
Alle Zeit der Welt· Staffel 1· Folge 143
Die heiligen Hühner des Krieges: Auguren, Auspizien und der Wille Jupiters
Freitag, 27. März 2026 · 1 h 03
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Shownotes
Rom gegen Karthago. Und bevor die Flotte ausläuft, checkt man erst mal, ob die Hühner fressen. In dieser Folge: die Auguren - ein Geheimclub von Vogelschauern, der Jahrhunderte lang die größte Militärmacht der Antike lenkte. Über heilige Hühner, Leberschau, Ciceros Augurenlächeln und was passiert, wenn man die Hühner ins Meer wirft.
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Kapitel:
Intro & Begrüßung
Die heiligen Hühner des Krieges — Einführung
Religion, Politik und Zukunftsvorhersage im antiken Rom
Die Auguren — Roms mächtigste Priesterklasse
Cicero erklärt die Auguren (De Divinatione)
Das Collegium Augurum und seine politische Macht
Von König Numa bis Julius Caesar
Was macht ein Augur konkret? Die Zeremonie
Das Augurenlächeln — ein Begriff bis heute
Die Haruspices: etruskische Eingeweideschau
Die Katastrophe von Drepana — Pulcher wirft die Hühner ins Meer
War die Geschichte erfunden? Polybius schweigt
Claudias berühmter Staukommentar
Romulus und Remus — Vogelschau als Gründungsakt Roms
Geier als heilige Vögel (und Zoroastrismus)
Vom religiösen Ernst zur bürokratischen Routine
Leberschau, Prodigien und die Kunst der Divination
Die sibyllinischen Bücher und der Brand des Jupitertempels
Vogelschau als globales Phänomen — Mesopotamien, Ägypten, Amarna
Das Ende der Auguren
408 n.Chr. — Goten vor Rom und die letzte Rückkehr der alten Götter
Augustinus und der Untergang eines Weltbilds
Was bleibt bis heute? Auspizien, Inauguration, Augurenlächeln
Fazit und drei Lektionen aus der Geschichte
Unterstützer & Abspann
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Herzlich willkommen zurück zu einer neuen Folge von Allerzeit der Welt. Heute wieder mit Jonas. Hallo Jonas. Hallo. Schön auch mal wieder dabei zu sein. Nach langer Abstinenz. Ja, nach vier Folgen ohne dich. Ich hab dich ein bisschen vermisst. Auch schön, dass du wieder da bist. Ja, die Zauberwörter haben mich verschwinden lassen. Einmal Jonas weggezaubert aus Versehen. Heute habe ich was ganz Besonderes für dich mitgebracht, nämlich ein absurdes Kapitel der europäischen Geschichte.
Es geht um ein Imperium, das die halbe bekannte Welt erobert hat. Legionen, die ganze Völker unterwerfen, Straßen, die bis heute noch stehen, von den Aquädukten ganz zu schweigen. Und bevor dieses Imperium in die Schlacht zieht... Schaut erst mal, ob die Hühner ordentlich fressen. Dabei geht es natürlich ums römische Reich und um die Pulisagri heute. Die heiligen Hühner des Krieges, die in ganz speziellen Käfigen gehalten wurden und eigene Priester hatten, die sie betreuten.
Die Polarius oder dann Polarii wahrscheinlich, wenn es mehrere waren. Vor wichtigen Unternehmungen ließen die Römer den Hühnern einen Brei aus Getreide und Wasser vorsetzen, haben die Hühner gut gegessen und gierig gefressen. dann war das ein gutes Omen, wenn ihnen Futterkrümel aus dem Schnabel auf den Boden fielen, nannte man das dann Tripudium Solistimum, das bestmögliche Omen. Die Götter sagten quasi, auf geht's, das ist eine gute Mission, das ist ein guter Krieg, das wird alles so funktionieren.
Und wenn sie eben nicht phrasen, dann hatte man ein Problem, ein ernsthaftes Problem. Und heute wollen wir uns ein bisschen anschauen, wie eng Religion, Zukunftsvorhersagen und Politik irgendwie zusammenhingen. Krieg und Frieden, aber eben auch was, ja, im Großen und Ganzen wie so eine kleine Gruppe von Ornithologen es geschafft hat, die gesamte Politik unter ihre Fittiche zu nehmen.
So eine Art Verschwörungstheorie der Ornithologen. Dazu gibt es einige sehr lustige Geschichten. Und generell ist es so ein Teil römischer Geschichte, der immer ein bisschen hinten runterfällt. Man redet über die großen Männer, man redet über die Kriege und quasi the rise and fall of the Roman Empire. Und diese doch recht absurden Details des römischen Lebens werden da gerne außen vor gelassen, weil das uns auch sehr fremd ist. Aber nachdem wir jetzt über diese Zauberwörter geredet haben mit Abra Kadabra. Und ich auch plane, noch mehr über verschiedenste religiös -magische Praktiken zu machen. Und wie die Hühner des Krieges bestimmt drei oder viermal schon in anderen Folgen referenziert haben, ist es vielleicht guter Zeitpunkt, heute
mal das Vertiet anzugehen. Ja, man hat ja auch sonst eher, wenn man an Urakel oder Vorhersage denkt, die alten Griechen im Kopf, nicht unbedingt die Römer. Genau, das Orakel von Delphi und die ganzen anderen Orakel, die alle vergessen wurden, außer dem Orakel von Delphi. Das war immer noch eine eigene Folge auch, wie die Griechen das gehandhabt haben im Vergleich zu den Römern.
Aber wie so oft in kulturellen Dingen waren die Römer... Also die Römer waren so ein bisschen die bodenständigeren Hühnerfütterer, sag ich jetzt mal. Es gab also nicht nur die Hühner, es gab auch noch andere Ausbildsien, da reden wir später noch drüber. Und andere Arten der Divination und der Zukunftsvorhersage, die sich von anderen Leuten gelernt haben. Aber dieses Hühnerding, das war wirklich was speziell Römisches.
Und das haben sie auch erstaunlich lange beibehalten. Erstaunlich viele der großen Gestalten der römischen Geschichte waren auch damit irgendwie direkt damit verbandelt, als man vielleicht denkt. Ein berühmtes, vielleicht das berühmteste Beispiel oder das zweitberühmteste, zum berühmtesten kommen wir nachher noch, aber der zweitberühmteste Augur Also die Auguren waren quasi diese Priester, eine der Priesterklassen im antiken Rom, eine sehr mächtige, da kommen wir noch zu, und die Auguren haben sich eben mit Vögeln beschäftigt und waren generell, es gab die speziellen Auguren, den Polarius, der sich um die heiligen Hühner gekümmert hat, aber die anderen Auguren haben sich mit Vogelflug vor allem beschäftigt, also
den Willen Jupiters aus dem Flug der Vögel abzuleiten. Das ist nicht nur fressen die Hühner oder nicht, sondern die Vögel haben generell einen sehr hohen Stand in Rom und werden als Tiere Jupiters eben dazu benutzt, um den Willen des höchsten Gottes zu wissen, wie das funktioniert. Werden wir auch noch genau erklären. Aber einer dieser Auguren war eben Cicero. Und der erklärt es selber. Sehr schön, den habe ich heute öfter mal zu Wort, werden wir öfter mal zu Wort kommen lassen in der Folge, weil es eben schön ist, einen Wort gewandten Auguren selbst über die Auguren reden zu hören. Und er erklärt die Etymologie in seinem Werk De Divinatione, also einem Buch, wo es um das Wissen des göttlichen Willens geht, im weitesten
Sinne. beschreibt er folgendermaßen. Also im Grunde, wenn das Hund klecker, das ist ein göttliches Zeichen. Cicero war auch damals schon selbst skeptisch, was ich sehr spannend finde. Er schrieb mich direkt danach im nächsten Vers im Anschluss. Kann also dieses Auspicium irgendetwas göttliches haben, wenn es so erzwungen und abgenütigt ist?
Dass die Auguren der Uhrzeit diese Praxis nicht anwandten, beweist ein alter Beschluss unseres Kollegiums, der besagt, dass jeder Vogel ein Tripudium machen könne. Ja, also schon so ein gewisser Zweifel daran, ob es tatsächlich die eindeutigste Methode ist, das von Vogelschnäbeln abzumachen, den Willen Gottes. Und dann geht's weiter. Also diese Fühler ... des Krieges, die heiligen Hühner, sind im Endeffekt ja schon die domestizierte Version des Götterwillens. Während man eigentlich als Augur die Vögel am Himmel beobachtet und den Vogelflug, ist das die Variante, naja, was machen wir denn, wenn wir keine Vögel am Himmel sehen und wir brauchen den Willen Gottes, naja, dann haben wir ein paar Hühner im Käfig,
die das quasi lokal für uns regeln. Sehr viel praktischer. Ich hole mir den Willen des Gottes nach Hause. Warum? Da muss ich nicht irgendwo hingehen, um mir das anzuschauen. Und Hühner selbst sind ja, kleiner, kleiner Exkurs noch, Tiere, die aus Südchina kommen eigentlich. Und die erst auch in der Antike nach Europa gekommen sind. Das heißt, unser uns so vertrautes Hühnerei gibt es wahrscheinlich auch seit ein bisschen über 2000 Jahren. Und am Anfang, also in Europa, und am Anfang waren Hühner und Hähne eben vor allem exotische Tiere, die mal aufgrund ihres Exotismus gehalten hat, um zu zeigen, oh, guck mal, wie reich ich bin, wie groß meine Handelsbeziehungen sind, was ich hier für abgefahrene Viecher bei
mir im Innenhof rumlaufen hab, das sind Hühner, guck mal. Deswegen wurde das Huhn dann auch als Wappentier, der Hahn und so, gerne übernommen, weil das tatsächlich ein cooler Import war, eine Neuerung, eine Mode, das Huhn, was dann erst die Herrscher und die Reichen hatten und dann ... wurde das nach und nach das Teil, dass wir tatsächlich Hühnereier so regelmäßig essen, wie wir das tun. Das war ursprünglich quasi kein Nutztier noch am Anfang und wurde dann zu einem, vom repräsentativen Tier zum Nutztier. Also ähnlich einem Pfau, so könnt ihr euch das vorstellen.
Pfau, die irgendwie aus Indien kommen und das Huhn, das eben aus China kommt. Exotische Vögel oder eine Dinosaurier. Vorher gab es schon Vögel, die man auch hatte und die man auch beobachten konnte, aber das Huhn war quasi dann für Leute, die sowieso schon an die Göttlichkeit von Vögeln und an Vögel als Tiere Jupiters glauben, ist natürlich dann... Der Schritt zu sagen, wir haben ja dieses neue, exotische Tier, was super in Mode ist, dass das dann Teil des religiösen, dass es da inkooperiert wurde, ist ganz spannend.
Ich glaube, da schreibt Cicero selber, soweit ich weiß, aber nicht drüber in die Divination. Also diese Ableitung, dass Hühner gar nicht möglich waren bei den Auguren der Uhrzeit, wie er schreibt, das erwähnt er gar nicht. Ich weiß nicht, ob er sich dessen bewusst war, wie lange es erst Hühner gibt. Gleichzeitig hat Cicero selbst als Augur schon so ein bisschen diesen kritischen Blick auch auf die eigene Zunft und sieht ja auch, sagt naja, vielleicht wäre es besser, wenn wir nicht das abhängig machen von den eingesperrten Hühnern. Früher hatten sie ja auch keine eingesperrten Bodengottes, sondern mussten die in der freien Wildbahn beobachten und vielleicht kleckert auch einfach jedes Tier und nicht nur die heiligen
Hühner. am Schnabel oder jeder Vogel. Ja, aber lasst euch das erstmal auf der Zunge zurück zergehen. Es gab einen exklusiven Club von Männern, deren offizielle Aufgabe es war, Vögel zu beobachten, der einen unglaublich großen Einfluss auf die römische Politik hatte. Nicht nur, weil sie bestimmen konnte, wann etwas gottgewillt war und wann nicht, je nachdem wie sie die Hühner gefüttert haben oder was sie dabei gesehen haben, sondern weil dass eben auch eine Priesterklasse war, in die nur Leute aus den obersten Schichten kamen. Und es war so ein Club, in dem die Familien, die Rom beherrscht haben, quasi ihre Söhne geschickt haben und einen... Also alle Verschwörungstheorien, die beim antiken Rom über Auguren gehört hat,
wahrscheinlich war. Und kein Gesetz, keine Wahl, kein Krieg konnte ohne das Okay der Auguren funktionieren. Und dieses Okay hing natürlich dann davon ab, ob die Hühner fressen oder ob der Rabe von links nach rechts geflogen ist durch das Fenster in der Decke. Dazu noch mehr, aber das Collegium Augurum ist auf jeden Fall der exklusivste Vogelbeobachterverein der Weltgeschichte mit einem unglaublichen Einfluss auf die Politik. Das können sich die heutigen Ornithologen in Deutschland, glaube ich, nur wünschen, dass sie bei jeder Entscheidung befragt werden, ob das in ihr zu Rechten sei. Und die Auguren waren auch von Anfang an dabei, also buchstäblich seit der Gründung Roms in der eigenen Mythologie Roms, natürlich. Livius berichtet,
wie König Numa Pompilius das Collegium institutionalisierte, also ganz am Anfang. Kurz zurück, also Rom ursprünglich hatte Könige dann Die Republik, die sich dann überlegt haben, vielleicht ist Königtum doch nicht die beste Idee. Und die Könige sind so immer ein bisschen die graue Vorzeit Roms, in die die Republik zurückblickt, in der republikanischen Zeit und auch später. Und so ein bisschen sagt, naja, davon grenzen wir uns ab. Das war unsere wilde Vorzeit, die wilde Jugend Roms. Und jetzt, ja, machen wir in der Republik. Das bessere System, das war schon so die Selbstvernehmung, gleichzeitig gab es Sachen, die aus dieser Königszeit eben weiter existiert haben und dazu gehören eben die Auguren. Anfangs waren es drei Mitglieder,
dann vier, dann sechs, dann neun, unter Sulla später fünfzehn und dann kam Julius Caesar, der selbst seit 47 v. Chr. Mitglied des Collegiums war. zufällig neben seinen Ämtern als Pontifex Maximus und Diktator. Also er war alles. Und der stockte das Ganze dann auch auf 16 auf. Weil es natürlich immer gut war, wenn man seine Freunde und Unterstützer damit reinholen konnte. Und das Ganze vielleicht auch zu dem Zeitpunkt sowieso schon alles sehr zentralisiert unter seiner Macht stand. Cesar war damit nicht nur Feldherr, Politiker und Diktator, sondern eben auch ganz offiziell oberster zertifizierter Vogelbeobachter im Staatsdienst mit seinen Freunden gemeinsam. Und was macht der Augur konkret? Livius beschreibt die Zeremonie
bei der Einweihung von König Numa als ein Beispiel für augurische Arbeit in der vorrepublikanischen Zeit. Um Augur, der seither ehrenhalber ein staatliches und lebenslanges Priesteramt innehatte, wurde er zur Burg geleitet und setzte sich auf einen Stein. nach Süden gewandt. Der Augur nahm zu seiner linken Platz, das Haupt verhüllt, in der rechten Hand einen knotenlosen, an der Spitze gekrümmten Stab haltend, den sie Lithuus nennen.
Der Lithuus könnt ihr euch vorstellen wie so ein traditioneller Schäfersstab. Also gerade ohne Knoten und oben dann diese eine Krümmung drin, mit der man quasi die Lämmer oder so einfangen kann. Also die Schäfer haben das, weil man damit gut Lämmer zur Seite ziehen kann und irgendwie vom runterfallen abhalten und wahrscheinlich auch einfangen kann. Und dieser Lithus, dieser krumme Stab, war auch das Erkennungszeichen der Auguren. Mit ihm teilte der Augur den Himmel in ein Templum ein, also einen nicht physischen Tempel, so eine Art gedachter heiliger Raum.
Links und rechts, vorne und hinten. Und je nachdem von wo der Vogel kam und wohin er flog, war das Zeichen dann gut oder schlecht. Sie haben auch Hütten gebaut, die quasi nur ein kleines Loch oben hatten als Templum, so eine Art Dachfenster. Dann haben sie sich da drunter gelegt und ganz genau beobachtet, in welchem Winkel, von wo nach wo, wie viele Vögel flogen. Für eine gewisse Zeit. Wenn du dich da eben in eine konkrete Frage dann reinlegst und ganz viele Vorgaben hast und quasi auf Jahrhunderte des Wissens von anderen Auguren aufbauen kannst, dann wirst du quasi eingeweiht in dieses Geheimwissen, zu sagen, wenn der jetzt von oben links nach unten rechts fliegt, dann ist es vielleicht ein Ja. Wenn zwei
fliegen, ist es ein starkes Ja. Wenn sie in die andere Richtung fliegen, zum Beispiel wäre es ein Nein. Oder eine große Katastrophe. So random. Es hat ja ein System, aber ... Ja, und daraus, die enorme Macht, die daraus erwuchs, ist wirklich nicht zu unterschätzen. Siziouros Bruder Quintus verteidigte das System auch deswegen. Unsere eigenen ... Scheiße. Unser eich... Moment, Moment, Moment. Wir fangen an. Unsere eigene Nation bezeugt es. Bei uns waren Könige Auguren und danach übten Privatleute dieses Amt aus. Sie regierten den Staat durch religiöse Autorität. Unsere Vorfahren unternahmen nichts im Krieg ohne Leberschau.
Nichts im Frieden ohne Auspizien. Also nichts ohne Auspizien. Auspizien ist quasi das Wort für Heilige Vogelschau. Der Augur und die Auspizien hängen da zusammen mit den Vögeln. Die Auguren konnten Volksversammlungen unterbrechen, also auch diese republikanischen, teildemokratischen Systeme in der Republik quasi aushebeln, Wahlen für ungültig erklären, Kriege verzögern. Und eben alles im Namen der Götter. Es wurde nie auf sie zurückgeführt und nie gesagt, das ist eben ihre politische Agenda, weil sie eben direkt für Jupiter sprechen. Das ist eine Position, die dann noch mal über allen republikanischen Ideen steht. Und natürlich eine super Methode, das zu kontrollieren, wenn du drei oder sechs
eingeweihte Leute hast, oder neun oder später fünfzehn, die eben das unter sich ausmachen können, was sie jetzt gesehen haben bei der Vogelschau im Tempo. Die Forscherin, Historikerin Lindsay Dridinger Murphy hat 2019 in ihrem Buch über Roman Republic Augury auch geschrieben und gezeigt, wie die Auguren sowohl religiöse Autorität als auch erhebliche politische Macht ausüben. Wenn euch da noch mehr Beispiele, wenn ihr euch noch tiefer einlesen wollt, empfehle ich euch das.
Und die Beteiligten wussten natürlich auch genau, was sie taten. Und das bringt uns zum berühmten Augurenlächeln. Hast du das schon mal gehört? Das ist ein Begriff, den es bis heute im Deutschen gibt und der einem zunehmend seltener begegnet, aber wenn man ältere Texte liest, einem mal unterkommen kann. So ein Wissen des Lächeln. Genau. Das Augurenlächeln ist eben dieses verschmitzte Lächeln unter Eingeweihten, die was wissen, was die anderen nicht wissen.
Und so hat sich das auch im Deutschen erhalten und es geht zurück auf Kato den Älteren. der bei Cicero überliefert wird, auch wieder in De Divi Nation, der das damals schon als wohlbekannten alten Spruch quasi, als Bon Mo, zitiert. Wohl bekannt ist der alte Spruch Kathos. Er wundere sich, dass ein Haruspex nicht lächle, wenn er einen anderen Haruspex sehe. Ja, kurz Haruspex vielleicht erklären. Ja, wir müssen das glaube ich einmal kurz, genau. Also Harus Bex ist der Plural von Harus Beces und es ist der Seer, der antike Wahrsager. Es gab den Fulgurator auch noch, der Blitze deutete, auch ganz spannend zur Vorgeschau quasi als Parallele. Wobei es natürlich wahrscheinlich mehr Tage gibt, an denen
man Vögel gucken kann. Also Blitze braucht man nicht, Blitze und Gewitter. Und es gab natürlich auch noch andere Also die Auguren sind die Vogelschauer, die Haruspices sind die Eingeweide -Schauer. Nee, das ist nicht sehr allgemein. Sehr allgemein. Also allgemein, das sind eigentlich alles Seher. Und du hast quasi unterschiedliche Arten von Haruspex, also von Sehern. Und da gehören dann eben die Auspizien dazu. Auspizium heißt Vogelschau.
Lateinisch Avis ist der Vogel. Ja. Und Spectare, Spectator, das gehört aus dem Englischen, ist Schauen. Und das ist quasi der Vogelschauer, der die Auspizien macht. Und der Fulgurator ist der Blitzgucker. Teil der Haru -Specs gibt es eben auch. Das Wort an sich wird für Seer verwendet, aber du hast recht, das kommt etymologisch von der Eingeweiteschau. Haru heißt Eingeweite und das ist dann im Lateinischen zum allgemeinen Wort für Seer geworden. Zur Eingeweideschau kommen wir gleich noch. Die haben die Römer nämlich von den Etruskern gelernt und haben das dann zusätzlich zu ihrer Tradition des Vogelschauens noch mit hinzugefügt als weitere Form der Divination.
Als weitere Form des in die Zukunfts schauen würde, noch besser den Willen der Götter zu wissen. Und der Grundgedanke, den Kato da jetzt verwendet und sich eben auf die Seher oder die Eingeweihteschauer bezieht, betrifft aber auch auf die Auguren zu oder auf die wahrscheinlich sogar noch mehr als besonders privilegierte Priesterklasse mit besonders viel politischem Macht -Einfluss. Aber der Grundgedanke ist da quasi der gleiche. Die Priester, die Eingeweihten wussten, dass ihr System manipulierbar ist. da ja sehr viel Einfluss darauf hat, was am Ende verkündet wird, und haben dann eben dieses wissende Lächeln unter den wenigen Eingeweihten. Die anderen denken hier, sie machen Republik, die anderen
denken hier, sie machen Demokratie, aber eigentlich wissen wir, dass wir mit unseren Vögeln oder Eingeweihten die eigentliche Macht halten. Und das System war natürlich nützlich, vor allem für die, die es kontrolliert haben. Und das zieht so auch ganz offen zu. Ich stimme mit Gaius Marcellus überein. Er als mit Apius Claudius, beide waren meine Kollegen. Und ich denke, dass das Auguralrecht, obwohl es anfangs aus dem Glauben an Weissagung entstanden ist, später aus politischen Nützlichheitserwägungen aufrechterhalten und bewahrt wurde. Ja, also er hat quasi ursprünglich daran geglaubt und später hat die Oberschicht einfach erkannt, wie praktisch es ist. Um den Pöbel, den Plebs zu kontrollieren. Ja. Und... dass dieser Geheimklub
von Vogelbeobachtern eben über Jahrhunderte die Politik der größten Militärmacht der Antike führte, finde ich lustig. Und niemand tat was dagegen, weil es eben funktionierte. Also es ist ein bisschen... Es funktioniert ja, guckt mal, wir haben doch Riesenerfolg rum. Also wenn die Griechen mit ihren Orakeln so viel besser wären in ihrer Technik, warum ist dann die griechische Zeit vorbei und die Römer übernehmen jetzt nach dem nach dem großen Aufschwung des Hellenismus. Und jetzt wollte ich mir mit dir gemeinsam und mit Allhörern und Hörern natürlich ein berühmtes Beispiel anschauen, nämlich was passiert, wenn man die Hühner des Krieges missachtet. Das kann nicht gut ausgehen.
Wir schreiben das Jahr 249 vor Christus, erster punnischer Krieg. Der punnische Krieg ist welcher Krieg, Jonas? Also Rom in seinem Aufstieg, die erste große... Die erste große Entscheidung in der römischen Geschichte waren die drei punischen Kriege gegen Carthago in dieser Auseinandersetzung im Mittelmeerraum, wo es darum ging. Wer wird da jetzt in Zukunft übernehmen? Die römische Republik mit ihren Bürgerkohorten, Bürgerlegionen, Bürgersoldaten oder die Carthager, die eben eine große Handelsmacht waren, vor allem aus dem heutigen Tunesien, von Tunis war Carthago. basiert waren und die eben die Insel im Mittelmeer, also die hatten Sizilien als als eine Kolonie, hatten dort ihre Stützpunkte und Hafenstädte, hatten
Corsica, hatten Sardinien, glaube ich, waren auf der iberischen Halbinsel, also was heute Spanien ist, und in Südfrankreich quasi mit ihren Stützpunkten und den ganzen Nordafrika verdreht. Das heißt, wir haben ein auf Handel aufgebautes Reich, Catago, mit größtenteils seltener Soldaten. gegen die republikanischen, in Anführungszeichen, gegen die hühnerfütternden Römer, die ihre Bürgermilizen dagegen schicken. Und das war der Krieg, der am Ende dann, also die ersten zwei Kriege, Hannibal, all das passiert im Rahmen der Brunnischen Kriege, die großen Niederlagen Roms sieht aus. Hannibal führt sie an den Rande der Niederlage und am Ende gewinnen sie doch mit Scipio Africanus und Also es ist eine unglaubliche Geschichte, über
die wir mal drei Stunden Podcast machen müssen. Wie der dann selber gegen den Willen des Senats eine Expedition nach Katago startet, um Hannibal abzulenken und ihn zurückzulocken, während Hannibal in Italien sitzt zu sagen, wir ... Wir werden jetzt die Armee aufstellen und überhaupt nicht Italien verteidigen, sondern wir greifen genauso seine Heimatstadt an und gucken, ob er sich dann zurückzieht und so weiter. Also eine unglaubliche Geschichte diese Kriege. Und der dritte bunische Krieg war im Endeffekt dann nur noch die Racheaktion, sie vollends niederzumachen auf der Basis von wahrscheinlich größtenteils Verschwörungstheorien gegen die Kartager, um zu begründen, warum man die quasi ausrotten muss. warum es quasi nicht
möglich ist, selbst nachdem er die besiegt hat, mit denen zu koexistieren. Ja, also das ist der Rahmen der Punischen Kriege, um es ganz grob kurz zu umreißen. Aber wir sind jetzt noch weiter vorne. Wir sind im ersten Punischen Krieg. Die ganze Sache ist noch nicht entschieden. Rom gegen Katago, epischer Kampf ums Mittelmeer. Der Consul Publius Claudius Pulcher, Pulcher bedeutet der Schöne, befehligt die römische Flotte. Und gerade was die Flotte angeht, die Katarger hatten eine sehr große Kriegs - und Handelsflotte und die Römer waren, sagen wir mal so eher... auf dem Land zu Hause. Waren jetzt nicht diejenigen, die besonders viel Erfahrung in der Seefahrt hatten, die irgendwie auf Jahrhunderte der Tradition
zurückblicken konnten. Die hatten natürlich zu dem Zeitpunkt schon einige Städte eingemeindet und zum Teil ihres Reiches in Italien gemacht, die Seeleute hatten. Aber im Großen und Ganzen ist das nicht ihr Metier. Und ihr Römerplan aber eben einen Überraschungsangriff auf den kartagischen Hafen von Trepana. Und in der Nacht vor dem Angriff lässt Pulcher, wie man das so macht, die heiligen Hühner herbringen. Der Polarius öffnet den Käfig, streut das Futter und die Hühner rühren keinen Bissen an. Schlechtes Oben. Die Götter sind offensichtlich nicht einverstanden. Und was macht der schöne Pulcher? Lässt er den Angriff ab? Nein. Er ist so wütend. dass er die Hühner packen und ins Meer werfen lässt. Dabei soll er gesagt haben,
que e deren nullund bibant, da sie nicht fressen wollen, sollen sie saufen. Ein sehr berühmter Spruch aus der hübrigen Geschichte, überliefert von Sueton, Tiberius und Cicero. Ein spektakulärer Hybris. Und wie das so ist, in der römischen Geschichtsschreibung folgt die Strafe auch prompt. Die römische Flotte geriet in Unordnung. Die Carthager und der Admiral Adherbal waren gewarnt und vorbereitet. Und von den 123 römischen Schiffen ging 93 verloren. Also 75 % Verlustrate. Über 20 .000 Seeleute starben oder wurden gefangen genommen. Eine der verheerendsten Niederlagen der gesamten römischen Mariengeschichte. Die griechischen Kriege sind ja voll von solchen Geschichten, wo die Römer hier mal 20 .000, da
mal 60 .000 Mann verlieren und das eigentlich der Punkt in den meisten Kriegen gewesen wäre, wo man sagt, jetzt hat man halt verloren. Du musst dann mit den Konsequenzen arbeiten. Was die Römer auszeichnet, ist, dass sie nicht wissen, wann sie verloren haben. Wie zum Rocky -Film. Also generell zeichnen sich die Römer dadurch aus, dass sie eigentlich wie dieser schwarze Ritter bei ... Der Ritter der Kokosnuss. Wer ist denn die Ritter der Kokosnuss von Monty Python?
Ja. Dem quasi beide Arme abgeschlagen wurden und ein Bein und der immer noch kampflustig weiter kämpfen muss, will. Das absurde ist, dass der dann gewinnt. am Ende. Einfach durch diese unglaubliche Fähigkeit nicht aufzugeben und irgendwo nochmal 30 .000 Mann zu befinden, jedes Mal, wenn man die verliert. Interessanterweise erwähnt Polybius der christische Historiker, der sonst sehr detailliert über die punischen Kriege berichtet, die Hühnergeschichte überhaupt nicht. Was moderne Historiker wie Andrew Williams vermuten lässt, dass die Geschichte später hinzugefügt wurde. So ein antikes Spin Doctoring. Der Konsul war nicht inkompetent, er war gottlos. Statt sich einzugestehen, wir hatten einfach keine scheiß Marine -Erfahrung
und haben uns extrem dumm angestellt gegen ein Marine -Reich, was extrem gute Seeleute hatte. Aber bevor sich die Römer das eingestehen, ist es einfacher, rückwirkend zu sagen, der hat die heiligen Hühner nicht geführt, der hat sie hier sogar ersäuft, nicht nur sind sie hier ans Omen gehalten, sondern dann auch noch hier gesündigt und deswegen müsst ihr auf uns hören. Weißt du, das kann man dann gut 200 Jahre oder 100 Jahre später nutzen, um die eigene Macht noch mal zu untermauern. Pulcher, der Schöne, überlebte und wurde wegen Hochverrats und Gotteslästerung angeklagt in der Geschichte. Valerius Maximus bedichtet das Folgendermaßen. Er wurde dem Zorn des Volkes ausgeliefert und man glaubte, es gebe keinen
Weg seiner unvermeidlichen Strafe zu entgehen. Doch durch einen plötzlichen Regenguss wurde er vor einer Verurteilung gerettet. Die Verhandlung wurde unterbrochen und man beschloss, sie nicht von vorn zu beginnen, da die Götter sie offenbar behindert hatten. Ja, freigesprochen, weil es regnete. Ihr versteht langsam, warum es so lustig ist, sich tiefergehe, mit römischer Geschichte zu beschäftigen, weil es ist voll davon, dass dann im falschen Moment ein Blitz... bei einer Senatsverhandlung oder ein Gewitter losbrach und es ist jedes Mal der Wind der Wind Jupiters.
Das heißt du bist nicht nur von den Vögeln extrem abhängig auch generell vom Wetter und das kann den Unterschied zwischen Leben und Tod machen. Weil nach römischer Lesart hat Jupiter hier persönlich interveniert. Pulcher wurde dann statt zum Tode zu einer Geldstrafe von 120 .000 Assen verurteilt, 1 .000 pro verlorenem Schiff. Und es gibt noch eine kleine Nachgeschichte. Pulchers Schwester Claudia wurde später berüchtigt, als sie laut Sueton in einer Menschenmenge auf der Straße feststeckte. und er überliefert in Tiberius 2 3. Wenn doch nur mein Bruder lebte und noch eine Flotte verlieren würde, das würde die Bevölkerung etwas ausdünnen. Also so ein kleiner Road -Rage von ihr und natürlich einfach wahrscheinlich
nur ein schönes literarisches Mittel, aber nee, tatsächlich. wurde sie anscheinend des Hochverrats angeklagt wegen diesem Kommentar, weil sie uns überhört hat und es mich so lustig fand, weil letztes Mal schon 20 .000 Bürger verloren gegangen sind, dass sie das jetzt quasi nochmal fordert. Aber es ist auch nervig im Verkehr festzustecken.
Da kann man sich schon mal ärgern. Ich erinnere mich, wie ich im Iran war. Und der iranische Taxifahrer zu mir gesagt hat, als wir im Stau standen, dass er, also wenn es nach ihm ginge, immer die ganze Stadt wegbomben solle und nochmal bei Null anfangen, weil das ja offensichtlich nicht funktionieren würde mit dem Verkehr hier.
Sondern dass man da auch jetzt nichts reparieren oder umstrukturieren könnte seiner Meinung nach, sondern das müsste man einmal alles im Erdboden gleich machen, um wieder vernünftig anzufangen. Ja, mit etwas Verspätung, wenn man die aktuellen Ereignisse so getrachtet. Um es mit Slavoj Zizek zu sagen, you are all just perverts who are horny for the apocalypse. Es ist einfacher, sich das Ende der Welt vorzustellen, als die bessere Welt.
Da haben wir in unserer Folge zur alternativen Menschheitsgeschichte schon drüber geredet, dass es uns quasi sehr, sehr schwer fällt, uns andere Systeme vorzustellen. Aber deswegen finde ich die heutige Folge auch ganz spannend, weil wir eben sehen, Die römische Republik wird auch immer so als Beispiel für den Ursprung unserer Demokratie mit dem Athen im vierten Jahrhundert gemeinsam referenziert. Tatsächlich, wenn man genauer hinschaut, denkt man sich, ja, das stimmt, aber das stimmt auch in den schlechten Aspekten. Das ist nicht so ein rein positives Bild, wie das immer dargestellt wird, sondern das geht auch auf die ganzen Schwächen und auf Systeme, die den Römern damals vollkommen sinnvoll auch vorkamen. oder vielleicht auch
nicht ganz sinnvoll, aber keiner hatte richtig die Idee, das zu ändern oder die Muße oder den Druck dazu. Und das liegt auch daran, weil das eben so tief in die Mythologie eingeschrieben war. Weil das eben gesagt wurde, diese Vogelobsession der Römer geht ja zurück bis zur Gründung Roms und bis an die Anfänge ihrer eigenen Selbstmythologisierung.
Livius erzählt in seiner Aburbe Condita dazu folgendes. Also hier die Romulus und Remus Geschichte ist euch wahrscheinlich groben vertraut. Die beiden Zwillinge, die ausgesetzt werden und dann von der Wolfsmutter, von der Wölfin gesäugt und die danach sich quasi an die Gründung der Stadt machen und in Streitigkeiten geraten. So eine Kain und Abel Geschichte. dann auch anscheinend mit einem Flug des Mars, also die Stadtmauer Roms, persönlich schon in die Erde gegraben haben, als eine Art auch quasi magisch nackt, quasi einmal die Erde aufgerissen rundherum. Das ist quasi Romulus und Remus Gründungsgeschichte.
Hier mit dem besonderen Vogelaspekt, dass beide hier sich schon, ich wundere mich immer, eigentlich sollten sich doch irgendwie mit Wölfen was machen. wo diese Vogel bis Hessen herkommt, nachdem er von einer Wölfin aufgezogen wurde, aber so sei es. Es gibt ja durchaus auch Berichte von Raben und Krähen, die zusammen mit Wolfsrudeln jagen und quasi als Kooperation, als so eine Art Scout Unit vorfliegen und die quasi denen den Weg zeigen zu Aas und anderen Dingen, die man essen kann, also irgendwelchen Tieren, die man jagen kann. Also es gibt da durchaus die Kooperation zwischen gewissen Vögeln und Wölfen. Das ist die einzige Herleitung, die mir jetzt kommen konnte. Aber in dieser Geschichte Romulus und
Remus sollen die Götter quasi selbst abstimmen bzw. Jupiter soll eben sagen, wer herrscht und wer den Namen geben soll. Und so geht die Geschichte dann weiter. Remus soll als Erster ein Zeichen empfangen haben. Sechs Geier erschienen ihm. Das Zeichen war gerade verkündet worden, als sich Romulus die doppelte Anzahl zeigte. Daraufhin wurde jeder von seinen eigenen Anhängern als König begrüßt. Die einen beriefen sich auf die Priorität der Erscheinung, die anderen auf die Anzahl der Vögel. Da sehen wir jetzt das Problem schon von Anfang an mit Vogelschau. Was ist denn jetzt wichtiger, als erster die Vögel zu bekommen oder mehr Vögel zu kriegen? Kann man drüber streiten.
Haben sie dann ja auch. Manche sagen allerdings, dass Remus wirklich seine Sex sah, Romulus aber über seine zwölf gelogen habe. Und das erst, als Remus zu ihm kam, er die Zwölf tatsächlich sah. Daher kommt es, dass die Römer noch heute vor allem Geier beachten, wenn sie Vorzeichen aus dem Vogelflug deuten. Die Gründung Roms durch Betrug? Also schon gestartet, passend für ein Reich, das später so viel politische Intrige erleben würde. Und das Ganze endet natürlich in einer Katastrophe. Es folgte ein Wortgefecht und als die erhitzten Gemüter zu Blutvergießen führten, wurde Remus im Tumult erschlagen. Die Verbreit der Tarrägeschichte ist, dass Remus zum Spott über seinen Pruder die neuen Mauern übersprang. worauf Romulus ihn in großem Zorn
erschlug und drohend hinzufügte, so möge es jedem ergehen, der über meine Mauern springt. Die Mauern waren noch keine richtigen Mauern, das war tatsächlich nur dieser Pflug, dieses Aufpflügen der Erde, diese Grenzlinie, die er gezogen hat. Und der Bruder, der diese Grenzlinie, diese metaphysische, nicht respektiert und über den Graben springt und sagt, hier, das halte ich von deiner Mauer.
Und dann wurde er eben erschlagen. Der Brudermord als Gründungsakt ist in der römischen Mythologie auf jeden Fall genauso mit eingeflochten und zentraler Teil der Erzählung, wie es auch die Auspizien und die Geier am Himmel sind. Geier galten den Römern als besonders reine Vögel, interessanterweise im Vergleich zu unserer Wahrnehmung.
Dadurch, dass sie nur Aas fressen und keine lebenden Tiere töten. Jedenfalls, das war das Bild der Römer. Ich weiß nicht, ob das biologisch so ganz haltbar ist. Aber damit waren sie ideale göttliche Boten, weil sie sich quasi nicht gewalttätig auf eine Art und Weise ernähren und die Erde reinigen von den unreinen Resten, die da liegen bleiben. Als Ähnliches kennen wir aus dem Zoroastrismus, wo dass die Geier die Toten gegessen haben. Wo man quasi gesagt hat, es ist eine Verunreinigung der Elemente. Wenn ich jemanden verbrenne, mache ich quasi das Feuerunrein mit meinem Körper.
wenn ich mal in die Erde lege, egal, wenn ich ins Wasser werfe, den toten Körper, es ist alles eine Verunreinigung der Elemente und das einzig reine ist, die in die Berge oder auf einen hohen Turm, auf eine Plattform zu legen, damit dann da oben die Vögel das zurück in den biologischen Zyklus bringen sozusagen, ohne dass irgendein Element davon verunreinigt wird. Also Geier als heilige Vögel, durchaus nicht nur ein römisches Phänomen. Ja, so möchte ich auch bestattet werden.
Das lässt sich einrichten. Ich empfehle dir einfach, irgendwo in den Bergen zu sterben. Am besten nicht ganz so hoch, dass die Vögel noch hinkommen und an einer Ecke, wo du nicht direkt einfrierst und zum Ötzi wirst. Das kann natürlich passieren, dass man eigentlich von Geiern gefressen werden will und dann einfriert. Ist eigentlich blöd.
Im Laufe der Jahrhunderte wurde aus diesem religiösen Ernst dann zunehmend eine bürokratische Routine. Cicero beschreibt, wie das System in seiner Zeit aussah. Nachdem der Auspizjant zu seinem Assistenten gesagt hat, sag mir, ob Stille zu herrschen scheint, antwortet dieser, ohne aufzublicken oder sich umzusehen sofort, Stille scheint zu herrschen.
Dann sagt der Auspizjant, Sag mir, ob sie fressen. Sie fressen, lautet die Antwort. Aber um was für Vögel handelt es sich und wo sind sie? Jemand antwortet, es ist Geflügel. Es ist in einem Käfig und der Mann, der es gebracht hat, heißt Polarius. Diese sind also die Boten Jupiters. Also wir sehen, von dieser originalen Augurenarbeit der echten Vogelschau ist nun bürokratisches Theaterstück.
übrig geblieben, dass quasi in so festen Formeln nach einem Skript abgearbeitet wurde und niemand schaut hin und kontrolliert die Vögel wirklich. Cicero verspottet das Ganze, obwohl er selbst Augur war, aber er verteidigt das System trotzdem. Die pragmatische römische Haltung, wie so oft bei solchen Sachen ist, Religion war Teil des mos majorum. der Sitte der Vorfahren und damit fundamental für die römische Identität und vor allem ein politisches Instrument. Wer die Ausbizien kontrollierte, kontrollierte den Staat und damit war der Nutzen auch eigentlich geklärt. Man braucht keinen weitergehenden oder tieferen Nutzen als das. Es ist ja auch logisch, dass es irgendwann zu so einer bürokratischen Boutine wird. Also
es ging ja nie wirklich um das Ritual an sich. Und das sehen wir in ganz vielen Religionen, dass aus diesen ursprünglichen, dass es im Endeffekt ja eben aus kultischen Praktiken irgendwann eine große Bürokratie wird, die dann Teile davon eben immer noch aufnimmt und wiederholt. Im Endeffekt aber das ja als eine Art Traditionslinie sieht, anstatt sich jetzt wirklich zu überlegen, wie viele Geier von wo nach wo fliegen jeden Tag.
Ist auch dann irgendwann wahrscheinlich unpraktisch, wenn man halb Europa kontrolliert und beherrscht. Jetzt haben wir viel über die Auguren geredet, aber die waren natürlich nur ein Teil von einem großen komplexen religiösen System. Es gab, wie wir schon erwähnt hatten, noch die Harus Bizhas, die Leberschauer, die ursprünglich aus Etorien von den Etruskern kamen und dort quasi von den Römern kennengelernt wurden in ihrer frühen Expansion.
Die Leber eines geopferten Tieres wurde dabei als Abbild des Kosmos betrachtet. Auch eine spannende Sicht, auch die Leber. Nächstes Mal wenn ihr euch mal, keine Ahnung. Gebratene Leber gönnt, denkt dran, ihr esst, ihr esst das Universum. Alle das ist in einem, eines ist in allem. Genau, Mikro - und Makrokosmos werden wieder eins über Hermes des Magistos. Und verschiedene Regionen entsprachen, also diese aufgeschnittenen Leber, entsprechen dann verschiedenen Göttern. Anomalien in der Leber wurden als göttliche Botschaften gelesen. Die Etrusker hatten dazu natürlich auch ein wissenschaftliches Handbuch. Die Disziplina Etrusca und Kaiser Claudius respektierte die Hauspizien so sehr, dass er eine staatliche Schule
dazu gründete, um das weiter zu fördern. Dacitus berichtet das folgendermassen. Man habe oft in kritischen Zeiten des Staates die Herr Rospizis berufen, auf deren Weisung hin Zeremonien erneuert und für die Zukunft sorgfältiger beachtet worden. Seien. Beachtet werden würden. Riech den letzten Teil nochmal vor, dann kann ich es besser schneiden.
Das hat keinen Sinn. Und für die Zukunft sorgfältiger beachtet worden. Ehren? Nein, es passt schon. Ja, das stimmt, er redet über die Vergangenheit. Du hast das schon richtig vorgelesen, systematisch, das passt schon. Ja, aber er redet quasi im Konjunktiv über die Vergangenheit. Ja, komischer Satz. Zusätzlich zu der Leberschau gab es noch die Prodigia, also die Wunderzeichen, wenn es ja, Geburten mit Defekten gab, also oder Todgeburten oder mit zwei Köpfen.
Das war auch ein großes Ding, wurden mit zwei Köpfen. Blutregen, Blitzeinschläge im Tempel, angeblich sprechende Tiere, auch beliebt bei den Römern, das wurde alles sehr, sehr ernst genommen. Und darüber hinaus, hast du schon mal von den Sibelinischen Büchern gehört? Nee. Das ist tatsächlich vielleicht eines der dramatischsten Stücke römischer Religionsgeschichte. Der Legende nach bot die Sibylle von Cumae, eine Seherin, ein Orakel, dem letzten römischen König, also noch vor republikanischer Zeit, Dacinius Superbus, neun Bücher mit Prophezeiung an. Als er den Preis nicht zahlen wollte, verbrannte sie drei davon, bot sie wieder an, dann hat er wieder abgelehnt, weil sie drei weitere verbrannt. Schließlich
hat er dann noch ein bisschen FOMO bekommen und kaufte die letzten drei zum ursprünglichen Preis aller Neuen, den er sich ja geweigert hatte zu bezahlen für die neuen Bücher. Also ein Beispiel für hartes Verhandeln in der Antike. Kauf jetzt, der Preis bleibt gleich, aber du bekommst je länger du wartest, immer weniger. Die Bücher wurden dann im Jupiter -Tempel auf dem Kapitol aufbewahrt. also dem zentralen Heiligtum Roms, und durften nur in Notfällen auf Senatsbeschluss konsultiert werden. Und dann geschah das Undenkbare.
Im Jahr 83 v. Chr. verwüstete ein verheerender Brand den Jupiter -Tempel auf dem Kapitol und mit ihm gingen die Sibelinischen Bücher in Flammen auf. Für die Römer selbst war das nicht einfach nur ein Bibliotheksbrand. Es war, als hätten die Götter selbst ihre Verbindung zur Welt gekappt. Der Senat reagierte mit einer Notaktion, schickte Gesandte in die ganze Welt, nach Griechenland, Kleinasien, nach Sizilien, nach Afrika, um einen wichtigsten Orakelstädten in Tempelarchiven Ersatzprofezeiungen zu sammeln. Weil sonst war mehr also die Datenbank war weg. Die gesamte Wissensbasis, auf die man sofort seit Jahrhunderten gearbeitet hat, ist weg. Also muss man jetzt schnell versuchen, das wieder zusammen zu kopieren und schickt einfach
mal jemanden zu jedem Orakel, das man so finden kann. Das ist ein spannendes Weltbild für mich. Und ein neues Kompendium wurde dann zusammengestellt, aber es war natürlich nicht dasselbe. Die Autorität der ursprünglichen Bücher war dahin, bei wer konnte schon wirklich garantieren, dass die Ersatzsprüche echt waren. Wenn man sich da auf wahllose barbarische Orakel fraßt. Und jetzt waren die Römer aber nicht ganz allein mit ihrer Vorstellung, dass man aus Vögeln göttliches Wissen ziehen könnte.
Das wurde in der Forschung jetzt auch mehr und mehr herausgearbeitet. Das ist durchaus ein globaleres Phänomen. Scott Nügel, Professor für Altoorientalistik, hat 2019 gezeigt, dass die Praxis mindestens ein Jahrtausend älter ist als Rom. In Mesopotamien, in Ägypten, überall wurde der Himmel beobachtet.
Es gibt zum Beispiel die berühmten Amarna -Briefe, die diplomatischen Korrespondenzen aus dem 14. Jahrhundert vor Christus, in denen der König von Zypern, den ägyptischen Fakao, bittet, ihm einen Adler -Wahrsager zu schicken. Einen Deuter des Adlerflugs. Also so ein internationaler Austausch von Wahrsageexperten. Ich bin auf einem Auge blind, ich kann nur Leber schauen, aber mein Vogelgucker ist tot. Schick mal, schick mir mal drüber. Und die Griechen verlagerten sie eher auf Orakel, vor allem Delphi und andere weniger bekannte Zizoros selber Unterschied zwischen technischer Wahrsage wie den Auguren, weil das ist ja alles festgelegt. Das ist ja quasi Mathematik in der Theorie. Du weißt, du hast eine ganz klare
Abfolge, wie du dein Templum anlegst, wie du dich dahin legst, wie du guckst und wie du im Endeffekt auch auswerten kannst, was du siehst. das Geheimwissen, deswegen haben wir das nicht überliefert, aber das wurde dir beigebracht als Agur. Und inspirierter Wahrsagung, das war so das zweite Feld, was er gesehen hat, wo es wie bei den Orakeln dann darum ging, dass jemand in Trance zum Beispiel etwas sieht und macht.
Das ist was anderes, ne? Die Hömer haben sehr, sehr nüchtern Hühnerschnäbel genau angeguckt und waren dabei nicht in Trance oder, ne? Ohne Substanzen, ohne lange Tänze und Gesänge, ohne all die Dinge, ohne Schmerzen und der Selbstflagellation und all die Dinge, die einen eben in Tross versetzen. Er schreibt dazu folgendes in D .V. Nationen.
Es gibt zwei Arten der Weissagung. Die eine, die mit Kunst verbunden ist, die andere, die kunstlos ist. Diejenigen, die sozusagen kunstlos weissagen, tun dies nicht durch Beobachtung von Zeichen oder nach Regeln. sondern durch eine bestimmte innere Erregung und freie Bewegung des Geistes. Das würden wir diese Tross -Inspiration nennen, die freie Bewegung des Geistes. Was heißt das, dass er das als kunstlos bezeichnet? Naja, in seinem Sinne geht es bei Kunst auch hier aus der Vogelschau. Und die Wissenschaft. Ich glaube, Kunst könnte man hier vielleicht besser mit Wissenschaft auch übersetzen. Also die einen, die das mit Wissenschaft und quasi Kunst im Sinne von erlerntem, erarbeitetem Skill. Ja. Das ist hier seine Version
von Kunst. Und das andere ist halt innere Erregung und freie Bewegung des Geistes. Sie lassen sich halt so aus römischer Sicht ein bisschen zu sehr geben. Und der selbe Vogel konnte in verschiedenen Kulturen ganz andere Sachen bedeuten. Es gab jetzt keine überregionale, einheitliche Deutung, was welcher Vogel genau bedeutet. Da gab es schon regionale Unterschiede. Genauso wie die Vögel ja auch regionale Dialekte haben. Wir wissen ja mittlerweile, dass Vögel in unterschiedlichen Regionen die gleichen Vogelarten anders reden, beziehungsweise anders pfeifen oder singen. Und so ist es auch bei den Vogelschauern, dass es da eine ähnliche Uneinheit innerhalb der Kunst gibt. Cicero berichtet folgendes vom Gespräch
mit König Dayotarot. Dayotaros, einem griechischen Herrscher. König Dayotaros fragte mich viel über unser System der Vogelschau und ich ihn über das seines Landes. Ihr Götter, wie sehr sie sich unterschieden, so sehr, dass sie in manchen Fällen direkt entgegengesetzt waren. Ja, also tatsächlich bedeutet bei den einen ein gutes Ohm, bei den anderen ein schlechtes. Das heißt, es geht nicht darum, wie Vögel fliegen. sondern auch wer die Vögel beim Fliegen beobachtet. Was für den Römer ein gutes ist, ist für den Griechen ein schlechtes Zeichen, also kulturell nicht eins zu eins übertragbar.
Und das Ende der Auguren kam nicht plötzlich, kam nicht mit einem Schlag, dass die Römer gesagt haben, das ist alles Unsinn mit dieser Vogelschau, sondern wie oft bei kulturellen Praxen kamen das Ende schleichend über Jahrhunderte hinweg. Schon in der Spätenrepublik folgte die Praxis ihre religiöse Ernsthaftigkeit. Cicero ist da für das beste Beispiel. Ein Augur selbst, der nicht wirklich an Auguren glaubt und darüber schreibt, wie bürokratisiert das Ganze und wie weit weg das von den Originalen mittlerweile schon ist. Und der entscheidende Wendepunkt kam dann 391 nach Christus als Kaiser Theodosius I., alle heidnischen Kulteverbot. Aber selbst danach gab es noch Überreste. Das war nicht das totale Ende, aber da sehen wir so, da geht es
dann rapide und schneller zu Ende ab diesem Zeitpunkt, wo das Römische Reich eben zusätzlich zunehmend christlich wird, christianisiert. Die letzte gut dokumentierte Episode ist zugleich die dramatischste und sie zeigt wie tief die alten Praktiken in Krisenzeiten verankert waren und wie schnell sie dann auch wieder aufbrechen konnten, selbst in einer bereits christlich dominierten Welt der Spätantike. 408 nach Christus steht Alarich und seine Guten vor den Mauern von Rom. Zum ersten Mal seit 800 Jahren ist die ewige Stadt von dem Feind eingeschlossen, verbreiten sich Hunger, Panik und Seuchen innerhalb der Mauern und die christliche Ordnung scheint nicht zu schützen.
Der neue Kultreich ist, der da schon gar nicht mehr so neu ist, funktioniert, oder der da noch relativ neu ist, funktioniert anscheinend nicht, weil wir haben ja die Goten vor der Tür. Und in dieser Extremsituation passiert deswegen auch etwas Bemerkenswertes. Der Stadtpräfekt Pompejanus, den der Historiker Zosimus lustigerweise als überzeugten Christen bezeichnet, wendet sich an etruskische Harusbizes, also an die Leberschauer.
die aus der umbrischen Stadt Narnia nach Rom gekommen waren. Dort, so die Nachricht, hatten sie durch Opfer und Rituale ein übernatürliches Feuer und Donner erzeugt und die Goten tatsächlich zum Abzug gebracht. Also Gewittermacher. Ja, Regentanz. Die Hausbieters bieten an, dasselbe für Rom zu tun und gewisserweise eben die Blitze des Jupiter auf die Barwaren zu schleudern. Ja, genau. Da gab es doch neulich auch, als Charlie Kirk getötet wurde, gab es zwei Tage davor einen Artikel, der rauskam, wo eine Journalistin zum Spaß bei Etsy Hexen angeheuert hatte und zum Spaß Charlie Kirk hat verfluchen lassen. und darüber einen Artikel geschrieben und publiziert hatte, mit so diesem so, ach ja, mal gucken,
was passiert. War ja ganz lustig, dass die mir das alles erzählt haben, dass sie ihn jetzt jetzt verflucht hätten und so. Und dann kam dieser Artikel raus, mir wurde halt ein Teil danach quasi erschossen und ganz viele Leute haben diesen Artikel gesehen. Erziehehexen, haltet, haltet euch bereit. Auf jeden Fall ist es ein ganz faszinierender Moment, weil mitten in der christlichen Spätantike wieder so vorchristliche Praktiken auflappen.
Die alte Religion wird nicht aus Frömmigkeit hervorgeholt, sondern aus purer Verzweiflung. Pompeianus wendet sich sogar an Papst Innocence den ersten, um Rückendeckung zu bekommen, dafür, dass er das wieder macht. Und der Papst soll laut Sosimus der geheimen Durchführung der Rituale sogar zugestimmt haben, solange sie nicht öffentlich stattfinden. Aber zwar nicht. Allerdings fanden sie am Ende keine Senatoren, die bereit waren, öffentlich ... oder auch geheim an dieser Zeremonie teilzunehmen. Die Angst vor der christlichen Öffentlichkeit war größer als die Angst vor den Goten vor der Statue. Das auch viel übers frühe Christentum aussagt. Und den Fanatismus, mit dem der da teilweise gelebt wurde, wenn du mehr
Angst hast vor den Christeninnern, hast du natürlich vor den Goten, die vor der Stadt stehen, dann hast du ziemlich schreckliche Bürger. Es sind die Goten. Naja, zwei Jahre später, 410 blöderten die Goten um. Trotzdem Zum ersten Mal seit 800 Jahren fiel die Stadt. Und für viele Heiden war das natürlich der ultimative Beweis, dass die Abkehr von den alten Göttern ein Fehler war.
Als Jahrhunderte vorher Rom von den gallischen oder keltischen Stämmen angegriffen wurde, bevor Rom groß wurde, wurden die Römer ja von den Gämsen gewarnt. Es ist eine berühmte Geschichte, dass dann die Gänse geschrien hätten, als sie über die Mauer klettern wollten, früh morgens, und es keiner mitbekommen hat und deswegen Rom noch zu retten war damals. Auch meine Theorie war, warum die Franzosen so auf foie gras stehen, weil die Franzosen und damit die Gallier es eigentlich nie richtig verzeiht haben, dass sie damals Rom nicht den Gahr ausmachen konnten, bevor Rom ihnen den Gahr ausgemacht hat. Und im Endeffekt liegt das alles an den Gänsen. Ohne diese verdammten Gänse, hätten sie damals Rom geblündert und sie
hätten vielleicht die Punischen Kriege verloren, wer weiß. Aber deswegen haben die Franzosen fortentwickelt, um die Gänse noch für zweieinhalbtausend Jahre zu quälen als Rache für im Endeffekt Julius Caesar. Nur um das zu kontextualisieren. Auch ein Grund, warum die Römer wahrscheinlich, also es gibt viele Vogelgeschichten rum. Ich glaube, es geht einfach daran, dass sie generell sehr vogelbesessen waren, kulturell von vornherein, überall. irgendwas mit Vögeln zu tun hat in ihrer Geschichte. Tja, Augustinus schrieb dann als direkte Reaktion auf diesen Fall Roms und auf diesen Zweifel auch sein Monumentalwerk des Civitate Dei vom Gottesstaat, in dem er argumentierte, dass Roms Fall nichts mit den vernachlässigten Göttern zu tun habe.
Das war quasi auch eine wichtige Verteidigung davon, zu sagen, da können wir Christen nichts dafür, wenn die Grunden erst rumblöken. Und es war aber gleichzeitig natürlich das Ende eines Weltbilds, der Übergang von einer Welt, in der die Götter durch Naturzeichen sprechen, zu einer Welt, in der ein einziger Gott durch Schrift, durch heilige Schrift und durch eine institutionale Kirche kommuniziert, wobei die institutionalisierte Kirche natürlich auch eine Art Augurenkonzil ist. Also was ist die Versammlung der Bischöfe anderes als das Konzil, das Kirchenkonzil anderes als das Treffen der Auguren in ihrem Konzil?
Ja, das war jetzt eine ganz schöne Reise von Romulus Geyern über ertränkte Hühner bis zum Ende der römischen Religion. Was bleibt denn heute davon? Und das ist tatsächlich mehr als man denkt. Allein im Sprachgebrauch, das Wort auspizien verwenden wir noch unter gutem Auspizien, bedeutet unter gutem Vorzeichen. Inauguration kommt von inaugurare. Also die rituelle Einsetzung durchaus bietet. Die Auguren waren eben auch diejenigen, die die Könige in der vorgepublikanischen Zeit gekrönt haben. Das haben wir ja ganz am Anfang gehört. Also diese wichtige Rolle als Herrgöttlicher Königsmacher, was ja dann später der Bischof oder der Papst ist, der den Kaiser krönt sozusagen. Ähnliche Rolle hier. Kann man
ja auch nicht vorstellen, dass es da keine Inspiration gab. Also dass die christliche Kirche nicht auch ein bisschen die Auguren versucht hat zu imitieren. in wenigstens ihrer Rolle. Und jeder amerikanische Präsident wird heute noch inauguriert. Inauguration Day, ohne dass jemand den Vogelflug prüft, wobei Was hat er denn mal tun sollen? Ich bin mir sicher, es gibt ein paar Leute, die den Vorgeflug oft wieder prüfen. Ich war fast überrascht, weil ich seine Gedanken gehabt habe. Und das Auguren Lächeln, dieses wissende Lächeln der Eingeweihten, ist heute eben ein fester Begriff der deutschen Sprache und auch nicht aus der Zeit gefallen.
Es ist ein Begriff, den wir vielleicht ein bisschen zurückbringen sollten, weil der ganz gut beschreibt, wie, weiß ich nicht, der Lobby -Mitarbeiter wahrscheinlich den Bundestagsabgeordneten anlächelt, wenn er aus dem Bundesrat gerade rausläuft. Ja. Und was nimmt man aus dieser Geschichte mit? Erstens, dass Politik und Religion eben unrennbar in der Antike waren und die Auguren nicht nur Vogelbeobachter, sondern eben eigentlich ein Mechanismus waren, der die gesamte republikanische Macht außer Kraft setzen konnte und die im Hintergrund die größte Supermacht der Antike lenkte. So. Zweitens, dass die Skepsis an der Religion, so alt wie die Religion selber ist. Also Cicero hier als Augur, der ein
ganzes Buch darüber schreibt, um die Auguren zu widerlegen oder wenigstens in Frage zu stellen. Cäsar ebenfalls Augur, der Warnzeichen vor den Iden des März ignoriert hat. Das hat sich in mein Skript reingeschafft, aber es gab quasi Warnung für Cäsar, bevor er ermordet wurde in den berühmten Iden des März, am 15. März. Aber...
Er hat es ignoriert, weil er auch nicht mehr reingeklaubt hat, zu der Zeit schon. Er hat ja auch das Kollege erweitert extrem, also auch kein so besonders religiöser, sondern eher ein politischer Augur, würde ich sagen. Und die Römer selber waren da auch nicht einfach nur irgendwie naiv, sondern viele wussten eben, dass das System sehr manipulierbar ist. Aber sie behielten es bei, weil es irgendwie funktionierte und nützlich war. Und ich denke, da können wir sehr viel auf unsere Realität vielleicht übertragen und uns fragen, was behalten wir denn an unserem System nur bei, weil es irgendwie nützlich erscheint und funktioniert? Und worüber würden sie die Leute in 200 Jahren oder in 2000 Jahren wahrscheinlich
ziemlich lustig machen? Und sich fragen, warum haben sie denn das damals nicht geändert? Es geht ihr doch deutlich besser. Gibt es denn kein besseres System als die Hühnerfüttererei, um Krieg oder Frieden zu entscheiden, zum Beispiel? Und das dritte Learning aus der heutigen Folge ist auf jeden Fall, niemals heilige Hühner ins Meer werfen. Das solltet ihr. Also, no go. Pulchers Geschichte ist eine zeitlose Warnung vor Hybris.
Ob man jetzt an Vorzeigen glaubt oder nicht, die völlige Missachtung aller Warnsignale führt selten zu guten Ergebnissen. Und wenn es dann ein großer Reihenfall wird, dann wird einem danach noch so eine Gottlosigkeit angedichtet vielleicht. In diesem Sinne wünsche ich euch eine schöne Vogelschau. bis wir uns wieder sehen. Guckt mal, es wird schönes Wetter, es ist Frühling, Frühling ist da. Legt euch mal in den Park mit einem Stock, zeichnet euer Templum in den Himmel und guckt mal, was Jupiter euch sagen will mit seinen Vögeln.
Wie oft habt ihr irgendwie Krähen und Tauben angeguckt, zugeschaut, ohne den tieferen Gotteswillen, der euch da irgendwie erreichen sollte, zu achten? Muss man einfach mal sich ein bisschen ein bisschen öffnen, wie die Waldorf Schüler sagen würden. Ja, ansonsten, wenn ihr uns unterstützen wollt, wie wir freuen uns sehr, sehr über Unterstützung, wenn ihr das ganz sicher teilt, an Leute weiter schickt, die sich für Ornithologie vielleicht interessieren, die sich ein bisschen mystischer dabei fühlen wollen, wenn sie mit dem Fernglas im Wald sitzen und nach Vögeln schauen, dann können sie sich dabei diese Folge gut anhören, einfach um sich ein bisschen göttlicher zu fühlen dabei. ein bisschen priesterlicher, ein bisschen
eingeweihter. Ein Gott berührt. Ein bisschen von Jupiter. Wenn Jupiter dich berührt, ist es wahrscheinlich mit einem Blitz. Das sollte immer vom Hochstand runterkommen. Ansonsten, wenn ihr könnt auf YouTube eine Mitgliedschaft machen, das hilft uns sehr. Oder ihr könnt uns auf Patreon .com mit einem kleinen Obolus unterstützen. Die schöne Metapher werden ... Ich und Jonas euch quasi zwei Stunden pro Monat Geschichten in einer Kneipe erzählen würden, würdet ihr uns sicherlich auch zwei Bier dafür ausgeben. Und für diese zwei virtuellen Bier, die könnt ihr uns bei patreon .com alle Zeit der Welt ausgeben. Und wir haben eine Liste für Leute, die uns da schon unterstützen und die gerne vorgelesen werden wollen. Und wie
ich letztes Mal schon erwähnt habe, ist das so mein kleines, persönliches Rosenkranzbeten, das ich immer weiß. Entweder ich packe meinen Koffer und es werden immer mehr oder so ein kleiner Rosenkranz, wo ich die Unterstützerinnen und Unterstützer am Ende der Folge einmal vorlese. Vielen lieben Dank. Kommt ja gerne mit dazu.
Wir freuen uns sehr. Ganz liebe Grüße und vielen Dank an den cooleren Herrn Fischer vom Ardenk Gymnasium, Fanny Dietrich, Freier Stuart, Onkel Didi, Katharina, Fernando, Brigitte, Petrusilius Zwackelmann, Miauzetung. ganz neu dabei. Vielen Dank, dass du dazugekommen bist. Ich hoffe, ich habe das jetzt richtig gesagt und niemanden auf griechisch beleidigt. Ich wünsche euch alles Gute und wir hören uns in zwei Wochen wieder.
Bis dahin. aus Pizzeria Bono, Ona.