Situs Inversus – Der Vorklinik-Podcast

PSY: Entwicklungspsychologie

Montag, 11. Mai 2026 · 51 min

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Shownotes

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Immer vorwärts
- Wenn ein Mensch mal geboren ist, entwickelt er sich stetig weiter. So soll es auch euer Wissen durch diese Folge. Deswegen bewegen wir uns heute durch alle relevanten Entwicklungsstufen einer heranwachsenden Person, um auch euer Wissen reifen zu lassen. Hört rein!
Euer Kai, Tim und Leo

Für noch mehr Psychologie und Statistik: positiv korreliert
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Also, weil das befriedigt ist, gehe ich weiter zur dritten Stufe. Dann will ich nämlich nicht mehr nur Sex, sondern auch Zuwendung und Bindung zu anderen Menschen. Also in der dritten Stufe heiratest du da. Wird geheiratet.

Situs Entwert. Der Folkling. Hallo und herzlich willkommen zurück zu Situs Inversus, der Falkling Podcast. Dadurch, dass du eingeschaltet hast, lässt mich darauf zurückschließen, dass du in letzter Folge gelernt hast, was gut ist. Ja. Wir sind wieder zurück im Psychologie-Blog. Tim guckt ein bisschen verstört über die Einleitung.

Ja, ich bin schon wieder irritiert.

Also heute mit Tim und erneut mit Kai.

Ja, hallo Leo.

Wir knüpfen an, an den Themen, die wir in der letzten Folge liegen, nicht liegen lassen haben, die wir beendet haben in der letzten Folge und gehen jetzt von der Kognition weiter in die Intelligenz.

Gehört übrigens auch noch zur Kognition.

Stimmt, ja, ist die höchste Kognition irgendwie. Kann man das so sagen? Das kann man so sagen.

Gehört zum Feld. Also letztes Mal haben wir schon die Wahrnehmung besprochen und dieses Mal geht es halt noch ganz viel um andere Aspekte der Kognition. Ganz kurze Werbung. Ich benutze eigentlich seit Semester zwei ein Programm namens Anki. Da kann man so mit digitalen Karteikarten lernen, was das Lernen einfach viel effizienter macht.

Für das Physikum gibt es da zum Beispiel auch vorbereitete Decks. Und das Coole ist, dass man Anki selbst nochmal erweitern kann. Und zwar mit sogenannten Add-ons. Und da gibt es ein neues von Meditrix, was wir im Team vorab testen durften. Da werden euch dann zum Beispiel im Physikumsdeck von Ankiphil zusätzlich Merkilfen und Esusbrücken von Meditrix angezeigt, sodass das Lernen nochmal viel abwechslungsreicher wird und mehr Sinne anspricht.

Wenn ihr Lust bekommen habt, Meditrix mal auszuprobieren, dann klickt euch jetzt mit dem exklusiven Code SIDUSINVESUS1515% Rabatt auf euer nächstes Meditrix-Abo. Sidusinversus15. Jetzt sichern. Das war's schon. Genau. Weil die Intelligenz ist die Fähigkeit, vernünftig und abstrakt zu denken und anschließend zweckmäßig zu handeln.

Also das ist das, was man als Intelligenz definiert. Wie die Wissenschaft so ist, muss man das Ganze halt eben auch messen können. Und so der Klassiker ist die normalverteilte IQ-Skala mit einem Mittelwert von 100 Punkten und eine Standardabweichung nach oben und nach unten wären jeweils plus minus 15 Punkte.

Das heißt quasi, eine durchschnittliche Intelligenz würde zwischen 85 und 115 Punkten liegen, im Bereich von plus minus einer Standardabweichung zum Mittelwert. Bei einer, was bei einer normal verteilten Messwert definitionsgemäß 68% der Werte beinhaltet. Ja, eigentlich 68,3 Prozent. 68,3%. Okay, ja.

Und wenn jetzt der ermittelte IQ hingegen zwei Standardabweichungen oberhalb oder unterhalb des Mittelwerts liegt, dann würde man halt eben von einem hochbegabten oder weniger hochbegabten Menschen sprechen. Das bedeutet, also ab 130 Punkten würde man als hochbegabt bezeichnet.

Gut, und jetzt versuchen wir natürlich die Intelligenz auch wieder mit Modellen zu beschreiben. Ein erstes Modell dafür ist die erstmal Zwei-Faktoren-Theorie oder auch das Generalfaktoren-Modell nach Spearman. Und Spearman ging quasi davon aus, dass Intelligenz durch zwei Arten von Faktoren bestimmt wird.

Und da gibt es einmal den Generalfaktor der Intelligenz oder auch G-Faktor, der ist so die allgemeine Intelligenzleistung, die für alle Aufgabenbereiche oder Fragestellungen eben benötigt wird. Das sind eher unspezifische Fertigkeiten oder eben auch ganz elementare Informationsverarbeitungsprozesse. Es gibt dann die zweiten Faktoren, nämlich spezifische Intelligenzfaktoren oder auch S-Faktoren, die werden dann für spezielle Aufgabenbereiche und Fragestellungen benötigt.

Und testen kann man nach diesem Generalfaktoren-Modell mit beispielsweise der Wechsler Adult Intelligence Scale 4. B-A-I-S-4. Früher Harvey, wofür steht Harvey? Sorry, Kai.

Harvey ist der Hamburg-Wechsler Intelligenztest für Erwachsene.

Okay.

Wie krank schnell hast du das denn jetzt nachgeguckt?

Google.

Aber wirklich. Wow!

Der teilt sich eben in einen Verbalteil und einen Handlungsteil auf und es wird dann am Ende versucht, einen Gesamteku zu ermitteln.

Ganz genau. Und eine Sache, die man sagen kann, ist, dass es in der Intelligenz wurde sehr, sehr viel gestritten im letzten Jahrhundert darüber, was eigentlich die beste Theorie ist, um Intelligenz zu beschreiben. Und die Zwei-Faktoren-Theorie war ganz oben dabei. Aber dann gab es auch noch einen anderen Dude, den Thurstone, der hat gesagt, irgendwie das mit dem Generalfaktoren, den spezifischen Faktoren, ist ja ganz nett.

Aber ich glaube, es gibt mehrere Faktoren, die sind alle wichtig. Und deswegen nenne ich die Theorie Mehrfaktoren-Theorie oder das Primärfaktoren-Modell. Das heißt, nach Thurstone besteht die Intelligenz aus sieben Primärfaktoren, die alle voneinander unabhängig sind. Und die kann ich einmal aufzählen.

Das ist die Rechenfertigkeit, das Sprachverständnis, die Wortflüssigkeit, das räumliche Vorstellungsvermögen, das Gedächtnis, das logische Denken und die Wahrnehmungsgeschwindigkeit.

Ist es nicht genau das, was auch im Mediziner testet? Ich wollte es gerade sagen. Das hat mich auch komplett an TMS erinnert, gerne.

Das kann gut sein. Tatsächlich, Thurstone hat ja gesagt, dass die alle unabhängig sind. Eine Sache, die ich sagen kann, ist, die sind nicht voneinander unabhängig. Die korrelieren stärker, als man das gerne hätte. Getestet wird das nicht nur mit dem TMS, sondern laut Thurstone auch mit dem Intelligenzstrukturtest oder IST, der hat dann einen verbalen Teil, einen figuralen Teil, einen numerischen Teil und einen Teil zur Merkfähigkeit, um eben diese sieben Faktoren abzudecken.

Und dann wird jeweils ein IQ für die einzelnen Teile ermittelt und das ist wichtig, weil nach Thurstone gibt es nicht einen IQ-Wert, sondern quasi mehrere IQ-Werte, wohingegen bei Spearman einen IQ-Wert ausreicht.

Das heißt, bei Firstone kann man die auch nicht zusammenfassen zu einem.

Das sind sieben Faktoren und die bisher. Das sind so diese Dimensionen dann. Genau, und nicht, es gibt dann diesen einen überliebenden Faktor, wie es bei Spearman der Fall ist.

Spricht ja oft auch von emotionaler Intelligenz. Spielt das bei irgendeinem von denen.

Das ist in der Wissenschaft noch sehr umstritten. Das war so ein Buzzword vor so 20 Jahren und ist natürlich auch heute noch sehr beliebt, aber in der Wissenschaft wird es häufig eher als unwissenschaftlich betrachtet, wobei sich eigentlich schon alle einig sind, das ist sehr wichtig, emotionale Intelligenz oder soziale Intelligenz.

Aber das zu messen, ist man noch nicht so weit. Das ist ein Forschungsthema für manche.

Okay, gehen wir einmal noch weiter. Man kann auch allgemein verschiedene Intelligenzformen nach Kartell unterscheiden. Kartell hat nämlich mal einfach ein Modell der Intelligenzform aufgestellt und da wird unterschieden zwischen zwei Arten der Intelligenz, nämlich der fluiden und der kristallinen Intelligenz.

Und das ist eigentlich, wenn man es einmal beschrieben hat, auch ziemlich intuitiv. Die fluide Intelligenz ist quasi die Fähig, dass Aufgaben und Probleme gelöst werden, auch ohne dass auf ein spezielles Wissen zurückgegriffen wird. Ja, also man weiß vielleicht nichts über die Probleme, mit denen man konfrontiert wird, aber man kann die allgemein bewältigen, einfach weil man eben gute Problemlösestrategien oder so hat.

Das ist kulturunabhängig und die fluide Intelligenz nimmt auch mit dem Alter ab. Ich glaube, da kennt jeder Beispiel dafür, dass beispielsweise Großeltern dann irgendwie viel schlechter mit Veränderungen umgehen können und darauf adäquat Lösungen finden können. Wo aber auch ältere Menschen sehr gut drin sind, in der Regel ist kristalline Intelligenz.

Und da werden eben Aufgaben und Probleme gelöst, indem auf bereits erworbenes Wissen auf den ganzen Erfahrungsschatz quasi zurückgegriffen wird. Und wie dann aber Aufgaben und Probleme gelöst werden mit kristalliner Intelligenz, ist natürlich kulturabhängig, weil es ja erfahrungsabhängig ist. Und die kristalline Intelligenz bleibt, wie gesagt, im Alter auch bestehen.

Testen kann man die Intelligenzform mit dem Grundintelligenztest oder auch dem Culture Fair Intelligence-Test.

Und man sieht, Kartell hat sich sehr viel mit Kultur beschäftigt auf der einen Seite. Und das andere, was sehr gut an diesem Modell ist mit Fluid und Kristallin ist, dass man hat vor diesem Modell gesehen, okay, IQ nimmt über das Alter ab. Und das war so ein bisschen depressing, könnte man sagen. Und viele Leute haben sich mit diesem Feinding nicht so wirklich anfreunden können, weil man irgendwie, Intelligenz ist ein sehr heikles Thema insgesamt, aber irgendwie zu allen zu sagen, ja, über die Zeit wird man dummer, dümmer, kam nicht so gut an, aber wenn man jetzt quasi sagt, okay, die christanlinie Intelligenz, die bleibt gleich oder wird sogar größer und daraus könnte man dann quasi schließen,

im Alter wird man weise.

Dadurch wurde Intelligenz dann wieder hot.

Wurde es wieder ein Hot Topic, ja?

Aber nichtsdestotrotz ist auch die Intelligenz wie Kognition oder auch Wahrnehmung, was wo wir uns nur mit einem Individuum beschäftigen, primär mal. Und jetzt geht es quasi den Schritt vom einzelnen Menschen zur Gruppe, zur Gesellschaft. Und zwar im nächsten Kapitel soll es um die Sozialisation gehen.

Also sprich der lebenslange Prozess eines Individuums und der beschreibt halt das Hineinwachsen in eine Gesellschaft, also in eine Gruppe. Und den teilt man grundsätzlich in verschiedene Bereiche, wobei die primäre Sozialisation zwischen Null und 3 stattfindet, also wirklich nur in der Kernfamilie mit den Leuten, die einen auch großziehen.

Und dann ab im Alter von drei Jahren beginnt halt dann auch so, beginnt halt dann auch Kindergarten, Schule. Das wäre dann die sekundäre Sozialisation. Und wenn es dann später ins berufliche Umfeld geht, spricht man von der tertiären Sozialisation. Einer der Götter der kognitiven Entwicklung ist der Herr Piaget, der ein Modell dazu entwickelt hat, was in verschiedene Lebensabschnitte und Altersklassen unterteilt ist.

Und grundsätzlich unterscheidet er da in zwei verschiedene Prozesse, die immer wieder ablaufen. Einmal die Assimilation und die Akkomodation. Assimilation beschreibt, dass neues Wissen und neue Wahrnehmungen sich dem aktuellen Entwicklungsstand anpassen. Und die Akkommodation beschreibt, dass sich der aktuelle Entwicklungsstand neuen Sachverhalten anpasst, also dementsprechend halt auch erweitert wird.

Genau, und jetzt ist es auch fürs Physikum sehr relevant, diese vier Stufen zu durchlaufen und zu kennen und zu wissen, was entscheidend ist in den Stufen. Und die sensomotorische Phase des Denkens ist von 0 bis 2. Als erste Stufe.

Ja, genau. Und da ist eben diese ganze Entwicklung, die Leo gerade schon beschrieben hat, nochmal aufgeschlüsselt. Es geht, wie gesagt, in der Entwicklung los mit dem sensomotorischen Denken, mit der Stufe 1 von 0 bis 2 Jahren. Und dort wird die Umwelt durch die Koordination von Sensorik und Motorik quasi erfasst.

Also indem man Gegenstände berührt, greift, in der Regel auch in den Mund nimmt. Da sind Eltern immer gar nicht glücklich drüber. Und was auch noch spannend ist, ist, dass das Kind innerhalb dieser ersten zwei Lebensjahre lernt, dass ein Gegenstand auch dann noch existiert, wenn es ihn gerade nicht wahrnehmen kann.

Also die Objektpermanenz. Weil davor ist es so, wenn irgendwas dann nicht mehr im Sichtfeld ist, ist es einfach weg.

Das heißt quasi, auf der Basis funktioniert ja auch Peekaboo, ne? So ein bisschen. Ganz genau, so ist das, ja. Ja, das heißt, dann kann man nur mit China Kleiner 2 spielen, scheiße. Schwierig.

Gehen wir weiter in die nächste Stufe. Setsumotorisches Denken ist abgeschlossen nach zwei Jahren oder wird einfach weiter zusätzlich noch gemacht, aber dann die nächste große Stufe laut Piaget ist das präoperationale Denken. So im Zeitraum zwei bis sieben Jahre. Dort haben Kinder noch ein fehlendes Begreifen der Mengeninvarianz.

Und das ist ganz interessant. Das wird häufig getestet mit Flüssigkeiten. Einmal in einem breiten Gefäß und einmal in einem hohen Gefäß. Und dann wird das Wasser quasi umgefüllt vor den Augen des Kindes. Und trotzdem denkt das Kind, dass in dem hohen Gefäß sich mehr Flüssigkeit befindet als in dem breiten Gefäß, was nicht der Fall ist, weil es immer noch genau das gleiche Wasser ist.

Das ist gemeint mit Mengeninvarianz, dass die Fähigkeit noch fehlt. Das geht dann aber in der nächsten Stufe. Genauso ist es bei dem Egozentrismus. Das Kind ist in der zweiten Stufe noch nicht in der Lage, sich in die Position anderer Leute hineinzuversetzen. So nimmt es zum Beispiel an, dass alle genau das sehen, was das Kind gerade selbst sieht.

Auch das geht in Stufe 3, das wird dann auch irgendwann Theory of Mind genannt. Dazu sagt Tim gleich noch was. Zentrierung ist ein weiterer Punkt, der noch fehlt in der zweiten Stufe. Das Kind ist da zum Beispiel noch nicht in der Lage, sich auf mehrere Dinge gleichzeitig zu konzentrieren. Also noch keine Multitask-Experten.

Und insgesamt könnte man die Denkweisen von Kindern in der zweiten Stufe als animalistisch, finalistisch und artificiell bezeichnen. Animalistisch meint, dass alle Objekte als lebendig wahrgenommen werden. Finalistisch bedeutet, dass das Kind denkt, die Natur existiert, um den Menschen zu dienen. Manche Menschen denken das vielleicht auch danach noch.

Und artificiell bedeutet, dass alles auf der Erde von anderen Menschen oder Gott erschaffen wurde. Das heißt, in der zweiten Stufe geht noch relativ wenig, aber dann in der dritten Stufe geht schon einiges mehr.

Genau, die dritte Stufe ist nämlich die Stufe der konkreten Operationen von sieben bis elf Jahren. Und da werden dann kognitive Umformungen möglich. Kai hat ja gerade schon viel erwähnt, was das Kind dann auch kann, nämlich die Sache mit der Mengenvarianz oder auch, dass man sich auf mehrere Dinge konzentrieren kann.

Was aber wichtig auch ist, ist, das Kind kann dann Gedanken und gedankliche Inhalte durchspielen und bekommt eben eine ausgeprägte Theory of Mind. Und die Theory of Mind ist quasi eine kulturübergreifende Fähigkeit, sich in andere Menschen hineinzusetzen und gleichzeitig auch die Einzigartigkeit des eigenen Selbst und der anderen zu erkennen, ja, also auch eine Selbsterkenntnis da dabei, sowie auch die Handlungsmotivation von anderen zu erkennen.

Letztendlich ist das so der Moment, wo man realisiert, irgendwie gibt es ja andere Personen um mich rum und vielleicht haben die ja auch ein Bewusstsein wie ich, vielleicht denken die ja auch wie ich und ich kann ja auch denken und existieren und genau, da geht es mit sieben bis elf Jahren tatsächlich los.

Ein klassisches Beispiel für so einen Theory of Mind-Task ist irgendwie, man geht morgens in die Uni und sieht dort irgendwie einen Truck mit Essen stehen und denkt sich so, lecker, da gehe ich heute zum Mittagessen hin, ist dann in der Uni in der Vorlesung und gleichzeitig wird den Kindern erzählt, ja, aber in der Zwischenzeit hat sich der Truck von Punkt A zu Punkt B verschoben.

Das weiß die Person aber in der Uni nicht. Wo geht die Person nach der Uni schauen? Und Kinder ohne Theory of Mind sagen, ja, die gehen zur neuen Position, weil die ja wissen, die Kinder wissen, dass sich der Truck verschoben hat, aber sie können quasi noch nicht begreifen, dass die Person in der Uni, der Student oder die Studentin, eben diese Information nicht halten.

Und erst mit ausgeprägter Theory of Mind sagen sie, ja, die gehen wohl zur Ausgangsposition, weil sie nicht mitbekommen haben, dass sich der Truck verschoben hat. So, und es gibt noch eine letzte Stufe, die Stufe des formalen Denkens, ab dem zwölften Lebensjahr. Dort ist dann auch die Übertragung von Wissen und Operation auf abstrakte Fragestellungen möglich.

Hypothetisches Denken wird möglich und wir fangen auch an, Phänomene wie Wahrscheinlichkeit und Zufall in das Denken mit einzubeziehen.

Genau. Genau, jetzt wurde gerade auch in der zweiten Stufe auch was über viel über so egoistisches Denken gesprochen. Und dazu hat sich der Herrn Kohlberg mal Gedanken gemacht, und zwar im Stufenmodell der Moralentwicklung. Weil er halt sagt, dass sich durch die Moralentwicklung der egoistische Mensch zum ethisch differenzierten Menschen entwickelt.

Und das ist in seinen Augen auch altersabhängig.

Er merkt schon, die Psychologie mag irgendwie diese Stufenmodelle. Und das ist jetzt eben wieder ein anderes Stufenmodell. Wir hatten davor das Modell der kognitiven Entwicklung und hier jetzt eben der Moralentwicklung. Und wir fangen mal an mit Ebene 1. Das Problem ist, hier wird nochmal sogar in Ebenen und Stufen unterteilt.

Ebene 1 ist alles vor dem achten Lebensjahr und das bezeichnen wir als präkonventionelle Moral. Und da gibt es zwei Stufen. In Stufe 1 wird genannt Orientierung an Bestrafung und Gehorsam, ist intuitiv. Ein Verhalten wird eben ausgeführt oder nicht ausgeführt, um einer Bestrafung zu entgehen oder eben eine Belohnung etc.

zu bekommen, aber eher eigentlich Bestrafung geht, ist hier das Thema. Und die Konsequenzen des eigenen Verhaltens für andere werden nicht berücksichtigt.

Das ist weder ein Bereich der operationalen Konditionierung, ne?

Der Operanden, genau.

Operant, so ja.

In Stufe 2 der präkonventionellen Moral geht es dann um die Orientierung am eigenen Wohl. Ein Verhalten wird also dann ausgeführt oder nicht ausgeführt, wenn man davon selbst einen Vorteil erhält. Also es geht nicht mehr um diese Bestrafung und Gehorsam allein, sondern auch um das eigene Wohl. Das heißt, die Konsequenzen des eigenen Verhaltens werden für sich selbst, aber eben nicht für andere berücksichtigt und negative Konsequenzen des eigenen Verhaltens für andere werden in der Regel dann so gerechtfertigt mit der andere hatte schuld oder mit so wie du mir, so ich dir.

Positive Konsequenzen des eigenen Verhaltens für andere werden auch quasi dann gerechtfertigt, wenn erwartet wird, auch vom anderen was zu bekommen. Ja, also im Sinne von ich helfe dir, wenn ich dadurch auch einen eigenen Vorteil habe. Das ist also die Orientierung am eigenen Wohl.

Ganz genau. Und wenn die zwei Stufen dann durchlaufen sind oder die erste Ebene vor dem achten Lebensjahr, dann gibt es den Übergang in die zweite Ebene, das passiert im frühen Jugendalter und das ist dann quasi die Ebene der konventionellen Moral. Besteht auch wieder aus zwei Stufen. Die dritte Stufe ist die Orientierung und das Bestreben nach Anerkennung.

Das heißt, wir führen dann ein Verhalten aus, um die Anerkennung von engen Bezugspersonen zu erlangen, beziehungsweise um deren Ablehnung zu vermeiden. Das heißt, da fangen wir auf einmal an, uns Gedanken darüber zu machen, was andere über uns denken und das wird uns wichtiger. Und dann in der vierten Stufe fangen wir an, uns an Gesetzen und Regeln zu orientieren oder wissen überhaupt, was das ist.

Ein Verhalten wird dann ausgeführt, um eben vorgegebenen Regeln und Normen zu entsprechen.

Und dann in Ebene 3 im späten Jugendalter kommt es zur postkonventionellen Moral. Wir fangen mal an mit Stufe 5, der Orientierung am sozialen Vertrag. Also es ist quasi insgesamt die fünfte Stufe in dieser ganzen Entwicklung. Da wird ein Verhalten dann ausgeführt, wenn es dem Wohl der Allgemeinheit dient.

Oder genauer gesagt wird es ausgeführt, um dem Wohl der Allgemeinheit zu dienen. Staatliche Regeln und Normen werden dann also berücksichtigt, aber, und das ist hier interessant, nicht als unveränderlich angesehen, sondern was eben darüber steht, ist das Allgemeinwohl. Also das ist der große Unterschied zu Stufe 4, dass es eben nicht nur um Gesetze und Regeln geht, sondern tatsächlich um dieses Allgemeinwohl, wo man ja sagen würde, dass moralisch auch intuitiv nochmal eine Stufe höher sozusagen.

Stufe 6 ist dann noch eine Stufe höher, nämlich die Orientierung an ethischen Grundregeln. Und da wird ein Verhalten quasi dann ausgeführt, um ethischen Grundregeln zu entsprechen. Und diese ethischen Grundregeln müssen dafür natürlich definiert werden, von der Person auch unter anderem. Und ethische Grundregeln können sowas sein wie Gleichheit aller Menschen, Würde des Menschen, etc.

Das geht also nochmal weiter, weil es geht nicht nur um das Allgemeinwohl, sondern um Prinzipien, die aufgestellt werden müssen. Und diese Stufe 6, die wird auch oft gar nicht erreicht. Also es gibt dazu Prozentzahlen, das erreichen so ungefähr 5% der Menschheit diese Stufe 6 in Kohlbergs Stufenmodell.

Man muss halt aber auch ehrlich sagen, dass man so eine Stufe auch erst dann diskutieren kann, wenn man selbst so sicher ist, dass es einem gut geht, dass man dann anfängt, über andere so in ethischen Grundsätzen nachzudenken. Weil ich denke schon, dass wenn einem andauernd die, die, die Existenz gefährdet ist, dass man gar nicht so weit kommt, darüber nachzudenken, was denn jetzt das Beste für die Menschheit ist.

Das erinnert mich jetzt an die Bedürfnispyramiden von Marlow. Darüber sprechen wir gleich noch kurz. Da kommen wir auch noch.

Genau, jetzt haben wir sehr viel über Entwicklung gesprochen, von Moral und allem Weiteren, aber einen wichtigen Faktor möchten wir jetzt noch zu Rate ziehen, und zwar die Erziehung, weil ja doch man selbst sehr davon abhängt, wie die Eltern einen so erziehen. Und da haben sich die Herren Maccoby und Martin 1983 ein Modell überlegt, was sich die Erziehungsstile anschaut.

Und an sich wird sich dabei differenziert angeschaut, einmal die Kontrolle der Eltern und die Unterstützung der Eltern. Da kommt wieder so ein bisschen ein Vierfelder-Tafel-Vib hoch, finde ich. Ja, und dadurch werden die verschiedenen Stile definiert. Also wenn die Unterstützung hoch ist, aber auch die Kontrolle hoch ist, dann ist das Ganze ein autoritärer, nein, autorativer Stil.

Das heißt, es gibt klare Strukturen, aber auch Akzeptanz. Wenn jetzt die Kontrolle der Eltern aber gering ist, mit hoher Unterstützung, dann ist es ein permissiver Stil, also es gibt quasi eigentlich keine Anforderungen, aber es wird akzeptiert, was getan wird. Wenn jetzt die Unterstützung gering ist, aber die Kontrolle hoch, dann ist es ein autoritärer Stil.

Also es wird Macht ausgeübt und es wird aber sehr viel mit Zurückweisung gearbeitet, also auch sehr viel mit Bestrafung. Wenn jetzt weder Kontrolle noch Unterstützung hoch ist, dann würde man das eher als vernachlässigten Stil bezeichnen, weil auf der einen Seite es keine Regeln zur Orientierung gibt, aber es gibt auch keine Akzeptanz, also es wird zurückgewiesen.

Und das ist jetzt eher was, was man im Allgemeinen vielleicht nicht machen sollte.

Also nochmal wichtig, glaube ich, die Unterschiede zwischen autoritativem Stil und autoritärem Stil. Also autoritativ mit viel Unterstützung und Kontrolle, aber autoritär mit wenig Unterstützung, aber viel Kontrolle.

Also autoritativ wäre eher was, wo man hinwollte. Das ist korrekt.

Das ist wahrscheinlich, wenn man das so sagen kann, in Anführungszeichen die beste Kategorie.

Wobei es auf jeden Fall, ich weiß nicht, wie es aktuell ist, aber es gab schon auch viele Trends Richtung Permissibem zwischen der Zeit lang.

Die Frage ist halt am Ende vermutlich, wird man halt einen Mittelweg finden müssen zwischen starker Kontrolle und keiner Kontrolle. Ich meine, Unterstützung ist im Allgemeinen immer gut, würde ich behaupten. Ich denke auch. Aber bei der Kontrolle muss man halt einen guten Zwischenweg finden. So ist das.

Genau, und diese Bindung und die Bindungstheorie besagt halt dann, dass die soziale Entwicklung, wie wir sie auch oben schon mehrfach erwähnt haben, sehr von der Qualität der Bindung des Kindes zu der engen Besuchsperson ist. Also meistens ist dann halt, ist es halt der Mutter, die Mutter und oder der Vater.

Und diese Entwicklung der sozialen Kompetenz, sagen wir es mal so, hängt dann eben davon ab. Und dazu, um das zu untersuchen und da eben auch eine Theorie dahinter aufzustellen, wurde ein Experiment gemacht und zwar, das nennt sie sich die fremde Situationstest. Und zwar wurde da ein Kind, was zwischen 12 und 24 Monaten alt ist, wiederholt, in einer fremden Umgebung abgesetzt und war dann halt zuerst mit der Versuchsperson zusammen.

Und diese Versuchsperson, die verlässt dann den Raum, während dann auch eine fremde Person entweder in den Raum kommt oder schon im Raum ist. Und dann wird halt eben genau dieses Verhalten beobachtet, wie das Kind damit umgeht, dass die Versuchsperson sich entfernt.

Genau, also Bezugsperson ist in der Regel die Mutter in dem Experiment.

Ja, als Zeit von 83, da waren noch vielleicht andere Verhältnisse. Und dann aber wiederum genauso, wie sich das Kind verhält, wenn die Mutter zurückkommt oder die Bezugsperson zurückkommt. Und diese beiden Beobachtungszeitpunkte werden halt genutzt, um dann vier verschiedene Bindungsarten zu beschreiben.

Und auch hier wieder in Anführungszeichen, der präferierte Bindungsstil ist der sogenannte sichere Bindungsstil. Da reagiert das Kind auf die Trennung von der Bezugsperson erstmal mit Traurigkeit, jedoch lässt es sich nach der Rückkehr der Bezugsperson auch von dieser schnell wieder beruhigen. Also insgesamt läuft es gut.

Eine zweite Möglichkeit ist der unsicher vermeidende Bindungsstil. Da reagiert das Kind auf die Rückkehr der Bezugsperson einfach kaum und zeigt nur wenig Emotionen. Ich würde sagen, es ist quasi, es reagiert beleidigt, ja, also im umgangssprachlichen Sinne.

Also das wäre jetzt eher was, was man vielleicht nicht sehen wollen würde, wenn man das mit seinem eigenen Kind macht.

Es gibt weiterhin noch den ambivalent unsicheren Bindungsstil. Da reagiert das Kind auf die Trennung erstmal mit ausgeprägter Traurigkeit, reagiert auf die Rückkehr der Bezugsperson jedoch ambivalent. Also vielleicht auch ein bisschen beleidigt.

Und dann gibt es noch einen desorganisierten Bindungsstil, der reagiert das Kind auf die Rückkehr der Bezugsperson mit Vizarrem oder auch Stereotypenverhalten und erwidert das Kontaktangebot nicht. Das wird auch einfach vergeben, wenn eine der ersten drei Reaktionen quasi vielleicht kurz auftritt, aber nicht aufrechterhalten wird.

Und insgesamt gibt es eben diese vier Bindungsarten, die wir jetzt besprochen haben. Und irgendwie frage ich mich aber auch immer so ein bisschen, was man dann daraus macht, ehrlich gesagt.

Das frage ich mich häufig auch. Man hat quasi diese Bindungsstile und das kann man dann quasi mit irgendwelchen anderen Sachen korrelieren. Zum Beispiel sowohl auf der Seite, welche Outcomes hat das denn, also wie wird sich das in ein paar Jahren auswirken, wenn wir jetzt sehen, eine Person hat einen sicheren oder unsicheren Bindungsstil.

Oder auch hängt zum Beispiel das Einkommen der Eltern davon ab, welchen Bindungsstil es gibt. Da kann man sich dann quasi mehrere Sachen damit anschauen.

Wofür es aber auch super wichtig ist, ich glaube, hier können wir nochmal die MC-Glocke läuten, weil diese Bindungsziele werden sehr gerne angesagt.

Ja, das kann man, das sind halt einfache Facts, ne? Aber jetzt in diesem Experiment wurden jetzt zwölf bis 24 Monate alte Kinder verwendet. Die Entwicklung und Sozialisierung hört ja da aber nicht auf, sondern es ist ja ein lebenslanger Prozess, den man die ganze Zeit immer wieder neu eigentlich auch beschreiben muss.

Ja, und es gibt noch ein letztes Modell der psychosozialen Entwicklung, was wir noch beschreiben wollen, nämlich das nach Ericsson. Und da gibt es acht Phasen, die quasi im Laufe des Lebens erfolgreich durchlaufen werden sollen. Und diese Phasen werden von sozialen, biologischen, psychischen Aspekten beeinflusst.

Und die Idee ist letztendlich eigentlich ganz cool, nämlich die Idee ist, dass in jeder Phase gibt es so eine Challenge, eine Krise in einer bestimmten Lebenszeit und die muss erfolgreich bewältigt werden. Zum Beispiel Autonomie versus Scham und Zweifel im zweiten bzw. dritten Lebensjahr. Ja, so da geht es darum, damit umzugehen.

Und wenn diese Krisen dann aber überwunden sind, kommt man quasi aufs nächste Level und kann dann die nächste Krise auch hoffentlich erfolgreich überwinden und durchlaufen. Und so entwickelt man sich quasi psychosozial weiter. Und ich finde, das ist ein Modell, was sich für mich auch wieder irgendwie intuitiv anfühlt.

Ich finde es aber auch spannend, so darüber nachzudenken, was denn dann meine Krisen bis jetzt schon waren. Kannst du mal das Modell in sehr viel mehr Details noch anschauen machen?

Kannst du dann später auf der Couch noch besprechen.

Außerdem finde ich es aber auch spannend, also theoretisch müssten ja auch diese Krisen oder die Abstände zwischen den Krisen im Alter abnehmen.

Das ist, wenn ich es jetzt gerade richtig im Kopf habe, ist das tatsächlich der Fall. Am Anfang hat man schon sehr viel mehr Krisen und die werden dann weniger über die Zeit. Aber witziges Modell, jetzt wo du es so sagst, und dann sammelt man quasi XP in jeder Krise und kann dann aufs nächste Level aufsteigen.

Ja. Wenn ich jetzt so über Krisen nachdenke, dann empfinde ich in Krisen sehr viele verschiedene Emotionen. Und da soll es nämlich als nächstes darum gehen, was denn Emotionen überhaupt sind. Und Emotionen kann man beschreiben mit vier verschiedenen Komponenten. Einmal die physiologische Komponente, also wie reagiert mein Körper, wenn ich eine gewisse Emotion empfinde.

Das Herz klopfen bei Liebe beispielsweise. Dann halt eben die Gefühlskomponente, also wie ist das persönliche Empfinden dieser Emotionen überhaupt? Die kognitive Komponente, also wie beurteile ich jetzt diese Emotion, vielleicht noch im Kontext, in der sie auftritt. Und danach halt dann die Verhaltenskomponente.

Und das ist halt so, wie ich mich verhalte, wenn ich diese Emotionen empfinde. Einmal, wie drücke ich mich aus? Also wie erlebt auch mein Umfeld durch Mimik, Gestik, Stimmlage, Körperhaltung diese Emotion. Und dann eben auch eine motivationale Komponente. Also was mache ich draus, mehr oder weniger? Also wie löse ich jetzt die Situation, die diese Emotion auslöst?

Genau, und welches Verhalten zeige ich dann darauf hin? Emotionen ist ein sehr cooles Thema, finde ich, insgesamt, und man unterscheidet natürlich zwischen sehr, sehr vielen verschiedenen Emotionen. Hauptsächlich oder die klassische Art und Weise, sich das anzuschauen, sind primäre und sekundäre Emotionen.

Und ich spüre dabei Kai auch schon so eine gewisse Unruhe jetzt gerade.

Ja, das ist bei vielen Themen, über die wir heute sprechen, also auch bei Piaget, dieses Stufenmodell ist eigentlich überholt. Man glaubt nicht wirklich, dass es genau diese Stufen sind, die einfach so schrittweise ablaufen. Und auch hier bei Emotionen ist es auch so, was ich jetzt im Folgenden sagen werde, ist eigentlich überholt.

Man glaubt dann nicht mehr ganz daran. Aber es sind natürlich klassische Ergebnisse und deswegen ist es trotzdem wichtig, hoffe ich, sich damit auseinanderzusetzen, wenn es auch nur fürs Physikum ist. Primäre Emotionen werden auch Basisemotionen genannt. Man sagt, dass sie angeboren sind, aber das ist einer der sehr umstrittenen Punkte heutzutage.

Aber Paul Eckman ist vielleicht eine der Personen, die man kennt oder vielleicht kennen manche auch die Fernsehsendung Lie to Me, wo es auch um diese Emotionen geht. Die primären Emotionen sind Freude, Trauer, Ärger, Furcht oder Angst, Überraschung, Ekel. Manche Leute nehmen auch Verachtung dazu, manche aber nicht.

Und die Idee dadurch, dass es Basisemotionen sind, ist quasi, dass der Gesichtsausdruck aller Basisemotionen in allen Kulturen gleich ist. Und das wurde dann auch mal in einer Übersicht zusammengefasst, nämlich dem Fax, dem FACS Facial Action Coding System, der dann quasi gesagt hat, okay, für die und die Basisemotionen werden genau diese Muskeln im Gesicht benötigt.

Das sind die primären Emotionen, aber das sind natürlich nicht alle Emotionen, die es gibt, deswegen gibt es auch noch die sekundären, die unterliegen den kulturellen und sozialen Einflüssen und werden dann zu sekundären Emotionen, eine, die mir jetzt direkt einfällt, ist sowas wie Schadenfreude. Das ist ja auch zumindest von der Sprache teilweise abhängig, weil das kennen wir in Deutschland, wir können alle was unter dem Begriff Schadenfreude anfangen, aber in anderen Kulturen ist das nicht unbedingt der Fall.

Und deswegen werden die auch, sind die nicht angeboren, sondern werden erst im Laufe des Lebens erlernt.

Jetzt kann man auch zu Emotionen viele verschiedene Theorien aufstellen, die man sehr gut abfragen kann. Und wir haben für euch diese Emotionstheorien nach den verschiedenen Komponenten, die ich eingangs erwähnt hatte, sortiert und würden starten mit den Modellen zu der kognitiven Komponente von Emotionen.

Und wenn wir jetzt erstmal Richtung kognitive Aspekte der Emotionen schauen, fangen wir mal an mit der Zwei-Komponententheorie von Schachter und Singer. Also diese zwei Leute haben eine Zwei-Komponenten-Theorie aufgestellt. Und da geht es darum, dass quasi die physische Reaktion des Körpers erstmal unspezifisch wahrgenommen wird und dann aber kognitiv bewertet wird.

Und diese Bewertung ist abhängig von der Situation. Und die Idee ist quasi, dass der physischen Reaktion, also dem, was man körperlich verspürt, Herzklopfen etc., wird eine Ursache zugeschrieben. Das ist eigentlich alles, was die Zwei-Komponenten-Theorie beschreibt. Das Ding ist, was damit nicht erklärt werden kann, ist zum Beispiel das Erleben von Emotionen, die in der Situation unpassend sind, weil es wird ja alles immer auf die Situation quasi bezogen.

Oder auch eben, was auch nicht so richtig erklärt werden kann, ist, dass ja überlebenswichtige Emotionen kognitiv bewertet würden, zum Beispiel Emotionen, die irgendwie vor Gefahren waren. Und das würde ja viel zu lang dauern. Deshalb ist dieses Modell, das quasi der physischen Reaktion, die dann nochmal kognitiv eingestuft wird, abhängig von der Situation.

Deshalb ist das Modell dann aus den Aspekten nicht so ganz passend.

Genau. Jede Theorie hat ja immer Vor- und Nachteile und wahrscheinlich auch wichtig zu wissen, was man eigentlich mit einer Theorie erklären kann und was auch nicht. Eine sehr weitere beliebte Theorie ist das transaktionale Stressmodell oder auch Coping-Modell nach Lazarus. Und das werden wir aber in der nächsten oder zumindest einer der nächsten Folgen noch ein bisschen genauer besprechen, wenn wir über Stress sprechen.

Das kann aber auch genauso gut auf Emotionen angewandt werden. Beim transaktionalen Stressmodell gibt es auch zwei Stufen. Quasi ein erster Bewertungsschritt, wo wir erstmal sagen, ist die Emotion, die wir gerade verspüren, ist die überhaupt relevant? Und dann im zweiten Schritt sagen wir, okay, habe ich eigentlich genug Ressourcen, um diese Emotion gerade zu bewältigen?

Und auch hier ist es so, dass die Emotion durch eine kognitive Bewertung entsteht.

Wenn es Modellen zu der kognitiven Komponente gibt, dann wird es sicherlich auch noch zu anderen Komponenten Modelle geben und da haben sich der Herrn James und der Herrn Lange was ausgedacht zu der physiologischen Reaktion.

Genau, die zwei in der James-Lange-Theorie, da ist die Idee, da geht es letztendlich eigentlich vor allem darum, wie entsteht eine Emotion. Und die Idee ist, dass zuerst die physiologischen Veränderungen kommen. Dass ich zuerst die zum Beispiel, dass ich bei einer Angstreaktion zuerst schwitze und mein Herz schlägt schneller.

Und ich habe zuerst quasi diese körperlichen Sachen und die werden dann wahrgenommen und aus dieser Wahrnehmung heraus entsteht die Emotion. Das ist gerade auf akute Gefahrensituationen eben auch gut anwendbar. Es wird ich den Personen, der mich dann häufig erst quasi im Verlauf durch das Wahrnehmen von besonders schnellem Herzschlag etc., bewusst, in welcher Gefahr sie sich eigentlich befand, ohne dass das jetzt vorher lange kognitiv bewertet worden wäre.

Genau, das ist die James-Lange-Theorie und da gibt es natürlich auch nochmal eine Gegentheorie dazu. Canon Bart, die haben gesagt, ja, das ist doch schön und gut, dass du sagst, das eine passiert zuerst und das andere passiert danach. Wir sagen, die physische Reaktion, die Wahrnehmung einer Emotion verlaufen unabhängig voneinander und parallel, und parallele ist wichtig, weil dann gibt es keinen Kausalzusammenhang, die sagen einfach, ja, wir wissen es nicht, passiert beides gleichzeitig.

Und viel mehr gibt es da auch nicht mehr zu sagen.

Sehr eng verknüpft mit sehr vielen Emotionen ist jetzt der komplexe Begriff der Motivation. Also sprich der innere Antrieb eines Lebewesens, irgendetwas zu tun, spricht man oder bezeichnet man als Motivation. Und die jeweiligen Motive und oder Beweggründe dieses Lebewesens, das zu tun, sind einmal halt durch Emotionen bestimmt und beeinflussen halt eben auch sehr, was jetzt ein Individuum halt eben auch mit seinem Tag so anfängt.

Die beeinflussen natürlich auch wieder Emotionen. Das ist auch noch obendrauf. Das ist ziemlich spannend. Aber es gibt einmal wieder eine Unterscheidung in Primär und Sekundär, nämlich es gibt primäre Motive und wie bei den meisten primären Sachen ist wieder die Vorstellung, die sind schon da. Die sind evolutionär bedingt und dienen irgendwie dem Erhalt des Individuums oder auch der Spezies, der Allgemeinheit.

Und die werden eingeteilt in homöostatische Motive, also sowas wie Hunger, Durst, Schlaf und in nicht-homöostatische Motive, sowas wie Sexualität oder Neugier. Es gibt auch, wenn es primäre gibt, natürlich sekundäre Motive. Und da ist auch die Idee, dass sie im Laufe des Lebens erlernt werden. Und sekundäre Motive können sowas sein wie Leistungsmotivation, Erlangen von sozialer Anerkennung, von Besitz, von Macht, ja, alles, was man eben im Laufe des Lebens vielleicht lernt als Motiv.

Und das bekannteste Modell aus der Psychologie oder vielleicht eines der bekanntesten Modelle in der Psychologie ist die Motivationspyramide nach Maslow. Da haben wir vorhin schon ganz kurz einmal drüber gesprochen, als es um die Moralentwicklung ging. Eine Bedürfnispyramide bedeutet ja an sich erstmal, dass verschiedene Dinge aufeinander aufbauen.

Und die Bedürfnispyramide von Maslow sagt, ja, wir haben eben diese verschiedenen Dinge, die bauen einander auf und zusammen können wir die Motivation eines Individuums für sein oder ihr Handeln erklären. Und der Mensch durchläuft auch hier wieder die einzelnen Ebenen der Hierarchie der Reihe nach und verwirklicht sich so im Laufe der Zeit immer mehr selbst.

Und wichtig ist aber hier, dass ich quasi erst zur nächsten Stufe kommen kann, wenn ich vorherige Stufen quasi auch abgeschlossen habe oder zumindest in Anführungszeichen befriedigt habe. Und auch hier ist es wieder so, dass nicht alle die letzte Ebene erreichen. Das Modell wird wie alle Modelle natürlich auch kritisiert.

Es können tatsächlich in der Realität durchaus Ebenen mal übersprungen werden oder auch mal zurückgegangen werden und so weiter. Aber was sind denn jetzt diese Ebenen in dieser Pyramide, die wir ja irgendwie alle doch schon mal gehört haben?

Ja, nehmen wir mal an, Kai, du strandest auf einer einsamen Insel. Du hast nichts. Worum kümmerst du dich als erstes?

Als allererstes kümmere ich mich um meine biologischen Bedürfnisse, nämlich um Essen und vor allem um einen Sexualpartner. Das ist das Wichtigste auf einer Insel. Wenn das befriedigt ist, dann kümmere ich mich um Sicherheit.

Dann brauchst du deinen Shelter.

Damit ich meinen Partner oder Partnerin nicht verliere. Sobald mein und natürlich ein Haus, daran habe ich jetzt natürlich gar nicht gedacht. Sobald das befriedigt ist, gehe ich weiter zur dritten Stufe. Dann will ich nämlich nicht mehr nur Sex, sondern auch Zuwendung und Bindung zu anderen Menschen.

Also in der dritten Stufe heiratest du da.

Also wird geheiratet auf der Insel. Und dann, sobald man verheiratet ist, geht man zur nächsten Stufe, nämlich dem Bedürfnis nach Wertschätzung. Da merkt man, okay, Heirat ist auch nicht alles. Ich finde es tatsächlich wichtig, dass die andere Person mich auch wirklich mag. Und dann irgendwann schaue ich dann doch nochmal auf mich selbst.

In der fünften Stufe, ich habe dann nämlich das Bedürfnis nach Selbstverwirklichung und irgendwie einen Purpose in meinem Leben zu haben und irgendwas zu bewegen. Und wenn selbst das Bedürfnis befriedigt ist, dann wird es irgendwann ganz abstrakt, dann hat man das Bedürfnis nach Transzendenz, quasi der Suche über sich hinauszuwachsen, auf vielleicht auch der Suche nach Gott oder anderen spirituellen Praktiken quasi das Bedürfnis, Teil von etwas Größerem zu werden.

Und das ist eine sehr bekannte Pyramide und irgendwie, klar, das haben wir jetzt ein bisschen witzig dargestellt, aber irgendwie ergibt es doch alles sehr Sinn, dass ich mich nicht um Selbstverwirklichung oder vorhin Moralentwicklung kümmern kann, wenn mein Bedürfnis nach Sicherheit zum Beispiel nicht befriedigt ist.

Und wo es Motivation gibt, gibt es auch Konflikte, nämlich sogenannte Motivationskonflikte. Die wurden wahrscheinlich zuerst von Levin beschrieben und die Idee ist, dass Motivationskonflikte dann entstehen, wenn quasi zwei unterschiedliche Kräfte mit ähnlicher Intensität auf eine Person einwirken und so die Entscheidung quasi für oder gegen eine Handlungsmöglichkeit erschweren.

Und die Kräfte können aber in einem unterschiedlichen Verhältnis zueinander stehen. Und entweder quasi geht es um ein Verlangen nach irgendwas, dann nennt man das Appetenz oder um eine Abneigung gegen irgendwas, dann nennt man das Aversion. Und das kann man jetzt verschieden kombinieren. Es gibt zum Beispiel den Appetenz-Apetenz-Konflikt.

Die Idee ist also, das Individuum muss sich zwischen zwei Alternativen entscheiden, nach denen es jeweils Verlangen hat. Zum Beispiel, wenn sich Leo jetzt zwischen Burger und Pizza unterscheiden muss, wird das schwierig.

Ja.

Genau. Dann haben wir einen Aversions-Aversionskonflikt. Da muss sich das Individuum quasi zwischen zwei Alternativen entscheiden, für die es auch jeweils Abneigung empfindet. Ist da ein Beispiel?

Ich weiß eigentlich fast, keine Ahnung, vielleicht, also das trifft mich ja nicht zu, aber vielleicht Rosenkohl und Sardinen, vielleicht ist das was. Also ich mag beides, aber.

Okay, und dann gibt es als dritte Variante den Appetenz-Aversionskonflikt, auch Ambivalenzkonflikt genannt. Und da muss das Individuum quasi eine Alternative abwägen, für die es sowohl Verlangen als auch Abneigung empfindet. Ein gutes Beispiel dafür.

Gemüse zu essen, was nicht lecker ist, weil es ist gesund, aber es ist irgendwie trotzdem, es ist aber nicht lecker. Ja, super.

Oder ich dachte, in den USA zu leben. Das beste und das schlimmste Land gleichzeitig.

Super. Und dann haben wir noch den doppelten Appetenz-Aversionskonflikt, den doppelten Ambivalenzkonflikt, quasi die Spitze des Eisbergs wieder. Da muss sich das Individuum zwischen zwei Alternativen entscheiden, für die es jeweils sowohl Verlangen als auch Abneigung empfindet. Und spätestens da Fängt man an, Listen zu machen mit Vor- und Nachteilen.

Aber das ist, also ich meine ganz ehrlich, das ist doch so, wie es eigentlich immer ist. Wenn man zwei Alternativen hat, ist ja für beide Alternativen Vor- und Nachteile. Es ist ja nie so, dass man sich wirklich zwischen zwei Sachen entscheiden muss, die man nur geil oder nur schlecht nimmt.

Genau, da befindest du dich quasi dauerhaft in einem doppelten Ambivalenzkonflikt.

Also wirklich Props an die Namengeber für diese Konflikte, das ist Sermi-Sand. Ja, stimmt. So, wir haben noch eine Sache für heute, nämlich die Leistungsmotivation. Ist auch so ein bisschen random, dass man darüber spricht, aber vielleicht können sich viele Medizinstudierende dann einmal auf die Schulter klopfen und sich gleich als erfolgsorientierte Menschen bezeichnen.

Die Leistungsmotivation ist individuell von Mensch zu Mensch unterschieden. Ist auch ein sekundäres Motiv, was du ja auch vorhin angesprochen hattest, Tim, und umschreibt quasi das Streben etwas besser als bisher oder im Vergleich zu anderen machen, ganz im Motto von Rewe, jeden Tag ein bisschen besser.

Und dann unterscheiden wir zwischen erfolgsorientierten und misserfolgsorientierten Menschen. Es gibt übrigens andere gute Supermärkte. Muss vielleicht nur dazu sagen, sorry. Erfolgsorientierte Menschen sind an sich erstmal optimistisch, was ihre eigenen Leistungen angeht. Sie suchen die Herausforderung, um sich zu zeigen, wie gut sie sind.

Sie attribuieren Erfolge eher internal und stabil und Misserfolge eher external und variabel.

Was internal, external, was das echt bedeutet, da kommen wir auch nochmal drauf übrigens.

Genau hier quasi, man schreibt jetzt eine super Note im Physikum, ein Erfolg und dann sage ich internal und stabil, das bin ich und ich mache das schon immer so. Und wenn ich jetzt durchs Physikum durchfalle, dann mache ich es eher external und variabel und sage, das war jetzt nur einmal, normal passiert mir das nicht.

Die Prüfung war auch besonders schwer.

Genau, ich bin nicht schuld dran. Und in Experimenten erfolgsorientierte Menschen, die wählen eher mittelschwere Aufgaben, deren Bewältigung realistisch ist, die jedoch gleichzeitig auch Befriedigungen verschaffen. Das heißt, die wollen sich nicht langweilen, aber sie überfordern sich auch nicht. Das heißt, insgesamt, wenn man das gerade gehört hat und sich damit identifizieren kann, das ist an sich zu sehr guten Outcomes korreliert.

Und gleichzeitig gibt es aber natürlich auch Menschen, die sind eher misserfolgsorientiert, sind eher pessimistisch, was ihre eigenen Leistungen angeht, versuchen eher befürchtet, einen Misserfolg zu verhindern, als Erfolg zu suchen, attribuieren Erfolge eher external und variabel, ja, war nur Zufall, normal gewinne ich nicht und eigentlich bin ich gar nicht schuld.

Und Misserfolge hingegen wird eher internal und stabil attribuiert. Ja, das war meine Schuld und ich habe nie Erfolg. So, und sie wählen eher leichte Aufgaben, sie challengen sich also nicht, die Bewältigung davon ist auch eher einfach. Oder sie wählen superschwierige Aufgaben, die andere vermutlich auch nicht bewältigt hätten.

Das heißt, sie gehen gar nicht so ein bisschen aus ihrer Komfortzone heraus. Und das war es eigentlich zur Leistungsmotivation.

Vielleicht hätte ich noch eine Frage, warum dann auf einmal besonders schwere Aufgaben?

Naja, besonders schwierige Aufgaben, damit challengest du dich ja auch nicht. Du kannst ja auch sagen, okay, ich hab's nicht geschafft, aber ist kein Wunder, die Aufgabe schafft ja auch wirklich niemand.

Also du nimmst quasi von Anfang an so schwere Aufgaben, dass ein Misserfolg quasi garantiert ist.

Genau.

Und okay.

Und dadurch musst du dich dann aber auch nicht schlecht fühlen, weil du denkst, ja, das war ja irgendwie von Anfang an.

Damit verhinderst du quasi auch diesen eigenen Misserfolg.

Ganz genau. Oder dir das zumindest einzugestehen.

Und damit danken wir euch für die Motivation, euch die letzte Dreiviertelstunde angehört zu haben und dafür fassen wir euch jetzt nochmal ganz geschwind zusammen, was man denn hätte mitnehmen können aus der heutigen Folge. Intelligenz ist die Fähigkeit, vernünftig und erst darab zu denken und anschließend zweckmäßig zu handeln und kann entweder nach Spearman in einem IQ oder nach Thurstone in verschiedenen Faktoren IQs beschrieben werden.

Die Entwicklung und Sozialisation von Menschen kann im Stufenmodell von Piaget beschrieben werden, wobei sich der Herrn Kohlberg die Entwicklung von verschiedenen Heranwachsenden im Hinblick auf die Morale angeschaut hat. Dabei ganz entscheidend sind verschiedene Erziehungsstile, die durch MacComby und Martin in dem fremden Situationstest in vier Arten unterteilt wurden.

Die dabei hervorgerufenen Emotionen können in vier verschiedene Komponenten unterteilt werden und auch durch verschiedene Theorien beschrieben werden, wobei Emotionen auch sehr stark die Motivation von Menschen bestimmen. So, und damit die Motivation hoch bleibt, weiterhin auch unsere Psychologiefolgen anzuhören, können wir euch schon mal anteasern.

In der nächsten Folge geht es unter anderem um Persönlichkeit und Verhaltensstile. Also es bleibt spannend und höchst Physikumsrelevant. Deswegen freuen wir, er freut euch auf die nächste Folge Psychologie mit Kai und Tim. Und Leo. Und Leo. Wir sehen uns. Bis dann. Tschüss. Für Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie an Arsen und Apotheker.

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