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Leere Gasspeicher: "Es steht der Vorwurf der Erpressung im Raum"

Sonntag, 30. August 2026 · 24 min

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Shownotes

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Die deutschen Gasspeicher decken an kalten Wintertagen die Hälfte des deutschen Gasverbrauchs ab. Derzeit sind sie halb leer. Die Betreiber hinken dem Befüllungszeitplan um Wochen hinterher. Eine Ursache ist der Iran-Krieg. Die hohen Preise für Flüssiggas schrecken viele Händler ab. Sie wollen nicht zu teuer einkaufen und lagern.

Einige scheinen sich aber verzockt zu haben. "Das sieht man", sagt Energieanalyst Andreas Schröder im Podcast. "Das Blödeste, was passieren kann, ist, dass sie jetzt teuer einspeichern und am 1. Oktober gibt es Frieden im Iran und die LNG-Preise purzeln."

Die Lösung des Problems ist offenbar der Staat. Laute Warnungen vor einer Mangellage sollen ihn zum Eingreifen zwingen.

Gast: Andreas Schröder (linkedin.com/in/andreas-schroeder-8284619/?loc…), Energieökonom beim Londoner Analysehaus ICIS (Independent Commodity Intelligence Services)

Moderation? Christian Herrmann (n-tv.de/autoren/Christian-Herrmann-article2158…)
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Die deutschen Gasspeicher decken an kalten Wintertagen die Hälfte des deutschen Gasverbrauchs ab. Derzeit sind sie aber noch halb leer. Eine Ursache ist der Iran-Krieg. Die hohen Preise für Flüssiggas schrecken viele Betreiber ab. Sie wollen nicht zu teuer einkaufen. Einige scheinen sich aber auch verzockt zu haben, denn einige Speicher werden befüllt.

Das sagt Energieökonomen Andreas Schröder vom Analysehaus ISIS in London. Er spricht im Podcast von Marktversagen. Auch der Vorwurf der Erpressung ist ihm zufolge nicht von der Hand zu weisen. Darum geht es in dieser Folge von Wieder was gelernt. Abonnieren Sie den Podcast gerne überall, wo es Podcasts gibt.

Und wenn Sie Wieder was gelernt unterstützen möchten, freuen wir uns über eine Bewertung bei Apple Podcasts oder Spotify. Ich bin Christian Herrmann. Hallo und herzlich willkommen. Andreas Schröder, sind die Gasspeicher halb voll oder halb leer? Aus jetziger Sicht kann man sagen, sie sind halb leer, denn wir sind deutlich verzögert in der Einspeicherung, in der Befüllung der Speicher dieses Jahr, ungefähr eineinhalb Monate hinter dem, wo wir letztes Jahr standen, zum gleichen Zeitpunkt.

Und wir sind deutlich unter Vorjahr, ungefähr minus 17 Prozent, minus 18 Prozent. Das heißt, die Gasspeicher sind bisher nur zur Hälfte gefüllt, also noch halb leer. Und warum genau ist das ein Problem? Weil, so wie ich das verstanden habe, so wird es ja häufig erklärt. Wir haben ja jetzt LNG-Terminals und da kommt doch ein stetiger Nachschub an Gas rein und gleichzeitig fließt Erdgas aus Norwegen zu uns über eine Pipeline.

Es muss auch kein Problem sein. Wenn man die Speicher gut befüllt bekommt, gibt es einen Puffer für einen Artenwinter, wo womöglich Infrastrukturausfälle drohen oder ähnliche Dinge, für die wir uns wappnen müssen. Und die Gasspeicher bieten einen guten Puffer. Man muss ihn nicht haben, aber er hilft. Und darum haben wir uns aber auch Speicherzielwerte gesetzt. Zu Beginn eines Winters sollen die Speicher möglichst 70 Prozent voll sein in Deutschland, um dann auch durch einen kalten Winter zu kommen.

Diese 70 Prozent werden wir voraussichtlich allerdings nicht mehr erreichen dieses Jahr. Dafür ist es jetzt schon sehr spät im Jahr. Und zwar ist es technisch noch möglich, aber aus ökonomischen Gründen ist es unwahrscheinlich, dass wir noch die 70 Prozent erreichen dieses Jahr zu Beginn des Winters.

Können Sie vielleicht einmal für Laien wie mich erklären, was genau, Sie haben gerade gesagt, für Notfälle. Was genau ist eigentlich die Aufgabe der Gasspeicher? Die Gasspeicher... Wir bringen Versorgungssicherheit für den Erdgasmarkt. Wir haben nämlich das Grundpattern, dass Nachfrage nach Erdgas im Winter sehr stark ist, im Sommer wiederum nicht so stark.

Eine sehr stark saisonal getriebene Nachfrage. Weil wir nach wie vor sehr stark mit Erdgas heizen. Richtig. Der Erdgasverbrauch ist vor allem im Haushaltssektor für Heizzwecke stark und das ergibt eine sehr saisonale Nachfrage, die ungefähr dreimal so hoch ist im Winter wie im Sommer. Die Produktion von Gas ist aber eher stetig über das Jahr verteilt.

Und da übernehmen die Gasspeicher eine Funktion, dass sie den überschüssigen Sommer das Angebot einspeichern und dann im Winter zur Verfügung stellen. Diese Grundfunktionen haben Speicher und sie haben zusätzlich noch eine Funktion als Versorgungssicherheitspuffer für Ausfälle von Infrastruktur etwa.

Was genau wäre das für Infrastruktur, wenn man vielleicht ein konkretes Beispiel nennen könnte? Bisher können wir uns darauf verlassen, dass Norwegen liefert. Über Leitungen kriegen wir fast die Hälfte unseres Erdgases in Deutschland aus Norwegen, 45 Prozent etwa. Das klappte in den letzten Jahrzehnten immer super.

Und zuvor hatten wir auch russisches, leitungsgebundenes Gas, was auch immer lieferte. Aber wenn die ausfallen, zum Beispiel durch Attacken auf Infrastruktur oder durch technische Defekte, dann kann es sein, dass eben ein großer Batzen der Erdgasversorgung plötzlich wegfällt für Deutschland. Und für die Fälle hätte man dann noch Speicher als Puffer.

Also angenommen, aus irgendeinem Grund kommen keine LNG-Schiffe mehr nach Deutschland und oder die Pipeline aus Norwegen, hat man ja bei Nord Stream gesehen, wird in die Luft gesprengt, dann kommen wir mit den Gasspeichern so und so viele Tage oder Wochen über die Runden. Und bei LNG, bei Flüssiggas, muss man betonen, dass Deutschland selber derzeit nur 10 bis 15 Prozent seines Verbrauchs wirklich aus Flüssiggas direkte zieht.

45 Prozent etwas aus Norwegen und dann nochmal 40 bis 45 Prozent aus Benelux-Nachbarländern, was wiederum indirekt auch Flüssiggas ist. Also man kann schon sagen, Flüssiggas ist sehr wichtig für Deutschland. Aber die Speicher sind im Winter, an den besonders kalten Wintertagen, sind sie so systemkritisch, weil sie eben an den Tagen locker mal die Hälfte vom Gasverbrauch ausmachen, an besonders kalten Wintertagen.

Und da kann man eigentlich nicht darauf verzichten, auf die Gasspeicher. Da reicht es nicht zu sagen, wir haben Flüssiggasterminals und wir haben Norwegen. An den kalten Tagen reicht das nicht aus. Warum machen die Speicherbetreiber nicht das, wofür sie da sind, nämlich die Speicher füllen? Die Speicher werden gefüllt, aber sie werden dieses Jahr zu langsam gefüllt.

Warum ist das so? Das liegt an den Preisen. Wir haben diesen Sommer eine ungewöhnliche Situation, nämlich sehr, sehr hohe Sommerpreise. Das ergibt sich aufgrund der geopolitischen Spannungen, die wir aktuell haben. Die Krise in Nahost mit der Schließung der Seestraße von Hormuz bedeutet, dass dem Welthandel im Flüssiggas etwa 20% Angebot fehlt.

Das verknappt die Märkte weltweit und so auch in Europa. Wir spüren das. Weil das katharische Erdgas, Flüssiggas nicht rauskommt und zum Beispiel nach Europa geliefert werden kann. Richtig. Und dann fehlen die Volumen für Europa sowie auch für Asien. Und die amerikanischen Exporteure, die eigentlich fast immer nach Europa liefern, die liefern plötzlich nach Asien.

Wo die attraktiven Preise sind und dann fehlen uns die Volumen, um diese Gasspeicher zu befüllen im Sommer, der ja sonst eigentlich immer die Niedrigpreisfase ist. Also asiatische Länder bezahlen gerade Preise für Flüssiggas, die wir in Deutschland derzeit nicht bereit sind zu zahlen. Ja, in den letzten drei, vier Monaten war es besonders stark so, dass asiatische Preise über den europäischen lagen. Da war das Differenzial sogar stark.

Das hat sich jetzt in den letzten Tagen und letzten ein, zwei Wochen wieder etwas angenähert. Das heißt, es besteht wieder Hoffnung, dass für September, wieder mehr Flüssiggaslieferungen nach Europa kommen. So wie ich das Bundeswirtschaftsministerium verstehe, das ja inzwischen regelmäßig auf diese Problematik angesprochen wird, sagt das eigentlich immer, beziehungsweise es zeigt mehr oder weniger direkt mit dem Finger auf die Gasspeicherbetreiber und sagt, erfüllt bitte eure vertraglich vereinbarte Aufgabe und macht die Speicher voll.

Ja, es ist normalerweise die Aufgabe des Marktes, nichts zu tun. Geschieht auch in den meisten Fällen, auch in vielen Nachbarländern. Jetzt muss man wissen, die Preise sind so, wie sie sind, aufgrund der geopolitischen Besonderheiten dieses Jahres. Und dann sind die Anreize für die Speicherbetreiber einfach weniger stark, weil die Sommerpreise dieses Jahr so ungewöhnlich hoch sind und sogar über den Winterpreisen liegen.

Aber verstehe ich das falsch? Dann losse ich die Einspeicherung nicht. Also es gibt doch diese vertraglichen Verpflichtungen. Müsste man nicht sagen, also als Autofahrer sitzt man ja auch aktuell in der Situation und muss, wenn man Auto fahren möchte, die hohen Preise an der Tankstelle bezahlen. Es sei denn, es gibt wieder einen Tankrabatt.

Kann man nicht eigentlich von den Garspeicherbetreibern erwarten, das ist euer Geschäftsmodell? Ihr wusstet von den Risiken vorher. Kümmert euch bitte darum, dass ihr macht, was ihr vertraglich zugesagt habt. Weil andersherum gedeutet, könnte man ja auch sagen, die Speicher nicht zu befüllen, das grenzt ja so ein bisschen an Erpressung, indem man eben die Situation verschärft und darauf hofft, dass der Staat irgendwann eingreift.

Ja, der Vorwurf steht im Raum und er ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Die Speicherziele, die Vorgaben sind ja da, um eben den Beitrag des Privatsektors, der privaten Teilnehmer, Marktteilnehmer zur Versorgungssicherheit zu garantieren, was ein öffentliches Gut ist, sozusagen. Und diesen Beitrag leisten eben nicht alle. Viele machen das.

Ich will auch nicht viele Unternehmen beschuldigen, aber es gibt eben Einzelne, die sehr hinterher hinken. Und da ist vor allem einer der große deutsche Gas speichern Reden, der ist einfach zu schwach befüllt. Nur bei 8 Prozent, der fällt ganz besonders auf. Aber es ist nicht nur der Speicher, sondern ein paar andere noch.

Und da liegt das Problem, dass die nicht befüllt wurden. Und man kann es einigen auch vorwerfen, dass so ein bisschen spekuliert wurde, dass man darauf spekulierte, in letzter Instanz würde doch jemand eingreifen staatlicherseits und die Speicher schon noch befüllen. Das kann man vorwerfen, das ist aber auch nicht sauber nachzuweisen.

Das ist am Ende, bleibt es obskur. Man könnte theoretisch sagen, da hat probiert jemand zu zocken wie an den Finanzmärkten und sich verzockt, weil der Iran-Krieg jetzt deutlich länger geht, als vielleicht zu erwarten war. Aber nur, dass ich das richtig verstanden habe, Rede wird von anderen Unternehmen befüllt als andere Speicher.

Unsere Rede ist, Betreiber ist die SEFE, Securing Energy for Europe, aber die sind jetzt nicht allein schuldig, sondern es gibt ja dann die Unternehmen, die da buchen bei diesem Speicherbetreiber. Das sind am Ende ganz viele Unternehmen, die dann sich mitschuldig nennen müssten, dass die das nicht schaffen, da zu speichern.

Aber die Kapazitäten wurden schon verauktioniert oder gebucht. Das heißt, es gibt Leute, die halten Kapazitäten an diesem Speicher in Reden und in anderen Speichern, aber sie nutzen sie nicht, weil die Preiskonstellation das derzeit nicht hergibt, lukrativ da einzuspeichern. Also lassen sie die Kapazitäten ungenutzt und hoffen vielleicht darauf, dass in letzter Instanz im September, Oktober, wenn es fast schon zu spät ist, dann vielleicht ein Marktbetreiber Trading Hub Europe dann in letzter Instanz einschreitet. Und das wäre dann der Staat?

Indirekt, ja. Der Staat muss das vorgeben. Trading Hub Europe, der Marktbetreiber, ist zwar ein privates Unternehmen, aber sie werden mandatiert durch Bundesregierung und Bundesnetzagentur, um aufgrund der Marktlage dann in letzter Instanz doch einzuspeichern und Gas zu beschaffen. Ich weiß, ich habe jetzt gerade nicht konkret im Kopf, wie der aktuelle Stand ist bei den Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran.

Würde angenommen, da kommt es im September noch zu einer Einigung, die Straße von Hormuz wird geöffnet. Würde uns das noch in irgendeiner Art und Weise weiterhelfen? Jeder Tag, den dieser Konflikt kürzer ist, der hilft uns, weil das bedeutet, die Preise würden sofort nach unten putzeln. Die September- und womöglich Oktoberpreise würden dann nach unten kommen und die ganze Marktlage entspannt sich und plötzlich würde das Einspeichern viel einfacher werden, weil es einfach günstiger ist.

Da ist nun aber zu erwarten, dass der Konflikt vielleicht doch über die Midterm Elections in den USA sogar hinaus dauert. Das ist jedenfalls immer mehr die Sicht des Marktes. Wir sehen das jetzt in den Terminpreiskurven, daraus kann man das so ein bisschen interpretieren. Der Markt hat jetzt schon eine Risikoprämie, die er draufschlägt auf den Winter, womöglich aufgrund der Lager im Iran.

Dass die Preise im Winter dann also noch teurer werden, wenn wir dann kurzfristig Nachschub bestellen müssten. Und was wäre, wenn wir noch mal ganz kurz zu den vertraglichen Vereinbarungen der Speicherbetreiber zurückkommen, was hindert Sie daran, das Gas zu den aktuellen Marktpreisen zu kaufen und die Preise weiterzureichen?

So wie man das normalerweise in der Marktwirtschaft ja eigentlich kennt. Das können sie tun. Sie machen dann aktuell einen Verlust, weil sie würden im Sommer zu erhöhten Preisen einspeichern und können die Winterlieferung dann aber nur reduziert anbieten derzeit. Weil in der Terminpreiskurve ist der Winter noch immer etwas günstiger als der Sommer.

Und dann steht das Szenario im Raum, dass die Insolvenz gehen, dass sie pleite gehen und dann können die Speicher gar nicht genutzt werden? Nee, das wäre auch vollkommen übertrieben, das dann direkt herzuleiten, will ich sagen, weil die, also manche suggerieren das. Also es gibt ein paar Speicherbetreiber oder, Nutzer, die das so ein bisschen suggerieren, ja nur weil die Wintersommer-Spreads, die sogenannten Preisdifferenziale Wintersommer, weil die zu niedrig sind oder negativ sind, geht es uns so schlecht und wir müssen die Speicher schließen.

Das ist allerdings zu kurz gedacht. Ich will sagen, dass Speicher auch mehr sind als nur ein Wintersommer Spread. Man muss auch auf Volatilitäten schauen, Preisvolatilität, den Optionswert von Speichern, den Zeitwert von Speichern. Also all diese Komponenten, die jetzt etwas komplexer sind und auch schwieriger zu beschreiben, aber die spielen auch eine Rolle. Deswegen kann man nicht nur auf diese Terminpreiskurve gucken.

Ein Speicher ist schon noch mehr wert als nur Sommer-Winterspreads. Und deswegen akzeptiere ich auch nicht, wenn Leute sagen, nur weil das Brett jetzt lange negativ war, gibt es kein Geld zu machen mit Speichern. Das stimmt so nicht. Und wir sehen ja auch, dass Speicher befüllt wurden, trotz negativer Preisdifferenziale.

Angenommen, es tritt das Worst-Case-Szenario ein. Was wäre aus Sicht der Speicherbetreiber das Worst-Case-Szenario in diesem Winter? Das Blödeste wäre doch aus Speichersicht, wenn man jetzt teuer einspeichert und plötzlich am 1. Oktober gibt es Frieden im Iran und die Preise purzeln ab dann und dann kriegt man die Winterprodukte gar nicht mehr verkauft. Dann wird es plötzlich ganz günstig. Das wäre aus Speichersicht unattraktiv, wenn der Winter noch weiter purzelt nach unten.

Okay, das ist jetzt aus Verbrauchersicht natürlich ein Szenario, von dem man sagt, na gut, doof gelaufen. Was wäre das schlimmste Szenario aus Sicht des Bundeswirtschaftsministeriums? Ja, eigentlich ist das schon fast ein schlechtes Szenario, dass sie jetzt eventuell eingreifen müssen. Also wenn weiterhin der Markt nicht liefert aufgrund der geopolitischen Spannungen weltweit, die sich vielleicht auch noch verschärfen könnten, wenn dann noch womöglich eine Attacke auf Infrastruktur geschieht.

Norwegische Leitungen sind dann Kandidat, dann geht es für uns in Deutschland wirklich an die Kandarra und dann könnten Versorgungsengpässe entstehen, wenn das dann noch kombiniert ist mit einem kalten Winter etwa oder anderen Effekten. Das wäre aus Regierungssicht sehr schlecht, weil das schafft dann Missmut und hohe Preise.

Ja, das Bundeswirtschaftsministerium hat jetzt glaube ich Anfang der Woche nochmal mitgeteilt über einen Sprecher, wir können derzeit keine Mangellage erkennen. Können Sie diese Aussage nachvollziehen? Aus jetziger Sicht ist die auch nicht erkennbar. Wir sind in der Frühwarnstufe 1 für Gas, aber das wären noch zwei weitere Stufen, um überhaupt in Richtung einer Mangellage zu kommen. Und selbst 2022 in der Energiekrise damals waren wir nicht in einer Mangellage.

Ich erkenne jetzt auch keine Mangellage direkt, aber wir füllen eben den Puffer auch nicht. Man wappnet sich ja dann gegen Unwägbarkeiten mit so einem Puffer, den Gasspeichern. Wir wissen, dass wir in einem Konflikt stehen, auch mit Ländern, die, Keine Scheu davor haben, Infrastruktur zu attraktieren.

Über solche Risiken muss man sich bewusst sein als Bundesregierung. Daher ist auch die Idee, dass man eine Gasspeicherreserve aufbaut, dann ab nächstem Jahr, das ist schon richtig. Das ist, glaube ich, auch unisono einhellig positiv aufgenommen worden, weil kritische Infrastruktur muss besser geschützt werden und die Gasspeicher sind am Ende mindestens in Teilen auch Teil davon.

Die Gasspeicherreserve hätte es idealerweise aber schon in diesem Jahr gegeben. Ja, das kann man vorwerfen, dass es zu spät geschieht, denn das Gasspeicherthema ist eigentlich schon viele, viele Jahre aktuell und spätestens seit dem Ukraine-Krieg sogar, medial auch sehr prominent und flackert immer wieder auf.

Und dennoch wurde bisher keine Reserve aufgebaut, sondern es wurden allenfalls temporäre Maßnahmen wie die Einspeicherung durch Trading Hub Europe, dem Marktbetreiber 2022 vorgenommen, aber keine strategischen Entscheidungen. Und erst jetzt kommt das dann nächstes Jahr und das ist für diesen Winter dann zu spät.

Und haben Sie den Eindruck, wenn Sie sagen, dieses Problem besteht eigentlich seit vielen Jahren, mein persönlicher Eindruck ist, so unruhig wie aktuell war die Lage noch nicht, dass das Bundeswirtschaftsministerium an der Stelle, schon probiert, die Situation so auf Kante zu nähen, wie man sagt, oder hat tatsächlich so ein bisschen, dass auch das Bundeswirtschaftsministerium zockt und einfach hofft, dass nichts schief geht?

Ja, sie sind sehr zurückhaltend bis hin zu, man könnte fast sagen, zögerlich. Ist verständlich, weil natürlich ein Ministerium sparsam mit Steuergeldern umgehen will. All diese Bemühungen, Reserven aufzubauen, Speicher zu befüllen durch Trading-Habio, das kostet ja alles Geld. Am Ende zahlt der, entweder den Netzbetreiber, also die Kunden über Netz entgelte.

Die Garspeicherumlage hat man aber abgeschafft, sie war so unpopulär, sie hat man gerade abgeschafft. Das heißt, jetzt wäre der Bundeshaushalt, der dafür herhalten müsste, für diese Einspeicherung, das will der Staat nicht. Also, ja, ich will nicht sagen zocken, der Staat zockt nicht, aber er versucht natürlich maximalste Zurückhaltung an den Tag zu legen, damit der Markt ja nicht denkt, ach, da kommt doch der Staat in letzter Minute, die kommen doch sowieso, verlasst euch drauf.

Das ist schon noch der Job von Marktteilnehmern jetzt, die Speicher zu befüllen und erst in wirklich letzter Instanz kann der Staat noch eingreifen, das wird aber nicht mehr viel sein. So spät im Sommer wird das nicht mehr viel an Volumen sein. Wann wäre denn ein Zeitpunkt, bis zu dem Sie sagen würden, jetzt kriegen wir die Situation noch eine geregelte Bahn wieder oder beziehungsweise umgekehrt?

Was wäre der Zeitpunkt oder ein Anzeichen dafür, dass uns die Situation entgleitet? Noch ist es sogar technisch möglich, die 70-Prozent-Zielmarke zu erreichen. Also wir sind noch nicht zu spät. Ich glaube auch, dass jetzt in den Sommer, Monat, August, wo die viele noch im Urlaub sind, dass da so wichtige Entscheidungen, auch haushaltswirksame Entscheidungen, nicht einfach so getroffen würden.

Ich denke, nach Rückkehr der Politiker wäre das schon eher möglich. Und dann wäre auch der komplette September noch da, um einzuspeichern. Das reicht, um zumindest in Nähe der 70 Prozent zu kommen. Wir sind nicht zu spät dran. Und im Übrigen auch der Oktober wäre ja noch möglich, zumal wir in einem wahrscheinlichen El Nino-Wetterjahr sind. Das heißt, wir erwarten eher einen milderen Beginn des Winters.

Das heißt, da könnte man womöglich noch ein bisschen den November rein speichern. Es ist nicht unbedingt so dramatisch. Das heißt, es sind schon noch ein paar Tage, die man... Warten könnte. Es gibt aber nicht das eine Datum. Kann man auf die Füllvorgaben verzichten? Das war ja eine Aussage oder ein Vorschlag, der aus der Bundesnetzagentur von Klaus Müller kam, der sagt, die Füllvorgaben sind eigentlich überholt.

Die haben wir eingeführt, ist das korrekt, 2022, eben auf dem Höhepunkt der Energiekrise, damit wir dort vorgesorgt haben. Ja, es ist umstrittener Vorschlag. Und ich nehme es zur Kenntnis, Das ist sozusagen ein marktliberaler Vorschlag im Sinne von, der Markt muss das eben selber regeln. Hat das in der Vergangenheit auch eigentlich immer gut geklappt?

Ausnahme 2022, wo teils die Speicher eben auch im Besitz waren eines russisch gesteuerten Unternehmens. In und von Gazprom damals noch? Ja, Gazprom Germania. Das muss man dazu betonen. Ja, also die Speichervorgaben, sie haben tatsächlich einen negativen Beieffekt während der Spekulation. Also es ist nicht zu vermeiden, dass dann Spekulanten kommen und sagen, ihr füllt die doch dann eh als Staat, dann muss ich den Job nicht machen.

Und das Problem ist auch, diese Speichervorgaben, die sind eben nicht penalisiert. Es gibt keine Strafen dagegen. Das heißt, man kann sie dann nicht so ganz ernst nehmen. Anders ist das im französischen Modell. Da gibt es eine direkte Unterstützung für die Speicherbetreiber. Das ist gut für die Speicherbetreiber. Da gibt es eben auch eine Penalisierung, wenn man die Zielwerte nicht einhält.

Darüber kann man nachdenken. Dann würden die Speicherbetreiber plötzlich ganz anders optimieren. Okay. Und wie sieht in Frankreich diese Penalisierung aus? Ach, Details müsste ich jetzt auch, weiß ich jetzt gerade nicht aus dem SF. Ich hatte mir das neulich angeschaut und war ganz überrascht, dass es doch durchaus Strafbewährung gibt, die so stark ist, dass man definitiv einen Anreiz hat, die Füllstandswerte zu erreichen.

Und ja, Europa hat weitestgehend nicht ein Problem. Also gucken Sie nach Polen mit sehr gesunden Füllständen, nach Italien mit übergesunden Füllständen, die erreichen sogar 90 Prozent dieses Jahr und auch Frankreich steht gut da. Also es ist dann doch ein Problem, was auch konzentriert ist auf Deutschland einerseits mit einem sehr, liberalen Ansatz, wo man eben noch keine Gasreserven hat und noch kein Unterstützungsmechanismus staatlicherseits und aber auch die Niederlande, wo man eben auch traditionell nicht eingreift in den Markt und wo die Regierung jetzt erst kürzlich, im Frühjahr begonnen hat, wirklich stark einzugreifen in den Speichermarkt.

Weil dieses liberale System in der Theorie oder auf dem Papier zumindest eigentlich günstiger sein sollte, als wenn der Staat das organisiert, oder? Ja, also solange es klappt, dann ist es tatsächlich günstiger, weil man dann eben keine Netzentgelte, keine Speicherumlagen etc. Braucht und es sollte funktionieren. Wir haben es aber tatsächlich mit einem Marktversagen in Teilen zu tun.

Das Garantieren der Versorgungssicherheit ist nicht etwas, was für private Unternehmen, ganz oben steht auf der Prioritätsliste, sondern das ist am Ende vielleicht dann doch ein öffentliches Gut, wo ein Staat für aufkommen müsste. Es ist zumindest so, dass man dadurch einen Staatseingriff auch gerechtfertigen kann in dem Markt.

Wunderbar. Andreas Schröder, das war ein sehr, sehr spannendes Gespräch. Ich danke Ihnen vielmals, dass Sie sich Zeit für uns genommen haben und falls Sie ein Update für uns haben, halten Sie uns immer gerne auf dem Laufenden. Vielen Dank. Herzlichen Dank. Tschüss. Das war wieder was gelernt mit einer Folge zu den Gasspeichern in Deutschland.

Ich bin Christian Herrmann. Tschüss und bis zum nächsten Mal.

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