
Wanderwach & Kaffee· Staffel 1· Folge 162
Short'n'Dirty - Julia wandert den Eder-Höhenweg
Montag, 2. November 2026 · 12 min
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Shownotes
„Wanderwach & Kaffee“ gibt es auch als Short'n'Dirty: Das sind kurze Episoden – entweder direkt von einem Trail oder vollgepackt mit Insider-Infos aus der Community über spannende Strecken.
Das Besondere? Wir nehmen dich mit auf Trails, die du perfekt in einem Urlaub oder während einer kleinen Auszeit vom Alltag erleben kannst.
In dieser Short'n'Dirty-Folge nimmt uns Julia mit auf den Eder-Höhenweg, den sie als Teil ihres Wandervorhabens “Weg der deutschen Einheit” läuft. Von der Ederquelle im Rothaargebirge geht es über das Waldecker Land bis ins Kurhessische Bergland nach Kassel. Julia teilt ihre Eindrücke, zeigt wie man Fernwanderwege individuell verbindet und gibt Tipps für die schönsten Teiletappen.
Viel Spaß beim Hören!
Mareike
Fakten-Check: Eder-Höhenweg
Länge & Höhenmeter: 234 km | ca. 6000 HM im Aufstieg
Dauer: 5–7 Tage (je nach Etappeneinteilung)
Verlauf: startet an der Ederquelle im Rothaargebirge, führt entlang der Eder über den Edersee bis nach Kassel
Schwierigkeit: mittel (Wald- und Feldwege, naturnahe Pfade, moderates Auf und Ab)
Unterkünfte & Wasser: Pensionen, Hotels, Campingplätze (z. B. am Edersee) sowie Schutzhütten entlang der Strecke; Wasserversorgung über Ortschaften und Einkehrmöglichkeiten gut machbar
Markierung: größtenteils gut markiert durch das Schild des Eder-Höhenwegs (weißes „E“ auf blauem Grund), an Schnittstellen zu alten WdDE-Abschnitten empfiehlt sich die Orientierung per GPS / Karte
Julia schreibt regelmäßig über ihre Wanderungen (juliawandert.de)
Mehr zum Eder-Höhenweg (wildganz.com/fernwanderweg/ederhoehenweg)
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Hier kommt eine neue Short and Dirty Ausgabe. Das sind kurze Nachrichten, entweder direkt von einem Trail oder Infos aus der Community über eine interessante Mehrtageswanderung. Erinnert ihr euch an Julia aus Baden-Württemberg? Sie hat im Ich glaube im März in einem Short Dirty davon berichtet, wie sie den Weg der deutschen Einheit von Görlitz nach Aachen oder von Aachen nach Görlitz in Abschnitten gehen möchte.
And she had schon im Frühjahr vom ersten erwanderten Abschnitt erzählt. Yeah, and Julia hat sich wieder bei mir gemeldet und hat mir Nachrichten geschickt, and heute geht es weiter. Julia erzählt vom nächsten Abschnitt, dem Eda-Höhnweg. Ja, ihr hört schon, selbst wenn man kein Interesse am Weg der deutschen Einheit hat, also im Sinne von, dass man ihnen in einem Stück gehen möchte als True-Hike, sind vielleicht auch einzelne Abschnitte total interessant.
Denn der Weg setzt sich nämlich zusammen aus verschiedenen, ja, mehr oder weniger kurzen, längeren Fernwanderwegen, Weitwanderwegen oder überhaupt markierten, ausgeschütteten Wegen, die es sowieso in Deutschland gibt. Ja, und genau diese einzelnen Abschnitte, die stellt Julia unregelmäßig in diesem Format hier vor.
Heute tauchen wir tief in die Regionen vom Rothaargebirge übers Waldecker Land hinein, ins kurhessische Land bis nach Kassel ein. Und ich warne ein wenig vor, wer sich in der Region nicht gut auskennt. Es lohnt sich, eine Karte vor Augen zu haben oder aufzuschlagen, wenn man die Folge hört, um einfach die Verläufe viel besser nachvollziehen zu können.
Ich meine, Julia kennt sich in der Region aus wie in ihrer Westentasche und nennt viele Ortsnamen, die man, wie gesagt, wenn man sich in der Region nicht auskennt, vielleicht erstmal nicht ganz so gut verorten kann. Ich jedenfalls musste unbedingt eine Karte dabei haben, um zu schauen, wovon Julia gerade redet und wo sie gerade unterwegs ist.
Aber nichtsdestotrotz, ich wünsche euch ganz, ganz viel Spaß beim Hören und natürlich willkommen zurück im Podcast, liebe Julia.
Liebe Mareike, liebe Wanderwachen und Kaffeekommunity. Im März durfte ich euch in diesem Podcast vom ersten Teil meiner Wanderung auf dem Weg der deutschen Einheit berichten. Und heute und in der kommenden Folge nehme ich euch auf die nächsten rund 450 Wanderkilometer mit. Ich bin Julia aus Stuttgart und auf www.juliavander.de findet ihr noch mehr Berichte von meinen Wanderungen.
Zunächst ein kurzer Rückblick. Was ist der Weg der deutschen Einheit und wo war ich im ersten Teil unterwegs? Der Weg der deutschen Einheit oder WDE führt auf der kürzesten Wanderstrecke von Görlitz nach Aachen und wurde im Zuge der deutschen Wiedervereinigung als ideeller, also nicht ausgeschilderter Wanderweg entwickelt.
Auf Wanderkarten ist er meines Wissens eingezeichnet. Der Weg verläuft abschnittsweise auf bestehenden Fernwanderwegen, nutzt aber auch Teile von markierten Hauptwanderwegen der jeweiligen Wandervereine. Nach gut 35 Jahren sind inzwischen hier und da einige Abschnitte dieser Wege aus der Markierung genommen worden, sodass ich nicht komplett auf der Originalroute, sondern auf einer eigenen und bewusst viel längeren Variante unterwegs bin.
Im letzten Jahr habe ich den Weg der deutschen Einheit in der Mitte, dort wo Deutschland geteilt war, begonnen und arbeite mich nun weiter nach Westen bzw. Osten vor. Im mittleren Abschnitt verläuft der WDE auf dem Rennsteig, auf Teilen des Werra Burgensteigs und des Barbarossa Weges. Mehr darüber könnt ihr gerne in der ersten Folge zum WDE nachhören.
Dieses Jahr war nun der weitere Weg nach Westen bis zum Rhein in der Planung. Hier habe ich wirklich lange hin und her überlegt, wo genau ich denn wandern möchte. Der WDE schwenkt nämlich vom gut ausgeschilderten Barbarossa Weg auf das Hauptwanderwegenetz des Sauerländischen Gebirgsvereins ein, das im Zuge der Entwicklung von neuen Qualitätswanderwegen, wie zum Beispiel dem Rothaarsteig, teilweise aufgegeben wird.
Wobei es mit Abstrichen immer noch möglich ist, der Originalroute zu folgen. Die Frage ist eher, ob es nicht deutlich attraktiver ist, einen der neuen Qualitätswanderwege zu nehmen. Am ersten entspricht der 2008 eröffnete Sauerlandhöhenflug dem Wegeverlauf des WDE. Vom Endpunkt Mainer Zhagen muss man dann allerdings einige Kilometer frei planen, um zum Bergischen Weg und dann an den Rhein nach Bonn bzw.
Bad Godesberg und zurück zum WDE zu kommen. Das ist sicher auch eine interessante, sehr gut markierte Wegealternative. Aber da an einigen Stellen im Sauerland nach wie vor massive Borkenkäferschäden den Landschaftseindruck dominieren, habe ich mich letztendlich für eine weiter südlich verlaufende Variante entschieden.
Wobei ich natürlich nicht sagen kann, wie schlimm der Zustand auf dem Sauerland-Höhenflug oder der Originalroute tatsächlich gewesen wäre. Und in einigen Jahren ist wahrscheinlich wortwörtlich wieder Gras über die Sache gewachsen. Am Ende aller Überlegungen stand dann für mich fest, ich nehme den Eder-Höhenweg und den Natursteig Sieg.
Der Eder-Höhenweg streift in westlicher Richtung ab der Landeskrone bei Felsberg, schon hier und da den Barbarossa-Weg und somit den WDE. In Eder-Bringhausen trennen sich die Routen dann endgültig. Barbarossa Weg und WDE nehmen die Strecke über das Orketal und hinein ins Sauerland. Der Eder-Höhenweg folgt natürlich weiter der Eder.
Ich wollte nicht nur das verbleibende Teilstück gehen, also von Ederbringhausen bis zum Ursprung der Eder, sondern den gesamten rund 210 Kilometer langen Weg von der Quelle bis nach Kassel. Zwischen Ederquelle und Siegquelle liegen nur wenige Kilometer, sodass sich der Natursteigsieg als natürliche Fortsetzung zum Rhein geradezu anbietet.
Über den Natursteig werde ich euch in der nächsten Folge berichten. Im Februar dieses Jahres war ich an der Eder zwischen Hatzfeld und Kassel unterwegs. Im Mai folgte dann die fehlende Strecke von Hatzfeld bis zur Ederquelle und im Anschluss daran der Natursteig. Der Eder-Höhenweg existiert seit den 1980er Jahren und führt durch Siegerland, Wittgensteiner Land, Waldecker Land und das kurhessische Bergland.
Er verläuft meist auf breiten Forstwegen. Nur am Edersee wird es eine Spur wilder. Da der Weg über die Hänge oberhalb des Flusses geführt wird und immer wieder den Fluss kreuzt, kommen einige Höhenmeter zusammen. Am attraktivsten ist sicher der Abschnitt durch den Nationalpark Kellerwald-Edersee, durch alte Buchenurwälder mit schönen Aussichten von den steilen Hängen und auf schmalen Faden.
Auch die Strecke von der Quelle bis zum Edersee fand ich sehr attraktiv. Und ich finde es total schön mitzuverfolgen, wie aus Ambrinnsaal ein stattlicher Fluss wird. Tatsächlich war die Eder im Februar überaus stattlich, denn sie hatte zwischen Afeld und Edersee die Uferwiesen großflächig überschwemmt.
Und ich musste teilweise auf den Radweg ausweichen, weil der Wanderweg und einige Fußgängerbrücken nicht passierbar waren. Im spätwinterlichen Nebel sah die Landschaft dadurch aber ganz mystisch und malerisch aus und hat mir sehr gut gefallen. Anfang Mai ergab sich dann ein ganz anderes Bild mit vielen blühenden Wiesen und einem sattgrünen Blätterdach in den Wäldern.
Der Eder-Höhenweg ist sehr gut an den ÖPNV angebunden, sodass man auch mehrere Tage an einem Ort wohnen kann. Ich bin ja nicht mit dem Zelt unterwegs und von dort mit Bus oder Bahn zum Etappenbeginn fahren kann. Sogar die Quellen von Eder und Sieg kann man relativ gut per Bus von Siegen oder Bad Laasver aus erreichen.
Im Sieger und im Wittgensteiner Land erfährt man unterwegs einiges zum Schieferbergbau in der Region, der auch das Aussehen der Orte geprägt hat. Noch heute sieht man viele kunstvoll mit Schieferplatten verzierte Häuser in den historischen Ortskernen. In Bad Berleburg habe ich sogar selbst in einem solchen Haus gewohnt.
In Raumland und Afeld und weiteren Orten am Weg sind sogenannte südwestfälische Hallenkirchen aus dem 12. und 13. Jahrhundert erhalten geblieben. Sie sind wirklich sehenswert, die solltet ihr unbedingt besichtigen, wenn ihr dort vorbeikommt. Es lohnt sich auch, etwas Zeit in den Altstätten von Battenberg, Frankenberg-Eder oder Fritzlar zu verbringen.
In Frankenberg steht zum Beispiel das einmalige zehntürmige Rathaus aus dem frühen 16. Jahrhundert. Und in den Bergräumen der Firma Tournee kann man sich in einer kleinen Ausstellung über die Firmengeschichte informieren. Die Altstadt von Fritzlar mit dem St. Petri-Dom ist ebenfalls sehr sehenswert. Im weiteren Verlauf des Eder-Höhenwegs lohnen Abstecher zur Felsburg und auf den Heiligen Berg mit der Landeskrone.
Beides sind markante Burgruinen. Von ihnen habt ihr einen großartigen Ausblick ins kurhessische Bergland. Von der Quelle bis zur Staumauer in Hemfurt am Edersee war der Wegeverlauf meiner Meinung nach sehr vielfältig und schön. Danach nimmt die Qualität immer mehr ab. Stellenweise werden dann die Wege nicht mehr gepflegt und sind verwildert und zugewachsen.
Das war vor allem im Abschnitt zwischen der Landeskrone und Ellenberg der Fall, wo ich teils kilometerlang auf der Straße gelaufen bin, weil der Wald so zugewachsen war. Im Dunstkreis von Kassel wird es dann freundlich formuliert, sehr urban und wandern macht hier wenig Spaß. Die Eder mündet kurz vor Kassel in die Fulda und der offizielle Eder-Höhenweg folgt ihr bis ins Zentrum hinein.
Spätestens ab Baunatal-Rengershausen, nach einem letzten Stück entlang des Randwegs, entlang des Radwegs an der Fulda, sollte man den Eder-Höhenweg beenden. Danach stehen mehrere Autobahnunterquerungen, Gewerbegebiete und laute Straßen auf dem Programm, bis man endlich wieder eine Parkanlage erreicht.
Und bedauerlicherweise führt meines Wissens kein Wanderweg direkt zur Edermündung. Das Umfeld ist gewerblich geprägt. Den einzigen Blick auf die Mündung erhascht man vom Segelflughafen Edermünde Grifte aus. Aber auch den gibt es nur, wenn das Wäldchen vor der Aussicht keine Blätter trägt. Das war mir glücklicherweise im Februar vergönnt, aber spektakulär ist etwas anderes.
Mein Fazit. Bis zur Staumauer am Edersee-Lunder Ederhöhenweg auf jeden Fall. Wenn noch weitere Wandertage dranhängen möchte, kann bis Fritzlar, bis Felsburg-Gänzungen oder, wenn es denn sein muss, noch bis zur Mündung weiterlaufen. Aber bitte geht nicht bis zum offiziellen Ende. Als wandertechnisch attraktive Alternative böhlt es sich an, am Edersee auf den Urwaldsteig zu wechseln und dann über den Habigswaldsteig nach Kassel zu wandern.
Dann kann man auf der vorletzten Etappe den Bergpark Wilhelmshöhe besuchen, immerhin ein UNESCO-Welterbe. An meinem letzten Wandertag auf dem Ederhöhenweg bin ich zur Ederquelle gewandert und dann gleich weiter zur Siegquelle. Ein Short and Dirty sollte ja nicht zu lang sein, also lasse ich euch nun gedanklich auf dem Kamm des Rothaargebirges zurück und vertrößte euch auf Teil 3 und den Naturstreik Sieg.
Bis dahin, keep on tracking, eure Julia.
Ja, ich finde, das ist mal wieder ein tolles Beispiel dafür, dass man an vielen Orten ein total breit aufgestelltes und gut ausgeschildertes Wanderwegenetz hat und man letztendlich mehr oder weniger von überall nicht nur einfach loslaufen, sondern verschiedene Wege in Deutschland auch miteinander verbinden kann.
Ja, den nächsten Abschnitt, kleiner Teaser hier an dieser Stelle, den hat mir Julia auch schon geschickt und er wird demnächst erscheinen. Ja, und hast auch du eine Mehrtageswanderung gemacht, die du gern mit einer etwa 10 bis 15 minutigen Nachricht hier vorstellen möchtest, dann melde dich gern bei mir.
Kontaktinfos etc. findest du wie immer in den Shownotes. So, für heute soll es das gewesen sein. Ich sag erstmal tschüss, passt gut auf euch auf und wie immer happy trails, eure Mareike