
On Air - Der Blasmusik Podcast· Staffel 5
Auf einen Kaffee mit Anita Wüstner - Wie geht böhmischer Gesang
Montag, 16. Dezember 2024 · 30 min
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Shownotes
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Anita Wüstner hatte mich angeschrieben, um mit mir über ihre Erkenntnisse in Sachen böhmischer Gesang zu sprechen. Sie selbst kommt eigentlich aus dem Rock und Popbereich. Einige Workshopanfrage kamen nun aus der Bereich der böhmischen Musik, so hatte sie sich mit keinem geringeren als Michael Klostermann getroffen und hat seitdem Feuer gefallen. Viel Spaß!
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Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Auf einen Kaffee mit. Dem klein Format im Blasmusik-Podcast, bei dem ich mit meinen Gästen über ein Thema circa einen Kaffee lang, rede. Ich hoffe, ihr habt euren Kaffee schon bereitgestellt, denn wir gehen sehr schnell in die Folge. Mein heutiger Gast ist Anita Wüstner und sie hat mich angeschrieben, nachdem sie sich mit Michael Klostermann getroffen hat, um über böhmischen Gesang zu sprechen.
Viel Spaß. Wie du deinen Kaffee gern trinkst.
Ja, also eigentlich bin ich gar nicht so ein Kaffeetrinker, sondern lieber Tee. Aber wenn Kaffee, wir haben so eine French Press Kanne und wenn dann, das ist so eine Blöre, so eine ganz seichte Blöre, das kann ich noch trinken, alles andere ist mir viel zu stark, das bin ich.
Was ist dann dein Lieblingstee?
Ah, ich mag gern grünen Tee mit irgendwelchen Geschmäckern drin, das trinken. Oder Kräutertee.
Okay. Du hast mich ja kontaktiert, weil du über ein für mich ganz spannendes Thema sprechen willst, weil darüber wurde tatsächlich in über 100 Folgen noch nicht wirklich gesprochen, nämlich über den Gesang bei der Blasmusik. Und wir haben ja jetzt gerade schon so ein bisschen gesprochen, du kommst ja eigentlich vom Lehramt, aber noch nicht mal als nicht mal Musiklehramt, bist aber jetzt Gesangsausbilderin quasi.
So ungefähr, genau. Also ich bin Gesangslehrerin, Vocal Coach für Rock-Pop-Gesang, also alles außer Klassik, alles was mit Schlager, Rock Pop, Heavy Metal, Dark Metal, was auch immer, also alles, was mit Gesang zu tun hat, außer Klassik, da habe ich mit meinem Mann zusammen eine Gesangsschule, ähnlich wie eine private Musikschule und da kommen die Leute und lernen singen.
Okay, also wenn du sagst, Dark Metal und so, also so richtig mit schreien.
Das mache ich jetzt im Speziellen nicht, aber wir haben da Spezialisten und die unterrichten auch das ganz Böse.
Okay. Jetzt stelle ich mir natürlich die Frage, wie kommt man dann von Rock, Pop, Schlager, Dark Metal, irgendwas zur Blasmusik? Das ist jetzt nicht die naheliegendste Form, glaube ich.
Ja, das stimmt. Das war Zufall. Vor zwei Jahren wurden wir kontaktiert von einer Blaskapelle. Die wollten einen Workshop haben, einen Gesangsworkshop. Einfach so, weil sie da die finanziellen Mittel dazu hatten. Und da ging es auch überhaupt nicht um Blasmusik, sondern ich bin da einfach hin. Es war so ein Tagesworkshop, da geht es querbeet um alles Mögliche.
Atmung, Bruststimme, Kopfstimme, Stimmbildung allgemein. Und wir haben auch Rock niedergesungen. Und das hat ihnen so gut gefallen, dann haben sie mich immer wieder gebucht und irgendwann mal stand das Brauereifest vor der Tür. Und dann haben sie mich gebeten, ob ich ihnen nicht helfen könnte bei der Vorbereitung auf dieses Konzert, weil das sollte ein böhmischer Abend werden.
Und das gängige Gesangstuo, das war krank oder konnte nicht. Und sie wollten aus ihren Reih jetzt eben Nachfolger halt dafür hernehmen und haben mich gebeten, ob ich die unterstützen kann. Und dann habe ich gesagt, hä, was? Ich habe ja gar keine Ahnung. Also kannte ja noch nicht an Mighty Liter. Das ist wirklich spannend.
Also du hast keine Berührung mit Blasmusik bis dato gehabt.
Also ganz, ganz, ganz am Anfang in meiner Kindheit schon, weil mein Vater aus dem Böhmerwald kommt.
Okay, da liegt sie ja gar nicht so weit weg.
Ja, genau, wobei ich das tatsächlich sehr weggeschoben habe. Also bei uns lief halt auch sonntags Bayern 1 vormittags. Und das war halt überhaupt nicht meine Musik. Ich wollte immer schon in den Rock, immer schon in Pop, immer eher Vollgas und habe das einfach total weggeschoben und überhaupt nicht gemocht.
Aber ich kannte das vom Hören natürlich. Und kannte aber keine Titel jetzt beim Namen oder so bewusst. Und ja, diese Kapelle war die erste Kapelle, die mir Titel wie auf der Vogelwiese, Rauschende Birken, Böhmische Liebe, Böhmischer Traum wie Musikanten nahegebracht hat. Und ich habe es dann einfach mit denen ausprobiert.
Und tatsächlich war es dann so, dass kurze Zeit später sich die nächste Kapelle gemeldet hat und gesagt hat, wir haben gehört, du hast die Kapelle da gecoacht, wir wollen auch ein Coaching haben. Und so kam ich zur nächsten Kapelle und nochmal und nochmal. Und ja, das war eben auch ein Weg hin bis zum ASM letztendlich, bei dem ich dann einen ersten Basisworkshop gegeben habe.
Und das war auch nur so ein ganz Versuch am Anfang. Und der war dann schon nach zwei Tagen so ausgebucht, der Workshop, dass dann gleich der nächste Termin stattfinden musste. Und so ist es ja in den letzten zwei Jahren irgendwie durch Zufall entstanden.
Okay. Kannst du ganz kurz sagen, wo du herkommst, damit die Hörer auch dich so logistisch und lokal einordnen können?
Stimmt, wenn ich ASM nenne, gell. Ja, ich komme aus Augsburg.
Ah ja, okay. Also ich finde es total spannend, weil ich finde, das ist ja immer so die Gretchenfrage. Ich hatte ja selber ein böhmisches Orchester, 14 Jahre lang, habe dann in den letzten fünf Jahren, glaube ich, selbst gesungen mit meiner Gesangspartnerin und hatte auch unglaublich Spaß dran. Also es hat sich gemacht.
Oh, super. Gut, ich hatte sowieso eine Gesangsunterricht im Studium. Und so und dann hat das mit unserem Sänger nicht mehr so ganz funktioniert und dann war dann sehr naheliegend dann mache ich das halt. Aber ich weiß auch um die Diskussion des Gesangs in der Blasmusik. Es gibt so, finde ich, immer so zwei Lager.
Die einen finden es toll, weil natürlich die Text oder die anderen finden es nicht so toll und es scheidet sich halt A oft an den Texten, weil die natürlich teilweise sehr verständlicherweise sehr, sehr heimatverbunden sind und natürlich eine Zeit ansprechen aus, von der wir jetzt weit weg sind. Auf der anderen Seite, weil man es halt auch oft nicht gut hört.
Das muss man natürlich dann auch für fairer halber dazu sagen. Wie hast du das denn jetzt so, also als die ersten Coachings kamen, wie hast du das so wahrgenommen?
Also für mich ist es natürlich anders, weil ich von außen komme und da neutral bin. Und ich muss auch dazu sagen, ich bin so ein bisschen ein Technik-Nerd. Das heißt, mich interessiert es einfach, die Stilistik. Und da ist es mir tatsächlich im ersten Moment, egal, ob das jetzt eine Hardrock-Stilistik ist oder eine böhmische Stilistik, sondern mich interessiert es einfach, wie soll es klingen.
Und natürlich sind die Texte, manche Texte, muss man auch dazu sagen, erstmal so ein bisschen, wie du sagst, völlig aus der Zeit gefallen. Andererseits, wenn ich den Wunsch habe, böhmische Blasmusik authentisch machen zu wollen, gehört es halt auch dazu. Und dann ist es für mich gar nicht komisch. Also dann fühlt es sich für mich sehr authentisch an.
Und ich habe aber natürlich überhaupt kein Wissen über die Stilistik der böhmischen Blasmusik gehabt, hatte dann aber doch Zufall eben von einem Workshop bei Michael Kloster mal erfahren, auch über den ASM, und habe ihn dort kennengelernt und war total begeistert von dieser Genauigkeit und von dem unglaublichen Niveau, das er eben auch vermittelt.
Und weil wir in diesem Workshop, da habe ich ja gar nicht, also da war ich ja nur Zuschauerin, weil ich spiele ja kein Blasinstrument. Also ich habe den ganzen Tag lang nur der Kapelle zugeguckt und war da aber sehr begeistert. Und weil wir wenig Zeit hatten, habe ich dann mit Michael im Nachgang viel telefoniert und wir haben uns mittlerweile auch schon getroffen.
Und er hat mir sehr viel über den Hintergrund der böhmischen Blasmusik erzählt und erklärt. Und ich finde, man muss den auch kennen, wenn man sie authentisch singen möchte. Und tatsächlich versuche ich auch so diesen authentischen Klang, den Ernst Mosch und Barbara Rosen eben geprägt haben, so ein bisschen fast wissenschaftlich zu erforschen.
Also wissenschaftlich ist jetzt zu hochgegriffen, aber du weißt ja auch nicht.
Aber technisch zu verstehen halt.
Genau. Also einfach zu gucken, wie klingt das, und mit meinem Wissen als Vocal Coach zu übersetzen, was muss ich machen, damit es so klingt. Und das ist spannend.
Da hast du natürlich mit Michael und ich weiß halt, dass du bei ihm warst, weil er hat mir damals auch erzählt, dass da jemand kommt und ganz viel über den Gesang wissen will und er war total begeistert. Jemand gefunden, der den gleichen Ansatz natürlich ja auch in der Instrumentalmusik verfolgt, beziehungsweise dann auch jetzt die letzten Jahre verfolgt hat, um zu erklären, was er schon seit 20 Jahren eigentlich erklären will und irgendwie immer nur vorsehen konnte und jetzt irgendwie mal mehr auf den Punkt bringt und das ein bisschen technischer analysiert, okay, das muss halt so gespielt werden, so gespielt und hier muss eine schwere Eins.
Und da, um das zu machen, also von der Ansicht bist du da genau wahrscheinlich an dem Richtigen, der nicht einfach nur sagt, okay, ich mach das halt so, sondern sich wahrscheinlich damit auch deutlich auseinandergesetzt hat. Was muss ich denn mitbringen? Also ich bin jetzt ein komme jetzt aus einer Blaskapelle und kann ganz nett singen.
Wie würdest du mit mir jetzt umgehen? Wie ist der Ansatz? Also oder wie unterscheidet sich es vielleicht auch zum Rock technisch gesehen?
Also böhmische Blasmusik ist halt viel, viel zarter und viel, viel weicher. Also es gibt eigentlich, finde ich, so drei der wichtigsten Dinge, die man wissen muss. Und dann sage ich noch, was sich quasi zum Rock Pop unterscheidet, weil ich tatsächlich ja auch in den Workshops nicht nur Böhmisch jetzt gebe, sondern ja auch Workshops, bei denen es um Stimmungstitel geht, also auch sowas wie Festbänkler oder Hallo Kleine Maus und so, die ja doch ein bisschen von der Stilistik auch wieder anders sind.
Und dann erkläre ich kurz das. Also Böhmisch ist halt wirklich unglaublich zart und vom Klang her sehr zurückgenommen. Das heißt, technisch gesehen singt man da sehr viel in der Kopfstimme. Wenn für die Hörer der Begriff Kopfstimme jetzt was sagt, wenn nicht, ist egal, es ist auf alle Fälle sehr zart, sehr zurückhaltend und es ist sehr viel mit Ausdruck gesungen.
Und technisch gesehen gibt es da einfach so ein paar Tipps, die eigentlich bei den gängigen Titeln immer so ein bisschen problemfall sind. Also ähnlich, glaube ich, wie bei den Instrumenten muss ja auch oder sollte alles gebunden werden, also nicht abgehackt gesungen, ja. Das ist so das erste Merkmal.
Und dass man auch relativ schnell auf die Konsonanten geht. Also dass man nicht so breit singt, sondern es sollte immer so klingen, als wäre es gesprochen. Ich singe also nicht Egerland, Hei Madland und setze mich da so breit drauf, weil ich sage ja auch nicht, ich komme aus Egerland, Heimatland, das ist mein Heimatland, sondern ich sage, ich komme aus Egerland.
Das ist mein Heimatland. Und dementsprechend geht man schneller auf die Konsonanten. Egerland, Hi Madland. Und so gleich wieder quasi auf den Konsonanten drauf und nicht so breit. Genau, das sind so die wichtigsten Dinge. Und das letzte wäre noch ähnlich, glaube ich, auch bei den Instrumenten, dass man versucht abzufassieren.
Also nicht so aus dem Ton drauf zu bleiben, sondern immer so einen Klang zu erzeugen, der dann wieder leiser wird und nicht so künstlich drauf bleibt, weil das sehr unnatürlich wirkt dann.
Ja. Und jetzt im Vergleich zum Rock Pop?
Das hat sehr viel rufende Elemente. Also es hat viel mehr Energie. Also wir sprechen von Output oder Gain. Es ist halt viel lauter, ich setze da viel mehr Energie rein, wenn ich Feschbängler, Partyplanet oder was singt dann, ja. Heute wird die Nacht zum Tag auf dem Partyplanet. Ram, pap, b, pam, pam, bam, bam.
Da ist dann halt natürlich viel mehr Gahinter und viel mehr Kraft. Das ist ganz was anderes, das ist total unterschiedlich.
Hast du die Erfahrung gemacht, dass, oder andersherum, ich habe natürlich, wenn ich jetzt von mir aus gehe, ich hatte sowohl klassischen Gesangsunterricht als auch Rockpop-Unterricht. Also wir haben auch wenn das meine klassische Lehrerin nicht wissen durfte. Das war sehr verpöhnt damals. Also ich hätte da, glaube ich, ziemlich ärger bekommen und das Blöde war, dass wir direkt nebeneinander vom Raum her.
Also es war leider räumlich sehr nah. Das heißt, ich musste mich da jeden Dienstag vorbeischleichen und immer hoffen, dass ich nicht gesehen habe. Weil das konnte meine Klassiklehrerin überhaupt nicht abhaben, dass jemand irgendwie Pop, Jazz, irgendwas singt. Also alles, was nicht klassisch ist. Und dann kam natürlich bei mir noch die Komponente dazu.
Ich habe, weil wir natürlich, also wir waren Richtung semiprofessionell unterwegs und wir haben auch CDs gemacht und natürlich habe ich mich auch vorher schon mit dem Gesang auseinandergesetzt, weil ich in meinem Gesangsduo sagen muss, wie sie sing und habe viel gehört. Mors, aber auch Klostermann. Und ich finde, gerade wenn er mit seiner Tochter singt, wisst ihr, die ja auch die Aufnahmen angehört haben, die Klangfarben mischen sich oder die Stimmen mischen sich halt unglaublich gut.
Was nicht so häufig in der Szene im Moment da ist irgendwie. Und hab mir natürlich auch viel Gedanken über Frassierung gemacht. Und ich habe manchmal das Gefühl, dass Frassierung komischerweise bei Amateurkapellen, wenn gesungen wird, überhaupt nicht irgendwie ansatzweise mitgedacht wird, sondern wir gucken halt, dass es irgendwie zweistimmig ist und dann singen wir halt mal.
Aber das ist nur mein Eindruck. Ich weiß nicht, wie du das kennengelernt hast.
Also ich glaube, dass halt diese Deckungsgleichheit natürlich das Entscheidendste ist. Das ist das, was das Publikum als erstes wahrnimmt, ob die beiden Stimmen wirklich absolut deckungsgleich sind oder nicht. Ist das nicht der Fall, hört man und spürt man das sofort. Und weil du den Klang angesprochen hast, das ist genau dieser Wunsch und auch das, was ich so ein bisschen versuche, wo ich ja gerade erst am Anfang stehe, herauszufinden, wie man es schaffen kann, dass das eben genau so verschmilzt.
Also den Sound der Stimme auch so einzusetzen, dass beide Stimmen zwischen Mann und Frau so verschmelzen, dass man eigentlich am Ende gar nicht mehr genau sagen kann, wer wer ist, sondern dass das eben zu einer Einheit wird. Und damit natürlich auch die Instrumente vergoldet. Also letztendlich immer die Farbe gibt, um einfach die Musik noch einmal zu vergolden.
Und ich glaube, das Gefühl für Prasierung ist natürlich bei ausgebildeten Sängern viel, viel größer. Andererseits muss ich sagen, habe ich manchmal das Gefühl, aber das kann jetzt nur persönlich sein, das will ich jetzt nicht so plakativ dahin stellen, dass es manchmal für Laien leichter ist, sich an diese Natürlichkeit des Sounds hinzubegeben.
Also dass sie schneller auf den Konsonanten geht, fällt ihnen leichter, als manchmal klassischen, eher klassisch vorgebildeten Sängern, die sehr auf dem Vokal kleben und da vergessen, dass das ja um eine Geschichte geht, die auch erzählt wird und dass die eben sehr natürlich klingen soll.
Ja, das kann ich mir gut vorstellen. Weil es natürlich in der Klassik doch ein bisschen anders da ist. Auch gerade im Chor wird ja geguckt, dass es alles schön bereit ist. Wobei ich zum Beispiel vom Chor singen natürlich ganz viel mitgenommen habe, also Endungen wirklich sauber zusammen abzusprechen.
Weil das ist ja, finde ich, so die Königsdisziplin, dass wenn. Also gerade wenn, weil bei der Blasmusik, wie du schon sagst, es wird ja schneller abgesprochen, damit es natürlicher klingt. Und dann muss man ein gutes Timing entwickeln, damit diese Natürlichkeit aber auch noch zusammen ist und nicht bei so Wörtern wie mein Opa sagt, dass ich dann tausend T-s hinten dran habe und gar nicht mehr weiß, was Sache ist irgendwie.
Ja, also entweder trainiert man halt eben so viel, dass das dann wirklich in Fleisch und Blut übergeht. Das ist natürlich für die meisten Kapellen nicht möglich, dass die so viel Zeit investieren. Oder es macht dann, das ist natürlich ein bisschen gefaked, aber dann nur einer. Also, dass halt nur einer einen Tee macht, das geht dann schon auch noch.
Und da muss man einfach so ein bisschen gucken. Aber ich finde das Spannendste tatsächlich die Farbe. Also Barbara Rosens Sound ist ja wirklich unglaublich, zart, fast kindlich, lieblich. Und das ist für mich, der aus Rock-Pop-Bereichen kommt, also ganz schwierig zu machen, wenn man halt einfach diese Energie viel mehr in sich hat.
Also ich habe immer das Gefühl, ich muss noch weniger machen, noch weniger, noch weniger, noch weniger, noch weniger, um einfach diese Zartheit wirklich da hinzubekommen.
Wenn jetzt jemand draußen hört und sich und jetzt irgendwie sagt, ja, aber puff, kannst du eine Übung oder zwei Übungen, die du so ganz schnell mal so ganz grob mitgeben kannst?
Also was ich immer gut finde als Übungen, ist gerade für die Zartheit das Lippenflattern, also alles, was mit Melodien mit den Lippen so flattern zu lassen.
Das ist ja gut für Blech, also von uns Blechbläsern sind wir das ja eigentlich gewohnt.
Ja, wunderbar, dann ist er noch besser. Genau. Dann müsst ihr nur noch dazu singen. Das wäre eine ideale Übung, einfach auch ein bisschen um in diesen Modus zu kommen, allerdings das dann halt wirklich leise machen. Also nicht zu stark, sondern versuchen mal, das ganz leise zu produzieren. Und ich für mich habe festgestellt, dass ich am leichtesten in den Sound komme, wenn ich mir vorstelle, dass ich auf einen Samtstoff fasse.
Also wirklich mir vorstelle, als würde ich etwas ganz Weiches, samtiges berühren, also so drüber streichen, dann merke ich, dass sich automatisch über die Rezeptoren der Hand sich das für mich so in eine andere Farbe gibt. Aber es gibt natürlich auch noch so schauspielerische Übungen, die man da einbauen kann, um einfach so eine ganz Lieblichkeit zu produzieren.
Da muss man ein bisschen ausprobieren, dass es immer individuell unterschiedlich. Ja, wie der Klang dann klingt, dass es nicht zu dumpf ist, sondern dass man das Gesicht nach öffnet nach oben hin, um einfach einen helleren Klang zu erzeugen, weil dadurch die kleineren Resonanzräume besser erreicht werden, die für die höheren Klangfarben zuständig sind.
Was war der größte Aha-Moment, als du mit Michael ja gesprochen hast oder dann auch geübt hast?
Ich glaube, da waren 100.
Das kann ich mir vorstellen.
Das war echt unglaublich für mich. Also für mich persönlich, muss ich sagen, war, das hat jetzt gar nicht so mit Stimme zu tun, aber er hat halt damals auch von Ernst Mosch diese Aussage bekommen, dass wenn man quasi böhmische Wurzeln hat, das schon die halbe Miete ist. Das konnte ich überhaupt nicht nachvollziehen, weil ich mich ja so jetzt nicht als Halbböhmen oder so fühle.
Aber natürlich war das dann nochmal für mich persönlich jetzt die Beschäftigung mit dieser Musik schon auch nochmal so eine familiäre Geschichte auch, sodass ich kenne halt auch die Schwere, also auch diese Schwere in meiner Familie aufgrund der Vertreibung. Und jetzt da so ein bisschen die Geschichte für mich umschreiben zu können und umschreiben zu dürfen, das finde ich eigentlich das Schönste.
Also da jetzt ganz mit Freude einfach da dran zu gehen. Und das war ein großes Aha-Erlebnis.
Du hast gesagt, er hat ja so ein bisschen auch Hintergründe natürlich dann auch erzählt. Du hast gesagt, du findest das wichtig. Gibst du das dann auch weiter in deinen Coachings? Also ein bisschen Geschichtsstunde quasi?
Ja, im Aufbau-Workshop jetzt schon, im Basisworkshop nicht. Wenn ich Einzelcoache, dann erkläre ich das immer, dass man einfach den Hintergrund ein wenig kennt, um zu verstehen, dass es eben authentischer ist, wenn ich es zart mache. Natürlich kann ich auch auf der Vogelwiese vierzeltmäßig plären. Das geht schon auch, aber das ist halt nicht so authentisch.
Also ich vergleiche es halt immer wie mit Fußballspielen, irgendwie Regionalliga und Champions League. Man kann natürlich das so oder so spielen. Es ist das gleiche Spiel. Aber wenn man eben den Hintergrund weiß, dann versteht man, dass das eben nicht so gerufen wird. Also dass das nicht Partyplanet-Style auf Vogelwiese übertragen wird oder schon gar nicht auf rauschende Bögen oder böhmischer Wind oder so.
Also das ist wirklich einfach ein Zeichen der verlorenen, die Sehnsucht nach der verlorenen Heimat, die sich einfach durch einen sehr zarten, melancholischen Gesangssound widerspiegelt. In der Instrumentierung darf es schon schneidig daherkommen, aber im Gesang halt ist es schon sehr zart.
Wobei natürlich in der Melodie, im Tenoren und im Flügeln natürlich schon auch versucht wird, weich zu spielen. Also deswegen, wir versuchen uns ja dann auch, uns da irgendwie so anzugleichen. Damit das ganze Bild so ein bisschen auch verschmilzt, weil sonst haben wir hinten dran irgendwelche so Bäm und dann soll man vorne noch singen, das ist natürlich dann auch schon schwierig.
Da kommt auch noch das nächste Problem-Thema Technik ja mit ins Spiel. Also das Singen mit Mikro sind ja nicht viele so gewohnt. Dann der Faktor, dass man sich nicht so gut hört, wenn man live spielt, all das sind so Sachen, die ja einfach auch die Blaskapellen beschäftigen. Und deswegen habe ich jetzt auch selber angefangen, auch das zu singen.
Also habe auch eine Kapelle gefunden, mit der ich das jetzt ausprobiert habe. Einfach weil es mir wichtig ist, dass ich nicht nur darüber spreche, sondern dass ich halt auch aus meiner Erfahrung heraus weiß, wie sich das anfühlt, mit einer Kapelle auf der Bühne zu stehen. Und genau, kann da jetzt auch so ein bisschen aus meiner eigenen Erfahrung schon sprechen, wie man damit am besten umgeht.
Ja, Technik ist immer, also es ist ja dann noch die nächste große Baustelle, irgendwie, da muss man ja einen guten Mann haben, der das macht, hören auf der Bühne immer schwierig, finde ich. Wobei, also wobei ich finde, bei Blasmusik geht es nur, weil man ja noch genug Leute hat, die ja die Melodie auch mitspielen und dann kann man sich relativ gut draufsetzen irgendwie.
Aber ja, das ist natürlich, und die, ich finde die Lautstärkenverhältnisse. Oder Unterschiede im Stück beim Singen sind nicht so groß, dass ich quasi viel mit dem Mikro machen müsste. Also bei Rock Pop ist das ja anders, wenn es laut wird, gehe ich ja weg mit dem Mikro, damit es nicht wäre. Das habe ich ja in der Böhmischen Blasmusik nicht.
So gut wie nicht.
Genau, das haben wir als Sänger, da haben wir es überhaupt nicht. Also da habe ich das Mikro tatsächlich die ganze Zeit sehr nah. Allerdings ist halt das Problem, wo stehe ich auf der Bühne, was bekomme ich von der Kapelle mit, was bekomme ich von mir mit. Also Monitoring ist ein ganz großes Thema. Und wenn man schon etwas geübter ist, dann hat man mehr ein Gefühl auch für sich, für seine Lage, hört sich schneller und leichter und geht auch mehr nach dem Körpergefühl.
Also ich orientiere mich auch nicht ausschließlich über das Hören, sondern schon auch über meinen Körper. Im Üben speichere ich ab, wie sich das anfühlt. Und dann, wenn ich auf der Bühne stehe, dann versuche ich eben dieses Körpergefühl wieder abzurufen. Aber natürlich, wenn neben mir ein ganzes Orchester Vollgas gibt, ist das halt schwierig.
Also da muss man wirklich sehr bei sich bleiben und gucken, wie kann man da wahrnehmen, wo meine Stimme jetzt gerade ist.
Wo stehst du am liebsten auf der Bühne dann bei so einem Orchester?
So viel Erfahrung habe ich jetzt mit dem Blasorchester nicht, aber auf der Seite, also ich war jetzt immer irgendwie vor den Posaunen gestanden. Ich fand es eigentlich ganz gut. Ich bin jetzt aber auch kleiner, das heißt, ich habe auch den Vorteil der Monitor, der strahlt irgendwie ganz gut zu mir hoch.
Und da habe ich mich also sehr wohl gefühlt, weil ich sowohl meinen Gesangspartner gut sehen konnte und ja doch mit ihm immer Blickkontakt halte und aber auch den Dirigenten sehen konnte. Das ist ja für mich auch eine neue Erfahrung, mit Dirigent zu spielen. Also auch so Publikum, Dirigent, Gesangspartner, das waren so die drei Felder, die ich immer so abgeswitcht bin zwischen diesen Feldern.
Welches Blasmusic-Stück hast du jetzt lieben gelernt beim Singen?
Also die, die ich vorhin schon genannt habe, die singe ich alle sehr gern. Was ich noch nicht selber so richtig mir erarbeitet habe, aber was mein Lieblingsstück ist, ist tatsächlich Böhmischer Wind. Weil es einfach so unglaublich, weiß ich nicht, das finde ich einfach wahnsinnig schön. Aber die genannten, die singe ich eigentlich alle sehr gern.
Rauschende Birken ist natürlich schon nochmal für mich einfach ein bisschen schöner, weil es halt vom Text her mehr gibt, auf das ich achten möchte. Und das ist schon etwas, was ich vielleicht noch ein bisschen lieber singe als etwas anderes.
Okay. Vielen lieben Dank für den Einblick. Sehr spannend. Bin sehr gespannt, ob, also zumindest in unserer Region, wo ich herkomme, gibt es tatsächlich gar nicht mehr so viele, die singen. Was ich sehr schade finde, weil, wie du schon sagst, wenn man es authentisch machen will, finde ich, gehört es dazu.
Und ich finde, es ist ja auch eine Abwechslung. Also wenn ich jetzt eine Blaskabelle drei Stunden höre, finde ich es auch mal ganz nett, wenn zwischendurch jemand singt, weil es einfach eine andere Farbe noch mit reinbringt und eine andere Direktheit.
Finde ich auch. Und ich glaube, es ist einfach auch eine Brücke zum Publikum. Auf jeden Fall. Also die Instrumente allein sind schon toll. Aber wenn dann noch dazu gesungen wird, abgesehen davon, dass es authentisch ist, bei vielen Titeln, ist es einfach nochmal fürs Publikum. Man merkt es richtig, dass sie das einfach mögen.
Das Publikum mag es, wenn gesungen wird. So war immer bisher mein Eindruck. Ich weiß nicht, ob das bei anderen auch so ist, aber deswegen glaube ich, es ist schon schön, wenn man es macht.
Ja, wie du schon sagst, ist die Brücke, weil der Sänger oder die Sängerin hat natürlich dann auch mehr Möglichkeit, mit dem Publikum zu agieren, weil einfach auch nichts im Gesicht hängt. Wie in erster Mann. Naja, es ist ja einfach so. Also man hat ja die Chance, irgendwas zu tun. Man kann mal irgendwie mit dem Publikum auch ein paar Augenkontakt shakern oder irgendwas.
Das ist ja mit Instrument einfach deutlich schwerer und wirkt komischer. Muss man auch sagen.
Ich stimmt, du hast völlig recht. Für uns ist leichter. Wir können sogar animieren zum Klatschen, wenn es gewünscht ist. Wir können da performen.
Okay. Vielen lieben Dank. Ich hoffe, dass deine Kurse weiterhin so gut besucht werden und der Gesang in der Blasmusik wieder einen neuen Stellenwert vielleicht erreicht.
Ich wünsche es mir auch und bin sehr dankbar, dass ich da ein kleiner Teil davon sein kann.
Das war es schon wieder mit auf einen Kaffee mit. Wenn ihr auch einmal hier sitzen wollt und eure Ideen mal publik machen wollt oder ein Problem besprechen wollt oder einfach nur so mit mir plaudern wollt oder eine ganz andere Intention habt, dann schreibt mich gerne an unter blasmusikpodcast.gmx.de oder gerne auch über Instagram.
Den Link findet ihr in den Shownotes. Und dann machen wir einen Termin und dann ist jetzt auch ihr hier. Ich würde mich sehr, sehr freuen, wenn wir mehr Ideen, mehr Connections in die Blasmusik-Community bekommen. Und dann wünsche ich euch eine wunderschöne Woche. Ich hoffe, ihr seid bei den restlichen Kurzfolgen in dem Jahr auch noch dabei.
Ich wünsche euch eine schöne Adventszeit. Macht's gut, euer Andi.