
Eine 40-Prozent-Partei ist die Mitte - sagt Ralf Schuler, Politik-Chef von Nius
Freitag, 9. Oktober 2026 · 1 h 17
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Shownotes
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– Intro
– Tag der Deutschen Einheit: Alle Spitzenämter westdeutsch besetzt
– Dialekt, Identitätspolitik und Quoten
– Der Festakt in Bremen: Katja Riemanns Auftritt
– Steinmeiers Rede: „Ansage eines Mafiabosses"
– Wo liegt die politische Mitte?
– Politiker singen im Luxushotel
– „Inside CDU": Philipp Amthor und der Strandkorb
– Bildkontrolle: Was Angela Merkel besser machte
– Der öffentlich-rechtliche Rundfunk: Kosten, Schlagseite, Reformunfähigkeit
– Rundfunkstaatsverträge kündigen: Ein Ausweg?
– Spiegel, Taz und die Frage, wer Journalist ist
– Gibt es journalistische Standards? Der Streit mit Peter Welchering
– Die Correctiv-Recherche
– Pressekodex, Presserat und Nius
– Regierungsflieger und Zugang zu Quellen
– Nicht mehr eingeladen: Die gespaltene Medienöffentlichkeit
– Reschke, Neubauer und Co.: Wer kommt nicht ins Gespräch?
– Warum Ralf Schuler Bild verließ und zu Nius wechselte
– Verabschiedung
In dieser Folge von „Sachlich Richtig fragt" sprechen Alexander Teske und Peter Welchering mit Ralf Schuler, Politikchef bei Nius und zuvor fast zehn Jahre Leiter der Parlamentsredaktion der Bild. Ausgangspunkt ist der Tag der Deutschen Einheit in Bremen. Schuler ordnet ein, dass alle fünf Spitzenämter westdeutsch besetzt sind, und äußert sich zu Identitätspolitik und Quotendebatten. Er kritisiert den Festakt und Steinmeiers Rede und erklärt, warum sich die politische Mitte für ihn rein über Mehrheiten definiert. Weitere Themen sind die ZDF-Dokumentation „Inside CDU" mit Philipp Amthor und Strandkorb sowie die Frage, wie Politiker ihre Bilder kontrollieren, im Vergleich zu Angela Merkel. Ausführlich geht es um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, mögliche Reformwege wie die Kündigung der Rundfunkstaatsverträge und die Rolle des Spiegel. Im Streit mit Peter Welchering geht es darum, ob es journalistische Standards gibt. Schuler schildert außerdem, wie sich sein Zugang zu Quellen und Talkshow-Einladungen verändert hat, warum er Bild verließ und wie er die gespaltene Medienöffentlichkeit sieht.
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Sachlich richtig dumm. Ein fröhliches Hallo aus Hamburg. Mein Name ist Alexander Teske und an meiner Seite ist Peter Welchering. Ja, moin aus Ostfriesland. Ihr seid bei Sachlich Richtig fragt, diesmal mit Ralf Schuler. Er war Redakteur bei der Welt, Politikchef bei der Märkischen Allgemeinen, dann fast zehn Jahre Leiter der Parlamentsredaktion der Bild-Zeitung, heute Politikchef bei News.
Herzlich willkommen.
Vielen Dank für die Einladung. Der Tag der Deutschen Einheit. Gerade vorbei. Und wir haben ja gesehen, da haben sich die fünf obersten Repräsentanten der Bundesrepublik versammelt, diesmal in Bremen, in der Stadt der Bremer Stadtmusikanten. Und wenn man sich das so anschaut, der Kanzler Friedrich Merz aus dem Westen, der Bundespräsident, Frankfreder Stranmeier aus dem Westen, die Bundestagspräsidentin, die mal sogar ein Volontärseminar bei mir gemacht hat in der Journalistenakademie in Stuttgart, Julia Klöckner, auch aus dem Westen.
Und Andreas Burfenschulte, der Bundesratspräsident, Westler. Ja, und nicht zu vergessen dann Stefan Habert, der von Frau Merkel ja an das Bundesverfassungsgericht vermittelt wurde, auch aus dem Westen. Alles Westdeutsche. Kommen Sie damit zurecht? Stört sie das oder ist es eigentlich egal geworden?
Ich registriere das eigentlich nicht, wo wer herkommt. Also ich würde wahrscheinlich den Dialekt noch eher registrieren als die Herkunft. Auch wenn beim drüber nachdenken, ich kenne die ja alle. Ja, ist halt so. Aber es hätte jetzt, glaube ich, auch keinen großen Unterschied gemacht, wenn Michael Kretschmer dabei gewesen wäre oder, weiß ich nicht, Frau Schwesig.
Also das ist keine, also das ist nichts, was mich irgendwie emotional berühren würde. Wir haben ja im Augenblick auch diesen eigentümlichen Fakt, dass Katharina Reiche als Bundeswirtschaftsministerin dem Kabinett angehört, aber der Osten sich beschwert, dass er nicht repräsentiert sei, weil Frau Reiche zu westlich sei.
Also die ist südlich von Berlin geboren worden, in Ludwigsfelde aufgewachsen, Luckenwalde, und war dann zuletzt lange Zeit bei Westenergie, gut, das heißt nun auch schon Westen, also einer E.Tochter, und ist im Prinzip als Managerin da bei einer Ökostrom-AG unterwegs gewesen. Und die gilt komischerweise als nicht ossiempathisch genug und deshalb haben sich die Ministerpräsidenten des Ostens auch schon mal beschwert und wollten eigentlich Rainer Haseloff an der Stelle haben.
Das sind so ganz komische Kategorien. Ich finde ohnehin Identitätspolitik ein bisschen albern. Wenn dann immer davon die Rede ist, es sei jetzt Zeit für eine Bundespräsidentin. Wann war denn keine Zeit? Oder warum ist jetzt Zeit und nicht in vier Jahren? Es ist nichts, wie das Gesicht aussieht, aus dem die Reden herauskommen, die im Bellevue gehalten werden oder jetzt im Behelfsbau, ist mir eigentlich völlig egal.
Wobei, lassen Sie mich da nochmal nachhaken. Es wurde ja auch gefordert, der Bundespräsident müsse wieder ein Ostdeutscher sein oder besser noch eine ostdeutsche Frau. Hatten wir ja schon mal. Hat sie das in irgendeiner Weise damals beeindruckt? Also Frau nicht, sondern Herr Gauck war natürlich ein Mann.
Joachim Gauck hat mich durch die gelegentliche Gedankentiefe beeindruckt. Wenn jemand aus dem Westen kluge Reden hält, ist es mir genauso recht. Also ich finde das alles ein bisschen eigentümlich, aber vielleicht bin ich da auch nur irgendwie sonderprogrammiert. Also es treibt mich auch nicht um, dass nur ein bestimmter Prozentsatz der Vorstandsvorsitzenden in Deutschland aus dem Osten kommt oder kein DAX-Vorstand.
Das ist mir völlig egal. Es würde jetzt mein Wohlbefinden auch gar nicht ändern, wenn jetzt 15 DAX-Vorstände aus dem Osten kämen. Das andere ist, dass bei vielen Personalien in der wahrnehmbaren Öffentlichkeit gar nicht registriert wird, wenn sie aus dem Osten kommen. Also beispielsweise der Vize-Chefredakteur von Bild ist ein Ostdeutscher.
Hat das irgendjemand bemerkt oder hilft es irgendjemandem im Alltag weiter? Glaube ich jetzt gar nicht so richtig. Markus Preis bei der ARD, wenn ich es richtig weiß, kommt aus Deutschland.
Ist ein Thüringer, genau. Ist ein Thüringer. Ich glaube aber, wenn ich da mal dazwischenhacken darf, das hat ein bisschen was auch damit zu tun, dass wenn man es schon als Ostdeutscher an die Spitze irgendwo schafft, dann will man auf keinen Fall als Ostdeutscher identifiziert werden. Also man hat sich schon wahnsinnig angepasst, ist ja auch was, was man Frauen in Führungspositionen nachsagt.
Also ich will mich da nicht so verkämpfen, aber ich glaube, es wäre schon, klar, man kann nicht immer alles paritätisch besetzen mit Mann, Frau, Ost, West und da kommen wir ja in Wald und dann kommen wir am Ende noch mit da, muss doch die Arbeiterklasse paritätisch und so weiter, aber so völlig außer Acht, also ich glaube, es stößt schon vielen auf.
Möglicherweise kann man besser andocken, wenn man den Dialekt hört. Also das ist ein interessanter Effekt, den ich bei vielen Politikern beobachte, dass wenn die im Wahlkreis sind, fangen sie plötzlich an, Mundart zu sprechen. Also Baden-Dürfenberg ganz schlimm und in Berlin versuchen sie Hochdeutsch zu sprechen, aber dann da unten.
Oder auch Gregor Gysi fängt dann an zu Berlinern, wenn er irgendwie unterwegs ist und hält das für volkstümlich. Also gut, das mag vielleicht Identität stiften oder sowas. Aber also ich persönlich ticke jetzt nicht so und ich weiß auch nicht, was es mir bringen soll. Ich erwarte eigentlich, dass jemand nicht Regionalpolitik betreibt in Ämtern und einfach, ich unterscheide einfach nach sinnvollen und unsinnigen Geschichten.
Aber ich bin da vielleicht auch untypisch. Also aber ich finde diese ganze Identitätsgeschichte ohnehin schwierig. Also es ist ja nicht so, dass mich nur jemand repräsentieren kann, der genauso gestrickt ist wie ich. Also man muss auch nicht ein begnadeter Politiker für Behinderte sein, wenn man selbst im Rollstuhl sitzt.
Es ist vielleicht okay, die Behindertenbeauftragte Verena Bentele hat eine Sehstörung. Aber ich finde das immer eine sehr eigentümliche Begrenzung einer Person auf eine Schmalspuridentität. Und das finde ich jetzt nicht wirklich überzeugend. Aber wem es was gibt, ich habe da jetzt auch nichts dagegen.
Aber da möchte ich doch nochmal analytisch danach fragen. Warum treten denn gerade diese Identitätsproblematiken in letzter Zeit wieder so verstärkt und so massiv auf? Ich dachte eine Zeit lang mal, wir hätten das überwunden und wir hätten da wirklich so eine Art, ja, ich sag mal, ja, zumindest nationale oder patriotische oder Verfassungspatriotismus oder sowas entwickelt.
Aber das scheint ja nicht der Fall zu sein. Wir separieren ja wieder nach Ostdeutsch und Westdeutsch verstärkt.
Ja, ich weiß gar nicht, ob das die vorherrschende Separierung ist, aber ich hatte auch den Eindruck, dass das eine ganze Zeit lang überbunden war und gerade durch den wiedererstarkenden Vokismus wird unterschieden in verschiedenste Geschlechtsidentitäten. Und die müssen dann aber auch demonstrativ herausgekehrt werden, obwohl das aus meiner Sicht jetzt für das Zusammenleben in der Gesellschaft eigentlich ziemlich unerheblich ist, welche Identitäten man da, welche Vorlieben man hat.
Und genauso haben wir ja seit Jahr und Tag diese seltsamen Quotierungsgeschichten bei dem dualen Geschlecht, als es noch zwei gab, gewissermaßen. Und das Lustige ist, es hat sich überhaupt nicht ausgezahlt. Also das ist ja lustig, weil es hat auf die Stärke oder die Repräsentanz oder die Wählerschaft von Parteien gar keinen Einfluss, ob da eine Frau an der Spitze steht oder ein Mann.
Also jetzt ist ein Mann im Kanzleramt, der völlig unbeliebt ist. Angela Merkel war sehr, also die hatte 76 bis 80 Prozent Beliebtheit. Das waren aber dann eben auch nicht nur Frauen. Und am Ende werden die Parteien dann doch abgewählt. Ich kann mich erinnern, dass es eine Zeit lang sogar eine völlige Überrepräsentanz von Frauen an der Spitze von Parteien gab, als die Grünen eine weibliche Doppelspitze hatten, als Gabi Zimmer, Chefin der Linkspartei war, Angela Merkel, CDU-Chefin, und ich weiß gar nicht, ob es noch welche gegeben hat.
Das hat aber jetzt auf die Stärke der Parteien überhaupt gar keine Auswirkung. Also ich würde auch Frauen nicht so gering schätzen, dass ich ihnen zumuten würde, nur nach Geschlecht zu wählen. Das wäre dann schon ein bisschen sehr intellektuell unterkomplex. Also, aber auch das ist ja seit Jahr und Tag.
Und Politiker lieben es ja, in so Quotierungen zu denken und wundern sich dann, dass Kompetenz hinten runterfällt. Also wenn ich unbedingt als Union alle großen Landesverbände repräsentiert haben will, dann möchte ich aber auch noch die Frauenquote mit repräsentiert haben und dann sollte aber eigentlich auch noch Ost irgendwie mit dabei sein, dann habe ich so verquere Maßstäbe für die Auswahl von Personal, dass ich mich nicht wundern muss, wenn dann eine ostdeutsche Frau aus Sachsen vielleicht nicht die kompetenteste in Software ist.
Aber gut, das ist eine Logik, die seit Jahr und Tag gepflegt wird und die auch eingefordert wird, interessanterweise von Parteitagen. Das ist immer so eine interessante Dynamik. Wem es nützt, der fordert dann gern sowas ein. Und Künstler, die sonst so weltoffen und frei und vielfältig sind, kommen dann schon auch mal mit der Ostquote im Radio um die Ecke, damit auch Ihre Musik mal gespielt wird.
Ich finde es alles nicht überzeugend.
Ich merke schon, Sie sind Ralf Schuller ist kein Jammer aus Sie. Aber bleiben wir nochmal kurz beim Tag der deutschen Einheit. Wie fanden Sie denn den Festakt? Also ich habe mir denn nicht in Gänze angesehen, aber ich habe so Ausschnitte gesehen. Die Moderatorin, die Schauspielerin Katja Riemann hat dann zum Beispiel den Bundespräsidenten Frank Walter Steinmeier wie bei einem Boxkampf ausgerufen, als sie ihn auf die Bühne gebeten hat, hier komm Frank Walter Steinmeier.
Und auch den regierenden Bürgermeister von Bremen, Andreas Bovenschulte, hat sie ganz doll belobigt und untertänigt auf die Bühne gebeten. Was ist denn daran, falls Sie das problematisch finden, am problematischsten? Die Nähe zwischen Kultur, Medien und Politik oder dass man am Ende Politiker gar nicht mehr ernst nimmt als Respektsperson?
Also das hätte sie ja früher, also ich halte das für undenkbar vor 30 Jahren.
Also da ist mir mehreres aufgestoßen. Also man wurde bei Frau Riemann den Verdacht nicht los, es sei vorher schon feuchtfröhlich irgendwo angestoßen worden. Kann man jetzt nicht belegen, ist im Zweifelsfalle auch irrelevant, aber der ganze Auftritt war irgendwie unangemessen. Also einerseits ist jemand, der der höchste Repräsentant der Bundesrepublik ist und sie hat ihn auch noch so anmoderiert, der völkerrechtliche Vertreter Deutschlands in der Welt, das ist ein so technokratischer, polittheoretischer Begriff, dass dann emotionalen Überschwang zu zeigen, auf die Bühne bitten, von der eigenen Performance gar nicht gedeckt wird.
Also jemand, der der völkerrechtliche Repräsentant ist, daran entzünden sich ja keine Emotionen. Also da falle ich ja nicht in Verzückung, weil jemand mich völkerrechtlich repräsentiert. Und gleichzeitig hat sie ihn dann angekündigt, so wie Henry Maske. Und auch dem Image von Frank Walter Steinmeier aus Brakel Sieg wird das gar nicht so richtig gerecht.
Erstens ist er nicht besonders beliebt. Er ist auch kein Unterhaltungstyp und auch keine frohe Natur. Also es war einfach unpassend. Und dann kam auch noch die Rede von Steinmeier, die also eine Abwehrrede gegen Radikale in der Gesellschaft gewesen ist. Am Tag der deutschen Einheit hat er nicht etwa versucht zu verstehen, warum die Menschen draußen ticken, wie sie ticken, sondern er hat erklärt, dass eben ein offenbar in seinen Augen immer größer werdender Teil der Deutschen falsch tickt.
Das ist eine ganz eigentümliche Geste, die man in vielen Politikerreden derzeit beobachtet, weil die sich gar nicht klar machen, dass sie sich ja an diejenigen wenden, die falsch wählen. Also es ist eine ganz komische Kumpelintonation in vielen Politikerreden, die davon ausgehen, dass wir alle so ticken wie sie, und dann gäbe es noch eine andere Bevölkerung, die falsch tickt.
Und man muss sich einfach klar machen, in Sachsen-Anhalt tickt jeder Zweite in den Augen von Steinmeier falsch. In den Umfragen bundesweit jetzt liegt die AfD bei 30 Prozent, also jeder Dritte. Mit anderen Worten, du wendest dich vereinnahmend an Menschen, die genau dir entgegenstehen und versuchst gar nicht, irgendwie um sie zu werben oder ähnliches, sondern du stößt sie weg, weil sie nicht dazugehören und weil du sie für ungehörig hältst.
Diese Rede hatte eben auch solche ganz eigentümlichen Einsprengel. Und dann kam noch ein Rahmenprogramm hinzu, wo man den Eindruck hatte, da hat irgendjemand wieder gedacht, er soll bürgerliche Sehgewohnheiten aufbrechen oder irgendwas Avantgardistisches, Hauptsache nur nicht steif. Und dann tanzte da ein Mütterballett sehr wild und lustig durch die Gegend.
Ja, also mein Festakt war es jetzt nicht, aber in den letzten Jahren werden die Tage der deutschen Einheit ohnehin immer in meinen Augen irrelevanter, sodass die so wegplätschern. Also das Unangenehmste an dem Tag der deutschen Einheit war einfach, dass es ein Samstag war und ich konnte nicht einkaufen gehen, weil trotzdem alles zu war.
Aber das muss jetzt auch den Rest der Republik nicht betreffen.
Nee, wahrscheinlich nicht. Aber bleiben wir nochmal bei der Haltung der Politiker, die Sie angesprochen haben. Was Herr Steinmeier da abgeliefert hat, war das sich auch eine ziemlich arrogante, herablassende Behandlung, die so ein bisschen auch einfach den den Bürger belehren wollte? Ihr dürft nicht falsch wählen?
Ja, das ist ganz klar. Das ist ja nicht das erste Mal, dass er so auftritt. Er hat ja schon beim 9. November im vergangenen Jahr eine Brandrede gewissermaßen gehalten, die damit endete, tun wir, was getan werden muss, wo man sich auch fragt, woran genau denkt er jetzt? Was AfD verbieten oder irgendwie Militant durch die Straßen ziehen?
Es klang ein bisschen wie die Ansage eines Mafia-Bosses. Tun wir, was getan werden muss. Und diese Intonation, die hat er ja häufiger nochmal wiederholt. Jetzt hatte man so ein bisschen den Eindruck, also wenn das Volk falsch wählt, dann ist es nicht wert, dieser Politik dienen zu dürfen und dann wird es halt ausgetauschtreu dem Diktum von Bertolt Brecht, dann möge sich die Politik ein anderes Volk wählen.
Ja, man steht dann, man muss irgendwie noch verständnislos dabei, weil ich eigentlich davon ausginge, dass die Politik der Diener des Souveräns ist und nicht umgekehrt. Und dass der Souverän sich permanent von denjenigen belehren lassen muss, die er gewählt hat, oder aber im Falle Steinmeyers noch nicht mal gewählt hat, das ist eine ganz eigentümliche Entwicklung.
Und ich fürchte, dass gerade der etablierte Politikbetrieb noch gar nicht so ganz begriffen hat, dass man Menschen nicht damit zurückgewinnt, indem man ihnen Versagen und Randständigkeit vorwirft. Es ist ja schon putzig, dass die etablierten Parteien ungefähr bei 14% rangieren oder 18% im Falle der Union jetzt.
Und einer 30% oder 40% Partei erklären, sie sei der Rand. Das ist ja albern. Wenn 40% der AfD wählen, ist dort die Mitte, ganz klar. Es gibt keine Definition, was keinen inhaltlichen Kanon, was die Mitte ist. Also ich bin für Abtreibung für den Ukraine-Krieg und für die Ehe für alle. Das ist der Kanon, den muss ich unterschreiben und dann gehöre ich zur Mitte, sowas gibt es nicht.
Also die Mitte definiert sich eigentlich rein mengenmäßig in der Demokratie.
Ja, für Herrn Steinmeier sind das aber irgendwie Vulgärdemokraten, wie ich gelernt habe. Was die Politiker auch gerne machen, und da haben sie bestimmt interessiert zugeschaut, sie singen neuerdings und also nach dem Festakt hat man sich in einem Luxushotel versammelt und hat gemeinsam Lieder intoniert.
Ich fand interessant, was gesungen wurde. Ich will zurück nach Westerland und eisgekühlter Bomberlunder, griechischer Wein. Andreas Bovenschulter hat die Gitarre geschwungen. Herr Günther Daniel aus Schleswig-Holstein hat den Vorsänger gegeben. Wie finden Sie denn das? Also man hat das ja selber dann aufgenommen, alle durften mitsingen.
Also egal ob Grün oder SPD oder CDU. Ich weiß nicht, ob Sie hätten mitspielen können. Sie sind ja passionierter Drummer. Und auf jeden Fall denke ich, ein linker Ministerpräsident hätte bestimmt nicht gestört, aber einer von der AfD. Ist es denn aus Ihrer Sicht so ein Ranwanzen an den Wähler? Wir sind alle furchtbar volksnah, was sie ja eigentlich gar nicht sind.
Und wirkt das dann irgendwie zum Fremdschämen oder trägt es auch dazu bei, dass man alle sozusagen in einen Topf wirft? Also wenn man dieses Bild, was Sie dir vermitteln, wir feiern hinterher zusammen alle gemeinsam, die sollen sich ja, natürlich sollen die sich nicht die Köpfe einschlagen, das ja gar.
Aber die Frage, wie weit geht man? Und vor allen Dingen, es ist ja logisch, dass die auch mal ein Bier zusammentrinken, aber möchte ich das unbedingt als Bild auch nach außen transportieren? Das ist ja die zweite Frage. Wie sehen Sie das denn? Die haben ja den Politikbetrieb jahrzehntelang beobachtet.
Wenn ich es richtig weiß, war das, glaube ich, der Vorabend zu den Feierlichkeiten. Das ist aber auch wurscht. Ja, es sollte ja signalisieren, wir sind alle frohe Naturen und wir sind so Mensch geblieben und wir lassen es auch mal krachen, hi. Ja, das kann man vorspielen. Es ist auch kein heimlich gemachtes Video gewesen, sondern das hat Bovenschulte selbst dann veröffentlicht.
Also man war schon stolz und man fragt sich natürlich, welches Image soll da gebildet werden. Ich hatte so ein bisschen den Eindruck, dass nicht allen Teilnehmern das ganz recht und war und sich nicht alle ganz wohlgefühlt haben. Also Gordon Schnieder aus Rheinland-Pfalz war, glaube ich, nicht in Schenkel-Klopflaune.
Der guckte am Rande so ein bisschen eigentümlich. Du kommst dann aber aus dieser Gruppendynamik nicht raus, wer Bildnissen schon abseits stehen und als Miesmuschel da irgendwie zu Gange sein. Das ist aber genau die Gruppendynamik, die ich persönlich jetzt als Privatmensch überhaupt nicht leiden kann.
Da wäre ich sofort raus gewesen, unabhängig vom Amt oder sowas. Aber wenn man sich dahin stellt, wenn man glaubt, dass das irgendwie gut ankommt, dann muss man das machen. Bei Daniel Günther gibt es ja ähnliche Bilder von CDU-Parteitagen, da gibt es dann abends immer, die beginnen in der Regel Freitagmittags und am Freitagabend gibt es dann immer den jeweiligen landsmannschaftlichen Abend.
Und in Berlin beispielsweise im Estrel-Hotel tanzte er dann da auch mal wüst über. Das ist jetzt kein Wortspiel gewesen, also wirr wild tanzte er über die Bühne und schrie dann irgendwann ins Mikro, scheiß Nazis. Ja, also um aufzuzeigen, dass er ein ganz flippiger Typ ist, kann man alles machen. Also wer glaubt, dass Social Media darin besteht, dass man die privaten Dimensionen seiner Politikerspersönlichkeit noch hinzufügt und damit sozusagen seine Personality verbreitert, soll man alles machen.
Ich erkenne eigentlich meistens eine gewisse Hilflosigkeit in solchen Videos, weil man, weil auf dem Missverständnis erliegt, Unernsthaftigkeit ist etwas, was von den Menschen draußen geschätzt wird. Also ich persönlich schätze eigentlich mehr vernünftige Politik und brauche nicht Politiker mit irgendwelchen lustigen Begebenheiten.
Aber mein Gott, am Ende finde ich, sagt es eben auch sehr viel über die Teilnehmer aus, über den mentalen Zuschnitt. Wenn du glaubst, dass du dich in so einem Reigen dort zeigen musst, dann weiß ich einfach, was ich von den Leuten zu halten habe und das ist ja auch schon was. Also insofern hilft es einem bei der Beurteilung der Akteure dann auf eine untergründige Art und Weise auch weiter.
Aber also ich habe ja auch, um auf eine andere Ebene zu kommen, in Berlin die Social Media Teams, die jeden Tag von den einzelnen Ministerien versuchen, irgendwie zu Stilbildende, Memes zu basteln oder aber Videos zu bauen. Und es ist inzwischen wirklich eine Unsitte geworden, dass Leute, die Instagram bedienen können, sich überhaupt keinen Kopf drüber machen, welche Botschaft sie eigentlich von ihren Dienstherrn da vermitteln und ob ich dem Außenminister einen Gefallen tue, wenn ich ihn als Kasperkopf darstelle.
Oder eine Bauministerin, die auf einer Bank sitzt und kindisch klatscht und ich warte auf den Bauturbo. Da gibt es aber offensichtlich auch niemanden, der sagt, Leute, lasst mal stecken. Oder seltsame Videos vom Kanzler, wo der sich die Hose auszieht, wenn er hochzieht, wenn er aus dem Auto steigt. Das macht man halt, weil man da in einem Polster gesessen hat hinten, nur das muss ich nicht veröffentlichen.
Und so ganz komische Geschichten, wo man den Eindruck hat, außer dass sie den An- und Aus-Knopf bei Insta oder anderen Videoportalen kennen, ist da an weitergehender Überlegung, welche Image-Bildung ich da bestreibe, überhaupt nichts vorhanden.
Denselben Eindruck habe ich halt jetzt auch von den Kommunikationsberatern, die unsere Politiker so haben. Also beispielsweise bei der CTF-Doku Inside-CDU. Da sind ja Bilder tatsächlich dann dabei herausgekommen und nach dem, was ich gehört habe vom Lerchenberg, ist das ja auch so abgenommen worden. Wie kann denn sowas passieren?
Ja, gut, das ist mir ein ziemliches Rätsel. Es gab schon mal eine Inside-CDU-Dokumentation, die kam irgendwie ganz gut rüber. Bei dieser hier hat mich das wirklich gewundert, weil es ja alles absprachegemäße Begleitungen gewesen sind. Also man hat ja niemanden überrascht oder hat sich in irgendeine Ecke gedrückt und ups, hat dann jemand bemerkt, dass da ein Kamerateam ist.
Die Umfragen waren ja vor den Wahltagen schon so schlecht, dass du schon entweder nichts mehr merkst oder es ist ja auch egal, wenn du ein Kamerateam dazu holst, wie du vom Wähler völlig brutal abgestraft wird. Also warum bestelle ich mir ein Kamerateam anstelle von Sven Schulze ins Maritimhotel in Magdeburg und lasse mich dabei filmen, wie ich sozusagen meine politische Karriere ruiniert bekomme.
Finde ich jetzt nicht logisch, aber gut, das muss halt jeder selbst wissen. Und ganz erkennbar haben ja auch einige andere Akteure die Wirkung der Kamera völlig falsch eingeschätzt. Also wenn ich da nicht fit bin, dann muss ich entweder versuchen, das Filmmaterial hinterher zu zensieren, das kannst du nicht bringen in der modernen Gesellschaft, oder aber du musst wirklich gezielt auswählen, in welchen Situationen lässt du dich begleiten.
Dann wird es entweder langweilig, weil es nur statische Geschichten sind, oder aber, wie in diesem Fall, wenn du nicht weißt, dass du dich in deiner Dienstlimousine nicht ablichten lässt, ohne irgendwie arrogant und degeneriert rüberzukommen, dann hast du, glaube ich, eine Dimension deines öffentlichen Jobs nicht verstanden.
Und das hat mich dann doch gewundert. Also gerade bei Philipp Amtor, wobei mich der Strandkorb viel weniger stört als das Gespreizte, was er in anderen Szenen zeigt. Und eben auch im Dienstwagen. Also alles, was Hedonismus und yes, ich hab's geschafft, ich hab's mir aber auch verdient, signalisiert, das unterlasse ich doch als Politiker.
Also mit anderen Worten, Philipp Amtor hat eigentlich nur die Wahrheit gesagt, ne? So wie er wirklich denkt, oder?
Ja, also er hat sich sozusagen zur Kenntlichkeit entstellt. Aber das ist ja eigentlich nichts, was man als Politiker braucht. Und Philipp Amto ist ja schon mal auf die Nase gefallen. Bei der Affäre, wo er sich mit windigen Investoren eingelassen hat, hat ihm ja auch fast seine Ämter damals gekostet. Also ganz offensichtlich fehlt es ihm an Gespür dafür, wie er selbst rüberkommt und wo andere ihn an der Nase herumführen.
Wenn man damals auf die Webseite dieser Investoren geguckt hat, dann war das schon so großsprecherisch, so windbeutelig, dass man eigentlich gemerkt hat, dass es Scharlatane sind. Also normalerweise, ich hätte von denen keinen Pfanny gekauft, aber gut, ganz offensichtlich fehlt da das Gespür. Und insofern gibt es dann eben doch einen Erkenntnisgewinn, allerdings keinen, der auf die Union einzahlt.
Also um alle mitzunehmen, die das jetzt vielleicht nicht so mitbekommen haben, es gibt jetzt die zweite Staffel des Raus von Inside-CDU und wird breit diskutiert, vor allem weil man da zum Beispiel eben sieht, wie Philipp Amtur wie ein Sonnenkönig über die Trippe schreitet im Bundeskanzleramt. Er ist ja mittlerweile da Staatsminister geworden, mit, ich glaube, 33.
Und er hat eben den Strandkorb am Bundeskanzleramt dann sich angeschafft und auf die Terrasse gestellt und das hat viele irritiert. Was mich irritiert hat, ist, wenn, wenn ich sowas mache, dann stehe ich doch dazu. Also ich habe mich dabei filmen lassen, das ist ja nicht heimlich aufgenommen worden. Er sitzt sich dahin, dann hat es für Spott und Kritik gesorgt und dann lässt er den Strandkorb entfernen.
Das ist ja wiederum, zeigt ja eigentlich, dass er zu den Dingen, die seiner Überzeugung entsprechen, wie auch immer man das findet, dann auch nicht steht. Und das ist so eine Prinzipienlosigkeit zu einem Fähnchen im Wind, was wiederum auch tief blicken lässt, ganz abgesehen davon, dass er da Sprecher losgelassen hat und sich selber schon im Kanzleramt als Chef sieht.
Ja, es gehört auch kein Gespür dazu, nicht an der Ahnengalerie der Kanzlerporträts im Kanzleramt vorbeizugehen und sich davor filmen zu lassen. Das macht man einfach nicht. Also die Kontrolle von Bildern ist eine der Grundfähigkeiten, die man im politischen Business haben muss. Der Strandkorb, den finde ich deshalb gar nicht so anstößig, weil er ganz erkennbar als eine Art Verbundenheit mit dem Wahlkreis gemeint gewesen ist.
Das haben alle möglichen Leute. Also die haben entweder Kupferstiche mit der Landkarte aus dem Bielefeld, wenn sie daherkommen, oder ähnliches. Da die Kanzlerin bekam jedes Jahr vom Verband der Waldbesitzer so halbmeter hohe holzerne Schachfiguren geschenkt. Da hat es das halbe Büro mit Schachfiguren zu.
Das sind so Dinge, das kann man erklären. Das hätte er im Übrigen im Film auch erklären können. Vielleicht so, dass man es nicht hätte wegschneiden können. Hat er aber nicht gemacht. Und deshalb kam es nicht rüber. Und dann das einfach so wieder zurückzuschicken ist dann auch wieder unsouverän. Aber es sind eben, es ist die Gesamtschau der Persönlichkeit, die er dort darstellt.
Und dass natürlich ein pfiffiges Kamerateam in der Dienstlimousine von unten über die San Pellegrino Mineralwasserflasche in der Mittelkonsole hinweg filmt, wie er in Polster sitzt. Ja, that can many team just garnish. Da muss ich einfach als Politiker drauf achten. Wer mal erlebt hat, mit welcher Härte Angela Merkel darauf geachtet hat, wie sie auf Bildern rüberkommt.
Nun ist er auch ein gebranntes Kind gewesen in den Anfangsjahren, hat man ja auch übel mitgespielt, irgendeine Windböhe ins Haar, und das war dann das stehende Foto, was auch über DPA verbreitet wurde. Hat sie später wirklich minutiös darauf geachtet, und ich kann mich noch erinnern, dass es einzelne Flüge gab, wenn man mit dem Kanzlerflieger mitgeflogen ist als Pressebegleitung.
Man stieg ja dann hinten die hintere Gangway hoch, dann wurde die hintere Tür verschlossen, weil als letztes kommt immer die Amtsperson. Und dann kam Angela Merkel über die vordere Treppe und wir konnten hinten nicht raus, sodass die Fotografen keine Fotos von ihr von der Seite macht, wie sie die Gangway besteigt.
Also ein bisschen zum Einsperren ging das. Oder ich habe einmal zufällig in einer Halle bei einem Parteitag und der jeweilige Parteichef nimmt vor dem Beginn des Parteitags diesen Bühnenaufbau ab, damit alles stimmt. Also da sind ja meistens Choreografien dahinter, also die Lichtinszenierung, der Hintergrund in den bestimmten Tönen, da sind aufsteigende Elemente und so weiter.
Und da wussten die Veranstalter nicht, dass ich eher mit in der Halle war und Angela Merkel hat dort wirklich in einem Ton mit den Leuten gesprochen, weil eine Kamera an der falschen Stelle stand, weil eine Treppe an einer Stelle hochging, wo sie das nicht wollte. Also ganz minutiös und gnadenlos die Inszenierung überwacht.
Man muss es nicht so hart machen, aber ein bisschen Gespür dafür, wie man rüberkommt, kann man eigentlich schon erwarten, weil man ja auch sonst mit Menschen kommunizieren muss und das ist nun ganz egal, ob man mit einem Kamerateam unterwegs ist oder auf dem Marktplatz, sollte man tun nichts, wenn man Allien hat, sie nicht auch noch ausleben.
Ja, aber gewisse Bilder beispielsweise wirklich von unten aufnehmen oder solche Geschichten, verbieten sich doch auch eigentlich von selbst im Journalismus, oder?
Eigentlich ja, aber es gibt ja so Mischformen. Also wenn dich der Fotograf auffordert, doch mal so die Arme zu überkreuzen, dann stehst du da schon als Bollwerk, als Macher, als kompaktes. Das merkst du eigentlich als Politiker. Und Philipp Amtor ist ja nun auch nicht ganz neu im Bundestag. Also sowas weiß man schon, wenn der Fotograf vor dir in die Knie geht, stopp, stopp, will ich nicht.
Sowas kann man schon machen. Oder also so perspektivisches Zeigen auf irgendetwas. Das wirkt meistens großspurig. Es gehört eben auch zu dem Amt in der Öffentlichkeit, dass man weiß, welche Wirkung man erzielt und erzielen will, sonst sollte man noch ein paar Jahre üben.
Ich würde aber mal dem CDF unterstellen, also ich finde diese ganz großartig, weil sie uns wirklich einen Einblick verschafft. Ich würde den aber tatsächlich unterstellen, dass er eine diebische Freude daran hat, die CDU so bloßzustellen, weil man nicht nur die AfD ganz schrecklich findet im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, sondern auch schon FDP und die Union.
Und ich würde mal die These aufstellen, dass Bündnis 90 die Grünen bei so einem Inside-Film etwas besser weggekommen wären. Von ganz alleine sozusagen. Man hätte jetzt nicht so bemüht, so schlechte Bilder zu finden. Meine Frage wäre, wie sehen Sie denn die Entwicklung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks?
Und also konsumieren Sie den noch und wenn ja, wie? Was mit welchen Gefühlen und Gedanken begleiten Sie denn so, wenn Sie überhaupt nach die Tagesschau schauen zum Beispiel?
Ja, mache ich sogar relativ regelmäßig, weil es ja dann doch irgendwie interessant ist. Ist ja nach wie vor eine sehr stark gesehene Nachrichtensendung. Gucke ich mir sogar häufiger an. Ich habe letztens auch festgestellt, dass man irgendwie die Struktur geändert hat. Da gibt es jetzt eine größere Feature-Strecke in der Mitte der Tagesschau.
Die brauche ich eigentlich gar nicht. Also ich würde mir nüchternes Aufzählen von Ereignissen und Vorgängen mir jetzt reichen. Aber natürlich sagen dann die Redaktionen, ja, aber der Trend geht eben auch dahin zu kommentieren und ähnliches, ist mir im Grunde genommen wurscht. Ich betrachte eigentlich mediale Angebote durch die Bank weg eben als Angebote.
Das Unschöne daran ist, dass ich es bezahlen muss, unabhängig davon, wie viel ich davon konsumiere. Und man mir auch noch erklärt, dass diese Art von Journalismus eine Säule der Demokratie sei, da darf ich auch nicht dran rummäkeln. Ich darf auch die Gebühren nicht vorenthalten. Und das passt einfach überhaupt nicht in die Zeit, dass man mir eine bestimmte Art von Journalismus als Norm, als Säule für das demokratische System vorsetzt, die ich nicht abwählen kann.
Das finde ich ein bisschen eigentümlich, unabhängig davon, was ich jetzt von einzelnen Sendern oder einzelnen Journalisten halte. Grundsätzlich glaube ich nicht, dass man in Zukunft es, ich würde noch lange erlauben können, einfach einen medialen Block von 10 Milliarden Euro in der Mitte der Medienlandschaft stehen zu haben.
Das ist einfach so unangemessen, so monströs, dass man das einfach nicht bringen kann. Wenn man glaubt, dass man einen öffentlich-rechtlichen Sender braucht oder eine Nachrichtenquelle öffentlich im Reigen der anderen medialen Angebote, dann muss das kostensparender sein, dann muss es kleiner sein, effizienter sein.
Und nach meinem Dafürhalten muss es dann eben auch wirklich auf High-End-Informationen beschränkt sein. Man ist nie mit allen Medienkollegen hundertprozentig einig, das muss man auch nicht. Wenn jemand aus Neu-Delhi berichtet, dann kann der einen eigenen Blick auf das Land haben. Und das ist auch völlig in Ordnung so.
Ich habe ja genug andere Angebote auch noch. Aber dass ich sozusagen einen durchgängigen roten Faden im wahrsten Sinne des Wortes in den meisten öffentlichen Angeboten habe, interessanterweise inzwischen auch beim ZDF, was ja von Adenauer mal aus der Taufe gehoben wurde, um dem linken Rotfunks der ARD was entgegenzusetzen.
Das stört mich einfach. Und das geht eben bis in Details hinein, dass ich im Prinzip keinen Wetterbericht mehr bekomme, ohne auf den Klimawandel hingewiesen zu werden. Ich möchte wissen, ob ich morgen einen Schirm mitnehmen will, ob die Polkappen abschmelzen oder der heißeste Sommer von allen. Das interessiert mich nicht.
Und das können wir dann in einer Wissenschaftssendung auslagern. Oder aber Landwirtschaftsberichterstattung erfolgt eigentlich fast nur über Biobetriebe, obwohl der größte Teil der Landwirtschaft nach wie vor konventionell geht. Also diese kleinen, untergründigen Botschaften, das ist einfach das, was mich nervt.
Und dann sind wir jetzt beim Handlungsstrang von Tatorten wir noch gar nicht angekommen, wo dann interessanterweise die meisten Täter komischerweise biodeutsch sind, weil Migranten dürfen es halt nicht sein. Das könnte ja Stereotype bedienen. Das ist alles so anstrengend und dementsprechend, finde ich, muss da dringend etwas passieren.
Und gleichzeitig ist der öffentliche Rundfunk eigentlich das Paradebeispiel für die Reformunfähigkeit in Deutschland für deutsche Strukturen. Also weit über den eigentlichen Rundfunk hinaus. Es gibt von innen heraus keine Reformbestrebungen, es gibt von außen kein Mittel, dass man 16 Ministerpräsidenten da hinzukriegt, wirklich Druck zu machen, du darfst das Geld nicht kürzen, sagt das Bundesverfassungsgericht.
Also es ist von einer von so vielen Seiten so hermetisch konserviert, dieser öffentliche Rundfunk, dass es einfach ungesund ist. Und das steht in meinen Augen eben auch für andere politische Bereiche, die nicht mehr zu reformieren sind, weil inzwischen ein so verrechtliches Geflecht mit übergeordneter europäischer Ebene ist, dass man da kaum noch irgendwas verändern kann, ohne bruchhaft irgendwelche Gesetze zu brechen.
Das ist schon ziemlich ärgerlich.
Was machen wir denn damit? Einfach abschaffen oder gibt es da doch noch die Möglichkeit, tatsächlich von außen disruptiv einzuwirken?
Solange es rechtlich dann sofort wieder einkassiert wird, sehe ich diese disruptiven Einflussmöglichkeiten nicht. Insofern bin ich ja, fand ich das gar nicht so skandalös, was viele der AfD in Sachsen-Anhalt vorgeworfen haben, nämlich diese Rundfunkstaatsverträge zu kündigen. Weil gerade Sachsen-Anhalt hat ja in letzter Zeit über den Staatssekretär Rainer Robra immer wieder versucht, den öffentlichen Rundfunk zu reformieren, zurückzuschneiden, die Gebührenspirale nicht allzu schnell drehen zu lassen.
Und man muss sagen, Robra hatte wirklich zum Teil kluge Ideen. Er wollte eben ZDF für einen überregionalen Kanal zusammenstreichen und die ARD als sozusagen dritte Programme und dann war es das. Also die innovativen Ideen waren ja da und man hat einfach gesehen, dass man auf legalem Weg und Schrittchen für Schrittchen überhaupt nichts erreicht.
Und selbst wenn es um wenige Cent Gebührenerhöhungen gibt, geht die ARD dann nach Karlsruhe und kriegt dann recht und dann wird auch die Politik gezwungen, das umzusetzen. Also ich sehe diese Möglichkeiten gar nicht. Und deshalb fand ich, wenn es auf dem politischen, evolutionären Weg nicht geht, den Roper da versucht hat in Sachsen-Anhalt, dann ist einfach die demonstrative Kündigung des Vertrages ein Mittel, bei dem wir mal gucken können, was bei rauskommt.
Da wird es natürlich auch Widerspruch geben, das wird sich auch lange hinziehen, dann muss ein Alternativangebot. Probieren wir es einfach mal. Wenn irgendwie nichts mehr weitergeht, dann muss man eben manchmal auch ins Ungewisse aufbrechen.
Die Kritik entzündet sich ja einerseits sozusagen an Mittelverschwendung, an Geldverschwendung, zum anderen aber auch an tendenziöser Berichterstattung. Viele empfinden das so als Linksgrün. Das Motto Ihrer Interview-Reihe bei News lautet Fragen, was ist. Ich könnte mir vorstellen, es ist eine Anspielung auf Sagen, was ist.
Das war der Leitspruch von Spiegelgründer Rudolf Augstein. Wie finden Sie denn die Entwicklung des Spiegel? Wird da diesem Motto überhaupt noch gerecht? Also ich frage das deswegen, das ist ja so ein Sinnbild eigentlich für, das würde man so als Mainstream oder Leitmedien bezeichnet, generell. Das geht ja nicht nur um den Spiegel, sondern um eine bestimmte Art von Journalismus insgesamt.
Also grundsätzlich tue ich mich immer ein bisschen schwer, über Kollegen zu reden und über Konkurrenzmedien. Julian Reichelt ist da sehr viel unkomplizierter. Ich finde immer grundsätzlich darf jeder machen, was er will, solange der Reigen der Angebote wirklich so vielfältig ist, dass man sich da seins aussuchen kann.
Und ich möchte natürlich nicht, dass während ich die Existenz und das Existenzrecht von anderen Medien nicht bestreite, dass dann andere Leute kommen, zum Beispiel die Chefredaktion der TAZ, und erklären, also wir seien aber kein Journalismus. Das müsste ja nun mal klar sein. Das haben sie auch paar Mal schriftlich niedergelegt.
Finde ich einfach unsouverän. Und es gab dann eine Debatte bei Ben Unscripted, wo Melanie Amann dann erklärt hat, ja, also der Ben sei ja gar kein Journalist, weil er die Menschen einfach nur reden ließe in seinen Interviews und sich nicht an irgendwelche Standards hält. Es gibt keine Standards. Journalismus und Politik sind keine geschützten Berufsgattungen.
Es gibt auch keine Vorschrift, dass du in einem Interview dreimal kritisch nachfragen musst oder zweimal kritisch nachfragen musst oder überhaupt kritisch nachfragen musst. Wenn das Konzept darin besteht, jemand authentisch zu transportieren, dann ist das dieses Konzept. Ben veröffentlicht Dinge, also ist er ein Journalist und er veröffentlicht sie so, wie er sie sich vorstellt.
Man hätte dann auch Martin Luther vorwerfen können, dass er seine Thesen einfach nur an die Tür genagelt hat in Wittenberg und sie nicht kuratiert hat oder keine zweite Meinung eingebaut. Nee, man darf das. Die Gültigkeit und die Annäherung an die Realität, an die Wahrheit, die passiert durch die Vielfalt der Erzählungen über den gleichen Gegenstand.
Je mehr Menschen, je mehr Journalisten über ein bestimmtes Phänomen berichten, desto mehr hat man die Chance, sich in der Zusammenschau der Geschichten an den wahren Kern anzunähern. Niemand wird für sich in Anspruch nehmen können, die einzig wahre Sichtung oder die einzig wahre Wertung von bestimmten Prozessen vornehmen zu können.
Nur in der Zusammenschau der vielfältigen Medienangebote nähern wir uns der Realität an. Und dementsprechend wundere mich manchmal über das Auftrumpfen, was da unter Kollegen passiert. Die Relevanz von Medien erkenne ich eigentlich immer daran, da ich nun professionell ziemlich alles konsumiere, was medial unterwegs ist, wenn ich ein Abo habe und es schon länger nicht genutzt habe.
Das ging mir zugegebenermaßen vor einigen Jahren schon beim Fokus so, dass ich das E-Paper abonniert habe und ich habe irgendwann gemerkt, ich habe die App irgendwie über Monate nicht aufgemacht. Dann ist offensichtlich weder in den sozialen Netzwerken noch irgendwo anders irgendeine spannende Überschrift oder irgendein Gesprächsthema vorbeigekommen, wo ich sage, ach Mensch, das musst du jetzt mal genau nachlesen.
Und tendenziell ist es beim Spiegel inzwischen ähnlich. Also die haben häufig große Geschichten, die nichts anderes machen, als nochmal liebevoll die zurückliegende Woche zusammenzuschreiben zu einer Großgeschichte, wo ich aber alle Details nur finde, die ich auch schon vorher im täglichen Nachrichtenstrom gesehen habe.
Das brauche ich dann nicht. Aber wer beispielsweise die Woche unterwegs ist und dann am Freitag oder Samstag nochmal nachlesen möchte, was sich so ereignet hat, für den Marx einen Nutzwert bringen, für mich wird er halt immer geringer und je tendenziöser die Geschichten werden, desto schwieriger ist es dann auch.
Also ich kriege ja auch mal die Briefings früh morgens oder das Chefredakteurs Briefing am Wochenende. Ja, wenn ich vorher schon weiß, in welche politische Richtung das geht, dann wird es einfach nur noch langweilig. So viel Fantasie habe ich dann schon auch noch zu wissen, was andere darüber denken.
Und wenn es absehbar und um. Und unoriginell und nicht mehr überraschend ist, dann macht man eben auch die Spiegel-App immer seltener auf. Das ist tatsächlich ein Problem. Für den Spiegel-App, nicht für mich.
Was das Auftrumpfen einzelner Kollegen angeht, da bin ich ja ganz bei Ihnen. Allerdings, wenn Sie sagen, es gibt keine journalistischen Standards, dann würde ich sagen, Einspruch euer Ehren. Also der Pressekodex bildet für mich so einen Standard. Die Verpflichtung auf Wahrhaftigkeit bildet für mich so einen Standard.
Unvoreingenommen zu berichten, bildet für mich so einen Standard. Kann man natürlich über das Betriebserfassungsgesetz und den Tendenzschutz nochmal reden. So ein Standard bildet für mich auch, zumindest Stilformen zu kennen, damit sowas wie 2024 nicht passieren kann, dass ein dramatischer Text von Korrektiv plötzlich als Nachrichtenbericht erscheint und wahrgenommen wird.
Also da würde ich sagen, mehr Schuda, da bin ich nicht Ihrer Meinung, Standards gibt es ja Wohnung und auf die müssen wir uns auch als Journalisten einigen. Ob schon natürlich der Zugang zum Beruf, zum Journalismus offen bleiben muss.
Aber die Korrekrecherche, die sogenannte Recherche, ist ja das beste Beispiel dafür, wie irrelevant es ist, ob es irgendwelche Standards gibt. Also die haben einfach eine weitgehend frei erfundene oder an eine reale, an ein reales Treffen angelehnte Assoziation als Investigativrecherche ausgegeben, haben auch komischerweise, finde ich absolut bizar, nach dem Verfassen des Textes sofort die Inszenierung für die Bühne in Angriff genommen.
Also wer inszeniert denn Texte aus dem Tagesgebiet für die Bühne?
Feuer schon Drama, ne? Feier schon Drama.
Ja, der Text war als Drama aufgemacht. Und dann mit einer falschen Geschichte, wo inzwischen juristisch so ziemlich alles widerlegt worden ist, was da an zumindest relevanten Vorwürfen drin gesteckt hat, damit 100.000 auf die Straßen zu bringen, widerlegt meiner Ansicht nach schon den Pressekodex. Es kann nie schaden, sich auf bestimmte Standards zu einigen.
Ich will ja nicht so tun, als gäbe es. Selbstverständlich erwarte ich von jedem Kollegen und auch von uns natürlich, dass man so wahrhaftig wie möglich versucht zu berichten. Gerade in der politischen Berichterstattung ist es aber sehr, sehr schwierig, wenn ich jetzt einfach abbilde, was der Politiker gesagt hat, dann bin ich wahrheitsgetreu.
Die Koalition ist auf einem guten Weg, schreibe ich so auf, dann habe ich den Politiker präzise zitiert. Ob die Koalition wirklich auf einem guten Weg ist, müsste ich dann irgendwie kenntlich machen, dass ich über Informationen verfüge, dass das nur ein Propagandaslogan ist. Und schon sind wir da wieder bei der verschiedenen Einordnung.
Friedrich Merz ist ständig unterwegs und versucht klarzumachen, das wird doch immer noch ein tolles Land sein und die Stimmung so schlecht ist, schlechter als die Lage. Und schon sind wir in irgendwie so einem ganz komischen Weichbild, wo du als Journalist jetzt sagen kannst, transportierst du dieses Bild?
Stellst du dich dagegen? Ist dein Hauptjob eigentlich alles in Frage und in Zweifel zu ziehen? Oder ist dein Hauptjob irgendwie mittig zu sein? Wie weit darf man sich selbst raushalten aus der eigenen Geschichte? Also im Grunde genommen sind auch diejenigen, die sich an die vermeintlichen Standards halten, ja regelmäßig vom Presserat dann auch wieder gerügt worden.
Die Süddeutsche für irgendwelche Karikaturen, Bild hat auch ständig irgendwelche Rügen, einige der im Pressekodex niedergelegten Regeln werden bewusst von etlichen Medien nicht angewendet. Also beispielsweise haben wir schon bei Bild die Herkunft von Kriminellen immer mitgenannt, weil das einfach eine Dimension ist, die für den gesellschaftlichen Befund extrem wichtig ist.
Und selbst wenn man, wie die CDU in Berlin es gemacht hat, man die Vornamen der Täter einer kriminellen Silvesternacht sich geben lässt, dann zeigt das eben auch, dass in zweiter, dritter Generation, erkenntlich an den Vornamen Dinge in der Gesellschaft aus dem Ruder laufen. Also diese Dimension fanden wir bei Bild, finden wir auch hier bei News, so wichtig, weil sie einen gesellschaftlichen Zustand zeigt, dass wir uns da nicht an die Vorgaben halten, immer nur zu schreiben, gingen Männer aufeinander los oder Großfamilien, obwohl jeder weiß, dass er damit eine bestimmte Dimension verschwiegen kriegt.
Also ich will ja Standards gar nicht komplett ablehnen, ich will bloß die Attitüde versuchen, ein bisschen aufzudecken, die dahinter steht, sich selbst zu erhöhen, indem man sich selbst als Sachwalter der hohen Standards betrachtet und Ben Bernd, wie er ja tatsächlich heißt, vorzuhalten, dass er hier oder da nicht kritisch nachgefragt hat.
Ich sage mir immer, 99 Prozent unserer Alltagsbegegnungen, da schaffen wir es, uns ein Bild über unser Gegenüber zu machen. Nun sind die meisten Alltagsbegegnungen, unabhängig davon, ob sie den Herzchirurgen, dem ich mein Leben anvertraue, betreffen oder aber meinen Bankberater, dem ich mein Geld anvertraue, sind nicht alle von professionellen Darstellungskünstlern wie in der Politik geprägt.
Trotzdem schaffen wir es, ohne kuratierte Hinweise zu den ganzen Leuten, die wir den ganzen Tag treffen, uns eine Meinung über andere Menschen zu bilden. Und natürlich bilden sich Menschen auch eine Meinung über Björn Höcke und bilden sich eine Meinung, ohne dass der Interviewer jetzt sagt, hier aber habe ich eine ganz andere Meinung oder das stimmt doch aber nicht und ich reiße ihm jetzt die Maske vom Gesicht.
Also diese seltsam echauffierte Interviewführung, die ich gerade in den öffentlichen Wahlabenden immer sehe, wo man sich erkennbar abmüht, dass der AfD-Vertreter keinen Stich sieht und ich ihm auch so viel wie möglich ins Wort fallen muss, die braucht nun eigentlich auch keiner mehr.
Ja, da sind wir ja auf sozusagen derselben Fraktion und auch was die Selbsterhöhung angeht, bin ich bei Ihnen. Wobei nochmal eine Anmerkung, also in meiner Zeit, in der ich im Presserat saß, hat die Bild-Zeitung eigentlich nicht wegen der Nennung von Vornamen oder Nationalitäten die Rügen bekommen, sondern eher wegen anderer Verstöße, etwa erfundener Zitate oder ähnliches.
Aber da fand ich die. Ich kann auch mir nicht vorstellen. Erfundene Zitate. Gab es tatsächlich.
Aber auch der Verstoß gegen Privatheit beispielsweise ist ja auch interessant, wie da die Standards gehandhabt werden. Während man Prinz Reuß voll ins Gesicht gefilmt hat oder hat gar keiner angefangen, irgendwie zu pixeln, hast du den letzten migrantischen Angeklagten, wird noch voll verpixelt, egal wie brutal er vorgegangen ist.
Also da wird auch mit sehr verschiedenem Maß gemessen. Wenn du durch eine Scheibe alles Weidel fotografierst, dann ist das zulässig und kein Verstoß gegen die Privatheit. Wenn das Gleiche mit Ricarda Lang passiert, dann ist es natürlich ganz schlimm. Also ja.
Nee, da bin ich auch bei Ihnen, deshalb sage ich ja auch. Standards sind gut und Doppelstandards sind eben nicht bessere Standards, sondern sind eben halt auch die falschen Standards.
Moral wird nicht besser, wenn man sie doppelt hat.
Wobei, da interessiert mich schon, wenn ich da nochmal gerade ansetzen darf, Politikchef bei Bild, jetzt bei NIOS. NIOS ist ja auch nicht gerade, oder hat ja auch den Pressekodex bisher sich dem eben nicht unterworfen, der soll nicht gelten. Zumindest gibt es da keine positive Nachricht darüber. Und einige Geschichten von NIOS sind ja auch, auch wenn man ganz harten Boulevard-Journalismus mag, doch eher so ein bisschen grenzwertig.
Gibt es da in der Redaktion dann auch öfter mal heftige Diskussionen darüber? Das ist jetzt aber eine rote Linie oder jetzt sind wir drüber gegangen.
Also über Fakten sollte es eigentlich keine Diskussion geben und wenn irgendwas nicht richtig war, dann war es einfach falsch. Das ist schon so. Also ich finde, ich finde den Ansatze eigentümlich und beantworte eigentlich diese Vorhaltung mit dem Presserat immer damit, dass ich die Rückfrage stelle, ja warum?
Also woher kommt diese komische Lust am Zertifizieren? Also bin ich nur wahrhaftig, wenn ich mich irgendeinem TÜV unterwerfe, ist nicht eigentlich der Normalzustand, dass ich frei bin und davon abschichte, aber nicht mich erst einmal irgendwo unterordne, sonst habe ich keine Existenzberechtigung. Das finde ich eine ganz eigentümliche Weltsicht.
Kurioserweise ist es tatsächlich so, dass wir zum Beispiel Umfragen bei Insa in Auftrag geben und auf der Seite wahlrecht.de steht dann tatsächlich ein Sternchen hinter News als Quelle und dann wird unten darauf hingewiesen, dass wir uns nicht dem Pressekodex unterwerfen und so alles Mögliche noch mit dazu.
Da werden aber Umfragen dokumentiert, einfach nur dokumentiert. Und die Umfrage wird nicht seriöser oder unseriöser, in Abhängigkeit davon, wo sie ersteht. Es ist eigentlich nur ein Markieren von News als irgendwie anderes Medium. Da aber die Umfrage ja das Entscheidende ist, was dort dokumentiert wird, ist es völlig unerheblich, weil am Ende müsste man kennzeichnen, wenn Umfragen auf einer Methodik beruhen, die nicht seriös sind.
Das passiert aber nicht. Und wenn Compact beispielsweise Umfragen in Auftrag gibt, die überhaupt keinen Journalismus betreiben, sondern Kampagne, dann ist kein Sternchen dran. Und dann weiß ich zufällig, dass Leute sich mal beschwert haben. Und dann wurde ihnen gesagt, ja, aber von Camp Pact erwartet auch keiner, dass sie sich in den Pressekritiks unterwerfen.
Ganz eigentümlich. Also grundsätzlich könnte man. Aber ich will noch auf die Diskussion selbstverständlich, wie in jeder guten Redaktion diskutieren wir und auch heftig und strittig. Vor allem die Tonlage. Also während ich dazu neige, irgendwie zu berücksichtigen, ob der Adressat draußen im Lande meine Gedankengänge nachvollziehen kann, ob ich ihn erreiche oder ob ich ihn verprelle, indem ich einfach sozusagen das Ende meiner Reflexionskette ihm einfach brutal um die Ohren haue.
Gibt es da ganz unterschiedliche Tonlagen? Ich beispielsweise bin ich auch nicht der Ansicht, dass man die Erscheinung von Politikern auswalzen muss. Jetzt gibt es natürlich auch im Boulevard die alte Schule, die sagt, ja, was die Leute sehen, das sehen wir auch. Und warum sollen wir denen nicht sagen, was sie ohnehin sehen?
Also wenn beispielsweise Bundesfinanzminister Lars Klingwall ständig schwitzt, warum sollen wir denen verschweigen, was sie ohnehin sehen, dass der schwitzt? Und dann sage ich, das ist nicht mein Job. Das sieht er ja. Und muss ich jetzt nicht noch den Eindruck provozieren, dass ich mich sozusagen persönlich an ihm abarbeite, dass ich seine Erscheinung irgendwie rezensiere oder sowas.
Mir geht es um seine Politik und ob ich dir die Person irgendwie ansprechend oder nicht ansprechend finde, das ist eine Dimension, die dazu führt, im Prinzip meine Kernbotschaft, nämlich die politische Bewertung, dahingehend zu entwerten, dass man mir irgendwie eine Aversion oder eine tief sitzende Feindlichkeit gegenüber dem Politiker unterstellt.
Und das würde ich nicht machen. Aber das ist auch eine Stilfrage. Wie gesagt, manche meinen einfach, das gehört mit zur Gesamtbetrachtung und nun sind Video-Formate, wie wir sie zum Beispiel machen, ja auch flüchtiger als ein geschriebener Text. Also ich gehe davon aus, dass viele Leute im schriftlichen Berichterstattung weniger auf Äußerlichkeiten eingehen, als wenn man beispielsweise über Auftritte von Politikern in einer Morgensendung spricht.
Jetzt verstehen Sie mich aber bewusst falsch, um mal sie zu zitieren. Also ich habe ja mit Standards und der Beachtung von Standards nicht verbunden, dass irgendein, irgendeine Stelle etwas zertifizieren soll. Also ich bin weit von einer Bundespressekammer entfernt. Ich bin weit davon entfernt, dem deutschen Presserat, dessen Arbeit ich da auch in vielen Bereichen sehr unzulänglich finde, solch eine Zertifizierung geben zu wollen.
Mir kommt es darauf an zu sagen, es gibt in unserem Gewerk einfach so einen gewissen Bereich an Stilistik, so einen gewissen Bereich an Techniken, Recherchetechniken und einen gewissen Bereich auch an Darstellungen und Verhalten, auf die wir uns verständigen sollten. Etwa höre über den anderen, stelle die gesellschaftlichen Positionen so breit wie noch eben möglich dar, lasse da niemanden außen vor, nur weil er eben nicht deiner Meinung ist und solche Geschichten.
Ja, das kann man gerne machen. Ich finde trotzdem die Idee seltsam, wenn ich ein journalistisches Angebot mache, dass ich mich als erstes darum bemühe, mich mit anderen an einen Tisch zu setzen und zu deren Gemeinschaft zu gehören. Also aber vielleicht ist es auch eine persönliche Geschichte, ich gehöre ungern zu irgendwelchen Gemeinschaften, zu Herden oder sowas.
Und ich kann einfach, ich kann einfach mich hin. Im Prinzip kann jeder ja heute seinen Blog aufmachen und sich nirgends unterordnen. Jeder kann twittern, ich glaube Twitter oder X, wie es jetzt heißt, unterliegt ja auch dem Presserecht. Also ich finde, die Idee, dass ich mich irgendeiner Zunft anschließen soll, das kann man machen, aber als ersten Reflex, ja, seid ihr denn überhaupt Mitglied im Club?
Nö, nö. Und wenn man ganz normale Überlebensreflexe hat, dann weiß man ja, wenn du häufig Unsinn berichtest, was einfach nicht stimmt, dann wirst du vom Markt gefegt, weil die Leute auf die Dauer nicht verarscht werden wollen. Also habe ich auch schon aus Marketing und aus Überlebensinteressen heraus, bin ich geneigt, wahrheitsgemäß zu berichten.
Dass man das besser hinkriegt, wenn man mehrere Meinungen oder mehrere Informationsquellen anzapft über einen bestimmten Vorgang, ist dann im Prinzip eine Ableitung davon. Also dieses zu irgendwelchen Clubs gehören zu wollen, finde ich eigentümlich. Aber das mag auch eine private Macke von mir sein. Ich bin ungern Teil von irgendwas.
Ja, die privaten Backen wollen wir auch außen vor lassen. Geht mir auch so.
Es sind doch nicht so viele. Also in meinem Falle, das ist völlig unerheblich.
Nee, ich will auch gar keiner zu das Wort reden, sondern tatsächlich eher, dass man sich auf einen handwerklichen Standard einigt. Wie man das in anderen Bereichen ja auch macht. Aber ich glaube, das haben wir eigentlich auch so weit ausdiskutiert, dass wir Alexander Deske jetzt wieder mit ins Boot holen können.
Schrules, Sie hatten ja viele Jahre exklusiven Zugang zu erstklassigen Quellen. Kanzleramt, Regierungsflieger, Hintergrundkreise. Seit Ihre Kündigung mit Bild werden Sie nicht mehr eingeladen oder vielleicht sagen Sie selbst, gab es auch ein anderes Datum, seit es aufgehört hat. Bemühen Sie sich denn noch, um Regierungsflieger mit zu fliegen?
Gibt es da irgendwie Begründungen zur Ablehnung?
Sag mal so, ich bemühe mich aus sportlichen Gründen. Tatsächlich melde ich mich zu jeder Reise an. Einfach auch so ein bisschen, um die Kleinkariertheit vorzuführen, mit der das Bundespresseamt das regelmäßig ablehnt und zwar immer mit der gleichen Begründung keinen Platz. Aus Platzgründen können wir sie leider nicht berücksichtigen.
Immer die gleiche Standardgeschichte. Es ist nicht so, wenn man zwölf Jahre mit Angela Merkel um die Welt geflogen ist, dass man jetzt dringend den nächsten G7, G20-Gipfel oder sonst irgendwas auch noch mit einem anderen. Also man weiß dann im Großen und Ganzen, wie es funktioniert. Es ist auch viel weniger vergnüglich, als man sich das draußen vorstellt.
Je länger der Flug dauert und der Zeitversatz ist, desto zermürbender ist das Ganze. Also es ist nicht so, dass ich jetzt irgendwelche Phantomschmerzen hätte oder Verluste da spüren würde. Mich ärgert einfach nur, dass man sozusagen systematisch ausgebremst wird. Das ist eigentlich der Hintergrund. Den Zugang zu den Quellen habe ich weitestgehend immer noch.
Also schon bei Bild war es beispielsweise schwierig, mit SPD-Leuten und mit Grünen in Kontakt zu kommen. Das ist auch für die Bildkollegen jetzt noch nicht ganz einfach. In die Union und in die FDP habe ich nach wie vor die Kontakte. Der Unterschied besteht allerdings darin, dass die sehr wohl dosieren, ob sie sich mit mir sehen lassen wollen, weil dann eine Debatte losgeht, warum haben sie denn mit News gesprochen?
Und da geht es nicht darum, was man hier gesagt hat und ob es irgendeine provokante Meinung gewesen ist. Es geht einfach nur, mit denen spricht man nicht. Das erleben andere auch. Und so dosieren Politiker eben auch. Wir können dann direkt telefonieren oder SMS-en oder WhatsApp schreiben, aber sie kommen eben nicht offiziell zum Interview, zumal Friedrich Merz ein Riesenproblem mit News hat und uns regelrecht hasst.
Inzwischen hasst du allerdings auch Springer, was ich ein bisschen erstaunlich finde, wenn man eines der größten bürgerlichen Verlaufshäuser der Republik zum Gegner wähnt, dann hat man nicht mehr viele Verbündete, aber muss jeder selbst wissen. Also dieses sich wegducken und dieses Dosieren von vermeintlich schädlichen Kontakten, das ist, glaube ich, auch ein Ausweis der Verbogenheit im politischen Betrieb.
Ich beklage mich da nicht drüber, weil ich das kenne und weil ich weiß, dass Politiker taktieren und wenn sie in einer Debatte aus dem Weg gehen können, dann machen sie das natürlich. Und sie kriegen als Spitzenpolitiker ihre Botschaft ja unter, wo sie wollen. Also beim Stern, bei Bild, bei Spiegel, da muss man sich nicht zu einem Medium begeben, wo man dann hinterher auch noch verprügelt wird, dass man mit dem gesprochen hat.
Also ich verstehe schon den Weg des geringsten Widerstands. Grundsätzlich finde ich eigentlich, dass diese nicht gesehen werden wollen mit irgendwem, dass das inzwischen zu einem Riesenproblem geworden ist, gerade auch in Berlin Mitte. Also wenn du mit AfD-Leuten gesehen wirst, dann kann das ganz schnell bei bestimmten Kollegen zum Verruf führen.
Oder mir sagte dann mal jemand beim Bundespresse, weil du weißt aber schon, mit wem du gerade gesprochen hast. Das war der Chefredakteur der Jungen Freiheit. Ja, weiß ich, mit wem ich gesprochen habe. Und ich habe auch zwölf Jahre bei der märkischen Allgemeinen gearbeitet und da war Alexander Gauland, mein Herausgeber, damals noch hochgeachteter, konservativer Publizist, der überall veröffentlicht hat.
Und warum sollte ich jetzt, wenn ich Gauland auf der Straße treffe, die Straßenseite wechseln? Also das, mal abgesehen davon, ganz nüchtern gesprochen, das betrifft eigentlich wirklich mein innersten, mein innerstes Verständnis von Menschsein, dass ich immer den Menschen noch als Menschen sehen muss.
Ich kann nicht wegen einer politisch missliebigen Meinung denjenigen irgendwie zum Unmenschen erklären. Das geht nicht, das mache ich auch nicht, auch nicht instinktiv. Ich hasse auch übrigens niemanden. Ich habe da öfter mal in mich reingehört, weil mir bei uns dann immer Leute Hass und Hetze unterstellen.
Ich hasse einfach niemanden. Warum sollte ich wen hassen? Also Leute, deren politische Ansicht ich komplett falsch finde, hasse ich ja nicht. Also selbst irgendwelche Hamas-Fritzen nehme ich ja als Menschen so ernst, obwohl sie alles umbringen, was sich in den Weg stellt, wenn sie Gelegenheit dazu haben in dschihadistischen Kontexten.
Trotzdem bleiben es ja Menschen. Also das ist mir total fremd, diese Ansicht. Und der Kollege Kissler beispielsweise war Gast in allen möglichen Talkshows, in Maischberger bis Illner und Lanz und so und seit er bei uns arbeitet, wird halt nicht mehr eingeladen. Das sind so diese üblichen Reflexe in einer Mediengesellschaft.
Mein Gott, soll man sich darüber aufregen oder nicht? Wir haben eine solche Reichweite innerhalb kürzester Zeit aufgebaut, dann sollen sie halt unter sich bleiben. Das ist mir dann auch Worsch. Es ist für den gesellschaftlichen Diskurs nicht besonders heilsam, glaube ich.
Genau, das wollte ich gerade sagen. Also ich finde es für den Zuschauer ja eigentlich schade. Und gerade der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat ja qua Gesetz, also laut seinem Auftrag, ja, eigentlichen Auftrag, auch die Breite der Meinung abzubilden. Das gilt für den politischen Betrieb, aber das gilt natürlich auch für den Journalismus.
Journalisten sind die häufigsten Talkshow-Gäste und auch wenn die Bedeutung natürlich abnimmt des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, trotzdem haben die Talkshows in ARD und CDF doch noch auf die Meinungsbildung in diesem Land einen gewissen Einfluss. Und wenn jemand wie Sie oder Kissler oder wer auch immer dauerhaft eben nicht mehr eingeladen wird, dann kommen bestimmte Meinungen nicht mehr vor.
Man sucht sich da so ein bisschen für diese Seite dann alibimäßig jemand, aber eigentlich ist es für den Diskurs extrem schade. Ich weiß gar nicht, wann hat das denn aufgehört, dass sie eingeladen wurden? Gab es da denn Begründungen? Also sie tauchen da nicht mehr auf, wenn ich das richtig weiß.
Ja, also bei Bild ging es. Das noch? Also man hatte da so ein bisschen das Narren-Image, so nach dem Motto, der ist zwar bei Bild, aber den kann man trotzdem einladen, der kriegt noch drei Sätze gerade raus. Also das ging dann bis zur Phoenix-Runde oder bei Ilner war ich halt auch mal. Ilner hatte mich mal als Punching-Ball eingeladen zwischen Igor Lewitt und Sascha Lobo.
Das war eine sehr schöne Geschichte. Da, ja, Igor Lewitt hat dann erklärt, also wie wer AfD wählt, der verwirkt sein Menschsein. Und da habe ich dann vorsichtig darauf hingewiesen, dass Artikel 1 Grundgesetz Menschenwürde nicht verwirkbar ist egal, was du anstellst, du verlierst deine Menschenwürde nicht und du verlierst auch dein Menschsein nicht.
Da sind wir ein bisschen aneinander geraten und hinterher sagte mir dann Sascha Lobo, dass er mich verachtet oder sowas. Kann man alles, alles geschenkt oder sowas. Aber mit Ausscheiden von Bild und Ankunft bei News ist dieser Bereich der Öffentlichkeit sozusagen gestorben. Also es gibt hin und wieder mal im Südwestrundfunk oder was.
Ich will bloß nicht den Eindruck erwecken, dass ich hier irgendwie jammere oder irgendwie sowas. Das ist ja ein freies Land. Also man kann ja frei aussuchen, wem man sich in die Talkshow holt und wen nicht. Was ich insgesamt ungut finde, ist, dass im Prinzip eine gespaltene Medienöffentlichkeit entstanden ist.
Du hast die immer gleichen Experten, die sich bei Lans Ilna Mioska über den Ukraine-Krieg äußern, über die Wirtschaftskraft äußern, du hast die immer gleichen Journalisten, die in diesem Zirkel dort rotieren. Und du hast in den sogenannten neuen Medien, bei Kontrafunk, bei News, bei Tichi, bei zum Teil Weltwoche, Neue Zürcher, hast du einen anderen Kreis, der sich äußert und da gibt es nur sehr wenig Überschneidungen zwischendurch.
Es wäre aber wichtig, wenn man die vielbeklagte Spaltung überwinden will, dass man sich auf dem gleichen Podium unterhält. Weil es hat gar keinen Sinn, wenn sich in den Blasen alle rotierend immer die Klinke in die Hand geben und die immer gleichen Leute miteinander sich in ihrer eigenen Welt bestätigen.
Das funktioniert aber nicht, weil die Öffentlichen sich verabredet haben, aus bestimmten Kreisen keine Gäste einzuladen. Und die, die ich jetzt einladen würde, beispielsweise, die kommen dann auch nicht zu mir. Also wenn ich Grüne einlade, kommen die nicht zu mir. Bestimmte Künstler kommen nicht zu mir, weil sie einfach wissen, dass sie in ihrem Bitt, in ihrem Milieu damit entweder durchfallen oder regelrecht rausgekegelt werden.
Und das tut sich dann halt keiner an. Es führt aber eben dazu, dass man nicht ins Gespräch kommt. Man hätte ja an vielen Stellen ja feststellen können, dass man eigentlich die gleichen Probleme sieht, nur unterschiedliche Lösungswege hat. Also es ist zum Teil gar nicht so, dass man irgendwie verfeindlicht auf die Gegenseite blickt.
Es wäre ganz gut, wenn man verstehen könnte, warum Luisa Neubauer Dinge in einem bestimmten Winkel sieht und wir den gleichen Veränderungen im Klima, die ja nicht zu bestreiten sind, eben auf eine andere Art und Weise angehen oder eben sagen, man kann sie so jedenfalls nicht angehen. Und das könnte man versuchen, sich gegenseitig zu erklären, geht aber eben nicht, wenn man nicht am gleichen Tisch sitzt.
Hin und wieder gibt es das dann in so Live-Veranstaltungen, ich werde auch dann zu Lesungen eingeladen und oder eben zu Podcasts. Und dann, also ich bin da schmerzfrei und eigentlich auch jetzt nicht sauer. Also ich muss nicht vorkommen. Es reicht, wenn mein Freund Robin zweimal die Woche bei Lanz ist, der weiß ganz gut, was in Berlin gespielt wird und kann dann ein ganz gutes Bild vermitteln.
Ja, aber in einem Punkt will ich dann nochmal widersprechen. Sie als bei News können ja beschließen, Ulrike Herrmann von der Taz kommt bei uns nicht rein und Sie könnten sogar beschließen, wir interviewen ab jetzt nur noch Politiker der AfD und wir geben eine Wahlempfehlung ab. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk darf genau das nicht.
Das ist ja laut Auftrag muss er eben die Breite der Gesellschaft abbilden und soll möglichst, Sie haben es aber gesagt, es gäbe keine Neutralität oder sie sind nicht zur Neutralität verpflichtet, aber so etwas ähnliches, es hat sich der Gesetzgeber mit dem Auftrag zur Objektivität schon vorgestellt. Also die Breite der Gesellschaft und die Breite der Meinungen sollte eben abgebildet werden.
Und das ist ja nun egal, das muss man ja gar nicht politisch sehen, das konnte man in der Corona-Zeit sehen, das kann man beim Ukraine-Krieg sehen. Abweichende Meinungen sind deutlich unterrepräsentiert.
Ulrike Hermann kann jederzeit zu uns in die Sendung kommen, das ist überhaupt kein Problem. Ich habe übrigens auch Anja Reschke mal eingeladen, als die eine große Sendung über uns gemacht hat. Da habe ich gesagt, prima, macht eine Sendung über News, komm doch zu mir zum Interview. Nee, nee, nee, Gottes Willen geht natürlich nicht.
Also insofern findet der Austausch da nicht statt. Ich fände es ja spannend, weil ja, also Luisa Neubauer, das sind wirklich manchmal sehr spannende Ideen. Die hat also vor einiger Zeit mal gesagt, die meisten Menschen hätten Vergangenheitserfahrung und junge Menschen wie sie hätten Zukunftserfahrung und Zukunftskompetenz.
Also die älteren Leute leiten ihre Erfahrungen aus dem ab, was sie erlebt haben und sie wollte das so verstanden wissen, dass sie sozusagen die Zukunft erspürt und ohne die Erfahrung der Vergangenheit, also die Erfahrung der Vergangenheit, sozusagen fossile Erfahrung und sie hat ihr die erneuerbaren Erfahrungen für die Zukunft aus der Zukunft.
Fand ich einen ganz spannenden Ansatz. Also da muss man erstmal drauf kommen, ich meinte das gar nicht irgendwie despektierlich. Ich habe ja früher auch immer darüber nachgedacht, ob ich eine Sportart mal erfinden kann, wo ich gewinne. Das ist mir auch nie gelungen. Und als Gedankengang fand ich das sehr, sehr originell.
Also dass man versucht, die Erfahrungen, die andere gemacht haben, als rückwärtsgewandt einzustufen. Und irgendwie einen Dreh findet intellektuell, dass die eigenen Erfahrungen die wichtigeren und die nach vorne gewandten sind. Auf die Idee muss man erstmal kommen. Sowas finde ich originell. Ich finde auch manchmal, also Micky Meisenherz hat uns mal eine pseudo-journalistische Boxbude genannt.
Also für originelle Wortschöpfung kann ich mich durchaus begeistern. Das ist schon in Ordnung. Aber er würde jetzt zum Beispiel zu mir auch nicht zum Interview kommen.
Ich will am Schluss nochmal eine persönliche Frage loswerden. Was hat es dir eigentlich bewogen, zu News zu gehen?
Ach, das war, also ich habe in, ich glaube, Generation Gleichschritt habe ich das ein bisschen beschrieben. Das gab damals so eine Wogniswelle, wo Springer sich sehr stark an die Regenbogenfraktion angedockt hat und da jeden Tag irgendwie auch Regenbogenfahren vorm vor der Tür wehten. Dann hat es Döpfner, der Vorstandsvorsitzende, eingeschritten wegen eines Gastbeitrages, wo 120 Ärzte und Biologen geschrieben haben, es gibt nur zwei Geschlechter.
Das fand er unsäglich. Und dann gab es ein internes Rundschreiben, wo drin stand, wir als Bild stehen fest an der Seite der LGBTQ-Bewegung. An jeder Eingangstür, ich weiß nicht, ob es noch so ist bei Springer, war damals ein Aufkleber LGBTQ Safe Zone. Ich weiß gar nicht, was das ist. Also offensichtlich kann man sich da unterstellen, wenn man als Queer-Person durch die Straße gejagt wird oder ähnliches.
Und ich stehe nicht an der Seite von irgendwem. Da sind wir wieder bei einem anderen Thema. Das war mir einfach zu dicke. Und damals fiel der Vortrag von Marie Vollbrecht an der Humboldt-Universität aus und dann schrieb dann der eine Kollege wieder, ja, so sei das nun auch wieder nicht gemeint gewesen.
Ich kriegte Ärger wegen eines Kommentars, dass ich fand, dass man keine Regenbogenfahren vor Ministerien aufziehen muss, weil wir uns hinter Schwarz-Rot-Gold allesamt versammeln können. Und wenn man jetzt anfängt, Partikularinteressen dann zu beflaggen, dann wird es gleich klein sein. Also es gab dann eine gewisse inhaltliche Unverträglichkeit.
Und das andere ist allerdings, dann gab es noch ein Spiegelinterview mit dem damaligen Chefredakteur Johannes Beuer, der mir dann noch ziemlich üble Sachen namentlich nachgerufen hat. Ist Schnee von gestern, man wollte mich dann nicht rauslassen und wir haben uns da arbeitsrechtlich dann getrennt. Ich habe dann einfach von mir aus fristlos gekündigt und dann war das Ding erledigt.
Hätte alles nicht sein müssen. Nur das andere ist eben, ich fand das Modell von News eigentlich sehr innovativ. Wir alle wissen doch nicht, wohin sich die Medienbranche entwickelt. Also im Prinzip können wir nur so tastend in die Zukunft gehen. Es spricht vieles dafür, dass intuitiv konsumierbare Inhalte, sprich Bewegtbild die Zukunft sein werden, die Lesekompetenz nimmt, jedes Jahr mit irgendwelchen Studien belegbar ab.
Also Video könnte eine Geschichte sein, dann welches Format wird konsumiert. Das lineare Fernsehen mit starren Programmstrukturen, wo du um 17 Uhr dein Wissenschaftsmagazin befüllen musst und dann irgendwie scheint mir auch nicht die Zukunft zu sein, zumal die Quoten runtergehen. Also ich fand das den ganzen Ansatz sehr innovativ, dass man dieses Format ausprobiert, was funktioniert.
Und wenn es nicht funktioniert, dann ist es wieder weg. Und das fand ich einfach sehr, sehr spannend und insofern war das eine Perspektive. Also ich finde es attraktiver, beim Aufbruch dabei zu sein als beim Niedergang. Und die Medien der alten Schule sind eben häufig durch sinkende Auflagen, durch sinkende Reichweiten und durch entsprechende ungemütliche Sparbemühungen gekennzeichnet.
Und da ist es aus meiner Sicht eigentlich sehr viel attraktiver, sich am Aufbau zu beteiligen und zu gucken, was die Zukunft so bringt.
Dann sind wir gespannt, was die Zukunft von Ralf Schuler bei News noch bringt oder woanders, wie auch immer. Ich sage ganz, ganz herzlichen Dank. Und wenn Sie Freude hatten beim Lauschen, dann freuen wir uns hier über ein Like, über Abos, über Kommentierungen, denn wir glauben ja her, die Zukunft der Medien sind die Podcasts.
Wenn Sie eine Schenkung erübrigen können, dann finden Sie in der Beschreibung, wie das geht. 18,36 Euro erreichen uns immer wieder. Darüber freuen wir uns natürlich sehr, weil wir das humorvoll finden. Und dann gibt es so Kommentare wie fachlich richtig oder aber Geschäftsmodell ÖR-Bashing. Das nimmt Bezug auf unsere letzte Sendung, wo wir uns darüber beklagt haben, dass uns hier ein Geschäftsmodell von ARD höherer Stelle vorgeworfen wird.
Danke fürs Lauschen und bis zum nächsten Mal in diesem Theater. Tschüss. Vielen Dank.