Smartphone Sprechstunde· Staffel 1· Folge 31
#31 Hardcore am Handy: Vom ersten Porno zur Sucht – was Eltern wissen müssen
Donnerstag, 15. Oktober 2026 · 47 min
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Shownotes
Bald kommt der TEENAGER TAKE-OVER! 🎙️
Schick uns deine Fragen für diese spannende Folge:
Jugendliche beantworten, was Erwachsene schon immer wissen wollten – in der Smartphone-Sprechstunde.
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DIESE FOLGE:
9-12 Jahre: So jung sind Kinder heute, wenn sie zum ersten Mal einen Porno sehen, nicht heimlich am Familienlaptop, sondern auf dem Schulhof oder zwischen zwei Videos in den sozialen Medien.
Florian Günther war etwa zwölf, als ihm ein Mitschüler Pornos gezeigt hat. Was mit Neugier und Gruppendruck begann, wurde zur Flucht vor Stress, mit immer härteren Inhalten, Abstumpfung und echten Problemen, als es um reale Sexualität ging. Heute hilft er Männern beim Ausstieg aus der Sucht.
Wir klären, was regelmäßiger Pornokonsum im Belohnungssystem des Gehirns anrichten kann, wie du mit deinem Kind darüber sprichst, ohne Scham und ohne Vorwürfe und warum Schweigen die schlechteste Option ist. Die Frage ist nicht, ob dein Kind Pornos sieht, sondern wann, und ob es dann mit dir darüber redet.
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Das nimmst du aus dieser Episode mit:
• Wo haben Jugendliche Zugang zu Pornos und wie merken Eltern, dass ein Kind Pornos schaut?
• In welchem Alter sehen die meisten Kinder den ersten Porno?
• Wie wirkt sich Porno-Konsum bei jungen Menschen und im Familienleben aus?
Kapitel:
Florians erster Kontakt
Einstieg auf dem Schulhof
Überall verfügbare Bilder
Vom Kick zur Falle
Der lange Ausstieg
Was Pornos im Gehirn tun
Heilung oder dauernde Wachsamkeit
Gesunde Wege gegen Stress
Mit Kindern darüber sprechen
Wenn Kinder Pornos sehen
Hilfe für Erwachsene
Links & Studien:
Für Betroffene und Angehörige stellt der Verein Safer Surfing Adressen von Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen in Deutschland, Österreich und der Schweiz zur Verfügung:
safersurfing.org/pornosucht-hilfe-bei-abhaengi…
Frei von X
freivonx.de
Buchtipp: “Your brain on porn” von Gary Wilson
Cambridge Studie “Gehirnaktivität von Sexsüchtigen ähnelt dem Muster von Drogenabhängigen"
cam.ac.uk/research/news/brain-activity-in-sex-…
Die Atemtechnik von Wim Hof auf Wikipedia: de.wikipedia.org/wiki/Wim_Hof
Erfahrungen von Kindern und Jugendlichen mit Sexting und Pornos - Studie der Medienanstalt NRW (2024):
medienanstalt-nrw.de/fileadmin/Erfahrung_von_M…
Blog: “Zuhause über Pornos sprechen? Entweder du klärst dein Kind auf, oder das Internet erledigt das für dich” smartphonecoach.org/zuhause-ueber-pornos-sprec…
Smartphone Sprechstunde erscheint jeden Donnerstag:
Raus aus der digitalen Überforderung. Rein in die digitale Selbstbestimmung. Wir helfen Familien dabei, den Alltag mit Handy & Co. souverän zu steuern.
Smartphonecoach Andrea Buhl-Aigner und Host Niki Löwenstein ergründen Mechanismen, Gefahren und Vorteile von smarten Geräten. Dabei stützen wir uns auf wissenschaftliche Erkenntnisse und persönliche Erfahrungen.
Ohne Panikmache oder Technik-Bashing: Bei uns gibt es unterhaltsame Gespräche mit alltagstauglichen Tipps, damit smarte Geräte in Familien wieder zu dem werden, was sie sein sollen: praktische Helfer statt Aufmerksamkeitsvampire.
Schick uns eine Nachricht! (buzzsprout.com/2606684/fan_mail/new)
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Bevor wir heute starten, seid jetzt ihr an der Reihe. Demnächst gibt es ein Takeover der Smartphone-Sprechstunde von Teenagern. Das heißt, wir setzen ein paar Jugendliche vor Mikrofone und die werden ganz unter sich, ohne dass wir sie stören, erzählen, welche Rolle ihr Smartphone im Leben spielt. Und sie beantworten eure Fragen.
Was wollt ihr wissen? Vielleicht, wie sie ihre Eltern austricksen oder welche Regeln wirklich funktionieren? Oder was Teenys heute mit der KI besprechen, wenn niemand zuhört? Schickt uns eure Fragen als Kommentar gleich unter dieser Episode unten oder über das Formular auf unserer Website smartphone-sprechstunde.at.
Alle Infos dazu gibt es auch in den Shownotes und jetzt geht's los mit der neuen Episode.
Was würdet ihr tun, wenn ihr herausfindet, mein Kind schaut pornos ansprechen, verbieten, kontrollieren. Oder lieber so tun, als hättet ihr gar nichts gesehen. Oder denkt ihr vielleicht, euer Kind betrifft das nicht? Wirklich? Tatsächlich kommen Kinder und Jugendliche bereits im jungen Alter in Kontakt mit Pornos und Sexting.
Ihren ersten Porno sehen die meisten zwischen dem 12. und 14. Lebensjahr. Übrigens Burschen und Mädchen. Pornografische Inhalte sind heute nur wenige Klicks entfernt. Was macht das mit jungen Menschen und wie gehen wir als Familie damit um? Darüber sprechen wir heute mit einem Experten. Willkommen bei der Smartphone Sprechstunde.
Smartphone Sprechstunde. Orientierung im digitalen Wahnsinn. Der Podcast für Familien, die im Bildschirmstress den Durchblick behalten. Noch ein kurzer Hinweis bevor wir starten. In dieser Folge sprechen wir ganz offen über Pornografie, Pornokonsum und auch Pornosucht. Auch im Zusammenhang mit Kindern und Jugendlichen.
Dabei werden sexuelle Inhalte und konkrete Erfahrungen angesprochen. Wenn euch dieses Thema belastet oder ihr euch damit gerade nicht wohlfühlt, hört diese Folge lieber gemeinsam mit einer Person, der ihr vertraut, oder schickt sie jemandem weiter und lasst euch danach die wichtigsten Inhalte erzählen.
Was machen Pornos mit jungen Menschen und wie sollen Familien damit umgehen, dass Hardcore-Inhalte nur wenige Klicks entfernt sind? Darüber sprechen wir heute mit Florian Günther. Er war selbst von problematischem Pornokonsum betroffen, zeitweise bis zu 25 Stunden pro Woche. Heute arbeitet er bei Frei von X, einem Programm, das Männer dabei begleitet, sich aus Pornosucht und problematischem Pornokonsum zu befreien.
Schön, dass du dir Zeit nimmst. Hallo, herzlich willkommen, liebe Grüße nach Berlin.
Ja, hallo, viele Grüße nach Wien zurück. Danke, Nikola, danke Andrea für die Einführung. Freut mich sehr hier zu sein, freut mich sehr aufzuklären über dieses Thema, was ja doch in unserer Gesellschaft immer noch ein großes Tabu hat.
Ein großes Tabu ist und dabei viele betrifft. Und du hast sie schon angesprochen, Andrea Bohleigner ist natürlich auch an unserer Seite. Smartphone Coach, herzlich willkommen. Hallo liebe Niki und hallo Florian, schön, dass du dabei bist. Mein Name ist Niki Löwenstein, ich bin euer Host und Mama. Schön, dass ihr mit dabei seid.
Ja, erzähl mal, wie bist du denn, Florian, eigentlich selbst in die Pornosucht gerutscht? Wie alt warst du und wie ist das bei dir gelaufen?
Also, ich habe meinen ersten Pornofilm, ich will nicht Lügen mit elf oder mit zwölf Jahren, macht jetzt auch keinen Riesenunterschied, gesehen. Und bei mir war es tatsächlich so, dass mir das ein Schulkamerad damals gezeigt hat. Es war damals auf der Schule, so krude das klingt, cool, diese Filme zu sehen.
Und es kam halt einfach so, dass mir wirklich in der Schulpause jemand, der so ein, ich sag mal, so ein erstes Sony Ericsson-Smartphone, was damals dann so die ersten Smartphones waren, die man hatte, der mir das dort gezeigt hat, so ein verpixeltes Video. Und dann war es halt so, dass man sich diese Videos noch hin und her geschickt hat über Bluetooth oder Infrarot und dann dieser Konsum so begonnen hat.
Und irgendwann kam dann die Möglichkeit, auch für mich, im Internet auch zu Hause selber an Pornografie zu kommen. Und da war dann eigentlich relativ schnell der Damm gebrochen. Und es ist mehr geworden. Es war versteckt. Meine Eltern haben das natürlich nicht mitbekommen. Und der Konsum hat sich relativ schnell verselbstständigt und ist intensiv geworden.
Pornos am Schulhof, du, Florian, würdest du sagen, das ist ein gängiger Einstiegspunkt, wo wir jetzt denken, die Kinder sind eigentlich fachlich gut betreut und unter Aufsicht.
100 Prozent. Also das ist heute der Nummer eins Ort, wo Jungen als auch Mädchen zum allerersten Mal mit Pornografie in Kontakt kommen. Wenn der Schulfreund, der Schulkamerad, vielleicht der Erste, dem das irgendwie mal über den Weg gelaufen ist, das sieht. Und es ist halt so ein Gefühl von, hey, das ist cool.
Es ist wenig Bewusstsein da, was das wirklich bedeutet. Und dann will das jeder sehen, jeder will dazugehören. Und es ist quasi so eine Gruppendynamik, die sich dann auch irgendwo auftieht. So, hä, wer hat das coolste Video? Wer kann da mithalten, wer schaut sich das an? Und so kommen viele Jungen, viele Mädchen auch teilweise in die Pornografie so als ersten Eintritt dazu.
Wie lange ist das her, dass du deinen ersten Porno gesehen hast, nur dass wir das ein bisschen zeitlich einordnen können?
Mittlerweile 17 Jahre. 17, 18. Ich weiß es nicht ganz genau, aber 17, 18. Ich bin jetzt 29.
Das heißt, wie alt warst du?
Elf oder zwölf. Ich würde dazu sagen, dass ich, ich hatte mir im Vorhinein dazu auch nochmal Gedanken gemacht, geguckt, ob ich irgendwo verwertbare Statistiken finde. Es gibt nur Vermutungen, aber die Vermutung liegt nahe, dass das Einstiegsalter heute auch nochmal gesunken ist und sich irgendwo zwischen 9 und 12 Jahren befindet.
Was natürlich immer weiter nach unten geht, weil die Verfügbarkeit auch des Smartphones, TikTok, Instagram, andere soziale Medien ja so hoch ist und der Übergang von diesen sozialen Medien auf die Pornografie auch so leicht geworden ist, so naheliegend fast schon ist.
Ich glaube, das ist auch ein Missverständnis, dass man ja nicht gezielt nach Pornos suchen muss. Man muss jetzt nicht auf irgendwelche Pornoseiten gehen, um plötzlich pornografische Inhalte, wie du gesagt hast, über soziale Netzwerke zum Beispiel auf seinem eigenen Bildschirm zu haben.
Ja, exakt, exakt. Also sobald man dort anfängt zu swipen, wir haben natürlich einmal die Komponente, okay, ist das jetzt quasi ein Porno, was definieren wir auch als Porno, ist jetzt ein Pornofilm quasi nur, wenn Hardcore-Szenen gezeigt werden, oder reden wir vielleicht schon davon, wenn, sag ich mal, auch eine Creatorin, ich sage mal im Onlyfans-Bereich, dort vielleicht auch Werbung macht auf Social Media, was ja einfach ein großer Werbekanal dieser Industrie ist, wo dann versteckt in der Bio dieses Nutzers, dieses Creators, dann sofort die Pornoseite aufploppt, wobei man eben noch auf Instagram war und ein Klick später kann es eben sein, dass der Jugendliche das Kind auch schon auf der Seite
von Onlyfans landet.
Ich glaube, wir müssen eine kurze Einordnung machen für alle, die uns heute zuhören, die selbst nicht konsumieren und selbst vielleicht gar nicht so genau wissen, was da alles unterwegs ist. Ich kenne das auch vom Elternabend, wenn Eltern so ganz entsetzt reinschauen und sagen, ja, mein Kind natürlich nicht oder sich gar nicht vorstellen können, wie man denn auf einer App wie Insta tatsächlich mit Pornos in Kontakt kommt.
Aber ganz viele schließen einfach immer noch von ihrem eigenen Konsum. Und wenn ich jetzt meinen eigenen Insta-Feed anschaue, so mit Kochrezepten und weiß ich nichts, Tomatenanbau oder was ich da alles so sehe. Ich sehe keine Werbung von Pornostars, die mich irgendwo hin weiterleiten, aber der Feed von Kids schaut häufig ganz anders aus.
Und nicht nur auf TikTok und Instagram. Wir hatten kürzlich auch einen Bericht, dass auf Spotify Pornos als Videopodcasts hochgeladen wurden und es sogar in Top-Podcast-Rankings reingeschafft haben.
Selbiges, wir hatten ja auch vorhin nochmal kurz drüber erzählt, ist mir auch aufgefallen, dass es mittlerweile auch wirklich richtige Pornovideos ohne Zensierung auch manchmal durch die Metafilter schaffen und dann, also Metafilter im Sinne von Facebook, Instagram, die Plattform dahinter und dann als Werbeanzeigen auch tauchen in Instagram und teilweise erst ein bis zwei Tage später dann erkannt werden und gesperrt werden.
Das heißt, grundsätzlich kann man einfach daraus schließen, es ist fast unvermeidbar, dass ein Kind, ein Jugendlicher, wenn er soziale Medien nutzt, wenn er im Internet unterwegs ist, damit nicht in Kontakt kommt. Es wird früher oder später passieren und die Frage, die sich dann eigentlich stellen sollte für Eltern oder eben Menschen, die mit Kindern zu tun haben, ist, okay, wie kann ich mein Kind darauf vorbereiten, sodass es nicht überrascht wird und vor allen Dingen natürlich nicht in die Falle vielleicht reingeht, in die sehr viele Männer, mich eingeschlossen damals, dann auch reingetreten sind.
Ja, über diese Falle sprechen wir natürlich gleich ausführlich. Vorher an alle, die uns jetzt zuhören und sich denken, naja, mein Kind ist vielleicht noch zu jung, das hat noch gar kein Handy. Da gibt es ja, eine Zuhörerin von uns hat diesen Begriff etabliert, auch noch das andere Handy. Also alle anderen Handys, die die Freunde oder Menschen aus der Umgebung haben.
Man muss kein eigenes Handy haben, um mal auf einen fremden Bildschirm zu schauen. Und das kann am Pausenhof auch gerne mal passieren. Also die Handys sind überall damit auch die Bildschirme unter Zugang. Man darf sich da nicht in falscher Sicherheit wiegen. Du hast jetzt schon von der Falle gesprochen.
Eine Falle, schnapp zu, die lässt dich nicht mehr los. Wie ist das bei dir passiert, dass du dir gedacht hast, irgendwann, okay, das ist jetzt nichts mehr, was mir gut tut, was mir gefällt, wo ich vielleicht meine eigene Sexualität entdecken kann, sondern das hat mich im Griff.
Also ich muss dazu sagen, wo ich damals, wenn ich mich so ein bisschen reinfühle in die Zeit, elf, zwölf, drei, 14 Jahre, das war für mich schon ein unfassbarer Kick. Also dieses Gefühl, ich kann das natürlich jetzt aus der Retrospektive anders beurteilen, dieses Gefühl, diese Videos zu sehen, ich spreche jetzt offen, natürlich auch dann dazu zu masturbieren, war für mich damals ein Gefühl, was ich so noch nicht kannte.
Und da ich auch keinerlei Konsequenzen dahinter gesehen hatte, also ich habe mir schon gedacht, das ist vollkommen normal, habe ich es quasi immer auch angewendet, wenn es unkomfortable Situationen gab in meinem Leben. Also ich habe sehr schnell die Verknüpfung machen können. Okay, ich fühle mich nicht gut, vielleicht habe ich gerade eine Aufgabe, die mich überfordert.
Um ganz klassisches Beispiel zu geben, ich habe eine schlechte Note bekommen, ich weiß, ich komme nach Hause, ich kriege dafür Ärger. Und das waren zum Beispiel Situationen, in denen ich dann Pornografie geschaut habe, oder wo ich wusste, hey, ich habe heute eine Riesenladung an Hausaufgaben noch vor mir oder später eine Klausur vor mir.
Ich schaue mir noch Pornos an und entspanne mich erstmal noch kurz. Und es gab dann diesen Moment, das war so mit Richtung 16, also schon relativ früh, wo ich gemerkt habe, dass ich im Alltag immer mehr abstumpfe. Also ich habe gemerkt, dass ich weniger Fokus habe, dass ich mich einfach nicht gut fühle.
Also ich war einfach träge, ich war müde, natürlich auch aufgrund der Intensität des Konsums, die bei mir schon sehr, sehr hoch war. Und ich habe gemerkt, okay, das Leben ist so ein bisschen grau geworden. Irgendwie macht mir nichts Spaß. Ich war aber eigentlich gesund, auch körperlich. Ich hatte dann auch meine ersten sexuellen Erfahrungen, die auch nicht funktioniert haben.
Und diese Erfahrung dann, die Möglichkeit gehabt zu haben, ich hatte eine tolle Frau neben mir, ich hätte Sex haben können und es hat nicht funktioniert als Jugendlicher. Das war so der Moment, wo ich gemerkt habe, okay, irgendwas stimmt nicht. Irgendwas ist falsch mit mir. Ich habe überlegt, was könnte das sein?
Ich erinnere mich eigentlich gesund, ich habe sehr viel Sport gemacht, habe schon auf mich geachtet. Und dann gab es aber diese eine Sache in meinem Leben, die so einen einfach sehr starken Drang hatte, gegen die ich mich nicht wehren konnte, die mir immer wieder die Kontrolle übernommen hat. Und da ist mir zum ersten Mal klar geworden, oder es kam zumindest die Überlegung, okay, vielleicht könnten einige Probleme in meinem Leben von diesem extrem intensiven Konsum herrühren.
Und da habe ich dann zum ersten Mal probiert, auch aufzuhören.
Du hast gesagt, du hattest selbst auch die ersten Möglichkeiten für sexuelle Erfahrungen im Refe sozusagen. Hast du das, was du in Pornos gesehen hast, das ist was, dass wir irgendwie aus Befragungen und Studien immer wieder hören, dass Jugendliche das als Vorlage nehmen oder dass man glaubt, das sind irgendwie reale Beispiele für tatsächlichen sexuellen Kontakt zwischen Menschen.
War das bei dir auch so oder wusstest du, dass das was Künstliches ist?
Also ich will jetzt nicht zu weit abrutschen, aber ich habe mir teilweise auch wirklich Sachen angeschaut, auch über Jahre hinweg, und ich rede darüber auch heute sehr offen, die wirklich gar nichts mit meiner Sexualität zu tun hatten. Also ich habe halt gemerkt, dass ich auch durch den Konsum wirklich in Sachen eskaliert bin, die mich wirklich null angesprochen haben in der Realität.
Und bei mir war das dann eher andersrum, dass ich, also ich konnte gar keinen Sex mehr haben. Es gab dann wirklich, ich erzähle es einfach mal so, die erste Möglichkeit, und daran kann ich mich wirklich noch sehr, sehr gut zurückerinnern, wo ich dann auch eine Verabredung hatte mit einer Frau, wir uns dann bei ihr getroffen haben und ich unheimlich aufgeregt war und dann hat es nicht funktioniert, ich habe keine hochbekommen.
Ich weiß noch, wie ich da nach Hause gefahren bin und zu Hause Pornos geschaut habe. Eine Dreiviertelstunde später. Das war so der Moment, wo ich einfach, ich hatte gar keinen Bezug mehr zur Realität. Ich hatte nicht mal nur mehr falsche Erwartungen, sondern das Problem war vielmehr auch, dass mich die Frau, die ich eigentlich dann mochte oder die Jugendliche, das Mädel, was jetzt vielleicht vor mir lag, dass sie mir gar nicht mehr gefallen hat.
Dass sie mich, sie hat mir schon gefallen vom Verstand her, aber sie konnte mich nicht mehr erregen. Und da habe ich gemerkt, Wahnsinn, so, ich habe mich einfach, ich weiß nicht, ich habe mich wie so ein asexuelles Wesen, wie so ein pornossexuelles Wesen gefühlt, weil ich das Gefühl hatte, okay, das ist dann auch noch drei, vier Mal mehr passiert, so vielleicht kann ich einfach keinen Sex haben.
Und das war echt auch beängstigend.
Das bedeutet, Pornos haben für dich nichts mehr mit Lust am Ende zu tun gehabt, sondern es war eine Art Realitätsflucht, ein Stressbewältigungsmechanismus. Und damit der funktioniert, hast du dann immer mehr, immer heftigere Sachen gebraucht. Als du gemerkt hast, okay, ich habe hier ein Problem, was hast du dann gemacht und wie bist du rausgekommen?
Also es war so graduell, dass ich gemerkt habe, dass ich ein Problem habe. Ich habe dann halt länger überlegt und ich habe dann versucht aufzuhören, Pornografie zu schauen. Nur mal so kurz so als Art Challenge, so was passiert eigentlich. Und hab's dann so ein paar Tage geschafft, konnte kurz damit aufhören und bin dann wieder rückfällig geworden.
Und wieder und wieder und wieder. Dann gab es wieder eine Phase, wo ich gesagt habe, ach, so schlimm ist das doch gar nicht, weil natürlich konnte auch mit niemandem darüber reden. Ich habe mich unfassbar dafür geschämt. Das ist ja auch so ein Thema, was wahrscheinlich viele Jugendliche heute betrifft, die das dann haben, die sich niemals trauen würden, jemandem das zu erzählen.
So war es auch bei mir. Dann habe ich ewig versucht, dagegen zu kämpfen. Ich habe ganz viele Dinge ausprobiert, die ich irgendwie in verwinkelten Online-Foren gefunden habe. Ich habe mir mein erstes Buch damals zu dem Thema gekauft, Your Brain on Porn. Sehr, sehr gute Literatur, um das Thema auch besser zu verstehen.
Also große Empfehlung.
Verlinken wir euch gerne in den Shownotes, die klingen bei uns übrigens immer so.
Ja, das war ein sehr, sehr gutes Buch. Da habe ich zum ersten Mal auch, ich sag mal, die neurologischen Folgen des Pornokonsums wirklich verstanden und auch so ein bisschen die Zusammenhänge verstanden, warum ich mich in gewissen Situationen so fühle. Und habe dann viele Dinge ausprobiert. Willenskraft, ich habe Blocker installiert.
Ich hatte dann auch einem Bekannten von mir Bescheid gesagt, der die Kontrolle dann quasi mehr oder minder über mein Handy hatte. Ja, ich habe dann auch schon Fortschritte gemacht, würde ich jetzt mal so sagen, so mehr oder weniger. Manchmal gab es gute Phasen, manchmal bin ich wieder in Extremphasen zurückgeschlittert.
Ich habe dann ja auch Psychologie studiert. Ich glaube mittlerweile eigentlich auch eher, um mich irgendwie selber zu therapieren. Zumindest war das so unterbewusst die Intention gewesen. Und schlussendlich, ich hatte dann selber gute Fortschritte gemacht, würde ich sagen, habe dann aber später den Erik kennengelernt, mit dem ich das Ganze hier bei Frei von X auch heute zusammen mache.
Und hab dann damals mit ihm gearbeitet. Eine Perspektive, die mir extrem geholfen hat, das Problem zu lösen, war zu verstehen, dass ich diesen Drang oder dieses Verlangen, dieses Bedürfnis nicht bekämpfen kann. Ich kann es nicht abtöten, sondern ich habe angefangen, wirklich zu forschen, was eigentlich die Ursache dahinter ist, warum ich in schwierigen Situationen, was ich mir teilweise auch eben in der Jugend dann angelernt hatte, warum ich dann immer wieder in die Pornografie flüchte, was ich dort eigentlich wirklich suche.
Und bei mir war das ein starkes Gefühl von so angenommen zu werden, wertvoll zu sein, auch wenn ich nichts leiste, wenn ich mal nicht in Ordnung bin, gesellschaftlich vielleicht gesehen, auch wenn das nicht stimmt. Und da war die Pornografie immer mein Rückzugsort. Und als ich das verstanden hatte, ging es für mich eigentlich eher so darum, innerlich einen Weg zu finden, mich als Menschen wirklich anzunehmen und meinen Wert immer auch unabhängig von meiner Leistung zu betrachten.
Und das hat mir schlussendlich geholfen, wirklich auch dieses Verlangen, was immer wieder in Richtung Pornografie gegangen ist, wegzubekommen. Ich will vielleicht nochmal eine Sache dazu fügen, ich habe jetzt sehr viel gesagt, dass ich natürlich ein Extremfall war. Und bei vielen Jugendlichen ist das dann vielleicht nicht so, dass sie 25 Stunden schauen, das war natürlich auch die extremste Phase, sondern es kann auch sein, dass sie das einmal am Tag für 20 Minuten schauen, aber auch merken, hey, ich tue das vielleicht, um Stress wegzubekommen und mich da besser zu fühlen.
Und ich höre das auch immer öfter, wenn ich jetzt so mit jüngeren Männern auch spreche, die sich bei uns melden, die jetzt vielleicht Anfang 20, 19, 18 sind, die mir dann auch erzählen, hey, ich mache das teilweise auch auf der Schultoilette, um irgendwie runterzukommen. Oder um das auch dazu zu sagen, ich steigere das sogar, das habe ich erst vor kurzem von zwei jüngeren Männern gehört, die teilweise auch so diese Nikotin-Patches mit dazu nehmen.
Ich weiß nicht, ob ihr das kennt, um diesen Drang noch zu steigern. Also das, worum es eigentlich geht, ist, es wird, man kann die Pornografie wie eine Droge einsetzen, um sich besser zu fühlen. Es muss aber auch keine Droge sein. Es kann auch einen Konsum geben, der nicht unbedingt schädlich ist. Es kommt immer darauf an, wofür nutzen wir das schlussendlich eigentlich?
Das ist ja bei Suchtverhalten, vor allem bei Verhaltenssucht, immer die große Frage, findet ein Kontrollverlust statt? Das ist so eins der Hauptkriterien. Aber es gibt natürlich auch ein exzessives Verhalten, das nicht unbedingt eine Sucht sein muss, aber das trotzdem vielleicht schon eine negative Auswirkung auf das Leben haben kann, je nach Intensität.
Und danke für deine Offenheit und dass du da so tiefe Einblicke gibst, die wahrscheinlich die meisten von unseren Hörerinnen und Hörern noch nicht in der Form kennen. Du hast jetzt schon ein paar Beispiele genannt, was das körperlich in sehr jungen Jahren für dich für Auswirkungen hatte und auch, dass du dir sozusagen Sinnfragen gestellt hast und dass es zu tun hatte mit deiner eigenen Körperwahrnehmung und Selbstbewusstsein und Selbstbild.
Du verlinkst auf deiner Website aber auch sehr viele Studien zu dem Thema. Also du hast dich inhaltlich, fachlich auch sehr stark damit beschäftigt. Kannst du uns sagen, was passiert denn im Gehirn, wenn man regelmäßig Pornos schaut? Verändert sich da tatsächlich was auch im Gehirn?
Ja, definitiv. Es gibt verschiedene Studien auch zu dem Thema. Es gab so eine sehr interessante Cambridge-Studie, die auch gezeigt hat, dass Menschen bei Pornokonsum durch die Ausschüttung von beispielsweise Dopamin ähnlich reagieren können wie auf Drogen bei Substanzsüchtigen. Der Unterschied ist, und das macht das Ganze eigentlich sogar noch, ich will nicht sagen, spannender, aber gefährlicher, dass wir hier, wir können uns den Nachschub quasi unentwegt holen.
Das heißt, jeder neue Film, den wir abspielen lassen, sorgt wieder für dieselbe Ausschüttung an Neurotransmittern wie beispielsweise Dopamin. Bei anderen Drogen natürlich müssen wir die kaufen, wir müssen die besorgen, wir sind nicht anonym, wir müssen irgendwo hingehen wahrscheinlich. Aber hier sind wir komplett für uns selber.
Wir sind anonym. Es ist kostenfrei und wir können diese Reitschwelle immer wieder aufrechterhalten. Und unser Gehirn passt sich natürlich an. Und wenn unser Gehirn sich an diesen extremen Schwall an Belohnungshormonen ohne vorherige Arbeit gewöhnt, reduziert es natürlich auch die Rezeptoren, um sich zu schützen, um sich quasi abzuhärten irgendwo.
Und dadurch wird es halt auch schwieriger, im normalen Leben, mit ganz normalen Dingen, die wir tun, vielleicht auch einfach mal rauszugehen, morgens den Sonnenaufgang zu sehen, Vögelschwitzern zu hören, dass sich das noch wirklich gut anfühlt. Und was ich dann sehr häufig von Männern auch höre, was ich selber auch erlebt habe, ist, dass es so ein bisschen grauer wird.
Es ist wie so eine Art Nebelschleier, der sich bildet, der durch diese Abstumpfung im Gehirn entstehen kann.
Würdest du sagen, bist du heute geheilt mit all dem Wissen und der Selbsterfahrung, die du gemacht hast? Oder begleitet dich das dein ganzes Leben lang und du musst immer wachsam sein?
Boah, das ist eine richtig gute Frage. Ich krieg sogar Gänsehaut, wenn du das fragst. Weil ich würde sagen, ich bin nicht in dem Sinne geheilt, weil, wie am Gehören, wenn sich einmal wirklich eine starke Sucht ausprägt, auch ein gewisses Suchtgedächtnis ausbildet. Und dieses Suchtgedächtnis, na klar, verkümmert mit der Zeit, es wird schwächer.
Das kann auch wieder angehen. Es könnte wieder aufflammen, wenn ich alles, was ich vielleicht gelernt habe über mich, auch meine innere Arbeit, wenn ich all meine Gewohnheiten, die ich habe, komplett loslassen würde. Und klar, mich entscheiden würde jetzt wieder, hier auf einem großen Bildschirm einen Pornofilm anzumachen und das dann eine Stunde zu schauen, was mir sicherlich auch gefallen würde.
Im Gehirn würde es mir gut gehen, ich hatte Belohnungshormone, ETC, dann könnte ich auch wieder zurückkommen. Aber ich habe im Alltag danach keinen Verlangen mehr. Ich kann auch deshalb hier so offen drüber reden, ohne gleich Angst zu bekommen, in einer Stunde wieder rückfällig zu werden. Ich habe für mich die richtigen Mittel und Wege gefunden.
Ich bin auch vom Willen her sehr stark geworden, ich bin sehr ausgeglichen, was das angeht. Aber es bleibt nicht mehr. Trotzdem so eine gewisse Verwundung über, die man auch in eine Stärke umdrehen kann, meiner Meinung nach, weil man sehr viel über sich selber lernen darf. Aber eine gewisse lebenslange Verwundung bleibt bestehen.
Definitiv.
Was machst du heute, wenn du merkst, diese Situation belastet mich und damit sind wir ja alle im Alltag ständig konfrontiert, etwas Unangenehmes zu erleben, Stress zu haben. Was machst du jetzt, um das abzubauen, auf gesunde Art und Weise?
Also, ich bin ein großer Fan von generell introspektiver Arbeit. Also beispielsweise meditiere ich gern. Ich bin ein sehr, sehr großer Fan und das habe ich auch schon gesehen, wie vielen Menschen das geholfen hat von der Wim-Hoff-Atmung. Eine sehr, sehr einfache Methode, um eine Ausgeglichenheit herzustellen innerlich.
Ich habe gewisse andere Routinen, um abzuschalten, um mir selbst wieder klar zu werden, dass ich auch wertvoll bin als Mensch. Also beispielsweise, wenn ich merke, dass ich Aufgaben habe, die mich sehr überfordern, dass vielleicht auch ein paar Sachen schiefgegangen sind, zwinge ich mich auch dazu, einfach mal abzuschalten und auch mal nichts zu tun, ganz bewusst und nicht zu versuchen, gewisse Sachen sofort zu lösen.
Und es gibt so gewisse Schlüsselmomente, die ich kennengelernt habe, die auch eng mit meiner Sucht zusammengehangen haben in meiner eigenen Vergangenheit und Kindheit, in die ich auch ganz gern mal wieder eintauche. Weil ich weiß, dass da gewisse Ursprünge auch für meine Sucht entstanden sind, gewisse Bedürfnisse entstanden sind, die nicht befriedigt wurden.
Und auch heute gehe ich öfter mal wieder in die rein, wenn ich mich nicht so gut fühle, um wieder Kontakt zu mir selber zu bekommen. Meistens ist es eigentlich nur, Kontakt zu sich selber wieder aufzubauen als Mensch, bei sich selber zu sein und nicht auf die Erwartungen vielleicht des Außens auch zu hören und sich daraus zu definieren.
Ich hoffe, dass es nicht zu inkonkret, aber besser kann ich es gerade nicht ausdrücken. So schaffe ich es ganz gut, damit umzugehen.
Ganz im Gegenteil, das ist ganz toll, ja. Es ist so schwierig, oft mit sich selbst in Kontakt zu bleiben in einer Welt, die so laut ist, so schnell ist, so viel Aufmerksamkeit von einem abziehen möchte. Es ist auch schwer, mit anderen den Kontakt zu halten, mit den eigenen Kindern. Und die Eltern, die uns jetzt zuhören und sich überlegen, okay, was bedeutet das für unsere Familie, was bedeutet das für unser Kind?
Was kannst du denen mitgeben? Wie spricht man denn mit Kindern über dieses sensible Thema? Du hast schon das Wort Charme vorher benutzt. Wir schämen uns so sehr oft, wenn wir über diese Dinge sprechen. Die Kinder halten es gar nicht aus, mit den Eltern über so etwas reden zu müssen. Wie geht man da locker damit um?
Also ich habe tatsächlich einige Männer auch, die das Problem selber haben, gerade in der Betreuung, wo ich manchmal dann natürlich die auch anleite, wie sie dann beispielsweise mit ihren Söhnen dieses Thema ansprechen. Wir sollten vielleicht erstmal unterscheiden zwischen Junge und Mädchen. Was sich ganz klar in Deutschland aufzeigt, ist das sogenannte Pareto-Prinzip, kennt ihr bestimmt auch, 8020.
Das zeigt sich hier in dem Bereich sehr, sehr stark auf, dass der Pornokonsum sich ungefähr auf 80% vom Suchvolumina. 80% sind Männer, 20% sind Frauen. Also es ist sehr geschlechterspezifisch tatsächlich in dem Fall. Und beide müssen unbedingt aufgeklärt werden, aber vielleicht auf eine andere Art und Weise.
Denn was ich erlebt habe, ist, dass Frauen teilweise eher unfreiwillig die Pornografie gezeigt bekommen, die einfach zugesendet bekommen und nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen manchmal. Gerade jüngere Frauen habe ich häufig erlebt. Und bei Jungen ist es so: es ist eher so dieses, hey, das ist cool, das gehört dazu, das macht mich jetzt zum Mann.
Und das ist eher so das, was sie dann halt häufig auch in jungen Jahren schon reizt oder auch diesen Gruppenzwang dann anspricht. Ich sag mal, für Vater, Mutter ist es natürlich am wichtigsten, dass das keine Moral predigt wird, sondern schlussendlich wirklich aus so einem echten, vielleicht auch so einem echten Wohlwollen kommt.
Weil je tiefer wir uns damit beschäftigen, wird nicht nur deutlich, dass ein sehr stark oder ein erhöhter Pornokonsum auch dafür sorgen kann, hey, dass man vielleicht in der Schule auch nicht mehr ganz so fokussiert ist, Sachen auch so gut behält. Die graue Masse im Gehirn baut sich so ein bisschen ab, deswegen merken manche Männer auch, dass das Erinnerungsvermögen ein bisschen leidet.
Aber auch, dass die Lebenslust darunter leidet. Die echten Erfahrungen, die vielleicht dann mit Frauen später auftreten, auch die Verbindung zu der eigenen Partnerin später, das ist das, was ältere Männer erleben, die dann echt enorm schwerfällt. Also es kann halt sein, dass es das ganze Leben verbaut.
Und ich würde halt als Elternteil, ich werde auch bald mein erstes Kind bekommen tatsächlich.
Gratulation.
Deswegen, Dankeschön, habe ich mir auch schon Gedanken gemacht. Jedenfalls würde ich darauf zugehen, dass du vielleicht als Elternteil schaust, was ist denn deinem Kind vielleicht wichtig? Ja, was sind vielleicht selber Aspirationen oder Wünsche, die das Kind vielleicht in sich trägt, auch fürs spätere Leben und das vielleicht dann auch so damit mal in Verbindung bringen und einfach schauen, hey, es gibt das, diese Pornografie.
Schau mal, du wirst damit in Kontakt kommen. Es ist per se nicht schlimm, es muss dir nicht schaden, aber schau mal, es kann eben auch das und das passieren. Und so und so könnte das dielle auch in dem und dem Bereich, der dir auch wichtig ist, hindern. Ja, also das ist vielleicht ein ganz guter Punkt, Andrea.
Ja, ich würde gerne was dazu ergänzen, was ich von Elternabenden ganz häufig mitbekomme, nämlich, dass Eltern tatsächlich die Worte oder die richtige Sprache fehlt, dass sie sich trauen, dieses Thema anzusprechen zu Hause und dass sie vielleicht dann irgendwann, wenn die Kinder so 12, 13, 14 oder erst 16 sind, draufkommen, ups, das könnte ein Thema sein.
Und dann hat man aber noch nie drüber gesprochen und dann einen halbwegs würdigen Einstieg zu finden, ohne dass es richtig peinlich und unangenehm wird für alle, das ist dann schwer.
Das ist total schwer.
Ich sage immer, bitte fangt so früh wie möglich zu Hause an und habt keine Sorge, dass ihr Kinder damit auf Ideen bringt. Da sagen viele Eltern so, ich rede nicht über Pornos, weil sonst wissen die erst, dass es das überhaupt gibt. Also ab dem Zeitpunkt, wo irgendwie Internet in der Umgebung ist, muss man das ansprechen.
Ihr könnt auch ganz einfach über solche Inhalte sprechen, ohne total explizit zu werden. Man kann drüber reden, dass das Schauspieler sind, dass Körperteile da nicht die Größe haben, die sie normalerweise biologisch haben, dass manche von den Sachen auch illegal produziert werden oder Frauen gezwungen werden und dass dann vielleicht auch strafrechtlich ein Thema ist.
Und dass da auch nicht Praktiken gezeigt werden, die in der realen Sexualität normalerweise eine Rolle spielen und auch schon gar nicht bei jungen Menschen, die gerade erst Körper entdecken, erste Beziehungen knüpfen. Das merken wir nämlich zum Teil schon in der Jugendberatung und da würde ich gern zu den Mädchen auch kommen.
Wir merken, da teilt sich das so ein bisschen, manche nehmen das tatsächlich als Vorlage für ihre eigene Sexualität und es führt bei jungen Frauen dazu, dass sie sagen, oh Gott, wenn das Sex ist, will ich das niemals haben, weil sie einfach zu extreme Sachen sehen, bevor sie eigene Erfahrungen haben.
Und die anderen, es gibt eine Gruppe, die sagt sowas wie, oh, wenn das Sex ist, na, dann muss ich mich darauf vorbereiten und das tatsächlich annimmt und dann vielleicht junge Mädchen zu Praktiken Ja sagen, die eigentlich gar nicht Standard sind.
Ja, dass man das eigene Körpergefühl dann auch ignoriert, die eigene Körperwahrnehmung übergeht, ja, genau, die eigenen Grenzen überhaupt nicht mehr ausloten kann.
Was will ich eigentlich, ja, genau.
Und 100 Prozent, ja. Das ist auch echt gruselig. Ich meine, ich will ja nicht den Teufel an die Wand malen, aber es ist vielleicht auch mal so die Überlegung wichtig und das wäre vielleicht auch etwas, es kommt natürlich immer aufs Alter an, aber was ich denke, was vielleicht auch einen Gedankenprozess anregen kann beim Kind, ist die Überlegung von, dass alles im Leben irgendwo seinen Preis hat.
Und in Social Media beispielsweise zahlen wir auch einen Preis. Es gibt einen Grund, warum natürlich Werbetreibende Millionen, Milliarden von Euro da reinstecken, weil sie damit Geld verdienen. Und unsere wertvollste Ressource, die wir immer haben, womit wir eigentlich alles erreichen können, alles verändern können, was wir wollen, ist unsere Aufmerksamkeit.
Das ist die wertvollste Ressource, die jeder Mensch hat. Und diese Aufmerksamkeit wird heutzutage sehr, sehr stark in Beschlag genommen, weil sie eben so eigentlich so wertvoll ist. Und gleiches gilt auch mit der Pornografie. Wir denken vielleicht, wir zahlen keinen Preis dafür, aber wir zahlen mit unserer Aufmerksamkeit und vielleicht auch andererseits mit der Freude oder dem Neuen, dem aufregenden, Spannenden an Sexualität.
Wenn ich heutzutage meine Uhrzeit nochmal zurückziehen könnte, wäre das wirklich ein Riesenwunsch von mir, vor meinem ersten Mal Sex nie einen Porno gesehen zu haben. Weil es hat wirklich alles kaputt gemacht. Es war nichts Besonderes mehr.
Ja.
Und das ist traurig. Und das war früher normal. Aber heutzutage erlebt es niemand mehr. Und das ist so ein Gedanke, der vielleicht auch hilfreich sein kann. Und wie du schon gesagt hast, Andrea, je früher, je besser. Im besten Fall auch, das habe ich auch immer wieder erlebt, ist es auch, wenn beispielsweise der Vater, natürlich, wenn beide da sind, der Vater die Kommunikation mit dem Jungen übernimmt und die Mutter auch die Kommunikation mit der Tochter.
Das können natürlich auch beide machen, aber das ist einfach nochmal was ganz anderes, auch wenn es ums Thema Masturbation etc. geht, dann einzeln zu sprechen. Und im besten Fall in der Phase, wenn auch eine gute Beziehung zwischen beiden besteht, wenn es vielleicht auch mal so, also Vater-Sohn-Unternehmungen gibt, Mutter-Tochter-Unternehmungen, das wäre auch immer eine tolle Gelegenheit.
So aus meiner Erfahrung und so hat es auch der letzte Mann. Ich hatte nämlich letzte Woche mit einem mit einem Anneis darüber gesprochen, so hat er es nämlich auch angegangen. Das so meine Empfehlungen dazu.
Und Andrea, was du gesagt hast, das kann ich als Mutter auch bestätigen. Im Grunde genommen so früh wie möglich. Also nicht glauben, bis die Pubertät dann einschlägt oder ab dem Alter X, da sprechen wir dann darüber. Das ist wie Aufklärung, das ist wie das Benennen von Geschlechtsteilen, das korrekte Benennen.
Das kann gar nicht früh genug starten. Und dass die Kinder Pornos gesehen haben oder damit in Kontakt gekommen sind, bevor das erste Mal stattfindet, das zeigt die Statistik, dass das sehr wahrscheinlich ist. Jede dritte, sogar mehr als jede dritte Person im Alter zwischen elf und 17 Jahren hat bereits einen Porno gesehen.
Übrigens, jede fünfte Person in dieser Altersgruppe hat auch schon mal selbst gesextet, also sexuelle Inhalte verschickt. Das zeigt eine Befragung der Landesanstalt für Medien, die 2024 in Auftrag gegeben worden ist, repräsentativ ist. Also da zeigt sich schon, das ist ein Thema, auch wenn wir es gerne ausblenden.
Andrea, du hast dazu übrigens einen Blog-Eintrag, auch den verlinken wir natürlich gerne, weil je mehr Unterstützung wir Eltern da haben, glaube ich, desto besser.
Ja, und nicht nur die Eltern, ich möchte das auch ganz deutlich sagen. Ich wünsche mir natürlich, dass ihr alle zu Hause möglichst früh altersgemäß anfangt, über solche Dinge zu sprechen. Aber ich wünsche mir auch, dass das in den Schulen ein Thema wird. Da kommt das fast gar nicht vor. Da wird das eher so bei Problemfällen ein Thema, wenn mal was passiert ist in der Klassenchatgruppe oder wenn es tatsächlich irgendwelche Vorfälle gibt, wo jemand da Nacktfotos rumschickt von anderen Leuten.
Dann wird das ein Thema und dann ist das total negativ behaftet. Ich nehme das auch in meinen Workshops mit, ab der Unterstufe. Und ich kann euch sagen, das macht total Eindruck auf die Kids, obwohl ich gar nicht viel drüber spreche. Also ich frage die am Anfang, ab dem Teenie-Alter verwende ich da so eine kurze, anonyme Umfrage, weil dann reden sie ein bisschen mehr mit mir und sind ein bisschen offener in dem, was sie nutzen.
Ich lasse die an die Wand schreiben, was sie für Apps regelmäßig nutzen und ohne Einschränkung, also offenes Eingabefeld. Und das ist dann schon ganz interessant bei 14-, 15-, 16-Jährigen, vor allem wenn so mehrere Klassen im Raum sind. So ein Turnseil voller 15-Jähriger, die wollen dann natürlich auch provozieren, schreiben vielleicht auch Sachen drauf, die nicht alle nutzen, aber da steht immer Onlyfans an der Wand, da steht immer Pornhub an der Wand.
Also egal, ob sie die Dienste nur kennen oder ob sie tatsächlich regelmäßig nutzen, ich nehme das dann als Einladung und spreche dann ganz kurz über Pornografie-Nutzungsstörung. Und da merke ich an den Gesichtern, zuerst lachen die alle so, haha, ich habe was an die Wand geschrieben, schau mal, da steht jetzt Porn und so, ja.
Manche kriegen auch rote Gesichter und in Schulklassen immer witzig, meistens zeigen sie dann auf die Leute, wo man weiß, die schicken was rum oder so. Also es ist eine interessante Dynamik. Wenn ich dann nachher sage, dass das eine eingetragene psychische Erkrankung ist, dass man süchtig werden kann von zu viel Pornokonsum und dass das sozusagen als Pornografie-Nutzungsstörung medizinisch eingetragen ist, dann wird es leise.
Und dann habe ich wieder die volle Aufmerksamkeit und dann merkt man so, die fangen an, darüber nachzudenken, was sie da eigentlich machen. Also bitte, bitte auch in den Schulen zum Thema machen. Es muss nicht wahnsinnig explizit werden, inhaltlich, aber man kann darüber sprechen und das wäre ganz, ganz wichtig.
Und wenn ihr als Eltern, als Familienmitglieder mit diesem Thema selbst einfach nicht umgehen könnt, und ich finde, das ist ja auch eine realistische Einschätzung, die vollkommen in Ordnung ist, zu sagen, ich schaffe das einfach nicht entspannt, richtig rüberzubringen, dann sucht euch eine Vertrauensperson, wo ihr dieses Thema ein bisschen auslagern könnt.
Jemand, dem euer Kind vertraut und wo dieses Thema gut aufgehoben ist, weil es zu ignorieren und zu umgehen, das kann definitiv nicht die richtige Lösung sein. Nochmal eine ganz konkrete Frage aus der Elternsicht. Angenommen, ich habe ein Kind zu Hause bei mir in der Familie in diesem Alter, wo das erste Mal das Thema aufkommt, sagen wir mal 12, 13, 14 Jahre alt und ich merke aus irgendeinem Grund, mein Kind hatte Kontakt mit Pornos.
Wie auch immer ich da drauf komme. Vielleicht hat ein Kind sogar Sperren umgangen, hat es geschafft, im Handy irgendwelche Sicherheitseinstellungen zu umgehen oder ich habe mich damit gar nicht befasst und es gab überhaupt keine Kindersicherung oder es hat es auf einem anderen Handy gesehen. Das Thema Porno ist plötzlich bei uns zu Hause.
Was mache ich dann?
Ich würde sagen, dass das Wichtigste ist, es auf jeden Fall erstmal nicht runterzuschlucken und abzuwarten, dass es natürlich vergeht, weil deswegen sind wir hier. Schlussendlich wollen wir das Thema ansprechen. Das Wichtigste ist natürlich jetzt, und das ist auch schon mal gut, dass der diejenige Person, dass Elternteils auch diesem Podcast einmal hört, dass wir überhaupt wissen, was das Ganze mit einem machen kann.
Weil sobald wir irgendeinen moralischen Finger heben oder halt mit Charme arbeiten, hey, das ist nicht gut, das wird nicht funktionieren, sondern ich würde tatsächlich sogar ganz im Gegenteil am Anfang erstmal fragen, hey, ich habe gesehen, du hast es gesehen, das ist ja auch erstmal nicht schlimm. Was hat das mit dir gemacht?
So, was hat das in dir ausgelöst? Hat dir das gefallen? Wie war das? Was hast du da geschaut? Okay, interessant. Also ich würde immer versuchen, wirklich so eine Perspektive von so einem neutralen Beobachter, fast wie so ein forschender Wissenschaftler zu behalten. So dass du dein Kind auch offen hältst.
Interesse, Neugierde. So, was löst es in ihm aus? Und dann würde ich immer anfangen, das ist jetzt natürlich meine Variante, aber ein Mann kann das wahrscheinlich auch besonders gut relaten oder die meisten Männer da draußen, deswegen auch ganz, ganz hilfreich, vielleicht dann seine eigene Erfahrung mit der Pornografie einzubauen.
Entweder als Mann oder natürlich auch als Frau, wenn du damit auch Erfahrungen hast, selber geschaut hast, wie sich das bei dir angefühlt hat, dass du deine eigene Erfahrung teilst, hey, ich habe das auch geschaut, auch früher sehr, sehr häufig. Dann kannst du vielleicht auch mal schauen, dass du so deine eigene Erfahrung damit schilderst.
Weil vielleicht gab es ja auch mal einen Moment in dir, wo das zu viel geworden ist oder wo du es reduziert hast. Vielleicht schaust du es auch nicht mehr. Oder du hast vielleicht auch eine andere Geschichte. So, dann habe ich vielleicht die Geschichte hier in dem Podcast gehört und habe gemerkt, hey, das ist doch nicht so gut, da kann es auch Konsequenzen geben.
Ich habe das auch bei anderen Kindern gehört, dass sie dann vielleicht ihre erste sexuelle Erfahrung nicht genießen konnten. Und das wünsche ich mir für dich nicht. So, ich wünsche mir, dass du eine gute sexuelle Erfahrung hast. Ich wünsche mir einfach, dass wir da in Kontakt bleiben, dass wir da vielleicht auch einen gesunden Umgang entwickeln.
Das kann nämlich auch gefährlich sein. Da sind auch schon viele reingeschlittert und ich würde dich da ganz gerne unterstützen, dass du da einen gesunden Umgang hast. Das wäre so meine Herangehensweise. Immer viel, genauso wie ich es hier nämlich auch immer mache, dass ich immer sehr viel über meine eigene Geschichte versuche oder falls ich keine eigene Geschichte habe, einfach eine andere Geschichte herziehe und das dann eher so von außen beschreibe, anstatt die Person oder das Kind selber anzugreifen.
Und das klingt sehr liebevoll, sehr respektvoll.
Ist immer sehr wichtig, weil gerade bei dem Thema, wenn ich jetzt mit Männern arbeite, die das Problem haben, klar, die fühlen sich angegriffen. Wenn ich denen jetzt sage, hey, das ist schlecht für dich, du bist pornosüchtig, hör auf, dann werden die mich erstens nicht mehr mögen. Und zweitens werden die garantiert auch nicht mit mir arbeiten oder auch an ihrem Problem arbeiten.
Das heißt, das Wertvollste ist immer, wenn wir uns selber verletzlich machen. Deswegen versuche ich hier auch möglichst offen zu reden, sodass die andere Person merkt, hey, boah, dem ging es ja wirklich nicht so gut und das kostet dem vielleicht gerade Mut, das zu machen. Und der will mir wirklich nur was Gutes.
Ja, sobald das rüberkommt, auch für Kinder, ist das immer eine sehr öffnende Art und Weise zu sprechen, um dann vielleicht auch gemeinsam einen Weg zu planen.
Und jemandem zu sagen, das ist nicht gut, jetzt hör bitte einfach auf. Ist ja auch nicht der Weg, wie es funktioniert.
Es hat immer schon geklappt, ja.
Das hat immer schon geklappt, hör einfach auf. Nein.
Lass den Spaß.
Du hast uns vorher schon ein bisschen was aus deiner Geschichte erzählt, wie lange das gedauert hat, was du alles probiert hast. Für alle, die momentan wirklich Schwierigkeiten in dieser Form zu Hause oder im Umfeld haben, verlinken wir unten in den Shownotes ein paar Stellen, an die ihr euch wenden könnt.
Wir verlinken euch auch frei von X. Der Florian und sein Team haben dann nochmal ein bisschen einen anderen Weg, wie sie sozusagen Menschen begleiten, die zu ihnen in die Beratung kommen, falls ihr Hilfe braucht. Bitte zögert nicht und bitte wartet nicht zu lange.
Das interessiert mich jetzt aber, weil es kann natürlich auch sein, dass uns jetzt erwachsene Menschen zuhören, die ganz aufmerksam geworden sind, weil sie es ja vielleicht selbst betrifft. Wenn erwachsene Männer und oder Frauen zu dir kommen in die Beratung, was passiert dann?
Also zuallererst schauen wir uns natürlich den Fall erstmal an. Wir haben jetzt viel über Pornos gesprochen. Wir haben ein paar Sachen vielleicht gar nicht so sehr beleuchtet, die aber noch dazugehören. Und das ist natürlich das Thema Sexchats, Livecams, sowas wie Onlyfans in die Richtung und teilweise auch Escort-Besuche, die sich irgendwann bei manchen Männern dazu mischen.
Und wir schauen uns erstmal an, okay, was betrifft den Mann überhaupt und wie intensiv ist der Konsum. Und jetzt ist es so, dass ähnlich wie bei mir sich herausgestellt hat, dass, wie auch bei anderen gerade Verhaltenssüchten, dass es natürlich immer einen Grund gibt oder eine Emotion, ein Bedürfnis, was wir mit dem Konsum an sich verknüpfen, etwas, was wir fühlen wollen.
Um mal so eine Palette an Möglichkeiten zu nennen, es kann beispielsweise Kontrolle sein, es kann Bestätigung sein, Geborgenheit, Selbstwert auch oder beziehungsweise Wert oder auch Ruhe. Wir müssen verstehen, das ist auch das Erste, was wir dann in der Betreuung machen, welche Bedeutung nimmt Pornografie eigentlich ein, welches eigentliche Bedürfnis befriedigt sie, weil gerade wenn wir von einer Impulskontrollstörung oder auch einer Sucht sprechen, dann ist das meistens kein sexuelles Problem mehr, sondern es ist ein emotionales Problem geworden und die Pornografie ist nur noch ein Mittel zur Regulation dieser Emotionen.
Und das alleine zu lösen, also dafür einen neuen Weg zu finden, ist wirklich 80 Prozent des Weges. Es gibt dann natürlich auch noch eine neurologische Komponente. Es ist auch wichtig, dass wir wieder eine gesunde Sexualität entwickeln. Aber das ist wirklich das Allerwichtigste bei der Suchtentwöhnung.
Was wir dann machen, ist, dass wir gerade auch bei diesem Thema dieser Sucht uns sehr stark darauf konzentrieren, Gewohnheiten, Routinen aufzubauen, Morgenroutinen, Abendroutinen, die Sicherheit geben, gerade auch in schwierigen Momenten, auch eine Rückfallroutine aufzubauen als Sicherheit, wenn doch mal ein sehr starkes Verlangen da ist.
Und im letzten Schritt schauen wir immer, dass wir wieder eine gesunde Sexualität aufbauen. Denn die meisten Männer, und ich finde, das ist auch immer interessant zu sehen, gerade jetzt auch in unserer Bubble, wir arbeiten mit 90 Prozent der Männern, die in einer Partnerschaft oder einer Ehe sind. Also die wenigsten sind tatsächlich Single, sondern viele sind in einer Partnerschaft, es fliegt irgendwann auf.
Es war lange ein Geheimnis und dann fliegt es irgendwann auf. Es gibt weniger Sex in der Beziehung, vielleicht auch manchmal gar keinen mehr, aber dieser Konsum ist noch da. Und dann kümmern wir uns natürlich auch darum, dass wieder eine gesunde Sexualität für den Mann oder auch die Partnerschaft dann entsteht.
Das ist so der letzte wichtige Pfeiler, quasi Pornografie und Sexualität wieder so ein bisschen mehr zu entkoppeln. Weil es irgendwann so verschwimmt und dann fühlt sich es an, als wäre es das Gleiche, aber das ist es eigentlich nicht.
Florian, vielen, vielen Dank für deine persönlichen und professionellen Erfahrungen und den Input von heute. Bei mir rattert es im Gehirn. Andrea, wie geht's dir?
Ja, beeindruckender Weg. Ich freue mich auch, dass du so gut da rausgekommen bist und dass du jetzt das Ganze auch in eine Stärke verwandeln konntest und jetzt sogar anderen Menschen dabei hilfst, rauszukommen. Ja, danke fürs Kommen und danke an alle, die uns zugehört haben.
Ja, vielen Dank auch an euch, dass ihr das Thema beleuchtet. Wie gesagt, wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich mir nichts sehnlicher wünschen, als ein Elternteil zu haben, das das bei mir anspricht, was mich da quasi auch geschützt hätte. Ich weiß nicht, ob ich es damals gesehen hätte als Jugendlicher.
Ich weiß nicht, ob ich auf meine Eltern gehört hätte. Aber zumindest, ich hoffe, wir haben hier so die richtige Munition mitgegeben, damit das Gespräch auch zünden kann, im besten Fall. Weil für mich persönlich, wenn ich zurückschaue, ich wäre unheimlich dankbar gewesen, wenn das meine Eltern gemacht hätten und wahrscheinlich hätte mein Leben nochmal eine ganz andere Richtung angenommen.
Andrea, was nimmst du dir mit aus dem Gespräch? Wie viele unterschiedliche Ansätze es gibt, dass man das trotzdem zum Thema machen kann und dass man es sich unbedingt trauen sollte, auch wenn es vielleicht beim ersten Gedanken unangenehm scheint.
Ja, das stimmt. Dieses unangenehme Gefühl, das gehört dazu. Das darf man dann auch umarmen in diesem Moment. Darf man ja auch ansprechen, sagen, du, das ist mir jetzt selber wahnsinnig peinlich. Aber es hilft nichts. Wir sind füreinander da und wir reden da jetzt drüber. Und vielleicht hilfst du mir auch ein bisschen durch.
Das ist eigentlich auch schön. Ich finde ganz wichtig, das Thema, das du angesprochen hast, Florian, zu schauen, was ist das eigentliche Bedürfnis, was jetzt gerade aufpoppt und was ich so an der Oberfläche mit Pornos zudecke. Es gibt ja viele andere Süchte, ja. Manche essen dann exzessiv, schauen Fernsehen exzessiv, machen Sport, was auch immer, aber was versuche ich damit eigentlich runterzudrücken?
Ja.
Sehr wichtige Frage.
Sehe ich auch so. Also wie gesagt, das ist wirklich so 80 Prozent des Weges. Klar, wir können viel unterdrücken, wir können viel dagegen ankämpfen. Aber ich erkläre das auch immer wieder, jedem Mann, der Kampf, den du gegen dich selber führst, immer wie, wie erst dann nochmal Don Quixote, der Kampf gegen Windmühlen.
Ja, den kannst du nicht gewinnen. Dreh sich immer wieder im Kreis. Sondern du musst dich verstehen. Sucht ist nicht kämpfen. Ganz im Gegenteil, Sucht ist Frieden, Kampf aufgeben. Also Suchtbefreiung. Und sobald wir uns selber wirklich verstehen, verstehen wir auch, warum wir diese Flucht benötigen, warum wir quasi diese Lösung benötigen.
Und auch nochmal eine interessante Perspektive, die Sucht, egal ob es jetzt um Pornos oder was anderes geht, ist nie das Problem, sondern sie ist die Lösung für das Problem. Die Sucht hilft dir und wir müssen verstehen, warum hilft dir die Sucht gerade und wozu hilft sie dir genau.
Das sind viele entscheidende Fragen. Falls ihr auch noch weitere Fragen zu diesem Thema, meldet euch gerne bei uns. Schreibt uns alle Informationen, wie ihr mit uns in Kontakt treten könnt, auch gerne ein ganz privates E-Mail, das nur weh. Zeigt uns, wie euch diese Folge gefallen hat, auch wenn es ein schweres Thema war.
And wie hat es euch in der Familie geholfen? Das würde uns sehr interessieren. Meldet euch, gebt uns gerne auch fünf Sterne. Das hilft uns bei der Sichtbarkeit, das hilft uns dabei, dass so wichtige Themen verbreitet werden. Und ja, danke fürs Zuhören an dieser Stelle. Vielleicht wird das nächste Gespräch über dieses Thema oder ein ähnliches Thema, das nicht zu den leichten Heiteren in der Familie gehört, jetzt ein bisschen anders stattfinden.
Es ist doch schon schön, wenn wir da etwas verändern konnten.
Definitiv.
Das wünschen wir uns auf jeden Fall. Danke fürs Zuhören und danke, Florian, fürs Kommen. Danke, Florian.
Vielen Dank für die Einladung, danke fürs Zuhören und bis bald.