
Alle Zeit der Welt· Staffel 1· Folge 146
Kabbala und Kosmologie: Zerbrochene Gefäße, göttliche Funken und die Reparatur der Welt
Freitag, 8. Mai 2026 · 1 h 14
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Shownotes
Ein junger Mystiker kommt nach Safed, lehrt nur zwei Jahre lang – und verändert alles. Isaac Lurias kosmisches Drama klingt wie ein Sci-Fi-Plot: Gott zieht sich zusammen, Gefäße zerbrechen, göttliche Funken verstreuen sich, und die Menschheit muss die Scherben aufsammeln. Dazu: Cordoveros nächtliche Friedhofswanderungen und ein Rabbi, dessen Engel ihm das Gesetz diktierte.
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Kapitel:
• Teil 2: Die Stadt auf dem Berg
• Schawutnacht in Saloniki (1534)
• Verborgene Verbreitung der Kabbala
• Der Sohar – das Buch des Glanzes
• Safed: Die jüdische Bevölkerung verdreifacht sich
• Kabbala vor der Reformation Solomon Molcho auf dem Scheiterhaufen (1532)
• Joseph Karo und das Trauma der Vertreibung
• Alles ist göttliche Substanz
• Isaak Luria – Ha-Ari, der Löwe
• Shefirath Haqqelim: Das Zerbrechen der Gefäße
• Das lurianische System
• Tikkun Chatzot – das mystische Safed
• Apokalyptik: Erlösung für 1575
• Ausblick & Credits
Bibliografie
Jonathan Garb, A History of Kabbalah: From the Early Modern Period to the Present Day. Cambridge University Press, 2020. Gershom Scholem, Zur Kabbala und ihrer Symbolik. Suhrkamp, 1973. Gershom Scholem, Die jüdische Mystik in ihren Hauptströmungen. Suhrkamp, 1980. Gershom Scholem, Sabbatai Sevi: The Mystical Messiah. Princeton University Press, 1973. R. J. Zwi Werblowsky, Joseph Karo: Lawyer and Mystic. Jewish Publication Society, 1977. Lawrence Fine, Physician of the Soul, Healer of the Cosmos: Isaac Luria and His Kabbalistic Fellowship. Stanford University Press, 2003. J. H. Chajes, Between Worlds: Dybbuks, Exorcists, and Early Modern Judaism. University of Pennsylvania Press, 2003. Moshe Idel, Kabbalah: New Perspectives. Yale University Press, 1988. Isaiah Tishby, The Wisdom of the Zohar (englische Anthologie). Chaijim Vital, Derekh Etz Chaijim (Der Weg des Lebensbaums). Chaijim Vital, Sefer ha-Chesjonot (Das Buch der Visionen). Reuven Kimelman, The Mystical Meaning of Lekha Dodi and Kabbalat Shabbat. Magnes Press, 2003. Karl Erich Grözinger, Jüdisches Denken, Band 2. Campus Verlag, 2005.
Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin
In der Nacht des Schawutfestes im Jahr 1534 sitzen mehrere Gelehrte in einem Haus in Saloniki. Sie haben die ganze Nacht studiert, Tora, Mishnah, Psalmen, kein Schlaf. Es ist ein Ritual, die ganze Nacht durchlernen als eine Art geistiges Opfer. Einer der Anwesenden ist Rabbi Joseph Caro. Ein Jurist, der gerade dabei ist, das wichtigste Gesetzbuch des modernen Judentums zu verfassen.
Und plötzlich, mitten in der Nacht, beginnt eine Stimme durch ihn zu sprechen. Es ist die Schechina, die weibliche, göttliche Gegenwart, die sich an die versammelten Gelehrten richtet. dafür, daß ihr es auf euch genommen habt, mich in dieser Nacht zu krönen. Es sind viele Jahre, seit die Krone von meinem Haupt fiel, und niemand ist da, der mich tröstet. Ich bin in den Staub geworfen, um klammere Misthaufen. Doch nun habt ihr der Krone ihren alten Glanz zurückgegeben. Darum seid stark, meine Freunde, seid guten Muters, meine Geliebten. Freuet und erfreuet euch! und wisset, dass ihr zu den erhabenen wenigen geführt, und ich bin in dieser Nacht durch euch erhöht worden. Wir stellen uns vor, eine göttliche Stimme,
weiblich, die klagt, sie sei in den Staub geworfen, eine Göttin im Exil, die durch den Mund des Juristen spricht, und die Gelehrten, die sie hören, beschließen daraufhin, ihr Leben komplett umzukrempeln und ins ... Heilige Land nach Plessina auszuwandern. Und diese Szene ist der Auftakt zu einem der erstaunlichsten Kapitel der Religionsgeschichte, der Verwandlung von einer kleinen Stadt in den Hügeln Galiläas in das Zentrum einer mystischen Revolution, die das Judentum und weit darüber hinaus immer verändern sollte. Die Stadt heißt Safed und ihre Geschichte Wie wir letztes Mal schon in der ersten Folge zum Thema Kaballa angesprochen haben, beginnt mit einer großen Katastrophe.
Und damit herzlich willkommen zurück zu aller Zeit der Welt, zur zweiten Folge zum Kaballa Thema. Hallo Jonas, schön, dass du da bist. Aber Johannes, freut mich hier zu sein. In der letzten Folge haben wir ja uns mit der Sohar beschäftigt und mit... Ja, also eigentlich haben wir sehr viel zu viel gebrochen in der letzten Folge und müssten da auch nur überall tiefer gehen, ist mir aufgefallen, nachdem wir die Aufnahme gemacht haben, wie das immer so ist. Wir haben letztes Mal damit geendet, das Mosche von Leon in Spanien, in Al -Andalus im 13. angehenden 14. Jahrhundert die Soha verpasst in einem lokalen Dialekt des Agamäischen. Ihr müsst euch vorstellen, das ist, als hätte jemand auf ein guter Vergleich
der Kirchenlateien, südfranzösischen Kirchenlateien von tausend Jahre davor quasi das verpasst. Vielleicht auch noch mal kurz zu einordnen, um was ist denn die Suha? Also, wir haben, guter Punkt, wir fangen nochmal weiter vorne an, wir haben uns generell ein bisschen in der ersten Folge, um Grundlagen zu legen, mit jüdischem Mystizismus beschäftigt, haben uns ein bisschen Apokalyptik und Merkava Mystik angeschaut, die verschiedenen Fahrten zum Thron Gottes und die Beschreibungen davon, die von, ja. im Merkawa -Mystizismus von weißen Männern gemacht werden, denen erlaubt wird, quasi die Wahrheit Gottes Thrones zu sehen. Und haben uns aus dieser Tradition dann in die Provence, im Hochmittelalter und weiter nach Iberien, auf
die iberische Halbinsel bewegt, nach Malaga, um genau zu sein, und haben uns da dann angeschaut, wie die Sofa fast wurde, eines der zentralen Werke der Kaballa heutzutage, die für vor allem die jüdischen Orthodoxie heutzutage neben dem Talmud eigentlich so als eine der großen heiligen Schriften steht. Und da haben wir dann darüber geredet, wie Moshe de Leon das wahrscheinlich selbst verfasst hat, also wie danach ein ein interessierter Lesender aus... Ich glaube damals aus der Provence, aber ursprünglich aus Akkustammend, auf die iberische Halbinsel kam, um das nachzuverfolgen, wo denn diese Texte herkommen, die sich da nach und nach verteilt haben. Auch darüber haben wir ein bisschen zu wenig geredet. Die Verbreitung
der Soha ist nicht in einem Stück passiert. Das waren kleine Anteile, Stücke davon, die... sich verteilt haben von Spanien über den Mittelmeerraum bis nach Italien. Und als sie dann in Italien angekommen sind, sich von dort, weil das das Zentrum der Welt war sozusagen für die damalige mediterrane Welt auf jeden Fall, war Italien der Innovationshub mit der neuen Technologie.
Und dementsprechend ist es dann von Italien auch in die anderen Bereiche Europas, aber auch nach Marokko, in den Irak, nach Palästina gekommen, in den Oman und hat dann dort überall zu Auseinandersetzungsprozessen damit geführt. Gleichzeitig war das keine große missionarische Welle, sondern ist alles sehr, sag ich mal, okkult, also sehr verborgen passiert, weil du im 13. und 14. Jahrhundert jetzt nicht unbedingt als Heretiker gelten wolltest. Und in der Soha stehen ja tatsächlich Sachen drin, die für die Leute damals komisch gewesen wären, wenn sie das erste Mal lesen. Nicht nur die Schechina, die weibliche Imination und die weibliche Seite Gottes, mit der die Gläubigen sich vereinigen müssen und so eine Art Ehe eingehen müssen, um
das Gleichgewicht der Welt wiederherzustellen. diese Vorstellung wäre durchaus auf Widerstand vor den lokalen Rabinern getroffen. Auch und ist es auch. Also es gab da sehr viele Auseinandersetzungen und Fragen darüber, ob das jetzt ist das jetzt hier echt, ist das eine echte Offenbarung oder ist es Unsinn? Dadurch ist die Verbreitung eher Scheibchen in kleinen Teilen passiert. Aber das hatte natürlich trotzdem einen sehr großen Einfluss und hat trotzdem viele Anhänger gefunden. Und dieser Mann, jetzt fände ich einen von Akko, der dann nach Spanien gereist ist, um nachzuprüfen, wo die Soa dann herkommt und dann die Witwe von Moshe de Leon gefunden hat. Und die hat gesagt, naja, mein Mann hatte keine Quellen, er hatte
keine antiken Manuskripte, auf die das zurückgeht. Er hatte sich alles ausgedacht. Auch Auch der hat quasi am Ende seines Lebens die Wahrheit der Soha für sich anerkannt. Das wird jedenfalls so überliefert, weil er geglaubt hat, dass das so eine Fülle an Wissens sei, die Moshe -Leon dann quasi nur gechannelt haben könnte. Also ist dann einfach die Frage, die logische Lösung dafür ist dann natürlich zu sagen, ja das war eben göttliche Eingebung. Und deswegen ist das trotzdem wahr. auch wenn wir relativ sicher sagen können, dass das eben nicht im Palästina geschrieben wurde, sondern dass Moshe de Leon einfach quasi mit seinem fake -aramäischen Dialekt das geschrieben hat, so wie er sich das vorgestellt hat, wie
das damals war. Und in der Soha, inhaltlich noch mal ein bisschen, es gibt in der Soha ein sehr strenges und sehr wörtliches, legalistisches System, wo quasi gesagt wird, naja, du musst allen Regeln des Talmud folgen. Und alles, was da drin steht, ist nicht metaphorisch oder kann interpretiert werden, sondern muss Wort für Wort so umgesetzt werden. Und es geht so weit, wie das zum Beispiel der bewusste Artikel im Hebräischen als Reinkarnation oder als Zeichen für die Scherkina gedeutet wird. Und dann jedes Mal, wenn ein direkter Artikel in dieser Auslegung kommt, quasi als ein geheimer Verweis auf die weibliche Emination Gottes sei. Und dann sagst du natürlich, ist das Buch ja voll von direkten Artikeln. Die sind
ja überall bestimmte Artikel. Und dann sagt der Kabbalist, naja, die Schekina ist ja auch überall. Macht ja vollkommen Sinn, dass die da drinsteckt. Weißt du, so als... Aber es ist quasi ein System, was... Die Soha selber geht es nicht davon aus, dass sich Nicht -Juden irgendwie mit Kabbala beschäftigen. Und darüber hinaus, dass du quasi extrem orthodox alle Regeln extrem streng befolgen musst und extrem wörtlich, um die Welt nicht weiter zu zerreißen. Also indem du Gebote nicht befolgst, die Tiere als Juden religiös aufgebürdet werden, sage ich jetzt mal, ist das ein direkter Angriff auf den gemeinsamen Versuch, die Welt wiederherzustellen. Und gleichzeitig ist das Böse, ganz spannend, das Böse wurde sonst vorher
ähnlich wie im christlichen Kontext als die Abwesenheit Gottes beschrieben. Das wurde im Christenkontest übernommen, das kennen wir daher. Also diese Idee, dass die Hölle die Kälte ist, weil sie weit weg ist von der Wärme der liebe Gottes, zum Beispiel. Das ist der Kabbala ja eher andersrum. Kommt darauf an, in der Soha wird es so beschrieben, dass quasi der Wille Gottes ... Ein Überfluss des Willen Gottes, glaube ich, oder der Macht Gottes, der über die Gutwilligkeit von ihm überschwappt.
Und das ist dann das Böse. Aber es ist was Reales, was Echtes, was wirklich existiert und nicht einfach nur das Negativ von etwas, weißt du? Es ist nicht nur eine Negativdefinition, sondern es ist aktiv etwas, was existiert in der Welt. Und es gibt deswegen in der Soha auch eine sehr ausgeprägte Dämonologie, zum Beispiel. Was ich ganz spannend finde, wo wir mal vielleicht die eigene Folge darüber machen könnten. Aber das ist natürlich auch das, was spätere Leute wie Crowley oder andere esoterische, okkulte Gestalten, die wir im Podcast schon behandelt haben, an der Kapala extrem fasziniert haben. Dass nicht nur diese grundlegende Umdeutung und Erklärung für das Wesen der Welt existiert und dass Sprache
so eine extreme Macht zugesprochen wird. sondern eben auch, dass dieser dämonologische Teil nicht metaphorisch gedeutet wird, sondern als real existierend. Das Reich der Dämonen ist wirklich da. Die gibt es wirklich. Das ist keine Mirhava. Und das steckt alles in der Soha drin. Spannenderweise, wenn man sich das jetzt so anhört, dann denkt man ja, das ist ja bestimmt eine extrem trockene Auflistung von Regeln. Aber stattdessen ist es in so einem dialogischen, romanartigen Stil geschrieben, die Soha des Buches Glanzes übersetzt, folgt quasi in einem literarischen, erzählerischen Stil Rabbi Shimon bar Yochai, einem legendären Weisen aus dem zweiten Jahrhundert, wie er durch Palästina läuft und durch den Nahen Osten. Und
da herum wandert und seine Weisheiten quasi seinen Schülern in kosmischen Erzählungen und Dialogen und teilweise sehr erotischer Symbolik vermittelt. Gleichzeitig hast du quasi Talmud -Auslegungen, Bibelkommentare und das alles gemischt, während sie durch diese Landschaft laufen und alles, jeder Grashalm, jeder Stern, also Teil dieses versteckten göttlichen Wesens ist, was ja offenbart.
Also von der Erzähle oder eigentlich? Ja, schön eingebunden, würde ich sagen. Schöne Meta -Erzählung geschaffen, kann man sich schön reinversetzen. All das ist wichtig, um zu verstehen, was dann passiert, nachdem Jiri Conquista und die Vertreibung der Juden aus Spanien einsetzt. 1492, wo über 200 .000 Menschen auf einen Schlag die iberische Halbinsel verlassen mussten. Und dann teilweise mit der Hilfe von osmanischen Piraten. ins Osmanische Reich gebracht wurden, nach Portugal geflohen sind, nach Nordafrika gegangen sind in vielen Fällen. Es gab eine sehr große jüdische Gemeinde in Vest bis ins 20. Jahrhundert, wo dann auch viel Kaballa -Entwicklung in Nordafrika weiterging.
Und der Hauptgrund, warum wir uns so auf Europa immer fokussieren, wenn es um Kaballa geht, ist nicht deswegen, weil es nur ein europäisches Phänomen war, sondern weil es einfach in Europa am besten erforscht wurde. Und dass da wenig Leute gibt, die sich bis jetzt mit marokkanischer Kaballa aus Nader setzen. Sollte es aber geben, natürlich. Wer spannt? Diese Flüchtlingsströme von vertriebenen Juden aus Spanien gründen dann ganz neue Zentren des jüdischen Lebens im östlichen Mittelmeer und in Nordafrika. Fest hatte schon eine lange Tradition davor. Da gehen natürlich auch viele Leute hin. Aber auch in Tunis, auch in Thessaloniki als großes Beispiel, als eine Stadt, die dann bis die Wehrmacht und die SS
im Zweiten Weltkrieg die Stadt komplett deportiert haben und im Vernichtungslager umgebracht wurden. war das quasi eines der großen Zentren von sephatischen Leben und Kultur der Welt auf jeden Fall. Und eine andere Stadt, die sehr sehr wichtig wurde, weil dort eben viele der mystisch und kabalistisch interessierten Leute in Folge der Soha auch landen, ist Safed. Die Stadt, die wir schon erwähnt haben.
Eine kleine Stadt in Obergaliläa, auf einem Hügel gelegen, mit Blick auf den Sir Genizaret, den Keneret, wie es, glaube ich, heutzutage in Israel heißt. Und die profitieren von einer weltpolitischen Konstellation natürlich. 1516 eroberte das Osmanische Reich Syrien und Palästina, 1517 dann Ägypten. Das heißt, es war gerade frisch osmanisch geworden.
und jetzt lag Safed auf einmal in einem stabilen, relativ toleranten Imperium mit Handelsrouten nach Damaskus und zu den Mittelmeerhäfen und war auf einmal nicht mehr so am Rand der Welt, sondern war auch einmal mittendrin im Osmanischen Reich. Safets Verwandlung in eine Drehscheibe für Immigranten aus Spanien und anderen jüdischen Zentren war ein direktes Ergebnis der Expansion des Osmanischen Reiches, wie der Eroberung Syriens und Palästinas 1516 und Ägyptens 1517, sowie der daraus resultierenden politischen Stabilität und der, insbesondere im Vergleich zu den oben beschriebenen Vertreibungen und Verfolgungen in der christlichen Welt, Relativ toleranten Haltung gegenüber religiösen Minderheiten. In
der letzten Folge haben wir schon erwähnt, dass es auch wieder von Jonathan Garp, das Zitat aus A History of Kabbalah, was ich sehr empfehlen kann, wenn ihr einen guten Überblick über die Historischen Entstehungsgeschichte der Kabbalah haben wollt. 1525 und 1555 verdreifachte sich sachetsüdische Bevölkerung, aufgrund dieser Zuzügler auch vor allem. Und auf dem Höhepunkt um 1567 bis 1668 lebten dann ca. 1800 jüdische Familien in der Stadt. Für so eine kleine Stadt dort war das enorm. Neben den Kabbalisten kamen auch Juristen, natürlich Dichter, Denker. Drucker und quasi Wirtschaft. 1577 wurde in Safed die erste hebräische Druckerpresse Asiens gegründet, abgesehen von China, die spannenderweise zu dem Zeitpunkt natürlich
schon Druckerpressen hatten. Warum habe ich abgesehen von China hier geschrieben? Natürlich hatten die schon die Druckerpresse, aber hatten die eine hebräische Druckerpresse in China? Das müsste man auch nachschauen. Und Safed hatte was, was die Kabbalisten ansonsten besonders angezogen hatten, nämlich die Kräber dort. Die ganze Region Galiläa war bespickt mit den tatsächlichen oder legendären Grabstätten antiker Rabbiner und biblischer Figuren und war eben auch in der Soha quasi der zentrale Ort der Handlung. Und für Mystiker, die da den Kontakt mit den Seelen der Verstorbenen suchten, war das natürlich wie von Netzwerken spiritueller Hotspots. Man konnte von einem Grab zum nächsten wandern und sie inspirieren lassen.
Und das wurde auch so beschrieben, dass dort vor Ort die Grenze der Welten zwischen der Lebenden und der Totenden sehr, sehr dünn wäre und sehr permeabel und durchlässig. Und damit war Safis so eine Art Mischung aus Exil, gleichzeitig im ökonomischen Aufschwung vor Ort, osmanischer Toleranz und einer sehr spirituellen Topografie, an dem Dante Caballa ihren Rückwirken, wenn man so drauf schaut, ihren nächsten großen Sprung machte. Denn Safed bringt nicht nur eine, sondern drei große mystische Schulen hervor, die miteinander rivalisieren, sich teilweise überschneiden, aber sich ja auch definitiv gegenseitig befruchtet haben. Und hier nimmt nach dem langsamen aber stetigen Erfolg der Soha in den verschiedenen
Gemeinden dann der nächste Schritt seinen Ausgang. Dabei ist es mir wichtig zu erwähnen, dass das nicht alles eine lineare Entwicklung war. Dass wir sagen, das war quasi eine Geschichte, die in der Provence anzieht und dann nach Spanien ging und dann nach Safed. So erzählen wir das natürlich jetzt hier in den Podcast -Reihen, weil wir irgendwie roten Faden brauchen, um die Geschichte aufzubauen und das irgendwie notwendig ist, um so ein bisschen Struktur reinzubringen.
Gleichzeitig haben wir auch schon Abu -Lafia erwähnt in der letzten Folge und die Spirits, also die mystische Kaballa, wo es mehr um Meditation ging und das Reinigen der Gedanken. Das hat schon fast so Ur -Yoga -artige. Ansätze und wo es eben um die eigene Erfahrung geht des Wesens Gottes und so. Abulafia, der sich auch selber für den Propheten gehalten hat und dafür fast vom Papst hingerichtet wurde, nur dass der Papst dann schneller starb. Das waren aber alles die ganze Zeit miteinander konkurrierende Ideen und Schulen. bestimmt viele jüdische Gemeinden zu der Zeit, die einfach sehr legalistisch und Maimonides und philosophisch ausgerichtet waren und sehr viel metaphorischer, als ich den Talmud angeschaut habe in der Auslegung,
wie das dann bei Gemeinden oder bei Leuten waren, die eben sehr so haarversessen waren und das ... für das einzig wahre gehalten haben oder Leute, die Abulafiatol fanden und viel meditiert haben und versucht haben, ihre Gedanken zu klären, um das Wesen Gottes persönlich durch Atemübungen und sowas, auch die vom Sophismus wieder beeinflusst wurden, zu erfahren. Das sind alles verschiedene Ideen von Judentum, die alle gleichzeitig miteinander existieren, die teilweise mehr oder weniger Aufschwung haben. und die in einem gewissen Konkurrenzverhältnis miteinander stehen, sich aber auch miteinander auseinandersetzen müssen. Und dadurch, dass sie die Ideen der anderen debattieren und diskutieren, wird das alles so ein bisschen... Gibt es eine
gegenseitige Betruchtung auch auf jeden Fall. Nur damit, dass ihr jetzt nicht denkt, das ist so eine lineare, ganz eindeutig nachzeichenbare Entwicklung, wie die Kaballa entstand, sondern es ist ein Hin und Her und wir geben unser Bestes um das in Ordnung hier reinzubringen. So wie es mit Geschichte meistens der Fall ist. So wie es immer ist, wenn man sich was genauer anschaut.
Also je weiter man rauszoomt, desto einfacher kann man große Linien zeichnen. Aber die sind dann eben auch oft entsprechend nicht haltbar, sobald man in die Details reinschaut. Und das sind die zwei Seiten, mit denen man zu kämpfen hat bei Wissensvermittlung und bei Geschichte und generell im Leben, denke ich. Wir haben Eingehend.
Ja, gehört, wie der Rabbi Joseph Caro, der Jurist, die Stimme Gottes gechandelt hat. Und dass er das in Thessaloniki tut, ist kein Zufall, weil er war natürlich auch einer dieser Migranten, die in Spanien geboren wurden. Er ist 1488 geboren und wurde dann durch diese Vertreibung als Kind entwurzelt und wuchs dann im Osmanischen Reich auf. Er wurde nichtsdestotrotz, muss man sagen, zum bedeuteten jüdischen Juristen der Neuzeit.
Sein Shulchan Aruch, der gedeckte Tisch, ist bis heute das maßgebliche Regelwerk des jüdischen Religionsgesetzes. Und das ist auch so etwas, was wir, wenn wir ans Judentum denken, natürlich Man denkt immer an die lange Geschichte des Judentums und hat den Eindruck, die Thora und so, das sind ja uralte Texte. Das muss ja quasi die Hauptgrundlage sein von heutigen jüdischen religiösen Leben und auch Orthodoxie oder mehr oder weniger. Gleichzeitig sind alle Religionen immer viel, viel wandelbarer, als wir uns das eingestehen wollen selber. Die Protestanten beziehen sich ja auch auf ihre Geschichte, auf ihre christliche Religionsgeschichte weit bevor Martin Luther oder bevor Calvin und Zwingli.
Und genauso ist es eben auch im modernen Judentum, dass sehr viele Dinge, die ganz alltäglich und allgemein sind, wo man den Eindruck hat, ach, das wurde doch schon immer so gemacht, eben auf gerade diese kabalistischen Entwicklungen im 15. Jahrhundert, 16. Jahrhundert auch zurückgehen und da sehr viel Religion geformt wurde und das alles nicht so festgeschrieben und eindeutig war und unabänderlich, wie das dann rückwirkend oft dargestellt wird. Das ist bei Religion natürlich immer wichtig im Kopf zu behalten. Sie will den Eindruck vermitteln, sie sei ewig und schon immer so da, aber eigentlich ist es auch ein ständiger Wandel in allen Religionen, vom Hinduismus über Es gibt da kein Beispiel, was dem wirklich, glaube
ich, entgegenspricht oder was das widerlegt. Und dieser Jurist, dieser große Jurist, Caro, war gleichzeitig auch Mystiker. Was eine sehr spannende Kombination ist. Ein privates Tagebuch der Magid Mesharim dokumentiert jahrzehntelange Begegnungen mit einer Engelsgestalt. eine Magid, die sich häufig als die Schechina offenbart, die weibliche, göttliche Präsenz. Diese Stimme ist aber kein sanfter Tröster, sondern war sehr, wie sag ich mal, fordernd, strafend und mitunter auch intim. Sei fortan achtsam, weltliche Handlungen nur so weit auszuführen, wie es zum Leben unbedingt notwendig ist. Sollte mit solchen Handlungen irgendein Vergnügen verbunden sein, so betrachte nicht die vergnügliche Seite, sondern sei beunruhigt
und begehre mit aller Kraft die Handlung, ohne jedes Vergnügen zu vollziehen. Wenn du isst, stelle dir vor, ein Schwert hänge über deinem Haupt und die Hölle klaffe unter deinen Füßen. Ja, was sagt man dazu, Jonas? Das ist Das ist so ein bisschen, als hättest du einen Schutzengel, der hast, wenn du Spaß hast. Das ist der No Fun Party Pupo Wehe, wehe, du genießt dein Leben beim Essen, Engel. Ja, so nennt man effizient ab. Also, als ich das das erste Mal gelesen habe, dachte ich, ich hätte Caro wirklich eine Therapie gewünscht, statt dass er jahrzehntelang allein sich damit auseinandersetzen muss. Das klingt ja wirklich schrecklich. Es hat mich auch direkt an Protestantismus entwickelt und so, deutschen
Pietismus und diese Idee, dass man sich selber halt nichts gönnen darf, weil das ist nicht gottgefällig. Und wer das Leben genießt, hat eigentlich nur vergessen, was für ein böser Sünder er eigentlich ist. Ja, das kennen wir auch noch gut. Genau, das kennen wir auch noch gut und das ist heute leider auch noch im deutschen Pietismus und Baptismus und bei Generell sehr, sehr tief drin. Man sieht das ja auch ein bisschen auf der Europakarte.
Da wo es gutes Essen gibt und da wo es kein gutes Essen gibt, da wo es kein gutes Essen gibt, waren wahrscheinlich die Protestanten so lange an der Macht. Und ja, da verbinden sich halt zwei Dinge, die heute so ein bisschen widersprüchlich erscheinen. Auf der einen Seite dieser legalistische, nüchterne, systematische Juristen. Und auf der anderen Seite ein Visionär, der mystische Dialoge mit weiblichen göttlichen Entitäten führt. Für die Kabbalisten war und ist es aber kein Widerspruch. Das Gesetz und das Geheimnis sind für sie beide Seiten derselben Medaille. Der wiederkehrenden Thema auch in Karos mystischen Tagebuch war seine intensive Sehnsucht nach dem Märtyrertod. Inspiriert durch Schlomo
Molcho, den Converso, den wir in der letzten Folge schon erwähnt hatten, der 1532 auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde und Karo bewunderte Molchos Opfer zutiefst. Die Schechina auf der anderen Seite ermahnte ihm ihn aber immer wieder sich seines Todes würdig zu erweisen. Das heißt, der arme Mann ist gefühlt suicidär und er hat einen Schutzengel, der so gemein zu ihm ist, dass er ihm nicht mal das gönnt. Du bist nicht mal würdig für einen richtigen Märtyrertod. Nicht mal das erlaube ich dir. Ja, erst mal weil...
Ich weiß insgeheim, das würde dir zu viel Spaß bereiten. Du hättest viel zu viel Freude am Scheiterhaufen, mein Freund. Nicht so, nicht so richtig. Wolltest du gerade erzählen, welche Immigration der Schechina dich so heim sucht und dir das hitzellt? Was war das gerade? Warst du kurz davor aus dem Nähkästchen zu Blaut und hast dich kontrolliert? Ja, ich wollte gerade beschreiben, wie ich mich so geißel, aber... Ja, Selbstflagilation als eigene Folge mal mit so einem... 10 Minuten Clip am Ende mit Video für die Patreons. Hier ist ein guter Punkt, um unterzubringen, dass man uns auf Patreon .com alle Zeit der Welt unterstützen kann, wenn man das gut findet, was wir machen. Vielen lieben Dank an alle, die es tun. Die Liste der Produzentinnen
und Produzenten kommt am Ende der Folge, wie üblich. Karos Schüler und Schwager, praktische Kombination, war Rabbi Schlomo Halevi Al -Kabetz. Al -Kabetz, der ein Gedicht schrieb, das bis heute in praktisch jeder Synagoge der Welt gesungen wird. Lecher Dodi, geh hinaus mein Geliebter. Das wird am Freitagabend gesungen, wenn die Gemeinde den Schabbat empfängt. Also tatsächlich bei den Schabbatfeierlichkeiten auch zu Hause am Essenstisch wird das rezitiert und gesungen. Also ein extrem wichtiges, extrem omnipräsentes Stück Religion, das ganz klar auf die Kaballer zurückgeht und ganz klar kabalistisch ist. Und da sehen wir schon was für einen Einfluss das über solche personellen Überfneidungen wie bei Caro und seinen
Schülern dann eben was für einen großen Einfluss auf modernes Judentum allgemein hatte und hat, obwohl jetzt nicht alle, obwohl das den Leuten vielleicht gar nicht bewusst ist. Also tatsächlich ist es nicht Teil davon, dass man immer wieder erwähnt, wie kabalistisch das ist, weil das schon so zur Normalität geworden ist. Und ja, ganz spannend, wie das sich da so einzugenommen hat und gar nicht jetzt bewusst. Kabbalistisches.
Das Gedicht ist ein mystischer Liebesruf an die Schechina, durchzogen von Erlösungshoffnung. Also genau das, was Caro so in seinen dunklen Momenten erlebt hat. Erwache, denn dein Licht ist gekommen. Steh auf und leuchte. Wach auf, wach auf. Singe ein Lied. Die Herrlichkeit Gottes ist über dir offenbart. Die Worte steh auf und schüttel den Staub ab. Das ist die Antwort auf die klagende Shekina aus Karos Vision. Sie, die in den Staub geworfen war, wird aufgerufen, sich zu erheben. Lehadodi ist unter seiner liturgischen Oberfläche, ein kabalistisches Programm, die Vereinigung des männlichen und weiblichen Aspektes des göttlichen, eingeleitet durch die Gemeinde am Freitagabend. Schwand, oder? Mhm. Äh und Alkabetz
war Alka. Alka. Ich kann es nicht aussprechen. Ich kann so viel nicht aussprechen. Es tut mir sehr leid. Schreibt gerne in die Kommentare unter alle Folgen, wie man alles richtig ausspricht. Ich freue mich sehr drauf. Al -Kabetz war auch der Gründer einer anderen modernen Praxis, nämlich des mystischen persönlichen Gebetes. Eines seiner Gebete erzählt von den Traumata der Vertreibung aus Spanien, womit er Scholems -These stützt, dass die Vertreibung das emotionale Hintergrundrauschen der Safeda Kabbala war, was diese Schule ist, die daraus entstehen soll, aus diesen Gedanken.
Im Endeffekt, da wird es dann auch fast ein bisschen psychotherapeutisch oder psychologisch, wenn quasi in diesen Gebeten die tiefsten Traumata der Menschen angesprochen wurden und auch dieses gemeinsame Traumata, was sie verbunden hat. Vielleicht macht auch die Haltung der Shekhima zu Karo mehr Sinn, wenn man das unter dieser Perspektive betrachtet, dass Menschen sind, die alle sehr, sehr entwurzelt wurden und versuchen das irgendwie in ihr Weltbild zu bekommen, warum ihnen das passiert ist, warum Gott das zugelassen hat auch. Ja, und damit kommen wir zu den Schülern von Al -Karbetz, also dem Karos Schüler, dem Schüler der Schülers von Karo.
Nämlich ein Mann, der die Kabbala von einer esoterischen Sammlung von Geheimlernen in ein kohärentes philosophisches System verwandelte. Nämlich Rabbi Moshe Cordovero. Und Cordovero stammte aus einer, wie man es vielleicht hört, am Namen, portugiesisch oder spanischen Flüchtlingsfamilie und war einer der produktivsten, einer der lütigsten Denker der gesamten Kabbala Geschichte. Mit 26 Jahren Schrieb er sein Hauptwerk, den Pardes Rimonim, den Granatapfelgarten. Sehr guter Titel, Jonas. Generell muss man sagen, kabalistische Schriften, alle geile Titel. Durchweg.
Ganz cool. Also hat alles, ja, du bist direkt interessiert. Was steckt da dahinter? Warum Granatapfelgarten? Du willst in diesem Granatapfelgarten sitzen, du willst die Granatäpfel mit all ihren kleinen Stücken auseinanderpulen und das Wesen Gottes erforschen. Granatapfel macht ja auch perfekten Sinn im Zuge der Kaballa. Gott zerfällt in seine vielen kleinen Teile, in diese ganzen Kerne.
Ja, die vielen Einzelteile Gottes, ja. Und zwar eben auch genau das war sein Versuch, diese gesamten verschiedenen Stücke und die gesamte bisherige Kaballa zu systematisieren, zu irgendwie versöhnen und in ein einheitliches Denksystem zu integrieren. Und dabei war der Grundimpuls von Cordovero durchaus recht radikal, denn er neigte zu einer pantheistischen Weltsicht, in der alles, buchstäblich alles Gott ist. Wir alle gehen aus ihm hervor und sind in ihm eingeschlossen und leben in seinem Leben.
Und das gesamte Dasein der Wesen ist er. Und von Geschöpfen erhalten zu werden, die geringer sind als er, wie Pflanzen und Tiere, bedeutet nicht, dass wir von etwas außerhalb von ihm erhalten werden. Und er ist er und alles ist eins und nichts ist getrennt von ihm. Alles ist in ihm eingeschlossen und haftet an ihn. Es sieht es aus, dass in seiner Schrift die Schüchio Koma, das klingt sehr nach Spinoza, dem jüdisch -niederländischen Philosophen, der 100 Jahre später für ähnliche Aussagen exkommuniziert und aus der Gemeinde geworfen wurde. Cordovero formuliert hier so eine Art kosmischen Monismus. Es gibt nichts außerhalb Gottes. Pflanzen, Tiere, Menschen, Steine. Alles ist göttliche Substanz. Und das
ist für 16. Jahrhundert, sag ich mal, eine kühne Position. Da muss man sich erst mal trauen, das einzunehmen. Da haben schon ganz andere Leute Ärger bekommen. Das ist quasi ein Animismus. Das gibt's ja schon länger. Ja, das geht schon fast in diese Richtung. So eine Art einheitlicher Animismus mit allen Naturgeistern, wo Ausdrücke des Wesens Gottes sind. Ich habe neulich ein ganz spannendes Paper gefunden, was veröffentlicht wurde, das argumentiert hat, dass wenn man davon ausgeht, dass die Religionsauffassung oder das Weltbild am realistischsten oder am wahrsten ist, was über alle Zeit menschlicher Geschichte hinweg am universellsten Kultur unabhängig existiert hat, und kommt dann zu dem Punkt, dass das Animismus
sind damit eigentlich die Rational vertretbarste Einstellungen, das heißt natürlich viel besser geschrieben, ich kann euch das auch mal verlinken, eine viel bessere Einstellung oder das vertretbarste quasi der Animismus ist. Und zum ähnlichen Ergebnis kam halt auch Cordovero. Und der fasste das dann in eine Formel, die über Jahrhunderte weiterwirken sollte, nämlich der Mensch ist ein Teil der Gottheit von oben. Also kein Metapher, kein als ob. Die menschliche Seele ist buchstäblich ein Fragment des göttlichen. Cordovero kultivierte auch eine Praxis namens Geru Shim, die Ausweisung oder Verbannung, so mystische Spaziergänge durch die Landschaft umsaffelt, bei denen er und seine Schüler spontane Offenbarungen empfiegen. Die
Idee war, durch das Wandern am Exil der Schechina teilzunehmen. In seinem Teilbuch beschrieb er diese Erfahrung als süßer als Honig das Geschenk der Königin an jene, die mit ihr im Exil wandern. Er hat im Endeffekt die deutsche Wanderlust entdeckt. Das Wandern ist das Cordoveruslust des Wandern. Und während er da so durch die Gegend gewandert ist mit seinen Mit seinen Homies hat Godovero auch eine detaillierte Meditationstechnik entwickelt, die ganz spannend auf der Grundlage von Farbvisualisierung funktioniert. Jede Sephira, also jede dieser Eminationen des Sephirot, des Lebensbaums, hat eine Farbe und der Meditierende konnte durch diese Visualisierung der Farben den Einfluss der entsprechenden göttlichen Kraft auf sich
übertragen oder herunterlagen. So eine Art Farbcode. Ja. Es besteht kein Zweifel, dass die Farben dich in die Wirkungsweisen der Sefi -Wort einführen und das Herabziehen ihres Biberflusses bewirken können. Schreibt er in seinem Ranatapfelgarten. Das erinnert mich so ein bisschen auch an Matrix, den Film, wo man einfach sich Kung Fu kurz runterladen kann. So ähnlich stelle ich mir das vor. Nur eingefärbt. Ja, so ähnlich auch, nur ohne diesen Anschluss am Nacken, den man nicht braucht. Du bist dann in so rotes Licht getaucht und dann ... ab. Er hat auch ein Kurzwerk zur Ethik geschrieben, Toma de Vora, die Dattelpalme de Boras, und wurde zum ... wurde zu einem der Klassiker. Das Buch beschreibt, wie man sein Verhalten und seine
Emotionen so verfeinern kann, dass sie die Eigenschaften der Sephirot widerspiegeln. Die Idee, wenn du dich wie die göttlichen Kräfte verhältst, gnädig, gerecht, barmherzig, dann beeinflusst du die göttliche Welt selbst. Und dieser mikrokosmische Ethik mit makrokosmischer Auswirkung. Es ist ja auch immer diese Idee, den inneren Kosmos, wenn ich den so und so quasi formen kann, dann kann ich damit auch die Welt um mich herum entsprechend formen. Da sind wir wieder bei der Magie, laut Crowley. Also wenn aus Willen Wirklichkeit wird, dann ist es laut Crowley Magie. Cotoriero zeignet sich auch im Vergleich zu anderen Kapalisten und Denker in seiner Zeit durch eine besonders positive Einstellung zum Weiblichen aus. In seinem
Spätwerk Lima Rabatti brachte er die anthropomorphische Bildsprache des Zoha auf neue grafische Darstellungen. Mit besonderer Betonung des weiblichen Körpers, auch im sexuellen Sinne. Jonathan Garb sieht darin eine Abwendung von der dominanten Haltung in der mittelalterlichen Kaballa gegenüber dem femininen als mystischem Ideal. dass jetzt irgendwie Frauen da einen anderen Zugang hätten, sondern das weibliche Wesen Gottes wird eben da stärker hervorgehoben. Kortovero starb dann 1570, ist 48 Jahre alt und laut einer Legende geschah am Tag seines Begräbnis auch etwas Symbolträchtiges, wie das so ist. Ein Neuankömmling aus Egypten betrat Safed genau in dem Moment, als der Trauer zu Kortoveros Sarg durch die Straßen trug. Und
dieser Neuankömmling hieß Itzak Luria und der verändert alles nochmal ganz anders. Ha 'Ari, der Löwe. Ja, Rabbi Itzak Luria, bekannt als, wie du gerade erwähnt hast, schon Ha 'Ari, der Löwe, ist die zentrale Figur der gesamten modernen Kaballer. Also all die anderen Leute, die wir erwähnt haben, sind auch extrem wichtig und extrem Zentral und ohne die Zoha hätte das Luria natürlich so nie gegeben, aber er selbst ist extrem einflussreich und das ist noch noch bewundernswärter oder noch erstaunlicher, weil er selber nur 38 Jahre alt wurde und davon nur zwei Jahre in Safed aktiv war, selber fast nichts aufgeschrieben hat und trotzdem alles verändert hat. Also ein bisschen wie Jesus. Ich meine, der hat auch 30 Jahre seines
Lebens irgendwie nichts gemacht. Dann war er zwei, drei Jahre lang aktiv, hat nichts aufgeschrieben. Er hat Stress ohne Grund gemacht. Und hat damit aber ja trotzdem einen extremen Einfluss gehabt auf die Weltgeschichte. Und Luria kam 1571 aus Ägypten nach Saarfeld. Er hat die Jahre in einem intensiven Rückzug am Nilufer vorhergebracht.
quasi der Weise in Einsamkeit und Meditation. Und sein wichtigster Schüler, Jayim Vital, schrieb später in seinem mystischen Tagebuch, dass Luria nicht nur nach Safed, sondern überhaupt in die Welt gekommen sei, um ihn und nur ihn zu unterrichten. Das heißt, wir haben jetzt, wir haben ja auch wieder so eine Paulusartige Figur, die sehr viel danach davon an sich reißt, von der Legitimität und sagt eigentlich, Eigentlich war der Hauptgrund von Lurias Existenz, dass er mich unterrichtet und ich dann euch sagen kann, was Lurias Wahrheiten wirklich waren. Laut Vitals Bericht, der in seinem mystischen Tagebuch zu finden ist, gedruckt als Sefa H. Jeschonoth, das Buch der Visionen, kam Luria nicht nur nach Safed, sondern in die Welt,
um ihn und keinen anderen zu unterrichten. Und dass es unmöglich war, diese Weisheit zu offenbaren, außer durch mich. Dementsprechend gibt es wegen solchen Passagen in der Forschung von Leuten wie Jehuda Liebes und anderen auch eine These dazu, dass die Lurianische Kaballa, wie sie dann entstand, im Kern eigentlich eine Projektion des intensiven persönlichen Verhältnisses zwischen Luria und Vital waren und das persönliche Verhältnis auf so eine kosmische Ebene gespiegelt wird und das eigentlich zur Lurianischen Kaballa führt.
ist ganz lustig für ihn. Also so ein biografischer Mythos in dieser Beziehung zwischen diesen beiden Männern, der zu so einem kosmologischen System erhoben wird. Vital identifizierte Lurias frühen Tod, nur zwei Jahre nach seiner Ankunft in Safed, auch mit einem mythischen Märtypertod, nämlich den des Messias Ben -Joseph, eine Figur, die in der Tradition nach vor dem eigentlichen Messias sterben muss, also Statt wie ich das jetzt auf Jesus zu beziehen, hat er da eben einen anderen jüdischen Referenzpunkt. Und er sah sich selbst eben als Erben dieser Rolle an. Denn nach Lurias Tod stritten seine Schüler auch. Er bittert um die Kontrolle über die Lern. Vitals Hauptkonkurrenten waren Rabbi Joseph Ibn Tawul, ein Ex -Marokkaner,
und Rabbi Israel Savo. Saruk und Vita reagierte mit seinem Text, seinem Star Hitchgarud, einem Vertrag, in dem er alle Mitunterzeichner schwören ließ, nichts von Lurias Lern weiterzugeben, weil sie nicht direkt von Luria gehört hatten, ohne Vitas Erlaubnis. Das heißt, er macht die Kontrolle über die Hadise. über die er kontrolliert, was erzählt werden darf und versucht es sogar mit Verträgen abzusichern, dass er die totale Kontrolle über die Verbreitung der Lurianischen Doktrien hat. Da sehen wir, wie viele persönliche Charaktere und Figuren und wie viele Persönlichkeiten da auch eine Rolle spielen in dieser Prägung dieser Entwicklung. Aber was sind die Ideen die Luria so? entscheidend machen. Warum wurde sich so
darüber gestritten nach seinem Tod und warum ist er so essenziell? Weil diese Ideen sind extrem radikal und bis heute einflussreich auf Theologie, Philosophie und so weiter. Die erste berühmteste Idee von Luria ist das Zimtum, das wir letztes Mal schon erwähnt haben. Das ist eine Erfindung Lurias. Wirklich die Zusammenziehung oder Kontraktion.
Die Frage, die Nuria damit beantworten wollte, war einfach und schwer zugleich. Wenn Gott unendlich ist und alles ausfüllt, wo ist dann Platz für die Welt? Also, ihr versteht den Unterschied zur Auslegung davor bei Cordovero, wo eben alles Gott ist und es keine Frage für Raum dazwischen gibt. Für Luria war das nicht die richtige Antwort oder keine ausreichende. Luria sagt stattdessen Gott zieht sich zusammen oder zog sich zusammen.
Er räumte seinen leeren Raum in der Mitte, seines unendlichen Lichts und Platz für die Schöpfung zu machen. In den Darstellungen Vitals klingt das dann folgendermaßen. Das unendliche Licht des ein Sof räumte einen kreisförmigen zentralen Raum, um Platz zu schaffen für die Existenz der immanierten und später geschaffenen Welten. Diese wurden geformt durch die Einflösung einer dünnen Lichtlinie in den leeren Raum, die dann die anthropomorphe Form annahm, die unter dem halb -zuharischen Begriff Adam -Kadmon, Urmensch, bekannt ist.
Und Vital selbst beschreibt den Prozess in seinem Derdeck ets Chaim mit einer kosmischen Poesie, die so ein bisschen moderne Astrophysik erinnert. Inmitten all dieser kreisförmigen Emanation erstreckt sich Licht durch eine gerade Linie. Und dieser Aspekt ist in der Thora als das Bild Gottes bekannt. Und Wisse dass es in dieser Emanation unendliche Welten gibt. Doch nun werden wir ein Detail erläutern, das die gesamte Wirklichkeit dieses Raumes einschließt und von dem sich alle Welten erstrecken. Und das ist die Wirklichkeit des Adam Kadmon. Ja, unendliche Welten, wie bei Star Trek. Kreisförmige Emanation. Ja, da geht's irgendwie... um ein scheinbar multidimensionales Universum, das durch die irgendwie geartelte Selbstbeschränkung einer
unendlichen Kraft entsteht. Und der Zimzum war nur der Anfang. Was danach kam, war eine Katastrophe, nämlich die erste Katastrophe der Geschichte, noch bevor es Geschichte gab. Aus dem Urwesen Adam Kadom strögte Licht das in Gefäße die Sephirot. gefasst werden sollte. Aber etwas ging schief. Das Licht war zu stark, die Gefäße zu schwach.
Und deswegen zerbrachen sie. Luria nennt dieses Ereignis Chevirat Hakelim, das Zerbrechen der Gefäße. Und in seiner Darstellung, die sich auf die Idrot -Abschnitte des Sohar stützt, ist das eine kosmische Urkatastrophe. Wir sehen, das ist so eine Art Deutung der Sohar und Einordnung. der suharischen Nachrichten, die wir hier sehen.
In diesem Urdrama war ein Teil des Lichts, das vom Gesicht des Adam -Katmon ausgestrahlt wurde, zu mächtig für die aufnehmenden Gefäße der Sifirot, oder alternativ waren die Gefäße selbst nicht haltbar genug. Infolgedessen zog sich das Licht zurück, während die meisten Gefäße aus dem Bereich der Göttlichkeit in die drei geschaffenen Welten fielen. Ja, das Ergebnis sind eben göttliche Funken, Fragmente des zerbrochenen Lichts, zerstreut durch das gesamte Universum, quasi überall in der Materie, in der Natur, in den Tieren, in den Menschen und auch in den dunkelsten Orten der Schöpfung. Die Welt, wie wir sie kennen, ist das Trümmerfeld einer kosmischen Explosion.
Das zeigt ganz gut den Bruch im Weltbild, sage ich mal, zwischen Cordovero und Luria. Es zeigt sich hier, dass während für Cordovero Konnektivität der organisierende Leitgedanke ist, es für Luria der des Bruchs ist. Also Cordovero ist auf jeden Fall, hat in einem harmonischen Universum gelebt, in dem alles mit allem verbunden ist. und hatte wahrscheinlich eine ganz gute Zeit beim Rumwandern dort. Und Luria auf der anderen Seite sah eben ein zerbrochenes Universum, das geheilt werden muss. Und diese Heilung ist die dritte und vielleicht wichtigste lurianische Idee für die moderne Kaballa.
Vithals eigene Beschreibung der irdischen Welt nach dem Zerbrechen der Gefäße ist ein... ja... ein Leben in der Dunkelheit, was ein bisschen an Knostizismus erinnert. Zitat, diese Erde ist die äußerste Verdichtung der unreinen Schalen und daher sind alle Geschehnisse dieser Welt schwierig und schlecht und die Bösen herrschen in ihr. Die Kabbala nach Luria ist keine Wohlfühlspiritualität, sondern die beginnt mit der Diagnose des kosmischen Desasters, in dem wir uns alle befinden und mit einer Erklärung dafür, wie wir hier gelandet sind in dieser Welt voller Schlechtigkeit, weil es ist natürlich aus einem Fehler geborenes Chaos, in dem wir stecken. Und wenn man jetzt in dieser Welt, in diesem lorianischen Trümmerfeld ist,
was muss man tun? Und die Antwort von Luria ist eben das Tikun. Die Reparatur, die Heilung, die Wiederherstellung, die Aufgabe des Menschen, jedes einzelnen Menschen und jeder einzelnen Handlung vor allem auch, ist es, die zerstreuten göttlichen Funken zu sammeln, zu erheben und an ihren ursprünglichen Ort zurückzubringen.
Jedes Gebet, jedes Ritual, jede ethische Tat, sogar bewusstes Essen und Trinken können dementsprechend auch ein Akt des Tikkun sein. Und das zentrale Werkzeug dafür sind die Kavanot, ausgefeilte meditierte Intentionen, die jede einzelne Handlung mit einer kosmischen Bedeutung aufladen. Das heißt, man macht nichts mehr ohne diesen kosmischen Hintergedanken. Und Luria -System, der Kamerad war aber nicht einfach, sondern von so einer Komplexität, dass sie mich auf jeden Fall überforderten und auch erfahrene Kaballisten überforderten.
Luria's System ist wohl eine der kompliziertesten und schwierigsten Strukturen in der mystischen Literatur überhaupt. Tatsächlich bestand, wie Charles Mobsig feststellte, die eine große Veränderung, die die Safeda Kabbala herbeiführte, in einem Sprung in der schieren Komplexität des kabbalistischen Systems. Plexität gab es auch eine zutiefst persönliche Dimension. Luria lehrte, dass jeder Mensch eine individuelle Seelenwurzel hat und dass diese spezifische Form des Tickhund, die er leisten muss, davon abhängt, wo seine Seele im kosmischen Gefüge verankert ist. Und diese Seelenwurzeln konnte er auch diagnostizieren. Achtung, durch Techniken, Impulsabnahme und Gesichtslesen. Und jetzt sind wir wieder im Bereich der Physiognomie.
Und Luria, guck dich an, fühl deinen Puls und sag, ja, Junge, deine Seelenwurzel, die hängt aber ganz tief in dem und dem Sefirot. Genau. Also die Gesichtslesekunde. Metaposkopie klingt so superwissenschaftlich, ist aber einfach nur, ich guck dir ins Gesicht und denk mir, was für ein Mensch du bist, wie deine Seele wohl aussieht.
1572 starb Luria dann, wie erwähnt, schon mit 38 Jahren und sehr schnell nach seiner Ankunft in Safed. Sein messianisches Projekt war gescheitert, bevor es richtig begonnen konnte. er richtig beginnen konnte. Die Legenden seiner Schüler schrieben seinen Tod den internen Rivalitäten und Spannungen innerhalb des Kreises zu. Jeder hat auf den anderen gezeigt und gesagt, du hast den Meister so sehr gestresst, dass er gestorben ist. Wärst du nicht so nervig gewesen, wäre er noch am Leben. Aber das Vermächtnis dieser Ideen von Nuria war tatsächlich recht unaufhaltsam.
Chaim Vital verbrachte Jahrzehnte damit Lurias Lehren niederzuschreiben und zu systematisieren und wahrscheinlich auch abzuändern, wenn wir ehrlich sind. Und während er gleichzeitig mit aller Kraft versuchte zu verhindern, dass irgendjemand anderes sie verbreitete. In der Einleitung zu seinem Hauptwerk Derek Ezraim entwarf er eine Gegengeschichte der gesamten Kaballa, in der er praktisch alle früheren Kabalisten als Stümper abqualifizierte, was eine starke Leistung ist, wenn man sich auf so eine lange Tradition stützt.
Und jeder der bekannten Weisen dieser Weisheit würde sie in größter Heimlichkeit studieren, und sie nur dem einen Schüler seiner Generation offenbaren, und auch dies nur in Kapitelüberschriften, von Mund zu Mund, eine Handbreit entfüllend und tausendverbergend. Und diese Weisheit verfiel stetig von Generation zu Generation bis zu Nachmanides, dem letzten der wahren Kabbalisten. Nun kommen alle Bücher der späteren Kabbalisten, die nach Nachmanides kamen, nicht an jene heran, denn von Nachmanides an war der Weg dieser Weisheit vor den Augen aller Weisen verborgen. Und ihr selbst könnt erkennen, dass der scharfsinnige Schüler die meisten ihrer Einleitungen und Grundsätze vier oder fünf Tagen erfassen und kennen kann.
Und die meisten ihrer Aussprüche sind Wiederholungen in anderen Worten, und die gesamte Frucht ihrer Einleitungen besteht darin, dass es zehn Sephirot gibt. Und sie häuften Bücher über diese Angelegenheit an, die sich in zwei oder drei Abhandlungen zusammenfassen ließen. Also ganz schön brutal hier zu sagen.
Die ganzen Jahrhunderte der Tradition von mir, das kann man alles in 4 -5 Tagen überblicken. Das ist eigentlich alles nur die Wiederholung des gleichen Quatsches. Und eigentlich hat niemand sich was Neues überlegt, seit Nachmanitas bis wir jetzt kommen. Bis ich jetzt komme. Ich, der einzige Vital, durch den Lurias Weisheit fließen kann. Schon ein ganz schönes Ego. Ja. Und nur Lurias Offenbarung natürlich Offizielle Version vermittelt durch Vital ist eben die wahre Beisheit.
Und trotz Vitals Geheimhaltungspolitik wurde Lurias Lehre rasch verbreitet, vor allem durch seine Rivalen und seinen Hauptrivalen Israel Saruk, der durch Norditalien und Mitteleuropa reiste und seine eigene Version der Lurianischen Lehre verbreitete. Sarruks Übertragen unterschied sich in wesentlichen Punkten von Vitals Version und wurde im Nahen Osten mit großem Misstrauen betrachtet, dominierte aber paradoxerweise die europäische Kaballa, auch die christliche, weil er eben dort missioniert hat, wo Vital nicht war. Der Alltag in Saftet zu dieser Zeit. Das darf man sich nicht wie so eine ruhige Philosophieschule vorstellen, sondern das war eine Stadt, in der mystisch gelebt wurde. Tagsüber, nachts, obsessiv,
allezeit. Die berühmteste Praxis war der Tikkun Chatzot, die Rektifizierung um Mitternacht. Die Kabbalisten erhoben sich um Mitternacht, streuten sich Asche auf die Stirn, rieben sich die Augen mit Staub ein, als Zeichen der Identifikation mit der trauernden Schechina. Dann beteten sie, weinten und traten in eine zweite, freudvolle Phase ein danach, die erotische Vorbereitung der Schechina auf ihre Vereinigung mit den oberen Sefirot. Rabbi Abraham Halevi Berukim, ein Schüler Lurias, trieb diese Praxis ins Extreme. Jede Nacht würde er um Mitternacht aufstehen und durch alle Straßen gehen, seine Stimme erheben und bitter rufen. Erhebt euch, denn die Schichina ist im Exil. Und er rief jeden Gelehrten bei
seinem Namen und ging nicht weg, bis er sah, dass dieser sein Bett verlassen hatte. Innerhalb einer Stunde war die Stadt erfüllt vom Klang des Studierens. Ja, auf jeden Fall ein nerviger Nachbar. Vor jeder Nacht läuft einer rum und brüllt die Leute an, bis sie aus dem Bett fallen. Und dann ist die ganze Stadt um Mitternacht wach und muss sich mit Staub einreiben und auf die Vereinigung Gottes vorbereiten. Wann hat Gott Sex, wenn nicht nachts? Elliot Horowitz hat die These aufgestellt, dass Safvets nächtliche Hyperaktivität mit einem konkreten neuen Stimulanten zu der Zeit zusammenhängt, nämlich mit Kaffee. Rabi Badbass, Lurjas Lehrer erwähnte Kaffee wohlwollend und um 1580 gab es in Safed bereits ein Kaffeehaus.
Die mystische Revolution war also möglicherweise von unreguliertem Koffeinenkonsum befeuert. Ihr könnt euch die alle so ein bisschen vorstellen wie die 15 -jährigen die nachts mit den Monster White Energy an der Bushaltestelle rumhängen und immer nicht schlafen können und sich wundern warum sie noch so fit sind nach der dritten Dose.
Da glaube ich nach drei Monster Energy hat man auch mystische Erfahrungen und sieht auf jeden Fall das Wesen Gottes. Irgendwas sieht man da. Ein bisschen zu viel von Trinkt auf jeden Fall. Und das ist ganz lustige Gemeinsamkeit. Also der deutsche Idealismus wäre wahrscheinlich so in seiner Form auch nicht möglich gewesen, wenn man den Deutschen keinen Kaffee gegeben hätte.
Und man hätte da tatsächlich philosophisch viel vermeiden können, indem man den Deutschen Kaffee verweigert. Da ist relativ viel passiert. Deswegen auch, weil ja... Menschen, die sich selber keine Freuden erlauben und dann den ganzen Tag Kaffee saufen und nicht schlafen können, ist eine gefährliche Mischung. Da bekriegt man entweder Kabbala oder deutschen Idealismus am Ende. Und Hegel's Weltgeist ist da bestimmt auch in so einer Session mal entstanden. Und neben dem Tikun Khatsot war Safed eine Stadt der Geister. Der Kontakt mit den Seelen der Verstorbenen war alltäglich. An Gräbern, in Träumen, durch Techniken der Impregnierung, Ibuar, bei der die Seele eines Toten Gerechten vorübergehend in einen lebenden Menschen eintritt.
Ein ganz normaler Alltag. Ravi Moshe als Scheich beschrieb Safel treffend als die Stadt der begrabenen Toten oder der ausgegrabenen. Die Kierseite war die Besessenheit durch böse Geister. Der Dybbuk, den hat man vielleicht schon mal gehört. Frauen waren besonders häufig betreten. häufig in Verbindung in Anschuldigungen mit sexuellem Fehlverhalten.
Und männliche Kabalisten führten Exorzismen durch. Und das sind wir jetzt in einem Medieu, das sich extrem an unserer Hexenverfolgung anhört. Zu solchen, zu den Vampiren, an all diese Themen. Das finden wir hier in diesem Kontext halt auch. Und wenn das jetzt hier jemand, der ... Lies, der irgendwas mit Hexenverfolgung zu tun hatte, und sagt, guck mal, die Juden machen das doch wirklich. Die werden wirklich vom Debug besessen.
Das sagen die doch selber. Die machen doch selber Exorzismus. Also da sehen wir, dass das kein rein christliches Phänomen war, diese Art zu denken. Vor allem, wenn man an einem Ort lebt, wo man die ganze Zeit versucht, Kontakt zu den Toten aufzunehmen. J. Chayes argumentiert hat, lässt sich hier der Einfluss des iberischen Ursprungs, sowohl des jüdischen als auch des allgemeinen, eines großen Teils der Safeda -mystischen Kultur erkennen. Also hier wird argumentiert, dass das einfach der, das sind Sachen, die haben die Spanier gelernt. Da haben wir schon auch schon Hexen, oder? Da wurde man auch schon entsprechend verfolgen.
Es gab Volksglauben und Ängste, die so in diese Richtung gingen und das wurde dann ein bisschen reimportiert. und auf einmal hast du spanische Hexenverfolgung oder spanische Anmutung der Exorzismen auf einer galilärischen Hochebene praktiziert von den vertriebenen Juden. Und in der Hinsicht war Luria auch selbst sehr widersprüchlich erlehnte praktische Kaballer, also Magie ausdrücklich ab, aber sein Schüler Vital keine solchen Hemmungen und kompilierte magische und alchemistische Techniken, darunter Beschwörung auf türkische und europäische Sprachen und konsultierte arabische Magie -Praktiker seiner Zeit. Bei Vital verschwimmt die Grenze zwischen Mystik und Magie dann zunehmend und auch generell in Safed. Wir sehen, dass dann
auch wieder da die lokalen Einflüsse reinkommen. Und man so eine ganz spannende Gemengelage hat, wie sehr will jetzt jemand dieses dieses Weltbild wissen, um die aktuelle Welt zu verändern und inwiefern wieder nur die Wiedervereinigung Gottes verantraten. Zwei Seiten der gleichen Medaille auf eine Art und Weise auch. Und trotz Vitals Geheimhaltungsversuchen, wie erwähnt, verbreitete sich die Lehre wie ein Lauffeuer. Und das war auch, wie gab es formuliert, ein Zusammenspiel von verschiedenen Faktoren. Es war diese einzigartige Kombination von komplexem, detailliertem und oft gut organisiertem Wissen mit leidenschaftlichem, ecstatischem, poetischem und musikalischem Ausdruck, die den Weg bereitete für das Eindringen Saarfeder
Denkens und Praxis in zahlreiche Bereiche des jüdischen Denkens und Demens bis 1700. Und der eben erwähnte Konkurrent Israel Saruk, der das Ganze dann nach Europa trug, verbreitete seine eigene Lehre, die dann eben wichtig für die christlichen Kabbalisten wie Alchemisten und Okultisten wurden. In Italien fand auch die Kabbala Cordoveros zahlreiche Anhänger und wir sehen, dass da diese Ideen sich parallel verbreiten und existieren. Und wenn du jetzt sagst, okay, da hat sich jemand mit Kabbala im 16. Jahrhundert beschäftigt, ist halt die große Frage ja, mit welcher Kabbalat? Mit was für einem Weltbild? Das ist ein komplett anderes Weltbild, ob du Cordoveros -Kabbala studierst oder die von Saruk oder von Vital mit Bezug auf
Luria. Einer der bedeutendsten, die Cordovero dann in Italien verbreiteten, war Rabbi Mordechai Datto. Dichter und Prediger, der 1560 ein Jahr in Safed verbracht hat, ja auch persönlich, als so eine Art Pilgerort. Er hegte sehr apokalyptische Erwartungen, das Jahr 1575 sollte die Erlösung bringen. Zugleich gab er zu, dass diese Vorhersage durch sein mächtiges Verlangen die Erlösung näherzubringen gefärbt sein könnte, was nicht bemerkenswert ist. Selbstreflektion für den Apokalyptiker ist, die fehlt den meisten Apokalyptikern. In Polen Littauen vollzog sich in der Zeit auch eine massive Popularisierung. Die Lurianische Kaballa, durch Drogen von den Lehren von Saruk auch, wurde immer mehr Teil der Predigtliteratur, die ethische
Literatur, Musa und des Alltagslebens. Die jüdischen Massen geschaffen durch die demografische Explosion in Osteuropa in Polen -Littauen im 16. und 17. Jahrhundert. wurden zu dem, was Garb theurgische Hilfskräfte nennt, ihre Gebete, auch wenn sie die geheimen Kavanot nicht kannten, also diese geheimen Wurzeln der Seele, verbanden sich mit denen der Kabbalisten. Und durch diese Popularisierung in Osteuropa und in den Kreisen der Ashkenazi, das ist quasi der Punkt, wo die Kabbala in Osteuropa dann tatsächlich im großen Maßstab ankommt und auch weitergehende Verbreitung in den Ja, wie gesagt, in den Standardliteraturen der Religion findet. So schreibt Rabbi Yehuda HaKohen in seiner Zusammenstellung safädischer nächtlicher Rituale,
dass das Gebet derer, die die richtige Kawana nicht kennen, sich mit dem der Kabbalisten verbindet, sodass sie als eins gebunden sind. Also so eine Art demokratischer Impuls. Jeder kann zum kosmischen Reparaturprojekt beitragen, auch ohne die technischen Details zu kennen und die komplexen Ideen Lurias nach vollziehen zu müssen. Die Elite in Safed und woanders die Kabbalistische meditiert, die Massen beten und beides wirkt zusammen. Und damit kommen wir eigentlich schon zum Ende unserer Betrachtung von Safed, weil die Blütezeit doch recht kurz war. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts setzten wirtschaftlicher und demografischer Niedergang ein. Die Stadt schrumpft auf ein Zehntel ihrer früheren Größe. Aber die Ideen, die dort entstanden
waren, lebten eben weiter und wurden dann zunehmend zu einer Krise, die das ganze Judentum erschüttern sollte. Denn wenn die Welt ein Trümmerfeld ist und wenn göttliche Funken überall verstreut liegen, Wenn der Tikkun das eigentliche Ziel der Geschichte ist, dann lag eine Frage in der Luft, nämlich wann kommt endlich der Messias? Wann ist die Reparatur vollendet? Wie reparieren wir das?
Und im Dezember 1665 schrieb Henry Oldenburg, Sekretär der Royal Society in London, an den wir schon erwähnten berühmten Baruch Spinoza. Was die Politik betrifft, so gibt es überall hier ein Gerücht über die Rückkehr der Juden. die seit mehr als 2000 Jahren zerstreut sind in ihr Heimatland. Möge es euch gefallen, einem Freund mitzuteilen, was ihr über diese Angelegenheit gehört habt und was ihr davon haltet. Sollten sich die Nachrichten als wahr erweisen, wird das sicherlich einen Umsturz von allem in der Welt herbeiführen. Ja, diese Nachrichten von den Oldenburg, da sprach betroffen, einen Mann namens Shabbatai Zwi. einen Osmanischen Juden, der sich zum Messias erklärt hatte. Und hunderttausende
Juden in der gesamten Welt glaubten ihm. Es war, wie Garp nach Scholem zitiert, die größte folgenreichste messianische Bewegung seit der Bar Kochbabe wollte und die erste soziale Massenbewegung, die aus kabbalistischen Doktrinen und Visionen hervorging. Wir sehen jetzt, wie diese Ideen aus dem esoterisch theologischen Rahmen ausbrechen und anfangen die Leben von Hunderttausenden zu beeinflussen.
Die sabbatianische Bewegung, die Theologie dahinter, ihre Heresien, ihre Konversion zum Islam und ihre jahrhundertelangen Nachwirkungen werden uns in der nächsten Folge beschäftigen. Bis hierhin heute. Ich hoffe, ihr fandet es interessant. Ihr werdet uns auch weiter auf dieser Reise durch die Geschichte der Kaballa folgen. Nächstes Mal wird es crazy. So viel kann ich schon dazu sagen.
Es wird wirklich crazy. Und wie gesagt, wir hören uns in zwei Wochen dann mit dem nächsten Teil. Schreibt gerne rein, was euch zu kurz gekommen ist, ob ihr noch Fragen habt, was wir mehr behandeln sollen. Die Frankisten wurden in einem Kommentar schon erwähnt, dass wir darauf das auch noch mal eine Folge machen müssen. Das wäre dann quasi in Folge an die Tabateis -Zwiefolge. Da müssen wir mal schauen, wie die ja genau ablaufen wird.
Aber ich bin ganz optimistisch, dass es gut wird. Wir bedanken uns bei unseren Unterstützerinnen und Unterstützern auf Patreon. Wenn ihr da dazukommen wollt, macht es sehr gerne. Wir freuen uns über alle. Fernando, Brigitte, Petrosilius Zwakelmann, Spinoza369, Sylvie, Die Schmaus, Tamaro, Hermikrobi, Sinetreglöf, Muttis Moppel der Madin und Panotis Schiapodus. Vielen lieben Dank und bis bald.
Bis bald.