
On Air - Der Blasmusik Podcast· Staffel 6· Folge 149
Daniel Hohm (Euphonium) - Man sollte auch Ausrufezeichen üben!
Donnerstag, 24. September 2026 · 1 h 55
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Shownotes
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Daniel Hohm zählt zu einer neuen Generation von Euphoniumsolisten. Er hat als erster deutscher Student am Royal Northern College of Music in Manchester bei Steven Mead und David Thornton Euphonium studiert und das 2025 abgeschlossen. Er war zweimaliger Gold-Medal-Finalist beim RNCM (Death, 2024; A European Expedition, 2025) und gewann den 2. Preis bei der International Tuba Euphonium Conference (ITEC, 2024). Er ist derzeit Solo-Euphonist der Hammonds Band und trat als Solist mit Ensembles wie dem Sinfonischen Jugendblasorchester Baden-Württemberg auf.
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Musik: Dirk Mattes
Schnitt: Leander Machan
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Das ist aber allgemein in der Musikwelt so. Du wirst nur ein zweites Mal gefragt, wenn du nicht nur deine Stimme gespielt hast, sondern auch angenehm als Person warst. Ich verstehe nicht, wenn jemand Musiker ist, but sich keine Kunstausstellungen anschauen kann. Von daher auch, wenn man sich mit Solos vorbereitet, man muss nicht nur an den Details arbeiten, sondern es auch häufiger als man denkt durchspielen.
Gerade kurz vor dem Auftritt, dass man dieses Ausrufezeichen auch übt und nicht nur das Fragezeichen.
Wir sind onair in 3, 2, 1. Herzlich willkommen bei On Air, dem Blasmusik-Podcast. Mein Name ist Sandy Schreck und ich treffe mich mit Dirigenten, Komponisten, Musikern und Visionären aus der Welt der Blasmusik. Wir sprechen über Ansichten, neue Ideen, das Leben und natürlich Musik. Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von On Air Dem Blasmusik Podcast.
Ich möchte mich nochmal recht herzlich bedanken, dass ihr hier regelmäßig einschaltet. Das gibt mir Möglichkeiten, spannende Menschen mittlerweile auf der ganzen Welt zu interviewen. Vielen Dank für die ganz lieben Rückmeldungen zur Folge von Kayla Solomon. Ich hätte gar nicht gedacht, dass so viele in Deutschland auf eine englische Folge reagieren.
Vielen lieben Dank und das bestätigt mich, dass ich das in Zukunft immer mal wieder einstreuen werde und mich da weiterhin so ein bisschen ausprobiere. Und ihr das anscheinend ja ganz okay findet. Mein heutiger Gast ist Daniel Hohm. Daniel habe ich zunächst im Internet kennengelernt. Dann hat mich noch mein Euphonium-Kollege Jochen von der Brassband Hessen angesprochen, ob das nicht mal ein spannender Gast ist.
Denn Daniel kommt aus Deutschland, hat Euphonium aber im Land der Brassbands, nämlich in England, studiert, lebt jetzt dort und führt dieses Brassband-Lieben. Und was das genau heißt, das versuchen wir so ein bisschen zu beleuchten und tauchen da richtig tief ein. Und für mich, der sich mit Brassband doch ganz gut auskennt, dachte ich, waren doch einige Dinge neu für mich und total faszinierend, weil das ist eine ganz, ganz andere Herangehensweise.
Das ist mit unserer Blasmusikkultur gar nicht zu vergleichen. Aber was rede ich? Hört es euch selber an. Ich wünsche euch viel Spaß mit Daniel Hom hier im Blasmusik-Podcast. Mein heutiger Gast zählt zu einer neuen Generation von Euphonium-Solisten. Er hat als erster deutscher Student am Royal Northern College of Music in Manchester bei Steve Mead und David Thornton Euphonium studiert und das 2025 abgeschlossen.
Er war zweimaliger Gold-Medal-Finalist beim RNCM und gewann den zweiten Preis bei der Internationalen Tuba Euphonium-Konferenz 2024. Er ist derzeit Solo-Euphonist der Hammonds Band und trat als Solist mit Ensembles wie dem symphonischen Jugendblasorchester Baden-Württemberg auf. Ich freue mich, dass er heute hier ist und sage herzlich willkommen, Daniel Hob.
Dankeschön, ich freue mich.
Daniel, meine erste Standardfrage in meinem Podcast ist immer, welches Musikstück du dir als letztes bewusst mal angehört hast.
Ich glaube, es ist tatsächlich Shakespeare Pictures von Nigel Hess.
Okay.
Und zwar ist Nigel Hess einer meiner Lieblingszeitgenössischen Komponisten, der recht viel für Blastorchester schreibt. Und ich kannte ein paar von seinen Stücken. Wir haben in der Brassband 1 ein Programm gehabt. Wir hatten ein Solo von ihm geschrieben. Aber ich war letzten Monat kurzfristig als Aushilfe beim Landespolizeiorchester Baden Württemberg und sie haben Shakespeare Pictures gespielt.
Habe ich zum ersten Mal da gesehen und ein super, super Stück.
Okay, cool. Ich habe ja gesagt, du hast in England studiert, du kommst eigentlich aus Deutschland, wo erreiche ich dich gerade? Das ist so jetzt die Markus Lanz-Frage an Richard Recht. Wo erreiche ich dich?
Ich bin in Manchester in meiner Wohnung.
Okay, also du wohnst fix in Manchester. Genau, ja. Okay. Wenn wir uns jetzt irgendwo abends kennenlernen würden und ich würde dich fragen, was machst du beruflich, was würdest du sagen?
Ich würde sagen, dass ich freiberuflicher Musiker bin.
Okay, also das Instrument würdest du außen vor lassen erstmal.
Auf jeden Fall, ja. Auf das Instrument kommt es für mich nicht an.
Okay. Wie oft musstest du generell, vielleicht dann eher in Deutschland als in England, jemandem erklären, was eine Brassband überhaupt ist?
Jedes Mal. Gut, in Deutschland gibt es natürlich immer eine gewisse Verwirrung mit solchen eher Popbands, mit Saxophonen und Trompeten. Aber es ist einfach eine eigene Welt, die man kennen muss. Und dann ist es tatsächlich aber so eine Szene, die es weltweit gibt.
Wie würdest du jetzt für Hörer, die sagen, okay, Brassband habe ich schon mal in Fernsehsten gehört, aber was ist das genau? Wie erklärst du das?
Also historisch ist es so in den Arbeiterbewegungen des 19. Jahrhunderts entstanden, so mit den Minen, die es gab, vor allem in Nordengland, in Wales und in Schottland. Und man hat eben eine Freizeitbeschäftigung für die Arbeiter geschaffen, nach dem Motto, wenn man die Lunge beansprucht, dann schafft man den Ausgleich mit Blechblasinstrumenten, so wie zum Beispiel gewisse Männergesangsvereine im Ruhrgebiet.
Sehr ähnlich. Und aus irgendeinem historischen Zufall hat es dann halt hier Blechblasinstrumente getroffen und im Ruhrgebiet die Gesangsvereine. Und es hat sich über die Jahre halt in eine sehr standardisierte Form herausgebildet mit Kornetten, Althörnern, Euphonien, Bariton, Posaunen und Tuben. Und das ist der größte Unterschied zum Blasorchester, dass es eben deutlich kleiner ist und standardisiert.
Kannst du eigentlich erklären, warum das standardisiert ist und warum das nicht so offen ist wie beim Blasorchester?
Ja, das kommt tatsächlich daher, dass irgendwo in der britischen Mentalität so ein starkes Wettbewerbsdenken ist drin. Dann kamen natürlich die ganzen Bands zu den Wettbewerben und dann sah man wohl, dass die, die Euphonien eingesetzt haben, erfolgreicher waren als die mit den Ophyklaiden und die mit Bariton statt Votten.
Und dann hat sich das so herausgestellt, dass man die Standardbesetzung hatte und als dann natürlich Pflichtwerk geschrieben wurden, waren die Voraussetzungen an das Ensemble natürlich, na, musste man sich entscheiden.
Aber das ist total spannend, weil das ist ja im Blasorchester gewesen, gibt es die Standardisierung ja nicht. Man könnte ja da auch sagen, okay, es gibt nur zwölf Klarinetten und nicht 16 und es gibt nur fünf Trompeten statt zwölf. Warum glaubst du, hat sich das im Blasorchester nie so durchgesetzt?
Also zum Ersten, dass dieses Wettbewerbselement, das fehlt einfach. Das würde einem ja, oder es zwingt ja auch tatsächlich Blasorchester dazu, dass man sich dann noch eine Oro oder so reinholt für einen Wettbewerb. Stellt ihr es fünfmal im Jahr vor, dann sehe ich es anders aus. Und zum anderen ist gerade so aus dem süddeutschen Bereich, aus dem ich komme, ist es eher so ein dörfliches Milieu, aus dem die Blasorchester stammen.
Und bei den Brassbands sind es eher kleinen Städte, die sehr nah aneinander sind. Von daher konnte man da schneller zur Nachbarband wechseln. Von wegen, wir haben schon zwei Eufonien, dann geh halt zur nächsten Band. Das würde man im Blasorchester nicht so schnell machen.
Das stimmt. Wo kommst du genau her?
Ich komme aus einem Dorf namens Kronau in der Nähe von Heidelberg.
Ah, dann ist er da gar nicht so weit weg von mir. Wo bist du? Also ich wohne jetzt mittlerweile in Mainz. Wir sind auch regelmäßig in Heidelberg in der Ecke, deswegen wäre jetzt so weit weg. Wie kam Musik in dein Leben, wenn du aus der Ecke kommst? Wie hat das bei dir angefangen?
Meine Familie ist tatsächlich gar nicht so verwurzelt in dem Bereich. Die sind erst ein paar Jahre vor meiner Geburt hergezogen aus Würzburg. Aber meine Mutter ist musikalisch, aber sie hatten damals, sie ist in einer Schreinerei aufgewachsen, hatten sie nicht die Möglichkeiten. Die war dann im Unicorps und so weiter, aber es war klar, dass die Kinder die Möglichkeit haben sollten.
Und meine Schwester hat dann Klavier und Cello gespielt. Und von daher gibt es Fotos von mir mit vier Jahren am Klavier, wie ich irgendwie auf die Tasten eindresche, weil das fand ich irgendwie ganz faszinierend, dieses Gerät, aus dem Musik rauskommt. Ja, und das Euphonium hat mich dann erreicht nach meiner Erstkommunion, als unser Musikverein im Dorf ein Instrumentenkarussell gemacht hat.
Und von den Instrumenten, die ich ausprobiert habe, war das mir das mit dem schönsten Klang.
Okay. Also du hast aber auch mit Euphonium direkt angefangen. Also nicht, wie es im Blasorkessel ja manchmal üblich ist, mit dem Tenorhorn oder so.
Nee, ich habe tatsächlich mit dem Euphonium angefangen, ja.
Okay. Und wann kam die Brassband in dein Leben? Weil das ist ja jetzt auch nicht super typisch.
Das stimmt. Und ich glaube, viele in Deutschland, die brauchen erstmal ein paar Jahre, bis sie davon hören. Ich hatte den Vorteil, dass mein Lehrer über einige Jahre lang Dominik Koch war, der die badische Brassband geleitet hat. Ja, ja, ich weiß. An dem kommt man nicht vorbei. Und Dominik macht ganz viel und hat schon immer ganz viel gemacht.
Aber die badische Brassband war so eines seiner Kinder und klar bin ich dann zu den Konzerten gegangen und war mal als Aushilfe dabei. Und als ich das dann ernsthaft machen wollte, gab es einen Platz bei der nordbayerischen Brassband, die natürlich ein ganzes Stückchen weg war von uns. Aber da habe ich dann mit 16 bei den Nordbayern für quasi ein Jahr bis Corona gespielt.
Okay. Weil, also ich habe in Würzburg studiert, ich habe noch eine enge Verbindung nach Nordbayern. Ich komme eigentlich auch so ein bisschen eher aus der Ecke. Aber das ist mir jetzt neu, dass du da gespielt hast. Dann ist das komplett an mir vorbeigegangen tatsächlich.
Wir haben zwei Konzerte gemacht, glaube ich, und dann kam Corona rein.
Okay. Was fasziniert dich jetzt an diesem Brassband-Ding?
Ich glaube, es ist, dass man einfach so viel Repertoire spielen kann. Also ohne jetzt, ich liebe das Blasorchester, aber einige der Instrumente sind objektiv echt schwierig zu spielen. Das heißt, da hat man so gewisse Limits. Die Brassband macht sich natürlich einfach, indem die Instrumente so gebaut sind, dass sie sich recht einfach spielen lassen.
Und dann kann man natürlich auch einfacher irgendwelche Orchestertranskriptionen spielen. Also wir spielen hier traditionell bei jedem Konzert zu Beginn eine klassische Ouvertüre. Im Blasorchester ist die Anzahl an Ouvertüren, die man mit einem Mittelstufen-Orchester spielen kann, nicht sonderlich groß.
Das stimmt. Das stimmt tatsächlich. Wann kam dann für dich der Wunsch auf zu studieren?
Das kam tatsächlich erst in Corona. Ich wollte nämlich ursprünglich Physik studieren.
Okay.
Und irgendwie mit der ganzen freien Zeit, die ich hatte, wurde mir klar, nee, also diese Musik und was für andere Menschen tun und geben. Das finde ich spannender als sowas ganz Wissenschaftliches.
Hat sich da irgendjemand drin bestärkt oder kam das von dir selbst raus, der Wunsch dann?
Das kam schon sehr von mir selbst und ich glaube, dass die meisten, mit denen ich drüber gesprochen habe, waren da eher etwas zurückhaltend. Zu gutem Recht, zu gutem Recht.
Spielst du eigentlich auch Pussaune, nicht sehr häufig und nicht sehr gut. Okay, weil nämlich das ist ja das Ding in Deutschland, wenn man jetzt ein Euphonium-Spieler ist, als Hauptinstrument, da ist ja nicht viel Möglichkeit, das zu studieren. War das der Grund, warum du dann gesagt hast, du gehst nach England?
Ja, das war der Grund. Es gibt mittlerweile in Deutschland Clemens Vetter, der an ein paar Universitäten unterrichtet, wo man dann Euphonium im Nebenfach studieren kann. Ich glaube sogar im Hauptfach in Augsburg. Aber zu dem Zeitpunkt war mir klar, ja, in Deutschland bekomme ich da nicht die Ausbildung, die ich möchte, wocke ich ins Ausland und dann war die Überlegung zwischen Manchester und Bern und die Wahl fiel dann auf Manchester wegen Brassband-Kultur und ich wollte einfach raus und viel spielen.
Klar, warum nicht dann ins Mutterland der Brassbands gehen, wenn man die Wahl hat? Aber wie ist das? Weil, also du schreibst ja selbst auf deiner Homepage, du bist der erste Deutsche, der da studiert hat. Wie wird mir da angenommen, wenn man jetzt quasi nicht aus dem Brassbandland kommt, sondern von außerhalb und sagt, ich würde da gern auch studieren?
Cool, also ehrlich gesagt sind mehr als die Hälfte der Euphoniumstudenten aus dem Ausland dort. Und es gibt so verschiedene Modelle von Euphoniumstudiengängen hier in Großbritannien. Und das RNCM hier hat sich quasi überlegt, dass sie die Brossband-Instrumente genau wie die anderen Instrumente auch quasi behandeln.
Dass man also auch ein Vorspiel macht, genau die gleiche Aufnahmeprüfung und dass man auch im Studium genau die gleichen Module hat. Es gibt ein paar andere Universitäten, die dann so einen speziellen Brassband-Kurs haben. Aber das wollte ich nicht.
Und was studiert man denn dann anders?
Da gibt es dann weniger Geschichte und Theorie und alles so in Richtung Arrangement, Komposition, die Regard ist auf die Brassband ausgerichtet.
Macht das Sinn? Also ist die Brassband-Landschaft dort wirklich so groß, dass ich sagen könnte, okay, ich studiere das und spezialisiere mich nur auf Brassbands?
Das ist eine schwierige Frage, weil ein Teil von mir würde sagen, Musik ist Musik. Es gibt keinen Grund, das irgendwie auseinanderzuhalten. Die andere Seite von mir erinnert sich an ein Seminar, das wir hatten über Blechbläser Ensemblemusik seit dem 19. Jahrhundert. Und dann stellte der Professor die Frage, wer von euch war denn schon mal in einem Sinfonieorchesterkonzert?
Das waren ungefähr zehn von uns und zwei von uns im dritten Semester hatten schon mal ein Orchester gehört. Okay. Da muss man sich, also es ist von der einfach von der Welt ein bisschen getrennt. Und ich bin dafür, dass so gut so mischen, wie es geht. Aber es sind für viele Leute doch unterschiedliche Welten.
Ich will da gleich nochmal näher rein in die Brassband-Szene, weil ich das super spannend finde. Aber wenn du sagst, dass ganz viele eigentlich vom Ausland kommen, warum bist du dann der Erste aus Deutschland?
Ja, das ist eine gute Frage. Ich glaube, dass das Euphonium war in Deutschland einfach nicht so weit verbreitet wie in den anliegenden europäischen Ländern. Zum Beispiel kamen die Brassbands in der Schweiz, in Belgien und den Niederlanden kam früher auf. In Frankreich gab es eine gewisse Phase, so in den 90ern, Nullerjahren.
Und ich glaube, in Deutschland kam das erst nach und nach. Und ich glaube, es kam durch Amateure in Blasorchestern, die sich gesagt haben, ich habe mir dieses Ding da gekauft, ich würde das gerne im Orchester spielen. Ich, meine Theorie.
Okay. Wie war das jetzt für dich, da hinzukommen? Also, ich weiß nicht, wie viel du dich vorher damit beschäftigt hast, wenn man natürlich Brassbands spielt. Kennt man ja die großen Brassbands aus England, Black Dye, Cory Band, wie sie alle heißen. Und jetzt ist man da. Wie war das für dich?
Ich glaube, ich hatte mir und zwar zum Glück nicht allzu viele Gedanken drüber gemacht im Vorhinein. Ich kam einfach hin, ich hatte, glaube ich, noch nicht viele andere Euphoristen gehört und ich habe einfach gespielt. Und dann stellte sich raus, dass das, was ich gespielt habe, ganz gut war und dass mir die Props viele gute Rückmeldungen geben konnten.
Und dann war ich tatsächlich nach zwei Wochen zum ersten Mal in einer Brassband-Probe. Und dann ging es Monat für Monat, Jahr für Jahr, ist dann mein Netzwerk quasi größer geworden.
Wie unterscheiden sich Brassband-Proben in England von dem, was du in Deutschland kennengelernt hattest?
Es ist so ein bisschen ein Paradox. Es gibt zwei unausgesprochene Regeln. Die erste ist, dass jede Probe zwei Stunden geht. Also wenn man, man könnte jetzt nicht vorschlagen, wir machen jetzt mal ein Probenwochenende und Proben sechs Stunden am Samstag und sechs Stunden am Sonntag. Das würden Leute hier nicht mitmachen.
Okay.
Und die andere Sache ist, es gibt keine Pause. Also in der zwei Stunden-Probe gibt es keine Pause. Also bei mir in der Band, wie sind die Ausnahme? Wir haben eine fünf Minuten Pause, um aufs Klo zu gehen. Aber normalerweise geht es zwei Stunden durch. Und wenn man dann doch mal eine extra Probe am Wochenende hat und die drei Stunden geht, ist da auch keine Pause.
Und die meisten Dirigenten sind sehr gute Musiker, aber nicht sehr gute Dirigenten. Von daher ist da von wegen Motivieren und pragmatisch an die Sache rangehe, ist da oft schwierig. Also die Proben fühlen sich oft nach sehr harter Arbeit an.
Okay, was war dein größtes Aha-Erlebnis? Vielleicht so, also auch im Studium, so Euphonium-spezifisch?
Ich glaube, ich glaube, es war, als ich mir in meinem für mein Bachelor-Vorspiel mein Programm ausgedacht habe. Und ich hatte immer so die Vorstellung, dass man so zur Hälfte Stücke nimmt, die jeder kennt, damit es so ein bisschen vergleichbar ist und zur Hälfte sich da irgendwo was anderes aussucht.
Und dann dachte ich mir mit Stephen Me, der mein Lehrer zu dem Zeitpunkt war, wieso? Du kannst doch einfach ein halbstündiges Musikprogramm zusammenstellen, das in gewisser Hinsicht speziell ist und das aus Stücken besteht, die noch nie jemand gehört hat. Und das habe ich in dem Vorspiel gemacht und das habe ich dann in meinem Mastervorspiel gemacht.
Und ich glaube, es hat mir geholfen, so von Repertoire wegzukommen, das alle kennen. Weil ich muss nicht auf jedes Konzert von einer Brassband oder einem Blasorchester gehen und ein Stück von Philips Bark hören. Ich glaube, auch das Publikum möchte gerne überrascht werden.
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Einfach unter hub.konzertmeister.app vorbeischauen oder den Link in den Shownotes nutzen und euer Netzwerk erweitern. Wie hat sich dein Spiel jetzt geändert? Also die deutsche, auch deutsche Brassband-Kultur ist ja auch soundtechnisch eine ganz andere als die Englische.
Ja, ich glaube, da gibt es ein paar Themen, eher traditionell ist das Thema Vibrato. Da gilt so im traditionellen Bereich, and da würde ich meine Band dazu zählen, dass man allgemein, also so when nix besonderes in den notes, then speak fast jeder with Vibrato, au sein de Tuben and the Posaun. But the Vibrato Als wenn man sich wie ein Chor vorstellt, dass alle eben das klangliche Element haben, dann bekommt man so ein gewisses Schimmern im Gesangklang.
Daran kann man auch die britischen Bands von den europäischen unterscheiden. Und ich glaube, zum anderen ist es einfach viel mehr auf der Luft zu spielen. Dafür gibt es eigentlich keinen Grund, das in Deutschland nicht zu tun. Aber ich glaube, man muss mal mit den guten Bands, man muss da mal drin gesessen haben.
Weil man kann sich nicht vorstellen, dass eine Band wie zum Beispiel Corey, dass sie in einem großen Konzertsaal spielen und mit 25 Leuten den Saal so ausfüllen wie ein Blastorchester mit 100 Leuten.
Zwei Sachen. Ich finde es total spannend, dass du gerade sagst, okay, wir spielen alle mit Vibrato, außer vielleicht den Tuben. Ich hatte vor einem Vierteljahr, glaube ich, den Tubist von Willebruck zu Gast. Und da haben wir lustigerweise drüber gesprochen, weil er spielt noch bei den Brüsseler Philharmonikern und er sagt, er spielt seit zwei Jahren, drei Jahren bei Willebruck und sie hätten gern, dass er mit Vibrato spielt, aber er will das nicht.
Als Tubist. Und jetzt kommst du und sagst ja in England. Nee, also bei uns zumindestens, die Tub spielen sowieso nicht.
Also die, ich würde sagen, die Tuben, die unterscheiden das je nachdem. Bei Solo-Stellen oder melodischen Stellen spielen die auch mit Vibrato.
Okay. Und was meinst du genau? Ich glaube, ich kann mir denken, was du meinst, aber vielleicht kannst du es nochmal für Zuhörer auch genau erklären. Was heißt, die Engländer spielen mehr auf der Luft als bei uns?
Ich glaube, für mich, ich verwende so ein Bild, auch bei meinen Schülern, von wegen spiele ich ins Mundstück rein oder spiele ich aus dem Trichter raus. Und man denkt einfach anders über die Resonanz des Instruments. Also dass das ganze Instrument schwingen muss und dass der Klang dann relativ offen einfach aus dem Instrument rauskommt.
Und das Gefühl, zumindest mit vielen Amateuren, ist, dass man gerade so viel Luft ins Instrument reingibt, wie man braucht, um die Passage halbwegs sicher rauszukriegen. Und wenn man sich wirklich auf den Klang konzentriert und ein bisschen verschwenderisch mit der Luft umgeht, dann bekommt man ganz andere Resonanzen aus dem Instrument raus.
Und dann klingt natürlich ein Ensemble auch ganz anders.
Nochmal ganz kurz zum Vibrato zurück. Ich habe mal ein Video von Roger Webster und Richard Marshall gesehen, Kornett testen und so. Und dann erklären sie aber auch, wie sie Vibrato üben. Ist das wirklich so, dass ihr das wirklich sehr rhythmisch angeht und nicht jeder, wie er will, sondern wirklich in 16 denkt oder in Achtel und in Drittel?
Also die haben das auf jeden Fall so erklärt.
Ich glaube, das kommt vermutlich von deren Professorendasein. Klar, wenn man einen Schüler hat, der es noch nicht so richtig für sich entdeckt hat und dann geht es darum, ja, wie das Vibrato ist ja ein musikalisches Werkzeug und wie können wir das anwenden? Und dann denkt man sich natürlich ein paar technische Übungen aus, dass man einmal mit einem weiteren und mit einem engeren und mit einem schnelleren und einem langsameren Vibrator spielt, um sich da quasi so langsam seine verschiedenen Optionen zu bilden.
Aber niemand in der Brassband sagt, also bei der Choral jetzt auf Achteltriolen vibrieren.
Okay, ich hätte euch alles zugetraut. Tatsächlich.
Ich manchen auch, ich manchen auch.
Deswegen wollte ich da mal nachfragen. Wie schwer ist es jetzt, wenn man von außen kommt, als Deutscher in der englischen Brassband-Szene Fuß zu fassen? Wird mir da beäugt oder ist das egal?
Es ist ziemlich egal. Prinzipiell. Und es ist auch ein Vorteil, in Manchester zu sein, weil es einfach so viele Bands gibt. Aber ich kam zu der Band, weil einer meiner Kommilitonen nicht zur Probe konnte. Und dann war ich da und.
Hast besser gespielt.
Naja, ich habe zumindest einen guten Eindruck gemacht und dann hatte ich nach der Probe schon mal 25 neue Freunde. Sehr gut. Und so kommt man dann Stück für Stück voran. Ich hatte quasi, also meine erste Band hatte ich über ihn gefunden, meine zweite Band über einen anderen Kommiliton, der dann wieder nach Hause gezogen ist und die Position wurde frei.
Und zu meiner jetzigen Band kam ich, weil sie jemanden gesucht haben und ich bei einem Wettbewerb gespielt habe, bei dem sie auch waren und sie meinten, ah ja, der klingt doch super, lasst uns doch mal den probieren.
Wie sieht so das traditionelle Jahr von so einer Brassband aus?
Das ist mal eine spannende Frage. Es kommt natürlich auf die Band drauf an, aber ich nehme mal an, wir nehmen eine Top-Top-Band, die bei den wichtigen Wettbewerben dabei ist. Die würden normalerweise am Anfang des Jahres ein neues Programm einstudieren für das Jahr. Der erste wichtige Termin sind dann die Areas.
Das ist der erste Wettbewerb, die ist Ende Februar, Anfang März in acht Regionen in Großbritannien und da treten quasi alle regionalen Bands ihrer Stufe gegeneinander an für Qualifikationsplätze zu den nationalen Wettbewerben in Oktober.
Also so ein bisschen, wie man es in Brass of auch mitkriegt in dem Film.
Ja, genau. Das ist für uns immer das 1. März, Wochenende, für die anderen Regionen ein, zwei Wochen vorher nachher. Dann gibt es die Europeans Ende April, Anfang Mai. Da sind natürlich drei, vier Bands aus Großbritannien. Das betrifft die meisten nicht, aber viele fielen doch mit oder fahren dann hin, weil es einfach so ein tolles Event ist.
Dann hatten wir jetzt gerade letztes Wochenende Whit Friday. This trifft for the Bands im Großraum Manchester zu. Das ist quasi ein Freitagnachmittag and Abend, bei dem man durch kleine Dörfer marschiert und Märsche spielt. Dann ist es so. Darf ich dazu was fragen?
Ja, klar. This is durch Dörfermaschinen, wie. Also wenn ich jetzt den Vergleich habe, okay, ich muss einen Wettbewerb spielen, ich muss mich qualifizieren und ich laufe durch ein Dorf und spiele Märsche. Wie ernst wird das dann genommen?
Da kennst du die Briten nicht gut genug. Also natürlich ist das auch ein Wettbewerb. Okay. Also jedes Dorf hat den eigenen Wettbewerb. Und dann gibt es einen Juror, der sitzt in einem Zelt und der hört sich über 8 Stunden lang irgendwie 60 verschiedene Bands an, die einen Wettbewerbsmarsch spielen und vergibt dann Punkte.
Und die besten Bands über die elf Dörfer, es gibt zwei verschiedene Wettbewerbe mit jeweils elf Dörfern, die bekommen dann nochmal extra Preisgeld. Das heißt, die Bands auf meinem Niveau nehmen das sehr ernst und die Bands weiter drunter, die da ist eher mit den ersten vier nehmen wir ernst und dann trinkt jeder ein Bier und dann machen wir da mehr Spaß.
Also zeichnet der Film Brass Dorft doch ein reelles Bild von der Brass-Band? Weil die marschieren da auch irgendwann durch und nehmen das auch irgendwann nicht mehr ernst. Sehr zum Leidwesen, das Dirigenten. Ja, so ist es. Aber übt ihr dann auch Marschieren? Oder übt ihr eigentlich nur das Spielen und das Marschieren muss halt irgendwie laufen?
Ich glaube, in keiner Band, in der ich war, haben wir Marschieren mehr als einmal geübt. Es werden halt mal die Zeichen zum Anfangen und Aufhören geübt und dann gilt prinzipiell so, ja, niemanden gefällt es richtig, aber man muss es halt einfach machen.
Okay. Sehr gut. Aber spielen und laufen ist ja trotzdem nochmal eine andere Sache, als da zu sitzen und eine Wertung abzugeben im Sitzen.
Ja, und also für die kleineren Instrumente ist das ja okay. Bei Uphonium finde ich es so grenzwertig, aber unsere Betubisten, also über acht Stunden hinweg, dieses Instrument wiegt ja bestimmt 10 Kilo, da rumzuschleppen, das ist kein.
Okay, wie wird es dann weitergehen? Also wir sind jetzt Mitte des Jahres, ihr seid da einmal durchmarschiert, was passiert dann noch?
Dann gibt es häufig eine längere Sommerkonzertphase. Da kommen die Leute gerne. Und so ein gewisses, naja, ich würde jetzt nicht sagen, Transferfenster, aber viele Leute entscheiden sich zu dem Zeitpunkt, dass sie ihre Band verlassen möchten.
Warum?
Weil man die Band einfach nicht verlässt, wenn sie gerade mitten in den Wettbewerben stecken.
Also so ein bisschen Ehrgefühl ist dann noch dabei.
Ja, ja. Bei den Norwegern ist es ganz extrem. Die inoffiziell verpflichten die sich quasi für ein Jahr. Und da könnte jetzt jemand, ich glaube, war das der Soprano-Konnetist von Eikanger, der würde der Band dann irgendwie im Februar sagen, ja, dieses Jahr mache ich noch komplett, und Januar nächsten Jahres müsste jemand anderes finden.
Aber es ist ja auch fair für die Band, dass sie so lange Zeit haben.
Genau, genau. Hier ist es nicht ganz so extrem, aber es könnte sein, dass Bands um die Zeit Spieler verlieren. Wir haben unsere Principal Cornet verloren. Das passiert halt in der Zeit.
Aber gehen die dann woanders hin oder wie muss ich mir das vorstellen? Weil du gerade gesagt hast, so Transfer-Ding ist, klingt ja so ein bisschen wie Fußball, der geht dann zur anderen Band, weil die irgendwie besser ist oder irgendwas.
Ja, es gibt. Also oft passiert es so, dass jemand auf der höchsten Ebene ausscheidet, zum Beispiel unsere Kornetistin, die spielt jetzt nicht mit einer Band fest. Und dann, je nachdem, wenn wir finden, der kommt vermutlich von einer anderen Band in der Gegend und dann wird die Position frei und die holt jemand anderes.
Und dann beginnt so ein gewisses Stühlerrücken.
Aber welche andere Reize gibt es jetzt jemanden rüberzuholen? Also ihr kriegt kein Geld dafür.
Nein, nein. Die Wettbewerbe sind natürlich cool. Also, dass wir, dass die Bands im September in the Symphony Hall in Birmingham spielen, im October in the Royal Albert Hall in London, in November in Glasshouse in Gateset. Das sind top-Konzertsale mit einem großen Publikum. Ich glaube, das ist einfach Musikerinstinct, dass man das gerne haben möchte.
Und andererseits, einfach in einer besseren Band zu spielen, macht einfach mehr Spaß. Wenn man so fünf Jahre in seiner Band war, man ist jetzt doppelt so gut und der Rest ist noch genau gleich, dann wird es ein bisschen langweilig.
Das verstehe ich. Aber wie ist das jetzt zum Beispiel? Black Dyke hat doch einen neuen Principle. Oder die Cory Band. Ich weiß gerade nicht. Irgendeiner ist doch zu der anderen gewechselt, ich weiß gerade nicht mehr wie rum. Das gibt sich ja nicht viel. Das gibt sich doch nicht viel.
Also, Richard Marshall, Black Dyke, entscheidet vor ungefähr, ich glaube, acht, neun Monaten, dass er zu Ende des Jahres aufhört. Dann schauen die sich um, wen sie auf dem Level kriegen können. Und Tom Hutchinson von Corey sagt, ich mach's, ich komme ursprünglich aus der Gegend, ich habe jetzt 15 Jahre in Wales gewohnt, ich will wieder näher nach zu Hause und mit der Band spielen.
Dann geht Tom zu Black Dyke. Dann braucht Corey natürlich jemand neues. Und dann findet sich Kyle Lawson aus Neuseeland, der schon mit anderen Bands hier gespielt hat. And so kommt das alles zusammen. And jetzt sieht es zum Beispiel so aus: dass Tom, when er to Black Dyke Band fährt, der fährt von Wales nach Bradford, das sind ungefähr fünf Stunden im Auto.
Seine Freundin macht das gleiche, die wohnt auch in der Ecke und spielt es für Grimefor-Band fünf Stunden. Und Kyle von Corey wohnt gerade auch in der Nähe von Bradford. Der macht die umgekehrte Reiseroute fünf Stunden.
Jede Woche.
Zweimal pro Woche plus Konzerte.
Jetzt ist die Frage, also auch auf dem Niveau, kriegen die Geld dafür?
Ja, aber nicht ernstzunehmend viel. Also vielleicht 50 Euro pro Auftritt.
Also die machen das quasi für Ruhm und Ehre, dass sie da fünf Stunden zweimal hin und her fahren.
Für Ruhm und Ehre und natürlich um Schüler zu finden, um auf irgendwelchen Kursen zu unterrichten, um ihre CDs zu verkaufen. Aber es ist kein Job.
Krass. Also ich finde das immer wieder eine spannende Szene, sich das auch von außen anzugucken, was da so geht und auf welchem Niveau da abgeliefert wird, um dann quasi festzustellen, eigentlich ist es ja nur ein besseres Hobby. Auf jeden Fall. Weil Geld, wie du ja sagst, verdienen die ja damit nicht.
Also wenn 50 Euro langt ja nicht mal für Spritgeld bei Fünf-Stunden-Fahrt.
Das Spritgeld kommt da noch drauf, ja.
Aber selbst trotzdem, also das ist ja schon viel, viel Leidenschaft, die da reinfließt, um das zu machen, um quasi ein Hobby zu machen. Und wenn ich mir jetzt überlege, was in unsere Blasorchesterszene oft nicht geht, weil dann kommt, das ist ja nur ein Hobby, finde ich so krass, dass die Engländer da so total into it sind und einfach da richtig Gas geben.
Auf jeden Fall. Und was ich spannend finde, ist, dass es sich hier über die verschiedenen Divisionen so quasi ausdividiert, ausdifferenziert. Das heißt, es gibt dieses Level und dann gibt es natürlich auch die Band aus Rentnern, die sich jeden Montagnachmittag eine Stunde trifft und wo niemand zwischendrin übt.
Es gibt halt alles dazwisch. Und in Deutschland habe ich das Gefühl, dass es das gleiche Angebot in jedem Dorf gibt. Und dann stellt sich die Frage, ja, wo gehen denn die hin, die ein bisschen ambitionierter sind?
Ja, da gibt es wenige halt. Also ich habe das Gefühl, in Deutschland ist so quasi alles in der Mitte. Und dann gibt es ein bisschen oben. Und natürlich gibt es auch die Rentner-Bands, die natürlich auch ihre Berechtigungen haben. Aber es kumuliert alles so in der Mitte. Und ja, wenn du ein bisschen besser spielen willst, musst du tatsächlich weit fahren.
Dann sind es meistens nur so Projektsachen, die sich mal am Wochenende treffen. Und da ist das Niveau zwar auch hoch, aber es könnte ja noch viel höher sein. Ihr trefft euch ja einmal zweimal die Woche. Das ist ja dann nochmal ein ganz, das ist ja ein ganz anderer Unterschied.
Klar, ja. Ich meine, welches Blasorchester würde sich zweimal pro Woche treffen? Kenne ich keins.
Vielleicht die, naja, außer die, die halt nach Kelggerade fahren, aber das dann halt auch kurz vorher. Also die ziehen das dann wahrscheinlich auch nicht drei Jahre lang hintereinander durch, sondern machen das halt vielleicht ein Viertel ja vorher, dass die sich zweimal treffen. Krass. Okay, also im Sommer haben wir das Transferfenster.
Was passiert dann so im Herbst und Winter?
Dann kommen die Wettbewerbe alle zusammen. Und zwar im September die British Open in Birmingham. Das ist quasi der wichtigste Wettbewerb für meine Band zumindest. Im Oktober die Nationals in der Royal Albert Hall in London. Im November Brussel Concert, das ist ein Entertainment-Wettbewerb in Gateset.
Das heißt, da hat man alle vier Wochen einen Wettbewerb. Dann über die Weihnachtskonzerte versucht man so viel Geld wie möglich wieder reinzuholen. Und dann ist Weihnachten. Also der Herbst geht immer sehr schnell vorbei.
Okay, was heißt Entertainment-Wettbewerb?
Das heißt, jede Band bekommt, ich glaube, 22 Minuten, um zu spielen, was sie möchten. Und es ist ein Publikum drin, die eben unterhalten werden möchten. Und es gibt eine Jury, die bewerten die Qualität der Musik. Und das ist ein bisschen.
Warum mit Anführungszeichen?
Weil ich mich frage, wie genau man denn die Qualität der Musik von dem Unterhaltungsfaktor unterscheiden kann. Aber es gibt zwei Juroren für Musik, zwei Juron für Unterhaltung und ein Juror für Programm. Das frage ich mich auch. Also, wie kann man denn verschiedene, elf verschiedene Musikprogramme, ranken?
Aber gut. Weil das ist ja jetzt nur Geschmack. Also das kann ja trotzdem auch unterhaltungsmäßig funktionieren, auch wenn es mir nicht gefällt.
Und zum Beispiel fand ich letztes Jahr Corey ein super Programm und dann haben sie Back to the Future, den Film, der sein Jubiläum gefeiert hatte, verbunden mit Joe-Baptiste Arbon, der sein 200. Geburtstag hatte. Und das kulminierte dann darin, dass Tom Hutchinson ein technisches Solo gespielt hat mit Variationen über irgendwie Back to the Future.
Ach geil.
Und da musste er dann so schnell werden, dass die Zeitmaschine sie wieder ins aktuelle Jahr gebracht hat. Und ich dachte, ja, das ist ja echt witzig. Ein bisschen flacher Humor, aber ich fand's richtig gut.
Ich finde es eine total clevere Idee, also.
Und die Rohren fanden das aber nicht so gut und hatten dann Cooperation-Band aus Schottland für ein Programm über den Feuervogel von Strawinski den ersten Platz gegeben.
Okay, das ist ja jetzt schon auch sehr willkürlich, oder?
Aber man muss sagen, also natürlich aus der Sicht der Band ist es ein bisschen unberechenbarer Wettbewerb, aber aus der Sicht des Publikums sitzt du da einen Tag im Konzertsaal und kriegst elf wirklich polierte Shows mit Kostümen und Lichteffekten und Erzählstimme zwischendrin. Also für das Publikum ist das vermutlich das beste Event, Brassband-Event im Jahr.
Kann man solche Sachen auf YouTube nachgucken, weil sowas habe ich noch nie gesehen. Also gibt es das irgendwie? Man kennt ja immer nur diese Wettbewerbssachen oder Galakonzerte, aber diese Unterhaltungssachen mit Kostümen und so, habe ich noch nie gesehen.
Es müsste Ausnitte geben. Das Problem ist, dass das von WappPlay, einem Brassband-Streaming-Dienst, aufgezeichnet wird.
Okay, dann gibt es das wahrscheinlich da.
Das heißt, die wollen da natürlich Geld dafür.
Ein Supporter dieser Folge ist Buffet Grampant Europas größtem Hersteller von Blasinstrumenten mit Sitz in Markneukirchen und Geritz Reed. Buffet Grampant stellt alle Arten von Blasinstrumenten her, vom Schülerinstrument bis zum Profiinstrument. Wenn ihr mal wieder auf der Suche nach einem neuen Instrument seid, weil euer Instrument entweder alt ist oder ihr vielleicht einfach mal auch was Neues ausprobieren möchtet, dann lege ich euch wirklich ans Herz mal bei den verschiedensten Marken von Buffy Crampon zu stöbern.
Den Link dazu findet ihr in den Shownotes. Und jetzt geht's weiter mit der Folge. Ich habe heute Mittag noch mit unserem, also ich spiele ja selbst in der Brassband, in der Brassband Hessen und ich habe mit unserem Solo-Euphonisten, der übrigens mich auf dich aufmerksam gemacht hat. Der hat mir letztes Jahr gesagt, guck mal, da gibt es jemanden, so einen jungen Mann, ein Deutscher, der in England studiert und in dieser Brassband-Szene verwurzelt ist.
Das wäre doch cool, wenn du den mal interviewst. Also so kam das. Und dann habe ich ihn heute Mittag angeschrieben und habe gesagt, so, ich habe ihn heute Abend da, raus mit deinen Fragen. Und da kam was, was ich total spannend finde, weil wir blicken ja, merkst du ja schon auch so an meiner Fragerei und wie wir drüber sprechen, so ein bisschen neidvoll nach England auf die Brassband-Szene, weil das natürlich da ziemlich lebendig ist.
Und also zumindest von unserem Blick aus, wie entwickelt sich das da? Also geht es da weiter oder ist das irgendwie alles so ein bisschen eingefahren, wie unsere teilweise auch Blasorchesterstruktur. Wird das weniger, wird das mehr? Gib mal so ein bisschen Einblick. Ob sich der nightvolle Blick lohnt oder ob doch nicht alles Gold ist, was glänzt.
Ich glaube, es gibt Aspekte, über die ich im Vergleich sehr froh bin und es gibt auch die anderen Seiten.
Okay, leg los.
Auf einer größeren Ebene hat sich die Anzahl der Bands seit in den letzten 50 Jahren, glaube ich, geviertelt. Es gibt also viel, viel weniger Bands, aber immer noch im ganzen Land.
Hast du eine Zahl ungefähr im Kopf oder nicht? Wenn nicht, ist nicht schlimm.
Ich weiß, dass es ungefähr 40.000 waren 1980. Okay. Ich wüsste nicht genau, wie viel es jetzt sind, aber 10.000 kommt, glaube ich, pi mal Daumen hin. Das Tolle, worüber wir auch noch gar nicht gesprochen haben bei der Brassband-Szene, ist, dass wirklich jeder mitmachen kann, was das Finanzielle angeht.
Dadurch, dass die Instrumente relativ günstig sind und die Brassbands die Instrumente quasi besitzen und an die Mitglieder und zwar. Meistens kostenlos ausleihen. Okay. Du musst dich quasi nur melden und sagen, ich möchte ein Instrument lernen, möchte wohl mitspielen. Und dann findet sich dafür jeden was.
Und das ist heutzutage etwas eingeschränkt, aber immer noch so. Also für meine Trainingband, die ich dirigiere, sind 16 Kinder und die bekommen für drei Pfund in der Woche bekommen die ihre Instrumente und eine Stunde pro Woche. Also ist ein super Deal, um Musik wirklich für jeden zugänglich zu machen.
Drei Pfund sind aktuell wie viele Euro?
3,30 Euro.
Also fast 1 zu 1. Okay, das heißt im Monat quasi 12 Euro. Ja. Das ist sehr schwinglich. Also ich war noch nicht oft in England. Das letzte Mal war ich 2018 in London mit meiner Frau. Und da ist mir auch wieder aufgefallen, oder ich habe zumindest das Gefühl, dass in England generell Kultur zugänglicher gemacht wird als in Deutschland.
Weil es gibt, viele Museen waren einfach kostenlos. Im Shakespeare Theater gibt es ja auch so Stilplätze, die ja fast nichts kosten. Also ich habe immer so das Gefühl, es wird schon geguckt, dass es zumindestens niedrigschwelliger zugänglich ist. Wenn du jetzt sagst, okay, auch in den Brassbands, weil 12 Euro im Monat ist wirklich nicht viel, ist das ja auch so eine Sache, die das so ein bisschen untermauern würde.
Du guckst aber skeptisch. Also habe ich wohl nicht recht.
Ich glaube, es gibt da zwei Ebenen. Es gibt die politische Ebene, auf der Deutschland natürlich immer noch das Klassikland Nummer eins ist, mit so vielen Orchestern in öffentlicher Hand. Und es fließt immer noch eine Portion Geld an die Vereine. Und es fließt ganz gehörig Geld an alles, was Jugendarbeit involviert.
Das gibt es hier weniger. Also öffentliches Geld bekommen die Rustbands weniger. Aber das Commitment, das sie selbst haben, dass es für jeden sein soll, das ist einfach größer. Und das ist einerseits super für die Leute und es ist andererseits für die Leute, die das Budget verwalten oder die dirigieren und arrangieren, für die ist das nicht so super.
Okay. Welche Unterschiede siehst du noch, weil du gesagt hast, du siehst noch einige positive und negative Faktoren im Vergleich zu Deutschland?
Ja, ich glaube, also das war der größte positive Faktor, der natürlich auch mit den Instrumenten zusammenhängt. Ich würde sagen, der größte negative Faktor ist wirklich dieses zwei Proben pro Woche. Dadurch, dass man jede Stimme nur einmal besetzt, muss eigentlich auch jeder fast immer da sein. Also du kannst jetzt nicht einen Monat weg sein und dann einen Monat hast du viel bei der Arbeit zu tun.
Dann bist du vermutlich nicht mehr da, weil sich dann eine Aushilfe gefunden hat, die das lieber macht als du. Von daher ist es ein echt hoher Zeitaufwand, vor allem am oberen Ende. Also zweimal zwei Stunden Probe pro Woche, meistens alle zwei Wochen ein Auftritt. Es ist viel Zeit und es führt dazu, dass zum Beispiel Frauen sehr stark benachteiligt sind, weil viele ja dann doch auf die Kinder aufpassen und dann nicht mehr zur Brassband gehen können, sobald sie Kinder haben.
Und die allermeisten Leute in Brassband sind junge Männer. Also wenn man sich Black Dyke, Corey anschaut, so Männer zwischen 20 und 40 sind der größte Teil, die dort sitzen. Und es wäre schöner zu sehen, dass sich das so bunt durchmischt, wie es in Deutschland ist.
Ja, also mir ist schon mal aufgefallen, dass es relativ wenig Frauen sind. Aber okay, ich verstehe natürlich die Gründe, warum das wahrscheinlich dann so sein wird, wenn das Commitment halt sehr hoch ist.
Es gibt eben viele Paare, bei denen beide in Brassbands spielen. Und sobald du dann auf das Kind aufpassen musst, kannst du dir entweder überlegen, in Brassbands zu spielen, die an verschiedenen Wochentagen proben, dass immer der andere jeweils zu Hause ist. Aber meistens läuft es darauf hin, dass eben doch der Mann weiterhin spielt und die Frau sich mal eine Auszeit nimmt und die Auszeit geht oft länger, als sie es selber gerne hätten.
Weil du eben nicht sagen kannst, ich möchte für ein halbes Jahr mal nur eine Probe die Woche machen.
Gibt es genügend Nachwuchs für die Graspins-Szene? Nein. Also ihr habt quasi die gleichen Probleme wie wir.
Ja, ich glaube, das sind sehr allgemeine gesellschaftliche Probleme. Viel hängt zusammen mit der Medienlandschaft heutzutage und dass es einfach schwierig ist, junge Leute dafür zu begeistern, viel Zeit in doch so einen schwierigen Skill zu stecken, wie ein Instrument spielen zu können. Ich nehme an, im Blasorchester ist es noch extrem, weil wenn du zum Beispiel Oboe spielst, da musst du echt viel Zeit reinhängen, bis sich das einigermaßen ordentlich anhört.
Und das kommt dann zusammen mit Proben. Zwischen den Proben sollst du üben. Und ich nehme an, für meine Generation, die älteren Generationen, war das Verhältnis von Arbeit, die man reinsteckt und was man da rausbekommt, sowohl musikalisch, sozial an Erfolgserlebnissen, war das ein super Verhältnis. Und ich glaube, heutzutage ist es für ein Kind, für einen Jugendlichen echt schwierig zu sagen, ja, wieso sollte ich jetzt eine Stunde üben, wenn ich meine Lieblingsserie auf Netflix eine Stunde anschauen könnte?
Wie ist es eigentlich, also wenn dieses Stühlerücken losgeht? Also wie groß ist denn die Rivalität der Bands untereinander? Oder ist das schon, also Wohlwollen ist es vielleicht doof, wenn man sein Principle verliert, aber ist halt auch ein Part of a game irgendwie. Weiß ja jeder. Also, wie sauer ist man denn dann, wenn jemand von Corey zu Black Dike wechselt?
Ich glaube, das hängt von mehreren Faktoren, aber es hängt einmal davon ab, wie das Niveau zwischen den Bands ist. Also die Bands, die ich verlassen habe, bei denen war immer klar, dass ich einen großen Schritt nach vorne mache und dass es quasi einen objektiven Grund dafür gibt. Und deswegen gab es da keine seltsame Reaktion oder so.
Wenn man so auf der gleichen Ebene wechselt, dann ist oft das Gefühl, dass da persönliche Gründe eine größere Rolle gespielt haben. Und das andere ist, wie loyal man zu seiner Band war und wie lange man dort war. Also, wenn man einen Monat bei seiner Band ist und dann die nächste bessere Chance nimmt, dann heißt es oft, ja, will man so jemanden wirklich in seiner Band haben.
Aber zum Beispiel, wenn Tom von Corey nach Black Dark wechselt nach 15 Jahren, dann schuldet er Corey nichts.
Okay.
Also, wie vernetzt seid ihr denn, dass man so Dinge irgendwie schon weiß oder weiß, okay, der spielt erst seit einem Monat. Das klingt ja so ein bisschen, wie wenn da irgendwie so ein Talentscout rumfährt und seine Spieleakte irgendwo hat und schon so Dinge weiß.
Es ist unglaublich vernetzt. Und die meisten sind wirklich solche Nerds, also viel stärker als in der Blastorchesterszene, auch weil man sich einfach untereinander viel mehr aushilft. Einmal, weil man wirklich für jeden, der nicht kann bei einem Konzert, jemanden als Aushilfe braucht. Und andererseits, weil es so viele Konzerte gibt.
Und deswegen habe ich schon regelmäßig gespielt bei Corey, Black Dyke, Rigas ⁇ Rastric, Grimethorpe. Das heißt, ich kenne die ganzen Euphonisten, ich kenne die ganzen Dirigenten und es spricht sich alles so schnell rum.
Also es wird quasi auch immer geguckt, wie man sich verhält. Also man darf sich da eigentlich grundsätzlich, wenn man Karriere machen will, in der Grassband-Szene jetzt auch kein große menschliche Schnitzer leisten, weil es sich wahrscheinlich rumspricht. Der spielt zwar gut, aber man weiß nicht.
Ja, auf jeden Fall. Ich glaube, das ist aber allgemein in der Musikwelt so. Du wirst nur ein zweites Mal gefragt, wenn du nicht nur deine Stimme gespielt hast, sondern auch angenehm als Person warst.
So ist es meistens, ja.
Und ich möchte jetzt keine Namen nennen, aber es gibt auch ein paar Personen, die dafür bekannt sind, dass sie, dass sie Menschen in ihren Bands sexuell belästigt haben.
Okay.
Und die Bands, die solche Leute dann noch in ihren Reihen akzeptieren, die haben dann auch einen gewissen Ruf.
Okay, das ist zu mir bisher noch nicht gedrungen. Aber verwundert mich nicht, warum soll das da anders sein als in Orchestern oder so? Also warum soll das so sein? Früher war das ja so, so habe ich das zumindest geschichtlich wahrgenommen, dass natürlich, wenn man in so einer Mine arbeitet und dann in der Brassband spielt und die Brassband natürlich gut ist und die Mine repräsentiert, natürlich das gesellschaftliche Ansehen auch für den jeweiligen Arbeiter natürlich steigt.
Wie ist das denn heute? Also, wie gesellschaftlich angesehen ist man denn als Brassbandler in einer guten, in einer High-Class-Brassband? Also ist das gesellschaftlich wichtig oder ist das nur so ein internes Bubble-Ding?
Hm, schwierig. Ich glaube einmal, dass die selbst in den Minen, ich kenne die Geschichte, ich weiß nicht, ob ich sie erzählen darf, aber es gibt einen Menschen in meiner Band, der damals in der Mine gearbeitet hatte. Und für zwei Wochen in der Grundausbildung in der Mine haben die anderen im Aufzug von oben auf ihn gepinkelt.
Jeden Morgen, zwei Wochen. Das war das Ansehen der Brustbandler bei den regulären Minenarbeitern, weil sie eben nicht hart körperlich gearbeitet haben.
Okay, das intern kann ich nachvollziehen, dass man das natürlich scheiße findet. Naja, weil manche Menschen kommen da dann raus und müssen nicht sich die Lunge kaputt machen. Oder nicht so stark zumindest. Deswegen kann ich das intern zumindest im Beweggrund verstehen, dass das natürlich trotzdem Quatsch ist, brauchen wir nicht drüber reden.
Und außerhalb von den Minen.
Ich glaube, dass das gesellschaftliche Ansinnen der Brassband oder zumindest das Gesehenwerden, dass das sehr stark zurückgegangen ist. Es gibt für uns in der Band, wir spielen jeden November beim Remembrance Day, spielen wir in einer kleinen Stadt. Da ist es klar, dass die Band dazugehört, wie die Motorradgruppe und die Pfadfinder.
Also die sind einfach Teil von so einem Stadtleben. Aber so im Allgemeinen Gesellschaftlichen ist es Menschen, glaube ich, mittlerweile fast nicht bewusst. Also die wissen, dass die Band, dass die im Park spielen im Sommer. Und ein paar, die sich vielleicht damit auskennen, wissen, dass es je Wettbewerbe gibt.
Aber unser Publikum zum Beispiel bei den Konzerten sind wie in Deutschland meistens Rentner.
Okay. Die Blasorchesterszene kämpft ja immer noch so ein bisschen drum, gleichwertig vielleicht zu der Symphonieorchesterszene angesehen zu werden. So. Also es ist zwar klar, das gehört zum Kulturbetrieb irgendwie dazu, meistens natürlich für Wurzel zu Hause. Aber wie ist das beim Brassbanding? Ist das auch nur so ein Bubble-Ding oder wird das schon auch anerkannt als Kulturbetrieb?
Also wie blicken da andere drauf?
Ich glaube, es hängt von den Bands ab. Es gibt die Paar an der Spitze, die wirklich anerkannt sind. Und das sind vor allem Corey und Black Dyke, die große Konzertzähler bespielen können, die dann auch vollgepackt sind, die coole Projekte machen, bei denen Leute, die nichts mit Brassbands zu tun haben, sagen, cool, die will ich mir anhören.
Ich glaube, der Rest hat eine recht spezifische Brassband-Zielgruppe, die zu den Konzerten kommen. Und ich glaube, auch im Vergleich zu Deutschland ist der größte Unterschied das öffentliche Geld, das dahinter steckt. Also die Brassbands sind vergleichbar mit Amateurorchestern, wie ich nehme an, auch in Deutschland die Blasorchester mit Amateurorchestern vergleichbar sind.
Aber man stellt sich vor, man findet einen super Dirigenten und bezahlt 30 Brassbändler als professionelles Orchester, nicht um irgendwo Zeremonien für irgendwelche Politiker zu spielen, sondern um auf großen Konzertzellen zu spielen und die Leute zu unterhalten. Ich weiß nicht, ob das aufgehen würde, aber es wäre ein interessantes Experiment.
Mit Sicherheit. Wie blickt denn die professionelle Orchesterszene auf Brassbands? Also es gibt ja auch berühmte Trompete, Maurice Murphy zum Beispiel, er kommt ja aus einer oder kam aus einer Brassband. Wie blicken die da drauf? Weißt du das?
Zum Beispiel auch hier am RNCM in der School of Wind, Brass and Percussion. Die Head of Percussion, Simone, hat damals Percussion gespielt mit Ferdinand's Band, als sie an die 18 war. Unser Head of Brass, Murray, hat Flügelhorn gespielt by Ferdinands. Die waren da also über Jahre hinweg selbst involviert.
Aber ich glaube, das Ansehen insgesamt ist, dass es für viele so eine Art Zwischenschritt ist. Aber dass eben einmal aus dem künstlerischen Bereich so eine gewisse Initiative fehlt, und andererseits einfach weil das Geld dahinter nicht da ist, dass das eben für Trompeter, Posaunisten, Tubisten eben ein Schritt bevor die richtige Karriere startet ist.
Okay. Gibt's noch irgendwas, was du aus der Brassband-Szene erzählen kannst, was wir hier gar nicht wissen, oder was wir vermeintlich denken? Oder was war vielleicht dein größtes Missverständnis, als du nach England bist, wo du gedacht hast, das ist so oder war es gar nicht oder ganz anders.
Ich glaube, zur ersten Frage ist, dass man tatsächlich, um das Instrument wie ein Profi zu spielen, muss man nicht jahrelang Musik studieren und dies und das, sondern es ist gar nicht so schwierig, Blechblasinstrumente zumindest auf einem hohen Niveau zu spielen, weil es eben vor allem mit der Luftführung zusammenhängt.
Und wenn man dann 25 Blechblazer hat, die alle die gleichen Probleme mit ihren Basics haben, kann man das als Dirigent super gut angehen. Und deswegen können die, die vielleicht in Deutschland in einem Mittelstufen-Orchester sitzen würden, können hier in der Championship-Section Band spielen. Ich glaube, dass man einfach viel zusammenspielt, dass man sich vielleicht, vielleicht zum Nachteil, manchmal nicht zu sehr in Details verliert, sondern einfach Musik macht.
Das hilft total. Das ist, glaube ich, das Wichtige. Und zu der anderen Frage, ich weiß ja gar nicht selbst, was meine Vorstellung war, als ich hier war, aber für mich war es, dass ich dachte, es würde länger dauern, bis ich so einen Fuß in die Brassbandwelt bekomme. Weil wie du steigst auf das Flugzeug und nach zwei Wochen kriegst du eine Nachricht, hast du Zeit für die Probe.
Du musst sie nur den Bus nehmen, 20 Minuten. Aber ich kenne auch Leute, bei denen das viel schwieriger war, die ein halbes Jahr gebraucht haben, um in irgendeine Band zu kommen und dann nicht auf die Position, die sie wollten. Vieles hängt einfach mit Glück zusammen.
Und im richtigen Moment halt auch abliefern wahrscheinlich.
Und das Soziale spielt auch eine große Rolle, beziehungsweise damit meine ich jetzt nicht nur, dass man nett zu den Leuten ist, sondern dass man, wenn man auf der Bühne steht, tatsächlich eine selbstbewusste Performance gibt. Also wenn man aufgeregt ist und dann zittert und was kommt nicht so raus, wie man es möchte, das ist normal, das versteht jeder.
Aber wenn man dann den Eindruck macht, dass man jetzt nicht ganz weiß, ob die Person noch weiterspielt, das ist der Punkt, wo sich viele Bands denken, oh, da gehen die Alarmglocken ran. Also die Fehler werden oft hier in der Brassband-Welt sehr schnell vergeben. Okay.
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Und da würde ich mich natürlich sehr freuen, wenn ich ein wenig die Kosten decken kann. Und da kommt ihr ins Spiel und deshalb gibt es Patreon. Da könnt ihr mich monatlich mit ganz kleinem Geld unterstützen. Ich würde mich sehr freuen. Und als Dankeschön bekommt ihr die meisten Folgen schon vorab und natürlich auch ohne Färbung.
Den Link findet ihr natürlich wie immer in den Shownotes. Und jetzt geht es weiter mit der Folge. Wir kommen gleich noch zu dem nervös auf der Bühne stehen. Wie sieht so eine so eine Brassband-Probe dann aus, wenn ihr zweimal in der Woche probt? Ist das immer unterschiedlich oder gibt es schon auch systematischen Ablauf?
Es klingt ja schon so, wie wenn ihr alles sehr strikt vorgehen habt.
Also wir haben bei uns im Bandroom ein Whiteboard und da steht immer drauf, was zur Probe angesagt ist. Wir fangen immer an mit einem Choral oder unser Dirigent mag gerne so Stücke, die auf einem Choral basieren, um einfach 15 Minuten am Anfang auf den Klang und das Zusammenspiel zu konzentrieren. Was ich auch total richtig finde und auch für die Musiker besser als viele Blassorchester, die zum Beispiel eine Tonleiter hoch und runter spielen.
Also tatsächlich ein Musikstück zu spielen, ist schöner, um so reinzukommen.
Was ist dein Lieblingskoral?
Der heißt Helmsley, können sich die Zuhörer vielleicht mal anhören. Super Choral. Okay, von wem arrangiert? Der ist in den 120 Hymnen der Salvation Army im roten Hymnenbuch. Okay. Es gibt aber auch von Eric Ball Kingdom Triumphant richtig, richtig schönes, so fast schon eine symphonische Dichtung für Blasorchester und der dritte Satz basiert auf Helmsley.
Okay, hör ich mir mal an. Also, ihr macht eine Viertelstunde Choralspiel, um Klang zu finden.
Und dann geht's meistens mit dem schwierigsten Stück für das nächste Programm los. Dann kommen ein paar kleinere Stücke solos. Die einfachen Stücke gehen recht zügig durch. Die schwierigen, da wird an den Details geprobt. Und zum Beispiel jetzt, Anfang Juni für uns steht, Anfang September steht der große Wettbewerb an und wir haben gerade nicht viele Konzerte.
Von daher bereiten wir am Ende der Probe 20, 15, 20 Minuten, schon das Pflichtstück für den Wettbewerb vor.
Was ist das für euch jetzt dieses Mal?
Das ist Music of the Spales von Philips Park.
Okay. Und das macht dir viel Spaß, weil du vorher so über Philips Park gesprochen hattest.
Nein, ich habe Philips Spark total gerne. Es ging nur darum, dass man nicht in jedem Programm den gleichen Komponisten haben muss. Nee, super Stück wurde von meiner Band in Auftrag gegeben vor 22 Jahren. Von daher ist es so ein bisschen nostalgisch für die paar Leute, die seitdem in der Band sind. Und es hat eine echt klasse Euphoniumstimme.
Also einfach super viele Melodieelemente, die in meiner Stimme landen.
Ich habe noch zwei Fragen zu Brassband allgemein und dann will ich so ein bisschen natürlich noch auf dich speziell gehen. Die erste Frage ist: Du hast ja gesagt, du hast eine Teaching-Band mit 16 Leuten. Mit 16 Kindern. Was macht man dann, wenn jetzt Kinder soweit wären oder jugendlich sind, aber in der Band an sich überhaupt kein Platz ist?
Weil es ist ja standardisiert, wo gehen die dann hin? Müssen die dann in eine andere Band wechseln?
Also normalerweise nimmt man das bei den Kindern nicht so ernst. Die besetzt man gerne viel größer. Okay. Bei uns, und es, also aus deutscher Sicht vielleicht ein bisschen verrückt, es sind 16 Kinder von sieben Jahren bis 14. Und die quasi als Gruppe, als Band zu unterrichten, ist natürlich ein gehöriges Unterfang.
Aber letztendlich haben wir quasi so vierstimmige Stücke. Das heißt, ich schaue dann, dass ungefähr vier auf jeder Stimme sind. Und dann ist die Hoffnung, dass die Stärkeren die Schwächeren quasi mitziehen und dass die von sich gegenseitig lernen können.
Ist natürlich schon der Vorteil, wie du es vorhin schon angesprochen hast, die Probleme sind ja relativ ähnlich dadurch, dass es ja alles Blechblasinstrumente sind. Du hast jetzt, also ich habe in der Schule Bläser gelassen und dann habe ich natürlich eine Klarinette und noch eine Flöte und einen Waldhorn im Vergleich zur Trompete, das dann völlig anders funktioniert.
Also die Probleme sind natürlich viel vielfältiger, als wenn ich jetzt 16 Kinder habe, die zumindest vom Grundprinzip her ein ehrliches Instrument spielen.
Total. Und auch die Stimmung der Instrumente spielt da mit rein. Dadurch, dass man eben nur B und S hat, dann kann ich sagen, ja, bei D achtet drauf, dass ihr alle F statt FIS spielt und die S-Stimme eben entsprechend. Und ich muss nicht für jede Tonart, für jedes Instrument einmal durchdenken. Ich glaube, das kann man sich nicht vorstellen, aber als Lehrer merkt man echt, wenn da eine schwierige Tonart ist, klingt es direkt anders.
Auf jeden Fall. Aber können diese Teaching-Bands dann zu einer speziellen Blasband oder ist das dann auch wieder irgendwie ein anderes, weiß gar nicht. Also weil bei uns können ja Jugendorchester meistens zum Verein, die rutschen dann automatisch ins große Blasorchester rein, wenn sie alt genug sind.
Wie ist das da? Also wie sind die organisiert?
Also das ist die Hoffnung hier. Also meine Trainingband, die ist angebunden an eine Band, die hier in der First Section spielt. Und die Fortgeschrittenen, die dürfen immer zum Choralspielen bei den Großen noch mitmachen. Und normalerweise bei uns, weil die recht jung sind, ist die Distanz zu den Großen noch sehr groß.
Aber es ist dann natürlich so, dass hoffentlich so in zwei, drei Jahren, man braucht immer jemanden, der CONET spielt. Dass es dann eben heißt, ja, ihr beiden hier wollt ihr nicht CONET bei den Großen spielen. Das ist die Idee. Aber es gibt auch andere Organisationen, wie zum Beispiel Paradebeispiel hier ist Stockport, Schools, Brosbands, da unterrichte ich ab und zu.
Die haben drei Bands, die haben. Es ist ein bisschen kompliziert, aber sie haben Beginner Groups, da werden quasi vier bis fünf Kinder unterrichtet, die noch nie das Instrument angeschaut haben. Training Bands sind die, die schon ein paar Noten spielen können, aber noch nicht so ein Gefühl für Takt haben.
Und dann haben sie Junior Band, Intermediate Band und Senior Band, die alle normale Stücke spielen. Und gleichzeitig gibt es dann noch drei Musiklehrer, die unterrichten und jeweils 15 Minuten Slots haben.
Okay. Aber ich stelle mir das total schwer vor, durch dieses standardisierte, sich eine Jugendband hochzuziehen, weil wenn ich ja Pech habe, sind die so weit, aber kein Platz in der großen Band. Weißt du, wie ich meine?
Ja, total.
Und dann hab ich ja, also dann habe ich ja das Problem, entweder gehen die woanders hin, dann habe ich ja quasi umsonst ausgebildet. Ja, also das stelle ich mir gerade total schwierig vor.
Aber es gibt ja oft doch in der großen Band, großen Orchester, gibt es so vor allem Ältere, die sagen, ich möchte gerne ein bisschen weniger machen.
unknown Okay.
Und dann weiß man ja, ich habe so ein halbes Jahr, um da jemanden zu finden. Zum Beispiel, als ich meiner jetzigen Band beigetreten bin, da hatte mein Vorgänger die Band noch nicht verlassen. Der hatte den quasi für ein halbes Jahr ausgeholfen. Und dann war er dann noch mal zwei Jahre da geblieben. Und dann meinte er so langsam zu denen, es wird jetzt zu viel.
Und dann kam ich rein. Also oft sind es ja Leute, mit denen man sprechen kann oder sagt mir, ja, wenn du von der Back Row auf die Front Rower gehst und dann holen wir jemanden Junges, der zweites Colette spielt, Bariton Euphonium kann man ja auch durchwechseln. Bei den Tuben kannst ja auch einem der S-Tuber gespielt haben, eine B-Tuber an die Rückdrücken.
Wie ist das dann mit, weil du sagst, euer Stück ist vor 22 Jahren geschrieben worden. Es gibt noch ein paar, die das miterlebt haben, also quasi Nostalgie. Wann sagt man dann jemandem hört zu, wäre gut, wenn du aus alterstechnischen Gründen den Platz frei machst, weil das Niveau nicht mehr da ist?
Ich glaube in unserem Fall, in unserem Fall nicht, weil die Band damals eben auf top, top, top weltweitem Niveau ist. Und die heute, auch wenn sie vielleicht heute nicht mehr so viel reinstecken, immer noch die besten und erfahrensten in der Band sind. Ich glaube, in anderen Bands, da entscheidet der Dirigent dann auch mal für ein Euphonium oder Kornettisten.
Ich glaube, das war es für sich.
Okay. Gut, es ist ja, wenn ich weltweit top spielen will, dann muss es ja irgendjemanden geben, der dafür Verantwortung übernimmt, um zu sagen, es geht oder es geht nicht. Weil man kennt das ja von vielen Musikern, da ist natürlich das eigene Ego da. Man will dann auch nicht so loslassen wahrscheinlich.
Man hat ja auch seine Zeiten da gehabt. Ich kann das schon auch auf der anderen Seite verstehen, ist aber halt so und trotzdem auch immer schwierig, jemanden das so zu sagen. Klar, ja. Spielst du lieber Konzerte oder Wettbewerbe?
Auf jeden Fall Konzerte. Also das Gefühl für ein Publikum zu spielen, ist für mich immer besser als für ein Zelt mit ein paar Juroren drin. Das Gefühl mag ich einfach nicht.
Weil da kann er da, also weil das Publikum dann quasi fehlt oder was magst man an der Situation nicht so?
Einfach das Gefühl, dass sich die Performance an die Juroren richtet und nicht an das Publikum. Also von wegen, da drehe ich doch mal weg von der Box und dann drehe ich hier hin. Also nicht, dass wir das oft machen würden, aber vor allem bei den Kornetten machen Bands das gerne. Und dann, wenn da irgendwo Piernix im Ruhest steht und dann stopft sich jemand ein Handtuch in den Trichter und dann denkst du dir, also Musik ist ja, entsteht ja eigentlich in der Verbindung zwischen dem Ensemble und dem Publikum.
Und das fühlt sich so ein bisschen an, wie wir versuchen, hier irgendwas ins Zelt reinzuwerfen.
Ich habe ja manchmal sowieso den Eindruck bei so Pflichtstücken, dass mittlerweile auch einfach ist, okay, wie kompliziert können wir es schreiben? Und was kann noch gespielt werden? Also es ist ja oft, ja, also schon auch beeindruckend, davon mal abgesehen. Aber die Frage ist ja immer, Musik oder ist das schon Sport?
So ein bisschen. Weißt du, was ich meine?
Ich meine, das ist ein Argument, dass es schon seit Beginn der Brassbands gibt. 1969 mit Spectrum von Gilbert Winter. Da war zum ersten Mal quasi eine ganze Percussion Section statt nur Snare Drum, Bass Drum und Cymbals. Und da haben sich die Leute echt, also wozu braucht man denn das ganze Zeug? Und bla bla bla.
Und heutzutage hört man sich das an und denkt, ach, klasse Stück. Ich glaube, die Frage ist immer, ob diese neuen technischen Sachen, ob die so ein musikalisches Gesamtbild ergeben. Oder ob man öfter das Gefühl hat, dass es so kurze musikalische Episoden sind, die aber nicht irgendwie musikalisch zusammenhängen.
Aber dass es für mich, glaube ich, eher ein Problem von der Komponistenseite. Die versuchen eben in 20 Minuten so viel wie möglich von dem und dem und dem abzudecken und die Konzeption des Stückes geht so ein bisschen verloren.
Genau, eine Frage hatte ich noch zu den Bands. Wie hoch ist der Laienanteil versus studierte Musiker?
Es ist ein bisschen schwierig zu sagen, weil man hier, wenn man Musiklehrer wird, nicht Lehramt studiert, sondern ein Instrument und dann einen Einjährigen eine einjährige Lehrerausbildung macht. Also Musiklehrer sind echt überproportional vertreten in den Bands. Das sind, glaube ich, die meisten. Wir haben also von uns in der Band, wer arbeitet als professioneller Musiker?
Ich glaube einer. Also es gibt viele, die Musik studiert haben, aber die meisten sind Lehrer und dann gibt es noch, die alles Mögliche machen. Wir haben einen Anwalt, wir haben eine Tierärztin, wir haben einen Hochschullehrer.
Weißt du das ungefähr, wie das dann auch bei Corey und Black Dyke aussieht? Sind das alles Studierte?
Nicht alle von denen. Aber da ist, da sind es noch mehr. Vor allem auf den Solopositionen.
Gut, anders ist es wahrscheinlich auch in dem Niveau nicht machbar.
Ja, ich glaube, es ist dann schwierig, ja.
Ich habe gelesen auf deiner Homepage und das steht so oft da, deswegen denke ich, dass es dir sehr wichtig ist, dass du, wenn du unterrichtest, auch Performance-Psychologie weitergibst. Also ich stelle mir bei so Sachen immer die Frage, liegt es daran, dass du selber damit irgendwie so in Berührung kamst, weil du mal selber irgendwie damit ein Thema hattest, weil sehr nervös?
Oder einfach dich das so interessiert, dass du es weitergeben willst, weil du siehst, dass viele damit ein Problem haben?
Ich glaube, es ist beides. Einerseits habe ich bei mir selbst gemerkt, dass die, und es gilt für die allermeisten, man kommt an einen gewissen Punkt, wo man nahe Ansprüche an sich selbst setzt und Erwartungen und dann hat man so ein gewisses Thema mit Nervosität. Und andererseits habe ich einfach nicht oft erlebt, dass das Musiker über das Thema gut reden können.
Und die allermeisten Konversationen, die ich drüber führe, fangen ungefähr so an. Jemand erzählt mir ja, wenn ich einen Auftritt habe, dann verändert sich meine Atmung, habe ich einen trockenen Mund, zitter ich, was kann ich dagegen tun? Und meine erste Frage ist dann meistens, ja, was geht bei dir im Kopf vor?
Welche Gedanken hast du? Was denkst du, bevor du auf die Bühne gehst, was denkst du auf der Bühne? Und darüber haben die meisten noch nie nachgedacht. Also der Gedanke, dass man sich nicht auf die physischen Symptome konzentriert, sondern sich fragt, welche Gedankenmuster gehst du durch, wenn du auf der Bühne bist?
Was sind so deine Schwierigkeiten? Das ist für mich das Spannende und das bringt den Schülern meistens viel, wenn sie jemanden haben, der mit ihnen da offen drüber reden kann.
Was kommt da so? Also was geht da den meisten durch den Kopf?
Meistens haben Leute das Gefühl, dass sie nicht gut genug vorbereitet sind. Am stärksten ist das Gefühl, dass es nicht gut gehen wird, dass man einen Fehler machen wird. Und dann kommen so gewisse Gedankenspiralen. Wenn ich einen Fehler mache, dann kann ich kein guter Musiker sein. Und dann setze ich das so fort, weil es natürlich das Innerste als Musiker berührt, wenn man einen Fehler macht.
Und darüber zu sprechen und ein anderes Bild von Musik zu haben, von was ist denn ein gelungener Auftritt, ist für mich nicht der Auftritt, der möglichst wenige Fehler hat und möglichst akkurat die Musik beschreibt, die man spielt, sondern der Auftritt, der was mit dem Publikum kommuniziert, bei dem man sich selbst ausdrücken kann, bei dem man musikalische Erlebnisse schafft zwischen sich und dem Publikum.
Und dann spielen Kekser oder Fehler nur eine untergeordnete Rolle.
Kennst du die Gedanken von dir, beziehungsweise wann hast du angefangen, dir darüber mal Gedanken zu machen? Also ist das was, was du im Studium gelernt hast, das mit dir auch so gearbeitet wurde oder ist das irgendwas, was jetzt, was du für dich selber entdeckt hast?
Also wir hatten im Studium tatsächlich so Seminare darüber und haben viele Ressourcen verlinkt. Das war total hilfreich. Und ich glaube, bei mir persönlich war der sozusagen schlimmste Moment waren meine National Finals Bros Band 2022. Ich war gerade drei Wochen Mitglied der Leyland-Band und es war mein erster großer Wettbewerb.
Und es lief super gut, eigentlich besser als die Wettbewerbe danach. Aber ich war so gestresst. Also nicht mal nervös, aber ich hatte einfach dieses Herzklopfen, 20 Minuten irgendwie keinen entspannten Atemzug bekommen. Und die Woche danach konnte ich quasi nichts machen, weil ich so fertig war. Und dann dachte ich mir, ja, was geht denn da eigentlich vor?
Wieso passiert das?
Und was war dann die Lösung? Also wie kommt man aus dem Muster raus, dass das nicht bei den nächsten Wettbewerben gleich wieder passiert?
Es ist nicht nur, dass man das ein paar Mal macht. Es wird nicht automatisch besser, je öfter man es macht, sondern man muss sich eben darüber die richtigen Gedanken machen. Es hilft oft, sich mal seine Gedanken aufzuschreiben, in welche Gedankenspiralen man rutscht. Es gibt so ganz klassische Muster von wegen, was ich schon meinte, man macht einen Fehler, man denkt sich, das gesamte Stück war schlecht, so auf die persönliche Ebene zurückschließen.
Oder auch von einer Reaktion im Publikum oder wenn man bewertet wird und der Professor gaint, denkt man sich natürlich auch, der findet jetzt meinen Auftritt total langweilig. Und in 90% der Fälle ist es, der Professor bewertet seit 8 Uhr morgens Auftritte und es ist müde. Dass man so diese Gedankenmuster versteht und dass man sich dann überlegt, was kann ich dem positiv entgegensetzen.
Also oft zum Beispiel der Gedanke, den Teil meines Auftritts, den ich kontrollieren kann, ist die Vorbereitung. Und die Vorbereitung ist abgeschlossen und so gut wie ich kann. Von daher ist der, ich sage immer zu meinen Schülern, von wegen, wenn das hier, vielleicht für die Zuhörer, also der größte Bereich meiner Vorbereitung ist das Üben in den Monaten vor dem Auftritt.
And der kleine Bereich ist dann quasi, ob der Auftritt gut läuft oder schlecht. Aber der Großteil passiert wirklich davor, sich selbst zu sagen, mein Ziel ist hier, Musik ans Publikum rüberzubringen und nicht keine Fehler zu machen. Und wenn ich mich echt gestresst gefühlt habe, dann habe ich mir es auch mal vor dem Spiegel aufgesagt.
Das hilft einfach, damit man sich das verinnerlicht und sich seinen eigenen Gedanken ein bisschen entgegentritt.
Wenn ich jetzt aber auf der Bühne sitze, also du hast ja als Solo-Euphonist natürlich auch nochmal eine ganz andere Rolle, also das ist ja klar. Da sind Solopassagen drin und so. Und man hat gut geübt und trotzdem kommt plötzlich so ein kleiner Zweifel um die Ecke. Kennst du das? Ja. Was machst du dann in dem Moment?
Weil es gibt ja nur, also entweder ich gehe halt volles Risiko und sage, okay, ich vertraue dem, aber das ist ja so eine Sekundenentscheidung. Oder ich krieg plötzlich Angst und gehe ein bisschen vorsichtiger ran, dann kickst du und dann bin ich in so einer Spirale drin.
Also mir hilft immer, mich ganz auf die Musik zu konzentrieren. Ein bisschen mehr zuhören, was geht hier um mich rum und dann wird am meistens bewusst, dass man selbst doch nicht so wichtig ist und dass man nur einen Teil spielt. Und selbst wenn es eine Solo-Passage ist, ist es ja nicht ein ganzer Ersatz des Stückes, sondern einfach ein Teil des musikalischen Puzzles, das man selbst beitragen muss.
Und wenn man dann die musikalische Vorstellung hat, was man, wie dieses Puzzlestück aussieht und für uns Blechbläser einen tiefen Atemzug nimmt, dann macht unser Körper das meistens automatisch, dass dann doch rauskommt, was man möchte. Wie trenne ich dieses?
Ja, ich definiere mich über das Instrument, dieses, okay, ich habe falschen Ton gespielt, ich bin kein guter Musiker. Klar, ich kann das natürlich analytisch angehen und sagen, okay, das ist ja Quatsch, aber das ist ja meistens tiefer verwurzelt. Wie schaffst du das bei Schülern oder bei dir selbst, dass das nicht mehr so reinspielt?
Ich glaube, die Lehrer und die Dirigenten spielen da einen ganz großen Teil, und zwar in der Frage, wie man über Musik redet. Also wenn ein Schüler ein Stück vorspielt, ist das Erste, was du sagst, sehr gut, schau nochmal Takt 8 an. Die dritte Note ist ein Fiss und kein F, und die Sechzehntel im Takt danach war ein bisschen zu schnell.
Das erzeugt natürlich so ein Gefühl bei dem Schüler, dass es darauf ankommt, möglichst akkurat zu spielen. Wenn ich stattdessen sage, super gespielt, achte doch mal drauf, ob du deine Phrasen bis zum Ende führen kannst und etwas vorsichtiger die Phrase beendest und die neue anfängst, dann geht man natürlich auf eine ganz andere musikalische Ebene.
Und natürlich gehören die beiden zusammen und spielen beide eine Rolle. Aber vom musikalischen Fokus her spielen wir einfach besser, wenn wir uns auf das Musikalische konzentrieren als auf das Technische.
Spannender Punkt. Muss ich mal mehr darauf achten, wenn ich vorne dran stehe, dass ich es mehr auf die Phrase nehme.
Ich habe da gerade eine total spannende Studie gesehen. Da hatten sie drei Gruppen an dem Konservatorium an Versuchsteilnehmern. Die einen sollten, ich glaube, es war Klavierstücke, sollten spielen ohne irgendwelche Anweisungen. Die eine Gruppe sollten darauf achten, so wenig Fehler wie möglich zu machen und die andere Gruppe sollten so musikalisch wie möglich spielen.
Und dann hat es eine Gruppe an Professoren bewertet. Und es stellte sich dann heraus, dass die Gruppe, die keine Anweisung hatten und die möglichst wenig Fehler machen sollten, dass sie gleiche Ergebnisse erzielt haben und die Gruppe, die sich auf die Musik konzentriert hat, war sowohl akkurater als auch musikalischer.
Also das Letzte überrascht mich nicht. Ich hätte jetzt nur gedacht, dass die, die keine Anweisung haben, trotzdem besser performen als die, die bei denen man sagt, okay, kein Fehler, weil dann wird es ja sowieso eng und dann wird man verkrampft und dann verspielt man sich sowieso öfter.
Ja, nee, und natürlich, also wir beide, wir wissen das, die allermeisten, die spielen, wissen das. Aber oft einfach aus, wie wir gelernt haben zu unterrichten oder zu dirigieren, vermitteln wir den Musikern das Gefühl, dass das doch das ist, worauf es ankommt.
Ja, das stimmt leider. Was geht dir auf der Bühne durch den Kopf oder kannst du den wirklich ausstellen? Und bist quasi im Flow?
Also mittlerweile immer besser. Ich hatte vor ein paar Jahren so den großen Spaß beim Auswendigspielen gegen die innere Stimme zu kämpfen, die dann meinte, ja, nächster Takt ist es wirklich ein Fiss oder doch ein F? Also die Stimme war manchmal ein gewisser Kampf. Oft tatsächlich in so Solo-Vorspielen.
Man schaut in das Publikum und denkt sich, ich spiele schon 20 Minuten. Interessieren die sich wirklich dafür? Oder soll ich jetzt einfach Schluss machen? Aber immer. Immer mehr kann ich mich einfach so auf die Musik konzentrieren. Also oft geht mir überhaupt nichts durch den Kopf, außer was geht um mich rum und welchen Part spiele ich da drin.
Okay, das ist natürlich cool, wenn man das schafft. Wie sieht dein Üben aus?
Na, die Erwartung ist es natürlich, jeden Tag drei Stunden strukturiert nach Schema A und B. Aber im echten Leben geht es oft nicht so. Es kommt darauf an, wie viel Zeit ich habe und was gerade ansteht. Jetzt zum Beispiel, wenn ich in den nächsten Wochen wieder mehr Zeit habe und das nächste Vorspiel ist erst in sechs Wochen, da ist mehr Fokus auf Basics.
So grundsätzliche Überroutinen an Klangarbeiten, an der Artikulation arbeiten. Das nimmt immer einen Teil ein, aber je nachdem, wie viel Zeit ich habe, eben eine halbe Stunde oder anderthalb Stunden.
Hast du eine Klangübung für Soifonium?
Die du kurz teilen kannst? Ja und nein. Die Übung, die ich super finde, um den Klang zu öffnen, sind Lip Bands. Also dass man einen Ton spielt und dann ohne Ventile den nach unten zieht und wieder nach oben. Also man würde dann auf dem tiefen G anfangen und den dann auf Fiz F ziehen, zurück auf Fis, zurück auf G und dann chromatisch so hoch gehen, wie man kann.
Und es hilft einfach hier, wenn man irgendwelche Spannungen hat im Mund- und Rachenraum, die zu lösen und danach spielt man mit einem offeneren Klang. Aber das überträgt sich nur begrenzt auf das tatsächliche Spiel dann. Für mich sind es meistens dann lyrische Ätyden, bei denen man sich auch auf Phrasierungen konzentriert, auf verschiedene Intensitäten im Klang.
Wenn man nur technische Übungen spielt, dann bekommt man das nicht.
Okay, also was machst du dann noch, wenn Basics vorbei sind?
Also Basics, eine lyrische Ätyde, die ich manchmal nur durchspiele, manchmal an gewissen Sachen arbeite, aber es geht vor allem um das Gefühl zu spielen und dann so eine Mischung aus den Solostücken, die anstehen und aus den Bandstücken, die ich spielen muss.
Bereitest du dich auch mental irgendwie auf so Sachen vor?
Ja, auf jeden Fall. Ich hatte vor zwei Wochen jetzt schon einen Auftritt mit dem Stockport Symphony Orchestra. Also ich spiel ein Euphonium-Konzert. Und naja, ich hatte zumindest im Vorhinein das Gefühl, als Euphonist mit einem Sinfonieorchester zu spielen. Da sind nicht alle von mir so überzeugt. Es stellte sich dann heraus, dass das Gegenteil der Fall war, dass die froh waren, dass sie mal ein Monat kein Streichinstrument als Solisten hatten.
Aber wusste ich nicht. Und ich habe mich da tatsächlich vorbereitet, mit zwei Wochen vor heute das echt regelmäßig in den Spiegel durchzuspielen. Und mir vorzustellen, dass ich eben mit dem Orchester für das Publikum spiele. In den Spiegel. In den Spiegel, ja. Warum in den Spiegel? Um so ein Gefühl zu bekommen für die unbewussten Bewegungen, die man macht und wie das auf das Publikum wirkt.
Du hast vorhin auch nochmal angerissen, dass es natürlich auch wichtig ist, gerade in der Brassband, wenn man irgendwo neu auch ist, dass Fehler können passieren, aber dass man irgendwie auch selbstbewusst auftritt. Das ist natürlich auch für junge Spieler und Spielerinnen eine gewisse Herausforderung, vielleicht, wenn ich in eine Band komme, die ja renommiert ist oder sehr gut und ich habe gerade die Chance, da auch wirklich selbstbewusst aufzutreten.
Wie schaffe ich das?
Und man muss dazu sagen, ehrlicherweise gibt es auch Menschen, die einem dieses Gefühl auch bewusst geben, dass man nicht so gut ist wie die anderen. Das macht es dann nochmal schwieriger. Ich glaube, man muss sich letztendlich sagen, ja, die haben mir hier dieses Angebot gemacht. Die wollen mich auf dieser Position sehen.
Und jetzt im Konzert ist es dem Publikum total egal, dass ich 20 Jahre jünger als der und der bin und dass ich weniger Erfahrung habe, sondern die wollen hier nur ein schönes Ophonium-Solo, Althown-Solo, Tuba-Solo hören. Und der Vorteil ist, dass man ja, zumindest wenn es um die Soli geht, meistens nur einen pro Instrument hat.
Von daher aus der Sicht des Publikums tritt man ja nicht als Wettbewerb gegeneinander an. Von wegen wer ist hier am besten in der Band, sondern die wollen einfach vier verschiedene Instrumente hören.
Das stimmt. Angenommen, du hast jetzt irgendwie, also es ist jetzt ein Wettbewerb, du fährst da alleine hin und du stehst im Stau und du hast jetzt nur noch fünf Minuten, dich einzuspielen, bevor es auf die Bühne geht. Was wäre so deine Übung, wo du sagst, okay, das muss ich unbedingt machen, damit ich mich wohlfühle?
Damit der Stress möglichst reduziert wird.
Also das Wichtigste ist, dass man tatsächlich einen tiefen, entspannten Atemzug kriegt. Und gerade wenn sowas passiert, ist es natürlich schwierig. Von daher geht es jetzt um eine Übung im Auto oder wenn ich dort bin?
Das darfst du dir aussuchen.
Im Auto finde ich schwierig. Da ist, glaube ich, eher Entspannung und sich keinen Kopf machen angesagt.
Das ist natürlich schwierig ist, wenn die Zeit abläuft und du guckst nach.
Ja, aber vor Ort, am wichtigsten, ein paar Töne spielen, ist egal welche, aber auf den Klang achten, dass man den Klang öffnet. Und dann vielleicht die erste Phrase. Ein paar Mal spielen, überlegen, welchen Atemzug brauche ich denn da, um anzufangen. Und wenn man wenn man den Anfang gut bekommt, dann wird der Rest schon mal viel einfacher.
Es ist in gewisser Weise, und es ist so eine Joggerweisheit von unserem Prof in Manchester gewesen: eine Sache von Breathe and Believe. Wenn man ganz klar im Kopf hat, was man aus dem Instrument hören möchte und den Atemzug nimmt, damit das Instrument seinen Job machen kann, dann geht es meistens auch.
Das ist ja quasi das, was Arnold Jacobs ja auch immer sagt. Die Vorstellung muss stimmen und der Körper macht das schon. Aber dieses Belief ist ja auch immer so leicht gesagt. Also dieses Vertrauen zu haben, einfach loszulassen und zu sagen, okay, ich habe genug geübt, das wird schon alles funktionieren, gehört ja auch ein.
Ja. Es ist schon auch ein kleiner Schritt. Das erinnert mich so ein bisschen an, kennst du Indiana Jones 3? Naja, da gibt es so eine Prüfung und es ist so eine unsichtbare Brücke und er weiß nicht, ob da diese Brücke wirklich ist. Das ist so auch so eine Glaubens-Vertrauensfrage und er muss diesen Schritt gehen, weil die Zeit abläuft oder nicht.
Und in dem Moment, wo er den geht, taucht diese Brücke dann tatsächlich auch vor ihm auf. Aber es ist so ein Vertrauensding. So dieses Loslassen oder ich falle halt. Das ist halt die andere Sache.
Ja, ist, glaube ich, auch eine Frage von der Vorbereitung. Es gibt so die Idee, dass man in den Proben oder beim Üben, dass man eher so die Fragen, die Fragezeichen stellt und beim Auftritt dann das Ausrufezeichen.
Das ist ein schönes Bild. Oder? Ja, ich finde das wirklich ein schönes Bild.
Das heißt, wenn ich, und das ist das ist typisch, Brassband, wenn ich jede Probe gleich Probe und nach vier Wochen, also jetzt eher so auf dem unteren Level, habe ich dann ein Auftritt und keine Generalprobe, keine Anspielprobe, sondern wir laufen auf die Bühne und die Erwartung ist, dass das jetzt als Konzert funktioniert, das ist natürlich schwierig.
Die Musiker wissen ja nicht, wie es physisch da durchs Programm kommen, wie es mit der Konzentration aussieht. Von daher auch, wenn man sich mit Solos vorbereitet, man muss nicht nur an den Details arbeiten, sondern es auch häufiger als man denkt durchspielen. Gerade kurz vor dem Auftritt, dass man dieses Ausrufezeichen auch übt und nicht nur das Fragezeichen.
Das ist ein schönes Bild. Das nehme ich mal mit. Ich habe noch zwei Zuhörerfragen. Die eine weiß ich jetzt gar nicht, ob du die beantworten kannst, aber ich stelle sie einfach mal, ob die Umstellung von einem vierventilligen Bariton auf ein Euphonium in einem symphonischen Blasorchester sinnvoll ist.
Das ist eine schwierige Frage. Im Allgemeinen würde ich sagen, dass das vom Repertoire abhängt. Und wenn man viel britisches oder amerikanisches Repertoire im Sinfonieorchester spielt, dann ist das Euphonium eine gute Wahl. Es ist als Instrument insgesamt leichter zu spielen, hat aus meiner Sicht einen volleren Klang, der das Ganze ein bisschen besser verbindet.
Das heißt, wenn man jetzt nicht so im deutschen Marsch- und Polkerbereich ist, dann ist das Euphonium für mich persönlich die Wahl, die ich nehmen würde. Aber ich bin auch Euphonist.
Zweite Frage, die ich noch habe, ist, wie sich die Tonkultur auf dem Euphonium zwischen England und dem restlichen Europa so ein bisschen unterscheidet, beziehungsweise ob sich das immer mehr annähernd. Also auch, sprich Vibrato, was wir vorhin hatten. Also wie du das wahrnimmst.
Spannend, spannend. Das passt gerade ganz gut, dass ich im April als Dozent auf den deutschen Euphonium-Tagen war. Ansonsten hätte ich überhaupt keine Aussage über die deutsche Euphoniumszene machen können. Na, die deutsche Euphonium-Szene bildet sich gerade so heraus, von daher ist da schwierig, was über Annäherung zu sagen.
Aber insgesamt haben die Briten vor allem eine bessere Projektion als viele der Deutschen oder Amerikaner. Das heißt, und es kommt natürlich von quasi der Vorspielsituation, wenn du in einem großen Konzertsaal stehst und dort dein Solo spielst, kann man in der ersten und in der letzten Reihe in dem Konzertsaal da angemessen hören.
Und da ist man ein Gefühl, dass bei vielen in Deutschland die Frage mit Nein zu beantworten ist. Die eben das Euphonium nur als quasi eine schöne Stimme im Blasorchester sehen, den es aber nicht wichtig ist, ob man die dann im Gesamtbild noch raushören kann. Die Frage an Vibrato, ist klar, das ist eine kulturelle Sache, würde ich sagen.
Ich glaube, ein gewisses Vibrato sollte man als Euphonist beherrschen, aber man muss nicht als quasi Normalzustand jeden Ton mit Vibrato spielen.
Kannst du das eigentlich noch abstellen oder ist das dann bei dir jetzt auch schon so in der DNA drin, dass man sofort merken würde, okay, der klingt Englisch?
Ich muss mich immer quasi umschalten zwischen Brassband-Konzert und Solo auftreten. Okay. Es ist nicht so einfach. Aber ich würde nicht sagen, dass ich genauso wie die traditionell britischen Euphoristen klinge. Und ich glaube, mein letzter Punkt wäre noch so mit einem eher direkten oder indirekten Klang zu spielen.
Das kommt, glaube ich, daher, dass in Deutschland viele von Orchestermusikern unterrichtet werden, eben von Tubisten, Posaunisten oder Trompetern. Und die natürlich im Sinfonieorchester eine andere Funktion haben, die also ein sehr direktes Klangbild haben und in der Brassband, weil wir ja eher von so einer Art Chor ausgehen.
Also ein Blechbläserchor, dass man da eine indirekte, offenere Klangqualität sucht. Okay.
Hast du einen Tipp für Blending in so eine Band? Oder wie macht ihr das? Dass irgendwie einfach aus einem Guss wie einem Chor halt klingt. Klar, das sind natürlich auch viele Instrumente, weil die sich einfach schon besser mischen. Ist logisch, aber.
Ich glaube, was hilft, ist einmal, wenn jeder schon mal mit, wenn jeder schon mal auf seine Klangqualität achtet. Und das Wichtigste aber ist, dass quasi unser Mindset in Orchester, im symphonischen Blast Orchester, in der Brassband is nicht. Wir sind 25 oder 50 Musiker. We have here all our stimulus.
And we versuchen jetzt jeder individually so good as well, this stimulation to spielen. So, we should say, we spent here as orchester, and we have here a stimul to spielen. And when I have a law of, I need to spielen, but the person never. Yeah, wieso sollte ich dann quasi diesen Love spielen, wenn er das musikalische Gesamtbild verschlechtert.
And oft hilft es auch, und vielleicht ist es ein bisschen streitbar, aber die Idee, dass nicht jede Stimme gleich wichtig ist. Jeder Musiker ist gleich wichtig, aber es gibt eben Stimmen, die führen und es gibt Stimmen, die begleiten. Wenn ich also fünf Trompeten habe, dann entscheidet der erste Trompeter, wie laut spielen wir, mit welcher Artikulation, Phrasierung.
Und die anderen vier, deren Job ist, auf ihn zu hören oder sie und so zu spielen, dass das als Gesamtbild groß klingt.
So sollte es im besten Fall sein, ja. Aber es klingt immer so bei euch, Brassbändlern, dass ihr so ego-befreit seid. Somit, ja gut, wenn der Nachbar das besser spielen kann, dann darf der das spielen. Das erlebe ich natürlich in einem Blasorchester oft anders, gerade in so Laienblasorchester, weil da geht es natürlich schon auch ein bisschen um Ego.
Man will am Jahreskonzert zeigen, was man kann. Und dann ist immer schwierig, dann auch einem zu sagen, hör zu, aber der spielt es halt in dem Moment besser und das geht um den Gesamtklang.
Und es hängt oft auch mit den Positionen zusammen. Ich glaube, das ist so im europäischen Bereich ein bisschen anders. Irgendwie kennen Geschichten von Brustband Willebrook, dass da die Solo-Stimmen, da hört sich der Dirigent jeden an und entscheidet dann, wer es spielt. Bei uns ist es schon so, dass, also ich bin erster Euphonist, deswegen spiele ich die Soli.
Wir suchen zum Beispiel in der Band gerade für einen zweiten Euphonisten und wenn da jemand kommt und zeigen will, dass er auch so toll ist und ich verstehe, dass die Hauptaufgabe ist, in der Band zu spielen und nicht rauszustechen, dann hat die Person schlechtere Chancen. Also ich glaube nicht, dass wir persönlich ego-befreit sind und es gibt auch gute Beispiele von zweiten Euphonisten zum Beispiel, die rausgeschmissen wurden, weil sie sich nicht als Teamplayer gezeigt haben.
Und andererseits natürlich erste Euphonisten, die rausgeflogen sind, weil der zweite die Stimme besser spielen konnte. Okay.
Ich bin in deiner Bio über einen Satz gestolpert, den hätte ich gern noch erklärt bekommen von dir. Ziemlich am Schluss. Steht, indem er Musik mit akademischen Studien in Mathematik und Ausdruck durch deutsche Poesie verbindet. Was tust du da?
Das muss noch aus einer älteren Biografie sein. Ist dein Hand noch drin. Es ist deine Homepage. Und zwar, ich glaube, um das Erste aufzuklären, ist, dass ich an der Fernuni Hagen gleichzeitig einen Bachelor in Mathematik studiere. Immer noch. Jetzt, gerade. Jetzt, gerade. Okay. Warum? Weil es mich total interessiert und ich mich ursprünglich nicht so zwischen Musik und Mathematik entscheiden wollte und ja, es sich gut angeboten hat, das Ganze zusammenzuführen.
Okay. Und das mit der Poesie kommt daher, dass ich gerne Gedichte schreibe, wobei ich da heutzutage nicht mehr so oft dazukomme.
Oh, schön.
Die Frage ist, wie das Ganze sich zusammenverbindet. Ich glaube, dass oft denkt man, dass Musik und Mathematik so viel miteinander zu tun haben, aber es ist oft doch auf einer anderen Ebene. Ich glaube, eher so aktives Problemlösen in Proben und im Unterrichten, im Üben. Das sind die Themen, bei der dir die Herangehensweise ähnlich ist.
Und ich glaube, dass Gedichte dabei helfen, dass man seinen Job als Musiker nicht darin begreift, dass man so gut wie möglich ein Sibelius-Programm ersetzt, sondern dass man seinen künstlerischen Ausdrucksraum findet.
Möchtest du gerne im Nachgang, du musst das jetzt gar keins suchen, aber noch ein Gedicht mit uns teilen. Also du kannst das ja gern dann nochmal als Sprachnachricht checken und ich schneide es dann hinten dran.
Ah ja, sehr gerne.
Also weil ich glaube, das würde die Hörer schon auch interessieren, wenn jemand da ist und sagt, der schreibt Gedichte, dann gerne mit uns teilen. Es ist nicht auf dem Niveau wie die Musik. Darum geht es ja gar nicht. Ich finde aber toll, wenn sich jemand künstlerisch auch andersweitig ausdrücken kann.
Ich finde, das gehört, das gehört irgendwie zusammen. Also ich verstehe nicht, wenn jemand Musiker ist, aber sich keine Kunstausstellungen anschauen kann. Natürlich hat man nicht das gleiche Hintergrundwissen. Aber die Gefühle, die man beim Hörer oder beim Zuschauer erzeugen möchte, sind ja oft die gleichen.
Das stimmt. Da müssen wir, glaube ich, nochmal separat irgendwann über das Verständnis des Musikers und kürzerische Tätigkeiten sprechen, weil ich glaube, das würde jetzt zu viel sprengen. Aber was sind deine Pläne für die Zukunft? Also, wenn du Mathe studierst, willst du das dann irgendwann machen oder machst du das dann nur für dich jetzt?
Also meine Hoffnung ist, dass ich das Gegenbeispiel dazu sein kann, dass man nur in einer Disziplin gut sein kann. Also die Hoffnung ist, dass beides zu kombinieren, dass ich eben einerseits so halbtags einen Job habe, zum Beispiel in einer gemeinnützigen Organisation oder in einem kleinen Unternehmen, um da eben die Organisation anzuschauen und andererseits als Musiker zu unterrichten, zu dirigieren, Workshops zu geben, aufzutreten.
Und vielleicht ist es nicht realistisch, aber ich bin noch jung und das wäre zumindest der Alltag, von dem ich träumen würde.
Wie alt bist du?
Ich bin jetzt 23.
Okay, das ist noch sehr jung. Aber es gibt ja auch Beispiele. Gut, ich weiß jetzt nicht, inwieweit der tatsächlich in dem Bereich tätig war, aber Brian May von Queen ist ja Astrophysiker. Der hat doch, glaube ich, auch seinen Doktor in Astrophysik noch gemacht oder so. Also, aber das sind, ja gut, weiß ich jetzt nicht, inwieweit der tatsächlich astrophysisch dann nochmal unterwegs war.
Was sind deine musikalischen Pläne für die Zukunft?
Ich glaube, oft kann man das nicht so sehr verplanen als Musiker, sondern vielleicht eher Hoffnungen. Ich glaube, mein erstes Ziel ist, Dirigent von der Brassband fest zu werden. Das reizt mich sehr in England.
Also besteht die Möglichkeit, dass du irgendwann wieder zurückkommst oder ist das jetzt eher so fix für dich, dass du in England bleibst?
Es ist doch nicht endgültig entschieden, aber ich bin mir nicht ganz sicher, ob die Szene in Deutschland groß genug ist für mich, um dann Arbeit zu finden.
Verstehe.
Gerade mit von wegen zwei Proben pro Woche oder eine Probe im Monat. Also das ist das Ziel und die Hoffnung ist, dann auch ein bisschen aus dem alten eingestammten Brassband-Repertoire rauszukommen und neue Anreize da zu schaffen, neue Formate mit dem Publikum zu finden. Dann auf jeden Fall die Solo-Auftritte auszuweiten.
So ja, einer im Monat wäre schon schön. Aber das ist natürlich was, wo man als Musiker in den Anfangstagen nie weiß, wann man einen Anruf bekommt und wann nicht, aber ich kann mich nicht beklagen. Und dann auf jeden Fall das Unterrichten auszubauen. Da war ich immer sehr skeptisch, aber es macht mir wirklich total viel Spaß.
Und vielleicht bezeichne ich mich auch deswegen nicht als Euphonist, sondern als Musiker, weil ich finde, dass Dass das Allermeiste, worüber wir reden, sich nicht am Instrument orientiert, sondern einfach Musik ist.
Da schließt sich doch jetzt ein schöner Kreis. Wir haben mit der einen Frage angefangen und jetzt kommen wir am Schluss. Jetzt habe ich noch vier Schnellfragen. Klar. Zum Abschluss. Was würdest du gerne mal machen? Hast dich aber bisher noch nicht getraut. Das kann jetzt alles sein. Es kann Musik sein, es kann aber auch irgendwas anderes sein.
Ha. Schnellfragen. Na, die gehen dann immer schief.
Das macht nichts. Du darfst auch überlegen. Alles gut.
Ich glaube, in einem regulären Konzert ein abgefahrenes, zeitgenösches Stück zu spielen.
Okay. Welches Buch bzw. welchen Film sollte man mal gelesen oder geschaut haben?
Ich bin ehrlich gesagt kein großer, kein großer Filmischauer, aber Harry Potter ist für mich, also gerade als Deutscher, um so diese englischen Schulen zu verstehen, auf jeden Fall.
Okay. Welches Buch?
Ich bin kein großer Fan von so Fiktion. Du machst ja nichts. Ein Buch, das ich hier liegen habe. 21 Lessons for the 21st Century von Jovanno Harari. Also super Autor, ich glaube er ist Amerikaner, Palästinenser, so irgendwas dazwischen, aber ein super Philosoph, der tatsächlich für den allgemeinen Leser Probleme runterbrechen und erklären kann, ohne wie so manch andere so in so eine pseudowissenschaftliche, allgemeine Ebene zu rutschen.
Okay.
Welche Aufnahme sollte man sich mal angehört haben?
Ja, da muss ich loyal meiner Bastband bleiben. Yorkshire Building Society Band Blitz von den European Championships. Okay. Gibt auf Spotify. Gut, super.
Und abschließend, was sind deine privaten Wünsche und die Wünsche für die Bläserwelt?
Ich glaube, mein privater Wunsch ist, mehr wandern zu gehen. Das ist für mich ein tolles Hobby und es stellt sich heraus, dass England auch gar nicht so dreist ist in der Hinsicht.
Ich weiß gar nicht, wie die Gegend in Manchester aussieht. Gibt es da viel zum Wandern?
Es gibt so schon so Mittelgebirge. Okay. Außenrum, am Yorkshire Dales, Peak District und dann ein bisschen weiter ist der Lake District mit wirklich schönen, großen Szenen, so eine Touristengegend. Auf jeden Fall besser als London. Da ist alles flach und zugebaut.
Wobei ich London trotzdem eine schöne Stadt finde. Aber das ist ein anderes Thema. Auf jeden Fall. Aber nicht zum Wandern. Nee, zum Wandern natürlich nicht.
Ich glaube, für die Bläserwelt wünsche ich mir, dass wir uns mehr auf die Musik konzentrieren und weniger auf Fehler und Kikser. Ich glaube, es gibt gerade für junge Musiker, die gerade lernen, gibt es nichts Schlimmeres, als sich auf die Kikser zu fokussieren. Weil da kann man noch so viel üben und unterrichten.
Es gibt gewisse Sachen, die lernt man mit Erfahrung und mit Wiederholung. Und wenn man sich da versteift, auch als Orchester, dann verliert man die Musik und den Spaß. Und auf die zwei Sachen kommt es ja am meisten an.
Das stimmt. Deswegen haben wir alle mal angefangen, Instrument zu spielen. Genau. Daniel, vielen lieben Dank, dass du dir jetzt wirklich zwei Stunden Zeit genommen hast, uns da so einen ganz intensiven Blick mal in die englische Brassband-Welt zu geben, aber auch in dein Schaffen und deine Motivation.
Vielen lieben Dank.
Sehr, sehr gerne. Danke für die Einladung. Hat großen Spaß gemacht.
Das war die Folge mit Daniel Hohm. Ich freue mich, dass ihr bis hierhin gehört habt und bin sehr gespannt, wie ihr darauf reagiert. Das ist eine ganz, ganz andere Blasmusikkultur als das, was wir hier kennen mit unseren Blasorchestern. Die Einstellung ist eine ganz andere, es ist viel mehr wettbewerbsorientiert, es ist mehr ein All-in für die Sache.
Wie seht ihr das? Seht ihr das kritisch? Sagt ihr, das könnte hier sowieso nicht funktionieren, das ist völlig überzogen. Oder findet ihr das eigentlich auch, so wie ich, auf eine gewisse Art auch faszinierend? Lasst es mich gerne wissen. Und wenn ihr noch mehr Brassband-Folgen hören wollt, dann hört auch gerne mal bei Hans-Reiner Schmidt rein.
Da sprechen wir über Brassband oder hört gerne bei Georg Pranger rein, der mit seiner jungen Brassband erst sehr erfolgreich bei einem Wettbewerb abgeschnitten hat. Also da kommt jetzt in nächster Zeit vielleicht noch einiges Brassband-Affines dazu. Ich bedanke mich bei meinem Supporter Buffet Grampant bei Dirk Mattes für die Musik bei Leander Machern für den Schnitt und freue mich, wenn ihr beim nächsten Mal reinhört.
Da ist es die 150. Folge und wer mir auf Instagram folgt, der weiß schon, wer der Gast der Jubiläumsfolge quasi der 150. ist. Ich wünsche euch eine gute Zeit, übt noch schön, macht's gut, euer Andi.