On Air - Der Blasmusik Podcast· Staffel 5· Folge 112

Michael Schönstein (Bundesmedienreferent BDB) - Was sind die Geheimnisse guten Marketings?

Donnerstag, 30. Januar 2025 · 1 h 41

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Shownotes

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Michael Schönsten ist Dirigent, Musikpädagoge, und Coach. Er leitet mehrere sinfonische Blasorchester unterschiedlicher Leistungsstufen, daneben ist er regelmäßig als Dozent und Gastdirigent bei diversen Orchestern tätig, als Juror unterwegs, arbeitet in der Medienbranche, ist Bundemedienreferent des BDB und Gründer der Plattform Blasmusik.digital (blasmusik.digital).

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Schnitt: Leander Machan
Musik: Dirk Mattes

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Ich mache ein schönes Beispiel, das kann sich jeder vorstellen. Ein Schlüsselwert kann sein, die Anzahl der verkauften Karten durch die Musiker von einem Jahreskonzert. Also jetzt sagt man, wir haben ein Jahreskonzert, wir dürfen so viele Gäste drin haben im Saal und man hat ja immer so diese berühmte Quote, wie viele Karten verkaufen denn die Musiker.

Das ist ja ein super wichtiger Bestandteil. Und wenn über Jahre hinweg das eben immer schlechter wird, dann hat man ein generelles Problem, weil dann liegt es an der Musikermotivation, dann liegt es an der Bereitschaft, was zu tun, dann liegt es ja auch an der Bereitschaft, Leute ins Konzert mitzunehmen.

Also hat man ein ganz vielflächiges Problem. Dann gibt es eben welche, die wählen neue Wege, da funktionieren neue Wege, die werden dann oft auch als Paradebeispiele dargestellt. Und es gibt doch viel mehr Vereinsauflösungen, als man glaubt. Wenn Fußballfans sind und die Bundesliga schauen, sind wir alle teilweise megakritisch und haben einen hohen Anspruch.

Klar, die machen das beruflich, aber vielleicht der Dorfverein auch. Also man merkt einfach, so im Sport hat man oft einen hohen Anspruch. Ja, in der Musik würde ich es mir ein bisschen mehr wünschen, vor allem in der Blasmusik.

Wir sind alle in 3. Herzlich willkommen bei OnAir, dem Blasmusik-Podcast. Mein Name ist Andi Schreck und ich treffe mich mit Dirigenten, Komponisten, Musikern und Visionären aus der Welt der Blasmusik. Wir sprechen über Ansichten, neue Ideen, das Leben und natürlich Musik. Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von On Air dem Blasmusik-Podcast.

Als allererstes möchte ich mich ganz recht herzlich bei euch bedanken für die vielen lieben Rückmeldungen zur letzten Folge mit Paul Jacou. Selten hat eine Folge so große Wellen geschlagen, vor allen Dingen am Jahresbeginn, wo normalerweise jeder ja erst langsam in das Jahr startet, hat die Folge mit Paul sehr viel Impact gehabt.

Vielen lieben Dank für eure Rückmeldungen. Bevor es zur Folge geht, noch ein kleiner Hinweis in eigene Sache. Es würde mich riesig freuen, wenn ihr mich unterstützen würdet, indem ihr jetzt, falls ihr es noch nicht getan habt, den Abonnieren-Button klicken würdet. Denn ich sehe anhand der Statistik, dass immer noch knapp die Hälfte, die diesen Podcast hier hören, noch nicht auf Abonnieren gedrückt haben.

Wenn ihr das tun würdet, würdet ihr mir helfen, dass mein Podcast mehr Reichweite bekommt und öfters auftaucht. Und mehr Reichweite heißt, dass es leichter ist, auch namhaftere Gäste einzuladen. Bevor wir zu meinem heutigen Gast kommen, wie immer der Supporter und das ist Buffy Gramp. Genauer gesagt BS.

BS hat letztes Jahr eine neue Trompetenserie rausgebracht. Die Personality-Thrompetenreihe und das sind drei verschiedene Trompeten entwickelt mit drei verschiedenen Trompeterpersönlichkeiten, nämlich Benny Brown, Thomas Inderker und Martin Hutter. So unterschiedlich wie diese drei Spielertypen sind natürlich auch die drei Trompeten.

Und welche am besten zu euch passt, das solltet ihr selber rausfinden. Ich durfte unlängst alle drei anspielen und konnte mich für das Benny Brown Modell entscheiden, denn die kommt meinem Spielertypus am nächsten und hilft mir in allen Bereichen, die ich abzudecken habe, vom symphonischen Blasorchester bis zur Unterhaltungsband bis zum Ensemble und Blasmusik den richtigen Klang zu finden.

Mein heutiger Gast ist Michael Schönstein. Er ist unter anderem Bundesmedienreferent. Und was das eigentlich ist und was das bedeutet, das haben wir natürlich auch etwas auseinandergenommen. Er kommt eigentlich aus dem Marketingbereich, deswegen wird es heute viel um Marketing gehen, um Mitgliedergewinnung, um Vereinsführung, um Medien generell und wie er auf das Vereinswesen in zehn Jahren blickt.

Ich wünsche euch jetzt ganz viel Spaß mit Michael Schönstein hier im Blasmusik-Podcast. Mein heutiger Gast ist Dirigent, Musikpädagoge und Coach. Er leitet mehrere symphonische Blasorchester unterschiedlicher Leistungsstufen. Daneben ist er regelmäßig als Dozent und Gastdirigent bei diversen Orchestern tätig.

Als Juro unterwegs, arbeitet in der Medienbranche, ist Bundesmedienreferent des BDB und Gründer der Plattform Blasmusik Digital. Ich freue mich, dass er hier ist, Michael Schönstein.

Hallo zusammen, vielen Dank für die Einladung.

Michael, welches Stück oder Musikstück hast du dir als letztes bewusst angehört vor dem Interview?

Als letztes bewusst war es tatsächlich das Klavierstück meiner Tochter, die jetzt im zweiten Klavierjahr ist. Also da habe ich mir das bewusst angehört, was sie bekommen hat.

Okay. Ja, schön. Michael, wenn wir uns jetzt abends an der Bar kennengelernt hätten und ich würde dich fragen, was machst du eigentlich? Was würdest du sagen von den ganzen vielen Dingen, die ich da jetzt aufgezählt habe? Was machst du beruflich?

Ich würde dir wahrscheinlich sagen, weil wir in einer Bar sind, würde ich dir erzählen, dass mein Hauptberuf Musik und Medien ist, in einer witzigen Kombination und dass ich als Hobby noch in einem Medienunternehmen arbeite. Man merkt halt, wo das Herzblut hängt und das hängt in der Musik und dadurch, dass ich es kombinieren kann, Musik und Marketing und Medien, eine witzige Mischung.

Okay. Fangen wir trotzdem ein bisschen chronologisch an, wie kam Musik in dein Leben?

Also ich bin eines von fünf Kindern, wie man es so schön formuliert. Und mein Opa war Gründungsmitglied im Musikverein bei uns im Wohnort, im Dorf, in Freiburg ebnet. Und logischerweise bei uns in der ganzen Familie traditionell jeder macht Musik. Jeder war eben Musikverein bei uns. Und dadurch, dass ich der Jüngste war mit dem größten Abstand, war es aber so, dass ich, keine Ahnung, wie alt ich war.

Ich kann ja auch nicht sagen in meinem Gehirn, was die erste Erinnerung war, von welchem ja. Aber ich kenne viele, wie wir immer gesagt haben, Hockstücke, alte Blasmusikstücke. Kann ich komplett mitpfeifen, kenne sie komplett, weil ich natürlich immer mitgeschleppt wurde, wenn man so möchte. Mein Papa hat große Trommel gespielt, das hieß, ich stand dann irgendwann immer hinten mit dabei.

Mein Bruder Schlagzeug, der andere Bruder Klarinette, der nächste Saxophon, meine Schwester spielt Instrument, also ich war dann so immer mit dabei und das war so in den Glanzzeiten. Also ich bin Jahrgang 79, das heißt in den 80er Jahren, 90er noch, da wo sehr viel Hock gespielt wurde von Musikvereinen, jedes Wochenende, war ich halt mit dabei.

Und so kam das quasi sehr schlagartig in mein Leben, es war irgendwie immer da.

Kannst du den Begriff Hock erklären für die Norddeutschen wahrscheinlich, die das nicht kennen?

Genau, also man würde sagen, in manchen Gegenden in Deutschland wird es Heckenfest genannt, Hock. Also immer, wenn irgendein Fest gemacht wird, in der Art, dass traditionell irgendwie Musik spielt und es gibt eine Bewirtung in irgendeiner Art. Also vielleicht im Nordischen sind es oft die Schütztenfeste.

Das kann man vielleicht so vergleichen. Oder ein Oktoberfest in 0,1% Mini-Version. Vielleicht wäre es so eine Beschreibung.

Okay.

Welches Instrument spielst du? Mein allererstes Instrument war dann tatsächlich, es werden ein paar Staunen, Akkordeon. Dann war mein Hauptinstrument, das ist heute noch Oboe. Gerne Oboe 2, Englischhorn.

Okay. Ist aber jetzt, wenn man so, so wenn man so von der Festmusik kommt und aufgewachsen ist, nicht gleich das erste Instrument, was man dann wahrscheinlich da findet. Wie kamst du zu Oboe?

Witzigerweise, also der Weg war, also nachher würde ich sagen, oder offiziell würde ich wahrscheinlich sagen, ich finde es total schön, weil mittlerweile liebe ich das Instrument. Aber damals war es ein ganz platter, ganz pragmatischer Weg. Es hieß so in deinem Motto, ja, kannst du bei uns mitspielen?

Okay, was hast du? Du spielst Akkordeon, ach, das ist ein C gestimmt. Naja, die Flötennoten, die kannst du nicht lesen, die haben zu viele Hilfslinien. Ah, schau mal, da gibt es Noten, die spielt eh keiner bei uns, die nennen sich Oboe. Spiel doch die mal mit dem Akkordeon mit. Und irgendwann kam der ein älterer Dirigent, ganz toller, das war mein erster Oboen-Lehrer, der dann gesagt hat, naja, magst du eigentlich nicht Oboe lernen?

Wir suchen dir einen Lehrer und dann starten wir mit dem Unterricht. Also sehr pragmatisch, die Instrumentenwahl.

Gut, das hört man ja früher, also von früher öfter so, dass das sehr pragmatisch war, mit das brauchen wir noch, das nicht, ah, deine Lippen sind zu dick, dann geht das und das Instrument nicht, sondern wie alt warst du dann bei der Obu?

Tatsächlich 13. Ich habe mit 13 erst angefangen, Oboe zu lernen.

Okay. Und fandst du das cool? Also, ich weiß nicht, Obue ist ja jetzt, man sieht das nicht so oft irgendwie. Wie war das für dich?

Also, mein Bruder hat ja Klarinette gespielt und hat unheimlich viel geübt. Er hat auch im Landesblasorchester gespielt. Also so, das war dann so, man hatte sehr viel gehört zu Hause, wenn er geübt hat. Und ich bin nicht derjenige, der gern schnelle Läufe spielt. Und dann war ich total beeindruckt auf der Obue, dass die sich doch immer die Rosinen rauspickt, muss man sagen.

Spielt oft bei der Trompete mit, spielt die schönen Melodien, wenn es kompliziert wird, hört es auf, weil dann spielen die Flöten die schlimmen Läufe. Und war dann, hat irgendwie gepasst für mich. Also ich fand es dann tatsächlich auch cool. Ich hatte schnell Solos, mag ich auch im Orchester, die Solos spielen, aber es kam auch schnell auf, dieses Oboe 2, das Tiefere und das English Horn.

Also ich habe mir recht früh ein eigenes English Horn gekauft, weil ich das so vom Klang total mag. Und das fand ich dann richtig cool.

Okay. Und als Oboes sitzt man ja schon weit vorne. Aber wie kam es dann dazu, dass du noch ein paar Schritte vorgegangen bist und dann zum Dirigent wurdest?

Das war eigentlich auch, ja, kann man sagen, mit dem Beruf bei mir dann irgendwann kam das auf, dass ich beruflich irgendwann auch mal Teamleiter wurde. Und ich durfte mal, sagen wir mal so, ich durfte mal mehr beeinflussen, was wir machen und warum wir das machen, in welcher Richtung wir das machen.

Und irgendwie, das war ja genauso die Zeit, wo ich dann 18, 19, 20 und so weiter in der Zeit war. Und dann hat man das Gefühl, naja, man sitzt im Orchester und ist vielleicht nicht ganz immer zufrieden, gerade wenn man weit vorne sitzt, wie das jetzt musikalisch interpretiert wird. Und irgendwann kam dann auch natürlich so etwas, die sportliche Aussage, naja, dann wär doch selber Dirigent.

Und wenn dann das Angebot da liegt, da gibt es einen C3-Kurs, da kann man mitmachen, wir unterstützen das als Verein. Also ein Verein, wo ich gelernt habe, die haben das dann tatsächlich eben auch gefördert, haben gesagt, ja, gerne, mach das. Wir unterstützen dich da, melde dich da an. Dann wär Dirigent, dann kannst du bei uns Vizedirigent machen und dann kannst du auch selber sagen, wie du es jetzt gerne anders hättest.

Und das war in dem Moment wahrscheinlich genau das richtige Alter und der richtige Moment dafür.

Okay. Ich habe auf deiner Homepage gesehen, dass du ja relativ viel Fortbildung auch gemacht hast. Da liest man ja große Namen. Alex Schillings, Isabel Ruf Weber, dann Jörn Mösenbichtler auch Richtung Juror sein. Welcher von denen hat dich am meisten oder nachhaltigsten geprägt in deiner musikalischen Arbeit?

Also ich habe aber bei Felix Hauswirt in den B-Schein gemacht, in Rossing. Das war natürlich schon auch prägend. Der hat einen tolle Gastdozenten, da war ein Dozent aus Amerika mal eine Phase dabei, der hat wirklich geprägt, obwohl er nur eine Phase dabei war. Und dann hatte ich lange Zeit eben eher eine Fortbildungspause.

Dann die Jurorenweiterbildung auch bei Isabel Ruf Weber, das war super. Die hat mich auch total beeinflusst, hat man wirklich gemerkt, dass ich danach anders agiert habe. Und dann kam so ein extremes Aha, also wirklich so dieses, naja, man hat dirigiert, man hat C3-Kurs gemacht, B-Schein hat viele Jahre dirigiert und kommt dann quasi zu Alex Schillings und Rob Gorheus in die vier Jahre Fortbildung im Endeffekt.

Und nach dem ersten Jahr habe ich gemerkt, okay, mein armes Orchester, ich tat eben oft Unrecht, weil viele Dinge waren, Sachen, die waren Handwerksfehler, die ich einfach, die sich eingeschliffen haben. Und dadurch muss ich schon sagen, dass Alex Schillings mich natürlich am meisten wachgerüttelt hat, vieles zurechtgebogen hat.

Geprägt klingt immer so, wie wenn man dann wirklich d'accord ist mit allem, das wäre ich sicher nicht. Aber geprägt schon in der Art, dass er neu geformt hat und in eine andere Richtung geformt hat. Das absolut.

Achso, eine Sache Brissett, wo du sagst, okay, da hat er mir gezeigt, dass es nicht das Orchester ist, sondern ich.

Paradebeispiel, weil das war wirklich so ein ganz krasses Aha, kann sich ja jeder vorstellen. Wenn man sich ein Schlagbild von einem Dreier-Takt vorstellt, von einem Dirigent, runter, nach rechts, raus und dann wieder zurück nach oben, ganz billig gesagt, dann hatte ich schon so einen Schönheitsschnörkel drin von Schlag 2 auf die Drei nach außen.

Entschuldigung, von Schlag 1 auf die 2 nach außen. Und das hatte zugeführt, dass das vielleicht Millisekunden war, dass meine zwei später kamen, als sie eigentlich sein müsste. Und dadurch hat das Orchester eigentlich immer versucht, korrekt den Dreier-Tack zu spielen. Aber ich habe ihn immer so durch mein Schlagbild verzögert.

Und da hatte nie einer eine Chance, das richtig zu spielen. Und das war tatsächlich Videoaufnahme und Slow Motion und schau dir mal das an und versuch mal, da selber danach zu spielen. Das war so ein richtig ganz plakatives Aha.

Okay, spannend. Ja. Sollten wir vielleicht dann doch öfters mal machen, sich aufzunehmen, um dann auch mal zu gucken. Ich weiß das zum Beispiel, wenn die Folge rauskommt, ist die andere wahrscheinlich schon raus, aber ich kann es ja trotzdem mal sagen. Ich habe vor ein paar Wochen mit Paul Jacot gesprochen und der hat auch gesagt, also meistens sind es nur Tonaufnahmen bei ihm, aber er lässt jede Probe mitschneiden und hört sich jede Probe hinterher nochmal an.

Das finde ich den Dirigenten-Job sehr, sehr ernst genommen. Sicherlich, definitiv. Ich müsste mich auch mal wieder aufnehmen, das habe ich ihm damals auch schon gesagt. Aber ich hätte nicht die Zeit, das jede Woche zu machen. Weil ich muss es ja auch durchhören. Also nur aufnehmen bringt ja dann auch nichts.

Also ich müsste ja dann wirklich mich nochmal die zwei Stunden Probe nochmal intensiv durchhören. Plus das Gedanken, also das bleibt ja nicht bei zwei Stunden. Das würde ich in meinem momentanen Leben nicht schaffen. Aber so punktuell, glaube ich, ist das eine gute Sache, auch mal filmisch, damit man mal sieht, wie man agiert, wie das Schlagbild aussieht, das auf jeden Fall.

Was reizt dich am Marketing?

Super Frage, muss ich echt sagen. Super Frage. Weil man muss da aufpassen, wie man antwortet. Also es reizt mich eigentlich die Tatsache, etwas darzustellen und es ist quasi, egal was es ist, und besonders eigentlich, wenn es total unspannend und also eher kompliziert ist und man versucht es darzustellen, dass jemand anders es durch die Darstellung interessant findet.

Also ein Beispiel, wir hatten, wenn mich jemand fragt, naja, was ist denn das Produkt, was ihr im Moment, also wo ihr zuständig seid und ich würde ihm pur sagen, naja, wir sorgen im Marketing derzeit dafür, dass eine Buchhaltungssoftware interessant genug ist, dass es Menschen kaufen, dann klingt es natürlich schon total trocken.

Und das macht es aber schon extrem spannend. Also je trockener das Produkt oder je langweiliger das Produkt, desto interessanter eigentlich das Marketing dafür.

Okay, weil das sind ja schon so zwei, also dieser Führungsaspekt, den du genannt hast und das Marketing sind ja so zwei Dinge, die sich durch dein Tun, wenn man sich das sich so mal anguckt, was du so machst, ja konsequent durchzieht. Absolut. Ich habe ja auch anfangs gesagt, du bist Bundesmedienreferent.

Was ist ein Bundesmedienreferent?

Also, was ist ein Bundesmedienreferent? Wo ich angefangen habe mit dem Amt, war es noch der Bundespressereferent.

Gut, darunter kann man sich mehr vorstellen, ja.

Ja, wobei der Job dort ein anderer war. Also ich hatte gar nichts mit der Presse zu tun. Das war nur noch der Titel, also tatsächlich. Also das Ganze kommt daher, dass das im BDB, das ist der Bund Deutscher Blasmusikverbände, der heißt so, weil er historisch einfach sehr, sehr alt ist und damals wurde der so benannt und er wurde auch nie umbenannt.

Und dementsprechend heißen die Ämter auch noch in dieser Konstellation. Das heißt, Bundesmedienreferent ist nicht Bundesebene, sondern ist einfach der Medienreferent vom BDB, also von dem Bund Deutscher Blasmusikverbände. Und dort war es einfach so, die Dirigenten, die Dirigentenausbildung Metaphor war an der BDB-Akademie in Staufen.

Und wenn man so eine lange Zeit dort ist, über vier Jahre, kommt man natürlich mit jedem ins Gespräch. Und irgendwann kam natürlich auch von den Präsidiumsmitgliedern so, und was machst du eigentlich beruflich? Also wenn du gerade nicht bei uns in der Weiterbildung bist, und dann ist natürlich auch das Wort Marketing gefallen, beziehungsweise man hat sich mal mit eingebracht und dann hieß es, naja, wir haben deine Position, Bundesmedienreferent, der eigentlich dafür verantwortlich sein sollte.

Oder jetzt versuche ich es ja auch auszufüllen. Wie wirkt der Verband, wie ist das Auftreten, da geht es rein um das Grafische, dann geht es aber auch um die Werte, die hinter einer Marke stehen. Wie sieht ein Flyer aus, wie sieht das Social Media Auftreten aus, wie sehen Videos aus? Also wirklich so das Handwerkszeug, was man kennt aus dem Marketing, bis hin zu, wie ist die Kommunikation, wie wirkt man auf Messen, was sind, ja, eigentlich zieht sich durchs komplette Marketing.

Also es gibt, ich glaube, ein Radiospot haben wir noch nicht gemacht, aber sonst haben wir so ungefähr jedes Medienformat in irgendeiner Art schon mal bestückt. Und das sind dann auch die Aufgaben, dass man da versucht, eine Form reinzubringen, die dann die Hauptamtlichen einfach auch nutzen können. Und als Ehrenamtlicher ja ein Stück weit die Aufsicht darüber hat, dass die Form erhalten bleiben kann.

Also du machst das ehrenamtlich, Bundesmedienreich.

Genau, da bin ich als ehrenamtlich gewählt dafür.

Oha, das ist aber jetzt nicht die kleinste Position, finde ich.

Ja, aber also die haben hauptamtliche Angestellte. Zum einen ist ja die BDB Musikakademie, zum anderen jetzt neu das BDB-Kulturhotel. Das heißt, die haben schon einen recht großen Aufgabenbereich jetzt oder ein Aufgabengebiet und durch die Hauptamtlichen kann das schon gut gestützt werden, also dass man wirklich Richtung vorgibt.

Und wir haben einen sogenannten Style-Guide. Müssen wir vielleicht auch kurz erklären, das ist wie eine große Vorgabe, eine große Anleitung. Also da stehen die Farbwerte drin, da steht drin, wie die Fotos zu machen sind, da steht drin, welche Garnfarbe es gibt, wenn ein Produkt gedruckt wird oder bestickt wird für die Messen und so weiter.

Also eine große Anleitung. Und das haben wir jetzt in einem Prozess von eineinhalb Jahren erarbeitet, weil eben, es gab ja einen Neubau beim BDB und die sind von der alten Akademie in die neue gezogen und das war der Anlass, auch das Logo neu zu überarbeiten und die Werte hinter der Marke und so weiter.

Und da war natürlich sehr viel mehr Arbeit, als vielleicht in dem Ehrenamt drin wäre, aber man kann jetzt schon extrem davon profitieren.

Sehr spannend. Also ich durch die Arbeit jetzt natürlich mit dem Podcast, da habe ich mich mit dem ganzen Kram ja auch schon auseinandersetzen müssen. Ich habe da Gott sei Dank meine Frau, die Mediendesign studiert, die weiß, wie das funktioniert. Und hat dann auch ganz am Anfang, das weiß ich noch zu gesetzt, ja, wir müssen die Farben festlegen.

Auf die Idee wäre ich wahrscheinlich am Anfang gar nicht gekommen. Deswegen, und das macht natürlich schon noch alles Sinn, wenn das mal festgelegt ist, weil dann kann man das dann ja an Messen auch rausschicken. So muss das aussehen, wenn ihr mich abdruckt oder so.

Absolut, ja.

Findest du sowas sinnvoll auch für Vereine? Also vielleicht jetzt nicht ganz so aus, so üpisch, aber so in so einer abgespeckten Version.

Ich finde es absolut sinnvoll. Ich finde es jetzt nicht Priorität 1 notwendig. Das würde ich nicht sagen. Aber ich finde es absolut sinnvoll. Ich finde es sinnvoller als die Tatsache, dass jeder Verein Social Media macht, weil man es macht, weil es on vogue ist. Da finde ich, sollte man die Zeit mal nutzen und sagen, okay, so wie wir uns vielleicht hoffentlich viele Gedanken machen, wie man uns musikalisch erkennt.

Also manche haben ja ein musikalisches Profil, so wäre es auch gut, dass das andere Profil halt dazu passt. Also alle anderen Dinge drumherum. Jetzt außer den Hörsinn, dass auch der visuelle Sinn und die Kommunikation, dass die Farben etc., in wirklich abgespeckter Version auch klar sind.

Hast du das bei deinem Verein so ein bisschen mit eingeführt?

Ja, definitiv. Also bei einem Verein, den ich als erstes übernommen habe und eben immer noch mache, da präge ich das ganz extrem. Ich glaube, da tut mir auch jeder leid, der mitarbeiten darf, muss, kann, soll. Ich glaube, da bin ich schon sehr extrem direktiv an der Stelle.

Okay. Du hast gerade so ein bisschen angesprochen, Instagram. Ich blicke da auch so ein bisschen skeptisch drauf, warum das jeder Verein jetzt plötzlich macht. Du sagst, du findest es nicht nötig. Warum?

Ich, so wie ich es versucht habe zu formulieren, wollte ich rüberbringen, damit es nicht jeder macht, nur weil man es macht. Also dieses On Woke sein, so unter dem Motto auch wir machen das. Und das ist so eine Grundphilosophie vom Marketing eigentlich. Also ich bin sehr stark direkt Marketing erzogen, sagt jetzt auch nicht jedem was, aber teilen wir mal kurz für die Erklärung Marketing einfach in zwei Blöcke.

kann man Bekanntheitswerbung machen, nennt man Imagewerbung. Radiosport, Fernseh wird oft dafür genutzt oder Zeitschriftenanzeigen. Und man kann Direktmarketing machen. Das wurde 90er, 2000er ganz stark gemacht, so dieses, ich schicke irgendeine Werbung raus und versuche auch nachzuvollziehen, dass diese Bestellung genau über diese Werbung zurückkommt.

Also ich schicke ein Mailing raus, jemand bestellt genau über dieses Mailing und dann kann ich sagen, jetzt kam da drüber eine Bestellung. Und dadurch bin ich natürlich sehr stark erzogen dahin, dass man Marketing nur macht, wenn man sich ein Ziel definiert und das Ziel auch misst. Und wenn wir jetzt Instagram aufmachen würden und gucken Musikvereinsseiten an oder Orchesterseiten, dann stecken die unheimlich viel Zeit rein, schöne Postings zu machen.

Die gucken sich Postings ab oder sie haben selber super coole Ideen, machen tolle Fotos, manchmal unnötige Fotos und schicken das raus. Und dann ist ja ehrenamtliche Arbeit zeitmäßig da verbunden und das war dann einfach da. Genau. Meistens hat es eben dann kein Ziel und dann ende die Story dort auch schon.

Und solange nicht festgelegt wird, warum tun wir das Ganze und woran messen wir denn, dass das erfolgreich war, finde ich, dann tut man es nur, weil es halt irgendwie so jeder tut. Und deswegen bin ich so hart in der Aussage.

Ja, ist aber auch schwer zu messen über Instagram. Also oder hast du da als Marketing-Experte sagst du, okay, so könnte man das messen als Verein.

Ja, absolut. Also wir können ja mal ein, zwei Beispiele annehmen. Entweder ich sage ganz platt, ich möchte so und so viele Kommentare erzeugen. Dann mache ich Postings, wo es darum geht, dass ich Kommentare wähle. Also dann provoziere ich Kommentare und sage mir, ich möchte mindestens zehn Kommentare.

Dann kann ich nachher sagen, habe ich die zehn oder nicht. Das gleiche geht natürlich bei Fuse, also wie häufig wurde es denn überhaupt angeguckt. Ich kann ja sagen, ich habe Postings, da haben wir unsere Weihnachtswahl gepostet, da haben vielleicht nur 500 Personen drauf geklickt, dann haben wir unser Jahreskonzert gepostet, dann nur 200, dann haben wir ein tolles Instrument abgebildet und vielleicht einen provokanten Gespräch und plötzlich waren es 3000, also sind jetzt alles erfundene Beispiele, aber es werden Unterschiede sein, je nachdem, was ich inhaltlich präsentiere.

Und wenn ich mir aber vorher vornehme, was ich damit haben will, würde das gehen. Ein anderes Beispiel, wenn ich messen möchte, dass das wirklich was bringt, mache ich mir eine eigene URL oder eine eigene E-Mail-Adresse und verpacke dort eine Aktion rein. Zum Beispiel jetzt Konzertkarten und bestellt eure Konzertkarten vor unter Konzertkarten.musikvereinso und so.de und diese Adresse poste ich aber dann nur auf Instagram.

Und wenn ich dann E-Mails drüber kriege, kann ich ganz genau sagen, das kam nur über Instagram. Es geht mit einer Webseite, es geht mit so einem Shortlink, das geht mit eigener Domain dafür, also lässt sich gut machen. Es geht auch um mit einer Telefonnummer, ganz klar. Und so weiter.

Die Frage ist natürlich trotzdem, als Verein, wenn ich jetzt sage, okay, ich will so viel Fuse, was nützen mir die jetzt unterm Strich? Weil wenn jetzt, keine Ahnung, dann gucken jetzt 1000 Leute, aber mein Konzert hat trotzdem nur 300 Leute. Also die Frage stelle ich mir tatsächlich. Also wobei ich auf der anderen Seite jetzt sagen muss, gut, es waren jetzt nur vier Leute, die mir das gesagt haben, aber wir hatten jetzt letzte Woche Konzert.

Also wenn es ausgestrahlt wird, wir hatten Ende November Konzert. Und dann waren Menschen, die ich kannte, da, aber die waren noch nie bei uns. Und die haben gesagt, ja, wir haben euren Post heute Morgen noch gesehen und wir hatten heute Abend nichts vor. Also sind aber halt auch nur vier jetzt. So, aber du weißt, was ich meine.

Also eine große Reichweite auf Instagram will ja irgendwie jeder haben, aber die Frage ist, was nützt mir die große Reichweite als Verein? Ich bin jetzt keine Einzelperson, bin jetzt kein Influencer. Also wenn ich jetzt von mir als Podcaster ausgehe, hilft es mir natürlich, weil der Podcast halt überall gehört werden kann.

Als Verein komme ich ja jetzt, also mein Jahreskonzert ist halt im Ort. Da hilft mir jetzt nicht, wenn ich da 300 Leute in Schweden habe, die mir folgen.

Auf jeden Fall, ja. Ich glaube, man kann es ein bisschen als moderne Pressearbeit sehen. Also früher hat man dafür gesorgt, dass man im Gemeindeblatt hieß es bei uns immer oder in der Dorfzeitschrift oder Dorfzeitung oder in einem Amtsblatt, vielleicht ist das der beste Begriff, den alle kennen, dass man seine Anzeige da reingebracht hat.

Das wird man heute auch noch machen. Und man wird aber die jüngere Generation immer erreichen. Das heißt, selbst für den Ort oder für den kleinen Landkreis, in dem man tätig ist, wird man vielleicht auch in seinem Umfeld eher die jüngeren Leute erreichen, wenn man es natürlich auch auf Instagram postet, dass man ein Jahreskonzert hat.

Und so kann man es eigentlich für sich betrachten. Die Messbarkeit wird mega schwer, gerade bei Instagram. Also reden wir über zum Beispiel Facebook etc., wo ich auch Links mit reinbringen kann, wo man draufklickt, dann habe ich den absoluten Klick. Das funktioniert natürlich, aber Instagram ist schon die schwierigste Version, das zu messen.

Viele gehen hin und sagen, in meiner Biografie findet ihr einen sogenannten Link-Tree. Das ist also ein Hinweis darauf, dass da eine Verlinkungsseite ist und dann kann man es darüber messen. Aber das sind ja alles Krücken so unter dem Motto, naja, merk dir bitte, wenn du den Weg gehst, dann wirst du irgendwann auch klicken können.

Es liegt einfach an dem Medium Instagram. Ich glaube, da muss man auch mit viel Überzeugung einfach sagen, okay, mein Jahreskonzert bewerbe ich da drin und wenn es 300 Menschen in Schweden gesehen haben, vielleicht hätten sie Interesse gehabt, aber sie wohnen gerade nicht hier. Und vielleicht reden wir in zwei Jahren nochmal und die Medien sind ein Stück weiter.

Und man kann vielleicht als Musikverein die Medien mehr nutzen. Also während Corona gab es unheimlich viele Live-Übertragungen von Jahreskonzerten. Und ich finde es schade, wie viel davon nicht mehr übrig geblieben ist. Also ich finde es eigentlich schade, wie wenig das jetzt wieder produziert wird. Mag an den Kosten liegen, mag noch an der zu teuren Technik liegen.

Aber es war schon cool. Also ich konnte mir viele Musikvereine anhören, zu denen ich eben nicht hinfahren kann. Das war während Corona wenig Problem. Also ich konnte da viele anhören. Und dann könnten es auch die 300 in Schweden anhören.

Das stimmt natürlich. Apropos Livestream, ich weiß nicht, ob du es gesehen hast und das fand ich total cool. Es findet man auf YouTube noch, gab jetzt ein Wertungsspiel, das in Österreich gestreamt wurde. Findest du komplett auf YouTube. Ist mir auch neu, dass das einen Verband macht. Tolle Sache. Finde ich super.

Also absolut super. Hat natürlich dann die Wertung halt nochmal vielleicht eher nachvollziehen, weil du hast ja nochmal die Chance reinzugucken. Sonst ist ja bei so einem Wertungsspiel, spielst du und musst dann damit hinnehmen, was am Schluss kommt. Wenn es nicht irgendwie zumindest audiomässig aufgenommen worden ist.

Aber jetzt kannst du ja zumindest auch schon mal nochmal nachgucken und vielleicht ein intensiveres Wertungsgespräch dahinter auch machen.

Ja, absolut. Also wir waren im 2022 beim WMC in Kerade. Und dort ist das üblich, dass es aufgenommen wird und im Fernseher ausgestrahlt wird. Man kriegt auch als Orchester nachher die Aufnahmen. Also wir konnten das auch direkt danach anschauen. Eben uns wurde auch live gestreamt. Also alle, die daheim geblieben sind, konnten uns live zuschauen.

Und ich finde es super.

Da ist der Stellenwert der Blasmusik halt auch noch ein anderer. Absolut, klar. Deutschland wüsste jetzt keinen Sender, der Wertungsspiel ausstrahlen würde.

Ja, die haben das aber schon auch über einen eigenen Sender quasi gemacht. Also wie MC TV. Also die haben einfach die Technik dann gestreamt auf einer Webseite und darüber konnte man es sich anschauen. Die haben das aber dann natürlich so aufgezogen, dass wirklich Moderatoren rumgelaufen sind. Also ich wurde direkt interviewt ab dem Moment, wo ich von der Bühne runterkam und durfte dann noch kurz was sagen, wie jetzt der Auftritt war und solche Dinge.

Und also sicherlich professionalisiert, aber es sind ja auch die World Music Contests, logisch. Aber ich glaube, da ist einfach die Scheu verloren, so dieses, früher war es ja auch so, man darf auf keinen Fall eine Aufnahme erstellen, wenn ein Wertungsspiel stattfindet, damit man nachher die Wertung nicht anfechtet und solche Thematiken.

Also weil man halt nicht dazu stehen möchte oder weil man keine Diskussion möchte. Vielleicht auch, könnte eine deutsche Tugend sein, manchmal, vielleicht auch eher eine Negative, aber daher kommt es, glaube ich, noch stark.

Ist da irgendwie bestrebt vom BDB da, sowas mal zu machen?

Also im BDB, wenn wir jetzt dort ganz kurz einhaken, gibt es jetzt ein neues Wertungsspiel vor Ort. Das ist eine Initiative vom Musikrat vom BDB, dass man den Vereinen die Chance bietet zu sagen, okay, in unserem gewohnten Umfeld wollen wir unsere Wertung stattfinden lassen und wir laden uns die Wertungsrichter zu uns ein.

Dann meldet man vorab an und sagt, okay, diese zwei Stücke möchten wir werten lassen. Es gibt ein paar kleine Auflagen, wie zum Beispiel, die müssen dann im ersten Konzerthall stattfinden, die dürfen nicht im zweiten Konzerthall stattfinden. Wo die Jury, wo die, also musikalisch gesehen geht es einfach darum, dass der Klang sich immer, kann man jetzt streiten, aber sich eher immer verschlechtert in der zweiten Hälfte, weil die Musiker ja eine Pause machen.

Auch die Intonation, dann wird über Intonationen diskutiert, also man hätte nicht mehr sauber einstimmen können. Deswegen gibt es einfach da die Auflage, gab es auch letztes Jahr erst zum ersten Mal, war aber ein großer Erfolg, dass man sagt, okay, einfach muss im ersten Konzertteil sein, dann kann man auch werten.

Also man hat auch einen zweiten Konzertteil als Wertungsrichter, dann die Chance, sich zu besprechen und solche Dinge. Und am Ende wird dann schon das Ergebnis präsentiert. Entspricht jetzt nicht der Tatsache, dass man sagt, man veröffentlicht das jetzt technisch über Streaming oder sowas. Das sind einfach im Moment die Kosten noch enorm für sowas.

Aber es ist hoch transparent. Also das ganze Publikum sitzt dabei.

Das ist auf jeden Fall, ja. Ich finde, man spielt ja dann auch ein bisschen anders, weil man ja dann doch daheim spielt. Also daheim spielt man ja anders für dem eigenen Publikum, als diese Wettbewerbssituation. Man kommt auf eine Bühne, in eine Halle, die man nicht so kennt. Dann hat man vorher noch ein Orchester gehört oder so.

Das sind ja alles Sachen, die dann da so ein bisschen rausgenommen werden. Und vielleicht dem einen oder anderen Orchester das sogar ein bisschen leichter machen, weil man einfach in der Wohlfühlsituation bewertet wird, die man ja sowieso kennt.

Absolut. Also das waren auch die Pro-Argumente, die zurückkamen. Also allein schon solche Dinge wie, naja, super, wir dürfen auf unserem Instrumentarium spielen, vor allem Schlagwerk.

Ja, genau.

Man muss nicht das nehmen, was vor Ort ist. Manchmal ist das nicht, manchmal ist es toll, aber manchmal ist es nicht gut. Oder es ist nicht eingestellt und lauter so Dinge. Also kommt absolut gut an. Das ist jetzt das zweite Jahr, wo das einfach nochmal weitergemacht wird und wenn es weiterhin so ankommt, ist die Idee, dass natürlich die Quote derer, die auch wieder Interesse haben, sich bewerten zu lassen, auch wieder steigt.

Also da bin ich sehr gespannt und werde das mal so ein bisschen im Blick halten, weil ich finde die Idee eigentlich ganz gut, weil ich nehme, zumindestens, also ich komme ja aus Nordbayern, also sehr weit Norden, das ist so der letzte Zipfel vor Hessen. Nämlich war, dass Wertungsspiele eigentlich überhaupt nicht mehr angenommen werden bei uns.

Also vor Corona gab es noch eins, da gab es zwei Orchester.

Oh wow, okay. Das ist nicht viel. Absolut, ja. Also das ist komplett auch eine andere Kultur, im klar, wie du gesagt hast, in Österreich, Schweiz und Niederlande etc., da ist natürlich eine komplett, ja, teilweise verrückte Kultur, wie stark die sich da in Wettbewerben stellen. Aber in unseren Regionen schon extrem eingeschlafen.

Bist du ein Fan von Wettbewerben?

Von Wettbewerben schon, von Wertungsspielen bedingt. Also ich habe auch extra diese Jurorenweiterbildung gemacht, die so über drei Jahre ging in Drossing und habe dann auch viele Aspekte gelernt. Also ich wollte es eigentlich machen nicht, weil ich Wertungsrichter sein möchte, sondern weil ich die Seite kennenlernen möchte als Dirigent.

Das war mir eher wichtig, quasi zu verstehen, wie gewertet wird. War auch sehr, sehr spannend aus dem Aspekt. Aber ich habe schon alles erlebt. Ich habe ein Wertungsgespräch schon erlebt mit meinem Orchester, wo wir alle motiviert waren und dann hat der Juror uns bewertet, uns erzählt, was wir alles falsch machen, um dann zu merken, nach zehn Minuten, dass er das völlig falsche Stück dabei hat, also dass wir das Stück gar nicht gespielt haben und er uns jetzt aber zehn Minuten darüber erzählt hat, weswegen wir falsch gespielt hätten.

Es hat natürlich die Wahrnehmung meiner Musiker zu der Wertigkeit von Wertungsspielen in dem Moment in Schall und Rauch aufgehen lassen. Und die hat es ja eigentlich erst wieder hergestellt, wo wir das erste Mal jetzt bei dem WMC waren, weil das einfach eine andere Art ist. Also ich glaube, es gibt sehr gute Wertungsspiele und es gibt Wertungsspiele, wo man sehr viel besser machen kann.

Ansonsten von Wettbewerben bin ich total der Fan, das finde ich cool. Ich hätte, ja, es gibt so eine Wettbewerbsart, die habe ich jetzt ein, zweimal in der Schweiz gelesen. Ich war leider noch nie dabei. Ich würde mir wünschen, wir machen es mal irgendwo. Ich habe auch mal forciert, ob wir das selber machen können.

Das ist ein Prima-Vista-Wettbewerb. Das finde ich großartig. Das hätte ich so Lust drauf.

Ja, aber das ist nicht für jedes Orchester.

Ja, klar, also aber es wäre ein schönes Angebot und es wäre ein sportliches, ja, auch ein sportliches Angebot. Wie lange hat man dann Zeit? Unterschiedliche Ansätze. Also bei manchen oder sehr häufig wird es so gemacht, man hat eine halbe Stunde Zeit und performt dann schon. Ich wäre sogar der Fan davon von gar keine Zeit.

Also wenn ich es freigestalten dürfte, dann würde das Orchester oben sitzen. Wir machen ein Paket auf und da sind dann neue Noten drin und die werden dann verteilt. Und bis alle verteilt sind, dann geht's los.

Gut, dann musstet ihr aber beim Verteilen gut überlegen, in welcher Reihenfolge das die, die vielleicht ein bisschen länger zum Lesen braucht, als die erstes die Noten bekommen. Nee, also ich finde den Ansatz cool, aber das ich bin ja jetzt auch einer, der ich mal von mir behaupten, sehr fit vom Blatt spielen kann.

Und ich weiß, das können nicht viele, das konnten auch im Studium nicht viele. Also das muss man ja auch mal ganz klar sagen. Das ist ja schon eine eigene Disziplin dann. Absolut, genau. Und dann musstet ihr ja wirklich überlegen, tut es meinem Orchester gut oder nicht. Also wenn ich ein Orchester habe, das halt diszipliniert probt und dann am Schluss abliefert, aber halt vom Blatt erstmal nichts auf die Reihe kriegt, dann ist das natürlich.

Aber es wäre tatsächlich eine spannende Sache.

Ja, also ich würde es viel mehr unter deswegen habe ich auch gemeint, Wettbewerb finde ich spannend. Für mich wäre es wirklich ein Spaßwettbewerb, wenn man sowas macht. Für den Zuhörer total interessant, also auch mal so einen Eindruck zu kriegen. Dass es auf Baden gehen kann. Ja, und vor allem, wie klingt denn sowas, wenn man mit was?

Weil viele hören ein Jahreskonzert, manche proben drei Monate drauf hin, manche fünf Monate. Die hören quasi den möglichst vielleicht erreichbaren, perfekten Zustand, den ihre Kapelle aus dem Dorf oder aus der Stadt erreichen kann, zu dem Zeitpunkt mit den verschiedenen Gegebenheiten, die es halt gibt.

Aber die hören quasi ja auch nie, wo hat denn das Ganze begonnen. Und von dem Aspekt, glaube ich, für Zuhörer interessant, aber es wäre natürlich sportlich witzig, also hat viel mehr was auch von einem Spaßwettbewerb.

Das auf jeden Fall. Also weil das muss ja jedem klar sein, dass das auch je nach Stück echt baden gehen kann. Wobei ich, ich erinnere mich, dass ich in einer der ersten Folgen, ich glaube Folge zwei oder so, mit Jens Weißmantel gesprochen habe, da haben wir es auch schon mal so drüber gehabt. Das kommt mir jetzt gerade zu.

Und dann meinte er, ja, es wäre natürlich dann auch geschickt, wenn man quasi, wenn vom Blatt dann eine Stufe drunter, halt, dass ein Oberstufenorchester halt Mittelstufenstück spielt, damit man schon auch irgendwie eine reelle Chance hat, dass beim ersten Mal, dass da viel, viel dabei rumkommt. Weil der Zuhörer hat ja auch nichts davon, wenn nach vier Takten das alles komplett auseinanderfliegt, weil das Stück schon so komplex ist irgendwie.

Aber die Idee finde ich gut. Also wenn es sowas mal in Deutschland gibt, bin ich dabei. Ich weiß zwar noch nicht mit welchem Orchester, weil ich glaube, meine haben da keine Lust drauf, aber ich werde dabei. Ich hatte aber auch noch das andere Thema Vereinsmanagement. Das ist ja so das große Ding. Da gibt es ja auch Seminare bei dir.

Du bist wahrscheinlich durch den BDB auch noch einiges mit. Wie blickst du auf Vereine im Moment?

Ich würde sagen, im Moment kristallisiert sich raus, es ist aber ein ganz sehr subjektives Bild, dass wir entweder Vereine haben, die an einer ganz schwierigen, harten Kante laufen, weil sie jetzt mit Auswirkungen kämpfen. Und da könnten wir jetzt alle Schlagworte aufzählen, die wir die letzten fünf Jahre in unserer Vereinspresse so hatten, von G8 und von neuen Medien und die Jugendlichen machen was anders und Generationswechsel und Wahrnehmung und so weiter.

Auf jeden Fall mit den Auswirkungen kämpfen jetzt viele Vereine, dass sie an der Kante kommen und merken, wir müssen Dinge ändern. Dann kennt man seit ein paar Jahren diese Thematik, neue Vorstandsmodelle. Man findet nicht mehr den klassischen ersten Vorstand oder die erste Vorständin. Also ich glaube, die Thematik kennt ja jetzt jeder und hört man auch viel dazu.

Und auf der anderen Seite gibt es Orchester und Vereine, bei denen läuft super. Und es fehlt aber so, dieses Zwischendrin gibt es viel weniger, als es vor Jahren noch gab. Dann gibt es eben welche, die wählen neue Wege, da funktionieren neue Wege, die werden dann oft auch als Paradebeispiele dargestellt.

Und es gibt doch viel mehr Vereinsauflösungen, als man glaubt. Wir haben vor vier Jahren mal ins, nee, Entschuldigung, seid Rechnung falsch, ich glaube mittlerweile in sechs Jahren. Also es war ein Jahr vor Corona, da haben wir eine Webseite installiert, notruf-verein.de, die gibt es immer noch. Da ging es darum, man kann einfach als Verein, es war beschränkt auf Kulturvereine, also keine Sportvereine, man konnte einfach einen Notruf absetzen.

Und der Notruf hat einfach gesagt, okay, wir sind jetzt an der Stelle, wo es entweder darum geht, wir lösen uns auf, oder wir kriegen jetzt professionelle Hilfe. Und das haben recht viele Vereine gemacht und so ist es dann auch entstanden, so dieses, okay, wie können wir denn den Vereinen irgendwie helfen?

Und dann kam mit der Zeit raus, dass man sagt, na gut, als Klammerbegriff Vereinsmanagement. Und da gibt es einfach immer wiederkehrende Aspekte. Und so blicke ich eigentlich ein bisschen drauf, dass ich sage, wir haben nicht mehr so eine bunte Mischung, also so eine schöne Bandbreite, sondern wir haben die untere Kante und wir haben einige in der oberen Kante.

Von der Verteilung, glaube ich, haben wir mehr an der unteren Kante. Und viele brauchen Hilfe. Ich bin mir nur nicht sicher, ob viele bei der Hilfe, wenn sie sie kriegen würden oder wenn sie sie bekommen, die auch wahrnehmen, weil die Bereitschaft im Ehrenamt was zu tun weniger ist als früher.

Okay, jetzt haben wir ein ganz großes Faser aufgemacht. Ich würde den unkonventionellen Weg gehen, ich würde erstmal auf die gucken, bei denen es gut läuft. Und mich erst später auf die stürzen, wo man sagt, okay, da läuft es nicht. Hast du ein, zwei Vereine gerade im Kopf, wo du sagst, okay, das sind so Paradebeispiele, bei denen läuft super.

Ich hoffe, dass ich die richtig zitiere. Ein Verein, der mich beeindruckt hat, ist der Orchesterverein Hilgen. War ich beim Deutschen Orchesterwettbewerb, durfte ich die auch kennenlernen vor ein paar Jahren.

Also ich habe die 2015, war da einer. Da habe ich die gehört und war mega beeindruckt. Also rein musikalisch dirigiert ja Timur Tschadek. Wenn ich es richtig im Kopf habe. Also da war ich hin und weg bei denen.

Genau, ja, also das ist sicher ein Paradebeispiel. Und was ich mir damals mitgenommen hatte, also ich habe die eben auch dort gehört, vor Ort im Wettbewerb und habe auch viel dann über die Geschichte gehört oder wie die eingestellt sind, was sie machen, habe danach auch sehr viel recherchiert. Und für uns hatte ich damals mitgenommen, die haben keine Musikschule, sondern sie haben eine Orchesterschule.

Und das fand ich einen ganz, ganz tollen Ansatz, dass sie sagen, okay, wir haben keine Musikschule, da wird ein Klarinettist ausgebildet, sondern wir haben eine Orchesterschule und da wird ein Klarinettist ausgebildet, dass er nachher in einem Orchester spielt. Also dass er auch versteht, wie tickt ein Orchester, wie ist denn meine Aufgabe, wenn ich beispielsweise Klarinette spiele in einem Orchester?

Was ist denn eigentlich ein Register? Was macht ein Registerführer? Warum ist es wichtig, eine Stimmführung zu besprechen? Und so weiter. Also diese ganzen Aufgaben, die jetzt in einem klassischen Musikschulansatz nicht immer auf der Tagesordnung stehen. Und das fand ich beeindruckend und super gut, einfach das auch als Orchesterschule zu denken.

Fand ich enorm toll.

Klingt nach einem sehr spannenden Konzept. Habe ich so auch noch nie gehört, tatsächlich.

Das ist, glaube ich, auch ziemlich einmalig. Hast du noch einen Verein, der dir im Kopf ist? Ja, das Sinfonische Blasorchester Ludwigshafen macht einen ganz anderen Ansatz, macht aber im Vereinsmanagement, wenn man so möchte, den Ansatz extrem gut. Also da hoffe ich auch, dass die Kollegen mir das verzeihen, aber ich kenne die auch ganz gut.

Ich würde sie von außen als Projektorchester bezeichnen, die aber mehr als ein Projektorchester sind. Also sie sind wirklich dauerhaft zusammen, sie haben richtig festen Stamm, sie haben super toll die Projekte schon geplant. Also der letzte Newsletter hat mich beeindruckt, da kann ich quasi die Karten schon kaufen für die Konzerte bis Herbst 2025.

Obwohl jetzt gerade erst die Einladung zum jetzigen Jahreskonzert kam. Die machen immer zwei bis drei Konzertprojekte pro Jahr. Finde ich unheimlich gut gemacht.

Die suchen einen neuen Dirigent, gell?

Ja, tatsächlich. Aber auch erst wieder für Oktober 2025. Also auch da sind sie super früh dran. Stellen jetzt alles dar. Also richtig gut gemacht aus dem Vereinsmanagement.

Also mir fällt da immer nur ihr Marketing auf und auch die Konzertprogramme, also die Titel, wie das auch optisch aufgemacht ist und wenn das immer total super. Also, muss man echt sagen. Absolut. Also da sind die mir schon auf Facebook und Instagram sehr auffällig erschienen. Was machen oder was sind typische Fallen für Musikvereine, die Hilfe suchen?

Wir haben in diesen Notrufverein eine Erstlings-Mail eingebaut, über die wurden wir dann etwas am Anfang belächelt bzw. bewundert und aber später kam eigentlich raus, dass dort schon ein, zwei große Fallen abgefedert werden. Das heißt, wenn jetzt jemand diesen Notrufverein auslösen würde, dann füllt er halt ein Formular aus, sagt, was seine Herausforderung ist und dann kriegt ihr eine Dankes-E-Mail, wo erstmal drin steht, vielen Dank, dass du überhaupt dich getraut hast, diesen Notruf auszufüllen.

Und wir sorgen jetzt dafür, dass wir uns mit dir zusammensetzen, aber bitte bereite doch etwas vor. Und in dem Vorbereiten fragen wir eigentlich zwei, drei Dinge schon ab, wo ich jetzt sagen könnte, wunderbar, das sind ja die großen Fallen. Und bei den Fallen steckt eigentlich zum einen drin, also ich versuche es mal so ungefähr zu zitieren, nennt mal eine Liste aller Maßnahmen der letzten zwölf Monate, die ihr gemacht habt, um für euren Verein zu werben.

Das geht manchmal noch, das kriegen die dann ganz gut zusammen, weil sie halt dann mal durchfragen, was haben wir denn eigentlich gemacht? Es kommt aber auch schon oft die Ernüchterung, na Mensch, uns geht es schlecht, aber wir haben eigentlich gar nichts dafür gemacht. Also so, da fällt zum ersten Mal dann das Stichwort Hilfe zur Selbsthilfe.

Also man ist schnell, das würde ich auch als eine Falle bezeichnen, man ist schnell drin, in der Situation zu klagen, dass man in der Situation ist. Aber man kann auf die Gegenseite der Situation selten schreiben, so richtig ad hoc, was man denn alles tut, um da wieder rauszukommen. Und der nächste, also steht dann eben auch drin, was wurde denn dann erreicht mit den Maßnahmen?

Nächste Falle, eben selten wird gesagt, oder überhaupt gemessen, was man erreicht hat. Also so in der Motto, ja, wir haben da viel gemacht, aber es ist halt alles nicht gewirkt. Also kommen ja schnell so sehr pauschale Aussagen. Oder das haben wir früher schon probiert, das hat da auch nicht funktioniert.

Jeder kennt wahrscheinlich genau diese Sprüche. Das sind natürlich Aussage. Riesenfallen, genau. Und schlussendlich geht es dann noch ins Detail, dann wird halt einfach gesagt, okay, was sind denn eigentlich die Vorteile von euch? Also ich sage gern das Beispiel, wenn wir Zukunftswerkstätten oder so Workshops machen, und das zielt eben auch auf eine Falle hin, und zwar die Falle, dass man selber nicht weiß, was man denn Gutes hat.

Also ich habe schon Workshops mit Vereinen gemacht, da haben wir uns den ganzen Abend, habe ich an der Flipchart eigentlich nur gesagt, sagt mir mal ganz neutral und nüchtern, was habt ihr denn Tolles? Dann zögern die sehr lang, das braucht auch sehr lang. Also die Negativmethode geht besser, aber wenn man dann mal so in dem Fluss drin ist, dann sprudeln die ja auch manchmal.

Also dann sage ich, naja, ihr habt einen Proberaum, wo ihr alles stehen lassen könnt. Ist doch super. Oder ihr müsst nicht jede Probe euer Schlagwerk wegrollen. Ist doch super. Schreiben wir als Vorteil hin. Also mein Orchester baut jede Woche das auf und baut es wieder ab. Oder ihr habt direkt den Proberaum anschließend an euren Konzertsaal.

Oder ihr habt eine finanzielle, gute, stabile Basis. Oder ihr habt viele Spender. Also da gibt es ja, könnte man halt stundenlang aufzählen, was denn alles gut sein könnte. Die Gefahr ist, dass viele Vereine das für sich nicht haben. Schon gar nicht in schriftlicher Form. Genau. Und schlussendlich geht es dann eben so weiter unter dem Motto, okay, jetzt wisst ihr die Maßnahmen, was habt ihr erreicht, was habt ihr denn tolles?

Dann kommt noch die Frage, wie viel Geld in eurem Haushalt, stecken dann schon zwei Dinge drin, nehmt ihr denn jedes Jahr, um Maßnahmen zu machen, die gegen diese Probleme zu arbeiten. Die meisten Vereine können nicht sagen, dass sie einen Haushalt hätten, also sprich einzelne Töpfe für solche Aufgaben.

Und die wenigsten Vereine können sagen, dass sie sich das wirklich bewusst vornehmen. Welche Maßnahmen arbeiten gegen das Problem hin? Und dann sind wir eben dann schon im Kern von so klassischem Management, dass man in einem Unternehmen aber genau so arbeiten würde.

Du hast vorhin gesagt, du glaubst, dass viele Vereine die Hilfe gar nicht annehmen würden, wenn sie es überhaupt anfordern. Also warum glaubst du, dass viele Vereine noch nicht mal Hilfe anfordern?

Also wir hatten immer wieder mitbekommen von Vereins Auflösungen, die haben sich dann einfach aufgelöst. Puff. Da wurde keine Hilfe angefordert. Man hat einzelne Musiker gefangen, jetzt im persönlichen Umfeld. Da gab es eben auch Auflösungen, da hieß es, ja, wir haben einfach entschieden, das, nö, passt jetzt auch nicht mehr.

Ja, kann man euch helfen? Nee, wir haben da auch gar kein Interesse mehr dran. Also da fehlt vielleicht auch die Verbundenheit zur Geschichte von dem Verein, weil der Verein über die Jahre gar nicht mehr mit denen befüllt waren, die irgendeine Historie zu haben, sondern man hat halt da mitgespielt, man ist mal hängen geblieben, irgendwann hat das Orchester vielleicht gar keine eigene Jugendausbildung mehr gehabt, sondern das war halt so eine Mischung.

Am Anfang ging es vielleicht noch gut als Projektorchester und später war halt so, jeder spielt halt da mit. Aber wenn das Konzert vorbei ist, dann geht auch jeder heim. Und irgendwann gehen halt zu viele heim. Und dann bleiben die der harte Kern, wie es oft heißt, und es können wenige sein. Und dann bedarf es auch viel, sich das einzugestehen und zu sagen, wir brauchen da Hilfe.

Und da gibt es eben einige, die, das ist so eine vielleicht auch Dunkelziffer, die halt da nichts tun, dann wird manchmal ganz viele Jahre lang ein Zustand aufrechterhalten. Also ich könnte aus Freiburg einige aufzählen, die zum Beispiel so sind, oder aus dem Umland, also Freiburg deswegen, weil ich ja dort mein Orchester habe, wo ich sage, es kann doch keinen Spaß machen, jede Probe zu kommen und dann sitzen da nur acht bis zehn Leute.

Und das ist Woche für Woche. Und warum schreit ihr nicht und sagt, nee, stopp, bis hierhin? Also wenn wir jetzt Böhmisch-Mährisch in einer super tollen Besetzung zu acht spielen, perfekt, klasse, dann dürfte ich jetzt nichts sagen. Im Gegenteil, dann ist es wahrscheinlich sehr, sehr gut, aber wir sprechen da ja oft über Musikvereine, die dann auch keine ausgewogenen acht Personen sind, sondern ganz kurile Besetzungen, die dann trotzdem jede Woche das machen.

Und die weiß ich dann auch nicht, was die davon abhält, zu sagen, wir brauchen da Hilfe. Erfahrung war oft nur auch dieser Notrufverein, also die Mail, wenn die dann rausgingen. Es braucht dann noch einen Schritt, wenn man dann hingeht und wirklich sagt, wir packen jetzt an. Und das ist ehrenamtliche Zeit und die ist dann nicht so knapp, wenn man so einen Zustand hat.

Wenn ich jetzt Vereinsvorsitzender Dirigent bin, ich muss es ja nicht so weit kommen lassen. Also klar, wenn vor mir nur noch acht Leute sitzen, weiß ich, oh oh, da ist jetzt irgendwas schiefgelaufen. Heutzutage spricht man ja gern von Red Flags. Also was wären denn oder woran würde ich denn schon rechtzeitig merken, oh, da müssen wir jetzt langsam uns zumindest mal Gedanken machen, warum das so ist, bevor ich nur noch mit acht Leuten oder so da sitze.

Also woran merke ich das, weil die Frage stelle ich mir natürlich auch, warum lassen es überhaupt Vereine so weit kommen? Ist man blind? Also manchmal ist man ja auch betriebsblind und lässt das so weiterlaufen und irgendwann macht es einen Schlaf und irgendwie ist es zu spät. Hast du da irgendwelche Erfahrungen oder woran würdest du sagen, macht mir das fest, dass man jetzt langsam sich mal zumindest Gedanken machen muss?

Ich würde es jetzt aus meiner Brille als betriebswirtschaftlich aus dem Marketing beantworten, aus dem Management, nicht aus der Rolle als Dirigent. Man kann es daran festmachen, aus zwei, drei Perspektiven, nehmen wir die finanzielle Perspektive, wenn der Verein über mehrere Jahre mehr ausgibt als einnimmt, dann entsteht irgendwann eine Red Flag.

Das ist vielleicht die bekannteste Red Flag, weil ich ja dann irgendwann ein Kostenproblem habe. Also irgendwann gehen wir pleite. Der zweite Punkt, den könnte man halt übertragen, wäre das Thema der Aktiven. Wenn mehr Aktive aufhören, als pro Jahr anfangen und das über mehrere Jahre hinweg, dann muss ich eine rote Fahne heben.

Viele Vereine kennen aber nicht aus dem Stand heraus die Anzahl der Neumusiker pro Jahr im Verhältnis der Anzahl der Musiker, die aufgehört haben. Weil ein ganzes Jahr zu überblicken und statistisch wirklich aufzuschreiben, so viele haben angefangen, so viele haben aufgehört, machen leider nicht so viele im Verein.

Also vielleicht hat man einen sehr engagierten Kassierer, der kann das rausziehen oder vielleicht auch von den Vorständen, aber oft hat man so einen Zeitraum von drei bis sechs Monaten, den hat man noch im Kopf. Und dann gibt es diesen beliebten Halo-Effekt. Das ist so dieses Halo-Effekt im Sinne von ein Ereignis überstrahlt.

Und dann kann sein, hey, da kamen doch gerade erst ganz viele neue, weil vielleicht zwei, drei neue kamen. Und man vergisst, dass im März dieses Jahres aber vielleicht acht aufgehört haben. Und dann merkt man einfach über die zwei, drei Jahre gerne, dass es immer weniger wird. Wenn es dann musikalisch noch stabil ist, alles kein Problem.

Wenn aber plötzlich ein ganzes Register einbricht, zum Beispiel keine Tuba mehr, plötzlich am Schlagwerk gehen viele weg, erst dann wird man wachgerüttelt.

Du hast gesagt, du antwortest aus der Marketing-Manager-Brille. Kannst du in deinem eigenen Verein beide Positionen einnehmen? Also kannst du auch für dich ganz nüchtern separieren, okay, das ist jetzt der Manager, der aus mir spricht.

Ich glaube, ich spreche zu häufig als Manager in dem Verein. Deswegen, ich würde es nicht sagen, dass wir uns immer alle grün sind. Und die Vorstandschaft hat sicherlich mit mir ein schweres Los, definitiv. Ein Beispiel dazu, wir haben sogenannte KPIs definiert. Was ist das wieder? Das sind sogenannte Key-Performance-Indizes.

Auch das sagt es noch nicht viel besser. Übersetzung, ein Schlüsselwert. Und Schlüsselwerte kann man im Controlling Management einfach definieren. Und dann kann man sagen, hinter einem Schlüsselwert sagt man, wie der berechnet wird und was man tut, wenn der nicht mehr erreicht wird. Ich mache ein schönes Beispiel, das kann sich jeder vorstellen.

Ein Schlüsselwert kann sein, die Anzahl der verkauften Karten durch die Musiker von einem Jahreskonzert. Also jetzt sagt man, wir haben ein Jahreskonzert, wir dürfen so viele Gäste drin haben im Saal und man hat ja immer so diese berühmte Quote, wie viele Karten verkaufen denn die Musiker. Das ist ja ein super wichtiger Bestandteil.

Und wenn über Jahre hinweg das eben immer schlechter wird, dann hat man ein generelles Problem, weil dann liegt es an der Musikermotivation, dann liegt es an der Bereitschaft, was zu tun, dann liegt es ja auch an der Bereitschaft, Leute ins Konzert mitzunehmen. Also hat man ein ganz vielflächiges Problem.

Und deswegen war das für mich so eine wichtige Kennzahl. Und über Jahre gucke ich mir das zusammen mit dem Kassierer an. Wie hoch ist das Verhältnis, der Anteil der verkauften Karten über die Musiker? Das zeigt nämlich auch, oder das gleicht auch aus, wenn man es so nüchtern anguckt, wie viele Musiker hatten wir denn gerade.

Weil in dem Moment, wenn ich so den Prozentwert umrechne, nivelliert es das ja dadurch auch aus. Und deswegen, da gucke ich schon sehr betriebswirtschaftlich drauf, was sicherlich manchmal sehr nervt dann. Weil dann liegen natürlich so Zahlen auch immer für ein ganzes Jahr vor oder ich gucke, haben wir das erreicht, weil wir uns das vorgenommen haben und schreibe das eben auch auf, wie viele sind neu, wie viele sind weg und wie ist das Verhältnis, wie ist dafür die Quote und all solche Dinge.

Wie reagiert dein Vereinern oder deine Musiker, weniger die Vorstandschaften, aber die Musiker darauf, wenn du sagst, okay, Statistik stimmt nicht.

Die Musiker eigentlich eher entspannt, viele finden es interessant, da hat es ja keine direkte Auswirkung und mit der Vorstandschaft, ja, da kommt es halt zu Knatsch, aber da kommt es halt so Reiberei und das erzeugt Energie und dann geht es wieder vorwärts. Also ich kann nicht klagen, also wir haben dadurch jetzt ein Orchester geschaffen, was absolut an der oberen Kante liegt von den zwei Welten, die ich vorhin gezeigt habe.

Und wo ich damals angefangen habe, waren das 17 Musiker. Also ich habe die in einem nicht komfortablen Zustand damals übernommen.

Wie viel seid ihr jetzt?

Dieses Jahreskonzert haben wir jetzt den Spitzenwert von 80 erreicht.

Okay. Und wie habt ihr das gemacht? Fragen sich jetzt wahrscheinlich ganz viele.

Konsequent über ganz viel Marketing. Also die haben mich nicht nur als Dirigent eingestellt, sondern ich konnte es ja nicht abschalten, dass ich immer Marketing mache. Und da gibt es, ja, also ich mache ja eine eigene Schulung, genau dazu Mitglieder gewinnen für Vereine, Orchester, Ensembles. Hatte ich jetzt auch zuletzt auf der Bravo jetzt in Stuttgart gemacht.

Und da habe ich ein Set von Maßnahmen zusammengepackt als Werkzeugkasten. Ich glaube mittlerweile 20 Werkzeuge, wo es nur darum geht, einzelne Mini-Maßnahmen, wie kriegt man Musiker oder aktive und fördernde. Darum geht es eigentlich. Mini-Beispiel, einzelne Visitenkarten gedruckt, also das ist eines unserer besten Werbemittel im Orchester.

Da steht vorne drauf, Lust auf Musik machen, Lust auf Filmmusik, Lust auf sinfonische Blasmusik, Lust auf das. Auf der Rückseite stehen die Probezeiten, wann wir uns treffen, wann die Proben sind. Und da versuchen wir immer, dass jeder Musik von uns fünf Stück von denen im Geldbeutel hat. Und dann Motto, jeder trifft immer Musiker, man spricht vielleicht mal drüber, wenn man drüber spricht, zieht es raus.

Ganz einfaches Werbemittel, aber konsequent eines der besten, was wir haben. Und das wäre jetzt so ein ganz einfaches und gibt es ganz abgefahren.

Ich habe vorhin oder heute Mittag noch eine kleine Umfrage gemacht für Zuschauerfragen. Und hier hätte ich eine. Wie kann man neue Bewohner, also die zugezwungen sind, die mal ein Instrument gespielt haben, wieder für den Verein gewinnen?

Also die erste Herausforderung wird sein, an die neuen Bewohner zu kommen. Und da gibt es sehr viele Angebote von den Gemeinden und von den Stadtteilen und von den Bürgervereinen. Es gibt diese Gutscheinhefte, Neubürger, es gibt diese Stadtteilbüros, die dann immer wieder Veranstaltungen für Neubürger machen, dort muss man als Verein präsent sein.

Also dort muss das Angebot des Orchesters drin liegen. Das ist die erste Hürde. Wenn man dann weiß, da gibt es jemanden, der mal was gespielt hat und der hätte vielleicht latent Interesse im Sinne von, naja, es bräuchte halt noch irgendeine Überwindung, dann scheitert es oft an dem Thema Instrument. Und je einfacher es ist, an ein Instrument zu kommen, desto eher kann man auch mal jemand aus der Reserve locken, dass er dann doch wieder einsteigt.

Zweite Möglichkeit, klingt vielleicht abgefahren und ich hoffe, es beantwortet trotzdem, dass es eine Möglichkeit ist, die funktioniert. Kleinanzeigenbereiche, wo Instrumente verkauft werden. Wir hatten tatsächlich schon mal ein, zweimal Glück, dass Menschen ein Instrument verkauft haben und ich schreibe auch über Kleinanzeigen Instrumenten Verkäufer an, ob sie vielleicht auch ein Orchester suchen.

Also so ein Motto tut ja nicht weh. Wenn er sagt, nö, ich wollte nur ein Instrument verkaufen, lass mich in Ruhe, dann okay. Aber manchmal gab es auch den Fall, nee, so an dem Motto, eigentlich wollte ich ja nur mein Instrument verkaufen. Ich habe früher mal gespielt, aber schon ganz lange nicht mehr.

Und wenn dann auch wieder Angebote kommen unter dem Motto, hey, schnupper doch mal ins Orchester rein oder wir haben einen ganz einfachen Unterricht, du kannst das ausprobieren. Wir geben auch die Möglichkeit, nicht so nur auf Jugend getrimmten Unterricht, sondern bei uns können auch Erwachsene Instrument wiederlernen oder lernen.

Also dann müssen einfach alle Schwellen sehr niedrig sein und dann kann man so jemanden auch wieder mobilisieren. Und letzte Antwort dazu, schlichtweg kleine Projekte anbieten. Also zu sagen, für alle, die mal gespielt haben, wir machen ein ganz kleines Konzertprojekt zum Thema Ensembles oder zum Thema Weihnachten oder zu dem Thema bei der Erstkomion soll ein kleines Orchester zusammengestellt werden, aus Leuten, die vielleicht mal gespielt haben, wer hätte Lust, nur bei diesem kleinen Projekt mitzumachen.

Und oft ist es doch so, dass wenn man mal wieder was probiert hat, dass dann entweder die Lust wiederkommt oder sie kommt nicht mehr. Wenn sie nicht mehr kommt, dann sollte der auch nicht mehr Musik machen. Aber wenn sie dann wieder kommt, dann hat man die in dem Modus auch wieder drin.

Das klingt, als seid ihr sehr, sehr rührig.

Ich kann dir noch ganz abgefahrene Dinge sagen, da würde ich sagen, okay. Ja, also ja, sehr rührig.

Also eine abgefahrene Sache würde ich gerne hören.

Die abgefahrenste? Gerne. Okay. So ein bisschen der Goldschatz, den ich wahnsinnig toll finde. Es gibt eine Tatsache bei großen Firmen, das nennt sich In-Placement. Das heißt, größere Firmen, nehmen wir mal an, so ab 200 Mitarbeiter, die haben in der Personalabteilung Personen, die sich darum kümmern, wenn neue Mitarbeiter da sind, dass die verwurzelt werden an dem Standort, an dem neuen Arbeitsplatz.

Also so ein In-Placement. Klassisch, man kennt es, die kümmern sich darum, dass vielleicht eine Wohnung gefunden wird oder dass der Umzug, der Nachzug der Familie stattfindet, etc. Und wir haben ein Anschreiben aufgesetzt für Personalleiter, indem wir den Personalleiter von dem Unternehmen anbieten und sagen, im Rahmen eures In-Placements kümmert ihr euch um neue Mitarbeiter, Fachkräftemangel, etc.

Also ich kürze jetzt sehr ab, den Text. Und ihr wollt ja auch, dass der neue Mitarbeiter sozial schnell eingebunden wird. Das geht nicht besser als für Musiker in dem Orchester. Da hat er sofort sozial schnellen Anschluss, findet Bekanntschaften etc. Und wir bieten euch an, eine Infomappe von unserem Orchester mit CD oder Aufnahmen oder dies oder das.

Schreibt uns, wir bringen euch Infomaterial vorbei und jeden neuen Mitarbeiter, der auch Musiker ist oder Musiker werden will, könnt ihr die Infomappe geben. Extrem abgefahren, selten genutzt. Also selten von anderen genutzt, sagt man so. Immer danken bei den Schulungen abgenommen oder ist oder der ganze Text drin, wo ich immer sage, macht das unbedingt.

Okay, das ist tatsächlich abgefahren. Gut, da ich ja zum Beispiel in dieser Firmenkultur ja gar nicht drin bin. Als Musiker und Lehrer wäre das jetzt zum Beispiel so eine Sache, da wäre ich nie drauf gekommen. Aber eigentlich ziemlich geil. Also, die abgefahrenste Marketing-Sache für Konzerte, die ich mal im Rahmen des Podcasts gehört habe, war Tinder.

Hatte ich auch schon gemacht. Cool. Sehr genial.

Wo ich dann auch gesagt habe, okay, krass, ich schick dir mal die Folge, kannst du mal reinhören. Also es war eine sehr abgefahrene Idee irgendwie.

Finde ich jetzt schon spitze. Also allein von der Idee super.

Aber wie ist das bei euch im Verein? Also bist du dann der Ideenkopf und die anderen setzen das um oder musst du den ganzen Kram dann auch noch irgendwie mit anleihern hintendran sein und auch noch durchführen?

Es kommt auf die Art an. Also ich habe mittlerweile sehr, sehr viele, die toll mithelfen, die auch richtig Spaß dran haben und wir versuchen auch von den jungen Musikern immer wieder zu gucken, wer hat da Spaß, sowas zu machen oder einfach auch mal nur die Aufgabenstellung und die machen es halt dann irgendwie, aber da kommen auch meistens neue Dinge raus wieder.

Wenn es sehr technisch oder sehr medienintensiv wäre, dass man sehr viel machen muss, dann kommt es auch manchmal darauf an, dass wir sagen, da braucht es halt eine gewisse Ausstattung und dann nutze ich schon alles, was ich zur Verfügung habe an der Stelle. Ja, wobei es jetzt gerade eine Phase ist, so seit den letzten, man könnte sagen, seit den letzten zwölf Monaten, aber so richtig seit den letzten fünf, sechs Monaten, dass viele Dinge, die sehr kompliziert waren, gerade durch KI brutal einfach werden.

Also erschreckend einfach. Und das wird sich dadurch auch nochmal enorm drehen, welches Verhältnis das dann quasi so bedarf. Also so unter Motto macht man das auch noch alles. Es wird ein anderes Gefüge sein, was dann dahinter steht. Also wenige Minuten versus vieler Stunden. Wenn man dann so in einem halben Jahr wieder nochmal über sowas sprechen würde.

Also KI steht ganz kurz auf meinem Zettel, da wollte ich eh noch hin. Schön, dass du schon mal ansprichst. Aber wie kriege ich jetzt Menschen dazu, damit zu helfen? Also stellst du dich hin, sagst, okay, ich brauche Leute, die richtig Bock haben, die abgefahrensten Marketing-Ideen auszuführen oder ich habe Ideen, aber ich kann die nicht allein umsetzen oder wie machst du das?

Eigentlich ist es immer so, dass wir natürlich auch immer gucken, was bringt jemand beruflich mit. Also es haben auch Musiker einfach bei uns angefangen, die beruflich im Marketing arbeiten. Das ist natürlich Volltreffer, ganz klar. Und andersrum ist es einfach so, dass ich mir angewöhnt habe, immer direkt eine Aufgabe nachzufragen.

Also dass ich sage, okay, wir brauchen jetzt für die und ja, sagen wir für den Flyer, wir brauchen da tolle neue Texte. Hat jemand Bock, sich mal dahin zu setzen und Ideen für die Texte zu generieren? Oder für Instagram, wir wollen eine Weihnachtsaktion machen, vielleicht so einen Adventskalender. Wer könnte sich das vorstellen?

Hat da mal jemand Lust, das auszuprobieren? Also tatsächlich Instagram hat dann mal jemand ausprobiert und jetzt machen wir das tatsächlich schon im zweiten Jahr, diesen Weihnachtskalender. Super. Also witzig.

Und wenn dann betretenes Schweigen eintreten würde, was würde dann passieren?

Entweder finde ich es dann so gut, dass ich es dann selber mache.

Das kann aber auch nicht mehr die Alleinlösung sein, oder?

Nee, das nicht. Aber sonst wird es einfach in der Schublade liegen. Also die Idee mit dem Personalleiter, da findet man nicht sofort Leute, die dann ganz einfach sagen, ja cool, wie kommen wir jetzt an die Firmenadressen dran und solche Dinge.

Gut, das verstehe ich. Das sind natürlich dann so die Spezialdinger. Aber jetzt kannst du einen Text für Instagram schreiben, wenn da jetzt sich keiner melden würde. Oder für den Flyer.

Ja, dann bleibt es halt liegen. Dann machen wir es halt nicht. Also da bin ich schon mittlerweile so konsequent, dass dann sowas sehr transparent offensichtlich liegen bleibt. Bis es dann weh tut.

Genau, weil sonst, wenn du nämlich mal alles machst, schleißt sich das Ding ein mit dir, kurz wird ja eh gemacht. Also muss ja keiner ran, weil der Michael macht das. Genau, ja. Okay, ich hab noch Zuschauerfragen. Gerne. Weil du gerade so schön gesagt hattest, wir haben Leute, die machen das beruflich.

Da kam tatsächlich heute Mittag eine Sprachnachricht, die mich erreicht hat, die gefragt hat, wie ist es denn, wenn jetzt im Verein Leute das übernehmen, was sie eigentlich beruflich auch schon machen? Also quasi das jetzt auch schon mit in ihr Hobby tragen. Sollte man die vergüten, weil das ja schon auch ein Teil Beruf ist, oder soll Ehrenamt Ehrenamt bleiben?

Da bin ich sehr hart, also Ehrenamt ist Ehrenamt. Da bin ich auch, also so sehr schnell und sehr direkt, weil ab dem Moment, dass Vergütung im Spiel ist, und wenn es nur ein Aufwandsentschädigung ist, ab dem Moment kommen ganz andere Regeln ins Spiel. Also dann merkt man in der Zusammenarbeit, dass dann auch Entscheidungen komplett anders betroffen sind.

Also dann geht es darum, naja, der hat es gemacht, der kriegt ja auch Geld dafür, jetzt müssen wir das auch von dem nehmen. Schlussendlich zahlen wir ja auch dafür. Also dann kommt ein ganz anderes Gefüge rein. Dann geht es auch oft nicht mehr darum, was ich eigentlich im Ehrenamt ja auch durchaus schätze, dass die beste Idee gewinnt.

Manchmal gewinnt dann auch eher die Idee, die vielleicht am teuersten war. Also nein, auf keinen Fall zu zahlen.

Weil du gerade gesagt hast, die beste Idee sollte gewinnen, das erinnert mich so ein bisschen an der Episode, die ist schon etliche Jahre her und das war in einem ganz anderen Setting. Es war ein Chor, es war auch kein Musikverein. Und unser Vorstand hat damals Plakate gemacht. Weil das auch so ein Typ war, der statt dass er fragt, lieber erstmal alles allein macht.

Kam natürlich noch dazu, Chöre sind sowieso überaltert, da ist jetzt mit Technik nicht so viel zu allergemacht. Und ich habe mich aber hinterher hingesetzt und gesagt, das können wir so nicht aufhängen, das geht nicht. Geht auf keinen Fall. Also ich habe natürlich schon die Bemühungen gesehen, dass er das tut, aber es wäre einfach kein gutes Aushängeschild nach draußen gewesen.

Also es sah einfach aus wie vor 20 Jahren, wenn jemand auf so Anfang 2000er auf Word Clip Arts entdeckt hat und das dann so voll. Also es sah einfach nett schön aus. So, und dann wurde mir der folgende Satz hingegen, sei doch froh, dass er es überhaupt macht. Und ich habe immer gesagt, aber das darf nicht die Begründung sein, dass keine Kritik geäußert werden darf.

Wie siehst du das? Also weil das gibt es ja manchmal auch, ja, sei halt froh, dass überhaupt irgendwas gemacht ist. Und dann weiß ich manchmal nicht, ob es dann nicht besser wäre, wenn man vielleicht lieber gar nichts macht, als irgendwas schlecht zu machen.

Ja, absolut. Ich glaube, das ist eine der, das sind wir jetzt in der Königsklasse von Kritik, glaube ich. Also Feedback geben und Feedback annehmen, ist da super schwer. Und das sind zwei Argumente, die sich im Musikvereinsumfeld immer gleich verhalten. Das, was du gesagt hast, sei doch froh, dass überhaupt jemand was macht.

Also unter dem Motto Legitimation auch minderwertige Qualität anzunehmen, die vielleicht auch sogar schadhaft wäre. Und das Zweite, wo das auch sofort kommt, das trifft uns als Dirigenten häufiger, sei doch froh, dass der überhaupt in die Proben kommt. Auch wenn er nur dreimal kommt. Ist ja die gleiche Grundlage der Art des Feedbacks, was man dann zurückgibt.

Also entweder man muss ja der Person äußern, dass man selber jetzt die Meinung hat, dass es altmodisch ist. Es gibt ja nicht den Maßstab, zum Beispiel das Plakat, was du beschrieben hast, dass es wirklich altmodisch ist. Das ist deine Wahrnehmung nach deinem grafischen Werteverständnis und alles, was du halt in deiner Welt so siehst, wo du sagst, nach meinem Maßstab ist das altmodisch.

Derjenige sagt ja für ihn vielleicht, gerade weil er die Clip Arts entdeckt hat, das ist das absolute Nonplusultra, weil in seiner Welt ist das total modern, weil bis gestern hat er ohne Clip Arts gearbeitet, was noch schlimmer wäre. Und deswegen sind wir dann natürlich in einer totalen Wahrnehmungsverzerrung von jedem Einzelnen aus seiner Position.

Und das Einzige, wo man sowas lösen kann, wenn man das auch in der Firma hätte, da kennt man es oft so, dass der Inhaber oder der gerade bei inhabergeführten Firmen oder der quasi der Besitzer als Chef sagt, hey, super Werbung, ihr müsst genau dieses Bild nehmen und jeder im Marketing sagt, oh, bitte nicht, auf keinen Fall, aus den und den Gründen.

Aber wie sagen wir es denn dem Chef? Weil es ist stellt der Chef. Da ist quasi ähnliches Prinzip, was das Feedback angeht. Und es wird super schwer sein. Ich werde da auch nicht die Antwort haben, so geht's. Ich habe nur gemerkt, die paar Male, ich bin natürlich auch reingerasselt, habe das genauso falsch gemacht, habe es den Leuten platt gesagt, dann hat es geknallt.

Mittlerweile habe ich für mich den Weg gefunden, ich lasse viele mit drauf in das Thema. Also Feedback von vielen unter der Hoffnung der Selbsterkenntnis des einen. Also, wenn es das Plakat wäre, muss man dafür sorgen, dass viele sagen, hey cool, schaut mal, hier ist unser Plakat, gebt doch bitte mal alle eure Meinung.

Bis hin zu, naja, stellen wir es mal auf Instagram und sagen, hey, wir haben ein Plakat geplant, wie findet ihr es? Da kriegt man ja ziemlich schnell Feedback. Und in dem Moment, wenn ich sage, das ist ein Entwurf, wie sieht es aus? Ich glaube, wenn es viele sagen, ist die Chance besser, dass es empfänglicher angenommen wird von der Person, die immer noch total überzeugt ist, als wenn es eben sehr direkt von einer anderen Position kommt.

Ich hoffe, ich habe es nicht zu kompliziert erklärt, aber.

Ja, ja, aber wenn du jetzt gerade, du hast ja zum Beispiel gesagt, die Legitimation, ja, sei doch froh, dass er überhaupt auf die Probe kommt. Da kann ja jetzt, also klar, ich kann, aber das wäre ja dann schon fast vorführen, wenn man dann das Orchester drüber abstimmen lässt und sagt, was haltet ihr denn davon?

Ja, ich habe die Diskussion mit meinem Orchester, da geht es um diese Quote der Anwesenheit, wo ich ja mein Orchester gebeten hatte, eine Quote festzulegen, wie häufig wäre denn wichtig, anwesend zu sein. Also 20 Prozent reicht es, dass man hier mitspielen darf, oder 40 Prozent oder sollte man von 14 Proben auf ein Orchesterkonzert 50% da sein?

Das wären ja sieben Proben. Wenn ich dann acht Stücke spiele, dann habe ich wahrscheinlich nicht einmal jedes Stück geprobt. Was ist eine gute Quote? Ich konnte mich mit meinem Orchester noch nicht einigen, weil ich habe einen Anspruch, der liegt bei 75% und mit Zähneknirschen komme ich ein bisschen näher an die kleiner 75%, also gehe ich ein bisschen weg von der Quote.

Aber das scheint mein Selbstverständnis an der Stelle. Aber jeder hat da natürlich auch sein eigenes Selbstverständnis, gerade, wenn er sagt, naja, ich habe vielleicht auch mehrere Orchester und an welcher Position ist jetzt gerade dieses Orchester, was jetzt hier von mir eine Quote will, kommt natürlich auch was ander raus.

Aber ich glaube aus der Gefahr heraus, dass viele immer denken, man kann ja froh sein, dass jemand überhaupt in die Probe kommt. Das ist auch so ein alter Klassiker, der immer dazu geführt hat, dass man dann sich nicht eher mal getrennt hat. Also heutzutage würde ich eher eben, jetzt würde ich antworten, wenn ich das immer frei entscheiden könnte, dann würden diese Personen, zu denen vielleicht der Spruch dann mal gesagt wird oder der dann zu mir gesagt wird, dass ich froh sein könnte, dass derjenige kommt, überhaupt kommt, dass ich, wenn ich es frei entscheiden könnte, eher sagen würde, ja, dann kommt er jetzt nicht mehr.

Dann beende ich das jetzt an der Stelle. Kann ich natürlich als Dirigent nicht immer selber entscheiden. Aber es wäre wahrscheinlich so, wenn es ein Berufsorchester wäre, an der Stelle.

Ja, ich finde es immer auch die Gründe, warum jemand halt nicht so oft kann. Also wenn jemand Schicht arbeitet, dann ist es natürlich schwierig, vielleicht eine 75%-Quote einzuhalten. Selbst wenn er es möchte. Wenn der Arbeitsplan so ist, wie er ist, dem kann ich ja keinen Strick draus drehen. Wenn die natürlich aus anderen Gründen nicht kommen, weil so lieber, wie du schon sagst, in anderen Orchestern mitspielt, dann muss man natürlich schon mal die Frage irgendwann stellen, ist das hier sinnvoll?

Weil man kann halt auch nicht auf jede Hochzeit tanzen.

Genau, aber eigentlich so, wie du es jetzt formulierst und auf die Gefahr hin, dass jetzt vielleicht viele, die jetzt das hören, auch sagen, boah, nee, da stimme ich jetzt gar nicht zu. Mittlerweile bin ich der Meinung zu dem Ersteren, was du gesagt hast, man muss unterscheiden, aus welchen Gründen jemand nicht kommt, bin ich mittlerweile sehr hart und sage, nee, die Gründe sind egal.

Auch wenn er nichts dafür kann, auch wenn er arbeiten muss? Weil ich finde, das ist ein legitimer Grund.

Ja, weißt du, warum ich, also ich begründe dir aus dem Grund, weil du kommst jetzt dann in eine Beurteilungsfunktion. Wie kannst du jetzt beurteilen, ob das jetzt legitim ist von der Arbeit? Und bei dem anderen, der sagt ja, da war der und der krank und da ist das nicht. Und also auch wichtige Gründe, bei dem möchte ich dann sagen, naja, wenn ich das jetzt so abwäge, also genauso wichtig wie Schicht.

Dann sagt der nächste ja, bei uns ist dies und jenes passiert und deswegen konnte ich nicht so oft und jetzt, es wird auch wieder besser. Und dann sag ich bei dem, naja, okay, so und so. Also du merkst, wo ich raus will, du kommst plötzlich in eine Beurteilung, wo ich sage, wer von uns soll denn über jemanden so urteilen können, ob die Gründe richtig sind oder nicht.

Ich sage eher andersrum, wenn der Anspruch bei mir musikalisch zum Beispiel so sitzt, dass wir sagen, wir brauchen die und die Anwesenheit, dann ist es auch die Zusage gegenüber allen anderen, die in die Probe kommen. Ja, es lohnt sich, auch 15 Mal in die Probe zu kommen bei 15 Proben, weil wir versuchen werden, 15 Mal weiterzukommen musikalisch, und nicht fünfmal weiterzukommen.

Und dann kompensieren wir das von denen, die Schichtdienst und alles Mögliche hatten, die dann erst dazu kommen und uns musikalisch erstmal zurückziehen. Also man hat ja auch die Verantwortung über die anderen, die eben regelmäßig kommen. Deswegen mittlerweile bin ich da ganz hart. Da sage ich, okay, nee, tut mir leid.

Wenn ich es frei entscheiden könnte, gäbe es bei mir die Prozentzahl und wer es unterschreitet, muss ja auch nicht sofort aufhören, der darf einfach pausieren. Der pausiert, bis er die Quote wieder kann.

Okay. Versteht die Argumentation? Wird jetzt zum Beispiel in meinem Orchester, glaube ich, nicht funktionieren. Aber ich glaube.

Ich habe gesagt, es klappt in meinem Orchester auch noch nicht. Aber ich sage gern, noch nicht. Ich halte noch dran fest, ich kämpfe noch dafür.

Noch ein paar Zuschauerfragen. Wer sollte über Auftrittsanfragen entscheiden dürfen? Der Dirigent aus musikalischer Sicht oder eher der Vorstand aus organisatorischer Sicht?

Spannende Frage, weil ich finde, dass musikalisch und organisatorisch eigentlich eine starke Verknüpfung haben müssen. Bis hin zu einer Marketingentscheidung teilweise. Also superschwere Frage. Also, vielleicht müsste man anders sagen in der Wirkung. Also, ich nehme einen Auftritt an, wenn ich den annehme und es ist ein Auftritt, der in der Außenwirkung nicht gut ist, dann schade ich dem Image von dem Orchester.

So, wer hätte dann entscheiden sollen? Wer kann über Imagewirkung entscheiden? Diejenigen, die sich darum Gedanken machen für den Verein. Vielleicht der Dirigent, vielleicht mehr die Organisation, vielleicht gibt es einen Medienreferent. Wenige Vereine werden sowas haben, aber irgendwie ein paar achten ja auf das Äußere.

Dann sollten die darüber entscheiden. Dann haben wir das Thema rein organisatorisch, musikalisch. Habe ich überhaupt die Besetzung? Dann müssen ja schlussendlich die Musiker selber entscheiden, ob sie überhaupt da sind. Das sind vielleicht eher bei den kurzfristigeren Konzerten. Und dann kann man schlussendlich auch sagen, naja, die Dirigent sollte deutlich mitsprechen, ist denn musikalisch überhaupt interessant?

Also ich habe schon ganz schlimme musikalische Auftritte machen müssen, weil es der Verein zugesagt hat. Da hat man vielleicht das Gegenteil. Und da war eben dieses Thema Musik, Klang, wie ist die Raumakustik, gibt es überhaupt eine Akustik? Hat einfach gar keine Rolle gespielt. Und dann ist bei den Musikern schlussendlich Frust entstanden.

Und dann habe ich als Organisationsvorstand nichts davon. Ich habe als Dirigent nichts davon. Also ich würde es als kurze Antwort, um das auch abzuschließen, einfach sagen, es muss ein Mehrheitsentscheid sein von Musikalität, von Außenwirkung und von Organisation. Es darf keine Einzelfallentscheidung von einer Person sein.

Du hast vorhin schon so ein bisschen erwähnt, den klassischen Vorstand zu dieser Ein-Mann-Armee, die alles gemacht hat und Tag und Nacht für diesen Verein gebrannt hat, den gibt es ja immer seltener. Jetzt kam ja noch die Frage, was gibt es für Führungsformen neben klassischem Präsidium, Kommission, Vorstand, was man so halt hat?

Also du meinst Führungsarten oder meinst du Vorstandsmodelle?

Ich lese die Frage so Vorstandsmodelle.

Ich würde es auch so lesen, ja. Also, sagen wir mal, die Ausgangsbasis ist das klassische Modell. Dann gibt es das Modell von dem teambasierten Vorstandsarbeit. Da habt ihr vielleicht auch schon mit Alexandra Link, die stellt es stark dar, hat sehr viel ausgearbeitet und schult es auch. Dann gibt es den Ansatz vom Scrum, also Proben nach Scrum, Vereinsmanagement nach Scrum, also abgeleitet aus der IT, dass man sagt, man macht es in dieser Art der agilen Arbeitsweise.

Das hätte quasi wenig Struktur, hätte er nur eine Struktur für das Vorgehen. Man würde immer wieder themenorientiert sich neu aufstellen. Sehr anstrengend, kenne ich wenige Vereine bis gar keine, die das wirklich durchhalten. Also die machen das mal projektweise, aber ich kenne kein Beispiel, wo ich aufzählen könnte, die das durchhalten.

Und was sich als fast schon Klassiker eingeschleust hat, in vielfältiger Variante sind die Säulen. Also mehr Felder, mehr Säulen, mehr Zuständigkeitsbereiche. Dass man sagt, also bei uns ist jetzt ein Vier-Säulen-Modell im Einsatz, ich kenne Vereine, die haben fünf Säulen, sechs Säulen, Drei-Säulen-Modell, wo einfach das klassische Bisige, diese Ein-Mann-Armee, der eine Vorstand oder die eine Vorstände, zerschnitten wird in verschiedene Aufgabenbereiche.

Dass man sagt, hier gibt es einen Vorstand Organisation, es gibt einen Vorstand Ausbildung, Jugend, einen Vorstand Orchester und vielleicht noch einen Vorstand Finanzen, um jetzt mal ein paar Bereiche zu nennen. Das gibt es dann in diversen Varianten, aber mehr als dieses agil oder ganz klassisch oder ein Säulenmodell oder teambasiert.

Was ist der Unterschied jetzt zwischen dem Säulen- und dem Teambasiert?

Bei Teambasiert gibt es nicht, also bei den Säulen gibt es noch den einen Vorstand, je Säule, der auch laut BGB als in der Satzung eingetragener oder im Vereinsregister eingetragener Vorstand dann gewählt wird. Und im Teambasierten können einzelne Teamleiter oder Teamgruppenleiter können BGB gewählte Vorstände sein.

Aber es kann auch sein, dass nur noch drei von denen so gewählt sind. Es kann aber trotzdem fünf oder sechs oder sieben Teams geben. Verstehe. Das ist der Unterschied.

Und ihr seid bei vier Säulen angelangt.

Wir haben ein Vier-Säulen-Modell, genau. Okay. Zufrieden damit? Durchwachsen. Also manchmal wünscht man sich auch so dieses klassische Modell, diesen einen, der sagt, wo es lang geht. Es hat schon viel Charme. Genauso wie das Pendel natürlich hinschlagen kann, dass man sagt, total nicht zufrieden mit der Entscheidung.

Es braucht viel mehr Abstimmung in einem Säulenmodell. Oder es bräuchte vier Starke, die für sich jeweils ihre Säule gut führen. Habe ich selten erlebt. Ich habe ein Drei-Säulen-Modell schon in dem Orchester gehabt, wo ich auch mit eingebunden war. Immer schwierig, weil dann immer zwei zusammenhängen und immer eine außen steht, also klassisches Dreierproblem.

Ich würde nicht sagen, zufrieden damit, dass es besser funktioniert. Ich würde aber sagen, zufrieden damit, dass man auf jeden Fall mehr Personen findet und dass Ämter überhaupt auch wieder gewählt werden können und dass man Jüngere auch leichter für die Vorstandsarbeit begeistern kann. Aus dem Aspekt zufriedener.

Okay, wenn, du hast ja vorhin gesagt, wenn du frei entscheiden dürftest, würdest du das und das tun. Wenn du frei entscheiden dürftest, wie dein Verein rein führungstechnisch aufgestellt wäre, wie würde dein Idealverein aussehen?

So wie die Berliner Philharmoniker. Das ist mein absolutes Traumbeispiel für eine Orchesterorganisation. Dass jeder am Orchester Aufgaben übernimmt, dass das auch rotieren kann, dass große Entscheidungen immer aus dem Gesamtorchester getroffen werden. Aber dass jeder aktive auch Vereinsmanagement Aufgaben übernimmt.

Das ist natürlich sehr schwer.

Ganz ehrlich, Rückfrage, warum sollte es schwer sein für Amateurmusikvereine? Eigentlich ist doch was leichtes zu sagen. Wir setzen uns hin und zerteilen mal die Aufgaben.

Eigentlich, aber es gibt ja genug Leute, also in jedem Verein, die dann sagen, ja, aber ich kann gerade mal mitspielen. Für alles andere habe ich keine Zeit.

Ja, wobei, wenn kleingeschnittene Aufgaben vergeben werden, findet man doch schneller jemanden, der das machen möchte.

So, die Theorie, ich habe das auch schon, also auch mitbekommen. Ich rede jetzt gar nicht nur gar nicht von meinem Verein, aber ich habe das auch schon anders mitbekommen, dass das auch nicht so ganz funktioniert.

Klar, also da muss sicher jeder für sich gucken, was das heißt. Also wenn ich von Kleingeschnitten rede, dann meint es nicht so, möchtest du unser Notenwart sein und da hat man einen Riesenaufwand an der Hand, sondern wirklich kleingeschnitten meint, wir sind zum Beispiel eben nach Kerkgrade gefahren, da war das auch so, dieses, oh Gott, das wird ein Riesenprojekt.

Und in der Projektvorbereitung kam halt raus, okay, wir brauchen einen, der sich um das Hotel kümmert. Also der muss nichts anderes machen, als einfach zu sagen, okay, ich übernehme diese Aufgabe. Ich kümmere mich um das Hotel. Ein anderer hat dann übernommen, ich mache die ganze Abstimmung im Busunternehmen.

Und das wäre eine kleingeschnittene Aufgabe. Und sowas, glaube ich, geht schon. Also hat jetzt da nur positive Beispiele, wenn es klar ist, wenn es abgesteckt ist und wenn es wirklich so einen Umfang hat. Deswegen wäre es so meine Traumorganisation eines Orchesters.

Gut, bei den Berlinern kommt natürlich trotzdem dazu, dass die angestellt sind und auch. Und dass natürlich, dass das Orchester so ein Renommee hat, dass da auch jeder mitspielen will. Ja, natürlich. Aber du hast ja gesagt, was für ein Traum. Alles gut. Wie sehen Vereine in zehn Jahren aus? Was glaubst du?

Schwere Frage, war das auch eine Zuschauerfrage? Nein, das ist nur eine Kunde. Völlig okay. Zehn Jahre ist ein großer Zeitraum, gerade weil ich die Geschwindigkeit sehe, was mit den KI-Tools passiert, aber auch weil ich die Geschwindigkeit sehe, ich bin jetzt zum Beispiel in den Verbandspositionen, bin ich jetzt zweimal wiedergewählt.

Also bin jetzt so sechs Jahre auf dieser Bundesmedienreferent-Ebene und sehe dort auch sehr stark diese Thematik. Wie viele Vereine schließen sich zusammen, wie viele lösen sich auf und so weiter. Und das waren jetzt nicht so lang. Und ein zehn-Jahres-Zeitraum ist groß, aber nehmen wir mal die Challenge an und überlegen mal, was in zehn Jahren sein könnte.

Dann glaube ich, dass Vereine von weniger Menschen strukturiert geführt werden. Aber dass wir in Summe weniger Vereine haben. Also ich glaube, es ist ein Modell, was nicht mehr so ganz dem entspricht, was man heutzutage neu entwickeln würde. Also ein Verein wurde ja irgendwann entwickelt, dass man gesagt hat, Mensch, lass mal da was draus machen.

Und dann kam halt irgendwann die Gesellschaftsform, Verein da raus. Ist nichts, was jetzt irgendwie so ein Trend wäre, der heute entstehen würde. Vielleicht sind es andere Formen, die heute entstehen. Vor zehn Jahren oder 15 Jahren wusste noch keiner, was Crowdfunding ist. Heute ist es so, kennen viele, sagen wir so.

Also auch was, was entstanden ist. Ich glaube, es hat eine andere Art. Dann. Es wird vielleicht auch nicht mehr Verein heißen, aber wenn ich es heute beantworten müsste, würde ich sagen, weniger Menschen führen Vereine und die führen es aber strukturierter.

Was macht das mit unserer Gesellschaft, wenn Vereine wegbrechen?

Sie verlagern sich dorthin, wo das Vereinsmodell besser trägt. Also im Sportbereich gibt es ja nicht die Tatsache, dass es wegbricht. Im Kulturvereinsbereich hat man den Eindruck, also du hast vorhin gesagt, Gesangsvereine, die haben schon viel länger das Problem. Musikvereine muss man auch sagen, jetzt auf einer Deutschlandkarte, du kennst das, haben wir natürlich auch im südlichen Bereich von Deutschland viel mehr Musikvereine.

Deswegen nehmen wir natürlich auch so eine Art Auflösen oder Konsolidieren, auch viel schlimmer wahr. Wir nehmen das als Verein sterben wahr. Im restlichen Deutschland haben wir auch in der Struktur viel weniger solche klassischen Musikvereine. Und von daher könnte man auch sagen, naja, schlichtweg auch eine Bereinigung.

Also eine Konsolidierung, eine Bereinigung. Von daher wegbrechen, glaube ich, zwischen Verlagern hin zu anderen Hobbybereichen oder anderen Bereichen generell, auch im Sozialbereich entstehen ja immer mehr Vereine, wo sich Menschen für etwas engagieren. Ich glaube, das wird gleich bleiben. Allein, wenn man sich überlegt, wie viele Vereine es mittlerweile gibt, die gegründet werden.

werden als Interessensgemeinschaften. Interessensgemeinschaft zum Schutz von diesem und jenem oder Interessensgemeinschaft zur Entscheidung über den Autobahnausbau. Also da gibt es ja alles Mögliche, oft als EVs, also wir haben noch sehr viele Neugründungen, aber in anderen Bereichen nicht in Musikvereinsbereichen.

Lass uns eine Ebene drüber gehen. Wie sehen Verbände in zehn Jahren aus und beziehungsweise welche Aufgaben haben die zu bewältigen?

Boah, jetzt kommen aber die Hammerfragen. Verbände. Ich glaube, Verbände kriegen eine stärkere Rolle in der, ja, wenn wir so möchten, in der Generation Pyramide nochmal mitzuspielen. Also dieser Bruch, der jetzt sicherlich kommt durch Themen wie zum Beispiel GAFÖG, also Ganztagsförderungsgesetz ab nächstes Jahr, der stellt ja gerade Musikvereine etc.

vor große Herausforderungen. Und da werden die Verbände gefragt sein. Das heißt, dieses Übersetzen, Erleichtern und Vereine wieder befähigen, wird hoffentlich eine Verbandsaufgabe sein, die mehr angenommen wird, als er vielleicht heutzutage von dem einen oder anderen Verband wahrnehmen wird. Das würde ich mir wünschen, glaube ich.

Also dass man, dass mehr die Verbände wirklich die Hilfeger sind und die Erleichterer oder die Übersetzer, dass Vereine, die dann ja vielleicht von weniger Menschen geführt werden, überhaupt befähigt sind, das überhaupt noch stemmen zu können. Und ich glaube, das ist die Rolle für Verbände.

Hältst du das für realistisch, dass die das machen?

Ja, absolut. Also das total merke ich auch in den Verbandsgremien, wo ich jetzt die Möglichkeit habe, mitzuwirken. Das geht, definitiv. Die Angebote werden noch nicht so ganz komplett wahrgenommen. Das liegt dann, da beißt sich dann wieder die Katze ein bisschen in Schwanz. Also, wie mache ich Werbung für diese Thematik, sodass ja auch jemand versteht.

Also wer ist meine Zielgruppe, der das verstehen kann, dass es plötzlich wichtig wird. Also gerade wenn jemand eine Vereinsaufgabe hat und ist vielleicht klarinette 2 und hat jetzt hier eine irgendeine Führungsaufgabe übernommen, vielleicht in dem Teammodell. Jetzt dem zu erklären, was ist GAFÖG und was hast du jetzt damit zu tun, so unter dem Motto, ist natürlich eine Riesenaufgabe.

Das heißt, in den Verbänden wird das Thema Marketing herausfordernd, weil genau da diese Übersetzungsarbeit entsteht. Zwischen schwierigen Dingen, die für Vereine wichtig sind, die ich ihnen dann als Verband erleichtern muss.

Okay. Ich hatte anfangs ja erwähnt, dass du ja auch, wenn ich das jetzt richtig zeitlich umreiße, so mit Corona Blasmusik digital aufgebaut hast. Was ja nicht mehr Blasmusik Digital heißt.

Genau, seit Neuespringen, ja. Sondern jetzt heißt es B Musico oder B-Musico. Man darf es entweder Italienisch aussprechen, eingedeutscht oder im Englischen.

Okay, weil die Frage habe ich mir nämlich auch schon gestellt, ist das Englisch oder. Okay. Warum dieses Rebranding?

Also ursprünglich ist tatsächlich genau mitten in Corona entstanden, 5. Juli 2020, aus der Herausforderung, dass in den Musikakademien eigentlich nichts mehr passiert ist. Also die waren geschlossen. Und dann kam irgendwann auf, in ganz anderen Bereichen gibt es doch schon lange Online-Konferenzen, warum eigentlich nicht bei der Blasmusik.

Und aus dieser vermeintlichen Wette kam heraus, okay, wir machen mal eine Blasmusik-Konferenz. Wir machen mal einen ganzen Sonntag, wir machen mehrere parallele Online-Angebote und sagen, schaltet euch da rein, guckt euch das zu Hause an, nehmt da Themen mit. Und dafür wurde damals ein Name gesucht. Und da war der Name Blasmusik Digital, super, dafür hat es genau gepasst.

Und dann kam natürlich, wegen dem damals großen Erfolg, gleich am Tag danach, die Frage vieler Teilnehmer, naja, wann kommen denn die nächsten Schulungen? Und bis zu dem Moment hat keiner von uns darüber nachgedacht, dass das ja eine Möglichkeit wäre, dieses Weiterbildungsangebot, was jeder an der Musikschule hat oder mit seinem Lehrer, einfach auch zu ergänzen.

Und da hat man aber dann irgendwann gemerkt, wir haben das dann Probebetrieb gemacht, ein halbes Jahr lief es toll, dann haben wir weitergemacht und so weiter und haben das immer noch unter Blasmusik digital gemacht. Und dann gab es mehrere Messen, beispielsweise vor zwei Jahren in Nürnberg auf der Akustika, wie sie heute heißt.

Und da wurden wir angesprochen, ja, was macht ihr? Total spannendes Konzept, okay. Ah nee, das passt ja nicht, weil wir haben Klavier. Oder, ey, das passt ja nicht. Wir sind ja Posaunchor, selbst Posaunenchöre. Oder ey, wir haben Gitarren, nee, wir sind Streicher, das geht gar nicht. Ihr seid ja nur Blasmusik.

Und da kommt halt natürlich die deutsche Sprache. Und dann stand uns das einfach im Weg, weil wir gesagt haben, die Thematik, wie wir das machen, geht für jedes Instrument. Der einzige limitierende Faktor, wir wollen es nur für Musik machen. So. Und dann war der, ja, der Gedanke war schon lange da, wir müssen nochmal einen Cut ziehen, gerade wenn das Unternehmen oder die Marke noch so jung ist.

Es hat jetzt länger gedauert als gehofft, aber wir haben jetzt auch gelernt, dass man für einen Markenantrag bei der Europäischen Union zehn Monate braucht.

Krass. Weil ich erinnere mich, dass du im März, war im März, glaube ich, die Messe, oder? Da hattest du ja schon so ein bisschen was angedeutet, dass da was im Umbruch ist. Und dann habe ich, war ja jetzt das vor ein paar Wochen dann. Genau, ja.

Zum 1. November quasi haben wir uns umgestellt auf Bimusico und haben gemerkt, wie viele Stellen es gab, wo wir schon Blasmusik digital geschrieben haben. Wir haben wochenlang nichts anderes gemacht, als die Stellen umzuändern.

Okay. Ist der Plan auch internationaler zu werden? Absolut, ja. Ja, also bleibt jetzt nicht nur im deutschsprachigen Raum, sondern ihr versucht das.

Also wir haben schon seit zwei Jahren versucht, wir haben ja auch Teilnehmer, allerdings deutschsprachige Teilnehmer aus dem Ausland. Wir haben sogar einen unserer Top-Dozenten, der sitzt jedes Mal, wenn er bei uns sendet. Also er sitzt in Bogotha, er ist dort an der Universität und ist dort Musiklehrer.

Aber jede Sendung macht er von Bogotha aus, also aus Kolumbien. Ja, dann immer mittags 14 Uhr, wir haben abends 20 Uhr. Es geht wunderbar. Es geht super gut. Wir haben Teilnehmer bis Japan, bis USA, immer aber meistens deutschsprachig, die trotzdem bei den Kursen teilnehmen. Und wir hatten ein Unternehmen in Berlin oben, mit dem haben wir vor zwei Jahren schon experimentiert, dass das, was wir im Livecast sprechen, in anderer Sprache direkt untertitelt wird.

Das war alles in der Geschwindigkeit noch nicht so, dass wir gesagt haben, ja, kann man konsumieren. Der Chat geht schon, den Chat kann man jetzt schon in jede Sprache umstellen bei uns. Aber das, was der Dozent spricht, live unter Titel in jeder Sprache, da glaube ich, reden wir jetzt über ein paar wenige Monate, weil im Google-Webinar-Tool, Google Meet, geht schon.

Also wir nutzen das bei uns in der Firma. Da braucht man kein Englisch mehr kennen, wenn man möchte. Also sie wird einfach direkt untertitel in der Sprache. Nur Google hat es noch nicht publiziert für alle. Hätten wir das schon technisch im Zugriff, würde ich es Stand heute schon sagen. Kann jeder konsumieren in jeder Sprache.

Oha. Mit Untertitel. Aber geht.

Okay, da kommen ja spannende Zeiten auf uns zu.

Ich finde es total eine große Chance. Also ich mache immer das Beispiel mit einem italienischen Trompetenprofessor. Ich spiele zwar keine Trompete, aber bei dem Beispiel, bei dem hätte ich wahrscheinlich sehr viel Aufwand, dass ich mich mal bei dem weiterbilden könnte. Und dann würde ich ihn vielleicht nicht so richtig gut verstehen.

Mit der Technik kann ich mich durchaus mich bei ihm weiterbilden und ich würde ihn verstehen. Also von daher macht es natürlich einen Horizont riesig auf.

Also da bin ich gespannt, wie das so weitergeht. Und drücke euch da die Daumen, dass ihr da auch sehr groß wachsen könnt. Und würde jetzt so Richtung Schlussfragen mal abbiegen. Was lernst du gerade, was du noch nicht kannst? KI. Okay.

Also tatsächlich, ich mache jetzt seit eineinhalb Jahren in einem Projekt mit, wo wir uns jede Woche angucken. Und ich lerne jede Woche dazu. Im Moment produziere ich Musik, wo ich nie gedachte, dass ich Musik produziere. Also nicht in der Art, wie ich Musik produziere. Enorm. Also ich werde die in Kürze auf Spotify hochladen.

Ich weiß noch nicht, wie man Spotify, also wie ich da was hochlade. Da hast du mir was voraus, aber ich habe noch nie was produziert, um da hochladen.

Also Podcasters funktioniert es auch ganz anders als Musiker. Deswegen, ich habe da auch gar nicht so viel Plan, wenn ich ehrlich bin. Okay, wie gesagt, die ethische Nummer lassen wir jetzt mal raus, ob ich das jetzt gut finde oder nicht. Was würdest du gerne mal machen, hast dich aber bisher nicht getraut.

Außer Leute rauswerfen.

Außer Leute rauswerfen. Ich glaube, da gäbe es viele Dinge. Also ich merke, dass ich in vielen Dingen in der Komfortzone drin bin, die ich noch nicht an der Kante habe, dass ich sie verlassen würde. Schwer jetzt eins rauszugreifen. Also ich habe jetzt nicht dieses eine, diesen einen großen Wunsch oder so.

Ich glaube, so eine richtig große, weite Fernreise habe ich mir noch nicht getraut. Das hätte ich mal so richtig Bock, das zu machen.

Okay. Welches Buch bzw. welchen Film sollte man mal gelesen oder geschaut haben?

Musik als Klangrede, Nikolaus Hahn und Kur. Eines meiner Lieblingsbücher. Würde ich auf jeden Fall sagen. Ich musste es mehrfach lesen, bis ich es kapiert habe. Ich habe es am Anfang gelesen, fand es total langweilig, aber ich habe es nicht verstanden. Ich habe es nach ein paar Jahren wieder rausgepackt, nochmal gelesen.

Und mittlerweile finde ich es super. Das wäre absolut.

Okay, gibt es noch einen Film?

Auch beim Film, da bin ich eher so, da bin ich extrem Propqua-Kino verseucht. Also ich konsumiere so die ganze Marvel-Reihe, ich bin völliger Star Wars-Fan. Die gucke ich super gerne. Ich habe gesehen, diese Woche lief Jagd auf rote Oktober. Also da bin ich im ganz anderen Genre unterwegs.

Okay.

Könnte ich jetzt nichts Tiefgründiges antworten.

Muss ja gar nichts Tiefgründiges sein. Es kann auch einfach mal der seichte Film sein.

Dann würde ich Jagd auf rote Oktober unbedingt mal angucken. Wer ihn noch nicht kennt, mit Sean Connery.

Ja, wobei der so sei, ist er nicht. Da haben wir ja mittlerweile viel seichtere Filme im Angebot.

Das stimmt.

Welche Aufnahme sollte man sich mal angehört haben?

Es gibt verschiedene Aufnahmen von Nicolaus Hannencourt. Die würde ich absolut empfehlen, sich was rauszupicken. So die letzten, die er noch gemacht hat, kurz bevor er gestorben ist, die sind, ja, das kann man fast keine sagen, die besonders gut ist. Da ist eher so, mag man Mozart lieber, mag man dies lieber.

Vielleicht Musik, die man kennt, die man schon gehört hat und dann mal in der Version von ihm, wie er sie gemacht hat mit seinen Ansätzen und dem historischen Klang, enorm bereichernd.

Okay. Abschließend deinen privaten Wunsch und die Wünsche für die Blasmusik.

Privat wünsche ich mir, sagen wir mal so, etwas mehr, man könnte sagen, Ruhe. Da man so ein, also ich habe so ein bisschen das Gefühl das letzte Jahr, dass sehr viele sehr aufgeregt sind. Das mag durch die ganze Welt sein, aber viele sind sehr dünnhäutig. Und da mein persönlicher Wunsch, ein bisschen weniger Dunnhötigkeit, ein bisschen mehr Resilienz, ein bisschen mehr dieses, naja, mal schauen, was passiert.

Das ist so, der private Wunsch und der Wunsch für die Blasmusik, da kann ich mir nur wünschen, dass mehr Qualitätsanspruch entsteht. Komplett. Sowohl musikalisch als auch an das Vereinsmanagement. Einfach mehr Anspruch an das, was wir als Hobby machen. Oder den Anspruch, den wir vielleicht haben, wenn wir Fußballfans sind und die Bundesliga schauen.

Dort sind wir alle teilweise megakritisch und haben einen hohen Anspruch. Klar, die machen das beruflich, aber vielleicht der Dorfverein auch. Also man merkt einfach so, im Sport hat man oft einen hohen Anspruch. Ja, in der Musik würde ich es mir ein bisschen mehr wünschen, vor allem in der Blasmusik.

Okay, das nehme ich so. Kann ich. Freut mich. Kann ich so unterstreichen. Michael, vielen lieben Dank, dass du dir die Zeit genommen hast und wir sehr ausführlich über Marketing und so gesprochen haben. Bestimmt nicht das letzte Mal, weil ich habe noch 70 Fragen. Weil ich finde Marketing total spannend.

Ich weiß gar nicht, woher das bei mir kommt, aber ich finde das ein total spannendes Feld. Und wie gesagt, nicht das letzte Mal. Vielen lieben Dank.

Danke dir und danke allen, die bis hierhin zugehört haben.

Das war die Folge mit Michael Schönstein und wie man es vielleicht auch gemerkt hat, Marketing ist schon so ein Thema, das mich total interessiert und ich da auch persönlich meinen Spaß habe, mir zu überlegen, welche Marketingkampagne und man vielleicht auch für sein eigenes Orchester machen könnte und wie man Veranstaltungen bewerben könnte.

Mich würde jetzt interessieren, wie habt ihr die Folge empfunden? Fandet ihr sie informativ? Konntet ihr einige Dinge für euch mitnehmen und sagen, ah, das könnte ich auch mal ausprobieren? Oder habt ihr ganz andere Ideen? Dann meldet euch. Denn dann könntet ihr auch in mein Kurzformat auf einen Kaffee mitkommen und wir reden über eure Ideen.

Ich bedanke mich bei dem Suppor-Buffet Grampont, bei Leander Machern für den Schnitt und bei Dirk Mattes für die Musik. Ich freue mich, wenn ihr beim nächsten Mal wieder dabei seid. Macht's gut, euer Andi.

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