Rätsel des Unbewußten. Psychoanalyse & Psychotherapie.· Folge 175

Replacement Child: Die Psychologie der Ersatzkinder

Freitag, 16. Oktober 2026 · 54 min

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Shownotes

TIEFSEELTAUCHEN
Was passiert, wenn ein Kind nach dem Tod eines Geschwisters geboren wird – und unbewusst dessen Platz einnehmen soll? In dieser Folge geht es um das Replacement Child, unverarbeitete Trauer, familiäre Projektionen und die schwierige Suche nach einer eigenen Identität. Mit persönlichen Zuschriften, psychoanalytischen Perspektiven und der Frage, wie sich traumatische Verluste über Generationen fortschreiben können.

Vertiefungsfolge: "Ein Bruder aus dem Schweigen – Philippe Grimberts 'Ein Geheimnis'" patreon.com/raetseldesubw/posts/172453032

Das Skript zur Folge: patreon.com/raetseldesubw/posts/172453341

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Ausschnitt und Infos: patreon.com/posts/151955086?collection=2029837

Literaturempfehlung zur Folge:

• Albert C. Cain & Barbara S. Cain (1964): On Replacing a Child. Journal of the American Academy of Child Psychiatry, 3(3), S. 443–456. ScienceDirect

• Andrea Sabbadini (1988): The Replacement Child. Contemporary Psychoanalysis, 24(4), S. 528–547. Taylor & Francis Online

• Miriam Haagen & Christa Hack (2015): Die Bedeutung des toten Geschwisters. Psychoanalytische Familientherapie, 16(1), Nr. 30, S. 103–115. Psychosozial-Verlag

• Eberhard Haas (1990): Orpheus und Eurydike. Vom Ursprungsmythos des Trauerprozesses. Jahrbuch der Psychoanalyse, 26, S. 230–252. Heinrich-von-Kleist-Gesellschaft

• Philippe Grimbert (2007): Ein Geheimnis. Aus dem Französischen von Holger Fock und Sabine Müller. Frankfurt am Main: Suhrkamp. Originalausgabe: Un secret (2004).

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• Folge zu Glenn Gabbard und den "liebeskranken" Analytiker: patreon.com/posts/121877727?collection=148939

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Erziehungskonzepte psychoanalytisch betrachtet (5 Teile): patreon.com/collection/148943
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Wir laden euch ein, mit uns in die Tiefen des Unbewussten zu tauchen und dabei etwas Licht ins Dunkel zu bringen. In dieser Reihe wollen wir uns über typische Situation aus dem Alltag aber auch aus der Psychotherapie unterhalten und verstehen was dahintersteckt. Wir werden dabei Ernstes Schönes und manchmal auch Kurioses erkunden das auf dem Grund unserer Psyche liegt.

Herzlich willkommen zu einer neuen Folge Tiefseeltauchen. Wir wollen uns heute mit dem Thema Replacement-Scheid, zur Deutsch vielleicht am ehesten übersetzbar mit Ersatzkind beschäftigen. Es ist bestimmt kein ganz leichtes Thema. es geht um ein Ereignis das ganze Familien auch über Generationen hinweg prägen kann nämlich was eigentlich passiert wenn ein Kind in der Familie stirbt und in Bezug auf Replacement-Scheid, was es verfolgen auch haben kann für die nachfolgenden Kinder, die dann geboren werden.

Wenn ein Kind stirbt ist das ja einen sehr einschneidender Verlust mit Sicherheit nicht selten auch ein traumatischer Verluste und je nachdem wir mit diesen Verlusterfahrungen in der Familie auch umgegangen werden können, dass entsprechend Folgen für Kinder haben, die danach geboren. Replacement Child bezeichnet Kinder, die sehr im Schatten des vorher verstorbenen Kindes leben.

Manchmal so sehr dass sich eigentlich der Schattenbeiner auf ihre eigene Identität zu legen scheint weil viele Erwartungen Wünsche oftmals auch unbewusst an diese Kinder herangetragen werden und sie irgendwie damit ringen in ihrem Leben eine eigene Identitet ausbilden zu dürfen. Man kann also auch vielleicht schon erahnen, wie viel dieses Thema mit Trauer zu tun hat.

und unverarbeiteter Trauer war ja nicht jedes Kind was nach einem verstorbenen Kind geboren wird diese Aufgabe diese schwere Last auf die Schultern gebürdet wird. und damit wollen wir uns in der heutigen Folge eben genauer befassen was da genau eigentlich passiert wenn diese Trauer Platz ein Ohr sozusagen findet, sondern eher unverarbeitet weitergegeben wird.

Die Psychoanalytiker die diesen Begriff Replacement Child in die Literatur eingeführt haben sind Albert und Barbara Cain. Es gibt eine ganze Reihe aber von Forschungsliteratur zu diesem Thema, die wir auch der Folge anhängen. Eine berühmte und sogar verfüllende literarische Verarbeitung stammt von dem französischen Psychoanalytiker und Autor Philipp Graumbert.

Ein Geheimnis heißt sein Roman, wo er autobiografisch seine eigenen Erfahrungen als Replacement-Child verarbeitet.". Das ist ein Buch was sich sehr auch mit den transgenerationalen Dynamiken des Zweiten Weltkriegs und der Shoah beschäftigt. Wir fanden das sowohl gesellschaftlich als auch psychologisch so beeindruckend dass wir uns diesem Buch in einer ganz eigenen Folge widmen wollen.

Als Vertiefungsfolge zu dieser Folge werden wir das Buch auch als Zweigeschichte vorstellen und noch einmal an diesem Beispiel nachzeichnen, wie ein traumatischer Verlust oder traumatische Verluste in der Familie ihren Schatten auch auf Generationen werfen die selbst an diesen traumatischen Ereignissen gar nicht beteiligt waren.

Wir haben auch von euch Zuschriften zu diesem Thema bekommen, wo unterschiedliche Perspektiven sichtbar werden. Von Menschen die selbst in der Replacement-Childrolle sind aber auch von Menschen Geschwistern, die das beobachtet haben in der Familie oder auch vom Menschen, die eine Generation später sind also Kinder von Replacement Childs und auch von Eltern die selbst ein Kind verloren haben und sich damit beschäftigen wie sie mit den nachfolgenden Kindern da umgehen sollen.

wir werden diese Schilderungen an den unterschiedlichen Stellen Unsere Folge jetzt hier immer wieder einfließen lassen. Die Folge zu Philippe Crombert, Ein Geheimnis findet ihr auf unserer Förderplattform Patreon, den Link stellen wir in Anhang dieser Folge. Ja wenn ein Kind stirbt das ist ein großer Verlust vielleicht mithin der einer der schlimmsten Verluste die im Leben von Eltern passieren können oftmals auch einen kann man so sagen, traumatischer Verlust.

Denn ein Kind, wenn das stirbt, geht ja gegen jede Empfindung von dem wie die Welt sein sollte, eine Art Urinstinkt davon, dass die Welt Regeln hat. Vielleicht umso mehr in einer Zeit, wo das Kindersterben radikal abgenommen hat glücklicherweise? Aber ich glaube, dass es immer einen großen Verluss schon immer bedeutet hat und es geht für die Eltern ... verschwindet ja nicht nur das Kind von der Welt, vielleicht auch für Geschwisterkinder.

Sondern eine ganz bestimmte gemeinsame Zukunft die sich die Familie zusammen ausgemalt hat. Vielleicht auch Erwartungen oder Wünsche an das Kind herangetragen wurden, die immer da sind. Die Eltern immer an ihre Kinder stellen. man kommt gar nicht umhin selbst wenn Eltern ihrem Kind was Eigenes zusprechen wollen dass mehr oder weniger bewusste Fantasien vorhanden sind wer das Kind sein soll und damit auch vielleicht bestimmte eigene narzistische, also auch im gesunden Sinne meine ich, damit Erwartungen oder Besetzungen an das Kind.

Und ein Verlust dieser Möglichkeiten, dass diese Potenzialität in die Zukunft geschrieben war auf einmal genommen wird. Ich weiß nicht ob es überhaupt möglich ist den Verluste eines Kindes zu verarbeiten wie es dann immer heißt aber vielleicht gibt es ja eine Möglichkeit einen Ort, sag ich mal für diesen Verlust in sich zu finden.

Also auf eine gewisse Weise diesen Verlist anzuerkennen und sich mit dem Schmerz auseinanderzusetzen auch vielleicht mit der Wut oder auch Schuldgefühlen die oftmals mit so einem Verlustein hergehen können. Und eine wichtige Aufgabe Der Trauer besteht auch darin Die Bindung an das Kind zu verändern, nämlich von einer Bindung zu einem lebenden Kind in der Realität hin.

Zu einer Bindung eines verlorenen inneren Objekts würde man jetzt in der Psychonalyse sagen. Das klingt natürlich nicht besonders schön aber eine innere Beziehung zu diesem Kind die eine andere sein muss weil sie nicht mehr mit der Realitet abgeglichenen und auch nicht in der realität stattfinden kann sie sozusagen körperlos wird und das eine andere Art von Beziehung bedeutet als die zu eben einem lebenden Menschen.

Und in der Folge wollen wir uns genau damit eigentlich beschäftigen, was passiert. oder wie ist es wenn gerade diese Verstoffwechselungen nenne ich Sie mal? Wenn es dazu Schwierigkeiten kommt oder die sogar ins Stockengerät oder die Trauer eigentlich gar nicht gelebt werden kann und einfriert? Also ich würde sagen, dass ein Kind was in eine Familie geboren wird die traumatische Verluste erlitten hat.

Was übrigens in der deutschen Geschichte häufig ist. also man darf das nicht vergessen Kindersterblichkeit war früher hoch aber Die Weltkriege haben in den Familiengeschichten Aber auch Geschichten von anderen Kriegen als auch Migration Haben Traumatische Verlüste eingeschrieben in Familien. Ich will sagen Kinder die in dieser welt aufwachsen und so eine familie hinein wachsen die stehen immer auch ein bisschen unter dem Zeichen dieser Geschichte.

Was Albert und Barbara Kane als Einersatzkind, ein Replacement-Child beschreiben ist aber im Grunde eine spezifische Form der – na ja man kann sagen ich gar nicht sagen Trauerverarbeitung sondern der Trauerabwehr nämlich dass das nachgeborene Kind das verlorene kind ersetzen soll. Das kann manchmal ganz bewusst so ausgesprochen sein es kann aber auch unbewusst diese Funktion bekommen.

Also die Trauer ist so unerträglich und so überwältigend, dass sie gar nicht richtig prozessiert werden kann. Sondern Sie wird getilgt dadurch das Verlorene ungeschehen gemacht wird. Das ist der psychoanalytische Mechanismus dahinter. So als wäre das Kind gar nicht gestorben, als wäre in dem neuen Kind im Nachgeborenen jetzt wieder geboren auf eine gewisse Weise.

Das ist jetzt ein bisschen makaber das zu sagen, aber da finde ich es sehr alltäglich. Wo ich das beobachte... ...ist wenn Haustiere stirben. Also eine Katze zum Beispiel oder einen Hund und man das viel beobachten kann. Es erzeugt auch einen unglaublichen Schmerz. Das ist ein großer Verlust! Und es gibt eine Neigung des Tieres ganz schnell zu ersetzen.

Das wird auch geraten. dann hol dir doch ne neue Katze oder hole dir doch nen neuen Hund um diese Trauer nicht so stark fühlen zu müssen. Um sich zu tösten mit etwas Was das jetzt verfolgen für die Katze hat, das weiß ich nicht so genau. Ich würde mal vermuten nicht so schlimmer wenn sie gut versorgt wird und mit aller Liebe betätstelt wird weil sie keinen Identitätsbildungsprozess durchlaufen muss.

aber wenn man sich vorstellt die Katz wäre ein Kind das zu einer eigenen Identität und zu einem eigenen Selbst finden muss dann hätte das eminente Folgen dafür dass es sozusagen in diese Rolle kommt einen Verlust tilgen zu müssen den die Eltern erlitten haben. Wir haben ja Erfahrungsberichte von euch erhalten und wir wollen im Laufe dieser Folge mehrere davon aufgreifen, um sich das Phänomen des Replacementscheid vorzustellen.

Wollen wir einsteigen mit einer Zusendung von einem Mann der kurz nach dem Krieg geboren wurde? Ich bin einige Jahre nach dem Tod des Erstgeborenen geboren. Der erstgeborene fand kurz nach den Krieg vor dem Haus meiner Eltern einen Blindgänger und spielte damit. Er überlebte das Spiel nicht. Drei Tage nach dem Vorfall kam mein Vater aus dem Krieg zurück, also in aller Kürze.

die traumatische Konstellation in all ihrer Tragik ist hier greifbar. Einige Jahre später wurde ich geboren als Ersatz und Wiedergutmachung als Verdoppelung zu behüten der Schatz Meine von Anfang an vorhandene Sprachstörungen stottern wurden als sich drei Jahre alt war, als missglückter Unfall erklärt.

Alle Bekannten und Verwandten wussten und erzählten von dem nicht stattgefundenen Unfall. In allen Wohnzimmern der Verwandtschaft hien ein großes Passbild, das Sterbebild des Erstgeborenen – und in dessen Rahmen ein kleines eingeklemmtes Passbild Mein-Tauf-Bild. Dass ich nicht den Namen des erstgeborenen trage verdanke ich den Nachbarn die meinten dass man das nicht tun dürfte.

Die Person beschreibt über die psychischen Folgen die es für sie hatte Ein merkwürdiges Behütetsein in einem ständigen Vergleich mit einem Imaginären gesehen zu werden. Zur gleichen Zeit Rebellion und Anpassung, panische Vorsicht ja nicht ein anderer zu sein und zur gleichen Zeit der Wunsch zu verschmelzen Angst den Eltern nicht noch einmal einen Verlust zuzumuten Nicht nur den Eltern Und zur gleichenzeit nur weg.

Die Person beschreibt dass sie als Erwachsener nachdem sie eine lange Analyse gemacht hat erst erkannt hat dass in den Gefühlen, die sie hatte permanent die Existenz seiner Vorfahren des Erstgeborenen als prägende Person vorhanden war. Dass das der Schattenbild ist und es in seinem Leben eine Rolle spielt.

Ich finde das ein sehr eindrückliches Beispiel wie sich das Replacement-Child Phänomen hier entfalten kann. Was denkst du über diese Geschichte? Ich finde, es wird eine starke Ampivalenz auch fühlbar. Also man sieht das Replacement Child nicht ungeliebtes Kind bedeuten muss. Im Gegenteil hier ein sehr überbehütet sein.

Man könnte sich vorstellen die Eltern haben sogar mit einer großen Ängstlichkeit und mit einer sehr sehr großen Fürsorge dieses Kind großgezogen. Worin aber auch immer schon gleich der Schatten des Verlustes sich gelten macht Also eine Angst, dass es nochmal geschehen könnte. Dass man nicht richtig aufpasst.

Man kann sich vorstellen die Eltern hier haben sehr viele Schuldgefühle und das in dieser Fürsorglichkeit in diesem Umsorgt werden immer. aber auch dieses andere Präsentes also das ist in der Literatur etwa von Andrea Sabadini einer italienischen Psychoanalytikerin beschrieben wird das mit dem Doppelgänger Motiv auch bezeichnet.

Das heißt Es gibt in der Geschichte von Replacement Childs immer so etwas wie einen mehr oder weniger sichtbaren Doppelgänger, also das verstorbene Geschwister. Und das eigene Leben und die eigene Identitätsbildung vollzieht sich sozusagen immer vor diesem Schattenbild. Also es gibt einen anderen mit dem man sich vergleicht, den man auch irgendwie ähneln soll – von denen man sich gleichzeitig wieder abgrenzen möchte, der man nicht sein will.

Und die Person, ich glaube das kann man über fast alle Replacement Child sagen hat Schwierigkeiten zu etwas wie eine eigenen Identität zu finden. Die klar auf dem Gefühl beruht, dass bin ich und es ist nicht irgendjemand anders. Ich glaube das hat viel mit der unbewussten Funktion zu tun, die Replacement childs hier eben tragen müssen.

also er beschreibt Das heißt, er ist schon mit einem starken Auftrag eigentlich auf die Welt gekommen. Nämlich etwas was ein traumatischer Verlustein vielleicht nicht zu ertragener Verlust war wieder gutzumachen. also er soll jetzt sozusagen derjenige sein den die Eltern verloren haben. Ja ich finde das sieht man auch sehr sinnbildlich in dem in der Beschreibung als er von dem Bilderrahmen spricht Also dass der große Bruder der erst geborene Sohn Rahmen in den Wohnzimmern der Verwandtschaft hängt und eher als ein kleines eingeklemmtes Passbild noch dazu geklemmt wird.

Also, wo eigentlich den Raum wird von dem großen Bruder vom erstgeborenen eingenommen erhält auch einen eigenen Rahmen mal so Platz in der Familie während er keinen eigenen Rahmen hat sondern ihm in den Rahmen des größeren quasi gesteckt wird Und das finde ich ein sehr starkes Bild eigentlich dafür, wo sein Platz war oder als wer er gesehen wurde.

Dass es Projektionen der Eltern an die Kinder gibt – das ist ja immer mehr- oder weniger der Fall bei Replacement Kindern. Es ist insofern eine besondere Projektion, weil sie glaube ich einen starken Identitätsauftrag mit sich bringt. Also sozusagen die Projektion in die Zukunft auch von Kindern, die ja erst mal potentiell ist also wo viele Möglichkeiten sind und Offenheit besteht, wo sich jemand hin entwickelt, wo jemand auch was Eigenes einbringt.

Die ist glaube ich in so einer Konstellation schon sehr dicht und vielleicht viele Türen sozusagen erstmal verschlossen Weil der Auftrag, glaube ich mit einer gewissen Schwere auch herangetragen wird. Eben ein anderer sein zu sollen. Was glaube ich auch noch mal zu einer speziellen Konstellation führt weil es ja auch nicht eine Identifikation mit einer lebenden anderen Person ist die man auf einer gewisse Weise mit einer Realität abgleichen kann sondern eben eine Identifikation mit einem Toten Und je nachdem, wie sehr das Kind das annimmt und wenn es von früher an sozusagen sein Auftrag ist wahrscheinlich erst mal mehr auch annimmt.

Mehr damit ringt in sich auch innerlich dieses Tote dann ganz sozusagen einmal gamiert mit der eigenen Identität ist. also die Rolle des Todes oder des Sterben ist glaube ich für solche Kinder eine ungewöhnlich große Rolle spielt. Es gibt oft in der Beschreibung von Replacement Kindern auch als Metapher diesen Schatten oder diesem Doppelgänger, oder diese Vergleich mit irgendwie so einer Figur.

Mit dem Verstorbenen und das ist glaube ich sehr instruktiv dieses Bild weil es etwas auch über den Stocken gebliebenen Trauerprozess in der Familie sagt. also wenn man nochmal auf die Trauertheorie die Psychoanalytische die wir an unterschiedlichen Folgen schon thematisiert haben zum Beispiel in der Folge über gefrorene Trauer Wenn man nochmal kurz zurückdenkt, bedeutet das erstmal dass so etwas wie ein ultra stabiles Introjekt entsteht.

Das heißt nachdem eine Person gestorben ist, ist sie zwar physisch nicht mehr da aber psychisch überpräsent. Das glaube ich kann jeder Nachvollziehen der mal einen Verlust erlitten hat. Die Person als Introjekt, das heißt sozusagen als Innerer anderer der aber noch nicht ein Teil des eigenen Selbst geworden ist gewinnt eine fast übermächtige Präsenz im eigenen selbst.

Das ist sozusagen der Geist wenn man das mal so sagen will, der Verstorbene als psychische Repräsentanz und die Aufgabe eines Trauerprozesses es sich auch mit dieser inneren Figur auseinanderzusetzen sie von einer fast unangreifbaren allmächtigen Gestalt zu einer Erinnerung werden zu lassen. Also ihn ihr sozusagen bestimmte Qualitäten auch zu nehmen, sie auch in die eigene Lebensgeschichte einzuordnen und ein differenziertes inneres Verhältnis zu gewinnen an Bivalenzen, auch die man ja einen Menschen gegenüber hatte.

Am Anfang dieses Prozesses ist dieser innere andere das ultrastabile Introjekt nicht nur allpräsent sondern es ist meistens auch idealisiert. also Der Trauernde oder die Trauernte traut sich überhaupt nicht irgendetwas wie negative Eigenschaften dieser Person zuzuschreiben, oder sie in der eigenen Biografie zu sehen.

Sondern sie ist wie ein Idealwesen. Man bewahrt alles auf und möchte nichts verändern – es ist sozusagen fast wie eine heiligen Figur. Da ist auch die Quelle von Religion übrigens psychologisch betrachtet bei solchen Verlusten. Und mit der Zeit wird sie von dieser idealisierten, ultra stabilen Präsenz hin zu einer die mehr psychisch verstoffwechselt ist zur eigenen Biografie gehört.

Man kann jetzt schon sehen dass das im Trauerprozess bei einem verlorenem Kind viel schwieriger ist weil man mit einem Kind und gerade wenn es zum Beispiel sehr früh stirbt also ein Säuglings-Tot erleidet oder noch in der frühen Kindheit stirbt man ja eigentlich noch gar nicht so eine lange Geschichte miteinander teilt die so Teil der eigenen Erinnerung werden kann, sondern da ist es eigentlich sehr viel Potenzialität als ideal in die Zukunft und noch wenig Realität gewesen.

Und das macht den Trauerprozess auch unendlich schwierig nur weil man eigentlich gar nicht zu leicht in dieses reale Verhältnis kommen kann, sonder dass ganz schnell die Person auch als ideales Wesen verinnerlicht bleibt Also einem verstorbenen Erwachsenen, da kann man dann auch negative Seiten der eigenen Geschichte betrachten und ihn sozusagen ein bisschen als realistische Person sehen.

Das ist bei einem Kind irgendwie nicht möglich auf diese Weise. Man sieht, der Trauerprozess ist erschwert und kommt vielleicht zu dem Punkt wo er eben gar nicht mehr möglich ist einfriert. D.h., dieses ultrastabile Interjekt bleibt präsent. fast krypterartigen Arrangements, die in den Familien beschrieben werden.

Also dass sozusagen es auch sichtbar ist, sozusagen überall das Bild und Kerzen und das ist sozusagen eine Atmosphäre wie in einer Krypta hat auch dieses Heilige damit und schafft quasi für die nachfolgende Generation das Idealbild eines Vorgängers. Das heißt jemand der gar kein reales Wesen ist sondern der ein idealisiertes Wessen ist.

Und das ist, glaube ich der Doppelgänger diese innere Figur die dann Kindern wenn sie auf die Welt kommen in der Nachfolge begegnet und Ich mit meiner Realität und mit meinen Konflikten meinem lebendigen auch Ungenügen also was einfach dazu gehört zum Mensch sein kann gegen dieses ideal niemals ankommen.

Dieses introjekt ist übermächtig unbesiegbar. Und ich kann als als nachfolger dagegen immer nur scheitern und dass es glaube ich eine Quelle von Defizitgefühl im eigenen Selbst, also immer irgendwie unterlegend zu sein diesem imaginären anderen gegenüber. Also der sich der Stachel gar nicht ziehen lässt.

Weil es gibt ja keinen Bruder gegen den man sich dann vielleicht auch durchsetzen kann, dem man überwinden kann oder wo man entdeckt dass man auch anders ist und das man seine eigenen Seiten hat und so. Sondern es gibt eigentlich ein ungreifbares Wesen die ganze Zeit. Noch schwieriger ist es wenn dieses ungreifbare Wesen gar keine Gestalt gewinnt, also der Verlust beschwiegen wird.

Auch das ist nicht so selten, wo dieser Geist unsichtbar ist. Und man hat ihn trotzdem die ganze Zeit gestaltet in eigenen Fantasien aus aber kann gar nicht genau sagen wer es eigentlich sein soll. Das erzählen einem die Eltern gar nicht. Na dass ist die Geschichte von Philippe Grombert von Dörfer hören werden.

Vielleicht kann man ja sagen, dass dieses Rivalisieren einmal aus dem Kind heraus entsteht durch eigene Fantasie. Aber auch... möglicherweise in Zusammenhang stehen kann mit vielleicht auch unbewussten Vergleichen der Eltern, mit ihrem verstorbenen Kind und dem jetzt lebenden Kind. Während das reale Kind durch die Realität für bestimmte Realität sorgt, womit auch weil Enttäuschungen eben verbunden sein können.

Die gehören eigentlich immer dazu aber dass mit dem toten Kind auf die trifft man dann sozusagen nicht mehr. Und so kann es sein, dass innerlich vielleicht bei den Eltern mehr oder weniger bewusst einen Vergleich stattfindet. Wie ist das jetztige Kind? Wie ist es damalsige Kind? auch da glaube ich bis zu einem gewissen Grad normal?

Das lässt sich gar nicht vermeiden. aber ich glaub da spielen solche vergleiche eben eine besondere Rolle. Zur Rivalität gehört ja auch, dass man auch mal ob siegt und gerade in der Entwicklung ist es ja wichtig dann seinen Platz zu behaupten seine Identität zu finden. Und ich glaube, da liegt gerade das unbewusste Verbot also zu sagen zum Beispiel Ich habe jetzt mit irgendetwas Erfolg oder ich setze mich als etwas der ich bin so bin ich Das mag ich auch wenn es dir nicht gefällt.

Ich bin anders als du. Also das sind die Prozesse der Identitätsbildung und Wenn das Unbewusst aber die ganze Zeit bedeutet dieses Bild des verstorbenen anderen weg zu drängen rührt man da eigentlich an ein Tabu. Also es ist nicht nur, wenn man sagt ich das bin ich und ich stoße dich jetzt zurück sondern das bin Ich und damit schiebe ich jetzt quasi das verstorbene Kind zur Seite.

Ich nehme meinen Raum für mich Und ich glaube da ist der entscheidende Punkt des Schuldgefühls. also das darf man nicht machen. Also eine typische Folge daraus wäre dass Kinder dann in ihrer weiteren Entwicklung entweder gar nicht versuchen, also sozusagen so einen eigenen Raum abzugrenzen oder wenn sie es versuchen sich gleich selbst dafür wieder sabotieren und bestrafen.

Also das wäre in dem Sinne zum Beispiel ich habe eigentlich Erfolg mit etwas mache ein Schulabschluss suche ein Studium oder such eine Ausbildung. Das weckt so viel unbewusste Schuldgefühl, es ist so als würde man damit sozusagen das verstorbene Geschwister jetzt ins Grab stoßen und das Grab zumachen.

Und jetzt bin ich hier in diesem Raum ... Soviel unbewusstes Schuldgefühle, dass man diesen eigenen Erfolg sabotiert und dann plötzlich nicht zur Prüfung hingeht zu der letzten, obwohl man's eigentlich könnte oder auf einmal wahnsinnig viele Blackouts hat und es nicht hinbekommt und irgendwie seinen eigenen Erfolg selber untergräbt um nicht diese Schwelle dieses Tabuts übertreten.

Dann kommen wir vielleicht zu einer weiteren Schilderung, hier beschreibt jemand eine Frau ihre eigene Geschichte. sie hatte ein Bruder der kurz nach der Geburt gestorben ist und sie ist wenige Monate später gezeugt worden. Der Verlust des Bruders so kann man das schließen war für die Eltern oder muss für die Eltern wohl traumatisch gewesen sein aber in einer Weise also das spielt jetzt in den Mitte des letzten Jahrhunderts dass der Trauer der Eltern bei einem sehr frühen Versterben des Kindes nach der Geburt kaum Raum gegeben wird.

Kein Abschied, kein Foto, keine Trauerefeier, keine eigene Beisetzung sondern also ich sage es mal so ein bisschen eine Entsorgung sozusagen das Verstorbenen und hierbei geht's auch um die Frage ob da bestimmte Medikamente die die Mutter während der Schwangerschaft bekommen hat eine Rolle gespielt haben.

Sie kommt dann ein Jahr nach dem Bruder zur Welt und beschäftigt sich eigentlich immer in ihrem Leben mit der Rolle, die ihr Bruder für sie spielt. Ein Trost? Oder hat sie mich gesehen und an ihren Sohn gedacht, Und um ihn getraut? Wieso war er so präsent in meiner Kindheit? Das tut schon sehr weh zu denken Dass ich vielleicht einfach das falsche Kind war.

Gleichzeitig weiß ich tief in mir, dass sie mich schon auch geliebt hat. Sie hat sich – das hat sie mir auch erzählt – immer fünf Jungs gewünscht. Ihren einzigen Sohn hat sie verloren. auf feuchtbare Weise War ich okay für sie? Ich habe mich lange vor allem als Teenager und junge Frau falsch gefühlt, nicht dass ich was falsch mache sondern das etwas an mir falsch ist.

Und ich deshalb nicht liebenswert wäre! Auch eine intensive Auseinandersetzung, wer dieser Bruder war und wie sie ihm sozusagen einen Ort in ihrem Leben auch geben könnte. Auch im Sinne von einer Trauer Und auch darüber dass ihr Vater eben für Sie ausgefallen ist vielleicht als eine hilfreiche Figur die er da vielleicht irgendwie in irgendeiner Weise unter eine Unterstützung hätte sein können.

Ich finde hier kann man Auch ein Thema erkennen, was man auch immer wieder bei Replacement-Kindern sehen kann. Dass der Tod eines anderen Menschen scheinbar oder tatsächlich zum Leben eines anderer Menschen geführt hat. Also dass diese Verbindung ich lebe weil du gestorben bist sehr stark ist und dann mit vielen Fragen und unterschiedlichsten Gefühlen verbunden ist.

Vielleicht eine unbewusste Schuld? erlebt wird, dass wenn das Wister nicht gestorben wäre. Dass es die anderen Personen vielleicht ja gar nicht gäbe. und die Frage kann ich überhaupt? Also einfach nur weil ich bin jemand sein der richtig für meine Eltern ist oder bin ich nicht für immer und ewig irgendwie auch, weil ich eben nicht Identitäter mit dem Anderen bin, nicht immer per se einfach quasi geburt auch schon falsch Quellt sich, merkt man ja richtig diese Frau die uns diesen Erfahrungsbericht geschickt hat mit diesem Gefühl das irgendwie von vornherein einfach falsch seins und auch nie darauf kommen zu können was es ist.

Und ich glaube dass es auch sehr schwierig dahinzukommen in ein Gefühl des Richtigseins weil jegliche Autonomie was gefährliches sein kann. Also in dem Sinne, dass nicht so zu sein wie das Geschwister vermeintlich oder real zu einer Enttäuschung bei den Eltern führt und gleichzeitig den Eltern ja so ein Verlust nicht noch einmal zugemotet werden will soll und da eine enorme Schuld damit verbunden ist überhaupt erst mal auf der Welt zu sein und dann aber auch damit überhaupt zu sich selbst finden zu wollen jemand eigenes und für sich stehendes zu sein.

Also man könnte sagen, es gibt so etwas wie eine Überlebens- oder man könnte besser sagen Existenzschuld. Also das ist beschrieben. ich verdanke meine Existenzen dem Tod eines anderen im Unbewussten also dass sozusagen assoziativ und kindlich die Dinge zusammenknüpft. ergibt sich daraus oder kann sich daraus die Gleichung ergeben?

nicht nur Ich verdanque meiner Existenze den Tod eines Anderen sondern Es ist quasi wie ungekehrt Ich verschulde den Tod eines anderen. Der andere musste sterben, weil es mich gibt, damit er's nicht geben kann. Also das wäre im Unbewusstsein, wo es keine Zeit und keine kausalen Folgen gibt, so zu sein unmittelbar miteinander verknüpft also so als wäre man selbst irgendwie dafür verantwortlich dadurch dass man lebt ,dass der Andere hat sterben müssen.

Das wär seinen Traumlogik Und es kann zu einem Lebensgefühl führen ich trage eine Schuld in mir und die muss ich abtragen. Also ich muss sozusagen mein Leben in den Dienst von etwas stellen. Und zum Beispiel, in dem Dienst diesen Verlust, diesen Schmerz bei meinen Eltern zu heilen oder dann übertragen auf andere Menschen und anderen Menschen zu heilen.

also meine Existenz verdankt sich oder kann nur rechtfertigt werden indem ich die ganze Zeit anderen etwas gebe. Wir haben auch... Ich weiß nicht ob das Zufall ist oder ob man das statistisch wirklich belegen könnte aber wir haben ja wirklich Bei vielen Menschen, die uns geschrieben haben gehört das sie in helfenden Berufen tätig sind.

Zumindest die, die wir uns geschrieben hatten, da gab es jetzt eine Häufung dass Sie sich sehr stark dem Helfenden in Ihrem Leben gewidmet haben also anderen zuzuwenden und ihnen zu helfen. Wobei man das auch nicht so sehr psychologisieren sollte. Man kann sagen es gibt vielleicht dann ausgrund von solchen Dynamiken eine Tendenz dorthin.

aber Wenn man sich das bewusst wird, das reflektiert. Dann kann man vielleicht auch sehr gut in solchen Berufen sein und wirklich für die anderen helfen zu können. Und daraus auch ein Moment Identität gewinnen. Das wäre ja in der psychischen Entwicklung oft so dass man aus der Not eine Wendung macht.

Kann auch nicht stärker werden. Der andere Aspekt der die Identitätsbildung betrifft ist ja auch dieses überlagende Identitäten also auf Seiten der Eltern jüngeren Kind das verstorbene Kind sehen oder wesentliche Aspekte von ihm und dann die Spiegelungsprozesse im Grunde immer etwas verzerrt sind. Also, die Eltern sehen im Kind oder in mir aus Kinderperspektive eigentlich immer noch jemand anderes eigentlich als der, der ich bin.

Da ist immer noch Jemand hinter mir, da ist wieder der Schatten, der eigentlich gemeint ist auf den die Eltern eigentlich reagieren, der irgendwie in mir ist. Das Kind bekommt Schwierigkeiten, ein Gefühl dafür zu entwickeln wer es eigentlich selbst ist. Klassische Fantasien die sich daraus entwickeln, wer zum Beispiel die Fantasie irgendwie... Also zum Beispiel der Jugend.

Ich bin eigentlich gar nicht das richtige Kind meiner Eltern. also vielleicht ist da irgendwie bei der Geburt was vertauscht vor Arten oder so und ich bin dabei den falschen Eltern gelandet oder meine eigentlichen Eltern sind irgendwie noch ganz andere. aus dem Gefühl heraus. Eigentlich bin ich gar nicht derjenige, der adressiert wird.

Das ist was man in der Psychologie und in der Mentalisierungsforschung ein Alien selbst nennt also einen Spiegelungsprozess wo eine Projektion der Eltern hier sozusagen die Projektion des verstorbenen anderen Kindes Teil des eigenen Selbstwirt Und die Identitätsbildung erschwert weil man Eine Spieglung in sich hat Also etwas verinnerlicht dass man isst und gleichzeitig doch nicht ist und ich finde das es in dieser Zuschrift sehr plastisch beschrieben worden, dieses irgendwie falsch sein und doch man selbst sein.

Und eigentlich gar nicht genau wissen, wer man eigentlich ist. Ich finde auch das Thema der Eifersucht. Also es kommt jetzt in deinem Erfahrungsbericht von ihm mit dem Sinne nicht vor aber es hat mich daran erinnert dass das ja auch noch eine große Rolle spielt. also in Bezug auf das Rivalisieren was wir vorhin aufgegriffen hatten Das ja auch Eifer sucht auf das Leben der Eltern vor mir stattfinden kann Weil da ein Geschwister schon war, das heißt es ist ja auch das eigene Geschwster mit dem man dann konkurriert, rivalisiert um die Liebe der Eltern.

Die dem Geschwester aber scheinbar wie ganz alleine gehörte und dadurch dass es verstorben ist jetzt auch nicht wie abgeglichen werden kann oder eben jetzt sozusagen geteilt wird sondern da ist etwas ganz eigenes was nur den Eltern und diesen verstorbenden Kind gehört Und wo das andere Kind ja auch nicht rein kann.

Das heißt, es ist irgendwie ausgeschlossen. also es kommt ja nicht hin zu etwas sondern durch den Tod ist diese Tür ja wirklich zu und wo glaube ich noch mal eine ganz eigene Form der Allversucht aufkommen kann nie Teil von diesem Leben werden zu können sondern immer dass eigentlich ein bisschen auch von außen nur mit betrachten zu können und dann wahrscheinlich auch einen ganz starker Wunsch da eigentlich auch irgendwie reinzuwollen.

Wir haben auch Zuschriften erhalten, die sich mit den transgenerationalen Prozessen von solchen Replacement-Dynamiken beschäftigen. Hier hat uns jemand geschrieben wo die Tante also die Schwester ihres Vaters in der Nazizeit im Rahmen der Aktion TIVI ermordet wurde – das war die Mordaktion der Nationalsozialisten wo Menschen mit körperlichen und auch seelischen Behinderungen systematisch ermordet wurden, auch mit psychischen Erkrankungen.

Und im Rahmen dessen gab's eine systematische Ermordungsaktion von Kleinkindern. Man weiß es anscheinend jetzt aus dem Schilderung nicht genau aber sie vermutet das dies im Rahmen dieser Mordaktion geschehen ist. Also man muss ja sagen dass man sowas deswegen nicht genau weiß weil oft solche Ermordungen auch ohne das Wissen der Eltern vorgenommen wurde, in dem dann behauptet wurde das Kind sei zum Beispiel an einer Lungenzündung verstorben.

Hier wird beschrieben auch wieder sehr charakteristisch dass das Thema in der Ursprungsfamilie nicht weiter thematisiert wurde also tot geschwiegen wurde. aber die Verhaltensweisen und die Reaktionen der beiden überlebenden Geschwistern also auch des Vaters der Hörerinnen sind sehr geprägt eben gewesen von den Ereignissen des Krieges.

Und sie fragt sich jetzt, wie das was der Vater erlebt hat. Also den Verlust des eigenen Geschwisters, dem traumatischen Verlüst auf seinen Umgang mit ihr, also mit der nächsten folgenden Generation gewesen sein könnte? Eine Parallele vom verstorbenen Geschwisterkind zu mir könnte in der Rolle des Krankenkindes bestehen als dass mein Vater, er war auch im helfenden Beruf tätig mich immer wieder stigmatisiert hat also stigmatisiert in Anfangszeichen.

Mittlerweile bin ich in meinen Vierzigern der Stempel eines kranken Kindes, vertiefte sich im Laufe der Jahre durch erworbene anerkannte Behinderungen bis heute. Verarbeitet mein Vater vielleicht das Trauma des verlorenen Geschwisterkindes, indem ich einerseits unheilbar krank gedacht werden und er mich gleichzeitig retten muss?

Ich bin ebenfalls ein drittes Kind – so wie diese Tante und wurde auch aufgrund meines Geschlechts als Wunschkind gehandelt, also auch wohl diese Tante. Also es ist nicht die klassische Replacement-Child-Konstellation. der Vater – das wäre ja das Replacement Child in der ersten Generation – ist aber älter, aber als Geschwister kommt er trotzdem infrage eine Rolle zu übernehmen.

Und es geht um die Frage was hat der Vater mit seinen Erfahrungen weitergegeben an die nächste Generation? Man kann das natürlich aus der Ferne jetzt nicht so sagen. Es wäre zumindest eine sehr plausible Konstellation. Also man würde wieder sehen, was eine Projektion ist also das kranke Kind, was tödlich bedroht ist als quasi innere Figur, als das traumatische Lebensthema und als der unerlöste Geist in der Familiengeschichte und auch in der Psyche des Vaters.

Und er sieht quasi dieses Krankekind dann in seinem Kind notwendiger Reise weil es innerlich nicht bearbeitet werden konnte, gab keinen Raum in der Familie darüber zu sprechen und Nachkriegszeit und all das. Und es ist der unerlöste Geist und er sieht das in ihr und versucht das Thema des ungelöstes unbewältigte Trauma der Familie in seiner Tochter zu bearbeiten indem er sie heil macht.

also er sieht sie krank ja dass sozusagen die Projektion und er versucht es zu lösen indem er sich rettet. und damit wäre sozusagen eigentlich Das wäre eine ganz klassische Konstellation für eine transgenerationale Thematik, wäre das Thema weitergegeben. Weil vielleicht ist sie überhaupt gar nicht so krank?

Also alle Kinder sind irgendwie auch krank und so. Und alle Kinder wenn man sehen möchte können auch ne sehr fragile Seite haben. gerade was das Körper selbstbild eines Kindes angeht kommt es sehr darauf an wie's von seinen Eltern adressiert wird also in der schwächlichen kranken verletzlichen in Anführungszeichen behinderten Seite oder eben mit einem guten Zutrauen so in die Entwicklung.

Man könnte sich das vorstellen, dass es etwas ist was sich tief in das eigene Körperbild der Person hinein gearbeitet hat. also krank zu sein mir stimmt fast nicht. und wenn sie dann tatsächlich auch eine anerkannte Behinderung bekommt das wahrscheinlich das Thema noch mal aktiviert Also, dass die eigene körperliche Beeinträchtigung dann so verstanden wird.

Ich würde sagen das wäre eine transgenerationale Thematik, das verlorene Geschisterkind zu retten in der nachfolgenden Generationen. also ich finde das könnte man gut überlegen. gerade bei solchen fixend Projektionen wenn Eltern ihre Kinder auf ganz bestimmte Weise irgendwie sehen müssen Und dass ein unbewusstes Bild gibt, könnte man sich fragen.

Ist hinter diesem unbewussten Bild was die Eltern haben steht da nicht wieder so eine Schattenfigur aus der Geschichte? Ja wir wollten zum Schluss noch eine Schilderung aufnehmen, die auch zeigt das nicht jede neue Schwangerschaft nach so einem tiefgreifenden Verlust unbedingt bedeuten muss, dass es zu einem Replacement-Child kommt sondern auch das ganz anders sein kann und vielleicht gerade in der Auseinandersetzung mit dem Thema Replacement Child, dass es was sehr Fruchtbares sein kann.

Und sozusagen die Türen und die Zukunft für das neue kommende Kind auch offen stehen können. Die Zuschreib zeigt aber gleichzeitig, dass obwohl man sich dessen bewusst ist und obwohl man damit auseinandersetzt Wie trotzdem, wie schwer es sein kann eben nicht innerlich in diese Vergleiche zu kommen oder das Bild nicht schon doch zu überlagern und dass das vielleicht auch einen Ringen immer damit bis zum gewissen Grad damit sein wird.

Und zwar ist es eine Frau die hier schildert, dass sie ihren Sohn verloren hat und zwar hat er ein Gen... Defekt gehabt, der sich im Kleinkindalter dann offenbart hat und über mehrere Jahre dazu geführt hat, dass es ein pflegebedürftiges Kind wurde. Und wie sie schildert das eher langsam aus dem Leben glitt bis zu seinem ... Ich glaube wenn ich richtig gerechnet hatte ungefähr ... Sie ungefähr zehn Jahre miteinander verbracht haben.

Und sie schildert eben auch, wie es ihr in dieser Zeit ging. Wie es auch zum Beispiel ihr damit ging sich mit anderen zu vergleichen die Kinder haben Die keine Behinderung haben und dass sie sich in der zeit auch oft sehr machtlos gefühlt hat. Sie hat dann eine psychanalyse später gemacht und sich in dieser auch sehr mit dieser zeit auseinander gesetzt.

Und jetzt ist diese frau eben gerade erneut schwanger und sie beschäftigt sehr dieses Thema, wie Sie dann auch im Umgang mit dem jetzt kommenden Kind sein wird. Und sie schildert dann folgende Gedanken. Ich mache mir Gedanken, wie ich mit dem Thema das Replacement-Child umgehen möchte. Gibt es schon Dinge, die ich auf das jetzige Kind projeziere?

Schreibe ich ihm eine Rolle oder eine Funktion zu? Ja da gibt es Fantasien! Dinge wie dass das Kind sprechen lernen wird und andere Meilensteine erreicht. Doch diese Dinge sind Waage, habe ich das so ja noch nicht erlebt. So ist dieses zweite Kind irgendwie auch ein erstes Kind! Für mein Partner ist es aber das erste Kind – er kannte meinen Sohn nicht und dieser Umstand hilft mir auf eine mir nicht verständliche Art.

Ich kann nicht benennen wobei genau, ich kann nur sagen dass sich diese Schwangerschaft trotzdem erlebten leicht anfühlt.". Für mich hat dieses zweite Kind nicht nur etwas mit Mut, sondern mehr noch etwas Mit-Hingabe zu tun. Und ich frage mich was diese Hingabe erleichtert? Mich hatte mein Sohn insofern geprägt als sich nichts auf ihn projizieren konnte!

Er war völlig pflegebedürftig und abhängig von mir – und es bestand keine Aussicht dass er sich je entwickeln würde…. Ich hätte lange Wünsche hegen können, er möge ein besonders brillanter was auch immer werden …. Es war mir schlichtweg klar das das nicht geht.". Dieses Erleben prägt mich auch für das nächste Kind.

Auch wenn das Kind gesund in Anführungszeichen ist, wird es etwas ganz Eigenes mitbringen, dass nicht von mir beeinflusst werden kann und auch nichts soll. Meine Aufgabe ist doch eher diesem ganz eigenen, diesen Wesenskern dieser Individualität zu verhelfen, in dieser Welt einen Platz zu finden wo es sich entfalten kann.

Auch diese Erkenntnis verdanke ich meinem Sohn Denn obwohl er so schwer behindert war, war da etwas Eigenes. Und das war für mich von Anfang an und immer spürbar bis zum Schluss. Das eigene schimmerte immer durch.". Ja ich fand gerade in der letzten Passage dass da deutlich wird, dass sich diese Person vielleicht in einer ganz besonderen Weise nochmal mit den eigenen Projektionen auseinander gesetzt hat also auch... Sie sagt ja sie verdankt dieser Erkenntnis ihrem Sohn vorher dass sie das eigene Wert schätzen möchte und vielleicht auch durch eine Enttäuschung, weil diese Projektion von ihnen sozusagen nicht beantwortet werden konnten oder nur bis zu einem gewissen Grad.

Also zumindest wenn es in so Fantasien glaube ich wie Leistungen und solche Dinge geht aber vielleicht auch eine Stärke dann darin das eigene im anderen zu sehen was ja nicht unbedingt leicht ist. also es ist ja durchaus schwierig von bestimmten Wünschen an das Kind loszulassen und vielleicht hat diese Person sich schon ganz besonders damit auseinandergesetzt.

Ja, dass in dem Prozess der Krankheit des Sohnes auch so was wie ein Erkenntnisprozess war also das eigene an jemandem wahr zu nehmen ohne eben die eigenen Projektionen von irgendwie Erfolg oder was auch immer das Kind werden wird sondern es in dieser Unmittelbarkeit der Begegnung auch zu sehen mit dem anderen.

Was natürlich nochmal eine andere Situation ist als jetzt einen traumatischer, abrupter Abriss einer Beziehung zum Kind. Weil hier natürlich durch die Krankheit auch ein Zeitprogress da war. Ich fand es trotzdem sehr beeindruckend wie die Hörerin das hier geschildert hat also wie sehr sie auch innerlich darauf zu achten versucht das eigene am Kind zu sehen und in ihren eigenen Fantasien über das Kind, den man sich natürlich bildet wie auch nicht trotzdem voneinander zu differenzieren Hier gar nicht die Kinder so voneinander zu trennen, auch das nicht.

Also das ist jetzt was ganz anderes und es hat damit nichts zu tun sondern eigentlich eher zu suchen wo sie etwas von der Erfahrung ihres ersten Kindes an des zweiten Kind in einer guten Weise weitergeben kann. Unbewältigte Trauer erzeugt einen Geist aber man könnte auch sagen bewältigter oder irgendwie bearbeitete Trauererzeugt auch ein Geist.

hier aber in dem Sinne ich glaube nicht nur eine Erinnerung sondern vielleicht so etwas wie ein innerer Begleiter. Und es ist glaube ich nicht falsch zu sagen, dass der Sohn, der Verstorbene auch in der Zuwendung die sie dem Nachfolgendem Kind gibt präsent ist und weiterhin da ist. Aber wenn die Trauer durchdrungen ist – nicht als unerlöster Spuk sondern eben als ein Teil der Geschichte dessen Erbe natürlich auch das nachfolgende Kind wird und dass die eigene Geschichte weil sich nicht die Anekdote vom Opa ist, sondern etwas fühl- und erlebbares Interpräsenz wie uns die Menschen in unserer Umgebung begegnen.

Das ist ja vielleicht überhaupt der psychoanalytische Grundsatz.". Die Frau spricht auch in ihren Schilderungen – das haben wir gar nicht mehr vorgelesen – noch von vielen anderen Aspekten eben unter anderem von Bedingungslosigkeit. Und es fand ich eigentlich auch nochmal einen wichtigen Punkt also... In der Beziehung zum Kind, also da steckt ja etwas Unkündbares sagt sie.

Der Mutter schafft. unabhängig davon wie sich vielleicht später die Beziehungen gestaltet wird man immer Mutter sein und das in dieser Beziehungsbeziehung vielleicht ja dass es auch Mut braucht sich genau in sowas bedingungsloses Unkünstbares hinein zu begeben. mich hat haben die Schilderungen ein bisschen auch an den Film Arrival erinnert wo eine Frau und Achtung ich Spoiler den Film jetzt mit Aliens in Kontakt tritt und sie eine Sprachexpertin ist.

Und indem Sie die Sprache der Aliens lernt, auch lernt in die Zukunft zu schauen und darüber sehen kann dass sie ein Kind haben wird was aber krank ist und dann irgendwann verstirbt und sie sich trotz dieses Wissens also sie könnte es sich dann auch dagegen entscheiden und sie entscheidet sich aber für die Liebe könnte man sagen also für dieses Bedingungslose möchte ich da eigentlich aufgreifen.

Das hat mich daran erinnert, irgendwie diese Schilderung dass an ein Kind können solche Erwartungen übertragen werden bis zu hinzugehen das ja manchmal Kinder das Gefühl haben sie sind nur auf der Welt um diesen Erwartung der Eltern nachzukommen und wenn Sie das nicht tun enttäuschen sie die Eltern oder dann gibt es Konflikte und so weiter.

und Ich finde da steckt sowas von dieser für mich von dieser Botschaft der Liebe drin, die um ihrer selbst Willen da ist und die nicht irgendwie in dem Sinne einen Nutzen verfolgt. Und dass in sich ein Wert hat oder eine Daseinsform sozusagen im Leben ist, die etwas sehr wertvolles ist.". Ich glaube was man auch an dieser Schilderung aber auch an den anderen sehen kann das es mit den Verlusten gerade wenn es traumatische Verluste sind, die sich im Leben beignet nicht möglich ist.

Die irgendwie aus der Familiengeschichte, aus der Biografie auch aus dem was man an die nächste Genalzone weiter gibt irgendwie fernzuhalten. also das ist ein Teil der Geschichte und ich glaube dass es auch in Ordnung. also wir alle sind Erben nicht nur einer fröhlichen Geschichte sondern auch eine Geschichte mit ihren Schattenseiten.

Ich glaube was man versuchen kann ist letztlich diese Geschichte bewältigten schon verstoffwechselten, verdauerten oder verdauerlicheren Form weiterzugeben. Also das ist was man leisten muss sozusagen dann als Elternteil dass man die Familiengeschichte wie vorverdaut bevor man sie an die nächste Generation weitergibt.

und auch das ist natürlich nicht ins Grenzenlose möglich sondern wir alle geben auch Unverdaudes weiter. Wir sind alle keine perfekten Wesen. Ich glaube in der Urteil über gerade frühe Generationen darf man nicht zu streng sein, weil auch aus den Schilderungen hervorgeht wie wenig Raum eigentlich für Trauer und die Bewältigung von solchen Verlusten für Menschen da war.

Und das gibt es natürlich heute noch genauso. also es braucht einen Raum um traumatische Verluste zu bewältigen. überhaupt jemand der das ernst nimmt mit dem er darüber sprechen kann dass es überhaupt als Trauer anerkannt werden darf. Die Lösung ist zu beschweigen nicht darüber zu sprechen die wir kritisch sehen natürlich als Psychoanalytiker, kann aber in der eigenen Geschichte so etwas wie die einzig Mögliche sein.

Um irgendwie einen traumatischen Schmerz in sich zu sedieren und überhaupt irgendwie funktionsfähig zu bleiben im Leben um irgendwie für seine Kinder eine funktionierende Mutter oder funktionierender Vater zu sein. also ich glaube das sind nicht böse Eltern sondern es sind Eltern die mit den Möglichkeiten die ihnen gegeben waren versucht haben das Beste so zu tun.

Davon würde ich eigentlich in der Regel ausgehen. Trotzdem würde ich sagen, wo man das erkennt, dass so ein Thema da ist, lohnt sich nicht nur für sich selbst sondern auch für die, die nach einem kommen und vielleicht auch im Formen der Nachträglichkeit. also selbst wenn man schon Kinder hat dieses Thema in sich zu aufzugreifen und zu bearbeiten.

Und ich finde gerade bei solchen transgenerationalen Thematiken ist eine Psychoanalyse Das haben ja auch hier einige geschildert Eine Form der Harnkindsweise, die zumindest für viele Menschen da sehr hilfreich ist. Also dieses hinein Fühlen und auch dem Raumgeben der eigenen Geschichte – Die Geister sozusagen, die Schattenrisse werfen etwas zu füllen mit der eigenen Biografie als ein Prozess der Auseinandersetzung und letztlich dann einen prozess der nachholenden Trauer.

Ja, ich würde sagen das wäre langsam zum Schluss dieser Folge kommen. Wir haben noch viele weitere Zuschriften erhalten die wir jetzt nicht aufgreifen konnten, die wir aber alle gelesen haben und wir möchten auch nochmal an dieser Stelle ganz herzlich dafür danken dass es auch sehr berührende Zuschrifte waren.

Wir greifen das Thema ja nochmal in unserer Vertiefungsfolge auf, wo wir über die Geschichte von Philipp Graham Wehr sprechen werden. Also für alle, die das interessiert, könnt ihr da auch noch mal mehr zu diesem Thema finden. Es ist sicherlich ein Thema was eine gewisse Schwere hat gerade weil es hier um den Tod von Kindern geht.

Es ist aber trotzdem ein wichtiges Thema und man kann, glaube ich auch über das Thema überhaupt mit Projekten und Aufträgen in Familien nochmal sich auseinandersetzen. Im weiteren Sinne zumindest. Wir hoffen es ihr trotzem nicht allzu beschwert aus dieser Folge herauskommt und für euch was hilfreiches Interessantes mitnehmen konntet.

Jetzt wünschen wir euch erstmal einen schönen Morgen, Mittag oder Abend! Und immer erst das Wort. Tschüss!

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