
Verbrechen der Vergangenheit· Folge 151
Raubzug der Wikinger: Drachenboote vor Paris
Freitag, 5. Juni 2026 · 58 min
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Shownotes
Im Jahr 879 landet eine gewaltige dänische Flotte an der Küste des Frankenreiches. Plündernd und mordend dringen die Krieger in den Jahren darauf ins Landesinnere vor - bis sie die Mauern von Paris erreichen. Um die mitten in der Seine gelegene Stadt entbrennt ein monatelanger Kampf: Denn fällt Paris, steht den Wikingern der Weg ins reiche Herzland offen.
Host und Redaktion: Insa Bethke (GEOEPOCHE)
Gast: Dr. Anja Fries (GEOEPOCHE)
Sprecher: Peter Kaempfe
Produktion: Andolin Sonnen (RTL+)
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Im Jahr 879 landet eine gewaltige dänische Flotte an der Küste des Frankenreiches. Plündernd und mordend dringen die Krieger in den Jahren darauf ins Landesinnere vor, bis sie die Mauern von Paris erreichen. Um die mitten in der Seine gelegene Stadt entbrennt ein monatelanger Kampf. Denn fällt Paris, steht den Wikingern der Weg ins reiche Herzland offen.
Verbrechen der Vergangenheit. Ein Crime-Podcast von Geo-Epoche und RTL Plus. Hallo, herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Verbrechen der Vergangenheit, dem Geo-Epoche-Podcast. über die dunkle Seite des Menschen und der Macht. Schön, dass ihr da seid, um mal wieder mit uns in die Zeit der Wikinger abzutauchen.
Wer die Wikinger waren, also so ganz grundsätzlich, das haben wir hier bei Verbrechen der Vergangenheit schon mal verhandelt. Und zwar in unserer Folge Mord auf der Eisinsel, hieß die, glaube ich, ist vor ziemlich genau zwei Jahren rausgekommen. Also wenn ihr zum Beispiel wissen wollt, welche der vielen Klischees, die wir so über die Wikinger im Kopf haben, alle nicht stimmen.
Zum Beispiel die Sache mit den Hörnerhelmen. Oder auch wenn euch Island und die alten nordischen Sagas interessieren, um die geht es dann in der Geschichte der Folge. Genauer um die Besiedlung Islands durch norwegische Wikinger und klar, es kommt zu einem Mord unter den Siedlern in der Folge. Dieses Mal folgen wir den Wikingern aber nicht nach Norden oder genauer Nordosten, sondern nach Süden.
Wir schreiben das Jahr 879 und während es sich die Norweger, salopp gesagt, auf Island gemütlich machen, wagen sich ihre dänischen Kollegen jetzt ins Frankenreich vor, das damals das mächtigste Staatsgebilde Europas ist. Und ihr habt es schon gehört, sie kommen tatsächlich bis nach Paris. Sind nicht auf Besichtigungstour, klar, Eiffelturm und all die anderen Wahrzeichen von Paris, die gab es damals natürlich noch nicht.
Nicht, aber trotzdem war Paris, war das Frankenreich ein attraktives Ziel für die Nordleute aus dem heutigen Dänemark. Und ihre Gegner dort, beziehungsweise auch ihre Opfer, die Franken, auf die schauen mein Kollege Manuel Opitz und ich jetzt einmal, bevor es dann mit der Geschichte losgeht. Schön, dass du da bist, Manuel.
Hi Insa. Also Manuel, wenn von den Franken die Rede ist, dann denken wir natürlich als erstes an einen Mann, das ist... Karl der Große. Genau, Karl der Große aus dem Geschlecht der Karolinger, der sich im Jahr 800 den römischen Kaisertitel sichert. Und unter Karl dem Großen, da wächst das Frankenreich nun zum mächtigsten Imperium in Westeuropa heran.
Es erstreckt sich von der Elbe bis zu den Pyrenäen, von Italien bis an die dänische Südgrenze. Und dort an der dänischen Südgrenze, da treffen die Franken auf Nachbarn, die sie meist als Normanni bezeichnen. Und diese Normanni, die sollen für Karl und seine Nachfolger zur echten Plage werden. Das sind die Wikinger. Ganz genau.
Schon Ende des 8. Jahrhunderts plagen sich die Franken mit diesen Wikingern rum, aber dazu später mehr. Erstmal kehren wir nochmal zurück zu Karl dem Großen und was dann im 9. Jahrhundert in dessen Reich los ist, also die Zeit, in der unsere Geschichte spielt. Manuel, bitte. Ja, Karl stirbt im Jahr 814 in seiner Pfalz in Aachen.
Und zu diesem Zeitpunkt sind zwei seiner drei Söhne, die als Erben in Betracht kommen, schon tot. Also es bleibt nur ein Thronfolger übrig und das ist der 35 Jahre alte Ludwig. Der geht als Ludwig der Fromme in die Geschichte ein. Ja, soweit so problemlos. Um zu verstehen, was jetzt mit diesem Riesenreich passiert, das Karl da geschaffen hat, müssen wir jetzt ein bisschen tiefer in die Geschichte der Karolinger eintragen.
Und kleine Vorwarnung schon mal, es geht gleich sehr viel um verschiedene Karls und Ludwigs. Da kann man leicht durcheinander kommen, nicht verwirren lassen. Ja, die Karolinger waren offenbar nicht besonders einfallsreich bei ihrer Namensgebung. Ja, das kann man so sagen. Das ist ein bisschen so wie mit den Heinrichs und Friedrichs im Heiligen Römischen Reich später.
Das stimmt, die waren auch nicht einfallsreich. Nee, aber ja, der Reihe nach. Also Karls Sohn Ludwig der Fromme, der erbt nun dieses große Imperium. Und naja, man kann sich vorstellen, für eine einzige Person ist das schon eine gewaltige Aufgabe, ein so großes Reich zu regieren. Und deshalb denkt er sich, ich beteilige einfach mal meine drei Söhne an der Herrschaft, dann lernen die Jungs auch gleich was.
Im Jahr 817 erlässt Ludwig eine Nachfolgeregelung, die sogenannte Ordnung des Reiches. Ja, das ist die Ordinatio Imperii für alle, die Latein mögen oder sich jetzt vielleicht auch schmerzhaft an Ihren Lateinunterricht erinnern. Ja, ich glaube auch für viele eher schmerzhaft. Jedenfalls teilt Ludwig seinen Söhnen Ämter und Gebiete zu.
Lothar, seinen Ältesten, den erhebt er zum Mitkaiser und damit auch zum künftigen Oberherrscher des Karolinger Reichs. Zusammen mit seinem Vater regiert er unter anderem die fränkischen Kernlande zwischen Rhein und Loire. Den zweitältesten Sohn Pippin setzt er als König von Aquitanien im Südwesten des heutigen Frankreichs ein.
Und dann gibt es noch den dritten Sohn, der verwirrenderweise wie sein Vater ebenfalls Ludwig heißt. Jetzt geht es also los mit den ganzen Ludwigs. Ja, aber... Zum Glück gibt es ja Beinamen. Später wird man diesen Ludwig, Ludwig den Deutschen nennen. Und für ihn hat sein Vater ein Gebiet namens Bayern vorgesehen.
Und die beiden jüngeren Söhne, die sollen nach den Vorstellungen Ludwigs des Frommen, nach dessen Tod, naja, sozusagen Könige mit eingeschränkten Rechten sein. Lothar, der Älteste, soll er aber der Oberherrscher des Reiches sein. Klingt erstmal ganz vernünftig, da einen sozusagen zum Oberherrscher zu erklären.
Aber wir wissen ja natürlich, dass das nicht funktioniert. Warum nicht? Im Jahr 823 passiert etwas, womit am Hof niemand gerechnet hat. Die zweite Frau von Ludwig dem Fromm, die bekommt einen Sohn. Karl. Karl der Karle heißt er später. Warum auch immer. Man kann sich's denken. Die Geburt dieses vierten Sohnes, die bringt auf jeden Fall die Ordinatio Imperii durcheinander.
Ja, also wir können uns gut vorstellen, dass die drei älteren Söhne aus erster Ehe von dem Nachwuchs wenig begeistert sind. Und natürlich sehen die ihre eigenen Herrschaftsansprüche durch diesen Halbbruder nun bedroht. Der Nachzügler Karl ist gerade mal sechs Jahre alt, als sein Vater Ludwig ihm größere Gebiete überträgt.
Dazu gehören Alemannien, Südwesten des heutigen Deutschlands und dazu das Elsass und auch noch Teile von Burgund. Ja, in dem Alter hatte ich 3,50 Mark in meiner Spardose. Ja, aber wer herrscht als Kirps nicht gern über ein paar Ländereien? Spaß beiseite. Vor allem verstößt Ludwig ja gegen die von ihm selbst gesetzte Regel mit dieser Regelung, aber für einen Kaiser gilt vielleicht auch manchmal, was interessiert mich, mein Geschwätz von gestern. Ja, ganz sicher.
Jedenfalls existiert auf den fränkischen Territorien nun noch ein weiteres, ein viertes Teilreich. Der Verlierer dieser neuen Entwicklung ist Lothar, der Älteste, denn der büßt einen Teil seines Erbes an diesen Halbbruder ein. Genau, und darüber ist er natürlich überhaupt nicht froh. Nee, der protestiert beim Vater, die beiden entzweien sich und das Ganze geht dann weiter.
Ludwig der Fromme setzt Lothar als Mitregenten ab und der schiebt ihn auch gleich noch nach Italien ab. Aber auch die beiden anderen beiden Söhne Pipin und Ludwig, die sind alles andere als erfreut darüber, dass ihr Halbbruder Karl nun mit Lennereien bedacht wird. In den 830er Jahren proben sie den Aufstand gegen den eigenen Vater und setzen ihn vorübergehend ab.
Also ein Familiendrama in allerhöchsten Kreisen muss man sagen, Ludwig der Fromme, der Vater, der stirbt dann aber ja ziemlich bald im Jahr 840. Lass uns mal schauen, wie es dann weitergeht bei den Karolingern. Ja, also der Beziehungsstatus zwischen den Söhnen bleibt kompliziert. Lothar, der älteste Sohn, ist nun Kaiser und versucht irgendwie seine Oberherrschaft durchzusetzen.
Also eigentlich will er das in die Tat umsetzen, was sein Vater ja ursprünglich in der Erbregelung vorgesehen hatte. Pippin, der zweitälteste Bruder, der ist mittlerweile gestorben und der fällt einfach weg. Praktisch. Genau, das macht es schon mal ein bisschen einfacher, hilft aber nicht so viel in dieser Situation.
Denn es bleiben ja noch Ludwig, der drittälteste Sohn und Karl, der Halbbruder. Diese beiden Jüngeren, die sich ja bis jetzt nicht besonders gut verstanden haben, die schließen sich nun gegen Lothar zusammen, den Ältesten. Also Ludwig, der Deutsche und Karl, der Karle, schließen sich gegen Lothar zusammen.
Um das nochmal klarzustellen. Ja, jeder will sich ein Stück vom Reich sichern und je größer das Stück ist, desto besser natürlich. Wir wissen aus der Geschichte, die Karolinger, die diskutieren nicht ewig rum, die lassen dann schnell die Waffen sprechen und das heißt jetzt Franken gegen Franken. Ja, Franken gegen Franken.
Im Jahr 841 eskaliert der Kampf zwischen den Brüdern in Burgund. Insgesamt mobilisieren sie vermutlich so um die 50.000 Männer. Das ist also nicht einfach ein kleines Scharmützel oder so, sondern das ist schon eine gewaltige Schlacht. Lothar verliert bei diesem furchtbaren Gemetzel und muss sich zurückziehen.
Und auch er sieht jetzt ein, dass er nicht komplett gewinnen kann und dass irgendwie eine Einigung her muss. Deshalb beschließt er nun, das Reich zu teilen. Und das ist natürlich auch nicht einfach, weil ja jeder natürlich den allerbesten Teil bekommen möchte. Genau. Und deshalb reiten nun Abgesandte durch das Reich, um die Gebiete ganz genau zu bemessen.
Wir können uns das so vorstellen, dass diese Leute die Siedlungen, die Böden und den Besitz erfassen und aufschlüsseln. Das ist also ein schon ziemlich aufwendiges Prozedere, das dann aber tatsächlich die Lösung bringt. Im Jahr 843 unterzeichnen die Brüder in der Bischofsstadt Verdun einen Vertrag, der das Imperium der Karolinger in drei Reiche teilt. Ja, das ist sehr wichtig.
Jetzt haben wir hier also drei mehr oder weniger unabhängige fränkische Königreiche. Ja, und diese Teilung sieht so aus. Kaiser Lothar erhält ein langes, schlauchartiges Gebiet, das sich von der Nordsee bis ans Mittelmeer zieht. Ihm fällt auch das gesamte fränkische Italien zu und damit auch die Schutzherrschaft über die heilige Stadt Rom.
Also ganz nett. Karl der Kale, der Halbbruder, der bekommt die westlichen Gebiete mit Städten wie Paris zugesprochen. Paris, wichtig, gleich. Darauf kommen wir noch zurück. Und Ludwig, der bekommt den Osten. Ludwig der Deutsche. Genau, Ludwig der Deutsche, nicht durcheinander kommen. Sein Reich umfasst die meisten Regionen des heutigen Deutschlands, deswegen ja auch Ludwig der Deutsche.
Und darunter fallen zum Beispiel die Bischofsstädte Mainz, Speyer und Worms. Ja, das ist eine wirklich komplizierte, vertrackte Teilungsgeschichte. Wichtig ist, obwohl nun jeder Bruder bzw. Halbbruder über sein eigenes Reich gebietet, kehrt da irgendwie kein langfristiger Frieden ein. Ja, es geht weiter munter hin und her.
Lothar, der Regent des Mittelreichs, also der älteste Sohn, der teilt sein Reich zu Lebzeiten wiederum unter seine drei Söhnen auf. Der nördliche Teil, von der Nordsee bis zu den Alpen, geht an Lothar den Zweiten. Der hat jedoch bei seiner Testamentsregelung ein Problem. Ihm fehlen legitime Nachkommen.
Im Jahr 869 stirbt er dann und sein nächster Verwandter ist eigentlich sein Bruder Ludwig der Zweite. Der weilt aber in Süditalien und ist dort gerade mit den Arabern beschäftigt. Ja, das ist für die anderen praktisch. Lass mich raten, Karl der Kahle, also der Herrscher des Westfrankenreiches und Ludwig der Deutsche aus dem Ostfrankenreich, die reißen sich das Gebiet jetzt unter den Nageln und teilen sich die Beute sozusagen untereinander auf.
Das Mittelreich löst sich quasi auf. Ja, genau. Und nicht nur das. Im Ostfränkischen Reich, da passiert nun das, was wir ein paar Jahrzehnte vorher schon im Fränkischen Reich gesehen haben. Söhne rebellieren gegen den Vater. Und natürlich geht es wieder ums Erbe. Die beiden jüngeren Söhne von Ludwig den Deutschen, Ludwig der Jüngere und Karl der Dicke, die fühlen sich gegenüber dem älteren Bruder Karlmann benachteiligt.
Das ist ja mal ein neuer Name, Karl Mann. Nein, also ein bisschen Variation haben sie also auch drin. Jedenfalls wollen Ludwig und Karl ihren Vater entmachten. Der Überlieferung zufolge erleidet Karl der Dicke jedoch einen furchtbaren Tobsuchtsanfall. Er muss durch einen kirchlichen Exorzismus beruhigt werden und jedenfalls kommt die Verschwörung ans Licht.
Karolinger, eine schrecklich nette Familie. Ja, genau. Wir wechseln jetzt zum Fränkischen Reich, in dem ja auch Paris liegt. Und da geht es ebenfalls drunter und drüber. Karl der Kahle stirbt im Jahr 877. Sein Sohn und Nachfolger Ludwig II. Segnet bereits im folgenden Jahr ebenfalls das Zeitliche. Genau, und da sind wir jetzt genau in der Ausgangsposition des Pünderungszugs der Wikinger im Jahr 879. nämlich die Herrschaft über das Westfränkische Reich, die geht nun an die beiden Söhne des verstorbenen Königs über.
Die sind allerdings nicht älter als 16, also noch Jungs sozusagen. Das Reich ist damit nicht gerade in der besten Verfassung, um Menschen wie den Wikingern Einhalt zu gebieten. Das hören wir gleich noch ausführlich. Ja, aber was mich nach diesen ganzen Familienverstrickungen bei den Karolingern noch interessiert, Manuel, das sind doch die Beinamen Karl der Kahle, Karl der Dicke, Ludwig der Fromme und so weiter. Er hat schöne, klangvolle Spitznamen.
Die erhalten die Herrscher aber ja häufig erst im Nachhinein. Wie sind sie zu ihren Beinamen gekommen? Ja, also fangen wir mal mit Ludwig dem Frommen an. Da ist die Sache relativ einfach. Der Beiname taucht schon ein paar Jahrzehnte nach Ludwigs Tod auf. Und tatsächlich soll Ludwig besonders fromm und tiefgläubig gewesen sein.
Er hat zum Beispiel einen Benediktinerabt als Berater an seinen Hof geholt und verschiedene Kirchenreformen vorangetrieben. Ludwigs Sohn Karl der Kale, das ist ein ziemlich spannender Fall. Ob er wirklich keine Haare auf dem Kopf hatte, das weiß man nicht so genau. Auf historischen Abbildungen ist er manchmal auch mit Haaren zu sehen.
Wobei wir da ja auch nie wissen, was da historisch korrekt ist und was nicht. Ja, ja, exakt. Jedenfalls taucht der Beiname schon zu dessen Lebzeiten auf. Vielleicht ist das Wort Karl ausreichend. Aber im übertragenen Sinne zu verstehen. Also müssen wir uns keine Glatze vorstellen. Wir müssen uns vielleicht keine Glatze vorstellen.
Karl ist ja, darüber haben wir gesprochen, ein Nachzügler. Bei seiner Geburt hat sein Vater ja das Reich bereits unter den drei Söhnen aus erster Ehe aufgeteilt. Karl steht also erstmal ohne Land da, ist in diesem Sinne also Karl. Erst als er sechs Jahre alt ist, wird er bei der Erbfolge berücksichtigt, wie wir schon gehört haben. Genau, interessanter Erklärungsansatz.
Karl im Sinne der Glatze wäre auch nett. Genau, bei Karl dem Dicken, da sieht die Sache wiederum anders aus. Also es gibt keine zeitgenössische Quelle, die irgendetwas über seinen Körperumfang aussagt. Der Beiname taucht auch erst in sächsischen Annalen im 12. Jahrhundert auf. Da sind wir also schon 250 Jahre nach Karls Tod.
Und ja, wahrscheinlich wollte da einfach irgendein Chronist Karl in schlechtes Licht rücken. Und ja, dummerweise bürgerte sich ausgerechnet dieser Beiname ein. Die Zuschreibung Dick soll Karl wahrscheinlich mangelnde Tatkraft oder auch politische Schwerfälligkeit unterstellen. Also alles wenig nette Charakteristika. Welchen Beinamen ich schön finde in der Hitliste der Spitznamen, ist übrigens Ludwig der Nichtstuer.
Ja, der gefällt mir auch. Ludwig der Nichtstuer. Ist auch ein Karolinger, aber ein bisschen später, glaube ich, 10. Jahrhundert. Ja, 10. Jahrhundert. Eigentlich, der hat natürlich auch einen offiziellen Herrschernamen. Das ist Ludwig V., König des Westfrankenreiches. Der ist auch nicht faul. Ihm bleibt einfach nur sehr wenig Zeit auf dem Thron.
986 kommt er an die Macht und schon 14 Monate später stirbt er bei einem Jagdunfall. Wird er vom Jagdkameraden erschossen oder was war da los? Nee, der ist einfach vom Pferd gestürzt. Nicht so spektakulär. Okay, passiert auch mal. Ja, jedenfalls kann Ludwig in dieser kurzen Zeit nicht viel ausrichten.
Und insgesamt sind die Karolinger in diesen Jahren auch schon auf dem absteigenden Ast. Und daraus machen Chronisten, die Ludwig nicht gerade freundlich gesinnt sind, später Ludwig den Nichtstuer. Gut, dass wir das geklärt haben. Das ist doch praktisches Geschichtswissen für die nächste Party. Ja, damit machen wir jetzt mal hier einen Punkt und widmen uns jetzt dem epischen Kampf zwischen Wikingern und Franken um Paris.
Ihr hört eine historische Reportage von Kai Rademacher. Es liest Peter Kämpfe. Kurz vor dem Winterfrost kommt der Tod nach Paris auf Drachenbooten. 20, 30, 40 Schiffe zählt der junge Mönch Abo von Saint-Germain-des-Prés, der sich aus dem nahen Kloster in die Stadt gerettet hat. Dann 50 Boote, 100, 200, 700.
Auf vier Kilometer Länge, so schätzt er, bedecken am 24. November Anno Domini 885 ihre hölzernen Rümpfe, die Seine. An Bord sind 40.000 Wikinger. Ihr Ziel, Paris zu bezwingen. Gewiss überschätzt der verschreckte Mönch, die Zahl der Angreifer nähern sich nicht mehr als 10.000 der Stadt. Trotzdem ist sicher, dass dort auf dem Fluss das größte Heer vom Nordmännern heranrudert, das je ins Frankenreich eingefallen ist.
Es sind dänische Wikinger vor allem. Männer mit eisernen Streitexten in den Fäusten, denen die Krieger Namen geben wie Hehl, Tod. Die Körper verborgen hinter bemalten, eisengefassten Holzschilden, mancher Wikinger gepanzert mit einem Helm, dessen Nasenschutz oder Gesichtsvisier den Kopf in eine Fratze verwandelt, in das Antlitz eines blutrünstigen heidnischen Gottes.
Paris ist eine ummauerte, bewohnte Insel in der Seine. Dazu zwei Brücken, eine hölzerne, Pont Minard, die sie mit dem südlichen Ufer verbindet, und eine steinerne, Pont Major, zum nördlichen. Diese Brücken sind die Lebensadern der Stadt und zwei Sperrriegel über den Fluss. Es sind mit Brustwehren befestigte Bollwerke, Türme an jedem Kopf, Burgen, die über der Seine schweben.
Unüberwindbar für die Wikinger, so scheint es. Doch zwei Tage später rudern sie ihre furchterregende Flotte gegen die Brücken von Paris. Die Masten der Drachenboote sind niedergelegt. An Bord jedes Schiffes lauern 30 oder mehr Krieger. Niemand überliefert, ob einer der Nordmänner, wie oft zum Beginn einer Schlacht, den ersten Speer in den Himmel schleudert als Opfergabe an Odin.
Dann greifen sie an. Steine und Pfeile verschleiern die Sonne. Das Ziel der Nordmänner ist vor allem die nördliche Brücke und dort der Turm am Ufer, weil der als einziger Pariser Trutzbau noch unvollendet ist. Bis zu 40 eisengespickte Pfeile trägt jeder dänische Bogenschütze im Köcher. Möglich, dass die Wikinger auch Wurfspeere schleudern, raffinierte Waffen, deren metallene Spitzen oft nur locker im Schaft sitzen.
Bohren sie sich in ihr Ziel, kann man die Speere zwar herausziehen, aber nicht zurückschleudern, denn die Spitzen bleiben stecken. Die Brücken schwankten, wird der entsetzte Abo später schreiben Doch die Pariser wehren sich Hinter den Zähnen ihrer uralten Stadtmauer auf den Brücken Den unvollendeten Turm bemannen 200 Kämpfer Allen voran Jocelyn, Abt und Bischof der Stadt.
Ein Geschoss verwundet den streitbaren Gottesmann, doch Stunde um Stunde hält er aus, bis sich im Abendrot die Wikinger zurückziehen, ihre Toten hinter sich herschleifend. Nachts zimmern und hämmern die Verteidiger in rasender Eile am bedrohten Turm, verdoppeln die Höhe des Torsos mit einer Holzkonstruktion bis zum ersten Dämmerlicht.
Dann sind die nordischen Kämpfer erneut da, Banner im Wind, Drachenfiguren, die sich im Lufthauch bewegen, schauerliche Feldzeichen, wie ein fränkischer Chronist gesteht. Ihre Reihen schützen sie mit Schildburgen, Wellen aus sich überlappenden Schilden. Speerlied nennen sie den Hagel aus Geschossen, der nun erneut auf Paris niedergeht Steine, Pfeile, Blut an den Wellen, dumpfe Laute aus Signalhörnern, die Schreie der Sterbenden Die vielen Pfeile ließen den in der Nacht gebauten Turm ächzen, berichtet Abo, Die Angreifer zerren eine Art Ofen an den Turm, mit dessen Feuer sie das Bollwerk entzünden wollen doch die Pariser schleudern von oben ein schweres Wagenrad auf die Wikinger.
Schilde und Knochen splittern, sechs Dänen bleiben tot vor der Mauer zurück. Auf andere Krieger, die sich bis an den Wall vorwagen, um ihn mit eisernen Hacken aufzubrechen, schleudert Graf Odo von Paris, der höchste weltliche Würdenträger der Stadt, kochendes Pech sowie Wachs und Öl. Dies, notiert der Mönch Abo mit grimmiger Zufriedenheit, ließ ihre Schädel aufplatzen.
Erneut ziehen sich die Nordmänner zurück, lagern bei ihren Booten, die diesmal außerhalb der Schussweite der Verteidiger geblieben sind. Ihre Frauen, die sie dort erwarten, trauern kaum um die 300 toten Dänen des Tages, sondern begrüßen die Überlebenden vielmehr mit lauten hohen Worten, die bis nach Paris wehen.
Die Wikinger werden wieder angreifen und wieder und wieder. Seit einem Jahrhundert schon sind die Skandinavier die Geißel Europas. Die Franken Karls des Großen, die ab etwa 770 das Sachsenland erobern, erwähnen in Chroniken erstmals deren nördliche Nachbarn, die Dänen, die sie meist als Normanni bezeichnen.
Und bald nach 793, jenem Jahr, in dem die Wikinger das englische Kloster Lindisfarne plündern, werden die Raubzüge der heidnischen Völkerscharen im gesamten Abendland gefürchtet. 799 Lodernflammen erstmals aus einem fränkischen Kloster, Saint-Philibert auf Noirmoutier, einer Insel in der Loire-Mündung.
Die Flüsse werden nun zum Fluch des Frankenreichs, denn vom Meer aus dringen immer wieder kleine Raubtrupps in die Loire ein, erkunden Rhein, Schelde, Seine. Und im Jahr 860 sogar die Rhone auf Booten, mit denen die Männer zuvor vom Norden bis ins Mittelmeer gesegelt sind. Die Fremden überfallen Gotteshäuser, Dörfer, Städte.
Ihre bevorzugte Beute sind Gold, Silber, Edelsteine und Menschen, Bauern, Mönche, Frauen, Kinder. Manche kommen wieder frei, wenn Angehörige oder Mitbrüder rasch Lösegeld in Form von Edelmetall beibringen. Andere verschwinden für immer als Sklaven in Skandinavien oder auf den Menschenmärkten in Al-Andalus, wo die Heiden den maurischen Herrschern Spaniens ihre lebende Fracht verkaufen.
Die Wikinger eignen sich bei ihren blitzartigen Überfällen noch ein weiteres Beutegut an – Wissen. Die Seine etwa ist ein tückischer Strom, meandernd durch dichte Wälder, voller Inseln und gefährlicher Strudel. Wer sich hier nicht zurechtfindet, begibt sich in Lebensgefahr. Wer die Szenen jedoch kennt, der kommt auf dem Fluss schneller voran als auf allen Straßen Mitteleuropas, auch mit einem großen Heer.
Und große Heere werden in Dänemark spätestens um 865 aufgestellt. Die Gründe dafür sind nicht ganz klar, denn die Nordmänner selbst haben aus jener Zeit, außer einigen Runen, keine schriftlichen Zeugnisse hinterlassen. Abendländische Chronisten wiederum halten meist nur Geschichten aus zweiter, dritter Hand fest Erzählungen vom Hörensagen, Gerüchte.
Dänemark muss im 9. Jahrhundert ein mörderisches Land sein. Gierig nach Macht, so überliefern es die Chronisten, kämpfen Angehörige der Königsfamilie oft um den Thron. In einigen Regionen herrschen wahrscheinlich noch unabhängige Fürsten, die verstrickt sind in Fäden untereinander, in Intrigen, Schlachten.
In diesen unübersichtlichen Auseinandersetzungen sind Raubzüge über See attraktiv. Und zwar sowohl für die Gewinner in den internen Machtkämpfen als auch für die Verlierer. Wer mächtig ist, kann durch Beute noch mächtiger werden. Der kauft sich mit Silber weitere Anhänger und erhöht mit seinen Fahrten auch seinen Ruhm. Und für die Verlierer?
Besiegte Könige, übergangene Thronfolger, Verbrecher, entflohene Sklaven bedeuten Abenteuer jenseits der Grenzen eine Flucht vor dem Tod Und wohl auch eine Möglichkeit, neue Kräfte zu sammeln, um später in der Heimat Rache zu nehmen. So werden die Raubfahrten immer draufgängerischer, immer besser organisiert, bis sich ihr Wesen ändert.
Ab 865 fallen die Wikinger in England ein, um dort zu bleiben. Statt wie zuvor bestimmte Regionen auszuplündern, werden die nun systematisch erobert. Bis 878 beherrschen Nordmänner weite Teile der britischen Inseln. In einem Jahr ankert wieder eine Flotte in der Themsemündung, eine der größten, die Dänemark jemals verlassen haben.
Mehrere Könige kommandieren den wilden Haufen, wahrscheinlich Anführer von größeren Kampfverbänden. Dazu nennen Chronisten auch Herzöge, die offenbar kleinere Kontingente befehligen, sowie Steuermänner, oft die Kommandanten einzelner Schiffe und ihrer Besatzung. Einen obersten Feldherrn, einen unumstrittenen Anführer gibt es nicht.
Für die Eroberung Englands kommt diese Flotte jedoch zu spät. Im Nordosten der Insel haben sich bereits Dänen festgesetzt. Und im Südwesten stehen die Truppen des mächtigen Königs von Wessex, der gerade erst ein hier eingefallenes Wikingerheer besiegt hat, Sein angelsächsisches Reich scheint den Nordmännern uneinnehmbar.
Und so segelt das große Heer, wie es bald genannt wird, im folgenden Frühjahr die kurze Strecke über die Nordsee an die Küste des Frankenreichs, zu einem Plünderzug, wie es ihn in Europa in dieser Form noch nie gegeben hat. Theoretisch ist das Frankenreich ein mächtiges Imperium, das sich von den Pyrenäen bis zur Elbe erstreckt, von der dänischen Südgrenze bis nach Italien.
Doch mit dem Tod Karls des Großen, der dieses Gebilde in wesentlichen Teilen überhaupt erst erobert hatte, setzte bereits 814 die Agonie seiner karolingischen Dynastie ein. Seine Enkel teilten das Erbe auf in ein Westreich, große Teile des heutigen Frankreich und Belgien, ein Ostreich, die meisten Regionen des heutigen Deutschland, sowie ein Mittelreich von Friesland über Lothringen bis nach Italien, das aber wenige Jahrzehnte später vom östlichen Reich fast vollständig einverleibt wurde.
Jahrzehnte der Wirren folgten. Manchmal führten die Karolinger Kriege gegeneinander, häufiger wohl noch brachen sie zu Feldzügen gegen Nachbarn oder gegen den eigenen Adel auf, die Herzöge und Grafen, die immer mächtiger wurden und sich etwa in Burgund unabhängige Fürstentümer erkämpfen wollten. Und ausgerechnet im Jahr 879, da die Wikinger über den Kanal segeln, drohen dem Westfrankenreich neue Wirren.
Die Großen des Landes ringen um die Nachfolge des im Frühjahr verstorbenen Königs Ludwig II. Zwar krönen sie im Herbst zwei Söhne des Toten, Knaben, nicht älter als 16 Jahre. Doch schon fünf Jahre später, nach deren frühem Dahinscheiden, werden die Machtkämpfe abermals aufflammen. Ludwigs jüngster Sohn aus zweiter Ehe, der fünfjährige Karl der Einfältige, gilt vielen als illegitim.
Die Großen des Westreiches werden deshalb, um zu verhindern, dass das Reich endgültig ins Chaos abgleitet, den in der Erbfolge nächsten Erwachsenen Spross der Karolinger als König anerkennen, Kaiser Karl den Dicken, den Herrscher im Ostreich. Da der 839 geborene Monarch zudem bereits über das Mittelreich gebietet, scheint das Frankenreich noch einmal in der Glorie von Karl dem Großen geeint zu sein.
Tatsächlich aber ist Karl mit der Regentschaft über das Riesenimperium deutlich überfordert. Um jene Zeit, da die Wikinger Paris bestürmen, weilt er in Süddeutschland, reist gar nach Italien, ist also hunderte Kilometer von jenen Regionen entfernt, die nun einer tödlichen Bedrohung ausgesetzt sind. Die Wikingerflotte landet im Juli 879 an der Küste.
Die bei Calais gelegene Stadt Teruan geht als erste in Flammen auf. Überlebende bringen Schreckensnachrichten ins Imperium. Sie erzählen von hunderten Drachenbooten, von einem Heer mit vielen tausend Kämpfern. Gut möglich, dass sich den Dänen auch einige beutegierige Norweger angeschlossen haben, Dazu vielleicht Abenteurer aus York, aus Irland, gar aus dem Frankenreich.
Eine furchterregende Bande, loyal bestenfalls den jeweils eigenen Anführern gegenüber. Im November erreichen die Nordmänner die Scheldemündung und plündern Brabant. Oft teilen sie ihren Verband, ziehen mit der Flotte die Küste entlang und dann die Flüsse hoch, während ein anderer Teil der Krieger durch Felder und Wälder marschiert.
Systematisch machen sie Dorf für Dorf nieder, Kloster für Kloster. In der Stadt Tournay erschlagen oder verschleppen sie alle Einwohner. An der Schelde existiert bald kein einziges Kloster mehr, Rauchsäulen am Himmel. Nachts glüht der Horizont von den Feuern brennender Häuser. Bei Charles Roy können fränkische Ritter die unheimlichen Fremden anfangs zurückschlagen, doch im Herbst löst sich das Heer der Verteidiger auf, kehren die Kämpfer auf ihre Ländereien zurück.
Schlechtes Wetter, Hunger, Demoralisierung. Die Wikinger bleiben, verschaffen sich Pferde, bald verfügen sie über Tausende von Reitern und nun kommen sie auf Land fast ebenso schnell voran wie auf den Gewässern. Brabant blutet aus. Lüttichfeld, die Einwohner erschlagen, die Gotteshäuser geschändet. Dann erreichen die Angreifer den Rhein. Im Dezember 881 plündern sie Köln, eine der größten Städte des Ostfrankenreichs.
Die Brandspuren an der Stadtmauer sind noch ein Jahrtausend später zu sehen. In die legendäre Pfalzkapelle Karls des Großen zu Aachen treiben die Dänen ihre Pferde, während einige Meter weiter der Palast des Kaisers niederbrennt. Das reiche Kloster Prüm in der Eifelfeld und jene Bauern, die sich zusammenschließen, um die fürchterlichen Fremden abzuwehren, werden samt und sonders niedergehauen.
Zu Ostern 882 brennt Trier, dann das ganze reiche Moseltal. Um diese Zeit beruft Kaiser Karl einen Reichstag zu Worms, stellt ein riesiges Heer auf, zieht an der Spitze tausender fränkischer Ritter den Nordmännern entgegen, die sich inzwischen bis Asselt am Niederrhein zurückgezogen haben. Es ist Juli, Hochsommer, Hitze, Gewitter.
Bald wütet eine Seuche im fränkischen Heer und so beschließt Karl, die Schlacht nicht mehr zu wagen. Er verhandelt mit dem Feind. Dem Wikingerführer Gottfried, der bereit ist, sich taufen zu lassen, gibt er Friesland zum Lehen. Vermutlich, weil er hofft, der Däne werde als sein Vasall dänische Piraten an der Nordseeküste bekämpfen.
Doch als sich Gottfried mit rebellischen fränkischen Adeligen verbündet, lässt der Kaiser ihn drei Jahre später erschlagen. Siegfried zahlt er mehr als 2000 Pfund in Gold und Silber, damit er mit seinen Männern das Ostfrankenreich verlässt, Unmut regt sich unter den fränkischen Rittern, die nun tatenlos zusehen müssen, wie die Nordmänner ihre beuteschweren Schiffe Strom absteuern Über Karl den Dicken, dieser Herrscher ist Kaiser, nur dem Titel nach ist schwach, zaudernd und feige, Eine Erkenntnis, die auch den Wikingern nicht verborgen bleibt.
Aber welche Schlüsse zieht der Heerkönig Siegfried aus der Schwäche des Gegners? Das große Heer ist stumm, denn kein Chronist berichtet aus seinen Feldlagern. Und so umweht diesen gewaltigen Plünderungszug etwas Zielloses, ja Rätselhaftes. Das riesige Heer mit tausenden Frauen und Kindern im Tross raubt zwar eine Region nach der anderen aus und überwintert auch im Feindesland, zumeist geschützt in befestigten Lagern an einem großen Fluss.
Aber es lässt sich nie auf Dauer irgendwo nieder. Die Wikinger plündern, was beweglich ist, aber sie sind keine Eroberer, die sich ein Reich unterwerfen, anders als in England, wo die Skandinavier im Nordosten bereits eine Region namens Danelag beherrschen. Ist Eroberung nie ihr Ziel, oder fühlen sie sich allen Grausamkeiten zum Trotz doch zu schwach?
Glaubt Siegfried, dass die Franken letztlich übermächtig wären, wenn man ihnen bloß Zeit genug gäbe, ihre Abwehr zu organisieren? Wenn das so ist, dann sind die Wikinger ebenso sehr Getriebene wie ihre Opfer, immer umherziehend, immer auf der Suche nach der nächsten Region, die das vieltausendköpfige Monstrum ernähren kann für ein paar Wochen, immer zugleich auf der Flucht vor den Franken, falls deren Ritter doch einmal zusammenfinden.
Im Frühjahr 883 bedrängen die Wikinger die Stadt Arra und verheeren den Norden des Westfrankenreiches. Die Normannen, klagt ein Augenzeuge im folgenden Jahr, hörten nicht auf, das christliche Volk in Gefangenschaft zu schleppen und zu töten, die Kirchen zu zerstören, die Mauern niederzureißen und die Dörfer zu verbrennen.
Überall auf den Straßen lagen die Leichen von Geistlichen, Laien, hohen und niedrigen Standes, Weibern, Kindern und Säuglingen. Es schien, als sollte das Christenvolk bis zur Vernichtung ausgerottet werden. Am 25. Juli 885 schließlich brennt Rouen. Die Wikinger haben die Seine erreicht. Nun wenden sie sich Strom auf in Richtung Paris. Die Stadt an der Seine sei ein Paradies, schreibt ein Zeitgenosse.
Eine Übertreibung. Paris, das sind vielleicht ein paar hundert Häuser auf der Seine-Insel, umwald von einer antiken Mauer, sowie einige Kirchen, der Palast des Grafen im Westen des Eilandes und der Bischofssitz im Süden. Am Nordufer der Seine, mit der Insel verbunden durch die nur etwas mehr als sechs Meter breite Steine in der Brücke, den Pont-Major, stehen weitere Abteien und Gotteshäuser, dort leben Handwerker und Kaufleute, völlig ungeschützt.
Kein Wall, kein Graben umgibt diese Ansiedlung. Der hölzerne Pont Minot führt auf das Südufer zu Feldern und Gärten. Hier erhebt sich die berühmte Abtei Saint-Germain-des-Prés, in der bis zum Herannahen der Wikinger auch der junge Mönch Abu lebt. Jener Gottesmann, der zum Chronisten des Dramas wird, das sich nun entfaltet.
Denn eines unterscheidet Paris von den meisten Städten des Frankenreichs. Seine Bewohner können den gesamten Fluss sperren. Andere Ansiedlungen liegen zumeist nur an einem Ufer eines Stromes. Diese strategisch günstige Position bauen die Bewohner der Stadt seit mehr als zwei Jahrzehnten systematisch aus.
Denn bereits 845 haben Wikinger Paris überfallen und die Bewohner beraubt. So etwas soll nie wieder geschehen. Inzwischen sind die beiden Seenbrücken derart mit Brustwehren und Türmen gesichert, dass die Pariser nun in der Lage sind, den Verkehr auf der Seine zu kontrollieren. Von den Festungen aus kann jedes hölzerne Schiff, das mühsam gegen die Strömung bis an die Pfeiler gerudert wird, von oben zerstört werden, durch Pfeile, Feuer, hinabgeschleuderte Steine.
Dadurch, dass sie eine der wichtigsten Wasserstraßen ins Innere des Frankenreiches zu blockieren vermag, hat die Stadt eine überragende strategische Bedeutung errungen. Solange Paris nicht fällt, sind wohlhabende Regionen flussaufwärts vor den Nordmännern sicher. Zwei Große des Reiches verteidigen die Stadt gegen die Wikinger, unbeugsame Männer, zudem vermutlich getrieben von Rachedurst.
Graf Odo von Paris hat seinen Vater bei einem Raubzug der Nordmänner verloren. Und Bischof Josselin ist 880 bei Ghent, dem großen Heer der Wikinger, in die Hände gefallen und wurde erst nach Zahlung eines Lösegelds freigelassen. Wie viele Männer mit ihnen kämpfen, kann heute niemand mehr sagen. Es sind im besten Fall ein paar tausend Krieger, die sich den fremden Invasoren stellen, dazu die Einwohner der Stadt sowie Bauern und Mönche des Umlandes.
Sie alle suchen nun im Spätsommer 885 den Schutz der Mauern, die Landleute mit Vorräten und Vieh, die Geistlichen mit den Reliquien, die sie aus den Gotteshäusern mitbringen. Hastig bessern sie die antike Stadtmauer von Paris aus, bauen weiter am unvollendeten nördlichen Brückenturm, schmieden wohl auch Waffen, schaffen Pfeile, Steine, Pech heran.
Und in den letzten Novembertagen sehen sie die erste Feuersäule am westlichen Himmel. Riechen Rauch, nehmen verstörte Flüchtlinge auf, die sagen, was längst jeder ahnt. Die Nordmänner sind da. König Siegfried befähigt die Dänen vor Paris persönlich Nach zwei blutig abgeschlagenen Sturmangriffen und den hohen Worten ihrer Frauen lässt Siegfried am nördlichen Seenufer bei der von den Gottesmännern verlassenen Kirche Saint-Germain-Lossois ein Lager errichten Erdwelle, darauf hölzerne Palisaden.
In den folgenden Monaten ziehen dänische Reiter sengend und plündernd durch das Umland fast bis nach Reims. Wer sich jetzt noch nicht nach Paris gerettet hat, der muss mitten im Winter in die Wälder fliehen und niemand zählt, wie viele dort an Kälte oder Hunger elendiglich umkommen. Siegfried lässt Belagerungsgerät bauen. Frisch abgezogene Viehhäute spannen seine Krieger auf Holzrahmen und schaffen so hunderte große, leichte Schutzzelte, die jeweils drei bis vier heranstürmende Soldaten über den Häuptern tragen können und die sie vor Pfeilen und Feuer bewahren sollen.
Andere Kämpfer bauen im Freien, dicht vor der Stadt Widder zusammen, Eisen beschlagene, schwere Rammen, mit denen Mauern zerschmettert werden. Doch zerschmettert werden ausgerechnet jene zwei Dänen, die sich im Heer am besten auf den Bau derartiger Maschinen verstehen, denn die Verteidiger von Paris schaffen ein großes Katapult auf die Mauern.
Mit einem wohlgezielten Schuss fährt ein Geschoss auf den noch unvollendeten Widder nieder, zerstört die Maschine, zertrümmert ihren Baumeistern die Knochen. Es ist eine Schonfrist für die Pariser, mehr nicht. Am 31. Januar 886 läuten die Glocken der Stadt Sturm. Angriff. Steine und geschmolzenes Pech regnen auf die Befestigungen, die sich rot färben vom Blut.
Um die Rammen nah an die Mauern der Türme zu rollen, müssen die Wikinger zuvor Gräben füllen, die von den Verteidigern schon vor langer Zeit um die Brückenköpfe ausgehoben worden sind. Die Krieger kippen dort Erde und Laub hinein, Stroh, herausgerissene Weinstöcke, schließlich die Kadaver von Ochsen und Kühen.
Und ganz zuletzt, wie Abo überliefert, massakrierten sie die unglücklichen Gefangenen, die sie hatten, und warfen sie aufeinander und füllten damit die Gräben. Bischof Chosselin, mitten im Getümmel, spricht ein langes Gebet. Gesegnete Mutter unseres Erlösers. Dann schickt er mit Pfeil und Bogen eigenhändig einen Angreifer zur Hölle.
Kurz darauf zerren die Wikinger drei Boote mit Seilen den Fluss hinauf, gefüllt mit brennendem Material. Geschrieene Spottverse, fürchterlicher Lärm, weil die Krieger mit hohlen Händen auf ihre Schilde trommeln Feuer, Rauch Doch wenige Meter vor der hölzernen Brücke laufen die Boote auf Felsen in der Mitte der Seine auf Die Verteidiger können das Feuer von der Brücke aus löschen, kappen die Seile zum Ufer und zerren die wenig beschädigten Boote als Beute in die Stadt Wieder ermattet der Angriffsfuhrrohr Die Rammen, die Schutzzelte, die Brandboote, alles vergebens Zerschmettert sind die Geräte, niedergeschossen die Krieger, die sie bedient haben, Da schwillt in der Stille der Nacht, wie Abo notiert, plötzlich die Seen.
Hochwasser, ein Krachen und Bersten irgendwo in der Dunkelheit und am nächsten Morgen erkennen die entsetzten Verteidiger, dass das Mittelstück der hölzernen Brücke fortgeschwemmt ist. Was die Nordmänner in Wochen nicht erreicht haben, das schafft der Fluss in einer einzigen Nacht. Zwölf Unglückliche hielten im Turm am Südufer in jener Nacht Wache.
Nun sind sie allein und isoliert in der Festung. Hilflos sehen ihre Mitbürger zu, wie die Wikinger den Turm berennen, wie sie einen Karren mit trockenem Heu an dessen Mauer rollen, wie Flammen und Qualm auflodern. Kurz darauf werfen die Nordmänner zwölf Leichen in die Seine. Das Bollwerk ist aufgebrochen.
Zwar ist die Seine zwischen Insel und Südufer so schmal, dass Boote sie noch immer nicht gefahrlos passieren können, doch zumindest gehört den Angreifern nun das ganze Land jenseits des Flusses. Die Wikinger richten dort ein neues Lager ein, häufen Vorräte an. Die Verteidiger können jetzt keinen überraschenden Ausfall mehr wagen.
Und sollte Karl, der sich gerade in Regensburg aufhält und wenig später nach Italien reist, jemals ein riesiges Heer aufstellen und zur Entlastung von Paris anrücken, dann schützt die Seine, die die Wikinger mit ihren Schiffen beherrschen, nun ihr Lager. Fassungslos verfolgt der Mönch Abo, wie die Abtei Saint-Germain-des-Prés von den Heiden als Stall missbraucht wird, in den sie geraubte Rinder, Schweine und Schafe treiben.
Gott, immerhin, zirnt wenigstens diesem Frevel. Bald ist das Vieh, wimmelnd von Würmern, eine Seuche rafft die Tiere dahin. Der Winter wird zum Frühling. Die Belagerung dauert nun schon vier Monate an und sie ist nach wie vor brutal, zermürbend. Schließlich gelingt es Bischof Josselin, einen Boten ins Lager der Wikinger zu schicken oder vielleicht kommt umgekehrt ein wagemutiger, geschickter Mann von dort in die Stadt.
In jedem Fall schließt der Gottesmann nun ein Abkommen mit König Siegfried. 60 Pfund in Silber schafft der Bischof aus Paris hinaus. Mit diesem Tribut kauft er sich von Siegfried und dessen Anhängern frei, aber eben nur von ihnen. Im März oder April zieht Siegfried Strom abwärts Richtung Meer. Ihm folgen seine Männer, vielleicht einige hundert, vielleicht wenige tausend.
Ein schwerer Schlag für die Nordmänner, aber kein entscheidender. Denn noch immer gebieten im Lager ja mehrere Dutzend weitere Könige und Anführer über ihre Heerhaufen. und von denen lässt sich niemand kaufen. Deshalb bleibt das denen her stark genug, um die Pariser weiterhin in den Mauern ihrer Stadt einzuschließen.
Dort bricht nun Pestis aus, wie Abouk klagt. Eine Seuche, genaueres ist nicht bekannt. Bald fehlt es am Platz, um die Toten zu bestatten. Wahrscheinlich stirbt an dieser Krankheit am 16. April auch der bis dahin willensstärkste Verteidiger der Stadt, Bischof Schossler. Sommer. Am Montmartre, einem Berg am Nordufer der Seine, kommt es zu einem Scharmützel zwischen den Männern Graf Odos und den Angreifern.
Plünderungen. Not. Auf der Seine kentert das Langboot des Wikingerkönigs Sinric. Alle 50 Mann an Bord ertrinken. Ein fränkischer Graf gerät auf einem Erkundungsritt außerhalb von Paris in eine Fallgrube, die denen extra für den feindlichen Reiter hergerichtet haben. Er wird in dem Loch Elend niedergemacht.
Dann endlich. Am 24. Oktober 886, genau elf Monate nach Ankunft der Nordmänner, flattert ein Banner am Fuße des Montmartre. Blitzen Rüstungen, Schnauben, Pferde, Karl der Dicke ist da, an der Spitze eines mächtigen fränkischen Heeres. Doch was nun zur großen Schlacht werden müsste, der Kampf tausender Ritter gegen ebenso viele Wikinger um das Schicksal von Paris, gerät dem weichlichen Herrscher, wie so vieles andere in seinem Leben, zur Farce.
Karl, nervenleidend und von kaum erträglichen Kopfschmerzen gequält, steht am Nordufer der Seine und bringt der Stadt zum ersten Mal seit fast einem Jahr frische Vorräte. Die Nordmänner verschanzen sich im Lager auf dem Südufer. Dazwischen die Seine. Soll der Kaiser nun den Übergang erzwingen? Soll er sich den schrecklichen Fremden zur Entscheidung stellen, das große Heer ein für allemal vernichten, aber dabei möglicherweise selbst zugrunde gehen?«, Karl verhandelt lieber. Niemand überliefert, wie die Nordmänner auf das Angebot Karls reagieren, aber sie werden ihr Glück kaum fassen können, denn der Herrscher sichert ihnen zu, sie dürften nun unbehelligt genau das tun, was ihnen die Pariser elf Monate
lang so blutig verweigert haben, über die Seine hinaus noch tiefer ins Reich der Franken vorstoßen. Mehr noch, sie sollen im folgenden Frühjahr zudem noch die kolossale Summe von 700 Pfund Silber erhalten für die Versicherung, dass sie das Frankenreich verlassen werden. Eine unfassbare Schwäche des Kaisers? Hält Karl sich und sein Heer für so wenig Kampf stark, dass er die Feldschlacht nicht einmal wagt? Ist es Feigheit?
Fürchtet er um seine persönliche Sicherheit? Oder ist das Ganze vielmehr zynisches Kalkül, denn die Adeligen von Burgund verweigern dem Herrscher die Gefolgschaft? Öffnet Karl deshalb die Barriere Paris, damit die heidnischen Horden bis Burgund stürmen und dort die unbotmäßigen Großen züchtigen? Selbst Abo, der bei der Belagerung fast jeden Pfeilschuss präzise beschreibt, widmet diesem schmachvollen Ende des opferreichen Kampfes nur wenige auffallend nichtssagende Zeilen.
Sicher ist, dass Karl mit seinem nun demoralisierten, vielleicht schon kurz vor der Meuterei stehenden Heer wieder abzieht. Die Bürger von Paris rebellieren offen gegen ihn, Sie sperren noch immer ihre Brücke und den Brückenstumpf gegen die Drachenboote. Doch ohnmächtig müssen sie nun verfolgen, wie die Nordmänner ihre Flotte auf dem Südufer über das Land ziehen und jenseits der Stadt wieder in die Seen setzen.
Doch ohnmächtig müssen sie nun verfolgen, wie die Nordmänner ihre Flotte auf dem Südufer über das Land ziehen und jenseits der Stadt wieder in die Seen setzen. »Zuvor hätten die Invasoren so etwas niemals wagen können, denn irgendwann müssen sie auf dem gleichen Weg ja zurückkehren. Wieder hätten sie dann, diesmal mit kostbarer, schwerer Beute beladen, vor Paris festgesessen.
Nun aber sichert ihnen das Abkommen mit dem Kaiser den freien Rückweg zu.«, Spätestens Mitte November 886 verschwinden ihre Schiffe deshalb jenseits von Paris auf dem Strom wie ein böser Spuk. Und doch wird dieser Triumph für die Wikinger zur Wende. Zum Höhepunkt eines blutigen Plünderungszuges, aber auch zum Menethekel.
Zwar verwüsten sie im folgenden Jahr tatsächlich Burgund. Und als sie im Frühjahr 887 zurückkehren, fahren sie wie vereinbart ihre Schiffe wieder um Paris und erhalten die versprochene Menge Silber. Doch dann, vielleicht aus Verachtung für ihre fränkischen Gegner, vielleicht aus Disziplinlosigkeit und Beutegier, brechen sie ihr Abkommen mit Karl und versuchen erneut an Paris vorbei, flussaufwärts zu ziehen.
Ein Desaster. Rasch wollen sie mit ihren Booten an der Festung vorbeirudern. Doch ein einziger gezielter Pfeilschuss der Verteidiger tötet den Steuermann des vordersten Schiffes, woraufhin die gesamte Flotte beidreht. Sollen sich beide Seiten wieder zu einer zermürbenden Belagerung rüsten, diesmal fehlt den Nordmännern die Kraft.
Fehlt ihnen vielleicht auch die Geduld. Demütig bitten sie darum, ihre Schiffe passieren zu lassen. Zum Zeichen ihres guten Willens überstellen sie den Parisern mehrere Dutzend Geiseln. Die Verteidiger akzeptieren. Wahrscheinlich darüber erleichtert, einem weiteren Gemetzel entkommen zu sein. Aber nur unter der Bedingung, dass die Wikinger das an der Marren gelegene Hinterland verschonen. Sie haben aber nichts dagegen, dass die Nordmänner die weiter entfernten Regionen wie Burgund erneut heimsuchen.
Als die Dänen dann aber, trotz dieser Absprache von der Seine, in die Marren abbiegen und an deren Ufern Dörfer und Ländereien plündern, massakrieren die Pariser die Geiseln in ihren Mauern. Noch weitere zwei Jahre marodieren die Wikinger durch das Pariser Hinterland, erst dann ziehen sie sich zurück.
Fortan verkämpft sich das große Heer vor allem in den nördlichen Provinzen. 887 wohl schon fällt König Siegfried in Friesland. 891 erleiden nordische Truppen eine schwere Niederlage gegen fränkische Ritter. Im selben Jahr wütet zudem eine Hungersnot im gesamten Frankenreich, sicherlich auch verursacht durch die jahrelangen Raubzüge.
Niederlage und Hunger treiben die wenigen Überlebenden Dänen fort Ihre Flotte segelt nach England davon Die Heimsuchung hat endlich ein Ende Die Krieger lassen ein erschöpftes Reich zurück Sechs Bischöfe sind ihren Plünderungszügen allein im westfränkischen Reich zum Opfer gefallen Zudem zahllose Adelige und Bauern Dutzende Städte sind niedergebrannt Manche zerstörten Abteien und Dörfer werden niemals wieder aufgebaut.
Die gewaltigen Tribute, wahrscheinlich mehrere Tonnen Silber, sind in Millionen Pfennigen bezahlt worden. Weniger als 100 fränkische Silberpfennige wurden bis heute in Skandinavien gefunden. Der große Rest ist entweder zu Schmuck umgearbeitet worden oder ist immer noch verschollen. Der fränkische Herrscher Karl, der sich vor Paris so schändlich verhalten hat, wird 887 im Ostfrankenreich von rebellierenden Adeligen abgesetzt.
Als er kurz darauf stirbt, rufen die Edelmänner im Westfrankenreich Graf Odo von Paris zum neuen König aus. Er wird zum Stammvater der Kapetinger, einer neuen Dynastie. Doch einige Jahre später, als mit Karl dem Einfältigen wieder ein Karolinger regiert, kommen abermals Nordmänner zur Seine zurück und besetzen die Mündung des Flusses diesmal auf Dauer.
Die Eroberer werden zu Begründern eines neuen Fürstentums mitten in Europa, der Normandie. Vom epischen Kampf um Paris hat ein erstaunliches Zeugnis mehr als ein Jahrtausend überdauert der Bericht des Mönches Abo von Saint-Germain-des-Prés. Es ist wahrscheinlich das Original in Abos eigener Handschrift.
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Die nächste Folge von Verbrechen der Vergangenheit gibt es in zwei Wochen. Dann geht es in die Anfangszeit des NS-Regimes zurück, ins Frühjahr 1934, als Adolf Hitler einen beispiellosen Blutrausch gegen die SA, die Sturmabteilung der Nationalsozialisten, entfesselte. Wir rekonstruieren also, ihr ahnt es, die Mordaktion an Ernst Röhm und vielen anderen Figuren, die Hitler in diesem Frühjahr dringend loswerden wollte.
Macht's gut bis dahin. Tschüss.