OstwestFälle - der True-Crime-Podcast der Neuen Westfälischen
Eine Spurensichererin berichtet: Als Erste an den schlimmsten Tatorten in OWL
Donnerstag, 9. Oktober 2025 · 42 min
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Shownotes
Daniela Boes ist für die Mordkommission Bielefeld dort, wo Menschen getötet wurden. Ihre Aufgabe ist es, die Spuren zu sichern, die sonst niemand sieht.
Eigentlich ist Daniela Boes gelernte Bürokauffrau. Schnell merkt sie jedoch, dass der Bürojob nicht das Richtige für sie ist. Sie studiert Fotografie an der Fachhochschule Bielefeld. Nachdem sie bereits einige Jahre als Fotografin gearbeitet hat, bewirbt sie sich schließlich auf eine Stelle bei der Kriminalpolizei Bielefeld.
Von nun an besteht ihr Alltag aus Leichen, Tatorten und Blut. Mit ihrer Kamera hält sie die Tatorte in OWL fest, um zur Aufklärung der Verbrechen beizutragen.
Ostwestfälle S4 | E10 Eine Spurensichererin berichtet: Als Erste an den schlimmsten Tatorten in OWL
Gast: Daniela Boes
Redaktion: Michaela Heinze
Gestaltung: OWL Digital
Mehr zur Serie “OWL-Crime” findet ihr auf unserer Themenseite.
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Ich gehe dann in den Tatort, muss mich erst zurechtfinden, es ist nicht überall Licht an. Ich muss das Licht irgendwie finden, die Lichtschalter, dann wieder möglicherweise das Laut noch mit hinein, was ich mitgenommen habe von außen. Das kratzende Geräusch dieser Blätter auf dem Boden prägt sich ein, dann springt eine Heizungsanlage im Keller an, plötzlich kommt eine Katze aus der Ecke geschossen, über die mir vorher niemand irgendwas gesagt hat.
Das ist natürlich dann so ein bisschen, so ein Schreck Augenblick, aber man fängt sich. Dann gehst du weiter, dann steht irgendwo ein Teller, da liegt ein Brot drauf, mit Kieser, der biegt sich schon nach oben, weil das Brot wird nicht mehr gegessen, kann nicht mehr gegessen werden. Oder beispielsweise ein laufender Fernseher mitten in der Nacht.
Da wird Hallo Deutschland die Moderatur und erzählt irgendwas von Staus in Nordrhein-Westfalen. Und davor liegt der Leichner. Ostwestfälle, der True Crime Podcast der neuen Westfälischen. Wir sprechen mit Opfern, Zeugen, Richterinnen und Richtern und mit den Berichterstatterinnen und Berichterstattern der NW.
Spannend, nah und made in OWL. Unsere Welt ist leider voll von blutigen Tatorten, die die Ausmaßel menschlich in der Abgründe zeigen. Täglich werden Menschen erstochen, erschossen, gefoltert und erschlagen. Bei jeder dieser Taten hinterlassen die Täter verräterische Spuren, auch wenn sie noch so klein sind.
Wenn diese Spuren richtig gelesen werden, kann das am Ende zur Identifizierung und Überführung der Tatverdächtigen führen. Doch wie genau funktioniert dieses Spurenlesen? Und wer macht das? Darüber wollen wir heute bei den Ostwestfällen sprechen. Und ich verspreche, so nah werden wir nie wieder einem Tatort kommen.
Und damit herzlich willkommen zu einer neuen Folge der Ostwestfälle. Mein Name ist Birgit Gottwald und zu Gast ist die Tatortfotografin Daniela Bosz. Hallo, Daniel. Hallo, Birgit. Vielen Dank für die Einladung. Gerne. Dani, du nimmst uns heute mit in deine für mich völlig unbekannte Welt der Tatortfotografie und Spurensuche.
Aber ich kann dir vorstellen, dass, was du da manchmal durch deine Kamera Linse siehst, absolut grausam und schrecklich ist. Das... kommt schon mal vor. Das ist nicht immer furchtbar, aber man muss manchmal schon ein bisschen nerven haben. Was war für dich der schlimmste Tatort, wo du mal warst, ohne jetzt genauer auf den Fall einzugehen?
Ja, das kann ich so genau gar nicht sagen, weil so viele waren. Ich bin jetzt zehn Jahre dabei und jeder Tatort hat für sich schlimme Bereiche, weniger schlimme Bereiche, schlimme Geschichten, die dahinter stecken. Und ... Ja, ich würde mal sagen, ich habe alles Mögliche schon gesehen und da könnte ich jetzt nicht selektieren oder priorisieren.
Bevor wir genau auf deine Arbeit zu sprechen kommen, wüsste ich gerne, wie wird man Tatortfotografien? Also, es ist ja nicht so ein herkömmlicher Berufswunsch. Ich will Tatortfotografien werden. Und gelernt hast du ja eigentlich was ganz anderes. Ja, genau. Ich bin damals über eine kaufmännische Ausbildung in meinen Berufsleben eingestiegen.
Das ist eine gefühlte Ewigkeit her. Nach der Ausbildung habe ich ein paar Jahre in diesem Bereich gearbeitet, aber schon relativ festgestellt, das ist irgendwie nichts für mich. Dann habe ich den Sektor komplett gewechselt. Ich bin zu einer Tageszeitung, habe dort im redaktionellen Bereich gearbeitet.
Können wir auch sagen, Halla Kreisblatt warst du? Genau, Halla Kreisblatt für den Kreis Güters. Ich komme selber aus Halle Westfalen. Da hat sich das angeboten und das war eine super Zeit. Und ich habe da ganz andere Sachen gemacht als während meiner kaufmännischen Tätigkeit. Aber irgendwann bin ich dann halt an einen Punkt gekommen, wo ich gedacht habe, okay.
Änderst du jetzt noch was? Bleibst du in diesem Bereich oder entwickelst du dich weiter? Dann habe ich mich relativ spät für ein Studium entschieden an der Fachhochschule Bielefeld. Damals, heute ist es die HSBI. Fachbereich, Gestaltung, Studienrichtung, Fotografie und Medien. Abgeschlossen habe ich das mit einem Bachelor, habe dann noch so, ja, ich würde mal sagen, zwei Jahre frei beruflich gearbeitet als Fotografin und im journalistischen Bereich.
Und seit Jahr zweitausendfünfzehn ging es dann quasi über eine Ausschreibung der Polizei Bielefeld zur KRIPO. Und da bin ich jetzt immer noch. Jetzt ist zweitausendfünfzwanzig. Du bist also so eine klassische Quereinsteigerin. Könnte man so sagen. Also ich hatte jetzt nicht den Wunsch vorher zur Polizei zu gehen.
Und du gehörst bei der KRIPO Bielefeld zum Team der Spurensicherung. Das ist richtig. Und was genau ist die Aufgabe der Spusi? Heißt das eigentlich Spusi oder heißt das nur im Krimiso? Nee, das heißt bei uns tatsächlich auch so. Wir haben sonst nicht viele Berührungspunkte mit Krimis. Aber da stimmt es schon.
Und ihr habt auch so weiße, ganz Körperanzüge an. Jawohl. Und was genau ist jetzt eure Aufgabe? Also wir sind eine Oberbehörde, sag ich mal, die Polizei Bielefeld. Und wir sind für den Bereich ... Kapitaldelikte für ganz Ost-Westfalenlippe zuständig, also für den Regierungsbezirk Detmold. Dafür führen wir dann Spurensicherungsmaßnahmen durch und da bildet sich dann eine Mordkommission, wenn es zu einem Kapitalverbrechen gekommen ist.
Das ist ein relativ großer Einzugbereich. Die nächste große Behörde, die dann übernimmt, ist Dortmund auf der einen Seite und Münster auf der anderen. Also wir sind dann halt im Raum bis ... Präusisch-Oldendorf, Höxter, Paderborn im Bereich, Detmolder, Gütersloher, alles dafür zuständig eben. Die Spurensicherung bei Kapitaldelikten durchzuführen beispielsweise.
Und wann kommst du so ins Spiel? Also fahrt ihr da immer gleich mit mehreren Leuten hin zu so einem Tatort? Ja, im Grunde genommen läuft das so, dass durch Bereitschaften, die besetzt werden, halt immer Teams. zur Verfügung stehen, wenn es zu einem Einsatz kommt. Das ist dann die sogenannte Mordkommission.
Die besteht aus einem Mordkommissionsleiter aus Ermittlern logischerweise und dem Tatort-Team. Den Spuren-Sicherern, Fotografen und einem Tatortbeamten. Und in dieser Mordkommission ist man dann drin und, ich sage mal ich in dem Fall, frühstücke dann halt die Tatorte ab. Ich werde eingesetzt am Ort des Geschehens.
Dann nehmen wir uns doch mal mit zu so einem Tatort. Lass uns mal durch deine Augen auf den Schauplatz eines Verbrechens blicken und nicht nur blicken. Ich wüsste auch gerne, was du denkst, was du fühlst, was du riechst, schmeckst, hörst. Ja, also ... Da ich an so vielen Tatorten bereits war, hab ich aus jedem irgendwie so ein bisschen was mitgenommen.
Vielleicht kann man das einmal so definieren. Also für mich sind ganz speziell immer Nachteinsätze. Wenn ich nachts alarmiert werde und rausfahre, dann bin ich erst mal müde, mir ist kalt meistens. Dann muss man erst eine Besprechung halten. Dann fährt man vielleicht noch eine Stunde bis zu einem Tatort.
Und dann triffst du ja auf ganz unterschiedliche Situationen. Beispielsweise das leerstehende Gehöft. Zwischen Feldern, ein Mehrfamilienhaus, ein Keller, ein Fluss, ein Wald. Je nachdem. Nehmen wir mal das Gehüft. Wir kommen da nachts an. Schon von weitem siehst du Blaulicht über die Felder, weil unsere Kollegen den Tatort abgesperrt haben.
Dann weißt du schon, wo es ist, wo es hingeht. Dann stehst du irgendwann an dem Wohnhaus. Unsere Streifenkollegen machen eine Übergabe und erzählen, was sie bisher wahrgenommen haben, was passiert ist. So, und dann gehe ich in das Haus. möglicherweise sind aber so Kleinigkeiten im Auffallen. Also erst mal der Geruch, der immer ganz spezielles für Wohnhäuser.
Jedes Lebewesen hat seinen eigenen Geruch und jedes Umfeld hat den eigenen Geruch. Und das ist das Erste, was du wahrnimmst. Wenn du eine Tür öffnest, dann zieht es dir entgegen. Gut, dann guckst du erst mal, was ist denn hier passiert? Was ist der Tathergang möglicherweise? Wo müsste ich Spuren sichern?
kann ich einen Hinweis darauf bekommen, wo was in diesem Bereich geschehen ist. Das sind erst mal die Sachen, die ich wahrnehme für meine Tätigkeit. Aber es ist ja noch so vieles mehr. Diese Eindrücke, die, ja, wie soll ich das bezeichnen? Möglicherweise als Soft Skills. Das, was du gerade vorhin gesagt hast, du nimmst visuell wahr, du hörst etwas.
Ich gehe dann in den Tatort, muss mich erst zurechtfinden. Es ist nicht überall Licht an. Ich muss das Licht irgendwie finden, die Lichtschalter. bin dann wieder in einem neuen Raum, dann wird da möglicherweise das Laub noch mit hinein, was ich mitgenommen habe von außen. Das kratzende Geräusch dieser Blätter auf dem Boden prägt sich ein, dann springt eine Heizungsanlage im Keller an, plötzlich kommt eine Katze aus der Ecke geschossen, über die mir vorher niemand irgendwas gesagt hat.
Das ist natürlich dann so ein bisschen so ein Schreck Augenblick, aber man fängt sich, dann geht man weiter und nimmt halt Sachen wahr wie eine Bildgalerie. Mit Angehörigen, die aus einem Bilderrahmen lächeln. Und der Mensch, der verstorben ist, ist auch auf diesen Bildern, lächelt aber nicht mehr. So was.
Das wird dir dann schnell bewusst. Oder du gehst weiter und dann liegen Hausschuhe. Einer liegt auf dem Kopf. Der andere hat einen Loch, weil sich der große C durchgearbeitet hat. Ist während eines Tatgeschehens, sind die Puschen von den Füßen geflogen und liegen halt darum. Das sind nur so kleine Situationen, die ... dann aber zeigen, dass du ja in einem sehr intimen Bereich eigentlich unterwegs bist, einem persönlichen Lebensraum eines Menschen.
Dann gehst du weiter, dann steht irgendwo ein Teller, da liegt dann ein Brot drauf, mit Käse, der wiegt sich schon nach oben, du weißt, das Brot wird nicht mehr gegessen, kann nicht mehr gegessen werden. Oder die Geräusche, die sich sonst noch an dein Ohr, sag ich jetzt mal, sind beispielsweise ein laufender Fernseher mitten in der Nacht.
Da wird Hallo Deutschland. die Moderatorin, erzählt irgendwas von Staus in Nordrhein-Westfalen. Und davor liegt der Leichnamen. Okay. Oder du bist tagsüber in einem Mehrfamilienhaus, da liegt eine erstochende Frau beispielsweise in einer Wohnung. Du weißt, ihr hatte Kinder. Du hast spielende Kinder draußen, die haben ihr Leben und sind glücklich und zufrieden und lachen.
Oder es geht jemand durch den Haus und unterhält sich. Da ist das Leben. Und du bist in der Parallelwelt, wo gerade ein toter Mensch lebt. Einfach nur getrennt durch eine Band. Und das sind Sachen, die dann sich zu einem Bild ergeben, in dem diese Person halt gelebt hat, die ein Bild darstellt. Was ist passiert?
Wie war das Leben vorher? Wie kann es weitergehen? welche Angehörigen sind betroffen. Das alles sind nicht meine Aufgaben. Ich bin ja nur, sag ich mal, die Spurensichererin oder Tatortfotografin. Aber dennoch denkst du halt drüber nach. Bist du eigentlich die erste, die dann zu so einem Tatort reingeht?
Also jetzt zum Beispiel auf diesem Gehöft oder so. Bist du die erste, die dann dahingeht? Also wenn du als Tatortfotografin gehst? Bist du das tatsächlich? Und du bist dann ganz alleine da? Ja, die gesamte Gruppe besteht also das Tatort-Team aus einem ersten, einem zweiten Spurensicherer, dem Tatortbeamten und dem Fotografen.
So ist es halt immer. Und nach der Übergabe durch unsere Streifenkollegen schauen wir kurz in den Tatort gemeinsam, einmal nur kurz rein. Was ist da los? Und dann ziehen wir uns zurück und lassen den Fotografen arbeiten. Der Fotograf verhält sich dann eben. sehr vorsichtig am Tatort, macht Übersichtsaufnahmen, fotografiert Leichnahme, Zuwägungen, alles, was also das Tatgeschehen, was vorher stattgefunden hat, einzufrieren und klarzudokumentieren, damit man auch Jahre später möglicherweise nochmal anhand der Bilder genau sehen kann, was da los war.
Ja, und der Fotograf ist erstmal alleine. Und was ist das? Für ein Gefühl, für dich, da so alleine mit einer Leiche zu sein? Anfangs war das seltsam. Ich hatte vorher keine Berührungspunkte mit Leichen, so wie die meisten Menschen wahrscheinlich auch nicht, die nicht in solchen Berufen arbeiten. Und ich kannte die ersten Leichen von Obduktionen.
Das war dann in so einem klinischen Umfeld mit vielen Leuten. Nicht so das Problem. Am Tatort ist das was anderes gewesen, speziell, wenn die in ihrem persönlichen Umfeld umgebracht wurden. oder in einem Waldnachtslagen. Da musste erst mal versuchen, mit umzugehen und dich ranzutasten. Für mich war da das Mittel zum Zweck, mit denen zu sprechen.
Ach, du sprichst mit den Leichten? Ja, anfangs auf jeden Fall, einfach um meine Unsicherheit eben so ein bisschen zu kaschieren. Und heutzutage ist es so, da spreche ich nicht mehr mit allen. Aber mitbestimmen. Ist das so? Und dann ist es irgendwie eher das Gefühl, den Leuten noch einen schönen Weg zu bereiten.
Wow. Aber so deine Gefühle, Gedanken, die dürfen dich ja nicht von deiner Arbeit ablenken. Du brauchst da so eine professionelle Distanz. Hattest du die von Anfang an? Musstest du die erarbeiten? Jetzt hast du gerade gesagt, ja, ich spreche mit denen oder hab viel mit den Leichen gesprochen? Ja, ich hatte da eigentlich kein Problem mit dieser professionellen Distanz.
Ich sag mal so, wenn du diese professionelle Distanz nicht hast, kannst du den Job nicht machen. Ich kann es ja auch nicht mehr ändern, was dort passiert ist. Ich kann nur zur Aufklärung beitragen. Und das ist im Grunde genommen das, was hilft. Also du arbeitest dann deinen Streifen ab. Es gibt ja gewisse Vorgaben an, die du dich halten musst.
Und wenn dann alle Leute mit auf dem Tatort sind, dann ist das schon eine andere Geschichte. Dann ist das halt ein Arbeitsplatz. Du hast da einen ganz bestimmten Ablaufplan, den ihr dann abarbeitet sozusagen. Ja, da brauchen wir jetzt kein Papier oder ähnliches, dass wir uns da an irgendwas orientieren, sondern du weißt halt, welche Sachen wann stattfinden müssen.
Dani, ich würde jetzt doch noch mal gerne kurz über dein Werdegang sprechen. Der lässt mich irgendwie nicht los, weil er ist schon recht ungewöhnlich. Du hast... Bürokaufrau gelernt, ist das richtig? Und jetzt stehst du an den schlimmsten Tatorten, die man sich nur vorstellen kann. Du hast eine Ausbildung gemacht, Fotografie studiert und hast dich dann beworben bei der Polizei.
Und machst jetzt ganz andere Fotos. Kann man so sagen. Wie gesagt, im Bereich der Fotografie bin ich seltener unterwegs. Ich bin mittlerweile im Bereich der Spurgensicherung durch Weiterbildung und ähnliches. Aber es kommt auch schon vor, dass ich das mache. Wir haben vorhin schon gesagt, du bist eine Quereinsteigerin.
Ich wusste gar nicht, dass das geht. Die Vorstellung der meisten Menschen ist, dass die Polizei von Polizisten bestückt ist. Ich mache von Polizeivollzugsbeamten, aber nicht von ... Regierungsbeschäftigten, sprich Angestellten. Es gibt nämlich einige Menschen bei der Polizei, die so wie ich da hingekommen sind.
Also ich würde das nicht als Quereinstieg unbedingt bezeichnen, sondern es werden ja speziell Stellen ausgeschrieben für spezialisiertere Menschen, die die Informationen eben von draußen mit in den Polizeiapparat bringen und die sehr hilfreich sind. Zum Beispiel? Also Fotografie? Ja, okay, Fotografie, gut.
Dann gibt es noch Biologen, Forensiker, Psychologen, Juristen, IT-ler. Das sind alles Menschen, die wir beschäftigen. Auch im Verwaltungsbereich gibt es auch Angestellte. Also... Es sind nicht so ganz weniger. Und das ist vielen Leuten gar nicht klar. Ich gehe davon aus, dass wenn, sagen wir mal, ein Bild in der Zeitung ist von einem Tatort, wo Menschen mit weißen Anzügen herumlaufen, dann ist das erst mal so.
Das Gefühl für die Bevölkerung, dass es halt Polizeivollzugsbeamten sind. Ist das aber nicht. Du bist Hodeografin. Gut, komm mal wieder auf deine Arbeit zu sprechen. Welche Methoden hast du zur Auswahl, um Spuren zu sichern? Es kommt auf die Spur an. Okay. Also wir haben die Möglichkeit, daktyloskopische Spuren zu sichern.
Was für Dinge? Daktyloskopische Spuren sind Fingerabdrücke oder Handflächenabdrücke. Dann gibt es natürlich Schusulen, Fragmente, Schusulen, Fragmente, die gesichert werden können. DNA, weiß ja auch jeder, ist ein wichtiger Faktor. Faserspuren, Sicherungen. Ja. Das sind schon mal erst mal grob die großen Sachen, die wir mitnehmen von Tatorten.
Und was ist mit Blutspuren? Also an vielen Tatorten sind die vermutlich nicht zu übersehen. Aber was ist mit Blutspuren, wo versucht wurde, die zu entfernen, um vielleicht eine Tat zu vertuschen? Die kannst du auch wieder sichtbar machen. Ja, also Blutspuren gehören ja zum Bereich der DNA-Spuren. Genauso wie Sperma, Speichel oder ähnliches.
Und wenn wir latente Blutspuren ... sichern, dann müssen wir die halt erstmal sichtbar machen. Also wir wissen grob, da müssten welche sein. Wir sehen sie aber erstmal mit dem bloßen Auge nicht. Dann arbeiten wir im Anfang mit forensischen Lampen, die auch schon relativ viel sichtbar machen, je nachdem in welchem Wellenlängenbereich wir arbeiten und was wir suchen wollen.
Wir gehen jetzt von Blut aus, dann haben wir vielleicht so ein kleines bisschen an der Wand und wissen, da müssten wir mal vielleicht intensiver rein. Und dann gibt es Luminiszin. Das ist eine, der arbeiten wir mit Luminol. Ist das das, was so im Dunkeln leuchtet? Ja. Man kennt das von Bildern. Das ist ein bläuliches, fleuristierendes Leuchten, was die Spuren, die Blutspuren in dem Fall, sichtbar machen kann.
Immer. Also immer. Da hilft auch kein Scheuern, wenn ich jetzt den Boden irgendwie sauber scheue. Also wenn ihr jetzt wirklich ewig lange scheuert, dann ist es dann schon schwierig. Und man muss halt auch das zu Lesen wissen, manchmal hinterlassen Reinigungsmittel auch, wenn sie in Kontakt mit Luminul kommen, einleuchten.
Dann ist es natürlich kein Blut, sondern eher Reinigungsmittel. Das kann man schon selektieren. Aber ja, also die... Latenten Blutspuren sind durch Lominole sehr lange nachweisbar. Über Jahre teilweise. Echt? Ja, wenn sie nicht Umwelteinflüssen ausgesetzt sind oder Flüssigkeiten oder was auch immer, dann geht das.
Kommen wir nochmal auf die Tatortfotografie zu sprechen. Ich kann mir vorstellen, dass ein Porträtfoto Schön im Studio aufgenommen, ausgeleuchtet, die Leute passend hingesetzt. Was komplett anderes ist als ein Tatortfoto. Was ist denn da der Unterschied? Also du solltest schon die Technik der Fotografie beherrschen, weil viele vergessen, dass man sich in teilweise unmöglichen Witterungsverhältnissen und Lichtverhältnissen aufhält und die Bilder müssen sehr gut sein, um sie hinterher eben weiterverarbeiten zu können.
Du musst planparallel beispielsweise arbeiten. Also Spuren in einem gewissen Winkel oder gerade aufnehmen. Ansonsten können möglicherweise keine Gutachten erstellt werden. Manche Spuren sind auch nur über die Fotografie zu sichern. Beispielsweise Fingerabdrücke in Blut gelegt an Wänden oder so. Die kannst du nicht anders mitnehmen.
Nur mit einem Foto. Und anhand dieses Fotos gibt es dann Identifizierung. Also du musst schon gut fotografieren können, um... Also da ist das Portrait-Fotorecht einfach gegen, würde ich sagen. Ja. Hast du da extra nochmal eine Fortbildung gemacht, so Leichenfotografieren? Nein. Leichenfotografieren nicht.
Es gibt für alle möglichen Bereiche Fortbildungen bei der Polizei. Und ja, ich musste auch für Fortbildungen im Bereich der Tatortfotografie absolvieren. habe ich nicht gebraucht, tatsächlich, weil wenn du in einer Ausbildung oder in einem Studium in diesem Bereich absolvierst, reicht das. Du musst halt sehr viel lernen über eine Tatortarbeit, über das polizeiliche Arbeiten, über den Polizeisprech.
Das kann dir in keinem Lehrgang so richtig gut vermittelt werden. Polizeisprech? Ja, Polizeisprech. Okay, ja. Wenn du aus der freien Wirtschaft kommst, musst du dich da schon umstellen. Beispiel? Fussloch? Nee, wie war das? Beschuter Fuß? Oder nee, ich kannte das von Polizeipresse-Mitteilung, wo ich manchmal gedacht hab.
Beschuter Fuß? Ja, und die Schließacht. Ja, das ist genau, die Acht. Das ist halt die Handschellen. Genau, genau, genau. Genau, solche Sachen. Also, ich weiß nicht. Und die sprechen sehr viel mit Abkürzungen und so. Auch das muss gelernt werden. Aber es gibt natürlich auch Fortbildungen, die wichtig sind, wenn du in einem Bereich eben ... noch nicht so tätig bist oder dahinein möchtest, dann ist es wichtig, dass du Fortbildungen besuchen kannst.
Und die werden halt angeboten. Was hast du denn so noch gemacht als Fortbildung? Also ich habe beim Bundeskriminalamt die Ausbildung zur Daktyloskopin gemacht, also sprich mit den Finger abdrücken, was wir vorhin schon hatten, zu arbeiten. Dann bin ich Luftfahrzeug-Effernführerin und sagte einem jetzt erstmal so nichts.
Einfach gesagt, ich kann Drohnen fliegen. Da musst du theoretische und praktische, wie bei so einem Autoführerschein, musst du das auch eben für Drohnen machen. Dann war ich auf Weiterbildung hinsichtlich eines drei D-Scanners, weil wir vermessen Tatorte. Dafür haben wir Personal geschultes, beziehungsweise ein Ingenieur in dem Fall, das den ich mitunterstütze oder wir.
Und anhand dieses drei D-Scanners und der Drohne kann man zum Beispiel einen dreidimensionales Modell erstellen von einem Außentatort oder so. Du kannst dann in eine virtuelle Tour durch diesen Tatort noch Jahre später machen und du kannst in diesen Modellen, die hinterher anhand der Daten zusammengefügt werden, alles vermessen, was du willst in diesem Tatort.
Zum Beispiel der Winkel, der Schussbahn einer Schussrichtungsbestimmung, eine Volumbestimmung, Entfernung der Tatwaffe zum Leichnamen oder sowas. Ja, und dann werde ich jetzt in zwei Wochen noch die Prüfung zur Dokumentenprüferin absolvieren. Heißt? Ich prüfe Dokumente, die also auf Echtheit. Entweder sind es Fälschungen, Fairfälschungen, Totalfälschungen, Führerschein, Reisepässe, ID-Cards.
Okay, so was. Ich hätte gerne noch eine Frage zu dieser Daktyloskopie, also zu den Fingerabdrücken. Die sind heutzutage immer noch wichtig. Weil es gibt ja viele Methoden, den A-Abgleich und dergleichen, die viel moderner sind, vielleicht auch genauer. Aber ... Nee? Würde ich nicht sagen. Aber frag weiter.
Nee, also sind die wirklich immer noch total up-to-date? Ja, absolut. Und ... Man darf halt nicht vergessen ... Nicht jeder Verbrecher trägt Handschuhe jetzt erstmal. Und ein Fingerabdruck ist halt unveränderlich. Also er bildet sich im regionalen Zustand aus, die Papillaleisten an den Fingern. Wenn wir unsere Finger betrachten, von nahem können wir da so gewisse Linien sehen, die Papillaleisten, die so genannten, kommen die zu einem Abdruck, werden die Papillaleinien genannt und mit diesen Linien arbeiten wir.
Wir machen diese Fingerabdrücke an Tatorten sichtbar. Und nehmen sie mit. Vorher werden sie noch einmal fotografiert, logischerweise. Planparallele Fotografie, was ich vorhin gesagt habe. Weil dann haben wir das Foto, was wir auswerten können und die Spur an sich, die wir mitgenommen haben. Also das Fingerabdruck ist etwas Unverwechselbares.
Gilt das auch für ein eigenes Zwillinge? Echt? Ja. Und deine Fußsohlen, die können das genauso. Ach! Ja, weil... Bei manchen Taten ist es so, dass da ein Eiergezülle sagen, der war es, nur der war es. Das geht nicht. Wenn Fingerabdrücke da sind, ist es klar. Kannst du eigentlich von jeder Leiche Fingerabdruck machen?
Weil die sind ja, wie soll ich sagen, nicht immer so frisch. Also die liegen ja manchmal ein bisschen länger irgendwo. Ja, das ist korrekt. Ja, du hast recht. Also nicht bei jeder Leiche ist das möglich. oftmals müssen wir eine Leichendaktyloskopie durchführen, sprich die Identifizierung über den Fingerabdruck.
Ich erinnere mich da an einen Fall, da hatten wir so eine Leiche, die schon eine Weile in ihrem Zustand in der Wohnung lag. Und dann hieß es ja, wir wissen nicht, wer das ist. Wir haben so eine Vermutung, könntet ihr mal gucken, mithilfe der Leichendaktyloskopie. Ich war selber nicht am Tatort und bin dann zu unserem Bestattungsüberführungsunternehmen gefahren mit einem Kollegen, wo die Obduktionen auch durchgeführt werden.
Wir haben den Leichensack geöffnet und da war klar, nein, hier kann ich definitiv keine Leichendaktyloskopie durchführen. Weil die mumifiziert war oder warum? Nein, der Verwesungszustand war so weit fortgeschritten, dass sie, also Leichen haben ja verschiedene. Verwesungszustände, bis sie an ihrem Endzustand quasi angekommen sind.
Und sie war halt in dem Zustand diese Leiche, dass alles feucht war und sich schon löste. Haut. Okay. Und du konntest halt auch kein Gesicht mehr erkennen. Naja, also, es war augenscheinlich ein Mensch, aber nicht zu erkennen. Es könnte eine Frau sein, könnte aber auch nicht. Also, da war irgendwie nicht viel zu wollen.
Und in dem Augenblick ... bleibt dann nur noch die Möglichkeit, ich habe dann mit den Optozenten gesprochen, dass ich die Handhaut mitnehmen möchte. Du kannst die Haut abstreifen, dann kann man sich das so vorstellen wie ein Handschuh. Die Fingernägel sind auch noch dran und das wird dann sichergestellt, mitgenommen und kann dann relativ gut ausgewertet werden, indem man Teil der Haut, das hört sich jetzt ein bisschen brutal an, aber spürt ja niemand mehr.
Teile des Fingers abschneidet, das oberste Fingerglied beispielsweise. Ich habe mir das dann übergezogen, die getrocknet, mit Adhesionsmittel behandelt, sprich Huspulver und einen Abdruck damit gemacht, einen Fingerabdruck. Also du hast dir die... diese Haut über dein Finger selbst? Ja, ich hatte Handschuhe an logischer Weise.
Die fragen wir ja immer. Aber ja, das ist eine gängige Methode. Das ist eine gängige Methode. In solchen Fällen zu arbeiten. Was ist das für ein Gefühl, sich die Haut eines anderen Menschen, toten Menschen überzustreifen? Habe ich jetzt nicht großartig drüber nachgedacht. Das war ein bisschen seltsam, den Fingernagel auf meinem Fingernagel zu spüren.
Oh mein Gott. Aber ansonsten war ich total happy, dass ich an Superfingerabdruck hatte und wir die Person identifizieren konnten. Das ging hervorragend. Würdest du dich als abgebrüht beschreiben? Weiß ich gar nicht. Hab ich noch nie so drüber nachgedacht. Ich meine, die Arbeit muss ja gemacht werden.
Aber ich weiß nicht, ob ich das könnte. Also ich hab jetzt kein Problem mit, sag ich jetzt mal ... Dinge, die nicht besonders schön aussehen, Dinge, die sich nicht besonders gut anfühlen. Organen oder Körperteilen, ich kann das berühren, alles ist kein Problem. Ich hab nur das Problem mit Gerüchen. Okay, können wir gleich noch mal drauf zu sprechen.
Ich wüsste, vorher erst noch einmal kurz, wusstest du, als du bei der Polizei angefangen bist, auch was du dich da einlässt? dass das so eine heftige Arbeit ist? Also, was ich ganz gut fand damals, du hast das Vorstellungsgespräch ganz normal, wie eben auch in der freien Wirtschaft, wir ist eingeladen, hast das Vorstellungsgespräch und dann wurden mir Bilder gezeigt von schlimmen Tatorten, von ziemlich schlimmen Leichen, von Kindern, von sehr zugerichteten Menschen.
So, und wenn da gibt es schon tatsächlich dann die ersten, die sagen, nee, ach so, das ist dann doch ein bisschen zu heftig. Ach, du wurdest quasi getestet. Ja, also zumindest visuell. Das fand ich jetzt alles überhaupt nicht schlimm. Man guckt ja auch Filme und so, klar ist die bewusst, dass das echt ist.
Aber das hat mich jetzt nicht großartig berührt irgendwie. Habe ich dann auch gesagt, dass ich damit gut klarkomme und dann, ja, gut. Und mich halt eingestellt worden erst mal. Dann hast du ja noch eine Probezeit, in der kannst du auch noch mal gucken, ob das alles so funktioniert. Und wenn du da schon, naja, die ersten Empfindungen hast, dass dich etwas stört, dann solltest du den Job nicht machen.
Dann solltest du auf dein Gefühl hören. Ja. Du hast die Obdokturen ja schon angesprochen. Und die Gerüche. Kannst du ... Mal beschreiben, wie das war, als du das erste Mal an einer Obduktion teilgenommen hast. Wie lange hat das gedauert? Bist du da direkt ins kalte Wasser geblieben? Ich glaube, das waren drei, vier Tage oder sowas.
Echt? Nachdem du angefangen hattest? Ja. Also, das war eigentlich gut, ne? Dann konnte man halt gleich erkennen, ist das was oder besser doch nicht. Ja, das war ne... Ja, eine sehr eindrucksvolle Woche, die eine Mordkommission gab's, da bin ich dann mitgefahren. Einen Leichnamen musste ich mir angucken und dann am Ende dieser Woche noch die Obduktion.
Also gleich mittendrin. Wer führt hier eigentlich Obduktionen durch? Gibt es im Bielefeld Pathologen, die das machen? Wir arbeiten mit der Rechtsmedizin Münster. Ach, die kommen aus Münster dann hergefahren? Genau. Wenn in Bielefeld etwas passiert, es gibt auch, sagen wir mal, in Paderborn passiert etwas, dann ist es nicht immer so, dass der Leichnam nach Bielefeld transportiert wird.
Es gibt in jedem Bereich Möglichkeiten, zu obduzieren. Aber die Pathologen kommen aus Münster. Gut, wie läuft dann jetzt so eine Obduktion ab? Ist das so wie im Fernsehen? Wie ist es denn im Fernsehen? Im Münster-Tartort, wenn die Pathologen ja jetzt schon aus Münster kommen, da liegt dann immer so eine Leiche mit diesem... Typisch Y-Schnitt, genau.
Aber da ist ja im Grunde schon alles gelaufen. Naja, das wäre jetzt auch ein bisschen Hardcore um zwanzig Uhr fünfzehn zu zeigen, wie so eine Obduktion ist im Vorfeld. Naja, so ist es ja halt nicht. Also klar, die Herrschaften im Fernsehen haben natürlich dann schon ihre Lösungen. Der Leichnam liegt da, der Polizist kommt und fragt, was da los gewesen.
Bei uns ist es so, dass mit dem Eintreffen der Obduzenten auch immer oder meistens der Leiter der Mordkommission dabei ist als Zeuge. Das ist ganz wichtig. Und ja, dann gibt es erst mal eine Leichenschau. Die Leiche wird von den Obduzenten erst mal eine Augenschein genommen, beschrieben, dokumentiert, die Verletzung.
Ja, und dann geht es los, ne? Dann wird der Bauchraum eröffnet, dann werden Organe entnommen, dann geht es an den Schädel. Der wird auch eröffnet. Ja. Aufgesägt. Aufgesägt. Ja, um es ganz krass zu werden. Dafür wird erst die Haut des Gesichtes vom Stirnbereich nach unten gezogen. Ich sag mal, die Schädeldecke wird abgesägt, das Gehirn wird entnommen, gewogen, es werden Proben entnommen.
Ja, und ja, es wird halt mit dem Leichnam gearbeitet und nach einer gewissen Zeit, also für mich ist das jedenfalls so, sieht dieser Mensch nicht mehr aus wie ein Mensch, der dort auf dem Tisch liegt. Es ist unglaublich interessant, weil du unglaublich viel über einen Menschen lernen kannst, der erzählt nach dem Tod sehr, sehr viel über seinen Körper.
Und wenn man, ich sag mal, medizinisch dran geht, dann ist das relativ gut zu ertragen. Und je skurriler der Mensch sich auf diesem Tisch entwickelt, dass du einfacher ist, es auch anzuschauen. Was heißt ins Kurier? Na ja, also je mehr aufgeschnitten wird und entnommen wird und also du siehst nicht mehr wirklich einen Menschen dort liegen.
Ich jedenfalls nicht. Und ganz am Ende ist es wieder ein Mensch mit Y-Schnitt. Aber ohne Gehirn? Na ja, das kommt ja wieder zurück. Ah, okay. Entschuldigung, wenn ich zwischendurch immer so ein bisschen... Lache. Also das ist eine Übersprungshandlung. Das hört sich vielleicht ein bisschen flapsig an, so wie wir über Obduktionen reden und vergleichen.
Immerhin geht es ja immer um Menschen, die Opfer von Gewalt verbrechen geworden sind. Und wir wollen nicht pietätlos sein, aber manchmal Kann man, also mir geht das auf jeden Fall so, mit Humor und Lachen, so das Schrecklichste, sich etwas vom Leib halten. Gibt's dir denn auch so, ist das manchmal auch bei einer Obduktion so, dass dann ganz normale Gespräche laufen und auch mal gelacht wird?
Ja, natürlich. Das ist genauso wie bei Operationen, würde ich sagen. Also ich bin kein Arzt, aber ich denke, das ist halt ein Job für diese Menschen. Und sie wollen zu irgendwelchen Lösungen kommen über... ihre Arbeit über diesen Körper. Und es ist für sie einfach eine Tätigkeit. Klar, wenn man das jetzt emotional betrachtet, bin ich wieder an dem Punkt, wo ich sage, es geht nicht.
Dann kannst du diesen Job nicht machen. Aber vielleicht wäre es auch mal interessant, einen Rechtsmediziner einzuladen. Ja, gucken wir mal, ob wir da jemanden finden. Das kenne ich auch ganz spannend. Aber um auf deine Erfahrungen bei Obduktionen zu sprechen zu kommen, was ist denn da das Schlimmste für dich, du sagtest?
Der Geruch, ist das das? Ja, auf jeden Fall. Es ist immer der Geruch. Immer noch nach all den Jahren. Und es wird nicht besser. Also in dem Augenblick, wo der Bauchraum eröffnet wird, bin ich eigentlich schon durch. Da funktioniert es halt nur so, dass du dreimal durch die Nase, oder nein, andersrum, dreimal durch den Mund und dann durch die Nase atmen weiter, dann kannst du es einigermaßen ertragen.
Du darfst den Raum auch nicht verlassen. Weil wenn du dann wieder reinkommst, dann ist das... Schon hart, aber es ist genauso mit Leichnamen, die ich am Tatort habe. Kannst du diesen Geruch mal beschreiben? Nein, das funktioniert nicht. Ich denke, wenn ein Mensch diesen Geruch wahrnimmt, dann weiß er, was es ist.
Und wie lange dauert das, bis du diesen Geruch aus der Nase wiederhast? Bei mir jedenfalls. Also sagen wir mal, ich bin vormittags bei einer Obduktion oder ich arbeite vormittags an der Leiche, hab ich abends, wenn ich zu Hause auf dem Sofa sitze, das immer noch. Echt? Ja. Ach du. Aber ich bin auch sehr sensibel, muss ich sagen.
Setzt sich das auch in den Klamotten fest? Ja, natürlich. In den Haaren, in den Klamotten. Nein, echt? Das heißt, du kommst nach Hause, gehst unter die Dusche und die Klamotten gehen in die Wäsche? Ja. Okay. Gut. Ähm... Wie viele Obduktionen hast du ungefähr gemacht, weißt du das? Oder warst du manchmal?
Oder an wieviel Tatworten du warst? Das kann ich auch nicht sagen. Ich weiß auch nicht, wie viele Leichname ich hatte. Ich kann mich an einigen natürlich sehr gut erinnern. Andere wiederum brauche ich dann so ein bisschen Starthilfe, wenn ich noch mal in den Unterlagen lese oder ähnliches. Aber nein.
Also ich komme... Also was die Leichen angeht, im Laufe der Jahre auf jeden Fall... Ich weiß es nicht, so um die Drehe auf jeden Fall. Danni, um nochmal auf deine erste Obduktion zurückzukommen. Wie waren eigentlich die Reaktionen deiner Kolleginnen und Kollegen, als du dann wieder zurück ins Büro gekommen bist?
Weil die hatten im Grunde ja alle genau das gleiche schon mal durchgemacht. Ja klar, in dem Augenblick war ich halt der Rookie und alle waren irgendwie interessiert. Nur, wie hot ist denn weggesteckt? So ungefähr ist die Leichen fest, kann die hier arbeiten? Ja, und dann haben sie mich alle ganz fragend angeguckt, also zumindest meine beiden Vorgesetzten.
Und, ja, und dann habe ich halt gesagt, ja, ist okay, ich kann das machen. Ja, und seitdem bin ich da halt. Und bisher bisher immer noch keine Probleme. Also bei manchen kommt das im Laufe der Jahre, dass sie nicht mehr so gut damit umgehen können, da bin ich noch nicht. Aber für dich war klar, ich kann den Job machen.
Ja. Sie sind ein wichtiger Bestandteil der Ermittlungsarbeit bei der Kriminalpolizei. Die Frauen und Männer der Spurensicherung sind die Ersten am Tatort. Sie nehmen Fingerabdrücke, fotografieren Opfer, Fußspuren, blutige Handabdrücke. Daniela Boos ist so eine Spurensichererin. Die gelernte Bürokaufrau und studierte Fotografin ist eine von vielen... sogenannten Quereinsteigern bei der Polizei.
Durch Zusatzausbildungen beim LKA in Düsseldorf oder dem BKA in Wiesbaden hat sie gelernt, Spuren zu lesen und zu dokumentieren. Als Spurensichererin ist sie ein wichtiger Bestandteil im Team der Mordkommissionen im gesamten ostwestfälischen Raum. Ja, und das war es für heute mit dem True Crime Podcast der neuen Westfälischen.
Redaktion hatte Michaela Heinze und zu Gast war die Tatortfotografin Daniela Bus. Vielen Dank, Dani. Gerne. Dankeschön. Weitere packende Kriminalfälle aus unserer Region auch jederzeit auf nw.de und in der nw-plus-app in der Serie OVL Crime. Wir freuen uns über Fragen, Anregungen und Kritik zu diesem Podcast und natürlich über Wünsche, welche Ostwestfälle wir demnächst für euch besprechen sollen.
Schreibt uns eine E-Mail an podcasts.nw.de. Mein Name ist Begit Gottwald, bis bald.