
Wie die Nazis eine Ökonomie der Zerstörung erschufen | Mit Prof. Adam Tooze
Freitag, 4. Juli 2025 · 23 min
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Shownotes
Was war die ökonomische Logik hinter dem NS-Regime – und wie konnte sie in einen Weltkrieg und die industrielle Vernichtung von Millionen Menschen münden?
Wirtschaftshistoriker und Surplus-Herausgeber Adam Tooze erklärt die zentralen Thesen seines Buchs „Ökonomie der Zerstörung“. Ein Gespräch über Aufrüstung, Zwangsarbeit, den ökonomischen Hintergrund des Holocaust – und darüber, wie das nationalsozialistische Projekt in einem selbstverschuldeten Desaster endete.
Tooze zeigt, dass Hitlers Regime nicht irrational oder chaotisch war – sondern wirtschaftlich geplant, imperialistisch gedacht und in letzter Konsequenz mörderisch umgesetzt. Eine Analyse, die bis heute erschüttert – und erklärt, warum Wirtschaftsgeschichte auch immer politische Geschichte ist.
👉 Zu allen Beiträgen von Adam Tooze:
surplusmagazin.de/autoren/adam-tooze
– Warum das Buch heute noch gelesen wird
– Gab es eine ökonomische Logik des NS?00:02:50 – Wirtschaft, Ideologie und Kolonialismus
– Deutschland als Schwellenland mit Großmachtfantasie
– Aufrüstung, Überhitzung und wirtschaftliche Zwangslage
– Wie ökonomische Argumente zum Holocaust führten
– Der Krieg holt das Regime ein
– Zwangsarbeit und das „Rüstungswunder“
– V2-Raketen, KZs und die NS-Endzeitstrategie
– Tooze über Erzählung, Kapitalismus und Geschichte
– Fazit: Warum Wirtschaft erklärt werden muss
Surplus ist das Wirtschaftsmagazin, das sich um die Interessen der großen Mehrheit und nicht der Reichsten dreht. Dafür bringen wir weltweit führende ökonomische Denkerinnen und Denker zusammen. Täglich veröffentlichen wir Texte, wöchentlich Video- und Podcastformate und zweimonatlich ein digitales sowie gedrucktes Magazin.Zum Surplus-Abo: surplusmagazin.de/#/portal/signup
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Dieses Projekt zu verwirklichen, danach strebt das Regime, das ist an sich eine ideologische Überformung, aber eines ökonomischen Problems, und daran scheitert es dann auch letztendlich. Hallo und herzlich Willkommen zu einem neuen Video hier bei Circus. Ich bin Lukas Scholle, Gründer und Chefredakteur von Circus und ich habe mit Adam Tousse über seine erste große Buchveröffentlichung gesprochen, die schon 2006 stattgefunden hat. Ökonomie der Zerstörung heißt das Buch und es dreht sich um die Naziwirtschaft als auch um die ökonomischen. Grundlagen hinsichtlich des Nazi Aufstiegs als auch des Nazi Endes Adam tus ist einer der Herausgeber von Circlers und Professor für Wirtschaftsgeschichte an der Columbia University in New York.
In den USA und hat sich jahrelang mit dem Thema der NS Wirtschaft beschäftigt und das dann in ein ganz dickes Buch gegossen. Umso wichtiger, dass wir heute anfangen, darüber zu sprechen. Falls ihr im Laufe des Videos kleine Themenausschnitte findet, weil wir einen kleinen Überblick gemacht haben, sagt mir gerne in den Kommentaren, worauf wir in einem der nächsten Videos zu dem Thema mal genauer eingehen sollen, weil da gibt es wirklich endlos viele spannende Wirtschaftsaspekte, die wir beleuchten können, falls Euch das Video darüber hinaus gefällt, lasst gerne ein Like und ein Abo da und jetzt viel Spaß mit dem Video.
Ja Hi Adam, Wir haben uns ja schon öfter hier zum Podcast getroffen und einige jüngere Leute, die. Wie, ich kenne dich erst seit den letzten Jahren. Bei mir müsste es so seit 2018 gewesen sein, als du dein Buch Crashed veröffentlicht hast. Aber du hast ja schon eine Publikation, mindestens eine Publikation, die sehr prominent ist, weitaus früher veröffentlicht.
Das war 2006 das Buch Ökonomie der Zerstörung, die Geschichte der Wirtschaft im Nationalsozialismus, dass auch heute ja noch viel besprochen wird, hat ja auch ein zeitloses Thema in dem Sinne, dass es auch noch heute relevant ist. Wir können jetzt nicht die 1000 Seiten einzeln durchgehen, aber kannst du uns mal einen ganz groben Überblick geben, was die zentralen ökonomischen Aspekte der Nazizeit waren, die du ausfindig gemacht hast? Mir ging es darum, in gewisser Weise überhaupt zu dokumentieren, zu behaupten, darzulegen, dass das NS Regime eine wirtschaftliche Logik hatte. Ich.
Ich will nicht sagen, dass das bestimmend war für alles. Das ist überhaupt nicht meine Absicht, eher ein Crashtest solcher Thesen, das heißt, wie weit kann man mit dem Materialismus, mit einer ökonomischen Theorie gehen, bevor es überhaupt nicht mehr langt, und. Ich wollte das Breitfächig machen, also die Motivationen des Regimes seien Imperialismus und eben auch das Scheitern des Regimes. Denn NS Geschichte ist ja die Geschichte eines ultimativ gescheiterten Projekts, und das ganze entspannte sich gegen ein Gewissen, das, was man in der Geschicht schreiben, einen historografischen Hintergrund nennt. Das heißt also, die Entwicklung der historischen Diskussion, das.
Die mich prägte. Ich bin ja in Westdeutschland in den 70er und 80er Jahren aufgewachsen, das heißt zurzeit der ersten Naziwelle Hitlerwelle die erste Phase der Vergangenheitsbewältigung aufgrund der Bestrebungen der 60er Jahre, die sehr prägend für mich waren. Ich kam aus einem englischen Milieu, wo man den Zweiten Weltkrieg eher salopp, ehrlich gesagt und nicht besonders ernsthaft. Behandelte.
Das war so Warnerds irgendwie, das war meine Prägung als kleines Kind und musste mich mit einer ziemlich anderen Geschichtskultur in Deutschland auseinandersetzen, mit der BRD damals, und dann kam eine weitere Welle der Vergangenheitsbewältigung dazu, die tatsächlich wirklich Holocaust fixiert war zum ersten Mal.
Ab den 90er Jahren tritt das ein und das, was man heutzutage selbstverständlich nimmt, was weiß ich. Die Stolpersteine in den Straßen Berlins oder das Denkmal im Zentrum der Hauptstadt, das ist ja eine Errungenschaft der progressiven Politik, der 90er und 2000 er was dabei aber ein bisschen gewisser Weise. Aus dem Blickwinkel geriet war die, sagen wir mal, eher marxistisch orientierte Kritik, die den den Nationalsozialismus auch gegen den Hintergrund des Kapitalismus verorten wollte. Man erinnert sich an Horkheimer, wer vom Faschismus reden will, sollte nicht vom Kapitalismus schweigen, diese Art von Theorie und das Anlegen des Buches ist gewisser Weise das wieder zu zentrieren, vor allem ging es
mir darum, den Hintergrund richtig zu beschreiben, das heißt, was für ein Land war Deutschland damals. Und es war nicht das Industrieland des späten 20. Jahrhunderts. Es war ein Land, in dem 35% der Bevölkerung noch ländlich gewohnt hat, das 30% der Bevölkerung noch auf in auf Bauernhöfen gearbeitet hat, also keinen nicht die Industrie macht.
Des späten 20 Jahrhunderts, sondern eher tendenziell ein Schwellenland. Ich habe es manchmal mit Iranen verglichen, ich finde es nach wie vor interessant, es mit Iran zu vergleichen, zu Hochtechnologischen Hochleistungen unter anderem bei ballistischen Raketen fähig und auf der anderen Seite eben beschränkt in seinen Mitteln, weil immer noch in gewisser Weise ein Schwellenland.
Und welche, das war in gewisser Weise der Hintergrund im Vergleich zum Beispiel zum Weltmacht Großbritannien, geschweige denn den fordistischen Fabriken Amerikas und letztendlich eben auch der Potenzialen Produktionsmacht der Sowjetunion. Also wirklich industriezentrierte Ventionen eher für Deutschland nicht nebensächlich, aber eben nicht ganz zentral, wie man sich sonst gedacht hat. Und was ergibt sich daraus?
Für mich als zentrale Logik des Regimes, das, was ich jetzt 20 Jahre später mit weniger Zaghaftigkeit einen Siedler Kolonialismus nennen würde, das heißt ein Projekt der Stabilisierung der deutschen Gesellschaft durch Landnahme vor allem im Osten, nicht atavistisch, nicht rückwärts gewandt, sondern vorwärts, sondern moderne, agrarökonomische Vision, die eben auch Genozidal war und.
Und dieses Projekt zu verwirklichen, danach strebt das Regime, das ist an sich ne ideologische Überformung, aber eines ökonomischen Problems, und daran scheitert es dann auch letztendlich, um dieses Drama zu beschreiben, die Entwicklungskrise Deutschlands. Der versuchte Ausbruch daraus durch das Regime in den 30er und 40er Jahren waghalzig gegen die Interessen sogar der Militärelite, die sich zögerte, die zögerte vor einem Zweiten Weltkrieg und dann eben das brutale Scheitern mit der rabiaten Eskalation, wo nicht Ideologie und Rassendogma gegen Wirtschaft ausgespielt wird, sondern sie sich verschränken in wirklich erschreckender Art.
Das ist und trotzdem natürlich umsonst. Trotzdem. Und vielleicht dadurch wird Deutschland in die absolute Katastrophe 45 getrieben und zieht natürlich große Teile von Europas mit sich. Das ist das Drama des Buches, und ja, das war wirklich eine Arbeit, die aus mich herausquoll in gewisser Weise, ich habe mich seit Jahren, also auch als Kind, damit beschäftigt und habe es relativ schnell, du meintest, es sind 1000 Seiten, es sind wirklich 1000 Seiten, es ist kein Scherz.
Das Ding, das Ding ist ein Ungetüm. Deswegen können wir auch jetzt auch in dieser Folge nicht auf alle Aspekte eingehen, auch die du gerade schon aufgemacht hast. Lass uns noch mal sozusagen erst mal bei der Gesamtsicht bleiben und dann noch mal zu späterer Zeit auf einzelne Aspekte eingehen. Aber wenn wir jetzt quasi die Nazizeit auch in den historischen Phasen, die sie ja hatte, auch wirtschaftlich noch mal darauf blicken, wie hat sich die die Wirtschaftslage oder die auch politische Ökonomie in den in den Jahren verändert? Ja, ich meine, anfangen muss man dort, wo jede, auch gewöhnliche Geschichte des Nationalsozialismus beginnen mit der großen Depression.
Das ist ja eine einmalige Krise des globalen Kapitalismus, aber es schlägt in 2 Ländern am massivsten ein, und eines davon sind die Vereinigten Staaten, und das andere ist Deutschland, also weltweit sind das die schlimmsten Depressionen in der ganzen Welt und. Und das ist der Hintergrund, in dem die Nationalsozialisten von einer eher Randerscheinung im deutschen politischen System 28 bei den Reichstagswahlen schneiden sie ja wirklich geringfügig ab, so auf FDP Niveau etwas tiefer. Und werden dann schlagartig in den frühen 30er Jahren zur zunächst größten Oppositionspartei und dann bis 32 zur beliebtesten Partei, die es bis zu diesem.in der deutschen politischen Geschichte jemals gegeben hat. Denn die deutsche Politik ist ja
durch seine Zerkluftetheit geht zurück auf die Reformation, Dreißigjähriger Krieg charakterisiert keine Partei, erreicht jemals mehr als ein Drittel rundherum bis. 33, wo sie dann auf einmal so 3637% erreichen und das ermöglicht dann die Machtergreifung, also erste Phase, Krisenbewältigung und was man da zeigen kann, ist, dass diese verschönernden Geschichten, wo gewisser Weise Hitler doch recht gute Sachen angestellt hat, nur ein bisschen mit dem Antisemitismus so den Krieg hat das übertrieben, dass diese Formulierung überhaupt nicht hilft, denn von vornherein kann man belegen, wie.
Intern innerhalb des Regimes die Rüstungsdynamik gefördert wird. Schlagartig gehen die Rüstungsausgaben von zu 1% des BIPS auf 10% des BIPS bis 36 das ist eine riesige Umstellung makroökonomisch, ich denke es ist nach wie vor die größte, schnellste, dramatischste Umstellung, die jemals eine kapitalistische Gesellschaft zu Friedenszeiten hinter sich gebracht hat, also wirklich dramatisch.
Bis 38 sind wir ja bei 20% und das ist gewisser Weise der gesamte angestaute. Das Defizit der Depressionsjahre wird umgeschaltet auf Rüstung, das erzeugt dann in der zweiten Phase, um auf deine Chronologie zurückzukommen, massive Überdruckserscheinungen, die die Wirtschaft läuft einfach ungeheuer heiß und. Und das Regime ist ab 36 im Grunde damit beschäftigt, das zu meistern.
Und was sich zeigen konnte, ist, dass dass das Regime in eine Zwangslage zwingt, denn man muss entscheiden zwischen der einer einer fortgesetzten Aufrüstung, die durch die sich zunehmend verschärfende geopolitische Lage eigentlich nötig wäre, um die verschiedenen Ambitionen zu erfüllen, und die und.
Und die makroökonomische Stabilität, die eingefordert wird von Leuten wie Schach in der Reichsbank n absoluter Nationalist, Rüstungsfreund noch und Löcher, aber auch jemand, der sich für makroökonomische Stabilität interessiert. Und daran zerreißt das Regime dann 39 zunehmend und die Lösung daraus. Meiner Argumentation nach ist die Steigerung, ist die Radikalisierung, also die der notorische, die Ansprache Hitlers am 30 Januar 1939, wo er im Grunde den Holocaust ankündigt, das heißt die Zerstörung des europäischen Judentums im Falle eines Weltkriegs ist direkt gekoppelt, man möchte es nicht glauben, aber wenn du dir die Rede ansiehst.
An Exportprobleme der deutschen Wirtschaft der Vorwurf ist, dass das Weltjudentum in Anführungszeichen dafür verantwortlich ist, dass Deutschland seine Zahlungsbilanz nicht richten kann und dass überall die Devisen fehlen. Und das ist ein, das ist ein Anzeichen dafür, dass diese Weltverschwörung auf einmal jetzt greift, und dann kommt die Drohung, und wenn ihr noch darüber hinaus uns in einen Weltkrieg hineinzwingt, dann werdet ihr diesmal die sein, die nicht lachen und sondern stattdessen.
Werden wir die, wird das Ergebnis die Vernichtung des Judentums Europas sein. Also das ist eine sehr, sehr enge Kopplung, die sich dann im Krieg zunehmend auflöst. Die dritte Phase ist dann die Frühphase des Krieges. Die zuerst zum Erstaunen der deutschen Führung erfolgreich verläuft. Das ist ja nicht die Ausgangsprämisse, sie hatten kein Geheimrezept für Blitzkrieg in der Hintertasche, sondern das hat sich wirklich opponistisch aus den Umständen ergeben, man hat die eigentliche, die eigene technologische Innovation gar nicht richtig eingeschätzt, man verstand im Voraus nicht, welche Machtmittel man tatsächlich hatte. Versucht dann im zweiten Schlag, also nach der Niederlage, also nach dem Erfolg gegen
Frankreich, 40 es in der Sowjetunion zu wiederholen. Und da scheitert es und dann wird Deutschland. In gewisser Weise wird das Naziregime eingeholt von den materialistischen Zwängen, die man über fast 10 Jahre, es war einem über fast 10 Jahre gelungen, denen zu entkommen, und jetzt wird man nach einer gewissen tragischen Logik, könnte man fast sagen, eingeholt von den materialistischen Bedingungen. Die Deutschland nicht entfliehen kann, die im Grunde dann doch bindend sind.
Und das Ergebnis ist natürlich dann das Ende im Schrecken 4445 also man unterschätzt ja, aber in den ersten Monaten des letzten Kriegsjahres sind eine 1,5 Millionen deutsche Soldaten getötet worden, 1,5 Millionen in den letzten Monaten des Krieges, also man steigert sich geradezu hinein in. Dieses Unglück und reißt Millionen von anderen Menschen mit sich. Es ist wirklich auch im Nachhinein schwer zu verdauen, als als Thema, das Buch ist keine, keine leichte Kost. Weil du es gerade angesprochen hast mit dem materialistischen Zwängen, die sich zum Schluss hin umso mehr gezeigt haben. Was war das dann konkret?
Ist es dann die Rüstungsproduktion, die nicht nachgekommen ist und die Wirtschaft dann, oder was kann man sich dann darunter vorstellen? Also entgegen der der Rede von Wirtschaftswunder und Rüstungswunder das von Albert Speert verbreitet wurde, entwickelt sich die deutsche Industriewirtschaft und die Rüstungsproduktion. Im Grunde, sagen wir mal normal, wie man erwarten würde mit den Lerneffekten und Skaleneffekten, die man erwarten würde. Es gibt keinen, es gibt keinen gewisser Weise ideologischen Zuschuss, den man irgendwie bekommt, wenn man ganz begeistert jetzt mit Speer Wirtschaftspolitik macht. Und das Fazit daraus ist, dass es überall fehlt, wenn Deutschland einen Mehrfrontenkrieg führt, und zwar Multidimensional, ein
Massenkrieg, ein Massen landkrieg im Osten gleichzeitig einen Luftkrieg und man versuchte ja auch auch im Atlantik einen einen Flottenkrieg, einen Unterseebootkrieg zu führen, da fehlt es einfach an Mitteln. Die deutsche Wirtschaft wird bis zum Schluss auf fast 60% des BIPS mobilisiert. 60% ich meine, das ist das Zehnfache, mehr das Zehnfache als das, was jetzt vom März Regime Administration angestrebt wird. Also das ist eine absolut massive Mobilisierung, daran hat es nicht gelegen, das Problem ist einfach. Dass die Ressourcen fällen, dass die Kapazitäten fällen, die Arbeitskräfte deshalb auch diese Massenmobilisierung von Zwangsarbeitern.
Es gab lange Zeit das Gerücht, dass deutsche Frauen nicht gearbeitet haben, das stimmt auch nicht, das ist ein hinkender Vergleich mit Großbritannien und Amerika, wo Frauen in der bäuerlichen Wirtschaft sowieso nie gearbeitet haben, sodass im Krieg neuartige Mobilisierungen stattfinden, das heißt, es fehlt einfach an den Mitteln.
Es fehlt an Arbeitskräften, an Industriekapazitäten, es fehlt auch an Rohstoffen, vor allem natürlich an Öl. Ohne ohne Öl kann letztendlich dieser mehrdimensionale Krieg längerfristig gar nicht mehr aufrechterhalten werden und man versucht sich dann in einem letzten Wurf mit neuen Technologien zu retten und daraus ergeben sich dann halt die die Wunderwaffen, die. Die tatsächlich dann prägend sind für den Raketenkrieg, der jetzt zwischen Israel und Iran geführt wird, also die ballistischen Raketengenerationen, die die Iraner erben, gehen ja auf die sowjetischen Modelle der 50er und 60er Jahre zurück, und das sind direkte Derivate des V 2 Programms, des ersten ballistischen Raketenprogramms der Welt, also diese, diese
billigen Raketenwaffen, die ein Land wie Iran einsetzt. Sind tatsächlich die gleiche strategische Option, die das Dritte Reich dann auch 4445 angenommen hat. Auch im Dritten Reich wurden sie unter der Erde, im Bergbau, im Mittelbau in Mitteldeutschland produziert, ganz anders als in Iran mit KZ Insassen, also der V 2 Produktion war eines der wenigen Teile der Rüstungsproduktion wo jüdische KZ. Insassen auch verwendet wurde.
Für die wurden für die Rüstungsproduktion, das sind vor allem ungarische Juden, die 44 nach Auschwitz geliefert worden sind. Das sind die Bilder von der Rampe, die wir alle kennen, in Auschwitz und in meinem Buch gelingt es mir gewisser Weise, ich habe die Protokolle der Telefonate zwischen Sperrministerium und den Leuten im Auschwitzer Lager über die täglichen Lieferungen von ungarischen Arbeitskräften für die V 2 Fabriken gewisser Weise gefunden und identifiziert und damit Gewisserweise die die Kohärenz dieses Regimes selbst in diesen letzten Momenten versucht darzulegen. Das ist also, das waren die Mittel, mit denen das Regime versuchte, diesen diesen Zwängen zu entkommen. Ja, absolut spannend.
Ganz viele Punkte, bei die ich gerne vertiefen würde und auch natürlich, wie du das überhaupt sozusagen über so eine lange Zeit geschrieben und gearbeitet hast. Ist ja auch ganz interessant, weil das macht man ja nicht von heute auf morgen, aber lass uns da wann anders zukommen. Noch eine Frage was. Was, weil jetzt auch zum Beispiel Joe Weisenthal, einer der Relevanteren Bloomberg Redakteure, neulich das Buch gelesen hat und dann auf Twitter oder auf x sehr empfohlen hat, mit über 1000 likes.
Warum, wie erklärst du dir, dass das Buch noch heute so relevant ist? Und was können wir dann daraus lernen für die heutige Zeit? Ich meine, es gibt 2 Gründe, vielleicht die Eigenschaften des des Buches, wo ich mich ja nicht jetzt unbedingt hier. Mir selbst Komplimente schreiben will und das andere ist das Thema.
Ich meine das Thema ist Thema Gewaltherrschaft, seinen Mobilisierungsmitteln das Verhältnis zum Kapitalismus und zur modernen Produktion nach wie vor hochgradig. Grille war nicht nur für Deutschland, weil das deutsche Geschichte betrifft und wenn man in einer Stadt wie Berlin lebt, tatsächlich umgeben ist von den Artefakten dieses Regime, 3 Häuser weiter habe ich einen riesen Bar aus dem aus dem Nazi.
Aus der aus der Nazi Epoche vor der Haustür hier aber auch als Denkmodell, als Möglichkeit, die moderne Geschichte zu verstehen, ist sie, ist sie nach wie vor relevant. Sie ist auch relevant für jemanden, für Joe, der natürlich jüdischer Amerikaner ist und für den es auch darum geht, zu verstehen, was, was dieses Regime vielleicht für seine Familie, ich kenne seine Biografie nicht, aber.
Es hat auch diese diese Relevanz, der Holocaust an sich ist ja ein Warnzeichen, ein Mahnmal für für uns, für uns alle und warum das Buch noch gelesen wird, denke ich, es hat unter anderem damit zu tun, dass es wirklich auch ein Bedürfnis gibt, nach nicht nur Erklärung, sondern auch Erzählung, in der in der Wirtschaft, das ist ja für uns, es ist ja ein Problem, und das ist ja auch etwas, mit dem wir bei Circus ringen, wie bringt man? Wie bringt man die Wirtschaft den Menschen nach, könnte man so sagen, oder wie entschlüsselt man es, wie stellt man es jetzt in seiner Dramatik dar?
Ich meine, man muss ja nicht Marxist sein, um zu glauben, dass das im Grunde die ganz große Geschichte der Menschheit ist. Ist die Wirtschaft nicht im banalen Sinne, nicht, dass nicht andere Dinge auch ablaufen, sondern alles ist mitbestimmt durch? Den materiellen Prozess der Geschichte und was uns zum Teil fehlt, ist die Möglichkeit, es überhaupt zu erfassen, geschweige denn zu instrumentalisieren und darüber hinaus zu denken. Es gibt ja diesen berühmten Spruch von Jameson, dass es einfacher ist, sich das Ende der Welt vorzustellen als das Ende des Kapitalismus, unter anderem ist. Das hängt das, damit zu tun, dass es sehr schwer ist, sich die Wirtschaft überhaupt vorzustellen, es entflieht einem, und ein Buch, eines der.
Ambitionen sicherlich. Und es ist in gewisser Weise gelungen. In diesem Buch war es die Wirtschaft gewisser Weise zu, in dieser Form auch darzustellen, und das ist nach wie vor auch unser Projekt bei Circus, Mein Projekt, bei Chartbook und in den Filmbüchern, in den in den in den 3 Büchern nach welches und im kommenden Buch über das Klima in. Ist.
Und es geht nicht um Eitelkeit und irgendwie so dieses Getue, gewisser Weise der große Erzähler zu sein, sondern eher darum, dieses gemeinsame Problem anzugehen. Wie verstehen wir die Umstände, die unsere, die unser Leben mitbestimmt, wie machen wir das fassbar, wie wie können wir uns bewusst werden? Wie wir bestimmt werden und was uns bestimmt und, und das hat natürlich analytische Dimensionen bis hin zur Ökonometrie und Big Data und all diesen Methoden. Aber ich bin überzeugt, dass auch das erzählerische dazugehört und das Narrative, dass die Erzählung der wirtschaftlichen Verläufe in der Zeit und mit Wörtern, und das ist ja nicht ganz ohne, mit Wörtern, also Zahlen und Wörter, Bilder zusammen, das ist ja das
Anspruch. Was wir bei Circles und ich bei Chartbook und viele andere Kolleginnen ja auch verfolgen. Deshalb denke ich, spricht das Buch immer noch, auch wenn man sich für das Thema nicht besonders interessiert, ist es trotzdem gewisser Weise mitreißend, eine solche Geschichte zu verfolgen. Ja, da haben wir jetzt dann einen ersten kleinen Beitrag geliefert.
Das noch mal quasi Nachzuerzählen für Leute, die das noch nicht kannten wie ich, weil das Halt da war, ich dann bei der Veröffentlichung war ich 9 Jahre alt, das ist schon ein bisschen her, aber umso besser, dass wir. Dann ja. Umso besser, dass wir hier. Einzelheiten mit meinen Kindern, ja. Ja, quasi schon. Umso besser, dass wir das dann einzelne Aspekte hier auch in der Zukunft dann noch mal näher beleuchten werden. Das hat auf jeden Fall viel Interesse an mehr geweckt, also vielen Dank erstmal für den groben Überblick. Bitte, bitte.
Das war der kleine Überblick mit Adden tus über die Nazi Wirtschaft falls euch spannende Aspekte aufgefallen sind, schreibt gerne in die Kommentare, was wir mal vertiefen sollen. Wir werden dazu sicherlich noch einige weitere Videos machen, falls euch darüber hinaus gefallen hat, dann lasst auch gerne einen Daumen nach oben und ein Abonnement da. Ansonsten sehen wir uns beim nächsten Video.