PERSPEKTIVEN To Go – der Börsenpodcast· Folge 349
Digitale Assets: Vom Spekulationsobjekt zur Anlageklasse?
Dienstag, 21. Oktober 2025 · 12 min
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Shownotes
Steigende Staatsverschuldung, Unsicherheit an den Märkten und die Suche nach neuen „sicheren Häfen“: Immer mehr Anleger setzen auf digitale Assets wie Bitcoin, Ethereum und Stablecoins – doch wie sinnvoll ist das wirklich? In dieser Folge sprechen Dr. Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank, und Finanzjournalistin Jessica Schwarzer über die Rolle von Kryptowährungen im Depot sowie die Unterschiede zu klassischen Anlageklassen wie Gold und Aktien.
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Ein Transkript dieser Episode finden Sie hier: perspektiventogo.podigee.io/349-digitale-asset…
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Deutsche Bank präsentiert PERSPEKTIVEN To go Ihr Audio Podcast rund um das Thema Börse. Wachsende Sorgen über die Verschuldung einiger der größten Volkswirtschaften der Welt befeuern sogenannte die Debasement Trades. Anleger ziehen Kapital aus wichtigen Währungen ab und setzen verstärkt auf Bitcoin, Gold und Silber als Wertspeicher, Bitcoin und andere Kryptowährungen als „sicherer Hafen“.
Welche Funktion haben Kryptos im Depot und sind sie überhaupt schon eine echte Anlageklasse? Darüber und über digitale Assets spreche ich jetzt mit Uli Stephan von der Deutschen Bank. Mein Name ist Jessica Schwarzer und damit herzlich willkommen zu den PERSPEKTIVEN To go. Uli, das angeblich ganz neue heiße Thema an den Märkten sind die Debasement Trades.
Was genau steckt dahinter? Ja, ich weiß gar nicht genau, woher diese Wortschöpfung kommt, aber wahrscheinlich wird es wieder irgendeine amerikanische Investmentbank erdacht haben, die ja schon mehrfach mit besonderen Bezeichnungen aufgewartet hat. Aber in diesem Falle ist eben ein Investment über das, was man traditionelle Assets nennen könnte, hinaus angesprochen.
Und es geht eben vor allen Dingen um Kryptos. Kryptowährungen, wenn man so will. Es geht um Edelmetalle jeglicher Art Inwieweit das wirklich so außerhalb der bisherigen Norm und der traditionellen Asset liegt, darüber kann man wahrscheinlich trefflich diskutieren und streiten. Aber wie gesagt, unter diesem neuen Begriff werden diese Art von Investments zusammengefasst.
Ich finde den Begriff auch etwas schräg, weil Debasement heißt ja eigentlich Entwertung und Gold als Absicherung gegen Währungs entwertung beispielsweise zu kaufen. Das mag mir ja noch einleuchten. Silber auch, aber Bitcoin oder Ethereum? Na ja, wir hatten ja schon die Diskussion, inwieweit die Kryptowährungen Konvention werden können und damit eben auch in der Wertaufbewahrungseigenschaft oder Funktion, die ja Geld typischerweise zugesprochen wird, die ja aufholen können und mit möglicherweise Edelmetallen gleichziehen.
Ich glaube, da kann man noch nicht so positiven Erfolg melden, denn immer wenn wir eben entsprechende Volatilität an den Börsen sehen, dann ist es doch in der Regel so, dass die Kryptowährungen eher wie die riskanten Anlageklassen, also Aktien, ähnliches High Yield Bonds oder so reagieren, und weniger wie Gold, also den Status von Gold haben sie, glaube ich, noch nicht.
Aber ja, es ist damit angesprochen, dass man eben im Gegensatz zu dem, was typischerweise als Fiatgeld bezeichnet wird, reale Anlagen hat. Da kann man sicherlich bei Kryptos auch sehr trefflich darüber streiten, inwieweit die real sind. Eigentlich kann man nicht darüber streiten, aber bei den Edelmetallen ist das zweifellos so und insofern ja sind sie unter diesem Namen zusammengefasst worden.
Also höre ich richtig raus, dass Bitcoin und Co nach wie vor kein sicherer Hafen sind, kein Ersatz für Gold. Und ich höre auch Zweifel, dass digitale Währungen überhaupt schon eine echte Assetklasse, eine echte Anlageklasse wie Aktien oder Anleihen sind. Also ich würde das den Kryptowährungen heute noch nicht zuschreiben wollen, dass sie ein echter sicherer Hafen sind, Weil wie gesagt, man kann ja verfolgen in den letzten Jahren und Monaten, immer dann, wenn es eben sehr unruhig an den Börsen war, wenn die Volatilität bei Risk Assets, wie man so schön sagt, also bei riskanteren Anlagen, die eben nicht das, was man traditionell „sicherer Hafen“ nennt, sind.
Wenn man also dort Volatilität gesehen hat, dann sind auch die Kryptowährungen, vor allen Dingen Bitcoin eben entsprechend, hat da nachgegeben und insofern würde ich den Bitcoins heute noch nicht den Status eines sicheren Hafens zuschreiben. Vielleicht wird es irgendwann Konvention. Im Moment ist es das sicherlich noch nicht.
Bei den Stable Coins müssen wir glaube ich ein bisschen aufpassen, weil die Stable Coins ja mit konkreten Werten hinterlegt sind. Also was ich damit andeuten will Kryptowährung ist bei weitem nicht Kryptowährungen. Es gibt welche, die sind gedeckelt, mathematisch wie beispielsweise der Bitcoin. Es gibt welche, die sind nicht gedeckelt.
Es gibt Kryptowährungen, die sind mit Werten welcher Art auch immer hinterlegt. Es gibt Kryptowährungen, die sind das nicht. Es gibt welche, die laufen auf der Blockchain, es gibt welche, die laufen nicht auf der Blockchain. Also da muss man ein bisschen gucken, worüber man gerade redet. Ich habe im Handelsblatt gelesen, da ging es darum, die Angst vor einer neuen Finanzkrise, dass die groß wäre und dass der Aufstieg des Bitcoins ein wachsendes Misstrauen.
Viele Anleger bezeugen würde. Teilst du diese Einstellung? Also ich glaube schon, dass es eine Community gibt, die den Bitcoin so sieht oder gerne sehen würde als quasi sicheren Hafen und als Ersatz für traditionelle Assets. Ich glaube aber eben nicht, dass wir da heute schon sind. Ob es mal dazu kommt, mag sein, aber dazu wären mir immer noch die Volatilität zu groß.
Und wie gesagt, wenn ich mir den Markt insgesamt angucke und was mit was korreliert, dann kann man eben den Bitcoin auch nicht wirklich die Eigenschaft eines sicheren Hafens zusprechen. Nichtsdestotrotz diskutieren wir über hohe Bewertungen und wie weit das durchgehalten werden kann, inwieweit die Gewinne denn dann auch wirklich eingefahren werden, die man sich erhofft mit den entsprechenden Investitionen in Technologien, Künstliche Intelligenz.
Und deshalb kommen, glaube ich, solche Fragen auf. Es gibt ja auch diese Diskussion, dass Kryptowährungen vor Inflation schützen würden. Und es heißt ja auch immer Sachwerte wie Gold oder Silber schützen vor Inflation, Aktien, Immobilien sicherlich auch. Aber wie passt denn der Bitcoin da dazu? Oder eben auch Ethereum oder andere Kryptowährung?
Ja, ich glaube, das wird eher den Kryptowährungen unterstellt, die mathematisch zumindest mal gedeckelt werden. Also dann würde man sozusagen als Anhänger dieser Theorie argumentieren, dass ja das normale Geld, was wir im Zahlungsverkehr üblicherweise verwenden, nicht gedeckelt ist. Dass es geradezu unendlich ausgegeben werden kann von Notenbanken und auch Geschäftsbanken, dann über das sogenannte Giralgeld, dass es eben dann bei gedeckelten Krypt owährungen nicht der Fall und daraus wird, glaube ich, ein gewisser Inflationsschutz abgeleitet.
Ob der wirklich besteht, ist dann die Frage. Also wenn die Zinsen fallen sollten bei niedriger Inflation, dann habe ich geringere Opportunitätskosten. Das ist richtig. Aber wenn bei höherer Inflation sozusagen die Zinsen steigen und ich Alternativen habe zu Kryptos, dann könnte ich das Geld auch da anlegen.
Noch mal Bei Stable Coins sieht das sicherlich anders aus. Da müsste man dann genau gucken, wer denn die Verzinsung beispielsweise von hinter Stable Coins liegenden US-Dollar oder ähnlichem, wer die denn dann vereinnahmen kann. Du hast grad die Notenbank schon angesprochen. Auch die arbeiten ja weltweit an digitalen Währungen.
Warum tun sie das und wie weit sind sie? Ja, ich glaube man versucht hier einen Service zu bieten, damit eben der zukünftige Zahlungsverkehr nicht potenziell komplett an den Notenbanken vorbeiläuft. Denn Kryptos, gerade wenn sie auch auf einer Blockchain laufen, da kann man ja auch heute Techniken anwenden, die Überweisungen und Ähnliches deutlich effizienter gestalten.
Und man kann eben dann direkt von Wallet zu Wallet überweisen. Man kann das 24 Stunden sieben Tage machen. Man braucht im Grunde keine Intermediäre mehr, dafür also keine Banken mehr. Ja, dafür braucht man, wollte ich gerade sagen, aber Intermediäre, die eben die Kryptowährung und potenziell auch die Blockchain zur Verfügung stellen, also ganz ohne geht es dann auch nicht.
Aber ich glaube, das ist sozusagen der Hintergrund, dass man hier modern sein möchte, dass man mithalten möchte, dass man dieses Feld der Kryptowährungen nicht komplett anderen überlassen möchte, ob man es wirklich braucht und welches Problem man damit tatsächlich löst. Da kann man, glaube ich, trefflich darüber streiten, denn man könnte auch mit anderen Methoden beispielsweise grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr sicherlich vereinfachen.
Es ist einfach nur so, dass heute, da verschiedene Intermediäre eben ganz gut Geld daran verdienen und deswegen diese Überweisungen relativ teuer sind. Was wäre denn der Unterschied zwischen Bitcoin oder Ethereum und einem digitalen Dollar oder einem digitalen Euro? Dass der Bitcoin oder Ethereum auf einer offenen Blockchain laufen und das mit einem digitalen Euro oder Dollar?
Den Dollar wird es ja voraussichtlich nicht geben. Zumindest nicht zeitnah, weil die amerikanische Administration der Notenbank untersagt hat, da weiter zu arbeiten. Man präferiert in den Vereinigten Staaten momentan zumindest eher die Stablecoins. Aber in Europa soll ja der Euro kommen und der würde dann natürlich kontrolliert werden, sowohl was die Währung selbst angeht, als auch was die Technik des Zahlungsverkehrs dann angeht.
Wenn es eine Blockchain werden würde, dann würde das eben eine EZB Blockchain sein. Es wäre keine offene, die jeder betreiben könnte, sondern es würde dann eben über die europäische Zentralbank laufen. Und das sind aus meiner Sicht die ganz wesentlichen Unterschiede. Also eben nicht offen, wie man das vom Bitcoin kennt, sondern eben sehr stark kontrolliert und reguliert von der entsprechend heraus- gebenden Notenbank.
Diese ganzen digitalen Vermögenswerte, die faszinieren ja nicht nur Privatanleger, auch institutionelle Investoren setzen ja zunehmend auf Blockchain-Technologie und auf Tokenisierung von Vermögenswerten. Das hat auch eine ganz aktuelle Studie des Vermögensverwalters State Street gezeigt. Ist das ein ganz neuer Megatrend?
Ich glaube, dass man über diese Tokenisierung sicherlich in Dinge investieren kann, die man vorher so nicht investieren konnte. Wir sehen ja, dass Bilder und Ähnliches dann aufgeteilt werden, in mehrere kleine Stücke und man kann dann über diesen Weg eben Bruchteile an einem Kunstwerk oder ähnlichem investieren und man kann das eben auch übertragen.
Das halte ich schon für einen Vorteil. Ob das am Ende dann auch mal auf Immobilien und ich weiß nicht, was ausgeweitet werden kann, da hätte ich noch meinen Zweifel, weil ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Regierung es zulassen wird, dass man überhaupt gar keine Ahnung hat, wem denn ein Haus oder Ähnliches gehören wird, wenn da mal ein Balkon runterfällt oder sowas.
Also insofern gibt es sicherlich Wertgegenstände, wo die Tokenisierung sehr stark helfen kann, wo sie auch Investments ermöglicht. Aber ich glaube es gibt auch welche, wo die Regulierung da eher dagegen sein wird. Ich finde es auf jeden Fall extrem spannend, wie diese neuen Technologien und eben auch dann die Assets, die dabei rauskommen, Einzug in unsere Anlagewelt halten.
Zum Ende die Frage Glaubst du, dass eine kleine Beimischung von Kryptowährungen heute eigentlich in jedes Depot schon rein gehört? Einfach um dabei zu sein, um ein Gefühl dafür zu bekommen oder vielleicht sogar als echte Anlageklasse? Ja, ich bin ja noch nie ein Fan von diesen Kryptowährungen gewesen.
Jessica, du weißt das, dass ich immer sage im Grunde genommen sind sie nichts wert. Es steht nichts dahinter. Sie sind auch kein gesetzliches Zahlungsmittel, aber man kann Geld damit verdienen. Das ist zweifellos so Es gibt eine zunehmend größere Fangemeinschaft, und insofern will ich gar nicht ausschließen, dass man ein bisschen was im Depot halten könnte, dass man beispielsweise auch über einen ETC oder ähnliches in diese Anlageklasse investiert, um auch ein Stück weit diversifiziert zu sein.
Und wie gesagt, vielleicht wird es ja irgendwann Konvention. Heute könnte ich das noch nicht erkennen, aber nichtsdestotrotz kann man möglicherweise damit Geld verdienen, sollte sich aber auch der Risiken der hohen Schwankungen bewusst sein. Und wie hoch die Schwankungen sind, das haben wir in den vergangenen Tagen erleben dürfen und ich denke, das werden wir auch weiterhin erleben.
Auf jeden Fall ein super spannendes Thema. Ich danke dir für diese PERSPEKTIVEN to go! Sehr gerne.