Science Busters Podcast· Folge 102

Live@Literaturhaus Graz:: Ödön v. Horvaths Ast, das Fischezeitalter & verbotene Homosexualität im Männerfußball - SBP102

Montag, 14. April 2025 · 1 h 49

MP3

Shownotes

Anlässlich der 100. Ausgabe haben wir zum 2 mal live aufgezeichnet - über Horvath, Vorlasshandel, Sportverletzungen, Sprachbewusstsein und den nutzlosen Heimatbegriff
In Ausgabe 102 geht es um Nachlässe, Frevel, Bunstifte, Fische, Fußball, Verletzungen, Linguistik, schmerzbefreite Ägypter und verbotene Homosexualität im Männerfußball.

Homepage Nicole Streitler (nicole-streitler.at)

[Digitale Horváth Edition](gams.uni-graz.at/horvath-edition]

(Franz-Nabl-Institut für Literaturforschung](franz-nabl-institut.uni-graz.at/de)

Visitenkarte Nicole Streitler-Kastberger Uni Graz (online.uni-graz.at/kfu_online/visitenkarte.sho…)

Gilbert Prilasnig:
Der Titel seinerDiplomarbeit, eingereicht im Jahr 2011 an der Karl-Franzens Universität in Graz, lautet: "Der Zusammenhang von Sprache und Bewegung. Dargestellt am Beispiel der Heileurythmie."

Diese Arbeit wurde im Jahr 2015 auch im Akademikerverlag publiziert mit einem etwas abgekürzten Titel: "Der Zusammenhang von Sprache und Bewegung. Fokus Heileurythmie."

Der Titel der Masterarbeit, eingereicht im Jahr 2025 an der Paris Lodron Universität in Salzburg,lautet: "Sprachtehrapeutische Ansätze im interdisziplinären Management von Dysgnathien unter besonderer Berücksichtigung der Zahneurythmietherapie."

Der Titel der Abschlussarbeit im Rahmen der Diplomtrainerausbildung Fußball zur Erlangung der UEFA-PRO-LIZENZ, eingereicht an der Abteilung der Traineraus- und Fortbildung des ÖFB im Jahr 2021, lautet: "Das Blocken von Torschüssen."

ÖFB Frauen-Nationalteam (oefb.at/oefb/Teams/Frauen/Frauen-Nationalteam)

Akademie Oststeiermark (svlafnitz.at/article/47-Die-DSM-AKA-Oststeierm…)

Homeless World Cup (homelessworldcup.org)

Homeless World Cup@netflix (homelessworldcup.org/netflix-film)

Kick Off - der Film (filminstitut.at/filme/kick-off)

Website Homeless World Cup Österreich (homelessworldcup.at)

[Streetfootball Austria](ÖFB Frauen-Nationalteam
oefb.at/oefb/Teams/Frauen/Frauen-Nationalteam]

Akademie Oststeiermark
svlafnitz.at/article/47-Die-DSM-AKA-Oststeierm…

Der erwähnte homosexuelle Fußballer, der Suizid beging, war Justin Fashanu (de.wikipedia.org/wiki/Justin_Fashanu)

Der Autor von Science Fiction "Schundromanen" heißt Mark Brandis (markbrandis.de)

In dieser Episode geht es auch über Gilbert Prilasnigs persönliche Erfahrungen über toxische Arbeitsverhältnisse in einer mit öffentlich Geldern finanzierten Fußballakademie

Die beiden Folgen aus dem TU the sky anlässlich der 50. Ausgabe des SB Podcasts waren Ausgabe 53 und 54.

Am Ende wie immer noch die Parteienverkehre der SB oder von uns als Solisten und Duettisten:

Die neue TV-Staffel ist fertig aufgezeichnet und wird laufend publiziert. Seit 11.3. jede Dienstag Nacht auf ORF 1. Und danach immer ein halbes Jahr weltweit abrufbar auf ORFON (on.orf.at/sendereihe/13886769/science-busters).
Morgen Abend ab 23.00 Uhr Neue Folge in der DienstagNacht auf ORFeins namens „Glück & Glas“ (tv.orf.at/science-busters/sciencebus1430.html) mit EO & PW & MP
tv.orf.at/science-busters/sciencebus560.html

Am 28.4. gibt es die nächste Ausgabe von „Frag die SB – live – alles rund ums Klima“. Wie immer von 13 – 14 Uhr eine Stunde lang auf Radio FM4. Mit dabei Andreas Jäger & Sigrid Stagl Ökonomin und Österreichs amtierende Wissenschaftlerin des Jahres.

Weiterhin & bis Sommer am Programm, bevor wir im Oktober mit einer neuen Show Premiere feiern werden mit dem Titel “Weltuntergang für Fortgeschrittene” (oeticket.com/noapp/event/science-busters-weltu…), gibt es die aktuelle Live-Show der Science Busters Planet B

Am
** 19.4. + 25.5.** StadtsaalWien (stadtsaal.com/kuenstler/science-busters)

23.04.Zentrum Feldbach (oeticket.com/event/science-busters-planet-b-ze…)

30.4.Posthof Linz (posthof.at/event/science-busters-6)

16.5. Freudenhaus Lustenau (freudenhaus.or.at/programm/2024/neuer-termin-2…)

17.5. Theater am Kirchplatz TAK Schaan – Liechtenstein-Premiere (tak.li/veranstaltungen/science-busters/1276)

22.5. im KZ Alfa in Laakirchen

23.5. Stadttheater Steyr (steyr.at/Kabarett_2025_Science_Busters_-_PLANE…)

24.5. StadtsaalWien (stadtsaal.com/kuenstler/science-busters)

SB4Kids aktuell digital in der ORF-Kids App, jede Folge zirka 10 Minuten.

Und analog gibt es die Show mit Martin Moder & mir am
Am

Am 19.4.2025 Stadtsaal
Wien (stadtsaal.com/kuenstler/science-busters) um 15.30 Uhr & am 20.4. wieder um 11.00 Uhr.

30.4.Posthof Linz (posthof.at/event/science-busters-for-kids)

18.5. Vinomna Saal Rankweil (laendleticket.com/Creator/bin/web.php/laendlet…)

24.5.2025 Stadtsaal
Wien (stadtsaal.com/kuenstler/science-busters) um 15.30 Uhr

Und am 26.4. gibt es ein Wiedersehen mit Pezi aus der Märchenstadt in „Pezi & die Science Busters“ bei der Ybbsiade (ybbsiade.at/veranstaltung/pezi-die-science-bus…)
Und: nach 2 Saisonen mit dem Marsflug-Programm gibt es im Mai eine neue Show „Pezi & die Science Busters“ (kasperlundpezi-webshop.tkt-datacenter.net/de/p…) im Urania Puppentheater Wien. Kasperl. Pezi, die Großmutti erkunden mit Helmut Jungwirth & mir, wie Pezi genauso fliegen lernen kann wie Vögel & was der Bär-noulli-Effekt damit zu tun hat.
6. – 11.5. Im Urania Puppentheater Wien

Glückskatze – das Solo v. & m. Martin Puntigam schnurrt auch 2025 wieder:
6.6. im Haus Im Puls in Neusiedl (eventim-light.com/at/a/60a4f8e60f83df00d523c7a…) .
Dann hat die Katze Sommerpause und kehrt auf Samtpfoten wieder am
26. & 27.9. ins Theatercafé Graz
Und
am 13. & 14.November nach Wien ins Kabarett Niedermair (niedermair.at/kuenstler/martin-puntigam)

Und wer schon für Herbst 2026 planen möchte, da kommt ab 10.11.2026 die Premiere im Theatercafé Graz mein neues Solo mit dem schönen Titel „Der Heilige Puntigam“

Und Florian Freistetter ist mit seinem Soloabend unterwegs
Sternengeschichten LIVE (sternengeschichten.live) das
nächste Mal 26. Mai**Talbahnhof Eschweiler (ticketmaster.de/event/sternengeschichten-die-g…)
und am *4. Juni* im Schlachthof München (ticketmaster.de/event/sternengeschichten-die-g…)

Infos & Tickets unter sciencebusters.at/termine & puntigam.at & unter sternengeschichten.live

Lektüre

Unser Jubel-Buch, erschienen vor einem Jahr anlässlich 15 Jahre SB giltet noch immer: "Wissenschaft ist das, was auch dann gilt, wenn man nicht dran glaubt: Das große Jubelbuch der Science Busters" (amzn.to/3q8ZzWz). Erschienen bei Hanser (hanser-literaturverlage.de/buch/wissenschaft-i…).

Auch als Hörbuch (penguinrandomhouse.de/Hoerbuch-Download/Wissen…) im Hörverlag. Wie immer wunderbar gelesen von Thomas Loibl (Großteil) und ein bisschen auch von uns (Kleinteil)

Und seit Oktober 2007 gibt es unsere Kurz-Kolumne jede Woche auf Radio FM4.

Das rosa Trikot (postimg.cc/GBcvv35D) des USV Furth mit Science Busters Logo kann man aber schon jetzt kaufen & ein bisschen eintragen.
Bestellungen unter obmann@usvfurth.at oder unter WhatsApp 0043 664 39065562

Kontakt und weitere Infos

podcast@sciencebusters.at| Homepage (sciencebusters.at)| …

Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin

Martin Puntigam Ausgabe 102 des Science-Wassers-Podcasts ist auch insofern eine besondere, weil es die Live-Version ist, rund um Folge 100. Anlässlich der 50. Ausgabe haben wir zum ersten Mal den Podcast live aufgenommen, damals im To the Sky der TU Wien, gemeinsam mit der Sprachwissenschaftlerin Lisa Kramer und Richard Hemmer und Daniel Messner von Geschichten aus der Geschichte, Professor Peter Ertel, Biotechnologe und Chemiker von der TU Wien und Stefan Plattner-Deisenberger.

Martin Puntigam Diesmal 50 Ausgaben später waren wir im Literaturhaus der Uni Graz zu Gast. Florian Freisteth und ich haben vor vollem Haus begrüßt Nicole Streitler-Kastberger, Literaturwissenschaftlerin und unter anderem Spezialistin für Ödin von Horvath und Gilbert Prelasnik, ehemaligen Fußball-Nationalspieler und Master in klinischer Linguistik.

Martin Puntigam Aufgezeichnet wurde die Veranstaltung am 31. März im Literaturhaus Graz von Christian Lach. Und jetzt geht's los.

Florian Freistetter Vielen Dank. Vielen Dank für den Namen.

Martin Puntigam Herzlich willkommen zu einer besonderen Ausgabe des Science Passers Podcasts. Anlässlich der hundertsten Ausgabe feiern wir heute live vor Publikum im Literaturhaus Graz. Herzlich willkommen. Wir machen das in alle heiligen Zeiten. Einen Podcast live vor Publikum. Ausgabe 50 war im To the Sky oder wie das raffinierterweise dort ausgesprochen wird, auch gern TU the Sky. an der TU Wien und heute freuen wir uns in der Literatur aus Graz zu Gast zu sein.

Martin Puntigam Danke für die Einladung, danke an die TU Wien und die Uni Graz, sie den Podcast tatsächlich seit Beginn unterstützen. Herzlich willkommen. Heute Florian Freistetter, Astronom, selber Podcaster seit 2012 mit Sternengeschichten. Die erste Folge ist schon am 30.11. 2012 erschienen. Bis jetzt gibt es 640 Folgen, Live-Shows seit 2024.

Martin Puntigam Also er tourt auch und es gibt, Wenn man es nachhören möchte, seit jetzt, seit März 2025, schönen guten Abend, hallo.

Florian Freistetter Hallo.

Martin Puntigam Und als Gäste für die Jubelausgabe, deretwegen Sie unter anderem ja da sind, sitzen neben mir auf der Bühne Nicole Streitler-Kastberger, Literaturwissenschaftlerin, Literaturkritikerin, Autorin im Literaturhaus, natürlich keine Unbekannte, die sich unter anderem 20 Jahre mit dem Gesamtwerk von Öden von Horvath auseinandergesetzt hat.

Martin Puntigam Was das genau im Einzelnen bedeutet für ein Leben, wird sie uns heute Abend auch erzählen. Hallo.

Florian Freistetter Hallo.

Martin Puntigam Und Gilbert Brelasnik von Fans, liebevoll Schilly genannt, ehemaliger Fußball-Nationalspieler mit Sturm Graz in den 90er Jahren, Ein dreimal Meister, dreimal Cupsieger, eine sogenannte Klub-Legende. Hallo.

Gilbert Prilasnig Hallo.

Martin Puntigam Aber weil er das offenbar nicht ausgelastet hat, unter Hannes Kartnik auch Champions League zu spielen, hat er daneben schon Linguistik studiert, seit ein paar Tagen. Ganz frisch ist er Master in klinischer Linguistik. Was das ist, klinische Linguistik, ob das einfach nur bedeutet, dass wenn man verletzt ist, Dass man klug scheißt im Krankenhaus oder ganz was anderes, wird er heute Abend auch erklären, wenn wir einen Bogen versuchen zu spannen.

Martin Puntigam Von einer Kindheit in Vorarlberg, Wellness in Nizza und Bari, nach Paris gehen, von Musil zu Horvath, von einem Volkstheater zur Volkskultur, von Krimi zur Kriminalität, vom Wiesnfußball mit der Oma über die Schülerliga mit Schopp, Zur Champions League, Sprachwissenschaft und Theologie, zu Traumtoren, Frauenfußball, das Fische-Zeitalter, die Grausamkeit von französischen Baumästen.

Martin Puntigam Die große steirische Chauvinismusfrage beantworten. Sturm oder GERK? Wenn wir das denn alles schaffen, in dem Zeitrahmen, den wir vorgenommen haben, also fangen wir an mit Nicole Streitler-Kastberger. Hallo, du bist geboren in Dornbirn und es ist ganz frisch, deshalb eine Frage zum Wahlergebnis. Jetzt seit, glaube ich, 80 Jahren das erste Mal, das erste Mal in der Zweiten Republik hat es einen Wechsel gegeben in Dornbirn.

Martin Puntigam Bis dahin war das ÖVP dominiert. Es gibt einen SPÖ-Bürgermeister. Berührt dich das noch oder bist du schon zu lang weg?

Nicole Streilter-Kastberger Nein, das berührt mich sehr, weil das eigentlich eine Enttäuschung meiner Kindheit war, dass immer die ÖVP gewonnen hat. Das war einfach nicht auszuhalten.

Martin Puntigam Also du hast einen Luftspunk gemacht wie in der Steiermark, ähnlich ein FPÖ-Landeshauptmann gekommen.

Nicole Streilter-Kastberger Nein, ich glaube, es spricht dafür, dass die Wähler inzwischen mobiler geworden sind und flexibler. Und in Dornbirn hat es natürlich die Komplikation gegeben, dass beide Spitzenkandidaten Fessler geheißen haben. Jetzt weiß man nicht genau, ob sie beim richtigen Fessler das Kreuz gemacht haben. Also dazu kann ich auch eine kleine Horvath-Story anfügen. Vom Horvath gibt es eine lustige Geschichte, die heißt Aus den Weißblauen Kalkalpen.

Nicole Streilter-Kastberger Da geht es um eine Wahl und bei dieser Wahl haben 67 von 68 Mitbürgern des kleinen Ortes Mittersöching die Bayerische Volkspartei gewählt und einer oder eine hat die Kommunisten gewählt. Und jetzt hat man sich auf die Suche begeben nach diesem roten Hund und hat ihn im Underbauer vermutet, der schon des Öfteren aufgefallen ist durch irgendwelche Abartigungen.

Nicole Streilter-Kastberger Hobbys oder so. Und dann ist man aber draufgekommen, dass diese rote Stimme von der Schwester, von der 80-jährigen Schwester des Pfarrers stammte, die leider beim Wahlgang ihre Brille zu Hause vergessen hatte und deshalb das Kreuz an der falschen Stelle gemacht hat.

Martin Puntigam In Dornbirn bist du aufgewachsen. Dornbirn ist ja die Point eines berühmten Jesus-Witzes, nämlich Dornbirn, wie man Jesus auf Vadelbergerisch nennt, bekanntlich. Wenn du dort aufgewachsen bist und der ÖVP-Patronant und dann später Literaturwissenschaftlerin, Kritikerin, Autorin geworden bist, hast du ganz klassisch, wie man das denn so vermuten würde, vom Stereotyp her als Kind viel gelesen, um dir deine eigene Welt abseits der ÖVP-Dominanz zu erfinden?

Nicole Streilter-Kastberger Nein, ich war eigentlich keine große Leserin in meiner Jugend, weil wir haben am Stadtrand von Dornbirn gewohnt und umgeben von Wiesen, die niemanden gehört haben scheinen und irgendwie sind wir ständig in den Wiesen unterwegs gewesen, haben Spiele gespielt. Es war auch so, dass ich eigentlich die Älteste war von diesen Nachbarskinder, die rund um uns gewohnt haben.

Nicole Streilter-Kastberger Also nicht wesentlich älter, aber ein bisschen älter. Und dann sind sie oft zu mir gekommen und haben gefragt, was sollen wir spielen, was können wir spielen. Und ich musste mir immer Spiele ausdenken. Und wir haben dann wirklich aus Langeweile im Sommer auch Schule gespielt. Also in den Sommerferien Englisch, Deutsch, Mathe gepaukt.

Martin Puntigam Und was war besser, Schule spielen oder in die Schule gehen?

Nicole Streilter-Kastberger Also ich bin nicht ungern in die Schule gegangen, aber die Ferien waren mir schon auch recht prinzipiell. Wir haben auch sehr viel im Garten gewerkelt, also den Eltern geholfen, freiwillig oder unfreiwillig. Manchmal mussten wir Ribiesel brocken, also bei uns heißen die Johannisbär. Dabei haben wir meistens Ö3 gehört, auf so einem kleinen Transistorradio, den wir uns mit in die Wiese genommen haben.

Nicole Streilter-Kastberger Mit Batterien bestückt natürlich, so wie man das damals hatte. Manchmal sogar aufgenommen währenddessen auf diesen Kassetten, die wir damals noch hatten. Ja und zum Lesen bin ich relativ wenig gekommen im Sommer, muss ich sagen und das Lesen ist bei mir von der Familie auch nicht unbedingt weitergegeben worden, also meine Eltern haben auch wenig gelesen, es gibt keine Lesekultur in meiner Familie, aber irgendwo bin ich dann über die Schule eigentlich zur Literatur gekommen, vor allem über das Gymnasium und da muss ich sagen, war nicht der Deutschlehrer schuld, sondern eigentlich die Französisch- und die Englischlehrerin, die nämlich wirklich tolle Texte mit uns gelesen haben.

Martin Puntigam Die haben nicht gesagt, du bist so schlecht in Englisch und Französisch, konzentriert ihr auf Deutsch, sondern die haben interessante Texte in ihren Unterrichtsfächern gemacht.

Nicole Streilter-Kastberger Genau, zum Beispiel Antigon von Jean Ennuy oder The Catcher in the Rye. Der Deutschlehrer hat interessanterweise die Devise gehabt, er will mit uns keine Literatur machen, Und er hat nur Faust 1 mit uns gemacht. Und dann hat er gesagt, so, und jetzt ist es vorbei mit der Literatur, weil es interessiert euch eh nicht und ich lasse mir sicher nicht die tollen Texte von euch verderben.

Nicole Streilter-Kastberger Der ist dann später Direktor geworden, aber in einer anderen Schule, in Pregens dann.

Martin Puntigam Ja, aber da muss man sagen, da ist ja Außenunterricht in die Verwaltung abgezogen worden. Das war ein Win-Win für beide Seiten.

Nicole Streilter-Kastberger Möglicherweise, ja, genau.

Martin Puntigam Catch in the Rye und Antigone oder Antigone, das sind eigentlich klassische Schullektürebücher, also so außergewöhnlich ist das ja gar nicht, nur weil der Deutschprofessor so widerwillig war. Bist du dann tatsächlich zum Lesen gekommen?

Nicole Streilter-Kastberger Ich habe dann, also Deutsch hat mich trotzdem fasziniert, weil er ein toller Lehrer war prinzipiell, also er hat auch wenig Grammatikunterricht gemacht, er hat überhaupt wenig unterrichtet. Wir haben eigentlich die ganze Zeit diskutiert und geredet und wir hatten dann schon raus, wenn wir mit irgendeinem politischen Thema gleich kommen am Beginn der Stunde, dann fällt die Grammatik wieder aus.

Martin Puntigam Das gibt es ja eigentlich aus jeder Biografie. Wir haben so einen Geografie-Professor gehabt, der noch im Zweiten Weltkrieg war als Soldat. Wenn man den richtig erwischt hat, war die Stunde auch vorbei.

Nicole Streilter-Kastberger Ja, auch die Lehrer haben es gern gemütlich. Auf jeden Fall habe ich dann beschlossen, dass ich in Deutsch maturieren werde und dafür musste ich dann doch eine Literaturliste von circa 30 Titeln vorlegen und habe dann in der sechsten, siebten und achten Klasse doch sehr viel deutschsprachige Literatur gelesen.

Martin Puntigam Das hat er dann gemacht, weil das bei der Matura halt üblich war, wenn man das doch machen hat müssen, aber weil er gesehen hat, dass das was für die sein könnte.

Nicole Streilter-Kastberger Nein, das ist das Übliche eigentlich, ja.

Martin Puntigam Und dann hast du maturiert und hast dann zu studieren begonnen, was?

Nicole Streilter-Kastberger Genau, habe dann zuerst Biologie studiert. Dann habe ich aber gesehen, dass Biologie mir eigentlich dann an der Uni doch zu langweilig war, weil man so viel auswendig lernen musste und ich hatte darauf überhaupt keine Lust mehr. Also jeder kennt ja diese Ziegel, Botanik und Zoologie, diese blau-dunkelblau-hellblau-weiß gestreiften Bücher, die auch alle Mediziner in den Regalen stehen haben und irgendwie, ich wollte nicht mehr auswendig lernen, keine Ahnung.

Nicole Streilter-Kastberger Und dann habe ich umgesattelt auf Germanistik und dann war da der Professor Schmidt-Dengler, ich weiß nicht, ob der hier noch bekannt ist, der war einfach faszinierend und hat mich wirklich, dann habe ich gewusst, Im richtigen Studium. Ich habe zwar nicht gewusst, was ich dann damit später anfangen sollte, weil Germanistik zu studieren, nicht auf Lehramt, sondern auf Diplom, ist natürlich eine riskante Sache.

Nicole Streilter-Kastberger Und ich hatte auch eine ältere Studienkollegin oder eigentlich hat sie was anderes studiert, was viel Gescheiteres, nämlich Politikwissenschaften. Aber die hat mir gesagt, was willst du mit Germanistik machen? Da habe ich gesagt, keine Ahnung, aber ich will ein Studium haben, das mich fasziniert und das mich begeistert und das war es dann auch.

Martin Puntigam Ja, aber Lehramt wäre nicht so gefährlich gewesen. Du hättest ja gewusst, wie man einfach einen Unterricht hält.

Nicole Streilter-Kastberger Ja, offensichtlich hat dann dieser Lehrer, mein Deutschlehrer den Effekt gehabt, dass ich nicht Deutschlehrerin werden wollte.

Martin Puntigam Aber immerhin Germanistik studiert hast und die dann an deiner Dissertation, am großen Brocken der österreichischen Literatur, der deutschsprachigen Literatur abgearbeitet hast, nämlich Robert Musil.

Nicole Streilter-Kastberger Genau. Musil, das war wirklich eine unglaubliche Leidenschaft von mir. Also als ich den Mann ohne Eigenschaften gelesen habe, habe ich gedacht, okay, das ist jetzt echt das beste Buch, das ich jemals gelesen habe. Habe den dann unglaublich durchgeackert und bin dann zu Schmidt-Engler gegangen und habe gesagt, ich würde gerne über Musil promovieren.

Nicole Streilter-Kastberger Und dann hat er gemeint, oh, da suchen sie sich aber was Schweres aus. Dann habe ich gesagt, ja, weiß ich nicht, das interessiert mich einfach. Und was mich besonders interessiert hat, waren seine Literatur- und Theaterkritiken. Und das ist ein Feld, das eigentlich wenig beackert war zu dem Zeitpunkt noch.

Nicole Streilter-Kastberger Also da gab es kaum Forschungsarbeiten dazu. Und so etwas eignet sich natürlich für eine Dissertation dann besonders, weil man was Neues vorlegen kann und einen neuen Bereich aufarbeiten. Und das habe ich dann gemacht.

Martin Puntigam Robert Musil, eben der Mann ohne Eigenschaften, gilt ja als besonders umfangreiches Werk, schwer zu lesen. Ganz viele Leute trauen sich nicht drüber. Oder Florian hat im Vorfeld gesagt, er hat ihn aus anderen Gründen nicht gelesen.

Florian Freistetter Ja, nein, ich habe tatsächlich auch natürlich von Musil gehört. Ich habe einen ganz anderen Deutschlehrer gehabt. Nein, wir haben Sachen gelesen in Deutsch, aber bei uns war man nur dann Einser-Schüler in Deutsch, wenn man Tennis gespielt hat, weil der Deutschlehrer auch letztendlich der Chef der Schultennismannschaft war.

Florian Freistetter Und wenn man gut im Tennis war, hat man immer einen Einser bekommen und wenn nicht, dann nicht. Und ich war nicht so gut im Tennis.

Martin Puntigam Also hauptsächlich Sätze, oder?

Florian Freistetter Ja, ja, genau. Das war das Problem mit den Sätzen. Aber tatsächlich hat er am Ende doch noch dazu beigetragen, dass er mich sehr auch für die deutschsprachige Literatur interessiert hat, weil ich habe auch in Deutsch maturiert, sogar vertiefend, glaube ich. Da muss man ein Spezialthema aussuchen. Ich habe gesagt, ich mache irgendwas Fentes Literatur. Er hat gesagt, das geht schon gar nicht.

Florian Freistetter Aber ich soll die Prager deutschen Literaten lesen. Und von denen habe ich überhaupt nichts gewusst. Und habe ich gelesen und die fand ich absolut großartig. Und finde ich immer noch großartig. Leo Perutz, mein großer Fan. Ja, über Umwege habe ich dann angefangen, alles andere, deutschsprachige Literatur, so Kanon, zu lesen.

Florian Freistetter Und bin dann auch auf Musel gestoßen und dachte, das fange ich jetzt an, weil da erzählen alle, das ist so super. Und dann habe ich irgendwo gelesen, das ist nicht zu Ende geschrieben, das Buch. Und da habe ich gedacht, nee, dann lese ich es auch nicht. Weil ich lese es jetzt nicht, ohne dass ich dann, dann hört das auf und ich weiß nicht, wie es ausgeht, das mache ich nicht.

Florian Freistetter Also vielleicht fange ich es nochmal irgendwann an, aber damals hat mir das abgeschreckt. Und dann bis jetzt, das steht immer noch irgendwo zu Hause bei mir, aber ich habe noch keinen zweiten Anlauf genommen bis jetzt.

Martin Puntigam Spielsatz Siegprägung aus dem Deutschunterricht. Das war bei dir aber anders. Eine Dissertation über Musil, das wollte ich eigentlich erzählen, ist ja sehr lustig. Also wenn man sich abschrecken lässt, weil er nicht fertig geschrieben ist, ist ja ausgesprochen unterhaltsames und lustiges Buch. Also ich habe oft lachen, war noch sehr viel jünger damals und habe jetzt nicht einen einfacheren Humor gehabt, aber noch mehr Zeit zum Lesen.

Martin Puntigam Aber war erstaunt, weil alle gesagt haben, das ist dieses arge Buch und Bruno Kreisky hat das ja als Flagship vor sich her getragen, dass das das super Buch sei und alle anderen haben gesagt, es ist so dick, kann man nicht lesen, es ist so schwierig und kompliziert, aber es ist eigentlich ein sehr lustiges Buch.

Nicole Streilter-Kastberger Ja, lustig. Es ist halt ironisch vieles. Und es gibt sehr witzige Figuren drin, zum Beispiel diesen Generalsturm von Bordwehr. Das ist so ein typischer General der K- und K-Monarchie, der halt ziemlich komische Sprüche dauernd ablässt. Und generell würde ich sagen, ist es halt so ironisch im Sinne auch von Thomas Mann, den ich auch relativ gerne lese, allerdings nicht so häufig wie Musil.

Nicole Streilter-Kastberger Und Musil, also den Mann ohne Eigenschaften, kann man inzwischen relativ gut lesen, in einer schönen Ausgabe lesen, die im Jung und Jung Verlag vor ein paar Jahren erschienen ist. Und da fasst dieser Mann ohne Eigenschaften sechs Bände der zwölfbändigen Werkausgabe. Allerdings sind die ersten beiden Bände schon vergriffen, also muss man sich irgendwie anders besorgen, entweder antiquarisch oder in der Bibliothek oder als E-Book.

Florian Freistetter Vielleicht kann man das Buch von der KI fertig schreiben lassen, die kann doch sowas heutzutage.

Nicole Streilter-Kastberger Davon rate ich ab. KI in Ehren. Ich weiß gar nicht, ob die den Mann ohne Eigenschaften überhaupt kennt.

Florian Freistetter Die haben durch die ganzen Bibliotheken gebraucht.

Martin Puntigam Doch, da ist ja alles bestohlen worden. Das wird schon drinnen sein.

Nicole Streilter-Kastberger Ja, ja. Gut. Also Musil hat an einer Stelle notiert, alle Linien führen zum Krieg. Das Buch spielt ja eigentlich 1912, 1913. Das heißt, es mündet dann eigentlich in den Ersten Weltkrieg hinein. Aber er wollte das selber eigentlich nicht mehr ausführen. aber es war sowohl die Idee für den Schluss eventuell.

Martin Puntigam Das sind ja, Thomas Mann hat dicke Bücher geschrieben, Robert Musil hat unter anderem dicke Bücher geschrieben, Thomas Mann auch Novellen, aber Öden von Horvath, der eigentlich den Großteil deines erwachsenen Berufslebens dominiert hat, hat dünne Bücher geschrieben.

Nicole Streilter-Kastberger Ja, zum Glück.

Martin Puntigam Also es war ein Buch, das in der Schule, ich habe es ja ungern gelesen, als Jugendlicher gern gelesen habe, wenn wir es lesen haben müssen, Jugend ohne Gott, weil man war einfach sehr schnell fertig.

Nicole Streilter-Kastberger Ja, also Jugend ohne Gott hat er scheinbar auch wirklich in wenigen Monaten, möglicherweise sogar in nur zwei Monaten geschrieben. Es ist trotzdem ein Buch, das literarisch extrem toll ist und ausgearbeitet ist, weil es so komponiert ist. Ich habe es neulich wieder gelesen zum zigten Male. Man hat es auch schnell gelesen und ich finde, es ist unglaublich faszinierend, wie viel Stoff eigentlich drin ist, jetzt abseits dieser Handlung, der man natürlich mit einer gewissen Spannung folgt, weil es letztlich eine Kriminalhandlung ist.

Nicole Streilter-Kastberger Und er hat da auch sehr unterschiedliche Genres eigentlich kombiniert in diesem Roman. Es ist eigentlich auch ein Gerichtssaal-Roman, was ein eigenes Genre auch sein könnte, ähnlich den Gerichtssaal-Filmen, die es gibt, Zeugen der Anklage oder was auch immer. Und das ist schon ein spezielles Genre, mit dem man natürlich relativ viele Leute auch ködern konnte.

Nicole Streilter-Kastberger Ein Kapitel heißt auch Der Köder. Es geht auch sehr viel ums Ködern in diesem Buch, finde ich.

Martin Puntigam Jetzt bist du maßgebliche Mitarbeiterin der historisch-kritischen Gesamtausgabe. Gesamtausgabe kann man sich schon ein bisschen beschrecken von jemandem, auch wenn er nur so kurz gelebt hat wie den von Horvath, aber er hat sehr viel geschrieben. Aber was bedeutet denn historisch-kritisch?

Nicole Streilter-Kastberger Die historisch-kritische Ausgabe zeigt, wie Texte entstanden sind. Die versucht, die ganze Entstehungsgeschichte von Texten nachzuzeichnen. Da hat man also, Horvath war jemand, der ab einem gewissen Zeitpunkt sehr viel Material zu seinen Werken aufgehoben hat, da können wir nachher noch drüber sprechen.

Nicole Streilter-Kastberger Über diesen Punkt, wieso er das dann ab einem gewissen Zeitpunkt gemacht hat. Und anhand dieses ganzen literarischen Nachlasses, der in Wien liegt, in der Nationalbibliothek und in der Wien-Bibliothek im Rathaus, das sind zusammen etwa 5000 Manuskript- und Typoskriptblätter. Anhand dieses Nachlasses haben wir diese historisch-kritische Ausgabe gemacht und haben eben zu jedem fertiggestellten Werk oder auch zu den Fragmenten alle Manuskripte und Typoskripte, die dazu überliefert waren, in eine chronologische Reihe gebracht.

Nicole Streilter-Kastberger Das ist gar nicht so einfach, weil diese genetischen Zusammenhänge, wie man das auch nennt, oft verwischt sind durch die Ablage dieser Blätter in den Archiven. In jedem Archiv werden diese Textträger, die Manuskripte und Typoskripte gereiht, in Mappen abgelegt, in Boxen abgelegt. Und dann muss der Editor, der Herausgeber oder die Herausgeberin eben versuchen, diese ursprüngliche Chronologie wiederherzustellen und damit zu zeigen, wie ein Text von den frühesten Entwürfen bis zur Endfassung dann sich weiterentwickelt hat oder entstanden ist.

Martin Puntigam Jetzt ist Herr Öden von Horvath, das werden die meisten wissen, nicht sehr alt geworden, sehr jung gestorben, er ist verunglückt. Josef Hader hat das in einem Programm prominent erwähnt, ich glaube unter anderem deshalb wissen das viele Menschen heute auch noch, von einem Ast erschlagen worden, ich glaube 37-jährig.

Nicole Streilter-Kastberger 36 war es sogar erst, ja.

Martin Puntigam Das ist natürlich ein besonderes Unglück, aber ich glaube, der war da nicht allein unter dem Ast, oder?

Nicole Streilter-Kastberger Nein, es waren neun Menschen in diesen Unfall verwickelt. Also das war ein Gewittersturm auf den Champs-Élysées in Paris und der Blitz hat in diesen Ast oder in diesen Baum, in diese Platane eingeschlagen und es ist ein Ast runtergebrochen. Neun Menschen waren verwickelt in diesen Unfall, aber der Einzige, der verstorben ist, war Horvath selber.

Florian Freistetter Das ist übrigens fast das Einzige, glaube ich, was mich mit Öden von Horvath verbindet. Also es gibt natürlich nichts, was mich mit verbindet, aber ich wäre auch fast mal vom Aster schlagen worden. Ich weiß nicht, ob schon mal jemand die Uni-Sternwarte in Wien besucht hat. Mittlerweile ist der öffentlich zugänglich. Also der Park ist öffentlich zugänglich.

Florian Freistetter Zu meiner Studienzeit war der nur für die Leute zugänglich, die da gearbeitet und studiert haben. Und da gab es die Hauptwege und dann so einen Nebenwegerl, wunderschöner, verwilderter Waldpark. und überall standen Schilder, bitte auf den markierten Wegen bleiben oder diese Wege nicht begehen, wegen Gefahr herbstürzende Äste.

Florian Freistetter Und uns hat das halt bis einmal immer die Abkürze genommen oder so im Wald rumgelaufen. Und dann sind wir eh immer geschimpft worden von den zuständigen Professorinnen und Professoren, dass man da nicht irgendwie absetzte Wege gehen soll, weil sonst fällt uns der Ast am Kopf. Aber wir haben es nicht gemacht.

Florian Freistetter Und dann ist mal einmal ein Ast direkt vor der Nase runtergekommen. Also war kein großer Ast, wahrscheinlich wäre er nicht gestorben, aber er hätte mich zumindest leicht irritiert oder leicht verletzt. Also dann hätte ich ja noch mehr.

Martin Puntigam Hättest du im Krankenhaus Öden von Horvath?

Florian Freistetter Ja, also ich habe gerade überlegt, ob es noch mehr gäbe, was sich mit Öden von Horvath verbindet, aber ich glaube, das war es.

Gilbert Prilasnig Mir ist gerade eingefallen, dass ich auch deine Verbindung zum Öden von Horvath habe.

Martin Puntigam Du hast viel trainiert und hast dann einen Aust gehabt?

Gilbert Prilasnig Nein, ich war vor knapp zwei Jahren in Sacramento, in Kalifornien, in der Sacramento State University, bei seinem Fußball-Sozialprojekt, der hat dort stattgefunden. Und es war kein Sturm und es war kein Wind und es war wunderschönes, heißes Wetter. Ich bin dort entlang spaziert, an der Straße, wo viele Äste waren.

Gilbert Prilasnig Und da ist auch ein Ast runtergekommen, plötzlich wie aus heiterem Himmel, ohne Vorwarnung. Der war scheinbar so trocken. Aber das war ein Ast, der sicher ähnlich groß war, wie der der Oedon von Harvard getroffen hat. Gott sei Dank war ich ungefähr 10 bis 15 Meter davon entfernt. Also das Auto, das er begraben hat, das war schwer beschädigt.

Martin Puntigam Das scheint eine österreichische Tradition zu sein.

Nicole Streilter-Kastberger Ja, und weil man natürlich zu Harvard arbeitet und an Harvard so lange geforscht hat, hat man diesen Tod natürlich auch ständig im Kopf. Also ich habe bei Gewitterstürmen Parks immer gemieden, weil ich wollte nicht die Schlagzeile meiner Nachwelt hinterlassen, Horvath-Forscherin von Aster schlagen.

Martin Puntigam Aber ich glaube, dann würden sich sehr viel mehr Menschen sehr viel länger an dich erinnern, als es sonst vielleicht der Fall wäre.

Nicole Streilter-Kastberger Könnte sein, ja, ja.

Martin Puntigam Und da ranken sie ja viele Anekdoten rund um diesen tragischen Unfalltod, nämlich dass Öden von Horvath von einer Wahrsagerin, zumindest steht es im Wikipedia-Artikel drinnen, gewarnt worden sei, dass um die Zeit, wo er dann tatsächlich verunglückt ist, was Besonderes auf ihn warten würde. Und er war selber so abergläubisch, dass er nach einer Regiebesprechung mit Robert Siertmack, oder Siertmack, wie man ihn dann später genannt hat, nicht mit dem Auto ins Hotel gefahren ist, weil es zu gefährlich war.

Nicole Streilter-Kastberger Genau. Also genau an diesem Tag, an seinem letzten Lebenstag, hat er sich mit Robert Siodmec in einem Café in Paris getroffen, um über eine mögliche Verfilmung von Jugend ohne Gott zu sprechen. Und es war schon sehr bewölktes Wetter, sage ich jetzt einmal, oder der Himmel war schon relativ stark bewölkt.

Nicole Streilter-Kastberger Und die Siodmecs haben ihm angeboten, ihn mit dem Auto zurückzukehren. Und er hat das abgelehnt, weil er eben Angst hatte vor dieser Wahrsagerei oder vor dieser Wahrsagung, dass er eben in den ersten Junitagen des Jahres 1938, je nach Kolportage heißt es, das größte Erlebnis seines Lebens haben würde oder dass die für sein Leben entscheidend sein würden.

Nicole Streilter-Kastberger Und er hat sich da alles Mögliche dazu gedacht und auch keine Aufzüge mehr verwendet. Also in dem Hotel, in dem er gewohnt hat, im Paris Hotel Univers hat das damals geheißen, hat er auch den Aufzug nicht benutzt, obwohl er im sechsten Stock gewohnt hat.

Martin Puntigam Eigentlich wäre es gesund gewesen, die Stiegen zu nehmen.

Nicole Streilter-Kastberger Es wäre gesünder gewesen, mit dem Auto zu fahren, auf jeden Fall.

Martin Puntigam Wie wir erfahren haben, kann das für Autos auch sehr schlecht sein, wenn es nicht von oben kommt.

Nicole Streilter-Kastberger Genau, das stimmt.

Martin Puntigam Jetzt hast du vorher erwähnt, es gibt aber am gewissen Zeitpunkt viele Aufzeichnungen von ihm, weil er ist sehr unerwartet gestorben, ein Nachlass, wenn man meinetwegen sehr eitel ist und sie denkt, die Nachwelt soll bitte unbedingt mich im Gedächtnis behalten, dann fängt man irgendwann an zum Sammeln, aber er hat ja nicht mit seinem Ableben gerechnet.

Martin Puntigam Warum gibt es da so viel aufzuarbeiten?

Nicole Streilter-Kastberger Ja, also es gab ein einschneidendes Erlebnis sozusagen wieder mal und zwar hat er als junger Autor von 1922 bis 1930, hat er immer alle Erlebnisse. Bruchstücke oder Entstehungsstufen zu einem fertigen Werk weggeschmissen. Wenn dieses Werk endlich fertig war. Also alles, was an Vorstufen da war, an Skizzen, an Entwürfen, hat er dann für nicht aufhebenswürdig betrachtet und hat das weggeschmissen.

Nicole Streilter-Kastberger Dann hat er aber im Jahr 1930, nachdem bereits sein Stück die Bergbahn relativ erfolgreich in Berlin gespielt worden war, hat sich ein Archivleiter, nämlich der Hans-Ludwig Held von der Münchner Stadtbibliothek bei ihm gemeldet und hat ihn um ein Manuskript für sein Archiv gebeten, weil das war damals schon sehr üblich, dass man eben Manuskripte von berühmten Autorinnen und Autoren gesammelt hat, um die dann ausstellen zu können oder überhaupt um das Archiv aufzuwerten.

Nicole Streilter-Kastberger Und dann hat ihm Horvath zurückgeschrieben, leider hat er die schlechte Angewohnheit, alles zu verbrennen, sobald ein Werk in einer Endfassung vorliegt, also alles Entstehungsmaterial. Und das ist sozusagen der Zeitpunkt, an dem er dann darüber nachzudenken begonnen hat offensichtlich, dass das, was er dann vorstufen, angesammelt hat, auch von einem gewissen Wert sein könnte.

Nicole Streilter-Kastberger Und er hat dem Herrn Held versprochen, dass er ihm irgendwann sicher ein Manuskript zur Verfügung stellen kann. Und von diesem Zeitpunkt an kann man sagen, hatte er ein Nachlassbewusstsein, wie man das heutzutage nennt. Nämlich eben die Vorstellung, dass das, was er da an Materialien ansammelt, an Entstehungsgeschichtlichen, dass das auch durchaus für die Nachwelt noch interessant sein könnte.

Martin Puntigam Das heißt, er war mehr oder weniger, kann man davon ausgehen, Vorläufer für heutige Autoren, Autorinnen, die einen Teil ihrer Zeit schon darauf verwenden, damit etwas übrig bleibt von Ihnen?

Nicole Streilter-Kastberger Ja, inzwischen ist ja der Nachlass- oder Vorlasshandel, wie man eigentlich sagen muss, weil das machen die Autorinnen und Autoren jetzt schon zu Lebzeiten, dass sie ihre Manuskripte verkaufen an die Archive. Das ist so wie der Ablasshandel im Mittelalter, ein sehr einträgliches Geschäft.

Martin Puntigam Also da sammelt man absichtlich, da schaut man, dass man… Genau.

Nicole Streilter-Kastberger Man legt auch schon eine Ordnung an, damit die Archivare dann nicht so schludern wie bei Horvath, sondern dann ist alles schön geordnet, was zu jedem Werk gehört und dann kann man das wunderbar nachvollziehen.

Martin Puntigam Das ist eine seltsame Form von Eitelkeit, weil wenn man dann tot ist, ist man ja eh tot oder ist das so wichtig für einen Vorlasshandel?

Nicole Streilter-Kastberger Ich glaube, man hat dann das Gefühl, dass man eben nicht tot ist, auch wenn man tot ist, wenn die eigenen Manuskripte weiterleben. Ja, also das ist eine Form, sich die Ewigkeit zu erkaufen eigentlich, beziehungsweise wird man eigentlich noch dafür bezahlt.

Florian Freistetter Dass man die Ewigkeit bekommt. Man kann, wenn man Geld dafür kriegt, dass ich das Zeug, was ich gescheit fertig geschrieben habe, auch noch mitverkauf, dann kann ich das einem Buch kann ich dann dreimal verkaufen. Also das würde ich auch machen, wenn es jemanden interessieren würde dafür.

Martin Puntigam Also alle Vorlasshändler, der Welt, die den Podcast hören, Florian Freistädter, hat zu wenig Platz in seiner Wohnung und wird gern was loswerden. Wenn du sagst, die Archivare, Archivarinnen haben geschludert beim Horvath.

Nicole Streilter-Kastberger Genau.

Martin Puntigam Das ist natürlich ein harsches Urteil, dass die Leute, die das gemacht haben, wahrscheinlich gar nicht so gern hören würden, aber du bist ja doch Fachkraft. Wenn du so ein Urteil fällst, wie kommst du drauf?

Nicole Streilter-Kastberger Ja, es gibt eine lange Geschichte, was diesen Horvath-Nachlass betrifft. Ich werde sie relativ kurz fassen. Also folgendermaßen ist das wahrscheinlich abgelaufen. Man weiß es ja nicht genau. Aber Horvath hat dann eben diese Bruchstücke seines Werks gesammelt, die Manuskripte und Typoskripte und hat die immer wieder, nachdem er selber ein sehr unstetes Leben geführt hat und eigentlich fast nie einen festen Wohnsitz hatte, hat er dieses Material dann immer bei seinen Eltern deponiert.

Nicole Streilter-Kastberger Und dort ist dann so über die Jahre ein relativ großes Horvath-Archiv entstanden, könnte man sagen. Nach seinem Tod hat dann sein Bruder Lajosch von Horvath, der ein berühmter Zeichner und Illustrator war, hat dann sich gedacht, mit diesem Nachlass muss man eigentlich was anfangen. Er wollte auch die Erinnerung an seinen Bruder irgendwie wachhalten und hat dann diesen Nachlass, der den Zweiten Weltkrieg in einem Münchner Banksafe überdauert hat, der der Akademie der Künste in Berlin vermacht oder geschenkt.

Martin Puntigam Soweit hat Ödin von Horat vorgesorgt, dass er nicht nur sortiert hat und aufgehoben hat, sondern dann ist auch dafür gesorgt worden, dass das nicht verschwindet in einem Banksafe?

Nicole Streilter-Kastberger Genau, das haben die Eltern in einem Banksafe deponiert, zum Glück. Nach dem Krieg eben kam das dann an die Akademie der Künste in Berlin und dort wurde das, wie das üblich ist in Archiven, wurde dieser Nachlass bearbeitet. Und bearbeiten heißt vorrangig einmal, es wird alles verzeichnet, alles bekommt sogenannte Signaturen, damit man es wieder finden kann.

Nicole Streilter-Kastberger Und es gibt so ein Nachlassverzeichnis auch, wo man sich erkundigen kann, wenn man zu einem bestimmten Text was sucht. Jetzt ist aber dort dann, ich werde jetzt den Namen vielleicht besser nicht nennen, aber es gab eine Bearbeiterin und die hat gesehen, dieser Horvath hat immer wieder Blätter zerschnitten und neu zusammengeklebt.

Nicole Streilter-Kastberger Das wurde dann später in der Literaturwissenschaft als Cut-and-Paste-Methode bezeichnet.

Martin Puntigam Also das, was man heute mit Copy-and-Paste am Computer machen kann, hat er noch ausschneiden müssen, wenn ihm etwas gelungen war und woanders drüber gelegt?

Nicole Streilter-Kastberger Mit Schreibmaschine getippt und das Tippen war ihm aber auch relativ mühselig offensichtlich. Und dann habe ich gedacht, naja, die halbe Seite hier kann ich weiterverwenden, die ist gut, aber das untere gefällt mir nicht, schneide ich weg. Tipp was Neues und klebe das dann wieder dran. Also Klebstoff gab es auch schon und so hat er dann teilweise ganz lange Blätter produziert, die einen halben Meter teilweise lang waren, weil er so viel aneinander geklebt hat.

Nicole Streilter-Kastberger Die Frau, die Bearbeiterin in Berlin, beim nächsten Mal wird es mir rausrutschen, der Name, hat dann gesehen, da gibt es so Schnittkanten, die sehr unregelmäßig sind, also nicht schön gerade geschnitten. Horvath war offensichtlich kein guter Bastler, hatte wahrscheinlich im Basteln so schlechte Noten wie in Deutsch, was er wirklich hatte nämlich.

Martin Puntigam Das weiß man, dass er im Basteln, also in Werkerziehung schlechte Noten gehabt hat?

Nicole Streilter-Kastberger Nein, in Deutsch meine ich jetzt. Jedenfalls hat sie dann im Nachlass auch so kleine Schnipsel entdeckt, die vielleicht so zwei Zentimeter lang nur waren und hat dann gesehen, okay, da gibt es so unregelmäßige Schnittgarten. Und hat dann begonnen, diese Schnittkanten an diese überlieferten Blätter wieder dran zu halten und zu schauen, welche Schnittkanten zusammenpassen, um zu rekonstruieren, wie diese Blätter wohl ursprünglich ausgeschaut haben.

Martin Puntigam Aber das ist ja noch nicht ehrenrührig.

Nicole Streilter-Kastberger Aber dann kam das Ehrenrührige. Dann hat sie nämlich Buntstifte genommen in schönen Farben, rot, gelb, grün, blau und hat mit diesen Buntstiften in die originale Zierleisten hineingemalt, um sich da festzuhalten, welche Schnittkanten zusammengehören, damit sie das später dann wieder nachvollziehen kann und nicht neuerlich auf die Suche nach den Schnittkanten gehen muss.

Martin Puntigam Das heißt, diese Kugelschreiber, die man wieder ausradieren kann, wären Hilfe für Sie gewesen?

Nicole Streilter-Kastberger Definitiv, ja. Oder vielleicht ein Bleistift wenigstens nur. Aber Buntstift ist schon krass. Ja, auf jeden Fall haben die Erben.

Martin Puntigam Dass dann… Also das ist Archivarienfrevel.

Nicole Streilter-Kastberger Das ist Archivarienfrevel, genau. Und inzwischen muss man auch Handschuhe tragen, wenn man Manuskripte in die Hand nimmt in solchen Archiven. Wobei die Handschuhe, das ist auch so eine Sache, die sind eigentlich auch umstritten inzwischen, weil die ja auch Schmutz ansammeln. und damit übertragen. Den Schmutz dann vom einen Manuskriptblatt auf das andere.

Martin Puntigam Kann ja die Handschuhe waschen oder wechseln dazwischen oder ist das unüblich? Wenn man schon Handschuhe anhat, dann wascht man sie nicht auch noch.

Nicole Streilter-Kastberger Also ich will jetzt keine Betriebsgeheimnisse ausplaudern, aber im Literaturarchiv in Wien waren die Handschuhe schon in einem jämmerlichen Zustand und wir haben dann keine Handschuhe verwendet im Normalfall.

Martin Puntigam Aber in Filmen sieht man das noch und das wird sich wahrscheinlich noch ganz lang halten, dass in Archiven Leute Stoffhandschuhe anhaben, So wie die Defibrillatoren noch immer zwei Bügeleisen sind, die aufgelegt werden, obwohl man das lange schon nicht mehr macht in der Medizin.

Nicole Streilter-Kastberger Da kenne ich mich nicht so gut aus, aber die Handschuhe sind definitiv irgendwie ein Mangel in diesen Archiven. Da sind sie meistens nicht so gut ausgestattet wie Ärzte jetzt mit Handschuhen.

Martin Puntigam Jetzt waren die farblich gekennzeichnet mit Buntstiften und das ist wahrscheinlich nicht nur gut angekommen bei den Menschen, die das gesehen haben, oder?

Nicole Streilter-Kastberger Genau, also die Erben haben das dann irgendwann erfahren, also das war dann die Witwe schon von Lajos von Horvath und die hat das erfahren, dass da eben reingemalt wurde und das ist vom archivarischen Standpunkt wirklich ein absolutes No-Go, dass man in Maskekte reinschreibt. Aus diesem Grund wurde dann der Nachlass aus der Berliner Akademie rausgeklagt von den Erben und Österreich hat sich bereit erklärt, dafür relativ viel Geld aufzustellen und die Nationalbibliothek und die Wien-Bibliothek haben dann in einer Gemeinschaftsaktion diesen Nachlass erworben.

Martin Puntigam Wann war das ungefähr?

Nicole Streilter-Kastberger 1990.

Martin Puntigam So spät?

Nicole Streilter-Kastberger So spät, ja. Das war einer der ersten Nachlässe des Literaturarchivs der ÖNB, nämlich Nachlass Nummer drei und war wirklich natürlich ein riesen, Ankauf und eine tolle Sache, dass Horvath dann wieder nach Österreich gekommen ist, weil ja die Frage, welcher Nationalität Horvath ist, auch eine ständig akute Frage eigentlich ist.

Nicole Streilter-Kastberger Geboren ist er ja in Fiume, im heutigen Rijeka, an der Adria, 1901. Sein Vater war ungarischer Herkunft. Er hat auch Edmund von Horvath, also Ödün von Horvath geheißen. Ödün ist ja die ungarische Form von Edmund.

Martin Puntigam Wenn er in Wien aufgewachsen wäre, dann wäre er der Mundl Horvath gewesen?

Nicole Streilter-Kastberger Wahrscheinlich, ja. Also er hatte einen ungarischen Pass und zwar sein ganzes Leben lang eigentlich ist er Ungar. Aber die Ungarn scheren sich nicht viel um ihn eigentlich. Die wollen ihn nicht für sich reklamieren. So gesehen war es für die Österreicher und die Deutschen leicht zu sagen, das ist ein österreichischer Auto oder ein deutscher Auto.

Martin Puntigam Wenn man 20 Jahre lang daran arbeitet, weiß man ja am Anfang nicht, dass das 20 Jahre wären, sonst würden wir es ja vielleicht gar nicht machen.

Nicole Streilter-Kastberger Ja, genau. Ich habe wirklich überhaupt nicht in Jahren gedacht. Diese ganze Horrath-Ausgabe wurde zum Glück nur deshalb ermöglicht, weil der FWF, der österreichische Forschungsfonds, immer wieder Projekte, die wir ausgearbeitet haben, akzeptiert hat und damit diese Ausgabe finanziell ermöglicht hat.

Martin Puntigam Hast du zwischendurch schon mal die Daumen gedrückt, dass keine Bewilligung kommt, dass das endlich ein Ende hat?

Nicole Streilter-Kastberger Nein, also ich habe dann schon auch in karrieretechnischen Schritten gedacht und habe mir gedacht, es ist schon gut, wenn die das wieder bewilligen. Also wir hatten immer so für drei bis vier Jahre eine Finanzierung und dann mussten wir ein neues Projekt einreichen, haben uns dafür auch immer wieder ein neues Feature, wie wir es dann genannt haben, ausgetauscht.

Nicole Streilter-Kastberger Zum Beispiel eine digitale Ausgabe, zum Beispiel ein Horvathandbuch. Und mit diesen Features ist das dann immer wieder durchgegangen. Die Ausgabe ist auch von Anfang an in der Fachwelt sehr positiv besprochen worden. Und darauf konnten wir uns natürlich auch berufen. Ich habe dann ein Kind gehabt auch. Und dann braucht man irgendwie auch ein dauerhaftes Einkommen, wenn man Familie hat, besonders, finde ich.

Nicole Streilter-Kastberger Und deshalb war es mir dann auch immer recht, da weiterzuarbeiten an Horvath. Man muss auch sagen, je mehr man sich natürlich mit seinem Autor beschäftigt oder einer Autorin, umso spannender wird es letztlich. Es wird nicht langweilig, im Gegenteil. Es wird immer spannender, weil man immer tiefer schürfen kann und es war auch jeder Band dieser Werkausgabe, die dann 19 Bände umfasst hat, nach 20 Jahren, war wirklich jeder Band wieder eine neue Herausforderung.

Nicole Streilter-Kastberger Wir mussten unser Editionsprinzip, unser Konzept immer wieder adaptieren an die einzelnen Werke, weil die Nachlassmaterialien dann immer andere waren auch und wieder spezifische Herausforderungen gestellt haben an uns. Und so ist es eigentlich nie langweilig geworden. Und dann hat man dann 20 Jahre an Horvath gearbeitet.

Martin Puntigam Nach 20 Jahren ist das Kind groß, da kann man dann aufhören und was anderes machen. Aber hast du da das Gefühl gehabt, nach 20 Jahren sich so intensiv mit jemandem zu beschäftigen, dass man den einerseits dann tatsächlich schon auf eine Art persönlich kennt und auf der anderen Seite, würdest du ihn gerne kennenlernen, hättest du die Möglichkeit dazu?

Nicole Streilter-Kastberger Ja, beides. Also ich habe das Gefühl, ihn persönlich zu kennen und würde ihn aber, das hat man mich schon einmal gefragt, ob ich ihn gerne mal treffen würde, natürlich. Sehr gern.

Martin Puntigam Um was zu fragen oder ist das eine zu intime Frage?

Nicole Streilter-Kastberger Naja, es gibt so ein bisschen die Diskussion immer wieder, ob er nicht sehr publikumswirksam geschrieben hat. Und das ist eine Frage, die mich schon sehr beschäftigt, weil ich der Meinung bin, dass er doch auch eigentlich sehr literarisch geschrieben hat und nicht so aufs Publikum geschaut hat. Jetzt gibt es aber zum Beispiel in Geschichten aus dem Wiener Wald so ein paar Szenen, in denen die Marianne in einem Varieté arbeitet oder in einem Nachtclub und sich da nackt auf eine goldene Kugel stellen muss, als personifizierte Jagd nach dem Glück da figurieren muss.

Nicole Streilter-Kastberger Und da gibt es in meiner Familie sogar mit meinem Mann immer die Diskussion, hat das Horvath nur geschrieben, weil er die Schauwerte solcher Szenen abräumen wollte oder genießen wollte oder hat das wirklich eine Funktion in dem Stück?

Martin Puntigam Du sagst ja und er sagt nein, obwohl es eigentlich eher für ihn geschrieben gewesen wäre.

Nicole Streilter-Kastberger Er sagt, Horvath hat das eigentlich nur geschrieben, weil er gewusst hat, dass er damit beim männlichen Publikum gut landen kann. Und ich sage, es hat eine starke Funktion in diesem Stück. Es muss einfach so sein, dass die Marianne ganz tief hinuntersteigen muss unter sich selbst. Und dazu musste sie halt nackt auf einer goldenen Kugel stehen.

Martin Puntigam Das ist immer eine Inszenierungsfrage, was man dann genau sieht.

Nicole Streilter-Kastberger Ja, wir haben zum Beispiel auch einmal eine Inszenierung gesehen von den Fischermänder-Spielleuten. Das ist so eine private Laienbühne in Niederösterreich, da an der Donau. Die haben sich dann etwas Besonderes ausgedacht. Die haben nämlich genau für diese Szene sich Pole-Dancerinnen aus Bratislava organisiert, die dann da auf der Bühne zu sehen waren.

Martin Puntigam Und das natürlich ganz gut in die Gegenwart geholt haben damit. Fisch am Ende ist ein ganz gutes Stichwort, um dann auf den Florian überzuleiten. Der Fisch ist ja in dem umfangreichen Werk von Odin von Harvard, gibt es viele Theaterstücke, viele im Dialekt und dann auch in dieser künstlicheren Sprache später. Aber der Fisch und das Fische-Zeitalter fühlen eine große Rolle in Jugend ohne Gott.

Martin Puntigam Und ich war erstaunt, wie ich gelesen und gehört habe, dass er tatsächlich selber bei Laber-Gläwisch gewesen sein dürfte, weil er dort nämlich einen Kollegen in einer Bar auftauchen lässt. Und der sagt dann, ich bin zwar nur ein Amateur-Astrolog. Und das ist einer dieser Witze, die wir in unserer Kindershow verwenden, wenn wir spielen und über Astrologie reden, dass wir sagen, in Astrolog ist die genaue Beschreibung dessen schon drinnen, was von Astrologie zu halten ist, nämlich der Astrolog.

Martin Puntigam Aber er dürfte es offensichtlich geglaubt haben.

Nicole Streilter-Kastberger Das ist eine gute Etymologie, finde ich. Aber ja, Horvath hat vor allem gegen Ende seines Lebens, also wie er älter geworden ist, sagen wir es so, weil er wusste ja nicht, dass er bald sterben würde oder hat das zumindest nur geahnt, ist er immer stärker eigentlich so einer Mystik auch verpflichtet gewesen.

Nicole Streilter-Kastberger Es gibt zum Beispiel in dem Stück Der jüngste Tag gibt es so eine Zahlensymbolik, das hat jemand einmal aufgedröselt, da kommen ganz viele Zahlen vor und die kann man alle zahlensymbolisch deuten. Und möglicherweise hat Horvath das nicht unabsichtlich so reingestellt in dieses Stück. Und dann ist halt die Frage, hat er an Astrologie geglaubt? Also es gibt immer wieder Figuren auch, die sich aus der Hand lesen lassen oder die sich eben ein astrologisches Zertifikat erstellen lassen.

Nicole Streilter-Kastberger Er selber hatte die Angewohnheit, in Briefen immer wieder zu schreiben, wenn er irgendwas hingeschrieben hatte, dann als Abschluss unberufen, toi, toi, toi. Also was so viel heißt wie, du musst nicht verschreien oder so. Er hatte offensichtlich so eine gewisse Neigung dazu, abergläubisch zu sein, aber erwiesen ist das auch nicht.

Nicole Streilter-Kastberger Das ist so ein bisschen eine Horvath-Mythologie, die halt weiter transportiert wurde. Aber eben die Tatsache, dass er zur Wahrsagerin auch gegangen ist, lässt schon ein bisschen darauf schließen, dass er ein Bedürfnis nach Sinndeutung für sein Leben hatte und irgendwie sich an pseudoreligiöse, aber auch wirklich religiöse Menschen auch gewandt hat, um mehr über sein Leben zu erfahren.

Nicole Streilter-Kastberger Also so eine gewisse Sinnsuche, auch eine Regression und eine Hinwendung zum Religiösen kann man im Spätwerk durchaus feststellen. Und möglicherweise geht das auf biografisch eigenes Empfinden zurück.

Martin Puntigam Also das Gefühl gehabt hat, es gibt ja dieses Sprichwort alte Huren wären fromm. Jetzt war er kein Hure in dem Sinn. Wie du sagst, er hat nicht fürs Publikum absichtlich geschrieben, aber da ist durch den Aststurz vielleicht Schlimmeres im Alterswerk uns erspart geblieben.

Nicole Streilter-Kastberger Ja, ich weiß nicht. Also wenn man sich diese späten Texte anschaut, also so wirklich fromm ist er ja nicht und wenn es in Jugend ohne Gott geht es eigentlich, da wird die Chiffre Gott eigentlich verwendet. Ja, da ist nicht irgendein religiöser Gott gemeint, sondern Gott als Symbol für die Wahrheit, für Gerechtigkeit, für unser eigenes Gewissen vielleicht auch.

Nicole Streilter-Kastberger Und das ist, glaube ich, die entscheidende Rolle auch, die das Wort Gott oder die Chiffre Gott in dem Text spielt. Für mich ist es schon so, Horvath hat sich ja in der Zwischenkriegszeit, also in den Jahren 1933 bis 1935, schon ein bisschen opportunistisch verhalten. Er wollte sich eigentlich noch im Deutschen Reich in irgendeiner Form aufhalten können und dort auch mit seinem Schreiben weiterhin leben können.

Nicole Streilter-Kastberger Hat dann für den Film geschrieben, weil er von den Nationalsozialisten, also von der Reichsschriftungskammer. Eigentlich eher für die Fachschaft Film angeworben wurde und dafür eine Mitgliedskarte bekommen hat. Deshalb hat er dann auch für den Film geschrieben, aber er hat sich dann 1935 relativ dezidiert dann auch abgewandt von den Nationalsozialisten und von Deutschland, ist dann nach Österreich übersiedelt und hat dann wieder versucht, an sein antifaschistisches Frühwerk eigentlich anzuschließen.

Nicole Streilter-Kastberger Die Suche nach Gott oder auch diese Rehabilitierung, die Jugend ohne Gott dann eigentlich darstellt, weil da wird ja eigentlich ein Lehrer gezeigt, der sich dann gegen dieses Regime, dieses Autoritäre, das da im Roman auch dargestellt ist, wendet. Da hat er eben sich als, glaube ich, auch biografisch eigentlich wieder freigeschrieben, und nicht so sehr, dass er jetzt seiner religiösen Tendenz gefolgt wäre, sondern eben, dass er das eigene Gewissen entdeckt hat und für das geschrieben hat.

Martin Puntigam Es klingt heute komisch, dass man aus Deutschland weggeht, wenn einem die Rechtsradikalen zu unangenehm sind und nach Österreich sie wendet. Danke vielmals, Michael. Applaus Applaus Applaus, Jetzt habe ich es schon kurz angesprochen, das Fischezeitalter, das schon vorher angesprochen, das Fische-Zeitalter in der Astronomie.

Martin Puntigam Astronomie wird ja im Alltag sehr gern mit Astrologie verwechselt. Ich war schon einige Male daneben, wo Leute jetzt, Aus der Astrologie, was dir dann empört dagegen gewährt, ich muss das nicht den Unterschied herausarbeiten, der ist eh eindeutig, aber das Fische-Zeitalter spielt in beiden Neigungsrichtungen eine Rolle.

Florian Freistetter Naja, es spielt in der Astrologie mehr eine Rolle als in der Astronomie, aber ich weiß jetzt nicht, ob ich jetzt als Astronom der Horvath-Forschung Dinge sagen kann, die sie noch nicht weiß, aber vielleicht ist es so. Also zumindest aus astronomischer Sicht kann ich sagen, aus astronomischer Sicht, wenn ich das Buch Jugend ohne Gott beurteile, kann ich sagen, dass Horvath sich offensichtlich nicht ausführlich mit Astrologie beschäftigt hat, weil das Fischezeitalter, so wie es da dargestellt wird, ist aus astronomischer und aus astrologischer Sicht Unsinn.

Florian Freistetter Also das hat er da entweder absichtlich, da kennen wir ja doch nicht aus mit Literatur, also entweder er hat es absichtlich so verwendet, falsch oder es war ihm wurscht. Aber im Buch geht es dann darum, dass der Fisch das Symbol für diese emotionsfremden Kinder und alles, der Mörder mit den Fischaugen und so weiter.

Florian Freistetter Es wird dieses Fischezeitalter angesprochen und der ehemalige Kollege von ihm, der Julius Cäsar genannt wird in dem Buch, sagt, jetzt kommt bald das Fischezeitalter und deswegen wird die Jugend dann immer verroter. Und egal, ob man jetzt diese Sachen mit dem Fischezeitalter astronomisch oder astrologisch versteht, es ist definitiv nicht so, dass das Fischezeitalter kommt, wenn dann geht es höchstens. Also das ist das, was man aus astrologischer und astronomischer Sicht sagen kann.

Florian Freistetter Und damit man es versteht, sage ich vielleicht kurz, was gemeint ist mit dem ganzen Zeug. Weil man trifft es wirklich meistens in der Astrologie. Da heißt es dann ja meistens das Wassermann-Zeitalter. Das ist das, von dem gesprochen wird im Musical Hair. 68 kam das, glaube ich, raus. Da ist es ja ganz berühmt mit dem Dawning of the Age of Aquarius und so.

Florian Freistetter Also das Wassermann-Zeitalter, das ist das, was das Fische-Zeitalter ablösen soll. Und das ist erstens mal alles esoterischer Humbug und Quatsch, aber es hat einen wissenschaftlichen Hintergrund. Gut, das müsst ihr jetzt mit sehr vielen Bildern sehr ausführlich erklären, aber das mache ich nicht. Ich probiere es ohne Bilder kurz.

Florian Freistetter Wir wissen, dass es Jahreszeiten gibt.

Martin Puntigam Obwohl im Alltag immer wieder behauptet wird, es gibt keine Jahreszeiten.

Florian Freistetter Ja, aber es gibt sie. Einer der Hauptgründe oder der Hauptmerkmal der Jahreszeiten ist, dass es im Sommer länger hell ist als im Winter. Das muss man merken. Im Sommer ist es hell und das liegt daran, dass die Sonne im Sommer höher am Himmel steht zum Mittag als im Winter. Das heißt, sie braucht länger, bis oben ist, länger bis unten ist.

Florian Freistetter Das heißt, sie verbringt mehr Zeit am Himmel als im Winter, wo sie weniger Zeit am Himmel verbringt. Und es gibt genau zwei Tage im Jahr, wo die Sonne genauso viel Zeit am Himmel wie unterm Horizont verbringt. Das haben wir jetzt gerade gehabt. Frühlingsanfang und Herbstanfang, die Tag- und Nachtgleichen, die Äquinoxien.

Florian Freistetter Und wenn man sich jetzt anschaut, wo von der Erde aus gesehen die Sonne am Himmel steht an diesen beiden Tagen. Die Sonne ist immer am selben Punkt in echt. Die Erde umkreist die Sonne. Aber jetzt aus unserer erdzentrierten Sicht können wir von der Erde zur Sonne schauen. Und da können wir schauen, vor welchem Sternenhintergrund steht die Sonne.

Florian Freistetter Das ändert sich ja im Lauf des Jahres, weil wir bewegen uns mit der Erde um die Sonne rundherum und schauen immer aus einem anderen Winkel auf die Sonne und sehen die Sonne immer von einem anderen Hintergrund an Sternen. Das heißt, wir können jetzt schauen am Tag des Frühlingsbeginns, an dieser Tag- und Nachtgleiche, wo steht die Sonne, vor welchem Sternenhintergrund steht die Sonne.

Florian Freistetter Und wenn wir das derzeit tun, dann sehen wir, dass die Sonne dort steht, wo wir uns das Sternbild Fische ausgedacht haben. Und das ist aber nicht konstant, weil dieser Punkt, wenn man das jetzt so entlang der Erdbahn denkt, da bräuchte ich jetzt die Bilder dafür, aber dieser Punkt ändert sich im Laufe des Jahres.

Florian Freistetter Der rennt quasi einmal um die ganze Erdbahn entlang herum und nicht einmal im Jahr, sondern einmal in 25.800 Jahren. Das liegt daran, dass die Erdachse schief steht und nicht wild schwankt, aber sich im Kreis dreht. Das hat Gründe, liegt an der Form der Erde, liegt am Mond, aber die Erdachse bewegt sich einmal in 26.000 Jahren rundherum und das führt dazu, dass dieser Punkt, an dem die Sonne scheinbar am Himmel steht, zu Frühlingsbeginn eben auch sich verschiebt im Laufe von 26.000 Jahren.

Florian Freistetter Wie gesagt, damals, als man sich das ausgedacht hat, also als man das gemessen hat, dass das passiert, das war vor über 2000 Jahren, da hat das der griechische Forscher Hippar festgestellt, der war der Erste, der festgestellt hat, dass er das alles so verschiebt. Und da war das alles irgendwo so im Wider im Sternbild damals.

Florian Freistetter Darum ist auch das astronomische Symbol für diesen Punkt, ist immer noch das Wider-Symbol. Wenn man das mal sehen sollte in der Literatur, ist auch in der astronomischen Literatur drin. Heute sehen wir es im Sternbild Fischer und als nächstes käme dann das Sternbild Wassermann. Und das ist das, was die Astrologie eben gesagt hat. Früher war das Zeitpunkt Wider, dann sind wir ins Zeitalter der Fischer gekommen.

Florian Freistetter Das hat man dann interpretiert, ja, Christen, Fische, Symbol. Jetzt ist das Zeitalter des Monotheismus vom, wie heißt das andere, Polytheismus davor abgelöst worden. Und dann kamen die Hippies und haben gesagt, ja, jetzt hier nach dem Monotheismus im Wassermann-Zeitalter Da kommt dann so die Zeit des göttlichen Menschen, wo der Mensch im Mittelpunkt steht und alles Mögliche passiert.

Florian Freistetter Aber wie gesagt, das hängt, abgesehen davon, dass alles Quatsch ist, ist es auch noch in sich Quatsch, weil die Leute sich nicht einigen können, wie die Grenzen am Himmel sind. Weil die Astrologie hat sowieso ihren eigenen Himmel, der nicht mit dem realen Himmel übereinstimmt. Je nachdem, wo man diese Grenzen zieht zwischen den Sternbildern, ist der Übergang von einem Zeitalter zum nächsten komplett unterschiedlich.

Florian Freistetter Also wenn wir die aktuell von der Astronomie festgelegten Sternbildgrenzen hernehmen, dann kommen wir irgendwann im Jahr 2600 vom Fische-Zeitalter ins Wassermann-Zeitalter. Wenn man irgendwelche anderen astrologischen Sternbildgrenzen hernimmt, dann kann das auch erst im Jahr 3600 sein. Oder war schon längst, also ich habe Zahlen gefunden, glaube ich, von 1900, 1950, 1967.

Florian Freistetter 1998, 2005, also eh alles im Prinzip, was man sich also ausdenkt, weil man sich da halt beliebige Grenzen ziehen kann und das historisch beliebig interpretieren kann. Und am Ende ist es so oder so, wurscht mal, es passiert halt nichts. Also es ist einfach nur, wir sehen halt die Sonne von einem anderen Hintergrund, es tut nichts. Aber das ist die astronomische Grundlage von diesem Fischezeitalter.

Florian Freistetter Und wie gesagt, wenn Horvath da nicht einen ganz besonderen Grund gehabt hat, das astrologisch falsch darzustellen, dann hat er es aus anderen Gründen falsch dargestellt, weil er es vielleicht doch nicht so genau gehabt hat mit der Astrologie.

Martin Puntigam Und nur das Bild des Fisches haben wollten sie.

Florian Freistetter Ja, aber ein Wassermann kann man auch, der kann auch grauslich sein. Hat auch einen Speer, der kann auch Leute umbringen. Das hätte er schon geschafft, der Horvath, oder? einen bösen Wassermann.

Martin Puntigam Das wird ja wahrscheinlich literarisch schon hinbekommen, aber von der Literatur über die, Fische zum Fußball ist natürlich ein weiter Weg, glaubt man, aber man hört immer wieder, dass Spitzensportler, Spitzensportlerinnen besonders abergläubisch seien, unter anderem auch deshalb, weil halt schwere Verletzungen so unangenehm sind, dass man sich so schwer davon erholt, dass man halt jeden Hokus-Pokus gerne nimmt und in der Hoffnung, dass man schneller gesund wird. Kannst du das bestätigen?

Gilbert Prilasnig Zum Teil schon, ja, weil es auch mich selbst natürlich betroffen hat. Also es ist ja so, wenn man jeden Tag, so wie es in meinem Fall der Fall war, dass ich jeden Tag Höchstleistungen im Sport bringen musste, das sind Verletzungen, die man im Alltag überhaupt nicht spürt, plötzlich ein großes Problem.

Gilbert Prilasnig Also du stehst ganz normal in der Früh auf, du spürst gar nichts.

Martin Puntigam Das geht ja oft ohne Spitzensport. Ja, weniger.

Gilbert Prilasnig Also der ganze Tag, also absolut uneingeschränkt, es ist nicht irgendwo ein Anzeichen davon, dass man eine Verletzung hätte und sobald man dann also den Sport versucht auszuüben, dann merkt man, oh, hier oder hier oder wo auch immer, das stört mich und behindert mich. Und ich hatte selbst eine Erfahrung, dass ich ein Jahr lang, ich glaube über ein Jahr, an einer sehr hartnäckigen Verletzung gelitten habe.

Gilbert Prilasnig Das war so im Adduktorenbereich, in der Leiste, was natürlich ein Bereich ist, der im Fußball sehr belastet ist und sehr stark belastet wird. Und bin dann von Arzt zu Arzt gelaufen, habe schon alle möglichen Injektionen, Spritzen bekommen und kam dann aber zu einem Arzt, der über Freundevermittlung, der auf der Uniklinik Graz gearbeitet hat und auch das Diplom für anthroposophische Medizin hatte.

Gilbert Prilasnig Und der hat mich dann kurz angeschaut und sehr selbstbewusst und überzeugend gewirkt und gesagt, okay, ich glaube, ich weiß schon, was du hast. Und ich dachte, ich kriege jetzt, ich weiß nicht, was für eine Therapie und wieder, was ich überhaupt noch nie erlebt habe, der hat mir nur einen Salben und auch Loboli verschrieben, und hat gemeint, in 14 Tagen sollte das eigentlich schon deutlich besser sein.

Gilbert Prilasnig Und es war tatsächlich so, dass es nach einer Woche geschieht. Und nie mehr gekommen ist.

Martin Puntigam Und du bist jetzt an die sogenannte Alternativmedizin verloren oder bist dann schon wieder zu Sinnen gekommen?

Gilbert Prilasnig Also Fakt ist, dass ich den natürlich sofort zu meinem Hausarzt gemacht habe. Auch wenn er auf der Uniklinik gearbeitet hat.

Martin Puntigam Er hat ja eine ordentliche Ausbildung gehabt, sonst wäre er nicht auf der Uniklinik gewesen und hat halt mit dem Hokus-Pokus Nebengeschäfte gemacht. Vorlasshandel gibt es ja auch in der Literatur.

Gilbert Prilasnig Ich sage dazu, ich muss dir nichts bezahlen. Also ich musste nichts extra bezahlen.

Martin Puntigam Aber die Wahrscheinlichkeit, dass das nach einem Jahr auch schon langsam wieder von selber gut geworden sein könnte, akzeptierst du als Erklärung?

Gilbert Prilasnig Nein, weil es wurde dann eigentlich stärker schon und habe dann eben nach diesem Arztbesuch zwei, drei Tage später ein Spiel gehabt und dachte mir, okay, ich habe das Gefühl, es ist schon ein wenig besser geworden. Und eine Woche später war es weg. Aber ich habe auch diesen Fall erlebt natürlich, weil ich die Weltmeisterschaft 1998, da hätte ich spielen sollen, also das ist schon lange her, aber da war Österreich tatsächlich für die Weltmeisterschaft qualifiziert.

Martin Puntigam Das macht man als Spieler, wenn man zufällig in der Zeit gespielt hat, wo eine Qualifikation für die Endrunde gelungen ist, dass man die anderen höhnisch runterblickt.

Gilbert Prilasnig Es tut mir leid, wenn ich jetzt vielleicht überheblich gewirkt habe, aber da hatte ich eine schwere Knieverletzung, zwei Tage bevor es eben in die Vorbereitung ging und war klar, okay, ich kann nicht bei der Weltmeisterschaft mitspielen und auch damit nicht mitfahren. Und habe mir natürlich dann sofort überlegt, okay, was soll ich machen?

Gilbert Prilasnig Es hat geheißen, ich muss dringend das Knie operieren. Habe aber dann unterschiedliche Meinungen auch von Spezialisten bekommen, die einen meinten, sofort operieren, die anderen sagten, vielleicht doch nochmal schauen, weil eine OP jetzt da hinein ist, auch vielleicht nicht zielführend. Und wurde dann vermittelt zu einem Ägypter, der in Salzburg in Hallein praktiziert hat.

Martin Puntigam Von dem habe ich schon gehört. Da muss man pünktlich sein. Wenn man nicht pünktlich ist, wird man weggeschickt und es tut sehr, sehr weh.

Gilbert Prilasnig Ja, das war wirklich eine Grenzerfahrung, muss ich sagen. Also ich hatte mir mein Knie dann behandelt, so mit manueller Therapie. Das hat sich angefühlt wie eine Stromtherapie und das hat ganz stark wehgetan, auch aus dem Grund, weil ich konnte das Knie eigentlich nur 90 Grad abbiegen und am Ende der Therapie hat es mir einfach bis zum Gesäß abgebogen und ich habe dort geschrien, aber ich konnte es natürlich nicht runterbringen.

Martin Puntigam Weil es ein kräftiger Ägypter war.

Gilbert Prilasnig Ja, ob es vielleicht deshalb oder der andere Fuß war dann auch schon irgendwie gelähmt. Jedenfalls, das war eine sehr, sehr teure Behandlung und er meinte nach dieser einen Behandlung, ja, es hat funktioniert, es ist alles okay.

Martin Puntigam Und du hast ja gedacht, es tut so weh und war so teuer, Da gehst du auf jeden Fall nimmer hin, egal ob es nachher wehtut oder nicht.

Gilbert Prilasnig Naja, ich habe dann natürlich meine Physiotherapien weitergemacht und ich konnte dann schon ohne Operation wieder in den Fußball einsteigen. Also das hat funktioniert, aber das hat mich eigentlich weniger überzeugt davon, dass da jetzt wirklich auch fundiertes Wissen dahinter war. Aber es war sicher auch etwas, wo ich weiß, sehr, sehr viele Fußballer und auch andere Sportler sind dorthin gefahren und haben ordentlich auch viel Geld dort gelassen.

Martin Puntigam Bevor du dich von einem Ägypterquälen hast lassen, hast du ja deine Fußballkarriere erst beginnen müssen, um sie dann erblühen lassen zu können. War das damals schon klassisch, dass man als Bub entdeckt wird, dann kommt man in den Verein, dann wird man gefördert, dann kommt man in eine Akademie, wie das heute der Fall ist, und dann irgendwann einmal landet man in der Kampfmannschaft, wenn man nicht zu verletzt ist?

Gilbert Prilasnig Ja, Akademien hat es damals noch keine gegeben. Also dadurch habe ich diese Karriere nicht durchgemacht, aber es gab schon so etwas Ähnliches, so diese Vorstufe von den heutigen Fußballakademien, wo man auch viermal in der Woche in so einem Leistungszentrum trainieren konnte. Da war ich nie. Also das hat mein Vater, der ein Riesenfußballfan war und auch meine Karriere sehr gefördert hat, hat gesagt, da brauchst du nicht hin, weil da hätte ich müssen jeden Tag eineinhalb Stunden auf der Hinfahrt im Bus sitzen, weil da haben sie alle das Spiel abgeholt und dann zum Training gebracht und dann wieder nach Hause gebracht.

Gilbert Prilasnig Also das wäre ungefähr drei Stunden am Tag zu einer Trainingsstätte, wo man in 30 Kilometern sonst in 20 Minuten sein könnte. Und das ist viel zu viel Zeit und da brauchst du nicht sein. Und dadurch habe ich bis zu meinem 18. Lebensjahr beim V.S. Der Völkermatt gespielt in Kärnten und bin dann direkt zu Sturm Graz gewechselt.

Gilbert Prilasnig Und habe auch sehr spät, eigentlich auch erst beim Verein Spielen angefangen.

Martin Puntigam Aber wo hast du dann gespielt?

Gilbert Prilasnig Auf der Wiese. Also das war so, wie es in der Stadt Straßenfußball gegeben hat, gab es halt am Land Wiesenfußball. Und wenn die Freunde Zeit hatten, hauptsächlich mit Freunden gespielt, bin dann erst mit zwölf Jahren zum Verein gegangen. Das ist in der heutigen Zeit eigentlich ja undenkbar, dass jemand, der später Profifußballer wird, erst mit zwölf Jahren beim Verein.

Martin Puntigam Frank Ribery war ein bekanntes Beispiel, der sehr spät erst zum Fußball gekommen ist und dann sehr erfolgreich geworden ist. Könnte daran liegen, dass du mit deiner Oma sehr viel Fußball gespielt hast?

Gilbert Prilasnig Das könnte natürlich daran liegen, aber die Oma musste nur dann herhalten, wenn sonst niemand Zeit hatte natürlich.

Martin Puntigam Also die hat eben mehr als Mitleid mit dir gespielt und hat sich mit dir halt auch Gurkettel nach einer anderen Scheiben lassen. Ja, genau. Und dann, um ein Wortspiel zu bemühen, Gurkettelscheiben zu schneiden und eine Jause zu richten, dass endlich eine Ruhe ist und sie wieder sich hinsetzen kann. Das war für dich aber klar, dass du Fußballprofi werden möchtest oder wolltest du jemals was anderes machen?

Martin Puntigam Weil du hast ja maturiert und bist eigentlich zum Studieren nach Graz gegangen, oder?

Gilbert Prilasnig Also eigentlich war es schon als kleiner Junge, ich ging in die Volksschule, ich weiß ganz genau, da war es für mich schon klar, ich will Profifußballer werden. Und da gab es dann so eine Unterrichtsstunde, da mussten wir unseren Berufswunsch aufschreiben und ich habe mir gedacht, das kann ich jetzt nicht hierher schreiben, Denn wenn ich das jetzt hier herschreibe, erstens vielleicht lacht mich die Frau Lehrerin aus oder so.

Gilbert Prilasnig Mitschüler und Mitschülerinnen. Andererseits habe ich auch gedacht, da kann man wieder zum Aberglauben, wenn ich das jetzt hinschreibe, dann geht dieser Wunsch vielleicht nicht in Erfüllung. Und dann habe ich hingeschrieben, ich möchte gerne Mechaniker werden. Und dann musste ich auch einen Grund dazu schreiben und habe geschrieben, weil ich gerne Schrauben anziehe.

Gilbert Prilasnig Und mehr ist mir nicht eingefallen. Und als sie das gelesen hat, ich weiß nicht genau warum, aber sie hat mir das nicht geglaubt. Die war auch ziemlich streng und das war jetzt eine Lehrperson jetzt so eher von alter Schule, hätte ich mal gesagt.

Martin Puntigam Also schwarze Pädagogik, handgreiflich oder nur streng?

Gilbert Prilasnig Schon handgreiflich auch, in diesem Fall nicht natürlich, da war es aber, ich habe mich dann richtig schlecht gefühlt und sie gesagt, das glaube ich dir nie und ich musste dann wirklich irgendwas machen, irgendeine Strafaufgabe oder ich glaube nicht, dass ich deshalb in die Ecke stehen musste, aber, irgendwas war sicher, war jedenfalls ein Erlebnis, das mir bis heute in Erinnerung geblieben ist und das war jetzt nicht unbedingt eines, auf das ich sehr gerne zurückkriege.

Martin Puntigam Aber du erzählst immerhin, ohne in Schweißausbrüche zu verfallen davon und Schrauben hat es dann wahrscheinlich ja gegeben, hat man früher gesagt, zu hohen Niederlagen, ordentliche Schrauben kassiert, das wird es dann gegeben haben am Weg. Wenn du maturiert hast und nach Kratz zum Studieren gegangen bist, schon mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass du natürlich nicht Mechaniker, sondern Fußballprofi werden möchtest, was hast du denn zu studieren begonnen?

Martin Puntigam Landläufig sagt man nach wie vor, wenn jemand nicht genau weiß, was er studieren möchte, er soll Theaterwissenschaften anfangen, dann wird er schon was finden. War das bei dir auch so?

Gilbert Prilasnig Nein, Theaterwissenschaften sind für mich jetzt nicht in Frage gekommen. Ich habe in der Schule auch Theater gespielt und ja, das Talent war jetzt überschaubar, sage ich mal.

Martin Puntigam Aber das braucht man dann später als Fußballer schon, wenn man leicht gefault wird und man wälzt sie am Boden.

Gilbert Prilasnig Ja, bei mir war es eher so, ich habe die anderen gefault und dadurch habe ich nicht so viel Theater spielen müssen. Und jedenfalls war es so, dass ich natürlich zu Hause Mein Vater hat das zwar sehr forciert und das auch irgendwie in die Wege geleitet, dass ich dann zu Sturm Graz wechseln konnte. Ich war dann doch schon bekannt als großes fußballerisches Talent.

Gilbert Prilasnig Aber eines war klar, in erster Linie sollte ich studieren und in zweiter Linie dann auch schauen, ob es beim Fußball auch was wird. Und ich habe mich dann für Sprachen entschieden. Ich habe dann Spanisch und Russisch inskribiert und habe mal mit Spanisch angefangen. So viel Zeit hatte ich dann auch nicht neben dem Fußball. Ich habe aber ganz schnell gemerkt, dass eine Einzelsprache zu studieren neben einer professionell ausgeführten sportlichen Tätigkeit eigentlich unmöglich ist.

Gilbert Prilasnig Das liegt schon allein an der Sprachausbildung, die halt aufbauend ist und wo man halt immer mitmachen muss und wo man auch Anwesenheitspflichten hat. Und da gab es dann nach zwei Semestern so den Cut und habe mir gedacht, na, das kann ich so nicht mehr weiterstudieren. Ich muss mal was anderes suchen.

Martin Puntigam Wann ich lernen, wenn du es bei Real Madrid anheuerst?

Gilbert Prilasnig Das habe ich mir damals auch noch gedacht, aber ich hätte vielleicht doch vier Semester dann zumindest die Sprachausbildung machen sollen.

Martin Puntigam Aber du sprichst ja zu viele Sprachen, erzählst du selber, steht auch auf deiner Wikipedia-Seite, glaube ich, zehn Sprachen, stimmt das?

Gilbert Prilasnig Ja, ungefähr.

Martin Puntigam Kärznerisch, Steirisch, Steirisch sind einmal drei.

Gilbert Prilasnig Also es ist so, dass ich dann eben, nachdem ich im zweiten Jahr meines Grazaufenthalts mal ganz intensiv studiert habe, was ich eigentlich studieren könnte, habe ich mich dann für Sprachwissenschaft entschieden und das hat mich dann schon sehr interessiert und da bin ich dann auch dabei geblieben. Habe mich dann, so wie die Nicole sich 20 Jahre mit Oedon von Harbert, habe ich mich halt 20 Jahre auf der Uni mit meinem Studium herumgeschlagen.

Martin Puntigam Echt fast 40 Semester?

Gilbert Prilasnig Ja, wenn man die ersten zwei dazu nimmt und dann kommt man auf 40 Semester, wobei natürlich auch ein Auslandsaufenthalt, ein sportlich, beruflich bedingter dabei war, wo ich dann eben eine Pause eingelegt habe. Aber es waren letztendlich 40 Semester. Aber ich bin da immer dabei geblieben, weil ich das einfach als mein Hobby gesehen habe.

Gilbert Prilasnig Also es war ja dann relativ schnell klar, dass doch der Fußball im Vordergrund steht, das Studium im Hintergrund, in den Hintergrund gedrängt wurde. Und das war auch eigentlich mein Plan. Der ist dann auch aufgegangen. Und ja, die Linguistik ist etwas, wo man jetzt, dass man studieren kann, da muss man aber jetzt nicht viele Fremdsprachen sprechen eigentlich.

Gilbert Prilasnig Es reicht, wenn man Englisch und Latein kann. Aber es liegt dann in der Natur der Sache, dass man sich dann auch für Fremdsprachen interessiert und habe dann einfach angefangen, habe ich in der Schule schon einige Fremdsprachen gelernt gehabt und habe dann einfach angefangen, da weiterzumachen. Durch dieses Bild, das ich dann in der Grammatik, durch die Linguistik kriegt man so einen Überblick über die Grammatik, da bin ich dann irgendwann ziemlich bald drauf gekommen, dass alle Sprachen in Europa, fast alle, eigentlich dieselbe Grammatik haben Und dadurch ist es eigentlich dann einfacher, war es für mich einfacher, dann auch eine neue Sprache dazuzulernen.

Martin Puntigam Jetzt kannst du Deutsch, natürlich Englisch, Latein offensichtlich von der Schule her. Du hast in Griechenland gespielt, wirst dann Griechisch gelernt haben. Das sind die Sprachen, die du sprechen kannst. Also Lateinisch wirst du nicht sprechen können.

Gilbert Prilasnig Na, Lateinisch habe ich so nie wirklich sprechen gelernt und übersetzen. Aber ich habe in der Schule schon Französisch und Italienisch und Spanisch gehabt. Also Spanisch war so ein Freifach und auch Slowenisch, wobei ich mir aufgrund des Wissens in Latein bei den romanischen Sprachen dann sehr leicht getan habe, habe dann Italienisch und Französisch relativ gut.

Gilbert Prilasnig Bald fließend, halbwegs fließend beherrscht und in weiterer Folge war es dann Spanisch und irgendwann kam dann auch Englisch dazu, weil das Matura-Englisch von an oder azo mal, jetzt war es nicht so, dass ich sofort fließend Englisch sprechen konnte, also da haben es die Kinder in der heutigen Zeit etwas einfacher.

Martin Puntigam Aber das kannst du heute alles? Also wenn ich dir jetzt einen Satz auf Steirisch sage, könntest du den auf Spanisch übersetzen?

Gilbert Prilasnig Auf Spanisch denke ich schon, also in den meisten Sprachen schon. Oft ist es so, dass ich, ich habe dann auch Kroatisch gelernt, das war so irgendwie in der Kabine, weil ich das in den 20 Jahren...

Martin Puntigam Aber da lernt man halt eher so Pitschka und Kurva und so Sachen.

Gilbert Prilasnig Oder? Auch, aber nicht nur. Und natürlich war das auch eine Sprache, die schnell nicht gesprochen wurde. Und ich war doch zehn Jahre bei Sturm Graz und da gab es immer eine Anzahl an Spielern aus Ex-Jugoslawien, die da gespielt haben und das hatte ich dann auch durch meine slowenische Basis, wo ich ein bisschen was auch gelernt habe in der Schule, dann konnte ich da relativ bald anschließen, weil ich mich natürlich auch dann zusätzlich noch damit beschäftigt habe.

Gilbert Prilasnig Es gibt auch Sprachbücher, wo man sich dann überlegen kann, okay, das, was ich da gehört habe, was bedeutet das eigentlich?

Martin Puntigam Aber hast du dann nur verstanden, wenn die heimlich gesagt haben, den Prelasnik, dem ziehen wir das nächste Mal die Unterhosen ins Kreuz? Oder hast du mit denen so reden können, dass es für das Mannschaftsgefüge günstig war?

Gilbert Prilasnig Reden konnte ich so gut dann nicht, aber ich habe relativ viel verstanden und ich konnte eigentlich dann schon ein wenig den Sinn raushören. Raushören. Und wenn ich jetzt zum Beispiel in Kroatien Urlaub mache, kann ich schon meine Tochter, die auch hier sitzt, die kann das bestätigen. Da bestelle ich immer auf Kroatisch und es kommt meistens das, was ich auch bestellt habe.

Martin Puntigam Aber die Kinder rollen dann meistens die Augen, wenn der Vater wieder anfängt, im Wirtshaus kroatisch zu bestellen.

Gilbert Prilasnig Ja, das ist immer dann furchtbar peinlich, aber einen Linguisten darf sowas nicht peinlich sein.

Martin Puntigam Jetzt bist du mittlerweile, ich habe es am Anfang gesagt, Master in klinischer Linguistik, aber bis dahin war eben diese fulminante Fußballkarriere. Jetzt ist Sturm heute wieder relativ gut, aktuell regierender Fußballmeister der österreichischen Bundesliga, aber damals war das ja wirklich eine Erfolgssträhne.

Martin Puntigam Hat das Gründe, weil du so gut die Sprachen beherrscht hast und alles übersetzen hast können? Oder der Trainer war damals Ibiza Osim, von dem ja alle eine hohe Meinung gehabt haben? Oder war das dieser rustikale Präsident?

Gilbert Prilasnig Naja, ganz schnell würde ich sagen, das war natürlich meine persönliche Fähigkeit, die da hauptsächlich dazu beigetragen hat, aber das wäre natürlich jetzt gelogen, denn ich habe, so wie die ganzen anderen Spieler auch, einen Teil dazu beigetragen, dass wir eine sehr erfolgreiche Zeit hatten, aber der Regisseur oder der Komponist des Ganzen war natürlich Ivica Osim, das ist immer der Trainer, denn das geht gar nicht anders, Auch wenn es manchmal heißt, ein Team, das ist so gut, das könnte ja auch ohne Trainer gut spielen.

Gilbert Prilasnig Es muss einer den ganzen, und das sind ja nicht nur elf Leute, es sind ja dann mehrere Spieler oder Spielerinnen, die dann auch noch reinkommen oder vielleicht auch in anderen Spielen zum Einsatz kommen. Da gibt es auch ein Betreuerteam und ein Betreuerstuff, dann gibt es eben... Präsidenten, der noch auch irgendwie Erklärungsbedarf jedes Mal hat oder wo man Erklärungsnotstände dann hat, wenn es einmal nicht so gut läuft.

Martin Puntigam Als Trainer.

Gilbert Prilasnig Als Trainer, ja. Und das hat der Ivica Russin perfekt beherrscht und der hat auch eine Atmosphäre geschaffen, dass wir jeden Tag liebend gerne zum Training gegangen sind. Also wir hatten sehr, sehr viel Spaß, wir haben sehr viel gelacht, obwohl wir so hart trainiert haben, dass ich eigentlich manchmal schon gedacht habe, ich weiß nicht, wie lange ich das noch aushalte, Aber ich lebe noch immer und ich spiele auch noch immer nicht mehr so viel Fußball, aber andere Sportarten kann ich noch betreiben und ich bin nicht eingeschränkt.

Gilbert Prilasnig Also ich habe das gut überstanden, mein Körper ist noch immer ziemlich gut funktionsfähig.

Martin Puntigam Was heißt sehr hart trainieren im Fußball? Wie kann man sich so eine Trainingswoche trainieren?

Gilbert Prilasnig Die Trainingswoche bei Ibiza Osim, und ich kann das vergleichen mit jetzt, war es so, dass wir Montag und Dienstag, Vormittag, Nachmittag trainiert haben, jeweils mindestens zwei Stunden und hochintensiv. Also nicht so, dass wir jetzt dann irgendwas taktisch gemacht haben, sondern das war immer irgendwelche Trainingsformen, wo sehr viel und in intensiver Weise gelaufen werden musste auch.

Gilbert Prilasnig Und am Mittwoch, Donnerstag, Freitag war es dann ein Training, nur am Samstag war es dann ein Spiel und am Sonntagvormittag war es auch ein Training, das war ein bisschen lockerer, aber da haben wir dann so ein Spiel für Spaß gemacht. War egal, ob man viel oder wenig gelaufen ist, Das war dann jedem selbst überlassen, aber trotzdem war es sicher eine Stunde, haben dann die Alten gegen die Jüngeren gespielt und da hat er auch immer bei den Alten mitgespielt und das hat ihm dann so viel Spaß gemacht, dass das auch so lange gedauert hat.

Gilbert Prilasnig Und dann habe ich mir gedacht, jetzt wäre es gut zu regenerieren und am Montag ging es wieder los, Montagvormittag, Nachmittag, Dienstagvormittag, Nachmittag. Und das war am Anfang so, bis zu dem Zeitpunkt, als wir dann so erfolgreich wurden, dass wir jede Woche zweimal gespielt haben. Da war es dann ein bisschen anders, der Trainingsrhythmus.

Martin Puntigam Aber wie erholt man sich dann von derartigen Strapazen?

Gilbert Prilasnig Ja, indem man sich dann mal eine Verletzung zuzieht.

Martin Puntigam Und zum Anthroposophen geht und dann ein bisschen Zeit schient.

Gilbert Prilasnig Und dann kriegt man die Erholungsphase.

Martin Puntigam Jetzt hast du ja Klubkollegen gehabt, die Internet-Mims geworden sind. Günther Neukirchner ist sehr berühmt für ein Interview, das viel geschaut wird, wo er den Reporter, der ihn gefragt hat, ob er nicht froh war, dass es abgepfiffen worden sei und weil man es gegenseitig hat, Die Mannschaft hätte Angst gehabt, noch mehr Tore gegen den GERK damals im Tabi zu kassieren. Er hat gesagt, das ist die nächste depperte Frage.

Martin Puntigam War der auch so im Umgang oder war das einfach sein Selbstbewusstsein, weil sie gedacht hat, jetzt haben wir eh gerade hoch verloren und das muss ich mich nicht blöd anreden lassen?

Gilbert Prilasnig Der Günther Neugierner war eigentlich eher ein ruhigerer Typ und hat sich eher im Hintergrund aufgehalten. War nie so jemand, der so im Vordergrund, auch in der Kabine nicht so, dass er ein großes Wort geführt hätte. Aber es ist schon so, dass wir im Laufe der vielen Jahre und auch durch das erfolgreiche Spielen und den vielen Siegen schon auch ein gewisses Maß an Selbstbewusstsein natürlich uns angeeignet haben.

Gilbert Prilasnig Also man kann ja nicht so über Nacht selbstbewusst werden und sagen, ich bin eigentlich so ein unsicherer Mensch. Aber ab morgen, da zeige ich es, das funktioniert so nicht, auch im Fußball nicht, dass man dann von über Nacht besser wird. Aber das hat schon auch dazu beigetragen, dass wir viel selbstbewusster wurden.

Gilbert Prilasnig Hat auch, muss ich sagen, der Ibiza Ossim seine Art, wie er mit uns umgegangen ist und auch der Hannes Kartnik, da muss ich auch eine Landseff in Hannes Kartnik sprechen.

Martin Puntigam Ja, ich muss auch sagen, ich habe ja meine Bühnenfigur bei den Science-Pasters nach ihm ausgerichtet.

Gilbert Prilasnig Ja, ja. Und also wir konnten da wirklich unsere Meinung sagen und das war überhaupt kein Problem. Also die haben uns schon behandelt wie erwachsene Männer und nicht wie Kinder, was nicht immer so ist bei Fußball, Klubs oder vielleicht bei anderen Sportvereinen.

Martin Puntigam Die Nicole hat erzählt, sie ist selber auch fußballbegeistert, mag das gern. Ich mag Fußball auch ganz gern. Ich schaue den hauptsächlich zur Entspannung. Mir ist wurscht, wer gewinnt. Sondern ich schaue gern, wenn schön gespielt wird das ist die angenehme Seite von Fußball oder wenn man als Fußballer erfolgreich ist aber Fußball hat natürlich eine furchtbare Schlagseite es ist eine extrem reaktionäre Branche und eine offensichtlich sehr korrupte Branche, der Realtrainer Angelotti steht gerade wieder wegen Steuerhinterziehung vor Gericht und zwar soll er in zwei Jahren ein paar Millionen Steuer hinterzogen haben also das würde ich gerne in einem ganzen Leben hinterziehen können, Wie gehst du denn mit dieser Ambivalenz um?

Martin Puntigam Die englischen Vereine sind ja teilweise Nationalmannschaften von arabischen Diktaturen oder von russischen Oligarchen eingekauft. Gleichzeitig ist es ein Spiel, das du leidenschaftlich dein ganzes Leben lang betrieben hast und betreibst. Wie gehst du denn mit diesen zwei Seiten des Fußball um?

Gilbert Prilasnig Ja, die eine Seite, also ich würde auch ganz gern mal zwei Millionen hinterziehen können, zumindest theoretisch und würde dann gerne das auch dem Fiskus überlassen, weil das heißt ja, dass ich mindestens zwei Millionen auch auf der anderen Seite habe. Das sind natürlich Dimensionen, die schon fast unvorstellbar sind, auch für mich. Hat es damals nicht gegeben.

Gilbert Prilasnig Auf der anderen Seite gab es das ja schon immer, auch diese Steuerhinterziehung. Ich habe auch in Griechenland gespielt. Erst als ich dann aus dem Vertrag ausgetreten bin, vorzeitig habe ich dann irgendwann erst meinen Vertrag gesehen, wie der wirklich ausgesehen hat, weil vorher hat es nur geheißen, okay, so und so viel verdienst du netto und was mit dem anderen Teil passiert ist, das muss einen Arbeitnehmer auch nicht interessieren, weil dafür ist ja der Arbeitgeber zuständig, dass die Steuern abgeführt werden.

Gilbert Prilasnig Bei Sturm Graz war es ja auch so, dass es ja dann mal zu einem Prozess kam und der Kartneck musste ja dann sogar ins Gefängnis und da musste ich bei diesem Prozess auch als Zeuge aussagen.

Martin Puntigam Was bist denn gefragt worden?

Gilbert Prilasnig Naja, das war etwas, was mir damals bei dieser Verhandlung ein bisschen peinlich war, weil sie haben natürlich auch Schwarzgeldzahlungen gesucht und sie haben bei mir nichts gefunden. Und dann hat der Staatsanwalt gemeint, aber Herr Klasnik, Sie wissen schon, dass Sie sehr wenig verdient haben. Und ich habe mir gedacht, das habe ich nicht gesagt, aber ich habe mir gedacht, und deshalb bin ich jetzt verdächtig.

Gilbert Prilasnig Also ich war verdächtig für den Staatsanwalt, weil ich viel weniger verdient habe als viele andere halt.

Martin Puntigam Naja, aber da ist vielleicht das Grundgehalt niedrig und das dahinter zogene Teil viel höher. Das ist ja eine naheliegende Vermutung.

Gilbert Prilasnig Genau, genau. Aber Sie haben nichts finden können und...

Martin Puntigam Weil du es gut versteckt hast oder weil es nichts gegeben hat?

Gilbert Prilasnig Nein, weil ich bei der Vertragsverhandlung zu naiv war. Ich dachte immer, ich kann das alleine, aber vielleicht hätte ich doch einen Berater haben sollen.

Martin Puntigam Hannes Kartnick, wie du gesagt hast, ist verurteilt worden, war im Gefängnis, bevor er dann bei Dancing Stars wieder... Breite Popularität erlangen hat können. Es ist aber nicht der einzige Kriminalfall im steirischen Fußball. Auch der GERK ist einmal in die drei Ligen runtergereiht worden wegen geschäftlicher Krider.

Martin Puntigam Da ist aber nie jemand verurteilt worden, oder?

Gilbert Prilasnig Meines Wissens nach nicht, nein.

Martin Puntigam Ist das auch selber Umfang gewesen oder waren die beim GERK ungeschickter oder waren sie geschickter?

Gilbert Prilasnig Das kann ich natürlich jetzt vom Außen her nicht beurteilen, aber ich habe vollstes Vertrauen in die Justiz.

Martin Puntigam Kommen wir wieder zurück zur gesellschaftspolitischen Einordnung des Männerfußballs. Du bist ja mittlerweile Assistenztrainer im Frauenfußball-Nationalteam und beim Männerfußball ist es so, Thomas Hitzlsperger, ehemaliger Fußballprofi, war dann lang Geschäftsführer Sport oder da gibt es ja verschiedene Titel bei Stuttgart und hat sich dann irgendwann einmal als homosexuell geoutet und hat aber dann in einem Interview gesagt, er wird jedem aktiven Fußballer raten, der homosexuell ist, das nicht zu sagen, weil das schlecht fürs Geschäft ist, weil die Fans so homophob sind und weil das für seine Karriere furchtbar ist.

Martin Puntigam Das zahlt sich nicht aus, er soll das für sich behalten. Das ist natürlich nicht einmal die katholische Kirche, ist so drauf. Oder die Wiener Philharmonika, das gibt es nur noch im Fußball. Und jetzt lernst du aber gerade die andere Seite kennen. Im Frauenfußball gibt es sehr viele offen homosexuelle Frauen.

Martin Puntigam Meine Nachnamenskollegin Sarah Buntigam ist verheiratet mit ihrer Frau und lebt in den USA. Dort ist das überhaupt kein Problem. Warum ist das im Männerfußball so ein großes Problem? und beim Frauenfußball können die Menschen ganz normal leben, wie sie leben wollen?

Gilbert Prilasnig Darauf habe ich ehrlich gesagt auch keine Antwort. Es ist eigentlich schön für den Frauenfußball, dass es dort kein Thema ist und dass es dort einfach diese Toleranz gibt. Beim Männerfußball ist es so, der Erste, der sich geautet hat, das ist eine Geschichte, die ist auch sehr, ich glaube, das war der Erste, die ist sehr dramatisch, das war der John Faschano. Und er hat in den 90er Jahren bei Wimbledon FC gespielt. Die waren damals sehr, sehr erfolgreich.

Gilbert Prilasnig Und der hat sich dann auch noch, ich glaube, der war auch noch aktiv und hat sich irgendwann geoutet. Und hat dann ein, zwei Jahre, weiß ich nicht, wie lange es gedauert hat, hat dann Selbstmord begangen. Also der wurde dann offensichtlich überhaupt nicht mehr akzeptiert in diesen Kreisen, in denen er sich vorher bewegt hat.

Martin Puntigam Aber ist das so eine Männerdomäne nach wie vor, der Fußballverein? Geht es in der Kabine so zu, wie man diese schreienden Ansprachen sieht, manchmal jetzt zu Showzwecken inszeniert oder reden Sie die Leute wirklich gegenseitig absichtlich nieder am Spielfeld? Also du hast noch zu einer Zeit gespielt, da hat es den Videoreferay noch nicht gegeben, da hat man noch besser fallen können, war das damals so?

Gilbert Prilasnig Denke ich schon, weil das habe ich auch ab und zu mal praktiziert, weil es ist so, wenn der Schiedsrichter gewisse Dinge nicht sieht, sagen wir mal, oder manchmal kommt es vielleicht auch vor, nicht sehen will, dann ist es halt so, dass dann sowas wie eine Selbstjustiz an den Tag tritt. Und das gibt es schon, weil es ja auch sehr viele versteckte Fouls gibt, natürlich mit denen auch gearbeitet wird. Und die kann ein Schiedsrichter gar nicht sehen.

Martin Puntigam Ist ein verstecktes Foul wirklich so in Hintern zwicken und so Sache?

Gilbert Prilasnig Ja, im Hintern oder sonst wo, wo es vielleicht noch mehr wehtut. Es tut ja weh.

Martin Puntigam Zwicken. Das hat nur so einen schlechten Ruf, aber Zwicken tut ja wirklich weh.

Gilbert Prilasnig Genau, das soll auch wehtun, damit es dann auch… Und womit.

Martin Puntigam Hast du gezwickt? Eher Zeigefinger, Daumen oder Mehrerfinger?

Gilbert Prilasnig Na schon, also mit allen Fingern. Also, aber das ist eigentlich etwas, was zum Spiel einfach bis zu einem gewissen Grad dazugehört, weil es halt auch ein Kontaktsport ist. Fußball ist ein Kontaktsport.

Martin Puntigam Und das sind diese Berührungseinheiten, die man als Mensch einfach auch braucht.

Gilbert Prilasnig Genau, genau. Und es ist ja hoch, ich finde das immer so lustig, eben weil du diese Homophobie im Männerfußball ansprichst. Also wenn man einen Torjubel manchmal sich anschaut, ist es ja eigentlich das Gegenteil davon. Da hat man das Gefühl, da kann es gar keine Homophobie geben.

Martin Puntigam Da geht es ja zu wie beim Ölketschen in Äthirn. Aber danach ist es wieder vorbei. Manchmal gibt es sogar Busse oder so. aber öffentlich gibt es das nicht.

Gilbert Prilasnig Also ich hätte das nie erlebt.

Martin Puntigam Weil statistisch ist ja die Wahrscheinlichkeit genauso groß wie in jeder anderen Bevölkerungsgruppe und dann müsste man es nicht verstecken. Das ist ja wahrscheinlich gar nicht so angenehm. Du hast ja Linguistik fertig studiert und bist jetzt klinischer Linguist. Seit wenigen Tagen. Herzlichen Glückwunsch im Nachhinein.

Martin Puntigam Aber was ist man jetzt, wenn man klinische Linguist ist?

Gilbert Prilasnig Ja, also das erste Linguistikstudium, für das ich fast 40 Semester gebraucht habe, das war jetzt angewandte Linguistik. So ein normales Diplomstudium an der Karl-Franz-Universität Graz. Und Linguistik ist natürlich ein Studium, wo es dann nicht so ist, dass man dann nicht automatisch eine Berufsausbildung hat.

Gilbert Prilasnig Und es hat mich immer schon interessiert, dann erstens mal vielleicht ein zweiter Standbein neben dem Fußball mehr aufzubauen, auch die Linguistik weiter zu betreiben und vielleicht auch mehr in die praktische Linguistik hineinzukommen und da hat sich eben diese klinische Linguistik irgendwie herauskristallisiert, auch schon bei meinem Diplomstudium als Freifach, dass mich das sehr interessiert.

Gilbert Prilasnig Also da geht es einfach darum, mit Sprachstörungen zu arbeiten.

Martin Puntigam Das hat jetzt nichts mit dem Vorurteil zu tun, dass man sagt, schau der Fußballer Interviews aus den 90er Jahren an und dann war das ein Ansporn für dich?

Gilbert Prilasnig Nein, nein, das hat mit dem nichts zu tun, weil in der Linguistik ist es so, also Sprachstörungen sind jetzt nicht Sprachfehler im pädagogischen Sinne, sondern in der Linguistik gibt es eigentlich kein Richtig oder Falsch, wenn man Sprache beschreibt, so wie Menschen sprechen. Das Beispiel bringe ich immer zu Hause und dann bei den Kindern auch, wenn die was falsch schreiben oder falsch sagen.

Gilbert Prilasnig Und das führt dann immer zu Diskussionen mit, weil die nämlich das aus einer pädagogischen Perspektive sieht und sagt, das ist natürlich richtig oder falsch. Und ich sage, nein, linguistisch gesehen ist eigentlich alles richtig. Also wenn die Südsteierer im dritten und vierten Fall oder der Herbert Prohaska das verwechselt, das ist linguistisch gesehen nicht falsch.

Gilbert Prilasnig Das ist einfach ein Phänomen, das beschrieben wird und da gibt es Gründe dazu.

Martin Puntigam Naja, am Anfang war es halt sein Idiom und mittlerweile weiß er ja, wie es geht, aber er hat ja mal gesagt, wenn er jetzt richtig machen wird, das wäre ja sinnlos. Das ist ja sein Markenzeichen.

Gilbert Prilasnig Ja, aber eben richtig. Es heißt nicht automatisch aus der linguistischen Perspektive richtig oder falsch. Bei Sprachstörungen geht es schon darum, dass man aus einem Gehirnschlag oder aus einem Trauma wirklich dann ernsthafte Sprachstörungen hat, dass man gar nicht mehr sprechen kann oder sehr eingeschränkt oder auch aufgrund von Kehlkopfzungen oder Schluckstörungen.

Gilbert Prilasnig Und das ist eigentlich, als klinischer Linguist befasse ich mich eigentlich mit denselben Dingen, nur aus einer eher theoretischeren Perspektive wie die Logopäden.

Martin Puntigam Und als solcher könntest du jetzt, weil du das Masterstudium abgeschlossen hast, als solcher dürftest du jetzt und könntest du auch arbeiten, wenn du das wolltest, also wenn das mit dem Frauenfußball-Nationalteam nichts wird oder du bist ja ausgebildeter Futsal-Trainer auch.

Gilbert Prilasnig Ganz genau.

Martin Puntigam Dann könntest du eine Praxis aufmachen und so arbeiten.

Gilbert Prilasnig Ja, das ist genau der Punkt. Ich habe dieses Universitätsstudium, das wurde in Salzburg, nur in Salzburg angeboten. Ich habe das in Salzburg gemacht und man kann eine Praxis aufmachen, wenn man diese klinische Linguistik hat, aber nicht in Österreich, sondern nur in Deutschland. Weil in Österreich der Logopädenverband offensichtlich sagt, nein, wir wollen keine klinischen Linguisten, wir haben selbst genug Logopäden oder so irgendwie.

Martin Puntigam Aber dürftest du dich dann einfach Logopäde nennen, weil du dasselbe kannst?

Gilbert Prilasnig Nein, das denke ich nicht, dass ich das dürfte. Aber ich kann natürlich unselbstständig.

Martin Puntigam Also du könntest dich von einer Logopedien anstellen lassen?

Gilbert Prilasnig Zum Beispiel, ja.

Martin Puntigam Jetzt hast du deine Karriere, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, zumindest beginnend oder vielleicht überhaupt ausklingen lassen in Horn und warst dann regelmäßig in Göttweig beim Literaturfestival zu Gast, das glaube ich heißt Literatur und Wein, das hat dich beides gleichermaßen interessiert oder die Literatur mehr?

Gilbert Prilasnig Na, die Literatur hat mich in erster Linie interessiert. Also es ist schon so, dass ich immer sehr viel gelesen habe. Ich war als Junge, als ich dann in der Bibliothek noch als kleiner Junge Bücher ausleihen durfte, habe ich das eifrig genutzt. Und das Erste, was ich so gelesen habe, kann ich mich erinnern, war Mark Brandis.

Gilbert Prilasnig Ich weiß nicht, ob den wer kennt. Der hat so Science-Fiction-Romane geschrieben, also über die O-Bahn des Weltalls.

Florian Freistetter Kenn ich, kenn ich, ja.

Gilbert Prilasnig Ja, und später, als die Mark-Brandys-Bücher alle ausgelesen waren, bin ich zu Karl May gewechselt und habe dann eigentlich meine ganze Schulzeit lang Karl May gelesen und von den 70 Büchern, mindestens 50 Bücher. Und das war so meine Halle.

Martin Puntigam Das ist die Grundlage für dein Linguistikstudium, danke ich.

Gilbert Prilasnig Ja, denke ich schon, weil der Karl May hat sich, ich war ja dann so enttäuscht, ich habe ja das lange verdrängt, dass er das alles nicht selbst erlebt hat. Also es war so für mich irgendwie so eine tolle Vorstellung, sein Leben zu führen. Der hat ja jede Sprache, wo er war, dann auch selbst gesprochen.

Gilbert Prilasnig Und dann gab es immer wieder auch so Dialoge, die in dieser jeweiligen Sprache auch aufgeschrieben wurden und unten in einer Fußnote dann die Übersetzung und ich habe mir tatsächlich die Mühe gemacht, das alles rauszuschreiben und so in den Heften sortiert, Persisch und Kurdisch und Arabisch, habe ich das rausnotiert und habe mir die Phrasen rausgeschrieben und auch die Übersetzung dazu.

Martin Puntigam Und hat das gestimmt, dass er gedichtet hat? Oder hat er irgendwas erfunden im Häfen und hat er gedacht, die anderen können das auch nicht?

Gilbert Prilasnig Soweit ich das beurteilen kann, wobei ich das bei Persisch, Kurdisch und Arabisch eigentlich nicht wirklich gut kann, aber wenn ich schon, soweit ich das beurteilen kann, hat das im Großen und Ganzen schon gestimmt.

Florian Freistetter Man darf das nicht unterschätzen, was diese Schundliteratur der Anfrage für Einfluss haben kann. Also in meiner Jugend und Kindheit ein Großteil meines Literaturwissens oder Literaturinteresse stammt aus den lustigen Taschenbüchern. Die haben alles, der komplette Ring der Nibelungen war drin, die Geschichte, die Reise, die Tagebücher von Marco Polo, Ilias, Odyssey, Shakespeare, aber alles haben die als Entenhausen-Version gehabt und das haben wir alles gelesen. Fand toll.

Florian Freistetter Und dann habe ich dann die echte Version auch gelesen, weil die wissen wohl, wie sie in echt ist. Also darf man nicht unterschätzen, was aus dem rauskommen kann.

Martin Puntigam Ich bin auch durch Schundliteratur geprägt. Ich habe sehr lange ministriert. Und tatsächlich ist meine Sprache maßgeblich durch diese seltsamen Lesungen geprägt. Um auf Götzweig zurückzukommen, nämlich deshalb, weil der Florian kommt aus der Gegend, aus Furt. Furt spielt in einer Liga, die landläufig gern die Marillenliga genannt worden ist.

Florian Freistetter Sie war mal viel weiter oben. Sie war mal fast in der Landesliga, glaube ich, das Höchste, wo sie gespielt haben.

Martin Puntigam Ich wollte eh nicht Furt denunzieren. Ich sage es trotzdem. Aber man sieht, wie stark Heimatstolz in Menschen drinnen ist. Selbst wenn man die Marillenliga erwähnt, weil man dort nicht absteigen kann. Wäre das nicht eigentlich das logische Ende einer großen Karriere gewesen?

Gilbert Prilasnig Ich hatte so ein ähnliches Ende, nämlich im Burgenland beim FC Wiesfleck. Da war so ein Fleck Wiese, das war der Fußballplatz und ich habe dort wirklich nur ein Jahr gespielt, weil ein Freund von mir, der mich 15 Jahre lang beim Projekt Homeless World Cup begleitet hat, Als Trainer, auch mit dem wir gemeinsam dieses Projekt oder das Fußballteam immer betreut haben, der war dort Trainer und der hat Telefonterror gemacht, als ich gesagt habe, ich höre jetzt auf zum Fußballspielen und er hat gesagt, bitte komm noch ein Jahr spielen.

Gilbert Prilasnig Ich bin ja im Burgenland Trainer und das habe ich dann gemacht.

Martin Puntigam Und mit Wiesfleck hat sie ja die Karriere dann wirklich im Kreis geschlossen, hast auf der Wiese angefangen, auch mit der Oma und dem Wiesfleck wieder aufgehört.

Gilbert Prilasnig Da war ich auch schon bei Sturm Graz dann als Jugendleiter.

Martin Puntigam Ja, und bist heute Trainer und bist aber nicht mehr bei Sturm Graz. Das war ja eine erstaunliche Mitteilung vor ungefähr einem Jahr. Sturmlegende Gilbert Brelasnik nicht mehr bei Sturm. Das war nicht ganz freiwillig, oder?

Gilbert Prilasnig Das war nicht ganz freiwillig. Danke für diese Frage. Die ist natürlich nicht ganz so einfach für mich jetzt zu beantworten. Aber ich war elf Jahre lang dann Jugendleiter bei Sturm Graz, habe die Jugend geleitet. Dann habe ich dann eben was anderes machen wollen und bin U18-Trainer geworden. Das ist Akademie U18-Trainer.

Gilbert Prilasnig Und diese Akademie ist bei Sturm Graz ja ein, das ist so, da bin ich nicht bei Sturm Graz angestellt, sondern in der Akademie. Das ist eine eigene Firma, die ist ausgelagert, eine Tochterfirma mit eigenem Leiter und Geschäftsführer. Aber dort war es dann so, dass nach einer gewissen Zeit, als ich dort Trainer war, ich eigentlich einen massiven Bossing erfahren musste.

Martin Puntigam Was ist Bossing?

Gilbert Prilasnig Bossing ist, wenn der Boss zu dir einfach arschig ist, auf gut Deutsch.

Martin Puntigam Also Mobbing, aber vom Schiff.

Gilbert Prilasnig Genau, genau. Genau, also in erster Linie ich, aber das ganze Trainerteam und als ich dann, nach einer Zeit lang habe ich das so weggelächelt und irgendwann, ich bin aber nicht der Typ, der sich jetzt gern so drangsalieren lässt und dann habe ich mich halt begonnen zu wehren, indem ich dann auch den Menschen oder den Leuten, die halt dafür verantwortlich sind, auch für dieses Konstrukt, die Missstände versucht habe aufzuzeigen.

Gilbert Prilasnig Und für eine Zusammenarbeit war es aber dann in weiterer Folge nicht mehr möglich. Und ich habe zwar die Missstände aufgezeigt, aber geändert hat sich, wie wenig überraschend, natürlich nichts.

Martin Puntigam Außer der Personalstand, weil du eben nicht mehr dort arbeitest. Und indem du das in der Öffentlichkeit wiederholst, kannst du, wenn du in Graz in der Bundesliga arbeiten möchtest, wahrscheinlich nur noch beim GERK arbeiten.

Gilbert Prilasnig Richtig, wäre jetzt gerade wieder eine Möglichkeit gewesen, aber der Ferdinand Feldhofer, der war leider schneller.

Martin Puntigam Wenn du sagst, du interessierst dich für Fußball und lebst in Graz, bist du eher, um diese Chauvinismusfrage zu beantworten, die ich als Kind schon nicht beantworten wollte und deshalb bin ich als Kind ausgewichen auf Rapid, weil ein Onkel aus Wien ein Rapid-Fan war, aber Sturm oder GRK?

Nicole Streilter-Kastberger Schon ein Sturm. Aber einfach, weil sie besser sind, glaube ich.

Gilbert Prilasnig Klingt nach Opportunismus.

Nicole Streilter-Kastberger Ja, genau.

Martin Puntigam Sagt die Literaturwissenschaftlerin, die der Meinung ist, dass Öden von Horvath nicht fürs Publikum geschrieben hat. Kommen wir ganz zum Schluss noch zu einem Thema, das momentan heikel ist in der Steiermark. Apropos Chauvinismus, nämlich Heimat. Es gibt dann in der Politik nicht, aber zumindest im steirischen Landhaus Nagelnein Landeshauptmann und seine Partei, die haben Heimat sehr gerne.

Martin Puntigam Es gibt demnächst auch ein Symposium im Literatur aus Fiktion Heimat und dazu Hermann Kremlitzer, ein Publizist aus Deutschland, hat einmal gesagt, ohne Heimatliebe kein Völkermord, kein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Wenn jetzt mehr Heimat und mehr Volkskultur gefordert wird in der Steiermark, worauf soll man sich denn da einstellen?

Nicole Streilter-Kastberger Ja, das Problem ist halt, der Heimatbegriff ist in unterschiedlichen gesellschaftlichen Sparten sehr unterschiedlich. Es wird uns da eine Form der Heimat aufgezwungen eigentlich, die für viele in der Bevölkerung einfach nicht so gegeben ist. Also der Kulturbegriff der Rechten ist halt ein sehr anderer als in breiten Teilen der Bevölkerung.

Nicole Streilter-Kastberger Und oft wird halt Heimat auch so rückwärtsgewandt betrachtet. Für studierte Menschen oder Menschen, die sich mit der aktuellen Kultur auseinandersetzen, hat das etwas extrem rückwärtsgewandtes, der Heimatbegriff. Und wir haben deshalb dieses Symposium auch, dass wir Fiktion Heimat nennen, um zu zeigen, dass das halt ein Konstrukt ist, Heimat über weite Strecken.

Nicole Streilter-Kastberger Jeder versteht im Prinzip was anderes darunter, beziehungsweise ist die Frage, ob es so, dass sie Heimat überhaupt geben kann. Wir fühlen uns irgendwo zu Hause. Ich habe sehr viele Orte, an denen ich mich zu Hause fühle, aber als Heimat würde ich das nicht bezeichnen. Und Horvath hat selber mal gesagt, er ist eigentlich eine typisch altösterreichisch-ungarische Mischung und er ist eigentlich, er hat keine Heimat, aber das hat den Vorteil, dass er deshalb auch nicht sehr sentimental mit irgendeiner Gegend verbunden ist.

Nicole Streilter-Kastberger Und ich glaube, das ist ein moderner Begriff von Heimat. Man hat so seine Nischen, in denen man sich zu Hause fühlt, aber man will sich nicht mit irgendeinem nationalen Begriff von Heimat identifizieren. Also das ist auch etwas, wo ich sagen muss, wo mir der Fußball oft auch ein bisschen suspekt wird, wenn ich mir bei diesen großen Ereignissen diese Aufmärsche von Patrioten anschauen muss, die ihr Land halt über alle anderen stellen und wo da so ein Nationalismus gefeiert wird.

Nicole Streilter-Kastberger Also da wird für mich das eigentlich ein bisschen bedenklich. Der Franz Grillparzer hat einmal gesagt, der Weg der neueren Bildung führt vom Humanismus zum Nationalismus, zum Bestialismus oder zum Bestialischen. Und das ist, glaube ich, ein verstärkter Nationalismus, wir sehen es überall, führt unweigerlich zum Krieg eigentlich.

Martin Puntigam Es gibt ja Ansätze, dass Leute sagen, man muss den Rechten den Begriff Heimat wieder wegnehmen und ihn umdeuten, damit er wieder einen Sinn bekommt. Ist das ein sinnvoller Ansatz?

Nicole Streilter-Kastberger Ich glaube nicht, ehrlich gesagt. Nein, ich glaube, dass der Begriff Heimat, der ist auch so punziert, rechtspunziert, dass den die Linke eigentlich nicht für sich adaptieren kann. Da braucht man andere Begriffe. Zugehörigkeit, Solidarität, das sind die Begriffe, die wirklich wichtig sind.

Martin Puntigam Und Heimat ist ein ganz guter Indikator, wenn das jemand gern verwendet, weiß man ungefähr, wo er politisch steht.

Nicole Streilter-Kastberger Glaube ich schon, ja.

Martin Puntigam Also sollte man das so lassen, damit der Alltag leichter ist und so Leute wie der Gilbert sollten nur Auswärtsspiele machen und keine Heimspiele.

Nicole Streilter-Kastberger Heimspiele sind nicht Heimatspiele.

Martin Puntigam Das nächste Spiel ist ein Auswärtsspiel in Schottland. Im Nations Cup, schafft sie die Qualifikation?

Gilbert Prilasnig Naja, um vielleicht dazu zu sagen, für die, die sich im Frauenfußball jetzt nicht so, oder nicht jetzt gleich wissen, was gemeint ist.

Martin Puntigam Ja, mit Frauenfußball ist halt Fußball mit Frauen, oder?

Gilbert Prilasnig Ja, aber das Fußball-Nationalteam der Frauen spielt auch Nations League A. Da gibt es eben diese Nations League und die Frage ist darum, ob wir es schaffen werden, dort zu bleiben Wie dieselbe Frage.

Martin Puntigam Die sich für die Männer auch gestellt hat, oder?

Gilbert Prilasnig Genau Bei den Männern war die Frage, ob sie von der Nations League B wie den Nations League A zurück aufsteigen Bei den Frauen ist eben die Frage, ob wir dort bleiben und ich meine, gibt es irgendjemanden, der daran zweifelt?

Martin Puntigam Dann wünschen wir alles Gute bei den Auswärts- und Heimspielen, Das Symposium Fiktion Heimat findet, glaube ich, am 23. bis 25. April im Literaturhaus statt. Es gibt auch, weil es so ein umfangreiches Programm ist, es gibt Folder, wo Sie bitte selber lesen, was wann wo stattfindet. Das ist zweieinhalb Tage lang fettes, üppiges Programm. Wir sagen es, was das sind.

Martin Puntigam Ich weiß nicht, ob das noch üblich ist. Gibt es noch Bruchsoletti? Wenn Sie schauen wollen, ob es noch Bruchsollette in Feldbach gibt, wir sind am 23.04. Im Zentrum Feldbach mit unserer Show Planet B. Science Meets Poetry, die Veranstaltung im Literaturhaus von Klaus Kastberger und Helmut Jung wird initiiert, wo wir beide uns dann im Anschluss einmal an einer Veranstaltung kennengelernt haben. Dann gibt es das nächste Mal am 3.6.

Martin Puntigam Im Literaturhaus Graz. Am 12.6. gibt es den Oberhummer Award. Das erste Mal in Graz, in der Aula der Universität Graz. Zum zehnten Mal wird der Preis verliehen, im Andenken an den leider 2015 schon verstorbenen Mitbegründer der Science Masters Heinz Oberhummer. Und der Preisträger 2025 ist Eckart von Hirschhausen, der an der Uni mit uns gemeinsam eine Schuh spielen wird, anlässlich der Preisverleihung und am 30.10., wenn Sie sich den Tag vorm Weltsportag schon vormerken wollen und ein bisschen hineinfeiern wollen, sehen wir mit unserer neuen Show Weltuntergang für Fortgeschrittene mit der Graz Premiere in der Listhalle.

Martin Puntigam Danke an die TU Wien und die Uni Graz, die die Produktion des Podcasts unterstützen. Danke ans Literaturhaus für die Gastfreundschaft. Danke an Sie fürs Kommen und Mitfeiern der ersten 100 Ausgaben. Fragen live nach der Show jetzt, wenn Sie wollen, oder an Podcast des Science Passers.at. Danke Nicole Streitler-Kastberger, danke Gilbert Prilasnik, danke Florian Freistädter.

Martin Puntigam Alles Gute für die Nations League Spiele und in vier Jahren gibt es dann einen Abend zur Ausgabe 200. Bis dann. Tschüss. Habe die Ehre.

Florian Freistetter Wiederschauen. Vielen Dank.

Martin Puntigam Und das war sie. Anlässlich 100 Jahre Science Busters live aus dem Literaturhaus Graz. Online ist es, wer mitzählen möchte, Ausgabe 102. Am Ende wie immer noch die Parteienverkehre der Science Busters von uns und als Solisten und Duettisten. Die neue TV-Staffel wird seit Wochen jede Dienstagnacht auf ORF1 ausgestrahlt.

Martin Puntigam Drei Folgen gibt es noch, danach sind die Folgen allerdings ein halbes Jahr weltweit abrufbar, rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr, in Schaltjahren sogar 366 Tage. Morgen, den 15. April ab 23 Uhr, gibt es wieder eine neue Folge in der Dienstagnacht namens Glück und Glas, wo Elisabeth Oberzaucher, Peter Weinberger und ich unter anderem untersuchen, warum Vögel immer mit derartigen Karacho gegen Glasfassaden krachen. Am Montag, den 28.

Martin Puntigam April, gibt es die nächste Ausgabe von Frag Designs Passers live alles rund ums Klima, wie immer seit vielen Monaten, eigentlich Jahren, jetzt schon von 13 bis 14 Uhr eine Stunde lang live auf FM4, mit dabei diesmal Andreas Jäger und Sigrid Stagl, Ökonomin und Österreichs amtierende Wissenschaftlerin des Jahres.

Martin Puntigam Weiterhin und bis Sommer am Programm, bevor wir ab 16. Oktober mit einer neuen Showpremiere feiern werden, dem Titel Weltuntergang für fortgeschrittene Uraufführung wird sein im Stadtsaal Wien, gibt es die aktuelle Live-Show der Science Busters nach wie vor, nämlich Planet B und zwar am 19.04., also am K-Samstag parallel zu den Auferstehungsfeiern und am 25.05.

Martin Puntigam Im Stadtsaal Wien, am 23.04. im Zentrum Feldbach, am 30.04. Im Posthof Linz, am 16.05. im Freudenhaus in Lustenau, am 17.05. Im Theater am Kirchplatz in Scharn in Lichtenstein, am 22.05. Im Kulturzentrum Alpha in Laakirchen, am 23.05. im Stadttheater Steier und am 24.05. Noch einmal im Stadtsaal Wien.

Martin Puntigam Science Pass, das vor Kids, also quasi Planet B für die nächste und übernächste Generation, gibt es digital in der ORF Kids App. Jede Folge dauert ungefähr 10 Minuten, aber diese Show gibt es auch analog und live mit Martin Moda und mir. Am 19.04. im Stadtsaal Wien um 15.30 Uhr, da gibt es nur noch ganz, ganz wenige Karten. Und am 20.04.

Martin Puntigam Um 11 Uhr, also tags drauf, gibt es noch... Kartenmeer. Am 30.04. spielen wir im Posthof Linz und am 18.05. Im Wien-Omner-Saal in Rankweil. Um dann am 24.05. noch einmal im Stadtsaal Wien zu spielen, bevor am Abend, wie gesagt, Planet B vom Stapel läuft. Am 26.04. sehen wir uns mit Petzi wieder im Rahmen der Ipsiade.

Martin Puntigam Petzi und die Science Busters ein Vorklühen auf die neue Show im Uranier-Puppentheater, die ab 6. Mai Premiere haben wird mit dem Titel BC und die Science Busters Fliegen lernen mit dem Bär-Nulli-Effekt von 6. bis 11.5. Im Oranierpuppentheater Wien. Glückskatze, mein Solo, schnurrt 2025 weiter. Einmal allerdings nur noch vor dem Sommer im Haus Impuls in Neusiedl am 6.

Martin Puntigam Juni. Dann hat die Katze Sommerpause und kehrt auf Sampfoten wieder am 26. Und 27. September ins Theatercafé Graz und am 13. Und 14. November nach Wien ins Kabarett Niedermeier. Und wer schon für Herbst 2026 planen möchte, da gibt es ab 10. November 2026 die Premiere im Theatercafé meines neuen Solos mit dem schönen Titel Der heilige Puntigam. Und Florian Freistädter ist auch mit einem Solo-Abend unterwegs.

Martin Puntigam Sternengeschichten live das nächste Mal am 26. Mai in Dahlbahnhof Eschweiler und am 4. Juni im Schlachthof München. Infos und Tickets unter sciencebassers.at slash termine unter puntegamm.at und unter sternengeschichten.live Danke an die TU Wien und die Uni Graz, die die Produktion des Podcasts unterstützen.

Martin Puntigam Danke fürs Zuhören, Streamen, Downloaden, Abonnieren, Bewerten, Empfehlen, Historisch-Kritisch-Herausgeben, Vorlasshandeln, Reingrätschen, Bossen und was man sonst nochmal im Podcast alles anstellen kann und könnte. Bis zum nächsten Mal. Tschüss und habe die Ehre.

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