
On Air - Der Blasmusik Podcast· Staffel 5· Folge 110
Georg Birner (Trompete) - Was macht die Malte Burba Schule so einzigartig?
Donnerstag, 5. Dezember 2024 · 1 h 20
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Shownotes
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Georg Birner war von 1993 bis 1997 Jungstudent bei Malte Burba und setzt sein Studium nach dem Abitur auch bei ihm fort und schloss dieses 2001 als Diplom-Instrumentalpädagoge ab. Erste berufliche Erfahrungen sammelte er beim Apollo Theater Stuttgart bei den Musicals „Tanz der Vampire“ und „42nd Street“, im Stadttheater Pforzheim und im Münchner Rundfunkorchester. Von 2008 bis 2011 war er Mitglied im Philharmonischen Orchester Regensburg. Als freiberuflicher Musiker und Trompeter ist er nicht nur gefragte Aushilfe in vielen Orchestern, sondern auch bei unterschiedlichen Projekten ( Von zeitgenössische Musik, Volksmusik, bis hin zur Big Band) aktiv. 2016 gründete er zusammen mit Andreas Stich die Burba®Brass Akademie. Zudem hat er sich als lizenzierter Burba®Brass Lehrer einen Name gemacht und unterrichtet sowohl zahlreiche Studenten als auch Orchestermusiker. und seit Oktober 2022 unterrichtet er außerdem im Fach Trompete an der Anton Bruckner Privatuniversität in Linz.
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Schnitt: Leander Machan
Musik: Dirk Mattes
Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin
Ja, es geht oft nicht um das Trompetispielen. Es geht oft um den Menschen. Und wir haben oft einfach nur viel geredet. Das war auch eine Zeit, wo es mir nicht gut ging. Und er hat immer als erstes gefragt, ja, wie geht's dir? Und wie geht's zu Hause? Und wie ist so die Lage? Und das Trompetispielen war da jetzt nicht an erster Stelle.
Und der hat auch keinen Druck gemacht und hat mich einfach da abgeholt, wo ich war und mich begleitet. Viele machen auch den Fehler, sie kommen und sind voll motiviert. Und nach zwei Wochen merken sie, es ist ja mühsam und anstrengend und ich muss ja jeden Tag üben. Wieso muss ich eigentlich jeden Tag üben?
Das bringt ja gar nichts, ich merke ja gar nichts. Und dann hören sie irgendwann wieder auf. Aber das ist das Allerdümmste, was man machen kann. Die Sache mit dem Perfektionismus. Das ist einfach grauenhaft. Das sagt doch der Malte, das gibt es einfach nicht bei dem, was wir machen. Aber wieso gehen wir oft mit diesem Anspruch dann die Sache ran an uns selber und an die Musik, an die Kollegen?
Das bringt doch gar nichts. Wir sind doch alles Menschen. Und noch ein Zitat von Malte, er sieht es als ein Menschenrecht an, auf der Bühne Scheiße zu spielen.
Herzlich willkommen beim OnEard, dem Blasmusik-Podcast. Mein Name ist Andy Streck und ich treffe mich mit Dirigenten, Komponisten, Musikern und Visionären aus der Welt der Blasmusik. Wir sprechen über Ansichten, neue Ideen, das Leben und natürlich Musik. Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von On Air dem Blasmusik-Podcast und wir nähern uns dem Ende von 2024 und ihr hört heute die letzte große Folge.
Es werden noch ein paar kleine Folgen von Auf einen Kaffee mitkommen, aber die letzte große Folge hier im Podcast, bevor ich eine kleine Weihnachtspause, so wie ich jedes Jahr einlege und dann Mitte Januar frisch loslege. Ich bin aber währenddessen gar nicht so faul, sondern produziere fleißig schon vor.
Es sind schon spannende Gäste, die hier zu Gast waren, die dann im Januar kommen werden. Also da könnt ihr euch drauf freuen, dass da eine große Bandbreite der Blasmusik wieder auf euch zukommen wird. Und bevor ich zu meinem heutigen Gast komme, wie immer der Supporter, und das ist Buffet Crampor, genauer genommen B und S.
Die haben letztes Jahr eine neue Trompetenserie rausgebracht, nämlich die Personality-Serie. Und Personality deshalb, weil drei Trompetengrößen daran beteiligt waren und drei unterschiedliche Modelle mit Hilfe dieser drei fantastischen Musikern entwickelt wurden, nämlich Benny Brown, Thomas Inderker und Martin Hutter.
So unterschiedlich, wie die drei als Trompeterpersönlichkeiten auch sind, so unterschiedlich sind die einzelnen Modelle. Ich selber durfte alle ausprobieren und bin bei dem Modell von Benny Brown hängen geblieben. Das hat mich persönlich am meisten überzeugt und entspricht meinem Spielertypus am besten.
Welcher Spielertypus ihr seid und welches Modell euch am besten liegt, das solltet ihr selbst ausprobieren beim Instrumentenhändler eures Vertrauens. Mein heutiger Gast ist Georg Birner. Georg Birner ist Trompeter und Burba Brass Instructor. Georg und ich haben uns immer mal wieder hin und her geschrieben.
Er gab mir auch schon viel Feedback auf die einzelnen Folgen und so kamen wir dann doch mal ins Gespräch und haben gesagt, warum machen wir nicht einfach mal was zusammen? Und wir sprechen vor allen Dingen über seinen Weg zur Trompete, aber auch über seinen Weg zu Malte Burba und dessen Methode. Ich will euch gar nicht viel länger auf die Folter spannen.
Ich wünsche euch jetzt ganz viel Spaß mit Georg Birner hier im Blasmusik-Podcast. Mein heutiger Gast war von 1993 bis 1997 Jungstudent bei Malte Burba und setzte sein Studium nach dem Abitur auch bei ihm fort und schloss dieses 2001 als Diplom Instrumentalpädagoge ab. Erste berufliche Erfahrungen sammelte er beim Apollo-Theater Stuttgart bei den Musicals, Tanz der Vampire und 40 Second Street im Stadttheater Pforzheim und im Münchner Rundfunkorchester.
Von 2008 bis 2011 war er Mitglied im Philharmonischen Orchester Regensburg. Als freiberuflicher Musiker und Trompeter ist er nicht nur gefragter Aushilfe in vielen Orchestern, sondern auch bei unterschiedlichen Projekten, von zeitgenössischer Musik, Volksmusik bis hin zur Big Band. 2016 gründet er zusammen mit Andreas Stich die Burba-Bra-Sakademie.
Zudem hat er sich als lizenzierter Burba-Brazz-Lehrer einen Namen gemacht und unterrichtet sowohl zahlreiche Studenten als auch Orchestermusiker. Und seit Oktober 2022 unterrichtet er außerdem im Fach Trompete an der Anton Bruckner Privatuniversität in Linz. Ich sage herzlich willkommen, Georg Birne.
Hallo Andi, danke für die Einladung.
Hat alles gestimmt, oder?
Ja, hat alles gestimmt, ja.
Ich weiß ja, dass du ab und zu reinhörst, deswegen kennst du die erste Frage. Welches Musikstück hast du als letztes bewusst gehört?
Das war tatsächlich die neue CD von Tower of Power. Und zwar haben sie eine Weihnachts-CD rausgebracht, gerade heute. Und da musste ich natürlich reinhören. Und da kriege ich gleich wieder Geschimpf von meiner Frau, weil sie sagt, ich bin die einzige Person, die sie kennt, die sich Weihnachts-CDs kauft.
Und aber ich habe dann Riesenspaß dabei und mir gefällt das einfach.
Also dann kannst du deiner Frau ausrichten, dass du dass du auch einen kennst. Ich mache nämlich das auch. Ich finde Weihnachts-CDs total spannend, weil ich finde, es gibt keine Musik, die öfter gecovert wird und in anderen Genres und Arrangements aufgesetzt wird, wie Weihnachtssachen. Deswegen finde ich das total spannend, wie man mit der Literatur umgeht.
Ja, auf jeden Fall. Da gibt es so viele schöne Sachen und ich kann mich da nicht satt hören. Also auch wenn ich jedes Jahr dieselben Sachen höre, das funktioniert immer und da bin ich immer gleich in Weihnachtsstimmung. Auch wenn wir jetzt Oktober haben. Also heute hat es noch nicht so ganz funktioniert, aber so generell und mir gefällt es, es ist so schön und vielleicht auch ein Stück heile Welt, die man sich da so irgendwie schnell herholen kann.
Das stimmt. Ich habe nur gelesen, dass die eine Weihnachts-CD aufgenommen haben. Ich habe noch nicht reingehört, aber dann weiß ich, was ich nach dem Gespräch machen werde. Weil Tower Power schon zu einer meiner Lieblingsbands geworden ist. Und war sehr überrascht, als ich gelesen habe, dass die eine Weihnachts City aufgenommen haben.
Ja, eigentlich. Das war das letzte Mal.
Eigentlich müssten wir überrascht sein, dass sie bis jetzt doch keine aufgenommen haben.
Oder so rum, ja. Das kann natürlich auch sein.
Das stimmt. Jetzt hat ja jeder schon mindestens eine aufgenommen.
Das stimmt. Und bei vielen CDs musste man darauf achten, ist Nummer 10 stille Nacht. Und ich weiß nicht warum.
Das ist mir nur nicht aufgefallen.
Also ich hatte mal so ein Jahr da habe ich so ein paar gehört und da war immer an zehnter Stelle, war es Michael Bublet bis, keine Ahnung, also bis zu irgendeiner Volksmusik, war immer die 10 stille Nacht und ich weiß nicht warum, ob das irgendwo ein festgeschriebenes Gesetz sein muss.
Was ist denn, was ist denn eine Weihnachts-Lieblings-CD?
Oh, da gibt's, puh, da erwischte mich jetzt auf einem kalten Fuß. Ich habe, glaube ich, eher so Lieblingssongs als komplette CDs irgendwie. Also was ich auf jeden Fall sehr, sehr gerne mag, ist einmal Nils Landing.
Unbedingt.
Auch wenn er singt, ich finde, das hat was. Es hat zwar so seinen eigenen Charme. Dann mag ich auf jeden Fall, da sind zwar keine Bläser dabei, aber ich finde die Arrangements total toll, die Weihnachtssachen von Maybob.
Das sagt man, sagt man gar nichts.
Ist eine A cappella-Band, eine Deutsche. Und lohnt sich generell mal reinzuhören. Also die machen sehr viele, sehr, sehr gute Sachen. Und? Ah, doch, was ich auf jeden Fall immer höre, ich liebe diese CD, ist German Burse mit dem Witzbacher Knabenkorb.
Ja, gut, das ist natürlich zeitlos.
Genau. Das sind so die ersten drei Sachen, die mir auf jeden Fall ad hoc einhält. Ja, cool. Was sind es bei dir?
Also Nieslandgen ist auch dabei. Und der hat ja jetzt, glaube ich, mittlerweile sieben oder acht Weihnachts-CDs rausgebracht.
Ja, irgendwie sowas immer.
Quadro Nuevo.
Oh, habe ich noch nie gehört. Also Weihnachts-CDs.
Also das sind eher ruhige Sachen, eher traurige Sachen, aber wunderschön. Also wenn die Stimmung passt, das ist wirklich irgendwie was Besonderes. Diana Crawl.
Sehr schön.
Michael Bublet. Also vor allem meine Kinder lieben die Weihnachtssachen von Michael Bublet Jinglebells und Frosty, The Snowman, da können sie schon mitsingen. Das können sie das ganze Jahr hören, aber da müssen wir dann doch mal irgendwie in die Bremse reinhauen. Ja, das sind so meine Favorites, die mir gerade so spontan einfallen.
Okay, ich gucke gerade noch. Ah, was ich auch tatsächlich ein paar Nummern schön finde, das letzte Weihnachtsalbum von Robbie Williams. Oh, das kann ich gar nicht. Es sind auch ein paar Swing-Nummern drauf. Das sind echt schöne Sachen. Und weil ich es gerade sehe, New York Voice ist. Okay, heute soll es aber nicht nur um Weihnachts-CDs gehen.
Dein musikalisches Leben ist ja sehr mit Malte Burba geprägt. Und mich würde aber zunächst erstmal interessieren, wie generell Musik in dein Leben kam.
Doch, meine Mutter. Sie war sehr musikalisch, hat Gitarre gespielt und hat uns irgendwie schon recht früh Flöte beigebracht. Da haben wir so die ersten Auftritte in der Kirche gehabt. Und dann bin ich doch relativ schnell. Ich glaube, es war in der dritten Klasse zur örtlichen Blastkapelle. Wollte ich ursprünglich tatsächlich Klarinette lernen, aber da war schon ein Überschuss da.
Und da hat der damalige Leiter gesagt, ja, sie brauchen noch Trompeten, ob das was wäre für mich. Und dann bin ich gleich dabei geblieben.
Ist ja aber ungewöhnlich, oder? Dass Trompetenmangel ist? Boah, das weiß ich gar nicht, wie das damals war.
Das ist ja schon so lange her. Und ich weiß auch gar nicht, wieso ich mir Klarinette eingebildet habe. Aber ich habe nicht mal eingebildet. Es war jetzt irgendwie vielleicht irgendwie so eine Idee von irgendeinem Instrument und dann habe ich da gleich umgeschwenkt.
Aber bist du froh, dass es nicht die Klarinette gewonnen ist? Ja.
Ja, nee, Trompete ist schon meins.
Also das finde ich. Das heißt, also, glaubst du nicht, dass du auch deinen musikalischen Weg so gegangen wärst, wenn du an der Klarinette geblieben bist?
Ja, das ist eine schwierige Frage. Es hätte auf jeden Fall ganz andere Wendungen genommen. Ich weiß nicht, ob ich heute Musiker wäre mit Klarinette. Keine Ahnung.
Okay. Mit welcher Musik bist du dann groß geworden? Daheim.
Oh.
Also was hast du gehört?
Wir haben nicht viel Musik gehört. Also, wenn wir Musik gehört haben, das war dann Bayern 1, da kamen halt irgendwie viele Schlager. Ja, die erste Musik, mit der ich bin in Berührung kam, das war irgendwie Mozart, weil es doch irgendwie ganz gefällig ist. Aber so, nee, viel habe ich eigentlich nicht gekannt.
Also im Nachhinein. Was eigentlich ein bisschen schade ist, weil irgendwie, gerade als Kind, das weißt du selber, da kriegt man ganz viel einfach so mit. Auch wenn man es sich bewusst wahrnimmt, aber wenn immer Musik da ist, ich sehe es an meinen Kindern, ja, die lernen das einfach mit. Auch wenn sie das nicht aktiv noch betreiben oder zum Teil noch nicht betreiben, aber durch das Hören und dadurch, dass immer Musik da ist, passiert da einfach was bei denen.
Und das war lange bei mir nicht der Fall. Also das im Nachhinein irgendwie finde ich das schon schade. Aber es war halt so. Bei uns gab es halt einfach nicht viel Musik. Meine Mutter hat dann schon irgendwie ab und zu die Gitarre ausgepackt und ein bisschen gesungen mit uns. Aber mehr war eigentlich dann nicht da.
Aber ich meine das, weil das wird ja heute gar nicht mehr.
Ja, das stimmt. Und tatsächlich, wir hatten einen sehr guten Lehrer in der Grundschule und der hatte freiwillig einen Musikunterricht angeboten. Und da ist tatsächlich einmal die Woche die ganze Klasse nochmal extra in die Schule gegangen für eine Stunde am Nachmittag und dann hat er irgendwie für uns Stücke hergerichtet.
Er selber hat irgendwie ein bisschen Keyboard gespielt und dann hat er für mich schon damals die Stücke umgeschrieben. Und das waren dann irgendwie schon ganz wilde Tonarten. Da habe ich dann damals schon irgendwie in E-Dur gespielt, weil er so die Tonart so gepasst hat für die anderen Instrumentalisten und für die Sänger.
Das war eigentlich schon immer eine schöne Zeit und es war natürlich auch irgendwie ein Teil der Musikausbildung, der ersten Musikausbildung.
Und als Trompetenschüler hattest du da schon irgendein Vorbild?
Moritz und Drehen natürlich. Das war so das erste Vorbild. Und tatsächlich Helmut Erb, habe ich auch viel gehört. Der war ja Professor in Würzburg. Ich weiß nicht, ob du ihn erlebt hast, oder?
Wieder. Also ich kam, war er Präsident und dann so in den letzten Jahren hat er sich da nochmal ein, zwei Schüler genommen. Also ich kenne ihn und genau, aber die Hochphase habe ich natürlich nicht mitbekommen von ihm.
Und lustigerweise hat Malte auch bei Helmut Erb studiert. Ich weiß nicht wie lang. Helmut Erb war, glaube ich, früher in Frankfurt an der Hochschule oder am Konst, das weiß ich jetzt nicht, aber sind sich halber weggelaufen. Ja, also ich hatte dann irgendwie relativ schnell, so in der fünften Klasse, einen sehr, sehr guten Lehrer, der damals bei Horst Dieter Bolz studiert hatte in Drossingen.
Und der hat mich auf ganz viele Sachen aufmerksam gemacht, auf German Brass. Mit dem bin ich dann, nee, nicht mit dem, aber mit einem anderen Lehrer bin ich dann auf ein German Brass-Konzert gefahren. Und der hat mir dann seine Schallplatten auf Kassette überspielt, die er so hatte. Und das war so der erste Input, den ich so von außen gekriegt habe.
Und das war wirklich auch ein sehr, sehr guter Musiker. Der hat sich einfach auch so kannte der Musik. Hat sehr gut gesungen, hat sehr gut Klavier gespielt, hat sehr gut arrangiert und der war einfach in der Musik drin. Und der hat mir ganz, ganz, ganz viele Augen geöffnet.
Der Name Malte ist ja jetzt öfters gefallen, Malte Burba. Ich habe in der Begrüßung schon gesagt, du warst jungstudent. Was hat dich dazu geführt, auch den weiten Weg nach Mainz auf dich zu nehmen?
Er hat das angeboten, dass ich zu ihm kommen kann. Und ich war ja damals schon irgendwie auf Landesebene unterwegs, mit Jugend musiziert. Und mein Vater ist zu der Jury hingegangen und ich weiß aber nicht mehr, wer in der Jury saß. Keine Ahnung, da war ich noch ein bisschen zu jung. Und hat die gefragt, ja, wissen Sie einen guten Lehrer für meinen Sohn oder können Sie uns da irgendwie weiterhelfen?
Und da hat irgendwie keiner irgendwie gezuckt oder irgendwie was gesagt. Und dann zufälligerweise konnte ich in eine Big Band einsteigen, die hat in meinem Nachbarort geprobt. Und einer der Trompeter war damals Student bei Malte. Und den hatte mein Vater auch noch von früher gekannt, von der Schule, also auch wieder eine Querverbindung.
Und der hat mich mal dann nach Mainz mitgenommen in die Fachdidaktik. Und dann habe ich dem Malte zum ersten Mal vorgespielt. Und dann hat er gesagt, ja, ich bin demnächst in Nürnberg, da kommst du dann auf den Workshop und dann besprechen wir alles weitere. Ja, dann bin ich dahin und hat er gesagt, ja, wenn du willst, dann kannst du zu mir regelmäßig zum Unterricht kommen.
Dann haben wir das organisiert und dann bin ich dann nach der Schule im Zug gestiegen, vier Stunden einfache Fahrt nach Mainz, eine Stunde Unterricht und dann wieder zurück.
Okay, was hat dich an der Person gereizt fasziniert und an der Methode, dass man das, also dass du vier Jahre lang das wirklich gemacht hast, vier Stunden Zug einfach auf dich zu nehmen? Das macht man ja nicht einfach so.
Das ist richtig. Mir war das Konzept von Anfang an schlüssig. Und das war irgendwie so logisch und so klar, dass das funktionieren muss. Ich weiß nicht, also wir hatten von Anfang an auch einen guten Draht zueinander. Ich habe da nicht so viel drüber nachgedacht. Und dadurch, dass ich, dass ich schon mitgekriegt habe, dass sonst kein anderer Lehrer sich um mich bemüht hat, dann fand ich das schon ganz nett, dass er da gesagt hat, ich kann zu ihm kommen und dann habe ich das erstmal gemacht.
War irgendwann die Überlegung, auch mal zu sagen, okay, ich habe jetzt vier, fünf Jahre Malte Burba mitgemacht, ich will nochmal woanders das studieren. Also warst der Jungstudent schon da?
Ja, ja. Nee, das war erst nach meinem Abschluss. War so die Idee, vielleicht nochmal woanders hinzugehen. Aber damals, ich war ja noch in der Schule und so, dann habe ich 97 Abitur gemacht und dann habe ich dann gleich auch zum Studieren angefangen. Das war für mich ein logischer Weg. Also und für mich war dann auch relativ schnell klar, also ich mache Trompete weiter, auf jeden Fall.
Also da gab es auch irgendwie keine Überlegung oder ich habe keine Sekunde dran gedacht, irgendwie was anderes zu machen. Das war für mich einfach glasklar. Und erst nach dem Studium habe ich mir dann gedacht, ja, vielleicht will ich da doch nochmal ins Orchester oder das irgendwie verstärkt versuchen.
Aber das hat dann nicht so funktioniert, wie ich mir das vorgestellt habe. Und ja, dann haben sich ja auch wieder andere Türen geöffnet und dann ging mein Weg irgendwie anders weiter. Okay. Und dann irgendwann wollte ich auch nicht mehr studieren. Dann hat man irgendwann die Schnauze voll und dann will man auf seinem eigenen Bein stehen und dann will man sein eigenes Geld verdienen und dann will man raus in die Welt und das hat dann schon gepasst.
Ja, das stimmt. Was unterscheidet jetzt Malte zu anderen Lehrern?
Erstmal die Sache, die er, die er entdeckt hat. Er hat nicht weniger wie das ganze System entschlüsselt und kann ganz genau erklären, warum was funktioniert, warum was nicht funktioniert. Und vor allem, er hat den Plan für jeden, dass man diesen Weg nachvollziehen kann und selber auch gehen kann. Also wenn man da mal irgendwie drin ist in dieser Denkweise, in dieser Arbeitsweise, dann gibt es nur noch eine Richtung.
Und da passiert auch nicht viel. Also das war von mir von Anfang an klar. Und habe ich auch relativ schnell auch so erlebt, dass es immer besser wird. Und natürlich habe ich mich auch umgeschaut und umgehört und habe auch irgendwie andere Dozenten erlebt in Jugendorchestern und auf anderen Veranstaltungen.
Aber das erschien mir immer nicht fundiert genug, was sie gesagt haben, nicht durchdacht genug. Das war alles zu schwammig. Ja, ja, also wie gesagt, also ich habe bis jetzt, also bis heute auch nichts Besseres gefunden. Und was ich erst später verstanden habe, ist so, warum er, wie, warum er was unterrichtet oder wie er was unterrichtet und die Pädagogik, die dahinter steckt und so, das versteht man als Jugendlicher nicht.
Oder auch im Studium versteht man das noch nicht. Und da ist man mit vielen anderen Sachen beschäftigt. Aber so die Dimension, die sich da im Laufe der letzten Jahre auch für mich aufgetan hat, das ist eigentlich so einzigartig und das ist ziemlich krass. Also was da alles, was da für ein Fachwissen dahinter steckt und so weiter.
Kannst du irgendwas benennen, wo du sagst, okay, also pädagogisch verstehst du jetzt Dinge anders als damals?
Ja, es geht oft nicht ums Trompetispielen. Es geht oft um den Menschen. Und wir haben oft einfach nur viel geredet. Ja, das war auch eine Zeit, wo es mir nicht gut ging. Und er hat immer als erstes gefragt, ja, wie geht's dir? Und wie geht's zu Hause und wie ist so die Lage? Und das Trompetispielen war da jetzt nicht an erster Stelle.
Und der hat auch keinen Druck gemacht und hat mich einfach da abgeholt, wo ich war und mich begleitet. Das ist so eine Sache. Also grundsätzlich hilft er einem relativ wenig. Also er nimmt einen so nicht an die Hand und übt es mit dir jetzt. Ja, so, jetzt macht er so, jetzt macht er so. Sondern er sagt dir das, okay, so schaut's aus.
Und jetzt üb. Und dann bist du quasi mit dir alleine, mit der Übung alleine. Weil die Idee dahinter ist, du musst das selber entdecken. Und alles, was du selber entdeckst, ist umso wertvoller für dich und für dein Weiterkommen. Und wenn du das alles auf dem Silbertablett serviert bekommst, dann ist es auch nicht so viel wert, wie wenn du das selber dir erarbeitet hast.
Und ja, da denkt man schon, ja, irgendwie, ja, jetzt hilf mir doch, wieso komme ich da nicht weiter? Und so. Aber er sagte nur, ja, einfach weitermachen. Ja, bleib cool, mach deine Hausaufgaben und das wird schon alles. Und er hat immer recht gehabt. Das ist alles genauso eingetreten, wie er mir das prophezeit hat.
Und das finde ich schon irgendwie nach wie vor irgendwie eine erstaunliche Weitsicht und Erfahrung, die er da vermittelt.
Gab es mal größere spielerische Krisen bei dir?
Nee, zum Glück nicht. Aber ich habe mir oft gedacht, vielleicht wäre das tatsächlich nicht schädlich gewesen. Weil es hat immer alles so einigermaßen funktioniert bei mir. Ich bin gut vorangekommen, aber es war jetzt auch nicht irgendwie was Besonderes, wie ich gespielt habe. Oder ja, das war einfach normal.
Und vielleicht, oder ich denke beim Nachhinein, Ich hätte irgendwie zu gewissen Zeiten auch ein bisschen ehrgeiziger sein müssen, vielleicht oder auch können. Da war ich ein bisschen zu nachlässig, auch mit mir selber. Vielleicht auch ein bisschen zu bequem, weil ich ja gemerkt habe, ja, es geht schon irgendwie.
Und der Leidensdruck war jetzt nicht so nicht so hoch.
Wenn du sagst, er nimmt dich nicht so in die Hand und vieles sollte man selber entdecken, da bin ich grundsätzlich auch davon überzeugt, dass alles, was du dir selber erspürst, entdeckst, du auch in der Schule sehen wir das ja, das bleibt auch hängen. Also alles, was von außen kommt, ist oft quasi die Mühe eigentlich sparen, weil es geht links rein, rechts raus unter Umständen.
Jetzt stelle ich mir nur die Frage, ist dann die Methode trotzdem was für Kinder?
Nein, eine klare Antwort. Ich sag mal so, als Lehrer kannst du nicht genug wissen über die ganze Sache. Ja, über die Physik, über die Physiologie und vor allem über die Pädagogik. Worauf ich schaue, wenn ich Kinder unterrichte, ist, dass sie nicht falsch abbiegen. Dass der Ansatz passt, dass sie sich keine komischen Sachen angewöhnen, irgendwie schief dastehen oder eine falsche Haltung haben oder solche Sachen.
Wenn man da schaut, dann kann man nicht so viel falsch machen und dann funktioniert es auch sehr gut. Wenn man den Kindern irgendwie immer schön vorspielt, gut Musik vermittelt, das ist das, was sie brauchen und vor allem Spaß haben. Und mit der Methode kann man frühestens 14, 15 anfangen. So, wenn es so ein bisschen der Verstand einsetzt.
Obwohl ich habe jetzt tatsächlich einen zwölfjährigen Schüler, der will das aber wissen. Der will sowas von wissen. Und mit dem mache ich auch ein paar Sachen. Aber der checkt es voll. Also das ist natürlich eine Ausnahme. Das hat man auch nicht jeden Tag. Aber der fordert es auch ein und der provoziert mich dann auch.
Aber es ist schön. Es ist echt, echt interessant, weil du willst wirklich wissen.
Ich möchte die Folge ganz kurz für einen kleinen Hinweis in eigene Sache unterbrechen. Ihr würdet mir einen Riesengefallen tun, wenn ihr jetzt auf Abonnieren des Podcasts klickt, denn je mehr diesen Podcast abonnieren, desto größer wird meine Reichweite und je größer die Reichweite, desto mehr Gäste kann ich einladen.
Und vielleicht kommen dann noch spannendere Themen und Gesprächspartner in diesen Podcast, als es jetzt schon ist. Also jetzt schnell auf Abonnieren klicken, ihr würdet mir einen riesen Gefallen tun. Und jetzt geht es weiter mit der Folge. Was ist vielleicht von außen gesehen die missverstandenste Sache am System Malte Burba?
Boah, muss ich anfangen. Wo du möchtest. Vielleicht hast du ein Stichwort für mich.
Nee, ich habe gar keins. Ich habe die bewusste Offenung überlegt, weil ich jetzt. Ach, da fallen mir tausend Sachen ein.
Zum Beispiel alle Malte-Schüler klingen scheiße. Oder können nur hoch und laut spielen. Ja, also es stimmt einfach nicht. Es gibt eine Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel. Aber die Methode funktioniert so, dass durch die Arbeitsweise jeder seinen natürlichen Klang findet. Und wir arbeiten eigentlich fast gar nicht am Klang.
Also so, wie man sich jetzt irgendwie sich auf eine Orchesterstelle vorbereitet. Was wir machen, ist zu schauen, dass der Körper gut funktioniert. Und wenn der Körper gut funktioniert, dann ist automatisch auch das Ergebnis gut. Worauf wir natürlich achten, ist, dass der Ton sauber ist. Also wir schauen nach objektiven Kriterien.
Ob jetzt der Klang dunkel, hell, rot, gelb, grün ist, das ist eine subjektive Sache. Aber es gibt tatsächlich objektive Kriterien und an denen orientieren wir uns erstmal. Ein sauberer Klang ist erstmal ein nebengeräuschfreier Ton. Und wenn man das schafft, dann ist man schon mal ganz weit und dann hat man ja eigentlich auch schon einen schönen Klang.
Das ist eine Sache. Die andere Sache ist, ja, man muss da immer Ansatz umstellen. Nein. Wenn der Ansatz in Ordnung ist, dann wird da keine Baustelle aufgemacht, wo auch keine ist. Und selbst wenn Patienten zu uns kommen mit einem Ansatzproblem, also das heißt, wenn die Innenkante des Mundstücks oben, vor allem oben im Roten sitzt, dann wird der Ansatz geändert, aber als ganz allerletztes.
Da wird erstmal das ganze System reformiert und wenn es funktioniert, dann wird der Ansatz umgestellt. Und was ich immer so höre von Leuten, wie mit denen umgegangen ist mit Ansatzumstellungen, da wird mir schlecht. Da wird als erstes immer gleich der Ansatz umgestellt. Ja, du musst so ansetzen, so ansetzen.
Und dann geht natürlich erstmal gar nichts. Und dann komme ich auch noch daher und sage, ja, wir müssen dann eventuell den Ansatz reparieren und dann ist schon wieder Schicht im Schacht, weil sie das natürlich nur mit negativen Erinnerungen verbinden. Aber wenn der Plan funktioniert, also wenn das System, wie man reinbläst, funktioniert, dann ist auch eine Ansatzumstellung kein großes Problem.
Also natürlich macht das keinen Spaß, aber es geht ja um die Zukunft. Und wenn du ein Ansatzproblem hast, dann wirst du dein Leben lang damit kämpfen und man muss irgendwann mal den Stier bei den Hörnern packen und das Problem lösen. Und dann hat man es aber auch gelöst für den Rest des Lebens. Ja, du hast ja, hast du mit dem Tilbrenner schon einen Termin ausgemacht?
Nein, dazu wollte ich die Sperte noch fragen, weil ich komme gerade nicht weiter tatsächlich. Also ich erantwortet mir jetzt gerade nicht mehr auf Instagram, obwohl er mir folgt und so, eigentlich müsste er es sehen, aber es ist ein bisschen schwierig, an den Ranzukommen.
Das hätte ich dir vorher auch sagen können, ja.
Ja, das war, ich hatte, ich hatte Anfang des Jahres schon mal über sein Management irgendwie angefragt und dann haben die mich verdröstet, weil er war in Frankfurt eine Woche und dann dachte ich, okay, vielleicht hat er ja mal Zeit und dann haben die mich verdröstet und dann haben die gesagt, ja, ich soll den im Feld ja nochmal anfragen, dann habe ich das nochmal gemacht, dann kam nie mehr eine Antwort.
Dann hat er mir ja auf Instagram dann vor ein paar Wochen da mal zumindestens so eine halbe Zusage gegeben, jetzt komme ich noch nicht mehr weiter. Aber wenn dein Draht kürzer ist, dann schade.
Ich kenne das Problem. Nee, aber Anthason Stellung war mir, ja, der kann dir das dann auch aus eigener Erfahrung berichten, wie das so war.
Ja, wobei ich mich immer wundere, also ich habe eine Folge jetzt dann auch im Zuge dessen, dass er gesagt hat, er würde auch in den Podcast kommen, habe ich mir nochmal ein paar Sachen angehört von ihm und sein Buch gelesen, irgendwann und auf jeden Fall in irgendeinem Podcast erzählt er auch von seiner Ansatzumstellung und dass er da schon relativ lang gespielt hat und außer Malte ihm keiner helfen konnte, weil ihm anscheinend keiner gesagt hat, dass er ins Lippenrot einsetzt.
Und das ist für mich irgendwie sowas völlig unbegreifliches, weil das ist ja jetzt keine neueste Erkenntnis, die jetzt nur Malte Burbe rausgefunden hat. Also damit bin ich ja schon groß geworden, ohne dass ich den Namen Malte Burbe jemals vorher dann gehört hatte. Also deswegen wundert es mich, dass er da so rumgeeiert ist und keiner wusste, was da Sache ist.
Also da gibt es noch so viele, die ins Lippenrot einsetzen und das nicht wissen, dass es ein Problem ist. Also ich verstehe es auch nicht, ich kann es auch nicht nachvollziehen, weil das ist eigentlich, das ist eigentlich schon irgendwie ein Berufsunfähigkeitsrisiko und ein sehr, sehr hohes, also gerade für Orchestermusiker und es gibt auch genug Beispiele, wo das auch so eingetreten ist und wo es auch noch so eintreten wird.
Woher kommt dieses Klischee, wenn du sagst, okay, das ist, das sind so Sachen, die hört man immer wieder. Und ja, das habe ich auch schon gehört, aber woher kommt das, dass es heißt, Burba-Schüler klingen scheiße?
Wenn ich das wüsste. Keine Ahnung.
Muss er irgendeinen Ursprung haben?
Ja, ich weiß es nicht. Ich kenne wirklich viele, und will ich jetzt nicht sagen, dass das irgendwie scheiße klingt. Also natürlich über Geschmack kann man immer streiten, aber so generell gerade mit den Kollegen, mit denen ich es zu tun habe und mit denen ich auch, also mit denen ich auch im Ensemble spiele.
Nee.
Ja, es gibt ja auch genug Profi-Beispiele, die in Orchestern setzen, die haben sie nicht mehr so gut.
Ja, zum Beispiel zum Beispiel irgendwie Florian Klingler, also da hat noch nie jemand gesagt, dass der Scheiße klingt. Also vor seiner Krise nicht und nach seiner Krise auch nicht. Und jetzt erst recht nicht. Also ich habe ihn ja jetzt schon längst nicht mehr gehört, aber das letztes Mal, wo ich ihn gehört habe, irgendwie, das ist phänomenal, also unglaublich.
Bleiben wir nochmal ganz kurz bei Kindern. Du weißt ja, dass ich an der Schule bin, du weißt, dass wir Bläser gelassen haben und eine Sache ist ja immer Atmung. Wie erkläre ich Kindern am besten Atmung?
Puh, wahrscheinlich gar nicht. Mit der Antwort hättest du es nicht gerechnet.
Nein, hätte ich nicht, weil wenn ich mir meine Kinder angucke, können, also atmen die auch alle super unnatürlich mittlerweile. Das ist alles irgendwie so.
Ja, aber woher kommt das, dass sie unnatürlich atmen? Also es liegt erstmal daran, dass sobald wir anfangen zu laufen, die Atmung schlechter wird. Als Babys atmen wir alle perfekt, aber sobald wir uns aufrichten, spannt sich der Bauch an und wir müssen das Skelett erhalten und der Kopf ist schwer. Und dann geht die Atmung auf jeden Fall nach oben und man müsste erst irgendwie das wieder neu lernen, wieder ganz natürlich einen Bauch zu atmen.
Boah, was kann man denen sagen? Also es gibt schon irgendwie so ein, zwei Übungen, die man mit denen machen kann, damit sie ein bisschen ein Körpergefühl bekommen. Das wäre das Einzige, was ich dazu sagen würde. Oder Luftballung aufblasen lassen.
Hast du eine Körperübung?
Ja? Ganz einfach, also wie wenn man von der Polizei verhaftet wird, sich an die Wand stellen. Also Arme nach oben und so ein bisschen sich an die Wand lehnen. Da ist der Brustkorb blockiert und die Atmung geht automatisch gleich nach unten.
Ah ja, okay. Lass uns mal über Stütze reden.
Gerne.
Oder wie verstehst du Stütze? Wie funktioniert das?
Das ist aktives Ausatmen. Und das ist ein ganz natürlicher Prozess, also ein ganz natürlicher Reflex, den jeder Mensch hat. Wir wenden diesen Reflex halt nur in anderen Zusammenhängen an, also beim Husten, beim Lachen, beim Lautschreien und so weiter, beim Nesen. Und es gibt aber auch noch andere Verhaltensweisen, wo wir aktiv ausatmen.
Und zwar in Verbindung, zum Beispiel beim Luftballon aufblasen, was ich gerade gesagt habe. Da macht jeder alles richtig. Man ist relativ entspannt beim Einatmen. Und um den Widerstand des Gummis zu überwinden, muss man aktiv ausatmen. Und das macht der Körper automatisch und intuitiv. Also da braucht keiner nachdenken, welche Muskel muss ich jetzt anspannen.
Das passiert einfach. Ja, und genauso beim Wasserauslernen, beim Blechblasinstrument, da macht jeder alles richtig. Völlig intuitiv und völlig ohne Zwang oder irgendwas. Man muss das schon manchmal ein bisschen fester reinblasen, um das ein bisschen zu spüren, aber eigentlich kann das jeder und macht es jeder Tag ein, Tag aus, hunderttausende Male, nur die Aufmerksamkeit ist halt nicht darauf.
Und wenn wir in die Hand in die Seite tun und das dann spüren lernen, mehr ist es gar nicht. Das ist das Ganze, das ist das ganze Boah, um diese Stütze und um das aktive Ausatmen.
Was sind die größten Fehler, die gemacht werden, wenn Menschen zu dir kommen und Probleme mit der Atmung und Stütze vielleicht haben?
Die Einatmung ist das größte Problem. Also die Atmung generell, dass sie einfach viel zu fest sind beim Einatmen, viel zu viel im Brustkorb atmen. Und die Ausatmuster, die können nur dann aktiv werden, wenn sie beim Einatmen entspannt sind. Also wenn du schon fest beim Einatmen bist, oder nur in den Brustkorb atmest, dann hast du überhaupt keine Chance.
Denn die Leute brauchen keinen Ton zu spielen, dann weiß ich schon, was als nächstes passieren wird. Was wäre das? Ja, dass gewisse Sachen einfach nicht funktionieren. Die Trefferquote ist nicht gut, Tronqualität ist nicht gut, Höhe ist nicht gut. Also es kann sein, dass das alles gut ist. Ja, aber dann sage ich denen, ja, wenn ihr eure natürlichen Fähigkeiten besser nutzen würdet, wie könntet ihr dann spielen?
Ja, und das ist immer der allererste Ansatz, egal wer kommt, egal auf welchem Niveau, die Atmung wird als allererstes reformiert und vor allem das Einatmen. Und da habe ich jetzt bis jetzt irgendwie noch kaum, die Leute kann ich an zwei, drei Fingern abzählen, die gekommen sind, wo das Einatmen irgendwie in Ordnung war.
Okay. Hast du da auch eine kurze Übung, um sich mal zu checken, ob das alles so funktioniert? Und dass man locker genug ist beim Einatmen?
Ja, zum Beispiel beim Wasser auslernen sich einfach mal beobachten. Einfach den Wechsel zwischen Fest und locker mal spüren. Und das wäre so eine Sache, ja, an sich. Ja, wie kann man das machen? Ja, doch, am einfachsten geht es mit dem Wasser auslernen oder Luft durchblasen. Ja, vor allem, da ist man automatisch aktiv und danach lässt man es sofort wieder locker.
Weil keiner hält ja irgendwie freiwillig irgendeine Spannung.
Warum passiert das denn beim Trompetuspielen? Gute Frage.
Ja, wir machen ganz viele komische Sachen beim Trompetespielen. Ja, die nicht sein müssen. Und das ist ja das Problem an der Sache. Der Malte hat halt irgendwie herausgefunden, was brauchen wir zum Spielen und was brauchen wir vor allem nicht zum Spielen. Und dieses Körpergefühl zu entwickeln, das ist halt nicht so leicht.
Man gewöhnt sich an alles. Menschen sind gewundert. Und wie sich ein Körper anfühlt, das haben wir uns jahrelang antrainiert, jahrzehntelang antrainiert. Das ist halt für uns normal, auch wenn es irgendwie gesundheitsschädlich ist oder fürs Blechblastspielen schädlich ist. Das Gefühl gehört zu einem.
Und da muss man erstmal irgendwie lernen, da was anderes zu fühlen, was Neues zu fühlen. Ja, das ist natürlich nicht so leicht, ja, aber es geht dann doch relativ schnell. Und vor allem müssen wir immer Situationen suchen, wo unser Körper, wie ich schon ein paar Mal gesagt habe, irgendwie rein intuitiv mehr richtig wie falsch macht, wie beim Wasserauslernen.
Und die allererste Atemübung, wenn wir jetzt irgendwie auf den Rücken legen, Beine hoch und einfach mal nur in den Bauch atmen, ganz entspannt. Das wäre die allererste Übung, das ist immer die allererste Übung.
Machst du das auch noch beim, wenn du dich einspielst oder so? Nee, ich mach das nicht mehr.
Da atmen fast alle Menschen auf einmal dann wieder so, wie es die Natur irgendwie vorgesehen hätte. Und dann muss man das natürlich trainieren. Ja, und je länger man das macht und je disziplinierter und über langen Zeitraum, desto besser wird insgesamt dann wieder die Atmung. Und dann wird es auch besser im Sitzen und dann auch im Stehen.
Ja, gerade das ist halt auch so eine Sache. Das finde ich halt einfach das Hammermäßig Gute einer ganzen Methode. Weil da ist halt einfach auch Hirnforschung mit dabei. Und wie lernt der Mensch überhaupt? Und das ist halt einfach, wir müssen uns die Bewegungsabläufe einprogrammieren. Das hilft alles nichts.
Dazu muss man einfach ein paar Sachen wissen, ab wie viele Wiederholungen zum Beispiel das Hirn anfängt, irgendwie sich was Neues zu merken. Und wie viele Wiederholungen sind sinnvoll, wie viele Wiederholungen sind nicht sinnvoll und welche Zeiträume muss man überhaupt irgendwie bedenken, wenn man anfängt, sich neue Bewegungsabläufe anzutrainieren.
Und zum Beispiel, ich sage mal, eine Viertelstunde oder bei Malteser heißt es immer eine Viertelstunde auf dem Boden liegen. Ein Vierteljahr lang. Das sind ungefähr, wenn man entspannt atmet, in einer Viertelstunde 100 Atemzüge, ein Vierteljahr sind 90 Tage, das sind ungefähr 9000 Wiederholungen. Und die Hirnforschung sagt, ab 10.000 Wiederholungen ist eine Bewegung im Unterbewusstsein verankert.
Und so lange dauert es einfach, bis man auch von der Bewegung profitieren kann. Weil viele machen auch den Fehler, sie kommen und sind voll motiviert und nach zwei Wochen merken sie, es ist ja mühsam und anstrengend und ich muss ja jeden Tag üben, wieso muss ich eigentlich jeden Tag üben? Das bringt ja gar nichts, ich merke ja gar nichts.
Und dann hören sie irgendwann wieder auf. Aber das ist das Allerdümmste, was man machen kann. Man muss einfach eine Zeit, in dem Fall jetzt ein Vierteljahr lang, eisenhart diszipliniert sein und die Sache machen. Und dann passiert da was im Körper. Das passiert automatisch. Und wenn man dann merkt, es tut sich was, es verändert sich was, das ist dann schon wieder der nächste Step.
Und dann wird es für mich als Lehrer wieder leichter, die Leute bei Laune zu halten und dann den Weg weiterzugehen. Aber man muss das erst einmal verstehen, naja, ich muss erstmal eine Wegstrecke für mich gehen, bis dann was passiert. Aber das Geniale ist, es passiert was. Einfach nur, indem ich das mache.
Und einfach nur, indem ich dieses Vierteljahr lang durchhalte. Aber die Kritiker der Methode, die kommen gar nicht so weit. Also habe ich so den Eindruck. Also, weil dann würden sie die Sache nicht kritisieren können, weil das ist ja, das ist reine Wissenschaft. Das hat ja nichts mit dem Trompetespielen zu tun.
Frag mal Sportler, wie oft sie eine Bewegung trainieren müssen. Wie oft? Jeden Tag stundenlang. Es geht nicht anders. Der Malte erzählt immer das Beispiel, er war früher mit Zirkusartisten unterwegs und die haben immer so einen komischen Rucksack dabei gehabt. Und bis er irgendwann drauf gekommen ist, das waren die Hochseilartisten, die so ein Gestell dabei hatten, wo sie im Hotelzimmer auf dem Seil balancieren konnten.
Die haben das jeden Tag trainiert. Ohne Ausnahme. Naja, bei denen geht es auch irgendwie ums Überleben, aber das ist auch wieder so eine Bewegungssache. Weißt du, wenn es im Körper drin ist, ist es schon mal gut, das ist der erste Step und dann muss man schauen, dass es auch da bleibt. Und wenn man sich ständig dann darum kümmert und diese Bewegungsabläufe hegt und pflegt, dann kann da auch nicht viel passieren.
Ich habe einige Fragen. Wir kommen erstmal zur Zuschauerfrage, die passt nämlich gerade rein. Wie viele ziehen das wirklich durch, weil man braucht ja viel Disziplin, wie du sagst. Kannst du da irgendwie Verhältnis sagen? Das ist wahrscheinlich schwer.
Das ist ganz schwer. Was heißt durchziehen? Also ich sage ab einem gewissen Punkt hat man selber in der Hand, wie weit man da noch geht. Viele sind relativ schnell zufrieden. Was heißt zufrieden? Also können irgendwie vier Stunden Blasmusik spielen bis zum F3. Das reicht in den meisten Fällen ja eigentlich schon ganz gut aus zum Überleben.
Und dann stellt sich natürlich die Frage, ja, wie tief tauche ich dann noch weiter ein? Ja, wenn du bei manchen Sachen bei 90% bist, wie viel Aufwand bedeutet es auf 91, auf 92 Prozent zu kommen? Steht das in einem gewissen Zeitverhältnis oder auch nicht? Das ist halt irgendwie dann schon eine speziellere Frage.
Ja, ich habe viele auch nur einmal gesehen. Die haben sich das angeschaut und dann sind sie wieder gegangen. Kann ich vielleicht sagen. Also ich meine, jeder musste auch seinen eigenen Umgang damit finden. Manche wollen regelmäßig kontrolliert werden, manche sehe ich nur einmal im Jahr. Wo ich aber auch weiß, die arbeiten seriös und haben das verstanden.
Sehr unterschiedlich. Also es ist auch kein Unterschied zwischen Amateur oder Profi.
Gehen wir nochmal zur Atmung zurück. Entspanntes Einatmen ist ja beim Üben eine Sache. Auf der Bühne, wenn es ernst wird, eine andere. Wie schaffe ich da den Transfer?
Indem du die Atmung so krisensicher machst, wie ich es gerade beschrieben habe, fängst ihm liegen an mit dem Atmen, einfach jeden Tag dich um die Atmung kümmern und dann irgendwann ist es so tief im Unterbewusstsein verankert, dass du immer drauf zurückgreifen kannst. Und wenn du merkst, du kriegst einen Stress, dann denkst du als allererstes ans Lockerlassen, ans Lockere einatmen.
Weil das Erste, was bei Stress passiert, ist, der Bauch spannt sich an. Das ist ja mega kontraproduktiv für das, was wir brauchen. Und wenn du das spürst irgendwann und dann kannst du aktiv dagegen steuern. Ja, dann fährst du die Atmung runter, dann beruhigst du dich und dann passiert auch nicht viel.
Die Nervosität ist völlig okay. Aber wenn du deine Atmung unter Kontrolle hast, dann funktioniert alles andere auch viel, viel, viel besser und vor allem viel zuverlässiger wie sonst. Es ist eigentlich total simpel. Also die Atmung wird aus meiner Sicht total unterschätzt und auch total überschätzt. Weil jeder sagt, ja, ja, atmen, ja, kein Problem, mache ich den ganzen Tag.
Oder habe ich es schon mal gehört. Aber atmet tatsächlich mal im Stress wirklich locker und entspannt. Wer kriegt das hin? Das sind nicht so viele. Dann haben sie dann doch wieder die Panik. Und gerade bei der Atmung, da steckt so extrem viel Potenzial. Vor allem, wie ich gesagt habe, wenn die Atmung funktioniert, dann kann alles andere funktionieren.
Dann kann die Luft fließen, dann ist der Hals offen, er kann die Zunge gut arbeiten, dann hat man auch ein gutes Gefühl auf der Lippe. Das kommt dann auch dann noch dazu. Ja, und das Gefühl auf der Lippe, das ist ja eigentlich nur ein Symptom und das ist ja nicht. Die Ursache für irgendwas. Das wird auch oft ganz oft verwechselt.
Über die gute Atmung kann ich mich beruhigen, kann ich mir ein gutes Gefühl erzeugen, auch wenn ich vielleicht am Anfang ein scheiß Gefühl hatte. Und auf der Bühne haben wir immer ein Scheißgefühl. Oder? Ja. Du hast ja auch schon ein paar Konzerte gespielt in deinem Leben. Das stimmt.
Ja, also der Anfang ist immer ein bisschen komisch. Je länger es wird, desto besser wird es. Ist halt so. Wie komme ich und da kann ich so ein bisschen von mir auch reden, weil ich glaube, ich da schon zumindest früher mehr dazu geneigt habe als mittlerweile. Liegt aber auch daran, dass ich nicht mehr so viel übe, weil ich nicht mehr so viel Zeit habe durch Schule und so.
Aber durch so eine selbstreflektierte, körperbewusste, sehr analytische Haltung kann das ja auch ganz schnell passieren, dass ich also zu viel analysiere. Sprich, Paralyse durch Analyse. Wie kann ich das vermeiden? Oder wie komme ich wieder raus? Das ist ja eigentlich eher der größere Schritt. Wie komme ich aus dem Hamsterrad dann raus?
Ja, das ist der entscheidende Punkt bei der ganzen Sache. Also auf der einen Seite versuchen wir uns ganz bewusst und konzentriert uns Bewegungsabläufe anzutrainieren. Und dann aber im entscheidenden Moment müssten wir wieder loslassen. Und sobald wir irgendwie im Orchester sitzen, auf die Bühne gehen, dann musst du weg davon, dann musst du dich auf die Musik konzentrieren.
Und das Allerinfachste aus meiner Sicht ist, wenn du dich einfach nur auf die Musik konzentrierst. Natürlich checkt jeder sein Gefühl ab und wie geht es denn heute, wie fühlt es sich an und so, was geht denn heute sonst so? Aber es hilft alles nichts. Du kannst in der Bühnensituation einfach nicht mehr viel retten.
Dann musst du durch.
Aber das kann ja auch beim Üben passieren, dass ich, dass ich zu sehr jetzt, ah, das fühlt sich gerade nicht, und dann geht nichts mehr irgendwann.
Ja, dann muss man einen guten Mix hinkriegen aus den verschiedenen Übungen. Und das Hirn funktioniert ja wie ein gutes Essen. Das ist irgendwie die Ausgewogenheit der Zutaten. Und wenn ich mich nur mit Analyse beschäftige, nur mit Technik, dann ist die Gefahr natürlich groß, dass man sich da verrennt.
Und deswegen soll Technik, darf Technik oder gerade die Geschichte von Maldi nur ein Teil des gesamten Programms sein. Natürlich musst du deine Tüten spielen, den Tonleitern, deine Literatur und sonst was zu tun hast. Und ich sage meinen Leuten auch immer, irgendwie, habt immer Spaß beim Spielen. Sucht euch Stücke, die euch Spaß machen, gut liegen und spielt und spielt einfach drauf los.
Spielt schöne Sachen. Ja, und bitte ja nicht an die ganzen Sachen denken. Also das hilft alles nichts. Natürlich habe ich das auch versucht, alles zu kontrollieren, aber nee, das geht einfach nicht. Und dann mache ich auch nicht mehr. Und seitdem macht es viel mehr Spaß. Das ist natürlich auch sehr individuell.
Also das ist natürlich ein entscheidender Punkt bei der Sache und mit dem wäre ich auch immer konfrontiert. Ich habe für mich dann irgendeine gute Lösung gefunden. Da muss jeder halt irgendwie schon auch schauen. Also ich habe es gestern mit einem Studenten geredet, da geht so einem Mentaltrainer, um genau diese Sache zu lösen, dass er eben irgendwie nicht mehr so viel denkt beim Spielen.
Ja, das ist überhaupt generell das Problem, in Flow zu kommen und weniger zu denken und mehr bei sich zu sein und bei der Sache zu sein. Das ist ein Entwicklungsprozess. Und viel spielen, viel öffentlich spielen, Erfahrung sammeln, sich austauschen. Und natürlich, wenn man merkt, der Körper funktioniert, er ist zuverlässig.
Man kann sich auf gewisse Sachen verlassen, dann ist auch der Kopf viel entspannter. Dann kommt natürlich auch irgendwie eins zum anderen und so. Und je mehr man seinem Körper vertraut, dass dann im richtigen Moment schon das Richtige funktioniert, dann schaut die Welt schon wieder ganz anders aus. Und das ist auch vielleicht ein wichtiger Punkt, den du auch schon ein paar Mal gestreift hast.
Die Sache mit dem Perfektionismus. Und das ist einfach grauenhaft. Das sagt doch der Malte, das gibt es einfach nicht bei dem, was wir machen. Aber wieso gehen wir oft mit diesem Anspruch dann die Sache ran an uns selber und an die Musik, an die Kollegen? Das bringt doch gar nichts. Wir sind doch alles Menschen.
Und noch ein Zitat von Malte, er sieht es als ein Menschenrecht an, auf der Bühne Scheiße zu spielen. Und das hat jeder von uns schon oft gemacht und es ist völlig normal. Jeder greift mal ins Klo. Aber der Umgang damit ist entscheidend. Und wenn ich auf die Bühne gehe und erwarte, es muss heute perfekt sein und ich muss ein super Gefühl haben beim Spielen.
Und sobald irgendwo ein Kratzer ist, dann bist du weg. Dann macht doch der Abend keinen Spaß mehr. Und es muss ja darum gehen, irgendwie so wenig wie möglich falsch zu machen. Anstatt so viel wie möglich perfekt zu machen. Also man kann sich da schon oder man muss sich da eigentlich schon auch ein bisschen austricksen.
Ja, aber gerade in der Profiszene habe ich manchmal das Gefühl, das wird es halt auch, kommt halt auch von außen diese Erwartung, dass alles perfekt ist. Also gerade durch dieses, wir streamen alles live, wir müssen da jetzt abliefern und so und dann werden Sachen nochmal schnell nachbearbeitet, damit es dann in der Digital Concert Hall doch alles perfekt ist.
Wir machen es uns ja selber schwer.
Ja, klar. Und das Niveau ist auch unglaublich hoch. Es ist unglaublich gestiegen in den letzten Jahren. Natürlich auch durch die Möglichkeit, sich zu präsentieren und alles rauszuhauen. Ob es die Sache besser macht, weiß ich nicht. Keine Ahnung.
Ich würde gerne nochmal zu Krisen zurückkommen. Ich weiß, dass viele Amateurmusiker auch zuhören und vielleicht stellt sich der ein oder andere die Frage, wie kann es passieren, dass nehmen wir einen Florian Klingler jetzt her, der super spielt und eigentlich weiß, wie es geht, plötzlich in irgendeine Krise gerät.
Also da gibt es ja genug andere Beispiele von Profis, die jahrzehntelang spielen und dann von heute auf morgen läuft irgendwas nicht.
Ja, ob solche Leute genau wissen, wie es funktioniert, das ist das große Fragezeichen. Viele spielen einfach drauf los und es funktioniert mehr oder weniger gut, sehr gut. Und es wird auch nicht hinterfragt. Und da wird einfach gespielt. Ich vergleiche das immer mit einer Wanderung auf dem Berg rauf.
Also man fängt unten an, jeder kriegt seinen Rucksack zugelost. Und man kann mit relativ viel Gewicht schon relativ weit kommen, wenn man eine gute Konstitution hat, wenn man jung ist. Aber irgendwann ist das Gewicht so dominant und er schlägt einen dann. Und dann geht es irgendwie nicht weiter. Und man sollte irgendwie versuchen, im Laufe der Karriere den Ballast abzubauen, den man mitbekommen hat und versuchen, gesund und heil oben anzukommen und nicht als Erster und nicht auf die spektakulärste Art und Weise.
Das hat vielfältige Gründe. Also es kann, wie gesagt, ein Ansatzproblem sein. Oft ist es jahrzehntelange falsche Atmung, die das Ganze dann irgendwann zum Einsturz bringt. Äußere Lebensumstände. Also es können viele Faktoren sein.
Zweite Zuschauerfrage. Gab es schon mal eine Situation, in der du mit einem Tipp das Spiel um Welten verändern konntest? Okay, ich glaube, der betreffende Person hat sich jetzt erhofft, dass du irgendwas um die Ecke kommst. Achtung.
Ja, nee, nee, nee. Also man muss selber sich das erarbeiten. Der Malte hat uns den Plan gegeben, wie wir was machen müssen und die Erklärung dazu, warum, was, wie funktioniert und warum, welche Übungen sinnvoll sind und welche nicht. Aber den Weg, den muss jeder selber gehen. Das habe ich übrigens auch lange nicht verstanden.
Da bin ich auch erst relativ spät drauf gekommen, dass ich das selber in der Hand habe und nur ich, was ich aus meinen Möglichkeiten mache. Und ich habe oft irgendwie nicht mit mir gehadert, aber ich war oft irgendwie neidisch auf andere, die talentierter waren oder bessere Jobs hatten und habe mich mit anderen verglichen und war dann irgendwie persönlich beleidigt, wenn ich was besser konnten wie ich.
Das hat mich dann irgendwann so genervt, selber als ich gesagt habe, ey, was soll der Scheiß? Das mache ich einfach nicht mehr. Ich schaue auf mich und ich schaue, was ich aus meinen Möglichkeiten rausholen kann. Und dann habe ich nochmal quasi von vorne angefangen, mich mit der ganzen Methode zu beschäftigen.
Erstmal, um für mich rauszufinden, wie weit komme ich mit meinen Möglichkeiten. Und natürlich auch im Hinblick aufs Unterrichten, weil wenn ich das irgendwie seriös weitergeben will, dann muss ich alles geübt haben und auch weitestgehend verstanden haben und auch vormachen können. Und ja, das war so schon ein entscheidender Punkt für mich auch irgendwie.
Was war denn für dich der größte Aha-Moment bei der ganzen Methode?
Ja, es ist eigentlich immer noch, dass es immer besser wird. Es hört nie auf und ich habe noch lange nicht das Gefühl, dass ich am Ende meiner Möglichkeiten bin. Das ist so das Schöne an der ganzen Sache. Und ich übe da so vor mich hin. Ich übe auch nicht mehr viel aus Gründen. Aber es wird immer besser und es macht immer mehr Spaß, Trombia zu spielen.
Ja, es macht das Leben einfach leichter und entspannter. Also ich kann alles spielen, was ich spielen muss und die Routine hilft natürlich auch. Aber ich habe Spaß an dem, was ich mache.
Du sagst, es wird leichter, ist es vielleicht aber auch, kommt da nicht so die mentale Komponente so ein bisschen dazu, dass man natürlich älter wird und ein bisschen muss nicht mehr alles, nicht mehr alle Bäume ausreißen und meinen, man muss die Welt neu erobern?
Ja, auf jeden Fall. Aber trotzdem, also, ja. Nee, es wird immer besser. Also ich mag das ja an Sachen, die ich spielen kann oder die mir dann auf einmal irgendwie leicht fallen. Oder wenn ich mit anderen spiele und so und dann denken, ja, es funktioniert, es ist schön und wir können da schön die Musik machen.
Wie sieht dein Üben aus? Also wenn du übst, also ich übe, ich übe jeden Tag. Okay, gut, weil du gesagt hast, du übst nicht mehr so viel. Dann ist es nur noch der zeitliche Faktor ist nicht mehr so lang wie früher. Genau. Okay. Wie sieht dein Üben aus? Was muss da drin sein?
Ganz komprimiert übe ich ein paar Sachen, vom Malte ohne Instrument und dann mit Instrument einfach checke ich meine Körperfunktion durch. Wie funktioniert die Atmung, Stütze, Zirkularatmung, ein bisschen Töne treiben? Mehr ist es im Grunde gar nicht. Ein bisschen Höhentraining, so für mich zum Spaß.
Ein bisschen Tiefe, ein paar Clarks auf der Piccolo, auf der großen Trompete.
Ihr habt ja mal einen Podcast auch über Clark, glaube ich, gemacht, wenn mich nicht alles täuscht.
Nee, nur der Manuel, soweit ich weiß. Also ich, was meinst du genau?
Du hast aber Zirkularatmung gerade erwähnt. Du bist auch bei The Woodstock Academy, da haben wir uns ja dieses Jahr verpasst. Und ich sehe, du hast dein Männchen auch noch an.
Ah ja, schön.
Warum ist Zirkularatmung wichtig? Beziehungsweise sehe ich das ja immer wieder, wenn jemand von Burba Brass da ist, gibt es einen Digitalo-Kurs oder Zirkulationsatmung? Oder beides. Im Zweifelsfall.
Erstmal zur Zirkularatmung, je mehr Werkzeuge man zur Verfügung hat, desto leichter hat man es im Leben. Und es ist einfach eine praktische Sache. Wenn die Firmat ja einfach mal ein bisschen länger dauert oder das Orchester lauter spielt, wie gewohnt, und die Phrase ein bisschen eng wird hinten raus, dann holt man sich einfach Luft.
Oder man merkt es zum Teil gar nicht, denn der Körper holt sich dann einfach die Luft. Das passiert dann automatisch. Das ist schon mal ein ganz nützliches Tool. Und dann umwabert die Zirkulat man ja auch irgendwie ein bisschen was Mysterisches, Mystisches. Und das ist aber eine ganz natürliche Sache, die man innerhalb zum Teil von zwei Minuten lernen kann oder den Leuten beibringen kann.
Und das ist immer gerade bei so Workshops lustig. Dann sage ich immer, ja, ich wette mit euch, 50 Prozent können das dann jetzt dann nach der Stunde und schauen sie mal alle ungläubig. Und dann geht das ja manchmal so ratzfatz. Das können Sie selber gar nicht fassen, wie einfach und banal die ganze Sache ist.
Und das ist ja auch irgendwie der Clou an der ganzen Geschichte, wenn man weiß, wie was funktioniert und wie man sich das beibringen kann, dann kann man sich im Prinzip ja alles beibringen. Dann fallen ja so viele Hürden und so viele Schranken im Kopf. Dann schaut die Welt auf einmal ganz anders aus.
Und das ist so ein kleines Tool, mit dem man den Leuten irgendwie zeigen kann, wie sowas funktioniert, auch wenn sie sich das überhaupt nicht vorher vorstellen haben können, wie das überhaupt gehen kann.
Und warum dann Digi-ReDoo? Weil es einfach auch in der Sache des Digi-Reo liegt, Zirkularatmung zu betreiben?
Ja, auch. Und Dits-Reo-Spielen hat den großen Vorteil, zwei große Vorteile. Man kann da nichts falsch machen. Und man kommt rein intuitiv auf die richtige Lösung und die Zunge wird dabei extrem trainiert. Also gerade diese Klangveränderungen, die muss man ja mit der Zunge machen. Eine andere Möglichkeit haben wir nicht.
Und es sind genau dieselben Zungenbewegungen oder nicht genau, aber ähnliche Zungenbewegungen, die wir fürs Spielen brauchen oder auch fürs Banding, fürs Töne treiben. Und bei den ganzen Übungen von Malte geht es darum, dem Körper mehr Geschicklichkeit beizubringen. Je besser die Zunge an sich funktioniert in Verbindung mit einem Blasinstrument, desto besser funktioniert es in jeder Situation.
Und der erste Mensch, der da wissentlich darauf gekommen ist, so zu arbeiten, der war irgendwas Stenmark. Ein schwedischer Skirennfahrer, der war bis vor kurzem der erfolgreichste Skirennfahrer aller Zeiten. Und der hat sich im Garten im Seil gespannt und hat balancieren gelernt. Und hat dadurch seinen Gleichgewichtssinn so verbessert, dass er im Winter dann allen anderen davon gefahren ist, obwohl die anderen auf dem Gletscher trainiert haben und er nur im Garten auf dem Seil balanciert hat.
Also so funktioniert das ganze System, ja. Also wir zeigen unserem Körper den Idealzustand, also die ideale Bewegung, den idealen Bewegungsablauf. Und wenn man das lang genug trainiert hat und im Unterbewusstsein verankert ist, dann greift der Körper automatisch drauf zurück. Und dann sind wir wieder beim Thema Denken, dann brauchst du nämlich überhaupt nichts bedenken, weil der Körper ja das dann automatisch macht.
Spielst du noch regelmäßig Digi-Woo außerhalb der Kurse? Ich habe das einmal probiert und ich hab, also ich habe es vielleicht nicht lang genug probiert. Oder es war ein schlechtes Digi-Wedo. Ich habe das relativ schnell wieder weggelegt, weil ich nichts rausgekriegt habe. Naja, aber vielleicht probiere ich das tatsächlich nochmal aus.
Ja, mach das einfach mal. Einfach jeden Tag, ein paar Minuten. Das kann man auch irgendwie machen, wenn alle anderen schon schlafen. Das stört eigentlich so niemanden im Gegensatz zu Trompeti spielen.
Ja, das stört hier bei mir auch niemand. Ich kann hier tatsächlich laut üben. Meine Frauen, meine Tochter haben da einen sehr, sehr tiefen Schlafkonzert.
Das ist sehr nützlich. Ja, und noch ein Effekt, der sehr nützlich ist beim D-Do-Spielen, ist der Erholungseffekt nach einer anstrengenden Probe oder nach einem anstrengenden Konzert. Dadurch, dass die Lippe einfach eine größere Amplitude hat beim Schwingen, wird die Lippe ganz anständig durchblutet und regeneriert dadurch auch ein bisschen schneller.
Wo kriege ich ein gutes Ditu-Ridu her?
Im Baumarkt. Selber bauen. Selber bauen. Genau. Vier Zentimeter Durchmesser, kauft dir vier, fünf Teile. Je 25 cm Mundstück kann man sich entweder selber basten mit Bienenwachs oder im Internet bestellen und dann hast du schon ein sehr, sehr gutes Ditorido. Es klingt tatsächlich sehr, sehr nah am Original.
Also es ist da nicht viel Unterschied. Also das ist wirklich nahezu gleichwertig.
Sieht halt nicht so schön aus wie die Bunt angeboten.
Dann gibt es deiner Tochter, da kann sie sich darauf verwirklichen.
Auf jeden Fall. Ich hätte gern von allen Hörern gehört, die das jetzt hören, die sich ein Digitou jetzt bauen. Die sollen sich mal bei mir melden. Das würde mich jetzt auch dann wirklich interessieren. Was ist die Burba Brass Academy?
Es ist ganz einfach ein Zusatzangebot der Musikschule, an der ich unterrichte. Da kann man, wenn man sich für die Methode interessiert, Unterrichtspakete kaufen und dann arbeiten wir das dann nach und nach ab. Mehr ist es im Grunde gar nicht.
Okay. Du hast vorhin schon gesagt, das Niveau ist gestiegen. Hast du schon das Gefühl, dass generell die Blechbläser besser geworden sind in den letzten Jahren? Ja, ja. Woran liegt das?
Gute Frage. An der Ausbildung auf jeden Fall. Vor allem, es gibt immer mehr gut ausgebildete Lehrer. Macht sehr viel aus. Wurztop der Blasmusik? Ich weiß es nicht. Dass es einfach irgendwie ein Ansporn ist für viele, wieder zum Instrument zu greifen oder verstärkt zum Instrument zu greifen. Ich weiß nicht, aber generell, also ich, das Niveau auch bei den Studenten ist halt schon irre hoch.
Also vor allem gerade in Österreich. Also die kommen schon irgendwie mit viel Potenzial und auch schon mit viel Erfahrung an die Hochschule. Die spielen überall in guten Musikvereinen, in eigenen guten Bands, sei es Volksmusik oder Blasmusik, sind da schon breit aufgestellt und ja, die leben das richtig schon.
Auch in jungen Jahren. Es gibt viele Vorbilder.
Das stimmt. Auf jeden Fall. Und ich glaube auch, der Zugang zu diesen Vorbildern ist halt leichter durch YouTube. Da wird ja quasi zugeschmissen. Wenn du da mal im Algorithmus drin bist, kannst du ja Wochen durchschauen. Du bist selbst an der Musikschule. Wie würdest du das Ausbildungssystem gerne revolutionieren?
Da müssten wir eigentlich nur nach Österreich schauen, nach Oberösterreich vor allem. Also ich wohne direkt an der Grenze und meine Frau unterrichtet auch im oberösterreichischen Musikschulwerk. Es ist staatlich organisiert, es ist sehr hoch subventioniert. Das ist natürlich irgendwie eine Geldfrage, ganz klar.
Eine politische Entscheidung. Die Musikschullehrer werden anständig bezahlt. Es ist sehr, sehr gut organisiert mit allem, was dazugehört. Für die Musikschüler ist es absolut erschwinglich. Jeder kann sich das leisten. Und es kommt noch dazu, dass es einfach dort in der Gesellschaft verankert ist, dass man Mitglied in einem Verein ist.
Natürlich ist auch die Konkurrenz groß zwischen Sport und Musik. Aber es ist einfach normal, dass jeder einfach irgendwo dabei ist. Und da ist die Musikkapelle irgendwie oft irgendwie auch an erster Stelle. Und jedes Dorf hat einen super Saal, wo die da proben können, haben Instrumente zur Verfügung.
Es gibt überall Zweigstellen der Musikschulen, wo die Leute nicht weit hin müssen. Und das ist das Paradies. Also natürlich, die politischen Veränderungen, die bleiben da auch nicht spurlos. Und sie müssen schon auch irgendwie schauen, wo sie bleiben. Aber die Grundvoraussetzungen, die sind einfach da irgendwie paradiesisch im Verhältnis jetzt zu dem, wie es bei uns ist.
Und was ich mal gehört habe, der Kulturetat vom Land Oberösterreich ist um ein Vielfaches höher als der gesamte Kulturetat von Bayern. Und Bayern wird ja mal als dieses Kulturland irgendwie gepriesen, aber da fehlt es ja nicht.
Ja, vor allen Dingen, weil ja Bayern auch touristisch geprägt ist. Also man könnte ja sonst irgendwie sagen, okay, Österreich hat viele Touristen, wir machen hier Serenadenkonzerte regelmäßig dafür, Kurkonzerte und deswegen unterstützen wir das Ganze auch mehr?
unknown Nee.
Also es gibt Gegenden in Oberbayern, die leben natürlich vom Tourismus, ja. Aber zum Beispiel, wenn ich hier über die Grenze schaue, über den Inn, das nächste Dorf, keine zehn Kilometer weiter, was am Randgebiet von Oberösterreich liegt und ganz weit weg von Wien, wir haben eine super Blaskapelle. Das ist einfach normal da.
Das ist einfach der Standard. Und wenn du irgendwie nach Passau fährst zum Umzug von der Maiduld, dann hörst schon irgendwie aus 10 Kilometer Entfernung, als kommen die Österreicher. Ja, das stimmt. Die kommen da einfach mit 50, 60 Mann und das hört man.
Auf jeden Fall. Da müssen wir, glaube ich, mal separat nochmal drüber reden, über die österreichische Kulturszene.
Da gibt es viel zu erzählen.
Auf jeden Fall. Wie blickst du generell von außen auf die Blasmusik? Oder wo geht die Blasmusik zumindest in Deutschland hin, würdest du sagen?
Boah, keine Ahnung. Da habe ich viel zu wenig Einblick.
Oder die Bläser-Szene. Können wir auch so nehmen.
Boah, weiß ich gar nicht. Also es tut sich viel, merke ich. Es gibt viel Angebot, viele Workshops, viele Seminare. Ja, aber ich glaube, es ist regional sehr unterschiedlich.
Aber hast du das Gefühl, weil du gesagt hast, es tut sich ja was auch mit dem Wurztag der Blasmusik und so, dass die Blasmusik wieder einen größeren Stellenwert bekommen hat?
Das kann ich ehrlich gesagt nicht wirklich beurteilen.
Oder merkt ihr es an euren Anmeldezahlen? Dass man plötzlich sagt, okay, jetzt wollen alle plötzlich ein Blasinstrument spielen?
Nee, nee, nee. Da merkt man keinen Unterschied. Das ist ja auch nur in eine kleine Musikschule auf dem Land, auf der ich bin. Ja, das Es schwankt ganz normal, aber jetzt irgendwie, nee, das Spezielle ist mir eigentlich.
Oder gut, das ist dann wieder Österreich mit, wenn du in Linz bist, dass das mehr Vorspielen, um an die Uni zu kommen?
Das kann ich ehrlich gesagt auch nicht beurteilen, weil ich nicht weiß, wie viel an anderen Hochschulen sich bewerben und dann auch vorspielen. Es hängt auch immer davon ab, wie viele Plätze frei sind, wie begehrt auch derjenige ist, zu dem die Leute wollen. Nee, kann ich dir auch nicht weiterhelfen.
Okay. Über was wird in der, vielleicht habt ihr auch, also mit Manuel vielleicht da auch schon mal drüber gesprochen. Worüber wird in der Blasmusik oder in der Bläser-Szene zu selten gesprochen oder wovor scheut man sich zu sprechen? Was sind so die heißen Themen?
Die heißen Themen, boah, weiß ich gar nicht. Also das ist bei jedem wahrscheinlich ein bisschen anders. Aber was ich merke, ist, dass viele Leute, also Profis, auch irgendwie mit vielen Problemen zu kämpfen haben, mit vielen besserischen Problemen und das für viele einfach noch ein Tabuthema ist. Die jungen Leute, die sind da entspannter.
Die gehen zum Teil ganz offen damit um und die suchen sich dann auch relativ schnell Hilfe, wenn sie merken, das ist ein Problem im Anflug. Die sind da relativ selbstständig und autark. Und auch schon die Studenten, wenn sie merken, sie haben Fragen und die Fragen werden nicht beantwortet, die machen sich selber auf die Suche nach den Lösungen.
Aber generell, ja, gerade in der Orchesterszene, da gibt es schon sehr, sehr viele Leute mit massiven Problemen, die sich da nicht irgendwie raustrauen und die das auch irgendwie verheimlichen wollen.
Ist das Ego oder sind das falsche Überzeugungen, die man vielleicht aus einer anderen Generation vermittelt bekommt, dass man das nicht macht?
Beides. Ich denke beides. Eine Mischung aus beiden. Natürlich kostet es Überwindung, um zuzugeben, dass man da ein Problem hat. Aber aus meiner Sicht, was ich so gesehen habe, bis jetzt irgendwie gab es jetzt noch kein Problem, was man nicht hätte lösen können oder auch nicht gelöst haben. Also das die Probleme, die sind oft gar nicht so gravierend.
Das ist eher, wie man damit umgeht oder was man, was sich daraus im Laufe der Zeit entwickelt hat. Ach ja, um auf den Anfang vielleicht zurückzukommen, wo du mich nach den Vorurteilen gefragt hast, das ist jetzt auch ein wichtiger Punkt. Ein Vorteil ist eben auch, dass man erst, wenn man Probleme hat, zur Malte geht, dass es schon eigentlich zu spät.
Und deswegen wäre es wichtig, wenn man vorher sich damit beschäftigt, auch wenn es gut läuft oder gerade weil es gut läuft, um das ganze System zu verstehen, wie was funktioniert und um solchen Sachen vorzubeugen, dass man sich irgendwann mal verrennt. Weil viele Sachen kann man ganz leicht im Vorfeld lösen, ohne großen Aufwand.
Aber wenn sich das mal verselbstständigt hat, wenn die Atmung mal so schlecht ist, dass der Hals ständig zugeht, dass man nicht mehr weiß, wie man die Töne anspielen muss, dann ist es halt dann schon irgendwie relativ weit fortgeschritten und dann umso mühsamer das ganze System wieder umzukrempeln, wenn man das dann überhaupt noch will.
Man versucht halt dann irgendwie irgendwie durchzukommen durch den Alltag. Das müssen wir alle natürlich, es ist nicht jeder Tag gleich. Aber wenn man da entspannt umgeht und vielleicht gute Kollegen hat, mit denen man sich da austauschen kann, ein gutes Netzwerk hat, dann kann man eigentlich viele Sachen, die vielleicht später mal zum Problem werden könnten, im Vorfeld schon bereinigen und dann ist das Leben da auch wieder entspannter.
Wo geht für dich die Reise hin? Wo siehst du dich in. Also gibt es Projekte, die anstehen oder Ideen, die du noch verwirklichen willst?
Ich habe viele Ideen. Mehr Musik machen wieder, vielleicht irgendwie ein paar Sachen arrangieren wieder. Aber so ganz konkrete Pläne habe ich jetzt nicht. Nö.
Okay. Also fühlst du dich wohl, wie es gerade ist und auch mit der Stelle in Linz und so.
Ja. Ja, das ist schon irgendwie ein Traumjob für mich. Und es macht irrsinnig viel Spaß, mit den Studenten zu arbeiten. Und wir haben einfach einen schönen Austausch miteinander, ein gutes Auskommen miteinander. Wir haben oft auch eine Gaudi. Ja, es ist schön zu beobachten, wie sich die Leute entwickeln und was sie aus ihren Möglichkeiten machen.
Und ja, ich freue mich für die Leute, weil ein bisschen kann ich ja in die Zukunft schauen. Und wenn sie annähernd schaffen, das Potenzial auszuschöpfen, dann werden sie, glaube ich, ganz zufrieden durchs Leben gehen.
Okay. Ich würde langsam so die Schlussrunde einläuten. Was lernst du gerade, was du noch nicht kannst?
Boah, muss ich anfangen. Als allererstes fällt mir da der Weber-Korbi ein, der auch bei dir gesagt hat, Geduld mit kleinen Menschen. Und das ist ein tagtägliches Thema. Wie alt sind deine Kinder? Sieben, vier und fünf Monate.
Oh, herzlichen Glückwunsch.
Danke.
Okay, sieben, vier, fünf Monate, ja. Ich habe eine Vierjährige, das reicht mir auch schon.
Ja, dann müssen wir vor mal reden. Ja, es ist spannend. Es ist jeden Tag spannend und man wird jeden Tag gefordert. Manchmal auch überfordert.
Ja, ich fände das immer so schwierig, weil wenn ich schon komme, habe ich eigentlich an dem Tag schon ganz viele kleine Menschen um mich gehabt, die schon ganz hart an mir gezogen haben. Und dann kommt die nächste und ja, also das ist schwierig manchmal.
Ja, ja. Aber alle sagen, es geht vorbei und das ist nur eine Phase.
Ja. Okay. Schauen wir mal. Was würdest du gerne mal machen, hast dich aber nicht getraut bisher.
Oh, vielleicht ein Stück komponieren.
Aber warum nicht getraut? Das hält sich ja keiner davon ab. Ich habe sogar schon mal ein bisschen was komponiert.
Nee, die Zeit. Okay. Das hast du auch irgendwie vor kurzem gesagt, die Zeit. Die Zeit, irgendwie wieder kreativ zu werden, kreativ zu sein. Ja. Aber ich weiß nicht, also wenn ich es nicht schaffe in meinem Leben, ich weiß nicht, ob ich dann deswegen unglücklich bin. Keine Ahnung.
Mit wem würdest du gerne mal zusammenspielen? Lebend oder tot?
Ui, viele. Mit allen am liebsten.
Okay, du darfst drei, die ja raussuchen. Drei darf ich mir aussuchen.
Boah, das ist echt schwer. Mein erster Gedanke war irgendwie, da bin ich ja eigentlich viel zu schlecht. Jacob Collier ist mir da gerade eingefallen. Da sind wahrscheinlich 99,9 Prozent der Menschen auf diesem Planeten zu schlecht. Ja? Also vom musikalischen Genie her.
Ja, ja. Er ist mir manchmal aber auch zu verkopft, muss man dazu sagen. Gebe ich dir recht.
Stimmt, ja.
Also manchmal habe ich so das Gefühl, so, tada, ich habe ja was, weil ich es kann. Aber es berührt mich dann irgendwann nicht.
Genau, genau.
Deswegen habe ich so die letzte CD so mitgemischtem Gefühl gehört. Jetzt habe ich letztens noch mal eine Chornum von ihm gehört, die fand ich schon wieder sehr beeindruckend. Also es ist sehr ambivalent, der Typ. Aber sehr beeindruckender und faszinierender Mensch auf jeden Fall.
Darf ich auch eine Band nennen? Ja, auf jeden Fall.
Okay, das ist ja gar nicht so unwahrscheinlich.
Weiß ich nicht, aber wir waren ja auf dem selben Konzert und ich habe mich erstens gefreut, sie mal wieder live zu hören. Und dann auch noch mit dem Programm, weil das war die genau die Musik, die mich durchs Studium getragen hat oder auch verfolgt hat. Die CD gerade verkehrt mit dem Technomarsch und Can You Feel und dieser Sound einfach von der Band.
Das ist unglaublich. Einzigartig.
War mein erstes Mal live. Die spielen ja nie zu nördlich, deswegen ist das immer ein bisschen schwierig. Deswegen war ich sehr froh, dass endlich mal live gehört haben. Aber als du jetzt Band gesagt hast, da dachte ich, du kommst jetzt mit Tower of Power.
Ach so. Ja, wird schon Spaß machen, glaube ich. Ich glaube, die Band ist so gut, da kannst du nicht falsch spielen.
Also die ziehen dich auf jeden Fall gut mit, glaube ich. Das auf jeden Fall. Okay. Welchen Film bzw. welches Buch sollte man mal gelesen oder geschaut haben?
Oh, ich habe mir tatsächlich was überlegt, aber jetzt fällt es mir gar nicht mehr ein.
Darfst du auch nachgucken, falls das irgendwo steht?
Also The Inner Game of Tennis hat schon jemand genannt vor mir. Ich glaube ja. Ich glaube, der Leonhard Königse da, oder?
Das kann gut sein, ja. Der spielt ja durchaus selber Tennis.
Genau, genau. Das finde ich auch sehr, sehr gut.
Das könnte ich mal wieder lesen, tatsächlich.
Ja, ich auch, aber ich finde es nicht mehr. Ich glaube, ich habe es irgendwie geliehen.
Aber gibt es nicht auch eine deutsche Version mittlerweile der Mozart in uns oder so?
Ja, ja, das gibt's, aber das habe ich nie gelesen. Ich habe nur das Original gelesen. Also Tennis, das innere Spiel, so heißt es auf Deutsch. Film. Ich habe gewusst, irgendwas habe ich mir schon mal irgendwie zurechtgelegt, aber was war jetzt das? Kann ich sagen.
Und falls du nimmst den letzten Film, den du gesehen hast. Oder wir nehmen keinen Film. Ist ja push.
Also ich finde Musikerbiografien immer sehr schön und sehr spannend. Okay. Also das von Johnny Cash fand ich sehr gut. Oder Ray Charles. Ja, das sind zwei super wichtig. Das finde ich sehr, sehr gut. Oder auch, was sehr, sehr gut ist, ist Standing in the Shadows of Motown. Das ist ein Dokumentarbeit über die Leute, die die ganzen Hits eingespielt haben.
Auch sehr, sehr schön, ja.
Tolle Doku. Ich weiß noch nicht, ob man die noch kriegt. Tatsächlich. Jobs auf DVD auf jeden Fall, hab's mit damals gemacht. Ja, genau. Ich habe bis letztes Jahr in der Motown-Coverband gespielt. Fast zehn Jahre lang. Und da war das natürlich Pflichtprogramm, sich das anzugucken. Auf jeden Fall. Welche Aufnahme sollte man sich unbedingt mal angehört haben?
Ja, ProBrass, gerade verkehrt, die CD. Okay. Oder was ich gestern mit den Studenten diskutiert habe, die German Brass Around the World CD. Das ist so eine ziemlich alte Aufnahme. Ich habe das mal regiert, die gibt es, glaube ich, gerade nicht mehr. Das spielt auf jeden Fall Günter Beetz noch mit. Das ist so quasi die eine der ersten Urbesetzungen von German Brass.
Phänomenal gut.
Wobei da alles gut ist, finde ich. Aber ja, auf jeden Fall. Da tut sich ja auch gerade ein bisschen besetzungstechnisch was. Ja, genau. Bei denen. Also die gehen jetzt auch in eine neue Generation. Okay, abschließend! Was sind deine privaten Wünsche und die Wünsche für die Blasmusik-Szene?
Ja, privat wünsche ich mir natürlich irgendwie, dass wir alle gesund bleiben und gut durch diverse Situationen kommen. Für die Blasmusik-Szene oder Blazerszene allgemein. Vielleicht ein bisschen mehr Gelassenheit und ein bisschen mehr Empathie vielleicht zwischendurch. Das würde nicht schaden.
Findest du, dass wir nicht so gelassen sind in der Szene?
Ja, manchmal schon, manchmal nicht. Also es ist schon irgendwo auch ein gewisser Konkurrenzkampf irgendwie, ständig da. Also mal mehr unterschwellig, mal nicht. Es wird schon irgendwie vieles mit Neid betrachtet, was manche so machen. Es wird schon auch schnell irgendwie negativ geredet über viele Sachen.
Und dass irgendwelche Schubladen gesteckt. Also ja, warum? Muss nicht sein. Also ich finde, der Kuchen ist nach wie vor groß genug für alle. Und wenn was funktioniert, dann funktioniert es und wenn nicht, dann verläuft es eben Sand. Und jeder darf zum Glück machen, was er will, was er kann. Und womit er meint, erfolgreich zu sein.
Und ja.
Ja, sehe ich genauso. Also das, was funktioniert oder das, was Menschen gut finden, wird sich eh durchsetzen.
Ganz genau.
Und alles andere. Ja. Deswegen Night ist da immer ziemlich viel am Platz.
Aber es bringt ja nichts. Wir sitzen alle im selben Boot. Wenn es der Blasmusik-Szene gut geht, dann geht es uns allen gut. Und wenn es der Blasmusik-Szene nicht gut geht, dann leiden wir auch in eine gewisse Weise drunter. Also von daher ist es völlig egal. Wir müssen irgendwie schauen, dass wir zusammenhalten und die Welle, die jetzt gerade durchs Land schwappt, irgendwie dann mitnehmen und ausnutzen und Spaß haben.
Auf jeden Fall. Georg, danke schön für deine Zeit. Gerne. Das war die Folge mit Georg Birne. Ich freue mich, dass ihr bis hierhin gehört habt und dass ihr eingeschaltet habt. Wie fandet ihr denn die Folge? Ich für meinen Teil finde den Ausspruch sehr schön, dass es ein Menschenrecht ist, auch auf einer Bühne mal nicht so gut zu spielen.
Denn wir machen uns, glaube ich, einfach viel zu viel Druck, um alles perfekt abzuliefern und das ist selten möglich. Beziehungsweise der Druck ist da nicht hilfreich, um das zu machen. Und sich selber bewusst zu machen, es ist auch okay, einfach mal nicht gut zu spielen, hilft dem Ganzen etwas gelassener entgegenzublicken.
Was habe ich liegen lassen? Welche Fragen hättet ihr euch noch gewünscht oder war alles dabei? Wie fandet ihr den Gast? Wie fandet ihr unser Gespräch? Konntet ihr auch einiges mitnehmen? Das würde mich alles interessieren, schreibt mir gerne in die Kommentare oder auf Instagram oder über blasmusikpodcast.gmx.de.
Bevor ihr jetzt in die Weihnachtszeit startet, möchte ich euch nochmal mein Kurzformat ans Herz legen auf einen Kaffee mit. Da spreche ich mit einem Gast über ein Thema, einen Kaffee lang. Und wenn ihr dabei sein wollt, weil ihr sagt, ich habe auch was zu sagen oder ich möchte mich einfach mal nur mit dir unterhalten, dann schreibt mich gerne an und ihr könnt auch dabei sein.
Außerdem möchte ich euch den Link in den Shownotes noch ans Herz legen. Der führt zu meinem Newsletter, der kommt einmal im Monat. Jetzt am Jahresende findet ihr nochmal besten Listen, tolle Videos und noch ein paar Insider-News aus der Szene. Ich bedanke mich bei den Supportern der Folge Buffet Crampor und bei Dirk Mattes für die Musik, bei Leander Machern für den Schnitt.
Und ich freue mich, wenn wir uns auch im nächsten Jahr hören. Ich wünsche euch alles Gute, schöne Weihnachten, kommt gut ins neue Jahr. Euer Andi