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Wieder was gelernt - der ntv-Podcast

Frauenärzte warnen: Millionen Termine könnten wegfallen

Mittwoch, 7. Oktober 2026 · 8 min

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Schwangere könnten ab nächstem Jahr schwieriger Termine beim Gynäkologen bekommen. Mit der Gesundheitsreform wird in Frauenarztpraxen gespart. Auch Termine für die Krebsvorsorge könnten dann rar werden. Frauenarzt Markus Haist warnt im Podcast "Wieder was gelernt" vor Engpässen. Patientinnen müssten mit längeren Wartezeiten rechnen. Der GKV-Spitzenverband widerspricht.

Gast: Markus Haist (de.linkedin.com/in/markus-haist-0b748561), Präsident des Berufsverbands der Frauenärztinnen und Frauenärzte e.V. (BVF) und Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe in Pforzheim

Text und Moderation: Caroline Amme (n-tv.de/20654570)
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Schwangere könnten ab nächstem Jahr schwieriger Termine beim Gynäkologen bekommen. Mit der Gesundheitsreform wird in Frauenarztpraxen gespart. Auch Termine für die Krebsvorsorge könnten dann rar werden. Frauenarzt Markus Heist warnt im Podcast vor Engpässen, Patientinnen müssten mit längeren Wartezeiten rechnen. Der Krankenkassenspitzenverband widerspricht.

Darum geht's in dieser Folge des NTV-Podcasts Wieder was gelernt. Unseren Podcast finden Sie auf allen Podcast-Plattformen und in der NTV-App. Abonnieren Sie wieder was gelernt gern, dann bekommen Sie eine Nachricht, wenn eine neue Folge online ist. Ich bin Caroline Amme, hallo und willkommen. Der Vorsorgetermin in der Frauenarztpraxis ist selbstverständlich.

Schon jetzt ist es nicht leicht, einen Termin für die Routineuntersuchung zu bekommen. Und das wird höchstwahrscheinlich in Zukunft noch schwieriger. Hintergrund ist die Gesundheitsreform, das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz. Mit diesem Sparpaket will die Bundesregierung die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen bremsen und die Beiträge stabilisieren.

Das bedeutet für Arztpraxen, sie bekommen weniger Geld. Im nächsten Jahr sollen in der ambulanten Versorgung rund drei Milliarden Euro eingespart werden. Das sind umgerechnet 46 Millionen Termine, die gestrichen werden, sagt die Kassenärztliche Bundesvereinigung. Ab 2030 soll der Sparbetrag auf rund fünf Milliarden Euro jährlich steigen.

Für jede Frauenarztpraxis bedeutet das 2027 knapp 8000 Euro weniger, hat das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung ausgerechnet. Die Folge, pro Jahr könnten deutschlandweit bis zu 3,5 Millionen kurzfristige Termine bei Frauenärztinnen und Frauenärzten wegfallen, hat uns Markus Heist gesagt.

Er ist Präsident des Berufsverbands der Frauenärztinnen und Frauenärzte. Wir erwarten, dass sich der wirtschaftliche Druck auf die Praxen und auf die verfügbaren Versorgungskapazitäten natürlich auswirken wird. Es kann, das ist unsere Mutmaßung, längere Wartezeiten und weniger kurzfristige Termine geben und weniger Spielraum bei der Aufnahme zusätzlicher Patientinnen.

Das ist, glaube ich, das Hauptproblem, dass dann auftreten wird, also die Aufnahme neuer Patientinnen für die Praxen. Wie sich der Effekt dann tatsächlich darstellt und mir ausfällt, lässt sich heute, wenn wir ganz seriös das machen möchten, noch nicht konkret beziffern. Bisher haben Frauenärzte bestimmte Behandlungen extra bezahlt bekommen und zu 100 Prozent.

Künftig sind sie aber gedeckelt. Das trifft vor allem die Krebsfrüherkennungsuntersuchungen für Frauen und die regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen von Schwangeren. Diese präventiven Behandlungen sollen künftig aber nicht mehr separat berechnet werden, sondern sie fallen mit in das gesamte Praxisbudget.

Aus diesem großen Topf werden alle Behandlungen bezahlt. Ist der Topf am Quartalsende leer, können die Praxen die präventiven Untersuchungen nicht mehr bei den Krankenkassen abrechnen. Im schlimmsten Fall also keine Kassenpatienten mehr behandeln. Die Präventionsleistung, die Schwangerenvorsorge und die Früherkennungsuntersuchungen und die Impfung und so weiter und auch ambulante Operationen, also besonders förderungswürdige Leistungen, die waren außerhalb dieser ganzen Geschichte.

Die sind vollumfänglich finanziert worden und die fallen jetzt in der neuen Gesetzesregelung eben auch in den Topf rein. Das heißt, im gesamten Topf ist ein bisschen mehr Geld drin, letztendlich, aber es sind alle die Leistungen drin, die früher auch schon außerhalb des Topfes waren. Das heißt, wir wissen gar nicht, wie viel Geld wir letztendlich dann zur Verfügung haben.

Weil bisher konnten sie jede Schwangere und jede Früherkennungsuntersuchung der Praxis mit aufnehmen quasi, weil sie wussten, das Geld wird ihnen zur Verfügung gestellt, wenn sie die Patienten betreuen. Jetzt wird es so sein, dass Sie gucken müssen, wie sieht mein Volumen aus, das zur Verfügung steht. Die Gynäkologinnen und Gynäkologen haben ab nächstem Jahr ein begrenztes Budget.

Sie dürfen nur eine bestimmte Zahl an Patientinnen versorgen, maximal so viele, wie sie 2025 hatten, sagt Markus Heist. Alles darüber hinaus bekommen sie nicht bezahlt. Deshalb wird Markus Heist in seiner Frauenarztpraxis in Pforzheim in Zukunft strenger planen, um das Budget nicht zu überschreiten. Als selbstständiger Unternehmer müsse er Miete, Personalkosten und Versicherung zahlen.

Konkret heißt das, die Patientintermine werden in den kommenden Monaten nicht mehr so dicht hintereinander liegen, damit er und seine Kollegin noch Zeit haben für dringende Fälle und Notfälle. Und die Praxis werde priorisieren. Patientinnen mit weniger dringlichen Anliegen werden dann nicht mehr so leicht einen Termin machen können.

Bei uns wird es so sein, dass schwangere und onkologische Patienten immer einen Termin kriegen werden. Weil eine Schwangerschaft kann ich mir nicht raussuchen, wann die kommt. Die ist dann halt einfach mal entstanden und dann muss man die Frau auch versorgen. Und onkologische Patienten oder ältere Patienten mit einer urogynäkologischen Problematik, also einer Harnenkontinenzproblematik, die sie massiv belastet oder anatomisch beeinträchtigt, da muss man natürlich Termine geben.

Das steht ja außer Frage. Ich muss aber keine Termine geben für Patientinnen, die viele Dinge das dritte, vierte oder fünfte Mal abgeklärt oder überprüft oder hinterfragt haben wollen. Wir haben eine hohe... Rate an wenig dringlichen Dingen, die in den Praxen bei uns aufschlagen und die Zeitressourcen beanspruchen.

Aber wir werden auch stark darauf achten, dass Patientinnen, die bereits in der frauenärztlichen Betreuung sind, nicht so ganz leicht mehr die Praxen wechseln können. Der Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte fordert in einer Petition an den Bundestag, die Gesundheitsreform zu ändern. Die ambulante frauenärztliche Versorgung müsse weiterhin abgesichert sein, heißt es da.

Patientinnen müssten auch in Zukunft Termine zur Krebsfrüherkennung, Schwangerenvorsorge und zur Abklärung gynäkologischer Beschwerden bekommen, so die Forderung. Der Verband der Krankenkassen in Deutschland, der GKV-Spitzenverband, widerspricht. Die bisherige Vergütung für die Schwangerschaftsvorsorge werde nicht gestrichen.

Für Früherkennungs- und Vorsorgeuntersuchungen werde 2027 nicht weniger Geld zur Verfügung stehen, berichtet die Tagesschau. Auf unsere Anfrage hat der GKV-Spitzenverband nicht reagiert. Dem MDR hat GKV-Sprecher Florian Lanz gesagt, die Ärzte bekommen weiterhin jährlich mehr Honorar. Ich habe kein Verständnis dafür, dass immer wieder Organisationen der Ärzteschaft so tun, als ob den Versicherten, also den Patientinnen und Patienten, etwas weggenommen werden würde. Mit diesem Gesetz sollen zwei Dinge passieren.

Erstens, die Versorgung soll auf einem qualitativ hochwertigen Niveau erhalten bleiben. Und zweitens, sie soll auch langfristig bezahlbar bleiben. Dazu geschieht Folgendes. Ärzte bekommen auch weiterhin Honorarsteigerungen, aber eben nicht mehr so krass wie in der Vergangenheit. Wer hier anderes behauptet und damit Stimmung macht, der verunsichert ohne Not die Patientinnen und Patienten.

Der betreibt Lobbypolitik auf dem Rücken von kranken Menschen. Auch Kinder- und Hausärzte warnen vor drastischen Einschnitten bei der Vorsorge wegen der Gesundheitsreform. Wichtige Untersuchungen für Kinder seien gefährdet, wie Impfungen und U-Untersuchungen. Diese Kürzungen in den Kinder- und Hausarztpraxen sind nun anscheinend wieder vom Tisch, berichtet die Berliner Morgenpost.

Das hoffen nun auch die Frauenärzte und Frauenärztinnen. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung will versuchen, die Früherkennung von der Deckelung auszunehmen. Das war der NTV-Podcast Wieder was gelernt mit einer Folge zu den möglichen Engpässen in den Frauenarztpraxen ab dem kommenden Jahr. Wenn Ihnen die Folge gefallen hat, freuen wir uns über 5 Sterne bei Spotify oder bei Apple Podcasts.

Ich bin Caroline Amme, bedanke mich fürs Zuhören, bis zum nächsten Mal.

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