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Die Ukraine könnte Putins LNG-Exporte stoppen - doch Europa steht im Weg
Samstag, 5. September 2026 · 11 min
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Im Sommer verwandelt die Ukraine Russlands wichtigste Geldquelle in eine strategische Schwachstelle: das Ölgeschäft. Sie greift Raffinerien, Öltanker und Pumpstationen an. Der Kreml verliert wichtige Einnahmen. Selbst in Moskau wird das Benzin knapp.
Dasselbe könnte die Ukraine mit russischen LNG-Lieferungen machen. 15 Flüssiggas-Tanker halten Russlands LNG-Export am Laufen. Das wichtigste Terminal im hohen Norden kommt allmählich in Reichweite ukrainischer Drohnen. Doch es gibt ein Problem: Europa.
Moderation? Christian Herrmann (n-tv.de/autoren/Christian-Herrmann-article2158…)
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Im Sommer verwandelt die Ukraine Russlands wichtigste Geldquelle in eine strategische Schwachstelle. Sie greift Raffinerien, Öltanker und Pumpstationen mit Drohnen an. Der Kreml verliert wichtige Einnahmen. Selbst in Moskau wird auf einmal das Benzin knapp. Dasselbe könnte die Ukraine mit russischen Flüssiggaslieferungen machen.
Das wichtigste Terminal im hohen Norden kommt allmählich in Reichweite ukrainischer Drohnen. Doch es gibt ein Problem. Europa. Darum geht es in dieser Folge von Wieder was gelernt. Abonnieren Sie den Podcast gerne überall, wo es Podcasts gibt. Und wenn Sie Wieder was gelernt unterstützen möchten, freuen wir uns immer über eine Bewertung bei Apple Podcasts oder Spotify.
Ich bin Christian Herrmann. Hallo und herzlich willkommen. Im Sommer 2026 wird die russische Ölindustrie zu einem wichtigen Schlachtfeld im Krieg mit der Ukraine. Im Asowschen und im Schwarzen Meer greifen ukrainische See- und Flugdrohnen seit Anfang Juli dutzendfach russische Tanker an. Hunderte Kilometer von der Front entfernt nimmt die Ukraine außerdem Pumpstationen, Raffinerien und Tanklager ins Visier.
Im russischen Hinterland, aber auch in Metropolen wie Moskau und St. Petersburg. Die Ukraine hat einen klaren Plan. Kein Tanker ist mehr sicher. Russland soll mit seinen gigantischen Ölreserven auf dem Weltmarkt keinen Rubel mehr verdienen und das Öl auch nicht auf dem heimischen Markt verkaufen können als Benzin, Diesel oder Kerosin.
Die Ukraine möchte die wichtigste Einnahmequelle Moskaus in eine strategische Schwachstelle verwandeln und die gesamte Wertschöpfungskette von fossilen Rohstoffen in die Luft jagen. Das soll eine Finanz- und auch eine Versorgungskrise in Russland auslösen und die russische Kriegskasse leeren. Russische Autofahrer sollen wissen, wie sich leere Zapfsäulen anfühlen.
Der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky spricht davon, dass die ukrainische Armee begonnen habe, Langstreckensanktionen umzusetzen. Der Plan geht bisher auf. Allein im Juli hat die Ukraine 78 Schiffe der Schattenflotte im Schwarzen Meer angegriffen. Die Auswirkungen sind auch in Moskau. Und zu spüren, hat NTV-Russland-Korrespondent Rainer Munz in seinem Bericht von Mitte August bestätigt. Kleines Beispiel.
Gestern waren wir unterwegs, haben Freunde am Stadtrand von Moskau außerhalb, auf deren Dacia besucht. Dann haben sie erzählt, morgens 40 Minuten Wartezeit, bis man endlich tanken konnte. Es geht aber viel schlimmer. Auch in Moskau gab es gestern Berichte, dass man morgens mit dem Auto an die Tankstelle gefahren ist um neun.
Und dann erst um eins konnte man tanken, weil vorher keine Benzillaster da waren. Russlandweit wird sowieso berichtet, dass die Benzinkrise wieder zurück ist. Es gibt Regionen, in denen man keine Kanister betanken darf, in denen man nur 30 Liter tanken darf, an denen an den einen Tag die geraten, an dem anderen Tag die ungeraten Nummern schildern, tanken dürfen.
Es gibt Spekulationen, dass Russland nur noch 40 Prozent dessen an Benzin produzieren kann, was man eigentlich braucht. Andere Quellen wie Reuters sagen 65 Prozent. Offensichtlich ist, es gibt eine Benzinkrise, die ist wieder verstärkt in Russland. Das Ölgeschäft ist allerdings nicht die einzige russische Geldquelle für den Krieg gegen die Ukraine.
Der Kreml verdient auch mit Gasexporten größere Summen. Viel zu oft gehen die Lieferungen leider nach wie vor nach Europa. Nicht mehr über Pipelines, sondern auf Schiffen als Flüssiggas. Das verflüssigte Erdgas namens LNG wird auf großen Tankern transportiert und an Terminals an den europäischen Küsten wieder in Gasform umgewandelt und dann in die Netze eingespeist.
Obwohl westliche Staaten den russischen Energiesektor schon lange sanktionieren, explodieren die LNG-Lieferungen in die EU-Staaten derzeit. Im ersten Quartal haben sie so viel russisches Flüssiggas importiert wie noch nie seit Beginn des Ukraine-Kriegs. Der Datenanbieter Kepler und die Nichtregierungsorganisation Urgewalt haben in einer Analyse herausgefunden, dass der größte russische LNG-Hub Yamal im hohen Norden im ersten Halbjahr 136 Tanker nach Europa geschickt hat.
Das waren 97 Prozent aller Lieferungen. Der einzige andere Kunde war China. Vier Tanker sind in die Volksrepublik gefahren. Die größten Abnehmer in Europa waren Frankreich, Spanien und Belgien. Das Zentrum zur Erforschung von Energie und sauberer Luft, CREA, in Finnland wertet jeden Monat aus, wie viel Geld Russland. mit seinen Öl- und Gasexporten verdient.
Die Angaben sind beschämt. Im Juni hat der Kreml 60 Millionen Euro am Tag mit Exporten nach Europa verdient. Ab dem kommenden Jahr soll damit eigentlich Schluss sein. Die EU möchte ab 2027 möglichst kein russisches Flüssiggas mehr importieren. Die Alternativen sind LNG-Lieferungen aus den USA und Katar.
Durch den Iran-Krieg fehlt allerdings das katarische Flüssiggas derzeit auf dem Weltmarkt. Daher ist fraglich, ob dieser Plan wirklich umgesetzt werden kann. Europa ist mit seiner Abhängigkeit auch nicht allein unter den Ukraine-Unterstützern. Auch Japan und Südkorea unterstützen das Land und gleichzeitig importieren auch sie große Mengen russisches Flüssiggas.
Im 21. Sanktionspaket der EU haben sie im Juli sogar eine Ausnahmeregelung für ihre Importe erhalten. Russland besitzt neben dem wichtigen Hub Jamal im hohen Norden eine zweite größere LNG-Quelle. Auf der Sachalin-Insel im fernen Osten nördlich von Japan wird ebenfalls Erdgas aus dem Boden geholt, verflüssigt und dann auf Tankern verschifft.
Alle LNG-Lieferungen von dort nach Japan und Südkorea sind von EU-Sanktionen befreit. Das ärgert die Ukraine natürlich, doch die Angriffe auf die russische Öl-Infrastruktur zeigen, dass sie es in der Hand hat, russische LNG-Lieferungen nach Europa, Japan und Südkorea zu stoppen. Die Ukraine habe auch deshalb im Sommer begonnen, die russische Öl-Schattenflotte anzugreifen, weil sie mit der Wirkung der EU-Sanktionen nicht zufrieden gewesen sei, hat Markus Reißner gesagt.
Der Oberst des österreichischen Bundesheers ordnet die Lage in der Ukraine und in Russland jeden Montag auf ntv.de ein. Der Herausforderung besteht aber drin, dass man einfach diese Hochstoffe braucht. Und wir haben eine wirtschaftlich angespannte Situation in Europa. Und damit toleriert man zumindest, auch mit Zähneknirschen, den zweiten Weg, dass dann diese Produkte schlussendlich wieder in Europa landen.
Das darf man also nicht vergessen. Darum ist es ja so, dass nicht die Sanktionen Europas gegen Russland Russland jetzt unter Druck bringen, sondern es sind die sogenannten Langstrecken-Sanktionen der Ukraine, also die Angriffe mit den Drohnen auf die Erdöl- und Gasindustrie, die im Prinzip den Druck ausüben.
Es liegt auf der Hand. Die Ukraine kann ihre Langstrecken-Sanktionen auf die russische LNG-Infrastruktur ausweiten. Auf dem Papier wären ukrainische Angriffe auf LNG-Tanker sogar effektiver als auf Öltanker. Denn die russische Öl-Schattenflotte ist etwa 800 Schiffe groß, schaltet die Ukraine einen Tanker aus, stehen bereits etliche Alternativen bereit, um den russischen Ölexport fortzusetzen.
Die LNG-Exporte sind dagegen auf wenige Schiffe konzentriert. Denn fast zwei Drittel aller russischen LNG-Lieferungen kommen von der Jamal-Halbinsel im hohen Norden, Die Route führt aber durch die russische Arktis. Für den Transport sind deshalb spezielle Tanker der Eisklasse ARC-7 notwendig. Die sind teuer und selten. Die Yamal-Flotte besteht deshalb nur aus 15 Schiffen.
Wenige Treffer reichen also und der LNG-Export wäre gestoppt. Ein Experte der Denkfabrik Crea schränkt im Kiew Independent allerdings ein, alle Schiffe haben einen westlichen Eigentümer. Gleich elf der 15 Arc 7-Tanker gehören der griechischen Reederei Dynagas. Sie verschifft mehr als ein Drittel des Yamal-LNGs, so die NGO-Urgewalt.
Der Besitzer soll mit den Geschäften seit Kriegsbeginn mehrere Milliarden verdient haben. Die griechische Regierung hat für die Transporte seiner Reederei eine Ausnahme von den EU-Sanktionen durchgesetzt. Sie hat Angst, dass die Reederei ohne das Russlandgeschäft pleite gehen könnte. Auch die anderen Eistanker befinden sich in westlicher Hand.
Sie gehören einer britischen und einer japanischen Reederei. Greift die Ukraine diese Tanker also an, droht Ärger beim nächsten Regierungsgipfel. Dieses Problem könnte die Ukraine umgehen, wenn sie nicht die Tanker, sondern die russischen LNG-Terminates selbst angreift. Der Vorteil ist, wie bei den Tankern, die Liste der möglichen Angriffsziele ist kurz.
Es sind aktuell nur fünf russische LNG-Terminates in Betrieb. Von diesen Terminates befinden sich derzeit allerdings nur zwei in Reichweite ukrainischer Drohnen. Diese beiden liegen an der Ostsee, nahe der finnischen Grenze. Ein Öl-Terminal in der Nähe hat die Ukraine bereits im Juli angegriffen. Die anderen Terminals sind mehrere tausend Kilometer weit entfernt.
Der wichtigste Hub auf der Jamal-Halbinsel im hohen Norden und das benachbarte Terminal Arktik 2 auf der Halbinsel Güdan sind 3100 Kilometer von der Ukraine entfernt. Bei dem bisher am weitesten entfernten Angriff auf eine Öl-Rafinerie in Omsk haben ukrainische Drohnen 2500 Kilometer zurückgelegt. Die Ukraine macht bei der Drohnenentwicklung aber enorme Fortschritte.
Daher ist es laut dem Kiew Independent nicht ausgeschlossen, dass diese beiden Terminals auch bald in Reichweite kommen könnten. Besser sieht es für das Fernost-Terminal Sachalin aus. Das wird vorerst mit einer Entfernung von fast 7500 Kilometern Entfernung außer Reichweite ukrainischer Drohnen bleiben.
Aber selbst wenn die Ukraine in der Lage sein sollte, Tanker und Terminals mit Drohnen auszuschalten, ist klar. Das funktioniert im Zweifel nur, wenn Kiew bereit ist, europäische Regierungen wütend zu machen. Oder wenn die EU-Staaten im kommenden Jahr doch ihren Plan umsetzen, auf russische LNG-Lieferungen zu verzichten.
Dann würden die ukrainischen Langstrecken-Sanktionen nur der russischen Kriegskasse schaden, nicht der europäischen Gasversorgung. Das war wieder was gelernt. Ich bin Christian Herrmann. Tschüss und bis zum nächsten Mal.