PERSPEKTIVEN To Go – der Börsenpodcast· Folge 400
Bekommt Frankreich seine Schulden in den Griff?
Dienstag, 13. Oktober 2026 · 18 min
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Shownotes
Frankreichs hohe Verschuldung beunruhigt viele Anleger und führt zu rekordhohen Risikoaufschlägen am Anleihemarkt. Stehen wir vor einer neuen Euro-Krise? Oder können Anleger jetzt von hohen Anleihezinsen profitieren? Außerdem: Was ist von der anlaufenden Berichtssaison in den USA und in Europa zu erwarten? Darüber spricht Dr. Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank, mit Finanzjournalistin Jessica Schwarzer.
Ein Transkript dieser Episode finden Sie hier: perspektiventogo.podigee.io/400-bekommt-frankr…
Quelle für Wert- und Preisentwicklungen sowie Zinsprognosen: Bloomberg. Quelle für Erwartungen der Unternehmensgewinne: LSEG Datastream.
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Von Frankreichs Schuldenproblem zur Euro-Krise?
Warum Anleiherenditen und Risikoaufschläge steigen
Hohe Renditen – ein guter Zeitpunkt zum Einstieg?
Die gewachsene Resilienz der Eurozone
Berichtssaison: hohe Erwartungen in den USA
Welche Branchen liegen vorn, wer fällt zurück?
Berichtssaison: der Blick nach Europa
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Soweit hier konkrete Produkte genannt werden, sollte eine Anlageentscheidung allein auf Grundlage der verbindlichen Verkaufsunterlagen getroffen werden.
Jede Geldanlage ist mit Risiken verbunden. Es gibt keine Garantie und Marktschwankungen können zu Verlusten bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen. Über die speziellen Risiken eines Wertpapierprodukts informieren die gesetzlich vorgeschriebenen Verkaufsunterlagen. Wertentwicklungen in der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung. Sofern es in diesem Dokument nicht anders gekennzeichnet ist, geben alle Meinungsaussagen die aktuelle Einschätzung der Deutschen Bank wieder, die sich jederzeit ändern kann.
ZUM THEMA NACHHALTIGKEIT:
Derzeit fehlt es an einheitlichen Kriterien und einem einheitlichen Marktstandard zur Bewertung und Einordnung von Finanzdienstleistungen und Finanzprodukten als nachhaltig. Dies kann dazu führen, dass verschiedene Anbieter die Nachhaltigkeit von Finanzdienstleistungen und Finanzprodukten unterschiedlich bewerten. Zudem sind die gesetzlichen Vorgaben zur Offenlegung der Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien und zum Umgang mit dem Thema ESG (Environment = Umwelt, Social = Soziales, Governance = Unternehmensführung) und Sustainable Finance (nachhaltige Finanzwirtschaft) einem stetigen Wandel unterworfen. Die Auslegung der relevanten gesetzlichen Regelungen ist zudem nicht eindeutig und abschließend. All dies kann dazu führen, dass gegenwärtig als nachhaltig bezeichnete oder beworbene Finanzdienstleistungen und Finanzprodukte die künftigen gesetzlichen Anforderungen an die Qualifikation als nachhaltig oder als Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigend nicht erfüllen.
Soweit in dieser Marketinginformation von Deutsche Bank die Rede ist, bezieht sich dies auf die Deutsche Bank AG, Taunusanlage 12, 60325 Frankfurt, Deutschland.
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<b>Die fiskalische Schieflage Frankreichs</b> <b>beunruhigt Anleger, was zuletzt zu</b> <b>rekordhohen Risikoaufschlägen</b> <b>für französische</b> <b>Staatsanleihen geführt hat.</b> <b>Droht eine neue Euro-Krise?</b> <b>Wie reagieren die Märkte?</b> <b>Und dann beginnt ja auch noch die</b> <b>Berichtssaison, wie sie wohl ausfällt?</b> <b>Fragen, die mir Uli Stephan von der</b> <b>Deutschen Bank beantwortet.</b> <b>Mein Name ist Jessica Schwarzer.</b> <b>Damit herzlich willkommen</b> <b>zu den Perspektiven to Go.</b> <b>Uli, ist Frankreichs</b> <b>Schuldenproblem eine neue Euro-Krise?</b> <b>Nein, das glaube ich nicht,</b> <b>Jessica. Frankreich ist sicherlich in der</b> <b>Lage, das Problem in</b>
<b>den Griff zu kriegen.</b> <b>Man muss es nur tun.</b> <b>Auslöser waren aus meiner Sicht zum</b> <b>einen, dass man das</b> <b>Haushaltsdefizit für dieses Jahr</b> <b>noch mal nach oben korrigiert hat.</b> <b>Also das, was wahrscheinlich in diesem</b> <b>Jahr an Schulden aufgenommen werden muss.</b> <b>Damit steigen natürlich auch die</b> <b>Gesamtschulden, auf der einen Seite. Und</b> <b>dann eben der Beginn</b> <b>des</b> <b>Präsidentschaftswahlkampfs im nächsten Jahr.</b> <b>Und da haben dann die Märkte</b> <b>offensichtlich ein Stück weit</b> <b>gezweifelt, dass die Kandidaten</b> <b>die Kraft haben werden, hier wirklich</b> <b>Einschnitte vornehmen zu können.</b> <b>Im Haushaltsentwurf für das Jahr 2027</b>
<b>stand ja ein Defizit von fünf Prozent des</b> <b>Bruttoinlandsproduktes.</b> <b>Ist das viel?</b> <b>Ja, die Maastricht-Kriterien sagen drei Prozent.</b> <b>Und fünf ist dann natürlich</b> <b>schon mal deutlich drüber.</b> <b>Es ist immer die Frage bei Schulden, wie</b> <b>man das Geld verwendet.</b> <b>Und leider ist es so, dass in vielen</b> <b>europäischen Ländern, auch in</b> <b>Deutschland, ein Teil dieser</b> <b>Möglichkeiten des Staates für Rente,</b> <b>Pflege, Gesundheit</b> <b>ausgegeben werden muss.</b> <b>Und insofern ist es eben dringend</b> <b>erforderlich, die Systeme</b> <b>umzubauen, damit man wirklich</b> <b>auch mehr in die</b> <b>Zukunft investieren kann.</b> <b>Das gilt dann eben auch für Frankreich.</b>
<b>Und insofern reden wir, vor allen Dingen</b> <b>in Frankreich, über wahrscheinlich längere</b> <b>Lebensarbeitszeiten.</b> <b>Die Franzosen gehen mit 62 in die Rente.</b> <b>Und da ist es wahrscheinlich angezeigt,</b> <b>dass man zumindest in</b> <b>den einen oder anderen</b> <b>Berufen auch etwas</b> <b>länger ausharren könnte.</b> <b>Diese ganze Diskussion hat für einen</b> <b>extremen Renditeanstieg an den</b> <b>Anleihemärkten gesorgt.</b> <b>Damit steigen dann natürlich die</b> <b>Refinanzierungskosten Frankreichs.</b> <b>Wie schlimm ist das Problem?</b> <b>Und haben wir da vielleicht eine Spirale,</b> <b>die langsam aber sicher</b> <b>in Gang geraten könnte?</b> <b>Ja, die Franzosen werden das irgendwann</b>
<b>durchbrechen müssen.</b> <b>Es gab ja jetzt auch schon Vorschläge von</b> <b>Kandidaten für die Präsidentschaftswahlen</b> <b>im kommenden Jahr, wie man</b> <b>Einsparungen machen könnte.</b> <b>Das sind sicherlich erst</b> <b>ganz erste Ideen und Gedanken.</b> <b>Aber an irgendeinem</b> <b>Zeitpunkt muss man das tun.</b> <b>Ich glaube nur, der Kapitalmarkt hat ja</b> <b>tatsächlich auf das TPI-Programm der</b> <b>Europäischen Zentralbank</b> <b>geschielt.</b> <b>Die Europäische Zentralbank hat diese</b> <b>Maßnahme erfunden vor</b> <b>einigen Jahren, weil sie gesagt</b> <b>hat, wenn hier ungerechtfertigt gegen</b> <b>Länder spekuliert wird,</b> <b>wenn die Risikoaufschläge</b> <b>gegenüber Bundesanleihen, die sind immer</b>
<b>die Benchmark, der</b> <b>Maßstab, zu sehr auseinander</b> <b>laufen, also die</b> <b>Risikoaufschläge zu hoch werden,</b> <b>und das ungerechtfertigt ist, dann würde</b> <b>sozusagen die Geldpolitik</b> <b>nicht richtig funktionieren.</b> <b>Und insofern haben, glaube ich, die</b> <b>Kapitalmärkte ein Stück weit darauf</b> <b>spekuliert und tun das wahrscheinlich</b> <b>immer noch, ob die Europäische</b> <b>Zentralbank an irgendeinem Punkt</b> <b>tatsächlich dieses Programm</b> <b>mit Gang setzt.</b> <b>Wie weit sind diese Risikoaufschläge</b> <b>auseinander gelaufen</b> <b>und wo stehen wir aktuell?</b> <b>Ja, in der Spitze standen wir bei 160</b> <b>Basispunkten, also 1,6 Prozentpunkten.</b>
<b>Mittlerweile sind wir in etwa bei 1,4,</b> <b>schon ein Stück weit</b> <b>wieder von der Spitze entfernt,</b> <b>aber historisch lagen die Aufschläge eher</b> <b>bei 20, vielleicht,</b> <b>also 0,2 Prozentpunkten.</b> <b>Dann waren sie zuletzt</b> <b>lange bei in etwa 0,4.</b> <b>Also 1,4 ist dann schon eine gravierende</b> <b>Ausweitung, die eben,</b> <b>nochmal, damit zu tun hat, dass</b> <b>die Landkreis Schulden insgesamt</b> <b>mittlerweile bei etwa 120 Prozent des</b> <b>Bruttoinlandsprodukts</b> <b>liegen und die Haushaltsdefizite, die</b> <b>jährlichen, jenseits der fünf Prozent, was</b> <b>weit über Maastricht</b> <b>ist. Und deswegen verlangt der</b> <b>Kapitalmarkt hier höhere</b>
<b>Risikoaufschläge zusätzlich</b> <b>zu, möglicherweise, dieser Spekulation.</b> <b>Wie gesagt, das ist natürlich nur eine</b> <b>Vermutung von mir, dass man</b> <b>hier auch auf dieses TPI-Programm</b> <b>der Europäischen Zentralbahn guckt und</b> <b>sich fragt beziehungsweise mal</b> <b>guckt, ob sie dann irgendwann</b> <b>dieses auslösen wird.</b> <b>Wenn ich Renditen von um die fünf Prozent</b> <b>höre, dann habe ich ja</b> <b>gleich die Dollar- beziehungsweise</b> <b>in diesem Fall die</b> <b>Euro-Zeichen in den Augen.</b> <b>Kann es Sinn machen, da jetzt</b> <b>einzusteigen und zu sagen,</b> <b>da mische ich mal ein bisschen</b> <b>was bei, das Risiko ist begrenzt, weil ja</b> <b>auch die Ratings</b>
<b>immer noch sehr, sehr gut</b> <b>sind, oder würdest du sagen, Vorsicht, da</b> <b>könnte noch eine</b> <b>weitere Verkaufswelle folgen?</b> <b>Kurzfristig sind so Dynamiken am</b> <b>Kapitalmarkt natürlich</b> <b>immer sehr schwer einzuschätzen.</b> <b>Wie gesagt, wir sind jetzt schon ein</b> <b>Stück weit</b> <b>runtergekommen, aber wenn es da weitere</b> <b>Meldungen gibt, können die 160 auch sehr</b> <b>schnell wieder erreicht sein.</b> <b>Dann reden wir sicherlich über</b> <b>Kursverluste, weil ja dann</b> <b>die Zinsen zumindest relativ</b> <b>zu Bunds weiter gestiegen sind.</b> <b>Ich glaube aber, dass das Niveau um fünf</b> <b>Prozent schon mittelfristig</b> <b>attraktiv ist, wie gesagt,</b>
<b>ich glaube, dass Frankreich weiß, was die</b> <b>Stellschrauben sind,</b> <b>sie auch drehen kann.</b> <b>Die Frage ist, ob man das dann politisch</b> <b>durchsetzen kann, ob es</b> <b>klare Mehrheiten gibt dann im</b> <b>nächsten Jahr und wie</b> <b>man damit umgehen will.</b> <b>Also das ist eben eine Unsicherheit, die</b> <b>im Moment über dem</b> <b>Kapitalmarkt schwebt und</b> <b>insofern, wer da auf der sicheren Seite</b> <b>sein möchte, und gerade</b> <b>Staatsanleihen werden ja</b> <b>meistens aus diesem Grunde gekauft,</b> <b>der sollte vielleicht noch diese Wahlen</b> <b>oder die nächste</b> <b>Entwicklung in Richtung dieser</b> <b>Wahlen abwarten.</b> <b>Höhere Finanzierungskosten, das ist ja</b>
<b>ein Problem, das im</b> <b>Grunde fast alle Staaten der</b> <b>Eurozone im Augenblick haben.</b> <b>Es ging ja los in den USA, wo die</b> <b>US-Treasuries auf einmal so durch die</b> <b>Decke gingen beziehungsweise die</b> <b>Kurse natürlich fielen, aber die Rendite</b> <b>der US-Treasuries durch die Decke ging.</b> <b>Das ist schon für den einen oder anderen</b> <b>Haushalt dann eine</b> <b>deutliche Belastung, oder?</b> <b>Ja, gar keine Frage.</b> <b>Also da sprichst du einen wichtigen Punkt</b> <b>an, Jessica, es sind eben</b> <b>nicht nur die Risikoaufschläge,</b> <b>sondern insgesamt das</b> <b>Zinsniveau ist nach oben tendiert.</b> <b>Also, auch bei Bundesanleihen reden wir</b> <b>mittlerweile von etwa</b>
<b>dreieinhalb Prozent.</b> <b>Da waren wir vor einigen Monaten noch um</b> <b>die zweieinhalb Prozent.</b> <b>Also auch da ist der Zins insgesamt einen</b> <b>Prozentpunkt gestiegen</b> <b>und zusätzlich sind dann</b> <b>eben nochmal die Risikoaufschläge in</b> <b>Frankreich deutlich.</b> <b>Ja, wenn der Zins so steigt, dann</b> <b>nehmen natürlich die</b> <b>Finanzierungskosten deutlich</b> <b>zu. Das wird dann Auswirkungen haben,</b> <b>dass man ansonsten in</b> <b>seinem Budget weniger beweglich</b> <b>ist, weil eben größere Teile für den</b> <b>Kapitaldienst geleistet</b> <b>werden müssen und insofern wünschen</b> <b>sich natürlich Staaten da eher ein</b> <b>niedrigeres Zinsniveau.</b> <b>Aber nochmal, sie haben es am Ende in</b>
<b>ihrer eigenen Hand. Mit</b> <b>einer klugen Wirtschaftspolitik</b> <b>kann man sicherlich auch Vertrauen der</b> <b>Märkte zurückgewinnen.</b> <b>Wir hatten ja, Jessica, vor einigen Wochen</b> <b>hier auch über</b> <b>Griechenland gesprochen und haben</b> <b>festgestellt, wie sehr doch da die</b> <b>Risikoaufschläge wieder zurückgelaufen</b> <b>sind, weil Griechenland</b> <b>eben eine kluge</b> <b>Wirtschaftspolitik durchgeführt hat.</b> <b>Aber irgendwie erinnert man sich</b> <b>trotzdem mit diesen</b> <b>steigenden Aufschlägen so ein</b> <b>bisschen an die Euro-Krise, auch wenn du</b> <b>sagst, du siehst da keine Anzeichen.</b> <b>Damals gab es ja Probleme mit den</b> <b>Finanzierungen, weil eben auch das</b>
<b>Kapital ins Ausland abgeflossen</b> <b>ist, raus aus der Eurozone.</b> <b>Das sehen wir aber heute, glaube ich,</b> <b>nicht an breiter Front,</b> <b>sondern nur vielleicht</b> <b>mal punktuell, zeitlich begrenzt, oder?</b> <b>Ja, die Aufschläge waren seinerzeit</b> <b>sicherlich nochmal deutlich</b> <b>höher und wie du ja richtig</b> <b>sagst, die Investoren haben gesagt, nein,</b> <b>wir finanzieren das</b> <b>schlichtweg nicht mehr.</b> <b>Also für die Zuhörer, wenn ein Staat</b> <b>Anleihen aufnimmt, muss</b> <b>ihm ja irgendwer das Geld</b> <b>leihen.</b> <b>Das sind typischerweise dann große</b> <b>Kapitalsammelstellen, Stiftungen,</b> <b>Pensionsfonds etcetera, die in Bonds</b> <b>investieren und dann natürlich auch eine</b>
<b>sichere Anlage wollen.</b> <b>Und diese haben entweder ins Ausland oder</b> <b>eben in Bundesanleihen umgeschichtet.</b> <b>Deswegen ist es so nötig, dass wir einen</b> <b>gemeinschaftlichen Kapitalmarkt in Europa</b> <b>bekommen, damit diese</b> <b>Verwerfungen zwischen den einzelnen Ländern</b> <b>dann nicht mehr in der</b> <b>Weise vorhanden sind.</b> <b>Nochmal, insgesamt sind wir davon noch ein</b> <b>ganzes Stück entfernt.</b> <b>Wir reden jetzt über die Probleme, die</b> <b>ich vorhin genannt habe.</b> <b>Und natürlich kann das am Ende eine, wie</b> <b>sagt man so schön,</b> <b>Self-fulfilling Prophecy sein,</b> <b>also sich selbst erfüllende Erwartungen, wenn</b> <b>hier die Spekulation</b>
<b>immer weitergeht, aber dann</b> <b>gibt es ja, wie gesagt, dieses Programm</b> <b>der Europäischen Zentralbank.</b> <b>Im Zweifelsfall wird auch die Europäische</b> <b>Kommission sich noch</b> <b>Maßnahmen einfallen lassen.</b> <b>Also, dass Frankreich jetzt unmittelbar</b> <b>davorsteht, dass</b> <b>Investoren kein Geld mehr geben,</b> <b>das kann ich nicht sehen, sondern im</b> <b>Gegenteil, es scheint ja so zu sein,</b> <b>deswegen sind die Spreads ja ein Stück</b> <b>wieder zusammengelaufen, dass hier</b> <b>Investoren zugegriffen haben,</b> <b>weil sie eben gesagt haben, an der Stelle</b> <b>sind wir im Moment zumindest noch nicht.</b> <b>Und ich glaube, wenn man sich die ganze</b> <b>Eurozone anschaut, ist die</b>
<b>Lage auch eine ganz andere.</b> <b>Also, wir hatten ja zum Beispiel in</b> <b>Irland, Spanien, Portugal,</b> <b>Italien 2007 starke Defizite.</b> <b>Und jetzt haben diese Länder</b> <b>Leistungsbilanzüberschüsse.</b> <b>Also wir stehen, glaube ich, auch</b> <b>wirtschaftlich völlig</b> <b>anders da als damals.</b> <b>Ja, das ist richtig.</b> <b>Und viel Finanzierung ging</b> <b>dann auch über die Banken.</b> <b>Auch die stehen heute</b> <b>natürlich völlig anders da.</b> <b>Also, ich wäre vorsichtig damit.</b> <b>Natürlich muss man die</b> <b>Situation sehr genau beobachten.</b> <b>Das will ich gar nicht in Abrede stellen.</b> <b>Natürlich muss man hier</b> <b>wirtschaftspolitisch</b> <b>auch darauf reagieren.</b>
<b>Man sollte mehr in Zukunft investieren</b> <b>als Staat und damit die</b> <b>Wachstumsmöglichkeiten</b> <b>insgesamt nach oben bringen.</b> <b>Aber dass wir hier jetzt unmittelbar vor</b> <b>einer Euro-Staatsschuldenkrise stehen,</b> <b>das würde ich dann doch</b> <b>für etwas zu viel halten.</b> <b>Wunderbar.</b> <b>Gute Botschaft an alle, die</b> <b>ein bisschen besorgt sind,</b> <b>weil, es gab schon eine Menge Schlagzeilen</b> <b>und auch Newsletter, wo da wirklich ein</b> <b>bisschen Panik gemacht wurde.</b> <b>Schauen wir in die USA.</b> <b>Da haben wir ja schon viel in letzter</b> <b>Zeit über den Anleihemarkt gesprochen.</b> <b>Das lassen wir jetzt mal weg, es sei denn,</b> <es gibt was ganz Wichtiges zu sagen,</b>
<b>schauen wir uns aber mal an, was in den</b> <b>nächsten Tagen los ist und Wochen.</b> <b>Und das ist nämlich die Berichtssaison für</b> <b>das dritte Quartal, die jetzt beginnt.</b> <b>Wie sehen da die Erwartungen aus?</b> <b>Ja, noch ein Wort vielleicht zu den</b> <b>Zinsen, die natürlich auch in den USA,</b> <b>du hattest das ja schon angesprochen,</b> <b>das war im Grunde der allererste</b> <b>Ausgangspunkt, auch da mit Blick auf die</b> <b>Staatsschulden, auf das Haushaltsdefizit.</b> <b>Und die Zinsen sind, das darf man eben</b> <b>nicht vergessen, auch immer ein wichtiger</b> <b>Faktor für den Aktienmarkt.</b> <b>Wir haben lange über TINA geredet,</b> <b>There Is No Alternative,</b> <b>also, es gibt keine Alternative zu Aktien,</b>
<b>weil auf der Bond-Seite</b> <b>keine Zinsen gezahlt wurden.</b> <b>Mittlerweile ist das wieder anders.</b> <b>In den USA sind wir also</b> <b>ein ganzes Stück über fünf,</b> <b>in Frankreich, Italien</b> <b>sind wir knapp bei den fünf,</b> <b>in Deutschland sind wir bei 3,5 Prozent.</b> <b>Also, es gibt wieder Zinsen.</b> <b>Das ist die eine Botschaft.</b> <b>Die zweite Botschaft ist, dass die</b> <b>zukünftigen erwarteten Gewinne am</b> <b>Aktienmarkt abgezinst werden müssen</b> <b>auf den heutigen Tag, um einen</b> <b>Gegenwartswert zu errechnen.</b> <b>Dazu brauche ich eben auch einen Zins.</b> <b>Und je höher der Zins ist, desto</b> <b>niedriger ist der Gegenwartswert.</b> <b>So, das heißt, ich habe</b>
<b>also hier zwei Komponenten.</b> <b>Das eine ist der Zins, der tendenziell</b> <b>die Bewertungen von</b> <b>Aktien nach unten treibt.</b> <b>Und ich habe auf der anderen Seite die</b> <b>von dir angesprochene Berichtssaison,</b> <b>wo im Moment in den Vereinigten Staaten</b> <b>über 30 Prozent Gewinnplus für dieses</b> <b>dritte Quartal im Vergleich zum dritten</b> <b>Quartal 2025 erwartet werden.</b> <b>Also noch so ein Knaller-Quartal, wie wir</b> <b>es im letzten Quartal schon erlebt haben.</b> <b>Genau, im letzten Quartal waren wir über</b> <b>50 dann am Ende rausgelaufen.</b> <b>Typischerweise übertreffen ja auch die</b> <b>amerikanischen</b> <b>Unternehmen die Erwartungen.</b> <b>Ich glaube, das ist auch notwendig, wenn</b>
<b>ich vor allen Dingen einen Blick in die</b> <b>Künstliche Intelligenz werfe.</b> <b>Also, hier sind die</b> <b>Erwartungen schon recht ordentlich.</b> <b>Und wenn sie enttäuscht werden, dann</b> <b>würde ich da auch</b> <b>heftige Volatilitäten erwarten.</b> <b>Aber die Analysten haben zuletzt sogar</b> <b>ihre Schätzungen</b> <b>weiter nach oben korrigiert,</b> <b>das ist durchaus bemerkenswert.</b> <b>Und insofern werden wir, nach knapp 55</b> <b>Prozent im zweiten Quartal auf das zweite</b> <b>Quartal 2025, in diesem Jahr also</b> <b>momentan über 30 Prozent sehen.</b> <b>Mal gucken, wohin es</b> <b>denn am Ende dann führt.</b> <b>Der Auftakt zumindest ist</b> <b>aus meiner Sicht gelungen,</b>
<b>wenngleich der offizielle Start jetzt ja</b> <b>unmittelbar bevorsteht.</b> <b>Solche Renditen und Aufschläge hätte ich</b> <b>auch gerne mal in meinem Depot.</b> <b>Schade, dass die Börse das</b> <b>nicht eins zu eins umsetzt.</b> <b>Aber es wird ein sensationelles Quartal,</b> <b>eine sehr gute Berichtssaison werden.</b> <b>Davon können wir ausgehen.</b> <b>Welche Branchen sind es,</b> <b>wo liegt die Latte besonders hoch,</b> <b>wo wird sie vielleicht gerissen?</b> <b>Ja, die großen Treiber sind natürlich so,</b> <b>wie das schon in den</b> <b>letzten Quartalen gewesen ist,</b> <b>auf der einen Seite die Energie.</b> <b>Hier sehen wir,</b> <b>der Grund liegt, glaube ich, auf der Hand,</b>
<b>aufgrund der enormen</b> <b>Energiepreiszuwächse</b> <b>entsprechende Gewinne.</b> <b>Erwartet wird hier für das dritte Quartal</b> <b>bei der Energie in den Vereinigten</b> <b>Staaten 115 Prozent Gewinnplus.</b> <b>Wahnsinn.</b> <b>Dann kommt die Technologie mit knapp 70</b> <b>Prozent, Communication Services,</b> <b>das sind also die Internetkonzerne und</b> <b>Streamingdienste und so weiter</b> <b>und so fort, bei 50 Prozent.</b> <b>Wenn man dann nach unten guckt, dann</b> <b>sind es eben Consumer Staples, Consumer</b> <b>Discretionary, also die Konsumwerte.</b> <b>In Amerika ist das Leben teurer.</b> <b>Die Inflation spielt jetzt DIE große</b> <b>Rolle laut Umfragen bei</b> <b>den Midterm Elections.</b>
<b>Insofern drückt das</b> <b>natürlich auf den Konsum.</b> <b>Die Immobilienunternehmen profitieren</b> <b>auch nicht wirklich von den</b> <b>gestiegenen höheren Zinsen.</b> <b>Und insofern sind es wieder die üblichen</b> <b>Verdächtigen, die wahrscheinlich die</b> <b>Börse hier treiben werden.</b> <b>Noch eine Zahl vielleicht bei den</b> <b>Semiconductors wird nach 158 Prozent im</b> <b>zweiten Quartal</b> <b>diesmal 136 Prozent erwartet,</b> <b>Gewinnplus.</b> <b>Also, das sind die ganzen Chip-</b> <b>Hersteller, die wir ja bekanntlich zur</b> <b>Infrastruktur der</b> <b>Künstlichen Intelligenz rechnen.</b> <b>Aber ist das noch gesund?</b> <b>Das sind ja gigantische Zahlen.</b> <b>Das kann ja nicht immer so weitergehen.</b>
<b>Wo kommt dieses Wachstum her?</b> <b>Ja, deswegen, Jessica,</b> <b>bewertet die Börse auch viele</b> <b>dieser Unternehmen relativ preiswert.</b> <b>Also, wir sehen ja insgesamt an der Börse,</b> <b>dass die Gewinne stärker steigen als die</b> <b>Kurse und somit die</b> <b>Bewertungen nach unten gehen.</b> <b>Ganz besonders ausgeprägt ist das aber</b> <b>bei den Semiconductor-Unternehmen.</b> <b>Weil man auf der einen Seite sagt, naja,</b> <b>die Dynamik bei der</b> <b>Nachfrage könnte nachlassen.</b> <b>Stichwort, wann haben wir eigentlich</b> <b>genug Rechenzentren und wann werden die</b> <b>denn in ausreichender Art und Weise von</b> <b>den Unternehmen auch gebucht werden?</b> <b>Und es gibt eben Sorgen auf der</b>
<b>Angebotsseite, wo man sagt, dass, naja,</b> <b>wenn die Semiconductor-Unternehmen den</b> <b>gleichen Fehler machen,</b> <b>den sie in den letzten 20 Jahren schon</b> <b>vier, fünf Mal gemacht haben, nämlich</b> <b>stark in Kapazitätsausweitungen</b> <b>investieren, und der Zyklus zu Ende geht,</b> <b>dann haben sie wieder</b> <b>hohe Abschreibungen.</b> <b>Und aufgrund dieser beiden Faktoren ist</b> <b>es eben tatsächlich so, dass die</b> <b>Unternehmen nicht</b> <b>sehr hoch bewertet sind,</b> <b>die Börse da eben einiges an Fragezeichen</b> <b>dran macht. Und ja, aber noch mal,</b> <b>bisher sprudeln die</b> <b>Unternehmensgewinne und von daher wird</b> <b>das spannend zu beobachten sein,</b>
<b>wie auch diese Unternehmen sich in der</b> <b>kommenden</b> <b>Berichtssaison dann schlagen werden.</b> <b>Und wie wird es wohl in Europa laufen?</b> <b>Die Gewinne sollen gegenüber dem</b> <b>Vorjahresquartal ja um 20,</b> <b>knapp 20 Prozent steigen.</b> <b>Habe ich zumindest in deinem täglichen</b> <b>Newsletter</b> <b>Perspektiven am Morgen gelesen?</b> <b>Ja, genau.</b> <b>Da sind wir mittlerweile tatsächlich über</b> <b>20 Prozent, also auch hier ist gleiches</b> <b>Spiel auf etwas niedrigerem Niveau,</b> <b>weil wir nicht so viel Technologie haben.</b> <b>Aber auch die Energie ist natürlich ganz</b> <b>weit hier vorne, gleiches Thema.</b> <b>Und auch die Analysten nehmen insgesamt</b>
<b>die Erwartungen nach oben.</b> <b>Also insofern ein ähnliches Bild. Ganz am</b> <b>Ende in Europa liegen</b> <b>dann die Immobilienkonzerne.</b> <b>Auch das liegt wahrscheinlich</b> <b>ein Stück weit auf der Hand.</b> <b>Letzte Frage. Glaubst du, nachdem die</b> <b>Zinsentwicklung zuletzt die</b> <b>Marktdiskussion bestimmt hat,</b> <b>dass nun die überzeugende Berichtssaison,</b> <b>die vielen Unternehmenszahlen, den Fokus</b> <b>wieder ein bisschen mehr auf die</b> <b>Fundamentaldaten lenken könnten?</b> <b>Ja, ich würde jetzt den Zins, wie ich das</b> <b>vorhin schon gesagt habe, schon als</b> <b>Fundamentaldaten bezeichnen.</b> <b>Aber du hast recht, die Berichtssaison</b> <b>wird hier nochmal neue Impulse bringen.</b>
<b>Aber nochmal, die</b> <b>Erwartungen sind sehr hoch.</b> <b>Und aus meiner Sicht müssen die</b> <b>Erwartungen, und auch dafür haben wir</b> <b>jetzt schon Beispiele sozusagen in der</b> <b>anlaufenden Berichtssaison,</b> <b>die Erwartungen müssen nicht nur</b> <b>getroffen, sie müssen übertroffen werden.</b> <b>Und das ist dann noch nicht einmal ein</b> <b>Signal dafür, dass die Börsenkurse sich</b> <b>wirklich positiv entwickeln.</b> <b>Also wer da enttäuscht, und deswegen</b> <b>glaube ich, dass die Börse sehr selektiv</b> <b>mit den Unternehmen umgeht,</b> <b>wer enttäuscht, der muss wahrscheinlich</b> <b>doch mit recht deutlichen</b> <b>Abschlägen dann auch rechnen.</b> <b>Insofern wird das eine ausgesprochen</b>
<b>spannende Berichtssaison,</b> <b>die wir hier vor uns haben.</b> <b>Und wir bleiben dran und werden uns ganz</b> <b>sicher nicht langweilen.</b> <b>Vielen lieben Dank für diese</b> <b>Perspektiven To Go.</b> <b>Sehr gerne.</b>