Science Busters Podcast· Folge 99

Die erfolgreichsten Geschlechtskrankheiten der Welt & wie & wo man sie bekommen kann - SBP099

Montag, 3. März 2025 · 1 h 17

MP3

Shownotes

Über STD wie HIV, Tripper, Syphilis, Herpes, HPV und Hepatistis A & B
Podcast live TU the Sky Episode 2 - SBP054 (sciencebusterspodcast.podigee.io/54-podcast-li…)

TV-Sendung "Schleich Dich, Du Feigwarze!" (vimeo.com/user19470392/feigwarze?ts=735161&…)

Das war Ausgabe 99 des SB Podcasts. Nur noch 1 x schlafen, dann feiern wir 100 Jahre Science Busters Podcast. Etwas zeitversetzt auch live vor Publikum, nämlich am 31.3. im Literaturhaus Graz (literaturhaus-graz.at/veranstaltung/100-jahre-…). Mit 2 famosen Gästen: Nicole-Streitler-Kastberger, Literaturwissenschaftlerin, Literaturkritikerin und Autorin, die sich u.a. 20 Jahre mit dem Gesamtwerk von Ödön v. Horvath auseinandergesetzt hat Und mit dabei auch Gilbert Prilasnig, ehem. Fußballnationalspieler, mit Sturm Graz in den 90er Jahren 3x Meister & 3 x Cupsieger. Und frisch gebackener Assistenztrainer der Frauenfußballnationalmanschaft. Aber weil ihn das offenbar nicht genug ausgelastet hat, hat er daneben Linguistik studiert, ab demnächst, wenn alles gut geht, Magister in „Klinischer Linguistik“. Was das genau ist, wird er Florian Freistetter & Martin Puntigam erzählen, am 31. März, ab 19.00 Uhr im Literaturhaus Graz.

Davor und danach gibt es aber auch jede Menge zu hören & zu sehen.

Die neue TV-Staffel ist fertig aufgezeichnet und wird laufend publiziert. Ab 11.3. jede Dienstag Nacht auf ORF 1. Und danach immer ein halbes Jahr weltweit abrufbar im ORF-Player.
Neue Folgen wieder am Anfang März in der DienstagNacht auf ORFeins (tv.orf.at/science-busters/sciencebus560.html) Nächste Folge: "Hintzer Dir, Klopapier!" mit Ruth Grützbauch & Florian Freistetter

Am 28.4. gibt es die nächste Ausgabe von „Frag die SB – live – alles rund ums Klima“. Wie immer von 13 – 14 Uhr eine Stunde lang auf Radio FM4.

Weiterhin & bis Sommer am Programm, bevor wir am 16.Oktober mit einer neuen Show Premiere feiern werden mit dem Titel “Weltuntergang für Fortgeschrittene”, gibt es die aktuelle Live-Show der Science Busters Planet B

19.4. + 25.5. StadtsaalWien (stadtsaal.com/kuenstler/science-busters)

11.3. Kunsthaus Weiz (tourismus-weiz.at/event/science-busters-planet-b)

26.3. Stadttheater Wels (oeticket.com/event/science-busters-planet-b-we…)

Dann geht es wieder einmal nach Deutschland, diesmal am

2.4. E-Werk Erlangen (e-werk.de/programm/alle-termine/detail/science…)

3.4. F-Haus Jena (agentour.org/programm/science-busters_planet-b…)

4.4. Kupfersaal Leipzig (agentour.org/programm/science-busters_planet-b…)

5.4. Schauburg Dresden (agentour.org/programm/science-busters_planet-b…)

23.04. Zentrum Feldbach (oeticket.com/event/science-busters-planet-b-ze…)

30.4. Posthof Linz (posthof.at/event/science-busters-6)

16.5. Freudenhaus Lustenau (freudenhaus.or.at/programm/2024/neuer-termin-2…)

17.5. Theater am Kirchplatz TAK Schaan – Liechtenstein-Premiere (tak.li/veranstaltungen/science-busters/1276)

SB4Kids aktuell digital in der ORF-Kids App, jede Folge zirka 10 Minuten.

Und analog gibt es die Show mit Martin Moder & mir am
Am 19.4.2025 Stadtsaal
Wien (stadtsaal.com/kuenstler/science-busters) um 15.30 Uhr & am 20.4. wieder um 11.00 Uhr.

30.4.Posthof Linz (posthof.at/event/science-busters-for-kids)

18.5. Vinomna Saal Rankweil (laendleticket.com/Creator/bin/web.php/laendlet…)

Und am 26.4. Vorglühen mit Pezi aus der Märchenstadt in „Pezi & die Science Busters“ bei der Ybbsiade (ybbsiade.at/veranstaltung/pezi-die-science-bus…)
Und: nach 2 Saisonen mit dem Marsflug-Programm gibt es im Mai eine neue Show „Pezi & die Science Busters“ (kasperlundpezi-webshop.tkt-datacenter.net/de/p…) im Urania Puppentheater Wien. Kasperl. Pezi, die Großmutti erkunden mit Helmut Jungwirth & mir, wie Pezi genauso fliegen lernen kann wie Vögel & was der Bär-noulli-Effekt damit zu tun hat.

6. – 11.5. Im Urania Puppentheater Wien

Glückskatze – das Solo v. & m. Martin Puntigam schnurrt auch 2025 wieder:
am 13.3. im Scharfrichterhaus Passau (scharfrichterhaus.de/theater/programm/?doing_w…),
am 15.3. im Jakobmayer Dorfen (jakobmayer.de/wordpress/veranstaltungen/martin…) und
am
11. + 12.4.im Kabarett Niedermair (niedermair.at/kuenstler/martin-puntigam)

Alle Infos & Tickets unter siencebusters.at (sciencebusters.at) & puntigam.at
Alle Termine unter puntigam.at

Lektüre

Unser Jubel-Buch, erschienen vor einem Jahr anlässlich 15 Jahre SB giltet noch immer: "Wissenschaft ist das, was auch dann gilt, wenn man nicht dran glaubt: Das große Jubelbuch der Science Busters" (amzn.to/3q8ZzWz). Erschienen bei Hanser (hanser-literaturverlage.de/buch/wissenschaft-i…).

Auch als Hörbuch (penguinrandomhouse.de/Hoerbuch-Download/Wissen…) im Hörverlag. Wie immer wunderbar gelesen von Thomas Loibl (Großteil) und ein bisschen auch von uns (Kleinteil)

Und seit Oktober 2007 gibt es unsere Kurz-Kolumne jede Woche auf Radio FM4.

Das rosa Trikot (postimg.cc/GBcvv35D) des USV Furth mit Science Busters Logo kann man aber schon jetzt kaufen & ein bisschen eintragen.
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Fragen zur heutigen Folge und andere Fragen, die wir beantworten sollen, und hoffentlich können, an podcast@sciencebusters.at oder über Instagram oder Facebook. Gern als Audiofile

Funk und Fernsehen

Die Science-Busters-Sendungen auf Radio FM4 findet man hier (sound.orf.at/podcast/fm4/fm4-science-busters).

Alle bisherigen TV-Folgen kann man hier auf DVD kaufen (shop.orf.at/orf/de/dvd/comedy/2482/science-bus…) oder bei Amazon (bit.ly/science_busters_amazon). Die aktuellen Folgen finden sich im ORF-Player (tv.orf.at/science-busters/index.html)

Dank

Der Podcast wird produziert mit Unterstützung der TU Wien (tuwien.at) und der Universität Graz (uni-graz.at)

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Martin Puntigam Ausgabe 99 des ScienceBusters Podcasts und heute beginnen wir urlaubsreif mit Der letzte Sommer war sehr schön und SDS.

Ursula Hollenstein Sicher besser als zurück vom Urlaub mit STD. Musik Musik Musik Musik.

Martin Puntigam Herzlich Willkommen zur Ausgabe 99 des Eins-Wars-Tags-Podcasts. Einmal noch bis 100 und seit Beginn immer produziert mit Unterstützung der Uni Graz und der TU Wien. Mein Name ist Martin Puntigam. Mir gegenüber sitzt ein weiteres Mal Ursula Hollenstein, Infektiologin und Fachärztin für Reisemedizin. Hallo.

Ursula Hollenstein Hallo.

Martin Puntigam Ausgabe 98 war ein Mitschnitt der monatlichen Frage-und-Antwort-Sendung auf Radio FM4 Frag Designs Pass das alles rund ums Klima vom 18. März 2024, also nahezu vor einem Jahr. Es war die Frühlingsausgabe unseres Periodikums. Der Astronom Florian Freistetter und Barbara Lahr, Verkehrswissenschaftlerin der TU Wien, haben damals mit mir beantwortet, ob pluralistische Ignoranz besser ist als singuläre Ignoranz, ob man wirklich weniger Verkehr bekommt, wenn man mehr Straßen baut, inwiefern eine Schneeballschlacht gegen die Erderwärmung helfen kann, ob für Klimawandel verharmloser Innen das Briefgeheimnis gilt, ob man den Lobau-Tunnel nicht auch dorthin bauen könnte, wo er wirklich gebraucht wird und warum der USV-Furt in Rosa leider nicht mehr unbesiegt war.

Martin Puntigam Heute geht es um STD und da kann man mit einem alten Otto-Witz, einem Witz von Otto Walkes, beginnen... Anfang der 80er Jahre publiziert. Der menschliche Körper hat die Nummer geheißen und begonnen mit aus der Serie Halbkott in Weiß für Sie, für unsere Freundin der Medizin, ein Stück mit dem Titel Trapp-Trap-Da-Trapper, Tripp-Tripp der Indianer.

Martin Puntigam Wie es ungefähr so betont worden damals, die Point. Anfang der 80er Jahre waren auch Indianer, über zehn Jahre alt ungefähr und hat natürlich keine Ahnung gehabt, was daran lustig sein soll. Das Auditorium hat sie weggeworfen im Wissen, dass Trepper eine Geschlechtskrankheit ist, die ja damals, da war gerade so 10, 15 Jahre, eine ganz freie Liebe, das heißt Geschlechtskrankheiten haben da gerade eine Hochsaison hinter sich gehabt und Treppen, genauso Drogengebrauch, war mir ebenso unbekannt als 10-Jähriger.

Martin Puntigam Es geht aber heute nicht um Drogen, sondern es geht um STD, folgstümliche Geschlechtskrankheiten und die Heilkunde dazu heißt Venerologie. Da habe ich allang gedacht, Venerologie ist die Heilkunde für Gefäßerkrankungen.

Ursula Hollenstein Das wäre vielleicht ein bisschen überspezialisiert, dann müsste man für die Arterien auch noch ein eigenes Fachgebiet erfunden haben. Also es ist nicht die Gefäßkunde, es ist tatsächlich die Kunde von den sexuell übertragbaren Erkrankungen. Da hat man halt die Göttin der Liebe genommen, ein bisschen frei ausgelegt, weil es eine Göttin des Sex nicht gibt, zumindest damals nicht.

Ursula Hollenstein Jetzt werden einige Künstlerinnen so bezeichnet, aber sonst ist es die Venus zuständig. Der Begriff der sexuell übertragbaren Erkrankungen und die Abkürzung STD kommt halt aus dem Englischen wie fast alles, Sexually Transmitted Diseases. Das umfasst eine relativ große Gruppe von Infektionserkrankungen, die eigentlich überhaupt nichts gemeinsam haben.

Ursula Hollenstein Also unterschiedliche Erreger, unterschiedliche Symptome, unterschiedliche sonstige Eigenschaften, außer dass sie eben alle über den Geschlechtsverkehr übertragen werden und zwar fast ausschließlich.

Martin Puntigam So wie Club-Urlauber, Urlauberinnen, also das sind auch Menschen aus allen Himmelsrichtungen, aber sie sind halt jetzt in einem gemeinsamen Urlaubsclub zusammengefasst, auch wenn sie unterschiedliche Berufe, Herkunft und Vorlieben und Neigungen haben. Aber man sagt, man fasst das halt so zusammen, ohne genauer hinzuschauen.

Ursula Hollenstein Genau, es geht hier primär einfach um die fast ausschließliche Übertragung. Ein Paar können durchaus auch über andere Wege von A nach B kommen, Aber es ist eben der sexuelle Kontakt der hauptsächliche Übertragungsweg. Und die Symptome betreffen von all diesen Erkrankungen dann überwiegend natürlich auch die Regionen, die hauptsächlich mit Geschlechtsverkehr im Zusammenhang stehen, also die Genitalregion, den Anus, Mund, Hals.

Ursula Hollenstein Aber einige Erreger, HIV kennt jeder und auch die Hepatitis, die sind auch im Blut ganz verbreitet und kommen dadurch nicht nur in alle Teile des Körpers, sondern können eben auch an allen möglichen Stellen Symptome machen, die man nicht jetzt primär zu den Geschlechtsregionen zählt.

Martin Puntigam Da gibt es ja, wenn man alles Mögliche unter Geschlechtskrankheiten zusammenfasst, worüber ja gesellschaftlich noch immer nicht gerne und offen diskutiert wird, da gibt es ja dann immer irgendwelche neuen Farben für Marschalln, wenn wieder mal irgendeine Krankheit ein Symptom in die Öffentlichkeit schafft, wo dann Menschen darüber reden, über die allermeisten Dinge, über die wir jetzt reden werden, wird nur wenig geredet oder im humoristischen Zusammenhang geredet, was ja schlecht ist in Wirklichkeit, aber da gibt es ja viele verschiedene Ausprägungen, wie du schon gesagt hast.

Martin Puntigam Womit hat man es denn zu tun, wenn man von Geschlechtskrankheiten redet?

Ursula Hollenstein Es sind sowohl Viruserkrankungen, Schwierigkeit immer bei fast allen Viruserkrankungen ist, dass wir kaum Therapien haben und es sind teilweise auch bakterielle Erkrankungen, die man behandeln könnte und kann.

Martin Puntigam Und Pilzerkrankungen fallen da auch hinein?

Ursula Hollenstein Nein, nicht direkt. Sie können zwar den Genitalbereich betreffen, aber sie gehören nicht klassischerweise zu den sexuell übertragbaren Erkrankungen, weil es oft einfach Infektionen sind, die aus der eigenen Flora entstehen, wo einfach was überwuchert, weil zum Beispiel die Scheidenflora gestört ist. Dann können die paar Pilze, die dort ohnehin sitzen, überwuchern und eine Pilzerkrankung machen.

Ursula Hollenstein Also da braucht man nicht unbedingt die sexuelle Übertragung dazu. Eines gehört zu den etwas größeren Krankheitserregern, zu den sogenannten Protozoen. Das sind Einzellige, die dummerweise zu den Parasiten gezählt werden. Das wären die Trichomonaden, aber ansonsten haben wir es hauptsächlich mit Viren und Bakterien zu tun.

Martin Puntigam Wir haben vor einigen Jahren ein Format auf der Bühne gehabt, live, das hat geheißen Battle Royale, wo... Das gesamte, damals noch recht neue Ensemble, auf der Bühne war und zu einem Thema sie geäußert hat. Und da haben wir unter anderem über Geschlechtskrankheiten geredet. Und da ist mir zum ersten Mal der Name Chlamydien untergekommen, die mir vorher vollkommen unbekannt waren.

Martin Puntigam Der Scherz war, dass Chlamydia klingt wie ein besonders gespitzter Vorname in einem Wiener Innenstadtbezirk. Aber es ist ganz was anderes und gibt es schon viel länger.

Ursula Hollenstein Gibt es schon sehr lang, begleitet uns schon sehr, sehr lang. Und es ist eine Schande, dass das so wenig bekannt ist, nämlich nicht nur dir, sondern leider auch allen, die sich damit anstecken. Ein wunderschöner Name, ein Vorname durchaus eines Bakteriums, Chlamydia Traumatis. Und das ist eine der häufigsten, wenn nicht überhaupt die häufigste, sexuell übertragbare Erkrankung.

Ursula Hollenstein Und wie viele von diesen Krankheitserregern hat sie denn die Eigenheit, dass ein Teil oder wahrscheinlich sogar ein großer Teil der Infektionen mit ganz wenig oder sogar ohne Symptome verläuft. Und das ist eine besonders hinterfutzige Art, sich gut zu verbreiten, denn wer nicht krank sich fühlt, wer keine Symptome hat, macht natürlich keine Diagnose, macht keine Therapie und kann es besonders gut verbreiten.

Ursula Hollenstein Und auf der Basis ist das wirklich eine extrem häufige Erkrankung, die wir trotzdem ernst nehmen, obwohl sie so viele asymptomatische Erkrankungen macht. Aber sie kann, wenn sie Symptome macht, vor allem im weiblichen Reproduktionstrakt, in den ganzen Organen, die man zur Fortpflanzung braucht, massive Schäden anrichten bis hin zu Unfruchtbarkeit.

Martin Puntigam Da kann man keine Kinder mehr kriegen und weiß gar nicht, woher das kommen könnte?

Ursula Hollenstein Ja, das führt halt einfach durch eine chronische Entzündung zu allen möglichen Veränderungen der Schleimhaut, zu Vernarbungen unter Umständen. Während eine Infektion besteht, die man vielleicht nicht merkt, kann eine Schwangerschaft unter Umständen abgehen. Also es hat wirklich viele Auswirkungen einer eigentlich so banalen Erkrankung.

Martin Puntigam Und wenn das permanente Entzündungszustände sind, könnte man das aber im Blutbild, wenn man zufällig ans machen lässt, in der Zeit erkennen oder auch nicht?

Ursula Hollenstein Nein, es gibt leider viele Regionen unseres Körpers, um die sich unser Immunsystem recht wenig kümmert, wo also Infektionen durchaus ablaufen können, ohne dass systemisch, also in dem, was wir messen können im Blut, sich irgendwelche Veränderungen zeigen.

Martin Puntigam Aber wie kommt man dann drauf, dass man das hat?

Ursula Hollenstein Das geht sich relativ leicht über Abstriche, indem man einfach das Material aus der Scheide gewinnt und das auf Chlamydien untersucht.

Martin Puntigam Und da muss man dann zum Frauenarzt, zur Frauenärztin gehen oder das macht der Hausarzt, Hausärztin oder das kann man selber machen?

Ursula Hollenstein Bei uns leider nein, mit dem Selbermachen ist aber eine, Idee, die wirklich sehr, sehr spannend ist. Ein paar Länder versuchen das auch schon, weil der Weg eben mit einer sogenannten Geschlechtskrankheit zum Arzt einfach einer ist, dem man ungern geht. Das ist ein so tabu behaftetes Thema, dass die meisten entweder wegdrängen, dass sie betroffen sind, schon gar nicht vorbeugend gehen und sich vielleicht einmal untersuchen lassen, weil vielleicht was sein könnte. Man geht wirklich erst, wenn es gar nicht anders geht.

Ursula Hollenstein Da wäre einfach ein niederschwelliger Zugang und das Niederschwelligste ist, zu Hause selber zu machen, wäre ideal. Da gibt es Ansätze in den skandinavischen Ländern, die oft Vorreiter sind, die schon versuchen, so ein bisschen, wie wir das von Covid gesehen haben, dass man einfach zu Hause selbst mit einem Testkit Abstriche macht von ein bisschen anderen Regionen als bei Covid.

Martin Puntigam Dafür muss man da nicht so niesen.

Ursula Hollenstein Dafür muss man nicht so niesen. Das in ein Teströhrchen steckt und per Posting wohin schickt und dann über eine Nummer einen Befund bekommt. Das wäre durchaus eine Idee, um einfach häufiger zu testen, zu schauen, habe ich eh nichts für Leute, die sehr häufig wechselnde Partner haben, die ganz gern einfach sicher sein wollen, dass das alles in Ordnung ist, auch wenn sie jetzt aktuell keine Symptome haben.

Ursula Hollenstein Sonst macht es bei uns entweder der Frauenarzt oder der Hautarzt, der ja auch Venerologe ist in seiner Ausbildung.

Martin Puntigam Der Sie mit den Venuserkrankungen gut auskennt. In meiner Branche, wenn darüber gesprochen wird, was ab und zu der Fall ist, weil jetzt jüngere und modernere Menschen manchmal auch auf die Kabarettbühne schaffen, die erzählen dann, wie gern sie gern trainieren gehen und dass sie das aus dem Fitnessstudio mitgebracht hätten. Dort steckt man Sie tatsächlich an?

Ursula Hollenstein Es gibt zu all diesen Erkrankungen alle möglichen Geschichten. Die Klobrille ist wahnsinnig beliebt. Aber es ist nun einmal nicht so, dass es, die meisten dieser Erreger brauchen die Übertragung, weil sie eben außerhalb des Körpers nicht so gut lebensfähig sind. Das sind keine lang überlebenden, gegen Austrocknung gefeierten Krankheitserreger.

Ursula Hollenstein Die möchten gern von feucht zu feucht und von warm zu warm und das geht halt auf direkte Weise mit dem Geschlechtsverkehr am einfachsten. Nur ganz wenige unserer klassischen Geschlechtserkrankungen können eine längere Anwesenheit außerhalb des Körpers wirklich überleben. Die Hepatitis-Viren sind da gar nicht so schlecht, wenn sie irgendwo in einem Blutstropfen sind, dann können sie eine Zeit lang auch außerhalb des Körpers überleben.

Ursula Hollenstein Aber gerade Chlamydien oder der Erreger des Trippers, auch die Syphilis, die brauchen wirklich den direkten Kontakt. Und das geht nicht über irgendwelche Gegenstände, die man gemeinsam oder nacheinander angreift.

Martin Puntigam Ich glaube, die Erzählung ist so, Dampfbad, wo man auf den Kacheln sitzt, vielleicht nackt und dann steckt man sie an. Also das ist in Wirklichkeit die Ausrede, dass man sie es woanders geholt hat.

Ursula Hollenstein Richtig. Ist auch gut, wenn man die hat, weil sonst geht die Beziehung auch noch in die Brüche. Aber es stimmt einfach nicht.

Martin Puntigam Also das wäre, um die Chlamydien bekannter zu machen, müssten wir sie wahrscheinlich popkulturell in irgendwelchen gern gestreamten Filmen Serien unterbringen, wo halt Menschen was damit zu tun haben und dann Abstriche verwenden, dann hätten wir wahrscheinlich diese Abstriche relativ bald in den Köpfen der Menschen und dann kann man das wahrscheinlich leichter durchführen und so vorbeugen.

Ursula Hollenstein Ja, es gäbe viele Ideen, wie man das ein bisschen mehr publik machen könnte, aber natürlich ist es schwierig. Eigentlich reden wir von etwas, was erstens wunderschön und sehr privat ist und zweitens gerade bei jungen Menschen schon auch mit sehr viel Aufregung verbunden ist. Die ersten paar Male, wie macht man es richtig, was erwartet der oder die andere von mir, sehe ich von welcher Seite gut aus, wie muss ich mich positionieren.

Ursula Hollenstein Da gibt es so viele Dinge, die man bedenken muss, dass dann etwas wie eine dabei übertragbare Erkrankung ein Zusatzproblem ist, dem man sich nicht auch noch stellt. Umso wichtiger wäre es, dass es halt einfach mehr besprochen wird, dass es eine Selbstverständlichkeit wird, an diese Dinge auch zu denken.

Ursula Hollenstein Ein paar InfluencerInnen wären ganz nett, wenn sie sich da vielleicht nochmal engagieren würden und nicht nur ihre bevorzugte Hautcreme irgendwie politisch machen würden. Aber da ist noch ein weiter Weg, leider.

Martin Puntigam Aber sie mit Kondomen zu schützen, was ja vor vielen Übertragungen schützt, das wäre in dem Fall auch günstig oder reicht küssen auch, um sie mit Chlamydien zu infizieren?

Ursula Hollenstein Kommt darauf an, wohin man küsst. Ja, es geht theoretisch nicht über den normalen Kuss, aber man hat natürlich, wenn man miteinander intim ist, an sehr vielen Stellen Kontakt mit sehr vielen Körperöffnungen und da geht es natürlich auch außerhalb des klassischen Geschlechtsverkehrs. Und das Kondom geht ein bisschen aus der Mode, nachdem das früher die einzige Art der Verhütung war, die so richtig bekannt war, wo das viel häufiger verwendet sei, dass es eben viele andere Methoden gibt, zwar hauptsächlich für sie und nicht für ihn, aber seit eben Frauen mit Pille, mit Spirale, mit anderen Methoden oder mit irgendwelchen Langzeitspritzen verhüten, wird viel weniger Kondom verwendet und all diese Verhütungsmethoden schützen

Ursula Hollenstein eben nicht vor den Geschlechtserkrankungen. Das bringt man auch oft durcheinander, dass Verhütung nicht gleich Schutz vor den Gerichtskrankheiten ist. Und das kann eigentlich von dem, was wir derzeit haben, nur das Kondom.

Martin Puntigam Wir haben mit bakterieller Erkrankung begonnen. Bakterien kann man normalerweise ganz gut mit Antibiotika in den Griff kriegen. Ist das bei den Chlamydien so?

Ursula Hollenstein Ja, das geht sehr einfach und die haben Gott sei Dank auch noch gar keine Idee für irgendwelche Antibiotikaresistenzen entwickelt. Die sind nach wie vor auf dieselben Antibiotika empfindlich und behandelbar damit, wie zu Anfang. Das geht eigentlich völlig problemlos, sind auch gut verträgliche Medikamente.

Ursula Hollenstein Da ist die Schwierigkeit eigentlich die Diagnose. Drauf kann man, dass man es hat, das Behandeln dann ist keine große Hexerei. Das ist schon viel schwieriger bei dem von dir anfangs angesprochenen Tripper.

Martin Puntigam Der Gonorrhoe.

Ursula Hollenstein Das ist auch ein Bakterium und eigentlich immer problemlos behandelbar gewesen mit Penicillinen oder Cephalosporinen, also seit Ewigkeiten bekannten Antibiotika. Die haben aber in den letzten 20 Jahren wirklich sehr, sehr viele Resistenzgene sich zusammengesammelt aus der Umgebung und von anderen Bakterien übernommen und sind jetzt gegen einen Großteil der gängigen und einfach zu verwendenden Antibiotika resistent.

Ursula Hollenstein Auch ein bisschen Weltgegend unterschiedlich, also in manchen Gegenden ist das häufiger diese Resistenz und in anderen weniger. Aber das hat die an und für sich früher so simple Therapie des Trippers deutlich verschlechtert, nämlich auch verteuert, weil die moderneren, anderen, neueren Antibiotika natürlich auch immer teurer sind.

Ursula Hollenstein Und wir ja von Erkrankungen reden, die auch in der sogenannten dritten Welt ein Riesenproblem darstellen. Und da ist Geld für Behandlung noch einmal ein ganz anderes Problem als bei uns.

Martin Puntigam Das heißt, dadurch, dass Krankheiten wie Tripper, Gonorrhoe, man hört ab und zu den Ausdruck Super-Tripper, wenn ein Keim auftaucht, der überhaupt auf gar keine Antibiotika-Behandlung mehr anspricht, Das macht nicht nur mehr Menschen krank mittlerweile wieder, sondern das ist ja letztlich, wenn es unbehandelt ist, ist Tripper tödlich?

Ursula Hollenstein Nein, tödlich. Es gibt schon ganz gelegentlich einmal Verläufe, wo der Tripper, wo der Gonorrhoe tatsächlich den ganzen Körper befällt im Sinne fast einer Blutvergiftung. Aber das sind extreme Einzelfälle. An und für sich bleibt das schon dort, wo es ursprünglich war, aber kann dort auch einfach über lange Zeit zu Veränderungen führen in den Geschlechtsorganen.

Ursula Hollenstein Und auch in der Harnröhre zum Beispiel und da schon Langzeitfolgen verursachen.

Martin Puntigam Aber was sind dann Langzeitfolgen, wenn man das hat? Also was ist so schlimm, wenn man Langtrepper hat, außer dass man Menschen mit denen man sexuell verkehrt ansteckt?

Ursula Hollenstein Auch da ist es wieder eine Harnröhrenentzündung. Die Harnröhre ist ein recht kleines, durchgängiges Rohr und wenn die ständig entzündet und gereizt und geschwollen ist und irgendwann nicht mehr so gut durchgängig, dann wirkt sich das auf die davor geschalteten Organe wie Niere und solche Dinge aus und führt dort durchaus zu Problemen und zu Organstörungen.

Martin Puntigam Eine schöne Gangart, die man behandeln sollte, die merkt man ja zumindest.

Ursula Hollenstein Er merkt es, sie merkt es nicht unbedingt.

Martin Puntigam Ja, durch Jucken ist das das Symptom?

Ursula Hollenstein Also das berühmte Bonjour-Töpfchen, das beim Tripper viel besprochen wird, es ist einfach ein Ausfluss aus der Harnröhre, der so ein bisschen eitrig aussieht und vor allem eben deswegen Bonjour in der Früh bemerkt wird, wenn so ein zwei, drei Tröpfchen eines eher eitrigen Sekrets aus der Harnröhre kommen.

Ursula Hollenstein Das sollte doch Aufmerksamkeit hören.

Martin Puntigam Aber die Frauen, die ja schon eine Harnröhre haben, aber keinen so ausgeprägten Penis wie die Männer, die bemerken das nicht?

Ursula Hollenstein Da kann es durchaus sein, dass das entweder nur mit einem undefinierten Juckreiz einhergeht oder fast gar keine Symptome macht.

Martin Puntigam In der Anfangsphase. Das heißt, da ist man dann ansteckend, merkt es überhaupt nicht, wie kommt man dann drauf, weil die Symptome so zunehmen, dass man irgendwann einmal doch dahinter kommt?

Ursula Hollenstein Meistens das. Entweder es ist eine Routinekontrolle, was ja gelegentlich nicht schlecht wäre, oder es sind einfach die Symptome, die sich gesteigert haben, sodass man dann doch einmal nach einer Diagnose sucht. Und das ist halt alle, die untherapiert weiter leben und weiter Sex haben, sind die Verbreiter dieser Erkrankung.

Ursula Hollenstein Und wenn sie einerseits unbemerkt ist und andererseits halb oder untherapiert, weil man zwar was genommen hat dagegen, aber es war eben kein wirksames Antibiotikum, dann ist man eben immer noch ansteckend, obwohl man eigentlich glaubt, man hat jetzt eh brav seine Medikamente genommen. Deswegen ist diese Multiresistenz, also das Nicht-Mehr-Ansprechen auf viele gängige Antibiotika ein Riesenproblem.

Martin Puntigam Dann wird es irgendwann einmal neue geben oder andere Behandlungsmethoden oder das ist einer der Keime, der irgendwann einmal nicht mehr behandelbar sein wird?

Ursula Hollenstein Es gibt eine laufende Neuentwicklung von Antibiotika. Es sind jetzt die Geschlechtskrankheiten nicht unbedingt der Fokus der Entwicklung. Das sind meistens auf ganz andere, finanziell lohnendere Felder. Aber nachdem es ein Bakterium ist, das ja mit viel anderem verwandt ist, gehen viele der Antibiotika, die neu entwickelt worden sind, für eine ganz andere Erkrankung auch hier.

Ursula Hollenstein Aber die sind halt, wie gesagt, alle deutlich teurer als die alten Standardtherapien. Teilweise nicht mehr so gut verträglich, das kommt auch dazu. Und nicht überall verfügbar.

Martin Puntigam Lohnendere Gebiete für Medikamentenentwicklung bedeutet, dass halt andere Krankheiten leichter offiziell besprochen werden und die Anamnese nicht so schambehaftet ist, weil die meisten Menschen wollen ja gerne miteinander schlafen, wollen ja Sex haben können. Also insofern wäre das ein sehr lohnendes Geschäftsgebiet, wo ja viele Menschen bereit wären, sehr viel Geld zu zahlen, damit das wieder ohne Krankheitsübertragen funktioniert. Aber weil halt zu wenig darüber gesprochen wird, ist das nach wie vor auch für die Pharmafirma nicht lohnend.

Ursula Hollenstein Zu wenig darüber gesprochen und dann findet ein Großteil dieser Erkrankungen, das darf man nicht vergessen, in Ländern statt, die kaum finanzielle Mittel haben, um neue Substanzen einzukaufen und dann auch der Bevölkerung zur Verfügung zu stellen. Wir haben ein nettes Gesundheitssystem noch, möchte ich vorsichtig sagen, in dem Therapie von der Krankenkasse übernommen wird.

Ursula Hollenstein Das ist bei Gott in den meisten Ländern nicht der Fall. Und wenn man etwas selbst bezahlen muss, ist es für die Leute unfinanzierbar und die meisten Staaten der dritten Welt können sich nicht leisten, moderne Antibiotika im großen Stil einzukaufen und für ihre Leute zur Verfügung zu stellen. Das ist krank daran, dass dann der Absatzmarkt eigentlich nicht groß genug ist.

Martin Puntigam Das heißt, man kann es schon entwickeln, das ist alles lohnend, aber wenn es den entsprechenden Gewinn nicht verspricht, dann gibt es halt die entsprechende Forschung, nicht?

Ursula Hollenstein Ja, durchaus. Und das hat ja lange Jahre geheißen, dass die Geschlechtserkrankungen ohnehin laufend weniger werden, zumindest bei uns, nehmen ab. Das war durchaus auch eine Folge der Aids-Pandemie, weil man da schon sehr viel vorsichtiger geworden ist mit ungeschütztem Sex. Dass sich das jetzt umgekehrt hat und die Tendenz wieder deutlich steigend ist, das hat noch nicht zu einer vermehrten Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet.

Martin Puntigam Und dann zu einer vermehrten öffentlichen Wahrnehmung und Diskussion. Syphilis war ja eine der großen Krankheiten Anfang des 20. Jahrhunderts, noch Ende des 19. Jahrhunderts. Schubert wird nachgesagt, dass er an Syphilis verstorben sei. Nietzsche soll wahnsinnig geworden sein in den späten Jahren seines Lebens aufgrund einer Syphiliserkrankung.

Martin Puntigam Wenn man sie vor Augen hält, wie die Krankheit verläuft, dann ist es ja da besonders dramatisch, dass die wieder im Kommen ist.

Ursula Hollenstein Ja, die war eigentlich wirklich ein historisches Ding. Eine der großen Seuchen der Menschheit, keine Frage. Und es gibt unglaublich viele historische Persönlichkeiten, die entweder relativ gut belegt oder zumindest gut unterstellt an so vieles gelitten haben oder daran verstorben sind. Und das ist jetzt eine, die sich weit außerhalb der Geschlechtsorgane manifestiert.

Ursula Hollenstein Das ist eine Erkrankung, die in Stadien verläuft. Das erste Stadium, das ist der gute alte harte Schanker, hat das früher geheißen, ist einfach ein Geschwür, das an der Stelle des Eintritts des Bakteriums entsteht, entweder am Penis beim Mann oder bei der Frau eben leider meistens irgendwo in der Vagina, wo es nicht entdeckt wird oder am Muttermund.

Ursula Hollenstein Und dieser harte Schanker ist Stadium 1, der dann auch sehr ansteckend ist. Also in diesem Geschwür sind sehr, sehr viele Bakterien enthalten und dadurch leicht übertragbar. Und dann gibt es ein zweites Stadium, wo das Bakterium tatsächlich den Körper überschwemmt, also im ganzen Körper sich verbreitet.

Ursula Hollenstein Begleitet oft von einem Hautausschlag, den man nicht so richtig wahrnimmt, kann so ein kleinfleckiger, nicht sonderlich auffälliger Hautausschlag sein. Und dann gibt es das ganz gefürchtete dritte Stadium, das vor allem als Neurosyphilis, nämlich als Befall des zentralen Nervensystems, insbesondere des Gehirns, zu Ruhm gekommen ist.

Ursula Hollenstein Da macht es wirklich große, raumfordernde, nicht mehr Geschwüre, sondern, es sind eigentlich Geschwüre, aber in großer Kugelform, die natürlich Gewebe verdrängen und dem Gehirn extrem schaden. Und das führt dann definitiv auch zu Verhaltensveränderungen und kann tödlich verlaufen. Da kann man sich teilweise in den historischen, medizinhistorischen Museen Präparate anschauen, wie so ein Gehirn mit einem Syphilisbefall aussieht.

Ursula Hollenstein Das ist nicht etwas, was man unbedingt erleben möchte.

Martin Puntigam Und das ist dann schon die dritte Stufe?

Ursula Hollenstein Das ist Stadium 3, ja.

Martin Puntigam Und das ist dann schon unheilbar, wenn es einmal so weit fortgeschritten ist.

Ursula Hollenstein Oder? Ja, es ist ganz generell so, dass alle Medikamente und insbesondere auch Antibiotika sehr schlecht ins Gehirn hineinkommen. Wir haben etwas, das nennt sich Blut-Hirn-Schranke und das soll das Gehirn eigentlich schützen, damit nicht alles, was sich im Blut herumtummelt, leicht Zugang zu unserem Gehirn findet.

Ursula Hollenstein Dadurch werden Bakterien oft abgehalten, es werden viele schädliche Stoffe abgehalten, es werden aber auch Medikamente abgehalten und dringen nicht sehr leicht ins Gehirngewebe ein und dadurch kann man etwas, was dort sich einmal groß festgesetzt hat, Oft nicht mehr sehr gut behandelt.

Martin Puntigam Was ist jetzt, wenn das Wort gefallen ist, ein Schanker? Man kennt die Schanker, also ein Wirtshaus, damit hat das aber nichts zu tun. Und es gibt ja nicht nur einen harten, sondern auch einen weichen Schanker. Was ist denn da der Unterschied?

Ursula Hollenstein Das sind einfach zwei völlig unterschiedliche Erkrankungen. Beide machen eben ein Geschwür als erste Manifestation, das man dann eben sieht.

Martin Puntigam Das ist das Wort Schanker.

Ursula Hollenstein Das ist der Schanker. Und der ist auf der einen Seite bei der Syphilis eher mit einem harten Rand und bei der anderen Erkrankung ist es eher ein weicher Rand. Das ist der einzige Unterschied. Es gibt ja die unterschiedlichsten Namen für die Syphilis. Die Loues ist aus dem Griechischen der Begriff, aber dann gibt es so Sachen wie Lustseuche, was ich besonders nett finde.

Ursula Hollenstein Und historisch hat man es dann immer dem Feind angehängt. Also man hat immer gedacht, der andere ist dafür zuständig, dass das groß verbreitet wird. Große Teile der Welt nannten es französische Krankheit, weil man denen natürlich eine besondere Neigung zum Geschlechtsverkehr zugeordnet hat. Die Franzosen selber hängen es den Italienern um.

Ursula Hollenstein Also das hat alle möglichen Namen bekommen im Laufe der Geschichte.

Martin Puntigam So wie die spanische Krippe.

Ursula Hollenstein Ja ganz viele Namen. Je nachdem, wer gerade der Gegner war. Ja, prinzipiell ist sie im ersten Stadium und auch noch im zweiten gut behandelbar mit dem guten alten Penicillin und da hat sich Gott sei Dank auch nicht sehr viel an Resistenzentwicklung getan. Man hatte eigentlich das Gefühl, dass die Krankheit nicht mehr wirklich vorkommt und die hat jetzt tatsächlich eine Renaissance und nimmt in allen Ländern, die einigermaßen ein Meldesystem haben, tatsächlich wieder zu.

Martin Puntigam Also auch in Österreich, nehme ich an. Wo kommt das dann her? Durch die Reisefreudigkeit der Menschen und wie sie sie im Urlaub oder auf Außendiensten, Betriebsreisen benehmen?

Ursula Hollenstein Ja, meine Reisetätigkeit führt sicher dazu, dass einfach Dinge, die sich irgendwo noch gehalten haben, irgendwo häufiger sind, wieder zurückkommen in Gegenden, die eigentlich gedacht hätten, dass sie das schon los sind. Die Aufmerksamkeit ist einfach nicht groß gewesen in den letzten Jahren.

Martin Puntigam Ja, weil eben das so... Historische Erzählung ist Syphiliser Krankheit, die es Anfang des 20. Jahrhunderts noch gegeben hat, aber irgendwann einmal mit der Erfindung der Antibiotika sei das dann erledigt gewesen. Und es gibt da für all diese Krankheiten, die wir jetzt besprochen haben, Tripper, Syphilis, Chlamydien, sind ja bakterielle Erkrankungen, gibt es entsprechend auch keine Impfung, oder?

Ursula Hollenstein Es gibt schon Impfungen, die gegen Bakterien gerichtet sind, aber es ist ein bisschen schwieriger, als bei Viren einen Impfstoff zu erzeugen. Und für diese drei genannten gibt es nichts. Auch nichts mehr, das wissen Sie in der Pipeline, was da kommt.

Martin Puntigam Weil man es im Nachhinein ganz gut behandeln kann und gar nicht so gern darüber redet. Und im gesellschaftlichen Backlash sowieso sagt, die Leute sollen braver sein oder halt wohlhabend sein und nur im Hinterzimmer mit dem Arzt und der Ärztin darüber reden.

Ursula Hollenstein Ja, da hat ja die katholische Kirche einiges an Lösungen zu bieten für all die Probleme, die wir heute besprechen. Das müsste es eigentlich alles gar nicht geben. Genauso wie ungewollte Schwangerschaften nicht.

Martin Puntigam Naja, Lösungen, Vorschläge.

Ursula Hollenstein Vorschläge.

Martin Puntigam Aber es gibt natürlich auch Überträger, virale Überträger und über eine Erkrankung, die durch Viren übertragen wird, haben wir schon öfter gearbeitet.

Ursula Hollenstein Erregt, nicht übertragen. Die Krankheit wird vom Virus erzeugt oder verursacht, übertragen, tut es entweder, wenn es irgendein anderes Ding ist, die Mücke, den Krankheitserreger, oder wir beim Gehirn.

Martin Puntigam Oder wir selber. Das heißt, das Virus ist eigentlich nur das Photon, das ist nur das Trägerteilchen, um irgendeine Energie zu übertragen, aber man ist selber dafür verantwortlich. Das heißt, die Krankheit wird vom Menschen in dem Fall übertragen und ausgelöst.

Ursula Hollenstein Aber verursacht durch das Virus.

Martin Puntigam Dass wir das auch geklärt haben. Wir haben öfter schon über HPV geredet. HPV, da gibt es zum Glück jetzt eine sehr gute Impfung und die ist in Österreich zumindest, ich weiß nicht, wie es in anderen Ländern ist, bis 30 jetzt gratis, was günstig ist, weil es ja jederzeit sinnvoll ist, dagegen zu impfen.

Martin Puntigam Das haben wir schon in einer Podcast-Folge besprochen, und zwar Ausgabe 54 war das, live vom To the Sky oder TU the Sky, wo wir das erste Mal Live-Podcast gemacht haben, anlässlich 50 Folgen-Podcast, so wie wir das demnächst machen werden im Literaturhaus Graz, anlässlich 100 Folgen-Podcast. Und im Fernsehen haben wir unter dem schönen Titel Schleich dich Feigwarze mal eine Sendung über unter anderem HPV gemacht und ein langes Kapitel in unserem aktuellen Buch, Wissenschaft ist das, was auch dann gilt, wenn man nicht dran glaubt, behandelt HPV.

Martin Puntigam Da kann man schon den Namen gehört haben, Humanis Papilloma Virus, aber was genau ist denn das und warum weiß man, dass die Impfung so gut hilft?

Ursula Hollenstein Es ist nicht eines, sondern sehr viele Papillomaviren, die es gibt. Den Namen Papillomavirus hat es bekommen, weil man es zuerst bemerkt hat in so Hautwucherungen, so warzenähnlichen Dingen. Auch dafür sind manche Papillomaviren zuständig. Dadurch hat es diesen Namen bekommen. Und da gibt es eben unterschiedliche Typen von Papillomaviren.

Ursula Hollenstein Und ein großer Teil davon, das sind 50 und mehr, können beim Menschen eben Erkrankungen machen, die uns nicht nur wegen der Infektion eine Sorge bereiten, sondern weil sie Vorläufer von Krebserkrankungen sein können. Also das ist ein Virus, das wenn es schafft, sich im Körper festzusetzen, und das kann es eben immer wieder, dass es dann die Zelle, in der es wohnt und sitzt, über Jahre so verändert, dass es sich in eine bösartige Tumorzelle verwandelt.

Ursula Hollenstein Und ist eben der Haupt, eigentlich die Ursache für das Gebärmutterhalskarzinom der Frau. Das war das, wo man es auch gefunden hat und wo man den Zusammenhang erstmals wirklich bewiesen und definiert hat. Und je mehr man sich dann damit befasst hat, umso mehr hat man gesehen, das Virus kann noch viel mehr und kann für viele andere Tumorarten ebenfalls zuständig und verursachend sein.

Ursula Hollenstein Das sind alles etwas seltene Tumore, darum hat es länger gedauert, bis man da den Zusammenhang gefunden hat, aber nicht weniger scheußlich.

Martin Puntigam Da hat man unter anderem daran festmachen können, dass Nonnen das wesentlich seltener oder gar nie entwickelt haben im Vergleich zu Frauen.

Ursula Hollenstein Die Geschlechtsverkehr gehabt haben. Das war der Anfang der Beobachtung, wo irgendein Wifferarzt einfach gesehen hat, dass diese Tumorart, die ja eine sehr häufige ist bei der Frau, bei Nonnen praktisch nicht vorkommt und sich dann Gedanken gemacht hat, was dahinter stecken könnte neben dem Segen des Herrn. und draufgekommen ist, dass...

Martin Puntigam Und der Segen des Herrn in den Klöstern kann ja was anderes auch bedeuten, dann haben sie es vielleicht doch.

Ursula Hollenstein Dann haben sie es vielleicht doch. Aber da kam dann die Idee auf und die Suche nach dem Zusammenhang und das hat sich dann über die Jahre und Jahrzehnte mit modernen Methoden beweisen lassen, weil man auch das Genom des Virus in den Tumorzellen tatsächlich nachweisen kann. Der Zusammenhang ist jetzt außer in manchen Telegram-Gruppen wirklich unbestritten.

Ursula Hollenstein Also da gibt es keine Fragen mehr, dass das zusammenhängt und dass das verursachend ist. Und weil du gefragt hast, wie man weiß, dass die Impfung wirkt, da gibt es wunderschöne Real-Life-Daten, wie man so schön sagt. Also aus dem wirklichen Leben gegriffen, dass einfach in den Ländern, die jetzt schon seit langem sehr konsequent impfen, diese Tumorraten bereits massiv zurückgehen.

Martin Puntigam Das Heikle an dieser Impfung ist ja, also es ist ja fantastisch, dass es eine Impfung gibt, die zumindest indirekt Krebs verhindern kann. Also das war, glaube ich, das erste Mal meines Wissens, dass das gelungen ist.

Ursula Hollenstein Ja, auf Umwegen, wenn man es herbeiziehen will, dann ist eigentlich auch die Hepatitis-Impfung eine Impfung gegen Krebs, weil eine chronische Hepatitis-Infektion auch zu Leberkrebs führen kann. Deutlich seltener, der Zusammenhang ist nicht so direkt wie bei der HPV. Aber das wäre theoretisch die erste Impfung gegen Krebs gewesen.

Martin Puntigam Das Heikle aber an der HPV-Impfung ist, dass sie am besten wirkt, wenn sie sehr früh gegeben wird. Und einer der vielen Einwände, die du gebracht hast aus deiner klinischen Praxis, ist, dass die Eltern das nicht wollen, dass die Kinder geimpft werden gegen HPV, weil dann sind sie ja geschützt und die jungen Jugendlichen lassen sie dann sexuell gehen.

Martin Puntigam Und da sind die Eltern eher dafür, dass die Kinder nicht geschützt sind vor dieser potenziellen Krebserkrankung, weil dann werden sie zu sorglos und zu lüstern.

Ursula Hollenstein So argumentieren sie es natürlich nicht, aber es ist die bösartige Interpretation der Tatsache, dass Eltern wirklich sehr oft versuchen, das Thema Impfung und HPV von ihren Kindern fernzuhalten, weil sie glauben, dass die erst dadurch auf die Idee kommen, was eine abstruse elterliche Vorstellung ist.

Ursula Hollenstein Aber es ist nun mal so, dass sich Eltern ihre Kinder ganz schlecht beim Sex vorstellen können. Können Eltern Kindern übrigens umgekehrt auch ganz schlecht. Und diese, ich kann mir es nicht vorstellen, dass mein Kind schon Sex hat, führt dazu, dass man das Thema einfach einmal wegschiebt und nicht möchte, dass man quasi, weil man mit dem Kind impfen geht gegen eine Geschlechtskrankheit, blöde Ideen in den Kinderkopf hineinbringt.

Ursula Hollenstein Dass das so nicht funktioniert, da muss man einfach immer wieder betonen. Und es ist eine, jeder Geschlechtsverkehr kann HPV übertragen und es ist tatsächlich so, dass in den ersten 10, 15 Jahren der sexuellen Aktivität der Hauptteil der HPV-Infektionen stattfindet. Und deswegen ist es, und weil die Impfung nur vorbeugen kann, sie kann nichts Bestehendes behandeln, wäre es ebenso wichtig, möglichst sogar vor dem ersten Geschlechtsverkehr zu impfen.

Ursula Hollenstein Und das ist halt ein Alter, in dem die Eltern die Entscheidung treffen, ob geimpft wird oder nicht. Und das war gerade am Anfang eine wirklich ganz schwierige Geschichte.

Martin Puntigam Weil man dann mit den Kindern darüber reden muss, was sie denn für Impfung bekommen und dann wohin gehen muss und schambehaftetes Thema in der Koordination besprechen muss. Aber das hat offensichtlich gut funktioniert. Und glaube ich wiederum in den skandinavischen Ländern und Australien, wenn ich es richtig in Erinnerung habe, Es gibt schon sehr lange Impfprogramme, die dazu führen, dass nicht nur Mädchen und dann später natürlich Frauen vor HPV gut geschützt sind und den entsprechenden Krebserkrankungen, sondern Menschen.

Martin Puntigam Man impft ja auch Buben, die dann Männer werden, aber die Buben sind auch dadurch schon gut geschützt, dass die Mädchen geimpft sind. Er wird das richtig in Erinnerung.

Ursula Hollenstein Herdeneffekt lässt grüßen. Den Vorteil haben wir, dass unterschiedliche Länder unterschiedliche Strategien entwickelt haben, auch ein bisschen auf der Basis, was kann ich mir leisten oder wie kriege ich für das Geld, das ich für Impfungen ausgebe, den besten Benefit zurück. Manche Länder haben sich entschieden, Buben und Mädchen zu impfen.

Ursula Hollenstein Und manche, wie die Australier am Anfang, haben eben gesagt, das genügt, wenn wir die Mädchen impfen. Und dadurch haben wir quasi einen Ländervergleich, wie funktioniert was. Und bei den Australiern hat man sehr rasch gesehen, dass die Erkrankungshäufigkeit auch bei den ungeimpften Buben abnimmt, derselben Altersgruppe in etwa.

Ursula Hollenstein Und dadurch einfach, dass bei den Mädchen weniger Infektionen sind, also übertragen sie es nicht, also gibt es automatisch auch bei den GeschlechtspartnerInnen weniger. Infektionen. Und das hat gut funktioniert. Schneller geht es natürlich für eine ganze Generation, wenn man auch die Buben direkt impft.

Martin Puntigam Aber es ist sinnvoll zu jeder Lebenszeit, weil wir beide sind ja nicht mehr ganz jung. Das heißt, wir werden HPV haben wahrscheinlich. Das ist halt zum Glück nicht ausgebrochen und keine Tumorzellen entwickeln lassen. Aber man kann sie jederzeit mit HPV infizieren und deshalb ist die Impfung bis 30 in Österreich aktuell, also man muss schauen, welche Regierung da ins Amt kommt und wie inkompetent die dann tatsächlich sein werden, ob es so schlimm kommt, wie man es befürchtet oder noch schlimmer, aber das ist ja deshalb so lang gratis, damit wirklich junge, erwachsene Menschen das in die eigene Hand nehmen können, weil da müssen die Eltern nichts mehr mitentscheiden, dann kann es niemand mehr verbieten,

Martin Puntigam aber es ist eben jederzeit möglich, sie noch zu infizieren und dadurch hilft die Impfung später auch noch?

Ursula Hollenstein Ja, also wir haben es sicher beide gehabt. Es ist ja der natürliche Verlauf der Infektion ist ja so, dass das Virus sich in den Schleimhäuten einnistet, dort eine Zeit lang möglichst unerkannt als U-Boot lebt und dann aber irgendwann von unserem Immunsystem doch erkannt wird und rausgeschmissen wird.

Ursula Hollenstein Nach ein paar Wochen, Monaten ist ein Großteil der HPV-Infektionen wieder weg. Bis auf die Paar, die es eben schaffen, sich so fix in den untersten Zellen der Schleimhaut einzunisten, dass sie dort nicht mehr erkannt werden und nicht mehr abgewehrt werden. Machen dann Böses. Anstecken kann man sich, solange man sexuell aktiv ist.

Ursula Hollenstein Das ist überhaupt keine Frage. Und die Tatsache, dass eben ein Großteil der Infektionen in den ersten 20, 30 Lebensjahren passiert, ist einfach, weil man dort schon üblicherweise erstens sexuell aktiver ist als später und auch mit verschiedenen Partnern. Und man wird einfach ruhiger über die Jahre, meistens.

Ursula Hollenstein Aber eine Anstechungswahrscheinlichkeit habe ich immer, sobald ich Geschlechtsverkehr habe. Also es gibt keine wirkliche Obergrenze, wann die Impfung keinen Sinn mehr macht. Man kann vielleicht sagen mit 80, weil ich dann den Tumor, den ich mir vielleicht um die Zeit hole, nicht mehr erleben werde. Aber ansonsten liegt es nicht am Alter, sondern an den Lebensumständen, ob die Impfung Sinn macht oder nicht.

Martin Puntigam Das heißt, wer jetzt heranwachsende Kinder zu Hause hat, soll mit ihnen darüber reden und schauen, dass sie möglichst bald die Impfung bekommen, bevor man selber glaubt, dass sie das erste Mal daran denken könnten, Geschlechtsverkehr zu haben. Wir verlinken auch gern die Podcast-Folge 54 und die Fernsehsendung Schleich dich Feigwarze in den Shownotes und kommen jetzt zur wahrscheinlich populärsten Viruserkrankung in dem Themenkreis, nämlich zu Herpes.

Martin Puntigam Das hat ja Ausblühungen aus Fieberblase und ist deshalb tatsächlich schon lange im Gespräch. HSV ist da die Abkürzung. Das freut natürlich viele St. Pauli-Fans. Aber man muss sagen, HSV ist wirklich weltweit in der obersten Liga erfolgreich, nicht nur in der zweiten Fußball-Bundesliga in Deutschland.

Martin Puntigam Was macht denn Herpes so erfolgreich?

Ursula Hollenstein Es gibt eine ganze Gruppe von Herpesviren und das HSV ist eben Herpes-Simplex-Virus, deswegen das S. Und das gibt es in zwei Untertypen. Das eine ist Herpes-Simplex-Typ 1 praktischerweise. Das ist das, was wir als Fieberblasen bezeichnen. Das sind meistens Bläschen rund um die Lippen, kann in der Nase sein, wenn man Pech hat, ist es auch irgendwo anders im Gesicht.

Ursula Hollenstein Und dann gibt es Herpes-Simplex Typ 2, sehr nah verwandt, macht ähnliche Bläschen, aber eben in der unteren Körperhälfte im Bereich der Schleimhäute des Geschlechtstraktes. Tut genauso weh wie die Fieberlasen oben und das Gemeine an Herpesviren generell, auch die anderen, die da noch dazugehören. Ist, dass die, wenn sie nach der akuten Infektion vom Immunsystem einigermaßen bekämpft werden und sich zurückziehen, üblicherweise sind Krankheitserreger nach der akuten Infektion aus dem Körper wieder draußen.

Ursula Hollenstein Die hier ziehen sich einfach in Zellen zurück, und zwar in Zellen des Nervensystems, in sogenannte Ganglianzellen in der Nähe der Wirbelsäule, und können in diesen Ganglianzellen umsetzen. Quasi unerkannt bleiben, werden vom Immunsystem dort auch nicht bekämpft, werden nicht erkannt dort und aus diesem Reservoir kann es jederzeit zu einem Rückfall kommen.

Ursula Hollenstein Das heißt, die erneute Herpes-Simplex-Infektion ist dann nicht eine Infektion, die ich von außen kriege, sondern ist eine Reaktivierung dessen, was ich eh schon im Körper trage. Und das passiert halt meistens, wenn das Immunsystem, diese behafteten Viruszellen durch zelluläre Immunität einigermaßen in Schach hält.

Ursula Hollenstein Wenn das schwächer wird, sei es durch Stress oder viel Sonnenbestrahlung kann es auch machen. Das kennen alle, die unter Fieberblasen leiden, Medikamente, die das Immunsystem schwächen. All das kann dazu führen, dass es wieder einen Rückfall von einer Herpes-Attacke gibt.

Martin Puntigam Jetzt haben wir fast alle Menschen Herpes, die Art und Weise, wie man es bekommt, darauf kommen wir gleich, aber nicht alle Menschen entwickeln Fieberblasen. Also mit großer Wahrscheinlichkeit habe ich das Herpesvirus in mir, aber ich kriege nie Fieberblasen, sondern das, was man in meiner Kindheit Mund-Ecken genannt hat.

Martin Puntigam Also da werden halt die Mundwinkel so ein bisschen brüchig, es entwickeln sich keine Blasen, es kann trotzdem unangenehm und schmerzhaft sein, aber das ist so eine andere Ausprägung oder die Fingerspitzen werden so papieren und brüchiger. Das macht Herpes auch und das subsummiert man halt gemeinhin als Fieberblasenausbruch.

Ursula Hollenstein Also es gibt eine ganze Menge von Menschen, die das Virus sicher in sich tragen, aber noch nie Fieberblasen hatten. Oder vielleicht einmal damals, als sie sich primär angesteckt haben, aber nie ein Rezidiver leiden. Das ist eines der großen Rätsel der Medizin. Keine Ahnung, warum die eine bessere zelluläre Immunität haben, die das Ganze in Schach hält.

Martin Puntigam Da hat man Glück, wenn man so etwas sagt.

Ursula Hollenstein Das kann man durchaus unter Glück subsumieren. Dasselbe gilt ja auch für den dritten Teil der Herpes-Familie, das Virus, das die Feuchtblattern oder Windpocken macht. Das ist auch ein Herpes-Zoster-Virus, Lovaricella-Zoster-Virus. Und auch das bleibt dann, nachdem man die Feuchtplatten durchgemacht hat in den Ganglianzellen.

Ursula Hollenstein Und wir haben alle, in unserer Generation hat jeder die Feuchtplatten durchgemacht. Das gibt es fast nicht anders, weil das so hoch ansteckend ist, dass man es gar nicht geschafft hat, erwachsen zu werden, ohne es nicht irgendwann gehabt zu haben. Das heißt, wir haben es alle sitzen, trotzdem kriegt nur etwa ein Drittel, was eh verdammt viel ist, aber nur etwa ein Drittel dieser Besiedelten, quasi in Anführungszeichen, irgendwann im Leben eine Gürtelrose, Also die dann eben das Rezidiv dieser Bindbockenerkrankung oder Feuchtblattenerkrankung ist.

Martin Puntigam Auch dagegen gibt es ja mittlerweile eine Impfung. Reden wir gleich drüber. Sprechen wir aber zuerst noch drüber, wie man das bekommt. Wir reden heute über STD, über sexuell, über tragbare Krankheiten. Aber Herpes kriegt man eigentlich nicht durch Sex in erster Linie, oder?

Ursula Hollenstein Also den Herpes Typ 1, die klassischen Fieberblasen, das geht einfach durch Küssen, durch engen Kontakt, durch Speichelkontakt, was auch immer.

Martin Puntigam Aber das kriegt man schon im Wesentlichen durch die Eltern, oder? Als Kind.

Ursula Hollenstein Ja, natürlich. Ich hoffe, dass Eltern engen Kontakt zu ihren Kindern haben. Und jemand, der eben gerade infektiös ist, kann das natürlich weitergeben. Das ist so häufig, dass man es kaum vermeiden kann, dass man irgendwann Kontakt hat.

Martin Puntigam Das heißt, lang bevor man in die Pubertät einbiegt, hat man das schon.

Ursula Hollenstein Aber Herpes-Typ 2, also Herpes-Simplex-Typ 2, das ist schon eine primär sexuell übertragene Erkrankung. Das sind ja zwei unterschiedliche Viren, auch wenn Sie ein ganz ähnliches Krankheitsbild machen, aber eben auf verschiedene Schleimhauttypen spezialisiert.

Martin Puntigam Und die Gürtelrose ist dann wieder ganz was anderes und die hat einen sehr harmlosen, poetischen Namen, die Gürtelrose. Es klingt fast ein bisschen schön, der Frühling kommt, es blühen die Gürtelrosen, aber es ist eine sehr schmerzhafte Krankheit.

Ursula Hollenstein Es ist eine sehr, sehr ekelhafte Erkrankung. Es gibt einerseits den Hautausschlag, das das Klassische ist, an dem man es auch erkennt. Der ist jetzt lästig und kann wehtun. Wenn er das Gesicht betrifft, das Auge mit betrifft, dann kann er auch bedrohlich sein. Da kann also auch der Ausschlag selber wirklich Schäden anrichten.

Ursula Hollenstein Ansonsten sind es vor allem die Schmerzen, die bei dieser Erkrankung so im Vordergrund stehen. Weil das Virus eben über Nervenzellen herunterwandert, macht es extreme neuralgische Schmerzen, also Nervenschmerzen. Und die gehören zu den schlimmsten, weil sie kaum therapierbar sind, also auf die normalen Schmerzmittel ganz schlecht bis gar nicht ansprechen und noch weit über die akute Phase dieser Gürtelrose hinaus andauern können.

Ursula Hollenstein Es gibt Leute, die haben monatelang und manchmal sogar jahrelang nach der abgeheilten Gürtelrose immer noch massive Schmerzen.

Martin Puntigam Erzählungen gibt es auch, dass Leute tatsächlich nicht mehr ordentlich sprechen können, die Mobilität einbüßen, wenn sie Gürtelrose gehabt haben. Das kann ein Symptom sein oder da treffen dann schon mehrere Krankheiten aufeinander, die sie gegenseitig bedingen.

Ursula Hollenstein Ich glaube, da kommt mehr zusammen, weil an und für sich Nerven schädigen in dem Sinne von Lähmungen oder Gangstörungen, sind mir jetzt nicht bekannt. Was ist primär der Schmerz?

Martin Puntigam Weil das schlecht therapierbar ist, ist es umso bessere Nachricht, dass es da mittlerweile eine Vorsorgeimpfung gibt, die man sich holen kann, aber auch nur, wenn man es sich leisten kann.

Ursula Hollenstein Ja, das ist leider ein sehr, sehr teures Präparat. Es ist der zweite Impfstoff, den wir haben. Der erste war vor 20 Jahren zugelassen und hat schon eine Neuerung gebracht, war gar nicht schlecht in der Wirksamkeit, hatte zwei Riesenprobleme. Einerseits, je älter die Person war, die man geimpft hat, umso schlechter hat er gewirkt.

Ursula Hollenstein Und nachdem die Gürtelrose ja umso wahrscheinlicher ist, je älter man ist, war das keine gute Nachricht. Und dann hat die Wirkung auch relativ nasch nachgelassen. Man hat dann ein bisschen nachverfolgt die Leute, die in den Studien geimpft worden sind und hat nach acht Jahren schon eine nicht mehr nachweisbare Wirkung gehabt.

Ursula Hollenstein Darum ist man umso begeisterter, dass es jetzt seit einigen Jahren einen neuen Impfstoff gibt, der um vieles besser funktioniert, der erstens diese altersabhängige schlechte Wirkung nicht mehr hat, also der funktioniert beim 80-Jährigen genauso gut wie beim 60-Jährigen und es gibt jetzt schon sehr gute Langzeitdaten von weit über zehn Jahren, bei denen eigentlich noch keine nachlassende Wirkung zu sehen ist.

Ursula Hollenstein Also der scheint jetzt wirklich sehr gut zu sein, aber gut heißt fast immer heutzutage Tau.

Martin Puntigam Und teuer heißt was circa?

Ursula Hollenstein Ja, um die 250 Euro, 240 Euro und dann braucht man auch noch zwei Dosen davon.

Martin Puntigam Das heißt, 500 Euro muss man rechnen, dann ist man gegen Gürtelrose immunisiert. Da kann man schon einmal, wenn man jetzt Mitte 40 ist, anfangen zu sparen. Ein bisschen ansparen. Sparschwein auf die Seite legen und immer ein paar Euro reinwerfen und wenn es dann soweit ist. Ab wann soll man denn beginnen, sich Gedanken zu machen, die Impfung gegen Gürtelrose, Also Herpes Zoster, Sie zu holen, wie lange muss man da hinsparen?

Martin Puntigam Ist das schon für 40-Jährige interessant oder erst ab 60 oder erst ab Mitte 60, 70?

Ursula Hollenstein Die Empfehlungen sind international ein bisschen unterschiedlich. Manche Länder haben es ab 60 in ihren nationalen Empfehlungen drinnen. In Österreich wurde sogar ab 50 schon in den Impfplan hineingeschrieben. Im Endeffekt ist das eine statistische Überlegung. Die Erkrankung wird immer häufiger, je älter die Menschen werden.

Ursula Hollenstein Und dann ist halt die Frage, wo zieht man die Linie und wo sagt man, ab jetzt macht es Sinn. Es gibt natürlich den 40-Jährigen mit der Gürtelrose, keine Frage. Aber das Gro der Erkrankung sieht man einfach bei den Älteren und sehr Alten. Also ich denke, ab 50 ist ambitioniert, ab 60 macht es dann definitiv Sinn, das zu impfen.

Martin Puntigam Und dann hat man seit langem gehört, dass andere Impfungen Gürtelrose befeuern können. Das stimmt?

Ursula Hollenstein Es ist viel diskutiert worden rund um Covid, kam das ganz massiv auf, wie fast alles auf die Covid-Impfung geschoben worden ist. Und es gab dann ein oder zwei Studien, die auch geglaubt haben, eine Häufung zu sehen. Es hat sich dann in größeren Untersuchungen eigentlich nicht mehr wirklich nachweisen lassen.

Ursula Hollenstein Theoretisch wäre es schon denkbar, weil jede Form von Stress für den Körper, jede Form von, auch eine Infektion, die man durchmacht, kann das Risiko einer Gürtelrose erhöhen, weil einfach das Immunsystem kurzfristig geschwächt wird. Eigentlich wird bei einer Impfung das Immunsystem nicht geschwächt, sondern punktuell beschäftigt.

Ursula Hollenstein Aber es wäre zumindest eine Idee gewesen, wenn jemand jetzt mal ordentliche Nebenwirkungen von einer Impfung hat, dass das vielleicht ist der Gürtelrose leichter machen kann. Aber zahlenmäßig belegbar war das nie.

Martin Puntigam Das ist eine der vielen Pandemie-Erzählungen. Damit wir das Stichwort für die nächste Erkrankung haben, nämlich HIV. Wenn man heute nach der überstandenen Pandemie, es ist noch immer Epidemie, Covid, über die vorangegangene Pandemie redet, redet man meistens über die spanische Grippe. Aber in den 80er Jahren hat HIV Fahrt aufgenommen und das war tatsächlich auch eine Pandemie, an der sehr viele Millionen Menschen gestorben sind.

Martin Puntigam Und heutzutage hat man aber eher den Eindruck, dass kaum noch darüber geredet wird. Es gibt auch gute Medikamente. Ab und zu liest man, es gibt Behandlungen. Ich glaube, es ist sogar Impfung. Wenn man die einmal im Jahr kriegt, dann kann man sie überhaupt nicht mehr anstecken. Das heißt, ist HIV tatsächlich verschwunden?

Ursula Hollenstein Nein, es ist bei Gott nicht verschwunden. Es ist aus der Sichtbarkeit gedrängt, schon auch dadurch, dass es in unseren Breiten wirklich gute Medikamente gibt. Es war lange Jahre, erstens eine rasante Entwicklung von Medikamenten und zweitens dann wirklich sehr schnell sehr wirksame Medikamente verfügbar, sodass dann ein paar Jahre später der Fokus der ganzen Entwicklung schon darauf gelegen ist, die besser verträglich und leichter einzunehmen zu machen und gar nicht mehr so sehr Wirksamkeit. Wirksamkeit, weil die hatte man eh.

Ursula Hollenstein Und inzwischen sind die relativ gut in ein normales Leben integrierbar. Früher war das wirklich ganz am Anfang, waren das Therapien, die haben den Lebensrhythmus bestimmt, wenn man sie alle paar Stunden nehmen musste und kombinieren. Und jetzt sind das relativ simpel einzunehmende Kombinationsprodukte, die man halt so nimmt, wie man auch einen Magenschutz oder ein Blutmedikament nimmt und die wirklich hervorragend wirken.

Ursula Hollenstein Und dadurch ist es zu einem Zustand geworden, aber nicht mehr zu einer Erkrankung, die man fürchtet, was für die Betroffenen toll ist, für die Erkrankung, ihre Verbreitung und die Vorsicht davor eigentlich eine Katastrophe. Und diese Medikamente sind natürlich wieder Medikamente der reichen Nationen und nicht der Armen.

Martin Puntigam Und Impfung gibt es eben keine, weil HIV ist ja ein humanes Immuninsuffizienz-Virus. Das heißt, da wird das Immunsystem ja unterdrückt. Also das, was man eigentlich mit einer Impfung befeuern möchte, wird ja gleichzeitig behindert dran.

Ursula Hollenstein Es befällt genau die Zellen, die man brauchen würde für einen wirksamen Impfschutz. Vorbeugend gibt es inzwischen diese PrEP-Medikamente, die man einfach nimmt, bevor man Sex hat. Das funktioniert gut, das machen viele inzwischen. Aber Impfstoffentwicklung ist ganz, ganz schwierig bei der Erkrankung.

Martin Puntigam Es ist ja AIDS eigentlich, die ausgebrochene Erkrankung, die übers Virus übertragen wird. Gibt es weniger AIDS-Fälle weltweit durch die Medikamente, die es gibt oder ist es auch wieder erste, zweite, dritte Weltangelegenheit?

Ursula Hollenstein Das ist sehr unterschiedlich, wobei auch in den ärmeren Ländern die Tatsache, dass man die Übertragung von der infizierten Mutter aufs Kind versucht hat zu unterbinden, wenn man da wenigstens nur punktuell Medikamente verwenden muss, das ist günstiger, als wenn man jemanden ein Leben lang behandelt. Das hat in vielen Ländern eine deutliche Abnahme der Fallzahlen gebracht, weil einfach in vielen Gebieten einfach wahnsinnig viele Menschen positiv sind und dadurch natürlich die Kinder schon positiv geboren werden.

Ursula Hollenstein Und das hat ganz gut funktioniert, aber in vielen Gegnern ist das weiterhin eine, Epidemie des größten Ausmaßes.

Martin Puntigam Es ist alles andere als verschwunden. In Wien hat es ja lang, oder gibt es glaube ich noch immer das AIDS-Hilfehaus, aber das versucht man dann auch immer umzulebeln, weil das halt so eine Erkrankung ist, von der man den Eindruck hat, dass sie temporär da war. In den 80er Jahren ist das Thema bekannt geworden, groß geworden, beforscht worden.

Martin Puntigam Dann war das viele Jahre ein großes Thema, sind viele Menschen gestorben, Aber jetzt ist es mehr oder weniger wieder verschwunden, aber offensichtlich genauso wie all die Erkrankungen, die wir bislang besprochen haben, ja wieder im Kommen, auch bei uns, oder?

Ursula Hollenstein Ja, es nehmen die Zahlen tatsächlich zu. Es mag eben auch an der verschwindenden Angst vor all diesen Dingen liegen, dass man wieder viel unbesorgter beim Sex ist, viel mehr ungeschützter Sex stattfindet, weil man eben glaubt, das ist eh alles weg oder eh, wenn man es hat, behandelbar. Da hat sich leider an der Vorsicht oder an der Wachsamkeit der Leute sehr viel verändert.

Martin Puntigam Und es ist auch besser behandelbar, aber eben bis zu einem gewissen Grad, weil die Krankheit kann ja trotzdem ausbrechen oder kann man das so weit vorbeugen, dass die Krankheit gar nicht mehr ausbrechen kann, was man ja auch ab und zu liest?

Ursula Hollenstein Also ganz übers Leben gesagt, da fehlen uns immer noch die Langzeitdaten, aber es sieht schon im Augenblick so aus, als ob man das ein Leben lang unterdrücken kann. Aber es ist halt ein Unterdrücken. Das Virus wird nie eliminierbar sein. Es wird unter die Nachweisgrenze gedrückt und dann ist es halt schwierig zu beweisen, ist das ganz weg oder ist es eben nur mit unseren Messmethoden nicht mehr nachweisbar.

Ursula Hollenstein Und je besser die Messmethoden sind, umso mehr wurden frühe Erfolgsnachrichten, dass jemand völlig virusfrei ist, wieder zurückgenommen, weil man es dann doch noch nachweisen konnte. Also es ist bis jetzt schon die Vermutung, dass es nur ein Unterdrücken ist und nicht ein komplettes Eliminieren. Aber vielleicht wird auch das gelingen. Das ist durchaus möglich.

Ursula Hollenstein Das schließe ich nicht aus.

Martin Puntigam Aber es ist vielleicht doch ein Trugschluss zu sagen, ja, dann braucht man nicht so gut aufpassen, weil man kann es eh behandeln. Behandeln heißt, ein Leben lang Medikamente nehmen. Eine weitere Erkrankung, über die du schon kurz gesprochen hast, Hepatitis. Da gibt es in mehreren Ausprägungen. Und Hepatitis B ist das, was man unter Geschlechtskrankheit subsummiert oder kann das A auch?

Ursula Hollenstein Ja, A kann es auch. A kann alles. Aber die eigentliche geschlechtlich übertragbare Erkrankung aus der Hepatitis-Familie ist das Hepatitis B-Virus. Nicht nur, das kann jetzt alles Mögliche, weil das ist ein Virus, das eben nicht nur in den Geschlechtsorganen dann nachweisbar ist, sondern das sich sehr wohl im Blut, in großen Mengen teilweise im Blut findet, die Leber befällt.

Ursula Hollenstein Deswegen kommt ja der Name Hepatitis, das ist die Entzündung der Leber und eben nicht nur in der Leber sitzt, da würde es uns ja nicht stören, weil an die Leber kommen wir schlecht heran, aber eben ständig beim infizierten, chronisch infizierten Menschen ständig auch im Blut nachweisbar ist und dadurch in allem, was Blut irgendwie macht, nämlich auch zum Beispiel die Samenflüssigkeit, in die das Virus übergeht, alles das ist ansteckend.

Ursula Hollenstein Man kann es also sowohl über Geschlechtsverkehr bekommen, als auch über alles, was mit Blut verunreinigt ist. Seien es geteilte Spritzen, sei es Blutkonserven, die nicht gescreent werden. Das wären alles Möglichkeiten, auch außerhalb des Freudenverkehrs zu einem Hepatitis B-Virus zu kommen. Und es ist die Erkrankung, die man immer am ernstesten genommen hat, weil sie eben ein relativ hohes Potenzial hat, chronisch zu werden.

Ursula Hollenstein Und das fürchtet man immer besonders. Und allalong beim chronisch Infizierten dann die Leber einfach zerstört, bis hin zur Leberzirrhose. Und dann gibt es den netten Bruder, der eigentlich gar nicht verwandt ist, der eben nur auch die Leber befällt und deswegen auch Hepatitis heißt. Das ist die Hepatitis A. Das ist eigentlich eine...

Ursula Hollenstein Das ist die gute alte Gelbsucht, so wie es bei uns früher auch gar nicht so selten vorgekommen ist. Da ist man akut krank, man kriegt es über Nahrungsmittel, die verunreinigt sind, über Wasser, über verunreinigte Hände, Oberflächen, sogenannte Schmierinfektion. Wobei, das geht nur dann, wenn diese Oberflächen fäkal verunreinigt sind.

Ursula Hollenstein Also es ist eine sogenannte fäko-orale Infektion, grauslich.

Martin Puntigam Über die haben wir in Ausgabe 97 einmal ausführlicher geredet, wie das denn vonstatten gehen kann, damit man sich fekooral infiziert.

Ursula Hollenstein Und die normale Hepatitis A macht dann einfach eine akute Erkrankung. Da ist man, zuerst hat man Durchfall, dann ist einem schlecht, man hat Fieber und dann wird man quittengelb. Das isst man eine Woche und langsam aber sicher heilt das aus, ohne Folgeerscheinungen. Eine nicht mit chronischen Folgen vergesellschaftete Erkrankung.

Ursula Hollenstein Aber aufgrund ihrer Häufigkeit außerhalb Europas schon etwas, was durchaus ernst zu nehmen ist. Und jetzt ist das eben keine Geschlechtserkrankung, sondern eine feko-oral übertragene eben. Aber weil man beim Geschlechtsverkehr ja allen möglichen Körperstellen des geliebten Menschen sehr nahe kommt, auch wieder mit allen eigenen Körperöffnungen, ist es gar nicht so unmöglich, sich eine Hepatitis A auch im Rahmen von sexuellen Handlungen zu holen.

Ursula Hollenstein Und es gab in Europa immer wieder kleinere Ausbrüche, vor allem in der MSM-Gemeinde.

Martin Puntigam Das ist MSM?

Ursula Hollenstein Men having sex with men. Da gab es so richtige kleine Epidemien, die auch beschrieben worden sind. Und da ist es erst ins Bewusstsein gekommen, dass Hepatitis A auch auf diese Art und Weise übertragbar ist.

Martin Puntigam Also das kann, muss aber nicht über Sex übertragen werden. Hepatitis B, die wesentlich heftigere Erkrankung, kann mittlerweile, hast du schon erwähnt, durch eine Impfung geheilt oder verhindert werden?

Ursula Hollenstein Verhindert. Eine therapeutische Impfung gibt es nicht. Wenn man es schon hat, hat man es. Aber da gibt es Medikamente, die, 50-50 funktionieren, aber die Impfung ist eine echte vorbeugende Impfung, die auch wirklich gut funktioniert. Die gibt es jetzt seit so vielen Jahren, die ist Standardimpfung in fast allen nationalen Impfplänen, war vor vielen Jahren ein Entschluss der WHO, die es ja bald nicht mehr geben wird und so weiter geht in den USA, dass man das eigentlich ausrotten kann.

Ursula Hollenstein Das ist eine Erkrankung, die es nur beim Menschen gibt und all diese Erkrankungen wären prinzipiell ausrottbar, wenn ich alle Menschen davor schütze oder alle behandelt, die es haben. Und viele Länder haben das in ihre Impfpläne übernommen und da sieht man einen ganz traumatischen Rückgang der Erkrankungen.

Martin Puntigam Das heißt, diese verheerende politische Entwicklung, dass, was du jetzt wieder erwähnt, die USA in Form ihres verhaltensoriginellen Präsidenten beschließt, aus der Weltgesundheitsorganisation auszutreten und Rechtsradikale auf der ganzen Welt, wie ja in Österreich, finden das eine gute Idee und wollen das nachhoppeln.

Martin Puntigam Das sind zwar wenige Sätze, die man als Politiker, Politikerin in einem Mikrofon sagen kann. Das bedeutet aber, dass sehr viele Menschen krank werden und dass es viele Menschen das Leben kosten wird. Das heißt, so ein Vorschlag ist im Wesentlichen, wenn man nicht vollkommen blemblem ist, Beihilfe zumindest zur Tötung vieler Menschen.

Ursula Hollenstein Ja, also gerade die WHO ist weltweit für viele Programme, Impfprogramme zuständig in den Ländern, die es sich eben selber nicht leisten können. Und ein Großteil dieser Infektionen spielt sich heutzutage in Afrika zum Beispiel ab. Und wenn da sich die WHO aus irgendwelchen Impfprogrammen zurückziehen muss, weil ihr die Finanzen fehlen, dann ist das eine absolute Katastrophe. Es wird zurückkommen.

Ursula Hollenstein Wir fahren ja wahnsinnig gern auf Urlaub in all diese exotischen bunten Länder. Und viele Menschen haben durchaus das Bedürfnis, bei solchen Urlauben dann auch originell aktiv zu sein. Und damit kann die Häufung der Infektionen woanders sehr wohl als Rückschlag dann wieder zu uns zurückkommen.

Martin Puntigam Das heißt, das ist in Wirklichkeit die Hoffnung der Menschen, wie zum Beispiel auf Kontinenten wie Afrika, dass sie so viel gierige und rücksichtslose, meistens dann weiße Menschen im Urlaub infizieren, dass das dann doch zu einer weiteren Medikamentenentwicklung kommt und zu einer Intensivierung der Behandlung und Therapie und des Monitorings, sodass das dann über diesen Rebound-Effekt auch wieder besser wird für die Menschen, die jetzt vernachlässigt werden sollen, weil halt gierige, reiche Menschen kein Geld mehr dafür ausgeben.

Ursula Hollenstein Es scheint offensichtlich das Einzige zu sein, was wir begreifen. Wenn es uns weh tut, dann fangen wir an nachzudenken, wenn es woanders ist. Interessiert uns das nicht. Es wird nur sehr lange dauern, bis so ein Backlash wirklich da ist und dann alles wieder umzudrehen. Was man schon erreicht hätte eigentlich, wieder auf den Punkt zu kommen, ist vollkommen verrückt.

Martin Puntigam Das heißt, die Menschen, die das jetzt anrichten, im Speziellen wieder im Präsidentschaftsvertreter der USA, der wird lang tot sein, dann sind die Folgen noch nicht einmal auf die Spitze getrieben, dessen, was er jetzt beginnt anzurichten. Und dann müssen nachfolgende Generationen das wieder reparieren, was der Mensch im Ausklingern seines unseligen Lebens angerichtet hat.

Ursula Hollenstein Ja, das betrifft sehr viele Erkrankungen, wo gute Programme gelaufen sind, die sukzessive zu einer Reduktion von wichtigen Infektionskrankheiten geführt haben. Da werden wir sehen, was in den nächsten Jahren auf uns zukommt.

Martin Puntigam Nach diesem Parforsritt durch Geschlechtskrankheiten bzw. Ihre Überträgerkeime kommen wir ganz zum Schluss noch auf eine Krankheit, die in den letzten Jahren so ein bisschen Karriere gemacht hat unter dem folkloristischen Namen Affenpoppen. Auch eine dieser Krankheiten, die gut gemonitort worden ist, wo man gut sehen hat können, wo kommt das her.

Martin Puntigam Auch eine mit MSM assoziierte Krankheit, die jetzt anders heißt, der heißt jetzt M-Pox, hat einen anderen Namen bekommen, ist aber deshalb wahrscheinlich nicht weniger gefährlich, oder?

Ursula Hollenstein Nein, das hat man offensichtlich aus Rücksicht auf die Affen irgendwie umbenannt. Keine Ahnung, was der Hintergrund wirklich war. Das ist eine Erkrankung, die schon sehr lang unter Beobachtung steht, weil ja die Pocken, die Originalpocken, die einzige Erkrankung sind, die uns gelungen ist auszurotten.

Ursula Hollenstein Das heißt, die ist wirklich verschwunden. Und es war immer so ein bisschen die Sorge, dass relativ nah verwandte Affenpocken-Virus aus derselben Poxfamilie, dass das vielleicht mit ein paar guten Mutationen sich besser an den Menschen anpassen könnte und vielleicht quasi das Vermögen, das die alten Pocken hatten, nämlich eine wirkliche Pandemie wieder auszulösen, neu lernen könnte.

Ursula Hollenstein Und deswegen wurde diese Erkrankung schon lange beäugt, immer gut in Kontrolle gehalten, wo sind die Fälle, werden es mehr. Und das hat jetzt eben in den letzten Jahren eine Mutation gegeben, die es offensichtlich ein bisschen leichter übertragbar macht. Und dadurch haben die Fälle zugenommen und waren eben auch erstmals in Europa und den USA und da fast ausschließlich in der homosexuellen Community.

Ursula Hollenstein Mag auch damit zu tun haben, das ist eine Erkrankung, die ja sichtbare Bläschen macht. Es ist verwandt mit dem Pockenvirus, es macht Bläschen. Die homosexuelle Gruppe ist eine sehr wache, was Krankheitssymptome betrifft und da werden viele Dinge sehr rasch diagnostiziert, vielleicht in der heterosexuellen Community lange dauern würden, bis das einmal einen Namen kriegt oder bis jemand darauf aufmerksam wird, dass sich da was häuft.

Ursula Hollenstein Dadurch kam es relativ rasch zu einer Beschreibung dieser Fälle in Europa, zu einer Klärung, das ist tatsächlich MPOX und dann auch zu einer Zurückdrängung des Ganzen. Die Fälle in Afrika sind nicht viel weniger geworden und dort ist es auch nicht wirklich eine Geschlechtserkrankung. Dadurch, dass die Bläschen infektiös sind, ist das auch durch ganz normalen, engen Kontakt übertragbar.

Ursula Hollenstein Enge Lebensverhältnisse, enges Zusammenleben, schlafen im selben Bett in der Hütte. Es waren auch, wenn man sich frühe Fotos sieht, wie schaut die Erkrankung aus, dann sind das in den Lehrbüchern fast immer Kinder. Das war sehr häufig eine Erkrankung, die die Kinder betroffen hat, mit eben diesem klassischen Ausschlag. Es ist also nicht eine reine Geschlechtserkrankung, es ist nur auch so übertragbar, weil sie eben engen Kontakt haben.

Martin Puntigam Und dagegen gibt es aber eine Impfung, die auch eine Vorsorgeimpfung ist, oder?

Ursula Hollenstein Ja, es ist auch eine Vorsorgeimpfung. Ein bisschen scheint die alte Pockenimpfung, die manche älteren Generationen noch bekommen haben, noch zu wirken und zu schützen. Und es gibt eben davon abgeleitet eine Neuentwicklung, die an speziellen Zentren zur Verfügung steht.

Martin Puntigam Aber wenn man sich gern impft, wenn man gern alle Impfungen hat, das ist eine Impfung, die man nicht zwangsläufig in unseren Breiten sich holen muss, wenn man nicht sehr viel in der Gegend herumreist und sich dort aufführt.

Ursula Hollenstein Also selbst wenn man viel in der Welt herumreist, es sind nur wenige Gegenden in Afrika, die wirklich Fälle haben, nennenswerter Zahl. Es sind ja auch die Lebensbedingungen des klassischen Reisenden, haben nichts mit diesen Übertragungsmöglichkeiten zu tun.

Martin Puntigam Das heißt, wenn man das Glück hat, so geboren worden zu sein, dass man dann, wenn man auf Reisen ist, im Hotel-Einzelzimmer übernachten kann, dann sind die Risiken geringer.

Ursula Hollenstein Gering bis null, würde ich sagen.

Martin Puntigam Wir haben die Podcast-Ausgabe begonnen mit einem alten Otto-Witz über Geschlechtskrankheiten. In den 80er Jahren haben deutlich konservativere bis reaktionäre Spaßmacher gern gereimt, it oder geht. Das heißt, Geschlechtskrankheiten sind gerne Thema für Komik, haben aber im Alltag große Auswirkungen auf die Leben und auch aufs Sterben der Menschen.

Martin Puntigam Wenn man jetzt selber in einer Welt leben möchte, in der Geschlechtskrankheiten keine große Rolle spielen oder seine Kinder davor schützen möchte. Was sind denn Maßnahmen und Verhaltensregeln und Dinge, die man tun kann, damit die Situation sich nicht weiter verschlechtert, sondern verbessert?

Ursula Hollenstein Das eine sind die Impfungen zu verwenden, die es gibt. Wenn wir schon das Glück haben, dass für ein, zwei Erkrankungen Impfungen verfügbar sind, dann ist das der eleganteste Zugang. Man braucht sich keine weiteren Gedanken mehr darüber zu machen. Und für den großen Rest der sexuell übertragbaren Erkrankungen und bleibt halt immer noch nur der Schutz über das Kondom.

Ursula Hollenstein Wir haben im Moment keine anderen großen Optionen. Was aber schon sehr sinnvoll ist, ist über seinen eigenen Infektionsstatus Bescheid zu wissen. Gerade Menschen, die eben sehr häufige Geschlechtspartnerwechsel haben und gern und viel unterwegs sind, sollen auch einmal vorbeugend nachschauen lassen. Ab und zu einfach einmal Diagnostik machen, auch wenn ich keine Beschwerden habe.

Ursula Hollenstein Das macht einfach Sinn, weil man sonst ein ewiger Verbreiter ist, der es nicht weiß. Da sind auch die Institutionen gefordert, dass es einfach einen leichteren, schnelleren Zugang zur Diagnostik gibt, der irgendwie so quasi Drop-in müsste das eigentlich sein, dass man nicht lange überlegen muss und fünf Monate einen Termin beim Hautarzt buchen muss, bevor man einmal einen Abstrich-Test machen kann.

Martin Puntigam Sondern, dass man das eben so, wie du es am Anfang erwähnt hast, in Skandinavien selber machen kann.

Ursula Hollenstein Vielleicht sogar selber machen kann. Das wäre durchaus eine Idee, das einmal zu versuchen und dann zu schauen, was wir für all diese Maßnahmen brauchen würden. Wir wissen ja eigentlich sehr wenig über die echte Häufigkeit. Jedes Land macht es anders. Jedes Land hat eine andere Meldepraxis. Mal muss man melden, mal muss man beraten.

Ursula Hollenstein Zwei Erkrankungen melden mal die anderen beiden. Es ist teilweise sehr schleißig, wie gemeldet wird, auch Dinge, die meldepflichtig wären. Das heißt, wir haben gar keine guten Zahlen, wie häufig ist das wirklich. Und das ist eigentlich die Basis, wenn ich eine Maßnahme einführen möchte, um es zu senken, dann wäre es nett, wenn ich wüsste, dass ich es senken kann, weil ich die Zahlen sehe.

Ursula Hollenstein Und das ist immer noch eine Krux in all diesen Dingen. Und dann ist einfach das Sprechen darüber wichtig. Und eben das Sprechen nicht nur, wie du sagst, auf der Bühne und mit Witz, sondern einfach ganz selbstverständlich. Genauso wie man sagt, ich habe mir gestern den Knöchel verstaucht beim Skateboarden, ich habe mir gestern eine Trippe geholt, ich muss schleunigste Therapie haben.

Ursula Hollenstein Das sollte genauso selbstverständlich sein, weil es eben eine normale Krankheit ist, die man beheben muss und nicht eine Schande oder irgendwas, nur Bruchaha.

Martin Puntigam Das heißt, je tabubehafteter, je schambehafteter das Gespräch über solche Erkrankungen ist, desto mehr Menschen stecken sie an und leiden dann langfristig auch darunter.

Ursula Hollenstein Richtig.

Martin Puntigam Und für alle, die die Welt betriebswirtschaftlich wahrnehmen, es wird ja deutlich teurer, je mehr Menschen krank sind und in Krankenstand gehen oder gar in jungen Jahren schon sterben und dann volkswirtschaftlich ausgefällt werden. Also für all die Menschen, die die Welt durch die finanzielle Brille sehen, hätte es auch Riesenvorteile, diese Krankheiten in den Griff zu kriegen.

Ursula Hollenstein Definitiv. Also wenn man das endlich einmal aufrechnen würde, die Dinge, die Maßnahmen, was die kosten und das, was die Krankheiten kosten, dann wären viele Dinge plötzlich ganz anders. Aber das wird einfach nicht in denselben Rechnungen verwendet. Hepatitis B mit ihren langen Krankheitsphasen und den Katastrophen, die eine Leberzirrhose anrichtet, das hat die Preise der Impfung längst dramatisiert. Musik Musik Musik Musik.

Martin Puntigam Musik Musik, Das ist Ausgabe 99 des Science-Busters-Podcasts mit dem schönen und farbenprächtigen Thema sexuell übertragbare Krankheiten und ihre Erscheinungsformen und aber auch ihre Therapien und wie man Prophylaxe, also Vorsorge betreiben kann. 99 bedeutet plus 1 und dann ist 100. Das ist die nächste Ausgabe, die wir auf mehrere Arten feiern werden.

Martin Puntigam Einerseits gibt es eine Live-Performance, einen Live-Podcast, das wir sehr, sehr selten machen. Anlässlich 50 Folgen Podcast haben wir das gemacht. In To The Sky in Wien auf der TU. Und anlässlich 100 Ausgaben Science-Busters Podcast machen wir das im Literaturhaus Graz. Am 31. März wird es sein, also schon ein bisschen später, als tatsächlich die 100. Folge ist.

Martin Puntigam Genauen Chronologie her online sein wird, aber dafür wird es umso besser. Wir haben zwei großartige Gäste, Nicole Streitler-Kastberger, Literaturwissenschaftlerin, Literaturkritikerin und Autorin, viele Dinge gemacht, lehrt auch nach wie vor, aber hat sie unter anderem 20 Jahre lang gemeinsam mit anderen dem Gesamtwerk von Oedin von Horvath gewidmet.

Martin Puntigam Das ist jetzt erschwinglich, das kann man lesen und das ist wirklich toll, wenn man Bücher wie Der ewige Spießer oder Jugend ohne Gott liest mit all diesen Verweisen. Manchmal ist es skurril, wenn man es liest. Jugend ohne Gott ist natürlich eine Schullektüre. Und da sind viele Wörter erklärt, die mir ganz geläufig sind, die im aktiven Wortschatz haben, die aber offensichtlich für Menschen, die jetzt 13, 14 sind und die das lesen müssen, Wörter sind, die sie noch nie gehört haben vorher. Dann ist das tatsächlich ein Verweis.

Martin Puntigam Da bin ich oft erstaunt, was da erklärt wird. Aber manchmal sind es auch Verweise aufs Zeitgeschehen aus den 30er Jahren. Und dann ist es selbst für solche wie mich sehr aufschlussreich, welche Verlinkungen sie da ergeben. Und mit dabei als Gast zwei wird sein Gilbert Prelasnik, ehemaliger Fußball-Nationalspieler, im Herrenfußball in dem Fall, mit Sturm Graz sehr erfolgreich gewesen, Champions League gespielt, mehrfach Meister, Cupsieger, hat auch Linguistik studiert, dieser Tage höchstwahrscheinlich Master geworden ist, weil er die entsprechende Prüfung abgelegt hat in klinischer Linguistik.

Martin Puntigam Unter anderem, was das ist, wird er uns am 31. März an der Seite von Nicole Streitler-Kastberger erklären. Florian Freistetter und ich werden den Abend von ScienceBusters Seite leiten. Online wird das Ganze sein, wenn alles gut geht, ab 14. April. Die neue ScienceBusters Staffel ist fertig aufgezeichnet und ab 11.

Martin Puntigam März gibt es auch Teil 2. Wieder jede Dienstagnacht auf ORF 1 ist die Erstausstrahlung, wie man das nennt, aber danach ist es auch im ORF On Player ein halbes Jahr abrufbar. Das heißt, alle Menschen, die gerne sagen, das ist immer so spät, da kann ich nicht mehr schauen, da bin ich schon so müde, es ist dann 24 Stunden und wann immer man möchte weltweit abrufbar.

Martin Puntigam Das heißt, man muss weder in Österreich aufhältig noch hauptgemeldet sein. Man kann es auf der ganzen Welt 24-7, wie gern gesagt wird, sich anschauen und zwar mehrfach.

Ursula Hollenstein Am 28.04. gibt es die nächste Ausgabe von Frag die Science-Busters live. Alles rund ums Klima. Wie immer von 13 bis 14 Uhr eine Stunde lang auf Radio FM4. Weiterhin und bis zum Sommer am Programm, bevor wir im Oktober mit einer neuen Show-Premiere feiern werden, mit dem Titel Weltuntergang für Fortgeschrittene, gibt es die aktuelle Live-Show der ScienceBusters Planet.com.

Ursula Hollenstein Am 19.04. und 25.05. im Stadtsaal in Wien. Am 11.03. im Kunsthaus Weiz. Am 26.03. im Stadttheater Wels.

Martin Puntigam Dann drehen wir wieder eine Runde in Deutschland. Ab 2. April in Erlangen im E-Werk. 3. April im F-Haus in Jena. 4. April Kupfersaal, Leipzig. 5. April Schauburg, Dresden. Dann kommen wir wieder retour nach Österreich in die Oststeiermark. Am 23.04. Spielen wir dort im Zentrum Feldbach. Am 30.04. beschließen wir den April im Posthof Linz. Und am 16.05.

Martin Puntigam Kommen wir wieder mal nach Vorarlberg ins Freudenhaus Lustenau. Und tags drauf wieder mal nach Lichtenstein, wo dieser Tage der Fürst 80. Geburtstag gefeiert hat. Und kommen aber nicht deshalb dorthin, sondern weil dort das Theater am Kirchplatz uns eingeladen hat, in Schahn Lichtenstein-Premiere von Planet B zu spielen.

Ursula Hollenstein Science Busters for Kids aktuell digital in der ORF Kids App. Jede Folge circa 10 Minuten. Und analog gibt es die Show mit Martin Moder und Martin Puntigam am 19.04. Im Stadtsaal in Wien. Um 15.30 Uhr und am 20.04. wieder um 11 Uhr. Am 30.04. im Posthof Linz und am 18.05. im Wienomner Saal in Rankweil.

Martin Puntigam Am 26.04. gibt es eine gemeinsame Show mit Bezi vom Uranier Puppentheater und den Science Busters bei der Ipsiade. Und Anfang Mai spielen wir eine neue Show eben im Uranier Puppentheater in Wien. Kasperl Bezi, die Großmutt, die Helmut Jungwirth und ich. Und schauen uns an, wie geht Fliegen, warum können Vögel das so gut, warum brauchen wir ein Flugzeug dazu Und wie kann ein Bär fliegen lernen, eventuell unter Zuhilfenahme des Bär-Nulle-Effekts.

Martin Puntigam Ab 6. Mai bis 11. Mai im Uranier-Puppentheater Wien.

Ursula Hollenstein Und die Glückskatze, der Solo von und mit Martin Pundigam, schnurrt auch 2025 wieder. Am 13.03. im Scharfrichterhaus in Passau und am 15.03. im Jakob-Meyer-Dorfen. Und dann noch einmal am 11. und 12.04. im Kabarett Niedermeier.

Martin Puntigam Informationen wie immer unter sciencebusters.at oder Puntigam. AT-Tickets unter sciencebusters.at slash Termine. Danke an die TU Wien und die Uni Graz, die die Produktion des Podcasts 99 Mal bereits unterstützt haben. Danke fürs Zuhören, Streamen, Downloaden, Abonnieren, Bewerten, Empfehlen, Verhüten, Anstecken, Erblühen, Trippen, Trappen und dass man sonst noch alles mit einem Podcast anstellen kann. Danke Ursula Hollenstein für die Auskünfte.

Martin Puntigam Bis zum nächsten Mal. Tschüss und habe die Ehre.

Ursula Hollenstein Vielen Dank, auf Wiedersehen und bitte alle aufpassen.

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