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OstwestFälle - der True-Crime-Podcast der Neuen Westfälischen

Tod im Supermarkt: 16-Jähriger aus Lemgo stirbt bei Messerangriff

Donnerstag, 25. Juni 2026 · 35 min

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Shownotes

Die Tat schockierte ganz OWL: Ein 16-Jähriger wird in einem Supermarkt niedergestochen. Der Täter ist psychisch krank und fühlte sich verspottet. Was genau geschah an diesem Abend?
Was als gewöhnlicher Einkauf in einem Supermarkt in Lemgo-Brake beginnt, endet mit einer tödlichen Messerattacke. Ein 16-Jähriger stirbt im Kassenbereich – und eine ganze Kleinstadt steht unter Schock. Der psychisch kranke Täter, ein 33-jähriger Mann, hatte das Gefühl, dass sich eine Gruppe Jugendlicher über ihn lustig gemacht hat. Daraufhin geht er mit einem Messer auf sie los.

Ostwestfälle S4 | E41: Tod im Supermarkt: 16-Jähriger aus Lemgo stirbt bei Messerangriff

Gast: LZ-Redakteurin Janet König
Redaktion: Gina Köhler

Mehr zur Serie "OWL Crime" findet ihr unter: nw.de/themen/nachrichten/owl-crime

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Der Sechzehnjährige will noch irgendwie um die Kurve und in den Markt weiterflüchten. Steupert aber, kommt also im Kassenbereich zu Fallen. Und das ist eben der Moment, den der Täter ausnutzt, um aufzuschließen. Er nimmt das Messer und sticht zweimal zu. Einmal in die Brust und einmal in den Kopf. Der Jugendliche stirbt unmittelbar, es gibt gar keine Chance.

Ost-Westfälle – der True Crime Podcast der Neuen Westphädischen. Wir sprechen mit Opfern, Zeugen, Richterinnen und Richtern. Und mit den Berichterstattern der NW. Spannend, nahe und made in OWL! Es ist der Abend des zwanzigsten Oktoberstes, zwei-tausendfünfundzwanzig. Drei Jugendliche sind mit ihren Rollern im Lämgo unterwegs.

Auf dem Parkplatz eines Supermarkts im Ortsteil Prage treffen sie auf den dreidreisigjährigen Lukas W. Der bildet sich ein dass die Jungs sich über ihn lustig machen, ihn auslachen. Rasend vor Wut geht Lukas Wehe in seine Wohnung und kommt mit einem Messer zurück. Was dann passiert, schockt nicht nur die Menschen in Limbo- und Umgebung sondern den bundesweiten Thema in den Medien.

Dieser tragische Fall ist diesmal Thema bei den Ostfestfällen. mein Name ist Birgit Gottwald und im Studio ist Janett König Redakteurin bei der libyschen Landeszeitung. Hallo Janett! Hallo Birgel! Janett du hast zusammen mit zwei Kollegen den Fall von Anfang an begleitet. Tragisch ist dieser Fall weil ein junger Mensch sterben musste völlig grund- und sinnlos.

Ich kann mich noch an die Schlagzeilen erinnern, ein sechzehnjähriger in Supermarkt erstochen. wie und wann hast du von der Tat erfahren? Also ich persönlich war gar nicht im Dienst. es war diesmal allerdings ganz anders. normalerweise bekommt man sowas natürlich über die Polizei die Pressestelle mit.

das gibt einen Hinweis ist ein großer Einsatz läuft und in diesem besonderen Verfahren war so dass eine Kollegin die auch ebenfalls Urlaub hatte gerade einkaufen wollte Genau. Und an dem Abend auf diesem Supermarktparkplatz quasi auffuhren und noch mitbekommen hat, wie der Täter also Lukas Wehe von einer Polizistin gerade fixiert worden ist.

Sie dachte sich in dem Moment, ich hab gestern noch mal extra mit ihr gesprochen eigentlich. Das wird wahrscheinlich ein Liebstahldelikt gewesen sein, irgendeine kleinere Geschichte. also hat sich jetzt nicht so davon einnehmen lassen und wollte weiter einkaufen. und ja da kam quasi schon die ersten Zeugen die eben gesagt haben gehen sie bitte lieber nicht rein das gerade was Furchtbares passiert.

und so entwickelte sich dann natürlich die Situation vor Ort. Das ist natürlich ganz schön heftig. Janet, kannst du uns den Tatort mal beschreiben? Du warst jetzt nicht selbst vor Ort, sondern die Kollegin. Ich war in der Tatnacht oder an dem Tatabend nicht da, bin natürlich an den Tagen danach oft da gewesen und kenne auch diesen Supermarkt sehr gut.

Es liegt im Lemgua-Ortsteil Bracke ein... darf man das hier sagen, ein Edeka-Markt. Ein großer Parkplatz. Dann gibt es da noch einen DM und Döner im Bus wo natürlich auch ganz oft Jugendliche sich einfach mal nach der Schule oder am Nachmittag was holen. also so ein bisschen stetiges... ankommen. und ja mitten quasi in mitten im leben mit dem lebenshause kann man es ganz gut sagen der eigentliche tatort ist aber im supermarkt im kassenbereich.

da muss es ja wirklich viele zeugen auch gegeben haben. ja also das war ja noch ganz normal offen. wie spät war's da eigentlich? Es waren sich vor dreißig. Also wäre nicht mehr lange offen gewesen. Es war auch nicht mehr sehr viel los, aber natürlich war noch das gesamte Personal da und einzelne Kundinnen und Kunden – es haben wirklich einige diese furchtbar sinnlose Tat mit ansehen müssen.

Und noch dazu gab's natürlich, dass ist in einem Supermarkt! ja, üblich Überwachungskameras im Kassenbereich dort wo es quasi passiert ist und auch auf dem Parkplatz. Also der Tartehrgang an sich, der war nicht abzustreiten. Wie waren eigentlich die Reaktionen der Menschen in Lemko-und Umgebungen? Also Lemko is ne Kleinstadt ich will nicht sagen da kennt jeder jeden.

also ein bisschen ist das aber schon so... Genau! Es sind um die vierzigtausend Einwohnerinnen und Einwohner. Also klar in Lemco ähm da ist die Welt noch in Ordnung. Ich glaube Da erwartet man natürlich nicht, dass so was jetzt einfach im Alltag passiert. Das erwartet natürlich niemand von uns. Man kennt diese Nachrichten eher aus Großstädten oder wo einfach viel mehr Menschen leben, wo natürlich viel mehr Konfliktpotenzial ist.

Das war ein riesengroßer Schock. also ich habe ganz oft den Satz gehört wie kann das sein? Warum hier? Genau es hat sich eine sehr große Schwere einfach über den ganzen Ort gelegt, kann man zu sagen. Es gab auch sehr viel Hilfe. Ja, genau also man muss sich das so vorstellen diese Schockstarre die hat sich sehr schnell irgendwie umgeschlagen und natürlich wollten die Menschen was tun.

Angehörige haben versucht auch Spendenaktionen zu organisieren. da ist unfassbar viel natürlich gegeben worden. Das macht natürlich den Verlust nicht ungeschehen. aber Man kennt das vielleicht selber, wenn man sich so hilflos fühlt. Fühlt war das irgendwie ein Mittel zumindest irgendetwas zu tun. und es hat sich auch wahnsinnig schnell einen Trauerort dann gestalt.

Das wurden Blumen aufgestellt, Kerzen, Bilder des Getöteten. Da sind seine Freundinnen, Freunde alle hingegangen um irgendwie so'n Ankerpunkt zu finden ihre Trauer auszudrücken. also ja... Es gab Gottesdienst danach, die Schule hat reagiert. Und es waren ja Herbstferien gerade und haben versucht irgendwie einen Trauerraum einzurichten damit man natürlich auch die Kinder- und Jugendlichen nicht allein lässt.

damit also... Lass uns jetzt mal über die Tat selbst reden! Es ist Abend, es ist vermutlich kalt und dunkel und der spätere Täter Lukas Wee und die Jugendlichen treffen aufeinander. Und Lukas Wee hat das Gefühl Die lachen über mich. Ja, also eigentlich beginnt die Tat schon am Nachmittag muss man dazu sagen Lukas W., der kann man jetzt auch schon sagen eine Drogenproblematik hat, psychische Probleme, er hat keinen Cannabis mehr zu Hause.

Es funktioniert auch nicht, er kann es nicht besorgen. Zugverbindung nach Bielefeld ist irgendwie funktioniert nicht. Er nimmt nur Amphdermine geht raus und will spazieren gehen. In der Nähe des Supermarks kommen ihm diese drei Jugendlichen auf einem blauen Roller entgegen. Und das ist irgendwie eine zufällige Begegnung, scheint aber der Schlüsselmoment gewesen zu sein ... Weil er in dem Moment das Gefühl bekommt, die gucken mich komisch an, die lachen über mich und machen sich lustig.

Hinterher wird er sagen, dass er nicht weiß, ob er sich das selbst eingebildet hat im Moment. Also es gab keinen äußeren Anlass konkret. Und dann geht er in den Supermarkt, trifft dort auch noch in einen der Gänge irgendwie auf die Jugendlichen. Das passiert allerdings nichts mehr. Er holt sich eine Flasche Daniels Cola oder Whisky Cola, trinkt ihn noch... ...geht nach Hause und holt ein Küchenmesser.

Also er wohnt ungefähr einen Steinwurf vom Supermarkt entfernt. Das hat nicht lange gedauert. Dann kehrt er zurück auf dem Parkplatz und wartet! Man sieht das auch in den Kamerabildern, er tigert ein bisschen nervös rum. Man weiß nicht so recht was macht diese Person da? Und als die drei Jugendlichen, die gerade Döner essen waren wieder zurückkommen zu ihrem Roller ... Der Roller stand quasi direkt vor dem Eingang des Supermarktes.

Greifte das Messer zieht es aus der Hosentasche und sprintet auf die Gruppe zu. Die sind natürlich vollkommen perplex, überrascht was da gerade passiert. Der sechzehnjährige schubst seinen Angreifer noch zur Seite hält ihn auf Abstand Lukas Weh stürzt verletzt sich dabei so noch kugelt sich irgendwie den Finger aus Daraufhin.

die Jungs wissen natürlich sofort das ist irgendwie irgendwas läuft ganz schief. Sie sprinten also direkt los, wollen flüchten. zwei direkt in den Supermarkt einer läuft noch neben der Eingangstür her und Lukas weh und das sieht man auch ganz deutlich auf den Kamerabildern Der richtet sich sofort auf stürmt quasi den Jungs nach.

Und dann kommt es zu einer Szene, die wir Gott sei Dank nicht gesehen haben und sich auch hinterher mit Anhand der Kameraaufnahmen im Gericht anschauen mussten. Der sechzehnjährige will noch irgendwie um die Kurve und in den Markt weiterflüchten, steupert aber kommt also im Kassenbereich zu Fallen. Und das ist eben der Moment, den der Täter ausnutzt, um aufzuschließen.

Er nimmt das Messer und sticht zweimal zu. Einmal in die Brust und einmal in den Kopf. Der Jugendliche stirbt unmittelbar, es gibt gar keine Chance. Also ... Ich hab später nur die Aufnahmen von außen gesehen. Es muss so schnell gegangen sein, das waren vielleicht ... es war nicht mal ne Minute. Da kommt Lukas Weh schon.

Er geht ganz ruhig aus dem Laden und ruft noch was wie ich hab grad jemanden umgebracht. Ihr macht euch nicht mehr lustig! Also so hat er's ein bisschen auch später bei Gericht nochmal eingeordnet. Der konnte sich da noch ganz gut dran erinnern. Lutige Hände natürlich. Und ja dann hat der letztendlich einfach nur gewartet bis ihn ... jemand festgenommen hat.

Die Polizei war auch relativ schnell dann da? Genau, also die kassiereren Supermarkt haben natürlich sofort dann auch bei der Polizei gerufen. das war vielleicht noch ein sehr bemerkenswerter Moment. es war auch eine Polizistin direkt im Laden als es passiert ist allerdings privat Also gar nicht in dieser, in der Rolle.

Und die hat später vor Gericht auch ausgesagt und war sowas von angefasst weil sie auch meinte ja ich konnte in dem Moment gar nichts machen ist zu spät. Ich hatte meine normalerweise in der Uniform da funktioniert man da hat man irgendwie dann den Auftrag, aber sie hat sich so hilflos gefühlt. Das war schon Wahnsinn, obwohl es die selbst auch eine sehr erfahrene Beamte ist was das auch im Nachgang mit ihr gemacht hat und natürlich auch allen anderen Menschen die das haben mit ansehen müssen.

Oi! Das ist schon hart hat Tobak und alles ist dokumentiert durch die Supermarktkameras? Genau also im Kassenbereich gab es Kameras. man kann auch die Szene von draußen sehen wie eben der Täter Lukas Weh auf die Jugendlichen zustürmt, aus dem nichts tatsächlich. Man sieht nicht genau diesen Moment des Schubsens also aber das hat auch der Teter selbst noch mal eingeräumt ne?

Wie es gewesen ist. Die Jugendlichen haben das so bestätigt. ja also am Tatheergang und Ablauf da... Ist nix zu rütteln! Und so wichtig ich jetzt verstanden habe Lukas weh war einfach nur sauer weil er vermeintlich ausgelacht wurde. Kannten sich Täter und Opfer vorher, weißt du das? Nein. Die kannten sich nicht.

Also ... Er war einfach nur sauer als Verleichterchen. Ja! Okay... Man kann es nicht nachvollziehen. Es ist kein gesundes Motiv. ist natürlich durch seine psychische Erkrankung, in dieser Stelle vielleicht nur kurz angemerkt. Es ist klar, dass er eine Schizophrenie leidet auch schon sehr viele Jahre und natürlich durch den Drogen-Konsum, den Drogemissbrauch da vieles in ihm kaputt gegangen ist.

Und ... Dieser Moment war eher ein inneres Erleben. also es gab keinen Auslöser von außen. Er hat die Jungs gesehen und etwas in ihm hat sich zu so einer unwendigen Wut angestaut. Bevor wir weiter über den Täter sprechen, würde ich gerne jetzt einmal über das Opfer sprechenden Sechzehnjährigen. Was weißt du über dem?

Ja der Sechzenjährige ist wütend in Lemko aufgewachsen. Er ist der älteste von vier Geschwistern. an die Eltern und auch der... Opferanwalt, die haben ihn als einen sehr liebevollen Jung beschrieben. Eher so ein Typ Mensch der auch die Kinder eingeladen hat zum Geburtstag, die sonst irgendwie keine Freunde hatten.

Er hat sein Kindergeld mit einem Patenkind in Afrika geteilt und hatte auch richtig Pläne fürs Leben. Hat gerade seinen Facharbitur gemacht und wollte im Sommer eine Ausbildung zum medizinisch-technischen Laboranten beginnen. also ja er hatte schon richtig... Ein Plan vom Leben. Keiner der provoziert oder so, der will einfach sein Leben leben ein ganz netter Kerl?

Ja also es ist das was wir über ihn kennengelernt haben muss man schon sagen. Also Lukas wird gleich nach der Tat festgenommen. Was ist bis dato über den bekannt? Du sagtest schon er hat einen Drogenproblem. Er ist aber auch Polizei bekannt. ja also man muss sagen nach dem dieses Tötungsdelikt passiert ist, geht natürlich eine unfassende Maschinerie los.

Also der Staatsanwaltschaft Detmold ist auch sehr dran gelegen diesen Fall zur obersten Priorität zu machen. das heißt es wird sofort ermittelt und relativ schnell wissen natürlich auch die Ermittler wer Lukas Weh ist dass er ja auch schon mal polizeilich aufgefallen ist eben wegen anderer delikte Betäubungsmittel Diebstahl da waren jetzt aber nicht schwere Körperverletzungen oder dergleichen dabei.

also Es gibt schon einen frühen Hinweis darauf, dass es eben diese psychische Erkrankung gibt. Die später auch als eine Schizophrenie diagnostiziert wird. Was natürlich noch wichtig ist, das wird eine Blutabnahme direkt am Tatort durchgeführt weil man davon ausgeht irgendwas kann hier jetzt nicht stimmen und die Untersuchung dauert relativ lange.

aber letztendlich kommt dann das Ergebnis heraus jetzt ohne ins Detail zu gehen und schon sagen, dass er eine erhebliche Menge an Amphetaminen im Blut gehabt hat. Und auch eben noch Reste von Cannabis. Das war auf jeden Fall eine Menge die einen Menschen der das nicht gewöhnt ist also diesen ständigen Drogenkonsum schon ziemlich aus den Angeln geworfen hätte.

Du hast gesagt es gab viele Zeugen. Hast du mit Zeugen auch sprechen können? Ich persönlich war ja nicht direkt am Tatort und das wäre auch glaube ich in der Situation nicht angebracht gewesen, weil natürlich alle unter Schock standen. Wir haben natürlich viele Zeugen erlebt später im Prozess. Auch eine Kollegen die auch am Tatord war hat gerade in diesem Supermarkt gearbeitet, die kannte also auch noch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die eben unmittelbar betroffen waren ein großer Schock gewesen und etwas, was sich so eingebrannt hat.

Also viele haben trotzdem weitergearbeitet. auch eine Mitarbeiterin berichtete dass sie eigentlich normal weiterarbeiten konnte und wollte aber dann letztendlich kam es irgendwie paar Monate später mal zu einer Situation das ich Jugendliche da gekabbelt habe oder einfach nur irgendwie Spaß gemacht haben.

muss sie wohl in dem Moment so getriggert haben, weil es ja eigentlich wieder diesen Flashback gab an die Situation. Die auch keiner für möglich gehalten hätte, dass sie seitdem krankgeschrieben ist und einfach nicht mehr arbeiten kann. Haben die psychologische Hilfe bekommen? Ja auf jeden Fall. also es gab unmittelbar.

auch kurz nach der Tat war die Notfallseelsorge der Landeskirche vor Ort hat Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gestellt. Die waren da und haben zumindest angeboten mit den Menschen zu sprechen. Und ich glaube, das ist in solchen Momenten auch wichtig und das Einzige was machen kann. Wir haben Seelsorger erzählt dass es eben ja ganz individuell ist und man nur das Angebot eben unterbreiten kann.

Ich bin da, ich höre zu und sag alles was du möchtest und wenn du nicht reden möchtes ist auch okay. Lukas Weh wird wegen Mordes aus Heimtücke angeklagt so hieß es zur Anfang. auf jeden Fall der Prozess vor dem Landgericht Detmolsch startet am neunzehnten März-Zweißen-Zwanzig, also fünf Monate nach der Tat.

Warst du beim Prozess dabei? Wie war die Stimmung im Saal? Ich glaube, alle haben sich gefragt. Was ist das für ein Mensch der dort auf der Anklagebank sitzt? Also es war sehr angespannt. Das waren natürlich vor allen Dingen angespannt weil auch die Eltern Mutter und Vater als Nebenkleger im Saal waren.

Die haben lange überlegt ob sie überhaupt das durchstehen können. Fanden aber dann doch wichtig da zu sein und eben auch für die eigene Aufarbeitung mitzuerleben Und das ist natürlich eine Atmosphäre schwer zu beschreiben ist, die aber so ein Verfahren dann auch bestimmt und trägt. Es waren viele Menschen natürlich da, die einfach wissen wollten was es da passiert?

Warum das Ganze? Und dass Medienaufkommen war vermutlich auch sehr groß? Ja ja natürlich genau. also das ist dann auch ein Fall wo jetzt nicht nur die Lokalpresse den begleitet sondern sich natürlich auch andere Medien interessieren. Lukas Weh legt vor Gericht ein umfassendes Geständnis ab und erzählt von seiner langen Drogenkarriere.

Da hattest du ja gerade auch schon drauf eingegangen, soweit so gut! Aber was erzählte er über den Tatabend? Das wüsste ich gerne noch mal... Also wie hat er diese grausame Tat erklärt?! Ja also das war für mich einer der bemerkenswertesten Momente weil der war so reflektiert und hatte es in einer Ruhe Erzählt, er konnte sich noch genau an alles erinnern.

Wie er an den Jungs vorbeigegangen ist ... dass er das Gefühl hatte, sie machen sich lustig und wie das dann auf einmal in ihm gearbeitet hat. Und hat auch ganz ehrlich dann nochmal gesagt ich weiß gar nicht ob da überhaupt irgendwie was war, ob da ein tiefer Blick gewesen ist also dafür das natürlich von vornherein im Raum stand schuldunfähig könnte sein.

war der so abgeklärt und hat das unbeschönigt und im Detail erklärt, dass mich da schon sehr beeindruckt hat. Er hat selber gesagt es war eine sinnlose und barbarische Tat. also und das ist letztendlich genau anders kann man diese Tat auch gar nicht auf den Punkt bringen. Und es hatte auch nichts mit dem sechzehnjährigen Opfer zu tun.

Der Junge war zur falschen Zeit am falschen Ort. Könnte man das so sagen? Ja, das auf jeden Fall. Also er war zur falschen Zeit am falschen Ort. Lukas Wehr hat sich dann noch dahingehend eingelassen, dass er natürlich in der Situation erst mit den Messer auf alle drei losgestürmt und er wurde jetzt von dem sechzehnjährigen geschubst.

Dass er sich da vielleicht schon ein bisschen ausgeguckt hatte, also ihn speziell verfolgt hat in dem Moment weil er sich halt in dem Moment gewährt hat. Aber letztendlich, es gab keinen äußeren Anlass, es gibt keinen Streit, die kannten sich nicht... Es ist eine Tat, die ohne jeden Grund passiert ist.

Diese beiden anderen Jungs waren ja auch im Gerichtssaal? Ja und die waren da, haben auch als Zeugen ausgesagt. Noch Kinder! Also das ist ... Ja, so das Schlimme. Die mussten irgendwie mit ansehen wie die gehen alle da rein und ihr Freund kommt nicht wieder. Der Vorsitzende Richter hat es auch relativ kurz gehalten.

man musste sie ja auch nicht in aller Einzelheiten befragen. die waren also sehr angespannt hatte ich den Eindruck und haben nur kurz eben das geschildert was letztendlich auch alle anderen bestätigt haben und andere ja genau und konnten dann auch wieder gehen. dass Lukas Wehe zugestochen hat, steht außer Frage.

Was allerdings fraglich ist war der Mann zum Tatzeitpunkt schuldfähig oder nicht? und deshalb wird auch vor Gericht mit Spannung das psychiatrische Gutachten erwartet. Das kommt am zweiten Tag und es ist auch der letzte Prozesttag. da wird er Gutachter gehört und er bezeichnet die Kindheit und Jugend von Lukas weh als Prolog einer Tragödie.

Warum nennt er das so? Und was stand in diesem Gutachten drin?". Ja, der psychiatrische Gutachter Dr. Karl Ernst von Schönfeld hat sich sehr viel Mühe gegeben mit dem Verfahren und das auch sehr eindrücklich geschildert ist ja gar nicht so einfach, dass manch mal als Laie, als Nicht-Psychiater alles irgendwie zu verstehen.

letztendlich hatte er ganz ordentlich beschrieben für eine Kindheit Lukas weh hatte. Als Kind von psychisch kranker Eltern, die Mutter selbst an Schizophrenie erkrankt, die Eltern trennen sich auch früh erwächst beim Vater auf ein Lehrer, den er als etwas kalt distanziert bezeichnet wird gemobbt fängt mit zwölf schon an zu kiffen also schon Drogen zu nehmen, was natürlich für ein junges Gehirn in der Entwicklung gerade mit einer Vorbelastung, also einer psychischen Erkrankung nicht förderlich ist.

Und er hat ganz anschaulich geschrieben, dass es quasi auf diese Katastrophe hingesteuert. In den letzten Jahren gibt's schon mal einen Klinikauferenteil. Damals war er schon mal in Lukas W. in der Psychiatrie, weil er eben auch Probleme mit plötzlicher Aggressivität hatte und es gibt sogar eine Notiz, das schon mal eine Bedrohungssituation mit Jugendlichen gegeben haben soll.

also ... Ja, man weiß schon, dass er vorbelastet ist. Und das Problem natürlich in der Geschichte ist, dass da nicht nur diese psychische Erkrankung, die Schizophrenie, die diagnostiziert ist, sondern eben auch ... Die Drogensucht, die sich entwickelt hat. Der Gutachter hat es so zusammengefasst, dass man am Anfang versucht, Symptome Stimmen im Kopf zu betäuben mit Haschisch und Drogen.

Und erst funktioniert das ganz gut. Und irgendwann schlägt das um und wird natürlich ... einfach macht alles nur noch schlimmer. Und letztendlich kommt ja auch zum Schluss, dass Lukas Wehe in einem völlig psychotischen Zustand gehandelt hat und überhaupt nicht ... Also er kann nicht ausschließen, dass er komplett ohne jegliche Kontrolle die Taten begangen hat und in dem Moment also komplett schuldunfähig war.

Aber nicht jeder Mensch in so einem psychotischem Zustand sticht einen anderen Menschen ab! Ja, genau. Also es ist natürlich ... psychische Erkrankungen, gerade Schizophrenie. Ähm, er hat's so beschrieben... Da ist es schon von Anfang an eine zehnfach höhere Gewaltbereitschaft eventuell gegeben. Gerade im Zusammenhang mit Brogen steigt das Potenzial dann irgendwie auf Vierzigfache oder zumindest das Gefahrenpotenzial.

Das heißt nicht um Gottes Willen und darf man auch nicht stigmatisieren, dass so eine Erkrankung immer zu Gewalttaten führt. Aber Unbehandelt, wenn man dann eben allein gelassen wird bzw. dann noch versucht irgendwie mit Drogen zu experimentieren ist das natürlich ein Pulverfass. und so war es letztendlich auch bei Lukas Weh.

also der Gutachter hat lange überlegt. Es gibt eben noch gewisse Indizien die auch dafür sprechen würden dass ja Lukas W doch schon noch sehr klar her seiner Sinne war einfach die Tatsache dass er das Messer auch hat jetzt nicht im Effekt aus Wut gehandelt, sondern es gibt irgendwie so eine Zeitspanne, wo er durchaus wieder hätte bei sich oder zu sich kommen können.

Aber das innere Erleben und er beschreibt es so dass eine Schizophrenie ist als würde dann so das seelische Gefüge in alle Einzelteile zerbrechen und es wäre unaushaltbar. also man kann sich das irgendwie gar nicht richtig greifen. Zum Glück ein gesunder Mensch, aber da muss ich etwas irgendwie in ihm aufgebaut haben.

Was er offenbar nicht mehr halten konnte und nicht mehr steuern konnte. Und er hatte auch keine Leute die ihm geholfen haben? Freunde, Familie ... War der ganz alleine? Nein! Also das so gesehen nicht. Er hatte eine gesetzliche Betreuung Die oder der, das kann ich jetzt leider nicht mehr genau sagen.

Die sollte auch auf jeden Fall aussagen eigentlich und hat dann aber aus Zeitgründen abgesagt was natürlich auch irgendwie einfach Fragen aufwirft. wie die Betreuung funktioniert hat muss man ja ganz ehrlich sagen. also es war sehr anschaulich es waren nämlich wirklich eine gute Freundin von Lukas Wehe noch vor Gericht hier ausgesagt hat.

kurz vor der Tat war er bei ihr und sie hat auch gesagt dass recht komisch labil vorkam. Also in sich gekehrt, so vollkommen hoffnungslos ... ne? Er hatte sich irgendwie ja ... in eine Spirale reingefressen und nach dem Spaziergang hatte sie am Ende zwar das Gefühl, okay, er kommt ... Sie hat ihn wieder aufgebaut und daraus geholt.

Aber trotzdem als dann die Starkzeilen aufploppten zwei, drei Tage später war sie sich relativ schnell sicher wer der Täter hätte sein müssen. Der Gutachter sagt, der Angeklagte ist schuldunfähig. Auch die Staatsanwaltschaft hält den Angeklacken für schuld unfähig. Bleibt aber beim Mordmerkmal der Heimtücke!

Wie muss ich das denn verstehen? Kannst du mir das erklären. Ja, es gibt natürlich so einen allgemeinen Tatvorwurf erst mal und der ist angeklagt. und in diesem Fall, wenn man den Sachverhalt wie die Staatsanwaltschaft, dass er ermittelt und bewertet hat sieht dann ist es ein Mord aus Heimtücke einfach weil die Jugendlichen vor allem der sechzehnjährige dann arg und wehrlos gewesen sind.

Zu dem Zeitpunkt ist ja auch noch gar nicht klar, inwiefern da eine Schuld- und Fähigkeit im Raum steht. Und letztendlich kommt es ja auch dazu ... Das fordert dann am Ende die Staatsanwaltschaft, dass vom Mord aus Heimtücke freigesprochen wird. Aber allerdings durch die psychische Erkrankung und weil er natürlich eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt, dauerhaft in einer Psychiatrie untergebracht werden soll.

Also das ist auch das, wofür die Staatsaanwaltschaft plädiert? Und der Richter ist genau da gleich in Meinung gewesen. Letztendlich waren sich die Prozessbeteiligten am Ende, auch dieses auspüllichen Gutachtens alle einig also dass man ihn freisprechen muss. das klingt immer so. gerade ja für die Öffentlichkeit ist es immer so ein Störgefühl.

wie kann das sein? Jemand begeht so eine grausame Tat und wird dann trotzdem einfach frei gesprochen. aber der Vorsitzende Richter hat es auch sehr klar und deutlich Gründung oder Verkündungen dann noch mal geschildert. Das bedeutet für ihn jetzt keine Freiheit, also eine dauerhafte Unterbringung in der Psychiatrie.

das dauert Jahre ist super schwer da auch wieder rauszukommen aus guten Gründen natürlich. es ist kein keine freiheit es ist keinen zuckerschlecken so hat er's glaube ich genannt und also dass letztendlich auch des urteil die kammer entscheidet den freizusprechen und dauerhaft in der psychiatrie unterzubringen.

letztendlich sind das die Anträge aller Prozessbeteiligten gewesen. Die Verteidiger hätten jetzt so den Tatvorwurf an sich eher als Totschlag bewertet, aber darauf kam es letztendlichen nicht an weil... Das war dann egal? Genau! Wie waren denn die Reaktionen auf das Urteil? also wir gehen zum Beispiel die Eltern des Opfers damit um?

Ja das war sehr mal eindruckend, muss ich sagen. Also meine Kollegin hat auch mit ihnen noch einmal direkt nach der Urteilsverkündung gesprochen und die haben dann ganz klar gesagt sie waren jetzt erstmal erleichtert dass es vorbei ist aber die hatten überhaupt gar nicht diesen rache Gedanken oder irgendwie wollten das ja für immer ins Gefängnis.

Er war nur wichtig, dass er sich selbst mit dieser Schuld auseinandersetzt und auch selber für sich feststellt. Dass er eine Gefahr ist und dass er jetzt eben so wie das Justizsystem es auch vorsieht keine weitere Gefahr darstellt. Das war den Eltern unfassbar wichtig. Okay Und Lukas Wie hat der reagiert auf das Urteil?

Ja letztendlich dass auch so angenommen und anerkannt, das war letztendlich auch sein Wunsch. Also vielleicht müssen wir noch mal ganz kurz zurückgehen, weil es vor den Plädoyers ... Und das war auch so untypisch, gab's ja eine Szene, dass sich Lukas Wehe an die Eltern direkt wenden wollte nur wenn sie es erlaubt hätten.

Die haben sogar zugelassen. Das ist nicht selbstverständlich, dass man noch quasi demjenigen der seinen Kind getötet hat, überhaupt die Möglichkeit gibt, dann zu sprechen. Und der hat sich da auch noch mal sehr intensiv entschuldigt und auch zu den Eltern gesagt ist was ich ihnen angeteilen habe das zerreift mich.

Ich hoffe dass sie ihrem Sohn irgendwann im Himmel wiedersehen und da Frieden finden können Die Eltern, das glaub ich auch nicht irgendwie als übergriffig empfunden haben. Es wirkte so, als ob sie das wirklich ... Als ob denen das wichtig war? Sie haben es angenommen und der Vater stand extra noch mal auf.

Und hat eben auch ganz klar gesagt, wenn wir überhaupt als Familie weiterleben wollen, da müssen wir verzeihen. Dann geht das nicht anders. Gott sei Dank, wir können verzeihnen! Das war natürlich ein Moment ... Ja... Der ... Den kann man nicht beschreiben. Das ist unfassbar. was dafür eine Stärke auch von der Familie ausging.

und ja, wie diese brutale Tat dann trotzdem noch so reflektiert aufgearbeitet werden konnte. Wie aus dem Nichts stürms Lukas Wehe auf eine Gruppe Jugendlicher zu untersticht einen sechzehnjährigen Mitten in einem Lemgora-Supermarkt. Der Dreiunddreißigjährige wird wegen Mordes aus Heimtücker angeklagt doch wegen Schuldunfähigkeit freigesprochen und auf umbegrenzte Zeit in eine geschlossene Psychiatrie eingewiesen.

Was bleibt es die Frage? Wie konnte es so weit kommen? Das war's für heute. Mit dem True Crime Podcast der neuen westfälischen Redaktion hatte Gina Köhler und zur Gastbar Janett König. Vielen Dank, Janett! Danke für die Einladung. Weitere packende Kriminalfälle aus unserer Region, auch jederzeit auf nw.de und in der NW-Plus App in der Serie OVL Crime.

Wir freuen uns über Fragen Anregungen und Kritik zu diesem Podcast Und natürlich über Wünsche welche Ost bis Fälle wir demnächst für euch besprechen sollen. Schreibt uns eine E-Mail an podcastsatnwe.de. Mein Name ist Begitt Gottwald Bis bald.

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