
On Air - Der Blasmusik Podcast· Staffel 5
Auf einen Kaffee mit Timo Prenzer (Sinfonisches Blasorchester des SG Weiterstadt) - Wie macht man eine Großveranstaltung?
Montag, 26. Mai 2025 · 35 min
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Shownotes
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Timo Prenzer ist von der Abteilung Musik des SG Weiterstadt. Sie veranstalten alle paar Jahre das Symphonie Rock-and Jazz Konzert mit 1000 Besuchern pro Abend. Wie das ganze entstanden ist, was man bedenken muss und wie so etwas generell als Musikverein funktionieren kann, erfahrt ihr hier.
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Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Auf einen Kaffee mit dem Kleinformat hier beim Blasmusik Podcast. Kleinformat deshalb, weil ich mich mit einem Gast treffe, um mit ihm über ein Thema seiner Wahl zu sprechen. Und das dauert einen Kaffee lang. Before es losgeht, möchte ich euch mein Newsletter, die E-Mail, noch ans Herz legen.
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Mein heutiger Gast ist Timo Brentzer. Timo und ich kenne uns schon seit einigen Jahren aus der Brassband und er fragte mich, ob er nicht auch mal Gast sein darf, denn er möchte mit mir über eine Großveranstaltung seines Musikvereins sprechen. Eine Großveranstaltung, die als Idee angefangen hat und jetzt in regelmäßigen Abständen stattfindet.
Und was Großveranstaltung wirklich heißt, das erfahrt ihr jetzt. Ich weiß ja, dass du dich mit der Frage schon quasi auseinandergesetzt hast, wie du deinen Kaffee trinkst.
Ja, wieso ungefähr die meisten von deinen Gästen auch wirklich schwarz. Wobei das hat bei mir erst in Corona angefangen. Also ich habe vorher auch mit Milch getrunken, aber während Corona irgendwie wurde die Milch immer weniger und dann habe ich sie ganz weggelassen. Und seitdem schwarz und viel zu viel.
Okay. Ja, ich trinke während der Schulzeit immer nur zu viel. Aber einfach nur, weil ich, also wenn ich freistunden habe, dann gehe ich einfach automatisch an diesen Kaffeeautomat. Es ist jetzt nicht so, dass ich das brauche, weil in den Pferden lasse ich den so gut wie weg. Deswegen, keine Ahnung. So eine Gewohnheitssache.
Ja, kann ich verstehen. Ich meine, ich bin ja permanent im Homeoffice. Ich habe ja gar kein Büro mehr irgendwie bei mir auf der Arbeit, sondern ich habe Homeoffice oder bin beim Kunden draußen. Das heißt, der Gang zur Kaffeemaschine ist quasi in 10 Sekunden abgehandelt und schwupps ist der nächste Kaffee gedrückt.
Von daher ja, zu viel.
Okay. Soll aber heute ja nicht um deinen Kaffeekonsum gehen, sondern um was anderes. Willst du dich ganz kurz vorstellen, von welchem Verein du bist?
Ja, gerne. Also Timo Prenz, mein Name. Ich bin von der Abteilung Musik der Sportgemeinde Weiderstadt, also ein sehr eingänglicher Name. Dort im Symphonischen Blasorchester schon seit ich elf Jahre alt bin. Bin mittlerweile 38, da kann man sich das schön ausrechnen. Genau, spiele dort oder habe dort viele, viele, viele Jahre Eufonium gespielt.
Seit acht Jahren jetzt nur noch Posaune. Und bin in diesem Verein mittlerweile wieder der Vorsitzende. Genau. Und wir sind ein ganz gleiches symphonisches Blasorchester, was das komplette Repertoire abdeckt.
Wie viel seid ihr?
Wir sind, wenn wirklich alle da sind, 60 Musikerinnen und Musiker.
Das ist schon mal. Kann man was machen mit?
Damit kann man was machen, ja. Wie gesagt, wenn alle da sind. Aber zu Konzerten, da wird es dann meistens dann doch voller auf der Bühne, ja.
Okay. Genau. Ihr habt eine spannende Veranstaltung jetzt demnächst und darum soll es ja heute so ein bisschen gehen. Erstens, was das ist, zweitens, wie das so ein bisschen auch entstanden ist und wie das überhaupt gewachsen ist.
Genau, also diese Veranstaltung, die du ansprichst, das ist das Symphonic Rock and Jazz. Der Name sagt ja schon einiges aus. Das ist damals entstanden als Anlehnung an die Night After Bronze und hat einen sehr, sehr, sehr, sehr langen Geneseprozess. Also das Debüt dieses Konzertformats gab es 2008. Zuvor, also unser Orchester spielt schon seit jeher einmal im Jahr ein Jahreskonzert, wie man das kennt, entweder im Frühjahr oder im Herbst.
Es hat immer wieder gewechselt. We have auch einen Weihnachtskonzert und haben auch einmal an Vatertag jedes Jahr ein ganz traditionelles Fest, was dann acht Stunden richtig 13 Blasmusik abdeckt. Das war also das typische Repertoire of some orchester. And unser Dirigent, Thomas Schäfer, hat schon immer so ein bisschen den Raum gehabt, weiter mit der Blasmusik ein deutlich jüngeres Publikum erreichen.
And gerade here in Weiterstadt, where we etabliert sind, that sagt kein Mensch, this is the symphonische Blasorchester der Abteilung Musik, sondern wir sind in den Köpfen unserer Bürger hier der Musikzug. Schon immer der Musikzug. Und das hat leider auch manchmal dazu geführt, dass klar, das junge Publikum, wenn Sie hören, der Musikzug spielt ein Konzert, eher dazu geführt, naja, gut, warum soll ich da hingehen?
Also, ich habe da wenig Lust zu auf so Blasmusik. Leider. Also es war sehr einseitig, diese Vorstellung. Und unser Dirigent hat schon immer davon geträumt, wir müssen irgendwas machen, um das junge Publikum abzuholen. Und 2005 hat hier in Walterstadt das tolle Möbelhaus Sigmüller eröffnet. Und die kamen auf uns zu und haben gemeint, wir möchten eine Eröffnungsskala veranstalten, brauchen wir für ein Orchester, was aber ein bisschen so in die Moderne geht und Jazz.
Und da haben wir unsere.
Aber warum Jazz? Also Jazz ist ja jetzt auch nicht unbedingt das Modernste.
Ja, eher so, ja gut, eher so in Richtung Big Band, Swing, diese Evergreens aus dieser Zeit. Also der Geschäftsführer, der das damals eröffnet hat, der wollte in diese Richtung gehen. Moderneren Kram aber auch so ein bisschen Big Band, so was hat er sich vorgestellt. Da kam er auf uns zu und da haben unser Repertoire ein bisschen abgeändert und auch aufgestockt.
Sind dort aufgetreten, das hat für eine sehr große Begeisterung gesorgt, sowohl beim Sigmiller selbst als auch bei der ganzen Belegschaft. Und da ist damals die Idee geboren worden: ja, warum nützen wir denn nicht das Gelände vom Sigmiller für eine Open-Air-Veranstaltung? Da wurde lange darüber diskutiert, ist dann aber doch nichts geworden, weil einfach das Wetter als Risiko, das war untragbar.
Also wenn es da mal wirklich geregnet hätte, nach all der Vorbereitung, dann wäre das Ganze wortwörtlich ins Wasser gefallen. Und so ist es eigentlich dann wieder 2005 erstmal in die Schublade gesteckt worden und ja, vergessen. Und 2008 gab es dann aber die schöne Bewandtnis, dass bei uns hier auf dem Marktplatz hat der Gewerbeverein irgendeine Veranstaltung gehabt, ich weiß auch gar nicht mehr, was es genau war.
Diese Veranstaltung war samstagsvormittags oder freitags, vormittags, irgend sowas. Und uns wurde angeboten, das war so ein Zwei-Mast-Palastzelt, also jetzt nicht ein Zirkuszelt oder ein Bierzelt, sondern wirklich so ein Konzertzelt mit zwei Masten. Uns wurde angeboten, hier hätte man zu nicht Lust, am Tag danach in eigenregie ein Konzert zu veranstalten.
Das war 2008. Und da ist diese Idee wieder aufgeploppt. Dass man, ah ja, gut, das ist nicht das Bürgerzentrum, wie man es eigentlich kennt, das ist eine ganz andere Location, da machen wir was draus. Ein bisschen mehr Beleuchtung, ein bisschen modernere Musik und mit Sängern. Und so ist es entstanden aus einer kleinen Idee heraus und es hat so einen Anklang gefunden, auch hier in Weiterstadt, dass sich auch direkt die Volksbank gemeldet hat und auch der Zeltverleiher hat gesagt, hier hört mal zu, wenn ihr das nächstes Jahr wieder aufhört, dann stelle ich euch ein größeres Zelt und wir übernehmen die größten Kosten davon.
So ist es damals entstanden. Dann ist es 2009 ist das Ganze dann wiederaufgenommen worden im Firma-Zelt. Locationwechsel raus auf einen alten Bolzplatz, weil es einfach zu groß wurde. Und hat dort eine Wiederauflage gehabt. Auch super angekommen. Aber da haben wir uns schon gemerkt, okay, dieses Format können wir nicht jedes Jahr machen.
Das bringt das Orchester so ein bisschen am Rande der Machbarkeit. Und so wurde es dann 2011.
Weil die Vorbereitung, also musikalisch oder auch helfertechnisch?
Also musikalisch, aber auch die Organisation des ganzen Dings. Wir sprechen jetzt aber noch von den Anfängen. Also verglichen mit dem, wie es jetzt ist, war die damalige Ausführung noch relativ human.
Von wie vielen Zuschauern reden wir denn eigentlich?
Ja, mittlerweile, mittlerweile reden wir, es sind mittlerweile sind zwei Konzertabende, freitags und samstags. Das war es damals nicht. Und mittlerweile reden wir von knapp 1000 Zuschauern pro Abend. Also das ganze Zelt ist voll. Also 2011, wurde es wiederholt, 2013 sind wir umgezogen in ein Sechs-Mastzelt.
Das gilt auch bis heute. Also wir haben jetzt wirklich, also vier von den Masten umgeben unsere Bühne. Und der ganze restliche Raum von dem Zelt ist nur für Bestuhlung und Catering da. Und 2016 gab es dann wieder eine Aufführung. 2019 hatten wir zum ersten Mal auch Profisänger mit am Werk, dann kam Corona und jetzt 2025 die Wiederaufnahme.
Und was das Ganze einfach wirklich, eigentlich den Rahmen eines ehrenamtlichen Orchesters sprengt, ist wirklich die ganze Organisation. Das Finanzielle eigentlich drumherum. Das Catering, das Ganze zu managen, dass es alles reibungslos funktioniert, auch die ganzen Geschäftspartner, die man da abholen muss.
Das ist ja, du musst dir vorstellen, wo das stattfindet, ist eigentlich ein brachliegender, wüstenartiger Bolzplatz. Und da wird das ganze Ding hochgezogen für zwei Amende.
Okay. Da wird aber ordentlich was hängen bleiben.
Bei uns?
Ja. Nee. Nee.
Also dieses Konzertformat ist an sich konzipiert als eine Non-Profit-Veranstaltung. Also es darf ja auch eigentlich nichts hängen bleiben, allein schon aus steuerrechtlichen Gründen. Nee, wenn was hängen bleibt, dann an sich nur bedingt durch unsere Sponsoren. Also da haben wir wirklich seit ein paar Jahren echt großes Glück, auch große Sponsoren immer wieder an Land zu ziehen, die uns da durch das Ganze durchhelfen, weil, wenn man ganz ehrlich ist, würden wir das Konzert ohne Sponsoren mit so einem großen Risiko tragen, da würde auch der Trägerverein, der Sportverein hier sagen, nee, das ist uns zu riskant, das Ganze.
Also wir sprechen hier, damit du mal eine Größenordnung hast, wir sprechen hier von Kosten alleine für das Zelt, für die Technik und für das Lichtbühne von knapp 100.000 Euro.
Okay.
Und das ist nicht darstellbar, wenn man auch große Gewinnerwartungen hat. Also es ist wirklich für uns ein Riesenspektakel. Und wenn wir am Ende eine schwarze Null haben oder ein bisschen drüber liegen, es ist super gelaufen. Aber wir kalkulieren da auch immer ein, es könnte auch durchaus Defizit generieren.
Okay. Verschiedene Fragen. Wie kommt man, also werden sich wahrscheinlich viele fragen, weil das jetzt mal unabhängig davon ist, ob ich jetzt ein Palastzelt stelle oder eine andere Veranstaltung mache, wie komme ich an gute Sponsoren ran?
Ja, das war auch ein langer Lernprozess, den wir da durchgemacht haben. Also in den ersten Jahren sind wir wirklich relativ planlos an die Firmen herangetragen, haben davon erzählt und ähnliche Reaktion. Was? Blasorchester, macht da ein größeres Konzert, ja schreiben sie noch mal eine Mail. Und da kam meistens nichts.
Und viele, was wir ganz schnell gemerkt haben, viele Firmen fragten ja, was sind denn so die Pakete, die ich buchen kann? Damit waren wir, da waren wir erst ein bisschen überrumpelt. Also gerade so die ersten Male, da dachten wir, oh Gott, was sollen wir denn jetzt anbieten? Was für Pakete meinen die denn da?
Und dann unser PR-Arbeitskreis, der sich um die ganze Thematik kümmert, wie Sponsoring, aber auch Printmedien und so weiter, die kamen dann mal auf die Idee, komm, wir machen einen Flyer, und wir ganz genau definieren, für wie viel Euro kriegt ein Sponsor welche Gegenleistung. Logo auf den Eintrittskarten, Logo im Booklet, Einblendung des Logos während des Konzerts, dann eine ganze Seitewerbung und so weiter und so fort.
Und das wurde immer größer mit Paketzunahmen und so konnte jede Firma aussuchen, ankreuzen, was sie da haben wollte. Das war ein Durchbruch. Das war ein riesengroßer Durchbruch, weil dann konnten nämlich die ganzen Firmen, die wir angeschrieben haben, wussten schon mal ganz genau, okay, was habe ich zu erwarten?
Was ist meine, was ist die Gegenleistung, die ich da auch erhalte? Das war ein großer Durchbruch und dann Frage dazu?
Frage dazu? Wenn, also ich kriege das ja jetzt immer mehr mit, dass ja im Moment bei Vereinen ganz viel auch neue Vorstandsvorstände sich bilden? Auch meistens junge Leute, die jetzt nachrücken, die noch wenig Ahnung haben. Und vielleicht auch manchmal naiv, was ja manchmal gar nicht so schlecht ist, darangehen.
Woher weiß ich denn jetzt, wenn ich so ein Paket schnüre, wie viel das wert ist? Habt ihr das euch einfach festgelegt oder habt ihr da irgendjemanden gehabt, der euch beraten hat, der gesagt hat, okay, hier Logo auf einer Eintrittskarte bei 2000 Menschen ist ja jetzt auch nicht so wenig. Könnt ihr so viel verlangen?
Das ist eine sehr gute Frage. Also beraten wurden wir nicht, zumindest nicht von irgendeinem externen Dienstleister. Der Vorteil war, viele aus unserem Orchestern machen auch irgendwas in diese Richtung. Also, wir haben eine Musikerin bei uns, eine Hornistin, die ist aus dem Bereich PR, sie arbeitet mittlerweile bei Sony.
Die kennt sowas. Ich war damals von meiner Arbeit aus und wir spielen ja beim Chemieunternehmen bei der BSF und wir waren Großsponsor für verschiedene Formula Student-Teams, also das sind diese bestimmte Teams, die die Rennwaage bauen. Und konnte dann miterleben, an welche Leistung knüpfen wir unser Sponsor-Budget.
Und da konnte ich da auch ein bisschen was mitnehmen. Das ist natürlich ganz schwer zu übertragen auf eine Musikveranstaltung, ganz klar. Wir haben das ein bisschen gegengerechnet, was für ein Gegenwert von einem Ticket wäre das denn zum Beispiel. Also wir haben mal geguckt, so viel kostet unser Ticket, wenn so und so viel Euro uns diese Firma gibt, das entspricht so und so viele Tickets, kann man das rechtfertigen auch der Firma gegenüber.
Es durfte nicht zu hoch sein, natürlich. Und natürlich hatten wir auch so ein Ziel. Wir hatten ein Ziel, das Budget vor Augen, was wir erreichen müssen, und haben geschaut, wie viele Firmen schreiben wir wirklich an und nach wie vielen Zusagen können wir sagen, haben wir das Budget erreicht. Also es war schon ein recht langwieriger Prozess, bis sie sowas dann aufgebaut hatten, aber hatten schon gemerkt beim ersten Mal, oh, es hat funktioniert, und haben jetzt zum ersten Mal auch wieder die Preise etwas angehoben.
Klar, aber ja, das ist eine sehr gute Frage, weil sich auch ganz ehrlich, ob man jetzt erfahren ist oder nicht, unser ganzer Vorstand, der sich rekrutiert von alten, erfahrenen Musikern und ganz neuen, so ein Konzept ist vorher noch nie einer gefahren bei uns. Also war für uns alle neu.
Okay. Wie viele Sponsoren habt ihr jetzt?
Jetzt, aber wir sind bestimmt bei Paaren 20 Sponsoren mindestens, ja.
Okay.
Davon sind ein paar sehr große Sponsoren, inklusive Sparkassen Stiftungen und so weiter. Und was man auch, das ist vielleicht auch noch so ein Tipp auch an junge Vorstände, was immer gut ist, wenn man zur Lokalpolitik einen guten Draht hat. Also da muss ich auch sagen, unser Bürgermeister hier in Weiderstadt hat es auch Türen geöffnet zu gewissen Firmen, wo er einfach die Kontakte hat, an die ich nie rankäme und hat das dann damit hineingenommen in die Aufsichtsräte und so weiter und damit die Türen geöffnet.
Und das ist auf jeden Fall auch für so ein Unterfangen Gold wert.
Wie hat sich jetzt seit 2008 die Stellung im Ort verändert? Also du hast ja vorhin gesagt, für viele seid ihr der Musikzug? Genau. Jetzt macht ihr seit 2008 relativ regelmäßig so eine Riesenveranstaltung mit Rockband, professionellen Sängern, Riesenzelt. Das hat ja mit dem Musikzug erstmal nichts mehr zu tun.
Wie nehmt ihr jetzt, dass du wahr im Ort?
Also man nimmt es vor allem damit dadurch, dass die Mitbürger ganz gezielt danach fragen, wenn es zu lange her ist, das letzte Mal. Also nach zwei Jahren werden sie spätestens unruhig und fragen nach: hier, was ist denn mit eurem Großformat? Da wollen wir wieder hin. Und es sind auch Leute, die uns ansprechen, die du auf sonst kein Konzert von uns antrifft.
Es sind wirklich die Jüngeren. Und es geht ja auch mittlerweile über die Grenzen Weiterschatz hinaus, ist da auch einfach bekannt. Und man trifft dort Menschen, Personen, die man sonst noch nie irgendwie in der Nähe von unserer Musikabteilung gesehen hätte. Von daher hat sich Stadestellung stark geändert.
Was es nicht geändert hat, also es kommen deswegen nicht mehr Leute in unsere normalen Jahres- oder Weihnachtskonzerte. Das ist das gleiche Klientel, das gleiche Publikum. Klar, die Leute erwarten da auch nicht etwas wie in diesem Format. Aber man merkt es dann auch, wenn man dann an so einem Konzert ankündigt, es wird nächstes Jahr wieder ein Sinfonic Rock and Chess geben, dann tobt auch schon zum Teil die Menge, die wissen, was da auf uns zukommt.
Also das ist schon, es ist schon ein gewisses Highlight geworden hier in Weiterstadt.
Merkt man es in der Jugendzahl bei euch?
Da muss ich sagen, da haben wir generell sehr, sehr großes Glück, wir haben überhaupt keine Nachwuchsprobleme.
Das ist der seltene Fall eines Musikvereins, der sich so selbstbewusst hinsetzt und sagt, wir haben keine Probleme.
Also das liegt, also unser musikalischer Leiter, der Thomas, und seine Frau auch Tanja, die machen da hervorragende Arbeit. Es fängt an mit musikalischer Früherziehung, ihre Tochter ist mittlerweile auch schon eingespannt. Die machen wirklich eine hervorragende Arbeit, das geht dann weiter, dass es eine Kooperation gibt hier mit der Albrecht-Bührerschule, mit Bläserklassen, die dann uns zuspielen, dass am Ende rekrutiert sich unser Jugendorchester aus diesen Bläserklassen, das geht so weiter.
Also das Nachwuchsproblem fängt dann an, wenn es Abitur rum ist. Aber nicht vorher. Vorher haben wir wirklich sehr, sehr viele nachwachsende Musiker. Gott sei Dank, ja.
Okay. Wie lange bereitet ihr euch jetzt auf das Konzert dann, also musikalisch vor?
Seit Anfang des Jahres ging es jetzt los. Und dann neun Monate jetzt am Stück, ja. Irgendwie für Probenwochenende, die jetzt anstehen und so weiter, ja. Ich meine, irgendwann kommt dann auch noch der Chor mit dazu. Also hier ist auch noch in Weiderstadt einen Projektchor, der sich dann extra rekrutiert für dieses Konzert, mit auch wieder 70 Sängerinnen und Sängern.
Da gibt es dann auch irgendwann die Fusion, wo das dann auch klappen muss. Aber wir als Orchester bereiten uns jetzt auf jeden Fall mal bis zur Sommer. Pause gibt es dieses Jahr nicht. Aber bis zum Sommer fokussiert auf unsere Stücke vor und dann geht es nach dem Sommer nochmal richtig los mit alle Puzzleteile zusammenbringen.
Wann ist das Konzert?
Am 26., am 27. September, Freitag und Samstag.
Und ab wann kann man Karten kaufen? Für die, die das jetzt hören, die haben natürlich jetzt bestimmt Lust und sagen, das will ich mir angucken.
Eigentlich schon seit gestern, wenn es nach mir ginge, wir haben noch ein paar kleine Schwierigkeiten gehabt, auch alle Logos beizuschaffen, weil das ist ja eins dieser Paketinhalte, dass auch wirklich Logos drauf sind. Der Kartenvorverkauf soll aber eigentlich in wenigen Tagen bis maximal eins, zwei Wochen endlich starten, ja.
Okay, also wenn die Folge rauskommt, läuft es wahrscheinlich schon. Ja, davon gehe ich aus. Wie schnell muss man da sein?
Also wir haben die Erfahrung, also es ist nicht einfach, zwei Abende mit knapp 1000 Leuten zu füllen. Wir haben die Erfahrung gemacht, es gibt auch noch an der Abendkasse auf jeden Fall Karten. Davon gehe ich schon aus.
Okay.
Genau.
Wie macht ihr das mit der Stücke? Auswahl. Das ist ja nicht einfach, da Dinge zu finden. Sind das fertige Arrangements oder lasst ihr die selber schreiben oder schreibt ihr die selber?
Unser Leiter, also Thomas Schäfer, der schreibt die sämtlichst selbst alles. Also er schreibt auch nicht nur für uns, mittlerweile schreibt er auch fürs Landespolizeiorchester Berlin-Brandenburg, für die Berliner Sinfoniker, fürs Filmorchester Babelsberg schreibt er auch mittlerweile schon Arrangements, aber für uns hat der das komplette Symphonik schon seit Jahren alles selbst arrangiert.
Okay. Ist ja auch so ein Punkt, weil es gibt ja viele, die sagen, sowas würde ich gern machen. Ja. Aber wie? Das ist natürlich dann die andere Sache.
Ja, also definitiv. Also vorher gab es auch noch einen bei uns, einen Posaunisten, der hat auch viel geschrieben. Gerade so diese Klassiker. So Frank Stenat verdienen Martin, Redback, also sowas hat der vieles geschrieben. Und andere Klassiker aus den 60ern. Aber mittlerweile macht das alles federführend Thomas.
unknown Okay.
Was war die größte Herausforderung am Anfang für euch bei der Nummer?
Also ich glaube wirklich das Finanzielle. Das, also die Idee, die Grundidee, wir hatten auch immer Techniker an der Hand. Also der Zeltverleiher, der war immer schon da und gemeint, er stellt uns das Ding hin. Ein Techniker hat es auch nie gemangelt. Das hat sich ja auch entwickelt von der Show generell.
Das war nie das Thema. Also die Ideen, an denen hat es nie gemangelt. Auch die Ausführung war nie ein Problem. Das Problem war eigentlich, das Damoklisch-Wert, kriegen wir das Ganze finanziell gestemmt. Das war die größte Herausforderung. Es gab auch schon Formate, wo es dann mal in die 8000 Miese ging, muss man auch mal sagen.
Und dann haben wir aber das, wie gesagt, dieses Sponsor-Konzept geändert und Schwupps, haben wir dann auch den Spieß wieder umgedreht. Und seither läuft das Ganze selbsttragend.
Okay. Wie, also, wenn ihr schon so ausgefuchst seid mit Sponsoring, dann seid ihr bestimmt auch ausgefuxt, was Marketing betrifft.
Kommt drauf an, was du alles in der Marketing verstehst, aber wir haben da ein paar affine Mitmusiker, ja.
Okay.
Also Social Media, klar, also da passiert jetzt auch, muss auch was in den nächsten Wochen jetzt wieder passieren, um da Werbung zu machen, wobei ich da sagen muss, ich bin mir nicht sicher, ob die Reichweite von unserem Instagram-Account wirklich am Ende dann das Zünder an der Waage ist, weil ich glaube, wir haben noch nicht mal 300 Follower bei uns.
Also ich glaube, das ist nicht am Ende das Thema. Es ist viel Mundpropaganda, ganz klar. Und wir haben dieses Jahr den glücklichen Umstand, dass wir zwei professionelle Moderatoren haben. Also ein Moderator von der ARD und einmal. Wer ist das? Das ist Markus Philipp. Seines Zeichen auch Frontsänger der Band Pfund, wenn man die vielleicht kennt.
Das sagt mir jetzt eher was als sein Name tatsächlich.
Genau, also Markus Philipp moderiert Sportveranstaltungen, sowohl bei der ARD als auch beim HR. Der moderiert freitags. Hätte auch gern samstags moderiert, da kann er aber nicht. Da ist er mit Pfund unterwegs. Deswegen moderiert samstags Jan Reppern. Das ist ein HR-Moderator, der eher, das ist auch Musiker, kommt eher aus der Richtung des Punks.
Aber der ist auch total angefixt von dieser Idee und freut sich da auch tierisch, weil sonst habe ich immer die Moderation durchgeführt. Das ging auch immer ganz gut, ist aber ein enormer Stress. Also wenn man das ganze Ding managen muss, selbst spielen soll und dann auch noch vorne auf der Bühne das Ganze moderiert, irgendwo kommt man dann an sein Limit ran.
Und deswegen, wegen Marketing, also über die beiden versuchen wir natürlich das auch noch so ein bisschen das Radio aufzubohren, weil das ist nicht ganz so einfach.
Wie viele Helfer sind da jetzt im Hintergrund an dem Abend tätig?
Also wenn man es mal hochrechnet, würde ich sagen, 40.
Es geht aber. Ich habe jetzt mit mir gerechnet.
Nee, also ehrenamtliche Helfer, ne?
Ja, ja, ja.
Genau. Also ich meine, die ganze Technik, das sind, wir haben Toningenieure vom ZDF da sitzen und klar, die Bühnentechnik, das muss alles von echten Profis gestemmt werden, aber das Catering hinter der Bühne, die Bedienungen und so weiter an der Kasse, das ist alles mit maximal 40 ehrenlichen Helfern abgedeckt.
unknown Okay.
Wie ist das saunentechnisch in der Probenarbeit? Probt ihr vorher schon mal irgendwann mit Anlage oder so oder kommt das erst ganz am Schluss?
In der Woche vorher. Also in der Woche vor den Konzerten, meistens so ab Sonntag oder spätestens Montag vor dem Freitagskonzert, gehen wir in das Zelt und dann geht das los mit Anlage. Dann werden auch die Lichteffekte entsprechend programmiert, aber das ist der späteste Zeitpunkt, wo dann die Anlage scharf geschaltet wird.
Okay. Auf welche musikalischen Highlights kann man sich dieses Jahr? So, für dich persönlich?
Für mich persönlich?
Ja.
Was also sehr schön ist, also wir haben ja die beiden Profi-Musical-Sänger aus der Berliner Szene dabei, also einmal den Michael Heller, der hat früher den Alfred gesungen aus Tanzer Vampire aus dem Berliner Cast. Und wir haben die Jacqueline Reinholt ist auch mit dabei. Das ist eine freischaffende Sängerin, hat unter anderem ein Engagement im Friedrichstadtpalast in Berlin.
Und die beiden singen zum Beispiel Medley von Mary Poppins. Das wird, denke ich mal, sehr, sehr schön. Was auch richtig geil wird, das haben wir schon ein paar Mal aufgeführt mit semi-professionellen Sängern, aber dieses Mal halt mit Jacqueline am Gesang. Wir singen das Defiant Gravity von Wicked, aber in der Brian May-Version, falls du die kennst.
Die kenne ich nicht. Brian May ist doch aber Gitarrist.
Ja, genau, es gibt eine Version mit auch einer ganz bekannten Wicked-Darstellerin aus dem britischen Milieu. Und musst mal googeln, gib einfach mal ein Defiant Gravity Brian Main. Und dann kriegst du eine so abartige Rockversion von diesen Defiant Gravity, das ist mit Orchester auch, das ist abartig.
Und dieses Ding, das ist, denke ich mal, auch so eins der großen Highlights. Klar, Tanz Vampire wird was aufgeführt, es wird von Roshi, Cicero, Murphy's Gesetz wird es geben, I the Hero, Bad Girls, Don't Stop Me Now von den Queens. Wir sind aber auch noch ein bisschen an der Programmauswahl. Es gibt symphonisch, spielen wir Star Wars von Johan de May.
Okay.
Wir spielen auch eine ziemlich abgefahrene Version von Batman von dem japanischen Arranger. So ein Name mir jetzt gerade nicht einfällt. Das sind so die symphonischen Highlights, könnte man sagen, genau. Und das fühlt sich gerade.
Klingt sehr spannend. Da muss ich mal gucken, 26.27. Da bin ich noch in Elternzeit.
War? Ist da was? Ja, ja. Wusste ich schon gar nicht.
Tja. Du warst ja im Januar auch nicht dabei bei der Browserband, oder? Doch, Januar war ich da. Ah, da hättest du es mitkriegen können. Da hat sich das so ein bisschen rumgesprochen.
Aha, ja, cool, ja Glückwunsch.
Danke, danke. Ja, wunderbar. Genau, also wenn ich da bin, dann komme ich samstags gern mal vorbei, weil mich das sehr interessieren würde. Haben wir irgendeinen wichtigen Punkt vergessen, über den du gerne noch reden würdest. An sich. Oder wo du sagst, okay, das wäre vielleicht noch wichtig zu wissen, falls das jemand in ähnlicher Form durchführen möchte.
Man muss es mit dem Orchester absprechen, ob man das stemmen möchte. Weil das bedeutet auch für alle Musiker sehr viel Aufwand. Also, wie schon gesagt, in der Woche vor dem Konzert sind wir jeden Abend in diesem Ding von 19 bis 24 Uhr teilweise. Und das haben wir auch, also wir haben das Orchester abstimmen lassen.
Wir haben wirklich, ich glaube, spätestens nach dem 2016, da haben wir wirklich dann das Orchester abstimmen lassen. Seid ihr bereit, das nochmal so zu stemmen? Weil viele nehmen sich auch Urlaub in der Woche davor, weil es einfach echt an die Kräfte, an den zerrt an den Kräften. Und was ich auch empfehlen kann, das haben wir auch 2019, glaube ich, spätestens eingeführt, bildet Arbeitskreise zu allen großen Paketen und verpflichtet jeden Musiker, Teil eines solchen Arbeitskreises zu sein, weil nur so kann man die Arbeit gut aufteilen.
Und das hat wunderbar funktioniert.
Wenn einer nichts machen will? Gibt ja immer wieder. Also ihr seid 60 Leute, da wird doch bestimmt einer dabei sein, der sagt, mach ich nicht.
Ja, gibt es tatsächlich bei dem Format nicht, weil die Konsequenz ist ganz einfach, wirklich, wenn du dich gar nicht einbringen willst, spielst du nicht mit und bei dem Format wollen alle mitspielen. Das ist wirklich, ist man nicht untergekommen, dass einer sagt, dass man bei diesem Format nicht irgendwas übernehmen will.
Und bei 60 Leuten, ganz ehrlich, wenn man sich da in einem Arbeitskreis, es gibt, glaube ich, fünf Arbeitskreise insgesamt, wenn man sich da aufteilt, dann überarbeitet sich niemand. Höchstens vielleicht der Arbeitskreisleiter, der hat ordentlich schon viel zu tun, aber von daher, da kann man auch theoretisch auch unter dem Ratar irgendwo verschwinden.
Das ist bestimmt möglich. Also, aber es ist noch nie passiert, dass wirklich einer gesagt hat, nee, ich spiele zwar mit, aber ich werde mich da nicht irgendwo einbringen. Nee, das ist da zum Glück noch nicht passiert.
Okay. Wann fangt ihr mit der Orga dann an? Wie viel früher?
Das erste Kick-Off hatten wir Anfang 2024 für das jetzige Konzert.
Also quasi über eineinhalb Jahr auf früh.
Ja, genau. Man muss sich ja dann, man muss auf die Suche gehen nach einem Techniker, also Licht- und Tontechniker. Man muss auch klar den Zeltanbieter, der muss auch zu dem Zeitpunkt überhaupt das Zelt zur Verfügung haben, weil da steht im Endeffekt steht dieses Zelt drei Wochen für zwei Konzertabende.
Und dann ganz, ganz viel Zeit braucht die Sponsorenakquise. Da muss man, da muss damit rechnen, das Budget eines Unternehmens wird immer am Ende des Jahres bereits festgelegt fürs folgende Jahr. Und da muss man schnell sein. Sonst kriegt man ganz oft als Antwort, ja, wir würden ja gerne, aber können nicht.
Genau.
Okay, dann drücke ich die Daumen, dass das alles so funktioniert dieses Jahr, dass das in zwei Jahren wieder stattfindet. Vielleicht sogar noch größer oder einen dritten Abend.
Oder einen dritten Abend. Das wäre natürlich. Ja, das wäre schon mal eine geile Steigerung, aber wie gesagt.
Ja, jetzt warten wir ab, was da die Zeit kommt.
Das wäre geil, ja.
Timo, danke, dass du uns gezeigt hast, was Musikverein auch alles machen kann und welche Veranstaltungen da möglich sind.
Gerne, gerne.
Das war schon wieder die Folge und wenn ihr jetzt auch Gast sein wollt und sagt, ich möchte über ein Thema, eine Veranstaltung, eine neue CD, ein Problem oder mal einen generellen Gedanken zur Blasmusik-Szene mit mir sprechen, dann bewerbt euch und schreibt mir über Instagram oder unter blasmusikpodcast.gmx.de und dann freue ich mich, wenn ihr hier zu Gast seid.
Ich möchte euch nochmal den Newsletter ans Herz legen, den Link findet ihr in den Shownotes und freue mich, wenn ihr beim nächsten Mal wieder dabei seid. Macht's gut, euer Andi.