele Möglichkeiten zu interagieren, zu solieren, zu improvisieren.
Je nach Stilistik. Aber grundsätzlich ist es im Jazz natürlich mehr der Fall. Jetzt spiele ich halt wahnsinnig viel Popularmusik. Da gibt es die kreativen Momente im Studio oder wenn mal, also wenn die Dinge entstehen sozusagen, wenn Bläser geschrieben werden, wenn ich mitschreiben darf an einem Song oder wenn die Version entsteht in der Probe oder so, das sind die kreativen Momente.
Da hat glaube ich niemand Langeweile oder Ego-Probleme oder die wenigsten. Aber danach ist es ja häufig ein Reproduzieren. Man spielt dann die Dinge so, wie sie gedacht sind, wie sie geprobt sind, von oben nach unten. Und dann gibt es vielleicht noch hier mal einen offenen Part, einen Solopart. Und wenn man den dann nicht selber bespielt, dann gebe ich dir recht, dann kommen manchmal natürlich Routinemomente auf und dann hat man Liegetöne und so weiter.
Und da in dieser Situation würde ich dann sagen, der Abend ist häufig trotzdem so abwechslungsreich für mich. Und dass ich eigentlich nicht das Gefühl habe, was mache ich hier so ungefähr. Natürlich, wenn Routine aufkommt, dann macht man mal Späschen. Ich bin jetzt gerade den Sommer über Film mit dem Lorenzo an der Seite und mit Johannes an der Seite, mit dem Gregor unterwegs.
Und natürlich, wir machen dann auch Witze, haben unseren Spaß und man guckt ins Publikum und es gibt ja viele Möglichkeiten, wie man sich beschäftigen kann, sag ich mal, ohne die Musik zu vergessen. Das ist ja jetzt auch super leger, was beim Gregor auf der Bühne so passiert bei uns oder auch bei mir, bei Bab oder in anderen Situationen.
Das ist ja nie so, dass man das auf den Deckel kriegt, wenn man mal lacht oder so. Also da kann man sich schon beschäftigen, sag ich mal. Aber es ist eigentlich trotzdem musikalisch so abwechslungsreich. Ich habe ja ganz viele Instrumentenwechsel, Flöten, Saxophone, Klarinette, Gitarre. Das heißt, ich bin da immer total gefordert eigentlich.
So richtig zurücklehnen kann man sich da eh nicht. Aber natürlich gibt es die Momente und dann suche ich mir tatsächlich aber häufig im Kopf einfach Dinge, die mich beschäftigen. Also ich höre dann konkret mal die Gitarre vom Gitarristen an. Oder ich höre dann mehr auf, was spielt eine Keyboarder. Oder boah, das groovt aber heute irgendwie.
Also ich suche mir so musikalische Ankerpunkte, die ich dann entweder genieße oder analysiere oder ich achte auf die Intonation oder ich achte mehr aufs Phrasing, Dinge, die sonst vielleicht schon im Automatismus stattfinden, im Autopiloten-Modus. Also langweilig mit Smilen eigentlich nicht. Und aber natürlich am ehesten gibt es diese Momente beim Soundcheck, dieses Rumdaddeln, dieses Rumdudeln und hier noch blablabla, hier noch ein Lick spielen und so weiter.
Das kennt ja jeder, das nervt eigentlich alle nur. Und natürlich, Blasinstrumente sind eben laut. Klar, Schlagzeug ist auch laut, aber Gitarre kann auch laut sein. Aber wenn Bläser Backstage in kleinen Backstage-Räumen rumdaddeln und dann auf der Bühne rumdudeln, das nervt einfach total. Das ist so ein Ding, wo man vielleicht sich selbst mal an den Kopf fassen kann und sagen, das brauchst du jetzt nicht, du bist doch eingespielt.
Es nervt alle anderen nur. Das ist vielleicht so ein bisschen eine Selbstreflexion, Wahrnehmung und auch so eine Ego-Nummer. Ich muss euch niemandem mal zeigen, dass ich jetzt irgendwie das auch noch spielen kann. Disziplin, eigentlich ist es eher Disziplin, würde ich sagen.
Wir hatten ja die Folge deutlich früher geplant, als wir sie jetzt aufnehmen. Und ich habe damals auf Instagram auch nach Fragen gebieten. Und da kam tatsächlich die Frage auf, wie spricht man jemanden drauf an, dass er jetzt vielleicht zu viel macht oder sein Ego gerade einfach raushängen lässt und es einfach gerade nicht in den Satz passt.
Also gerade bei Bläsern.
Also bei Bläsern, es gibt ja zwei Dinge. Wir haben eben schon über diese Körperlichkeit gesprochen. Das finde ich ja total schwer. Wenn jemand in eine bestehende Gruppe reinkommt und es total falsch einschätzt und dann over the top agiert, das finde ich. Würde mir sehr schwer fallen, jemandem zu sagen, Alter, sorry, nee, hier wird nicht gesprungen oder ne, irgendwie.
Aber auch das, wenn es authentisch ist, why not? So, irgendwie, wenn es nicht peinlich wird oder wenn es nicht irgendwie Grenzen überschreitet, warum nicht? Ich glaube, ich würde es erstmal geschehen lassen. Musikalisch gesehen gibt es natürlich aber schon Themen. Also ich finde diese Trompeterkrankheit zum Beispiel, immer noch eine Oktave höher spielen zu müssen oder zu wollen.
Zu wollen, ist ja die Frage. Die Schlusstöne hinten, bei irgendwelchen Pop-Rock-Nummern, immer noch eins drauf zu setzen. Das hat ja auf der einen Seite ist dann der Satz nicht mehr so, wie er sein soll. Also in meinem Fall, ich habe ja häufig solche Sachen auch geschrieben und ich schreibe natürlich dann auch hinten hoch gerne oder je nachdem, was es halt ist, irgendwie.
Und vielleicht ist da ja dann schon ein Quint-Voicing oder ein schönes B7,9-Quint-Ding. Und wenn dann irgendwie Trompete noch ein Schlafe hochrutscht, dann müssen die einen dann ja mitgehen. Also ich als Saxophonist muss natürlich dann mitgehen, weil ich ja dann die zweite Trompete spiele, sozusagen.
Das kann man machen, man kann das auch mal, wie soll ich sagen, offen lassen und bei der einen oder anderen Nummer, wenn es jetzt irgendwie ein Glues ist, was weiß ich, eine laute Funk-Nummer, okay, aber es immer zu machen, finde ich blöd. Also, das ist, finde ich, das habe ich diese Krankheit, haben eigentlich nur Trompete.
Und da sage ich auch manchmal was dann. Da sage ich, Alter, pass auf, an der Stelle jetzt nicht, lass uns das bitte einfach safe spielen. Das ist ja der nächste Punkt. Manchmal sind diese Töne dann auch nicht in Tune oder die kommen nicht richtig. Und dann finde ich es eigentlich super uncool, dann hat das Ego verloren, sozusagen.
Also, wenn man es macht, finde ich, muss man auch wissen, dass man es gut macht, sozusagen. Also, das finde ich, da sage ich dann auch manchmal was. Da lacht man dann auch drüber. Ich glaube, jeder Trompeter weiß auch genau, was damit so gemeint ist, so ungefähr. Ähm, Bei mir war das zum Beispiel, um jetzt nicht nur auf Trompetern rumzuhacken, ich habe früher, ich habe ein Ding in meinem Spiel gehabt, wo ich überhaupt nicht drüber nachgedacht habe.
Und das waren einfach Slurs. Ich habe sehr häufig Dwe gespielt als Jugendlich. Und hatte mir das so angewöhnt. Und das musste ich mir über ein paar Jahre wegtrainieren. Und weil das ist einfach, man denkt, und ich habe da gar nicht viel drüber nachgedacht, aber es ist einfach auf Dauer super langweilig, wenn man das immer macht.
Und da musste ich mich einfach zügeln und mir sagen, hey, ich spiele jetzt einfach straight, auch wenn es vielleicht auf den ersten Blick langweiliger wirkt. Aber da haben ja auch Leute gesagt, ey, sorry, im Satz kannst du das nicht machen. Entweder wir spielen es alle oder nicht. Also es sind einfach so Dinge, die, da muss man sich dann unterordnen und als Gruppe sehen.
Und klar, als Trompeter man führt und führt den Satz an und ich ordne mich auf jeden Fall unter und wenn der rauf geht, dann gehe ich halt mit drauf, so ungefähr. Und manchmal ist das auch lustig, aber grundsätzlich finde ich es immer cool, wenn man das abspricht oder zumindest sagt, okay, bei denen und den Nummern, da haben wir Spielraum, da dürfen wir mal so und so.
Genau. Auf jeden Fall, eigentlich ist es immer in einer Section ein Team und muss sich eigentlich absprechen und der Intonation folgen. Und genau, das ist, glaube ich, das ein anderes spannendes Thema. Das habe ich auch häufiger gehabt. Dass wenn Intonationsprobleme auftauchen in der Section, das ist ja eigentlich Gang und Gäbe.
Das hat was mit Temperatur zu tun, das hat was mit dem Hörverhalten zu tun oder mit Ihnen ihr Monitoring, der eine hört gut, der andere hört schlecht und so. Oder man hört nicht die Dinge, die man hören muss, um zu intonieren. Ich kann von mir sagen, dass ich mir relativ sicher bin, was Intonation angeht und relativ ein gutes Gefühl dafür habe, das sehr schnell richtig einzuschätzen.
Und dann habe ich manchmal natürlich auch so das Gefühl, ich bin jetzt richtig. Aber die anderen sind nicht richtig. Aber eigentlich muss ich ja dem Trompeter folgen, sozusagen. Den Trompet gibt es vor, ich muss mich da intonatorisch einordnen. Und dann gibt es manchmal so das Gefühl, die Situation, man spielt bar, und dann ist nach einer Achtel geht der eine runter, der andere geht drauf.
Also man, dieses automatische Nachtunen. Und dann irgendwann gibt es da auch mal so eine Ansage, pass auf, macht nix, ich folge euch schon. Auch der Trompeter sagt manchmal, ey, ey, du warst eh richtig, ich komm schon nach. So, ich so, nee, nee, nee, bitte nicht, lass uns doch. Du führst, ich folge dir.
Also dass auch da, dass man es mal ausspricht und sagt, ich weiß, du hörst es gerade nicht gut, aber wir folgen trotzdem dir. So, das ist so eine, das hat auch was mit Ego zu tun. Aber ich finde es gut, wenn man das anspricht und drüber redet, um sich zu sortieren. Ich glaube, wenn man nie über solche Dinge redet, dann findet man auch nichts zusammen in einem Satz.
Glaubst du, dass grundsätzlich mehr gesprochen werden sollte?
Ja, absolut. Wenn es notwendig ist. Also genau, wenn das ist ja gar kein Thema. Es ist ja eigentlich immer so ein bisschen Problembewältigung. Also gerade auf lauten Bühnen, ich meine, wenn du immer in der gleichen Situation bist, gleicher Raum, spielst du immer auf dem gleichen, im gleichen Setting, in die Musical zum Beispiel, wo immer alles identisch ist.
Wenn da alles cool ist, muss man nicht drüber reden. Ist ja alles wunderbar, dann kann man einfach nur Musik machen. Aber in meinem Fall ist es ja so, es ist jeden Tag anders. Du hast jeden Tag eine andere Hörsituation, du hast jeden Tag hier ein Problemchen, da ein Problemchen. Oder das Blatt ist nicht gut oder wie auch immer.
Und da muss man einfach drüber reden. Und je weniger man das tut, desto mehr bleiben die Dinge da und desto unkontrollierter wird es eigentlich. Und einfach, also die Musik hat immer Vorrang. Das Ego sollte immer erst danach kommen.
Sollte, ja. Aber es gehört ja auch ein gutes Ego dazu zu sagen, du, ich höre gerade nicht gut, was da Sache ist. Also zu der eigenen Unfähigkeit ist so ein großes Wort jetzt, aber du weißt, was ich meine. Zu meiner Schwäche zu stehen, zu sagen, ey, das ist jetzt nicht das, was ich gut kann. Kannst du gut zu deinen Schwächen stehen?
Boah, ich muss sich lange überlegen gerade.
Also du musst eine Schwäche suchen, nicht mehr.
Nee, nee, aber ich gehe natürlich im Kopf durch, ob es solche Momente gibt irgendwie. Aber ja klar, also ich kann mich auch schon daran erinnern, dass ich sage, ey, pass auf, das macht jetzt keinen Sinn, dass ich da so liere über so einen Part, der ist nichts für mich, von den Akkorden oder vom Tempo oder vom Stilistik.
Das ist ja eh so ein Thema. Ich glaube, im Idealfall ist es ja so, dass wenn man gemeinsam musiziert, dass man auch weiß, der ist in dem Bereich super gut, der ist in dem Bereich super gut und dann versucht man natürlich, diese Dinge rauszuschälen und jetzt nicht unbedingt drauf zu bestehen, da muss jetzt in Tempo 400, muss in Fiss-Dur ein Trompetensolo stattfinden oder ein Saxo-Solo, das macht ja dann keinen Sinn.
Also dass man sich eher die Dinge raussucht. Und das gehört vielleicht auch dazu, wenn man sich eben nicht kennt. Das ist eher die Situation, wenn man sich nicht gut kennt und dann, das habe ich häufig eigentlich, dass ich irgendwie angerufen werde, hey, du bist doch der geile Typ, bla bla bla, und dann zack.
Und dann bist du in einer Situation, wo du denkst, sorry, da muss eine Gitarre hin, da muss kein Saxophon hin, ja, nee, jetzt bist du jetzt da komm spielen. Ich so, nee, da muss man dann selber sagen, pass auf, das ist einfach nicht okay. Macht keinen Sinn, wenn ich das spiele, weil es nicht gut ist, oder zum Beispiel, ich habe eine Anfrage gehabt für ein Kletzmer-Klarinettenrecording und das war tatsächlich in Fist Dur.
Das war ein Gitarrenton, hat so irgendwie, also in E, Klarinette in Fistern. Ich habe mir das angehört, es war auch eine Bekannte von mir, die ich ganz okay kenne, und hab gesagt, pass auf, ich bin nicht der Richtige dafür. I'm sorry. Also du brauchst jemanden, der richtig Gletzmer spielen kann. Bin ich nicht.
Macht überhaupt gar keinen Sinn. Ich kann mir das jetzt, ich könnte mir da Dinge aus den Fingern leiern, die auswendig lernen und dann dauert das aber zwei Tage, bis es cool ist. Und ruft doch jemanden an, der einfach geil Kletzmal-Klarinette spielt. Und das, da habe ich mir keinen Zacken aus der Krone gebrochen, sage ich jetzt mal.
Auf der anderen Seite lernt man natürlich auch, wenn man jetzt nicht immer Angst hat und sagt, uh, das mache ich jetzt nicht, sondern ins kalte Wasser geworfen zu werden, sozusagen, ist ja auch, darüber habe ich viel gelernt, auch auf Bühnen einfach, weil du musst jetzt spielen, sozusagen. Das hat mir schon auch viel gebracht, diese Spielroutine, die Erfahrung.
Grundsätzlich ist für mich auch immer so wichtig in allem musikalischen, dass man nicht auf Nummer sicher spielt, sozusagen. Sondern dass man, ich versuche immer on the edge zu sein, lieber einen Fuß weiter raus, sodass vielleicht auch mal was schief geht, also dass man was riskiert. Da reden wir jetzt über Improvisation, also über Soloparts, aber auch wenn man als Satz laut spielt, so ein bisschen mehr Gas zu geben, dass es wirklich eine Mega-Energie hat, das ist ja manchmal auch, dann stimmt die Intonation nicht so richtig oder es ist die Gefahr, dass Töne wegbrechen oder so, aber sich selbst dann richtig einzuschätzen und das ein bisschen zu pushen, das ist für mich häufig so eine Energie,
die hilft total, auch dem Publikum in den Allerwertesten zu treten. Wenn man das nicht macht und immer auf Nummer sicher spielt, dann ist es manchmal etwas zu brav in meinen Augen. Und da braucht man eben auch so ein bisschen Ego, um das zuzulassen und auch zu sehen, hey, da habe ich jetzt gerade leider was Falsches erwischt, ist nicht schlimm.
Dafür war die Energie gut. Also das ist sicherlich auch ein Ego-Thema und auch ein Selbstbewusstseinsthema. Ich kriege das hin, ich werde das jetzt nageln und richtig pushen. Und dann ist halt mal eine Mollterz statt einer Dul-Terz dabei. Okay, ist passiert, aber ist mir lieber, kleine Fehler zu machen, als immer nur auf sicher zu spielen und keine Angst oder Angst zu haben.
Das heißt, du kannst gut mit Fehlern umgehen.
Mit den eigenen? Das ist jetzt die Frage. Ja, schon. Also, ich meine, es ist ja ein Unterschied, ob man immer den gleichen Fehler an der gleichen Stelle macht und sich nicht drum schert oder ob man Flüchtigkeitsfehler macht, weil man unkonzentriert ist oder zwei Bier zu viel getrunken hat oder so. Das ist natürlich super nervig.
Das finde ich überhaupt nicht cool. Aber Fehler, die passieren, weil gerade die Hütte brennt, okay, ist so. Dann ist es so. Das ist ja das Schöne auch an Live-Aufnahmen, im Gegensatz zu einer komplett durchproduzierten Studiogeschichte. Also ich finde das schon alles cool, sowohl bei mir selbst, also beziehungsweise wenn ich es mit, wenn ich es dann selber höre, ärgere ich mich natürlich schon.
Ah, schon schön gewesen, wenn der Fehler da nicht passiert wäre. Aber ist mir lieber als alles super safe ohne Energie zu haben. Das ist, glaube ich, einfach lieber mehr Energie und weniger und ein bisschen Fehler als durchhängen und richtig spielen.
Du hast ja den großen Luxus, du bist in einem Profi-Setting unterwegs. Ich bin ja in dem Spannungsfeld, dass ich viel mit Laien zu tun habe. Ich eins auch mal ein paar Gigs mit Profis unter dem Jahr habe. Und ich stelle immer wieder fest, je professioneller, desto weniger stellt sich diese Ego-Frage, dass da jetzt eine Ranghackordnung sich erspielt werden muss.
Und bei Laien habe ich oft das Gefühl, okay, entweder es wird sich über dieses eine Jahres-Konzert definiert und dann muss ich zeigen und heute setze ich zwei Stühle weiter links, das ist schon ganz schlimm, weil ist das so? Also nimmst du das auch so wahr, dass das im Profibereich dieses Ego-Rangordnungsding nicht mehr so groß ist, weil sich eigentlich keiner mehr so richtig beweisen muss, was er gerade kann, sondern eigentlich schon jeder vom anderen weiß, was der Sache ist?
Also grundsätzlich würde ich schon sagen, dass ich das genauso sehe wie du. Ich habe ja auch die ganze Vergangenheit auch, ich war ja nicht immer Profi, ich habe ja auch mal angefangen, kann mich durchaus erinnern, wie das ist. Und auch wenn ich Workshops gebe oder in Amateursituationen das miterlebe, das natürlich, gib ich dir erstmal vollkommen recht.
Das hat auch ein bisschen was, glaube ich, damit zu tun, überhaupt mal einschätzen zu können, welche Funktion, welches Instrument hat. Wenn du Frontmann oder Frontfrau bist, dann ist das vielleicht auch im professionellen Kontext noch eher der Fall, dass da Egos stattfinden. Vielleicht auch wie bei SchauspielerInnen.
Also Leute, die vorne etwas darstellen müssen, die brauchen auch ein Ego, um das tun zu können. Vielleicht noch mehr, als dass ein Bassist, sage ich jetzt mal, braucht. Jemand, der nicht so auffällt. Es ist jetzt etwa stereotyp verglichen, aber ich glaube durchaus, dass Leute, die was darstellen müssen, weil das eben die Funktion erfordert, auch häufiger ein Ego mitbringen, was auch nicht schlecht sein muss, weil ich glaube, ohne das wird es auch nicht gehen.
So diese uns bekannten Stars, die Frontfrauen oder Frontmänner sind, die haben ja alle, also nicht alle, aber viele, sind einfach extreme Typen. Und das geht, glaube ich, nicht anders. Wenn man jetzt in einem Orchester ist oder in einer Section oder in einer Band, dann wird man relativ schnell wissen, pass auf, das macht überhaupt gar keinen Sinn, wenn ich mich die ganze Zeit wie ein Gockel mich den ganzen Abend verhalte.
Ich muss einfach erstmal gut mein Instrument spielen und in der Section funktionieren. Wenn ich dann die Solo-Spots habe, die kann ich dann füllen, so wie ich das vielleicht möchte. Da gebe ich dir insofern recht, dass in der Profi-Band das in einem Profikontext sehr häufig viel klarer ist. Aber vielleicht auch deswegen, also man redet da gar nicht so viel drüber, ehrlich gesagt, aber ich glaube, das ist auch so ein Thema, wie die Finanzleute immer so schön sagen, der Markt regelt das von selbst.
Du wirst einfach nicht angerufen, wenn du so ein Typ bist. Also ich glaube, du musst natürlich ein guter Musiker sein. Aber darüber hinaus gibt es eben diese ganzen anderen Themen. Bist du entspannter Vogel, bist du ein super nerviger Ego-Typ, verhältst du dich blöd, kommst du besoffen zum Gig, das machst du ein paar Mal und dann wirst du einfach nicht angerufen.
Und dann sortiert sich das von selbst so ein bisschen aus, glaube ich. Das ist so. Es wird eigentlich nicht drüber gesprochen. Also deswegen fand ich es doch interessant, dass du dich bei mir jetzt nochmal gemeldet hattest wegen diesem Thema, weil wir haben auch zu dieser Folge in unserem Podcast mit Markus super viel Feedback bekommen.
Und dann haben wir auch mal überlegt, ja, aber komisch, im Studium spricht man nicht drüber. Es gibt eigentlich in keinem Workshop dieses Thema. Man redet immer über andere Sachen, aber über das redet irgendwie keiner. Aber ja, du kannst es ja auch nicht so richtig beeinflussen. Du kannst halt nur mal sagen, Alter, das geht gar nicht, was du gerade machst, sorry.
Aber dann ist die Frage, ob derjenige das dann cool aufnimmt und dann wieder Bock hat, mit dir zu reden.
Das ist nämlich genau der Punkt, weil ich glaube, so ist gerade, die ein sehr exponiertes Ego haben, die sehen das ja dann nicht mal. Also da fällt ja die Selbstreflexion wieder zu. Ah, vielleicht hat er ja doch recht, dass ich da ein bisschen drüber bin. Wie würdest du, wenn du, also du gehst ja jetzt zum Sachs-Camp.
Du bist jetzt in so einer Workshop-Situation, ich hatte das jetzt schon öfters mal, da kommt man hin, hat dann so eine, also in meinem Fall eine Trompetensektion vor mir. Dann geht es um Stilistik und dann sitzt so ein Typ da, der sagt, ja, erzähl's den anderen mal. Und der immer meint, der weiß alles schon besser.
Und es ist eigentlich meistens der ist das Problem. Ja, ich kenne ich. Die Situation kenne ich sehr gut. Und wie gehst du damit um? Dann dem zu sagen, hör zu, du auch. Also du bist da auch das Problem in der Sache gerade.
Also ich sag mal so, wenn es richtig nervt, das habe ich dann auch schon mal gesagt, dass ich gesagt habe, Alter, Ruhe, dann gibt es echt eine Ansage, dann bin ich der Lehrer, so ungefähr. Weil ich finde, das nervt natürlich auch, wenn es ist, es ist ja immer in einer Gruppe so das Thema, wenn jetzt irgendwie zehn Leute sitzen und einer ist die ganze Zeit Bäm, Bam, Bam, Bam, Bam, das nervt ja alle Beteiligten.
Und das kann man, glaube ich, einmal dann ziemlich deutlich sagen. Das mache ich dann manchmal auch. Eigentlich ist man da wie eine autoritäre Lehrerfunktion, die man da hat. Eine andere Option, die ich auch manchmal nutze, ist einfach dann diejenigen, die, ich sag jetzt mal, ein großes Maul haben, ist das einfach so über einen Kamm geschert, auch mal gerne was vorspielen lassen und einfach mal zeigen, okay, dann sag doch mal.
Und vielleicht so ein bisschen die Grenzen auch, weil keiner ist in allem gut so. Und ich finde es ja gerade cool, dass man in der Gruppe, die Schwierigkeit ist, die kennen sich ja häufig nicht. Das sind meistens in Workshops kommen ja meistens Fremde zusammen sozusagen. Und das Beneglied ist dann der Dozent.
Und da muss man sich am ersten Tag gerade ist ja auch diese Überwindung dann häufig, oh, jetzt muss ich spielen und in der Gruppe spielen ist immer eins, aber jetzt muss ich Solo spielen. Das ist ja für viele Leute eine totale Überwindung, wenn man das nicht gewohnt ist. Und dann hört man, wow, der spielt aber schon gut und oh, ich kann ja gar nichts und so.
Aber gerade darum geht es ja in diesen Situationen auch. Genau diese Situation zu erfahren. Und häufig erledigt sich das ja dann so auch am zweiten Tag schon, solche Probleme. Das ist so am Anfang, wie sich die Gruppe so sortiert, ist immer so spannend, das zu sehen. Und ich versuche dann manchmal einfach, wenn sich das so rauskristallisiert, einfach die direkt mal dranzunehmen und direkt mal abzufragen.
Alles klar, was, wie spielen wir melodisch mal, weiß ich jetzt nicht. Okay, ja, siehst du. Wer weiß, wie melodisch maul geht und dann weiß jemand anders, wie melodisch maul geht. Und dann merkt man, ah, okay, also ich glaube, man kann das über solche Sachen ganz gut abfedern. Das andere mit dem Hammer draufhauen, das mache ich eigentlich nur, wenn es echt nervt.
So, wenn es so too much ist, irgendwie. Aber auch dann, dann trinkt man abends noch ein Getränk zusammen, dann ist ja eh wieder alles cool. Und so ist das halt, so sind wir Menschen halt, ne? Der eine ist so, der andere ist so. Und die Gruppen sortieren sich dann von selbst relativ zügig. Finde ich auch spannend, so ich habe mal, ich habe längere Zeit mit Schulklassen gearbeitet in so einem Theaterkontext.
Und das war integrativ. Da gab es eine Schulklasse, die, das war in Österreich, die eher, ich sage jetzt mal, Hauptschule war, wie bei uns in Deutschland, und das andere war eher gymnasial und in der Hauptschule waren auch ein paar Behinderte mit dabei. Und diese beiden Klassen, die haben auch noch teilweise andere Altersstrukturen gehabt, sind zusammengekommen und haben kreativ gearbeitet, über ein ganzes Schuljahr ein Theaterstück entwickelt.
Und ich habe da quasi die Musik entwickelt mit denen. Da haben wir geguckt, wer ist da, wer spielt Instrumente oder hat jemand Bock, am Mischpul zu stehen oder hat jemand Bock auf der Bühne zu singen oder so. Und dann haben wir quasi die Musik entwickelt. Und es war total spannend zu sehen, der erste Tag, wenn diese Gruppen zusammenkommen, Klassenclown-Thematik, derjenige, der irgendwie die Schnauze aufreißt.
Und wie sich das so über die Monate dann total verändert und wie man dann plötzlich die anderen wahrnimmt und schätzen lernt und auch die vermeintlich Schwächeren integriert. Super spannend, das zu sehen, total geile Sozial-Erfahrung für alle Beteiligten, auch für die Dozenten. Und das dann nachher auf eine Bühne zu stellen, wo die Leute, wo man am Anfang im Leben nicht gedacht hätte, dass die zusammen auf einer Augenhöhe da ein Stück präsentieren können, dass das dann so wunderbar funktioniert.
Also ein ganz tolles Konzept. Und das fand ich immer super spannend, so diese Gruppendynamik da zu sehen. Da sticht das Ego am Anfang raus und bei manchen wird das Ego dann eher kleiner im Laufletzer. Ja, manchmal ist das, glaube ich, auch Schutz halt einfach. Ja, klar. Unsicherheit, das ist ja das Thema.
Es gibt die Leute, die sind total unsicher und haben deswegen vermeintlich ein großes Außenego. Das ist ja gerade beim Musikmachen, bei Künstlern ist es ja auch so ein sehr zweischneidiges Schwert. Du musst vorne stehen. Alkohol und Drogen oder psychische Krankheiten sind nicht umsonst sehr, sehr häufig in dem Bereich, weil wenn du das willst und machst vorne und hast aber trotzdem Angst, die Doku von Robbie Williams zum Beispiel.
Hab ich gesehen. Super spannend, total spannend zu sehen. Und ich finde ja, dass solche Leute, also solche Leute, damit meine ich jetzt so zum Beispiel Robbie Williams oder auch Steven Tyler von Aerosmith, also so diese Front-Typen, die wirklich so ein Wow, so ein Sendungsbewusstsein haben, die faszinieren die Menschen.
Es gibt da auch so Leute, die für mich auf so riesen Bühnen so funktionieren. Die beiden zum Beispiel gehören dazu. Es gibt andere Leute, wie Gregor Meile zum Beispiel, den würde ich nicht so einsortieren. Der Gregor Meile ist viel mehr Down-to-Earth. Der hat keinen Alkohol und keinen Drogenproblem. Der steht auf der Bühne und ist eigentlich der Typ von nebenan.
Und deswegen wird Gregor auch nie vor 40.000 Leuten spielen, glaube ich. Im Umkehrschluss. Ich glaube, das hat wirklich was mit einer Art, das hat dann, also natürlich kommen dann auch andere Texte zustande, andere Songs, andere Klamotten. Das ganze Paket ist ein anderes. Aber es gibt eben Leute, die haben ein krasses Ego mit allen Problemen, die das mit sich bringt.
Und die haben vielleicht, die glühen dann etwas heller, wie ein hellerer Stern, der aber auch vielleicht schneller verglüht als jemand, der ein bisschen gesettelter ist und ein kleineres Ego hat. Finde ich total spannend, das so zu beobachten. Auch bei Singman Song, die ganzen Leute, die wir mitbekommen, mittlerweile weit über 50, nee, mehr 60, 70 Personen, die genau immer diese Frontposition ausüben.
Finde ich extrem spannend, diese Charaktere kennenzulernen und zu checken, wie die privat ticken, wie die auf der Bühne funktionieren und was es da für Problemchen oder auch Leichtigkeiten gibt. Das ist extrem spannend.
Du musst ja mit deiner Ausstrahlung dann auch, wenn du vor 40.000 oder so bist, auch erstmal den Raum füllen. Du musst ja bis dahinter kommen. Also, ich habe das jetzt gemerkt, vor ein paar Wochen war ich das erste Mal, als ich durfte 90 Minuten moderieren auf der Hauptbühne vom Wurztock der Blasmusik und vor mir standen 10.000, 12.000 Leute, bin ich nicht gewohnt.
Also nicht sprechenderweise gespielt, glaube ich, auch so groß noch nie. Aber das ist nochmal was anderes, weil es ja gut, du machst ja Podcast. Ja, das ist ja nochmal ein Unterschied, ob ich mich jetzt mit dir unterhalte. Oder da jetzt 10.000 Leute stehen, die gucken und auch noch warten, bis die Musik weitergeht und so.
Also ich Spannende Erfahrung. Kann ich, glaube ich, auch noch, wenn ich das noch öfters machen darf, noch einiges lernen, aber ich habe schon auch versucht, irgendwie vom Mindset her bis hinterzukommen. Zum Letzten, der da steht. Aber es ist, ich würde jetzt von meiner Grundanlage her sagen, bin ich nicht der Typ dafür.
Also ich bin nicht so die Rampensau. Kann man, glaube ich, bis zum gewissen Grad lernen, aber ich würde jetzt auch nie ja, ich bin nicht die Rampensau, die rausgeht macht, hä, und wu, und so.
Ja, das ist auch die Frage. Man kann das lernen, nur bedingt, da gebe ich dir recht. In der Gruppe, ich kenne ja die Bühne, ich habe ja mit der Blaspaggruppe auch nochmal da gespielt. Und die Situation auf solchen Bühnen, auf so großen Bühnen zu spielen, ist natürlich krass, aber es ist natürlich trotzdem auch leichter in der Gruppe.
Also auch jemand, der vielleicht das nicht so, wie du dich selbst beschreibst, der nicht so diese Tendenz hat, wenn du aber quasi mit zehn Leuten das machst und nur einen Teil davon, lässt man sich vielleicht ein bisschen mitreißen davon und geht einen Schritt mit. Das war ist ja in jeder Band so, kennt man ja oder in jeder Besetzung.
Der eine ist mehr Rampensauer, der andere weniger, aber trotzdem kann man als Plenum auch was darstellen, sozusagen. Und da auch die Leute mitnehmen, die vielleicht eher alleine das nicht so machen würden. Solange das im Rahmen bleibt, quasi. Aber klar, solche Erfahrungen muss jeder machen. Es ist total spannend, vor 10 Leuten zu spielen oder vor 10.000.
Es gibt aber auch die ganz kleinen Sachen, die auch total. Auf jeden Fall.
Ich fand, letztes Jahr habe ich einen Live-Podcast vor 80 gemacht. Auch super spannend, weil du dann jeden siehst und weißt, wie er reagiert. Das ist nicht mehr eine anonyme Masse, sondern ist noch ein bisschen direkter. Abschließend, wir sind nämlich zeitlich ein bisschen drüber, als ich gedacht habe, aber macht nichts.
Welchen Ratschlag würdest du jetzt jungen Musikern oder Amateurmusikern geben zu ihrem Ego?
Also auf jeden Fall ist es gut, sich selbst immer wieder einzuschätzen. Sich selbst zu rekorden, sich selbst, also entweder nur Audio oder auch mal Video und einfach mal zu gucken, Alter, wie sieht denn das aus, was ich da mache auf der Bühne? Im Proberaum vielleicht eher Audio, aber wenn dann Leute da sind, dass man sich selber einfach mal einschätzt und mal guckt, hey, das sind wir als Gruppe und das bin ich als Einzelperson.
Gefällt mir das, was ich da tue, wie ich spiele, wie ich mich bewege, oder gefällt mir das nicht? Und ich glaube, das ist einfach ein Thema, das macht man viel zu wenig. Man sieht immer, wenn man Instagram und also ich habe jetzt glücklicherweise keinen TikTok, aber da ist es wahrscheinlich noch extremer, man sieht immer Typen, die rumhüpfen und gerade diese ganzen Online-Saxophonisten, ich kann es nicht mehr sehen.
Es macht mich wahnsinnig. Dieses Rumgehüpfe und blink, blink, blink und hier noch ein LED-Streifen dran und Feuer spucken und bla bla bla. Klar, wenn man das will, ist es cool, aber das ist nicht die Realität. Also die Realität ist eine andere. Und man hat seine eigene Realität, man muss es einschätzen.
Deswegen Handy draufhalten, mal angucken, wie das funktioniert und dann einfach sagen, ey, vielleicht kann ich ein bisschen mehr machen. Vielleicht ist es auch mal cooler, nicht ein weißes Hemd anzuziehen, wenn ich darf, sondern dass ich vielleicht mal whatever, ne, irgendwie mich verändere und mich mehr oder weniger in Richtung Ego bewege.
Ich glaube einfach, dass das Selbsteinschätzen, die Selbstreflexion ist das Allerwichtigste bei der Geschichte. Und definitiv, Musik ist immer first und erst dann kommt der Show-Anteil. Für mich zumindest. Aber man merkt natürlich auch, es gibt Situationen, wo das genau andersrum gefragt ist. Also gerade nämlich die Saxonisten, die rumhüpfen, weil das gewollt ist.
Weil auf Veranstaltungen, sei es privat oder öffentlich, genauso jemand gebraucht wird mit Paillettenjackett und Sonnenbrille, der rumhüpft und wo es nicht so wichtig ist, ob das musikalisch gut oder schlecht ist. Hauptsache es sieht gut aus. Das gibt es und wenn man da hin will, weiß man ja, wie das geht.
Dann kauft man sich ein Paillettenjackett oder eine Sonnenbrille, dann ist man da genau richtig. Vollkommen okay, wenn man das macht. Das ist einfach der persönliche Geschmack. Will man das, will man das nicht? Und das geht eigentlich nur, indem man es einschätzt und selbst rekapituliert, habe ich jetzt einen Ticken zu viel gemacht oder zu wenig?
Das muss man, glaube ich, machen.
Okay.
Vielen lieben Dank. Danke dir, dass ich wieder da sein durfte. Sehr gerne.