On Air - Der Blasmusik Podcast· Staffel 6· Folge 146

Sarah Trageser (Flöte) - Was macht man, wenn der Traum zerplatzt?

Donnerstag, 16. Juli 2026 · 55 min

MP3

Shownotes

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Ich habe mich mit Sarah Trageser getroffen. Sie ist mittlerweile Landwirtin in Norddeutschland und ich bin über ein Reel auf Instagram gestoßen. Dort erzählte sie, dass es ihr großer Traum war, als Flötistin ins Orchester zu kommen und das leider aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste. Danach stellte sie sich die Frage, was kann ich eigentlich?
Das war der Ansatz und daraus wurde etwas anderes. Achtung Trigger: Es geht um Machtmissbrauch und psychische Gewalt.

Eine empfehlenswerte Doku:
youtube.com/watch?v=KRnWpOXuSNg&t=1061s
Anlaufstelle, falls ihr auch unter Machtmissbrauch leidet:
themis-vertrauensstelle.de. (für Menschen aus der Kultur- und Medienlandschaft)
Instagram
@andyschreck_ (instagram.com/andyschreck_)
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Musik: Dirk Mattes
Schnitt: Leander Machan

Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin

Doch unterschätzt, wie krass belastend sowas ist. Allein schon bei der Aufnahmeprüfung. Dass dann die Leute sich nicht mal begrüßen, weil sie nur vom Hallo sagen, dann vielleicht ich besser spielen würde oder so. Es gab selten einen Unterricht, wo niemand geweint hat vor den anderen. Also ich habe einen unfassbar tollen Job und ich weiß, wo es für mich weiter auch noch hingehen soll oder wo ich gerne, ja, wie ich mir das alles vorstelle und so und bin super glücklich damit.

Wir sind on Air in 3, 2, 1. Herzlich willkommen bei Onair, dem Blasmusik-Podcast. Mein Name ist Andi Schreck und ich treffe mich mit Dirigenten, Komponisten, Musikern und Visionären aus der Welt der Blasmusik. Wir sprechen über Ansichten, neue Ideen, das Leben und natürlich Musik. Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von OnER Dem Blasmusik-Podcast.

Ich freue mich, dass ihr wieder eingeschaltet habt und darf auch alle neu hinzugekommenen begrüßen. Wir gehen direkt rein in die Folge und heute wird es ein bisschen schwerer. Ich mache diesen Podcast schon seit sechs Jahren und so ein Thema habe ich mich auf der einen Seite lang nicht getraut, auf der anderen Seite ist es jetzt tatsächlich durch Zufall entstanden.

Mein heutiger Gast ist Sarah Dragesa und ihre Geschichte bzw. ihre vermeintliche Geschichte habe ich auf Instagram gesehen, denn sie ist mittlerweile Biobäuerin. Und sie hat in einem Real auf Instagram erzählt, dass sie eigentlich Flöte studiert hat und als Flötistin ins Orchester wollte und dass ihr absoluter Traum war und sie leider aus gesundheitlichen Gründen diesen Traum ad ac darlegen musste und sich dann die spannende Frage gestellt hat, was kann ich denn als Musikerin denn sonst noch?

Und diese Frage kennen vielleicht viele von euch, ich zumindest stelle mir die nochmal wieder. Was kann ich eigentlich außer Musik? Und das war der Anlass, warum ich sie angeschrieben habe, um zu sprechen. Dass daraus was anderes noch geworden ist, das kam erst im Gespräch, denn es wird um Machtmissbrauch gehen, es wird um psychische Gesundheit, um psychische Gewalt gehen und da möchte ich vorher einen Triggerhinweis aussprechend.

Wem dieses Thema vielleicht zu nahe geht, weil er das selber gerade erfahren hat oder noch in so einem Prozess drin ist, sei gewarnt, wir werden darüber ein wenig sprechen und auch Geschichten erzählen. Aus persönlichen Gründen von Sarah haben wir im Nachhinein Namen rausgeschnitten und auch die Orte, wo sie studiert hat.

Zwar ist sie raus aus der Musikerszene, möchte das aber trotzdem nicht öffentlich an die große Glocke hängen. Deshalb wundert euch nicht, falls es in der Mitte immer mal ein paar Abschneider gibt. Das liegt dann an der Sache. Dennoch wünsche ich euch großes Interesse und auch Spaß an der Folge, denn auch was passiert im Nachhinein mit jemandem, der seinen Traum ad acta legen muss, ist trotzdem spannend.

Viel Spaß mit Sarah Tragesa hier im Blasmusik-Podcast. Die erste Frage, die ich jedem Gast stelle, ist: Welches Musikstück hast du dir als letztes bewusst angehört?

Marge des Soldats.

Oh!

Ein Stück für Blasorchester.

Wie kommt's?

Das werden wir beim Zapfenstreich unserer Heidekönigin spielen. Und genau, das ist ja auch ein schönes Stück für Piccolo, was ich dann spielen darf. Und deswegen habe ich mir das einmal angehört.

Okay. Ich bin ja über deine Geschichte auf Instagram gestoßen. Und dann dachte ich, es ist total spannend, mal mit jemandem zu sprechen, die quasi Musikerin werden wollte und dann aber jetzt was ganz anderes macht. Aber bevor wir dahin kommen, wäre meine erste Frage, wie kam Musik in dein Leben?

Eigentlich ziemlich direkt. Also meine ganze Familie macht Musik, entweder studiert oder dann über Umwege da hingekommen. Und ich habe mit drei Jahren angefangen, bei meiner Mama Blockflöte zu lernen. Und dann kam relativ schnell noch E-Piano, damals noch dazu, gerade später Klavier. Genau, so kam das.

Und ich habe dann, als ich im Orchester angefangen habe, gemerkt, dass ich total fasziniert von Pauken bin. Und dann hat meine Mama erzählt, dass sie mit mir noch hochschwanger Pauken gespielt hat. Da dachte ich, ah, das hat sich bestimmt übertragen.

Und warum hast du da nicht Pauken oder also Schlagzeug gelernt?

Ich weiß auch nicht. Ich glaube, weil meine Schwester Querflöte dann gelernt hat und dann wollte ich das natürlich auch. Und aber jetzt tatsächlich im Orchester, wenn Pauken besetzt sind und sonst niemand spielen möchte, dann bin ich auch an den Pauken.

Ach cool, sperrt berufen quasi jetzt.

Ja, genau.

Aber ich kann das voll verstehen, ich finde Pauken auch super. Ja, mega. Ich bin, glaube ich, nur immer zu schlecht und beim Umstimmen im Stück.

Ja, das stimmt. Also da kann mich auch ein bisschen entschützen beim Konzert, weil ich da einfach keine Übung drin habe. Aber ich finde das einfach wahnsinnig schön, wenn dann die Pauke so, also die hört man ja oft nicht so richtig bewusst und trotzdem macht sie so viel aus. Auf jeden Fall, ja. Ich finde, es macht voll Spaß, das zu spielen.

Hast du auch Ambitionen, noch mehr im Schlagwerk auszuprobieren? Also Mallets oder so?

Ja, das habe ich auch gemacht. Früher halt, wenn im Orchester irgendwie was gefehlt hat, dann bin ich zu Mama nach hinten gegangen und habe dann entweder Mallets-Stimme oder Pauke gespielt, was halt so gebraucht wurde. Aber gerade in dem Blasorchester, wo ich spiele, ist das alles besetzt und dann möchte ich da auch nicht so reinfunken.

Okay, das kann ich verstehen. Wann kam für dich das erste Mal irgendwie in den Kopf, ich möchte vielleicht Musik studieren?

Also, ich habe ungefähr mit elf Jahren quer Flöte angefangen zu lernen, auch relativ spät, finde ich irgendwie. Und dann, so nach einem Jahr, habe ich Unterricht bekommen bei Clara Amtrader vom Hessischen Rundfunk. Und also sie war von Anfang an mein riesiges Vorbild und dann dachte ich, so möchte ich auch Flöte spielen können.

Und dann hat sich das ziemlich früh schon so entwickelt, dass ich auch im Orchester spielen möchte. Und also quasi seit Beginn hat sich dieser Beruf, das war mein Ziel, das war mein Traum.

Wie gut muss man als Elfjähriges sein, dass jemand vom HR sagt, da gebe ich jemandem Unterricht? Also, weil das ist ja jetzt auch nicht so gewöhnlich, oder?

Ja, das stimmt. Ich glaube, da war mein Vater so ein bisschen die treibende Kraft. Der hat halt gesehen, ja, der hatte selbst bei jemandem vom HR Unterricht, Trompete, und hat dann gesagt, ja, er fragt einfach nach. Und Clara hatte sonst auch keine Privatschüler und ich glaube, ja, sie hat es einfach gemacht, weil es hier Spaß gemacht hat.

Und ja, ich musste natürlich schon üben. Und es war, also dafür ist es auch einfach zu teuer, um dahin zu fahren und eine so tolle Stunde zu bekommen, um dann nicht zu üben. Also es war schon wichtig.

War dir dann schon mit elf bewusst, wenn du sagst, so eine tolle Stunde zu bekommen? Also wer da sitzt und was das bedeutet?

Boah, das kann ich im Nachhinein gar nicht so genau sagen. Aber ich habe natürlich gemerkt, dass ich sehr früh ziemlich gut gespielt habe. Also, naja, beziehungsweise im Vergleich zu den Leuten aus den Orchestern, die ich halt so hatte. Und fand das natürlich toll. Das war dann immer so mein Ding. Also genau, da haben die Leute gesagt, ja, die spielt voll schön quer Flöte und noch so jung und so.

Und das war natürlich voll der Motivator auch.

Und du konntest dir dann mit 11, 12 schon vorstellen, ins Orchester zu gehen.

Ich bin auch so früh wie es ging, ins Landesjung Glasorchester gegangen. Und ich weiß auch nicht, dann habe ich natürlich ältere Musikerinnen getroffen, die teilweise schon im Studium waren, vielleicht True-Musik, vielleicht auch K.A. und das war natürlich immer mehr Anreiz, noch besser zu werden und fand das natürlich total toll, dann so jemanden neben mir sitzen zu haben, an den ich mich auch orientieren kann.

Das fand ich sehr motivierend.

Wobei ja Flöte zum Beispiel in einem Blasorchester was anderes bedeutet als Flöte in einem Symphonieorchester.

Das stimmt. Und ich habe mein Leben lang Blasorchester gespielt und habe es geliebt und dann auch irgendwann in der Bläser Philharmonie Rhein-Main, die ja schon auch einfach sehr hohe Literatur gespielt haben oder immer noch spielen, nur ich halt nicht mehr dabei bin. Und da wurden wir auch solistisch besetzt oder wenn das Stück das erfordert hat, auch doppelt besetzt.

Genau, also war es schon wichtig, die Stimme gut vorzubereiten, gut zu intonieren und also genau, und man hatte natürlich einfach super viel auch zu spielen. Das fand ich immer toll damals.

Das kann ich gut verstehen, auch als Trompeter. Das ist ja auch ein Unterschied, Blasorchester oder Sinfonieorchester. Was hat dich an Orchestermusik dann schon gereizt?

Ich liebe es auch immer noch, gemeinsam mit anderen Menschen Musik zu machen. Und tatsächlich finde ich Querflöte an sich jetzt nicht so wundervoll, allein zu üben. Also das merke ich vor allem jetzt, wo ich es nicht mehr beruflich machen möchte oder mache. Ich übe nicht. Ich spiele, ich mache mir Musik an und spiele dazu, aber alleine zu üben, das finde ich echt immer nicht so spannend.

Aber dieser gesamte Klangkörper und dann zu sehen, wie sich alle mit der Musik bewegen und das fühlen und der Dirigent da so richtig mitgeht, das ist einfach mega schön.

Wie war das Üben früher, wenn du sagst, du hast also wenn du, du willst ja als Kind relativ klar ins Orchester, da ist ja klar, du musst üben. War das dann auch ein notwendiges Muss oder hat dir das trotzdem Spaß gemacht?

Ja, mir hat das Spaß gemacht. Also in dem Alter habe ich so Tonsachen noch nicht so geübt, weil ich hatte, meinen Ton klang gut. Und da dachte ich, muss ich ja nicht mehr üben, kann ich ja schon. Und deswegen habe ich richtig viel Technik geübt und das hat mir Spaß gemacht, weil ich dann gemerkt habe, dass ich ziemlich schnell, also ich habe ziemlich schnell eine Verbesserung gesehen und ja, das hat mir Spaß gemacht.

Und dann im Studium habe ich natürlich schon gemerkt, oh, man muss ganz schön viel Tonübung machen, die ich dann gemacht habe, weil es sein muss. Aber ja, so richtig Spaß hatte das nicht gemacht.

Also du bist dann abgegangen zum Studieren.

Genau, ich habe anfang.

Wann war das?

Oh, puh, warte mal, ich glaube, ich habe 2014 oder 2015 Abi gemacht. Ich glaube, 2015 habe ich Abi gemacht. Genau, und habe dann angefangen. Und tatsächlich habe ich mich nicht getraut, direkt für Orchestermusik vorzuspielen. Deswegen habe ich zwei, also ich bin über gymnasiales Lehramt reingegangen und habe mich alibi-mäßig für Physik angemeldet.

So ein Fach, wo ich weiß, da gehe ich eh nicht hin. Genau, um da einfach schon mal drin zu sein. Und ich muss auch sagen, ich bin echt froh, dass ich es gemacht habe. So allein die Ausbildung, die Fächer, die ich da belegen konnte, das war schon ziemlich cool. Also wo hat man sonst Gesangsunterricht, Klavierunterricht, Jazzharmonie und so weiter.

Das war schon ziemlich cool. Und dann habe ich aber gemerkt, also ehrlich gesagt, übe ich da in den anderen Sachen eh nicht so viel. Und ich möchte einfach wirklich ins Orchester und habe dann für Orchestermusik vorgespielt.

Und das hat gleich funktioniert.

Ja, aber da kannte ich ja auch die Lehrer schon.

Ja, aber ich kenne welche, die haben mit mir schon Musik studiert, da hat es leider nicht funktioniert. Also das soll es ja trotzdem geben.

Ja, das stimmt.

Welche Vorstellungen hattest du, wie der Beruf wird?

Naja, also ich hatte schon die Vorstellung, dass es hart umkämpft ist, gerade bei so Stellen, die ja wenig besetzt sind und aber gleichzeitig viele Leute spielen. Und habe aber dann doch unterschätzt, wie krass belastend sowas ist. Allein schon bei der Aufnahmeprüfung, dass dann die Leute sich nicht mal begrüßen, weil sie nur vom Hallo sagen, dann vielleicht ich besser spielen würde oder so.

Also, das war überhaupt kein schönes Gefühl. Da habe ich dann das erste Mal gedacht, so, hä? Aber also wir können uns doch trotzdem freundlich begegnen. Da war ich ein bisschen irritiert. Und ansonsten habe ich mir das einfach wunderschön vorgestellt. Und viel Musik machen, nur Musik machen, das, was ich sowieso den ganzen Tag machen möchte.

Und ja, rumreisen, in anderen Ländern Musik machen. Also ich habe mir natürlich direkt Top-Orchester vorgestellt, ist ja klar.

Wie jeder. Ich glaube, niemand geht ins Studium und sagt, ah nee, ich will dann nur so ein C-Orchester.

Ja, genau. Und dann hat mein damaliger Freund tatsächlich auch sehr früh die Soloposaune entgewonnen. Und da habe ich dann schon auch mitbekommen, was es bedeutet, in einem Probejahr zu sein, sich also in Probespielen auch mit drin zu sitzen und dann diese Perspektive, also Orchesterseits, mitzubekommen.

Genau, aber mir was anderes zu überlegen, kam mir nie in den Sinn.

Das heißt auch, der ganze Tagesablauf ging um Musik damals.

Ja, genau, genau. Und ich habe dann auch irgendwann meine Leidenschaft fürs Hekeln entdeckt. Und da habe ich gemerkt, oh Mist, das beansprucht ganz schön meine Handgelenke. Und dann habe ich es sein gelassen, weil ich habe alles auf die Musik ausgerichtet, dass ich auch Flöte spielen kann, dass mir nichts passiert.

Also so Ballsportarten, da hatte ich dann, weiß ich, bin ich sehr vorsichtig geworden.

Verstehe ich, kenne ich. Habe ich auch eine Zeit lang nicht gemacht, kurz vor der Aufnahmeprüfung und dann kurz vor dem Abschluss. Weil ich mir dachte, wie bescheuert wäre das jetzt, irgendwie sich so einen Finger zu prellen oder zu brechen im schlimmsten Fall.

Ja, das ist ja richtig doof.

Du bist doch nochmal nach Skin, hast du auch gesagt. Warum?

Ja, ich kam mit meinem Professor dann nicht mehr so gut klar. Ich muss dazu sagen, damals dachte ich auch, es wäre total schlau, sich Professoren zu suchen, die total streng sind, weil nur so kann man ja was lernen. Und dachte so, ja, ich brauche keinen lieben Lehrer, weil da werde ich nicht genug gepusht.

Das war so in meinem Kopf.

Woher kommt es? Also woher kommt so eine Denke?

Ich habe keine Ahnung. Wahrscheinlich hatte ich Angst, wenn mein Lehrer zu lieb ist und mir sagt, dass sowieso schon total gut ist, dass ich vielleicht nicht mehr genug motiviert bin, weiterzuüben. Keine Ahnung. Ich weiß es nicht.

Bist du zu viel gelobt worden in deiner Kindheit?

Nein, eigentlich überhaupt. Also weiß ich überhaupt nicht. Doch bei der Querflöte schon von Leuten, die nicht mein Lehrer waren. Die fanden das natürlich auch immer gut, was ich gemacht habe. Nee, ich weiß nicht, woher das kommt, ehrlich gesagt. Und ich, also wie vorhin schon gesagt, fand ich das ja selbst auch immer sehr negativ, dieses Konkurrenzdenken auch zwischen den Klassen.

Also es gab ja auch verschiedene Querflötenklassen mit unterschiedlichen Lehrern. Und dass dann, wenn ein Vortragsabend von dem einen Lehrer war, durfte ich da nicht mitspielen, weil ich bin ja aus einer anderen Klasse und keine Ahnung, es gab da einfach so, man hat versucht, uns so ein bisschen voneinander so fernzuhalten.

Und einfach, das fand ich irgendwie total bescheuert. Naja, und dann, wie gesagt, bin ich nach, weil ich mit meinem Lehrer nicht so gut klarkam. Dann hatte ich eine Lehrerin, die musikalisch unfassbar toll gearbeitet hat. Ja, genau. Nur auch, also einfach mega streng. Ich bin immer wieder, oder habe mir immer wieder bewusst oder unbewusst Lehrer ausgesucht, die einfach sehr darauf bedacht sind, ihre Leute irgendwie ins Orchester zu bekommen.

Also streng gibt es ja in verschiedenen Formen. Wie muss ich mir das vorstellen? Was heißt streng in dem Fall?

Ich weiß nicht, ob ich das so sagen sollte in einem Podcast.

Zur Not kann man es schneiden. Wenn es ja hinterher unangenehm ist, kann ich es rausnehmen.

So Sprüche wie, wenn du noch einmal so atmest, dann töte ich dich. Und ich stand da als junges Mädel und war einfach nur, keine Ahnung, ich dachte mir so, ja, sorry, war keine Absicht. Ich habe aber auch immer noch nicht verstanden, wie ich atmen soll, wo genau meine Zunge liegen soll. Dann sagt er, Mund auf und fasst mit seinen ungewaschenen Händen in meinen Mund rein und zeigt mir, wo meine Zunge liegen soll.

Und da dachte ich mir so, boah, ehrlich gesagt, nee, will ich das nicht. Das kann ich nicht. Damit kam ich nicht klar.

Krass. Das ist ja nicht wirklich krass.

Ja. Ich habe dann auch mit der Hochschulleitung gesprochen, dass das für mich nicht funktioniert. Und die haben mal gesagt, ja, die können ihm nicht kündigen, weil er einfach so wichtig ist als Image für diese Hochschule. Und dann habe ich Privatunterricht genommen, um mich aufzubereiten.

Aber man kann trotzdem mit so einem Menschen zumindest mal sprechen und sagen, dass hier Grenzen überschritten sind.

Ich habe mich das nicht getraut.

Nein, ich meine von Hochschulleitung aus.

Achso, ja, ja, ja, auf jeden Fall.

Krass. Bist du dann jedes Mal in den Unterricht mit Angst?

Ja, sehr oft. Nicht immer. Ich konnte mir, also natürlich habe ich dann im Unterricht nicht so gut gespielt, wie ich das hätte, also konnt hätte, weil ich einfach total nervös war, ja, Angstfehler zu machen. Und nicht zu wissen, welche Aktion mich erwartet. Und naja, dann gleichzeitig auch Leute aus meiner Klasse, denen es ähnlich ging, die damit auch nicht klarkommen und andere, die das aber total leicht weggesteckt haben.

Da dachte ich auch so, ja komm, Sarah, stell dich nicht so an. Das gehört dazu. Aber irgendwann hat es halt für mich doch nicht mehr so gekauft. Aber es nicht mehr so aus dem Zucker.

Aber es wurde innerhalb der Klasse über sowas gesprochen?

Wenig, tatsächlich. Das waren dann deutlich stärker, weil wir da auch alle mit im Unterricht waren. Also wir hatten alle gemeinsam Unterricht der Reihe nach und wurden dann halt auch nicht sehr freundlich korrigiert und auch teilweise richtig, also für mein Verständnis richtig fertig gemacht. Wir haben, also es gab selten einen Unterricht, wo niemand geweint hat vor den anderen.

Aber das war dann schon irgendwie sehr angenehm, wenn man danach dann einfach füreinander da sein konnte oder auch davor sagen konnte, hey komm, wir gucken uns zusammen diese Stelle nochmal an und dann klappt das morgen.

unknown Krass.

Das habe ich Gott sei Dank so nicht erlebt. Also ich kenne ein paar Sachen, wo auch grenzüberschreitend waren, würde ich behaupten. Aber dass das so in so einer Regelmäßigkeit vorkam, Gott sei Dank nicht. Und du bist tatsächlich in Sechstern die Erste, die das mal so benennt.

Naja, ich habe auch überlegt, ob ich es überhaupt erzählen soll oder nicht, weil ich möchte da ja auch niemandem schaden. Aber naja, ich kam halt einfach nicht damit klar. Es gibt Leute, die damit klarkommen und das ist ja auch, dann freut mich für diese Leute. Ich mich.

Ja, aber die Frage ist ja, muss das sein?

Nee, muss das nicht. Also ich bin ja mittlerweile auch Ausbilderin und also in einem anderen Bereich, aber ich habe auch gemerkt, wenn es jemand nicht kann oder nicht macht, dann liegt es nicht daran, dass die böswillig irgendwie mir was Böses wollen oder irgendwie was nicht können, naja, doch manchmal nicht können, aber oft liegt es auch daran, dass ich es nicht so erklärt habe, wie es genau diesem Kind oder dem Jugendlichen auch gerade helfen würde.

Und mit Anschreien oder Meckern, da kommt man einfach nicht weiter.

War das der Grund, warum du dann aufgehört hast?

Naja, also wir hatten einen Vortragsabend, Donnerstag, da habe ich drei relativ lange Stücke auch vorbereitet. Und am Freitag hatten wir direkt wieder einen Unterricht. Und da sollte ich dann das erste Mal Mozart-Konzert spielen. Also ich habe es vorher noch nicht geübt oder so, kannte ich. Also nur vom Hören halt, den ersten Satz, typisch für Flöte, geh durch.

Und dann hat sie gesagt, so, bis Montag kannst du es auswendig. Weil wir auf dem Wettbewerb fahren sollten. Und hat sie gemeint, ihr müsst die Stücke auswendig können. Und dann habe ich das ganze Wochenende durchgeübt. Und wenn ich nicht mehr üben konnte, weil ich müde war oder wie auch immer, habe ich mir das Stück angehört, die Noten dabei gelesen.

Und ich habe nur dieses bescheuerte Stück gemacht und konnte es dann auch. Am Sonntag habe ich es auswendig drauf gehabt, komplett, die 25 Minuten, und meine Arme nicht mehr bewegen. Es ging gar nichts mehr. Ich konnte keine Tür mehr aufmachen, ich konnte keine Wasserflasche aufdrehen, gar nichts mehr.

Am Montag habe ich sie noch einmal vorgespielt und habe dann gesagt, ich habe so Schmerzen, es geht nicht. Okay, dann kam ich in den, also keinen Kommentar. Dann kam ich in den nächsten Unterricht eine Woche später und habe gesagt, ich konnte nicht üben, meine Arme tun total weh. Dann hat sie gesagt, okay, bis morgen überlegst du dir drei Berufe, die du stattdessen machst.

Ich so, okay, alles klar, sie schmeißt mich jetzt aus der Klasse raus, weil ich meine Arme wehtun. Das war richtig schlimm, weil ich mich in meinem Leben noch nie damit beschäftigt habe, irgendetwas zu machen als Musik. Ich habe mir dann aber drei Berufe rausgesucht und ich habe gemerkt, dass es sich gut anfühlt.

Und dann habe ich ihr die am nächsten Tag vorgestellt und dann meinte sie so, Hey, wie, du willst was anderes machen? Da war sie total schockiert, dass ich jetzt nicht mehr so gut habe. mir Sachen tatsächlich rausgesucht habe. Und dann kam noch so, ja, ich habe ein Cortison-Rezept, du kannst doch einfach meine Cortison-Tabletten nehmen.

Da habe ich gesagt, ähm, nein, das mache ich nicht. Und habe dann in so einer ärztlichen Behandlung und das war einfach stressbedingt, voll überlastet, zu viel unter Stress geübt. Natürlich auch nicht die allerbeste Haltung beim Flötespielen. Genau, und dann habe ich ein Urlaubssemester genommen und wusste eigentlich, dass ich da nicht mehr zurückkommen werde.

Und sie hat mir aber den Platz freigehalten. Aber das war es dann für mich an der Stelle.

War das der Moment, wo du für dich entschieden hast, oder war das ein längerer Prozess, wo du dann quasi entschieden hast zu gehen?

Naja, also es war eigentlich ab dem Moment, als sie mir gesagt hat, du suchst überlegst jetzt neue Sachen. Und als ich dann über diesen Punkt hinweg kam, nur noch zu heulen, weil ich dachte, ich kann nur Musik. Es gibt gar nichts anderes, was ich kann überhaupt, dann dachte ich, hey, ich kann mir vorstellen, was mit Kindern zu machen, was mit Tieren zu machen.

Ich weiß gar nicht, was meine dritte Überlegung war. Egal, auf jeden Fall habe ich gemerkt, okay, ich habe schon auch noch Lust auf andere Dinge. Ich bin noch nicht so alt. Ich kann auf jeden Fall nochmal einen neuen Weg einschlagen. Und da habe ich eigentlich die Entscheidung getroffen. Und seit, also das Interessante war, als ich dann tatsächlich nicht mehr in so gewohnt habe, da habe ich gemerkt, dass meine Arme von alleine besser geworden sind.

Krass. Wie hat dein Umfeld darauf reagiert, als du gesagt hast, ich gebe das auf, wofür ich quasi ja stehe?

Gemischt. Also meine Oma hat sich sehr schwer damit getan. Die war sehr traurig darüber, dass ich jetzt keine Musik mehr mache. Und der Rest hat mich wahnsinnig doll unterstützt. Also die haben natürlich auch total traurig, weil sie wissen ja, wie sehr es mein Traum war. Und gleichzeitig haben sie ja auch gemerkt, wie es mich dann doch kaputt gemacht hat.

Und deswegen haben sie gesagt, mach, was dich glücklich macht, wir unterstützen dich. Und genau, das war sehr schön.

Was macht man mit einem Traum, wenn er sich nicht mehr erfüllen lässt? Wohin?

Tja, der schwebt immer noch in meinem Kopf. Also, das war, ich bin ja also mit meinem damaligen Freund dann öfter zu einem Konzert ins Konzert gegangen und ich konnte das nur sehr schwer ertragen, mir das anzuhören. Und ich merke jetzt noch manchmal, wenn ich in einem Konzert sitze, wo einfach total schöne Flötenstellen sind oder generell einfach diesen Orchesterklang zu hören und zu spüren, irgendwie ja auch, dass ich voll traurig werde.

Also ist auf jeden Fall irgendwie noch in mir.

Du hast gesagt, du hast dich bis dahin ja nicht auseinandergesetzt, was du sonst noch kannst. Die große Frage steht dann im Raum, was kann ich eigentlich? Hat man da Angst oder ist man neugierig?

Ach, ich glaube, da, ja, ich wahrscheinlich so ein bisschen beides, aber ich habe es nicht negativ in Erinnerung, weil ich mir einfach ein Urlaubssemester genommen habe und in der Zeit Praktika gemacht habe. Deswegen hat sich das nicht schlimm angefühlt. Oder also genau, ich hatte nicht das Gefühl, ich lande irgendwann auf der Straße, weil ich nichts anderes finde.

Ja. Genau, da habe ich Praktika in verschiedenen Einrichtungen für Kinder gemacht und dann ein duales Studium angefangen, Sozialpädagogik und Management. Und bin total froh, dass ich diesen Weg dann gegangen bin.

Hast du, oder andersherum, als Musiker, das kenne ich selbst, definiert man sich ja oft über die Musik, über sein Instrument, über das, was da so kommt. Hast du vor der Entscheidung über dich selbst getrennt von der Musik mal nachgedacht oder war das eins, tun die Musik?

Nee, das war immer mit Musik. Ja. Und tatsächlich ist auch das noch sehr lange, beziehungsweise würde ich vielleicht auch sagen, jetzt immer noch mein oder ein Problem, was ich mit mir trage, weil früher wusste ich, okay, querflöte, das kann ich. Das kann ich wirklich gut. Und wenn ich jetzt, oder ich bin ja jetzt Landwirtin und war zwischendurch, gerade als ich dann neu in dem Bereich war auf Höfen, und manchmal waren Leute so ungeduldig mit mir und da dachte ich mir so, das ist so gemein.

Ich kann, also ich bin in deren, also das, damit identifizieren die sich ja und ich komme dahin als totaler Trottel, müssen die sich ja denken. Keine Ahnung. Nein, ich war nicht schlecht, aber ich war halt nicht so gut wie in Querflöte. Und dann habe ich natürlich immer das Gefühl gehabt, es gibt gerade überhaupt nichts, was ich richtig kann.

Und das war oft ziemlich blöd für mich, weil ich schon gerne auch Sachen gut mache. Ja, da muss ich schon mir eingestehen, dass es ein bisschen schwierig war.

Aber weißt du, wer du, also würdest du jetzt sagen, du weißt, wer du bist, ohne die Musik?

Ja, auf jeden Fall. Und ich weiß vor allem, also ich habe einen, also ich habe einen unfassbar tollen Job und ich weiß, wo es für mich weiter auch noch hingehen soll oder wo ich gerne, ja, wie ich mir das alles vorstelle und so und bin super glücklich damit.

Das freut mich erstmal zu hören. Wirklich, weil das ist ja, wenn man so lange in seinem Traum nachgeht und dann so einen krassen Bruch erlebt und jetzt komplett was anderes macht, ist das natürlich echt schwierig. Rückblickend, was hast du alles aufgegeben, um Musikerin zu werden?

Naja, ich habe es ja nicht anders gekannt. Also ich habe zum Beispiel dann irgendwann in der Schule angefangen, in den Mittagspausen zu üben und hatte somit, also ich würde einfach sagen, meine Freizeit. Also ich war noch reiten einmal in der Woche, das habe ich gemacht. Und ansonsten war ich, glaube ich, ein richtig langweiliges Kind.

Habe entweder Klavier gespielt oder Flöte gespielt oder gesungen, irgendwie, ja. Genau. Aber es war schon, also ich habe mich nicht unwohl gefühlt, das war schön. Deswegen kann ich nicht, also habe ich nicht das Gefühl, irgendwas aufgegeben zu haben. Ja, ich habe da nichts vermisst. Das kam dann erst im Studium, wo ich dachte, ah Mann, eigentlich, das würde ich auch gern machen und das würde ich gerne machen, aber ich muss ja immer üben, zum Beispiel.

Naja, allein in den Urlaub zu fahren. Da war die Flöte immer dabei. Weil ich dachte, wenn ich einen Tag mich übe, dann habe ich meinen Ansatz verloren. Der ist dann weg. Völliger Blödsinn. Das ist so eine krasse Kopfsache. Naja, also ich meine, Profimusiker würden jetzt sagen, ja, vielleicht muss man doch jeden Tag ein bisschen.

Keine Ahnung, aber aus meiner jetzigen Sicht würde ich sagen, man darf ruhig auch mal ein bisschen Pause machen und ist nicht gleich alles weg. Ja, sowas zum Beispiel.

Was war das Erste, was du als für dich klar war, okay, die Musik ist jetzt erstmal nicht mehr prioritär, weil das nicht mehr mein Beruf sein wird? Was war das Erste, wo du dir gedacht hast, okay, jetzt kann ich das endlich mal nachholen?

Ich glaube, das waren einfach so Sachen wie, cool, ihr spielt Volleyball, ich spiele mit. Wenn was passiert, ist ja nicht schlimm. Also es gab nichts, wo ich dann dachte, das muss ich jetzt auf jeden Fall sofort tun, sondern eher, dass ich dachte, hä, ich kann das ohne ein schlechtes Gewissen einfach machen.

Oder dass ich, also es war auch total schwer am Anfang, dass ich nicht üben muss. Ich konnte einfach den ganzen Tag irgendwie entweder auf der Couch liegen bei schlechtem Wetter oder draußen rumhängen, das war völlig egal.

Du hast ja schon gesagt, du bist jetzt Landwirtin. Wie kommt man von der Flötistin aus Hessen jetzt? Du bist jetzt irgendwo Niedersachsen, glaube ich.

Ja, genau.

Wo genau?

In der Lüneburger Heide.

Okay, wie kommt man da hin, um Landwirtin zu werden?

Ja, das war ein längerer Weg. Genau, also ich habe ja eben schon erzählt, ich habe dann dual studiert, weil ich mir auch tatsächlich nicht mehr vorstellen konnte, so ein trockenes Theoriestudium zu machen. Ich hätte ja auch Sozialpädagogik einfach an der Uni studieren können. Und dann dachte ich mir, dual, ich brauche die Praxis, ich kann nicht nur in der Uni sitzen.

Und da war ich auf einer Kinder- und Jugendfarm. Also es ist so eine offene Kinder- und Jugendarbeit gewesen mit so einer Art Kinderbauernhof, Abenteuerspielplatz mit Lagerfeuer und Amwald gelegen und total toll. Und da hat sich so das erste Mal der Gedanke entwickelt, ich würde eigentlich super gerne irgendwann auf einem Bauernhof sein und Kindern die Landwirtschaft näher bringen.

Oder naja, eigentlich das näherbringen, wo kommt ihr Essen her, wie baut man sowas an.

Hast du damit vorher schon Berührung gehabt mit sowas?

Nee. Also meine Oma hat einen Riesengarten und immer wenn ich da war, habe ich das natürlich von ihr so mitbekommen, aber ich habe nichts damit zu tun gehabt.

Weil ich das total spannend finde. Also dieses, ich sehe das so ein bisschen an mir, ich habe das nicht so krass wie du durchgemacht. Aber ich bin jetzt Musiklehrer und manchmal frage ich mich, und ich mache hier diesen Podcast und trotzdem, ich war früher auch der Trompeter einfach. Das bin ich nicht mehr.

So gesehen. Und mir fällt das manchmal immer noch schwer, das mir einzugestehen. Es wird jetzt besser, er wird ja älter. So, irgendwann ist das so. Aber dann plötzlich zu sagen, okay, ich suche nicht mal irgendeine Nische, wo ich noch Musik machen kann, sondern ich gehe da raus und mache dann was ganz anderes und dann auch, okay, ich will Kindern zeigen, wo kommt eigentlich unser Essen her, das ist ja komplett, also total konträr.

Ja, also ich muss dazu sagen, mir haben natürlich schon auch Leute geraten, IGP, also dass ich quasi in der Musikschule arbeiten kann oder sowas zu machen. Und dann dachte ich mir, nein, das kann ich nicht. Wenn ich dann merke, wie gut die anderen gerade werden und ich aber gerade nicht weiterkomme, weil ich nicht üben kann, weil ich Schmerzen habe, wie auch immer, ich halte das nicht aus.

Ich musste mir was anderes suchen. Das konnte ich nicht so. Und ich weiß auch nicht, ich habe dann, also ja, ich fand es einfach mega cool auf dieser Kinder- und Jugendfarm und dass Kinder einfach sich ausprobieren dürfen und was die für einen Spaß dabei haben, ohne ihre Eltern auf so einem riesigen Platz einfach zu schnitzen.

Ja, da sind, keine Ahnung, sechsjährige Kinder, die dann Feuerholz sägen oder drechseln und das fand ich einfach mega cool. Und genau, dann habe ich noch eine Weiterbildung als Fachkraft für tiergestützte Interventionen gemacht, dass ich eben Tiere in eine pädagogische Arbeit mit einbeziehen kann. Und bin dann nach dem Studium auf einen Bauernhof gegangen und dachte, ja, hier bleibe ich jetzt erstmal.

Und das war so ein kleiner D-Meter-Hof, da habe ich ultra viele Sachen gelernt. So zum Beispiel, also da haben die Tiere zum Beispiel nur von Hand gemolken. Also sowas, was man eigentlich nicht mehr macht heutzutage, oder nur noch sehr wenig findet. Und wie man Käse auf einer Küchenhexe macht und so.

Genau, also super coole Sachen. Und dann dachte ich mir irgendwann, Mensch, also die Ziegen, die haben es mir irgendwie angetan. Und deswegen habe ich mir ein Ziegenbetrieb. Oder nee, eigentlich war der Plan, dann selbst mir einen Hof zu suchen. Und deswegen habe ich mir ein Jahr genommen, um verschiedene Höfe anzugucken, um zu wissen, was ich eigentlich möchte und wie andere Leute arbeiten, was ich gut finde und was nicht so gut.

Und meine erste Station war ein Ziegenhof. Und da wurde ich direkt in meiner ersten Woche gefragt, ob ich nicht da bleiben möchte und vielleicht sogar auch meine Ausbildung da machen möchte. Und dann dachte ich mir, eigentlich ziemlich cool, weil ja, das macht mir unfassbar viel Spaß. Und ich finde es sinnvoll, den theoretischen Hintergrund auch noch zu bekommen.

Um dann ja mit Menschen auf einem Hof, die irgendwie, also wenn es auch alte Leute sind, die das toll finden, wenn sie die Hühner hören oder anfassen können. Also, genau, irgendwas mit Menschen auf dem Hof machen zu können.

Und da bist du jetzt immer noch?

Nee, da bin ich nicht mehr. Ich habe meine Ausbildung beendet und bin jetzt von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen am landwirtschaftlichen Bildungszentrum, als Ausbilderin im Bereich Rind. Und ja, das bedeutet eigentlich alle Azubis der Landwirtschaft in Niedersachsen kommen immer eine Woche für eine überbetriebliche Ausbildung in den Bereich Schwein und eine Woche für den Bereich Rind quasi.

So als das, was die Schulen vielleicht nicht in dem Umfang nochmal vertiefend beibringen können oder was sie in der Praxis vielleicht noch nicht gelernt haben, dass wir dort eben nochmal vertiefend drauf eingehen können.

Aber bist du noch aktiv an einem Hof selbst? Das ist ein Hof.

Das ist ein ziemlich großer Hof. Aber das ist natürlich nicht so ein kleiner Familienbetrieb oder was in Anführungszeichen ein kleiner Familienbetrieb, wie ich das in meiner Ausbildung kennengelernt habe. Sondern halt einfach mit Fokus auf einem Bildungsauftrag, aber es ist auch dort wird die Milch abgeholt und wir müssen irgendwie in irgendeiner Form wirtschaftlich denken.

Also es ist nicht einfach nur, ja, uns ist egal, ob die Kür jetzt Milch geben oder nicht, sondern wir wollen natürlich trotzdem eine gesunde Herde.

Okay. Was glaubst du, hat die Musik aus dir gemacht? Welche Fähigkeit oder welche Art zu denken gibt es, die du jetzt so noch weiter in dir trägst?

Konkurrenzdenken tatsächlich richtig dolle, lange Zeit. Und da bin ich zum Glück immer weiter von abgekommen. Also ich merke das manchmal noch, aber das ist viel, viel besser geworden und das entspannt mich sehr, weil es mich schon immer ganz schön unter Druck gesetzt hat oder ich mich dafür innerlich so ein bisschen verurteilt habe, dass ich es so denke.

Und gleichzeitig verstehe ich ja auch, woher es kommt.

Aber nehme ich mal mit, weil ich habe zu wenig Plan von Landwirtschaft. In welchem Moment kannst du, oder gibt es Momente, wo man Konkurrenz denken haben könnte?

Achso, das habe ich jetzt gar nicht auf die, also generell meine ich, aber in der Landwirtschaft gibt es da natürlich auch Sachen. Zum Beispiel beim Melken, wie schnell und ja, wie schnell kriegt man das Melkeschir angesetzt oder auf dem Feld, wie ordentlich hat man gedrillt, also die Saat ausgebracht oder hat man irgendwo Löcher eingebaut oder eine Verstopfung nicht mitbekommen, irgendwie sowas.

Ja, da gibt es auf jeden Fall genug Sachen. Aber da konnte ich mich auf jeden Fall entspannen. Naja, nach und nach auf jeden Fall und sagen, hey, ich lerne es jetzt auch gerade und ich habe einfach noch nicht die Praxis und ich muss da jetzt nicht direkt die Beste sein.

Was ist es für dich für ein Gefühl, morgens auf dem Hof aufzuwachen?

Tatsächlich wohne ich nicht auf dem Hof, sondern eben dran. Und jetzt im Sommer denke ich mir, oh, es ist wahnsinnig schön, es ist schon hell und man kommt, also ich höre die Kühe schon aus meinem Zimmer, aus meinem Schlafzimmer. Und das ist voll schön, direkt auf dem Hof zu sein. Und vor allem merke ich, dass der Tag gleich richtig startet.

Ich mache mir einen Kaffee, den ich mir mitnehme, damit ich mir dann direkt im Stall ein bisschen Milch reinmelken kann. Dann mache ich mir mein Cappuccino und das ist einfach toll. So ein Start in den Tag.

Und wenn du das Gefühl jetzt nimmst im Vergleich mit dem, was du dir irgendwann mal vorgestellt hast, wie dein Leben sein sollte.

Hätte ich nicht gedacht, dass es dahin kommt, aber fühlt sich besser, also wirklich besser an. Also ich weiß nicht, irgendwie habe ich das Gefühl, dass es, ja, ich mache was Sinnvolles und bin den ganzen Tag auf den Beinen und draußen und ich weiß auch nicht, irgendwie erfüllt mich das.

Das ist gut so. Weil ich glaube, dass es ganz viele da draußen gibt, die einen Beruf haben und das nicht sagen können.

Also Gott sei Dank geht es mir so. Das ist, ja, und ich habe jetzt auch tatsächlich wieder angefangen in einem Blasorchester zu spielen. Das hat auch sehr lange gedauert, weil ich dachte, nee, wenn ich irgendwo spiele, dann muss es ein gutes Orchester sein, was meinen Vorstellungen entspricht. Und ja, das habe ich lange nicht gefunden.

Und irgendwie, ich glaube, wollte ich auch eigentlich einfach noch nicht, weil ich ja dann merken würde, dass ich nicht mehr so spielen kann, wie ich das mal konnte. Und genau, jetzt spiele ich im Blasorchester hier in Ammelinghausen und das ist einfach super cool. Die Leute sind so toll. Und es gibt hier die Heidekönigin und dann damit verbunden das Heideblütenfest, also viel Marschieren und Umzüge und alles Mögliche, was einfach mega Spaß macht.

Und in den Proben spielen wir auch die Stücke. Also wir haben ein unfassbar großes Repertoire. Und da werden viel die Stücke durchgespielt und nicht so im Detail geprobt, wie ich das so kannte. Und ich merke, dass es irgendwie total erfrischend ist. Es macht Spaß. Also ich kann jetzt wieder Spaß haben, daran Musik zu machen.

Das hatte ich auch tatsächlich im Studium. Ein bisschen ist das verloren gegangen.

Da bist du aber tatsächlich nicht die erste, die das sagt.

Das kann ich mir vorstellen.

Es gibt auch viele, die sagen auch, dass sie Jahre nach dem Studium das erstmal wieder lernen mussten. Einfach Musik machen. Ohne diesen Kopf die ganze Zeit, ah, das war nicht gut, das war nicht gut, das muss so sein. Umso schöner, dass dir das jetzt auch gelungen ist.

Ja, voll.

Aber fängt da nochmal manchmal dieses Konkurrenzding an? Oder bist du fein damit, dass du sagst, okay, ich kann manche Dinge vielleicht nicht mehr so wie früher.

Naja, also ich glaube, dadurch, dass es eh nicht auffällt, ob jetzt der Ton weich angestoßen wurde oder nicht ganz so weich oder wie auch immer, kann ich da sehr gut drüber hinwegsehen. Zumal, da hört man ja nicht immer so richtig gut jede einzelne Stimme raus, sondern also schön von hinten, ne? Eine richtig fette Reihe Saxophone und Trompeten, da höre ich mich manchmal selbst nicht.

Aber ja, das macht einfach total Spaß mit den Menschen und dann denke ich da nicht so drüber nach.

Also der Fokus hat sich quasi auch verschoben.

Ja, ja, genau.

Das ist doch auch schön. Finde ich wirklich, ich finde das total cool. Gibt es Momente in deinem Tagesablauf, die dich so ein bisschen, weiß nicht, vielleicht ist er so ein bisschen gesponnen, aber so ein bisschen an früher erinnern? Keine Ahnung, Strukturen oder irgendwas.

Nee, tatsächlich. Mein Freund sagt immer, ja, du kannst doch mal ein bisschen öfter Flöte spielen, das würde ich gerne hören. Das ist doch so schön immer. Und dann, da denke ich mir so, nee, also ja, mit Musik voll gerne, wenn dann eine Musikbox mit mich begleitet quasi, aber alleine zu üben, wo ich mich wirklich höre, dann, nee, das möchte ich in meinem Alltag irgendwie tatsächlich noch nicht oder kann ich gerade irgendwie nicht.

Aber so als Landwirtin erinnert mich da nichts an früher. Nö. Ich muss früh aufstehen, den ganzen Tag arbeiten, immer was anderes. Bei Musik war es quasi egal, wann ich aufstehe, hauptsache ich übe meine vier, fünf Stunden.

Wie sieht dein Tagesablauf jetzt aus?

Jetzt bei meinem aktuellen Job tatsächlich eher ungewöhnlich für die Landwirtschaft, muss ich sagen. Ich beginne um sechs und da bin ich mit einer Schülergruppe entweder beim Melken oder am Melk-Roboter oder Boxen sauber machen. Also gibt es einfach verschiedene Stationen, die die morgens erledigen müssen und die wir Ausbilder dann anleiten.

Und dann gibt es Unterrichtseinheiten bis zum Mittagessen, bis 12 Uhr. Und dann Mittagspause und dann gibt es nochmal Nachmittagsunterrichtsblöcke. Und das ist aber auch immer Theorie und Praxis. Also es gibt, ich glaube, ein oder zwei Unterrichtsstunden, die tatsächlich theoretisch sind. Der Rest findet auch immer im Stall mit statt, direkt am Tier.

Und eben dann abends nochmal die Stationsarbeit. Und dann bin ich so um halb sieben, sieben fertig. Und genau, ich habe auch nicht immer den ganzen Tag Unterricht, sondern entweder einen Vormittagsblock oder einen Nachmittagsblock.

Spannend. Wenn du auf die ganze Zeit jetzt zurückblickst, was hast du über dich kennengelernt, was du sonst nie erfahren hättest?

Jetzt nach dem Abbruch quasi. Ja. Ich habe über mich gelernt, dass ich eigentlich super wissbegierig bin und also interessiert an vielen Dingen. Und ich das total schön finde, dem nachgehen zu können. Und ich die Sachen erfreulicherweise auch sehr schnell kapiere. Und da habe ich mir tatsächlich überlegt, ob das mit dem Flöten oder mit dem Musikstudium zusammenhängt, weil man ja gerade als Flöte sehr schnell sehr viele Töne lesen muss.

Und vielleicht ist in meinem Gedächtnis irgendwas, was mir dann hilft, neue Sachen einfach schnell zu erfassen. Oder vielleicht ist es auch normal, keine Ahnung, aber das habe ich so für mich gedacht, dass ich das eigentlich, das habe ich früher nicht so gewusst.

Was würdest du deinem jüngeren Ich gerne sagen?

Tja, Musik machen ist schön, aber nicht alles. Also, ja, ich hätte mich ruhig trauen können, auch einfach andere Dinge. Dinge zu tun und mit Spaß dabei zu bleiben. Spätestens, als ich gemerkt habe, Musik macht mir gerade keinen Spaß, dann früher auf mich zu hören und zu sagen, hey stopp, hier läuft irgendwas nicht richtig.

Und dann entweder einfach gucken, was kann ich tun, damit es mir wieder Spaß macht. Oder was kann ich ergänzend tun, damit ich nicht traurig bin, irgendwas nicht machen zu können.

Was würdest du gerne deiner Lehrerin noch sagen, rückbringen, wenn du jetzt die Chance hättest, dich mit ihr an den Tisch zu setzen?

Mit der letzten Lehrerin oder mit meiner ersten, mit der letzten, dass sie wahnsinnig schön und gut Flöte spielen kann und das Musikalische, also dass ich total dankbar bin, dass von ihr lernen zu können, aber dass es einfach unfassbar respektlos ist, wie sie teilweise mit Leuten gesprochen hat oder welche Antwort, also oder was sie von uns abverlangt hat, ja, da hat man sich auch als Lehrerin nicht einzumischen.

Oder das ist Aufgabe eines Arztes und sie hat zum Beispiel einer gesagt, sie soll sich eine Rippe raus operieren lassen, damit sie mehr Luft holen kann. Und da denke ich so, Alter, nein. Nein, einfach nein. Das geht nicht.

Okay, das ist schon krass. Meinst du, das ist aus Angst oder also Unfähigkeit ist es ja auch irgendwo.

Ich glaube, ehrlich gesagt, eine andere Generation. Das habe ich ja jetzt auf den Höfen auch gemerkt mit den alten Teilern, dass die mir gegenüber einen anderen Ton hatten als die neuen Chefs. Ich glaube auch, dass sie noch dieses Verständnis haben, ja, das muss so. Sonst, was soll aus denen sonst werden?

Keine Ahnung. Aber vielleicht natürlich auch Angst. Was ist, wenn meine Studenten nicht ins Orchester kommen? Was sagt das über mich als Lehrerin dann aus? Kann natürlich auch sein.

Ja, und hat man euch, weil ich habe das bei uns schon auch mitgekriegt, dass da ja selten über einen Plan B nachgedacht wurde, weil, und man muss ja trotzdem realistisch sein, es gibt ja nicht unendlich viel Stellen. Man muss ja auch ein bisschen Glück haben, dass man zum richtigen Zyklus auch fertig wäre.

Ja, ja, genau.

Und dann brauchen wir ja trotzdem einen Plan B, weil nur weil ich super spiele und auch mit meinem Lehrer gut klarkomme, egal wie er drauf ist, heißt es ja nicht automatisch, dass das Probespiel klappt. Und das Probejahr funktioniert.

Ja, ja, genau. Was war denn eine Frage?

Ob da jemals drüber gesprochen wurde?

Ja, wir haben gesagt bekommen, dass wir uns auch für IGP anmelden sollen. Beziehungsweise wurden wir dann angemeldet. Das ist ja nicht das, was ich als Plan B machen wollte. Deswegen, also habe ich das halbherzig einfach. Ich dachte so, ja, ja, pff, brauche ich eh nicht. Nee, das habe ich mir nicht gedacht, aber ich dachte mir, wenn ich mich jetzt darauf fokussiere, auch noch in Musikgeschichte und Musiktheorie und Gehörbildung gut zu sein.

Nee, mein Fokus ist Querflöte. Ich will Querflöte gut spielen können und ich will da üben. Und ich kann nicht noch den ganzen Tag mir andere Sachen anhören. Habe ich natürlich trotzdem gemacht, aber ja, ich hatte immer ein schlechtes Gewissen.

Was das für dich heute erfolgt.

Wenn ich sehe, dass meine Tomatenpflanzen. Ja, keine Ahnung, wenn ich sehe, dass die Tiere gesund sind und gesund bleiben. Und ja, ich tatsächlich auch sehe, dass mein Gemüse wächst.

Das finde ich voll gut. Ich glaube, das ist so eine ehrliche Antwort, würde ich von meiner Frau heute auch bekommen.

Voll gut. Also macht die auch so ein bisschen was im Garten.

Ja, ja, die ist bei uns die Gärtnerin, sie wird gern mehr machen, was allerdings im Moment durch den Nachwuchs nicht so ganz funktioniert.

Ja, okay. Na, dann darfst du ran.

Ja, das Problem ist, ich komme immer sehr spät heim.

Achso, okay.

Ja, meistens habe ich tatsächlich bis vier Schule, bis ich mit dem Fahrradal bin, ist Viertel sechs, halb sechs. Dann durch nette Gespräche wie dieses hier. Oder muss Unterricht vorbereiten, manchmal übig. Also ich bin leider nicht der. Ich habe das total gern, dass wir einen Gärtner haben. Aber ich bin noch nicht der Gärtner.

Irgendwann schaffe ich das, glaube ich. Aber es ist gerade noch nicht die Zeit dafür.

Ja, und sie wird vielleicht kommen, vielleicht auch nicht. Und wenn, dann wirst du bestimmt merken, wie toll es ist, einfach draußen so seinen Gedanken nachzuhängen, während man irgendwas in der Erde buddelt.

Ich glaube, dass das tatsächlich noch kommt. Wie viel es jetzt in den letzten Jahren so ein bisschen kam. Aber ich glaube, das ist noch nicht dran. Und ansonsten frage ich dich nach Tipps, wie man Tomaten gut großkriegt.

Sehr gerne, sehr gerne. Aber ich musste jetzt schon sagen, das ist mir gerade eingefallen, deine Finger sind ja jetzt bestimmt immer total sauber.

Ich weiß schon, die sind dann, ich weiß das.

Okay, gut.

Darauf habe ich mich schon eingestellt, innerlich. Dass das dann nicht mehr so ist. Was bringt die Zukunft für dich? In dem einen Video, wo ich gesehen habe, dass du, du hast konkrete Pläne für die Zukunft, wo das noch so hingehen soll.

Ja, tatsächlich möchte ich mit meinem Freund wahrscheinlich, also wahrscheinlich klein und nebenerwerbsmäßig, aber das ist ja egal. Auf einem kleinen Hof. Oder es kann auch ein schönes, also ein Haus mit Krisengarten sein. Also wer was zu verschenken hat, ich bin dafür offen.

Verschenken? Ich weiß nicht, das ist ein bisschen schwierig.

Naja, günstig abzugeben, geht ihr auch. Wer weiß, wer dir überall zuhört.

Das stimmt, vielleicht gibt ja jemanden, der sagt, die ist so sympathisch, nimm mein Haus und mein Garten.

Nee, genau. Und dann eine kleine Mutterkuherde. Ich hätte super gern auch, also Schafe, Ziegen, aber natürlich alles klein, ne? Nicht so übertrieben groß, sondern alles klein, dass es gut machbar ist und ich trotzdem dieses Selbstversorgergefühl haben kann. Und ich würde auch super gern ein, zwei Tiere melken, nur um den Eigenbedarf an, sagen wir mal, Frischkäse decken zu können.

Und natürlich im Garten alles an Gemüse ausprobieren, was wir gerne essen und brauchen.

Was dein Lieblingsgemüse?

Ich würde jetzt gerne sagen, Kartoffeln, weil ich diesen Anbau so spannend finde, aber das stimmt leider nicht. Ich würde sagen, mein Lieblingsgemüse ist Zucchini. Und die wächst ja Gott sei Dank auch sehr üppig.

Aber muss es dann im Norden sein oder könntest du dir vorstellen, wieder so ins Hessische zurückzugehen?

Also ich finde es hier schon sehr schön, muss ich sagen.

Das glaube ich nicht.

Wenn hier oben noch so ein bisschen mehr Erhebungen wären, das wäre schon auch mal schön. Aber ansonsten finde ich es echt landschaftlich super schön hier. Die Leute sind total nett. Und ich weiß nicht, das klingt total schön, wie die sprechen, finde ich. Und die Nähe zum Meer, ne? Also man ist innerhalb von anderthalb Stunden oder sagen wir mal zwei Stunden an der Ostsee oder auch an der Nordsee.

Also, schon cool.

Hast du schon ein Dialekt so angenommen?

Ich sage immer moin, egal um welche Uhrzeit, egal zu wem.

Aber das ist das so, oder? Dachte ich. Also so als machen wir schon.

Und ich finde es auch immer ein Kompliment, wenn Leute sagen, boah, du hast ja schon voll so den nordischen, eine nordische Klangfarbe. Na, das finde ich auch immer.

Die du aber jetzt nicht hast, oder? Oder höre ich das einfach nur noch?

Nee, ich glaube, das kommt dann eher, wenn ich so im normalen Sprechen bin.

Okay.

Aber hessisch habe ich auch nie geredet, ehrlich gesagt. Deswegen. Ich glaube, ich bin einfach dialektfrei.

Ich bin leider auch dialektfrei erzogen worden. Deswegen, ich kann das auch nachfühlen. Ich fand aber unseren Dialekt auch nie so schön, muss ich dazu sagen.

Ich auch nicht, muss ich sagen.

Naja. Ich habe noch ein paar Schnellfragen zum Schluss. Was würdest du gerne mal machen, hast dich bisher nicht getraut? Das kann alles sein.

Falsch überspringen.

Das würdest du wirklich gerne machen.

Also irgendwie habe ich das schon voll lange in meinem Kopf und ich glaube, ich werde es mich niemals trauen. Aber ich stelle es mir voll cool vor.

Okay. Welches Buch bzw. welchen Film sollte man mal gelesen oder geschaut haben?

Oh je. Ich weiß nicht, ich habe hier gerade Tribute von Panem liegen. Fand ich früher total cool, aber ob man das jetzt, ja doch, ist spannend.

Da gibt es so ein neues Buch, gell? Ist das das oder sind das noch die alten?

Oh, keine Ahnung. Ich habe nur die alten.

Okay, sowohl als Buch und als Film oder hast du noch Film?

Also ich bin echt nicht so eine Filmguckerin, muss ich sagen.

Völlig fein. Welche Aufnahme sollte man sich mal angehört haben? Ja, auch das darf jetzt alles sein.

Tja, ich liebe Brahms. Okay. Maler. Ja. Aber also ich kann, ich weiß nicht, darauf keine schlaue Antwort.

Die muss ja gar nicht schlau sein, die muss nur von dir kommen. Alles gut.

Nee, ja, weiß ich gerade nicht. Also ich habe kein konkretes Stück, wo ich dachte, boah, das muss man auf jeden Fall mal gehört haben, ehrlich gesagt.

Okay. Und abschließend, ich weiß, du bist ja jetzt länger raus, jetzt fängst du wieder so ein bisschen an. Was wären denn deine Wünsche an die Bläser-Szene?

Ja, vor allem Wünsche an die Flöten, weil ich das oft in Orchestern so mitbekommen habe, dass da so ein bisschen Konkurrenz ist. Da würde ich sagen, schneidet euch eine Scheibe von den gelassenen Schlagwerkern ab. Oder Trompeten fand ich auch immer sehr lässig, genau, weil es dann einfach Spaß machen.

Okay. Sarah, vielen Dank, dass du deine Geschichte so ein bisschen wiedergegeben hast und so einen Einblick vor allem gegeben hast. Vielen Dank.

Ja, sehr gerne.

Vielen lieben Dank, dass ihr bis hierhin gehört habt und auch euch diese Folge angenommen habt. Solltet ihr auch jemanden sein, der in so Verhältnissengrad studieren muss, sich nicht gehört fühlt, gibt es die Vertrauensstelle Themis. Die ist dafür da, für Menschen aus der Medien- und Kunstlandschaft, sich dem Thema anzuvertrauen.

www.temis-vertrauensstelle.de, da könnt ihr euch jederzeit hinwenden. Den Link findet ihr aber auch nochmal in den Shownotes. Mich würde auch noch interessieren, was die Folge mit euch gemacht hat. Seid ihr überrascht, dass es so abläuft, sagt ihr, das ist total normal, das habe ich ganz oft erlebt. Ich muss zugeben, ich war doch schockiert, obwohl ich ja Musik studiert hatte, aber solche Sachen waren dann doch eher fern von mir.

Gott sei Dank natürlich. Aber trotzdem immer wieder erschreckend, wie schlimm teilweise Sachen ablaufen, was alles passiert. Außerdem möchte ich euch noch eine Dokumentation des SWR ans Herz legen. Die verlinke ich auch in den Shownotes. Ich freue mich, wenn ihr beim nächsten Mal wieder dabei seid. Ich sage Dankeschön für die Musik bei Dirk Matthews, für den Schnitt bei Leander Machern.

Macht's gut, euer Andi.

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