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Trumps Diesel-Bumerang: US-Exportverbot könnte Preisschock auslösen - in den USA
Donnerstag, 1. Oktober 2026 · 10 min
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Die USA wählen in wenigen Wochen ein neues Repräsentantenhaus. Umfragen deuten derzeit eine deutliche Niederlage für Präsident Trump und die Republikaner an. Ein Grund: Frust an den Tankstellen. Ein Exportverbot für Diesel soll die Rekordpreise nach unten bringen. Es könnte ein Schuss in den Ofen werden.
Moderation? Christian Herrmann (n-tv.de/autoren/Christian-Herrmann-article2158…)
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Die USA wählen in wenigen Wochen ein neues Repräsentantenhaus. Umfragen deuten derzeit eine deutliche Niederlage für Präsident Donald Trump und die Republikaner an. Ein Grund ist die Tankwut. Ein Exportverbot für diese soll die Rekordpreise jetzt nach unten bringen. Es könnte ein Schuss in den Ofen werden. Darum geht es in dieser Folge von Wieder was gelernt. Abonnieren Sie den Podcast gerne überall, wo es Podcasts gibt.
Und wenn Sie wieder was gelernt unterstützen möchten, freuen wir uns immer über eine Bewertung bei Apple Podcasts oder Spotify. Dankeschön, ich bin Christian Herrmann, hallo und herzlich willkommen. Die EU-Kommission warnt Donald Trump, die US-Ölindustrie auch, die amerikanischen Kraftstoffverbände warnen ihn, der eigene Energieminister, die Analysten des US-amerikanischen Finanzdienstleistungsunternehmens S&P Global auch.
Aber von solchen Einwänden lässt sich der US-Präsident nicht abhalten. Am vergangenen Wochenende hat Trump am Rande eines Golfturniers in einem Gespräch mit einer Fox-News-Reporterin bestätigt, was viele befürchten. Er erwäge ernsthaft, ein Exportverbot für amerikanischen Diesel einzuführen. Das Ziel ist klar. Die US-Bevölkerung ist wütend auf immer weiter steigende Benzin- und Dieselpreise.
Nach Angaben des amerikanischen Automobilclubs AAA kostet eine Galone Diesel derzeit knapp 6,44 Dollar. Das sind umgerechnet 5,68 Euro und ist schon wieder ein neuer Rekord. Vor rund einem Jahr kostete die Galone Diesel noch knapp 3,71 Dollar. Das Problem für Trump ist, dass die US-Amerikaner in wenigen Wochen Gelegenheit haben, ihren Tankfrust zum Ausdruck zu bringen. Denn Anfang November wählen sie bei den Zwischenwahlen ein neues Repräsentantenhaus und teilweise auch einen neuen US-Senat.
Umfragen deuten derzeit eine deutliche Niederlage für die Republikaner an. Mehrere republikanische Abgeordnete aus landwirtschaftlich geprägten Bundesstaaten, drängen Trump deshalb dazu, dass er unbedingt eingreifen und er konservativ gestimmte Arbeiter in Blue-Collar-Jobs besänftigen muss, also finanziell entlasten soll.
Landwirte benötigen große Mengen Treibstoff für die Herbsternte. Diese treibt Traktoren, Mähdrescher und auch Feldhäcksler an, aber auch Güterzüge, LKW und Lieferwagen. Der republikanische Abgeordnete Mike Flatt aus Nebraska gibt die Marschroute vor. Im Oktober wird es Zeit für gute Nachrichten. Es gibt eine Menge Dinge, über die wir informieren müssen. Klar, auf dem Armaturenbrett leuchtet eine rote Lampe, und zwar die für Dieselkraftstoff.
Wir müssen den Menschen auf jeden Fall erklären, dass wir die größte Steuersenkung in der Geschichte der USA beschlossen haben. Wir haben die Steuergutschrift für Kinder auf 2200 Dollar pro Kind verdoppelt. Wir haben die Steuern auf Trinkgelder und Überstunden sowie für die meisten Senioren, die Sozialhilfe beziehen, abgeschafft.
Donald Trump schiebt die Schuld für die hohen Dieselpreise der Ukraine zu. Er hat nicht Unrecht. Die ukrainischen Angriffe auf russische Raffinerien haben nicht nur in Russland selbst eine Treibstoffkrise verursacht. Das Riesenreich hat in der Vergangenheit auch für den Weltmarkt große Mengen Diesel bereitgestellt.
Um die kritische Lage an heimischen Zaffsäulen zu entspannen, hat Moskau im Sommer allerdings ein Exportverbot für Diesel erlassen. Zunehmende Störungen in russischen Raffinerien infolge einer Zunahme ukrainischer Drohnenangriffe dürften sich stärker auf die Dieselversorgungslage auswirken, fasst die Ölanalystin Sarah Rufful von der Preisberichtsagentur Argus Media die Lage zusammen.
Der Energiemarkt-Datenanbieter Kepler stimmt mit ein. Das größte Problem des globalen Energiesystems sei nicht mehr die Rohölversorgung, heißt es in einer Analyse, sondern die Raffineriekapazität. Doch auch der US-Präsident ist alles andere als unschuldig an den explodierenden Spritpreisen in den Vereinigten Staaten.
Denn neben Russland gehören auch Saudi-Arabien, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate zu den zehn größten Diesel-Exportoren. Eigentlich bis zum Iran-Krieg jedenfalls. Laut der Internationalen Energieagentur haben die Golfstaaten im August rund 390.000 Barrel Diesel und Gasöl am Tag exportiert.
Das war gut ein Viertel der Menge, die vor dem Krieg vom persischen Golf aus in die Welt verschifft wurde. Ersatz kam für viele betroffene Staaten, in vielen Fällen wie beim Flüssigerdgas aus den USA. Die Vereinigten Staaten haben im August 1,6 Millionen Barrel Diesel pro Tag ins Ausland exportiert. Im Februar, also vor Kriegsbeginn, waren es eine Million Barrel.
Zwischenzeitlich erreichten die USA sogar einen Wochenrekord von fast zwei Millionen Barrel Diesel täglich. Nimmt Trump vor den Zwischenwahlen die amerikanischen Lieferungen vom Weltmarkt, wäre das Ergebnis also verheerend. Europa stellt gut zwei Drittel seines verbrauchten Diesels selbst her, aber die wegfallenden US-Lieferungen müssten ersetzt werden.
Im August waren die USA laut der Preisberichtsagentur Argus Media für etwa die Hälfte der europäischen Dieselimporte verantwortlich. Ohne die US-Lieferungen gäbe es mutmaßlich einen hitzigen Wettbewerb mit dem asiatisch-pazifischen Raum und Afrika um zusätzliche Lieferungen aus Indien und dem Nahen Osten.
Die Sorge ist berechtigt, dass der Dieselpreis bald auf drei oder sogar vier Euro steigen könnte, warnt NTV-Börsenreporter Frank Mayer. Wir sind in Deutschland doch nicht so unabhängig von dem amerikanischen Diesel, aber auf indirekte Art und Weise. Selbst produzieren wir hier 31 Millionen Tonnen, sind aber auf Importe angewiesen von 13 Millionen Tonnen, wobei 10 Millionen Tonnen aus Belgien und den Niederlanden kommen. Und wo kommt der Diesel dort her?
Als internationale Drehscheibe aus den USA. Wenn da also kein Diesel mehr fließen sollte in die Niederlande, kommt auch keiner bei uns an. Das würde die Preise noch mehr in die Höhe treiben. Es wäre eine völlig neue Welt mit völlig neuen Preisen, vielleicht sogar in Richtung 3 oder 4 Euro. Doch auch für Trump und die Vereinigten Staaten könnte das Exportverbot zum Boomerang werden.
Es wirkt kontraintuitiv, aber es könnte US-Raffinerien dazu zwingen, die eigene Dieselproduktion zu drosseln und somit auch die amerikanischen diese Preise weiter nach oben zu treiben, statt sie zu senken. Deshalb die Warnungen der amerikanischen Ölindustrie und auch des US-amerikanischen Finanzdienstleisters S&P Global.
Das Problem ist, dass sich die meisten Raffinerien der Vereinigten Staaten an der US-Golfküste befinden. Dort befindet sich die große Exportinfrastruktur für Lieferungen ins Ausland. Von dort wird der Diesel aber auch über Pipelines innerhalb der Vereinigten Staaten verteilt. Allerdings ist nicht jeder große US-Markt an das nationale Pipeline-Netzwerk angeschlossen.
Die US-Ostküste zum Beispiel bezieht einen Teil ihres Diesels ebenfalls von den globalen Märkten, also aus dem Ausland. Sie wäre also direkt vom amerikanischen Exportverbot betroffen. Dieses Exportverbot könnte die Weltmarktpreise um bis zu 100 Prozent in die Höhe treiben, sagt der Energieökonom Philipp Verleger in einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters.
Mittelfristig würden allerdings auch die angeschlossenen US-Märkte unter dem Exportverbot leiten. Denn der Verlust der Exportmärkte würde die Raffinerien dazu zwingen, diese zwischenzulagern. Doch die Kapazitäten der Treibstofftanks sind begrenzt. Sobald diese voll sind, müssten die Raffinerien ihre Produktion drosseln.
Damit stünde weniger Diesel für den Verkauf zur Verfügung. Die Preise würden steigen, und zwar für zahlreiche Kraftstoffe, Denn Raffinerien stellen nicht nur Diesel her, sondern erzeugen gleichzeitig aus Rohöl auch Heizöl, Kerosin, Normal- oder auch Superbenzin. Analysten sind sich einig. Durch das Diesel-Exportverbot stünde weniger Diesel und auch weniger Benzin auf dem US-Markt zur Verfügung.
Die Kraftstoffkosten für die meisten Amerikaner würden erheblich steigen, sagt etwa die globale Beratungsagentur Wood McKenzie. Die Reaktion an den Finanzmärkten auf das mögliche Exportverbot war bezeichnend, die Raffinerieaktien in den USA brachen ein. Ob es tatsächlich zu einem Verbot kommen wird, bleibt jedoch offen.
Klar ist, dass neben der EU auch die amerikanischen Ölbosse auf eine andere Lösung hoffen. Sie drängen das Weiße Haus dazu, die Bundessteuer auf Diesel auszusetzen. Das würde die Preise an den Tankstellen senken und nicht einmal die Geldbeutel der Ölkonzerne belasten. Die Steuersenkung ginge natürlich auf Kosten des US-Haushalts.
Doch selbst wenn Trump für diesen Vorschlag offen wäre, bräuchte er dafür die Unterstützung des Repräsentantenhauses. Doch dort machen die republikanischen Abgeordneten derzeit Wahlkampf. Einige mit dem Diesel-Exportverbot. Das war wieder was gelernt. Ich bin Christian Herrmann. Tschüss und bis zum nächsten Mal.