
Wieder was gelernt - der ntv-Podcast
Ein Urlaubsparadies wird zur Drehscheibe für russische Schattentransporte
Montag, 21. September 2026 · 6 min
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Jedes Jahr fliegen Hunderttausende Touristen auf die Malediven - doch der Tropen-Staat scheint mehr zu sein als ein Urlaubsziel: Der Flughafen des Landes ist zum Umschlagplatz für sanktionierte Waren nach Richtung Russland geworden, berichtet das "Wall Street Journal".
Moderation: Kevin Schulte (x.com/SchulteKev)
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Jedes Jahr fliegen hunderttausende Touristen auf die Malediven. Doch der Tropenstaat scheint mehr zu sein als ein Urlaubsziel. Der Flughafen des Landes ist zum Umschlagplatz geworden für sanktionierte Waren Richtung Russland, berichtet das Wall Street Journal. Darum geht es jetzt hier im Podcast Wieder was gelernt von NTV.
Sie finden diese und alle anderen Folgen auf ntv.de und in der NTV-App bei RTL Plus und auf allen anderen bekannten Podcast-Plattformen. Ich bin Kevin Schulte, hallo. Kristallklares, türkisfarbenes Wasser, weiße Sandstrände, luxuriöse Hotelanlagen. Über zwei Millionen Touristen verbringen jedes Jahr ihren Urlaub auf den Malediven.
Darunter etwa 100.000 Deutsche. Die Inselgruppe im Indischen Ozean hat sich zu einem der beliebtesten Reiseziele weltweit entwickelt. Doch das kleine Land mit seinen etwa 200 bewohnten Inseln ist nicht nur für deutsche Luxusurlauber attraktiv, sondern hat inzwischen auch eine Nebenrolle im Krieg zwischen Russland und der Ukraine.
Das Inselparadies dient Russland als geheimer Knotenpunkt für die Umgehung von Sanktionen, titelt etwa das Wall Street Journal. Der Flughafen in der Hauptstadt Malé habe sich zu einem Umschlagplatz für sanktionierte Güter entwickelt, schreibt die US-Zeitung. Am Vellana International Airport würden sanktionierte Waren im Wert von mehreren hundert Millionen Dollar umgeschlagen.
Dabei handele es sich vor allem um Dual-Use-Güter. Das sind Waren, die sowohl für den zivilen als auch für den militärischen Bereich genutzt werden können. Flugzeugteile, Mikrochips, optische Instrumente, aber auch Nieten und Bolzen sowie andere sanktionierte Waren türmen sich in den Frachträumen des Flughafens auf, berichtet das Wall Street Journal.
Die amerikanische Zeitung hat Luftfracht, Dokumente, Frachtverzeichnisse und E-Mails zwischen Logistikfirmen ausgewertet. Diese Schattentransporte funktionieren so. Westliche und chinesische Unternehmen verkaufen ihre Produkte offiziell an Zwischenhändler in Drittstaaten. Die Waren werden dann nach Malay geflogen, werden dort aber offiziell nicht als Importe gelistet, sondern als Transitfracht angemeldet.
Stattdessen warten am Boden lokale Logistikfirmen und stellen neue Frachtpapiere aus. In den neuen Papieren tauchen dann keine Hinweise auf den Verkäufer der Produkte mehr auf. Die Transitfracht wird in russische Linienflieger umgeladen. Jeden Tag landen zwei Aeroflot-Passagiermaschinen auf dem internationalen Flughafen der Malediven.
Nach ein paar Stunden Aufenthalt in der maledivischen Sonne fliegen sie zurück nach Moskau, nicht nur mit russischen Touristen an Bord. In Russland werden die Waren aus den Maschinen geladen, ohne sichtbare Verbindung zu den Lieferanten. Auf den Malediven sei so ein Netzwerk lokaler Firmen entstanden, dass Russland dabei hilft, Sanktionen zu umgehen, berichtet das Wall Street Journal.
Konkret genannt werden im Artikel zwei Logistikunternehmen, Freightcare und Go-Investment. Der Chef von Freightcare bestätigt der ukrainischen Zeitung KiewPost, dass seine Firma auf den Malediven russische Transitgüter umlädt. Aber von Waren für militärische Zwecke weiß er laut eigener Aussage nichts.
Laut den offiziellen Zolldaten der Malediven bewegen sich die Exporte aus dem Inselparadies Richtung Russland genull. Dort stehen lediglich Thunfisch im Wert von umgerechnet 2000 Dollar und Flyer und Broschüren in Höhe von 22 Euro im gesamten Zeitraum von 2022 bis 2025. Das amerikanische Forschungsunternehmen Import Genius kommt dagegen auf ganz andere Zahlen.
Gemäß russischer Handelsdaten lagen die Importe demnach im Jahr 2022 bei einem Gesamtwert von umgerechnet rund 580 Millionen Euro. Ein Riesenanstieg. 2021 waren es noch weniger als 7 Millionen Euro. Ausgerechnet im Jahr des Überfalls auf die Ukraine sind die Importe demnach also in die Höhe geschossen.
2024 waren es laut Import Genius noch knapp unter 150 Millionen Euro. Aber Russland hat vor zwei Jahren auch begonnen, seine Handelsdaten nicht mehr wie bisher zu veröffentlichen. Die wichtigsten Umschlagplätze für sanktionierte russische Waren sind China, die Türkei und die Vereinigten Arabischen Emirate.
Hier werden Jahr für Jahr schätzungsweise sanktionierte Güter in Höhe von 15 Milliarden US-Dollar weitergeleitet. Die Malediven sind beim Blick auf diese Zahlen dann natürlich immer noch ein vergleichweise kleines Licht. Trotzdem zeige der Umschlagplatz auf dem Flughafen von Malé, wie weitreichend Russlands Bemühungen sind, westliche Restriktionen zu unterlaufen, analysiert das Wall Street Journal.
Moskau findet immer neue Wege, die Sanktionen zu untergraben. Es ist ein ständiges Katz- und Mausspiel zwischen dem Westen und Russland. Für Russland sind die Malediven auch wichtig als Urlaubsziel. Den Russen sind nicht so viele Orte geblieben, wo sie ihre Ferien verbringen können. Auf die Tropeninsel können sie sogar visumfrei reisen. Russen sind nach Chinesen die zweitgrößte Gruppe an Urlaubern auf den Malediven.
Sie bringen also viel Geld in den asiatischen Inselstaat. Das wiederum macht die Malediven gewissermaßen erpressbar. Diplomatische Spannungen mit Russland wären eine Bedrohung für die Wirtschaft der Malediven, so das Wall Street Journal in der Analyse. Anders ausgedrückt, die maledivische Wirtschaft hängt am Tropf des Tourismus.
Der Tourismus spült fast ein Drittel, rund 28 Prozent des gesamten Bruttoinlandsprodukts und über 90 Prozent aller Steuer- und Zolleinnahmen in die Staatskasse. Mittlerweile hat sich aber auch ein zweiter Wirtschaftszweig etabliert. Und zwar profitieren die Malediven von einem regelrechten Handelsboom.
Die Maldives Airports Company, also die Flughafengesellschaft, hat sich zum profitabelsten Staatsunternehmen der Malediven entwickelt. Es betreibt den Flughafen in der Hauptstadt Malé und kassiert Abfertigungs- und Handelsgebühren für Luftfracht. Je mehr Transitfracht nach Russland umgeschlagen wird, desto besser für die maledivische Staatskasse.
Die Malediven sind klein, aber wichtig. Hier sieht man, wie kreativ Russland inzwischen geworden ist, um Sanktionen zu umgehen. Das Drehkreuz kann man schwer schließen in Staaten, die wirtschaftlich so verwundbar sind. Das war wieder was gelernt. Wenn es Ihnen gefallen hat, dann lassen Sie gerne ein Abo da und Sie verpassen in Zukunft keine Folge mehr.
Ich bin Kevin Schulte, sage Danke, Tschüss und bis zum nächsten Mal.