
Alle Zeit der Welt· Staffel 1· Folge 145
Kabbala für Einsteiger: Sefirot, Zohar und ein Mystiker beim Papst
Freitag, 24. April 2026 · 1 h 05
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Shownotes
Von Verschwörungstheorien zur Wahrheit: Was ist Kabbala wirklich? Wir erkunden die Ursprünge der jüdischen Mystik in der Provence und Spanien, den rätselhaften Zohar und die Katastrophe von 1492. Mit Originalquellen und einem Mystiker, der den Papst bekehren wollte.
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Quellen & Literatur:
• Jonathan Garb, A History of Kabbalah: From the Early Modern Period to the Present Day. Cambridge University Press, 2020.
• Gershom Scholem, Zur Kabbala und ihrer Symbolik. Suhrkamp, 1973.
• Gershom Scholem, Die jüdische Mystik in ihren Hauptströmungen. Suhrkamp, 1980.
• Moshe Idel, Kabbalah: New Perspectives. Yale University Press, 1988.
• Karl Erich Grözinger, Jüdisches Denken, Band 2. Campus Verlag, 2005.
• Isaiah Tishby, The Wisdom of the Zohar (englische Anthologie).
• Nick Land, „Qabbala 101“, in: Fanged Noumena: Collected Writings 1987–2007. Urbanomic/Sequence Press, 2011.
• H. P. Blavatsky, Collected Writings, Bd. XIV: „The Eastern Gupta Vidyā and the Kabbalah.“ Theosophical Publishing House.
• Véronique Altglas, From Yoga to Kabbalah: Religious Exoticism and the Logics of Bricolage. Oxford University Press, 2014.
• Jody Myers, Kabbalah and the Spiritual Quest. Praeger, 2007.
• „Kabbala“, Encyclopaedia Britannica. britannica.com/topic/Kabbala
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Herzlich willkommen zurück, Jonas, zu einer neuen Folge von Alle Zeit der Welt. Ja, hallo und auch herzlich willkommen an alle ZuhörerInnen. Wir sind wieder hier. Ja, vielen Dank für den Hinweis, dass ich nicht nur mit dir rede, dass es nicht nur ein einsames Zwiegespräch ist, sondern uns jemand hört und da freuen wir uns ja drüber.
Wir steigen heute ein in unsere kleine Serie zur Kaballa. Ja, die ist fast schon folgerichtig. Manche werden sehensüchtig darauf gewartet haben. Heute ist es soweit. Wir haben jetzt schon ein bisschen angekündigt und vor allem ist uns die Kaballa ja in den letzten drei Jahren Podcast bei unseren Themen die ganze Zeit untergekommen.
Also von unserer QAnon Folge über unsere Beschäftigung mit den Freimaurern, Crowley. westliche Esoterik allgemein, ist das die ganze Zeit irgendwie immer um die Ecke oder wird referenziert. Und wir sind aber nie wirklich tiefer eingestiegen, um uns anzuschauen, was das eigentlich ist, wo das herkommt, was das bedeutet und was für eine Geschichte dahinter steht. Ja, warum sind wir nicht darauf eingegangen? Was haben wir zu verbergen? Du fragst gleich wieder die wichtigen Fragen hier direkt am Anfang, Jonas. Ja, Unwissen. Also wir haben uns vor allem mit Unwissen abgehalten. Und es hat ein bisschen Zeit gedauert, bis ich mich da eingelesen habe jetzt im letzten Jahr, würde ich sagen. Und mich dem Thema selber immer mehr
angenähert habe, um mich jetzt zu trauen, darüber zu sprechen. Mit dir und in der Öffentlichkeit. Das Thema ist ja schon sehr aufgeladen. Also wenn wir Kabbala googeln oder bei YouTube eingeben, findest du sehr viele ganz spannende Theorien und sehr wenig Fundiertes. Vor allem wenig Fundiertes zur Geschichte. Und wir haben eben ganz viele Rezeptionslinien der Kabbala und auch wieder ein Thema, das sich nicht so ganz einfach definieren lässt. Dazu später noch mehr zu den Problemen der Definition. Aber die Übersetzung an sich, Empfang, Überlieferung Das ist erstmal wenig faszinierend oder raut einen nicht vom Hocker, dass es irgendwas überliefert, das sein soll.
Aber wir haben in Englischen, im Deutschen ja auch die Kabale als Wort, als Wortschöpfung, die auf die Kabala zurückgeht. Und da bedeutet das dann was? Verschwörung. Eines der großen Themen unseres Podcasts. Dieses Synonym für Verschwörung hat sich seit der frühen Neuzeit herausgebildet. Jonathan Garb. in seinem Buch A History of Kabbalah, das mit die Grundlage für die heutige Folge bildet, hat es folgenderweise formuliert. Ich habe alle seine englischen, also originalenglischen Zitate ins Deutsche übersetzt hier im Podcast. Verschwörungstheorien rund um diese Verbindung gesellten sich zu dem Verdacht, die Kabbalah sei ein antichristliches Komplott. Daher das Wort Kabbal für Verschwörung in europäischen Sprachen. im Rahmen des Antisemitismus
einer mächtigen politischen und kulturellen Kraft gegen Ende des Jahrhunderts. Ja, und da wird eben aus dem Wort für empfangene Weisheit mit dem Umweg über eine mystische Praxis das Wort für Komplott oder Verschwörung. Und ja, diese Tradition, die an sich erstmal sehr introspektiv und religiös ist, wird zu dem die zum Gleichbedeutenden Wort für finstere Machenschaften. Aber da endet die Kaballerezeption zum Glück ja nicht. Also es ist nur einer von vielen Fäden. Und auch die Rezeption außerhalb des Judentums hat nicht nur eine verschwörungstheoretische Seite, sondern vor allem auch eine Groteskomerzielle im 21.
Jahrhundert bekommen. Mitte der 2000er Jahre, ich weiß nicht, ob ihr euch persönlich daran erinnert, wenn ihr so alt seid, was unmöglich so Celebrity -Magazine aufzuschlagen, ohne bestimmte Accessoires zu sehen, nämlich ein rotes Bändchen am linken Handgelenk. Madonna, Britney Spears, Demi Moore, Ashton Kutcher, Lindsay Lohan, Paris Hilton, alle trugen es. Und es war eben das Symbol des Caballa Center in Los Angeles, gegründet von Philip Schrager Berg, einem Versicherungsvertreter aus Brooklyn, der sich zum Rabbi hatte umschulen lassen. Dazu schreibt Jonathan gab folgenden, ja, sehr lustigen Absatz ist nur ein Teil seiner Entfernung aus der Umlaufbahn der Tradition.
Ja, das Cabala Center verkauft nämlich auch energetisch aufgeladenes Flaschenwasser mit angeblichen Heilkräften, einschließlich mit der Behauptung, es könne die Seen von Tschernobyl dekontaminieren, was eine wilde Behauptung für Wasser ist. Als beanspruchte Markenrechte für Kosmetiker, Viehimpfstoffe und eine Flüssigverbindung zur Behandlung von Nuklearabfall.
Madonna allein soll über 18 Millionen Dollar gespendet haben. Davon sollen eigentlich 18 Millionen an eine Mädchenschule in Malawi gehen. 3 Millionen davon landeten aber speziell von dieser Finanzierung allein am Ende beim Cabala Center in Los Angeles. Jerry Hall als Supermodel stieg aus, weil man ihr erklärte, ohne zehn Prozent ihres Einkommens könnte sie nicht durch die Tür der Wunder gehen.
Und 2015 wurde Bergsohn Yehuda bekannt als Ravi der Stars, wegen sexueller Nötigung einer Schülerin verurteilt. Also die typischen dunklen Seiten eines Kults, die sich hier zeigen. Und auch das typische 90er Jahre, 2000, die westliche Kommerzialisierung von Mystik und Introspektion quasi. Die bis heute anhält. Die bis heute natürlich vollkommen anhält, ganz klar. Aber so im Rückblick zieht man die Dinge ja dann immer ein bisschen noch eindeutiger.
Aber das Gleiche, was eben mit Yoga passiert ist, hört euch unsere Yoga -Folge an, zur wahren Geschichte des Yoga. Oder mit generell östlichen Traditionen, das sind wir wieder bei Plavatsky, unsere alten Freundin. All das, was da quasi verändert und dem Westen irgendwie verkaufbar gemacht wurde. Da hat das eben dieser Philip Berg für Kabbala gemacht und so ein bisschen entkernt und die Arbeit rausgenommen, die harte Sprachenlern, das sie dann auseinandersetzen und im Endeffekt die Geheimnisse der Kabbala verkauft für zehn Prozent des Einkommens der Reichen von Hollywood. Gab es selber? hat in einer Fußnote, also der Autor des Buches History of Kabbalah, spekuliert, ob nicht der Name Madonna selbst mit seinen christologischen Konnotationen
den Prozess der Popularisierung der Kabbalah befeuert hätte. Die Kabbaler -Forscherin Veronique Altglas ordnet das Kabbalah -Center -Treffen nicht der Kabbalah zu, sondern der transnationalen New Age -Bewegung, also vergleichbar mit Siddha Yoga oder Sivananda oder den ganzen anderen Bewegungen. wie ich eben gemeint habe, dann das gleiche eben für den Hinduismus oder so machen. Wir haben da also zwei große Pole. Auf der einen Seite steht die Kaballa als so ein Zerrbild, der finstere Komplott, die antisemitischen Ängste vereint in einem Begriff und auf der anderen Seite die Kaballa als Wellnessprodukt, das rote Bändchen am Handgelenk der Popstars und beide von diesen Bildern haben mit der eigentlichen Tradition
wahrscheinlich so viel zu tun wie Horoskope mit Astrophysik. Und deswegen ist es glaube ich sehr interessant, sich mit der echten Geschichte der Kabbala intensiver auseinanderzusetzen. Aber bevor wir dorthin kommen, gibt es noch eine dritte Rezeptionslinie, die ich hier aufwerfen oder besprechen wollte. Das sind natürlich nur drei, die ich jetzt ausgesucht habe, weil die aus meinen persönlichen Interessensgebieten irgendwie kommen und aus den Bereichen, über die wir hier im Podcast geredet haben. Es gibt natürlich noch viel weitere Rezlinien und wo die teilweise andocken, werden wir dann auch noch sehen im Verlauf dieser Folgen zur Geschichte der Kaballa. Ja, aber diese dritte Rezeptionslinie ist, ich finde ja, eine der spannenden,
wie seit längerem auch im Podcast mal angekündigt, dass wir mal über Nick Land sprechen sollten und das ist noch nie dazu gekommen. Weißt du, wer Nick Land ist, Jonas? Ja. Du hast mich mit Texten von ihm bombardiert, die ich von dem nicht bisher, glaube ich, eingelesen habe. Also, ich habe noch was vor mir. Aber ja, er ist der Philosoph.
Genau. Und den Akzellerationismus erfunden, in Anführungszeichen. Beziehungsweise so eine neue Form davon. Und das nochmal, also wir haben in einer anderen Folge einmal darüber geredet, wie die Person, die den Begriff Akzellerationismus irgendwie eingeführt hatte, das war jetzt nicht er. Aber er hat auf jeden Fall das nochmal als moderne in den 90er Jahren als eigene politische Motivation und Bewegung noch mal anders herausgearbeitet.
Der war auf jeden Fall in den 90er Jahren auch Professor an der Universität Warwick, der dort mit einigen Gleichgesinnten in der von ihr benannten Cybernetic Cultural Research Unit, der CCRU, eine Philosophie entwickelte, die eben, ja, aktionellerationistisch ist. Und diese Idee, dass der Kapitalismus nicht gebremst, sondern beschleunigt werden sollte, bis er die menschliche Zivilisation hinter sich lässt, die sozusagen überkommt. Und wie nannte Land damals in dieser Schaffensphase, er hat durch verschiedene Schaffensphasen gegangen.
Aber damals also eben sehr, sehr viel Speed und andere Amphetamine. in sein Büro genommen hat, wenig geschlafen hat, viel Prosa geschrieben hat. Also Meltdown zu lesen ist absolut empfehlenswert. Googelt das, da findet ihr das, lest das mal. Das ist auf jeden Fall schöne Poesie über die Zukunft, sag ich mal, und die in Zukunft, auf die ihr vielleicht tatsächlich zusteuern. Es fühlt sich auf jeden Fall heute prophetischer an, wie noch vor zehn Jahren, würde ich sagen.
Auf jeden Fall nannte damals Land das Werkzeug, mit dem er die verborgenen Muster der Realität entschlüsseln wollte. Kabbalah. Und in seinem Essay Kabbalah 101 reinigeniert Land die kabbalistische Gematria, also das Zuordnen von Zahlenwerten zu Buchstaben. Crowley ja sehr besessener großer Gematrie -Fan war und diese Vorstellung, die auch eine lange Tradition hat, diese Idee, dass man eben die geheime Matrix, die geheimen, wirklichen Bedeutungen von Texte damit entschlüsseln kann.
Das ist eine Tradition, da müssen wir eine eigene Folge mal zu machen, die habe ich auch schon in der Vorbereitung. Aber das ist eine Tradition, die bis ins antike Griechenland zurückgeht und wahrscheinlich noch weiter. Aber sobald wir da Alphabete haben, werden die auch Zahlenwerten zugeordnet und dann wird damit gerechnet und wird damit Magie betrieben oder Mathematik mit diesem Alphabet. Und damit kann man eben auch geheime Botschaften verstecken. Das sehen wir dann, diese Tradition im In der Offenbarung des Johannes zum Beispiel, wenn da die ganze Zeit diese Zahlen genannt werden. Nach drei Jahren und so viel Tagen kommt der Antichrist und das große Biest 666 und so weiter. Das alles sind
Codes, die mit im Endeffekt auf Tradition der Gematrie aufbauen. Und Land ist davon eben auch sehr fasziniert und ich glaube viele Leute, die zu viel Amphetamine nehmen und so ein bisschen den Bezug zur Realität verlieren, sind auch... fasziniert von Gematrie, weil das eben so eine Sicherheit, so eine versteckte Klarheit gibt in einer Welt der Unklarheiten. Und das ist eben der Beweis dafür, dass die Realität aus Kot besteht für die Gematriegläubigen und dass Zahlen eben älter und mächtiger sind als die menschliche Bedeutung und gleichzeitig eben auch, dass die menschliche Sprache etwas Gottgegebenes oder etwas Höheres ist, was wir nicht einfach erfinden und verändern, sondern dass es da gewisse Geheimnisse
gibt, die dahinter stecken. Und gleich im ersten Absatz stellt Land eine entscheidende Frage. Jonas, bitte einmal die deutsche Übersetzung von Kabbalah 101. ihr die Affinität zur Technisierung bezeugt und dennoch intrinsisch auf ein Außen bezogen, durch das allein er programmatischen Sinn gewinnen könnte. Land hat dann auch ein Numogramm entworfen, seine eigene Neuerfindung des kabbalistischen Lebensbaums als dezimales Zeitsystem. Das wurde dann zu einem Kernstück der CCRU -Mythologie. Und für Land ist Kabbala an sich keine Spiritualität, sondern der Nachweis, dass Semiotik immer schon Kryptographie ist.
Und es gibt keinen Klartext, alles ist sowieso schon Code und der Code gehört nicht uns, sondern ist irgendwas extrinsisches. Das klingt jetzt alles mal relativ verwirrend und vielleicht nach einem akademischen Randphänomen. ist es aber mittlerweile nicht mehr, würde ich behaupten. Lens Ideen in ihrer modernen Form als Effective Accelerationism sind unter Tech -Investoren wie Marc Andresen und Gary Tan zum Kampfbegriff geworden.
Die Verbindung zwischen okkulter Tradition und technologischer Utopie, die einst am Rande der Philosophie in den 90ern existierte, ist mittlerweile im Herzen des Silicon Valley angekommen. Wenn wir über Leute wie Peter Thiel nachdenken, die sind da auch, obwohl Thiel sich jetzt selber auch viel mit anderen denken kann, als mit Land beschäftigt, auf jeden Fall auch Teil dieser Bubble. Aber bevor Nick Landy Caballa für die Cyberpunk -Philosophie entdeckte, hatte sie schon eine lange Karriere in den Geheimgesellschaften und okkulten Zirkeln in Europa auch hinter sich.
Deswegen sind wir auch so oft begegnet bei den verschiedenen Themen. Weil fast jede esoterische Bewegung des 18. und 19. Jahrhunderts sich irgendwo irgendwie auf die Kaballa bezieht. Oft eben als das vermeintlich älteste, tiefste Wissenssystem der Menschheit. So wird es da dargestellt. Diese Darstellung wird auch von frühen Kaballisten selbst mit befeuert. Das heißt, es ist nicht nur was von außen irgendwie auktoriert wurde, sondern das ist schon auch die Selbstwahrnehmung, wie wir später gleich noch hören werden. Aber das wurde da eben, sagen wir so, die kapalistische Propaganda wurde geglaubt von den Geheimgesellschaften.
Zum Beispiel von den Freimaurern, die sind ganz viele kapalistische Elemente, die bei den Freimaurern allgegenwärtig sind. Es gibt die zwei Säulen vor dem Salomonischen Tempel, die heißen Jachin und Boas, die in Freimaurerloschen so allgegenwärtig sind. Und in der Kaballa sind dass eben Symbole für die Sefirot, Netzach und Hoth, was es bedeutet, gleich auch noch mehr dazu gab, schreibt er zu folgendes. Und diese Verbindung war jetzt nicht nur auf Westeuropa beschränkt, auch in Russland.
Es spielte die Kaballe eine Rolle in Freimaurerkreisen. Dort hatten die Okultisten sogar teilweise Zugang zu hebräischen Originaltexten, was in der vor allem christlichen Kaballerezeption eine Seltenheit ist, weil wir wir auch später herausfinden werden, da oft mit sehr interessanten Übersetzungen gearbeitet wurden oder Leute spontan unter Druck Sachen übersetzt haben. wo sie dachten, dass das der andere so hören würde, wie das so ist. Und was wäre eine Folge von Allerzeit der Welt, wenn ich nicht auch noch unsere gute alte Freundin Helena Petrovna Blavatsky erwähnen würde? Die eine der einflussreichsten esoterischen Denkerinnen des 19. Jahrhunderts hört euch unsere Folgen zu Blavatsky an. zu ihr konkret, würde ich sagen,
zu zwei, drei und ihrem Umfeld und eine größere Geschichte der theosophischen Gesellschaft müssen wir auch noch mal separat aufnehmen. Also das ist ein ongoing process. Aber Blavatsky selber hielt Kaballa nicht nur als eine Quelle unter vielen, sondern hat das also ja in höchsten Tönen gelobt. In ihren Collected Writings formuliert sie da mit Begeisterung, die fast an Ehrfurcht grenzt, zum Beispiel folgendes. Die europäischen Okkultisten sehen in der jüdischen Kaballa allein den universellen Quell der Weisheit und finden in ihr das geheime Wissen über nahezu alle Mysterien der Natur. Für sie ist der Zoha ein esoterischer Thesaurus aller Geheimnisse des christlichen Evangeliums, und das Sefer Yezira ist das Licht,
das in jeder Finsternis scheint, und der Behälter der Schlüssel, um jedes Geheimnis der Natur zu öffnen. Also es wird hier von Plavatsky klar gemacht, wie zentral das für westliche Esoteriker ist. Sie selber sieht natürlich auch dieses große Wissen in Indien, im Osten und nicht allein dort, aber was sie hier quasi zeigt ist, wie versessen die westlichen Esoteriker auf die Kaballas sind.
Für die das quasi alles ist, was sie brauchen. Blabarsky selber behauptet aber auch, dass die authentische Kaballa eigentlich aus Chalder und Ägypten stammen würde. Also auch so eine typische Geste der Aneignung. Das haben die Juden schon irgendwie überliefert, aber eigentlich ist das kein jüdisches Wissen, um das so ein bisschen zu relativieren. Der Hermetic Order of the Golden Dawn, über den wir ja ausführlicher in den Crowley Folgen geredet haben, erhob selber die Kaballer auch zur systematischen Grundlage seiner okkulten Praxis. Und aus dem Golden Dawn kam da 1907 der auch Crowley hervor, wie wir schon besprochen hatten, den gab selber nicht besonders mag, was ich interessant fand, als ich das Buch gelesen
habe. Hier ein kurzes Zitat dazu. Anister Crowley, eine eher finstere Gestalt. die sich 1907 ihrerseits vom Orden abspaltete, fühlte sich besonders von den Hellseherischen wie in seiner Weiterentwicklung der Tarotkarten und magischen Anwendungen kaballistischen Wissens angezogen, zumeist in sexuellem Kontext.
Dieses Interesse koexistierte mit antisemitischen Tendenzen. Und dieses Zusammenleben, dass man extrem von Kaballa fasziniert sein kann und gleichzeitig irgendwie ein schwieriges Verhältnis zu den Juden hat, mit denen man in seiner Zeit zusammenlebt. Das finden wir bei vielen, vor allem auch der christlichen Kaballer, die ja meist dann als Argumentation benutzt wurde, um doch noch zu versuchen, Leute zum Christentum zu konvertieren.
Und man sich überlegt hat, dass wenn man nur kabalistische Argumente hätte, um Leute zum Christentum, vom Christentum zu überzeugen, dass dann alles gut werden würde. Crowley ist französischer Vorgänger. Elifaz Levi, von dem Crowley auch glaubte, eine Reinkarnation zu sein, hatte die Gaballa bereits als revolutionäre Universalweisheit propagiert.
Auf ihn bezieht sich Blavatsky ziemlich sicher auch, wenn sie oder an ihn hatte sie mindestens auch gedacht, als sie geschrieben hat, dass das für die westlichen Esoteriker so der Schatz aller Weisheit ist. Wie sieht sie eine spezifisch 19. Jahrhundertliche Kontextualisierung hinzu? in dem er als revolutionärer Denker behauptete, dass sie allein Macht mit Freiheit, Wissenschaft mit Geheimnis versügt. Ja, und da sehen wir schon so ein bisschen die Spuren zurück, wie wir aus Hollywood bis ins 19. Jahrhundert und noch weiter davor eben verfolgen können, wie Kaballa in den verschiedensten Kontexten ganz unterschiedlich aufgenommen wurde und eben zum Teil der okkulten Gegenkultur wurde. Eine spannende Parallele,
die erwähnt wurde, ist, dass unter anderem eben auch Frankenstein wahrscheinlich von Mary Shelley's Roman von der Golem -Legende beeinflusst wurde, diesem künstlichen Menschenwesen, das durch magische Anwendungen linguistischer Techniken aus der Kaballa erschaffen wird. Also auch der Golem ist ja ein kabalistisches... Wesen der Magie der Kabbalas sozusagen. Und ja, damit hätten wir auch so ein bisschen kabbalistische Schöpfungsmythik als Inspiration für den Gründungstext der modernen Sci -Fi eigentlich. Tja, also Inspiration für Sci -Fi, Verschwörungstheorie, Wellnessprodukt, technologische Kryptographie, okkuter Universalschlüssel.
Die Kabbala musste im Laufe der Jahrhunderte vieles sein, was sie wahrscheinlich so nicht ist. Aber die echte Geschichte Die Geschichte der Rabbinen an der Provence, der Mystiker im mittelalterlichen Spanien, der Flüchtlinge, die ihre Manuskripte über das Mittelmeer verteilten, ist wilder, tragischer und faszinierender als alles, was die anderen hätten sich ausdenken können mit all ihrer Fantasie. Und genau darum geht es in unserer Serie. Bevor wir jetzt aber in die Geschichte richtig eintauchen, müssen wir ein bisschen grundlegend besprechen, was ist eigentlich Kamala? Wir haben in der Einleitung schon erwähnt, das hebräische Wort an sich bedeutet Empfang oder Überlieferung, bezeichnet also Empfangenes,
Wissen, alte Geheimnisse, die von Lehrer zu Schüler weitergegeben werden, angeblich in einer Kette, die bis zu Moses am Berg Sinai zurückreicht. Und die Enzyklopidia Britannica definiert die Kabbala als Esoterische jüdische Mystik, wie sie im 12. und den folgenden Jahrhunderten in Erscheinung trat. Die Kaballa war im Wesentlichen immer eine mündliche Tradition, insofern als sie Einweihung in die ihre Lehren und Praktiken durch einen persönlichen Führer erfolgt, um die Gefahren zu vermeiden, die mystischen Erfahrungen innewohnen. Esoterische Kaballa ist auch Überlieferung insofern, als sie den Anspruch erhebt über geheimes Wissen der ungeschriebenen Thora. also göttlicher Offenbarung zu verfügen, das Gott Moses und Adam
mitgeteilt hat. Obwohl die Befolgung der Gesetze Moses das Grundprinzip des Judentums blieb, bot die Kaballer ein Mittel Gott direkt zu erreichen. Sie verlieben im Judentum damit eine religiöse Dimension, deren mystische Zugänge zu Gott von manchen als gefährlich, pantheistisch und herätisch bestrachtet wurden. Vor allem in diesem letzten Satz steckt ganz viel Spannung, nämlich die Kabbalah selber ist eine mystische religiöse Praxis, die Teil des Judentums war und zugleich immer unter dem Verdacht stand, dessen Grenzen zu sprengen.
Gleichzeitig auf der einen Seite Orthodox und heterodox auf der anderen. Teilweise wurde es von den rabbinischen Autoritäten toleriert, teilweise gefördert, teilweise bekämpft. und an vielen Orten auch alles gleichzeitig. Das macht es natürlich kompliziert. Und wir haben von diesen, ja, Lehrern und Führern, die da initiieren, gehört. Also die Initiation als etwas Wichtiges bei Geheimwissen natürlich. Was aber natürlich auch zur Folge hat, dass das Wissen von Lehrer zu Lehrer und Schule zu Schule sich teilweise extrem unterscheidet.
Wahrscheinlich so viele Kaballalehrer wie Kabbala Lehrer gibt, wie es immer so ist. Aber all diese verschiedenen Strömungen haben etwas gemeinsam. Also der Begriff Kabbala ist ein Sammelbegriff für sehr unterschiedliche Strömungen, theosophische Spekulation über die Struktur Gottes, ekstatische Meditationstechniken, Magie und Amulettkunde, messianische Bewegung, ethische Selbstvervollkommnung.
kosmologische Erzählung. All das und vieles mehr fällt unter diesen Begriff. Und im Kern geht es aber bei all diesen Ausführungen um die Frage, was ist die verborgene Struktur der Wirklichkeit? Was steckt hinter der Realität? Und die Kabbalisten selber glaubten eben, dass hinter der Welt, der sichtbaren materiellen Welt, ein komplexes System göttlicher Kräfte wirkt. Die sogenannte Sephirot.
Und ich schätze die Sephiroth, die Darstellung davon, ist das, was du, Jonas, und die meisten, wenn sie einen Kaballer denken, als erstes im Kopf haben. An einem Baum, ein Herz. Das sind so Kugeln. Das sind so Kreise, die so verbunden sind mit Strichen. Und es sieht so ein bisschen geometrisch angeordnet aus. Also es ist ein sehr abstrahierter Baum, sag ich mal. Im Endeffekt ... Wir visualisieren jetzt alle den Silvirot vor unserem inneren Auge. Das ist eine Landkarte des Göttlichen. Aber sehr reduziert und auf 2D als so eine Übersichtsgrafik heruntergebrochen.
Zehn Stationen von der höchsten, unfassbarsten Gottheit bis hinunter zur materiellen Welt. Also wir sind ganz unten zu verorten. Und jeder dieser Sefirer, wie die einzelnen Punkte heißen, repräsentiert eine andere Qualität Gottes. Wir haben Keter, die Krone, ganz oben das absolute Nichts, den Urgrund. Dann schon mal große Entschuldigung für alle, die tatsächlich Hebräisch sprechen, für wie ich alles aussprechen werde. Ich gebe mir Mühe, aber wird nicht besonders gut werden.
Kann ich schon mal. Bomach ist die Weisheit, der erste Funke, der Blitz des Einfalls. Bina ist das Verständnis. die Struktur, die den Funken aufhängt. Cheset ist die Gnade, die überbordende, grenzenlose Liebe Gottes. Gewurach ist Stärke, Gericht, die Begrenzung, das Nein. Tiferet ist die Schönheit. Tiferet ist die Schönheit, die Harmonie, oft mit dem König identifiziert. Netzach die Ewigkeit, der Triumph. Hod, Glanz, die Demut.
Jesod das Fundament, die Verbindung der Kanal. Und, ja, wenn ich sage die Verbindung der Kanal, dann ist das fallisch kodiert und konnotiert, weil wir haben damit verbunden Malchut, Schechina, das Königreich, die weibliche Dimension Gottes, die in der materiellen Welt wohnt. Also wir haben auch eine Art Gendering Gottes in einem männlichen und einem weiblichen Teil, was ganz Spannendes.
Sephirot wurden von den Kabbalisten buchstäblich als Körperteile Gottes gedacht. Keter oben in der Krone als Kopf. Dann der rechte Arm, der linke und so weiter. Tiferet ist der Torso. Und Jesod ist dann eben der Fallus in diesem Sinn, weil das der Teil des Körpers ist, so in der Denke. Und die hatten selber auch kein Problem damit das göttliche Anatomisch zu beschreiben.
Sigmund Freud hat Jahrhunderte später die Sexualität dann ins Zentrum der menschlichen Psyche gestellt. Kabbalah hat das auf eine Art und Weise für die göttliche Psyche schon vorher getan. Und besonders bemerkenswert oder spannend finde ich diese letzte Sefirah, die Shechina, die eben die göttliche Gegenwart in der Welt darstellt und als weiblich gedacht wird. Für die Kabbalisten ist Gott nicht nur der strenge Vater, sondern hat eben auch eine weibliche Dimension, die in der Welt wohnt und unter der Trennung von den oberen Sefirot leidet. Gott ist auf eine Art und Weise zerbrochen in diese Einzelteile. Unsere Aufgabe ist es, ihm zusammenzusetzen. Genau. Du hast verstanden, Jonas. Ja. Und das ist so eine Art Liebesgeschichte,
das kosmische Drama der Kabbala. Die Schechina, das Weibliche, ist von Tiferet, dem Männlichen, dem König, getrennt und die menschlichen Handlungen, Gebete, Rituale, Äthisches und Unethisches. Die positiven Sachen dienen dazu, diese kosmische Ehe wieder zu vereinen und die schlechten Taten entzweien das eben weiter. Ja, und letztendlich hat man dann einen genderlosen, geschlechtslosen Gott. Der die Einheit beider Seiten darstellt, auf eine Art. Fun fact, und bin mir sicher, dass das Crowley besonders gefallen haben muss. Die Kabbalisten, also es gibt Schrömungen, die glaubten, dass der Geschlechtsverkehr auf Freitagabend zum Schabberbeginn eine kosmische Wirkung hat, weil er die Schechina mit dem Tifaret heilt,
und damit auch den Riss in der Welt heilt. Und damit ist Sex hier auch konkret ein mystisches Sakrament und Teil der religiösen Tradition, der religiösen Handlung, was spannend ist und zu Leuten wie Crowley, die sich selber mit Sexualmagie beschäftigt haben, sicherlich inspiriert hat. So, ist es jetzt ein bisschen klarer, wie heterodox das Ganze ist und worum es ungefähr geht. Ja, ich denke schon. Dann steigen wir jetzt ein mit der Vorgeschichte, um das kurz zu kontextualisieren und starten dann mit dem eigentlichen Beginn der Kaballa. Weil bevor die Kaballa im 12. Jahrhundert als eigene Strömung so richtig in Erscheinung trat, hatte die jüdische Mystik natürlich eine jahrtausendealte Vorgeschichte. Und diese beginnt
mit einer Vision. wie das so typischerweise ist. Im ersten Kapitel des Buches Ezekiel beschreibt der Prophet eine überwältigende Vision, den göttlichen Thron, getragen von vier geflügelten Wesen, umgeben von Rädern in Rädern, Feuern, Feuer und Blitz. Dieses Bild, die Merkava, der göttliche Wagen oder Thron, wurde dann zum Ausgangspunkt der ältesten bekannten Form jüdischer Mystik, nämlich der Merkava -Mystik oder Maase -Merkava. die Werke des Wagens. Der Begriff Merkava ist uns heutzutage wahrscheinlich vor allem durch den Panzotyp bekannt, den die israelische Armee benutzt.
Der größte selbstgebaute Panzer heißt auch Merkava, ist auch ein Wagen oder Thron. Ja, und diese Merkava -Mystik blühte im 13. Jahrhundert unserer Zeitrechnung in Palästina auf. Ihre Hauptanliegen war die ekstatische und mystische Kontemplation des göttlichen Throns, also das Wissen wie sieht der Thron Gottes aus, wie sieht das Paradies aus? Und diese Texte, die aus dieser Tradition hervorgingen, ist die sogenannte Hekalot -Literatur, also Palast - oder Kammer -Literatur. die jeweils dann die Aufstiegsreisen durch himmlische Paläste vorbei an Engeln und Dämonen bis zum Thron Gottes beschreiben. Es gibt eine ganz lustige Visualisierung irgendwo online, wo jemand aus so Hackalot -Literatur Gott, Gottes Körper und den Thron Gottes und
so nachgebaut hat, quasi in den echten Relationen, die beschrieben wurden. Und das sah sehr lustig aus. Muss ich mal schauen, ob ich das nochmal online finde. Auf jeden Fall. Wir hatten ja auch mal diese Folge, wo wir über die hier China gesprochen hatten. Erinnerst du dich, Jonas? Hilf mir auf die Sprünge. Hilf mir selber auf die Sprünge.
Was haben wir zu China gemacht? Eine Taiping Rebellion. Da gab es den Fall, nachdem der chinesische Bruder von Jesus geboren wurde, dass es dann diese englischen... Schmuggler gab, glaube ich, die Waffen verkauft haben und die dann so große theologische Diskussionen führen mussten, ungewollt mit den neu konvertierten Christen der Taiping Fraktion und die dann gefragt haben, wie groß ist Gott und wie breit ist seine Brust und welche Haarfarbe hat er und so weiter. Das sind Fragen, die hätten die Leute, die Hecker -Lott -Müstiger im ersten Jahrhundert, die hätten die beantwortet.
Die hatten ganz genau gesagt, wie viel Ellen was lange ist, weil die haben es gesehen in ihren mystischen Ritualen und erleuchtungsmystischen Erlebnissen. Also da sind die falschen Leute aneinander gekommen, hätten sich die ein bisschen mehr mit Hackalot auseinandergesetzt, hätten sie da bessere Antworten finden können. Für den Fall, dass euch das mal passiert. Ja? Gab? Also Jonathan Garb ordnet die Tradition der Merkabermüstik auch ganz klar als Vorläuferin, als direkte Vorläuferin der Kabalei. Andere Systeme entwickelten die Struktur der 32 Pfade der Weisheit aus dem Sefa Yezira, das System der überirdischen Hekalot und die Auslegung des göttlichen Wagens wie in Ezekiel 1, wie sie in den älteren Literaturen
gleichen Namens zu finden sind. Und jetzt spricht er hier Sefa Yezira an. ist das älteste Buch der jüdischen Schöpfungsmystik, würde ich sagen, und der wichtigste Text der Vorkabala -Mystik. Der Sefer Yetzirah heißt Buch der Schöpfung oder Buch der Formung und entstand irgendwann zwischen dem dritten und sechsten Jahrhundert. Das ist ganz kurz nur wenige Seiten, aber die sind von enormer Wirkungsmächtigkeit, denn das Sefer Yetzirah erklärt die Schöpfung als einen Prozess, der die Zehen Göttlichen Zahlen, also Sefirot, des Schöpfungsgottes und die 22 Buchstaben des hebräischen Alphabets umfasst. Zusammengenommen bilden sie dann die 32 Pfade der geheimen Weisheit. Und die Grund der Idee dahinter ist, Gott erschuf
die Welt nicht mit seinen Händen, sondern mit Sprache. Das finden wir auch im Alten Testament so. Das Wort erschafft. Gottes Geist ist über den Wassern und dann schafft er mit Worten. Er schafft eben mit Sprache, Buchstaben und Zahlen sind deswegen auch Bausteine der Realität. Und wenn wir jetzt ganz abstrahiert nachdenken, für mich klingt das immer mehr als würde jemand einen Programmierer beschreiben. Weißt du? Also diese Idee, dass das eben so geschaffen wird, dass da niemand, also dass das nicht wie in anderen Schöpfungsmythen quasi aus dem Fleisch und Blut erschlagener Riesen und Götter geformt wurde.
oder aus irgendwelchen, sondern dass es im Endeffekt, ja, aus Worten und Zahlen konstruiert ist, unsere Realität. Wir leben in der Matrix. Genau. So ist es tatsächlich. Je mehr ich drüber nachdenke, desto mehr komme ich zu dem Schluss. Und gleichzeitig ist es natürlich ein spannender, aber rätselhafter Text, weil dessen Rezeption auch die gesamte Kaballa -Geschichte hindurch wichtig ist und sich quasi durchzieht durch die ganze Kaballa Geschichte. und aber Jahrhunderte quasi vor dem eigentlichen Entstehen der Kaballa als Bewegung verfasst wurde. Der Ursprung des Konzepts der Sefirot ist ebenfalls unklar. Der Begriff selbst findet sich im Sefa Yetzira, aber dieser kurze und kryptische Text gibt uns weder die Liste
ihrer Namen noch ihre Wechselbeziehungen. Also das ist mal wieder so was ganz Typisches, wie wir es auch bei Yoga gesehen hatten. Das Wort Yoga gibt's schon viel länger. Aber Yoga wurde dann später mit einem anderen Konzept gefüllt. Für den Westen. Und hier haben wir das Wort Sefirot, was eben schon sehr viel länger existiert, bevor die Kaballe als System entstand. Aber es bedeutet im Sefajezira eben etwas anderes, als es das dann für die späteren Kaballisten bedeutet, die dann wieder die Sefajezira lesen und sagen, das muss ja unser System sein. Es wird wieder so rückprojiziert. Im Sefajezira sind die Sefirot eher abstrakte Zahlen, kosmische Prinzipien.
Und erst die mittelalterlichen Kabbalisten, zu denen wir jetzt gleich kommen, machten daraus dann diese zehn göttlichen Qualitäten, die wir gerade kennengelernt haben. Und ja, diese Idee, dass Sprache die Grundstruktur der Realität ist, also dass Buchstaben und Zahlen nicht bloß Zeichen sind, sondern die Bausteine der Schöpfung selbst, verbindet diese antike Merkava -Mühstüge über das Lefajetsira und die mittelalterliche Kabbala dann wieder direkt mit Nick Lans Kabbala 101 im 21. Jahrhundert. Wenn Land sagt, dass seine Jotik immer schon Kryptographie sei, formuliert er im Endeffekt nur eine Variante dieser selben Urintuition, dass Sprache eben keine menschliche Erfindung sei, sondern kosmischer Code des großen
Programmierers, der uns alle erschaffen hat. Die eigentliche Geschichte der Kaballa, so viel zum Vogelblänke, beginnt in Südfrankreich. Genauer gesagt in der Provence im 12. Jahrhundert. und sie beginnt mit einem blinden Mann. Dieser Kapitel wird sich auf den Dialog der modernen Kaballer mit ihrem unmittelbaren Vorgänger konzentrieren, nämlich der Tradition, die sich hauptsächlich in Südeuropa, der Provence Spanien und Italien zwischen dem 12. und 15. Jahrhundert herausbildete.
Hier unterscheidet er auch schon zwischen der modernen Kabbala und dem Vorläufer im Mittelalter. Also da werden wir noch einiges an Entwicklung mitmachen, auf jeden Fall. Und wer war dieser Blinde? Rabbi Itzak Sagi Nahor. Wörtlich Itzak reich an Licht war blind, was typischer Euphemismus ist. Also einen Blinden reich an Licht zu nennen ist entweder Ausdruck tiefer Zärtlichkeit oder Bösartigen Humors. Wahrscheinlich ein bisschen was von beidem. Aber Isaac der Blinde, der von 1160 bis 1235 gelebt hat, gilt als der erste Kabbalist im engeren Sinne. Er lebte in Poskier, dem heutigen Wauver in Südfrankreich und war der Sohn des berühmten Rabbi Abraham Ben David von Der entwickelte die früheste bekannte Theorie
der Sephirot als göttlichen Emination. Also die Idee, dass Gott sich eben speziell in zehn Stufen in die Welt hinein entfaltet oder da hinein erreicht sozusagen. Also wir hängen an den unteren Füßen Gottes. Die Provence des 12. Jahrhunderts war ein intellektueller Schmelztiegel. Juden, Christen und muslimisch beeinflusste Gelehrte lebten in relativer Nähe und die Kamballa entstand deswegen auch nicht in einem Vakuum, sondern in einem Umfeld, das auch neuplatonische Philosophie, arabische Astronomie und eben christliche Mystik aus der Zeit gut kannte. Es gab sogar mal ein Emirat, das kurzzeitig im 11. Jahrhundert glaube ich oder davor dort in der Region im Süden der Provence geherrscht hat. Also wo wir quasi in
Südfrankreich ein Emirat hatten. für kurze Zeit. Habe ich noch nicht gelesen, fand ich spannend. Und in dieser Zeit entsteht auch der Text, der traditionell mit den Anfängen der Kaballa verbunden wird, nämlich das Sefer Bahir, das Buch der Heiligkeit. Gaub beschreibt es folgendermaßen. Dieses rätselhafte und vielschichtige Werk in der Provence fertiggestellt ist eine der einflussreichsten Formulierungen der Sifirot -Lehre. der Theologie der Macht, der Rolle der sakralen Zeit und anderer Kernthemen.
Und tatsächlich ist das, Steph, aber hier ein relativ seltsamer Text. Es liest sich sehr traumhaft, sehr fragmentarisch, sehr assoziativ. Ich glaube tatsächlich, es würde dir gut gefallen, literarisch, Jonas. Das glaube ich auch. Lauter obskure Gleichnisse. Ein Abschnitt vergleicht die Sefirot mit einem König, der einen Garten pflanzt. Ein anderer spricht von einem Baum, dessen Wurzeln nach oben wachsen. Das sind alles so Paradoxien. Also wirklich wie so ein Gemälde von einem Surrealisten. Und alles eben immer sehr metaforisch aufgeladen.
Das liegt aber auch bestimmt daran, dass man eigentlich eingeweiht sein sollte. und das nicht so verstehen sollte als Uneingeweiter, sondern du brauchst da eben deinen Lehrmeister, der deine Lektüre begleitet und das auch einordnet für dich. Von der Provence aus wanderte diese Ideen über die Pyrénées nach Spanien und dort gab es eine richtig gehende Explosion von Kaballa danach.
In der katalanischen Stadt Girona formierte sich im frühen 13. Jahrhundert ein Kreis von Kaballisten und Schüler von Itzac dem Blinden. Wir haben eine Folge zur Geschichte des Schachs gemacht. Ich glaube, das ist noch ungefähr die Zeit, wo sich das moderne Schach dort vor Ort entwickelt, wie wir es heute kennen in seiner modernen Form.
Das heißt, da saßen Leute rum, haben dieses neue Spiel namens Schach ausprobiert und um sie herum wurde die Kaballa erfunden. Das war auf jeden Fall eine spannende Zeit. Und in Girona gab es eben diesen Kreis von Kaballisten um Schüler von Isaac dem Blinden. Und einer von ihnen war Nachmanides. Rabbi Moses Ben Nachman, auch Ramban genannt, der von 1194 bis 1270 lebte und einer der einflussreichsten jüdischen Gelehrten des Mittelalters ist. Also Nachmanides ist tatsächlich, wenn ihr euch mit dem Judentum Mittelalter beschäftigt, dem begegnet man an jeder Ecke. Der wird auch immer referenziert und immer verglichen, was das im Vergleich zu Nachmanides oder wie er sich in Opposition dazu verhält. Nach Manitas war
öffentlich kein deklarierter Kabbalist. Er versteckte kabbalistische Ideen in seinen Tora -Kommentaren, aber als Geheimnisse angedeutet, aber nie ausgesprochen. Wer eingeweiht war, konnte die kabbalistischen Schichten lesen. Alle anderen sahen nur konventionelle Bibelkommentare. Ein frühes Beispiel für das, was die Kabbalisten Sott nannten. Ein Geheimnis unter der Oberfläche. 1263 wurde nach Manitas gezwungen, einer öffentlichen Disputation mit dem konvertierten Pablo Christiani teilzunehmen, dem Zweck nach, um zu beweisen, dass Jesus der Messias war. Nach Manides argumentierte so überzeugend, dass König Jakob I. von Aragonien ihm eine Geldsumme und Reisefreiheit gewährte, was die Dominikaner
nicht so besonders amüsant fanden. Nach Manides musste dann trotzdem nach Palästina fliegen. Und ein Aspekt, der bei diesem Thema sehr selten diskutiert wird, ist, dass die spanische Kaballa sich eben auch in einem Umfeld entwickelt hat, das von islamischer Mystik geprägt war. Al -Naluz, also das muslimische Spanien, war Heimat großer Sufi -Meister. Jonathan Garb erwähnt die Möglichkeit einer solchen Verbindung beim Geronagreis selbst.
Ein rivalisierendes katalanisches Zentrum. das seinerseits provenzianische Ansichten fortsetzte, war das von Rabbi Ezra und Rabbi Asriel von Gerona, dessen philosophisch orientierter Ansatz möglicherweise soufische Einflüsse verraten könnte. Obwohl direkte Einflüsse schwer nachzuweisen sind und es da auch noch viel Forschungsbedarf gibt, weil es wenige Leute gibt, die quasi sich mit marokkanischer Kaballa oder mit marokkanischen Vorläufern der spanischen Kaballa beschäftigen, weil da auch oft keine interdisziplinären Forscher gibt, die quasi auf beiden Bereichen bewandert genug sind, um das zu vergleichen. Aber das wäre sehr, sehr spannend da mehr zu forschen, glaube ich. Weil beide von diesen Systemen und Traditionen entwickelten,
also beide entwickelten Systeme mit göttlicher Attribute betonen jeweils die Transformation des Selbst durch kontemplative Meditation und nutzen erotische Metaphorik für die Gottesbeziehung. und haben jeweils ihre eigenen Konflikte mit der religiösen Orthodoxie austragen müssen regelmäßig. Also da gibt es schon viele Gemeinsamkeiten, die auffällig sind, vor allem weil die ja zur gleichen Zeit und am gleichen Ort waren. Zum Beispiel war der große Sufi -Meister Ibn Arabi, der von 1165 bis 1240 lebte, zur gleichen Zeit in der gleichen Region wie die ersten Kabbalisten.
Und der entwickelt eben auch eine kosmologische Lehre, die der Sephirot -Lehre verblüffend ähnelt. Aber da gibt es eben keine eindeutigen Beweise für jetzt. Aber denkt das einfach mit, dass sich das in einer ähnlichen Zeit, aber ähnlichen Ort entwickelt hat. Und jetzt kommen wir zu meiner Lieblingsgeschichte der heutigen Folge. Nämlich Moshe de Leon. Wer schrieb das wichtigste Buch der Kaballer? In den 1280er Jahren begann nämlich ein kastilischer Kabbalist namens Moshe de Leon, der circa von 1240 bis 1305 lebte, Abschnitte eines monumentalen Werkes in Umlauf zu bringen, den Zoha, das Buch des Glanzes. Verfasst in arameilischer Sprache gab es vor die Lehren des Rabbi Shimon bar Yochai, einer berühmten Figur aus dem zweiten
Jahrhundert zu sein, der als talmudischerweise 13 Jahre in einer Höhle gelebt hatte. Der Zoha ist bis heute der wichtigste Text der Kaballa, vergleichbar in seiner Bedeutung mit dem Talmud für das traditionelle rabbinische Judentum und ist ein unglaublich riesiges Werk. Mehrere tausend Seiten, eine Mischung aus Bibelkommentar, mystischer Philosophie, erotischer Symbolik, kosmischen Erzählungen und Dialogen zwischen Rabbi Shimon.
und seinen Schülern, die durch die Landschaft Israels wandern und in allem, jedem Grasheim, jedem Stern, die verborgene Struktur des Göttlichen erkennen. Es ist auch geschrieben wie ein Wanderroman. Also, spannend. Und jetzt ist eben die Frage, Moment, wenn dieser Text tatsächlich von Schimon bar Jochai im zweiten Jahrhundert verfasst wurde, warum taucht es jetzt erst 1000 Jahre später auf? Die Forschung. Ja, wie du vermutest es schon, die Forschung ist sich da relativ einig. Der Zohar wurde im späten 13. Jahrhundert hauptsächlich von Moshe von Lyon verfasst und in Kastilien.
Die heutige Forschung beruft sich unter anderem darauf, dass der Stil des Aramaischen überhaupt nichts mit dem zweiten Jahrhundert zu tun hat und nur von jemandem so geschrieben worden sein konnte, der noch nie wirklich mit jemandem Aramaisch gesprochen hatte, der irgendwie aus der Gegend kam. Oder im zweiten Jahrhundert gelebt hatte.
Das ist so ein bisschen, als würde man heute mit dem Latein, was man in der Schule lernt, versuchen, irgendwelche mittelalterlichen Urkunden zu fälschen. Funktioniert erst mal nicht. Da gibt es ja Veränderungen und so. Das kann man nachverfolgen. Und die Sprache ist eben ein großer Faktor, der dafür spricht, dass es da von Mosches selber geschrieben wurde. Die Geschichte, wie es aber ans Licht kam, ist tatsächlich extrem lustig und köstlich. Nämlich nach dem Tod von León. Im Jahr 1305 suchte ein Kabbalist namens Isaac von Acco die Witwe auf und fragte nach den Originalmanuskripten. Die Witwe, also die Quellen, wo ihr Mann denn dieses Wissen her hatte.
Und die Witwe soll dann eben geantwortet haben, dass ihr Mann den Text selbst geschrieben habe und es überhaupt keine Originalmanuskripte gibt. Ein reicher Mann aus Avila habe angeboten, seinen Sohn mit Leóns Tochter zu verheiraten, wenn es ihm das Original gäbe. Aber es gab kein Original. Lustig. Und die einzigen Referenzen, die er auf die Sohar haben, wurden auch von Moshe de Leon selber in irgendwelchen Bibliotheken geschrieben.
Das heißt, er ist dann quasi in andere Bücher gegangen mit Talmud -Kommentaren und hat da Fußnoten und Seitenvermerke reingeschrieben, wie es auch in der Sohar steht. So eine Art unter dem Fake Account die eigenen Sachen liken. In der Zeit des Internets. Und auch schön, dass wir hier idzak von Akku hatten, der quasi direkt noch zurzeit versucht hat, dieses Rätsel zu lösen und wegen dem wir diese schöne Geschichte überliefert haben. Aber man kann die Sache natürlich auch anders sehen. Morgilion mag geglaubt haben, dass er ein Kanal für uralte Wahrheiten war, dass die Worte durch ihn durchflossen und nicht von ihm kamen, von Art Channeling, wie man heute sagen würde. Und für die Kabalisten spielt es
letztlich keine Rolle, wer den Text physisch geschrieben hat, was zählt, ist die Wahrheit, die er enthält. Das ist ja oft so bei religiösen Texten. Wenn man dann darauf hinweist, dass es tatsächlich nicht die mystische Schaffung des Textes ist, dann wird gesagt, naja, aber die Wahrheit ist es ja trotzdem. Was steht also drin in der Zuhau? Ich habe gerade schon erzählt, dass es eine Reisegeschichte ist durch das Palästina des zweiten Jahrhunderts und die Zuhabe schreibt, die gescheiterten Schöpfungsversuche Gottes, was sehr spannend ist. Bevor unsere Welt entstand, schuf Gott andere Welten und zerstörte sie wieder.
In den Idrot, den dramatischen Abschnitten des Zor, ist ein Bericht über besonders theurgisch orientierte Versammlungen mit dieser berühmten Passage. Es wurde gelernt. Geheimnis der Geheimnisse. Als Rabbi Schimon den Mund öffnete, bebte die Erde und die Gefährten zitterten. Er offenbarte im Geheimnis und sprach. Dies sind die Könige, die im Lande Edom herrschten, bevor ein König über die Kinder Israel herrschte. Wer kann dies erforschen? Wer wird dessen würdig sein? Ja, und die Könige von Edom, das sind hier die gescheiterten Welten vor unserer Schöpfung. Die Kabbala kennt also keinen perfekten, fehlerlosen Schöpfer, sondern der Gott ist eher ein Künstler, der seine ersten Entwürfe immer wieder an den Papierkorb
wirft, bis etwas ihm passt. Und die Zoha enthält eine der radikalsten Ideen der Religionsgeschichte, nämlich dass es eine Seelenwanderung gibt. Nämlich die Gilgul Neshamot. Seelen werden wieder und wieder in neuen Körpern geboren, bis sie vervollkommend sind. Und das ist die verbleibende Unvollkommenheit der bereits geborenen Seelen, die die Ankunft der messianischen Zeit verzögert. Und das ist doch interessant, oder? Also zum einen klingt es ein bisschen nach Scientology, dass unsere eigenen Seelen noch zu sehr von was anderem besessen sind, was man dir reinigen müsse, um quasi zu einem besseren Menschen zu werden. Auf der anderen Seite ist Reinkarnationslehre überhaupt kein Standard -Element des rabinischen Judentums.
So eine Art moderne Entwicklung der Reinkarnationslehre, die aber nicht alle mittelalterlichen Kapitalisten vereint haben und teilweise auch sehr esoterisch war. Aber heute glauben viele orthodoxe Juden an Serienwanderung, oft ohne zu wissen, dass die Idee aus der Kaballa stammt und von Maimonides vermutlich als heresi betrachtet worden wäre in seiner Zeit im Mittelalter. Ja, also Kaballa eigentlich der Inkarnationslehrer. Du wirst wiedergeboren, bis du gut genug bist, um nicht mehr wiedergeboren zu werden. Und das ist natürlich sehr buddhistisch und hinduistisch eingehaucht von der Idee her.
Ja, auf jeden Fall. Nur dass bei der Kaballa die Welt erlöst werden würde oder Gott und beim Hinduismus und Buddhismus du ja am Ende die deine Seele des Nirvana vielleicht erreicht und du dann erlöst wirst, nicht die Welt selber. Neben dieser theosophischen Kaballa, des Zoha, die Moshe de Leon entwickelt hat, gab es noch eine zweite radikalere Strömung mit einer der schillersten Figuren der gesamten jüdischen Geschichte, nämlich Abraham Abulafia. Abulafia sagt dir wahrscheinlich nichts, oder? Nee, stabiler Name. Stabiler Name und stabiler Mann. Also 1240 bis ungefähr 1291 hat er gelebt und war ein Wanderer, ein Visionär und je nach Perspektive ein Prophet oder ein Wahnsinniger. Und das macht immer schon viel
her. wenn die Rezeption da so auseinandergeht nach dem Tod, der reiste durch den Mittelmeerraum, durch Italien, Griechenland und Palästina und entwickelte eine Technik der meditativen Praxis, die auf dem Permutieren hebräischer Buchstaben basierte, als so eine Art mantrische Meditation, bei der Buchstabenkombination immer wieder schnell rezitiert werden und laute, damit natürlich auch, bis der Medizierende in eine Art in einen veränderten Bewusstseinszustand gerät. und dieses System bezeichnet er selbst als prophetische Kaballa.
Abou Lafiyah war einzigartig in seinem Anspruch, Werke auf der Grundlage prophetischer Offenbarung verfasst zu haben, die er als neuen Kanon betrachtete, neben der Bibel auch für liturgische Zwecke. So bezeichnete er sein eigenes System als prophetische Kaballa. Dieser höchst farbenfrohe Kaballist reiste nach Italien, Griechenland, Palästina und möglicherweise Frankreich. versuchte den Papst zu treffen und nahm eine Vielzahl von Einflüssen auf, darunter Askenasische, Wüstig, Sophismus und möglicherweise Franziskanisches Denken. Im Jahr 1280 beschloss Apulafia etwas Ungeheuerliches, nämlich er reiste nach Rom, um Papst Nikolaus III. zu treffen. Garp formuliert zurückhaltend, Abulafi habe versucht, den Papst zu treffen.
Aber laut Gershahm Scholem ging es um nichts weniger als die Bekehrung des Papstes zum Judentum. Wir reden hier über die Zeit der Kreuzzüge. 13. Jahrhundert. Du willst den Papst zum Judentum bekehren? Das ist auf jeden Fall ein gefährliches Spiel, mein Freund. Und der Papst liest dann auch ... direkt Vorbereitungen für Abulafias Hinrichtung treffen. Aber bevor das Urteil vollstreckt werden konnte, starb Nikolaus III. plötzlich.
Abulafias selber sah darin natürlich eine göttliche Bestätigung seiner Mission, warum würde Gott diesen Papst den umbringen wollen, sonst sterben lassen. Aufgrund eines Verbots, das von Nachmanides Hauptschüler Rabbi Schlomo ben Aderet raschbar gelassen wurde, blieben Apulafias zahlreiche Werke und die seiner späteren Anhänger bis zum Aufkommen der modernen Wissenschaft als Manuskripte.
Das heißt, von vielen dieser Bücher gab es und gibt es nichts Gedrucktes. Einige der bekannteren Werke von ihm werden erst seit den 1980er Jahren wieder gedruckt, wegen diesem Verbot quasi und weil die konkurrierende Schule sich durchgesetzt hat mit Nachmanides. im Vergleich zu Abulafia. Auch wenn Abulafia, also beides wahnsinnige Charaktere, aber Abulafia ist auf jeden Fall faszinierend, falls ihr euch mit einer Figur da tiefer beschäftigen wollt. Vor allem, weil noch etwas Erstaunliches passiert ist. Er wurde zu einer Art Popkulturfigur.
Seine Buchstabenpermutationen spielen eine zentrale Rolle in Oberto Ekkos Roman, das fukosche Pentel. und im Film B -Season. Also das fukurische Pente. Hast du es gelesen, Jonas? Hab ich nicht gelesen, nee. Aber da wird es auf jeden Fall referenziert. Der mittelalterliche Streit zwischen theosophischer Kaballa, also der Zoha -Seite, und der prophetischen Kaballa mit Abulafia spiegelt aus dem grundlegenden Konflikt der Mystikgeschichte wider. Geht es um die Erkenntnis der Struktur Gottes oder um die direkte persönliche Erfahrung? Der Vereinigung mit Gott. Und da haben wir eben diese zwei Seiten, diesen schismischen Streit auch innerhalb der Kavala schon. Und jetzt müssen wir zum Ende der heutigen Folge noch die Katastrophe besprechen.
Nämlich 1492 und das Ende des spanischen Judentums. Wenn ich 1492 sage, dann sagt euer Gehirn als Antwort direkt, ah ja, dass es ja in den Kolumbus Amerika entdeckt hat. Aber auf der anderen Seite war das natürlich auch das Jahr der Vertreibung der Juden aus Spanien. Das Alhambra -Dekret von Ferdinand und Isabella, den katholischsten König aller Zeiten oder wie es damals hieß in ihrem offiziellen Titel, beendete über 1000 Jahre jüdisches Leben auf der iberischen Halbinsel. Über 200 .000 Juden standen vor der Wahl. Die wurden dort teilweise übrigens nach den jüdischen Rebellionen in Palästina von den Römern in vielen Fällen zwangsmigriert. nach spanien um die quasi als andere ende des römischen empires zu schaffen
damit sie keine probleme machen dann er hat sich dort diese gemeinde entwickelt über das ganze spätantike und mittelalter hinweg und dann wurde diese geschichte hier wieder beendet quasi und die leute die dort ursprünglich auch schon mit einem zwangsdekret hinkamen wurden wieder rausgeworfen mit einem zwangsdekret ja und über 200 .000 juden standen eben vor der wahl konvertieren oder gehen Wer blieb und konvertierte wurde Converso genannt oder Abwertend Marano und viele praktizierten im Geheimen eben weiter das Judenblumen wurden sogenannte Krypto -Juden und manche von ihnen eben auch Krypto -Kabalisten. Wenn ich Krypto Kabalist sage, dann meine ich niemand, der zu viel Zeit auf Twitter verbringt und Bitcoin kauft.
Nur das ist klar aus. Diese Vertriebenen flohen dann in alle Himmelsrichtungen, oft mit der Hilfe von Schmugglern, also nach Portugal sind viele geflohen am Anfang, wo sie dann später, einige Jahre später auch das gleiche Schicksal hatten wie in Spanien. Nach Italien, nach Nordafrika sind viele gegangen und eben ins Osmanische Reich, wo es Osmanische Piraten vor allem ganz zentral bei der Überführung der Leute waren, zum Beispiel nach Thessaloniki dann. Die Leute haben natürlich diese Kaballa aus diesem frühen Zentrum mit sich genommen in ihrer radikalisierteren und apokalyptischeren Form nach dem, was ihnen passiert ist. Diese Vertreibung als eine Art kosmisches Trauma. Und einer der dramatischsten Figuren dieser Zeit
ist Shlomo Molcho, der von 1500 bis 1532 gelebt hatte. Der wurde als Christ geboren, als Sohn einer Conversofamilie und hatte dann eine Karriere am portugiesischen Königshof gemacht, dann hatte er mystische Erfahrungen, beschnitt sich selbst, was Wahnsinn ist, und floh dann, um offen als Jude zu leben. Als Teil seiner messianischen Visionen, ließ Molchow die Sicherheit des Osmanischen Reiches in einem magischen Versuch, das christliche Regime zu untergraben. Traf Papst Clemens den Siegten und wurde 1532 von der Inquisition als Apostat auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Und hier zeigt sich ein Muster, nämlich radikale mystische Erfahrung führt zu radikalen Handlungen.
Abolaphia wollte den Papst begehren. Molcho wollte das Christentum durch kapalistische Magie stürzen. Beide scheiterten spektakulär, aber ihr Scheitern inspirierte Generationen danach. Morchos Geschichte selber inspirierte den Kardinal Egidio da Viterbo, der seinerseits versuchte Papst Clemens VII. davon zu überzeugen, die Kirche auf der Grundlage kapalistischer Lehren zu reformieren. Das sind wieder mal die christlichen Kaballer und die Kaballer war gleichzeitig also Objekt der christlichen Verfolgung und der christlichen Faszination.
Weiters. Deswegen entwickelte sich auch parallel zur jüdischen Kaballa, über die wir bis jetzt gesprochen haben, ab der Renaissance die sogenannte christliche Kaballa. Gelehrte wie Giovanni Pico della Mirandola und Johann Reuchlin, auch schon mehrmals gefallen im Podcast der Name, versuchten die Kaballa als Beweis für die Wahrheit des Christentums zu nutzen. Die betonten dann die Sefirot Theosophie, ignorierten aber konsequent die Ja, rituell jüdische Praxis der ganzen Sachen. Pico della Mirandola ließ sich seine kabbalistischen Texte von einem konvertierten Juden übersetzen. Der hieß Flavius Mitridates, also der römischste Name ever. Und der Übersetzer Flavius neigte eben dazu christologische
Interpretationen in seine Übersetzung einzuschmuggeln, damit Mirandola sich freut. Und diese Geschichte der christlichen Kaballer ist auch eine Geschichte von sehr kreativen Fehlübersetzungen und Ketten von Fehlübersetzungen, die sich weiter durchgezogen haben, weil es da sehr wenige Fälle gab von Leuten, die tatsächlich selber Aramäisch oder Hebräisch gesprochen haben. Die Vertreibung aus Spanien ist der Punkt, auf den wir heute enden, aber auch der Anfang von einem neuen Kapit. Also die Flüchtlinge, die ins Osmanische Reich strömten, brachten ja nicht nur die Trauer, ihre Heimat verloren zu haben, sondern auch diese mystische Tradition, die auf der Suche nach Antworten war.
Warum hatte Gott das zugelassen? Was bedeutet das kosmisch? Und wie kann die Welt wieder geheilt werden? Und die Antworten auf diese Fragen kamen aus einer kleinen Stadt in den Hügeln Galiläas, Safed. Dort im 16. Jahrhundert entstand dann die radikalste Neuerfindung der Kaballa Saita Zoha, die Lurianische Kaballa, benannt nach Rabbi Itzak Luria, dem Löwen. Und das werden wir uns nächstes Mal angucken. Hier noch ein kurzes Zitat von Gaub zu dieser neuen Epoche der Kaballa, die da anträgt. Es ist kein Zufall, dass erst in der modernen Epoche die Kaballa soziale Massenbewegungen hervorbrachte, häufig messianischer Natur. Und es ist überhaupt kein Zufall, dass erst in der Renaissance und in der Neuzeit die Kavalla die
nicht -jüdische Welt signifikant beeinflusste. Ja, und in den zwei Jahren, also nur zwei Jahren, die er in Safed verbracht hat, bevor er mit Anfang 30 starb, entwickelte Luria -Konzepte, die bis heute nachwirken, den Zimzum, was ja viel Spaß macht zu sagen, Zimzum, das ist die Kontraktion Gottes, um Platz für die Schöpfung zu machen.
Ich sag das noch mal. Es ist die Kontraktion, also das Zusammenziehen Gottes, um Platz für uns in der Schöpfung zu machen. Sehr spannender Gedanke. Kommen wir nächstes Mal noch mal drauf zurück. Und die Scheffirat Hakelim, das Zerbrechen der Gefäße, eine kosmische Katastrophe am Anfang der Zeit, die zum Zerbrechen Gottes gefühlt hat.
Und dem Tikkun, der Aufgabe des Menschen, die verstörten göttlichen Funken zusammen und die göttliche kosmische Erde, äh, sorry, und den Tikum, die Aufgabe des Menschen, die verstreuten göttlichen Funken zu sammeln und die kosmische Ordnung wiederherzustellen. Und das ist dann die Geschichte der nächsten Episode. Ich freue mich sehr, wenn ihr da wieder mit dabei seid.
Bis dahin. Hier ein kleiner Einschub, den ich vielleicht nicht am Ende platzieren werde, sondern dieses Mal etwas früher in der Folge. Vielen Dank, dass ihr uns zuhört. Lasst uns gerne eine Bewertung da und teilt das Ganze mit anderen Leuten, die sich dafür interessieren könnten. Das hilft uns sehr. Wenn ihr uns finanziell unterstützen wollt, die Metapher, die ich anwende, ist immer, wenn ihr uns für diese Geschichten, die wir alle zwei Wochen erzählen, Bier ausgeben würdet und ab und zu mal eine Premiumgeschichte haben wollt, dann ... Ja, also ihr würdet uns ein Bier ausgeben, wenn wir euch's in der Kneipe erzählen. Von daher könnt ihr uns das digital ausgeben, dieses Bier, auf patreon .com slash allezeitderwelt. Der Link
ist auch in der Beschreibung der Folge. Und dort könnt ihr uns unterstützen und wenn ihr wollt, euch auch eine Liste eintragen, die ich dann vorlese. Wie jetzt in der Mitte oder am Ende der Folgen. Vielen lieben Dank an den guteren Herr Fischer vom Ardennes -Gymnasium, Fanny Dietrich, Freja Stuart, Onkel Didi, Katharina, Fernando.
Brigitte, Petrusilius Zwackelmann, Meowze Tung, Spinoza369, Sylvie, Die Schmaus, Tamaror, Hermik Robi, Sinet Reclef, Muttis Moppel, Truck, Fonel, Damp, Dermadin und Panoti, Skiapus. Vielen lieben Dank und jetzt geht's weiter mit der Folge oder wenn es ja am Ende ist, dann hören wir uns in zwei Wochen mit dem zweiten Teil zu Kaballa.
Bis dahin, Simtsum. Simtsum.