The cold war files - der Kalte Krieg Podcast

Das rote Trauma: Die sowjetische Invasion in Afghanistan

Donnerstag, 3. September 2026 · 29 min

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Shownotes

Weihnachten 1979: Panzer der Roten Armee rollen über die Grenze nach Afghanistan. Getrieben von der strategischen Angst vor einem wachsenden US-Einfluss an seiner Südgrenze und dem Versuch, ein schwankendes kommunistisches Regime zu stützen, stolpert der Kreml in ein militärisches Abenteuer, das als das „sowjetische Vietnam“ in die Geschichte eingehen wird. Zehn Jahre lang ringt die Supermacht in den unwegsamen Bergen gegen einen unsichtbaren, zähen Gegner.
In dieser Folge beleuchten wir die Hintergründe und das blutige Drama dieser Intervention. Wir analysieren, warum der Kreml den Befehl zum Sturz des unzuverlässigen Machthabers Hafizullah Amin gab und wie sich der Konflikt rasch zu einem blutigen Stellungskrieg entwickelte.
Wir blicken auf das geheime Machtspiel hinter den Kulissen: Die Rolle des exzentrischen US-Kongressabgeordneten Charlie Wilson, der durch die CIA-Geheimoperation Cyclone tonnenweise moderne Waffen – darunter die kriegsentscheidenden Stinger-Raketen – an die Mudschahedin lieferte. Erfahre mehr über die humanitäre Katastrophe mit Millionen von Flüchtlingen, die traumatisierten Heimkehrer der Roten Armee und wie das hinterlassene Machtvakuum direkt den Aufstieg der Taliban begünstigte. Eine packende Episode über einen Krieg, der den Untergang der Sowjetunion besiegelte.
In dieser Episode erfährst du:

• Der Entschluss des Kremls: Warum die Sowjetunion im Dezember 1979 in Afghanistan einmarschierte.

• Charlie Wilson & Operation Cyclone: Wie die CIA und ein US-Politiker den Mudschahedin den Rücken stärkten.

• Die asymmetrische Hölle: Warum die Rote Armee im bergigen Terrain chancenlos war.

• Humanitäre Trümmer: Millionen Flüchtlinge und das schwere Trauma der heimkehrenden Soldaten.

• Das fatale Erbe: Wie der abgebrochene Konflikt den Nährboden für den Aufstieg der Taliban schuf.
Verwendete Quellen & historische Dokumente:
• Geheime Kreml-Protokolle: Dokumente zur Entscheidung des Politbüros über den Einmarsch 1979.

• CIA- und Regierungsakten: Unterlagen zur verdeckten Militärhilfe im Rahmen der Operation Cyclone.

• Zeitzeugen- und Flüchtlingsberichte: Aufzeichnungen zur humanitären Krise und den Erlebnissen an der Front.

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Du kennst das sicher, man steht da vor einem echt massiven Problem in den eigenen 4 Wänden. Oh ja sagen wir mal, du hast da so ein riesiges Wespennest direkt am Schlafzimmerfenster und dieses ständige Summen macht dich einfach nur wahnsinnig. Ja, absoluter Albtraum. Genau und du willst es einfach nur schnell weg haben. Also wählst du die scheinbar effizienteste, radikalste Lösung.

Du greifst einfach zum Haarspray und zum Feuerzeug. Was natürlich also, was im ersten Moment nach einer wahnsinnig guten Idee klingt. Ja, für genau eine Sekunde funktioniert das auch fantastisch. Die Wespen sind weg, aber dann brennt halt nicht nur das Nest, sondern plötzlich steht das halbe Haus in Flammen.

Tja, und dann dreht sich der Wind. Richtig, der Wind dreht sich, die Funken fliegen rüber auf das Dach der Nachbarn und schon hast du eine komplette Katastrophe. Das ist eigentlich eine sehr treffende Beobachtung für unser heutiges Thema. Denn in dem Moment, in dem du diesen Abzug von dem Haarspray drückst, glaubst du ja, du hast die absolute Kontrolle über die Situation.

Hat man aber nicht. 0. In Wahrheit setzt du eine Kettenreaktion in Gang, deren variablen du einfach weder kennst noch irgendwie kontrollieren kannst. Und genau dieses Muster von, Na ja, massiver Selbstüberschätzung sehen wir in der Geopolitik eben immer wieder. Und genau über so einen gigantischen historischen Haarspray Feuerzeugmoment sprechen wir heute.

Also Hallo und herzlich Willkommen zu unserem heutigen Deepdive. Heute ist Donnerstag, der 28. Mai 2026. Hallo auch von mir. Falls du jetzt denkst, oh Gott, wir schlagen jetzt einfach n paar staubige Geschichtsbücher auf, keine Sorge. Wir haben hier einen massiven Stapel an echt spannenden Quellen vor uns liegen. Genau.

Wir haben da unter anderem freigegebene Geheimdokumente des sowjetischen Politbüros. Richtig und detaillierte Analysen der Bundeszentrale für politische Bildung, dazu noch Forschungsergebnisse des Instituts für Zeitgeschichte und ein paar extrem dichte historische Reportagen. Also wirklich tiefes Material. Definitiv.

Unsere Mission ist es heute, dir die wichtigsten und überraschendsten Mechanismen dahinter zu erklären. Ganz maßgeschneidert für dich aufbereitet. Aber bevor wir uns da jetzt in die Details stürzen, müssten wir noch einen wichtigen Disclaimer voranschicken. Ja, absolut wichtig. Die Dokumente, die wir heute auswerten, die behandeln politisch extrem hochgradig aufgeladene Themen. Also wir sprechen hier über den tiefsten Kalten Krieg, über Spionage, stellvertreterkriege.

Geopolitischen Zynismus. Genau und eben auch über die historischen Wurzeln von religiösem Extremismus. Deshalb machen wir hier ganz unmissverständlich klar, wir schlagen uns auf gar keine Seite. Auf absolut gar keiner. Weder auf die der westlichen Allianzen noch auf die des Ostblocks oder irgendwelcher lokalen Gruppierungen vor Ort. Wir machen uns die Ansichten oder Wertungen aus diesen Quellen auch überhaupt nicht zu eigen. Unsere einzige Aufgabe ist es eigentlich, die Fakten und Perspektiven aus den Originalquellen für dich völlig unparteiisch einzuordnen.

Ganz genau. Wir wollen verstehen, wie und warum die Dinge passiert sind, wie dieser sowjetische Einmarsch in Afghanistan im Dezember 1979. Nicht nur ein ganzes Land zerstört hat, sondern, und das ist das Verrückte, den Zusammenbruch einer Supermacht auslöste. Und im Grunde die Konflikte unseres 21.

Jahrhunderts überhaupt erst programmiert hat. Exakt, also lass uns direkt mal in das Jahr 1979 springen. OK, lass uns das mal aufdröseln. Wir müssen uns ansehen, wie das Politbüro in Moskau damals eigentlich tickte. Ja, und wenn wir diese Kremlakten von damals aufschlagen, dann müssen wir direkt mal den ersten großen Mythos begraben. Welchen genau?

Na ja, gerade im Westen hielt sich ja jahrzehntelang dieses Narrativ, die Sowjetunion sei 1979, so als hungriger, expansiver Bär aufgewacht. Also so nach dem Motto, Die wollen jetzt die Weltherrschaft. Genau. Die Vorstellung war immer, Moskau wollte Afghanistan zerschlagen, um sich strategisch einen Weg zum Indischen Ozean zu bahnen. Wegen dem Erdöl im Nahen Osten, oder? Richtig, aber die internen Protokolle, die wir hier haben, die Zeichnen ein völlig anderes Bild. Das war kein genialer strategischer Schachzug. Sondern.

Das war eigentlich eine stolpernde Abfolge von massiver Paranoia. Fehlkalkulationen und Shira. Panik. Und das hat mich beim Lesen der Quellen auch wirklich am meisten überrascht. Wenn wir nämlich mal in den März 1979 schauen, also Monate vor dem Einmarsch. Da weigerte sich die sowjetische Führung unter Leonid Breschnew absolut strikt, in Afghanistan einzumarschieren. Absolut strikt.

Wir müssen vielleicht kurz erklären, was da vor Ort überhaupt los war. Also 1978 hatten sich afghanische Kommunisten in Kabul an die Macht geputscht? Ja, eine sehr radikale Fraktion. Genau. Und die versuchten dann quasi mit der Brechstange so säkulare Reformen durchzudrücken. In einem tief konservativen, ländlichen und muslimisch geprägten Land.

Was natürlich völlig nach hinten losging. Richtig, da gab es landenteignungen, neue Bildungsgesetze und das afghanische Volk rebellierte massiv dagegen. Diese kommunistische Regierung geriet dann so heftig in Bedrängnis, dass sie Moskau förmlich anbeckelte, das Militär zu schicken. Und zwar nicht nur ein oder zweimal.

Die haben 19 mal in Moskau um eine militärische Intervention gebeten. In nur einem Jahr. 19 mal Wahnsinn. Ja und 19 mal hat das Politbüro nein gesagt. Die sowjetischen Strategen waren ja nicht dumm. Die wussten, worauf Sie sich da einlassen würden. Genau die kannten diese völlig unwegsame Topographie des Hindukusch, und sie wussten ganz genau, dass ausländische Truppen in so einem tief religiösen Land. Unweigerlich als feindliche Besatzer wahrgenommen werden. Als Ungläubige quasi.

Exakt. Es gibt da dieses Dokument, wo ein hochrangiger KGB Offizier damals explizit warnt. Er sagte, wir würden uns da in einen endlosen Partisanenkrieg verstricken. OK, aber irgendwas muss diese absolute Weigerung dann ja gekippt haben, wenn die 19 mal Nein sagen, warum dann das ja? Der Wendepunkt in unseren Quellen ist der September 1979. Da überschlagen sich die Ereignisse in Kabul. Lass mich raten.

Ein Putsch. Richtig, der afghanische Präsident Taraki, der übrigens n enger Vertrauter Moskaus war, der wird gestürzt und ermordet. Aber nicht von den Rebellen, oder? Nein, das ist das Verrückte von seinem eigenen Premierminister Hafi Sula Amin. Armin lässt Taraki ersticken, übernimmt die Macht und beginnt sofort unfassbar blutig zu säubern.

Krass, und dann tut er etwas, das in Moskau wirklich alle, also absolut alle Alarmglocken schrillen lässt. Was? Macht er. Er trifft sich heimlich mit US Diplomaten. OK, das ist im Kalten Krieg natürlich der Supergau. Absolut. Und was hier wirklich faszinierend ist. Das ist der Moment, in dem diese strategische Rationalität im Kreml, von der wir gerade sprachen, völlig zusammenbricht. Also die Logik fliegt aus dem Fenster. Genau und wird von Reiner Psychologie abgelöst. Breschnew hat diese Ermordung Tarakis als persönlichen Verrat aufgefasst.

Weil sie befreundet waren. Ja, sie standen sich nahe und Amin galt plötzlich in den Augen Moskaus nicht mehr nur als ein etwas zu radikaler Genosse, sondern als unberechenbarer Verräter. Und wahrscheinlich dachten sie, er sei ein amerikanischer Spion. Exakt in dieser tiefen Paranoia des Kalten Krieges hielten sie ihn für einen potenziellen Agenten der CIA. Man muss sich mal die globale Landkarte von 1979 ansehen, um das zu verstehen.

Da war einiges im Umbruch, oder? Richtig, die Sowjetunion hatte in den Jahren zuvor schon wichtige Verbündete wie Ägypten oder Somalia an den westlichen Einfluss verloren. Die Angst, jetzt auch noch den direkten südlichen Nachbarn Afghanistan zu verlieren, die war existenziell. Aber warte mal, da muss ich jetzt wirklich mal kritisch nachhaken. Gerne.

Wenn das Politbüro vorher 19 mal abgelehnt hat. Weil sie ganz genau wussten, das endet in einem Fiasko, in einem afghanischen Trauma. Warum haben Sie dann nicht einfach gesagt, OK, Armin flirtet jetzt mit den Amerikanern, dann lassen wir ihn eben fallen, ich meine, wäre ein US freundliches Afghanistan an der Grenz für Moskau nicht trotzdem tausendmal besser gewesen als 100 Tausende Soldaten in einen offensichtlich ungesicherten Krieg zu schicken?

Das ist doch, als würde man aus Angst vor einem Wasserschaden sein eigenes Haus anzünden. Das ist eine extrem logische Frage aus unserer heutigen Sicht. Aber in dieser verdrehten Logik des Kalten Krieges war das absolut undenkbar. Warum? Was war da die größte Angst? Raketen die USA hatten gerade 1979 durch die Islamische Revolution im Iran ihre wichtigsten Überwachungsposten direkt an der sowjetischen Grenze verloren. Ah, posten, mit denen Sie die Sowjets ausspioniert haben. Genau damit.

Haben sie sowjetische Raketentests tief in Zentralasien überwacht und die Militärs im Kreml hatten nun panische Angst, dass Amin den Amerikanern erlauben würde, diese Horchposten oder noch schlimmer, nukleare Mittelstreckenraketen in Afghanistan aufzustellen? Direkt an der Grenze. Direkt an der weichen Unterseite der Sowjetunion. Das war diese klassische Dominotheorie, nur eben diesmal aus sowjetischer Perspektive.

Sie fühlten sich extrem in der Defensive. Das heißt? Die Angst vor diesem geopolitischen Worst Case Szenario war so überwältigend, dass sie diese ganzen vorherigen Warnungen vor einem Guerillakrieg einfach komplett verdrängt haben. Völlig verdrängt. Wahnsinn. Und das führt dann am 12. Dezember 1979 zu dieser fatalen Geheimkonferenz. Ja, eine winzige Gruppe war das nur. Genau 4 Männer, Breschnew, KGB Chef andropow, Verteidigungsminister Ustinov und Außenminister Grömiko und die beschließen eine sogenannte Blitzoperation. Der Plan klingt auf dem Papier auch fast chirurgisch. Rein palaststürmen Amin töten den Sowjetreuen Babrak Kamal als neuen Präsidenten einsetzen, und das ist der Wahnsinn. Nach spätestens einem halben

Jahr wieder abziehen. Ja, das dachten die wirklich. Am 27 Dezember stürmen dann Spezialeinheiten des KGB den Palast in Kabul und liquidieren Amin. Und gleichzeitig rollen sowjetische Panzer über die Grenze. Und sie nannten das brüderliche Hilfe. Zynischer geht es kaum. Die Weltöffentlichkeit sah da natürlich eine brutale Invasion, und aus diesen geplanten 6 Monaten wurden fast 10 Jahre.

Und sie zerstörten damit genau die Sicherheit an ihrer Südflanke, die sie eigentlich durch diesen Einmarsch garantieren wollten. Ganz genau. Weil sie den Amerikanern damit quasi die perfekte Einladung auf dem Silbertablett serviert haben. Und wie diese Einladung dann angenommen wurde, das ist einer der faszinierendsten Mechanismen in diesen Dokumenten.

Absolut, denn aus diesem lokalen Putsch in Kabul wird einfach über Nacht ein globales Schachspiel. Und der Architekt dieses Schachspiels auf US Seite war spignier Bresenski. Der Nationale Sicherheitsberater von Präsident Carter. Richtig. Als die sowjetischen Truppen die Grenze überquerten, schickte der sofort ein Memorandum an den Präsidenten.

Und er schrieb darin sinngemäß, nun haben wir die historische Gelegenheit, der Sowjetunion ihr eigenes Vietnam zu bescheren. Echt heftig, wie offen das formuliert war. Ja, das Ziel Washingtons war nicht in erster Linie, Afghanistan freie Wahlen zu bringen oder so. Das Ziel war, die rote Armee dort in den Bergen des Hindukusch so lange ausbluten zu lassen, bis dieses ganze sowjetische Imperium ökonomisch und moralisch kollabiert.

Und die USA haben ja nicht gekleckert, die haben richtig geklotzt. Also die offizielle Reaktion war laut UN Verurteilungen, Getreide, Embargos und über 60 Staaten haben sogar die Olympischen Spiele 1980 in Moskau boykottiert. Aber das war eigentlich nur die PH. Genau, und hier wird es wirklich interessant. Die eigentliche Musik spielte ja komplett im Verborgenen. Die CIA startete die Operation Cyclone. Eines der längsten und teuersten verdeckten Programme in der Geschichte der CIA.

Wir sprechen hier von Milliarden von Dollar. Aber, und das habe ich mich beim Lesen gefragt, wie macht man das eigentlich? Man kann als amerikanischer Geheimdienst ja nicht einfach eine offizielle Überweisung nach Kabul schicken. Eher nicht. Nein. Oder Waffen mit dem CIA Logo abwerfen. Wenn Moskau das spitz kriegt, ist das doch ne direkte Kriegserklärung der USA.

Und das hätte im allerschlimmsten Fall zu einem atomaren Schlagabtausch geführt. Genau also wie haben Sie das gelöst? Hier kommt ein Konzept ins Spiel. Das nennt sich plausible Abstreitbarkeit, im englischen plausible Deniability. Also dass man immer sagen kann. Ich war es nicht. Genau, man brauchte zwingend einen Mittelsmann und dieser Mittelsmann war Pakistan, um genauer zu sein, der pakistanische Militärgeheimdienst ECAOK.

Das System funktionierte, so die CIA und Saudi Arabien haben das Geld zur Verfügung gestellt, die CIA kaufte dann damit auf dem internationalen Schwarzmarkt Unmengen an Waffen ein. Aber keine amerikanischen Waffen, oder? Nein, bloß nicht oft aus chinesischer, Ägyptischer oder sogar israelischer Produktion. Worden, nur um die amerikanische Herkunft zu verschleiern. Wahnsinn.

Diese Waffen wurden per Schiff nach Pakistan gebracht und ab dem Hafen von Karatschi übernahm dann der pakistanische Geheimdienst. Wir haben das dann weitergeleitet, ja. Der ISI entschied völlig autonom, welche afghanischen Widerstandskämpfer die Mujaidin welche Waffen bekam. Und dann schmuggelten sie die über diese extrem unübersichtliche Berggrenze direkt nach Afghanistan. Das ist unglaublich.

Ein gigantischer logistischer Schattenkrieg. Und an diesem Schattenkrieg haben sich ja wirklich alle beteiligt. Die Quellen zeigen da ein Detail, das fand ich völlig absurd, selbst das geteilte Deutschland hat am Hindukusch mitgemischt. Ja, auf beiden Seiten der Front. Die DDR hat afghanische Offiziere ausgebildet, auf Rügen an der Offiziershochschule Otto Winzer. Da lernten afghanische Kommunisten das Handwerk, und die Stasi half in Kabul beim Aufbau des Geheimdienstes KAD. Und auf der anderen Seite des Eisernen Vorhangs war der Bundesnachrichtendienst aktiv.

Der BND. Genau der startete die streng geheime Operation Sommerregen. Offiziell betrieb Westdeutschland da humanitäre Hilfe, also Sanitätsstationen in Pakistan für afghanische Flüchtlinge. Aber inoffiziell. Belegen unsere Quellen, dass diese Stationen teilweise als reine Tarnung für BND Agenten dienten? Und was haben die da gemacht?

Ihr Hauptziel war es, heimlich erbeutete hochmoderne sowjetische Militärtechnik von den Mujahadin abzukaufen. Also so Dinge wie Titan, Panzerungen von Kampfhubschraubern oder völlig neuartige Munition. Und die haben Sie dann nach Deutschland geschmuggelt. Ja, für Analysen direkt nach München. Afghanistan war in dieser Zeit das absolute Labor des Kalten Krieges. Jeder hat neue Waffen getestet oder eben die des Gegners analysiert.

Aber wenn man das jetzt alles liest, Milliarden fließen durch dunkle Kanäle, Geheimdienste klauen titanplatten, Supermächte spielen Schach. Da fragt man sich doch. War Afghanistan in Wirklichkeit nur eine blutige Bühne, auf der die Supermächte ihre eigenen Stellvertreterfäden ausgetragen haben? Völlig losgelöst vom afghanischen Volk? Im Endeffekt ja.

Und das führt uns direkt auf das Spielfeld selbst. Werfen wir da mal einen Blick drauf. Wer waren diese Mudschahidin eigentlich, die da all diese Waffen bekamen? Das wird in den Nachrichten ja oft einfach so pauschal als die Widerstandskämpfer übersetzt. Der Begriff Mudschahidin bedeutet im arabischen Ursprung so viel wie Kämpfer für den Glauben oder jemand, der sich anstrengt, OK, aber in der Realität der Achtzigerjahre, dort in Afghanistan, war das überhaupt keine homogene Armee, das war ein extrem zersplittertes Bündnis aus völlig unterschiedlichen Fraktionen.

Die sich teilweise auch gar nicht mochten, oder? Die hassten sich oft bis aufs Blut. Da gab es lokale Stammesführer, gemäßigte Nationalisten, aber eben auch extrem knallharte islamische Fundamentalisten. Und was hat die alle? Alle zusammengehalten. Ausschließlich der Kampf gegen die sowjetischen Besatzer, die waren in ihren Augen die ungläubigen Invasoren.

Und diese Zersplitterung traf dann auf die brutale militärische Realität der sowjetischen Armee. Und das ist echt schwer zu verdauen, wenn man die Berichte liest. Es war ein reines Gemetzel. Die Sowjets kamen mit 10, tausenden Soldaten, mit schweren Panzern und Artillerie. Aber in diesen engen Tälern des Hindukusch waren Panzer einfach fast nutzlos.

Genau die konnten sich nur auf den wenigen befestigten Straßen bewegen. Und waren da natürlich superleichte Ziele für Hinterhalte. Die einzige wirkliche Trumpfkarte, die die Rote Armee hatte, war ihre absolute Lufthoheit, allen voran dieser Kampfhubschrauber der Mill mi 25. Oh ja, dieser Hubschrauber, von den Afghanen oft scheitern Arba genannt. Also der Teufelswagen, das war eine pflegende Festung. Der war extrem gepanzert, oder?

Extrem stark gegen Handfeuerwaffen gepanzert und er konnte ganze Dörfer in Schutt und Asche legen. Die sowjetische Strategie wurde angesichts dieses unsichtbaren Feindes nämlich immer grausamer. Weil sie die guerreria Kämpfer nicht zu fassen kriegten. Genau, wenn man den Feind nicht greifen kann, greift man eben die Zivilbevölkerung an.

Die Sowjets warfen Millionen von Antipersonenwienen ab. Zerstörten systematisch Bewässerungssysteme und Felder. Alles nur, um den Mudschahedin die Lebensgrundlage zu entziehen? Die Zahlen, die wir hier in den Dokumenten finden, sind wirklich niederschmetternd. Da ist die Rede von bis zu einer 1000000 getöteter afghanischer Zivilisten. Und unzähligen Flüchtlingen.

Über 6000000 Menschen, das war damals ein Drittel der gesamten afghanischen Bevölkerung, die flohen nach Pakistan und in den Iran. Es war ein apokalyptisches Szenario. Bis dann Mitte der 80er Jahre ein entscheidendes technologisches Puzzleteil auf dem Spielfeld auftaucht, das einfach alles verändert.

Die Stingerraketen. Ganz genau ab 1986 liefert die CIA diese Stingerraketen. Das ist eine Boden luftrakete, tragbar von einer einzigen Person, direkt von der Schulter abzufeuern. Und was war daran so besonders? Das Revolutionäre war das sogenannte Fire and Forget System. Der Schütze visiert einfach die Wärmesignatur der Helikopter Turbinen an, drückt ab und kann sich sofort wieder im Felsen verstecken.

Weil die Rakete das Ziel selbst verfolgt. Exakt. Plötzlich fiel den Sowjets buchstäblich der Himmel auf den Kopf. Die Mutter Hidin holten reihenweise diese fliegenden Festungen vom Himmel. Das ist ja wieso eine klassische David gegen Goliath Geschichte ja nur dass David plötzlich eine Hightech Panzerfaust hat, die von einem Milliardär bezahlt wurde. Besser kann man es kaum zusammenfassen. Was dann dazu führte, dass die sowjetischen Piloten aus purer Panik dazu übergingen, extrem hoch zu fliegen. Sie warfen ihre Bomben aus großer Höhe ab. Was sie völlig ungenau machte.

Genau. Und die eigenen Bodentruppen waren dann schutzlos. Die ganze sowjetische Kriegsmaschine blockierte und das brachte den Horror dieses Krieges nun endgültig zurück in die Wohnzimmer der Sowjetunion. Das wirft eine extrem wichtige Frage auf. Was macht so ein Krieg mit der eigenen Gesellschaft?

Offiziell starben etwa 15000 sowjetische Soldaten. Wobei die Dunkelziffer wahrscheinlich viel höher lag. Vermutlich die Nobelpreisträgerin Svetlana Alexewitsch hat in ihrem Buch dazu den Begriff Zinkjungen dokumentiert. Zinkjung das ist so ein grausamer Begriff. Ja, das kommt daher, dass die gefallenen sowjetischen Soldaten oft blutjunge und völlig unzureichend ausgebildete Wehrpflichtige, in Zugeschweißten Zinksärgen zu ihren Müttern zurückgeflogen wurden. Und die sowjetische Regierung hat bis zuletzt versucht, das alles zu vertuschen.

Den Familien wurde verboten, auf die Grabsteine zu schreiben, dass ihre Söhne in Afghanistan gefallen waren. Was sollten Sie stattdessen schreiben? Dass sie bei Ausbildungsunfällen gestorben sind. Unfassbar. Das muss doch die sowjetische Gesellschaft von innen heraus völlig zersetzt haben. Das hat es, wenn 10 Tausende traumatisierte, verkrüppelte junge Männer in ein Land zurückkehren, das offiziell behauptet, dieser Krieg existiert in dieser Härte gar nicht. Dann bricht das gesellschaftliche Fundament. Das Vertrauen in den Staat ist komplett weg. Richtig, diese Veteranen fühlten sich extrem verraten und gleichzeitig brachte der Schmuggel riesige Mengen an Heroin zurück in die Sowjetunion, was ein massives Drogenproblem auslöste.

Und der Glaube an die Unfehlbarkeit der kommunistischen Partei erlitt einen irreparablen Schlag. Afghanistan war letztlich der Katalysator, der den wirtschaftlichen und moralischen Bankrott der UDSSR. Schonungslos offenlegte. OK, also die CIS Strategie ist voll aufgegangen. Die Sowjets sind in die Falle getappt, haben sich ruiniert und die Stinger Raketen haben ihnen den Rest gegeben. Mission Conquished, könnte man denken. Ja, aber hier müssen wir echt über den gewaltigen blinden Fleck dieser ganzen US Strategie sprechen. Wir haben vorhin erklärt, dass Pakistan das amerikanische Geld verteilt hat, ja, aber an wen genau ging das Geld eigentlich? Haben die westlichen Geheimdienste damals in den Achtzigern wirklich nicht

verstanden. Wen sie da mit absoluten Hightech Waffen ausrüsteten? Oder war es ihnen in dem Moment schlichtweg egal, weil der Hass auf die Sowjets der perfekte Klebstoff war? Die Quellen legen hier sehr stark nahe, dass es eine toxische Mischung aus gefährlicher Ignoranz und extremem kalter Kriegstunnelblick. Tunnelblick.

Ja, wenn wir das mal in den größeren Zusammenhang einordnen. Für die CIA und die US Administration war Religion in diesem Fall der Islam, lediglich eine kulturelle Ausprägung. Ein Werkzeug. Genau, es war zufällig ein hervorragendes Instrument, um Menschen gegen den gottlosen atheistischen Kommunismus zu mobilisieren.

OK, westliche Analysten haben die tieferen ideologischen Schriften des radikalen Islamismus oft gar nicht gelesen, oder sie haben sie einfach nicht ernst genommen. Sie sahen den fundamentalistischen Eifer der Kämpfer als extrem nützliche Ressource. Aber eben nicht als Gefahr überhaupt. Nicht, nicht als eigenständige zukünftige Gefahr für westliche freiheitliche Werte. Solange sich das nur gegen die Sowjets richtete, war alles in Ordnung.

Das ist aus heutiger Sicht völlig surreal, zumal die ganze Region zu der Zeit ja extrem instabil war. Ich meine 1979 gab es die islamische Revolution im Iran? Da haben fanatische Studenten amerikanische Diplomaten als Geiseln genommen, ja. 444 Tage lang. Und gleichzeitig begann der Iran, Irak Krieg, und trotzdem denkt man in Washington, Ach, fundamentalistische Milizen in Afghanistan bewaffnen, das ist eine super Idee, was soll da schon schief gehen? Es war wirklich blind.

Und dann kam ja auch noch Saudi Arabien ins Spiel. Die haben jeden amerikanischen Dollar für die Mudschahadin verdoppelt. Wahnsinn. Und Saudi Arabien und der pakistanische Geheimdienst ISI hatten eben eine sehr klare eigene Agenda. Die wollten nicht einfach nur die Sowjets besiegen. Was wollten die? Die wollten einen fundamentalistischen Staat nach ihren eigenen strengen Vorstellungen in Afghanistan aufbauen.

Boah, das heißt, die haben ganz gezielt gefiltert, wer die Waffen kriegt. Genau deshalb leiteten sie den Löwenanteil dieser Milliarden und der Hightech Waffen ganz bewusst an die radikalsten und extremsten Fraktionen. Aktionen des Widerstands weiter. Hast du da ein Beispiel? Ja, zum Beispiel an den Kriegsherrn Gulbuddin Hekmatya, ein brutaler Extremist, gemäßigter, eher traditionelle oder prowestliche afghanische Gruppen wurden logistisch fast völlig ausgehungert. Und die CIA hat das einfach machen lassen. Die CIA ließ Pakistan da komplett freie Hand, weil diese extremen Gruppen schlichtweg als die aggressivsten und effizientesten Kämpfer gegen die Rote Armee galten. Kurz gesagt, um den

kommunistischen Feind zu besiegen, hat der Westen aktiv dabei zugesehen, wie eine radikale, schwer bewaffnete islamistische Infrastruktur überhaupt erst herangezüchtet wurde. Richtig. Und diese fatale ideologische Kurzsichtigkeit entfaltete dann ihre volle Wirkung, als das eigentliche Ziel, der Abzug der Sowjets, erreicht war. Ja, das Ende vom Lied begann 1986 da kommt Michael Gorbatschow in Moskau an die Macht. Er sieht die Fakten, erkennt die ausweglose Lage und nennt den Krieg in Afghanistan öffentlich eine blutende Wunde. Das war ein starkes Eingeständnis. Er wusste, das Land blutet wirtschaftlich aus, also leitet er den Abzug ein.

Und im Februar 1989 läuft dann der sowjetische General Boris Gromow als allerletzter Soldat zu Fuß über die sogenannte Brücke der Freundschaft über den Grenzfluss Amudaja. Zurück auf sowjetisches Gebiet. Genau. Und für die Weltöffentlichkeit war der Krieg damit beendet. Aber eben nur für die Weltöffentlichkeit, für die afghanische Zivilbevölkerung fing der Albtraum jetzt eigentlich erst so richtig an. Absolut.

Denn die Sowjets hinterließen ja kein funktionierendes Land, sondern ein gigantisches Machtvakuum. Das Land war bis an die Zähne bewaffnet, die Infrastruktur. Struktur lag komplett in Trümmern. Und der gemeinsame Feind war plötzlich weg. Richtig und ohne die Sowjets begannen diese verschiedenen Mutter hidin Fraktionen, die wir vorhin besprochen haben, sofort damit, sich gegenseitig zu bekämpfen.

Es brach ein Unfachbar brutaler Bürgerkrieg aus. Ja, Kabul war ja eine Stadt, die den Krieg gegen die Sowjets kurioserweise weitgehend unbeschadet überstanden hatte. Aber in den frühen 90er Jahren wurde Kabul dann von diesen Kriegsherren mit Raketen völlig in Schutt und Asche gelegt. Und aus dieser Asche, aus dieser totalen Verzweiflung der Zivilbevölkerung, entstand dann etwas Neues.

Ja, aus den extrem radikalisierten Religionsschulen in den pakistanischen Flüchtlingslagern entstand eine neue Kraft, die Taliban. Die Studenten. Genau. Eine Bewegung, die Ordnung und Frieden versprach, aber eben durch eine ultraradikale Auslegung des islamischen rechts. Und 1996 haben die dann Kabul erobert und ihr Schreckensregime errichtet. Und wir alle wissen, wem sie später Unterschlupf gewähren würden.

Osama bin Laden und Al Kaida. Genau so schließt sich der Kreis. Also was bedeutet dieser tiefe Blick in die Akten von 1979 jetzt eigentlich für dich? Warum ist es so essentiell, diese ganzen Mechanismen hinter diesem alten Krieg heute noch zu verstehen? Weil es wirklich das perfekte Lehrstück ist.

Absolut ein Lehrstück darüber, dass geopolitische Interventionen einfach nie im Vakuum stattfinden. Wenn Supermächte glauben, komplexe regionale Konflikte von außen als reine Schachfiguren manipulieren zu können. Ohne die Kultur oder Religion vor Ort zu respektieren. Richtig, dann erschaffen sie Monster, die sie später einfach nicht mehr kontrollieren können. Wir haben heute gesehen, wie Moskau aus nackter Paranoia heraus eine militärische Katastrophe startete, die ihr eigenes Reich zum Einsturz brachte. Und wir haben gesehen, wie die CIA und ihre Verbündeten den politischen Islamismus als hocheffiziente Waffe aufrüsteten, ohne auch nur einen einzigen Gedanken an den Tag danach zu verschwenden.

Ja, ich möchte dir zum Schluss diesen einen provokanten Gedanken mitgeben, über den du mal in Ruhe nachdenken kannst. Wir feiern 1989 ja oft als den ultimativen Sieg des Westens im Kalten Krieg. Die Mauer fiel. Die Sowjets. Zogen ab, genau. Aber was, wenn dieser vermeintliche Sieg in Afghanistan gar kein Ende war? Was, wenn die westlichen Supermächte durch diese Milliardenfinanzierung und Hightech Bewaffnung von religiösem Extremismus völlig geblendet von ihrem Hass auf den Kommunismus?

Unabsichtlich die ideologischen und militärischen Schlachtfelder des 21. Jahrhunderts überhaupt erst gebaut haben. Eine gewonnene Schlacht, die in Samen für die nächsten globalen Konflikte pflanzte. Exakt. Denkt noch einmal an unser Wespennest vom Anfang. Die Strategen haben damals mit dem Haarspray und dem Feuerzeug hantiert, um ein lokales Problem an der Hauswand zu lösen. Und haben dann gefeiert, als die Wespen tot waren. Ja, sie haben aber leider nicht gemerkt, dass die Glut längst übergesprungen ist.

Und dass das Fundament unseres globalen Hauses bis heute lichterloh brennt. Nimm diese Gedanken einfach mal mit in deinen Alltag, hinterfrage diese ganz einfachen geopolitischen Narrative. Danke, dass du dir heute die Zeit für diese detaillierte Analyse genommen hast. Mach es gut, pass auf dich auf und bleib neugierig.

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