Schlafreise durch vergessene Welten· Staffel 5· Folge 13

Lahemaa - Estlands älteste Moore, Küsten und Wälder (vor Ort aufgenommen)

Montag, 1. Juni 2026 · 32 min

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Shownotes

Diese Folge wurde vor Ort in dem Nationalpark Lahemaa aufgenommen. Er liegt im Norden Estlands, das größte Schutzgebiet des Landes und der erste Nationalpark, der je in der Sowjetunion gegründet wurde. Wir verweilen besonders bei den Hochmooren, allen voran dem Viru raba mit seinem berühmten Bohlenweg, und tauchen in die zehntausendjährige Geschichte dieser stillen Landschaft ein. Du erfährst, wie Torfmoose ganze Ökosysteme formen, warum Hochmoore zu den wichtigsten Kohlenstoffspeichern der Erde gehören und welche Tiere und Pflanzen sich an die saure, nährstoffarme Welt angepasst haben, vom fleischfressenden Sonnentau über den blau gefärbten Moorfrosch bis zum Bartkauz. Wir folgen den Findlingen aus der Eiszeit, den Wäldern der Taiga-Zone und der felsigen Ostseeküste, hören die Rufe der Kraniche und blicken bei klarer Nacht in einen unverhüllten Sternenhimmel. Eine ruhige Reise in eine Landschaft, die in ganz anderen Zeitmaßen atmet als wir.
Quellen
Charman, D. (2002). Peatlands and environmental change. Wiley.
Joosten, H., & Clarke, D. (2002). Wise use of mires and peatlands: Background and principles including a framework for decision-making. International Mire Conservation Group & International Peat Society.
Korpela, K. M., Ylén, M., Tyrväinen, L., & Silvennoinen, H. (2008). Determinants of restorative experiences in everyday favorite places. Health & Place, 14(4), 636–652.
Paal, J., & Leibak, E. (2011). Estonian mires: Inventory of habitats. Estonian Fund for Nature.
Riigi Teataja. (1971). Lahemaa rahvuspargi moodustamise määrus. Eesti NSV Ministrite Nõukogu.
Yu, Z., Loisel, J., Brosseau, D. P., Beilman, D. W., & Hunt, S. J. (2010). Global peatland dynamics since the Last Glacial Maximum. Geophysical Research Letters, 37(13), L13402.
Weitere Schlafreise Reihen:⁠Schlafreise durch das Periodensystem der Elemente⁠ (open.spotify.com/show/03THZe9B4c7Vj9wKhrguAG?s…)⁠Schlafreise durch die Natur⁠ (open.spotify.com/show/2p1D2FnFb4SAWh4V0otDBj?s…)⁠Schlafreise durch vergessene Welten⁠ (open.spotify.com/show/1cIURslV7tA4ogc6R7lkOQ?s…)⁠Schlafreise durch das Universum⁠ (open.spotify.com/show/1NWso6EVJt3G3ILJmQOzDt?s…)
Englische Reihen:⁠Sleep Journey through Lost Worlds⁠ (open.spotify.com/show/6y7nbw6KHTs06A7engHj4C?s…)
Weitere Wissensreise Reihen:⁠Wissensreise durch die Psychologie⁠ (open.spotify.com/show/47d45rBzQO7QalFfhy2Olq?s…)⁠Wissensreise durch die Länder der Erde⁠ (open.spotify.com/show/5cD50trcQMfWpw19dJuGMm?s…)⁠Wissensreise durch die Urzeit⁠ (open.spotify.com/show/70D3GCMGUldf8cHwH7i7Bc?s…)⁠Wissensreise durch die Geschichte (open.spotify.com/show/22pLqMMAUbfx0gSBzKCZmP?s…)

Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin

Herzlich Willkommen zur Schlafreise durch vergessene Welten. Heute mit einer ganz besonderen Folge durch Estland. Und diese Folge ist besonders deshalb, weil wir heute mit dem gesamten Team vor Ort sind und gerade durch den Nationalpark Lahema laufen, also diesen Podcast unter den Stimmen der Vögel, die ihr vielleicht im Hintergrund hört, als auch mit den genauen Eindrücken vor Ort aufnehmen. Wir reisen also heute in den Norden Europas, in das kleinste der 3 baltischen Länder, an die Küste des finnischen Meerbusens. Estland weitet sich dort aus, ein Land aus Wäldern, Inseln, Schären und Mooren, eingebettet zwischen Ostsee und der weiten russischen Ebene, etwa 5% der Fläche Estlands gelten als Hochmoor, und damit zählt das

Land zu den moorreichsten Regionen Europas. Knapp 22% der gesamten Staatsfläche sind in irgendeiner Form vom Moor oder Sumpf bedeckt. Wenn man auch die Niedermoore und Übergangsmoore mitzählt. Diese Stille, oft Nebel verhangene Welt aus Wasser, Torf und langsam wachsenden Pflanzen ist das Ziel unserer heutigen Reise. Wir wenden uns dem Nationalpark zu, in dem wir gerade unterwegs sind, Lahema dieser ist im Norden des Landes an der Ostseeküste gelegen.

Rund eine Autostunde östlich der Hauptstadt Talin Lahema bedeutet auf Estnisch in etwa Land der Buchten. Und genau das ist es auch, ein Mosaik aus 4 weit ins Meer hineinragenden Halbinseln und dazwischen 4 tiefen Buchten. Ein Nationalpark wurde am 1. Juni 1971 gegründet und war damals der erste Nationalpark der gesamten damaligen Sowjetunion. Das mag heute überraschen, denn man assoziiert mit der Sowjetzeit selten Naturschutz und ja, leider schon gar keine Pionierleistung da drin.

Doch in der Estnischen Sozialistischen Sowjetrepublik gab es eine bemerkenswerte Naturschutzbewegung, getragen von forstwissenschaftlerinnen, Geografen und einer Bevölkerung, die ihre Landschaft als Teil ihrer kulturellen Identität verstand. Die Initiative ging maßgeblich von den Biologen. Edgar Turnurist und dem Forstwissenschaftler Jan Eilat aus.

Der Park umfasst heute etwa 575 Quadratkilometer, da rund 475 Quadratkilometer Landfläche und etwa 100 Quadratkilometer meeresfläche. Damit ist Lahema der größte Nationalpark Estlands. Wir wollen heute besonders bei den Mooren verweilen, denn gerade dort sind wir unterwegs und das ist auch das stille Herz dieser Landschaft.

Im Nationalpark liegen mehrere bedeutende Hochmoorgebiete, darunter Vio Raba, das Laukaso, das Hararaba und das Lobiraba. Das estnische Wort Raba bezeichnet ein Hochmoor, eine besondere Form des Moores, die sich durch ihre Eigenheiten und anderen Feuchtgebieten maßgeblich unterscheidet. Während Niedermoore in Senken liegen und vom Grundwasser gespeist werden, ragen Hochmoore wie flache Linsen aus der Landschaft heraus und. Und werden ausschließlich von Regenwasser ernährt. Sie sind dadurch extrem nährstoffarm, sauer und stellen einen Lebensraum dar, in dem nur hochspezialisierte Pflanzen und Tiere überleben können.

Stell dir nun das berühmteste dieser Moore vor, in dem ich gerade stehe, das Viru Raba es liegt im südwestlichen Teil des Nationalparks, ist etwa 6 Quadratkilometer groß und wird über einen knapp dreieinhalb Kilometer langen Bohlenweg erschlossen, wenn in der Mitte steht. Hat man einen schier endlosen Blick über Flächen aus torfmoosen, Heidekraut, Zwergenhaften, Kiefern und unzähligen kleinen Wasserspiegeln, die in der Sonne wie Quecksilbertropfen glänzen. Diese kleinen Tümpel werden es auf Estnisch Laukat genannt, oder im Deutschen spricht man von Schlenken oder moorseen sie entstehen, wenn der Torfkörper langsam in sich zusammensackt und kleine, mit Wasser gefüllte Vertiefung bildet. Manche sind nur wenige Schritte

groß, die. Andere haben den Umfang eines Schwimmbeckens und einige sind über 10000 Jahre alt. Genau diese 10000 Jahre sind auch das Zeitmaß, in dem Moore denken nach dem Rückzug des skandinavischen Eisschildes am Ende der letzten Eiszeit vor etwa 11000 bis 12000 Jahren lag das heutige Erstland zunächst unter dem schweren Eis begraben, das Land sank unter dem Gewicht der Gletscher um mehrere 100 Meter, und als das Eis schmolz, begann es sich langsam wieder zu heben. Dieser Vorgang, die Postglaziale Landhebung, dauert bis heute an. An der estnischen Nordküste hebt sich das Land noch immer um etwa 1 bis 3 Millimeter pro Jahr, in den Senken, die das Eis hinterlassen hat, sammelt sich das Schmelzwasser, in dem sich dann die Torfmoose ansiedelten.

Über Jahrtausende wuchsen diese Moose nach oben, während die abgestorbenen Pflanzenteile, darunter im Sauerstoffarmen sauren Wasser kaum verrotteten. So entstanden Torfschichten, die heute in Lahema stellenweise 7 bis 8 Meter dick sind. Das Torfmoos ist der eigentliche Architekt dieser Landschaft, es gibt in Estland etwa 35, verschiedene Arten von Torfmoos, von denen einige besonders typisch für Hochmoore sind, das Torfmoos Magellankium etwa färbt den Boden in einem warmen Rotbraun die. Das Torfmoos Fuscum bildet eine feste Kissenartige. Polsterlandschaft Cuspidatum lebt in den Schlänken und tanzt wie feines grünes Haar im Wasser. Eine einzelne Torfmoospflanze besitzt keine Wurzeln, sie wächst stetig an der Spitze

weiter, während der untere Teil abstirbt und zu Torf wird. Dabei kann das Torfmoos das 20 bis 30 fache seines Trockengewichts an Wasser speichern. Es verändert somit seine Umgebung aktiv, indem es Wasserstoff Ionen abgibt und so den Boden ansäuert. Diese saure, nährstoffarme Umgebung ist für viele Pflanzen tödlich, für Spezialisten des Hochmoores ist es aber das ideale Zuhause. Zu diesen Spezialisten zählt zum Beispiel der Rundblättrige Sonnentau, lateinisch Drosera rotundifolia, eine fleischfressende Pflanze von höchstens 10 Zentimetern Größe. Mit kleinen Rosetten, deren Blätter mit klebrigen, rot schimmernden Drüsenhaken besetzt sind. Lindau hat das Problem des Stickstoffmangels im Moor auf ungewöhnliche Weise gelöst.

Statt Nährstoffe aus dem Boden zu ziehen, fängt er kleine Insekten auf seinen klebrigen Tentakeln flinkt sie langsam ein und entzieht so mit speziellen Enzymen den Stickstoff. In Lahema kommen 3 Sonnentauarten vor der Rundblättrige, der Langblättrige und der mittlere Sonnentau. Wer im Sommer den Bodenweg des Viroraba Entlangläuft, kann sie direkt am Wegrand entdecken. Eingebettet in das warme Rot der Torfmoospolster neben dem Sonnentau wachsen hier die Moosbeere, die Rauschbeere, die Moltebeere und die Krähenbeere, die Moltebeere, in Estland Hurakas genannt.

War früher eine wichtige Vitaminquelle und wurde fast wie Goldstaub behandelt. Sie reift im Hochsommer zunächst rot, dann bei voller Reife in einem leuchtenden, fast bernsteinfarbenen Orange. Die Pflanze gehört zur Gattung Rubus, ist also mit Himbeere und Brombeere verwandt, doch sie wächst nur dort, wo das Klima kühl und der Boden sauer ist.

In Estland liegt der südliche Verbreitungsgrad der Art in Europa. Auch die Moorkäfer ist hier zu Hause. Eine besondere Wuchsform der Waldkiefer, lateinisch Pinius sylvestris, auf dem nährstoffarmen, ständig nassen Moorboden bleiben diese Kiefern oft 100 Jahre alt und werden trotzdem nicht höher als anderthalb bis 2 Meter. Ein einziger zwergenhafter Baum kann älter sein als die Eichen, die ihn umgeben über dem Moor schwebt eine Tierwelt, die sich den besonderen Bedingungen angepasst hat. Der Kranich brütet in den feuchten Randbereichen der Hochmoore.

Estland ist 1 der wichtigsten Brutgebiete für den Kranich in Mitteleuropa. Schätzungsweise 7 bis 9000 Paare nisten landesweit, viele davon in Lahema im Frühjahr hört man ihre Trompeten in Hufe schon aus weiter Ferne, auch ich habe heute gerade schon einen gehört, über die Moore zieht der Goldregenpfeifer. Ein Wattvogel mit Goldgesprenkeltem, Rückengefieder und Melancholischem Langgezogenem pfiff.

Diesen habe ich heute noch nicht gehört, das Birkenhuhn konnte man heute schon beobachten, gerade im April, aber auch bis Mitte Mai springen die Männchen in offenen Mohren und blasen ihre dunklen Schwanzfedern auf, lassen dazu ihren blubbernden Gesang hören und locken damit die Weibchen an. In Estland geht der Bestand insgesamt leider zurück, doch in Lahema hält sich noch eine kleine, stabile Population.

Dazu gibt es die Großen scheuen Säugetiere, zum Beispiel ist der Braunbär in Estland heimisch, der landesweite Bestand wird auf etwa 48 Tiere geschätzt, in Lahema leben mehrere Bären, sie meiden jedoch die Wege und die Bohlenstege, die man als Besucher meistens bewandert, doch man findet ihre Spuren manchmal im Weichen Moor. Zudem streift der Eurasische Luchs durch die Wälder. Auch der Wolf zieht in Rudeln über den Park und der Elch in Estland, eines der häufigeren Großtiere, frisst im Schilf der Randzonen etwa 10000 bis 13000.

Elche leben in Estland und auch in Lahema sind sie regelmäßig zu beobachten, manchmal überquert ein Elchbulle morgens den Bullenweg, hebt seinen Kopf, sieht den Menschen lange und ruhig an und verschwindet wieder im Nebel. Der Nebel ist ein eigenes Wesen in diesen Mooren. An kühlen Morgenden liegt er als weißer Atem über den Schlenken, kriecht zwischen den Zwergkiefern, hüllt den Holzturm ein, der dann wie ein Schiffsmast aus einer Milchigen See ragt. Dieser Nebel entsteht, weil das Wasser des Moores in der Sonne erwärmt wird und sich nachts schneller abkühlt als die umgebende Luft, so bilden sich feine Wassertröpfchen, die als Bodennebel über das Moor schweben. Manche Estninnen sagen, dass in

diesen Nebeln die Seele der Toten liegt. In der alten Mythologie war das Moor ein Ort zwischen den Welten, weder fester Boden noch offenes Wasser, weder Wald noch Wiese, es war der Ort der Übergänge, an dem die Götter besonders nah waren. Diese Mythologie ist nicht zufällig, Moore haben in der gesamten nordeuropäischen Geschichte tatsächlich eine besondere Rolle gespielt.

In ihnen wurden Opfergaben in der Eisenzeit versenkt, Schmuck, Waffen und manchmal auch Menschen. Die berühmten Moorleichen Nordeuropas etwa der Mann von Tollund in Dänemark oder die Frau von Util in den Niederlanden sind durch die konservierenden Eigenschaften des Torfes über 2000 Jahre fast unverändert erhalten geblieben.

Das saure, Sauerstoffarme Wasser stoppt die Verwesung und Gerbt die Haut und Haar wie Leder. Auch in Estland wurden mehrere Moorleichen gefunden, unter anderem in den Mooren der Insel Sarema und in der Region Rappla. In Lahema selbst gibt es keine dieser spektakulären Funde, doch der Park beherbergt zahlreiche archäologische Spuren von steinzeitlichen Siedlungen bis zu Gräberfeldern aus der Eisenzeit.

Die Region war seit Jahrtausenden bislang. Die ältesten Spuren menschlicher Anwesenheit reichten bis ins Mesolithikum zurück, also etwa 9000 Jahre vor unserer Zeit. Die Menschen jener Epoche waren Jäger, Sammler, Fischer, gerade wenn sie an den Küsten und den Flussufern lebten, sie hinterließen ihre Werkzeuge, Pfeilspitzen aus Feuerstein, Knochennadeln und auch später Tongefäße im Mittelalter prägen estnische Bauern deutsch, Baltische Gutsherren und schwedische Verwalter die Region.

Aus dieser Zeit stammen die berühmten Gutshäuser des Parks, Palmse, Zagadi, Vihula und Kolga. Das Gutshaus Palmse, ursprünglich aus dem 17 Jahrhundert, wurde im 19 Jahrhundert Klassizistisch umgestaltet und ist heute ein Museum. Es liegt eingebettet in einem weitläufigen Park mit Teichen, Alleen und Linden ein und bildet einen Kontrapunkt zur Wilden Moor und Waldlandschaft des Nationalparks.

Doch zurück und so. Wenn den Bodenweg im Viru Raber entlang geht, spürt unter den Füßen das leichte Federn und das leichte Schmatzen des Untergrunds, der Torfkörper schwingt, atmet und hebt und senkt sich mit dem Wassergehalt. Im Sommer kann er sich bei Trockenzeit um mehrere Zentimeter setzen, im Herbst in Feder einsetzen, hebt er sich wieder, diese Lebendigkeit ist kein bloßes Bild, sondern eine messbare Tatsache. Dazu streift ein Mal härterer, mal weniger harter Wind von der Ostsee her über die Moorlandschaft. Moorforscher sprechen von Moor Atem es ist eine der schönsten Eigenschaften dieser Landschaften, dass sie nicht still daliegen, sondern langsam und stetig in Bewegung sind, in einem Rhythmus, der weit über

ein Menschenleben hinausreicht. Die Wasserchemie des Moores ist ungewöhnlich, das Wasser hat einen BH wert zwischen 3 und 4 und. Also ungefähr so sauer wie Essig oder Zitronensaft. Es enthält kaum gelöste Mineralien, dafür aber huminstoffe, also komplexe organische Verbindungen, die ihm seine braune Farbe geben.

Diese Huminstoffe wirken antibakteriell, weshalb das Moorwasser früher zur Konservierung von Butter, Käse oder sogar Fleisch genutzt wurde. Es wurde berichtet, dass estnische Bäuerinnen Butterballen in Tüchern in das Moor versenken, wo sie monatelang frisch blieben. Auch heute wird noch Moorbot an einigen Regionen produziert, weniger aus Notwendigkeit als aus Tradition und als kulinarische Spezialität.

Die ökologische Bedeutung der Moore reicht weit über die regionale Ebene hinaus, Hochmoore sind globale Kohlenstoffspeicher von hervor herausragender Bedeutung, obwohl Moore weltweit nur etwa 3% der Landfläche bedecken, speichern sie etwa ein Drittel des gesamten Bodenkohlenstoffs. Der Erde schätzungsweise setzt 600 Gigatonnen.

Das ist mehr Kohlenstoff als in allen Wäldern der Welt zusammengebunden ist. Intaktes Hochmoor wie das Viruraba nimmt jedes Jahr Kohlenstoff aus der Atmosphäre auf, etwa 20 bis 30 Gramm pro Quadratmeter und Jahr, und legt ihn als Torf in seinem Körper ab. Über Jahrtausende ist so eine gewaltige Menge an gespeichertem Kohlenstoff zusammengekommen, wenn das Moor entwässert wird, kehrt sich dieser Prozess leider um.

Getrocknete Torf an der Oberfläche gelangt Sauerstoff in das Gewebe und die alten Pflanzenreste werden von Mikroorganismen abgebaut. Dabei wird der gespeicherte Kohlenstoff als Kohlenstoffdioxid freigesetzt. Weltweit setzen Entwässerte Moore jährlich etwa 2 Gigatonnen Kohlenstoffdioxid frei, das entspricht etwa 4% der gesamten menschengemachten Treibhausemission, die.

In Estland wurden im 20 Jahrhundert viele Moore für die Torfgewinnung, die Landwirtschaft oder die Forstwirtschaft entwässert. In Lahema jedoch sind die meisten Hochmoore intakt geblieben, geschützt zunächst durch den schwer zugänglichen Untergrund, später durch den Status als Nationalpark über dem Moor zieht der Abendhimmel auf in einem klaren, kühlen Blauton, der nur im hohen Norden so vorkommt, im Sommer wird es in Estland nie ganz dunkel.

Im Juni dauert die Dämmerung bis weit nach Mitternacht und der Horizont glüht in einem weichen, rosafarbenen Licht. Diese hellen Nächte werden Valgetöd genannt, weiße milchnächte sie sind eine Folge der nördlichen Lage Estlands, etwa auf dem 59 Breitengrad, im Winter ist es umgekehrt, an den kürzesten Tagen geht die Sonne erst nach 09:00 Uhr auf und schon 4 vor 04:00 Uhr nachmittags wieder unter.

Frühjahr, wenn das Ei schmilzt und der Boden taut, beginnt das Moor zu singen. Die Frösche der Region, vor allem der Moorfrosch, lateinisch Rana avalis, färben sich in der Paarungszeit blau, die Männchen werden für einige Tage hellblau, ein leuchtender türkis Ton, der über die dunklen Wasserflächen blitzt, dieses Phänomen ist eines der eindrucksvollsten Schauspiele der nordeuropäischen Natur.

Die Färbung entsteht durch eine vorübergehende Anreicherung von Pigmenten in der Haut und dient der Werbung, um Weibchen, die unauffällig braun bleiben. Ein weiterer Bewohner des Moores ist die Ringelnatter in Estland weit verbreitet sowie die Kreuzotter, die einzige Giftschlange des Landes, ist meist scheu und greift den Menschen nur an, wenn sie sich bedrängt fühlt. In den Mooren wärmt sich die Kreuzotter gerne auf den hellen Holzplanken des Bohlenwegs, weshalb Wanderer innen im Sommer aufmerksam gehen sollten.

In Schlenken Leben Libellenlarven, Wasserkäfer und der Bach Neunauge, eines der urtümlichsten Wirbeltiere der Erde, über den Mooren tanzen Libellen wie Kleine fliegende Edelsteine, die Vierflecklibelle, die Smaragdlibelle, die Plattbaumlibelle. Estland kennt über 60 Libellenarten, und viele davon lassen sich in Lahema beobachten.

Nun wenden wir uns einem anderen Teil des Parks zu, wir verlassen das Moor und gehen in Gedanken durch den dunklen Fichtenwald nach Norden zur Küste, hier verändert sich die Landschaft vollständig, statt offener Moorflächen empfangen uns dichte Wälder, in denen Fichten, Kiefern und Birken den Ton angeben, der Boden ist mit Heidelbeeren und Preiselbeeren bedeckt. Dazwischen liegt das Blaukunde Moos der Rentierflechte. Die Wälder Nachemas gehören zu den artenreichsten Borealwäldern Europas.

Sie sind Teil der sogenannten Tigerzone, die sich von Skandinavien über Estland bis nach Russland und Sibirien erstreckt. Plötzlich öffnet sich der Wald, und vor uns liegen die Pfindlinge. Der Wind wird etwas rauer, auch weil die Ostsee auf der Landzunge von beiden Seiten her gut in den Wald eindringen kann und den Wind mitbringt. Lahema beherbergt die größte Konzentration eiszeitlicher Findlinge in Europa, die gigantischen Steinblöcke, manche so groß wie kleine Häuser, wurden vom skandinavischen Eisschild aus Finnland und Schweden bis hierher transportiert und nach dem Schmelzen des Eises in der Landschaft zurückgelassen.

Der bekannteste Findling, der Giani Kiwi, ist 7 Meter hoch und hat einen Umfang von 48 Metern. Insgesamt gibt es im Park über 3000 Findlinge mit einem Umfang von über 10 Metern auf einem dieser Findlinge stehe ich tatsächlich gerade, sie bestehen meist aus rapakiwi Granit, einem charakteristischen Gestein des südlichen Finnlands und. Geologinnen lesen in diesen Steinen die Eiszeitgeschichte der Region wie in einem offenen Buch Die Küste von Lahema selbst ist von einer rauen, klaren Schönheit. 4 Halbinseln ragen wie Finger in die Ostsee, Yuminda, Perisbea, Kesmu und Vergi zwischen ihnen legen die Buchten Eru, Kesmu, Hara und Kolga.

Das Wasser ist hier vergleichsweise flach, der Salzgehalt der Ostsee niedrig. Etwa 5 bis 7 Promille, also ein Sechstel des Salzgehalts der offenen Weltmeere. Diese Brackwasserumgebung beherbergt eine eigentümliche Mischung aus Meeres und Süßwasserarten. Der Hering leicht hier, ebenso wie der Hecht.

Die Robbe taucht aus dem Wasser auf, während wenige Meter entfernt eine Stockente schützt den Inseln und Felsen vor der Küste brüten seeschwalben, Trottel, Lumen, Eiderenten und Mantelöfen. Die Eiderente war einst die wichtigste Quelle für Daunen in Nordeuropa, heute ist sie streng geschützt und wird nicht mehr für die Füllung von Kissen und Decken genutzt. Der Bestand der in der Ost estnischen Ostsee wird auf einige 1000 Brutpaare geschätzt.

An der Küste finden sich auch verlassene Fischerdörfer wie Kaesmo einst Alsdorf der Kapitäne bekannt, weil hier im 19. Jahrhundert mehr Seefahrer geboren wurden als in jedem anderen Ort des baltischen Raums. Heute steht in Kaesmo ein kleines Schifffahrtsmuseum, das die maritime Geschichte des Parks bewahrt. Im Wald südlich der Küste verstecken sich die Wasserfälle des Parks.

Der bekannteste ist der Nomeweski, ein etwa 4 Meter hoher Wasserfall am Fluss Valgiygi. Daneben gibt es den Yaoweski und mehrere kleinere Stromschnellen. Der weiße Fluss entspringt im Hinterland und durchquert den Park in einem sehr geschlängelten Lauf, sein Wasser ist klar und kalt, und im Frühjahr steigen Lachse aus der Astsee in den Fluss hinauf, um zu laichen.

Der atlantische Lachs, lateinisch salmo Sala, war einst in fast allen baltischen Flüssen heimisch. Doch durch Verbauung, Verschmutzung und Überfischung ist sein Bestand stark zurückgegangen. In Estland gibt es noch einige wenige Flüsse mit natürlichen Laichgründen und der weiße Fluss gehört dazu, im Hinterland des Parks, im Innern der Wälder leben die Spechte, Estland beherbergt 9 verschiedene Spechtarten, von denen mehrere in Lahema vorkommen. Der Schwarzspecht ist der größte von ihnen, etwa so groß wie eine Krähe mit kohlrabenschwarzem Gefieder und einer leuchtend roten Kappe auf dem Kopf.

Ein lautes, Melancholisches Rufen ist eines der charakteristischen Geräusche der Wälder, der Dreizehnspecht lebt vorwiegend in älteren Fichtenwäldern und ernährt sich vom Borkenkäfer. Auch der Weißrückenspecht kommt hier vor, eine in Europa sehr seltene Art, die hier in naturnahen Laub und Mischwäldern noch stabile Bestände hat.

Die Wälder Lahemas wurden teilweise nie kommerziell genutzt, auf manchen Flächen stehen die Bäume seit 200 Jahren oder länger komplett ungestört, solche Urwaldfragmente sind in Europa selten geworden und sie sind ein wichtiger Lebensraum für seltene Pilze, Flechten und Insekten. Eine einzig uralte Fichte kann Hunderte von Arten beherbergen, von winzigen Flechten auf der Rinde über Holz bewohnende Käfer bis zu Pilzen, die in Symbiosen mit den Wurzeln leben.

Das Konzept der Lebensraumvielfalt der Habitatkomplexität wird in solchen alten Wäldern besonders anschaulich, wenn der Abend kommt, beginnt im Wald die Stunde der Eulen, die. Wird dann der Waldkauz mit seinem Ruf oder der Rauhfußkauz oder auch der sehr seltene Bartkauz, ein riesiger grauer Vogel mit gelben Augen und einer eindrucksvollen Gesichtsscheibe, aktiv?

Dieser jagt lautlos über die Lichtung. Estland gehört zu den westlichsten Verbreitungsgebieten des Bartkauzes in Europa. In Lahema wurden in den letzten Jahren mehrere Brutpaare nachgewiesen. Ein Erfolg der konsequenten Forstwirtschaft mit Naturschutzanspruch über dem Park spannt sich der Sternenhimmel, da die Region sehr dünn besiedelt ist und es kaum Lichtverschmutzung gibt, ist die Milchstraße in klaren Nächten als breites, Milchiges Band zu sehen. Im Herbst und Winter zeigen sich so oft die Polarlichter, wenn die Geomagnetische Stabilität hoch ist und der Himmel klar bleibt.

Estland liegt am Rand des Bereiches, in dem die Aurora Projalis regelmäßig zu sehen ist und Lahema bietet mit seinen offenen Mooren und Küstenflächen ideale Beobachtungsplätze. Die Grünen, manchmal violetten Schleier, die dann über den Horizont ziehen, sind eines der Überwältigsten Naturschauspieler dieser Breitengrade. Auch die Wissenschaft hat das Moor von Lahema zu einem ihrer Untersuchungsobjekte gemacht.

Die Universität Tatu, die älteste Universität Estlands, betreibt seit Jahrzehnten Forschungsprojekte im Park. Moratorinnen entnehmen Bohrkerne aus dem Torf, in denen sie die Klimageschichte der letzten 10000 Jahre ablesen können. Jeder Zentimeter Torf entspricht etwa einem Jahrzehnt, jeder Meter circa einem Jahrtausend, in den Schichten sind Pollen eingebettet, die zeigen, welche Pflanzen zu welcher Zeit gewachsen sind. Mikroreste von Holzkohle aus Waldbränden, vulkanische Ascheteilchen aus Eruptionen in Island und sogar Schwermetallrückstände aus der industriellen Geschichte Europas, ein Bohrkern aus dem Viruraba ist wie ein Tagebuch, das die Landschaft selbst geschrieben hat. Die Pollenanalyse zeigt, dass

die Vegetation Estlands in den letzten 10000 Jahren mehrmals gewechselt hat, direkt nach der Eiszeit dominierten zunächst Birken und Kiefern auf dem nackten Boden. Etwa 8000 Jahre vor unserer Zeit kamen Haselsträucher und Eichen hinzu. Dies war in einer warmen Phase, die als Atlantikum bezeichnet wird und die die Sommertemperaturen in Mitteleuropa etwa 2 bis 3 Grad höher gelegt hat als heute, etwa 4000 Jahre vor unserer Zeit kühlte sich das Klima wieder deutlich ab und fichteten breiteten sich bis nach Süden aus.

Diese Fichtenwälder dominieren bis heute große Teile Estlands. Die Pollendaten zeigen also nicht nur die natürliche Klimageschichte, sondern auch die langen, langsamen Wellen, in denen sich die Vegetation hier immer wieder verändert hat. Ein anderes Forschungsumfeld in Lahema ist die Hydrologie, Hochmoore sind hydrologische Systeme von erstaunlicher Komplexität. Das Wasser bewegt sich nicht einfach von oben nach unten, sondern fließt in horizontalen Schichten gespeichert, in den Torfmoosen, gehalten von der wasserabweisenden Wirkung der Huminstoffe, Gepuffert durch die langsamen Setzungsbewegungen des Torfkörpers.

Wenn man ein Moor entwässert, in dem man Gräben zieht, gerät dieses System natürlich komplett aus dem Gleichgewicht, das Wasser fließt ab, der Torf schrumpft, die Vegetation verändert sich und. Und das Moor verliert seine Funktion als Lebensraum und Kohlenstoffspeicher. In Estland wurden seit den 90er Jahren systematisch Moore wieder vernässt und auch im Umfeld von Lahema wurden in den letzten Jahren mehrere Renaturierungsprojekte durchgeführt. Die Renaturierung eines Moores ist ein langer Prozess, zunächst werden alten Entwässerungsgräben mit Lehm oder Holzdämmen verschlossen, danach beginnt sich der Wasserstand langsam wieder zu erholen.

Erst nach Jahrzehnten kehrt allerdings eine moortypische Vegetation zurück. Als Kohlenstoffspeicher kann Jahrhunderte dauern, doch die ökologische Bedeutung dieser Arbeit ist enorm, denn jeder Hektar wieder vernetztes Moor spart langfristig mehrere Tonnen Kohlendioxid pro Jahr, im Bereich Naturschutz arbeitet Estland eng mit anderen Ostseeländern zusammen, über das Helsinki Abkommen, das Helcom, werden gemeinsame Standards für den Schutz der Ostsee festgelegt. Über die Europäische Union ist Estland eingebunden in das Natura 2000 Netzwerk, ein Verbund geschützter Gebiete, der den biologischen Reichtum des Kontinents bewahren soll. Lahema ist Teil dieses Netzwerks, außerdem hat Estland die Ramsa Konvention

verabschiedet, die international den Schutz von Feuchtgebieten regelt, mehrere Moorflächen in Estland sind als ramsa Gebiete ausgewiesen, darunter auch Teile von Lahema. Diese internationalen Vereinbarungen sind ein Ausdruck der Einsicht, dass Naturschutz nicht an Staatsgrenzen Halt machen kann. Moore, Wälder, Zugvögel, Flüsse, das Meer, sie alle gehören zu größeren Systemen, die nur gemeinsam bewahrt werden können. Wir sind nun am Meer angelangt, vielleicht hört im Hintergrund das leise Rauschen der Ostsee.

Und doch geschieht die eigentliche Arbeit oft im Kleinen. Im Park arbeiten Rangerinnen und Ranger, Piloginnen, Försterinnen und Pädagoginnen, sie zählen Vögel, dokumentieren Pilze, beobachten Bärenspuren und betreuen die Bohlenwege, führen Schulklassen durch das Moor und sprechen mit Touristinnen und Touristen.

Jährlich besuchen über 4000 Menschen den Park, die meisten kommen aus Estland selbst, viele aus Finnland und Deutschland. Andere aus weit entfernten Ländern, sie kommen, weil sie die Stille suchen nach einer Landschaft, in der das Auge weit reichen kann, nach einer Luft, die schmeckt wie Wasser und Torf und Kiefernharz die Stille des Moors ist nie absolut, sie ist eine andere Form von Klang, das leise, rauschendes Windes in den Zwergkiefern, das für einen Trompeten eines Kranichs das Plätschern eines Wassertropfens, der von einem Halm in die Schlänke fällt. Das Knirschen des Holzes unter den Schritten, das Brummen einer Hummel auf einer Sumpfforstblume, der Ruf eines Goldrigen Pfeifers, der wie ein

langgezogenes Glüh über das Moor schwingt. Diese Geräusche fügen sich zu einer Klanglandschaft, die in keiner anderen Umgebung so anzutreffen ist. Akustik Ökologinnen sprechen von der Soundscape und. Einer Landschaft. Und sie zeigen, dass jede Landschaft ihre eigene akustische Signatur hat. Das Moor klingt anders als der Wald, der Wald anders als die Küste, die Küste anders als das offene Meer, wenn der Atem ruhig wird und die Gedanken sich beruhigen, kann man im Moor eine Erfahrung machen, die in der Forschung als Achtsamkeit in der Natur beschrieben wird, sie unterscheidet sich von anderen Formen der Achtsamkeit dadurch, dass sie nicht angestrengt ist, sondern weich und weit. Die finnische Psychologin Talevi

Coppela hat dieses Phänomen in einer Reihe von Studien untersucht und gezeigt, dass schon den Aufenthalt von 20 bis 30 Minuten im natürlichen Umfeld die Konzentration der Stresshormone im Blut messbar senkt, den Blutdruck reduziert und das Wohlbefinden steigert. Die japanische Tradition des Waldbadens Shirinjoku folgt einer ähnlichen Energie.

Doch das Moor wirkt anders als der Wald. Es ist offener, weiter, und seine Stille hat eine andere Qualität. Manche Menschen erleben in einem Hochmoor das, was Psychologinnen Selbstvergessenheit nennen, eine Form der Ruhe, in der die Grenze zwischen selbst und Umgebung weich wird. Vielleicht ist genau dies die Erfahrung, die in den alten estnischen Mythen aufgehoben ist. Das Moor als Schwelle, als Ort des Übergangs, das. Vielleicht ist die Beobachtung, dass Götter und Geister hier besonders nah sind, nichts als die alte Sprache für moderne psychologische Erfahrung.

Das war unsere Reise durch den Nationalpark Lahema und ja, wie gesagt, die 1. Folge, wo wir wirklich vor Ort waren, wenn du selbst Lust auf den Nationalpark hast, empfehle ich dir einen Städtetrip nach Tali und dann einfach ein Bull zu nehmen. Also Carsharing und für einen Tag zu Mieten und nach Nahima zu fahren.

Dazu empfehle ich mit der Fähre dann weiter nach Finnland zu fahren, nach Helsinki und das Gleiche dort zu machen. In einer neuen Folge bis dahin.

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