
Vom Manager zum Unberührbaren – die Karriere des Medienfuzzis
Freitag, 16. Oktober 2026 · 1 h 15
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Shownotes
Wie funktioniert Privatfernsehen und was passiert, wenn ein Medienmanager aus seiner Branche ausbricht? In dieser Folge von „Sachlich Richtig“ sprechen Annekatrin Mücke, Alexander Teske und Peter Welchering mit Oliver Brendel alias der Medienfuzzi, in seinem ersten Leben Manager und Produzent bei Pro 7 und Sat 1. Er berichtet von Quotendruck, absurdem Bullshit-Bingo bei Abnahmen und wann für ihn der Punkt erreicht war, aus dem Trash-TV auszusteigen. Wir erfahren auch, dass sein kurzes Zwischenspiel bei RT das endgültige Aus seiner Karriere in den Mainstreammedien besiegelte, ihn dann aber auf eine ganz neue berufliche Schiene bei den digitalen Medien brachte. Diskutiert werden außerdem Jan Böhmermanns Humor, die Grenzen der Satire und Brendels Rechtsstreit um einen Post über Georgine Kellermann. Auch Joko und Klaas, politische Positionierung im Unterhaltungsfernsehen sowie die Kritik am privaten wie auch öffentlich-rechtlichen Rundfunk stehen zur Debatte. Ein Gespräch über Macht, Moral und Aufmerksamkeit – mit Einblicken in die Fernsehproduktion, scharfer Medienkritik und der Frage, was die sogenannten „alternativen“ Medien besser machen können und sollten.
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Und dann saßen wir in so Senderpitches oder wir haben Piloten gezeigt und dann war man fertig mit seiner Präsentation und dann sagt so der Vice-Präsident oder Senior Vice Präsident oder Project Manager, ja, Oliver, das hat schon was Schönes, aber du weißt ja, weil es halt eins geht, es ist ausschließlich um Relevanz.
Und was mir so ein bisschen fehlt, es passiert sehr wenig auf der Meta-Ebene. Also wir brauchen, wir brauchen doch schon eine Heldenreise und einfach eine gewisse Fallhöhe. Und also nehmt das mal mit, macht eure Hausaufgaben und bitte macht die Musik emotionaler. Und ich wusste genau, das bedeutet einfach nur, es gefällt mir nicht, aber ich habe keine Ahnung warum.
Ich kann es nicht erklären. Deswegen rede ich jetzt einfach Bullshit-Bingo. Sachlich, richtig.
Apologies for this interruption, but we have some breaking news. Meinungsfreiheit, Rundfunkbeitrag, Social Media. Er war jahrelang Medienmanager, kennt sich im Mediensystem bestens aus, weiß zum Beispiel sehr gut, wie es bei Pro7 und SAT1 läuft oder mal lief. Er kann alles über Quote, Inszenierungen, über Strategien vor und hinter der Kamera erzählen.
Darauf hoffen wir gleich, das sind nämlich alles Felder, auf denen er viele gesät und auch geerntet hat. Herzlich willkommen, Oliver Brendel, alias Medienvorzieh bei Sachlich Richtig.
Ja, hallo, guten Tag. Sehr schön, bei Ihnen zu sein. Genau, und dann steigen wir gleich mal hart ein, aber vielleicht mache ich nochmal eine ganz kurze Vorstellungsrunde. Gerade haben wir die Stimme gehört von Anne-Katrin Mücke. Peter Welchering ist im Studio Ostfriesland natürlich wieder dabei. Mein Name ist Alexander Teske und ich starte gleich mal mit der knallharten ersten Frage, weil ganz aktuell kann ich mir nicht verkneifen, einmal nach Jan Böhmermann zu fragen.
In einer der letzten Sendungen hat er sich auf die Schwalbe gesetzt, den Helm aufgesetzt und ist losgefahren in Ulrich Sigmund Manier, also dem Spitzenkandidaten der AfD in Sachsen-Anhalt. Und dann wurde er vom Laster überfahren. Große Lacher im Publikum und der Laster setzte nochmal zurück und hat ihn nochmal kräftig überfahren, damit auch nichts schief geht.
Und das Ganze firmiert unter Satire. Jetzt frage ich Oliver Brendel, der als Medienfutzi ja auch so eine Art Satire-Experte ist, weil er selber auf diesem Feld aktiv ist. Wer das auch ist, also wie lustig findet, dass der Medienfutzi?
Also, wenn ich das in einen Zusammenhang mit mir stellen darf, also ich arbeite seit 1995 in den Medien, ich war 15 Jahre bei Prosib und dann zehn Jahre Produzent. Jetzt bin ich eigentlich seit 2022 selber Satiriker. Also was ich mit meiner Sendung Medienfutzi auf YouTube mache, wird von vielen anderen Leuten als Satirik eingestuft oder als Satire.
Und das nehme ich gerne an. Und ich betrachte mich als klassischen Satiriker, das heißt, Satire bedeutet immer Machtkritik. Deswegen arbeite ich mich bisher noch nicht an der AfD ab, weil sie noch keine große Macht hat, sondern ich arbeite mich an den Parteien ab, die in den letzten zwei Jahrzehnten alles verbockt haben hier in Deutschland.
Jetzt muss man wissen, dass ich gerade vor Gericht gestanden bin und verurteilt worden bin, weil ich habe einen satirischen Brust gemacht auf X und habe Frau George Kellerman, die wir ja alle schätzen und lieben, ich nenne sie auch gerne Helena 2.0, also die schönste Frau ihrer Zeit. Georgine Kellerman hat eine Strafanzeige gegen mich erwirkt, weil ich ein Foto von ihr kommentiert habe mit dem Satz: Psycho könnte man auch mal wieder gucken.
Ich weiß nicht, wie ich darauf komme. Ich habe mich darauf auf den Film von Alfred Hitchcock bezogen in den 60er Jahren, wo ein Hauptdarsteller Frauenkleider trägt und eine Perücke. Dafür bin ich vom Gericht verurteilt worden, zu 20 Tagessätzen a 100 Euro. Die Staatsanwaltschaft wollte 60 Tagessätze, also 6000 Euro.
So, wenn man das jetzt in vergleicht mit dem, was Jan Böhmann jetzt wieder getan hat, dann muss man schon sagen, dass sehr unterschiedliche Maßstäbe angesetzt werden für Satire. Ich bin mir absolut sicher, dass es Strafanzeigen geben wird. Die gibt es oft und eigentlich immer bei grenzwertigen Scherzen von Herrn Böhmann.
Und ich bin mir auch hundertprozentig sicher, dass die Staatsanwaltschaft diese Verfahren, diese Ermittlungen einstellen wird. So, persönlich sage ich immer, bei Satire oder Comedy gibt es nur zwei verschiedene Einschätzungen. Ich habe gelesen, was Herr Welcherin geschrieben hat über den Sketch von Herrn Böhmann.
Das widerspricht nicht zu dem, was ich jetzt sage. Aber für mich gibt es immer nur lustig oder unlustig bei Scherzen und Satire. Ich möchte niemals, dass irgendeine Form von Humor verboten wird. Aber ich wundere mich sehr über die zwei unterschiedlichen Maßstäbe in diesem Land, nachdem Humor beurteilt wird.
Und ich wundere mich auch sehr über was linksgerichtete Menschen scheinbar lachen, die ja unfassbar empfindlich sind. Man stelle sich, man stelle sich vor, ich hätte diesen Scherz gemacht. Ich hätte diesen Scherz gemacht, aber indem ich zum Beispiel über Bärbel Baas drüber fahre oder über Annalena Baerbock oder sonst wen, ich wäre wahrscheinlich wieder vor Gericht gelandet.
Und das ist das, was mich an den Scherzen von Herrn Böhrmann gewaltig stört.
Also ist es für Sie keine Satire, was er da getan hat? Mal ganz abgesehen davon, dass er offensichtlich ja auf den Spitzenkandidaten der AfD in Sachsen-Anhalt abgehoben hat und die, wie Sie schon richtig sagten, ja noch nicht in Regierungsverantwortung ist. Aber mal ganz abgesehen davon, ist das noch Satire, denn es ist ja nicht Ulrich Siegmund überfahren worden, sondern Jan Böhmann.
Es ist in meinen Augen eben keine klassische Satire, weil Satire sich nicht nach dem Mainstream richtet, sondern Satire richtet sich gegen die Mächtigen. Und es ist absolut wohlfeil auf einem Sender wie dem ZDF, das sich permanent nennt an der AfD, abarbeitet und damit auch den Medienstaatsvertrag eigentlich täglich bricht.
Es ist Wohlfeil, dort solche Scherze zu machen. Aber wäre er mutig, würde er sich gegen Mächtige richten. Und das tut er nicht. Er kritisiert nicht die SPD, er kritisiert schon mal die CDU, weil die ist ja in seiner Ideologie auch schon rechts, rechts, Nazi, Nazi. Es ist für mich keine Satire, weil es sich nicht gegen Mächtige richtet, sondern er geht ja auch gegen ganzale Menschen, gegen Impfgegner, gegen Herrn Schönbohm, der dann gefeuert wird und seine Kinder werden gemobbt in der Schule und er verliert mehr oder weniger seine Existenz.
Und das ist alles keine Satire, weil du arbeitest dich nicht an Wehrlosen ab. Das tut Herr Böhmermann sehr oft und meistens. Aber es ist Humor. Es ist sein Humor. Und ich finde es nicht lustig, aber ich bin jetzt nicht dafür, dass er vor Gericht landet, so wie ich. Und ich bin auch nicht dafür, dass er gecancelt wird oder dass nicht mehr machen darf, was er macht oder dass er ein Berufsverbot bekommt.
Da bin ich weit entfernt von. Aber mich ärgert, wie gesagt, die unterschiedliche juristische Einschätzung auch von solchem Humor.
Ja, die juristische Einschätzung, darüber sollte man nochmal reden, kann ich nicht, ich bin kein Jurist, aber was mir eben auffällt dabei ist, es gibt ja immer zwei Pole, wenn es um Satire geht. Das eine ist die Kritik, da bin ich ganz bei Ihnen. Die kritische Funktion ist ja nicht zu sehen, weil eben tatsächlich die Mächtigen nicht kritisiert werden.
Das zweite, und so könnte man ja noch urteilen, ist die Unterhaltung. Und Unterhaltung findet eben da auch in der Satire ihre Grenze, die unterhaltende Darstellung, wenn es tatsächlich in Richtung einer Gewaltfantasie geht. Und deshalb sage ich auch sehr deutlich, lieber Fernseherrat im ZDF rügt das, lieber Intendant, liebe Programmdirektion, nehmt diese Bürgermann-Serie aus der Mediathek, denn tatsächlich ist er hier in Sachen Gewaltfantasie einfach zu weit gegangen.
Ich würde auch nicht sagen, cancet ihn oder er teilt ihm Berufsverbot. Von Berufsverboten halte ich überhaupt nichts, mit denen bin ich groß geworden, als ich jung war. Aber tatsächlich, wenn solche ganz konkreten Sendungen, die konkret, in dem Fall gegen auch satirische Standards, auch die gibt es, wir können auch, wenn jemand das will, die in die Show notes stellen oder so.
Wenn gegen diese satirischen Standards verstoßen wird, dann denke ich schon, sollte man tatsächlich auch bei einem öffentlich-rechtlichen Sender Konsequenzen ziehen.
Ja, ich stimme Ihnen absolut zu. Das Problem ist aber folgendes. In dem Moment, wo Sie es aus der Mediathek rausnehmen, es ist jetzt schon überall auf X. Wenn Sie es aus der Mediathek rausnehmen, wenn die Schlagzeilen noch größer werden, werden es dann eher noch mehr Menschen sehen. Jörn Böhrmann hat zu Recht seine Sendung verloren.
Er sagt zwar, er hat sie aufgegeben. Also Sie arbeiten ja auch schon sehr lange in den Medien. Oder eigentlich, entschuldigen Sie, Frau Anne, ich habe sie nicht recherchiert.
Wir sind sogar Kollegen beim Kontorfunk.
Ah, okay, super. Das tut mir leid.
Nein, ich habe auch lange beim Öffentlich-Rechtlichen gearbeitet, ja, ja. Und übrigens wollte ich nur ganz kurz sagen, Jan Böhmermann hat ja auch deswegen aufgehört mit der Sendung. Das hat er in einem ARD-Podcast gesagt, weil der öffentlich-rechtliche so schlecht bezahlt. Das nun mal nebenbei, damit wir es alle wissen.
Ja, also, okay, es ist jetzt meine persönliche Meinung, aber ich bin seit 30 Jahren in den Medien. Ich habe Jan Böhmermann verfolgt, ich hatte ihn immer wieder auf den irgendwelchen Vorschlagslisten für Sender, wie ich bei der Produktionsfirma war, und er wurde immer wieder ganz hinten an die Liste gesetzt, zu unattraktiv, zu untalentiert, einfach nicht gut genug.
So, er hat in dem Sinne seinen Durchbruch niemals geschafft. Er hat es dann geschafft mit 39, als seine nette Royalsendung ins Hauptprogramm kam beim ZDF. Also ein Mann, der 39 Jahre auf seinen Durchbruch warten musste und immer nur kleinere Sachen machen durfte, der über 600.000 Euro im Jahr verdient hat, der gibt freiwillig seine Sendung auf.
Auch lautete die Meldung erst anders. Ich habe im Kopf, dass es erst hieß, man beendet den Vertrag, egal. Also, ich persönlich glaube auf gar keinen Fall daran, dass er seine Sendung selber aufgegeben hat. Das macht einfach keinen Sinn, nach gesunden Menschenverstand. Und ich glaube auch, dass wir in einem Jahr von diesem Namen kaum noch etwas hören.
Weil erinnern Sie sich an Anne Ville. Anne Ville hat auch ja ihre Sendung nicht mehr gehabt. Aber es hieß dann, man befindet sich in sehr konstruktiven, fruchtbaren Gesprächen und man plant vieles mit ihr. So, wo ist Anne Vill heute? Also sie macht einen Podcast, sie macht ihre Dinge, keine Frage. Aber dieses unfassbar hohe Level, also Anne Ville war hinterm Tatort der beste Sendeplatz vielleicht in Deutschland.
Jan Böhrmann hatte beim ZDF eine Sendung in der Spätprime zumindest. Das ist ein sehr, sehr hohes Level mit einer unfassbar großen Reichweite. Dieses Level wird ein Jan Böhmann nie wieder erreichen, sage ich jetzt als Prognose.
Was ich in dem Fall so spannend finde, ist, dass es nicht sofort einen Aufschrei gab. Also was ja doch auch tief blicken lässt, nicht nur auf den Sender. Also das hat ja Jan Böhmermann sich nicht irgendwie selber mal so eben überlegt, so ein Sketch muss ja doch sehr aufwendig gedreht werden. Also da muss eine Redaktionskonferenz stattfinden.
Ich habe da irgendwie die Idee, ja, ja, die machen wir das, wir machen das so und so. Also ein ganzes Team muss sehr viele Stunden darüber gebrütet haben, wie sie das machen. Es muss ein Kamerateam bestellt werden. Es muss geschnitten werden, es wird irgendwo zur Abnahme einem Chef vom Dienst vorgelegt, da wird vielleicht auch nochmal die juristische Direktion, der Fernsehdirektor drüber schauen, weil man weiß ja, dass es Ärger geben kann.
Das ist schon mal das eine. Und das andere ist dann ein Studiopublikum, was sich auf die Schenkel klopft vor Lachen bei so etwas. Und dann passiert erstmal nichts. Es ist ja tagelang nichts passiert, sondern meiner Beobachtung nach hat das jemand auf Facebook hochgeladen, sich darüber mockiert und dann begann die Welle so ganz langsam und irgendwann landete es auf X und wird jetzt kritisch diskutiert.
Aber das sagt ja auch schon einiges aus, dass nicht sofort losging, dass man sich nicht sofort darüber, also mal abgesehen davon, dass es überhaupt auf den Sender kommt, aber dass man sich nicht sofort darüber mockiert. Wäre so ein Gag bei ProSieben in ihrer Zeit, ich glaube, sie waren sogar Vizepräsident oder sowas.
Ja, wäre das möglich gewesen? Also ich war Vice Präsident, das liegt aber hauptsächlich daran, dass wir so blöde englische Titel hatten. Also Vicepräsident bedeutet nicht mehr als Abteilungsleiter. Und es gab bei ProSIB vielleicht 30 Vice Präsidents. Das muss ich auch sagen. Das klingt richtig gut. Absolut.
Mein Vorgesetzter war der Senior Vice President. Und es gab auch immer ein Problem, wenn wir nach Amerika gegangen sind. Ich dachte, wir haben diese Titel, weil das irgendwie international angeglichen werden soll. Nein, so war es nicht. Also dann bist du aufgeschlagen in Amerika zu irgendwelchen Terminen und Gesprächen, hast gesagt, du bist Vicepräsident und die Leute dachten, dein Gott weiß was, bis ich herausstellte, dass du weit, weit unter ihnen bist.
Naja, egal. Also bei ProSieben, ich muss wirklich nachdenken, was war das Kontroverseste, was wir per ProSieben gemacht haben? Das war schon Stefan Raab, würde ich mal sagen. Stefan Raab, der auch viele, das war keine Satire, das war ja Comedy und das ging dann auf Kosten anderer. Er hat mal einen Scherz gemacht, kann mich erinnern, über Lisa Loch, der hat ihn dann 20.000 Euro gekostet.
Er hat einen Scherz gemacht über eine türkische Mutter mit Kopftuch und hat so getan, als würde sie Drogen an Kinder verkaufen als Witz. Das hat ihm auch Geld gekostet. Ich kann mich aber erinnern, dass die Produktionsfirma ein Budget angelegt hatte für juristische Streitereien und das bewusst in Kauf genommen hat.
Also ich möchte jetzt nicht sagen, dass das ProSieben da irgendwie sensibler oder besser gewesen ist als das ZDF. Was ich aber sagen kann, zumindest zu meiner Zeit bei ProSieben, wenn mir eine Sache niemals gewesen sind, dann politisch. Also ich bin ja bei Pro7 weg seit 2015. Also es ist schon eine ganze Weile her.
Und ich war einmal verantwortlich für 70 Leute in der Daytime und ich habe mir neulich überlegt, dass ich von keinem einzigen, dass ich von keinem einzigen die politische Gesinnung kannte. Also das war einfach überhaupt kein Thema. Und das war auch zu meiner Zeit bei Pro7, dann bei Stefan Raab oder sonstigen Kommen die Sendungen kein Thema.
Ich weiß, dass es heute anders ist. Also heute gibt es eine Agenda.
Ich muss aber unbedingt einwerfen bei Pro7 und dem Stefan Raab den Maschentrahtzaun. Da habt ihr euch über die Sachsen lustig gemacht und den Knallerbsenstrauch durch den Gaga gezogen.
Das kannst du aber auch richtig schälen noch, hey.
Ja, ja, ich bin nicht so gut.
Ich glaube, die Dame ist gestorben leider neulich, die Dame vom Maschentrahtzaun.
Oh, also wir waren nicht so. Mir bin ich sicher, aber ich glaube, das ist Produktionsgesellschaft und wir haben tatsächlich, es gab irgendwie, es gab da so eine Gerichtssendung, hieß die Ziegler oder so ähnlich, oder? Da wurden so Gerichtsverbände.
Es gab Barbara Salisch, das war der Kinder.
Und sie, also wir haben diesen Fall gedreht und der Kameran musste eigentlich nur draufhalten bei diesem Nachbarschaftsstreit, weil der Nachbar kam auch dazu und dann hat sie da so gepöpelt und ich glaube, es war eine 20-Minuten-Sequenz, musste nicht geschnitten werden und war große Unterhaltung und dann kam es eben zu Stefan Raab und sie war dann richtig ein Star.
Also sie war dann abgeschirmt, wurde im Hotel untergebracht. Aber das tut mir leid, wenn sie gestorben ist. Ich glaube, aus dem schönen Vogtplant, liebe Grüße an die Landsleute.
Aber es gab ja mehr, es gab ja auch die Ö-Lappelömer Blanca Boys, die kamen, glaube ich, auch aus Sachsen. Die haben in irgendeiner Dating-Show Ö-Lappel Lömer Blanco gesungen. Und damit ist er, also Stefan Raab hat zu einer Zeit mit Musik, Musik gemacht, das waren alles Nummer 1-Hits. Und er hat das zu einer Zeit gemacht, wo mit Musik noch richtig Geld verdient wurde.
Und also wir müssen uns um sein Auskommen zumindest keine Sorgen machen.
Aber sie sagten ja eben, pro 7 auch Satz 1 sind dann eben doch politischer geworden. Und ehrlich gesagt, wenn ich drauf schaue, sind die vor allem politisch geworden mit dem Erfolg von Joko und Klaas. Und wenn ich mir anschaue, was diese beiden Typen mit ihren diversen Produktionsfirmen, also irgendwie muss immer was mit Florida davor stehen, die produzieren ja jetzt auch hart, aber fair, die haben sich da so eingezeigt, die sind verantwortlich für diese unsäglichen Propaganda-Videos zu Corona-Zeiten, wo es irgendwie um neue Helden ging und den Leuten erzählt wurde, sie sind dann Helden, wenn sie schipsfressend vor ihrem Computer sitzen.
Und nur so würden sie diesem bösen Virus besiegen, helfen und so. Ist das meine Wahrnehmung richtig? Und wie erklären Sie sich das? Sie haben es ja doch, wenn Sie sagen, bis 2015 haben Sie ja den Aufstieg von den beiden noch mitbekommen.
Ja, nicht bewusst. Also ich weiß nicht genau, wann Joko und ich kannte Joko und Klaas schon vorher in ihren Viva-Programmen und so. Joko und Klaas sind das Ergebnis einer verzweifelten Suche der Branche nach Ant Deck. Also wir haben in Großbritannien die beiden Moderatoren, Ant Deck, den vollen Namen weiß ich gar nicht, aber Ant Deck moderieren quasi alles in Großbritannien, sind Superstars, die machen auch Britain Gott Talent und haben unfassbar viele Sendungen.
Ant Deck sind Freunde seit Kindergarten an und die Harmonie zwischen den beiden ist großartig. Und es wurde immer versucht, so ein Moderatorenpaar zu finden und zu bilden in Deutschland. Es gab Versuche mit Dirk Bach, Gott habe ihn selig und Barbara Schöneberger, es gab verschiedene andere Versuche, es gab nie ein Paar, wo die Chemie so gestimmt hat.
Und bei Joko und Klaas hat man das dann gefunden. Die Chemie zwischen den beiden stimmt wirklich. Ihre politische Gesinnung ist für mich unfassbar nervig. Also in dem Moment, wo Leute mich belehren wollen und mir dann auch sagen, was politisch korrekt ist und was nicht und was ich wählen soll und was nicht, schaue ich immer auf die Ausbildung.
Viele Leute machen sich darüber lustig und sagen, Oliver, man kann intelligent sein, ohne studiert zu haben, man kann intelligent sein, ohne Historiker, Politologe oder sonst was zu sein. Keine Frage. Mir ist ein Handwerker wie Herr Kopanna zum Beispiel mit einem Handwerksunternehmen, das kann ich respektieren, das ist ein gestandener Mann, der ist in der Wirtschaft tätig, wunderbar.
Joko ist ein abgebrochener Werbekaufmann, der immer nur berühmt werden wollte und das verzweifelt lange versucht hat. Und Klaas ist Friseur. So, sprich, ein abgebrochener Werbekaufmann und ein Friseur fühlen sich befugt, Millionen von Menschen Bescheid zu stoßen. Millionen von Menschen, die teilweise älter sind, erfolgreicher sind in anderen Metiers und auch eine sehr viel bessere Ausbildung haben.
Und das finde ich sehr unangenehm. Und dann passiert folgendes. Also Joko und Klaas positionieren sich extrem gegen rechts und extrem für Frauen als Feministen. Dann machen sie Gewinn ja immer 15 Minuten, dann auf Pro 7. Und diese großen Feministen laden alle Kanzlerkandidaten ein, nur die einzige Frau nicht.
Also Alice Weidel wird nicht eingeladen. Die beiden Disser Habeck war eingeladen, natürlich Merz war eingeladen, Scholz war eingeladen und durfte fünf Minuten reden. Die einzige Frau haben die beiden großen Feministen nicht eingeladen. So, dann sind sie extrem gegen rechts. Jetzt hat Berlusconi die Pro701-Gruppe übernommen.
Ich weiß nicht, wie Sie Berlusconi einordnen würden, aber ich glaube nicht sehr links. So, das wiederum stört sie gar nicht. Und sie haben ihren Vertrag verlängert und unterschrieben, dann auch unter Herrschaft von Berlusconi. Also sie haben jetzt nicht so viel Haltung, der Friseur und der abgebrochene Werbekaufmann und so viel Rückgrat, dass sie sagen, nein, das widerspricht meinen Werten, meiner Ideologie.
Ich kündige, ich mache jetzt mein eigenes Ding. Weil die großen Millionenverträge geben sie dann doch nicht auf.
Aber sie versuchen sich ja ein zweites Standbein aufzubauen, indem sie ja immer mehr sich beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk reinzecken und von den kleinen Milliardenbeträgen irgendwie doch auch noch was umleiten zu können in die Kassen ihrer vielen Firmen, oder nicht?
Selbstverständlich und auch das ist natürlich typisches Produzentenhandwerk. Du versuchst dich auf so viele Standbeine zu stellen wie nur irgend möglich, weil so eine Produktion ist schnell weg. Und dann fallen auch die Arbeitsplätze weg und dann müssen Mitarbeiter gehen. So, die ganze Klamroth-Geschichte ist ja noch sehr viel spezieller, weil Herr Klammroth hat, erstmal hat er gewartet, bis der Vertrag mit dem WDR unterschrieben ist, um die Frage.
Dann dem WDR zu signalisieren, dass er Tisch und Bett mit Frau Neubauer teilt, einer linksextremen Aktivistin. Das hätte, wenn er das vorher gesagt hätte, schon zu Diskussionen führen können beim WDR. Gut, Vertrag war unterschrieben, dann kam erst die Meldung. Dann hat er die Chance ja bekommen von Herrn Blasberg.
Ich sage den Namen immer falsch. Blasberg. Blasberg, Blasberg. Von Herrn Blasberg. Also Herr Blasberg hat diese Sendung groß gemacht mit seiner Firma Ansager und Schnipselmann. Über 20 Jahre haben sie dieses Format konzipiert, produziert, sehr erfolgreich gemacht. Und ich kann mich nicht mehr so richtig gut an Herrn Blassberg erinnern, aber ich kann mich entsinnen, dass er sehr viel neutraler war, als ein Herr Klamroth ist.
Herr Klamroth bekommt die Chance von renommierten Kollegen wie Herrn Plassberg, von einer renommierten Produktionsgesellschaft wie Ansager und Schnipselmann. Was tut er? Er stellt sehr schnell die Kommunikation ein mit seiner Produktionsfirma, arbeitet auch nicht sehr gut und konstruktiv mit ihr zusammen, sucht aber sehr intensiv das Gespräch mit dem Sender, dem WDR, hinter dem Rücken seines Produzenten, mit dem Ergebnis, dass irgendwann Ansager und Schnipselmann gekündigt werden.
20 Mitarbeiter müssen gehen, er bekommt einen Millionenvertrag und produziert die Sendung jetzt selber. So, Herr Klamroth ist weitaus schlechter, was die Quoten betrifft, als Herr Blassberg und die Produktionsform von Herrn Blasberg. Er ist extrem umstritten. Er ist in meinen Augen nie über den Praktikantenstatus hinausgekommen.
Also ich habe mit vielen Moderatoren gearbeitet. Herr Klamroth ist kein Moderationstalent, überhaupt nicht. Er ist auch ein bisschen schlaftablettig unterwegs. Und wie gesagt, er ist ideologisch augenscheinlich extrem einseitig und leistet sich auch unglaubliche Fehler, weil Moderatoren des öffentlichen öffentlich-rechtlichen Rundfunks sich an den Medienstaatsvertrag halten sollten.
Ich glaube nicht, dass Herr Klammrod ihn überhaupt je gelesen hat, weil im Medienstaatsvertrahen viele Dinge, ich sage immer nur drei, objektiv, journalistisch sorgfältig und parteiübergreifend. All das ist Herr Klammuth nie gewesen, wird es nie sein. Und dass er dann der Superstar wird bei öffentlich-rechtlich und wie gesagt von unseren Gebühren, ich zahle das ja schon lange nicht mehr, aber von den Gebühren der Gebührenzahler, über eine Million im Jahr kriegt, extrem grenzwertig.
Wobei man auch noch anschließen muss, Plasbeck hat ja die Sendung auch groß gemacht als Eigenproduktion des VDR. Erst als dann tatsächlich Hart aber fair eine gute Medienmarke war, da ist er auf die Idee gekommen, na, jetzt könnte ich aber auch eine Produktionsgesellschaft gründen. Auch das ist übliches Prozedere.
Aber kommen wir mal zu Ihnen und zu Ihrer politischen Positionierung. Sie werden ja mitunter so in die rechte Ecke gestellt. Sie haben ja sogar der Jungen Freier hat ein Interview gegeben, also gesichert rechts, oder?
Absolut. Ja, ich weiß nicht, ob Sie es wussten, ich stehe auch auf der Hastliste von Campact. Also Campacht hat eine Liste erstellt mit 62 YouTubern, die menschenverachtende Inhalte herstellen. Ich bin gottfroh, dass meine Eltern jungen gestorben sind und das nicht mehr miterleben müssen, dass ihr so menschenverachtende Inhalte herstellt.
Begründung haben sie keine mitgeliefert, weil das müssen sie ja auch nicht. Sie sind kampakt. Ich bin eingestuft worden als rechtspopulistisch. Da kann ich sehr dankbar sein, weil es gab die Einstufungen rechtsextrem, extrem rechts, rechtsextremen nahe, AfD nahe, AfD zugehörig. Ich bin nur rechtspopulistisch.
So, als Begründung wurde dann angegeben in einer extra Spalte, arbeitet für Russia Today. Das ist eine falsche Tatsachenbehauptung. Ich habe mal den Fehler gemacht, acht Monate vor dem Krieg für Russia Today zu arbeiten, wozu ich immer stehen werde. Also muss jetzt hier nicht Thema werden, ist aber so, ich werde immer dazu stehen, ich werde das nie verleugnen.
Wunderbare Kollegen. Und es ist alles ein bisschen anders, als es korportiert wird. Aber wie gesagt, das muss keine Rolle jetzt hier spielen. Russia Today ist inzwischen nicht mehr präsent in Deutschland, ist auch verboten. Das heißt, ich kann gar nicht mehr für Russia Today arbeiten, aber Recherche ist das Ding von Campag nicht.
Kann aber auch daran liegen, dass die Anzeigenführerin, also die Dame, die hinter dieser Aktion steckt, eine, ich glaube, 23-jährige Dame namens Friederike Gravenhorst ist. Frau Gravenhorst, über ihren Lebenslauf lässt sich nichts finden, was Ausbildung oder berufliche Erfahrungen betrifft, aber sie war Sprecherin der grünen Jugend in Bremen mal.
So, eine 23-Jährige, die meine Tochter sein könnte, setzt mich auf eine Hassliste, schreibt 90 Unternehmen an, dass sie nicht mehr Werbung schalten sollen in meinen YouTube-Videos, was ich sehr lustig finde, weil es sind sehr große Unternehmen und keins davon hat jemals Werbung geschaltet in meinen Videos.
Da kommen immer nur so, wenn Sie erfolgreich sein wollen, kaufen Sie diese Heizdecke. Aber gut, das ist die Welt, in der wir leben. Ich habe mir eine Urkunde gebastelt für mein Studio. Da steht auch Platz 34 auf der Kampact-Hassliste. Hat mir viel gebracht, weil was Follower und Aufmerksamkeit betrifft.
Macht mich aber immer wieder nachdenklich, was für Menschen da rumkräuchen.
Ja, da sind wir vielleicht auch gerade dabei, Sie sind ja wegdifundiert sozusagen aus dem, wie soll man es sagen, Leitmediensystem in das System der, wie will man es sagen, digitalen Medien, Alternativmedien, wie auch immer. Und haben auch ihren eigenen YouTube-Kanal aufgemacht. Was hat sie denn dazu bewogen?
Also dazu hat mich hauptsächlich bewogen, dass ich nach meinem achtmonatigen, also wie gesagt, ich mache das ja seit 30 Jahren, 15 Jahre pro 7, 10 Jahre als Produzent, dann acht Monate bei Russia Today. Meine Karriere wurde komplett auf diese acht Monate reduziert. Die Mainstream-Medien haben mich komplett ausgespuckt.
Ich würde niemals mehr einen Job bekommen bei irgendeinem Mainstream-Kanal. Ich bin komplett verbrannt. Es gibt viele Kollegen, denen ich sehr geholfen habe, auch während meiner Laufbahn, die heute die Straßenseite wechseln. Wenn sie mich sehen, auch würden sie nie ein E-Mail beantworten, wenn ich nur sage, hey, wie geht's dir?
Wir haben zehn Jahre zusammengearbeitet, wir waren gute Freunde. Könnten wir mal uns wieder unterhalten, Kaffee trinken. Nein, das kommt nicht mehr vor. Ich bin unantastbar. Ich bin, wie heißt diese Kaste in Indien, die man nicht berühren soll?
Die unberührbaren, ja.
Die unberührbaren. So, so einer bin ich geworden. Und der YouTube-Kanal ist dann im Endeffekt aus purer Verzweiflung entstanden, weil ich nicht genau wusste, was ich jetzt noch machen soll, beruflich. Also wie soll ich Geld verdienen? Und überraschenderweise, Gott sei Dank, ist das erfolgreich. Und mit dem YouTube-Kanal kamen dann, ich habe ja auch drei Bücher geschrieben, mein viertes Buch kommt jetzt am 7.
November. Ich habe, ich trete inzwischen live auf. Ich bin bei Kontrafunk in einer kleinen Rolle als Satiriker unterwegs. Und es ist sehr viel größer und erfolgreicher geworden, als ich es mir jemals zu träumen gewagt habe. Aber eigentlich ist es aus purer Verzweiflung entstanden.
Jetzt muss ich mal mit outen. Ich habe auch schon ein Interview der jungen Freiheit gegeben und finde da eigentlich gar nichts Verwerfliches dran. Das ist ja nicht compact oder irgendwie so. Also ich weiß, und man macht sich ja auch nicht automatisch mit dem Medium gemein, wenn man irgendwie ein Interview gibt.
Also jetzt landen wir auch auf der Liste, Alex.
Immer noch. Ich würde mich immer noch als linksgrüßen versüfft bezeichnen oder so, aber ich bin redebereit mit allen, die mit mir reden wollen und auf dem Boden des Grundgesetzes stehen. Aber Sie haben gerade so ganz nebenbei gesagt, Sie zahlen keinen Rundfunkbeitrag mehr. Das finde ich natürlich spannend, da muss ich mal einhaken.
Seit wann denn warum und was ist da passiert? Also man kann ja durchaus dafür ins Gefängnis gehen.
Ja, ich hatte auch schon Androhungen eines Haftbefehls, dann habe ich die Gerichtsvollzieherin angerufen und wir haben uns wirklich gut verstanden, eine sehr freundliche Frau, die es auch war, auch tierisch genervt, weil sie gesagt hat, ein Großteil ihrer Arbeit besteht inzwischen aus diesem Blödsinn, wie sie sagte, dass sie säumige Gebührenzahler jagen muss.
Und wir haben uns darauf verständigt, dass sie mich benachrichtigt, falls es irgendwie brenzlig werden sollte. Ich zahle die Rundfunkgebühr nicht mehr seit erst, seit Januar 2024, also ich mache jetzt bald mein zweites Jahr voll. Ich kann sie unbedingt empfehlen, es war zumindest sehr viel Rennerei, sehr viel Schriftliches.
Man muss ständig Sachen widersprechen, man muss klagen irgendwann, ich habe geklagt. Und momentan ist es aber ganz still geworden um dieses Thema. Ich kriege plötzlich keine Schreiben mehr. Das hängt scheinbar damit zusammen, dass vor dem Verwaltungsgericht in Leipzig irgendein Urteil gefällt worden ist, das jetzt mal ein bisschen genauer hingeschaut werden soll.
Es soll irgendein Gutachten erstellt werden. Haben die Öffentlich-Rechtlichen in den Jahren 22 bis 24, ich weiß nicht, 23 bis 25, haben sie da sich wirklich einen Mehrenstaatsvertrag gehalten. Dieses Gutachten wird jetzt gerade scheinbar erstellt. Was mich persönlich betrifft, ich höre gerade nichts und es fühlt sich so an, als würden irgendwie beide Seiten gerade so ein bisschen warten auf irgendwas, auf irgendeine Entscheidung.
Also ich kriege gerade keine Mahnungen, keine Drohungen und auch keine Haftbefehle mehr.
Wie würden Sie denn die Zukunft des Öffentlich-Rechtlichen sehen? Also sollen die weitermachen, soll einfach nur die Gebühr wegfallen oder der Beitrag? Sollen die ganz abgeschafft werden?
Also, wenn es nach mir ginge, können die gerne komplett abgeschafft werden. Aber ich bin ja, ich bin ja, wie gesagt, gegen jegliches Canceln. Ich sage einfach, der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist wahnsinnig überzeugt von seiner Qualität, von seiner journalistischen Sorgfalt und ich möchte gerne sehen, wie diese Menschen sich im freien Markt behaupten.
Ich musste das mein Leben lang. Ich musste mein Leben lang kämpfen gegen Konkurrenz, gegen andere. Ich musste um die Quote zittern. Ich bin um 8.30 Uhr aufgestanden und mir war ganz schlecht, weil ich wusste, wenn die Quote scheiße ist, habe ich eine Scheißzeit, einen Scheißtag und riskiere, meine Existenz ist im Risiko.
All das haben die öffentlich-rechtlichen Kollegen nicht. Ich habe für beide Seiten produziert. Ich habe bei den privaten über 200 Euro-Posten diskutiert, Porto-Kosten, also kleine Budgets. Bei den öffentlich-rechtlichen saß das Geld dann sehr viel lockerer. Es gibt so viele Doppelstrukturen. Es ist ein Selbstbedienungsladen geworden, wo die Menschen sich überirdische Gehälter auch bezahlen.
In meinen Augen wird der Gebührenzahler extrem ausgebeutet. Wenn man das Gefühl hätte, ARD und ZDF und alle anhängenden Konsorten würden wirklich sehr sorgfältigen, sehr wertvollen Journalismus abliefern. Absolut sachlich und neutral, immer gut recherchiert, immer fein, niemals Einsatz von KI, niemals einseitige Moderationen, niemals Hass und Hetze.
Ich glaube, jeder wäre gern bereit, diese ja doch sehr kleine Gebühr zu bezahlen. Aber in Zeiten, wo man für weniger Geld ein Netflix-Abo bekommt, was einem hochwertigste Unterhaltung, keinerlei Nachrichten, keiner Info klar, aber hochwertige Unterhaltung bietet, da denken natürlich viele Leute nach.
Und so wie sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk entwickelt hat, der mit Sicherheit eine fantastische Idee mal war, wie so viele Sachen, müsste er weg. Ich halte eigentlich den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, und das ist vielleicht viel zu radikal, aber ich halte den öffentlich-rechtlichen Rundfunk eigentlich für die größte Gefahr in unserer Demokratie.
Warum das? Das würde mich jetzt mal interessieren.
Also, weil ich unfassbar viele Menschen treffe, die auf einem extrem oberflächlich informierten Weltbild herumlungern, sage ich jetzt mal. Und wenn man sie dann fragt, wie informieren Sie sich, dann ist es sehr oft ausschließlich die Tagesschau. Die Tagesschau ist auch heute noch, wenn Sie auf die Quoten schauen, immer wird mir gesagt, was haust du so auf der Tagesschau rum, die guckt ja eh kein Mensch.
Das ist aber nicht ganz richtig. Also die Tagesschau ist fast jeden einzelnen Tag Marktführer, die meistgesehenste Sendung in Deutschland. Nicht nur bei Zuschauer ab 3, sondern auch bei 14 bis 49 sehr oft. Unter Top 5 sind sie immer, eher Top 3 und meistens an Nummer 1. So, die Tagesschau ist das mächtigste, meinungsbildendste Medium in Deutschland.
Also die 20 Uhr Ausgabe. Diese Sendung trägt eine irrsinnige Verantwortung auf ihren Schultern. Herr Teske weiß das tausendmal besser als ich und ich habe aus seinem Buch gelesen. Und mit dieser Verantwortung wird fahrlässig umgegangen. Es gibt eine Milliarde Beispiele. Ein Beispiel, ich war auf der Trauerwache Deutschland in Frankfurt.
Dort, das wird organisiert von Herrn Kürat, der seine Tochter verloren hat durch eine Attacke mit 30, 40 Messerstichen. Sie war so verunstaltet, dass er sie nicht mehr identifizieren durfte. So, dieser Mann veranstaltet eine Trauerwache. Er hat sich davor ausgebeten, keine Deutschland fahren, keine politischen Symbole.
Es war ihm wichtig, es ist ein Tag der Trauer. Über 100 Opfereltern sind dort zusammengekommen, überall waren Bilder, 50 Prozent der Opfer waren selber Migranten, alle Täter waren auch Migranten. Okay, so. Weder die Hessenschau macht darüber etwas, selbstverständlich auch nicht die Tagesschau. Die Tagesschau macht am selben Tag einen Beitrag, 90 Sekunden, glaube ich, über sanierte Kölner Theater, die jetzt irgendwie lange zu gewesen sind und jetzt mit 1,5 Milliarden saniert wurden oder irgendetwas und wieder aufgemacht wurden.
Wo ist da der Nachrichtenwert? Herr Teske kann mich verbessern, wird mich vielleicht auch verbessern, ist okay. Ein anderes Beispiel, als die jungen Leute auf Sylt gesungen haben, hat die Tagesschau darüber an einem Tag 2,30 gemacht von 15 Minuten, am nächsten Tag nochmal 45 Sekunden, dann mit dem Chef der Lokalität, wo das Ponyclub, wo das stattfand.
Wie passt das zusammen? Die Tagesschau ist so wichtig, so ehrwürdig, so einflussreich und ganz ehrlich, die Inhalte sind manchmal einfach unwürdig. Noch dazu ist ein Riesenproblem. Es gibt kein anderes Land, das, das muss ich mal recherchieren, das nur 15 Minuten Hauptnachrichten hat. In Frankreich sind es 45 Minuten, 20 Minuten sind es mindestens, auch in Österreich, Zeit im Bild ist länger.
Dass wir nur 15 Minuten haben, ist ein großes Problem. Es ist schwierig, das adäquat zu füllen, wenn du über die ganze Welt berichten willst. Aber was die Tagesschau sich teilweise aussucht, ist einfach unter aller Sau.
Ich würde überhaupt nicht widersprechen wollen, und wir haben da ja schon oft drüber gesprochen. Aber es gibt einen Punkt, wo ich Ihnen vielleicht doch widerspreche. Sie haben begonnen, ihre Geschichte mit Georgine Kellermann zu erzählen und den Strafbefehl. Dazu muss man sagen, die Frau war mal ein Mann und hat ewig und drei Tage für den WDR und DARD gearbeitet und sozusagen da auch Auslandskorrespondent und alles mögliche, also eine Ruhestellung.
Und was ich mich frage, was hat sie denn zu diesem Tweet oder Post veranlasst? Weil ich stimme jetzt dieser Frau inhaltlich auch nicht überein und dann denke ich aber immer, es gibt ja diesen alten Spruch vom alten Fritzen, jeder soll nach seiner Fasson selig werden. Und auch wenn mir das jetzt vielleicht persönlich fremd ist oder ich damit vielleicht nichts anfangen kann, weil ich ein alter weißer Mann bin, denke ich, mein Gott, ich arbeite mich darin jetzt nicht ab, auch nicht privat und schon gar nicht öffentlich.
Und warum, also klar kann man sagen, es ist Stira, natürlich muss man da jetzt niemanden für verurteilen, aber warum haben sie das gemacht? Oder es ist ja nur ein Beispiel, also warum arbeiten sich da relativ heftig manchmal ab?
Also, man muss dazu sagen, ich habe 35 Posts inzwischen geschrieben, in zwei Jahren auf X, das ist ein bisschen auch mein Beruf. Auf X verdiert man auch Geld mit Monetarisierung, gerade nicht mehr sehr system umgestellt, aber eine Zeit lang hat man da wirklich sehr gut verdient. Ich versuche Menschen zu unterhalten und ich versuche wirklich Satire zu machen.
Harald Schmidt hat mal gesagt, Satire, die niemanden verletzt. Warum dann Satire? Also Satire ist überspitzt, sie ist polemisch. Ich versuche wirklich einen relativ liebevollen Stil noch beizubehalten bei meinen Scherzen. Also ein Beispiel, ich habe mal einen Kommentar gelesen über Frau Kellermann, der lautete Pimmelwicht.
Von sowas möchte ich mich distanzieren, sowas finde ich nicht gut und sowas würde ich auch niemals schreiben. Es kann sein, dass ich darüber gelacht habe, darüber und dafür entschuldige ich mich dann auch, aber das kann man ja schwer steuern. Aber das ist nicht mein Stil. Man muss jetzt aber, wenn man die gesamte Geschichte betrachtet, wissen, also ich habe diesen Scherz, diesen Vergleich mit Psycho nicht erfunden, sondern diesen Scherz gibt es täglich auf X, sogar mehrfach.
Ich habe das vor Gericht nachgewiesen, hat mir sogar geholfen. Und ich habe eine andere Sache vor Gericht nachgewiesen. Frau Kellermann pflegt einen unfassbar rüden Stil auf X. Man kann in ihren Kommentaren suchen per Suchfunktion, das kann jeder selber versuchen, suchen Sie mal nach dem Wort Depp, das gebraucht sie sehr gerne.
Das ist eine Formalbeleidigung eigentlich. Idiot ist auch sehr gern dabei. Alle sind dumm, alle sind dumm, alle sind dümmer als Sie, jeder, der nicht ihre politische Meinung teilt, jeder, der nicht der Meinung ist, sie ist Helena 2.0 dumm, stupid as stupid can be, sie kann sie verschiedenen Sprachen.
Auch das Wort Arschloch benutzt sie sehr gerne auf X. So, und da hat man natürlich das Gefühl, jemand, der so hart austeilt, ist wahrscheinlich auch sehr tolerant und sehr gelassen, wenn es ums Einstecken geht, so ist es nicht. Es ist inzwischen auch erwiesen, wie gesagt, das ist jetzt ja gerade mein Herzensthema, dass sie diese Strafanzeigengeschichte, wie drücke ich es am harmlosesten aus, durchaus auch so nutzt, dass man das Gefühl hat, sie geht dem Ganzen erwerbsmäßig nach.
Also es gibt eine Fülle von Strafanzeigen, die auch immer über dieselbe Kanzlei laufen. Und sie wartet ab, bis man strafrechtlich verurteilt ist, was ich jetzt bin. Und dann geht sie nochmal zivilrechtlich hinterher, um für sich selber Geld zu bekommen. Weil meine 2000 Euro würden jetzt an die Staatskasse gehen, wenn ich nicht in Berufung gegangen wäre.
Aber die Staatsanwaltschaft ist auch in Berufung gegangen, sie fordert eine höhere Strafe.
Natürlich sind diese Auseinandersetzungen auf Twitter aber auch nichts für, ich sag mal, zart beseitete Gemüter. Also insofern würde ich auch Georgine Kellermann es durchaus belassen. Ich finde es nicht gut, aber lass sie doch Depp oder solche Sachen schreiben. Muss du was dann der Satiriker aufgreifen?
Was muss der Satiriker aufgreifen und was nicht? Das liegt ja sehr im Ermessen des Satirikers. Und es ist jetzt auch nicht so, dass ich einen ausgeklügelten Plan verfolge, wem über wen ich Scherze mache und über wen nicht, sondern ich versuche einfach lustige Gedanken zu Papier, zu digitalen Papier zu bringen quasi.
Und ganz ehrlich, über diesen Scherz habe ich auch nicht groß nachgedacht. Es springt so vielen Menschen ins Auge. Wie gesagt, dieser Scherz wird täglich gemacht, auch sehr viel rüder, als ich das gemacht habe. Sie zeigt aber jetzt nicht jeden an. Also sie geht schon nach einer gewissen Reichweite. Und ich weiß nicht, ob das den besten Effekt hat, weil natürlich mache ich das Publikum.
Ich berichte darüber, weil es passiert mir, es ist mein Leben. Und sobald in der Hauptverhandlung darüber gesprochen wurde, darf ich selber darüber sprechen. Und ich weiß nicht, ob das den allerbesten Eindruck macht, wenn man selber austeilt, wie Blücher auf der anderen Seite extrem empfindlich ist. Und das Ganze geht weiter.
Also Frau Kellermann wurde nicht geladen vor dem Amtsgericht, ein Amtsgericht in einem Ort mit 11.000 Einwohnern. Frau Kellermann wird aber voraussichtlich geladen vor dem Landgericht in Augsburg. Und ich weiß nicht, ob ihr das so viel Spaß macht. Mir macht es sehr viel Spaß.
Ja, apropos Spaß, wie viel Spaß macht Ihnen denn generell diese doch neue Medienwelt, in der auch wir uns ja bewegen und die auf der einen Seite ja wirklich eine ziemlich große Freiheit verspricht? Nicht immer einhält, aber doch verspricht und auch tatsächlich eröffnet und sich ja aber doch ganz anders verhält und nach ganz anderen Gesetzen funktioniert, als dass diese Medienwelt, in der wir alle groß geworden sind, ob nun öffentlich-rechtlich oder privat, spielt dann gar nicht so sehr eine Rolle.
Wo sehen Sie so die Möglichkeiten, die Chancen in dieser neuen Medienwelt und wo sagen Sie auch, das könnte echt schwierig werden? Oder ist vielleicht auch schon schwierig?
Also der große, große Vorteil der digitalen Medienwelt oder der alternativen. Medienwelt ist schon einmal, dass sie nicht an Programmplätze gebunden ist. Also bei POSIMSAL 1 und allen Sendern sind ja natürlich die Slots beschränkt und da kann man dann relativ wenig machen. In den digitalen Medien ist es ja quasi uneingeschränkt.
Wir haben beim Fernsehen früher immer gesagt, Content ist King. Das stimmt nicht mehr. Das gilt zumindest nicht für die digitalen Medien, da ist eher Attention King. Also es ist so ein Ozean an Content und jedes Einzelformat ist nur ein Tropfen, dass das Wichtigste ist, eigentlich Aufmerksamkeit zu generieren.
Und da nutzen natürlich auch gewisse Strafrechtsprozesse ungemein, über die dann andere Medien schreiben. Nur das mal so am Rande. Was ich mir bei den digitalen und alternativen Medien wünschen würde, ist, dass wir eigentlich noch enger und noch freier von Eitelkeiten zusammenarbeiten würden. Also ich mache das jetzt ja noch nicht so lange.
Ich bin im Endeffekt seit 2022 dabei. Ich war aber sehr lange ein so kleines Licht, dass man mich nicht als relevant, man konnte mich wirklich nicht als relevant nennen und betrachten. Das hat sich dann so 2024 verändert und dann wurde es mehr. Ich war in Podcasts bei anderen Kollegen oder jetzt auch wie heute hier.
Und manchmal, manchmal trifft man auch bei uns, sage ich jetzt mal, also bei den alternativen Medien auf gewisse Eitelkeiten, gewisse Streitigkeiten und so. Das finde ich schade, weil ich würde mir wünschen, dass wir das besser machen. Und wenn, wenn man noch intensiver zusammenarbeiten würde, wenn alle ihre Reichweiten quasi zusammenlegen, dann kann man sogar eine Tagesschau oder einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk mal unruhig machen, sage ich jetzt mal.
Also da könnte man sich noch verbessern. Ich bin sehr viel lieber in einer Gesellschaft wie mit Ihnen dreien jetzt. Sie sind sachliche Menschen. Es gibt schon andere Podcasts, die sehr viel krawalliger sind. Und das ist nicht mein Ton. Also ich möchte im Endeffekt Spaß machen, Spaß haben. Ich bin kein extremer Mensch, in keinerlei Richtung.
Ich bin eher nachdenklich. Und ich hinterfrage mich auch oft, ob ich auf dem richtigen Weg bin. Also wenn mir einer mal vernünftig erklärt, dass die Tagesschau alles richtig macht, dann höre ich mir das an. Und ändere vielleicht meine Meinung. Wenn einer mir mal erklärt, dass es vollkommen richtig ist, nur auf Wind und Sonne zu setzen in der drittgrößten Volkswirtschaft der Erde, dann höre ich mir das an.
Ich habe leider einfach noch keine überzeugenden Argumente gehört. Genau dasselbe mit Gendern. Wenn einer mir erklärt, wie viel Leben Gendern schon gerettet hat, dann bin ich offen dafür. Aber ich kriege diese Erklärungen halt nicht und deswegen mache ich meine Witze darüber.
Ich finde die Konkurrenz bei den neuen Frei den Medien gar nicht so schlimm oder schlecht. Also es wird dann am Ende da eine besten Auslese geben und der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist nach unserer Wahrnehmung schon nervös geworden. Also allein durch die letzten Wahlen, aber es gab ja eine Anhörung, wir haben es in einer der letzten Folgen besprochen im Sächsischen Landtag und da ist mir jetzt zugetragen worden, der Intendant des ZDF wurde gefragt, was er denn von den Privatisierungsplänen hält, die Wolfram Weimar geäußert hat.
Dann hat er so zurückgefragt, wieso wollen Sie Aktien kaufen? Also, das ist, Herr Himmler ist ja sonst sehr, wie soll ich sagen, freundlich und lässt sich nicht so leicht aus der, der moderiert das immer schön weg. Und das deutet eigentlich eher auf eine große, ja doch, auf eine Unruhe und eine gewisse Angst hin.
Aber ich wollte Sie mal fragen, Sie haben vorhin gesagt, Sie sehen, Sie sind der Kast der Unberührbaren. Und Sie waren ja vorher ein anerkannter Medienmanager. In so einer, ich stelle mir das in so einer, ab ein paar Jahre Privatfern sind auch hinter mir Pussy-Pussy-Gesellschaft, Sie waren für Andreas Türk und Arabella Kiesbauer und so weiter alles mit verantwortlich.
Und wie nehmen Sie uns nochmal mit, wie war dieser Weg von dort nach da?
Also, ich betone ja in meinen Sendungen auch immer, dass ich den Großteil meines Lebens als sehr naives, sehr oberflächliches, sehr unpolitisches Schlafschaf verbracht habe. Ich habe alles geglaubt, was die Tagesschau mir erzählt hat. Ich habe generell alles geglaubt, was mir so erzählt wurde. Deutschland ist das beste Land der Welt, wir sind auf dem besten Weg, wir machen alles richtig, es gibt schlimme, schlimme Schurkenstaaten und oh Gott, wie schlimm die Menschen dort leben.
Also ich habe alles geglaubt. So. Die Entwicklung, die ich durchgemacht habe, ich habe schon mit 25 angefangen bei Arabella Kiesbauer. Ich habe ja sehr, sehr lange Trash-TV produziert, Fernsehen, das nicht korrekt mit Menschen umgeht. Fernsehen, das eigentlich habe ich vielleicht damals menschenverachtende Inhalte produziert, sehr viel mehr, als ich das heute tue.
Das hat sich immer mehr verändert. Das ist eine Entwicklung, die aber sehr viele Kollegen mitmachen. Man wird älter, man wird selber Vater, man kriegt Kinder, man verändert so ein bisschen seine Sicht aufs Leben und plötzlich findet man das, was man da tut, sehr wertlos, sehr billig und teilweise beschämend.
Und es gab so einen Schlüsselmoment, den ich immer gern erzähle. Ich war mal für Frauentausch verantwortlich. Frauentausch ist ein wirklich sehr trashiges Format auf RTL. Ich war nicht sehr operativ, ich war Executive Producer, also meine Aufgabe war hauptsächlich zu gucken, dass da alles irgendwie läuft und dann dem Geschäftsführer zu berichten.
Aber mein Name stand im Abspann. Und dann gab es einmal eine Szene, da haben wir zwei Frauen zusammengebracht, das war Bestandteil des Formates, immer gerne auf einen Rassplatz, weil wir kamen mit zwei VW-Bussen und haben dann mit drei Kameras diese Frauen gefilmt. Es war eine deutsche und eine etwas korpulente, heute sagt man, glaube ich, POC.
Ich habe noch nie, ich habe viele Freunde, die schwarz sind, die auf keinen Fall als farbig bezeichnet werden wollen. Eigentlich habe ich noch nie jemanden getroffen, der farbig sein möchte, aber das ist jetzt ein anderes Thema. Also es war eine farbige Dame, die auch nicht so wahnsinnig gut Deutsch sprach, was ja in der Natur der Sache ist.
Und die Deutsche schrie sie sofort an, ohne sie jemals voll getroffen zu haben oder sie zu kennen. Und man musste dazu sagen, die Deutsche hatte einen Blumenstrauß. Aus irgendeinem Grund hatten wir ihr einen Blumenstrauß in die Hand gedrückt, um ihn der anderen Dame zu geben. Und sie sagt, ja, ich soll dir diese Blumen geben, aber ich muss dir sagen, du bist die größte Schlampe, bla bla bla.
Es ging sofort los in einen unglaublich hasserfüllten Streit. Und das endete damit, dass sie sich gegenseitig diesen Blumenstrauß drübergeschlagen haben, bis er nur noch aus so grünen Zweigen bestand. Und da dachte ich mir schon, ich weiß genau, warum die Deutsche so losgegangen ist auf die andere, weil wir die Menschen hinter den Kulissen extrem aufgehetzt haben.
Wir haben den Gott weiß was erzählt. Ja, bei dir im Haushalt passiert gerade das und das und die hat das und das über dich gesagt. Also es war unsere Schuld, dass das passiert und es war auch unser Ziel. Und dann gab es eine Szene, die die schwarze Dame war klüger und deswegen gab sie nach und sagte irgendwann, das ist mir alles zu blöd und ging.
Jetzt ist es so, dass wir das mit drei Kameras auflösen. Einer auf jeweils auf einem Gesicht, die andere ist die totale. So, wenn eine Person weggeht, dann gibt es auch kein Gesicht mehr. Also hielt der Kameramann von hinten auf die weggehende schwarze Frau drauf. Und sie hatte eine sehr afrikanische, sehr schöne, weibliche Figur.
Auch ein wenig mehr Figur. Und die Deutsche schrie ihr jetzt hinterher und entschuldigt bitte mein Griechisch, geh doch und lass dich in den Arsch. Und dann benutzt sie ein Wort, das kopierend bedeutet, aber mit F beginnt. Und das war ein Schlüssel, das war ein Schlüsselmoment für mich, weil ich mir dachte, also erstmal habe ich gefragt, wurde das ausgestrahlt?
Und der Kollege hat sich totgelassen. Klar wurde es ausgestrahlt, super Quote, das lief nach 23 Uhr, da bist du raus aus dem Jugendschutz, was hast du? Ert 2 ist begeistert. Ich habe nur gesagt, aber diese Frau hat selber Familie, die hat Freunde, die hat vielleicht Kollegen, die geht morgen früh zum Bäcker, kauft sie Semmel und sie schreit im deutschen Fernsehen rum, geh doch und lass dich in dein Hinterteil kopolieren.
In anderen Worten. Und da habe ich mir gedacht, so, nee, das bin ich nicht. Da bin ich auch zu meinem Chef gegangen, gesagt, pass auf, nimm mich raus aus diesem Format, ich bin eh nicht wichtig, die Producerin macht das seit Jahren, die ist sowieso komplett beratungsresistent. Nimm mich raus aus dem Abspann.
Ich habe genügend andere Formate, das will ich nicht mehr machen. Also das war schon so ein Umdenken. Und dann habe ich sehr viel im Ausland gearbeitet. Also ich war in Griechenland, ich war in Spanien, Ungarn, Bosnien und Russland, habe dort immer ein Vierteljahr, ein halbes Jahr gearbeitet, dort Fernsehproduziert, dort mit Locals gearbeitet.
Und das hat meine Sicht auf Deutschland, meine Sicht auf die Welt auch komplett verändert. Und das Schlimmste war, als ich 2016 im Dezember nach Russland gegangen bin, weil ich eine Russin geheiratet habe und ich wollte einfach meine Familie kennenlernen, meine russische, bin ich da sehr widerwillig hingereist, weil ich Angst hatte.
Ich komme aus Bayern. In Bayern werden wir, in Ostdeutschland ist das vielleicht ein bisschen anders, in Bayern werden wir sehr antirussisch sozialisiert. Wir waren damals amerikanische Besatzungszone. Sie werden in Bayern oder zumindest in München, da weiß ich es für ganz Bayern kann ich nicht sprechen, aber höchstwahrscheinlich keine Schule finden, wo man das wahlfach Russisch nehmen kann.
Also habe ich nie gehört, gibt es da nicht, auch Polnisch nicht. Es gibt halt Französisch, Englisch, Italienisch, Spanisch, aber Russisch, also wir sind sehr, sehr antirussisch sozialisiert. Als ich dann meinen Freund und Bekannten erzählt habe, dass ich nach Russland fliege, war der Satz, die Antwort, die ich am meisten gehört habe, hoffentlich kommst du wieder.
Weil wir halt alle den Eindruck haben, in Russland, du machst den Mund auf, sofort steht ein Polizist neben dir, du verschwindest in Gefängnissen, niemand hört von dir, es gibt kein Rechtssystem, es gibt keine Gerechtigkeit, es ist wahnsinnig kalt, alle Menschen laufen nur mit starren Gesichtern rum, alle haben Angst, alle sind grau angezogen, es ist sowieso alles grau in Russland.
So, und dann kommst du dorthin. Ich bin aus St. Petersburg gekommen, das war mein erster Kontakt zu Russland und du stehst in einer der schönsten Städte der Welt. Die U-Bahn-Höfe sehen aus wie Museen, wie Kathedralen, es ist unglaublich sauber, du hast ein intensives Sicherheitsgefühl, was nicht an der Polizeipräsenz liegt, die ist nicht so groß.
Dann war ich während der Pandemie da, später, nicht 2016, während der Pandemie haben die Leute dort frei entschieden, ob sie Masken tragen oder nicht. Es gab dieselben Gesetze, aber 50 Prozent haben keine Maske getragen. Polizisten saßen neben, die haben auch keine Maske getragen. Also ich hatte einfach sehr schnell den Eindruck, alles, was mir mein ganzes Leben lang über Russland erzählt worden ist, hat mit der russischen Realität nicht das Geringste zu tun.
Und dann hat sich immer mehr der Gedanke in mir verdichtet und geformt, wenn sie uns darüber so belügen, über was lügen sie noch? Und seitdem geht der Zweifel nicht weg, es wird immer größer, inzwischen kann ich fast gar nichts mehr glauben, was mir erzählt wird, hinter Frage, alles hat mein Leben nicht leichter gemacht, hat dazu geführt, dass ich ein gecancelter, ein Unberührbarer bin, aber irgendwie fühle ich mich damit gar nicht so unwohl.
Gut, und es gibt ja.
Entschuldigung, ja, bitte, Anne.
Es gibt ja auch neue Verbündete, muss man sagen. Also man, es gibt ja auch neue Freunde, die man auch kennengelernt hat in schwierigen Zeiten. Und es gibt ja auch in dieser neuen Medienszene neue Verbindungen, die man knüpfen kann und die einem ja eventuell dann auch wertvoller sind. Aber ich muss sagen, das war für mich auch genau der Grund, warum ich zum Beispiel nie mir hätte vorstellen können, zum privaten Fernsehen zu wechseln.
Also ich kenne Menschen, die haben dann so Sendungen produziert wie Wenn die Titten Tango tanzen und so, gab es in den 90er Jahren. Und da war für mich, das hätte ich mir nicht mal angeguckt, geschweige denn dafür arbeiten wollen. Ich habe einmal für Galileo eine Folge produziert und da musste ich die Gesprächspartner genau zu den Sätzen zwingen, die ich vorher ins Exposé.
Also klar schreibt man ein Exposé und überlegt sich, in welche Richtung könnte es gehen. Aber ich kannte es immer so, dass, naja, wenn sie es nicht sagen, dann muss man es halt anders stricken. Und dann wurde ihm gesagt, nein, dann bist du verrückt, die müssen genau das sagen, was du da ins Exposé reingeschrieben hast.
Und dann sage ich, was? Dann kann ich mir gleich Kleinersteller suchen, was soll denn das? Das war mein einziger Ausflug und für mich war immer klar, nie und nimmer werde ich da dahin wechseln. Aber bei ihnen hat es ja doch relativ lange gedauert dann. Sie haben dann offensichtlich doch auch sehr viel schon mitgemacht.
Gab es da nicht auch in der Zeit auch schon so einen Zweifel, ob das jetzt so der richtige Weg ist?
Es gibt gutes Geld auch.
Ja, und Spaß.
Also, ich habe ja da sehr jung angefangen. Also ich habe eigentlich mit 24 angefangen, obwohl ich sogar fertig studiert habe. Also ich betone immer, ich bin keine Ricarda lang. Ich habe direkt nach meinem Studium da angefangen, ich war wirklich jung, ich war 25. Ich fand das alles mega aufregend. Also man hatte nie das Gefühl, dass man arbeitet.
Es war alles ein riesengroßer Spaß. Das Durchschnittsalter damals bei ProSim war 28 Jahre. Wir fanden uns so cool, wir fanden uns so elitär und das überschattet erstmal alles. Dann, ich bin ja nicht komplett ohne Empathie, auch damals als Schlafschaf nicht. Dann hatte ich schon Momente, wo ich mir dachte, so, also rein menschlich-moralisch ist das nicht okay.
Ich habe es mir dann aber so hingebogen, dass ich mir gesagt habe, okay, also ich nutze diese Menschen aus, diese Talkäste, definitiv, weil ich immer den Vorsprung des Wissens habe. Wir hatten natürlich auch eine Klientel, der wir rhetorisch und von der Eloquenz her teilweise meilenweit überlegen waren.
Da fing eigentlich schon die Ungerechtigkeit an. Aber ich habe es mir dann so hingebogen, dass ich mir gesagt habe, auch diese Leute wollen in den meisten Fällen nichts Gutes von mir. Die meisten, die zu uns in die Sendung kommen wollten, wollten andere Menschen in die Pfanne hauen, wollten dreckige Wäsche waschen, waren dann aber ganz verwundert, wenn wir den Gegenpart überraschend für sie auch eingeladen haben und solche Geschichten.
Oder sie wollten halt ihr Stückchen Ruhm. Also aus hehren, idealistischen Gründen sind die Talkers jetzt auch nicht zwingend gekommen. So habe ich mir das hingebogen. Aber es ist schon richtig. Also in der privaten Medienwelt hat man irgendwann das Gefühl, dass der gesunde Menschenverstand komplett ab angekommen ist.
Ich kann, weil sie Galileo erwähnt haben, ich habe als Produzent Galileo mal eine Geschichte angeboten über einen Ehrmarschall an. Also, das fanden wir sehr schön. Die hatten eine Rubrik Zehn Fragen an. Und wir wollten zehn Fragen an einen Airmarschall stellen, weil das relativ selten ist, dass über die berichtet wird, aus gutem Grund.
Diskretion und Geheimsein ist der Job von Ehrmarschalls. Deswegen kriegt man eigentlich keine vor die Kamera. Es ist uns gelungen. Wir haben in Österreich einen Mitarbeiter von Cobra gefunden, das ist deren Elite-Einheit. Den durften wir dann mit gekristeltem Gesicht und verstellter Stimme filmen. Und der hat tolle Sachen erzählt, wie das in der Praxis abläuft.
Und den haben wir dann vorgeschlagen erstmal. Und Galileo hat gesagt: Nee, nee, nee, nee, das müssen wir ganz anders machen. Das muss viel bildstärker sein. Ihr müsst in einem Flugzeug quasi einen Entführungsfall simulieren und dann greift der Ehrmarschall ein und wir filmen das alles und es darf aber von den Passagieren keiner wissen, damit es authentisch wirkt.
Super re-enactment.
Und dann, wir saßen, wir saßen, das war auch eine, das war wieder eine redaktionelle Mitarbeiterin, die meine Tochter hätte sein können. Irgend so ein junges Ding, gerade wahrscheinlich dem Praktikum entfleucht, wenn überhaupt. Und ich sagte nur, das ist ein schwerwiegender Eingriff in den Flugverkehr.
Das ist so maximal strafbar, wie ich es mir kaum vorstellen kann. Die Schadenersatzklagen der verängstigten Passagiere werden in Millionenhöhe gehen. Wie sollen wir die Kameras da reinschmuggeln? Ohne Wissen der Passagiere, der Crew, vielleicht verursachen wir einen Absturz. Ist das jetzt versteckte Kamera?
Ist das ein Witz? Nee, es war ernst gemeint. Glücklicherweise war ein älterer Kollege dabei, der dann schon gesagt hat, na, was weiß ich, Chantal, Chantal Michel, das ist keine gute Idee, weiß er gar nicht. Und dann haben wir das so produziert, wie man das halt produziert. Man redet mit dem Ermarschall, er hat uns einen Übungsflugzeug gezeigt und hat uns halt interessante Fragen beantwortet.
Aber solche Gespräche hatte ich viele und für mich war das sehr schwierig, weil ich ja auf Senderseite auch gewesen bin. Also es gab so ein Spiel, das wir Produzenten gespielt haben, das hieß Bullshit Bingo. Und dann saßen wir in so Senderpitches oder wir haben Piloten gezeigt und dann war man fertig mit seiner Präsentation.
Und dann sagt so der Vice Präsident oder Senior Vice Präsident oder Product Project Bla-Manager: Ja, Oliver, das hat schon viel Schönes, aber du weißt ja, bei seit eins geht es ausschließlich um Relevanz. Und was mir so ein bisschen fehlt, es passiert sehr wenig auf der Meta-Ebene. Also wir brauchen, wir brauchen doch schon eine Heldenreise und einfach auch eine gewisse Fallhöhe.
Und also nehmt das mal mit, macht eure Hausaufgaben und bitte macht die Musik emotionaler. Und ich wusste genau, das bedeutet einfach nur, es gefällt mir nicht, aber ich habe keine Ahnung warum. Ich kann es nicht erklären. Deswegen rede ich jetzt einfach Bullshit-Bingo. Wir haben das dann wirklich angekreuzt.
Wir haben Musikemotional kam immer, weil Musik ist etwas rein Geschmackliches, etwas rein subjektives, da kann man immer sagen, mach es anders. So, Fallhöhe, Relevanz, Heldenreise, Meta-Ebene. Das ist immer dabei und es bedeutet nichts.
Sie sollten das als Spiel rausbringen für Weihnachten.
Ich erzähle das gerne in meinem Live-Programm und all diese Gespräche, diese Sinnlosigkeit, dieses Gelaber, dieses Bullshit-Bingo im großen Stil, irgendwann verletzt ist deine Seele, wenn du eigentlich zum Fernsehen gegangen bist und Spaß zu haben und kreativ zu sein. Und du sitzt dann null noch zu, du sitzt zusammen in einer Art Schilder, so kam es mir immer vor.
Und das hat mich wahrscheinlich auch bewegt, dann andere Sachen zu machen. Aber das ist heute noch so. Und deswegen habe ich mich ja auch Medienfutzi genannt. Also die Figur Medienfutzy war eigentlich ausgelegt als jemand, der so ist in der Branche. Also ich habe unglaublich viele richtige Alpha-Tiere kennengelernt, die in Meetings kamen und erstmal ihren Dödel jeden Kopf geschlagen haben, so ungefähr.
Und ich kam mir immer so vor wie so ein bisschen das Lamm in einer Wolfsherde. Weil ich einfach. Oh, ich muss mir Strom geben. Sekunde, ich brauche Strom. Strom, Strom, Strom.
Bitte schneiden, bitte schneiden.
Ja, bitte schneiden, bitte schneiden. Das ist live, liebe Zuschauer, das passiert. Ich weiß nicht. Ja, noch gibt es Strom. Er ist nicht billig, aber ich habe hier in Berlin eine Pauschalmiete. Deswegen bin ich da relativ entspannt. So, nein. Und heute lache ich darüber, aber damals hat mich das zum Verzweifeln gebracht, weil als Produzent gehst du zu jedem Pitch, zu jeder Präsentation mit großer Hoffnung.
Es geht um Arbeitsplätze, es geht um deine Existenz, es geht um Aufträge und dann sitzt du da und es wird nur Blödsinn geredet. Und wir hatten dann auch Situationen, du hast etwas produziert und du hast sehr eng gestrickte Kalkulationen und da ist dann eine Änderungsschleife drin, die noch abgerechnet werden kann.
Und dann machst du das mit deiner betreuenden Redakteurin und die sagt so, ja, das ist schon gut, schneide da noch, schneide dort noch und dann passt es. So, dann lieferst du ab und bist fertig, hast du es abgehakt. Dann kommt der Anruf, ja, nee, jetzt hat der Weißpräsident nochmal drüber geguckt und so, dann hat, um das abzukürzen, man musste alles umschneiden, dann hat der Silia-Vice-Präsident auch noch drauf geguckt, du musst es alles umschneiden und dann, und das ist kein Witz, wir hatten mal einen Vorstandsvorsitzenden bei Pros 7001, Thomas Ebeling, der inhaltlich stark motiviert war und auch immer mal wieder sich in Programme tief integriert hat.
Und lange Rede, kurzer Sinn, bei diesem Programm hat Thomas Ebeling sich auch noch eingeschaltet und am Ende des Tages war das finale Programm, das finale Format, genauso wie wir es beim ersten Mal angeboten hatten, aber dazwischen hatten wir so viele Schnittschichten eingelegt und es so oft geändert, dass wir keinen Gewinn mehr hatten.
Und das ist frustrierend. Also es werden in der, speziell in der privaten, die ich ja am besten kenne, in der in der privaten Fernsehwirtschaft, werden aus reinem Ego Millionen verbrannt, weil man so viel ändert und so viel umschneidet und so viel neu produziert, nachproduziert. Es einfach lächerlich ist.
Und dann überschätzt man auch unfassbar, wie konzentriert oder intensiv Zuschauerprogramme konsumieren. Also, das ist nicht so, dass die da Frame bei Frame irgendwie sich eine Sendung anschauen und dann vielleicht Notizen auch noch machen, was ihnen gefällt und was nicht, sondern die meisten Zuschauer haben einen Second Screen beim Fernsehschauen, gucken aufs Handy, gucken aufs iPad, sie unterhalten sich, manchmal essen sie dabei, manchmal gucken sie gar nicht hin.
Aber wir haben uns da sehr verkopft.
Ja, wobei das ist ja nicht nur im Privaten so, aber im öffentlich-rechtlichen auch. Ich hatte deshalb einen Wettbewerbsvorteil, vor allen Dingen beim WDR und beim NDR, weil ich immer mein Ursprungsmanuskript aufbewahrt habe und das war damals dann auch ohne PC oder so, sondern es wurde dann geschnitten und geklebt.
Und dann wurde tatsächlich von Redaktionsleiter, Abteilungsleiter, Hauptabteilungsleiter immer dreimal Änderungen und dann waren wir am Ende in der Regel auch wieder da, wo das Anfangsmanuskript war. Und dann konnte ich die Kopie rausziehen und sagen, ja, okay, kein Problem, können wir machen. Also insofern glaube ich, die Mediensysteme tun sich da nicht so viel.
Da sind die Privaten gar nicht so anders als die öffentlich-rechtlichen. Nur was mich immer wieder gewundert hat, ist, die Öffentlich-Rechtlichen zeigen ja immer auf die Privaten und sagen, ja, da wird so viel verdient, deshalb müssen wir auch gerade die Führungspositionen noch besser bezahlen. Ist das eine.
Ist das ein Argument, das überzeugt? Ich habe jetzt, okay, ich weiß nicht, irgendwie Sendergeschäftsführer, aber 400.000 Euro wie die Intendanten. Ich glaube nicht, dass unsere Sendergeschäftsführer so viel verdient haben. Also, was der große Unterschied ist, und deswegen überzeugt mich dieses Argument gar nicht, ist, dass du beim Öffentlich-Rechtlichen ja 100 Jahre alt werden kannst, dass du da 100 Jahre arbeiten kannst.
Also, Norbert Himmler hat nie etwas anderes gesehen als das ZDF. Er ist in Mainz geboren, hat in Mainz studiert, er arbeitet in Mainz, er war vielleicht noch nie irgendwo im Ausland, also wenn dann irgendwie zu Besuch, er hat auf keinen Fall im Ausland gearbeitet. Also, so freundlich und so nett und so verbindlich ein Herr Himmler ist, er ist nach rein sachlichen Kriterien ein sehr eingeschränkter Hinterwälter, weil er hat nie was anderes gemacht, nie was anderes gesehen.
Dasselbe für Elmar Tevesen, dasselbe für Dunja Hayalli, die hatte andere Jobs, aber Markus Lanz, die sind seit 100 Jahren bei den Öffentlich-Rechtlichen, weil es sich dort gut sitzt. Es kann sein, dass bei den Privaten auch gut verdient wird, keine Frage, ich habe auch gut verdient. Aber wir stehen ständig auf der Kippe.
Wir stehen ständig auf der Kippe, weil private Unternehmen sich halt, sie sind börsennotiert. Da fängt der Mist schon mal an. Ein ganz wichtiger Faktor bei börsennotierten Unternehmen ist Umsatz pro Kopf. Jetzt hast du zwei Möglichkeiten. Du kannst die Köpfe reduzieren oder den Umsatz steigern und oft wird sich für Köpfe entschieden.
Es gibt dort wenig Leute, die Sendergeschäftsführer, die Haltbarkeit ist vielleicht zwei, drei Jahre. Das ist ein Schleudersitz. Ich kenne kaum Kollegen, die da 20, 30 Jahre sitzen, weil es halt, es ist sehr kompetitiv, es ist am Markt orientiert und wenn es nicht läuft, dann werden die Leute gefeuert.
Und ich habe das Gefühl, bei öffentlich-rechtlichen sitzt du dir den Arsch platt. Und es passiert ja auch nichts. Also ich weiß nicht, was es mit der Kollegin passiert beim ZDF-DKI benutzt hat. Ich weiß, sie hat irgendwie ihren Auslandsjob, musste sie aufgeben, ihren Korrespondentenjob, aber die fliegen ja nicht raus.
Die kriegen weiter ihr Geld und die kriegen später auch die fetten Pensionen. Das ist bei Privaten halt alles ganz anders. Deswegen ist das für mich ein vorgeschobenes Argument.
Ich kann das alles nur bestätigen, was Sie in den letzten Minuten so gesagt haben, weil ich habe ja auch die ersten zehn Jahre für die Privaten gearbeitet und diese zermürbenden Abnahmen. Das kenne ich auch. Und natürlich dann beim Öffentlich-Rechtlichen, niemand fliegt raus, sondern da wird irgendwo am Ende des Ganges ein Büro, ein Osteuropa-Beauftragter, Posten, ein Qualitätsmanager, was auch immer, erfunden.
Oder man darf gleich ganz zu Hause bleiben und noch eine Ergänzung. Der eigentliche Skandal beim Öffentlich-Rechtlichen ist ja nicht, dass ein Intendant 400.000 Euro, also mehr als der Bundeskanzler in der Tasche hat, sondern die Rentenversorgung, also wenn eine ehemalige Intendantin, wenn der Sender dafür eben vier Millionen Euro zurücklegt, dann ist das sittenwidrig, würde ich sagen.
Und das ist die absolute Normalität, das nur so als Ergänzung. Meine letzte Frage wäre, was steht denn im neuen Buch? Worum geht es denn da, was jetzt rauskommen soll?
Also, das neue Buch baut im Endeffekt auf meinem letzten Buch auf. Mein aktuelles Buch heißt Medienfutzy Alles außer Vogue. Das nächste Buch heißt Medienfutzy Vogue Zero. Und ich arbeite mich im Endeffekt, Peter Hahne hat ein ähnliches Buch geschrieben. Ich möchte mich auf keinen Fall mit dem unglaublich geschätzten Kollegen Peter Hahne vergleichen.
Aber Peter Hahn hat auch ein Buch geschrieben mit einzelnen Kapiteln, wo er sich quasi über sich Gedanken macht über den Wahnsinn, der in diesem Land gerade passiert, wo er sich an Vogismus abarbeitet, sehr viel an Politik. Mein Buch ist ähnlich, nicht auf dem Niveau von Herrn Hahn, das möchte ich mir nicht anmaßen.
Es ist flapsiger, es ist teilweise alberner, aber so ist das gestrickt. Also einzelnen Kapitel. Vogismus ist ein großes Thema für mich, weil ich das immer als Faschismus für Faule betrachte und bezeichne. Und es geht sehr viel um unsere Politik und um meine unwerten Futzi-Gedanken. Siebter Elfter wird unglaublich toll.
Ja, aber ich bin auf dieser Verlagsmesse auch. Seitenwechsel. Da sind sie vielleicht auch, Herr Teske, oder?
Jetzt muss ich mir erstmal entstummen. Nein, nein, ich kann da leider nicht. Ich bin da im Ausland, aber ich habe gerade mit zu seiner Daten gesprochen und mit ihr, was sie so alles vorhat. Und ich bin neugierig, ich wäre gerne tatsächlich hingefahren. Beim ersten Mal hieß es ja, das ist die furchtbare rechtsextreme Buchmesse und das ist sie offenbar gar nicht.
Und deswegen hätte ich es mir sehr, sehr gerne mal selber angeschaut, aber ich kann leider nicht.
Schade, schade.
Ich werde es auf jeden Fall versuchen. Und würde, Peter, falls du jetzt nicht noch eine ganz wichtige Frage an den Medienfuzi hast.
Nee, und ich gehe auch nicht zum Seitenwerk, so schaffe ich auch nicht heute.
Also ich werde es versuchen, mal sehen. Vielleicht sehen wir uns dort. Und vielleicht gibt es auch nochmal eine zweite Runde mit den Medienfuzzi. Es gibt, also es war für mich unglaublich interessant, weil dieser Einblick gerade auch in die privaten Medien, den hatten wir noch gar nicht so oft. Und vielleicht gibt es eine zweite Runde, würde mich sehr freuen.
Auf jeden Fall bitte ich natürlich alle, die uns in dieser Folge wieder zugeschaut haben, das auch weiterhin zu tun, uns zu unterstützen, gern auch. Der Medienfuzi hat es ja erklärt, wir sind ja nicht angebunden an den großen Topf des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und sind über Spenden immer sehr erfreut.
Das hilft uns, wir stecken ja viel Arbeit in diese Folgen, die Ihnen hoffentlich gefallen. Ich bedanke mich an dieser Stelle an natürlich bei Oliver Brenner ganz besonders und bei Peter und Alexander und freue mich auf die nächste Folge. Bis dahin. Vielen Dank. Tschüss.