PERSPEKTIVEN To Go – der Börsenpodcast· Folge 402
US-Zwischenwahlen: Startschuss für die nächste Börsenrally?
Dienstag, 27. Oktober 2026 · 17 min
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Shownotes
Die US-Zwischenwahlen rücken näher und könnten auch an den Börsen für Bewegung sorgen. Die Vergangenheit zeigt: Nach den Midterms liefen US-Aktien oftmals besonders gut. Gleichzeitig liefern starke Unternehmensgewinne Rückenwind. Auch die Aussichten rund um Künstliche Intelligenz bleiben vielversprechend, werden angesichts hoher Investitionen aber zunehmend kritisch hinterfragt. Politische und wirtschaftliche Unsicherheiten bleiben ebenfalls bestehen. Dr. Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank, ordnet gemeinsam mit Finanzjournalistin Jessica Schwarzer ein, was die Wahl für die Märkte bedeutet – und ob die Voraussetzungen für eine weitere Börsenrally stimmen.
Ein Transkript dieser Episode finden Sie perspektiventogo.podigee.io/402-us-zwischenwah…
Quelle für Wert- und Preisentwicklungen sowie Zinsprognosen: Bloomberg. Quelle für Erwartungen der Unternehmensgewinne: LSEG Datastream.
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ZUM THEMA NACHHALTIGKEIT: Derzeit fehlt es an einheitlichen Kriterien und einem einheitlichen Marktstandard zur Bewertung und Einordnung von Finanzdienstleistungen und Finanzprodukten als nachhaltig. Dies kann dazu führen, dass verschiedene Anbieter die Nachhaltigkeit von Finanzdienstleistungen und Finanzprodukten unterschiedlich bewerten. Zudem sind die gesetzlichen Vorgaben zur Offenlegung der Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien und zum Umgang mit dem Thema ESG (Environment = Umwelt, Social = Soziales, Governance = Unternehmensführung) und Sustainable Finance (nachhaltige Finanzwirtschaft) einem stetigen Wandel unterworfen. Die Auslegung der relevanten gesetzlichen Regelungen ist zudem nicht eindeutig und abschließend. All dies kann dazu führen, dass gegenwärtig als nachhaltig bezeichnete oder beworbene Finanzdienstleistungen und Finanzprodukte die künftigen gesetzlichen Anforderungen an die Qualifikation als nachhaltig oder als Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigend nicht erfüllen.
Soweit in dieser Marketinginformation von Deutsche Bank die Rede ist, bezieht sich dies auf die Deutsche Bank AG, Taunusanlage 12, 60325 Frankfurt, Deutschland.
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<b>Deutsche Bank</b> <b>präsentiert: PERSPEKTIVEN To Go.</b> <b>Ihr Audio-Podcast</b> <b>rund um das Thema Börse.</b> <b>In den USA wird gewählt.</b> <b>Bei den US-Zwischenwahlen am 3. November</b> <b>deutet sich ein</b> <b>deutlicher Erfolg der Demokraten</b> <b>an.</b> <b>Was bedeutet das für die Märkte?</b> <b>Und was passiert, wenn</b> <b>es doch anders kommt?</b> <b>Und wie läuft</b> <b>überhaupt die Berichtssaison?</b> <b>Darüber spreche ich mit Uli</b> <b>Stephan von der Deutschen Bank.</b> <b>Mein Name ist Jessica Schwarzer,</b> <b>und herzlich willkommen</b> <b>zu den PERSPEKTIVEN To Go.</b> <b>Uli, warum sind die Midterm Elections so</b> <b>wichtig für die USA?</b> <b>Jessica, bei den Midterm Elections wird</b>
<b>das gesamte</b> <b>Repräsentantenhaus neu gewählt.</b> <b>435 Mitglieder, 218</b> <b>braucht man für die Mehrheit.</b> <b>Und es werden 35 Senatoren gewählt.</b> <b>33 im normalen Zyklus, zwei extra beziehungsweise</b> <b>Sonderwahlen für Florida und Ohio.</b> <b>Also 35.</b> <b>Und das ist natürlich</b> <b>insgesamt schon eine große Zahl.</b> <b>Und deswegen wird es mit großer</b> <b>Aufmerksamkeit auch</b> <b>entsprechend verfolgt werden.</b> <b>Wir sehen, dass sich die Parteien, die</b> <b>Demokraten und die Republikaner, doch</b> <b>relativ unversöhnlich</b> <b>gegenüberstehen.</b> <b>Und inhaltlich geht es dann um Themen wie</b> <b>die</b> <b>Gesundheitspolitik, also wie man breitere</b>
<b>Bevölkerungsschichten am</b> <b>Gesundheitssystem teilhaben lassen kann.</b> <b>Es geht um den Hausmarkt,</b> <b>also wie sich und ob sich Familien Häuser</b> <b>noch leisten können.</b> <b>Wir sehen ja auch, dass die</b> <b>Zinsen hier gestiegen sind.</b> <b>Es geht um Bildung, um Studentenkredite</b> <b>und natürlich um die</b> <b>Künstliche Intelligenz.</b> <b>Inwieweit die gesamtstaatliche, also die</b> <b>föderale Regierung</b> <b>beeinflussen kann, dass Rechenzentren</b> <b>gebaut werden</b> <b>– wir sehen in einigen Bundesstaaten</b> <b>Moratorien für solche Rechenzentren –,</b> <b>da wird geprüft, inwieweit man regulieren</b> <b>kann beziehungsweise unter welchen</b> <b>Bedingungen dann Rechenzentren</b>
<b>noch gebaut werden.</b> <b>Und da diese Rechenzentren und all das,</b> <b>was um die Künstliche-</b> <b>Intelligenz-Infrastruktur</b> <b>im Moment passiert, natürlich der große</b> <b>Wachstumstreiber für</b> <b>die USA sind, ist das</b> <b>Ganze doch politisch, aber natürlich auch</b> <b>ökonomisch eine sehr entscheidende Frage.</b> <b>Und ökonomisch,</b> <b>damit sind wir bei den Finanzmärkten.</b> <b>Die schauen natürlich</b> <b>auch sehr genau hin.</b> <b>Wie wichtig sind die Midterm Elections</b> <b>für die künftige Börsenentwicklung?</b> <b>Ja, das werden wir sehen.</b> <b>Das hängt natürlich ein</b> <b>Stück weit dann vom Ausgang ab.</b> <b>Im Moment schätzt Polymarket mit 90-</b> <b>prozentiger Wahrscheinlichkeit eine</b>
<b>Mehrheit der Demokraten</b> <b>für das Repräsentantenhaus. Im Senat</b> <b>ist es deutlich enger:</b> <b>Hier schätzt man 60</b> <b>Prozent für die Demokraten.</b> <b>Mal gucken, ob es denn dann so kommt.</b> <b>Also wie gesagt, da zeichnet</b> <b>sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen ab.</b> <b>Und wir werden sehen, was dann passiert</b> <b>und wie der</b> <b>amerikanische Präsident weiterhin</b> <b>regiert.</b> <b>Er nutzt ja heute schon in großen Teilen</b> <b>Dekrete, die dann von</b> <b>Gerichten angefochten werden</b> <b>können.</b> <b>Das wird im Zweifelsfalle so weitergehen.</b> <b>Zwei wichtige Punkte allerdings sind</b> <b>natürlich der Haushalt,</b> <b>dieser ist verschoben worden, hätte</b>
<b>eigentlich am 30.09.</b> <b>verabschiedet sein müssen für</b> <b>das Jahr 2026/27 und ist auf den 11.</b> <b>Dezember verschoben worden.</b> <b>Also nach den Midterms muss man sich in</b> <b>irgendeiner Weise einigen</b> <b>auf einen neuen Haushalt.</b> <b>Und Mitte 2027 steht dann auch wieder die</b> <b>berühmte Schuldenobergrenze an.</b> <b>Das sind sicherlich Themen, wo beide</b> <b>Parteien zusammenfinden müssen.</b> <b>Und wir werden sehen, wie geräuschvoll</b> <b>oder geräuschlos das</b> <b>dann am Ende passieren wird.</b> <b>Es hat auf jeden Fall das Potenzial, zu</b> <b>Volatilitäten am Markt zu führen.</b> <b>Es gibt ja jetzt natürlich in den ein,</b> <b>zwei Wochen vor der</b> <b>Wahl jede Menge Umfragen.</b>
<b>Du has eine auch schon zitiert.</b> <b>Es gibt jede Menge</b> <b>historische Vergleiche.</b> <b>Und einer ist zum Beispiel, dass ein Sieg</b> <b>der Oppositionspartei bei den Midterms</b> <b>sich historisch gesehen immer sehr</b> <b>positiv oder meistens sehr</b> <b>positiv auf die Aktienmärkte</b> <b>ausgewirkt hat.</b> <b>Könnten die Midterms dann ein Booster für</b> <b>die Aktienmärkte</b> <b>sein, wenn die Demokraten</b> <b>durchmarschieren? Oder ist</b> <b>das diesmal nicht so einfach?</b> <b>Also, es ist tatsächlich so, Jessica, dass</b> <b>in den Midterms</b> <b>typischerweise die Opposition</b> <b>gewinnt.</b> <b>Also fast ausschließlich. Ich glaube, es</b> <b>gibt zwei Ausnahmen, in</b>
<b>denen das nicht passiert</b> <b>ist, in den letzten 25, 30 Jahren.</b> <b>Ansonsten immer die Opposition zugelegt.</b> <b>Wie gesagt, das Repräsentantenhaus wird</b> <b>wohl sehr</b> <b>wahrscheinlich in demokratische Hand</b> <b>gehen.</b> <b>Sollte es einen Blauen Sweep geben, also</b> <b>auch die Demokraten den</b> <b>Senat gewinnen, dann wird</b> <b>es sicherlich schwieriger für den</b> <b>amtierenden Präsidenten,</b> <b>entsprechende Gesetze natürlich</b> <b>durch den Kongress durchzubekommen.</b> <b>Man wird dann noch stärker</b> <b>auf Dekrete zurückgreifen.</b> <b>Nochmal: Die sind dann</b> <b>von Gerichten angreifbar.</b> <b>Aber es gibt eben ein paar Themen, vor</b> <b>allen Dingen in der</b>
<b>Innenpolitik, in der Finanzpolitik,</b> <b>da bedarf es der Zustimmung des</b> <b>Kongresses und deswegen</b> <b>wird man dann da entsprechende</b> <b>Kompromisse finden müssen.</b> <b>Typischerweise ist dieses dritte Jahr</b> <b>einer Präsidentschaft</b> <b>für Aktienmärkte ein gutes.</b> <b>Und deswegen bin ich jetzt auch nicht zu</b> <b>pessimistisch, denn die</b> <b>Wachstumszahlen für die USA sind</b> <b>im Moment recht ordentlich und werden</b> <b>auch von den meisten</b> <b>Volkswirten für das Jahr</b> <b>2027 als robust angesehen.</b> <b>Deswegen würde ich annehmen, dass ein</b> <b>Kompromiss in einigen</b> <b>politischen Themen sicherlich nicht</b> <b>zum Schaden der</b> <b>US-Volkswirtschaft sein sollte.</b>
<b>Zum Thema drittes Aktienjahr habe ich</b> <b>auch noch eine schöne Statistik gefunden.</b> <b>Seit 1950 lag der durchschnittliche</b> <b>Ertrag amerikanischer</b> <b>Aktien in den zwölf Monaten</b> <b>nach einer Zwischenwahl bei 15,4 Prozent.</b> <b>Und das ist ja fast das Doppelte von dem,</b> <b>was wir normalerweise</b> <b>historisch an durchschnittlichen</b> <b>Jahresrenditen sehen.</b> <b>Das wäre ja ganz nett, wenn das so</b> <b>weitergeht in den nächsten Monaten, oder?</b> <b>Ja, absolut.</b> <b>Die Schätzungen der Analysten Richtung</b> <b>Gewinne für die USA deuten</b> <b>auch in eine solche Richtung.</b> <b>Also, auch hier sind wir bei gut 15</b> <b>Prozent für das Jahr 2027.</b>
<b>Sollte sich das bewahrheiten, bräuchten</b> <b>wir also gar keine große</b> <b>Ausweitung der Bewertungen,</b> <b>sondern allein die Gewinne könnten schon</b> <b>zu recht ordentlichen</b> <b>Kursgewinnen führen, wenn</b> <b>denn dann die Kurse diese</b> <b>Gewinnssituation nachbilden.</b> <b>Das sehen wir in diesem Jahr nicht.</b> <b>Hier steigen ja die</b> <b>Gewinne stärker als die Kurse.</b> <b>Somit gehen die</b> <b>Bewertungen ein Stück weit zurück.</b> <b>Und damit steht und fällt diese ganze</b> <b>Entwicklung natürlich sehr stark mit den</b> <b>Unternehmensgewinnen.</b> <b>Und dann sind wir wieder bei der</b> <b>Künstlichen Intelligenz und den</b> <b>Gewinnerwartungen, die</b> <b>mit diesen Unternehmen verbunden sind.</b>
<b>Damit sind wir dann auch schon bei der</b> <b>Berichtssaison, die läuft auf Hochtouren.</b> <b>Wie fällt denn dein Zwischenfazit bisher</b> <b>aus oder das Zwischenfazit der klugen</b> <b>Rechner und Datenbanken?</b> <b>Ja, im Konsens sehen wir wirklich, also</b> <b>gegen den Konsens, eine</b> <b>sehr, sehr gute Berichtssaison.</b> <b>Die Gewinne der Unternehmen legen in den</b> <b>Vereinigten Staaten von Amerika blended,</b> <b>also wenn man die, die noch berichten, so</b> <b>einrechnet, als würden sie wie erwartet</b> <b>dann auch Ergebnisse vorlegen,</b> <b>liegen wir bei über 32 Prozent.</b> <b>Die Unternehmen haben bisher die</b> <b>Erwartungen um fast 7</b> <b>Prozent übertroffen.</b>
<b>Wir sehen bei den Gewinnen: 83 Prozent</b> <b>sind über Erwartungen,</b> <b>bei den Umsätzen sind es 62 Prozent.</b> <b>Also, ich würde sagen, unter dem Strich</b> <b>bisher eine sehr,</b> <b>sehr gute Berichtssaison,</b> <b>die auch die hohen Erwartungen nicht nur</b> <b>erfüllt, sondern sogar übertrifft.</b> <b>Die Analysten revidieren die</b> <b>Gewinnerwartungen für das vierte Quartal,</b> <b>aber auch für das Jahr</b> <b>2027 weiter nach oben.</b> <b>Und insofern ist die Börse da im Moment</b> <b>etwas zurückhaltender, etwas skeptischer,</b> <b>als es die harten Zahlen aus der</b> <b>Berichtssaison und den</b> <b>Analystenschätzungen</b> <b>wirklich darlegen würden.</b> <b>Das ist ja auch manchmal</b>
<b>vielleicht auch ganz gesund, oder?</b> <b>Wenn man nicht immer so</b> <b>vorwegrennt an den Märkten.</b> <b>Ja, absolut. Also, wie gesagt, die</b> <b>Bewertungen sind sogar gefallen.</b> <b>Wir sind mittlerweile beim NASDAQ bei in</b> <b>etwa 20,5 Mal der Gewinne.</b> <b>Also das P/E oder im deutschen</b> <b>würde man Kurs-Gewinn-Verhältnis</b> <b>sagen, liegt bei 20,5.</b> <b>Das ist nur noch gut</b> <b>anderthalb Punkte vom S&P 500 weg.</b> <b>Also, wenn man es etwas flapsig</b> <b>formulieren würde, würde man sagen,</b> <b>man kriegt die starken</b> <b>Wachstumsmärkte oder Unternehmen zum</b> <b>Marktpreis oder annähernd zum Marktpreis.</b> <b>Also, das liegt eben einfach daran, dass</b>
<b>die Gewinne sehr viel stärker steigen und</b> <b>die Anleger skeptisch sind,</b> <b>ob das so bleibt und deswegen bei den</b> <b>Kursen etwas zurückhaltender reagieren.</b> <b>Und es schauen natürlich immer alle auf</b> <b>die Hyperscaler, auf die großen</b> <b>Tech-Konzerne – KI ist</b> <b>und bleibt das große Thema an den</b> <b>Märkten. Gibt es da auch schon erste</b> <b>Zahlen und wie sind die ausgefallen?</b> <b>Und das ist ja auch im Wahlkampf ein</b> <b>Thema. Du hast die</b> <b>Rechenzentren ja auch schon angesprochen.</b> <b>Ja, absolut. Es gibt wie gesagt ein paar</b> <b>Moratorien in verschiedenen</b> <b>Bundesstaaten, allen voran Florida,</b> <b>Texas, aber auch New York,</b> <b>wo Rechenzentren zuerst mal gestoppt</b>
<b>worden sind beziehungsweise im</b> <b>Moment nicht gebaut werden.</b> <b>Wir reden aber, wenn man sich die Planung</b> <b>für 2027 anguckt, von 2,3 Gigawatt,</b> <b>wohingegen die Gesamtplanung bei 38</b> <b>Gigawatt Rechenleistung liegt, also es</b> <b>ist ein überschaubarer Bereich momentan.</b> <b>Es heißt auch nicht, dass die</b> <b>grundsätzlich gestoppt werden, sondern</b> <b>man will jetzt gucken,</b> <b>unter welchen Bedingungen denn dann in</b> <b>Zukunft Rechenzentren gebaut werden.</b> <b>Wir sehen ja auch die hohen</b> <b>Inflationszahlen in den USA und</b> <b>Strompreise, die dann von Rechenzentren</b> <b>nochmal nach oben getrieben werden,</b> <b>sind natürlich ein Bestandteil des</b>
<b>Warenkorbes und könnten</b> <b>die Inflation weiter treiben.</b> <b>So, um auf deine Frage zurückzukommen:</b> <b>Alles, was mit KI zu tun hat, hat im</b> <b>Schnitt bisher auch sehr gut berichtet.</b> <b>Das sehen wir nicht nur in den</b> <b>Vereinigten Staaten, sondern auch in</b> <b>Asien, wo ja die großen</b> <b>Chiphersteller herkommen.</b> <b>Wir sehen es in Europa, wo die</b> <b>Chipmaschinen herkommen, überall die</b> <b>Berichte, die die</b> <b>Erwartungen übertroffen haben.</b> <b>Und der Ausblick, der sogar angehoben</b> <b>worden ist; einige</b> <b>Unternehmen haben gesagt,</b> <b>dass sie Kapazitätsauslastung bis</b> <b>mindestens 2028, einige bis 2030 sehen.</b> <b>Also auch hier gibt es wenig Haare,</b>
<b>sozusagen, in der Suppe</b> <b>zu suchen oder zu finden.</b> <b>Nichtsdestotrotz: Die</b> <b>Anleger quittieren das nicht.</b> <b>Sie sagen, die Investitionen</b> <b>sind einfach unglaublich hoch.</b> <b>Wird sich das alles rechnen? Werden die</b> <b>Unternehmen in ausreichender Form</b> <b>adoptieren? Und werden dann die</b> <b>Investitionen eben so weitergehen?</b> <b>Das ist eine Frage von</b> <b>Produktivitätsfortschritten, die wir in</b> <b>der Volkswirtschaft</b> <b>tatsächlich nicht sehen momentan.</b> <b>Das liegt aber aus meiner Sicht daran,</b> <b>dass es einfach etwas braucht, bis</b> <b>wirklich auch in der Breite die</b> <b>Unternehmen adoptiert haben,</b> <b>bis sie</b> <b>die Prozesse umgestellt haben.</b>
<b>Man sieht es bei einzelnen Unternehmen.</b> <b>Es gibt auch einige Indikatoren.</b> <b>Wir hatten, glaube ich, schon einmal über</b> <b>den Bundesbankbericht aus dem Juni diesen</b> <b>Jahres gesprochen, was die</b> <b>Arbeitsproduktivität angeht.</b> <b>Aber in der Breite ist</b> <b>es eben noch zu früh.</b> <b>Da möchte ich aber auch daran erinnern,</b> <b>dass das Thema agentische Künstliche</b> <b>Intelligenz erst in diesem Jahr wirklich</b> <b>Fahrt aufgenommen hat.</b> <b>Und wir sicherlich auch bei physischer</b> <b>Künstlicher Intelligenz</b> <b>noch ganz am Anfang stehen.</b> <b>Also, das erschreckt mich jetzt noch</b> <b>nicht, sondern ich glaube, dass Philippe</b> <b>Aghion hier Recht hat.</b>
<b>Man kann nicht einfach wie Daron Acemoğlu</b> <b>Tätigkeiten zählen, die automatisiert</b> <b>werden können und dann sagen,</b> <b>na ja, gut, ganz ohne Menschen wird das</b> <b>wenigste davon funktionieren, sondern</b> <b>Philippe Aghion, der sagt über die</b> <b>Künstliche Intelligenz,</b> <b>wenn sich eben ganze Prozesse, ganze</b> <b>Geschäftsmodelle komplett verändern.</b> <b>Wir werden andere Forschung und</b> <b>Entwicklung haben und daher kommen dann</b> <b>die Produktivitätsfortschritte. Nochmal,</b> <b>da haben wir einen gewissen</b> <b>Hockeystick-Effekt.</b> <b>Es braucht einfach Zeit, bis diese</b> <b>Prozesse wirklich aufgesetzt und</b> <b>umgesetzt sind und wir dann die</b> <b>Produktivitätsfortschritte sehen.</b>
<b>Ich glaube aber, letzter Satz, Jessica,</b> <b>lange Antwort, dass wir hier wirklich in</b> <b>einer industriellen Revolution stecken,</b> <b>wie man sie wahrscheinlich nur einmal in</b> <b>seiner Lebenszeit erleben wird.</b> <b>Es wird wirklich die Welt verändern und</b> <b>bin da sehr optimistisch, was Künstliche</b> <b>Intelligenz und die zukünftigen</b> <b>Produktivitätsfortschritte angeht.</b> <b>Eine lange Antwort, aber auch eine sehr</b> <b>spannende und vor allen Dingen eine sehr</b> <b>optimistische. Und du hast zwei sehr</b> <b>prominenten Namen</b> <b>genannt in deiner Antwort,</b> <b>würdest du gerade noch schnell sagen,</b> <b>wer die Herren genau sind, für</b> <b>diejenigen, die es nicht wissen?</b>
<b>Es sind beides Nobelpreisträger. Der</b> <b>eine am Massachusetts</b> <b>Institute of Technology,</b> <b>das ist Daron Acemoğlu, der, wie gesagt,</b> <b>bei Künstlichen</b> <b>Intelligenzen sehr skeptisch ist,</b> <b>weil er Tätigkeiten gezählt hat, die man</b> <b>vollständig automatisieren</b> <b>könnte, ohne menschliches Zutun</b> <b>und damit Produktivitätsfortschritte auf</b> <b>einer Makroebene erzielen kann.</b> <b>Das halte ich für zu statisch.</b> <b>Ich bin da eher bei Philippe Aghion, einem</b> <b>Franzosen, auch Nobelpreisträger,</b> <b>der, wie gesagt, sehr viel dynamischer auf</b> <b>diese Fragestellung zugeht, der sich oder</b> <b>der über Schumpeters</b> <b>konstruktive Zerstörung spricht</b>
<b>und sagt, da werden sich eben Prozesse,</b> <b>Geschäftsmodelle ändern, da wird sich</b> <b>Forschung und Entwicklung deutlich anders</b> <b>und besser darstellen.</b> <b>Auch das sieht man ja schon in</b> <b>verschiedenen Bereichen und insofern</b> <b>glaube ich, Philippe Aghion hat Recht,</b> <b>und die Produktivitätsfortschritte werden</b> <b>größer sein, als das eben Daron Acemoğlu</b> <b>vom MIT momentan schätzt.</b> <b>Also, auf jeden Fall immer noch ein super</b> <b>spannendes Thema, die KI, aber es gibt ja</b> <b>auch so ein paar</b> <b>langweilige Brot- und Butterbranchen.</b> <b>Wie läuft es denn bei denen so in der</b> <b>Berichtssaison – Versorger,</b> <b>Lebensmittel, Konsum überhaupt?</b>
<b>Gibt es da auch schon</b> <b>Zahlen und Tendenzen?</b> <b>Man muss sagen, wir haben ja im Moment</b> <b>tatsächlich die Sorge um Staatsfinanzen</b> <b>mit stark gestiegenen,</b> <b>sind jetzt zuletzt ein bisschen wieder</b> <b>zurückgekommen, weil es einen gerade zu</b> <b>Sell-off gab, also</b> <b>Risiko wurde herausgenommen,</b> <b>dann sind</b> <b>Staatsanleihen wieder gekauft worden.</b> <b>Davor haben wir aber doch einen Anstieg</b> <b>gesehen, der Zinsen, das lastet natürlich</b> <b>auf der Wirtschaft insgesamt.</b> <b>Wir sehen, dass vor allen Dingen die Öl-</b> <b>und Gasmärkte nach wie vor nicht in einem</b> <b>wirklichen Gleichgewicht sind,</b> <b>weil wir immer noch keine Lösung an der</b>
<b>Straße von Hormus haben.</b> <b>Und es gibt eben diese Zweifel über die</b> <b>Nachhaltigkeit der Investitionen in die</b> <b>Künstliche Intelligenz.</b> <b>Und vor dem Hintergrund haben zuletzt</b> <b>tatsächlich eher defensive</b> <b>Sektoren besser performt.</b> <b>Ich hatte ja schon angesprochen, haben</b> <b>die Marktteilnehmer auch wieder stärker</b> <b>in Staatsanleihen investiert.</b> <b>Und deswegen lohnt sich hier sicherlich</b> <b>ein Blick auch auf</b> <b>andere Sektoren insgesamt.</b> <b>Wir sehen, dass insgesamt von der</b> <b>Berichtssaison natürlich die</b> <b>Energie ganz weit vorne liegt,</b> <b>mit den hohen Energiepreisen, dahinter</b> <b>kommt aber dann schon direkt die</b>
<b>Technologie, die Communication Services.</b> <b>Am unteren Rand</b> <b>Gesundheit, Pharma, Healthcare.</b> <b>Bei den Überraschungen ist es auch</b> <b>Communication Services.</b> <b>Dahinter verbirgt sich, um das nochmal zu</b> <b>sagen, die Internetkonzerne,</b> <b>Streaming-Dienste und so weiter und so</b> <b>fort, auch die Energie.</b> <b>Hier haben allerdings</b> <b>Gesundheitsunternehmen besser geliefert,</b> <b>als das erwartet worden war.</b> <b>Und insofern lohnt sich sicherlich auch,</b> <b>etwas breiter zu investieren, nicht nur</b> <b>in die Künstliche Intelligenz.</b> <b>Nochmal: Da gibt es eben tatsächlich</b> <b>Diskussionen, die auch zuletzt zu einer</b> <b>deutlichen Korrektur geführt haben,</b>
<b>sondern auch einen Blick zu werfen auf</b> <b>Industrie, auf</b> <b>Finanzwerte, auf die Gesundheit,</b> <b>die in einem Umfeld, wo in Infrastruktur</b> <b>investiert wird, sicherlich auch eine</b> <b>alternde Gesellschaft, sicherlich auch</b> <b>entsprechende Chancen haben.</b> <b>Es bleibt auf jeden Fall spannend. Wir</b> <b>warten auch mit Spannung auf den Ausgang</b> <b>der US-Zwischenwahlen</b> <b>und schauen weiter,</b> <b>natürlich, auf die Berichtssaison.</b> <b>Und ich glaube, nächste Woche sollten wir</b> <b>uns auch noch mal das Thema hohe Renditen</b> <b>beziehungsweise hohe Zinsen anschauen und ihre</b> <b>Auswirkungen auf andere Anlageklassen.</b> <b>Das besprechen wir dann detailliert,</b>
<b>nicht mehr heute. Danke dir für diese</b> <b>PERSPEKTIVEN To Go.</b>