
5-Minuten-Talk – wir haben ja nicht ewig Zeit· Folge 326
Kai Wegner: Wer drei Mal lügt...
Freitag, 10. Juli 2026 · 6 min
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Shownotes
Noch immer sind nicht alle Details rund um den tagelangen Stromausfall in Berlin Anfang Januar bekannt. Nur eines steht inzwischen fest: Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner hat am ersten Tag offenbar nichts Sinnvolles getan, um die Krise zu beenden. Seine Heldensaga ist Stück für Stück in sich zusammengefallen. Er hat Tennis gespielt. Und wie der "Tagesspiegel" berichtet, hat Wegner nicht nur nicht mit Kanzleramt und Innenministerium telefoniert, sondern mit überhaupt niemandem.
Heute kommen die Kreisvorsitzenden der Berliner CDU zu einer Krisensitzung zusammen. Die Frage, die sie beantworten müssen: Will die Partei an der Seite eines Regierenden als Witzfigur untergehen oder tauscht sie zehn Wochen vor der Wahl doch noch ihren Spitzenkandidaten aus? Diese Frage diskutieren auch stern-Politikchef Jan Rosenkranz und Chefkorrespondent Nico Fried.
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+++Redaktion und Produktion: Nico Fried, Jan Rosenkranz und Isa von Heyl+++
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Fünf-Minuten-Talk, wir haben ja nicht ewig Zeit. Mein Name ist Jan Rosenkranz. Und ich bin Nico Fried. Großer Tag für Kai Wegner, den Regierenden, manche sagen auch den amtierenden Bürgermeister von Berlin. Seine Partei, die CDU, hält heute eine Krisensitzung ab. Die Kreisvorsitzenden beraten, ob sie Wegner zehn Wochen vor der Wahl doch noch als Spitzenkandidaten abräumen. Denn Wegner hat sich ja schon wieder was geleistet.
Und es sieht fast danach aus, als wäre das der eine Fehler oder die eine Lüge zu viel gewesen. Es geht mal wieder um den großen Stromausfall Anfang des Jahres in Berlin und die Frage, wie viel oder besser wie wenig Kai Wegner eigentlich in dieser Krise selbst unternommen hat. Ja, der Tagesspiegel hat da eine tiefgründige Recherche nochmal angelegt und herausgefunden, dass entgegen den Angaben Kai Wegner nicht den ganzen Vormittag.
Nicht telefoniert hat, sondern eigentlich überhaupt nicht telefoniert hat. Und darüber hat er die Unwahrheit gesagt und leider auch offensichtlich seine Staatskanzlei, was besonders dramatisch ist, weil wenn die Behörden anfangen zu lügen, dann wird es schon sehr schwierig. Und das Maß ist jetzt da wohl offensichtlich selbst innerhalb der CDU endgültig voll.
Ich meine, dass der Mann dort irgendwie Tennis gespielt hat, was dann erst unglücklicherweise etwas später rausgekommen ist, um den Kopf frei zu bekommen, wie er sagte. Das machte ihn ja ohnehin schon etwas lächerlich und unglaubwürdig, aber jetzt dann auch noch gelogen zu haben. Das führt jetzt dazu, dass nicht nur der SPD-Spitzenkandidat, immerhin noch Koalitionspartner der CDU in Berlin, gesagt hat, also eine Koalition mit der AfD schließe ich aus, mit allen anderen könnte ich mir das vorstellen, aber es wird gar keine Koalition geben, in der irgendein Kai Wegner eine Rolle spielt. Das ist ja schon ziemlich hart, oder?
Das ist schon ziemlich hart und dann gibt es noch die Junge Union, die zwar in Berlin einen etwas umstrittenen Vorsitzenden hat, aber sich auch deutlich positioniert hat und gesagt hat, wir müssen jetzt mal drüber nachdenken, ob wir da nicht den Spitzenkandidaten austauschen. Hat er recht? Tja, ich bin ja der Meinung, dass Kai Wegener wirklich eine tragische Figur ist, um hier mal eine Lanze für den regierenden Bürgermeister zu sprechen.
Das ist mutig vielleicht. Ich bestreite überhaupt nicht, dass er offensichtlich die Unwahrheit gesagt hat, dass er kommunikativ eine katastrophale Leistung abgelegt hat. Aber er ist unter den regierenden Bürgermeistern der letzten Jahrzehnte, um ehrlich zu sein, nicht der schlechteste gewesen. Aber nicht der schlechteste im Stromausfall reparieren? Das jetzt nicht?
Nein, beim Stromausfall hat er versagt, da will ich gar nicht drum umreden, aber er hat schon einiges zustande gebracht hier in dieser Stadt. Die Berliner haben lange gelitten und der Rest der Republik hat uns dafür verlacht, dass es in den Bürgerämtern nie Termine gab. Du musstest monatelang im Voraus buchen, wenn du Glück hattest, hast du dann einen gekriegt.
Hat sich geändert. Heute kriegst du binnen Stunden einen Termin, manchmal sogar am gleichen Tag. Das zweite ist, er hat eine Verwaltungsreform angegangen, erfolgreich. Die Regel die Zuständigkeiten zwischen den Bezirken und dem Land, was hier, ein Quell ewigen Ärgers ist, weil man immer die Zuständigkeiten hin und her, die Verantwortlichkeiten hin und her gespielt hat und er hat noch auf einigen anderen Feldern Erfolge vorzuweisen, Wohnungsbau zum Beispiel und seine Lebensgefährtin.
Die Bildungssenatorin ist eine der ersten ernstzunehmenden Bildungssenatorinnen in dieser Stadt gewesen seit vielen Jahren. Ich bin fast geneigt dazu zu sagen, das hast du jetzt ganz toll gesagt, Nico. Ich wähle jetzt glaube ich den Bürgermeister doch, weil der Wahl im September wird ja in Berlin gewählt.
Ich würde aber anders mal ihn zum Return ansetzen, um ein Tennisvokabel ins Spiel zu bringen. Weil wenn selbst die CDU, also die CDU-Mitgliedschaft, wenn man dort sich umhört und es dort heißt, um Himmels Willen, ich weiß gar nicht, was ich machen soll, ich würde ja gerne meine eigene Partei wieder mit diesem Mann an der Spitze, das geht nicht.
Ich glaube, das Einzige, was der Partei jetzt noch helfen würde, ist, den auf gar kein Plakat zu kleben, dem intern und auch extern deutlich zu machen, dass Kai Wegner Geschichte ist, dass der vielleicht noch, weil es sich nichts mehr ändern lässt, als Spitzenkandidat auf der Liste stehen dürfte, aber dann auf jeden Fall beispielsweise vom Finanzsenator ersetzt wird.
Oder es gibt ja auch noch andere Leute, die Justizsenatoren. Die möglicherweise eine Rolle spielen könnten als Ersatzfiguren, wenn denn die CDU überhaupt in die Bredouille kommen sollte, nochmal regieren zu müssen. Denn nach aller Lage der Dinge scheint es ja eher auf ein Linksbündnis hinaus zu laufen.
Das wird allerdings ein sehr schwieriger Wahlkampf für die CDU, wenn sie Leute dafür begeistern will, sie zu wählen, ohne dass man den Wählerinnen und Wählern vorher klar macht, welches personelle Angebot dann eigentlich hinterher wirklich ins Feld geht. Klar, denkbar wäre natürlich auch, dass der alte und letzte populäre CDU-Bürgermeister in Berlin, Eberhard Diebken, zurückgeholt wird.
Oder aber ein richtiger Geheimkandidat, der immer wieder mal genannt worden ist, ins Spiel gebracht wird, Jens Spahn. Und das war der letzte 5-Minuten-Talk vor unserer Sommerpause. Moment, jedenfalls war es der letzte 5-Minuten-Talk in der gewohnten Form und vor allem in der gewohnten Länge. Denn in der kommenden Woche melden wir uns hier auf diesem Kanal nicht mehr täglich, sondern einmal in der Woche mit einem 5x5-Minuten-Deep-Dive.
So, und wohin tauchen wir da ab? Gemeinsam mit einem Gast wollen wir dann jede Woche eintauchen in Ostdeutschland. Dort finden im September Wahlen statt, in Sachsen, in Mecklenburg-Vorpommern und wir sprachen eben drüber in Berlin. Wir wollen jede Woche mit verschiedenen spannenden Gästen ergründen, wie dieser Osten eigentlich so tickt, was die Leute umtreibt.
Woher kommt zum Beispiel die Wute in der Magdeburger Börde oder wie gefährlich lebt so ein Linker in Vorpommern? Und was würde eigentlich passieren, sollte die AfD wirklich die Regierung übernehmen? Schaut und hört also unbedingt jede Woche wieder rein hier. Und noch ein Tipp, um keine Folge zu verpassen, lasst uns doch einfach ein Abo da und ein Like, das kann auch nicht schaden.
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