On Air - Der Blasmusik Podcast· Staffel 6

Ein Wiederhören mit Jerome Bugnon (2023) - Posaunist der Band Seeed

Donnerstag, 13. August 2026 · 55 min

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Shownotes

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Jérôme Bugnon ist ein ganz Spezieller. Er gehört zu einem der Top Acts, die Deutschland zu bieten hat und über die Grenzen hinaus bekannt ist. Er ist Posaunist von Seeed. Trotz der Bekanntheit der Band schafft er es sein Leben eher privat zu halten und so findet man gar nicht so viel über ihn Gerade deshalb freue ich mich, dass er sich heute vor dem Gig Zeit genommen hat .

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Muss man sich natürlich auch mal die Voraussetzung da schaffen, dass man hungrig bleibt. Also das meine ich ja mit, wenn man wenn man immer so eine Platte macht, tut, direkt eine Platte nochmal tuchen und immer das gleiche macht, also ohne Pause, dann ist es jetzt immer immer dann irgendwann verliert man dann den, ist man nicht mehr so hungrig.

Also man muss ein bisschen, sich tragen man auch einen selber.

Herzlich willkommen bei OnAir, dem Blasmusik-Podcast. Mein Name ist Andy Streck und ich treffe mich mit Dirigenten, Komponisten, Musikern und Visionären aus der Welt der Blasmusik. Wir sprechen über Ansichten, neue Ideen, das Leben und natürlich Musik. Guten Morgen, guten Mittag oder guten Abend, je nachdem, wann du diese Folge hörst.

Schön, dass du wieder dabei bist. Vielleicht bist du neu, dann sei herzlich willkommen. Und natürlich freue ich mich, wenn du schon länger dabei bist und wieder eingeschaltet hast. Bevor ich meinen heutigen Gast vorstelle, der Supporter dieser Folge, das ist wie immer Buffet Gramp, Europas größtem Hersteller für Blasinstrumente.

Buffet Grampant steht nicht nur für Tradition, sondern auch Innovation im Instrumentenbau. Und wenn du Lust hast, das Handwerk, das Holz oder Blechblasinstrumentenmacher zu erlernen, gibt es bei Buffet Gramp gleich an zwei Standorten, nämlich in Markneukirchen und Gerritz Ried, die Möglichkeit dafür.

Einfach eine Bewerbung an Buffet Gramp schicken. Die Homepage verlinke ich in den Shownotes oder einfach mal gucken, denn dort gibt es auch weitere aktuelle Stellenangebote. Mein heutiger Gast ist Jerome Bignon. Der Name wird vielleicht am Anfang nicht jedem was sagen, aber die Band, in der er ja aktiv ist, mit Sicherheit.

Ich war mir bei der Anfrage nicht ganz sicher, ob er überhaupt reagieren wird, weil ich ja dann doch eher ein kleineres Medium bin, aber ich habe mich sehr gefreut, dass er relativ schnell sich gemeldet hat und auch zugesagt hat. Sofort war uns klar, dass wir nicht über Zoom uns treffen, sondern das persönlich machen wollen.

Und dazu gab es dann im Juli die Möglichkeit, als seine Band Seed hier in Mainz war. Kurz vor dem Soundcheck haben wir uns getroffen, er hat sich eine Stunde Zeit nehmen können, um dieses Interview zu führen. Deswegen hört ihr im Hintergrund einige Eindrücke vom Soundcheck. Ich hoffe, das stört euch nicht, ich finde es aber relativ authentisch.

Wir haben unter anderem gesprochen über seine Anfänge in der Blaskapelle in der Schweiz. Wie kam er überhaupt nach Deutschland? Was hat er dann gemacht? Denn über ihn findet man tatsächlich fast gar nichts. Dann über die Anfänge der Band. Wie hat sich die Bromarbeit überhaupt entwickelt und vieles mehr?

Ich will gar nicht so lange reden. Ich wünsche euch jetzt viel Spaß. Mein heutiger Gast ist ein ganz spezieller. Er gehört zu einem der Top-Acts, die Deutschland zu bieten hat und die über die Grenzen hinaus bekannt sind. Er ist Posaunist von Sied. Trotz der Bekanntheit der Band schaffte er es, sein Leben eher privat zu halten und so findet man gar nicht so viel über ihn.

Gerade deshalb freue ich mich, dass er sich heute vor dem Gig Zeit genommen hat und sage herzlich willkommen, Jerome Bignon.

Ja, hi. Ja, danke für die Einladung. Freue ich mich.

Schön, also wir hören ja hinten dran schon so ein bisschen Soundcheck. Schön, dass es wirklich geklappt hat, dass du dir vorher so viel Zeit genommen hast. Meine erste Standardfrage ist immer, welches Musikstück hast du dir als letztes bewusst mal angehört?

Hm, was wir mal, bewusst angehört. Vorher im Bus habe ich nochmal irgendein Stück, was ich neulich im Zug gemacht habe, also jetzt so einen eigenen Skizze von mir, nochmal richtig mit Abstand ein, zwei Tage nochmal angehört. Okay. Das war wirklich das Letzte.

Okay. Du warst jetzt die letzten paar Tage krank. Wie schwer ist es eigentlich bei euch, jemanden so kurzfristig zu ersetzen?

Na, eigentlich bis dieses Jahr haben wir das gar nicht gemacht. Also wir haben immer ein oder durchgezogen, selbst wenn man krank war. Auch da die Sänger natürlich, die schwer zu ersetzen sind oder überhaupt nicht ersetzbar. Aber dieses Jahr wegen Corona und diese ganzen Schwierigkeiten da zu planen, haben wir einfach wirklich die ganze Band, so eine Sub-Variante, jede Musiker hat eine Vertretung.

Es ist ein tierischen Aufwand, aber für uns hat es sich gut angefühlt, dass man einfach mal diese Festivalsaison, die schon irgendwie zweimal verschoben wurde, einfach mal so starten konnte. Das heißt, wenn jemand ausfällt wegen Corona oder was anderes, dann ist jemand parat, der einfach das ganze Programm drauf hat.

Und das ist eigentlich cool, aber muss man natürlich schon überlegen, wer kann das machen. Das muss auch passen, so menschlich, musikalisch. Und es ist nicht so, man kann nicht irgendjemand anrufen. Man muss schon ein bisschen Gedanken machen. Ja, und bis jetzt hat's gut geklappt.

Okay. Wie war das für euch jetzt so nach zwei Jahren endlich wieder auf der Bühne zu stehen und durchzustarten?

Ja, war superschön, auf jeden Fall. Aber irgendwie haben wir gemerkt, man vergisst immer diese Zeit dazwischen. Also keine Gigs, zwei Jahre. Aber wenn man sich irgendwie wieder sich damit beschäftigt, im Proberaum habe ich schon vier Wochen, vier, sechs Wochen geprobt, dann ist man wieder drin und dann vergisst man ein bisschen die Zeit dazwischen.

Und ja, dadurch, dass wir so seit ewig lang zusammenspielen, selbst wenn ein Jahr dazwischen liegt, dann wenn alle da an ihren Instrumenten stehen und spielen, das fühlt sich wie immer.

Wir heimkommen quasi.

Ja, es ist auch speziell. Aber wir haben Glück, dass wir immer die gleiche sind. Dann gibt es nicht so viele Änderungen in der Band. Das heißt, es klingt einfach immer gleich. Deswegen war es super geil, nach zwei Jahren wieder zu spielen, aber es war nicht so, ob man irgendwie zehn Jahre nicht mehr gespielt hätte.

Ich habe ja jetzt in der Begrüßung schon gesagt, man findet tatsächlich gar nicht so viel über dich, wenn man recherchieren will. Ist das bewusst oder unbewusst?

Ja, nee, nicht bewusst. Aber gut, ich habe keine Webseite, ich habe nie einen gemacht. Dann war nie bei Facebook und ich habe keinen Wikipedia-Eintrag. Ja, aber keine Ahnung, aber es war nicht bewusst. Also ich wollte mich nicht verstecken, aber auch nicht unbedingt hier profilen, also überall Sachen zu haben.

Okay. Dann würde ich gerne mal so ein bisschen chronologisch anfangen. Wie kam überhaupt Musik in dein Leben?

Naja, angefangen hat es wie die meisten auf eine Schule, Blockflöte in der Schule und also im Dorf. Ich komme aus der Schweiz, aus der Westschweiz. Und dann Flötenunterricht und dann im Dorf in der Blaskapelle eingestiegen. Da waren keine Posaunisten oder zu wenig Posaune da in der Kapelle. Und ja, fand ich immer ganz gut mal Posaune, weil auch mit dem Zug hat er irgendwas Spielerisch, was ich irgendwie ganz cool fand.

Und der Sound, das ist ja sehr nah an die menschliche Stimme. Und ich hatte auch alle wollten trommeln oder Trompete spielen und ich dachte, okay, ich mach mal Posaune und ja, so, dann von eins und anderen, also Blaskapelle spielen und dann weiter.

Was heißt weiter? Hast du Musik studiert?

Ja, ich habe erstmal so als mehr Klassik gespielt, also in der Blaskapelle und so ein bisschen so in sogenannten Harmonien. Also in der Schweiz gibt es so Blaskapelle, aber mit viel Holz und Klarinetten und Saxophonik. Also symphonische Blasmusik. Ja, sowas. Und warum wir auch so klassische Literatur, nicht nur Marsch und Polkas und so gespielt haben.

Dann habe ich tatsächlich einen Militärdienst in der Schweiz gemacht. In der Blaskapelle, so habe ich hingekriegt das Mal und ich dachte, okay, das kann ich noch machen. Und es war nur vier Monate, also das geht. Dann konnte man viel üben. Aber danach, nach dem Militärdienst, hatte ich ein bisschen genug von Marschmusik und klassische Musik.

Und dann bin ich nach Basel gezogen zum Arbeiten und da habe ich da an der Jazzschule Basel angefangen. Und da war irgendwie der Anfang mit Jazz und so Popmusik, Jazz und so. Und ja, genau, dann wollte ich eigentlich immer mehr machen. Mehr Musik hatte auch Bands, auch in Fribourg in meiner Heimatstadt und so Rock-Funk-Bands und sowas.

Aber da war ich schon 24 und ich dachte, okay, jetzt, wenn ich erfahre, nur Musik machen will, dann muss ich das jetzt machen und nicht noch mehr erwarten.

Was hast du gearbeitet währenddessen?

Ich war Chemielaborant. Okay. Einfach, genau, normaler Job. Ich habe eine Lehre gemacht und gearbeitet. Ja, und dann mein damaliger Lehrer Stefan Schlegel, so ein Posaunist aus Zürich. Hatte mir empfohlen, wenn du Posaun studieren willst, dann versuch mal im Ausland zu gehen, weil ich schweiz ist gut und schön, aber einfach mal was anderes, da geht es richtig ab da drin.

Danke an den Mischer. Genau, dann habe ich, er meinte ja, hier Jigs Wigam, der Posaunist, der amerikanische Posaunist, der ist Professor in Berlin, an der Hans Eisler. Probier mal da. Und dann habe ich nicht so lange überlegt. Hab die Aufnahmeprüfung gemacht und wurde angenommen, dann bin ich da nach Berlin gezogen.

Ah, okay, cool. War recht schnell. Also ich habe meinen Job gekündigt und bloß nach Berlin. Für mich als Schweizer war Berlin, ich war noch nie in Berlin davor und es war echt so fast exotisch. Auch mit der ganzen Geschichte und dem Mauerfall und sowas. Das war, auch wenn es so ziemlich lange hinterlag, das war für mich schon, okay, nach Berlin, es war nicht so, okay, ich fahre nach Paris oder so, es war Richtung Osten.

Es war eigentlich ein cooles Gefühl, so dahin zu fahren.

Wie würdest du rückblickend jetzt deine Studienzeit zu beschreiben? Also man hat ja als bei Blechblättern kenne ich das oft, dass sie im Studium dann erst nochmal so einen Einbruch auch haben, spieltechnisch. War das bei dir so? Oder ging es nur noch tatsächlich ums Musikmachen und so blastechnisch gab es nie Probleme bei dir?

Was meinst du mit blastechnisch so.

Naja, ansatztechnisch irgendwie.

Nee, also in erster Linie gibt es für mich, also weil ich hatte nicht so viel Erfahrung mit Jazzbands und überhaupt Jazz gesammelt in der Schweiz, weil ich auch das nebenbei gemacht hatte. Und für mich war wichtig, viel zu spielen, viele Leute kennenzulernen. Ich habe irgendwie alle Kombos mitgemacht und was ging, war ein bisschen zu viel am Anfang.

Aber das war mein Hauptziel, einfach mal spielen ohne Ende und Leute kennenlernen. Und ja, meine erste Lehre, irgendwann hat wir das Ding mit dem Ansatz, er meinte, ja, du musst irgendwie vielleicht checken. Ich habe das Gefühl nicht ganz richtig. Und dann später, ein halbes Jahr später, hatte ich Unterricht bei Jigs und dann habe ich ihm auch noch gefragt, hey, was meinst du?

Soll ich irgendwie alles anders machen? Oder was weiß ich? Und er meinte nur, ja, spiel mal einen Ton. Und dann habe ich gespielt, er meinte, ja, klingt doch gut, lass uns Musik machen. Also ja.

Also das gibt es ja leider oft. Mir wurde damals vor der Aufnahmeprüfung hatte ich auch bei einem Professor vorgespielt und der hat mir sofort gesagt, alles umstellen. Und das macht wahrscheinlich sonst überhaupt keinen Sinn. Und das wollte ich nicht. Also ich war irgendwie schon so lange dabei und dann war ich bei einem anderen und der hat auch gesagt, klingt gut, sieht doch alles normal aus und das tut nicht weh, dann spiel doch so.

Ja, ja, das ist, ich glaube, aber klar, wenn es grundlegend falsch ist und man dann gar nicht zum Beispiel hochspielen kann oder tief oder was auch immer, dann vielleicht muss der Mann was ändern, aber bei mir war es sofort nicht der Fall.

Wann kam dann, also von der Blaskapelle zu Funk Band, zum Jazzstudio, wann kam dann Reggae und Dancehall in dein Leben?

Na, eigentlich war ein Zufall, also in Berlin end der 90er, da gab es sehr viele Jam-Sessions. We waren eigentlich the last year, zwei, drei, vier Mal pro week immer auf Jam-Session. Da haben wir super viele Leute kennengelernt. Da war ich eine Session mit Moritz, mit Morelgado, der Saxophonist von Seed, eine von diesen Sessions organisiert und da war ich sehr oft.

Und irgendwann meinte er, ey, ich habe im Spiel da in einer Band, Seed, und der Posaunist ist zurück nach Amiland, wir brauchen einen Posaunist und hat mich gefragt. Und dann erstmal habe ich gesagt, ja, okay, gut, mach ich. Da war nur zwei Gigs Ende 1999 und dann habe ich die zwei Gigs gemacht. Und dann, zack, war ich da drin.

Aber das war auch ganz am Anfang, da war die erste gab es nicht mal Geld bei den Gigs. Das war eine riesen Band. Und wir haben ja so Four-Bands gespielt für andere für andere Ex und wir haben manchmal so 50 D-Mark gekriegt. Das war wirklich der Anfang. Aber am Anfang war mehr so ein, okay, ein Band wie andere.

Es war nicht so wie ob man jetzt bei Seed einsteigen würde. Aber davor habe ich nicht so viel Reggae und Dancehall Musik gehört, so einfach mal Jimmy Cliff, Bob Marley, einfach was man sonst so kennt or heard had in Mainstream or so. Ja, das war der Einstieg.

Was macht für dich die Faszination dann jetzt bei Reggae and the Dancehall aus?

Also erstmal das Krasseste finde ich, dass diese Musik einfach aus Jamaika kommt und so ein Miniland und der so wie ein Labor für die ganze Welt da fungiert hat und seit den 40ern, 50ern und das ist erstmal unglaublich, was da an Kreativität und Power aus dieser Insel da rausgekommen ist. Und das ist fast einmalig.

Und ja, die Vibe von der Musik ist einfach eine angenehme Vibe, es ist nicht hektisch, nicht schnell, nicht. Also es gibt auch natürlich verschiedene Genren da drin auch, aber grundsätzlich ist auch ein angenehmer Vibe. Also es ist nicht aggro, es ist nicht, also klar, Dancehole kann es auch super hart sein und so, aber erstmal Roosevelt und dub und so, das fand ich einfach cool.

Und mit der Posaune, sowas zu spielen, das ist auch voll geil. Es passt auch super gut drin.

Ab wann war dir oder vielleicht euch als Gruppe klar, dass das nicht nur bei so Vorbandgigs bleibt, sondern dass das eine ganz, ganz große Nummer werden kann?

Ehrlich gesagt haben wir nie gedacht, okay, jetzt haben wir geschafft. Also das war immer hart. Wir haben einfach immer weitergemacht, ohne uns großartig so Fragen zu stellen. Wir haben immer so einen Step nacheinander gemacht und auch viel gearbeitet, viel geprobt und viel uns Gedanken gemacht, wie können wir das noch geiler machen.

Und dann kam eins nacheinander. Also die Platten und ein paar Hits, dann kam so Dickes B war das erste, so radiomäßig, mäßige Song, was uns irgendwie auch gepusht hat. Und ab da ging es auch relativ schnell. Aber wir mussten die auch so kämpfen, weil die Plattenfirmen oder die Booker oder so, die waren, die meinten, das funktioniert nicht, zu viele Menschen.

Man kann auch sowas nicht erfolgreich darin großziehen. Die wollten sich mehr so auf die drei Sänger konzentrieren, okay, das ist die Band und dann gibt es eine Backing-Band. Aber bei uns war Konsens, nee, so nicht, wir sind eine Band und wir sind zu elft und entweder so oder nicht. Und das war schon eine Ansage.

Und da kam der Erfolg dazu und deswegen, da kam die Bestätigung. Dann haben wir immer mehr so größere Gig, eigene Tour.

Gab es auch mal einen Punkt, wo ihr gesagt habt, okay, der Gegenwind ist jetzt so groß, lasst uns noch so lange probieren, wenn es nicht funktioniert, stampfen wir das ein oder gab es den Moment nie?

Nee, das gab's nicht, weil es immer nach oben ging. Also das ist so, das ist natürlich praktisch, wenn es immer nach oben geht. Aber natürlich, das bedeutet nicht, dass es easy ist, dass man irgendwie nach vorne geht. Das ist richtig Arbeit und muss man hartnäckig sein, neue Songs schreiben und nicht immer die gleichen Sachen machen und sich Gedanken machen für die Show, was machen wir was können wir noch anders machen.

Und das haben wir auch immer konsequent gemacht und auch nicht zu viel gespielt. Wenn es gut lief, haben wir nicht so drei Tournees gemacht, zum Beispiel, was der Booker vielleicht auch geil gefunden hätte. Haben wir vielleicht anderthalb oder zwei gemacht und dann Pause, okay, weil du kannst auch nicht immer die gleiche Show spielen.

Du kannst, weil es dann wird fürs Publikum langweilig. Die wollen ja auch nicht viermal innerhalb von halbes Jahr C sehen mit dem gleichen Gig. Also das ist auch vielleicht ein paar Leute, aber irgendwann merkst du, okay, es ist nicht so fresh. Du musst das ein bisschen spannend machen. Und wenn du immer das Gleiche machst und dann nochmal so einen DKS B-mäßigen Track rausbringen, dann, ach okay, das ist Dick SB2 oder so, das ist so.

Und das haben wir auch ganz gut hingekriegt und dann, äh, ja, und dann stellt man sich nicht die Frage, was machen wir jetzt auf? Aber natürlich, wenn zum Beispiel die weniger Leute kommen zu dem Konzert oder du kriegst dann plötzlich einen anderen Slot auf dem Festival, dann machst du dich wahrscheinlich schon Gedanken.

Wieso haben wir letztes Jahr um 10 gespielt und dieses Jahr sind wir um 17 Uhr? Und das gab's nie, deswegen, das war auch praktisch.

Okay. Wie hat sich dann so dein persönliches Leben verändert, als dann der erste Durchbruch mit Dickes B und wo es dann so richtig abging, geändert?

Also mein persönliches Leben hat sich gar nicht geändert. Also, ich habe weiter in Berlin gelebt. Ja, und das war echt einfach wie immer. Also mein musikalische Leben hat sich ein bisschen geändert. Weil ich dann mit so einem Projekt musste ich einfach Entscheidungen treffen. Und weil wir auch sehr früh gesagt haben, wir spielen nicht mit Subs, wenn jemand eine andere Band hat und eine andere Tour, dann schickt er einen Ersatz und so, das haben wir gesagt, wir machen nichts.

Weil dann ist die Kontinuität nicht davor. Auch wenn es zum Beispiel nur der Posaunist oder nur der Gitarrist ein anderer ist. Dadurch hatten wir eine Stärke. Wir waren einfach immer die gleichen. Dann musst du nicht normal erklären oder einfach dich. Sobald ein anderen Musiker da ist, ist es einfach anders.

Auch wenn er nur Gitarren-Offs spielt, aber der muss die einfach so machen, wie man sich das wünscht. Und das war auch ein Trumpf von uns, aber natürlich auch hart, wenn man irgendwie verschiedene Projekte haben wollte. Also ich musste mich mit. Ich hatte vor allem einen super Jazz-Quett. Damals, 2003 oder 2004, da musste ich mich von der Band trennen und das war auch hart, weil dafür hatte ich auch viel gearbeitet, viel geprobt und so und aber irgendwie gefühltmäßig, dachte ich für mich, ey, so eine Band, wie sie, da kann ich.

Das kommt nicht normal in meinem Leben, deswegen muss ich das durchziehen. Und dann muss man dann Entscheidungen treffen, die ja nicht so easy waren und so.

Wir machen eine kurze Pause für einen weiteren Supporter dieser Folge und das ist die Konzertmeister-App. Ich bin viel unterwegs als Musiker und als Dirigent und da gilt es, die Termine gut zu planen, Proben gut vorzubereiten und zu wissen, mit wem habe ich es überhaupt zu tun. Wer kennt es nicht, gerade als Dirigent, wenn verschiedene Kanäle benutzt werden?

Der eine sagt per E-Mail ab, der andere per WhatsApp, dann kriegt man noch einen Anruf und man verliert relativ schnell den Überblick. Ich habe jahrelang versucht, ein Tool zu finden und das habe ich jetzt im Konzertmeister für mich gefunden. Der Vorteil der Konzertmeister-App ist, ich habe alle Termine auf einen Blick.

Ich kann meine verschiedenen Vereine, meine verschiedenen Ensembles, in denen ich spiele, in diese App einpflegen und habe alles auf einen Blick. Die Rückmeldungen geschehen sogar in Echtzeit, sodass ich kurzfristige Änderungen auch auf einen Blick sehe, wer ist da, wer ist nicht da. Das erleichtert mir die Probenvorbereitung.

Die Terminerstellung an sich ist total einfach. Mit ein, zwei Klicks sind die Termine erstellt. Und für mich eines der Highlights ist die Kommunikationsfunktion, die ich einstellen kann, wo ich sie brauche, sodass auch zu dem jeweiligen Termin die Kommunikation da stattfinden kann und ich nicht in irgendwelchen WhatsApp-Nachrichten nachschauen muss, ob sich da drauf vielleicht jemand gemeldet hat oder ich empfinde einfach die Rückmeldung nicht mehr.

Das ist total einfach. Für mich ein ganz, ganz großes Plus ist der Support, denn die Macher hinter der Konzertmeister-App sind selbst Musiker und verstehen die Bedürfnisse, die man hat und man bekommt relativ schnell Antwort und Hilfe. Wenn ihr die Konzertmeister-App noch nicht ausprobiert habt, dann klickt einfach auf den Link in den Shownotes und ich verspreche euch, die Planung wird deutlich leichter.

Jetzt geht's weiter mit der Folge. Ich habe ja vorhin gesagt, ich wohne jetzt in Mainz, ich komme aber ursprünglich aus Aschaffenburg. Und ich weiß nicht, ob ihr das wisst, aber Aschaffenburg hat eine Seed-Tribute-Band und meines Wissens nach ist es die einzige, die es gibt.

Ja, also in Aschaffenburg haben wir schon gespielt, früher, ganz früher. Ich weiß nicht mehr, wie das hieß, aber Aschaffenburg ist auf jeden Fall ein Begriff. Aber ein Tribute, ich weiß, es gibt in Leipzig noch einen. Also so ein Coverband, meinst du? Ja, ja. Also ich hat mir neulich, kennst du Philipp Scholz, so ein Schlagzeuger aus Leipzig?

Nee. Der hat mir da so ein paar Videos gezeigt. Also völlig oben.

Ich dachte, das wären die einzigen. Also die heißen Musikmongs.

Okay, die, die kenne ich, ja. Die Musicmongs, aber es gibt noch anscheinend mehr. Ah, okay. Nicht mehr exklusive.

Und das Spannende ist, ich habe auch einen Musikverein da im Glasorchester und mein erster Positionist ist der Posionist der Music Morks. Ah, okay, cool. Also er hat gesagt, frag doch mal, was hält er denn davon, dass es überhaupt so eine Band gibt?

Ey, also es ist erstmal so eine Ehre, so in eine Band zu spielen, von der Band einfach Coverbands gibt. Das ist schon abgefahren. Also, ist auch cool. Man kann Freude und Bock hat an Musik, soll immer spielen. Und was soll man dazu sagen? Das ist einfach geil. Wenn die Jungs da Bock drauf haben und es geil finden, das ist auch super.

Also man kann machen, was man will.

Welchen Tipp hast du jetzt von Posaunist zu Posaunist für eure Musik? Was ist da wichtig?

Für unsere Musik? Ja, ja. Also besonders für Posaunist. Also direkt an Posaunist habe ich keinen Tipp. Aber ja, ich finde immer als Musiker sollte man immer versuchen, sein Ding zu machen. Einfach rauszukriegen, was spiele ich am liebsten, was mag ich am liebsten und dann sich nicht so viel reinreden lassen von anderen Leuten.

Also richtig, also sich beeinflussen lassen oder Einflüsse holen von Sachen, die man gut findet und überall saugen, was man gut findet und was einen weiterbringt. Das ist wichtig, aber ich finde danach das Wichtigste ist, einfach seine Musik zu machen und einfach mal sein innere zuzuhören und sagen, ey, das finde ich geil.

Egal ob alle gerade was anderes machen, vor allem in der Hochschule, es ist immer so ein bisschen so, also Waffen, ich bin noch lange nicht mehr da. Ja, aber zu meiner Zeit auch noch. Es ist auch so ein Struggle. Ich guck mal, der übt gerade Colin nebenan, ich muss das auch machen. Oder der eine spielt Regtime und ich finde es scheiße, ich finde es eigentlich auch ganz geil, Ragtime, aber ich trau mich nicht, weil alle sagen, das ist super oldschool Jazz, es macht keinen Spaß.

Also einfach machen, was man möchte und dafür hart arbeiten und dann ja, also Kopien, also Sachen kopieren kann man machen, aber irgendwann dann ist das nur eine Kopie oder so eine B-Variante von irgendwas. Also deswegen finde ich immer, für so einen seinen eigenen Shit zu machen, das ist doch.

Konntest du das schon immer zu sagen, okay, mir scheißegal, was die denken, ich mache einfach mein Ding, oder hat sich das jetzt entwickelt, natürlich dann auch mit so einer Band als Background, wo man sagt, man ist eh erfolgreich, dann ist eh egal, was ich mache, ich mache einfach mein Ding.

Naja, das kommt immer drauf an, wofür man die Musik macht. Wenn man einfach, also ich kann auch nur für mich sprechen, also wenn man Sachen für sich, wenn man sagt, okay, ich mach jetzt so ein eigenes Projekt oder ein Solo-Projekt, wo ich ganz allein bin, dann kann ich auch machen, was ich will. Aber sobald du mit jemandem arbeitest, dann außer du bist so ein Typ wie Prince or so, who allows selber.

But sobe duo and feedback from jemand holst, dann is it so we have a zusammenarbeit. Das heißt, uh, is man irgendwann angewiesen auf Zusammenarbeit. And when I hast a trio, uh, egal was für eine Musik, du bringst irgendwie drei Stücke und alle finden deine Stücke scheiße, aber du sagst, nee, die sind auch super geil.

Ich will die trotzdem spielen und alle sind auch gar nicht so begeistert, es wird auch nicht funktionieren. Das heißt, du musst einfach communizieren, aber wieso findet ihr die Stücke nicht so geil? And then der Ein sagt, ah, weißt du nicht, die Akkorde sind langweilig, and then lass uns bessere Akkorde finden oder so.

Und so kommst du weiter, weil das meine ich also. Und dann, wenn zum Beispiel für Seed was schreibe oder ein Beaten mache oder ein Blazersatz, dann ich weiß, okay, das ist für Seeds und nicht für eine Free Jazz Platte. Das heißt, ich werde auch nicht mit irgendwelche krassen, komplizierte Line in drei Achtel, in 13 Achtel oder irgendwie sowas.

Das wird auch nicht gehen. Weil da sind andere Leute, die sagen, ey, come on, dafür kannst du deine Jazzband machen.

Das versteht keiner da unten im Publikum.

Naja, es geht auch nicht unbedingt das Publikum, es geht um die Band. Also, weil ich spiele das mit in der Band und wenn die das nicht verstehen, entweder muss man die Leute überzeugen, dass das irgendwie richtig geil ist. Und wenn du es nicht schaffst, dann musst du einen Kompromiss machen. Und das ist relativ, eigentlich relativ simpel.

Oder musst du ganz allein machen und dann entscheidet der Zuhörer, okay, das war irgendwie voll geil, oder niemand will es hören, dann, uh, oder hört nur drei Leute und die finden das super geil, dann, okay, da hast du drei Leute begeistert mit deiner Musik. Aber sobald du mit jemandem Musik machst, dann du bist auf Zusammenarbeit angewiesen.

Aber das bedeutet nicht, dass natürlich, dass man nicht progressiv denken soll und immer auf der Suche nach was Neues. Also das müsste man trotzdem machen. Also müsste man nicht, aber finde ich das immer geil. Also weil wenn du immer die gleichen Sachen machst, dann irgendwann langweilt man sich selber.

Das auf jeden Fall. Wie ist denn das Songschreibeprojekt bei euch in der Band? Sind das wirklich alle oder sind das nur ein paar und du machst Hornarrangements oder baust ein Beat vorher oder wie ist das?

Es ist unterschiedlich. Es war auch mal über die Jahre auch unterschiedlich. Also die ersten Platten war oft so, dass Pierre einfach mal Skizze gemacht hat oder selber die Beats vorproduziert hat und die Songs schon fertig hatte. Und dann muss er nur im Studio die aufnehmen und fertig produzieren. Sonst haben die anderen Sänger auch einen Song beigesteuert.

Und mit den Jahren haben die meisten der Band so angefangen, so auch selber zu produzieren und so Bild zu schrauben. Also die Musiker waren mehr so zuständig für die Musik, für die Instrumentals, weniger für die Texte. Das haben meistens die Sänger selber mit ein paar Songwritern, die dazu gekommen sind.

Aber ja, im Grunde waren wir auch so. Und später hat sich auch mehr erhoffnet. Wir haben sogar auch so Beats, Battles, also nicht Battles, aber alle haben Beats gemacht. Wir haben so zum Beispiel 40 Beats gehabt und dann haben wir auch, jeder hat gesagt, okay, die 10 finde ich am Geilsten und da haben wir die Songs da drauf geschmissen.

Das ist ein bisschen seltsam, aber sowas haben wir auch gemacht. Und bei der letzten Platte zum Beispiel, da haben wir das erste Mal auch so externe Produzenten auch dazu geholt, so von den Kraut, die schon mit Pierre für die Betafox-Platte mitgearbeitet hatten. Und ja, genau, das ist ziemlich offen gewesen.

Wie hält man so einen Laden zusammen? Ihr seid jetzt über 20 Jahre quasi auf Tour und elf Leute, du hast ja selber schon gesagt, das ist ja vermarktungstechnisch einerseits schwierig, aber natürlich menschlich wahrscheinlich auch gar nicht so ohne, wenn da 20 verschiedene Charaktere 20 Jahre aufeinanderhängen.

Ja, erstmal, wir waren nicht immer auf Toom. Das klingt immer, ob wir einfach ständig auf Doom sind. Aber es ist so ein Unterschied. Wenn man irgendwie, wir haben zum Beispiel nie eine Welttournee gemacht, wo du so acht Monate unterwegs bist oder so, keine Ahnung, 300 Gigs im Jahr spielt, das haben wir nie gemacht.

Das heißt, man hat ja immer so Zeit dazwischen was anderes zu machen. Aber ja, es war auf jeden Fall ein großes Glück, dass man so lange so eine Band hat. Und ich glaube, das hat verschiedene Gründe. Erstmal auch der Erfolg dient auch dazu. Das ist auch natürlich ein bisschen angenehmer, weil wenn es läuft, dann hast du eine Sorge weniger.

Also musst du nicht so zum Beispiel um das Geld kämpfen. Also du musst trotzdem arbeiten, aber es ist auch schon ein bisschen easy. Und ja, sonst ist es auch ein bisschen Glück, dass die Chemie zwischen den verschiedenen Leuten auch immer gepasst hat. Das ist eine Sache. Und die andere Sache, die werden natürlich auch Pierre so als Mentor, ne nicht Mentor, aber als Bandleader und Visionär.

Und natürlich ist es so ein Vorteil, wenn du jemanden hast, der einfach mit Ideen kommt und auch die Kraft hat, die durchzuziehen und umzusetzen. Ja, und man denkt auch zum Beispiel, dass man, wenn man so zu 10, 11 ist, so ist es auch gut, weil wenn du so ein Problem auftaucht in der Band, dann man kann man das gemeinsam besprechen und regeln.

Es ist irgendwie auf eine Art einfacher, als wenn du zu dritt bist. Wenn du zu dritt bist in einer Band und da gibst ein bisschen Beef, dann ist es irgendwie sofort überall da. Und dann mit 10, 11, man kann sich, man kann auch viel mehr schlichten und sich hinsetzen, mehr Meinung. Vielleicht der eine redet mit den anderen und dann vielleicht jemand anders.

Also das ist so ein bisschen so wie eine Großfamilie. Natürlich gibt es auch Lager, so ein bisschen so. Du weißt so, die drei, die denken immer so bei so einer Frage, die würden einfach immer das sagen und die anderen würden das Gegenteil sagen. Das irgendwann kennt man sich so. Aber ja, auf jeden Fall, wir sind alle tierisch dankbar, dass man das erleben darf und dürfte.

Wie hat sich die Probenarbeit bei euch verändert, wenn du so an die ersten Tage zurückdenkst und jetzt probt ihr noch gleich? Oder haben sich da Dinge irgendwie auch grundlegend verändert?

Im Grunde genommen nicht so viel. Also früher hat man natürlich mehr geprobt, wir haben so Songs entwickelt im Proberaum. Und es war auch so eine Forschungarbeit, um überhaupt den Sound zu finden, was wir wollten. Und irgendwann haben wir mehr so effizienter gearbeitet. Wir wussten, okay, wir haben jetzt so zehn neue Songs und wir fahren auf Tour, dann müssen wir erstmal die Songs von der Platte so umsetzen, weil wir immer mehr so programmierte Beats aufgenommen haben und nicht nur mit der Band.

Deswegen mussten wir umsetzen fürs Live. Und das hat irgendwie natürlich mehr Zeit in Anspruch genommen. Aber in Groningen, ja, wir gehen einfach im Proberaum und checken das Zeug. Also wir teilen das oft auf. Also wir fangen erstmal fängt der so Basti, der Schlagzeuger mit der Rhythmusgruppe, mit MPC und Keyboard und checken die das.

Und dann zum Beispiel die Bläser kommen erst ein bisschen später oder wir üben für uns erstmal und die Sänger üben auch ihren Chöre und ihren Parts allein und dann kommen wir zusammen. Aber ja, im Grunde genommen so wie eine Band. Wir gehen im Proberaum und spielen, jedes Spiel sein Instrument.

Okay. Ich habe im Vorhinein eine Fragerunde gemacht für Zuschauerfragen. Zu denen käme ich jetzt. Und ich habe eine ganz spezielle, dann sage ich dir aber nachher dann noch welche. Erste Frage kommt von Matze. Matze hat ein paar Fragen. Matze? Matze, ja. Wie hat sich euer Stil aus deiner Sicht verändert?

Ja, schwer zu sagen. Also erstmal bei der letzten Platte ist die erste reine deutschsprachige Platte. Es gibt keine englischen Texte. Aber unser Stil. Ehrlich gesagt, ist auch nicht viel anders als früher, habe ich das so schwer zu sagen.

Warum sind auf der letzten Platte so wenig Horns? Also fand ich ein bisschen schade natürlich als Blechbläser.

Also klar, die Horns, die waren bei Seed immer so ein Markenzeichen. Dann kommen so ein Instrumentalhook mit Bläser. Aber das Ding ist, es ist nicht, weil man das immer hatte und dass man das auch machen muss. Und manchmal ist es nur Gratwanderung. Lieber kommen die viermal oder fünfmal voll geil, als einfach voll kleistern mit Bläserhits und hier einen Kick und hier einen Schweller oder irgendwas.

Es gibt so keine Quoten, dass man irgendwie Bläser, weil wir immer, weil wir viel Bläser haben und weil es geil ist, einfach immer voll ballern mit Bläser. Also das ist dann in dem kreativen Prozess. Okay, bei dem Track gibt es ein paar Offbeats und eine kleine Line und das war. Aber ja, das ist so. Bläser sind super geil, aber es muss auch nicht immer sein.

Also manchmal ist es zu viel.

Noch eine Frage von Mathe. Gibt man nach 20 Jahren immer noch alles und ist hungrig?

Ja, eigentlich schon. Aber es ist unterschiedlich. Also muss man sich natürlich auch mal die Voraussetzungen da schaffen, dass man hungrig bleibt. Also das meine ich ja mit, wenn man immer so eine Platte macht, tut, direkt eine Platte nochmal tuchen und immer das gleiche macht, also ohne Pause, dann wird es immer immer dann irgendwann verliert man den, ist man nicht mehr so hungrig.

Also man muss ein bisschen Rahmen auch selber. Oder vielleicht mal einen externen Produzent holen, der ein bisschen wieder so frische Vänter mitbringt. Also da muss man ein bisschen arbeiten daran, dass man einfach ein bisschen fresh bleibt. Für sich, dass man auch richtig Bock hat. Weil sonst wird es so ein bisschen so wie sagt man das, ja, immer das gleiche.

So ein bisschen so wie auf dem Amt. Also das kann man auch nicht machen. Also kann man machen, aber das ist dann auch ein bisschen langweilig. Also deswegen fand ich die Pause. Die Pause war immer auch, klar, wir haben auch unterschiedlich auf unterschiedliche Gründe, also Pause gemacht, wo der eine hat sein Soloprojekt gemacht, dann der andere oder so.

Aber es war auch immer gut, weil dann hat man so ein Jahr Pause zum Beispiel, dann kommt man wieder zusammen und dann hat man jeder ein bisschen so Erfahrungen gesammelt und dann kann man wieder loslegen. Weil wenn du immer die gleiche bist, so Jahre für Jahre und so, dann bist du immer in die gleiche Suppe, das ist auch gut so Eindrücke von links und rechts, so mehr von links als von rechts.

Hier ein kleines politisches Zwischending. Ja, um einfach mal ein bisschen so neue Sachen, Eindrücke mitnehmen.

Okay. Genau. Wie machst du das, wenn ihr jetzt, keine Ahnung, 15 Gigs hinterein, dass jeder Abend gleich energetisch ist? Hast du irgendein Ritual, bevor du auf die Bühne gehst?

Ja. Eigentlich. Nein, muss man einfach fit sein, finde ich. Also das ist auch so fit im Kopf, aber auch körperlich. Also wenn man irgendwie, man muss mal genug schlafen, Sport machen oder was auch immer. Einfach mal, wenn man sich als Mensch gut fühlt, dann fühlt man sich auch als Musiker gut. Also muss man dann üben.

Auch das finde ich auch manchmal schwer als Posaunist, weil ich auch viel Studio mache und so produziere am Rechner und dann, dass man trotzdem seine Routinen hat und regelmäßig spielt, weil das macht natürlich keinen Spaß. Das kennt jeder nicht nur Blech, auch für Saxophonisten und so. Wenn man einfach wenig spielt und dann plötzlich auf die Bühne so steigt, das ist auch weniger Spaß, wenn es nicht so läuft mit dem Ansatz oder so.

Genau. Aber sonst einfach keinen Alkohol trinken vor der Show. Oder vielleicht ein Bierchen. Aber ja, einfach mal gut drauf sein. Und man kann doch vieles, jeder hat ein bisschen seinen eigenen Trick. Also meditieren mache ich manchmal, müsste ich eigentlich mehr machen. Weil manchmal die Birne ist so richtig voll mit.

Das ist echt gut. Oder mal manchmal reicht einfach 10 Minuten ruhig zu sitzen und nichts, kein Handy, nichts nicht reden, einfach mal sich sammeln. Das hilft, finde ich.

Dann ist es ja gut, dass wir heute das Interview machen, wo du viel reden musst. Was meinst du? Dann ist es ja gut, dass wir heute das Interview machen, wo du viel reden musst.

Ja, da muss ich eine halbe Stunde vorher nichts mehr sagen.

Weil du gerade das Üben schon angesprochen hast, was ist dir wichtig beim Üben? Also gibt es da irgendwie so eine feste Routine oder bist du eher so jemand, der einfach gern viel spielt beim Üben?

Ja, ehrlich gesagt, es kommt drauf an, also ich finde, ich übe zu wenig, also ich würde gerne mehr üben und konsequent üben und das finde ich schwer. Einfach sich ein Übeplan, also die Theorie, glaube ich, kennt jede, was man machen müsste, so ein Übeplan und heute bin ich das, morgen bin ich das und so.

Und Immer nicht immer das gleiche üben und so. Also oft dann übe ich wirklich, um irgendwann die Job zu haben. Und das ist manchmal ein bisschen frustrierend, weil. Aber das ist auch mein Problem. Es ist nicht so, dass ich nur Posaune spiele. Ich mache auch, wie gesagt, andere Sachen und die sind auch zeitaufwendig.

Und da muss ich einen Mittelweg finden. Aber ich finde es auch interessant, wenn ich auch andere Projekte mache, dann muss man wieder für diese Projekte anderen Zeug üben. Zum Beispiel, ich habe hier die Brigade Foto 3, so so ein Big Band-Projekt. Der wollte ich noch kommen. Mit vielen Musikerinnen aus Leipzig.

Also dafür muss ich natürlich eine ganz andere Baustelle, aber muss ich da auch wieder Sachen üben, die nichts für Seed, also für Seed muss ich letztlich nicht so viel für mich. Ich muss die Lines wissen und so. Und dann übt man als Sections und so. Aber ja, das Üben ist auch ein Kapitel für sich, auch nach, keine Ahnung, 35 Jahren Posaune.

Also, ja. Aber ich bin immer dankbar für Tipps von Kollegen, von Kollegen, ey, was übst du? Ah, das könnte ich auch mal probieren und so. Das finde ich auch gut. Weil das ist immer das Gleiche, die gleichen, immer die gleichen Warmups-Übungen. Das ist auch total irgendwann so tödlich.

Wie sieht dein Warm-up im Moment aus?

Ich mach wie gesagt mache ich öfter mal so dieses Warm-ups von Bobby McChesnut. So ein Posaunist aus West Coast Posaunist, so Jazz Posaunist so. Hab ich vor ein paar Jahren entdeckt. Und sonst mache ich auch ein bisschen dieses, aus auch Stockhausen viel macht, ich komme jetzt nicht mehr drauf. Diese Six Notes.

Das ist so mehr so ein Muskelaufbau für die Lippen. Ich komme jetzt nicht mehr drauf.

Okay. Wir haben noch zwei Zuschauerfragen. Die eine kommt von Andi, Andi ist selber Posaunist. Wie gehst du beim Beatsbauen vor? Also denkst du vom Blasinstrument her oder denkst du anders?

Nee, ich denke überhaupt nicht als Posaunist oder als Blasinstrumentalist. Es ist mehr so, meistens habe ich irgendwas im Kopf, so eine Idee, so ein Pattern oder ein Sample oder eine Melodie, aber es ist selten mit irgendwie so eine Bläser-Idee. Ab und zu mal.

Ich hab noch eine und jetzt darfst du mal raten, von wem die ist. Bin sehr gespannt, ob du es weißt. Woher hast du die verdammt coolen Nike-Sneaker?

Nike-Sneaker? Ja. Woher? Aus dem Laden? Wieso?

Ja, weiß ich nicht, aber weißt du, von wem die Frage kommt? Auch Posaun, Kollegin.

Kollegin? Ja. Weißt du nicht, äh, Antonia?

Nee.

Anke? Lux? Nee. Weiß nicht. Maxine? Maxine, okay.

Maxine, die hat mir geschrieben. Die kommt ja eigentlich aus Wiesbaden.

Ja.

Und sie war ja auch jetzt schon im Ost.

Ja, ja, ich habe die kennengelernt, zwar super, mit der Brigade spielt sie jetzt.

Ja, habe ich gesehen. Und sie hat mir jetzt geschrieben, ich sollte dich doch mal fragen. Diese Nike? Das weiß ich nicht.

Air Force One, also ey, ähm, aus dem Laden. Oder vielleicht aus dem Irgendwo haben wir die bekommen, glaube ich. Okay. Aber, ja. Gut, aber. Aber ja, Nikis ist, also es ist nicht so, dass schwieriger zu finden wäre. Aber da ist die Antwort. Grüße an Maxine übrigens.

Du hast die Brigade Futur 3 schon angesprochen. Ich habe das jetzt vor ein paar Wochen erst gesehen, dass die Gruppe überhaupt existiert und dass du da dabei bist und hab mir die erste Platte mal angehört. Es ist schon sehr speziell. Es ist sehr cool, aber es ist jetzt nichts, was man so nebenbei mal hört.

Finde ich.

Ja. Nee, es ist schon anspruchsvoll, auch durch die Texte. Also die gehen auch, die sind sehr direkt und in die Fresse. Aber es soll auch so sein, soll ein bisschen anregen. Sollte man sich mal ein bisschen Gedanken machen danach, so über einige Sachen, die da nicht so gut laufen auf der Welt. Und es soll so sein.

Aber trotzdem mit dem Jazz-Ansatz, dass man auch improvisiert und coole Arrangements und so und deutsche Texte.

Also es ist auf jeden Fall ein super spannendes Projekt, aber muss man sich darauf einlassen. Also es ist jetzt nichts zum Radio hören und Autofahren, finde ich.

Ja, mal so. Also wir haben viele Fans in Leipzig und Berlin und so, die, also ja.

Ja, ist spannend auf jeden Fall.

Es kommt jetzt im Winter eine neue Platte von der Ben.

Cool. Nachdem ich auf die Uhr schaue und du gesagt hast, ihr habt um vier Soundcheck, würde ich die Schnellfragerunde einleiten. Okay. Deutschland oder Schweiz?

Schweiz.

Okay.

Die Rundeswende.

Spielen oder Beats bauen? Spiel. Schlechteste Angewohnheit. Nägel kauen. Okay. Was lernst du gerade, was du noch nicht kannst? Neue Biberplan. Okay. Hast du spontan irgendeine lustige Anekdote aus 20 Jahren sieht? Oder irgendeine nachhaltige Erfahrung, die noch vorhängen geblieben ist.

Schwierig. Also ein lustiges, was mir auffällt, ist nicht nur die lustiges, aber es ist super schön. Ich finde einfach nach wie vor nach so vielen Gigs, dass wenn ich auf der Bühne da stehe und dann sind Tausende von Leuten einfach, ich bin ja jedes Mal auf jeden Fall dankbar und finde ich auch super crazy, dass so viele Menschen zu unseren Konzerten kommen.

Und das ist nicht selbstverständlich. Und ich finde es einfach immer, es flasht mich auf jeden Fall. Mindestens einmal pro Gig muss ich daran denken, dass diese Leute einfach mega gute Laune haben und unsere Musik hören und sind einfach happy. Und das finde ich einfach oberkrass. Das war schon früher so, das ist einfach bei jedem Gig.

Also gestern zum Beispiel Karlsruhe des Festes war einfach unfassbar. Und dann, ja, das muss ich, also einmal pro Gig muss ich mir das auch nochmal, es kommt mir im Kopf und dann denke ich, ey, das ist auf jeden Fall super krass.

Sehr schön. Welchen Film bzw. welches Buch sollte man mal gelesen oder geschaut haben?

Haha, schwierig. Welches Buch? Ein Buch fehlt mir gerade jetzt nicht, aber ich hab.

Gerne auch nur Film.

Ich habe Les Olympia neulich gesehen von Marc Audia. Das ist ein französischer Regisseur. Das fand ich auch super geil. So ein schwarz-weiß Film, also einen neuen Film. Über eine Story über einen Typ aus der Bonlieue in Paris, das fand ich richtig cool. Es war ein super Alternativ zu den ganzen Netflix Disney Plus Schnellproduktion, fand ich Les Olympiades Mark Audi, das fand ich richtig cool.

Abschließend, welche privaten Wünsche hast du und welche Wünsche hast du an die Blaserszene? An die Bläzerszene?

Ja, einfach an die Bläzerszene. Einfach weiterspielen und von der Blaskapelle bis hin zu Fagott-Truppe, was weiß ich, einfach mal spielen und neue Sachen probieren und nicht scheu sein, einfach mal Sachen checken und nicht mehr wach bleiben, in Bewegung bleiben. Und privat, weiß nicht, Gesundheits, Liebe, mehr brauche ich nicht.

Okay, Jerome, vielen, vielen Dank. Wir haben es in der Zeit geschafft. Ja, schön.

Super, danke dir.

Das war die Folge mit Jerome Bugnot. Ich hoffe, ihr hattet genauso viel Spaß wie ich. Ich gebe zu, es war eins meiner Highlights des letzten Jahres. Lag natürlich daran, auch an dem kompletten Tag einfach mal Backstage von so einer Band zu sein, auch die anderen Bandmitglieder mal zu erleben, beziehungsweise auch zu sehen, wie arbeitet auch so eine Band in einem Soundcheck und den ganzen Tag über.

Schreibt mir, wenn es euch gefallen hat, verlinkt mich, taggt mich gerne auf Instagram, damit ich sehe, wo ihr diese Folge gehört habt oder was ihr vielleicht daraus mitgezogen habt. Für mich war es sehr auffällig, und das habe ich dann auch schon bei den anderen so ein bisschen gemerkt, dass irgendwie trotz des Riesenerfolges da noch so eine gute Bodenhaftung da ist, eine Bescheidenheit.

Auch sehr reflektiert mit sich und sehr Arbeit und trotzdem immer noch irgendwie den Anspruch, hart zu arbeiten und sich nicht auszuruhen. Die Schule, die Jerome vorher versucht hat zu finden, ist ihm dann später nochmal eingefallen. Und da handelt es sich um niemand geringeren als die Caruso-Schule.

Wenn euch dieser Podcast gefällt und meine Arbeit gefällt, dann möchte ich euch recht herzlich einladen, auf Patreon zu kommen. Patreon ist eine Plattform, die es mir ermöglicht, diesen Podcast auch finanziell zu stemmen, denn ich schaffe das nicht mehr alleine. Ich habe ein, zwei Cutter noch im Hintergrund, die mir so ein bisschen zur Seite stehen.

Außerdem gibt es noch einen Newsletter, alles weitere verlinke ich. Ich bedanke mich bei den Supportern der Folge bei Buffet Grand Pant und bei der Konzertmeister-App bei der Musik bei Dirk Mattes und ich hoffe, dass ihr nächstes Mal wieder dabei seid. Bleibt gesund, macht's gut, euer Andi.

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